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Freitag, 20. Oktober 2017

Rechts wählen, aber links gestreichelt werden

Der wahltechnische Erfolg von Sebastian Kurz hat recht plausibel - auch - einen leicht einsehbaren Grund. Ein Kommentator nannte ihn kürzlich. Dieser da meinte, daß in Kurz zwar die ehedem "rechten" (von der linken als rechtsradikal verworfenen) Inhalte zur Wahl gestanden hätten, aber in seiner Person, noch dazu als Obmann der alles andere als radikalen ÖVP, nicht die Gefaht bestand, derselben Schmähung ausgesetzt zu sein, wie sie den sogenannten "Rechten" und "Nazis" widerfährt. 

Wer Kurz wählte, konnte also rechts wählen, ohne als Nazi diffamiert zu werden. Die von ihm prononcierten Inhalte waren gleich, aber man blieb politically correct, blieb anerkannt, etabliert. 

Manche meinen deshalb, daß Kurz ein erstes erfolgreiches Testbeispiel der Linken dafür ist, wie man "die Rechten" abfängt. Man verkündet einfach deren Schlagworte, biegt sie realpolitisch aber dann sanft wieder um. Sebastian Kurz wäre dann nur ein geschickt eingeführtes Ventil, denn eigentlich sei an Kurz nichts "rechts", sondern er war und ist immer einer der vielen links weichgespülten "Pseudo-Konservativen". Daher rühre auch sein oft und oft von ihm selbst betontes Naheverhältnis zu Alexander van der Bellen, dem österreichischen Bundespräsidenten und Paradelinken. 

Dann wäre alles nur ein geschicktes, wahltaktisches Täuschungsmanöver des ehemaligen "Intregrationsministers" gewesen, das für die Linke die Gelegenheit bot, so manches tatsächlich Unhaltbare, vor allem Widersprüchliche, in das man hineingetappt war, zu korrigieren? Man hätte dann wenigstens Zeit gewonnen, um noch mehr Tatsachen zu schaffen, die in Alternativlosigkeiten mündeten. Denn immerhin war es die ÖVP, also die Kurz-Partei, die Jahrzehnte die linke Migrationspolitik gefördert (und finanziert) hatte, nun aber so einmütig hinter diesem neuen Kurs zu stehen vorgibt. Denn wenn es einen Interessenten an der rationalistischen Spielerei von "notwendiger Einwanderung" gibt, dann ist es die kapitalistische Industrie. Denn es ist der Kapitalismus, der an die Technifizierung des Menschen glaubt. Die ÖVP ist aber (in einem gigantischen Etikettenschwindel) seit Jahrzehnten deren Hampelmann!

Immerhin ergaben ja Wähleranalysen, daß die Österreicher die Person Kurz gewählt, aber den Inhalten der FPÖ zugestimmt hätten. Das Wahlprogramm der Kurz-ÖVP war auch zu offensichtlich dem der "rechtsradikalen" FPÖ angeglichen. Deren Obmann, Heinz Christian. Strache, man aber nur wenig (offiziell) zustimme. Kurz könnte also mit seinen "Reformen" nichts anderes meinen als technizistische Umgestaltung - unter dem Deckmantel konservativer Werte. Nicht zufällig hat ihn der steirische Obmann der ÖVP so ausgenommen gelobt. Die Steiermark ist ein gutes Beispiel für "Reformen", die im Grunde lebens- weil vor allem geistfeindlicher Technizismus bedeuten.

Und das geht noch leichter, wenn man die Themen einschränkt, und das ist in Österreich passiert. Sodaß die Wahl des Parlaments zu einer einzigen Fragestellung "Massen- und illegale Migration ja oder nein" wurde! Aber ist das wirklich (noch) das entscheidende Thema? Sind azu nicht längst alle Weichen gestellt, sodaß wir hier vor ganz anderren Fragen stehen? Wer glaubt denn wirklich, daß hunderttausende Illegale rein praktisch "abgeschoben" werden können? Wer glaubt denn wirklich, daß die fast 10 % Muslime in Österreich NICHT gesellschaftspolitischer Faktor geworden sind? Was ist daran noch rückgängig zu machen? Nichts! War das also nicht ein Scheinthema, das die Rechte noch dazu so bereitwillig als Stöckchen zugeworfen hat? Muß man nicht ganz andere Fragen stellen? 

Beweist nicht gerade Macron in Frankreich, wie man Kapitals-Knecht sein kann, und doch die Rechte durch Themenwahl ("Migrationsbeschränkung", "scharfes Durchgreifen") irritieren kann? Eidechsentaktik also. Man läßt alle mit dem abgeworfenen Schwanz spielen, während die Echse längst um alle Ecken ist.

Wollen wir uns durch einem Punkt trösten. Immerhin hat Kurz - und/oder seine Ratgeber - begriffen, daß auch in der Demokratie Personen gewählt werden, NICHT Inhalte. (Und anders kann sie gar nicht funktionieren: nichts hat das monarchische Prinzip derartig auf die Spitze getrieben wie die Demokratie.) Inhalte können nur belegen, bekräftigen, aber sie tragen in der Massendemokratie nicht. Wer an die Kraft der Inhalte glaubt hat einfach einen schweren Denk-, noch wahrscheinlicher aber: einen Charakterfehler.

Man wird sehen. Immerhin haben die nunmehr geschaffenen Fakten - als Druck der Wähler, der ausgedrückten Volksmeinung, selbst wenn die sachliche Basis zu dieser Frage eine einzige Täuschung war - auch eine normierende, bindende Kraft. Man wird aber auch sehen, wie Kurz diese Wählertäuschung übertünchen wird können. Denn hier stößt er an natürliche Grenzen: Man kann das Volk nicht auf Dauer täuschen.

Vielleicht hat also das österreichische Volk aber einen ganz schweren Fehler gemacht. Gewißheit kann aber sein: Er würde zurückschlagen. Und zwar überproportional. Aber auch darin wäre was derzeit in Österreich passiet nur typisch für die Politik. Deren einziges Paradigma heute ist: Zeitgewinn.


***

Nachtrag: Eine wirklich köstliche, enorm spitzfindige Kolumne fand sich dieser Tage in der Kronen Zeitung. Eine gewisse Katia Wagner (mit dem VdZ weder verwandt oder verschwägert) zeigt hier, mit welcher Lächerlichkeit sich die linke Reichshälfte Österreichs derzeit bekleckert. Und wie die Grünen - gut, einverstanden, wer grün wählt ist zum einen ein bösartiger Charakter, zum anderen und daraus folgend ein dummer Mensch - an der Nase herumgeführt worden waren. 

Denn die SPÖ hatte mit dem Slogan geworben, fast panisch damit geworben, der VdZ hat es in Wien selbst gesehen, er war zufällig mal wieder dort, (und sich so nebenbei gedacht, daß die FPÖ dort nicht viel reißen wird, denn deren Wahlwerbung in Wien war in den Tagen vor der Wahl zwar enorm dicht, aber einfach schwach; und genau so schlug es sich im Endergebnis nieder: die FPÖ verlor in Wien wieder ihren Aufwärtsdrall der vorjährigen Gemeinderatswahlen; wobei der VdZ gleich dazusagt, daß er sich traditionell an Wahlen von Parteien NICHT beteiligt) daß die Grünen Rot wählen sollten, um die FPÖ zu verhindern. Denn das war nach dem "Watergate" rund um den Israeli Silberstein als Wahlkampfass auch bitter notwendig, die Prognosen waren schon auf 20 % gefallen!

Und die Grünen haben das gemacht! Wählerstromanalysern ergeben eindeutig, daß MEHR ehemalige Grünwähler die SPÖ IN WIEN gewählt haben, als insgesamt die Grünen. Die 9 %, die sie verloren haben, womit sie die Mindestgrenze nicht mehr übersprungen haben, enthalten jene 6 %, die an die Roten gewandert sind. (Den Rest verloren sie an einen ihrer früheren Leitfiguren, den sie - ein Mann, igitt! für eine Lesbenpartei?! - glatt rausgebisen hatten, woraufhin der eine eigene Partei gründete, bei der Wahl antrat, und prompt ... mit 8 Sitzen ins Parlament einziehen wird.)

Sodaß die GrünInnen folgerichtig aus dem Parlament am Wiener Ring geflogen sind. Nebenbei mit vielen Millionen Schulden, auf denen sie nun sitzen, denn sie haben einen äußerst üppigen Wahlkampf (wofür? der VdZ weiß es nicht; für den Klimawandel? oder die ewig armen Lesben an die Macht? keine Ahnung) geführt, und insgesamt - man begreife das Ausmaß an linkszerstörerischer Agitation, das davon ausging! - 115 Menschen, die im Parlamentsklub der Grünen (incl. Abgeordnete) ANGESTELLT waren, "arbeitslos" macht.  Die nun dort natürlich die Büros räumen müssen.

Was passiert aber jetzt? Die Roten (SPÖ) spüren plötzlich "Verantwortung" - und kokettieren mit einer Koalition mit der ... ja, tatsächlich, mit der ehedem als zu verhindernden weil rechtsradikalen FPÖ! (An die die SPÖ im übrigen hunderttausende Stimmen verloren hat, erstmals ist sogar die FPÖ stimmenmäßig im Arbeitermilieu - im Arbeitermilieu! - VOR den Roten!) Um so die Schwarzen erstens abzufangen, um so aber vor allem ihre Pfründe zu sichern. Mit einem Parteivorsitzenden, der sich glatt als "Unternehmer" aufspielt, und dabei eine Bilderbuchkarriere im geschützten (roten) Bereich hinter sich hat, und als ÖBB-Sanierungsprofi eine Kapitalismushärte bewiesen hat, die sehenswert ist. Und er sich nun als "Sieger" feiern läßt, allen Ernstes!

Tja, für die Grünwähler gilt wohl: Dumm gelaufen. Aber keine Angst, ein gewisser Anteil an Irrationalität, Charakterdesaster und Lächerlichkeit bleibt der österreichischen Volksvertretung erhalten. Immerhin sind die "Liberalen" (NEOS) ebenfalls im Parlament. Sie werden halt nur den Grünen die letzten 3 % auch noch abspenstig machen, denn links uind dumm genug sind sie ja.





*161017*

Es ist in Wahrheit eine Atombombe (2)

Teil 2)





Damit entzieht sich die Religion (so wie jede Religion) der humanen Vernunftfähigkeit. Sie baut eine letztlich unüberbrückbare Kluft zwischen dem Wesen des Menschen und dem Wesen Gottes. Gnade und Erlösung, Heil wird zur rein willkürlichen Handlung Gottes, der sich der Mensch aber aus eigener Vernunft - und damit aus Sachgerechtheit des Handelns und Denkens - niemals nähern kann. Aus der Vernunftbegründetheit des Katholischen Glaubens (der die Philosophie immer als "ancilla", als Magd bezeichnete, WEIL sie jenes Instrument ist, aus dem der Mensch die Vernunft Gottes zumindest annähernd erkennen kann) fällt, und durch ein fideistisches, also nur im Willen zu glaubendes Gebäude ersetzt wird. Das letztlich nur durch Priester, vor allem aber durch eine die wörtlich zu nehmende (damit niemals im Ganzen zu lesende wie zu verstehende) Heilige Schrift (dort der Koran, hier die Bibel) verstanden und erkannt werden kann.

Wer bisher den Willen Gottes kennenlernen wollte, der mußte sich primär um die Sachverhalte kümmern. Daraufhin mußte er sich transzendieren, denn in ihnen lag der Wille Gottes verborgen und darin war er erkennbar. Wer fortan aber den Willen Gottes kennenlernen möchte, der kann sich nur noch an Gebote und vor allem Moralgebote halten, die aber keine logische Fundierung in der Sache mehr haben. Die Folge ist natürlich ein immer vielfältigeres Interpretieren, wie wir es ja im Islam genauso haben, wie es im Protestantismus (mit seinen unzähligen Kirchen, ja letztlich: so vielen Kirchen, wie es Protestanten gibt) bereits der Fall ist. Es ist ein völlig anderer Glaube, als ihn die Kirche über 2000 Jahre pflegte weil hatte. 

Dagegen wird kaum zu argumentieren sein, und auch das zeigt sich ja längst und allerorten: Denn wer einmal den logos, die Vernunfthaftigkeit außer Kraft setzt, ist durch Logik nicht mehr zu überwinden. Sondern nur noch durch Konzepte der moralischen Gutheit. 

Wenn also in Amoris Laetitia die Ehe aus ihrem anthropologisch-metaphysischen Konzept der Widerspruchsfreiheit herausgerissen wird, weil sie Ehebruch "unter bestimmten Voraussetzungen" sogar für ein Gut heißt, dann bedeutet das nicht einfach einen Einzelfall, sondern die offizielle Beseitigung eines Prinzips, das das tragende Prinzip des Katholischen war. Das nunmehr nicht weiter erläutert, verständlicher, zugänglicher wird, sondern überhaupt nicht mhr anders verstehbar als sich eben diese neuen Religionsdefinitionen verstehen: Als Willkürakt Gottes, und damit als Willkürakt des Menschen.

Wer das möchte, wer das tut, beweist aber vor allem eines: Daß er das Wesen des Katholischen überhaupt nicht verstanden hat. Damit aber liegt die Erkenntnis nahe, daß er auch nicht glaubt. Weil aber Glaube eine Gnade ist, vom Menschen also nicht "gemacht" (oder vorgestellt), höchstens gewünscht werden kann, weil aber Glaube ein Licht ist, das erst ein Erkennen des logos möglich macht (weil nur im logos auch die Logik atmet), kann eine Diskussion mit Nicht-Glaubenden nur bis zu einer gewissen Grenze geführt werden. 

Dort kann sie nur - im guten Willen - eine Türschwelle bedeuten, deren Tür sich nur dem Getauften und nur in der Gnade (also ohne schwere Sünde, die ja ein Naturverstoß, die immer eine Irrationalität ist) öffnet . Denn dann kann logischer Disput nur vorbereiten, er kann aber nicht endgültig "klären". Das zu glauben bliebe ja dem Rationalismus vorbehalten. Denn der Glaube, die Gnade des Glaubens ist zuallererst ein Licht, und es ist ein Licht des logos, der Vernunft also, die Widersprüchlichkeit ausschließt, die letztlich also immer auch logisch bleibt.

Aber damit wird noch eine Wahrheit deutlich, und sie ist eine unangenehme Wahrheit, zumindest für manche: Daß nämlich die Sünde es ist, die dieses "Katholische", diesen logos nicht begreifen läßt. Und daß nur die Sünde es ist, die sein Aufbrechen, das Zulassen des Widerspruchs - die Erlösung trotz des objektiven Widerspruchs zur Heiligkeit - verlangt. Und deshalb eine Täuschung inszenieren möchte.

Wenn sich aber vielerorts auch in der Katholischen Kirche (eine Tautologie) das zeigt, was man Ökumenismus nennt, wenn sich ein Verstehen des Islam zeigt, ja der Wille, ihn quasi gleichzusetzen, so zeigt sich darin aber auch, daß bereits von einem Verstehen ausgegangen wird, dem die Gleichförmigkeit mit dem logos fehlt. Denn nur wenn man aus denselben anti-logos-Haltungen des Islam (und aller übrigen Religionen) heraus denkt, fühlt, "glaubt", kann einem dieser prinzipiell Unterschied nicht mehr in seiner enormen Bedeutung aufscheinen. Weil er dem katholischen Glauben fundamental widerspricht.  

Eine angebliche Unbedeutendheit auf ein paar mengenmäßig geringe Zeilen zu berufen wiederum wäre eine wirkliche Katastrophe, die die Kirche in eine Verwirrung stürzen muß, die sich durch fallweise schon widersprüchliche Moralurteile von Bischöfen nur leise andeutet. Auch im Koran (und wer weiß noch wo) steht vieles, das "nicht falsch" ist, nimmt man es nur für sich. Aber so kann man dem Katholischen Glauben niemals gerecht werden. So wird man nicht einmal dem Islam gerecht.





*071017*

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Es ist in Wahrheit eine Atombombe (1)

In dem, was in Amoris Laetitia vorbereitet ist, steckt eine wahre Atombombe. Die in den Prinzipien steckt, die sich darin zeigen. Genau übrigens jene Atombombe, die den Islam vor 1000 Jahren zerriß. Damals passierte dasselbe, was heute in der Kirche wie eine "Mode" herumgeistert, und nichts anderes bedeutet als das Aufgreifen einer allgegenwärtigen Tendenz der Gegenwart. 

Die aus dem Rationalismus der Aufklärung heraus (vorbereitet aus dem Mathematizismus des Descartes etc.) zu dem Punkt kam, daß sich die Welt letztlich nicht erklärt, also der zur Ratio erniedrigten Vernunft nicht entspricht. Grund? Weil die Vorstellung von Moral und moralischem Verhalten ein Verhalten fordert, das der Vernunft auch "einmal" widersprechen kann.

Damit wurde schon im Islam eine Überbetonung des Willens, ja Gott wurde auf diesen expliziten Punkt reduziert: Als Willkürgott, als Despot, der von den Menschen fordert, ohne es ihnen begreiflich zu machen, der ein Begreifen verlangt, ohne daß es ein solches gäbe, sondern nur ein Annehmen gibt. 

Daß sich also aus dem Denken Gottes und des Menschen ein Widerspruch ergibt. Der Mensch kann deshalb in seiner Annäherung an Gott nicht weiterkommen, indem er versucht, sein Denken, seine Vernunft zu übernehmen, sondern seine Vernunft ist so verschieden, entfernt von der Gottes, daß er ohnehin niemals Gottes Willen aus Vernunftgründen erschließen kann, sondern lediglich aus Verhaltensgeboten heraus leben kann. 

Diesen Standpunkt hat die Kirche 2013 Jahre lang abgelehnt. Ihn einzunehmen bedeutet eine völlige Uminterpretation des Katholischen, einen Versuch der Neugründung der Kirche. Die in Amoris Laetitia geöffnete Tür betrifft also keineswegs die Ehe und den Ehebruch alleine, sie würde als Prinzip übernommen einen völlig neuen Glauben ergeben. 

Die Wahrheit ist darin nicht mehr das allen aus und in der Vernunft prinzipiell (aber von der Haltung abhängig gewählte, formulierbare) Zugängliche, sodaß sie sich aus der Sachlichkeit ergibt, sodaß Moralität eine Entsprechung mit der Natur ergibt, sondern es ergibt sich aus (subjektiven, zeitbedingten) Moralvorstellungen. Diese setzen dann die Inhalte. Weil diese Inhalte natürlich im historischen Wandel wechseln, müssen sie immer wieder neu definiert werden, wobei ihnen keine strukturelle Wahrheit bleibt, sondern eben nur jeweils eine inhaltliche Richtigkeit. Die mit der Zeit wieder starr wird, also in die jeweilige Zeit hinein wieder neu gefunden werden müssen.

Dem widerspricht die Wahrheit des Katholischen. Das davon ausgeht, daß Gott sich in der Schöpfung selbst erzählt. Weil, so Aristoteles (der bis Averroes/Ibn Rushid ja auch im arabischen Raum eine beträchtliche Rolle spielte), das Gute auch dem Sachgemäßen entspricht. Dieses Sachgemäße ist aber nur in der Geschichte je neu verkleidet, sein Wesen hingegen ist immer gleich. Und es ist der menschlichen Vernunft nicht nur offen, sondern diese formt sich der Sache gemäß. Damit ist das Gute, das zu Tuende, auch in der Sache der Schöpfung eingeschrieben, weil es sie trägt. Dies Wahrheit ist nunmehr Person, ist personal, das heißt daß sie sich nur im (richtigen) Verhältnis zu dieser Person erschließt.

Und - sie braucht dazu die Offenbarung. Sie braucht dazu die reale, historische Gestalt von Jesus Christus, der IN DER KIRCHE (und in bereits eingeschränkterem Maß: als jeweils immer historische, immer dabei reale Kirche, zusammengehalten durch das Blutsband des Gehorsam als Offenheit zur Geformtwerdung) präsent ist. Das die Lage "in a nutshell", in einer Nußschale.

Was im Islam (und in jeder anderen "Religion") aber noch deshalb scheitern muß, weil seine Religion eben NICHT (personal bzw. personell) wahr ist, weil Jesus eben mehr war als "ein Prophet", was also im Islam eine nicht erfüllte Verheißung bleiben MUSZ, wäre und war (und ist) im Christentum (=Katholizismus) erfüllt, durch die Sakramente, im besonderen, am umfassendsten, am kernhaftesten durch das Altarsakrament. Es ist klar, daß ein Abweichen von der Tatsache des Sakraments (wie es dann im Protestantismus passiert, der die Realhaftigkeit rein ins subjektive "Glaubenwollen", eigentlich "Vorstellen" verlegt) auch ein Abweichen von der Wahrheitsoffenheit der Welt nach sich zieht.

Damit MUSZ auch die Vernunft NACH (bzw. in) der Renaissance scheitern. Und zwar auch die ganz reale, alltägliche Vernunft. Ihr fehlt die Fundierung, sie hat als Krücke nur noch die geoffenbarten "Gebote" (so wie die Juden des Alten Testaments). Und daran würde auch die Kirche heute scheitern, wenn sie den sich bereits so massiv - über den Papst - aufbauenden Umdeutung festhielte. Sie würde sich zu einem protestantischen, mit dem Islam im Grunde weitgehend gleichen subjektiven Moralsystem umbauen.

Und das hat sie ja bereits sehr weitgehend gemacht. Nicht in dem, was man als "depositum fidei" bezeichnet, also in dem einen und immer gleichen Glauben, sondern in vielen faktischen Tatsachen und Realitäten, allen voran: der Liturgiereform seit 1970. Während aber diese Reformen (die sich im 2. Vatikanum bereits sehr weitgehend zumindest als Untergrund, als Gestimmtheit vorbereitet finden*) bislang noch zumindest explizit nicht angetastet wurden, scheint sich nun vorzubereiten, dies auch explizit zu machen.

Damit käme die Kirche jenem Schritt des Islam gleich. Der im 11. Jhd. beschloß, die Frustration durch die Vernunft zu beenden, und ein reines Willenssystem vorzuschreiben und zu etablieren. In dem eine Sache sowohl wahr als auch falsch sein könne, sowohl vernünftig als auch widervernünftig, WEIL und WENN es GOTTES WILLEN entspricht.



Morgen Teil 2)



*In Wahrheit muß man ja sagen, daß die Veränderungen, die das 2. Vatikanum (und die ihr im Beiboot folgende Liturgiereform einige Jahre später) im Gesamtverlauf der Kirchengeschichte eine seit 500 Jahren und mehr angelaufene Entwicklung zu ihrer weiteren Konklusion brachten. Wer insbesonders den Kirchenbau ansieht (dieser Spur wird der VdZ noch eingehender folgen, denn er belegt die permanente geistige Entwicklung zur Devastierung heute) - diese steingewordene theologisch-philosophische Entwiclung des Abendlandes - kann nach Meinung des VdZ am besten erkennen,  daß in diesem Sinn das 2. Vatikanum tatsächlich in einer Kontinuitätslinie stand. Und daß der Widerstand dagegen etwas von Themenverfehlung hat, was  nichts daran ändert, daß diese Entwicklung einen Niedergang darstellt. Der sich ja im Niedergang der europäischen Kultur deutlich zeigt. 

Der VdZ wird sich mit diesem Thema an dieser Stelle noch eingehender befassen. Weil er meint, daß der Grund dafür, daß die Kultur- und Kirchenkritik der Gegenwart (auch und vor allem von konservativer Seite) deshalb keine Resonanz findet und seit Jahrzehnten auf der Stelle tritt, weil die das Problem nicht an der Wurzel erkennt. Es geht um Liturgie, ja, aber die Kritik des NOM (Novo Ordae Missae, also der "neuen Messe") hat etwas Heuchlerisches deshalb, weil sie vielfach nur einem Zurückschrecken vor der letzten Konsequenz gleichkommt, die aber bereits in der sogenannten "tridentinischen Messe" angelegt ist. Daß dies einen ziemlich neue Herangehensweise bedeutet ist dem VdZ bewußt. Aber er "kann nicht anders", überblickt er diese letzten 5 Jahrzehnte, die er selbst erlebt und erfahren hat, vom Ministranten im Alten Ritus (bzw. 1965, als man ihn bereits behutsam reformierte) angefangen. Überblickt er vor allem aber die letzten drei Jahrzehnte intensiver Kirchen- und Liturgiekritik, aus der heraus ihm als Indiz dafür, daß man eine neue Sichtweise suchen muß, auffiel, daß sich alles im Kreis dreht, am Stand steht, sich nichts bewegt.




*061117*

Beim Namen genannt

Das Video zeigt die offizielle Feier zum "Tag der Kinder" in Nordkorea. Erschüttend? Der VdZ sagt es ganz offen: Er sieht aus den Erfahrungen mit seinen Kindern (die er doch in gewisser Anzahl hat) keinen (sic!) Unterschied zu dem, was in unseren Schulen passiert. Nur passiert es bei uns geschickter, taktisch klüger, verborgener, subtiler, aber dafür auch effizienter. In Nordkorea (und ähnlichen Systemen) weiß man und weiß jeder, woran man ist. Die offiziell zu habenden Gefühle sind deutlich unterschieden von dem, was man zuinnerst fühlt, die offiziell zu habende Meinung ist deutlich unterschieden von der eigenen Rezeption, die  man deshalb für sich behält.

In solchen Verhältnissen ist eine Abgrenzung aber noch möglich, weil die Indoktrinierung einen Namen und einen Träger hat. In allen diesen Systemen gibt es deshalb ausgeprägte Parallelgesellschaften, die "Bückwaren-Gesellschaft", die dezitiert weiß, daß sie das "eigentliche Leben" verborgen führen muß. Und die offiziellen Stellen ließen sie gewähren, wußten, daß sie nichts dagegen machten konnten. Der VdZ, der ja im offiziellen (ehemaligen) Ostblock (Ungarn) lebt, hat immer wieder die beachtenswerte Beobachtung gemacht, daß dort der gesunde Hausverstand bei weitem präsenter, realer ist als im Westen, als in Österreich und Deutschland, wo er 45 Jahre lebte. Daß er sich aber mittlerweile auch hier in dem Maß zurückzuziehen scheint, als eine Verwestlichung eintritt.

Nichts anderes als in jenen Ländern zu Zeiten, wo die Repression offiziell war, passiert heute bei uns. Nur ist die Parallelgesellschaft bedrängter, denn die hiesigen Systemschergen dringen - weil geschickter, weil unter Deckmantel und Autorität der Freiheit - bis in die hintersten Winkel des Privatlebens, haben sich die Sprache angeeignet, die Begriffe umgedeutet, arbeiten also bis ins Privatimste mit Äquivokation, arbeiten vor allem mit Schizoidität, weil über das Paradigma des "Wohlgefühls" - der Sattel, auf dem Mißbrauch reitet. Hier ist aber die offizielle Doktrin bereits verinnerlicht, immanentisiert, ist der Irrtum Träger des gesamten Denkens geworden. Damit stößt man die Menschen in die völlige Verwirrung und Orientierungslosigkeit, macht sie wehrlos, weil ihnen die Begriffe zu dem fehlen, was sie selbst wahrnehmen und fühlen. Hier bei uns werden sogar (ja gerade) die intimsten Gefühle manipuliert.

Hier sind die Systemträger eben schlauer, denn die Ziele sind verborgen, nur wenigen erkennbar. Nordkorea hat sie hingegen offiziell proklamiert. Aber sie sind bei uns um nichts weniger brutal, vor allem im Kampf gegen die Eltern, die Herkunft, die Tradition. Sie greifen also tiefer, greifen in die Persönlichkeitsbasis selbst sein, sind eine Lüge verglichen mit der Proklamation. Der VdZ hat deshalb zunehmend die Schulen und die Lehrer (bis auf ganz wenige Ausnahmen) als Feinde und Mißbrauchstäter verstanden. Das betrifft auch die kirchlichen Schulen (etliche der Kinder des VdZ haben solche besucht.) 

Die Pädagogik ist hierzulande zu einer Gehirnwäsche verkommen. Der international renommierte Pädagogikdozent und ehemalige Vorstand der Padagogischen Fakultät Wiens, Marian Heitger, hat schon vor 20 Jahren die hiesige Pädagogik deshalb "Koloniakübel (Mülleimer; Anm. für deutsche Fremdsprachige) der weichen Wissenschaften" genannt. Und zwar meist und gerade dort, wo sie pädagogisch am prononciertesten, am fortschrittlichsten auf "Freiheit und den Aufbau eigenen, kritischen Urteilsvermögens" setzt. Was so gut wie immer heißt, daß die Kinder als Persönlichkeit destruiert und in einem lügnerisch behaupteten "Autonomismus" den Ideologien und Ideologen direkt in die Arme getrieben werden. 

Denn es sind nicht mehr die Eltern (und deren Religion, deren Überzeugungen, deren Gerichtetheiten, deren Identitätsmerkmalen, die auch mit allen Anlagen korrespondieren), in und bei denen Kinder ihre erste Basis zur Welt hin empfangen (zu denen sie sich allmählich, im Maß ihrer Reifung verhalten), sondern die Mißbrauchstäter, die mit der Lüge vom "Wohlbefinden" (der die Lüge vom Urteil folgt, eingebettet in die Lüge der Selbstdefinition der Identität) die Kinder aus ihren Wurzeln herauslösen, und damit den Boden für die Manipulation durch die Mächtigkeiten bereiten.









*041017*

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Was wir heute erleben

Man muß sehen, wohin der Gedanke führt, aber er scheint sehr wahr zu sein, er erhellt viel: Was der Westen (als spezifisches Destillat des Abendlandes) im Terrorismus erlebt ist eine riesige Frustration der Zivilisation, die sich seit 500 Jahren aufgebaut hat. 

Es ist das erstmalige und komplette Versagen der technischen Überlegenheit, und damit der Magie (sic!), und damit des Atheismus, der diesen Haltungen einhergeht. Der Westen steht mit allen seinen Konzepten - bis hin zur Mechanisierung der Sexualität in der "sexual liberation", der "sexuellen Befreiung" - vor einem Totalkollaps aller seiner Konzepte.

Nur - der Westen HAT gar keine anderen Rezepte (mehr)! Er erlebt, daß dieses Konzept nicht reicht, um ein geglücktes Leben der Völker zu gewährleisten. Der Westen steht zugleich vor der Unmöglichkeit, ANDERE Rezepte zu ersinnen. Also versucht er das letzte Mittel, das ihm einfällt - er macht das Schicksal der Welt davon abhängig, daß es uns doch noch gelingt, DURCH die Technik - als verdinglichte, materialisierte Absoluta - das Weltschicksal "zu retten". Etwa indem alle Völker tatsächlich darauf verpflichtet werden, diese Paradigmata anzuerkennen. Wie die "Klimakatastrophe".

WEIL er aber nicht mehr denken kann, was eine direkte Folge des Atheismus ist, in den der Westen praktisch zur Gänze gefallen ist, ist  höchst wahrscheinlich, daß ein neues Zeitalter des Aberglaubens, der positivistisch-behaupteten Glaubenssätze und Welterklärungen vor der Tür steht. Wir stehen damit vor einem neuen Zeitalter der Irrationalität.

Und nichts erzählt diese Tatsache schon besser als der Verzicht auf die Wahrheit in den Wissenschaften, der Politik, ja im alltäglichen Sprechen, zugunsten eines "moralisch gebotenen Zieles". Es ist ein Verzicht auf den logos, denn diesem "können" wir ihm mit den aufgebauten moralischen Leitgeboten gar nicht mehr entsprechen. Dem Westen bleibt somit als Mittel der Durchsetzung nur noch ... die pure Gewalt als Mittel der Weltbewegung. Aber genau die schlägt ihm nun entgegen, in ihr ist er nicht mehr überlegen. Ein anderes Konzept die Welt zu ordnen hat er aber nicht (mehr).

Sodaß die Lebensweise - heute und vor allem aber tendentiell, also in dem, wozu die Weichen längst gestellt sind,. also morgen - es nicht mehr schafft, der menschlichen Natur zu entsprechen, sondern ihr sogar immer weiter widerspricht.






*051017*

Weil sie genug bereichert sind

Das Ausmaß an Wirklichkeitsignoranz (denn von Verlust kann man ja nur sprechen, wenn etwas vorher da war) in der gegenwärtigen Kirche macht immer wieder sprachlos, und schon lange nicht einmal mehr zornig. Man muß sich dazu vorstellen, daß diese Herrschaften - sämtlich maßgebliche Führungskräfte der Katholischen Kirche! - den Schwachsinn, den sie da verzapfen, tatsächlich meinen so zu "meinen", oder "meinen zu sollen". 

In Wahrheit ist wohl eine andere Einschätzung angebracht: Hier reden Zombies, seelen- und geistlose Körperhüllen, die über automatisierte (und medialisierte) Sprechwerkzeuge Phrasen von sich geben und deren Vernunftverweigerung, die zum "spirituellen Programm", ja zur "höheren Moral" erklärt wird, bereits allgemeines Urteil über die Kirche ist. Und diese Entstellung der Kirche, die von ihren Repräsentanten selbst schon programmatisch vorgenommen wird, schmerzt jeden Katholiken außerordentlich.

Zu dem einen oder anderen in dem Video ließe sich aber gar noch mehr sagen. Es gibt nämlich erschütternde Beispiele für "Packelei" in der Kirche, die einfach genug Geld und genug Versorgungsposten hat, um sich abzuschotten. Wovon? Ja. Von Gott. Von der Wirklichkeit.

Aber wundert  man sich noch über so etwas in der Kirche? Die erschütternde Antwort: Nein. Man hört ihr doch schon lange nicht mehr zu (wenn man ihr auch immer zuhört, das ist ja das Problem: Denn im Innersten hört die ganze Welt, jeder Mensch und immer der Kirche zu, weil nur sie die Hoffnung begründet, die alle Menschen der Welt haben, aber heute damit in unlösbare Widersprüche mit der Vernunft kommt), und ... mit Recht. Denn das ist doch ein Kindergarten, allerbestenfalls. 

Dennoch geht unzensuriert.at auf ein paar der im Video vorgebrachten "sachlichen Argumente" ein. Der Leser möge selber nachlesen, wenn er meint, es lohne sich. Es ist aber eh alles bekannt. Nur nicht den Herrschaften am Video. Aber wenn doch, dann muß man freilich mit anderen moralischen Kategorien anrücken.









Nachtrag: Wenn schon unzensuriert.at, dann auch gelich noch weiter, zu diesem Thema. Denn es fand sich dort ein interessanter Bericht über Erfahrungen eines Betreibers - ursprünglich höchst fremdenfreundlich und selbstlos motiviert - eines privaten Asylheimes, der so manche Frage aufwirft. Indem er einen Einblick in die österreichische "Integrations-Szene" bietet. Und Vermutungen entstehen läßt. Auch, was mit "positivem Beschäftigungseffekt", von dem mancher Politiker spricht, gemeint sein könnte. Irgendjemand meinte sogar einmal, daß die Asylgeschichte für manche und manche Institutionen ein recht sattes Geschäft sei.






*041017*

Dienstag, 17. Oktober 2017

War es denn je anders?

Die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung war ganz deutlich auf Seiten der Sioux-Indianer. Presseberichte, die deutlich erkennbar auf Frieden orientierte Politik der Ureinwohner, die vielen Vertragsbrüche der Vergangenheit - man wollte nicht, daß den Indianern weiter Unrecht geschieht, man wollte sie einfach leben lassen. 

Das wurde zu einem politischen Problem, denn es gab massive Einzelinteressen von Banken und Kapitalgesellschaften und Glücksjägern, Spekulanten, die auf den Verlust des Großteils der Sioux-Gebiete spekulierte. Man brauchte sie um die Bahngleise weiter verlegen zu können (die man trotz der bestehenden Verträge bis an die Grenzen des Sioux-Gebietes verlegt hatte, nun standen die Baumaßnahmen), man brauchte sie um die Interessen der Banken zu "schützen", die viel Geld als Kredite vergeben hatten, man brauchte sie um der Spekulationslust vieler Amerikaner Genüge zu tun, denn man vermutete - mit Recht - dort große Goldvorkommen.

Nun weigerten sich aber die Indianer, ihre Gebiete herzugeben! Milliarden Dollar standen am Spiel, möglicherweise ein Börsencrash, der Zusammenbruch einiger Banken und Unternehmen, ja vielleicht gar ein Staatsbankrott. Das Spekulationsvolumen war enorm angewachsen, das US-Finanz-System extrem fragil geworden.

Was also tun? Es gab nur einen Ausweg, die Mühlen der Interessen begannen zu mahlen, wie sie es immer seit je, und seither sowieso taten, mit immer demselben Schema: Man provozierte den Gegner so lange, bis dieser nicht mehr anders konnte, wollte er nicht untergehen, als militärisch zuzuschlagen. Damit war die amerikanische Aggression - getrieben von purer Gier, von purem Machtrausch, der 1941 bekanntlich zur globalen Angelegenheit eskalierte, als Roosevelt diesen Anspruch auf Weltdominanz erstmals offiziell zum Staatsziel erklärte - "moralisch gerechtfertigt" und eine reine Verteidigungsaktion, um seine Bürger zu schützen. Kommt dem Leser diese nicht bekannt vor? Dieses Schema der Niedertracht und Heuchelei zieht sich durch die gesamte amerikanische Geschichte.

Der Kongreß in Washington begann auch 1874 nachweislich mit einem Szenario zu spekulieren, in dem der Einsatz der US-Armee "zum Schutze amerikanischer Bürger" einen Vertragsbruch und eine Enteignung der indianischen Gebiete rechtfertigte. Nur mußte das moralisch gerechtfertigt erscheinen, denn man mußte die Wähler gewinnen. 

Dazu ließ man die einzelnen Spekulanten und Abenteurer - allesamt Gesetzesbrecher - einfach gewähren, ja ermutigte sie, und viele hunderte, ja tausende Amerikaner drangen in die Gebiete (u. a. am Little Big Horn, ein wildreicher Landstrich, der den Indianern besonders heilig war) ein und begannen, nach Gold zu schürfen. Lange hielten sich die Sioux zurück, ihre Häuptlinge fuhren wieder und wieder nach Washington, wiesen wieder und wieder auf die Vertragsverletzungen hin. Aber nichts änderte sich.

Es gibt Aufzeichnungen über die Beratungen der Indianer. Sie wußten längst, worauf die Politik der Washingtoner Regierung abzielte. Wehrten sie sich gegen die durch Private durchgeführte, willkürliche Enteignung, Morde, Schlägerungen, Ausrottungen des Wildbestandes, was alles ja amerikanisches Gesetz brach, würde die Armee zuschlagen. Anderseits drängten die Neuankömmlinge, die Eisenbahngesellschaften, die Bergbaugesellschaften nicht nur ins Land, sondern sie zerstörten ihre Lebensgrundlage. 

Einer der Spekulanten war übrigens ein gewisser ... General Custer. Er hatte 20.000 Dollar durch Vorinvestitionen in eine Goldmine investiert, die ihm weder gehörte, und die offiziell und den Gesetzen nach auch gar nicht in der Verfügung der amerikanischen Regierung stand.

Da entschlossen sich die Sioux, immer weiter in die Enge getrieben und an den Rand ihrer Existenzfähigkeit gebracht, zurückzuschlagen, und begannen, die vertragsbrüchigen Eindringlinge zu bekämpfen. Sah nicht das amerikanische Recht vor, daß Mord mit Todesstrafe belegt wurde? Die eindringenden Weißen mordeten wahllos Indianer. War es da nicht rechtskonform, wenn diese nun zurückschlugen, die Schuldigen bestraften, berieten die Häuptlinge?

Sie hatten aber nicht, weil sie lustig oder dumm und rechtsfanatisch waren den Kampf gewählt. Sondern sie entschieden sich ganz bewußt für die Ehre, entschieden sich angesichts der Tatsache, daß die Weißen sie gelehrt hatten, den Tod zu lieben, eine neue Erfahrung. Aber nur so konnten sie ihren eigentlichen Lebenssinn - der weit jenseits von materiellem Wohlstand lag, den die Weißen ihnen ja gewissermaßen geboten hatten - erfüllen, der nun in den Tod führte, absehbar in den Tod führte, denn sie wollten eines ganz sicher nicht: Die Lebensweise der Weißen annehmen. Deren Folgen sie ganz exakt erkannten: Die Lebensweise der Weißen führte "zum Vergessen". Sie führte zu einem menschenunwürdigen Leben des Traumes, der Unwürdigkeit. Sie wollten aber nicht "wie ein Hund leben", sondern "in Freiheit, und darin lieber sterben., wie Crazy Horse es formulierte.

Darauf hatte Washington - nicht das erste, schon gar nicht das letzte mal Instrument von Kapitalinteressen - aber nur gewartet.  Als die US-Regierung den Sioux am 6. Juni 1875 anbot, das Gebiet um 6 Millionen Dollar zu kaufen, lehnten die Indianer erwartbar ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte alleine die von Genral Custer besessene und ausgebeutete Goldmine bereits einen Gewinn von 20 Millionen Dollar abgeworfen. Auch eine Überlassung von Schürfrechten "auf jene Zeit, bis die Bodenschätze ausgebeutet waren" lehnten die Indianer ab. 

Unverblümt begann nun die Regierung in Washington einen Vernichtungsfeldzug vorzubereiten. Der Anlaß, auf den man gewartet hatte, war da. Am 9. Dezember 1875 erklärte sie "zum Schutze der weißen amerikanischen Bürger" sämtliche Indianer, die das Gebiet des Little Big Horn nicht bis zum 31. Jänner 1876 verlassen hatten, zu Staatsfeinden, die man mit militärischen Mitteln unter Druck setzen würde. Dabei hatte doch bereits am 1. 2. 1875 das Kriegsministerium General Sherman beauftragt, militärische Maßnahmen in die Wege zu leiten. Tausende Soldaten gingen in Bereitschaftsstellung, tausende wurden in die Indianergebiete verlegt. 

Die Regierung erklärte als Rechtfertigung, daß sie "außerstande" sei, die Indianergebiete von Weißen zu säubern. Also sei ein baldiger blutiger Konflikt zu erwarten. Um aber die Amerikaner zu schützen, mußte man Soldaten einsetzen.

Red Cloud, einer der Sioux-Indianer war sich völlig im klaren, was nun passieren würde. Es gab von zahlreichen anderen Stämmen Erfahrungswerte, niemand hatte noch Illusionen. Der Untergang der Sioux war besiegelt, das Schema des Raubzuges der Weißen war nämlich überall gleich.  

Die legendären Crazy Horse, Gall und Sitting Bull waren derselben Meinung. Entweder kapitulierte man und nahm das Terrordiktat des "Großen Weißen Vaters" in Washington an, oder man ging kämpfend unter. 35.000 Sioux mit 7.000 kampffähigen Männern diskutierten in einem riesigen Powow, was man tun sollte. Die Entscheidung fiel, und sie war klar: Lieber kämpfen und sterben, lieber als freie Menschen sterben, als diese Entwürdigung, diese Entmenschung zu ertragen.

Was nun passierte, besiegelte aber auch ihr Schicksal. Denn sie errangen zwar erst überwältigende Einzelsiege gegen die US-Soldaten. Aber alle diese Siege - die Indianer wußten das - waren nur die Besiegelung ihres Untergangs. 

Am 17. März 1876 griff Colonel Reynolds das Winterlager von Crazy Horse an, schien es auch in einem Angriff zu vernichten, da fiel er auf eine Finte der Indianer herein, und konnte nur mit letzer Kraft und heilloser Flucht eine völlige Vernichtung seiner Truppen vermeiden. Am 17. Juni 1876 bot General Crook eben diesem Crazy Horse eine Schlacht am Rosebud River eine Schlacht an, auf die dieser tatsächlich einging - aber Crook kann seine Soldaten nur durch wilde Flucht vor der totalen Niederlage retten. 

Am 25. Juni 1876 greift schließlich General Custer mit seinem 7. Kavallerie-Regiment am Little Big Horn River die Sioux an. Und hier erleidet die US-Armee die bis dahin schlimmste Niederlage ihrer Geschichte, mit 265 Toten und 52 Verwundeten. Unter den toten Offizieren sind General Custer, sein Bruder und sein Neffe. 

Nach diesem großen Sieg aber wußten die Indianer endgültig, daß sie auf Biegen und Brechen von der US-Armee gejagt werden würden. Ihr Untergang war nur eine Frage der Zeit. 1877 setzte sich deshalb Sittung Bull mit einem Großteil seines Volkes nach Kanada ab. Die Armee konzentrierte sich nun auf die Vernichtung aller Indianer-Gruppen, deren sie noch habhaft werden konnte. Eine Gruppe nach der anderen unterschrieb schließlich einen Vertrag, in dem sie die Gebiete des Little Big Horn und der Black Hills an die US-Regierung abtraten.





*071017*