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Freitag, 26. Oktober 2007

Prof. Ulrich Lüke zu Evolutionstheorien - Teil II (aus: Zenit)

Der Glaube ist also eine positive Grundhypothese, mit der ich an die Wirklichkeit herantrete...

Mehr noch, er ist die Ermutigung und Ermächtigung zur Forschung. Das Erste Vatikanische Konzil sagt uns: Gott, Ursprung und Ziel aller Dinge könne mit dem Licht der natürlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewissheit erkannt werden kann. Dann ist die Natur zugleich der Ort, an dem ich etwas über das Sosein und Dasein Gottes erfahren kann. Solch ein Glaube drängt zur Erkenntnis.

Der moderne Naturwissenschaftler erkennt also Gott in den Dingen?

Gott ist kein Gegenstand der Naturwissenschaft. Aber der Naturwissenschaftler kann gewissermaßen als existenzielle Konsequenz, die in sich vernünftig ist, Gott erkennen. Naturwissenschaftliche Erkenntnis ist vielleicht manchmal das Ende eines kindlich gebliebenen Glaubens, häufig aber der Anfang des erwachsen gewordenen Glaubens. Der Anfang der Gotteserkenntnis liegt im Staunen.

Die natürliche Gotteserkenntnis stützt sich aber wesentlich auf die Schönheit der Schöpfung als Kosmos, als geordnetem Ganzen. Wie lässt sich diese Vorstellung mit Zufall und Selektion der Evolutionstheorie vereinbaren? Hatte Einstein unrecht: Würfelt Gott doch?

Wenn ich mir den Körperbau eines Vogels anschaue, so kann ich daraus die Gesetze der Aerodynamik erschließen. Der Vogel selbst hat aber keine Ahnung davon. Er hat auf dem Weg seiner Evolution ohne Bewusstseinsbegleitung gewissermaßen Gesetzmäßigkeiten aus der Umwelt extrahiert und in seinen Körperbau aufgenommen. Dasselbe gilt für Fische, deren Körperbau die Gesetze der Hydrodynamik widerspiegelt, ohne diese zu kennen. Sie verweisen auf eine intelligible Struktur der Umwelt hin. Wenn sich das aus den beiden Stellgrößen mutativer Zufall und selektive Notwendigkeit ergibt, dann gibt mir das zu denken. Es spricht also nichts dagegen, die Natur als Buch der Schöpfung zu lesen. Vielleicht zieht der Schöpfer, wenn er inkognito bleiben will, den grauen Kittel des Zufalls an.

Damit wären wir beim „Intelligent Design“: Das intelligente Design der Wirklichkeit, verweist für diese Denkrichtung aus naturwissenschaftlichen Erkenntnissen auf einen intelligenten Designer, der dahinter steht. Neodarwinisten werfen den Vertretern dieser Richtung vor, sie seien verkappte Kreationisten und ziehen in den USA bis vor Gericht.

Das hat etwas von einem Glaubensstreit unter Fundamentalisten. Ich sehe im Intelligent Design die „Evolutionsform“ eines überholten Kreationismus. Aber auch der Neodarwinismus ist durch die Synthetische Theorie überholt.

Der Mathematiker William Demski hat hier errechnet, dass der Informationsgehalt biologischer komplexen Strukturen viel zu hoch sei, um im Zeitraum der Erdgeschichte allein durch Zufall vollständig zu entstehen.

Um so den Designer nachzuweisen?

Sie versuchen zunächst eine hochkomplexe Zweckmäßigkeit in Organismen nachzuweisen, dann alle bekannten Ursachen für deren Entstehung auszuschließen und schließlich über die Wahrscheinlichkeitstheorie auch den Zufall. Vom höchst zweckmäßigen Design schließen sie dann auf einen Designer. Die nähere Kennzeichnung des Designers, wer es ist und wie er wirkt, lassen sie offen.

Und woran machen Sie ihre Zweifel fest?

Als Naturwissenschaftler denke ich, dass sie Zwischenschritte übersehen, die schon für andere evolutive Prozesse tauglich und vorteilhaft sind. Die Evolution springt nicht vom Boden in den siebten Stock. Ginge man davon aus, dann hätten die Vertreter des ID vielleicht recht. Bei der Entstehung des Auges müssten dann im Sinne der Koinzidenz von Zufällen Millionen von Würfeln „zufällig“ gleichzeitig eine Sechs aufweisen.

Wie würfelt die Natur stattdessen?

Sie hält sozusagen jede Sechs fest und würfelt weiter. Wir benutzen den Zufall doch auch als Innovationselement etwa beim Brainstorming. Dabei schaffen wir einen Pool von Problemlösungen und probieren sie aus. Ganz ähnlich macht es das Genom. Mit einem Teil macht es die alten Hausaufgaben weiter und mit dem anderen begibt es sich auf genetische Exploration. Damit hätte der Zufall eine „klare Aufgabe“. Zu sagen, weil es in der Biologie Zufall gibt, kann es keinen Plan geben, ist nicht zwingend. Wir selbst sind nur Teilnehmer eines Prozesses – siehe Vögel und Fische – die das, was an ihnen passiert, nicht letztlich durchschauen.

Können Sie dies anhand eines Beispiels verdeutlichen?

Wenn ich morgen im Kölner Dom am neuen Fenster von Richter stehe und dort 10 Bekannte von mir ohne vorherige Absprache mit Goethes Farbenlehre unter dem Arm auftauchen, könnte ich sagen: Das ist aber ein Zufall! Dennoch könnte auf Nachfrage jeder nachvollziehbare Gründe für sein Dortsein angeben: Der Eine ist Kunststudent, der andere Germanist mit einer Vorliebe für Goethe, der Dritte schlicht ein Beter etc. Es gibt also klare Kausalitäten. Wo liegt nun der Zufall? Bei diesem Zufall handelt sich also um einen „subjektiven Zufall“, der eigentlich nur die prognostische Inkompetenz des Forschers bezeichnet, aber nicht die absolute Grund- und Ziellosigkeit des Vorgangs. Von dieser Art Zufall ist der biologische Zufall, wie man bei Ernst Mayer, einem „Papst“ der Evolutionstheorie, gut nachlesen kann.

Also kein absoluter Zufall?

Nein, kein absoluter Zufall wie in der Quantenphysik, sondern ein subjektiver Zufall, eine naturwissenschaftliche Kategorie, die man nicht metaphysisch aufladen sollte, wenn man im Bereich der Naturwissenschaft bleiben will. Darüber hinaus aber kann man ihn natürlich deuten.

Ist Intelligent Design also völlig abwegig?

Vielleicht liegt das intelligente Design in der Singularität des so genannten Urknalls. Mit ihm entstanden die vier Grundkräfte: Die schwache und die starke Wechselwirkung sowie die Elektromagnetische- und die Gravitationskraft. Wären die Werte dieser Kräfte aber nur minimal andere, dann hätte es die gesamte Kohlenstoffchemie, auf der die Evolution des Lebendigen gründet, nicht gegeben. Wenn also Leben nur durch diesen schmalen Korridor möglich ist, dann kann dies durchaus auf ein Geheimnis jenseits der naturwissenschaftlichen Wirklichkeit verweisen.

Damit wäre jener Designer also doch mit der Vorstellung eines Schöpfergottes vereinbar?

Wenn Gott für die Kreationisten gleichsam ein Hersteller von Einzelprodukten ist, dann sieht das Intelligent Design in ihm einen Konstrukteur, der die Weltmaschine in Gang setzt und sich selbst den Wartungsvertrag ausstellt, um immer wieder mal einzugreifen: Beim Übergang vom Unbelebten zum Belebten, vom Affen zum Menschen, bei Schritt von Ei und Spermazelle zur Zygote. Der „liebe Gott“ fungiert dann als Weichensteller, als Reparateur oder Lückenbüßer, fast wie eine biologische Größe. Das ist unter der Würde Gottes.

Aber im Sinne einer ständigen Schöpfung, einer creatio continua?

Nur wenn man davon ausgeht, das die Schöpfung aus dem Nichts, also die creatio ex nihilo, und die creatio continua aus der Perspektive Gottes in eins fallen. Die Erschaffung des Seins und die Erhaltung im Sein sind aus der Perspektive Gottes ein und dieselbe Initiative. Gott macht kein Fertigprodukt. Er macht eine Welt, die sich macht.

Wie kann ich Gott dann erkennen?

Man kann ihn natürlich nicht mit Waage, Bandmaß oder Geigerzähler erfassen. Aber der erste Schritt der Gotteserkenntnis ist, wie gesagt, das Staunen. Ich leben in einer Welt, die ich selbst nicht gemacht habe und lebe als jemand, der sich selbst einem anderem verdankt. So steckt schon in meinem Dasein ein Verweis auf den Geber dieser Gabe. Wann immer ich über Gott rede, er sprengt meine Kategorien und Definition. Ich kann also nur hinweisend, nicht beweisend von ihm sprechen. Gott, das Geheimnis der Welt, übersteigt jederzeit unsere Erkenntnis und unsere Begriffsbildung: „Deus semper major“. Und Naturwissenschaftler wie Theologen sind nur armselige Nach-Denker dessen, was ein unerschöpflicher Vor-Denker zuvor ins Werk gesetzt hat.

[© Die Tagespost vom 20. Oktober 2007]

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Prof. Ulrich Lüke zu Evolutionstheorien - Teil I (aus: Zenit)

... Allerdings scheint die Evolutionstheorie nach dem Ende der großen Ideologien für nicht wenige Zeitgenossen als allumfassende Erklärung der Wirklichkeit übriggeblieben zu sein. Sie erheben den Anspruch, alle Lebens- und Wissensbereiche allein evolutionistisch zu erklären. So versuchen zum Beispiel Soziobiologen alles, auch die Religion evolutionistisch zu erklären und damit eine allumfassende Deutungshoheit zu gewinnen.

Wie begründen sie dies?

Sie zerlegen die Religion in die Bereiche Ritus, Mythos, Ethik und Mystik und behaupten, jeder Bereich sei im Rahmen der Evolution von selektivem Vorteil. Demnach stärkt etwa eine gemeinsame Ethik das Vertrauen einer Gruppe oder Gesellschaft. Dies sei dann ein Vorteil gegenüber anderen Gruppen. Oder sie sagen, die Religion fördere ein brutpflegefreundliches Verhalten. Damit ist die Religion für die Biologen lediglich eine populationsdynamische Umwegfinanzierung, sie ist nur insofern wahr, als sie der Evolution dient.

Der englische Biologe Richard Dawkins sieht in seinem soeben erschienenen Werk „God Delusion“, „Der Gotteswahn“ in der Religion hingegen eine evolutionäre Fehlentwicklung, die man bekämpfen müsse.

Wenn er schon einem derartigen Gedanken folgt, müsste er erklären, wie der Homo sapiens in seiner über einhunderttausendjährigen Geschichte ein solch „schädliches“ Verhalten entwickeln und mitschleppen konnte. Das alles ist schlecht durchdacht und dient weniger der Wissenschaft als vielmehr der medialen Selbstdarstellung.

Wo sehen Sie die Gefahren einer Absolutsetzung der Evolutionstheorie?

Die Evolutionstheorie ist eine naturwissenschaftliche Theorie und hat als solche einen empirisch bestimmten Aussagerahmen. Wenn man sie zu einer neuen Metaphysik aufbläst, verliert sie ihre naturwissenschaftliche Dignität. Eine naturwissenschaftliche Theorie, die sich selbst als Ganze oder auch eines ihrer Elemente, zum Beispiel den Zufall „metaphysiziert“ „metafüsiliert“ sich als Naturwissenschaft selber.

In welchem Sinne?

Sie verstrickt sich schon auf der Ebene der Erkenntnis in unaufhebbare Widersprüche. Den Zufall zur alles entscheidenden Größe in diesem Welttheater zu erheben ist keine Naturwissenschaft, sondern ein philosophisch unzureichend durchdachtes Glaubensbekenntnis. Wenn alles bis hin zur naturwissenschaftlichen Erkenntnis und zur Religion nur eine Finte der Evolution ist, um die biologische Fitness zu maximieren, dann wird auch die naturwissenschaftliche Erkenntnis selber zu einer Finte der Evolution, und der Zirkelschluss ist perfekt. Hier wird versucht, eine metaphysisch überhöhte Evolutionstheorie zur alles umfassenden Megatheorie zu kreieren.

Welche gesellschaftlichen Folgen sehen Sie bei einer ausschließlich biologischen Sicht auf den Menschen?

Der Mensch wird ein biologischer Gegenstand, über den man dann je nach Interessenlage verfügen kann. Das gilt für den Anfang des Lebens, bei der Embryonenforschung, wie für das Ende bei der Euthanasie. Mit einem Geschöpf von unantastbarer Würde gehe ich anders um, als mit einem x-beliebigen Bio-Produkt der Evolution. Wenn angeblich biologische Behauptungen, ein Mann sei von seiner Natur her für mehrere Frauen geschaffen, zur Legitimation eines entsprechenden Verhaltens werden, dann produziert man einen naturalistischen Fehlschluss: Dann wird von einem (angeblich) empirisch erhobenen Sein auf ein moralisches Sollen oder Dürfen geschlossen. Dann bin ich letztlich nicht für mein Verhalten verantwortlich, da ich nur dem biologisch vorgegebenen Trieb folge. Das Ergebnis ist eine Selbstentmündigung und Entwürdigung des Menschen: Er spricht sich selbst die Freiheit ab. Eine Ethik, die sich allein aus Zufall und Selektion begründet, nicht aus Liebe und Vernunft, ist keine Ethik, und das auf grausame Weise.

Angesichts dieser Perspektiven suchen vor allem in den USA immer mehr Menschen ihre Zuflucht im Kreationismus. Inzwischen wurde sogar ein Museum eröffnet. Die Kreationisten setzen auf ein wortwörtliches Verständnis der Bibel, wonach die Welt vor knapp 6.000 Jahren von Gott erschaffen wurde.

Der menschliche Wunsch nach einem geistigen Halt in einer hochkomplexen Welt ist nachvollziehbar. Doch darf dies nicht auf Kosten der Vernunft geschehen. Bei den beiden Schöpfungsgeschichten handelt es sich um Erzählungen, die tiefer liegende, überzeitliche Wahrheiten mitteilen. Sie sind also keine minderwertige Naturkunde darüber, wie es zum Menschen kam, sondern eine hochrangige „Ur-Kunde“ darüber, was es mit dem Menschen auf sich hat. Sieht man in ihnen hingegen naturwissenschaftliche Reportagen, dann tauchen schon auf den ersten Seiten der Bibel Widersprüche auf, da es zwei völlig divergente Schöpfungsgeschichten gibt. Wer in den zweieinhalb- bis dreitausend Jahre alten Erzählungen eine Alternative zu den Naturwissenschaften sieht, hat weder das Eine noch das Andere verstanden.

Dennoch sprechen die Bibel und die Kirche davon, dass sich der einzelne Mensch wie die Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxie dem einen Schöpfer verdankt. Lebt der Gläubige damit in Parallelwelten: Als geliebtes Geschöpf Gottes einerseits und als Zufallsergebnis der Evolution andererseits? Lassen sich Glaube und Naturwissenschaft noch vereinbaren?

Davon bin ich als Biologe und als Theologe fest überzeugt. Solange die Naturwissenschaft tut, was ihr Handwerk ist, sehe ich keinerlei Widerspruch. Glaube verdankt sich ja nicht der Ignoranz: Es ist nicht so, dass die, die viel wissen, wenig glauben müssten und die, die viel glauben, wenig wissen dürften. Jeder – auch der Atheist – glaubt etwas, und er muss mit seiner Ratio über das, was er glaubt, Rechenschaft ablegen. Manchmal stellt man aber fest: Der Theologe weiß, dass er glaubt. Und der Naturwissenschaftler glaubt, dass er weiß.

Welche Haltung hat also die Kirche gegenüber der Naturwissenschaft?

Es ist kein Zufall, dass die naturwissenschaftliche Forschung und ihre technische Anwendung vor allem auf dem Boden der christlich-jüdischen Tradition entstanden sind. Denn Voraussetzung allen Forschens ist ein Grundvertrauen in die Erkennbarkeit der Welt. Wie der heilige Thomas sagt: „omne ens qua ens est intellegibile“, alles Seiende, insofern es ist, ist erkennbar. Alle Naturwissenschaftler, auch jene die nicht an Gott glauben, gehen zwangsläufig von dieser Grundhypothese aus. Wenn ich nun an einen Schöpfer glaube, der Logos ist, der mit seiner Schöpfung das Vertrauen in die Erkennbarkeit seiner Welt mitliefert und uns nicht dem blanken Chaos aussetzt, dann ist dies die beste Voraussetzung für die Forschung.

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Die Jungenkatastrophe - Defizite männlicher Erziehung

56 % der Abiturienten sind mittlerweile Mädchen, was sich bei Studienanfängern fortsetzt. Dafür stellen die jungen Männer die oft deutliche Mehrheit bei Lehr- und Schulabbrechern, bei Selbstmorden (75 %), Schulabsentionen (vulgo: Schuleschwänzen), Drogenkonsum, Jugendkriminalität etc.

Frank Beusters hat als Pädagoge an Hamburger Schulen Erfahrungen ausgewertet und in seinem Buch "Die Jungenkatastrophe" dargestellt. Einige seiner Fazite:

Es fehlt Buben mehr als Mädchen an körperlicher Selbstwahrnehmung und Erfahrung, was sich vor allem auf mangelnden Sport, genuin männlichen Betätigungen (auch "kultivierter Aggressionen" in Sportkampfarten wie Boxen) zurückführen läßt (weil damit auch verändert werden kann). Dort lernten sie auch eine "Kultur der Wertschätzung."

Zwar haben auch Buben Träume, doch meist nicht die Kraft, sich zum Erreichen eines Zieles zu überwinden, auch längerfristig zu motivieren. Sie haben nie gelernt, daß man auch etwas tun muß, daß es Überwindung braucht, sie haben nie gelernt, etwas auszuhalten. So erwarten sie mit wenig Einsatz viel Erfolg, wenn sie ein Talent haben, was jedoch nicht zum Erfolg führt. Beusters führt dies auch auf die vielen irreführenden, v.a. von Medien vorgesetzten Idealbildern zurück. Vor allem aber fehlt es vor allem an männlichen Begleitpersonen, Vorbildern und Identifikationsfiguren in ihrer unmittelbaren Umgebung. (1 Mio Jungen wächst in Deutschland ohne männliche Bezugsperson auf.)

Mehr als Mädchen sind Buben sinnorientiert. Weshalb er schon im pubertären Alter Arbeitserfahrung (Ferien) einfordert.

Ein großes Problem sieht Beusters darin, daß Jungen vorwiegend an Mädchen gemessen werden. Über Männlichkeit aber zu sprechen sei derzeit ein großes "Minenfeld", fast unmöglich und tabuisiert. Genau an dieser Definition aber mangele es.

Dienstag, 23. Oktober 2007

Tut Buße und bekehret Euch ...

Das Klimageschwafel nimmt immer beeindruckendere Ausmaße an. Nun gibt es wunderbare Mechanismen, sich von Sünden lossprechen zu lassen (Zustimmung zum Mainstream der Medienhype, deren Zustandekommen übrigens alleine eine bemerkenswerte Geschichte darstellt, die zu beobachten fazinierend ist), Reue zu beweisen und Buße zu tun. Es ist dies einer der Geschäftszweige, denen eine große zukunft vorhergesagt wird: Der Ablaßhandel. (Der Ablaß bezieht sich auf die Befreiung von Sündenstrafen durch Sühneleistung mittels Geld.)

U. a. über das oben mit Link erreichbare Unternehmen können Umweltsünder, die z. B. nach Mallorca fliegen, sich (für den konkreten Fall: mit 15 Euro) mit Geld von den Folgen loskaufen, indem sie dieses Geld für Umweltprojekte spenden. (Verwaltungsaufwand von hier Atmosfair lt. Radiointerview: 12 % in Deutschland)

Wer also mit seinem Porsche mal nicht gerade die hochschwangere Frau ins Krankenhaus rast (im Notfall wird das höhere Gut meist sehr rasch sichtbar), sondern zum Sonntagsvergnügen übers Land braust, kann sich das schlechte Gewissen durch Geldüberweisungen, durch welche in Brasilien ein Bäumchen gepflanzt werden kann, das das CO2, das er gerade freistieß, absorbiert, freikaufen.

Samstag, 20. Oktober 2007

Wir leben heute viel kürzer

Der Arzt und Theologe Dr. Manfred Lütz:

"Die Menschen im Mittelalter lebten viel viel länger als wir heute: Sie hatten zwar eine kürzere Lebensdauer hier, aber dafür die Ewigkeit. Wir heute haben nur noch die Phase zwischen Geburt und Tod - und darein müssen wir alles drängen."

"Die Erziehung sieht heute oft so aus, daß wir bis 18 die Hardware aufbauen, um dann die Software aufzupropfen. Werte sind heute oft nicht mehr als eine Straßenverkehrsordnung, mit Chancen für Falschparker."

"Die Psychologie ist unfähig, über die Existenz Gottes etwas auszusagen. (...) Die Sehnsucht nach einer Sahnetorte beweist zwar nicht, daß es eine Sahnetorte gibt. Aber es heißt auch nicht, daß es sie nicht gibt. Die Psychotherapie ist nicht mehr als die (Selbst-)Manipulation auf Zeit auf Geld. Sie ist zudem ständig mit Existentiellem - Liebe etc. - konfrontiert, das sie total übersteigt."

"Kein Kind ist Atheist. Jedes Kind sieht die Welt unter einem Sinnaspekt (Anm.: mit der Frage "warum?")"

Spiegelneuronen und tierische Sprache

Die Verhaltensforscherin Julia Fischer im Radiointerview:

"Es scheint so zu sein, daß wir genau dieselben Neuronen ('Spiegelneuronen') im Gehirn aktivieren, wie jene die wir beobachten und die etwas tun. Das sind mehr als einzelne Neuronen, sondern ganze Verhaltenskomplexe."

"Ich würde es aus meinen Forschungen an Tieren - gerade im Vergleich zum Menschen - so formulieren: Es existiert eine gemeinsame Weltwahrnehmung auch mit den Tieren, aus der aber jeder seine eigene Welt konstruiert."

"Ein Beispiel: Ein (Berber)Affe weist, wenn er auf der Hand sitzt und der Mensch nimmt eine Nuß, dieselben Gehirnströme auf als nähme er die Nuß selbst."

"Es ist eindeutig für mich, daß ein Tier sich fundamental in seiner Kommunikation vom Menschen unterscheidet. Selbst beim Schimpansen, dessen physiologichen Voraussetzungen dem des Menschen sehr ähnlich sind, kennt keine Kommunikation, die sich vom Gegenstand löst, die also abstrahiert. Alle entsprechenden Versuche sind lediglich Formen der Konditionierung, der Verbindung von Erfahrung und Laut oder Geste. Es gibt im Tierreich auch keine hinweisende Geste. Natürlich kann das im Verkehr mit Menschen sehr weit gehen (weil es sich der menschlichen, differenzierteren Welt anpaßt.)"

"Die Verhaltensforschung an Tieren war sehr lange sehr anthrophozentrisch, wir haben also alles auf seine Nähe zu menschlichem Verhalten interpretiert. Wenn man sich davon aber löst, wird das tierische Verhalten viel besser deutbar."

"Es wird aus der Verhaltensforschung bei Tieren derzeit viel darüber diskutiert, daß man evolutionär den Zeitpunkt der Entstehung der Sprache beim Menschen viel viel weiter zurückdatieren wird müssen. Mit dem Kernsatz: "Nichts Genaueres über die Sprachentstehugn wissen wir eigentlich nicht."

Freitag, 12. Oktober 2007

Bericht eines Scheidungsrichters

Jürgen Rudolph, einer der renommiertesten Familienrichter Deutschlands, im Radio-Interview:

Die Scheidungsquote von mittlerweile über 50 % entstehe in erster Linie in den Großstädten - mit 70-80 % Scheidungsquote in Wien (die höchste im deutschsprachigen Raum), Hamburg ... Von den städtischen Randgebieten aus greife die hohe Scheidungsquote zunehmend auch aufs Land über.

Immer sei für zumindest einen der beiden Betroffenen die Scheidung ein umfassender Bruch der Lebensvita.

Für Kinder sei eine Scheidung ebenfalls ausnahmslos ein traumatisches Erlebnis (was Rudolph zu einem Vorkämpfer eines vermitteln sollenden Verfahrens macht, wo die Scheidungsauseinandersetzungen im Vorfeld und von den Kindern getrennt ablaufen sollen, in D als "Cochemer Modell" bekannt). Eine Folge sei dabei typisch, daß - als Überlebensstrategie - die Kinder die Haltung desjenigen Elternteils übernehmen, bei dem sie verblieben (zumeist also die Frau) Das führt sehr oft zur Dämonisierung des "weggehenden" Elternteils. Hier ließen sich auch die gravierendsten psychosozialen Folgen aufzeigen. Rudolph gebraucht dabei Kinder anbetreffend den Begriff "Mißhandlung", weil die Kinder in einem für sie unlösbaren, von sehr realen Ängsten dominierten Spannungsverhältnis stünden.

Rudolph plädiert deshalb auch für rasche sachliche Auseinandersetzung ("Cochemer Modell", das interdisziplinär alle Faktoren so rasch als möglich zu klären versucht, eine Art umfassendes Mediationsmodell also), weil die reine (solange die Verfahren dauern unentschiedene) Kampfsituation die schwersten Folgen hat und die Konflikte noch weiter verfestigen. Zudem verlagert sich bei länger dauernden Auseinandersetzungen die richterliche Entscheidung zunehmend auf prozessuale Eigendynamiken, verlangt Gutachten etc., wird also ein möglicher Konsens zunehmend unwahrscheinlich.

Die entscheidenden Motive der sich Trennenden in den Scheidungsprozessen seien Verletzungen, wobei schon deshalb die meisten Motive unbewußt wirken, auch gestützt vom jeweiligen sozialen Umfeld. Diese Verletzungen bestimmten auch die Art des Kampfes um die Kinder. Der bei Männern eher über charakterliche Einschätzungen der Frauen, bei jenen über Kriminalisierungen der Männer gehe.

Eine Aussage, ob die Trennung vorwiegend von Frauen ausgehe, könne man nicht treffen. Es läßt sich nur sagen, daß die Frauen in der Mehrzahl die Schritte unternehmen. Die "einfachsten" Scheidungen ergäben die Ehen mit einer Dauer von 5-7 Jahren, die häufig sehr schlicht auf ein "war halt nicht der Richtige" hinausliefen.

Immer unterschätzt sieht Rudolph den "Nachtrennungskampf", auch, wenn wohl Regelungen bestehen, doch Änderungen in den Lebensumständen (neuer Partner z. B.) des anderen eintreten. Wobei nach Rudolph's Einschätzung Männer wie Frauen gleichermaßen, wenn auch anders, unter der Trennung von Kinder litten.

Was in den von Rudolph also verlangten (und in Deutschland zunehmend flächendeckend installierten) Mediationen von Scheidungen "gelöst" wird, bleibt aber gerade angesichts dieser Tatsachen fraglich. Bestenfalls kann es wohl darum gehen, die wirklichen Beurteilng (und DAMIT nämlich Lösung) der Konflikte auch mit rechtlichen Schritten zu verhindern (nicht alle Richter sind ja wohl deshalb bereit, das Prinzip zu übernehmen) - um Schmerz für die Kinder zu vermeiden, seelische Probleme wie unter Eis zu legen. (Etwas, das ich auch den "rainbow-"Bewegungen in Ö vorzuwerfen habe, so edel ihre Motive auch sonst sein mögen.) Oder nach dem Motto "ist das Problem unlösbar, dann ändere die Sichtweise darauf", das letztlich (wenn es nicht vereinzelte Notmaßnahme bleibt) auf ein anderes Menschenbild zurückgeht.

Sodaß ich auch von dieser Seite in der Auffassung gestärkt bin, daß eine Scheidung - zumal wenn Kinder da sind - im Prinzip unlösbare Fakten und Brüche schafft, die bestenfalls subjektiv überwunden ("... trotz der Scheidung und trotz der Trennung der Eltern") und ins Leben integriert, nie aber behoben werden können. Man kann ja auch lernen, mit einer Krücke noch so weiterzuleben, daß man das, was mit der Krücke noch möglich ist, wahrnimmt.

Aber das heutige Reden um eine gar neue, der alten auf Ehe gegründeten Familie quasi ersatzlos gleichberechtigten "Patchworkfamilie" wird immer als fahrlässig und dumm entlarvt.

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Über die Gleichsetzung von Licht und Gott

Das Licht wird (und wurde vor allem) von allen Menschen als das erste und entscheidende Kriterium des Lebens erfahren und erfaßt. Insofern ist es völlig verständlich, daß es in seinem Ausgangspunkt, der Sonne, mit Gott (in vielen Religionen ontologisch) gleichgesetzt wurde und wird. Dieser Gedanke findet sich in nahezu allen Religionen. Und sei es, daß es durch den Begriff der "Erleuchtung" ausgedrückt wird.

Auch das Christentum hat diesen Gedanken somit zentral, und wenn es in der Osternacht heißt "Lumen Christi - Christus das Licht", und zu diesem dreifachen Ruf der Kirchenraum allmählich, von der Osterkerze ausgehend, ins Licht emporsteigt, die Welt aus dem Dunkel (des Nichtseins) herausgerissen wird, vom Licht erfaßt wird, so drückt sich dies aus. Über die historischen Entwicklungen nahezu vergessen wurde dieser Gedanke im Kirchenbau, wo die Wandlung "gegen das Licht zu", "auf das Licht hin" geschah, durch die Levitierung (Hebung) der Opfergaben, die (in den realen Gott) aus dem Licht heraus verwandelt werden.

Aus diesem Grund kann man auch nie von "Volksaltar" o.ä. sprechen, dieser Gedanke an sich ist eigentlich lächerlich. Es ging um das Gegenübertreten zu Gott hin. Es ist hinlänglich nachgewiesen, daß dieses Wenden auch des Volkes zur Sonne hin bis ins hohe Mittelalter, ja bis in die Renaissance hin liturgisch üblich war. Erst die stärkere Rationalisierung des Glaubens - deutlich im Protestantismus - hat eine Fixierung der Zelebrationsrichtung über bauliche Maßnahmen (Kirchenbänke) gebracht. Bis hin zur Incarnierung des gesamten Himmelsgeschehens, des transzendenten Geschehens im Barock. Der somit einerseits die Tendenz der scholastischen Metaphysik ausdrückte und verwirklichte, anderseits ihre Gefahren - nämlich genau diese Spiritualisierung, also quasi Entwirklichung, Entfleischlichung des Glaubensgeschehens, das immer mehr in die Vorstellungswelt des Menschen hineinverlegt wurde, wie sie heute geschieht, bis hin zur ontologischen Vergöttlichung des faktischen Menschen an sich, dem nämlich eigentlichen und in praxi ganz rasch häretisch werdenden (auswählenden) Zentralgedanken der "neuen Liturgie" - mit sich brachte.

Das, was das Licht bedeutet, drückt Eigenschaften Gottes aus: Es ist nicht machbar, es ist Urgrund allen Lebens, ja das Leben selbst (ich verweise auf parallele Erkenntnisse der Physik, die hier interessante Fragestellungen aufdrängen, daß nämlich das Licht das von ihm Beschienene, die Form, zu dem dieses erwacht, auf eine Weise mit sich bringt) ist, es ist nur zu empfangen, und es regelt unser gesamtes Leben und Geschehen, aber auch unser Erkennen. Wir können uns ihm nur unterwerfen. Das, was dem Licht also zugeschrieben wird, floß mit der Beschreibung Gottes in eins.

Gott Vater, der im unzugänglichen Licht wohnt ... Und: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott - so heißt es nach wie vor im "großen" Glaubensbekenntnis.

Zugleich erfolgt auch weltweit die Gleichsetzung des Bösen, des Gegen das Sein Gerichteten, mit dem Dunkel.