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Dienstag, 27. Juni 2017

In Wirklichkeit hatten wir enormen Kaufkraftverlust

Schon vor Jahren wurde in diesem Blog über die Roßtäuscherei mit offiziellen "Inflationsstatistiken" gehandelt. Diese damals entwickelten Gedanken finden sich nun in einem in den USA veröffentlichten Papier wieder, das die Stellungnahmen und Ansätze einer Reihe von ökonomischen Institutionen und Fachleuten enthält. Sie alle weisen (auf je andere Art, in je anderen Ansätzen und Aspekten) darauf hin, daß die offiziellen Inflationszahlen BEI WEITEM die reale Inflation nicht zur Darstellung bringen. Wenn heute von einem Ziel von maximal 3 % Inflation pro Jahr gesprochen wird, so wird dieses Ziel, das ja auf die Realwirtschaft enorme Auswirkungen hat, nur noch dadurch rechnerisch erreicht, indem seit Jahrzehnten still und leise an den Grundlagen der Inflationsberechnung herumgeschraubt wurde. 

Der interessierte Leser möge diese einzelnen Ansätze und die Argumente dafür in dem betreffenden Papier selbst nachlesen, es ist hoch interessant. Denn in Zusammenschau führen sie zur Behauptung (die sich doch auch mit dem Erlebten, der "gefühlten Inflation" deckt), daß wir seit 1970 einen dramatischen Kaufkraftverlust erlebt haben, der 5-20 mal höher ist, als die offiziellen Zahlen zugeben. Nur durch die fortlaufende Veränderung von Bewertungs- und Erhebungsansätzen (ab 2005 wurden die das gewünschte Bild störenden, nach und nach ohnehin bereits in der Bedeutung abgedrängten, alltäglichen Lebenshaltungskosten sogar völlig herausgenommen) konnte dies in die offiziell so "niedrigen" Inflationszahlen verwandelt werden.

Die Realität sieht freilich ganz anders aus. In Wirklichkeit gehen manche Ökonomen sogar von einer jährlichen Inflation von bis zu 15 oder gar 20 % aus.

Der Grund für diese Diskrepanz zwischen offiziellen Zahlen, wie sie die Regierung(en) veröffentlichen und der Realität liegt darin, daß diese Zahlen manchmal sogar nicht eimal mehr veröffentlicht und die offiziellen Inflationszahlen nicht mehr für reale Lebenssituationen herangezogen werden, sondern fast nur noch als Grundlagen für politisch-fiskalische, budgettechnische und anlegertechnische Entscheidungen Bedeutung haben. Dadurch hat sich in diesen Jahrzehnten alleine die US-Regierung ausgabenseitig an die 700 Mrd. Dollar erspart. Nnatürlich waren auch die Grundlagen für Lohnverhandlungen für Arbeitnehmer sämtlich unrealistisch und viel zu niedrig. Aber auch die Investitionsentscheidungen von Kapitalanlegern beruhen auf diesen Angaben, und sie sind ebenso falsch. Alle diese Felder sind "Blasen", die freilich irgendwann von der Realität eingeholt werden. Was passieren würde, wenn realitätsbezogenere Werte zu allen diesen Ansätzen herangezogen werden kann man sich aber unschwer ausmalen. 

Realistisch(er) berechnet zeichnet sich damit ein Bild, das auch dem normalen Hausverstand einleuchtend scheint. Nur haben sich die Menschen auch bei uns schon viel zu sehr daran gewöhnt, daß ihre eigenen Beobachtungen und Einschätzungen "wertlos" sind, weil sie das ihnen Erzählte glauben, demgemäß sie sich von anderen erklären lassen müssen, wie es ihnen geht.

Diese Erzählung konterkarriert ihr eigenes Wahrnehmen. Daß nämlich die US-Wirtschaft (und das gilt gleichermaßen für Europa) spätestens seit dem großen (IT-)Crash 2000 (bei welchem Blasenplatzen ja Billionen vernichtet wurden) nicht nur nicht mehr wächst, sondern kontinuierlich schrumpft. Beobachtungs-, simple Realdaten, Erlebtes weisen sogar genau darauf hin. Ein Wirtschaftswachstum, Grundlage auch für Verschuldungsraten, oder auch nur Werterhalt bestehen nur auf dem Papier. Tatsache ist, daß progressiv steigend immer mehr Arbeit und Aufwand nötig wird, um so irgendwie seinen Lebensstandard noch aufrechtzuhalten. Der Leser möge diese alternativen Ansätze, die den auch bei uns erzählten Märchen völlig widersprechen, lesen. Sie sind erhellend.

Nur ein Punkt soll hier noch expliziter herausgegriffen werden, er findet sich am erwähnten Papier in Form einer Tabellenübersicht, die wir hier sinngemäß bringen. Sie bestätigt vollinhaltlich, was an dieser Stelle schon vor Jahren geschrieben wurde: Er hinterfragt die sogenannten "Verbraucherpreisindices", also die angeblichen Lebenshaltungskosten der Menschen. Sie treffen die Lebensrealität der USA (und Europas) nicht. Alles, was in dieser im aktuellen Papier erschienenen Gegenüberstellung angeführt ist, findet sich übrigens in diesem Blog schon vor Jahren angeführt. Vielleicht hat mancher ja abgeschrieben ;-)



Index Design Elements Orthodox consensus Kritische Ansätze
Wie setzt sich der Warenkorb zusammen Man gestattet Ersatzkäufe über andere Warenkategorien hinweg oder auch innerhalb derselben (Reduktion auf einen herausgegriffenen "Zweck"; Anm.) Man hält den Warenkorb absolut gleich (also nicht "Fleisch blieb gleich - nur ißt man heute halt Huhn statt Steak")
Wie berechnet man Veränderungen Tomqvist Methode (geometrisches Mittel) Laspeyres Methode (arithmetisches Mittel)
Was mißt man Lebenshaltungskosten Produktkosten
Welche Indexbasis zieht man heran Gleichbleibendes Nutzenniveau als Befriedigung eines bestimmten Bedarfs Konstante Kosten
Wie bezieht man Qualitätswechsel ein ("Hedonismusargument") Fortschreitende Qualitätsverbesserung verlangt eine Bewertungskorrektur nach unten Qualitätsverschlechterung ist möglich ("umgekehrter Hedonismuseffekt")
Wie sammelt man Daten Spezifizierung der Artikel bzw. Berechnung nach Nutzeneffekten Preis pro Artikeleinheit
Wie bewertet man technischen Fortschritt Neue Funktionen verbessern das Leben mit unterschiedlich zu bewertender Häufigkeit Neue Funktionen schaffen nur marginalen Wertzuwachs, dafür aber neue Kosten und Verbindlichkeiten
Nach welchen Kriterien der Verfügbarkeit für die Konsumenten wird bewertet Es muß ein andauernder Strom von Dienstleistungen mit neutralen, variablen Liefermodellen bestehen Nur zur Verfügung gestellte Produkte ("Treuhandschaften"), erzwungene Obsoleszenz und Verlust der Eigentümerkontrolle über die Produkte wurde nie ausreichend berücksichtigt






*260517*

Jugenderinnerungen

Meinem lieben + Schwager H. gewidmet. Der mir mit seiner Hinterlassenschaft 1973 - seiner Plattensammlung samt einem Dual-Plattenspieler - eine ganz neue Welt öffnete.










*140517*

Montag, 26. Juni 2017

Der Geburtsfehler war DEUTSCHLAND (2)

 Teil 2) Womit Europa schließlich devastiert wurde





Wollen wir das Problem bei einer anderen Stelle anpacken, um es begreifbarer zu machen: HÄTTE sich Deutschland NICHT zum Zentralstaat formiert, WÄRE es in seine  kulturellen Räume gestrebt, hätte es sich in diesen gefunden, wären am Gebiet der damaligen deutschen Besiedelung in Europa drei Staaten entstanden, die auch dauerhaft Bestandsaussicht gehabt hätten. Trotz der strategisch so schwierigen Lage als Binnenland. Norddeutschland bis zum Weißwurstäquator (Main), Süddeutschland mit Bayern und Baden-Württemberg, und Österreich, mit dem Ausgreifen aus Zentral-Osteuropa. (Wobei man über die genauen Linien diskutieren kann, keine Frage, wir haben auch an dieser Stelle darüber ja schon vor Jahren hinlänglich phantasiert.)

Trotzz der schwierigen Lage? Die strategische Schwierigkeit ist aber weit mehr. Sie zeigt nämlich, wie sehr die deutschen Interessen - die Interessen der deutschen Staaten - mit Gesamteuropa verknüpft sind. Nur unter diesem Blickwinkel sind sie auch zu lösen. zu meinen, man könne ein Großdeutschland (wie es das heute ist) OHNE gesamteuropäische Aufgabe gründen, ist Verkennung der Wirklichkeit. Die deutschen Völker sind vielmehr seit 2000 Jahren Dreh- und Angelpunkt der europäischen Geschichte. Deshalb ist der erwähnte Nachteil, der fehlende Zugang zum Meer, gar kein Schwachpunkt, sondern logischer Verweis auf die historische Sendung für Europa ist. Die für die nach dem Sachsenexodus nach England, von wo aus dieselben deutschen Völker die USA gegründet haben (die heutige Weltsprache Englisch ist ja nicht mehr als die Fortentwicklung zu einer Sprache - aus einem sächsischen Dialekt), für den Rest der deutschen Völker am Festland liegt.

Solche gewissermaßen deutschen Mittelstaaten wären Frankreich und sämtlichen europäischen Großmächten ebenbürtig, nie aber eine Gefahr schon alleine aufgrund seiner wirtschaftlichen wie auch militärischen Potenz gewesen, vor der sich jemand hätte fürchten müssen.  Das europäische Gleichgewicht wäre damit erhalten geblieben, Frankreich hätte sich nicht gegen Deutschland mit Polen und Rußland verbünden müssen, usw. usf. Vor allem hätte sich England nicht bedroht gefühlt, und wäre stärker an Europa gebunden geblieben, und auch die USA ebenso wie Rußland hätten nicht Angst um ihre notwendige geostrategische Agilität haben müssen. Es soll alles nur angedeutet bleiben. 

Aber die deutsche Politik war seit der Mitte des 19. Jhds. planlos, und getrieben von Emotionen, vor allem aber von "Alternativlosigkeiten", die aus dieser falschen Entwicklung folgten. Der eine falsche Selbsteinschätzung zugrunde lag, in der sich eine aufplatzende wirtschaftliche Potenz als politisch-militärische Potenz zwangsläufig sehen wollte. Die nie gedeckt war! Nie. (Darauf baut ja die heute natürlich völlig verkannte, fast möchte man sagen: "irrtümlich Hitler zugeschriebene" militärstrategische Notwendigkeit zu Angriffs- und Blitzkriegen auf, wie sie schon 1914, endgültig aber 1939 so tragisch emanierte.)

Aber das Problem zieht sich bis in die Gegenwart. Die bewußte Entblößung dieses Großdeutschland (nach der Wiedervereinigung noch mehr) von militärischer Kraft, die sogar die Selbstverteidigungsfähigkeit aufgab, als "vorauseilendes Opfer", um quasi den Bismarckschen naiven Gedanken einer Wirtschaftsmacht OHNE politische (und das IST militärische) Macht möglich erscheinen lassen soll (die EU-Realitäten lassen sich gleichermaßen darauf zurückführen) doch noch Wirklichkeit zu verschaffen. 

Hier schleppt sich ein Geburtsfehler immer weiter und weiter.  Dein ein solcher "Staat Deutschland" muß (sic!) versagen, ob in die eine oder in die andere Richtung. Er steht in Aporien, in Unvereinbarkeiten, und hat auch keine Mittel und Wege, diese auszusöhnen. Entweder versagt er innen-, oder außenpolitisch. Nur eines ist klar: Versagen wird er immer. Weil es gar nicht anders geht. 

Denn dieses Deutschland von heute ist ein Geburtsfehler. Kein Staat kann nämlich nur "als er selbst" gesehen werden. Er ist immer in einen strategischen, politischen Großraum eingebunden. Bismarck hat 1871 Europa zerstört, so müßte man es sagen. Das hat sich 1914/18 entladen, wo sich Europa in einem buchstäblich sinnlosen Krieg aus der Weltpolitk verabschiedete. Und das heutige Deutschland versucht, Unvereinbares doch zu vereinen, versucht die Quadratur des Kreises, versucht Enden zu verknüpfen, die seit 1871 einfach nicht zu verknüpfen sind. Das Ergebnis ist evident.

Nur eine Organisationsform wird diesem Problem gerecht - und das ist die Form des Reichs, so, wie es bis 1806 Europa (das IMMER und schon gar vom Neuanfang im Jahre 800 an eine Reichsform hatte) so halbwegs noch zu ordnen vermochte, weil es alle Völker mit ausreichender (in GÄott gründender) Legitimität ausstattete. Weil es die Revolutionsbewegungen der Reformation bereits in Trümmer gelegt hatten.

Wir werden darüber also noch handeln, diese Geschichte geht weiter.




*090617*

Frau im Dunkel

Wartend, abgeholt zu werden.


Gesehen auf Pinterest






*090517*

Sonntag, 25. Juni 2017

Der Geburtsfehler war DEUTSCHLAND (1)

Wollen wir ein wenig fester bereits an ein Thema anpochen, das wir hier bereits mehrmals angedeutet, nie aber wirklich ausgearbeitet haben. Namentlich geht es um die Problematik Deutschlands. Der VdZ hat immer wieder betont, daß er der Auffassung ist, daß die Probleme Deutschlands - gerade, ja GERADE in Zusammenhang mit der Identität, die praktisch sämtliche weiteren Probleme (man denke nur an die Migrationsfrage, die Frage um die Position zu Rußland, die verquere Haltung im Ukraine-Konflikt, ach, was nicht ...) - in den tragischen Entwicklungen des 19. Jhds. zur Unlösbarkeit aufgeschichtet worden waren. Sodaß sich die Gründung eines "Deutschland" (mit dem Feigenblatt "Deutsches Reich") als der Kapitalfehler herausstellt.

Denn Bismarck, den der VdZ als Persönlichkeit hoch schätzt, keine Frage, war in diesem Punkt doch recht  naiv. Er meint enämlich noch, daß ein neuer Gesamtstaat Deutschland OHNE militärische Verwickluingen bestehen könne. Dieses Deutschland explodierte ja förmlich, und zwar wirtschaftlich, und wurde auf den Weltmärkten zum Konkurrenten der absehbaren neuen Weltmacht, den USA, samt dem riesigen Block im Osten, Rußland, dessen weltpolitische Geltung allen Unkenrufen zum Trotz schon alleine aufgrund seiner geopolitischen Position (Rußland nimmt den Großteil der eurasischen Landmassen ein) und Rohstoffmacht nicht einen Moment ernsthaft bezweifelt werden kann. Und konnte. Heute kommt noch China dazu. 

Bismarck meinte, daß Deutschland Wirtschaftsmacht sein könne, OHNE seine militärstrategisch so problematische Position (wir haben hier eingehend darüber gehandelt, der Leser möge es vielleicht nachlesen) als "Zwischenland" anzurühren. Er meinte, daß Wirtschaftsmacht auch OHNE Militärmacht funktionieren könne. 

Zumindest theoretisch. Praktisch hat auch er sich von dem grotesk überwältigenden Sieg 1871 gegen Frankreich fortreißen lassen. Dieser Sieg war es auch,  der ganz Deutschland in eine gefährliche Illusion trieb. Daß es nämlich auch militärisch in der Lage wäre, seine Position als Weltmacht zu behaupten oder zu erkämpfen. Denn nur Naivlinge glauben, daß wirtschaftliche Expansion nicht auch staatsstrategische Notwendigkeiten nach sich zieht. Die Interessen eines Staates sind aber doch die Interessen seiner Bürger! Damit auch und vor allem - seiner Kaufleute. Fast könnte man sogar das als das hauptsächlich treibende Element der Weltgeschichte überhaupt bezeichnen. Wie viele Kriege haben sich nur an wirtschaftlichen Fragen entzündet!

In den innerdeutschen Geschehnissen, die an dem fatalen Fehlverhalten der Habsburger 1806 anknüpften, in dem das einzige Element, das Europa wirklich verbinden könnte und konnte, das Heilige Römische Reich, einfach in die Wolken geschossen wurde, weil Österreich die Verantwortung nicht mehr übernehmen wollte (und damit konnte), wurde mit preußischer Gewalt ein Staat geschaffen, der unvereinbare Kulturräume zu einem großen Ganzen zusammenzwang. Natürlich war das für viele "Moderne" (die nur technisch denken) verlockend, und die Rechnung schien auch aufzugehen: Deutschland katapultierte sich in die Riege der Weltmächte, und stand plötzlich im Rennen mit den USA und Rußland, zumal das Absinken Englands absehbar war, sein Imperium war eindeutig überdehnt. 

Nur hatte Deutschland die Mittel nicht, diese Position zu erkämpfen und zu behaupten. Ihm fehlte vor allem der Zugang zum Meer. Es war ein Binnenland, eingepfercht zwischen Mittelmächte wie Frankreich, Polen, Österreich, Skandinavien, Rußland, England ... lauter potentielle Konfliktzonen. Seine nun explodierende wirtschaftliche Macht war von der geostrategischen Möglichkeit nicht gedeckt. Es gehört zu den Grotesken der Weltgeschichte, daß die deutsche Politik das nicht zur Kenntnis nehmen wollte. Erst schon mit Kaiser Wilhelm, und dann noch einmal in der Weimarer Republik, und verschärft durch Hitler. Jedes, wirklich JEDES relevante Miltärwerk hat darauf hingewiesen, jeder halbwegs kompetente Militärstratege habe gewußt, daß dieses bzw. ein geeintes Deutschland einer militärischen Auseinandersetzung - und es kann keine Wirtschaftsmacht geben, die nicht im letzten auf der Macht beruht, konkrete Interessen durchzusetzen, also: auf Militär beruht - dieses Formats schon auf europäischer Ebene nicht gewachsen sein würde.



 Morgen Teil 2) Womit Europa schließlich devastiert wurde





*080617*

Nur weinen, nur weinen

Oh, welche vergangene Kunst ... Die Geschichte hier wird nur durch Regie und Schnitt erzählt! In wenigen Minuten, durch wenige Momente entsteht eine Welt, Geschichten. Und welche Geschichten werden hier erzählt! Ganze Starkarrieren, großartigste Schauspielleistungen waren vermutlich immer nur Resultate der Fähigkeit der Regie. Und des Schnitts. Denn diese erzählen. Die Darsteller stellen nur Momente dar. Ohne große Regisseure keine großen Schauspieler. Ohne sie keinen großen Film.

Es gibt heute keinen großen Film mehr. Nicht in Europa, nicht in Amerika. Man könnte als Schauspieler nur noch weinen. Weinen, weil die Natur des Schauspielers nicht mehr erfüllt weil nciht erkannt wird. Man kann heute nicht mehr erzählen.









*140517*

Samstag, 24. Juni 2017

Bllick in unsere Zukunft (2)

Teil 2) Warum der Mensch zwar im Wesen utopisch ist, 
eine irdische Utopie aber immer zur Hölle führt




Aber der Sinn der Welt, der Sinn der Geschichte, der Sinn jedes einzelnen Lebens besteht eben nicht in einem Wohlgelingen des Wohlstandsstrebens. Er besteht in der individuellen, nur an diesem Ort, nur dieser Person in genau dieser problembeladenen Situation möglichen, nur dort sinnvollen Höherführung zur Heiligkeit hin, und nur dort liegt die dem Menschen mögliche Glückserfahrung. Nicht das rundum friktionsfreie Leben ist das Ziel des Lebens auf Erden, wo nichts die Abläufe stört, und was stört hat kein Recht dabeizusein, kein Recht zu leben.

Und wissen Sie was, geneigter Leser? Es gibt auch bei uns gar nicht wenige, die diese Entwicklung begrüßen. Der VdZ hat erst jüngst von Esoterikern gehört, daß sie diese Entwicklung begrüßten, weil es die Menschheit zu "höherer Bewußtseinsstufe" führen würde. Für sie erfüllt dies den Sinn der Geschichte weil der Welt. Für sie ist so eine Verhaltens- und Bewußtseinsdiktatur deshalb der Weg zur Welterlösung ins Göttliche (nach ihrer Definition) hinein. Die Nähe von Technik und Esoterik (nicht nur, weil Esoterik an der Wurzel des Internet stand, und sogar dessen befeuernde Idee - Silicon Valley! - war) war ja in diesem Blog immer wieder Thema gewesen.

Ein solches ablaufoptimiertes, technisch aufgeräumtes Leben, in dem alle Nöte und Sorgen scheinbar beseeitigt sind, wo alle Menschen auf "verobjektivierte" maximale Soziabilität getrimmt sind, ist nicht einmal jenes Leben, das den Menschen zu seinen höchsten Entfaltungen führt! Dieser Irrtum liegt ja nicht nur dem chinesischen Modell, sondern dem ganzen Westen längst zu Grunde. Die völlig verirrte Pädagogik zeigt es am deutlichsten. Einem solchen Leben fehlt das, was das eigentliche Leben in die Welt trägt. Es führt deshalb zum Tod. Es führt zur Vernichtung. Das kann mit Sicherheit gesagt werden. Es führt zur Hölle auf Erden. 

Denn wo immer das Kreuz als einziges Tor des Lebens des Lebens ausgeräumt werden soll, fällt der Mensch in die gnadenlose Hölle der Weltimmanenz, die immer - prinzipiell, nicht weil hier oder dort Fehler gemacht werden; das zeigt das nur an (man beachte aber dennoch die darauf hinweisende Logik der komplexen Systeme, die mit mathematischer Sicherheit nicht steuerbar sind) - zur Vernichtung führt. Der immer konsequenter, schärfer werdende Totalitarismus, der auf dem Weg dorthin auftritt, ist nur das Übergangsstadium dazu.

Aber - hat nicht auch der Katholizismus seine Utopie? JA, das ist ja das Fatale. Er hat sie als leuchtendes Vor- und Urbild der Welt, und zwar in der Kirche.  Sie ist das Ideengerüst, das ausgehend vom Haupt Jesu Christi den Blutkreislauf des Lebens verbreitet, das über eben diesen Gottmenschen - und nur über ihn! - in die Welt kommt. Wer außerhalb steht, wird über kurz oder lang ins Nichts fallen. Der Unterschied ist aber, daß dies kein Verhaltensschema ist, dem sich nun alle zu fügen haben, sondern auf der JE INDIVIDUELLEN PERSON beruht! Nur NUR über seine wahre Individualität, die nur in und aus der Wahrheit (die personal ist, kein einfach rationales Schema, die Jesus Christus selbst ist) möglich ist (deshalb die Notwendigkeit des Christseins), und die erst zur Individualität wird, wenn sich der Mensch forttlaufend selbst übersteigt: 

Auf diese Idee hin, auf die Wahrheit hin, die die Freiheit ist. Freiheit ist also ein stets im Moment zu erringendes Moment der Person. Und das macht die Aussage, daß das Wesen des Menschen "utopisch" sei, so wahr: Er ist erst und immer erst dqa Mensch, wo er sich selbslt auf ein Ideal hin, ein Idealbild hin, übersteigt, in das hinein sein faktisches "Selbst" stirbt. Nur so entsteht Freiheit, die auch eine Nichtgebundenheit an eine sonst nur als bloße Ablauflogik erscheinende Materie ist, die auf sich gestellt (Entropie!) aber immer ins Nichts fällt (sobald sie die letzte Erinnerung - als geistige Präsenz - an das Leben des Lebens vergessen hat, diese erloschen ist.) 

Dabei ist es GERADE das Übel im Begegnenden, die Unvollkommenheit der Realisierung des Ideals, AN DEM sich die Freiheit nicht nur beweist, sondern überhaupt erst bilden kann! Denn der Katholik weiß, daß die Welt aus der Ursünde des Menschen heraus todkrank ist. Er rechnet also mit dem Übel, schon deshalb, weil es eben den Menschen gibt, und seine Freiheit.

Damit ist auch klar, daß es kein Zwangssystem geben kann, das "die Gesellschaft" optimiert! Ohne den Einzelnen und seine Freiheit geht es nicht, und ohne diese Freiheit gibt es kein geglücktes Lebens. Bestenfalls bestimmte technische, aber sich vom Leben wegbewegende Merkmale.

Wird die Utopie die sich da schon überall in den Startlöchern befindet oder gar schon einige Meter gelaufen ist gelingen? Sie KANN GAR NICHT gelingen, weil einer der Irrtümer der heutigen "wissenschaftlichen Anthropologie" (als Grundgerüst heutigen geläufigen Denkens) ist, daß sie die Natur des Menschen nicht mehr kennt und komplett falsch einschätzt, und damit ihre eigentlichen Momente - die Gottebenbildlichkeit des Menschen, seine Freiheitskraft weil -bestimmung als erste Bedingung des Menschseins - komplett unterschätzt. 

Aber es wird für alle Menschen die Hölle. Aufgezogen im Namen einer Utopie, die wie jede Utopie allen den Himmel verspricht, WENN ...




*Offiziell sind zwar immer noch fast ein Viertel der Amerikaner katholisch, aber der Katholizismus hat sich bereits extrem verflüchtigt. Das Wissen um die eigene Religion ist in weitesten Kreisen selbst "bekennender Katholiken" praktisch nicht mehr vorhanden. Tenenbom beschreibt es so, daß sogar bei definitiv "katholischen Events" die angesprochenen Teilnehmer nicht einmal das Vaterunser kannten. Der zweifelnde europäische Leser sollte sich dazu vielleicht einmal bei jungen Menschen im Alten Kontinent umhören, die doch auch immer noch zu größten Teilen "katholisch sozialisiert" sind. Wir sind auf exakt demselben Weg.





*250517*