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Mittwoch, 31. Dezember 2008

Schlicht: köstlich


Der KURIER bringt einige Peinlichkeiten des Jahres 2008, und ich kann nicht widerstehen, einige davon hier zu bringen:

Glänzender Tipp
Zum Thema "Tipps gegen die Teuerung" Fiona Griffini-Grasser (aus dem Hause der Multimillionäre Swarowsky): "Wenn man Platz auf seiner Terrasse hat, dann soll man sich sein Gemüse, seinen Salat einfach selber anbauen."

Spitzerl
Claudia Stöckl fragte beim sichtlich angeheiterten Tobias Moretti nach, wie er sich den Verbleib von Dita von Teese im WC erklären könne. Moretti dazu:
"Wer?"
"Der Stargast von Richard Lugner (Anm.: am Opernball), Dita von Teese."
" Dieter, ein Mann?!"
"Nein, das ist eine Frau, eine Tänzerin, eine Edel-Stripperin (…)."
"Wieso heißt die dann Dieter?"
(siehe Photo: Dita von Teese)

Religion des Schönen

Schiller 1794 an Goethe: "... Hält man sich an den eigentümlichen Charakter des Christentums, der es von allen monotheistischen Religionen unterscheidet, so liegt er in der Aufhebung des Gesetzes oder des Kantischen Imperativs, an dessen Stelle das Christentum eine freie Neigung ersetzt haben will. Es ist also in seiner reinen Form Darstellung schöner Sittlichkeit oder der Menschwerdung des Heiligen, und in diesem Sinne die einzige ästhetische Religion; daher ich mir auch erkläre, warum diese Religion bei der weiblichen Natur so viel Glück macht, und nur in Weibern noch in einer gewissen erträglichen Form angetroffen wird. ..."

Montag, 29. Dezember 2008

Krank sein dürfen

Schiller in seiner Antwort auf eine Einladung Goethe's nach Weimar: er könne (aufgrund seiner Krämpfe) nicht dieses und nicht jenes, morgends schlafe er, weil er nächtens nicht schlafen könne, ja er könne an so gut wie nichts teilzuhaben versprechen, weshalb er bereits jetzt fest verspreche, an keinem von Goethe's Vorschlägen, etwas zu unternehmen, teilzuhaben, und er erbitte sohin dringend, ihn von allem entbunden zu sehen, wo andere an ihn gebunden seien - dann komme er gerne. "Erlauben Sie mir aber bitte, krank zu sein!"

Nur Schönheit ist Kultur

Natürlich verknüpft sich Freiheit (siehe: Goethe's Definition von Schönheit, die Freiheit voraussetzt) mit Schönheit zur Kultur. Kulturelle Höhe ist gekennzeichnet durch Schönheit.

Weshalb man viel zu leichtfertig von KulturEN der Welt spricht - denn nicht selten findet sich lediglich ein Zustand einer Kultur, deren Kultur-sein vom Freiheitsgrad abhängt.

Innerhalb von Getriebenheiten - und seien es solche von natürlichen (an sich abstrakten, Konkretion in einem kulturellen Gefüge zu einem solchen suchenden) Neigungen, die zu Trieben als Haltungen ausgehärtet wurden - ist auch keien SChönheit, lediglich technische Tauglichkeit (Attraktivität ist eine Kategorie dieser Technik) zu finden.

Mehr als notwendig

Goethe schreibt in einem Traktätchen, daß die Schönheit eines Lebewesens in der Darstellung der Freiheit in seiner Möglichkeit zur Möglichkeit (dem actu der potens) besteht bzw. sinnlich erfahrbar wird - in der Ausgedrückten Freiheit von Notwendigkeit. Jede Bewegung drücke dieses "Mehr" aus, diese Nicht-Getriebenheit.

Dem ist eigentlich nur hinzuzufügen, daß Freiheit eine Kategorie des Menschen ist, ihre Möglichkeit somit Auftrag zur Schönheit, aber wiederum innerhalb der geschöpflichen Vollkommenheit, also konservativ (und nicht positivistisch) verbleibt.

Die Überschreitung dieser Vollkommenheit ist ein Schritt zum Ästhetizismus, zum Manieristischen, und genau dieses Abgleiten dorthin zeigt sich im Idealismus der Romantik.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Vielleicht bist Du's

Unvermutet, in seinen Briefen, dies Gedicht von Jakob Burckhardt:

Sonntag, 14. Dezember 2008

Man merkt die Absicht und ist verstimmt

Immer wieder ist die Decke zu kurz, die Willim Golding in "Der Herr der Fliegen" über seine Ideengerüste in Handlung und Charakteren geworfen hat, sodaß ich der hohen Meinung über dieses sein Buch nicht wirklich beipflichten kann. Golding will eine Theorie darstellen, das merkt man auf Schritt und Tritt, und Figuren wie Handlung dient lediglich der Illustration dieser Theorie: der Entstehung von totalitären Regimen.

Zwar ist manches an seinen Gedanken, dem man beipflichten kann, viel Wahres über Zusammenhänge von Irrationalem, Bösem und Religion, sowie Vernunft. Aber daß Golding dabei aus der aufklärerisch-rationalistischen Ecke kommt, für die Numinoses generell nicht mehr ist als psychologisch-mechanistisch erfaßbares, weltimmanentes, rein subjektivistischer Schwächeaffekt kann er ebenfalls nicht abstreiten.

Gewiß, das Totalitäre in seiner Zustimmung durch den Großteil der Masse kann sich auf irrationale Ängste berufen, die es kanalisiert, in Gruppenerlebnissen läutert sowie jene als deren Ort der Erlösung erfahrbar macht. Gewiß und sogar möglicherweise ungewollt tiefsinnig auch der erklärte Zusammenhang von Machtusurpation (ungerechtfertigter Aneignung) und Neid, ja Sturz des Vaters. Sehr schön, gewiß, auch die Erklärung des die Gesellschaftsordnung begründenden als wesentlich tradions- und dann tabubestimmt. Aber schon an deren Entstehung aus bloß persönlicher Willkür, aus zufälliger, willkürlicher Wahl von Attributen, die ein irgendwie gewordener Führer festlegt, bricht sich die Theorie, sucht sie sich Fundamente, die nicht halten.

Golding's Immanentismus stört denn also, und vermutlich liegt die letztlich fehlende Glaubwürdigkeit des Buches, die man an der Plausibilität der Charaktere und Geschehnisse mißt, das kaum über einen (wenn auch sehr intelligenten) Traktats hinauskommt, genau darin: daß eine Dimension des Menschen schlicht fehlt, und daß Religion eine Dimension des Wirklichkeit, und nicht einer biologistischen Psychologie ist. Vermutlich bezieht das Werk seinen Ruhm eben nicht aus seinem Rang als Kunstwerk, sondern als Versuch einer Illustration der Metapher einer Theorie des Totalitären.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Was nur man selbst kann

Schiller, zu der Zeit Geschichts-Dozent in Jena, frägt Dalberg, was er nun tun solle: als Schriftsteller historischer Schriften weiterleben, oder als Dichter weiterleben?

Dalberg antwortete: "... ich würde wünschen, daß Sie in ganzer Fülle dasjenige leisten, was nur Sie leisten können, und das ist das Drama."

Leisten, was nur durch einen selbst geleistet werden kann - die höchste Spitze des Menschseins, von der aus der Mensch selbst definiert wird, den es nur als Individuum gibt.

Das Höchste im Leben des Einzelnen wird Gestalt, wenn es aus der Wirklichungskraft des (gereinigten, reinen) Selbst steigt.

Ein Prinzip des "Höheren Guts." Eine Hilfe für Lebensentscheidungen.

Samstag, 6. Dezember 2008

Orden der strengsten Observanz


Ein Trappistenkloster (reformierte "Zisterzienser von der strengeren Observanz", während Zisterzienser wiederum reformierte Benediktiner sind) kehrt geschlossen zur "Alten Ordnung" zurück - im Ordensleben, im liturgischen Leben: Marienwald. (siehe Photo; Titelverlinkung: Artikel auf kreuz.net)

Der Abt: "Man übersieht meist, wie viel Anziehungskraft die französischen Klöster auf junge Menschen haben, die die Alte Liturgie pflegen." (Anm.: in Frankreich gibt es eine Reihe von Abteien, die sich teils schon lange wieder oder überhaupt der traditionellen Liturgie verschrieben haben, wie Le Barroux)

Die Genehmigung aus Rom für diesen Schritt langte lt. Bericht angeblich so rasch nach dem Ansuchen ein, daß die Vorbereitungen zu dieser Umstellung noch gar nicht abgeschlossen waren und nun beschleunigt nachgeholt werden.

Vielleicht entsteht bald der nächste benediktinische Zweig - die "Marienwalder - Orden von der die Strenge wieder streng machenden Observanz"

Hoffentlich schaffen sie nicht - auch das gibt es ja bereits, u. a. in der Piusbruderschaft - eine neue Häresie, reihen sich ein in eine Strömung, die Merkmale einer Modeerscheinungen hat: der Häresie des Traditionalismus, oder: des zur Häresie betonten Traditionalismus.

Böse Zungen behaupten, es gäbe ohnehin nur einen einzigen katolischen Orden - den der Benediktiner. Alle anderen wären (für sich gesehen) häretisch. (Häresie = das Auswählen, das Ausgewählte)

Freitag, 5. Dezember 2008

Dann packe zu!

Jack Malloy in "Verdammt in alle Ewigkeit" kurz vor seinem Ausbruch, den er Prew zu dessen Überraschung verriet - er hielt seinen Zellenkumpan bis dahin für absolut abgeklärt und ausgewogen, aber der winkte ab, er stehe auf tönernen Füßen: "(Im Gegensatz zu Dir) ... habe ich die Armee nie geliebt. Ja, ich habe überhaupt nie etwas genug geliebt, und deshalb gehöre ich nirgendwo dazu. Die Dinge, die ich geliebt habe, waren alle zu trügerisch, zu irreal. Ich leide an der gleichen Krankheit, die ich zu diagnostizieren versuche und die die Welt zerstört.

Das ist's, was mich mein ganzes Leben lang verfolgt hat, (...) Immer ist es hinter mir her gewesen und hat mich zu Fall gebracht, dieses Ding, das ich gesucht hab und niemals finden werde. Welcher Platz im Himmel auch immer auf mich wartet, ich gäbe ihn dafür, wenn ich etwas so lieben könnte, wie du die Armee liebst. Verlaß sie nicht, (...) Niemals.

Wenn ein Mann einmal das gefunden hat, was er wirklich liebt, dann muß er es festhalten, ganz gleichgültig,ob seine Liebe erwidert wird oder nicht. Und (...) wenn es ihn schließlich tötet, sollte er dankbar dafür sein, daß er überhaupt die Möglichkeit hatte, so zu lieben. Darin liegt nämlich das ganze Geheimnis.
"

Dazu vielleicht nur zwei Bemerkungen, Hinweise - auf diese Angst vor dem Schmerz, dem Tod, dem man sogar sein Glück opfert, einerseits, und: die (eben: Nicht-)Erziehung zur Trägheit der Versorgtheit, ja: des Förderwesens, das zutiefst einer Haltung der Lieblosigkeit erwächst, die das Kind schon genau das, was es liebt, vielleicht sogar noch erkennen läßt, aber den entscheidenden Ernst, es festzuhalten, nie ertüchtigt, sodaß der Mensch, erwachsen, korrumpiert, dem davonwehenden Glück schlichtweg ... traurig nachblickt.

Es ist eben nicht (zumindest nicht: zuerst) die Versorgtheit, die Versicherung gegen die Lebensunbill, die Lebensgeglücktheit grundlegt.

Es ist der Wille, zuzupacken - vor dem Hintergrund der fehlenden Furcht vor Schmerz und Tod.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Angst vor dem Tod

Goethe meint einmal, daß alle Kunst religiös sei, ja sein müsse. Sei sie das nicht mehr, würde sie bloß nachahmend. Dazu fügt CJ Burckhardt noch die Bemerkung an, daß er den Eindruck habe, daß die heutige Künstlergeneration dem entgehen wolle. Sie fürchte die Nachahmung so sehr, daß sie die Schönheit im platonischen Sinne (T. v. Aquin: Gott schafft immer geometrische Formen, das heißt Ordnung und Harmonie) nicht nur meide, sondern sie jedesmal wenn sie auftauche, breche.

Immerhin - im Werk tritt der Künstler gnadenlos sich selbst gegenüber.

Das Neue = das Andere

C. J. Burckhardt in einem Brief (1946) an Gustav Bally (u. a. Präsident d. schweizer Gesellschaft f. Psychiatrie): "... dieses mir psychologisch so merkwürdigen Begriff 'des Neuen', das doch nichts anderes sein kann als das Andere, nämlich eine Ausschließung von allem Seienden und Bewährten."

Dienstag, 2. Dezember 2008

Über das Vorherwissen

"(... denn da ihm alle Dinge gegenwärtig sind, sieht er sie vielmehr, als daß er sie vorhersieht), ... in Wahrheit sehen wir es so kommen, weil es so kommt; aber es kommt nicht so, weil wir es so kommen sehen. Das Geschehen macht das Wissen, und nicht das Wissen das Geschehen. Was wir kommen sehen, kommt so; aber es konnte auch anders kommen; und Gott sieht im Buch der Ursachen des Kommenden, das vor seiner Allwissenheit aufgeschlagen liegt, auch jene, die wir zufällig nennen, und die willkürlichen, die in der freien Wahl stehen, mit der er unseren Willen begabt hat, und er weiß, daß wir fehlen werden, weil wir haben fehlen wollen." (Montaigne)

Das hat Humor!

Zur Zeit der Proteste bis 1989 (Wende) im kommunistischen Polen verkleideten sich im schlesischen Breslau bei Protestaktionen Studenten als Zwerge.

Die Polizei mußte dann bei den Verhaftungen ... Zwerge inhaftieren. Während die Studenten skandierten: "Ihr könnt doch keine Zwerge verhaften!"

Sonntag, 30. November 2008

Durch Schönheit nicht zu erschüttern

Hugo von Hofmannsthal schreibt einmal, vermeintlich Schiller zitierend: Die Deutschen seien - anders als z. B. die Italiener, die Südländer generell - nicht von Schönheit zu erschüttern, sondern nur durch Moralisches. Entsprechend seien seitens des Dramatikers die Rückschlüsse auf die dramatischen, kathartischen Mittel zu ziehen.

In "Die Technik des Dramas" weist Gustav Freytag mit dem interessanten Satz "Die Muse der Kunst ist keine barmherzige Schwester!" darauf hin, daß sozial-politische Problematik im Drama nichts verloren habe.

Samstag, 29. November 2008

Ars semper reformanda

Künstlerische Freiheit bemißt sich nicht an moralischen, normativen Inhalten, sondern ihr Maß ergibt sich aus der Fähigkeit, Distanz zu in (privat-gesellschaftliche) Figur geronnene Haltungen zu wahren. Denn die Tendenz zur Konventionalisierung hat keine inhaltlichen Grenzen, sondern verhält sich maßgeblich relativ zum vorherrschenden, resentimentbildenden gesellschaftlich-kulturalen Sukkus.

Es ist heute zu beobachten, daß künstlerische Qualität an bestimmten Haltungen und Normen festgemacht wird. Dabei wird übersehen, daß in dem Moment, wo die notwendig künstlerische Rebellion (das, was man eigentlich mit "links" bezeichnet) zu politischen Inhalten gerinnt, sich mit dem Marxismus verschwistert, lediglich eine Konvention durch die andere ersetzt wird.

Gerade die Avantgarde von heute zeichnet sich damit sehr häufig durch ein Maß an Konventionalität aus, das beeindruckend ist. Denn auch wenn manche es nicht glauben wollen: Spießbürgerlichkeit kennzeichnet sich gerade durch die Tendenz zur Masse, durch Konventionalisierung der Rebellion aus.

Umgekehrt ist die künstlerische Rebellion eine Haltung der Reform, eine Gegenwehr gegen Historisierung, und insofern immer Seins-, Wesens- und Substanzbezogen. "Ars semper reformanda!" Also muß sie in Zeiten des Verfalls "konservativ" sein.

Freitag, 28. November 2008

Den Menschen überschätzt

Die Erkenntnis, daß hinter allem Geschehen abstrahierbare Kräfte stehen, daß die Menschen lediglich Puppen im immer gleichen Spiel der welttragenden Mächte und Willen sind, an dem bloß teilzunehmen ist, weil das Entscheidende die Haltung diesen Dingen gegenüber ist, die Frage des "Ja" um Sein, des Fiat, dies also bringt mit sich, daß auch im Drama die treibenden Kräfte anders gesehen werden müssen, als ich es bisher tat.

Denn geht es bestenfalls im Einzelfall um den Menschen selbst als ein Geschehen auslösende Kraft (und wird genau deshalb verständlich, warum es so lange kein Drama der "gewöhnlichen Schichten" gab, sondern lediglich der Mächtigen, denn wenn sind noch sie diejenigen, die am ehesten das können, was man Handeln nennen kann) so ist der Handlung selbst viel mehr Augenmerk zu widmen.

Freytag meint (indem er Aristoteles zitiert) überhaupt, daß vor allen Charakteren die Handlung ein Stück trägt. Auch die Spannung selbst kann nie an einem Charakter, sondern muß an der Handlung aufgehangen werden - weil nur Handlung Spannung erzeugen könne, so interessant auch ein Charakter sein mag. Handlungen müssen logisch sein, sich auf Null Rest auflösen. Charaktere hingegen sind wie im Leben rätselvoll.

Ihr Handeln ist sohin eher noch ein Stören, dem Geschehen des Ende des 1. Aktes also zugehörig, das den dramaturgischen Hauptkonflikt ausgeformt haben sollte.

Donnerstag, 27. November 2008

Erst einmal nach oben - dann wird alles wieder anders

©cheelz; www.pixelio.de
C. J. Burckhardt 1915, während einer Deutschland-Reise: "... Das ist eine der üblen Erscheinungen der Zeit: das Vormacht-ausüben-wollen, das Führen-wollen; keiner will mehr dienen. Liebe zu den anderen, ausübendes Mitleid den Schwachen - das findet man so selten mehr. Menschen und Völker sind verblendet: sie hätten die einzige Pflicht, zu steigen, um dann wohltuend zu herrschen, und weil sie an ihre Mission glauben, glauben sie keiner täglichen Pflicht mehr, treten und zertreten, um hinaufzukommen und einmal oben, verfallen sie dem Egoismus."

Ich stelle die Sätze, mit denen der Schweizer die Veränderungen in Europa kommentiert hat, unter das Label "Emanzipation, Frau"

Mittwoch, 26. November 2008

Ein tragischer Moment

Der Vater von Carl J. Burckhardt hatte - neben seiner Gradlinigkeit - eine ausgeprägte Feinfühligkeit und Verletzlichkeit Unrecht gegenüber. Eines Tages hatte er einem Mitglied des Schweizer Parlaments (dem er selber angehörte) unberechtigte Anwürfe anhören müssen, worauf er für einen Moment die Fassung verlor und meinte, es sei eine Ungeheuerlichkeit, daß er sich von einem Manne (Anwalt), der in einem Prozeß einen Zeugen für ein falsches Zeugnis bezahlt habe, so beleidigen lassen müsse.

Der solcherart Angesprochene rief empört, ob Burckhardt sich diesen Vorwurf auch außerhalb der parlamentarischen Immunität zu wiederholen wage. Was der geradlinige Charakter prompt tat ... und daraufhin verklagt und verurteilt wurde, weil er es nicht beweisen konnte. Ein Jahr später nahm er, der mit diesem (nur von ihm gewußten) Unrecht nicht leben konnte, sich das Leben.

Jahre später erfuhr der Sohn, von dem es später ebenso hieß, daß "keine Lüge über seine Lippen" komme, von einem Zeugen am Sterbebett nämlichen Anwalts, daß dieser die schwere Gewissensbelastung eingestanden habe - denn: er hatte den Zeugen seinerzeit tatsächlich bestochen.

Dem Zug der Natur nach

Carl Jakob Burckhardt in einem Brief (1914) an Jacob Wassernagel: "... Du solltest überzeugter sein, daß gar nichts Dein Leben an glücklicher Entfaltung hindern kann, wenn Du nur stets dem großen Zuge Deiner Natur nachlebst und der kleinen Eigensucht, den Ergriffenheiten und Wünschen des Moments absagst. ..."

Montag, 24. November 2008

Binnen einer Sekunde ein anderer Zelltyp

Maureen Condic, Dozentin am Westchester Institut für „Ethik und die menschliche Person“, in einem Interview mit Zenith (Titelverlinkung: das originale Interview) über den Zeitpunkt, ab wann definierbar menschliches Leben aus naturwissenschaftlicher Sicht entstehe - kurz: beobachtbar "binnen einer Sekunde ab der Vereinigung von Ei und Samenzelle", in denen sich ein neuer Zelltyp eines neuen Organismus formiert. Alles andere ist nur noch eine Frage der Aktualisierung des Menschseins. Danach zu urteilen unterliegt derselben prinzipiellen Frage wie z. B. die Euthanasierung von Behinderten, oder überhaupt irgendwie definiert Lästigen.

Einige Passagen daraus:

...

Maureen Condic: Die zentrale Frage, „wann beginnt menschliches Leben“, läst sich auch etwas anders stellen: Wann hören Samen- und Eizelle auf zu existieren, und was für eine Art von Ding nimmt ihren Platz ein, wenn das geschehen ist?

Um diese Frage wissenschaftlich anzugehen, müssen wir uns auf eine logische Beweisführung und auf das tatsächliche Beweismaterial stützen. Wissenschaftler unterscheiden zwischen verschiedenen Zelltypen (zum Beispiel zwischen Samenzelle, Eizelle und der Zelle, die diese bei der Befruchtung hervorbringen). Diese Unterscheidung erfolgt nach zwei einfachen Kriterien: Die Zellen werden als unterschiedlich erkannt, weil sie aus verschiedenen Komponenten bestehen und weil sie sich verschieden verhalten.

Diese beiden Kriterien werden durchweg bei wissenschaftlichen Versuchen angewandt, um einen Zelltyp vom andern zu unterscheiden, und sie sind die Basis jeder wissenschaftlichen Unterscheidungen - im Gegensatz zu subjektiver Meinung entspringenden oder auf dem Glauben gründenden Kriterien oder etwa politischen Unterscheidungen. Ich habe diese zwei Kriterien auf die wissenschaftlichen Daten, die für die Befruchtung von Belang sind, angewandt. Auf ihnen gründet die Schlussfolgerung, dass ein neuer menschlicher Organismus in dem Moment der Verschmelzung von Sperma und Eizelle entsteht.

ZENIT: In der Welt der Wissenschaft sagt man doch vielerorts, dass die Befruchtung nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt geschieht, sondern dass sie vielmehr ein Prozess ist, der am Ende des ersten Zellzyklus endet, nämlich 24 Stunden später. Warum ist es wichtig, einen „Zeitpunkt der Empfängnis” zu bestimmen, im Gegensatz zu einem „Prozess der Befruchtung“?

Maureen Condic: Es geht nicht so sehr darum, irgendwie einen Moment oder einen Prozess der Befruchtung abstrakt zu bestimmen. Vielmehr geht es darum, Schlussfolgerungen und Entscheidungen über menschliche Embryonen auf eine zuverlässige wissenschaftliche Beweisführung und auf die besten zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Daten zu gründen.

Hätte diese Analyse zu einem anderen Ergebnis geführt – zum Beispiel dazu, dass die Befruchtung ein „Prozess“ ist, – hätte ich dieses Ergebnis als wissenschaftlich gültig akzeptiert. Aber die Analyse der besten zur Verfügung stehenden Daten erhärtet nicht die Schlussfolgerung, dass die Befruchtung ein „Prozess“ ist. Sie bestätigt vielmehr das Ergebnis, dass die Befruchtung ein Ereignis darstellt, das in weniger als einer Sekunde abgeschlossen ist.

Der Prozess der Vorgänge während der ersten 24 Stunden nach der Verschmelzung von Sperma und Eizelle ist eindeutig einzigartig, aber die Ereignisse sind auch eindeutig Akte eines menschlichen Organismus, nicht Akte einer bloßen menschlichen Zelle.

...

Doch dafür ist es Poesie!

Ludwig Curtius erzählt von einem Nachbarn, den er eines Nachmittags in einem Café auf der Piazza della Signoria in Florenz getroffen hatte. Ein junger Mann, Tischlergeselle, dessen Verdienst aber für eine Familiengründung nicht ausreichte, um zu heiraten. Es sei ein übler Zustand. Die Florentiner Mädchen aus ehrlichen Häusern seien aber spröde.

Freilich sei es da viel leichter, sich mit feilem Weibsvolk abzugeben.

Aber: "Ma, non c'è poesia." (Aber das ist doch keine Poesie!)

Freitag, 21. November 2008

Ob im Liegen oder Stehen - immer zu Diensten

Als Don Quixotte dem Herzog, vielmehr der schönen Herzogin entgegen, von seiner Rosinante absteigen wollte, fiel er mitsamt seinem Sattel von demselben und lag somit, übel zugerichtet, am Boden. Der Herzog ließ ihn aufheben, und bedauerte unsäglich, daß ein so schlimmer Zufall bei ihrem ersten Zusammentreffen zu beklagen sei. Doch der Ritter von der traurigen Gestalt meinte, während er sich hinkend dem herzöglichen Paar näherte: "Derjenige, der mich betroffen, kann unmöglich ein schlimmer gewesen sein, und wenn sich mein Fall selbst bis in den Abgrund der Hölle erstreckt hätte, denn auch von dort hätte mich das Glück erhoben und gerettet, Euch gesehen zu haben. ... wie auch immer ich mich befinde möge, gefallen oder aufgestanden, zu Fuß oder zu Pferde, werde ich immerdar zu Euren Diensten sein wie zu denen meiner gnädigen Herzogin, Eurer würdigen Gefährtin, und der würdigen Herrin der Schönheit und erhabensten Fürstin aller Gnade."

Wir sind was wir gehört

Dieser Werbung liegt eine interessante Idee zzgrunde, die m. E. aber nicht ordentlich genug durchreflektiert wurde. Also geht sie auch etwas daneben, bleibt unklar - die Aussage ist auch falsch: "Ich bin ... der Meteorologe" usw. usf.) Ich sähe hier eine schöne Anspielung auf den Satz von Golo Mann "Wir sind was wir gelesen" - unser Menschsein, unsere Leistung ist nicht das "Erfinden" von Aussagen über die Welt, sondern unsere entscheidendes Maß ist jenes des Charakters, des Herzens, das zusammenfügt und auswählt, ist unsere Phantasie. Doch diesen Satz ontologisch zu gebrauchen ist problematisch.

Auch wenn dieser Spot (der leider nur auf den Standard-Seiten direkt zu sehen ist - hie das Link) schon etwas klarer ist als jener, den der Telephonanbieter "Orange" (daß es ein solcher ist kommt m. E. nicht einmal als blanke Information durch) bislang ausstrahlte.

Poetische Werbung

Eine Werbung, die nette Geschichten erzählt, ja poetische Momente hat:

Donnerstag, 20. November 2008

Szivemben bomba van ... Budapest Bár

Umwerfend: Budapest Bár im Konzert zu sehen: "Szivemben bomba van" ("In meinem Herzen befindet sich eine Bombe") - Kiss Tivor und Németh Juci

Dienstag, 18. November 2008

Die Revolution von 1918

Es ist mein Gefühl für Fairness, das mir fast vorschreibt, diesen Artikel - angeblich aus der Hand Alfred Gusenbauers, des gerade noch, aber schon eigentlich nicht mehr Kanzlers - vorzustellen: im Standard (siehe: Titelverlinkung) hat Gusenbauer einen bemerkenswerten Artikel über die Gründung der Republik und ihre ersten Jahre veröffentlicht: in der Form eines historischen Überblicks, der zwar deutlich die Literatur anmerken läßt, aus der er herausgearbeitet ist, von dem ich aber meine, daß er eine selten präzise Information über die wesentlichen Vorgänge zur - nämlich: richtig bezeichneten! - Revolution von 1918 liefert: So, wie ihn die Sozialdemokraten gerne hätten nämlich. So könnte er sofort Eingamg in jede politische Akademie der SPÖ finden, und von dort stammt die Literatur vermutlich auch, aus der Gusenbauer exzerpiert.

Was ihn nicht hindert, bemerkenswerte Exzerpte anderer Quellen zu Stellungnahmen - zum Tod von Dr. Haider wie Dr. Zilk - umzuformulieren, in denen Gusenbauer - wie in diesem Artikel - den blitzschnellen Wechsel seines Rollenfachs öffentlich bekanntgibt: vom pubertären Lauser zum über allen Dingen stehenden "Weisen" ... Ein Vexierbild wird durch das nächste ersetzt, mehr als Pseudologie paßt in die Persönlichkeit dieses Mannes nicht hinein.

Einige interessante Passagen:

... Die Ziele der Sozialdemokratie waren u. a. "das gesamte Volk ohne Unterschied der Nation, der Rasse und des Geschlechtes ... aus den Fesseln der ökonomischen Abhängigkeit, ... der politischen Rechtlosigkeit und ... der geistigen Verkümmerung" zu befreien. Mit der demokratischen Republik wurde die politische Basis dafür geschaffen.

... Im Oktober und November 1918 waren die Sozialdemokraten die einzige Kraft, die über politische Konzepte verfügte und sie gegenüber den Arbeitermassen vertreten konnte. Das Elend des Krieges, die Hungersnot, auch das Beispiel Sowjetrusslands ließen einen gewaltsamen Umsturz für viele Arbeiter und heimkehrende Soldaten attraktiv erscheinen. Die Sozialdemokratie setzte dem ihre tragende und bewahrende Rolle entgegen. Dass sie es erfolgreich tun konnte, verdankte sie der Einsicht ihrer wichtigsten Funktionären, die als oberstes Ziel die Geschlossenheit von Partei und Gewerkschaft erkannt hatten. Die Errichtung von Räterepubliken in Ungarn und Bayern zwang die anderen Parteien in Österreich zu weitgehenden Konzessionen. Die Errichtung von Einigungsämtern, die Invalidenfürsorge und die staatliche Arbeitslosenunterstützung, Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungsnot und der Achtstundentag in fabriksmäßig betriebenen Unternehmen, das Gesetz über die Errichtung von Betriebsräten waren die ersten Erfolge der Arbeiterschaft.

... Wir erfinden nichts neu, sondern bedienen uns der Mittel, welche die Gründerväter der Republik den nachfolgenden Generationen zur Verfügung gestellt haben. Noch wichtiger scheint mir aber die Förderung einer rationalen Information der Bevölkerung und die Intensivierung eines rationalen Diskurses zu sein. Die politische Bildung in den Schulen und in den öffentlich-rechtlichen Medien muss verstärkt werden. Die Menschen und zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich für die Gesellschaft engagieren, verdienen nicht nur mehr Anerkennung, sondern auch mehr Förderung.

Worauf unser Wohlstand zurückgeht

Maxim Gorkij leitet einmal aus dem Anthropomorphismus - er führt Beispiele an, wo wir rein physikalisch-biologischen Vorgängen menschliche, personale Eigenschaften zumessen, wo wie wir der Kälte zuschreiben, daß "sie uns beißt" etc. etc. - schreibt einmal:

"... Nur deshalb haben die Menschen einen Gott über ihr Leben gesetzt, weil ihre besten Eigenschaften und Wünsche, die sich während des Arbeitsprozesse bildeten, in der Wirklichkeit keinen Platz hatten, weil der Kampf um das tägliche Brot so hart war.
Wir sehen daraus, daß Gott als eine überlebte Idee überflüssig werden würde, sobald fortschrittlich eingestellte Leute der Arbeiterklasse es richtig gelernt hätten, ihr Leben so zu reformieren, daß sich ihre besten Eigenschaften frei entfalten könnten. Damit gäbe es keine Notwendigkeit mehr, sein Bestes in Gott zu verstecken, weil man wüßte, auf welche Art sich dieses Beste in der lebendigen, irdischen Wirklichkeit verkörpern ließe.

Gott ist ebenso nach den Gesetzen der 'Abstraktion und Konkretisierung erschaffen worden wie die literarischen "Typen" (als Assemblierung verschiedenster charakterlicher Eigenschaft etc.; Anm.) die charakteristischen Ruhmestaten mehrer Helden wurden "abstrahiert", abgesondert, danach werden diese Züge "konkretisiert" und zu einem Helfen zusammengefügt, zum Beispiel zu Herkules ..."


So nebenbei zeigt Gorkij die A-Personalität der griechischen Kunst auf (siehe auf diesen Seiten: die Einträge zu Andre Malraux!), die tatsächlich nur abstrahierte, deren bildende Kunst z. B. deutlich diese Abstraktion offenbart (anders als die gute römische Kunst übrigens), und er leitet daraus generell die Kunst und ihr Wesen ab, was mit der Grundhaltung dieser Form von Utopisten (Gorkij war Kommunist) - dem Dualismus Geist/Körper - übereinstimmt, wo sich auch moralisches Handeln lediglich aus dem Willen ergibt (s.u.a. Kant).

Aber: was Gorkij 1928 eigentlich ganz präzist - sicher mehr, als er wollte - ausdrückt wie vorwegnimmt, ist nicht nur die Wirklichkeitssicht des Marxismus, sondern es könnte deshalb von heute sein, weil es die Grundlage dessen darstellt, was wir Sozialstaat" etc. nennen, was die Grundlage der Sozialpolitik von heute ist. Es ist eine Anthropologie, die den Menschen entpersönlicht, und seine Entfaltung zu einer FOLGE des Wohlstands macht. Auf diesem Gedanken, der eine (gewiß: sogar verführerische) Pervertierung der Pädagogik des Seins ist, fußt unser heutiger Sozialstaat.

Sonntag, 16. November 2008

Irrglaube an die Machbarkeit des Glücks

Prew in "Verdammt in alle Ewigkeit" von James Jones: "... erinnerte er sich, was Onkel Turner, der nie verheiratet gewesen war, einmal zu ihm gesagt hatte. Weiber lenken die Welt, mein Junge. Gott hat ihnen alle Trümpfe zwischen die Beine gesteckt, sagte er. Die sind nicht aufs Glück angewiesen wie wir Männer, und wir geben's besser gleich zu."

Und wie paßt der Satz auf die Wirklichkeit? Öffnet sich dabei manche Türe? "Diese verdammte Frauengleichberechtigungsscheiße kommt nur davon, daß die allen Ernstes glauben, daß Glück und Erfolg in der Welt machbar sind. Sonst würden sie nicht glauben, daß es die Männer sind und waren, die es sich vorbe- und ihnen vorenthalten hätten! Und die Männer lehnen sich zurück und schauen zu, und grinsen, den Zahnstocher im Mundwinkel, weil es denen auch nicht gelingt: dabei wären die nie auf Glück angewiesen gewesen! Die hätten es sich richten können, denn sie haben einen Weg, der steuerbar ist: uns."

Samstag, 15. November 2008

"Sehenden Auges," meinte er damals.

H hatte es schon vor fünf Jahren gesagt. Bei fünf Bieren und durch den Zigarettenrauch nahezu blickdichter Atmosphäre im "Guitarre" im 4. Bezirk explizierte er erregt seine Meinung: "Dieser Greenspan steuert die USA auf eine Katastrophe zu! Das einzige, was denen seit vielen Jahren zur Konjunkturbelebung einfällt ist, die Zinsen zu senken. Das wird böse Folgen haben!"

Dadurch würden in der amerikanischen Wirtschaft, meinte er, sämtliche organische Strukturbereinigungen und Modernisierungsverfahren, die immer nur unter normalem Konkurrenzdruck entstünden, ausbleiben - die Effizienz sinke, schon gar unter globalen Wettbewerbsgesichtspunkten. Das führe dazu, daß das Geld tatsächlich billiger bleiben müsse, weil sonst der Kapitalmarkt die Unternehmenserträge weit übertreffen würde. Man würde nicht in Unternehmen und Investitionen investieren, sondern in Spekulationen, in Geldanlagen.

Damit aber würde in jedem Fall ein ungeheurer Sog, neues Geld zu besorgen oder gar zu schaffen, entstehen, mit gleichzeitiger Tendenz, Risikoanlagen zu forcieren, die hohe Renditen garantierten: denn die Banken hätten sonst keine Chance, das (durch das niedrige Zinsniveau) nachgefragte Geld aufzutreiben. Somit würden hochspekulative Papiere immer interessanter - und weltweit Geld ansaugen.

"Ein Wahnsinn," meinte er, schon lallend, und voller Sarkasmus, weil die Katastrophe nicht abwendbar sei. "In ein paar Jahren gehen denen dann alle Banken mit pleite, wenn sie nicht aufpassen."

Das war 2003. Er war nicht der einzige, der es kommen sah. Aber die Visionen waren so düster, daß man sie gar nicht wirklich ernstnahm.

Wir können uns Katastrophen, wirkliche Notlagen, gar nicht mehr ernsthaft genug vorstellen. Bereits in zweiter Generation erleben wir einen Wohlstand, der unser gesamtes Welterleben verändert hat. Somit fehlt uns auch jedes Verständnis für wirkliche Not in unserer unmittelbare Umgebung - und damit meine ich gerade nicht die Spendenbereitschaft, die nur eine verlängerte Wohlstandsattitüde ist. Soziale Absicherung in jeder Hinsicht ist uns nahezu "angeborenes Merkmal" - ihre Brüchigkeit ist uns schlicht nicht vorstellbar. Was die Gefahr erhöht, radikalen Veränderungen zuzustimmen, die auch Gutes mit ausreißen.

Um diese soziale "Sicherheit" - die Merkmale von Etatismus, von totalitärer, zentraler Steuerung der Wirtschaftsprozesse - zu gewährleisten, ist längst die Zustimmung zu kommunistischen Tendenzen groß.

Die Bedrohung von Not und Armut wird umso ärger empfunden, als sie irrational, weil fern, unvorstellbar bleibt. Damit wird aber auch jene Erfahrung falsch eingeschätzt die besagt, daß man ... durch Geld nicht glücklich wird.

Damit aber wird die Gefahr groß, daß übersehen wird, daß alles Wirtschaften Ausfluß menschlicher Wirklichung ist. Eine Volkswirtschaft ist nur bedingt durch staatliche Maßnahmen als "Ding an sich" ansprechbar. Wird sie zu sehr aber zum Phänomen - durch Abhängigkeiten vom staatlichen und direkten Einfluß auf die Konjunktur, die nämlich mit der Zeit entstehen -

Eine weitere Lehre sollte sein, daß die Zusammenfassung in große Wirtschaftsräume - wie in Europa in der EU - den Verzicht auf wichtige Steuerungsmaßnahmen bedeutet, mit denen ein Volk, ein Staat, seine Kernbereiche vor internationalen Entwicklungen schützen kann, wenn es notwendig ist. Auch wenn sonst der Weg eines Landes vielleicht etwas mühsamer verläuft.

In jedem Fall aber müssen wir - gerade in Österreich - wieder neu begreifen, daß das Leben im Normalfall ein Auf und Ab ist, und daß wir uns jahrzehntelang falsch angewöhnt haben, jedes Fieber sofort zu unterdrücken. Weil es keine Krisen geben darf, die eben wirklich mit Rückgängen auch im Wohlstand einhergehen.

Auf eine weitgehend krisenfreie Weiterentwicklung auf Jahrzehnte hinaus zu setzen - und wir tun es immer noch: nach wie vor findet die Demographie viel zu wenig Berücksichtigung in den politischen Maßnahmen - ist nicht besonders friedliebend, sondern besonders dumm. Und es sind dann nicht unglückliche einzelne Ereignisse und Zusammenfälle, die die Kartenhäuser zum Einsturz bringen.

Wir wollten zu viel, und zu viel mit Gewalt. Und nun wollen wir erst recht zu viel: alles ist uns recht, solange sich nichts ändert. Ändert sich das aber nicht, wird eine nächste und noch größere Krise absehbar. Es IST absehbar - so wie die jetzige es schon viele Jahre lang war: nichts davon ist überraschend.

Donnerstag, 13. November 2008

Was Leben ist

In einem Vortrag zur 3. Sondertagung des Verbandes Katholischer Akademiker in Kevelaer im Jahre 1927 definiert Abt Laurentius Zeller "Leben" in der Spezialfrage, ob Pflanzen eine Seele haben, so:

Von der rein biochemisch-mechanistischen Welt unterscheidet es sich genau dadurch, es nicht auf rein chemische und mechanische Vorgänge zurückzuführen ist. Zwar ist (vegetative) Seele und Leben in seinen Vorgängen an die Gesetze und Kräfte der leblosen Stoffe gebunden, aber sie verlaufen nach eigenen, höheren Gesetzen, verlangen eigene, höhere Kräfte und zwingen den denkenden Verstand zur Annahme einer Seele. Die Pflanze ist sohin keine Maschine, ihr Leben ist mehr als ein chemischer Vorgang.

... die gesetzmäßige Einheit der Vorgänge stofflichen Lebens sagt uns, daß sie die Auswirkung eines Wesens sind, das den Stoff und seine Teile und Kräfte beherrscht und mit ihm zur Einheit der Natur verbunden ist, um mit ihm ein einheitliches, selbständiges Lebewesen zu bilden.

... Von Leben können wir dann sprechen, wenn die Vorgänge und Bewegungen, die wir am Körper wahrnehmen, ihren Grund nicht in äußeren, mechanischen oder chemischen Einwirkungen haben, sondern im Inneren, im Wesensgrund des Stofflichen Gebildes. Leben ist Bewegung von innen heraus, in diesem Sinne: Selbstbewegung. "Viventia movent seipsa" ... Jede Bewegung, jede Seinsveränderung verlangt ihren Grund. Die Lebensvorgänge haben ihre Quelle im inneren Wesensgrund, den wir Seele nennen.

Mittwoch, 12. November 2008

Sozialverträgliches Frühableben erwünscht

Kein weiterer Kommentar notwendig (Titelverlinkung: kath.net, der gesamte Artikel aus der Tagespost) Hier die wesentlichsten Passagen, vermengt mit Passagen aus einem weiteren Artikel auf kath.net:

... nur noch 19 Prozent der Deutschen eine „Tötung auf Verlangen“ ablehnen ...

... Kommt es hart auf hart, befürworten nicht einmal ein Fünftel der Deutschen noch ein kategorisches Tötungsverbot.

Wie weit die ethische Verwahrlosung der Deutschen inzwischen vorangeschritten ist zeigt, dass auch 56 Prozent der Protestanten und sogar 50 Prozent der Katholiken hierzulande eine solche Auffassung vertreten.

Man tut also gut daran, sich nicht damit trösten zu wollen, dass die Zustimmung zur Euthanasie umso geringer ausfällt, je älter die Befragten sind. Denn inwieweit das „sozialverträgliche Frühableben“ (Karsten Vilmar) auch in Deutschland in Mode kommen wird oder nicht, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie hoch die Bereitschaft junger Menschen sein wird, die Lasten, die ihnen der demografische Wandel aufbürdet, auch zu tragen.

Die Chancen dafür stehen denkbar schlecht. Viel wahrscheinlicher ist, dass die sich die auf das Rentenalter zubewegenden Deutschen schon bald die Früchte ernten werden, die sie gesät haben. Eine Gesellschaft, die jahrzehntelang die „Selbstverwirklichung“ und in der Folge auch die dafür meist als erforderlich betrachtete „Gesundheit“ zum höchsten Gut erklärt, die „Selbstbestimmung“ und „Autonomie“ – auch in Fragen der Moral – über alles gestellt, die Glaube, Religion und Tugenden systematisch verspottet hat, darf sich nicht wundern, wenn ihre Lehren nun beginnen, sich auszuzahlen.

... keine Generation, die so schlecht auf die zukünftigen Herausforderungen vorbereitet wurde, wie die nachwachsende. Noch treten die Folgen mangelhaften Rüstzeuges nicht offen zutage. Noch wärmen die Restbestände christlichen Gedankenguts die Gesellschaft. Noch geht es ihr wirtschaftlich so gut, dass die Verteilungskämpfe kein unerträgliches Ausmaß angenommen haben. Doch niemand sollte davon ausgehen, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird ...

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Brüssel (kath.net) Nach den Niederlanden will auch Belgien die aktive Sterbehilfe an Kindern legalisieren. Damit wendet die Regelung der regierenden Flämischen Liberalen Partei dieselben Kriterien für Kinder wie für Erwachsene an: Diese können auf eigenen Wunsch Sterbehilfe verlangen. Kindern ab 12 Jahren soll dieses „Recht“ gewährt sein, ab 16 Jahren sogar ohne Zustimmung der Eltern. Das berichtet die Website www.AlbertMohler.com.

In den Niederlanden ist Euthanasie für Kinder bereits legal. Seit kurzem dürfen die Mediziner des Groningen Universitätsspitals auch Kindern unter 12 Jahren Sterbehilfe leisten, “wenn die Ärzte glauben, dass ihr Leiden unerträglich ist oder wenn sie eine unheilbare Krankheit haben“, wie The Weekly Standard meldet. Wie die Zeitung ausführt, sei “unheilbar” nichts als ein “Euphemismus für das Töten von Babys und Kindern, die schwer behindert sind”.

Das britische Ärztejournal The Lancet weist nach, dass in den Niederlanden bereits jetzt zwischen 80 und 90 Babys getötet werden, das sind acht Prozent aller verstorbenen Kleinstkinder in Land. 45 Prozent aller Neonatologen (Ärzte für Neugeborene) und 31 Prozent aller Kinderärzte haben laut der Studie bereits Babys getötet.

Birgt zweitwirkliche Frömmigkeit Gnade?

Ist das nicht (Europa-)Fetischismus? Wie könnte es anders sein: us-amerikanisch, wo es Kultur nur als Fetischismus und Zweitwirklichkeit schlechthin gibt; eine Kultur, die dann, wenn sie wirklichkeitsoffen ist, auf eine kaum zu fassende Stufe zurückfällt. Und damit ihren wahren Stand offenbart. Wieviel Soterik enthält die Psychologie der Zweitwirklichkeit?

Dienstag, 11. November 2008

Die wunderbare Brotvermehrung

Nun kommen sogar schon die Museen (Titelverlinkung: Die Museen fordern Geld) ... die Sponsoren fallen aus.

Alle, scheinbar wirklich alle leiden mittlerweile unter der Weltfinanzkrise - ja, wie sollte es anders sein? - und begehren "staatliche Hilfe". Denn die Finanzkrise erreiche da und dort doch die Realwirtschaft - wie es Frau Merkel unlängst in einer Rede verkündete.

Realwirtschaft. Wirtschaft. Staatliche Hilfe.

Der Staat soll helfen. Der Staat. Auja, helfen ist gut. Am besten: Alle helfen allen. Und die anderen helfen mir. Noch besser: am besten ist, wenn am Ende alle einstecken. wir schaffen einfach (endgültig) ... den Realbezug von Geld ab, wie wär's damit? Der ehemalige Osten hat es ja vorexerziert! Da gab es ja Geld! Und bei uns fehlt es.

Was sich derzeit so beängstigend ausdrückt: der kollektive Wille, ohne jede Rücksicht und Bedenken Schulden in nahezu unbegrenzter Höhe aufzunehmen, um unser Leben möglichst unverändert weiterlaufen zu lassen.

Man muß sich die Summe einmal auf der Zunge zergehen lassen: Österreich alleine macht 100 Milliarden Euro - das sind 1,4 Billionen Schilling! - "locker". Waren das mal Zeiten, in denen wir über ein "Milliardendebakel" von VÖESt und Verstaatlichter diskutierten ... über solche Beträge (in Euro: "wenige hundert Millionen") redet heute nicht einmal mehr jemand. Das sind doch Peanuts, Erdnüßchen!

Geht ja. Seit Jahrzehnten ist das Heilmittel der staatlichen Wirtschaftslenkung ja da: Es lebe der Kredit! In immer komplexeren Formen, wo alle einander leihen, alle, nahezu unbegrenzt! Man ist ja - wahrscheinlich ohne jede Übertreibung - schon so weit, daß die Bonität eines Staates dann und darunter leidet, weil dessen Schuldner das auf einer Seite geliehene Geld auf der anderen zurückborgt, damit es ihm geliehen werden kann, und dafür diesen Staat sofort als schlechten Schuldner einstuft, weil er bei ihm einen Kredit hat, der fraglich ist, weshalb er ihm neuerlich Kredit gibt, um das Vertrauen zu demonstrieren ...

Eigentlich könnte man sagen, daß die sogenannte Weiterentwicklung der Etat- und Finanztheorien seit Jahrzehnten nichts anderes war als das Finden neuer Wege der Geldvermehrung durch Kredite: durch neue Begründungen dafür, sich frohzurechnen, (wie das einer meiner mittlerweile verstorbenen Geschäftspartner früherer Zeiten immer nannte.)

Es ist wie die wunderbare Brotvermehrung ... es fehlt nur noch der Messias. Und vielleicht doch: das wirkliche Wunder.

Von Gott beschlafen

Der schwerste weil zuinnerste, tabubehafteste, am schwersten in seiner Gegnerschaft erfaßbare Kampf auf dem Weg zur Freiheit ist jener gegen die Erwartungshaltungen der Mütter.

Der Vater kann entmutigen, erdrücken. Aber: Aller Antrieb zur Wirklichung, der ein Antrieb des Eros ist, geht aber zurück auf die Frau und die Aufgabe, die sie an ihr zu lösen lockt. Im Vater findet sich "lediglich" ein gestalthafter, aber aus der Natur der Geschichte heraus immer überholter, veralteter (konkreter, also bloß nachahmbarer) Weg, der die Identität bestimmt.

Aber die Tat ist Antwort auf die Frau.

So wie die Schöpfung ehelicher Begattungsakt Gottes war.

Also sind auch die Salomonischen Verse zu verstehen, die Gleichnisse, in denen die Kirche - als Gemeinschaft der Heiligen in allen Dimensionen - mit dem Zicklein verglichen wird, mit der Braut, die den Bräutigam sehnsüchtig erwartet.

Umso schwerer, langwieriger, komplexer und schwieriger zu entdecken sind jene verinnerlichten Forderungen, die u. U. Lebenswege einschlagen lassen, die an eines wahrer Natur weit vorbeigehen.

Es liegt das Gelingen in den Händen der Frau. Ob es die Mitochondrien in den Zellen sind - oder die Mütter in den Familien: sie entscheiden, ob der Same aufgeht, verkrüppelt wird, oder ganz erstickt.

Eigentumslosigkeit - einziger Weg

Es gibt vielleicht nur eine einzige Form des Heraustretens aus den Verstrickungen der Zeit, das ident ist mit einem Heraustreten aus figürlicher Verantwortung: nicht also Mitspieler, sondern Chronist und Reflektor.

Es ist die Eigentumslosigkeit.

Jede Form von Eigentum braucht Erhaltung, ist somit auf die faktische Gegenwart verwiesen. Je weniger Eigentum - desto weniger Verantwortung - desto weniger von gesollten Interessen gefilterte Reflexion, weil keine Rücksicht auf Erhaltungsnotwendigkeiten (in figürlichen Identitäten) genommen werden muß.

Und nur in dieser - frei gewählten (weil Eigentum an sich Ziel des irdischen Existierens, also der menschlichen Natur zutiefst eingeschrieben ist! dies als Warnung vor den zu erwartenden inneren wie äußeren Kämpfen gesagt) - Eigentumslosigkeit, die lediglich eine Reaktion auf den faktischen Zustand der Welt ist, in den sie durch die Erbsünde gezwungen bleibt ist die Wahrheit bibliotheksgleich darstellbar: weil die Welt als Kreuz in seiner Gesamtheit und Universalität auf eines Schultern drückt.

Wird man zur Eigentumslosigkeit gezwungen, ist ein natürliches Verhältnis zum Verzicht schwerer und langwieriger herzustellen. Sogar das dauert länger: zu begreifen, daß man dem Eigentum nicht hinterherweinen MUSZ.

Damit also sind wir bei der Kunst - und der Aufgabe des Künstlers.

Der Gedanke ist keinesfalls neu. Er hat die Kunst jahrhunderte-, ja jahrtausendelang beseelt und geschaffen. Aber er muß (und mußte bei mir) vielleicht neu gedacht und belebt werden.

Zur (auch: vorwegnehmenden, damit rüstenden) Befreiung einer Generation. Vielleicht.

Gewitter um Bismarck

Bismarck in einem Brief an seinen Vater:

"Als wir in See kamen, fing es heftig zu regnen an, und etwa 3 Meilen von der Insel Wangerog liefen wir auf eine Sandbank fest, so daß wir die Nacht über liegen bleiben mußten, um die Fluth abzuwarten. Während der Zeit überfiel uns das tollste Gewitter, welches ich je gesehn habe; zum Glück ganz ohne Wind, aber wohl 2 Stunden mit wenig unterbrochnem Donner und Blitz. Ich war mit Herrn von Friesen aus Rammelburg und dem Capitain allein auf dem Verdeck, als ein betäubender Schlag, mit Donner und Blitz ganz zugleich fiel; Friesen und ich taumelten auseinander, und jeder dachte von dem Anderen, er brennte; der Strahl hatte einige Schritte von uns den Kettenkasten getroffen, und an der aushängenden Kette seinen Weg ins Wasser genommen.

In derselben Minute erfolgten noch 3 ähnliche Schläge in der unmittelbarsten Nähe des Schiffes, so daß die ganze See um uns her aufbrauste. Einige Damen wurden ohnmächtig, andre weinten, und die Stille in der Herrencajüte wurde nur durch das laute Beten eines Bremer Kaufmanns unterbrochen, der mir vorher viel mehr au seine Weste als auf seien Gott zu geben schien. Als ich mich nach dem Schlage, der das Schiff traf, mit der Frage an den Capitain wandte, wo der Blitz wohl sitzen möchte, war dieser Mann gänzlich außer Stande zu antworten; er war blaublaß im Gesicht, die Lippen bebten ihm wie im Fieberfrost, und er war fast ohne Besinnung.

Ich hätte wohl sehen mögen, was für Commando er hätte geben können, wenn das Schiff etwa in Brand gerathen wäre; gegen mich gerieth er in eine abergläubische Aufregung, die er erst späterhin zu äußern im Stande war, weil ich zur Beruhigung der alten Gräfin K., die im größten Schreck an die Tür stürzte, einige Scherze über den Donner machte. Übrigens stand unsere Partie wirklich sehr schlecht ... Das Gebet des Bremer Herrn rettete uns diesmal noch. Dienstag früh kamen wir hier an."

Er war so voller Verstand ...

G. E. Lessing anläßlich des Todes seines Sohnes, wenige Tage nach dessen Geburt:

"Ich ergreife den Augenblick, da meine Frau ganz ohne Besonnenheit liegt, um Ihnen für Ihren gütigen Anteil zu danken. Meine Freude war nur kurz: Und ich verlor ihn so ungern, diesen Sohn! denn er hatte so viel Verstand! so viel Verstand! - Glauben Sie nicht, daß die wenigen Stunden meiner Vaterschaft, mich schon zu so einem Affen von Vater gemacht haben! Ich weiß, was ich sage. - War es nicht Verstand, daß man ihn mit eisern Zangen auf die Welt ziehen mußte? daß er sobald Unrat merkte? - War es nicht Verstand, daß er die erste Gelegenheit ergriff, sich wieder davon zu machen? - Freilich zerrt mir der kleine Ruschelkopf auch die Mutter mit fort! - Denn noch ist wenig Hoffnung, daß ich sie behalten werde. - Ich wollte es auch einmal so gut haben, wie andere Menschen. Aber es ist mir schlecht bekommen. Lessing"

Montag, 10. November 2008

Internet ohne gesellschaftliche Relevanz

Das berichtet die Presse über die Grazer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Jugend und Medien" (Titelverlinkung: der ganze Artikel):

... Lorenz (Programmdirektor ORF, Anm.) gesteht eine gewisse Ratlosigkeit im Umgang mit der Jugend ein. Jugendsendungen seien keine adäquate Lösung. Im Gegenteil: „Die sind das Schlimmste, was wir der Jugend anbieten können“, sagt der Programmchef, fordert aber auch mehr Initiative und Rebellionsgeist des 12- bis 29-jährigen Zielpublikums selbst. „Es fehlt eine aufgekratze Jugend, die ihre Chance einfordert und Lust hat, die Gesellschaft in die Luft zu sprengen“, bedauert Lorenz. Die Leute wollen nur noch unterhalten werden, seien aber nicht mehr an ernsthaften gesellschaftspolitischen Fragen interessiert. Auch der ORF sei zwar „nicht die Erziehungsanstalt der Nation“ (Lorenz), würde aber entsprechende Plattformen anbieten. Im Fernsehen! Denn: „Das Internet hat keine gesellschaftliche Relevanz“, poltert der Direktor.

... Nicht so drastisch im Ton, aber inhaltlich nicht weit von Lorenz entfernt, warnt selbst ORF-Online-Chef Karl Pachner vor zu großen Erwartungen an das Internet: „Die großen Events finden nicht ohne Fernsehen statt“, behauptet er. Auch Kampagnen würden – siehe jüngste Beispiele bei der „Kronen Zeitung“ – noch über ein „altmodisches Medium“ wie die Zeitung funktionieren. Parallel sei online aber ein „verstärkter Bedarf nach Stellungnahme“ festzustellen.

Nur Scheitern hat Gründe

Jedes Mißlingen hat Gründe. Jedes Gelingen ist ein Geheimnis. (angeblich: Joachim Kaiser)

Das Ganze vollzieht sich aus sich selbst heraus zum Gelingen, in der Tugend. Es ist nicht aus seinen durch das Fehlen bewußt gewordenen Eigenschaftlichkeiten konstruierbar.

Wir stehen in unserer Freiheit nur vor der Wahl, dem Gelingen zuzustimmen, nur hierin haben wir Freiheit - oder in Getriebenheit oder Bosheit zu irren und zu vernichten.

Sonntag, 9. November 2008

Man pinkele auf Sägespäne

Was hat Darwin eigentlich anderes gemacht als die aus der menschlichen Beobachtung heraus weit verbreitete Annahme zur universalen These zu erheben, daß Leben von selbst aus dem Nichts entstehe? Selbst Goethe hat seinem Fürsten erklärt, daß zur Entstehung von Leben genüge, Sägespäne mit ein wenig Urin zu versetzen.

Darwin hat eigentlich nichts anderes gemacht als aufgehoben, was auf der Straße lag, benannt, was alle dachten. Er hat aber vor allem die Frage auf eine bereits vorentschiedene Ebene gehoben, auf der sie gar nicht zu lösen ist. Darwin hat die Lösung bereits postuliert, jedes Gegenargument aber durch sein Zirkelargument der "Teleonomie" (ein Gedanke ist nicht er selbst, sondern erscheint nur als solcher) apriori für unzulässig erklärt - das ist das (wirkmächtige) Geheimnis.

Man ist heute mit dieser These vielleicht quantitativ weitergekommen, aber nicht qualitativ. Die Erklärungen sind nicht weiter gediehen, als den Ursprung im allerbesten Fall weiter hinauszuschieben. WAS wirklich passiert ist und passiert sein soll, und WARUM, und schon gar in so komplexen, unteilbaren Zusammenhängen, wo z. B. das, was im Mechanismus wirkt, diesen zur Entstehung bereits voraussetzt ("irreduzible Systeme") - das weiß man nicht.

Aber in dunklen Zeitaltern wie diesem neigt man dazu, die Erklärungskraft der naturwissenschaftlichen Forschung (als der subjektivistischen Erfahrung) weit zu überschätzen. Zeichen des Irrationalen, das heute herrscht. Umso mehr muß das Gegenteil behauptet werden.

(Titelverlinkung: Eine Sendung des BR "Alpha Centauri" über die "Ursuppe"; man achte vielleicht einmal auch auf das, was alles NICHT erklärt werden kann, über das man einfach hinweggeht; wahrlich: eine dünne Suppe ... wie auch bei diesem Eintrag in der Wikipedia zu "Chemische Evolution")

Linkes wollen - Rechtes wählen?

Der KURIER (Titelverlinkung: Originalnachricht) bringt einen interessanten Bericht von einer wie es scheint recht offen geführten Podiumsdiskiussion in Graz, den er übertitelt:

Im ORF sitzen altgewordene Revolutionäre - Festival Elevate: "Gegenkultur ist heute Mainstream" - Podiumsdiskussion in Graz zu sinkenden ORF-Quoten bei Jugendlichen

Einzelne Aussagen lassen einesteils aufhorchen. Der Wirtschaftsdruck zwingt offenbar als einziges Mittel, Realitäten wenigstens einmal zur Kenntnis zu nehmen. In den Begründungen freilich kann man auch ganz anderer Auffassungen sein:

"Die österreichische Gesellschaft ist zu einer Wellness-Gesellschaft geworden, in der Bildung zweitrangig ist und nicht einmal mehr die Jungen gegen die herrschenden Strukturen protestieren, sondern sich im anonymen Internet verkriechen", fasste ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz das Problem bei den unter 30-Jährigen aus seiner Sicht zusammen.

... Die altgewordenen Revolutionäre der 68er-Bewegung säßen heute im ORF und machten Programm. "Menschen wie ich haben den Jungen die Bilder zum Revoltieren genommen. Gegenkultur ist heute Mainstream", zog Pachner ein Resümee.

... "Ihr (die Jugendlichen, Anm.) wählt rechts und erwartet von uns ein linkes Programm. Klagt nicht den ORF an, das er euch nicht vor euch gewarnt hat."

Freitag, 7. November 2008

Berlusconi hat eben Humor!

Der italienische Premiereminister Silvio Berlusconi zum neuen amerikanischen Präsidenten: "Toll - er ist jung, schön, und immer so wunderbar braun von der Sonne!"

Angeblich hat er sich heute dafür halb und halb entschuldigt. "Ich wollte doch nur freundlich zu ihm sein!" Man hatte sofortigen Rücktritt wegen seines Rassismus sowie seiner Respektlosigkeit verlangt. "Unsinn. Mir hat Italien es zu verdanken, daß es überall auf der Welt als sympathisches Land gilt! Die italienische Linke hat keinerlei Sinn für Humor. Wenn jemand nicht begreift, dass ich nur nett sein wollte, wenn die Dummköpfe ihre Kampagnen starten, sind wir am Ende. Gott rette uns vor den Dummköpfen!", sagte Berlusconi nach Angaben italienischer Medien.

Da hat er recht. Forza Italia!

Dienstag, 4. November 2008

Feine Früchtchen

Über Bias, einem der legendären 7 Weisen und Richter der griechischen Antike (6. Jhd.), berichtet Diogenes Laertes: das Schiff, mit dem er eines Tages unterwegs gewesen war, geriet in einen Sturm und drohte zu sinken. Alle Seemänner warfen sich zu Boden, um die Götter um Rettung anzuflehen. Da herrschte Bias sie an: sie sollten schweigen! Damit die Götter nicht entdeckten, daß sie hier bei ihm seien ...

Umgekehrtes wird von Albuquerque, dem Vizekönig Emanuels von Portugal in Indien, berichtet: der nahm in höchster Seenot einen unschuldigen Knaben auf seine Schultern in dem einzigen Gedanken, daß ihm in der gemeinsamen Bedrängnis dessen Unschuld zur Bürgschaft und Empfehlung an die Gnade Gottes diene, um ihm so Rettung zu bringen. (Montaigne)

Samstag, 1. November 2008

Nicht Weitergabe von Inhalten

Erzählen ist nicht die Weitergabe von Inhalten, sondern eine Aussage, die über die sinnliche Vermittlung von Erfahrung getroffen wird, die damit im Zuhörer gegenwärtig wird und somit in der aus der Erinnerung wirkenden Kraft fleischlich präsent bleibt.

Freitag, 31. Oktober 2008

Grüne Pole

Sprach ich vor ein paar Tage noch von Widersprüchen innerhalb der Grünen Partei Österreichs, so möchte ich nach dem Lesen eines Interviews (siehe Titelverlinkung) ihres EU-Abgeordneten Voggenhuber präzisieren:

Voggenhuber verkörpert den "sozialen Flügel", und er tut dies mit aller Konsequenz, die Linke aus der Phänomenologisierung sowie Priorisierung bestimmter Werte vermögen: auch um den Preis des Freiheitsverlusts, von dem so oft schon hier die Rede war. Der einstige EU-Paradegegner, einer der wenigen aus der Zeit der Abstimmung 1993, wurde - kurioserweise - zum EU-Parlamentarier der Grünen. Mittlerweile ist er der Logik zum Opfer gefallen, wonach die Gewöhnung das größte Mittel der Überzeugung ist, wie Montaigne einmal meint. Nichts ist nach Voggenhuber so wichtig wie die EU, die der derzeitigen Krise mit massiver Kraft gegensteuert. Nur so könne der Sozialstaat aufrechterhalten bleiben.

Da hat er recht. Der braucht Wirtschaftswachstum und Enteignung. Um jeden Preis. Auch um den der Ökologie.

Im Zitat: Die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise zeige, dass die EU eben nicht abgehoben sei. "Die Antworten auf die Krise kommen jetzt aus Brüssel. Wichtige Aufgaben werden von der EU besorgt."
Der Grün-Politiker ist überzeugt, dass die EU mit dem Vertrag von Lissabon "noch besser für die Zukunft gerüstet ist damit vor allem das Demokratie-Defizit überwunden wäre. Die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Vollbeschäftigung und die soziale Marktwirtschaft sind darin vertraglich abgesichert."

Das nennt man noch Kritik!

DAS nenne ich noch politische Kritik, auch wenn man von Kabarett nur noch in einem bestimmten Sinn sprechen kann: da steht man auf und sagt: schonungslos den Nagel auf den Kopf getroffen, die erste fundamentale öffentliche Kritik, die dieses letzte politische Jahrzehnt regelrecht entblättert! Witz, Geist, Verstand, mehr Tiefsinn als man meinten könnte ... 7 Minuten von Georg Schramm, die es in sich haben.

Man kann den Leuten viel mehr zumuten, als es oft scheint.

***

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Das Geheimnis vom Kreuz

Sie treffen sich an einem Punkt: an ihrem Ziel. Kaum unterscheidbar sind die Schriften eines Johannes vom Kreuz von denen eines Stefan George, oder eines Gottfried Benn, oder ... oder ... all jener so vielen, Künstler, die um das Geheimnis der Wahrheit wußten.

Nicht unterscheidbar ist dieses Ideal des Künstlertums als Priester der Wahrheit von dem, was Johannes vom Aufstieg zum Berge Karmel schreibt.

Und gänzlich ident ist der Weg des Kreuzes mit jenem Sterben, das der Dichter meint und weiß, leisten zu müssen.

Künstliches Leben, tödlich im Krieg

Gespenstisch und fasinierend: künstliche Soldaten!

Mittwoch, 29. Oktober 2008

9.7 Millionen Menschen. Österreicher?

Jüngste Meldungen über die neuesten Prognosen in der Bevölkerungsentwicklung sagen für das Österreich des Jahres 2050 9,7 Millionen Einwohner voraus. Dies Wachstum vollzöge sich in erster Linie durch die Zuwanderung. Wien und Niederösterreich (das 2050 an der 2 Mio-Grenze kratzen wird) seien die am stärksten wachsenden Länder.

Sieht man von Tirol und Vorarlberg ab, haben alle österreichischen Bundesländer mehr oder weniger starke Geburtenminderzahlen. Die Überalterung läßt sich längst auf den Zehntelprozentpunkt vorhersagen.

Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als daß der derzeitige Anteil von 10 % an Migranten (Menschen die nicht in diesem Land geboren wurden, aber hier wohnen) und Zuzüglingen dramatisch wachsen und gegen 30 % steigen wird. Die Auswirkungen auf demokratische Entscheidungsprozesse versprechen Spannung, zumal die Frage virulent werden wird, wer schließlich wen integriert. Wie auch die Auswirkungen auf unseren Wohlstand, denn zumindest eine Generation lang kosten Zuwanderer einem Staat mehr Geld als sie bringen.

Wenn es 2050 noch einen Staat Österreich - was nämlich ist überhaupt dann noch ein "Österreicher"? - gibt ist in jedem Fall davon auszugehen, daß dieser Staat zu einer boden- und wurzellosen, umso mehr in positivistischer (willentlich zu setzender) Moral und Gesinnung verankerten Idee wird, wie es Preußen war, das sogar dann zu Deutschland wurde: in einer Form von Nationalismus also.

Notgriff zum Zweifelhaften

Einerseits warnt Montaigne eindringlich, den eigenen Geist, das eigene Fassungsvermögen als Maß des Erkannten und Erkennens zu setzen. Auf der anderen Seite sind seine Schriften ein einziges Zeugnis seines Ringens um ein eigenes Urteil als Kennmal der Freiheit.

Darin offenbart sich die Brüchigkeit des menschlichen Erkennens, die nach Demut schreit, und deren Behauptung im Akt des Selbstseins doch unumgänglich ist: in diesem fast verzweifelten Wissen um die Brüchigkeit der Instrumente, mit denen wir hantieren müssen.

Die Hölle, statt nichts

Papini bezweifelt die Glaubwürdigkeit von Volkssagen wie dem Faust: ob ein Mensch denn tatsächlich so dumm sein könne, für ein Vergnügen von ein paar Jahren die ewige Verdammnis (durch den Teufelspakt) einzutauschen.

Ich will ihm mit Montaigne antworten, der darauf hinweist, daß das Wesentliche der Erkenntnis und der Neigung des Urteils die sujektive Vorstellungskraft ist, die das Ziel lohnend oder nicht macht.

Wer kann sich Ewigkeit, wer Himmel, Hölle vorstellen? Da gewinnt rasch einmal der verführerische Schooß einer Maid.

Ansonsten pflichte ich Papini bei, wenn er anführt, daß der wichtigste Grund für Teufelsanbeterei, Hexerei, Magie bloße Eitelkeit und Geltungsstreben, naive Träume von Macht sind: wenn schon nicht Gott, so über den Teufel die Wirklichkeit beherrschen. Papinie nennt diesen Ehrgeiz schlicht: albern. Nicht zufällig taucht der Teufel als Gestalt der Literatur in der Romantik so häufig auf.

Mut hat er ja!

Eines muß man den Tschechen lassen: Sie haben einen Präsidenten, der es wagt, selbstständig zu denken, und das auch zu sagen, sich gegen allen Mehrheitsdruck zu behaupten. Dazu hatte und hat in Österreich niemand den Mum. Wie diese aktuelle Stellungnahme im Standard, wo Klaus in wenigen Worten springende Punkte anführt, die 1993/94 in den Mund zu nehmen von den brutalen, pubertären Meinungsmachern in Politik und Kirche als nazistischer Populismus denunziert wurde. Vielleicht ist es das, was die Österreicher von den Tschechen lernen können: Mut zur eigenen Meinung zu haben, auch wenn man alleine ist.

... Es sei erst 19 Jahre her, dass man in Freiheit leben könne, sagte Klaus ... Vor vier Jahren sei Tschechien freiwillig der EU beigetreten und habe damit einen Teil seiner Souveränität abgegeben. Entscheidungen über öffentliche Angelegenheiten rückten erneut weiter von der Tschechischen Republik weg, meinte Klaus. "Ob dieser Schritt für unsere Bürger einen Beitrag oder eine weitere späte Enttäuschung bedeuten wird, wage ich nicht zu prophezeien. Dies wird erst ein historischer Rückblick zeigen", so der Präsident.

Man solle zwar die Allianz mit jenen Ländern schätzen, die auf denselben Werten aufgebaut seien. Allerdings solle man sich nicht "übertriebene Illusionen über ihren Altruismus machen". Auch diese Länder hätten ihre eigenen staatlichen und nationalen Interessen, so wie sie sie immer gehabt hätten. "Die Geschichte ist nicht beendet. Auch das Geschehen der letzten Wochen bestätigt das", so Klaus.

Angesprochen auf die weltweite Finanzkrise sagte der Staatschef weiters, die Tschechen lebten in einem Land, das die dramatischen Erschütterungen der Finanzmärkte nur mittelbar betrifft. "Unsere eigene Währung und das damit verbundene selbstständige Finanzsystem trennt uns von ihnen. Die Geldeinlagen unserer Bürger und Firmen sind daher gleich sicher wie in den vergangenen Jahren. Ein vernünftiger Optimismus ist angebracht", betonte Klaus, der seit Jahren zu den Kritikern der einheitlichen europäischen Währung gehört.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Was verloren ging ...

So schrieb Rilke in seinem "Buch der Bilder" von "Mädchen". So kannte ich noch die eine, oder andere, früher. In dieser Identifikation von Schönheit, Poesie, den wahren Lebensquellen, und Frau. Mädchen - wie Knospe und Tau, im Licht der aufgehenden Sonne, im Park, auf der Bank. Heute ist das fern, so fern. Wenigstens wußte man noch, daß es sie gab. Perdu. Erschlagen von Worten wie"Frauenquote", mit denen die Häßlichkeit blanker rechnerischer Existenz zum Ideal wurde.

Hier in audio.

Von den Mädchen
(R. M. Rilke - "Buch der Bilder")

I

Andere müssen auf langen Wegen
zu den dunklen Dichtern gehn;
fragen immer irgendwen,
ob er nicht einen hat singen sehn
oder Hände auf Saiten legen.
Nur die Mädchen fragen nicht,
welche Brücke zu Bildern führe;
lächeln nur, lichter als Perlenschnüre,
die man an Schalen von Silber hält.

Aus ihrem Leben geht jede Türe
in einen Dichter
und in die Welt.

II

MÄDCHEN, Dichter sind, die von euch lernen
das zu sagen, was ihr einsam seid;
und sie lernen leben an euch Fernen,
wie die Abende an großen Sternen
sich gewöhnen an die Ewigkeit.

Keine darf sich je dem Dichter schenken,
wenn sein Aug auch um Frauen bat;
denn er kann euch nur als Mädchen denken:
das Gefühl in euren Handgelenken
würde brechen von Brokat.

Laßt ihn einsam sein in seinem Garten,
wo er euch wie Ewige empfing
auf den Wege, die er täglich ging,
bei den Bänken, welche schattig warten,
und im Zimmer, wo die Laute hing.

Geht! ... Es dunkelt. Seine Sinne suchen
eure Stimme und Gestalt nicht mehr.
Und die Wege liebt er lang und leer
und kein Weißes unter dunklen Buchen, -
und die stumme Stube liebt er sehr.
... Eure Stimme hört er ferne gehn
(unter Menschen, die er müde meidet)
und: sein zärtliches Gedenken leidet
im Gefühle, daß euch viele sehn.

Von falscher Milde dem Unredlichen gegenüber

Aditum nocendi perfido praestat fides. - Die Redlichkeit bahnt dem Unredlichen den Weg zur Untat.

"... so ist es eine gefährliche und unbillige Pflicht, sich in allen Stücken maßvoll gegen jene im Zügel zu halten, die keine Schranken kennen, denen alles erlaubt ist, was ihr Vorhaben befördern kann, und die keine andere Satzung noch Ordnung haben als ihren Vorteil zu verfolgen." (Montaigne, "Über die Gewohnheit, und: daß ein in Brauch stehendes Gesetz nicht leichterdings geändert werden soll")

Die mächtigste Meisterin der Natur

Montaigne führt als Beispiel für die manchmal kaum glaubliche Macht der Gewohnheit die Bewohner der Nilkatarakte an: umgeben vom tosenden Lärm der wilden Wasser hören sie diesen gar nicht! Was jedem hinzukommendem Fremden sofort auffällt, ist für sie regelrecht unhörbar. Sie sprechen sogar untereinander in normaler Lautstärke, denn sie filtern dieses Tosen aus ihrer Wahrnehmung!

So stellt Montaigne eine andere, nicht uninteressante Frage: Was hören wir sonst noch alles nicht?

Das Geknirsch des Weltgetriebes, wie Montaigne (bildhaft in der Vorstellung vom Reiben der Himmelskuppel auf der Erdscheibe, der Gestirne auf der Himmelskuppel) meint?

Anhand zahlreicher Beispiele zeigt der Franzose (der von 1533 bis 1592 gelebt hat) wie weltweit unterschiedlichste und widersprüchlichste Gewohnheiten entstanden sind. So weist er auf die Rolle der Gewohnheit im Aufbau des Gewissens hin. Mit der besonderen Problematik der Rolle des Sozialen im subjektiven Gewissen. Denn das Überkommene wirkt wie das Natürliche und damit Richtige. Das Problem entsteht somit dort, wo das Überkommene der (ersten) Natur des Menschen widerspricht. (Denn der Zeitraum, wo die Natur in ihrer Art der Selbstregulierung dies zugrundegehen läßt, ist für den Einzelnen meist zu lang, um aus dieser Erzählung zu lernen - befaßt er sich nicht mit Geschichte.)

So mächtig aber auch die Gewohnheit sein mag - sie schafft keine neue erste (entelechiale) Natur, sondern bezieht sich in ihrer zweiten Natur, jener der Gewohnheit, auf diese. Die Natur der Gewohnheit ist in ihrer Gestalt des Faktischen also der Modus, in dem die erste, die wahr sein wollende Natur, verwirklicht ist. Sodaß die Tugend leicht als "Gewohnheit zum Richtigen" verstanden werden kann.

Das sind für Montaigne auch die einzig wirklich sinnvollen Erziehungsziele: nicht um die jeweils vielleicht kleinen oder auch anders zu interpretierenden Handlungen selbst geht es, sondern um ihr Verhältnis zur Gewohnheit, damit um die innere Struktur einer Handlung.

Ewige Gegenwart - Zur Zeit in Mosebach's "Eine lange Nacht"

Jede literarische Form, die im Laufe der Jahrtausende der Menschheitsgeschichte ausgebildet wurde, hat ihre Entsprechung in einer Sicht der Wirklichkeit, ankert insoferne in der immanenten wie expliziten Metaphysik des Autors.

Das macht das Beeindruckende an Mosebach's Buch "Eine lange Nacht" aus. Nicht nur findet sich darin die vollkommenste, spannendste und genaueste Schilderung des Sterbens (anhand der Figur des Vaters des Proponenten) die mir in der Literatur bekannt ist, sondern was Mosebach hier fast schon perfekt gelingt ist die Komposition des Zeitbegriffs, der zeitlichen Ebenen des Buches, des Geschehens.

Ausgehend von einem (erkennbaren, insofern hineininterpretierten) Wirklichkeitsbegriff, der keine Zeit im Sinne von Linearität kennt, sondern immer nur Gegenwärtigkeit, die andere Gegenwärtigkeiten in der Erinnerung präsent hält, was die Illusion einer vorwärtsgehenden Zeit schafft. Die Welt selbst ist immer nur actu, aktuell, in einem unendlich kleinen Punkt der Gegenwart, ihrem ruhelosen Schreiten vom Gestern ins Morgen.

In Mosebach's Buch (erschienen 2000) ahnt man von dieser Gegenwärtigkeit. Fast unbemerkt, nur jeweils kurze Momente irritierend (und hier ist bestenfalls noch der Punkt an dem man merkt, daß Doderer's Forderung, der Roman sei an diesem Punkt noch zu vervollkommnen, noch nicht ganz erfüllt ist, hier hört man noch das Handwerk klappern) gleitet man von Situation zu Situation, die - wie die Wirklichkeit der Welt, in der wir leben - nur noch Variationen eines ewig gegenwärtigen Hierseins sind. Versuche, gültig zu sein.

Das ist das Wesen der Dramatik: das Ringen um Gültigkeit. Nichts anders ist der Sinn unseres Lebens, nichts anders gibt uns im Alltag gar den Antrieb: endlich gültig sein, endlich für die Ewigkeit (sprich: geglückt) sein und aus diesem Zustand heraus handeln.

Phantasie ist eben nicht Phantasy

Cervantes geht im Don Quixotte häufiger als man erwarten würde auf die Literatur der (damaligen) Gegenwart ein. Wobei nicht zuletzt diese fast essayistischen Ausflüge, die er vor allem dem Pfarrer in seinen Dialogen in den Mund legt, seine kaum zu glaubende Aktualität ausmacht: der Don Quixotte ist tatsächlich ein hochaktuelles Buch, frisch in seinen Thematiken, als wäre es gestern geschrieben. Man lasse sich nur nicht von den Kostümen täuschen.

In einem dieser Ausflüge weist er auf den Unterschied zwischen guter und schlechter Ritterliteratur hin. Cervantes zeigt darin den Unterschied zwischen phantasievoller Literatur (ein Beispiel hiefür ist für mich J. R. R. Tolkien mit seinem Hobbitreich in "Der Herr der Ringe") und "Phantasy" hin. Denn ja, die gab es auch schon damals.

Gute Literatur bleibt erfunden, aber ihr Reich, die geschaffenen Welten, sind Analogien zur "wirklichen Welt", und weil nichts letztlich erfunden werden kann, das nicht aus dieser realen Welt stammt, weil der Mensch ja nicht Gott ist, ergibt sich ihr Wahrheitsgehalt automatisch. Gute, phantasievolle Literatur ist deshalb in selbem Maß wahr, als es jeder künstlerische Text ist: er ist wahrscheinlich, plausibel, und verbindet das Zweifelhafte, Erfundene mit dem Möglichen. Das Hohe wird - so Cervantes, und wir wollen ihm hier ungeteilt zustimmen - somit vertrauter gemacht, so daß die Gemüter in Spannung bleiben.

Ganz anders die Phantasy-Literatur, die wie jede andere schlechte Literatur zu erkennen ist. Sie bezieht ihre Spannung aus der reinen Spekulation mit dem Unbekannten, das in diesem Fall aber ganz sicher nicht gekannt sein kann. Der Autor spekuliert geradezu mit dem Irrationalen (nicht aber mit dem Numinosen, hier täuscht er nämlich.) Seine Bestandteile sind nicht der Wirklichkeit entnommen. Ihre Handlungslösungen sind deshalb immer überraschend, und unterwerfen sich keinem Plausibilitätsanspruch. Das rückt sie sogar in die Nähe der Dämonie (die nämlich nicht aus dem dargestellten Gegenstand, sondern aus der Art der Darstellung kommt) und macht sie sogar dämonisch. Ihre Beliebtheit erwächst ganz einfach aus ihrer Entsprechung, mit der sie bestimmten Persönlichkeitsstrukturen antworten, ihre Wirkweise ist Faszination, die dem Kult verwandt ist.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Kunst ist nutzlos, dann ist sie politisch

Gerd Haffmann in einem Nachwort zu Gedichten von Gottfried Benn: "Wenn die Kunst einen Nutzen hat, dann, im Sinne eines allgemeinen Nützlichkeitswahns nutzlos zu sein. Die Wissenschaft hat sich vor den Karren der Pragmatiker schirren lassen. Die einzige Gegenwelt bleibt die Kunst. Anstatt nun mit Zähnen und Klauen diese Gegenwelt festzuhalten, beginnt die Kunst sich dieser Nutzlosigkeit zu schämen, und will nützlich werden, politisch werden, aufzeigen, verbessern. Alas, das kann sie nur wenn sie nutzlos bleibt."

Wann wurde der Geist politisch? Benn: "Als der deutsche Idealismus vordrang, nach dem alles Wirkliche vernünftig war, also auch Kriege Erscheinungen und ausdruck des Weltgeistes wurden. Kritik wurde Blasphemie am Weltgeist. Darwin verlieh den kämpfenden Haufen naturwissenschaftliche Fahnenbänder: Kampf ums Dasein -Auslese der Starken ... nun trat der Parademarsch neben den Satz vom Grunde. "Das Leben", "Die Wirklichkeit", "Der Starke" - identisch gesetzt mit Vernunft, in Durchdringung miteinander als "Gesetz", "Geschichte" zu idealistischer Philosophie, naturwissenschaftlichem Axiom, dithyrambischer Sonnen- und Gletschervision erhoben: Hegel, Darwin, Nietzsche -: sie wurden tatsächliche Todesursachen von vielen Millionen. Gedanken töten, Worte sind verbrecherischer als irgendein Mord."

Dienstag, 21. Oktober 2008

Renaissance der Nationalstaaten - Ende der Globalisierung

Carl Schmitt: "Souverän ist, wer den Ausnahmezustand beherrscht." Die derzeitige Krise zeigt demnach: das ist der Nationalstaat. Mittlerweile werden auch Stimmen laut, die von Notwendigkeiten eines neuen Protektionismus sprechen, und das Ende der Globalisierung verkünden.

In jedem Fall ist die Aussage nicht gewagt, daß unter dem Titel der Rettung der Systeme mit dem Überhang der Exekutive "unmerklich" dramatische, zukunftsbestimmende politische Weichenstellungen stattgefunden haben und stattfinden.

Qualität, nicht Quantität

Es ist vielsagend, daß die Länge oder Kürze eines Lebens nie eine Aussage über den Menschen selbst beinhaltet. Vielmehr sind es seine Taten. Und hier wiederum werden in einer Reihenfolge jene Taten am höchsten geschätzt, die dem Kriterium der Ewigkeit am nächsten kommen: die bleiben. Und sei es, weil an ihnen die Tugend, die sie benötigten, am höchsten geschätzt zu werden verdient.

Montaigne formuliert es trefflich so: "Die Nützlichkeit des Lebens ist nicht in der Länge, sie ist im Gebrauch. Weder der Mnsch, noch das Lben wird nach Ellen gemessen."

"Wenn auch Dein Alter noch nicht vollendet wäre - Dein Leben ist es. Ein kleiner Mensch ist ein ganzer, gleich wie ein großer."

"Jeder Tag ist ein Schritt auf dem Weg zum Tod. Der letzte langt an."

Cautum est in horas!

Der Tod lauert jede Stunde. (Horaz)

Aeschylos war vorhergesagt worden, er solle sich in acht nehmen, wenn er ein Haus betrete, denn er werde durch ein Haus umkommen! Das tat der griechische Dichter, und mied zeitlebens Häuser, wo es ging.

Er starb im Freien. Weil einem Adler, der über ihn hinwegflog, ein Schildkrötenhaus entglitt - und Aeschylos erschlug.

Über allem - der Tod

Montaigne empfiehlt, Delinquenten vor ihrer Hinrichtung statt an die Stätten ihrer Verbrechen durch die Häuser der Reichen zu führen, Ihnen so die Lockungen dieser Welt, deretwegen sie - mit dem Ziele, sie sich unrechtmäßig anzueignen - ihre Untat begangen hatten, noch einmal vor Augen zu führen. Den Effekt also, den auch die sogenannte Henkersmahlzeit, die "letzte Zigarette", der "letzte Wunsch" im Grunde erzielen, zu erhöhen.

Denn die endgültige Perspektive, der Tod, die zugleich die Perspektive aller Menschen ist, wird dem Delinquenten (und: in gewisser Weise sind wir alle solche) die Relativität und Unbedeutendheit weltlicher Genüsse zeigen. Ihm damit vielleicht mehr Reue erwecken, als alle übrigen Maßnahmen vermöchten: weil er somit leicht erkennt, daß er für "nichts" allen möglichen wirklichen Lebensgenuß (der eine Frage der Tugend ist) aufgegeben hat.

"Das Ziel unserer Laufbahn ist der Tod," schreibt Montaigne. Dieser Gedanke erschreckt uns jeden Augenblick. Der Ausweg der gemeinen Menge ist, den Tod zu verdrängen. Damit geht der Mensch in seine eigene Falle.

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Pogrom (Armenien)

Abdul Hamid sah sich einer von Ägypten und v. a. dem Sudan (Mahdi-Aufstände) ausgehenden panislamischen Bewegung gegenüber, der die realpolitisch schwache Stellung der Türkei - das osmanische Reich war längst eher eine Glaubensgemeinschaft als eine Nation - gar nicht mehr entsprach. Die Religionsführer, Aufwiegler etc. gingen längst im Palast ein und aus, drängten zur islamischen Tat: ein neues Zeitalter war angebrochen, Jahrhunderte der Demütigungen islamischer Mächte durch das Christentum sollten ein Ende finden. Dabei waren christliche Minderheiten ein Dorn im Auge - wie jene in Armenien, noch dazu politisch ein Risiko durch die Grenze mit Rußland, wo ebenfalls eine starke armenische Bevölkerungsgruppe lebte. (Das russische strategische Ziel ist ja bis in diese Jahre gleich geblieben: der Zugang zum v. a. eisfreien Meer, im Norden, wie im Süden über Kleinasien - die Arktisfrage muß man auch vor diesem geopolitischen Hintergrund sehen)

Dazu die Munkeleien, hinter vorgehaltener Hand, die nicht verstummen wollten: er stamme nicht nur von einer armenischen Mutter ab, sondern gar der Vater sei ein armenischer Sklave. Wozu kam, daß im Palast die Armenier gesuchte Kräfte waren, weil sie die islamischen, oft kleinlichen Moralbedenken nicht kannten. So bereitete sich auch der psychologische Boden beim Sultan auf.

So begannen die Provokationen gegen die (christlichen) Armenier. Die wiederum fühlten sich ermutigt wie gestärkt durch die internationale Presse, die Reaktionsbereitschaft sämtlicher westlicher Mächte, einschließlich Rußlands, vorgaukelten.

Aber Rußland hatte (wahrscheinlich aus den Erfahrungen mit Bulgarien heraus) plötzlich kein Interesse mehr an einer Unterstützung. Die Westmächte reagierten ebenfalls nicht, England sah sich Vorteile durch den schwachen Sultan am Suez (ihre Strategie geht mit dem arabischen Aufstand unter Lawrence und dem Einfluß auf den persischen Golf endgültig auf) und will damit den status quo erhalten, Frankreich nützte es gleichermaßen für seine Ambitionen in Nordafrika (wo es bald in Konflikt mit Italien geraten wird). 

Der Deutsche Kaiser wiederum war v. a. durch wirtschaftliche Kooperation bald der engste (sogar: persönliche!) Freund des Sultans, den die ganze diplomatische Welt meidet, ja den man öffentlich als "Mörder" tituliert. Denn auch die deutsche Strategie - Reaktion auf die Beherrschung der Meere durch England - beginnt zu arbeiten, und wird für Jahrzehnte im Rennen um die Machtverteilung in kommenden globalisierten Zeitaltern (DAS Problem europäischer Politikperspektive) unheilvoll weiterwirken: in Einflußnahmen auf den Osten und Südosten, vom Balkan ausgehend, mit dem Fernziel: persischer Golf, Irak, als Ausgleich für mangelnde Kolonien ("Volk ohne Raum!") und Rohstoffe ...

Die verbitterten, panislamistisch leicht beeinflußbaren Zwangsausgesiedelten aus den Einflußverlusten am Balkan wurden zwischenzeitlich in die armenischen Gebiete eingesiedelt. Die Träger der ersten Greueltaten aber waren Kurden, die durch steuerliche Daumenschrauben von den Armeniern nicht mehr bezahlt und damit stillgehalten werden konnten. Alleine in den ersten Tagen des "Volksaufstands" gegen die Christen wurden 60-70.000 Armenier niedergemetzelt. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis auch eine Radikalisierung armenischer Gruppen eintrat.

Zwischen 1890 und 1896 kamen, so schätzt man, mindestens 200.000 Armenier ums Leben. Manche Schätzungen sprechen von einer Million Opfer.



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Sultanische Paranoia

Sultan Abdul Hamid II. (Sultan von 1876-1909) war so paranoid, daß es gefährlich war, in seiner Gegenwart auch nur mit der Hand zu zucken, oder auch nur diese in die Hosentasche zu stecken: die Wahrscheinlichkeit, daß der durch ständige Übung perfekte Schütze, der ständig zwei, drei Pistolen bei sich trug, einen aus Angst vor Anschlägen sofort erschoß, war hoch.

So geschehen sogar bei einer der Bettgefährtinnen aus seinem Harem, die im (seltenen) Liebesdienst zu einer (vermutlich rein zärtlich gemeinten) Bewegung ansetzte - Bruchteile von Sekunden später lag sie mit einem Schuß in der Schläfe tot im Bett.

Zweitweilig waren die einzigen kampfbereiten Truppen jene 15.000 Mann, die der Sultan bei sich im Yildiz-Kiosk, der neu errichteten Festung des Sultans in Istanbul, konzentrierte. Die übrigen Truppen erhielten häufig nur Platzpatronen.

Die Atmosphäre irrationalen Mißtrauens vergiftete alles, und bewirkte, daß die Umgebung des Sultans bald nur noch von Falschheit und Intrige geprägt war. Denn ein Mensch mit Vernunft und Charakter konnte sich in der Umgebung des Psychopathen Abdul Hamid nicht halten: entweder wurde er sein Opfer, oder er mied ihn aus Klugheit.

Die Haltung dem Tod gegenüber

In einem seiner früheren Essays bedauert Montaigne die Furchtsamkeit, die die Menschen heute fesselt. "Jede Meinung ist stark genug um unter dem Einsatz des Lebens verfochten zu werden."

Gerade unter dem einfachen Volke seien aber oft Gegenbeispiele zu finden, deren Montaigne einige anführt. So erzählt er von einem zum Tode Verurteilten, dem vorgeschlagen worden war, daß er eine stadtbekannte Dirne heiraten solle, dann ließe man ihn am Leben. Ein häufig anzutreffendes Vorgehen. Der Mann besah sich aber die Frau, und als er sah, daß sie hinkte, zog er es unter Spottrufen für die Dirne vor, zu sterben.

Oder: Bei Einnahme de Stadt Arras durch Ludwig XI. (1477; Krieg Frankreich/Habsburger u. a. um Burgund) ließ sich eine erkleckliche Anzahl Bürger lieber hängen als zu rufen: Es lebe der König!

Aber auch Beispiele anderer Art finden sich bei ihm: So habe ein Henker dem Delinquenten von seinem Weinkrug zu trinken angeboten. Der habe aber abgelehnt. er fürchte, sich von den Blattern anzustecken, die in der Gegend grassierten.

Ein anderer habe gebeten, ihn zum Galgen nicht durch eine bestimmte Gasse zu führen. Dort sei ein Schneider zuhause, dem er noch Geld schulde, was ihm peinlich sei.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Verrückte Welten, fern des Bettes der Vernunft

Was in dem aktuellen Film der Coen-Brothers "Burn after reading" am Augenfälligsten ist, ist der Umstand, daß diese scheinbar verrückten Menschen des Alltags den heutigen Menschen darstellen, wie er realistischer kaum darzustellen wäre: völlig eingesponnen, ja erstickt in Teillogizismen, deren Irrsinn im Insgesamt man, inmitten des alltäglichen schnellen Lebens, kaum noch bemerkt. Wo immer umfassendere, aber in sich geschlossene Systeme (hier: CIA etc.) noch mit gewissen Logiken agieren, stehen sie diesen Phänomen gegenüber wie Menschen, die stachelige Kastanien in Händen halten (müssen). Ja, die einzigen im Insgesamt vernünftigen oder eine solche Vernunft (aus Wirklichkeitsdruck und -ernst) ahnen lassende Aussagen kommen ... von diesen Geheimorganisationen. Bzw. von wenigen Menschen, die sich noch Vernunft bewahrt haben, damit aber wie Fremde in einer emanzipierten Welt herumtorkeln, die sie nicht mehr verstehen.

Köstlich deshalb u. a. die Zeichnung der Personen der russischen Botschaft, die - wie aus einer anderen Zeit und Welt kommend - am klarsten sehen und handeln. Illustrierend für diese Aussage auch: der Manager des Fitneßstudios, der die Proponentin tatsächlich liebt, sie aber nicht auf den Boden der Wirklichkeit zu ziehen vermag, und deshalb sich selbst entwurzelt, um sie zu erreichen. Was ihn aber teuer zu stehen kommt.

Der Coen's Darstellungen mögen uns übertrieben vorkommen, vielleicht ist es das in dieser Dichte selbst für US-amerikanische Verhältnisse. Genau dann aber ist es das m. E. aber nicht: hier ist der Film lediglich (wie Kunst eben ist) prophetisch. Sieht bereits im Gegenwärtigen, was zukünftig sein wird.

Die Coen's zeigen diese Gegenwart. Der alltägliche Mensch heute ist nicht mehr vernünftig, und er vermag das auch gar nicht mehr zu sein: er befindet sich in keinem Insgesamt mehr, in keiner Ordnung, die seine sozialen Bezüge noch sinnvoll macht. Diese sind nur noch und bestenfalls kurzfristige Anlaufstellen für zu befriedigende weil an die Oberfläche kommende Bedürfnisse.

In Händen riesige Mengen an Puzzleteilen, aus allen möglichen Gesamtbildern herausgerissene Versatzstücke, die allesamt nicht mehr zusammenpassen, ja das auch gar nicht können, "gezwungen zu leben", schlägt er nur noch blind um sich. Was da auf uns noch zukommt, vermag man derzeit kaum abzuschätzen. Irrsinn ist es allemal.

U. a. schon in dem ebenfalls exzellenten Film "Fargo" haben sich die Coen-Brüder im Grunde bereits mit diesem Thema befaßt: der Berührung einer Welt der Vernunft, die vor diesem Vordergrund "konservativ" scheint, ja sich mit dieser Attitüde sogar zu schützen sucht, in der Berührung mit der heutigen Welt, wo der Einzelne in geschlossenen, in sich gespenstisch stimmigen Teilwelten der Verrücktheit subsistiert. In der Chronik Ihres Schaffens zeichnen sie somit die Entwicklung der westlichen Gesellschaft nach, und zeigen in "Burn after reading" fast berichthaft deren Entwicklung hin zu einer verrückten Welt, in der nichts und niemand mehr Halt findet. Wo jedes wirkliche, genuin menschliche Streben und Bedürfnis karrikaturhaft nachgezeichnet, aber nicht mehr erreicht wird.

Dienstag, 14. Oktober 2008

Ohne Religio kein Staat

Der Scheik-ul-Islam hatte im osmanischen Reich die Macht des Richterspruchs selbst über den sonst allmächtigen Sultan. Auch er war also dem Koran und seiner Gesetzessammlung unterworfen. Ein Richterspruch von diesem Gremium ist ganz schlicht mit einem Richtspruch der Verfassungsgerichtshöfe vergleichbar!

Die Verfassungen - wie auch immer sie aussehen, und was ihren Rang genießt - haben schlicht die Rolle der Religionsgemeinschaften gegenüber den Staatslenkern eingenommen.

Zum Ausdruck, daß auch heute über allem Staatswesen ein dieses konstituierende Werte- und Herkunftsbewußtsein steht. Jede Regierung benötigt den Ausweis der Legitimität. Fehlt er, stürzt sie, bleibt ihr bestenfalls das Mittel der totalitären (aus sich selbst Autorität schöpfenden) Gewalt.

Vom geträumten Halbmond

Als Statthalter der degenerierten Seldschuken regierte der Türkenfürst Erthogrul im 13. Jhd. Armenien. Als der Druck der Mongolen aus dem Osten nicht nachließ, zog dieser mit seinem Stamm nach Kleinasien weiter.

Sein Sohn Osman trat dem muslimischen Glauben bei, und bewarb sich um die Tochter eines mächtigen Scheikhs der Seldschuken. Aber ohne Erfolg: er war zu geringen Standes.

Eines Nachts träumte Osman, daß er dieses Mädchen zur Frau nahm, worauf sie einen Halbmond gebar, der sich weitete und bald über die ganze Erde rundete. Diesen Traum deutete er als die Prophezeiung eines Weltreiches.

Der Scheikh, der von diesem Traum gehört hatte, wollte sich diese Chance für seine Familie nicht entgehen lassen. Er gestattete die Mesalliance.

Montag, 13. Oktober 2008

Man stirbt immer durch einen Fehler

Markus Hengstschläger im Interview: "Altern ist eine Anhäufung von Fehlern. Beim Zellteilungsprozeß - dem Lebensprozeß schlechthin - passieren immer wieder Fehler. Viele werden ausgeglichen, aber nicht alle. Die häufen sich - bis sie eine Tages als Konsequenz tödlich sind."

"Man wird nicht talentiert - man ist es. Es ist in die Wiege gelegt, oder nicht. Ich bin nicht musikalisch talentiert, zum Biespiel, sondern nur enthusiastisch. Aber auch ein Herbert Grönemeyer hat sich gegen seine Gene entschieden: er hat nicht da beste Rüstzeug für diesen Job. Bei Starmania würde er beim Casting durchfallen. Etwas Neues, Geniales zu bewirken ist die Kombination verschiedener Talente, oft für sich kleinerer Dinge. Man braucht immer und überall Leute, die etwas Neues schaffen. Die Wiederholung von etwas interessiert niemanden. So gesehen hat jeder Mensch kraft seiner Individualität etwas Neues, Besonderes. Jeder kann deshalb etwas Besonderes bewirken."

"Neues bewirkt man nur durch den Geist. Kein noch so gesundes Sportbetreiben vermag dasselbe zu leisten."

"Man darf Vertrauen von Risiko nicht entkoppeln."


Hengstschläger meint, daß der Mensch per se aus der Zellstruktur heraus quasi "unendlich alt" werden könne. Schon in vier, fünf Generationen sei bei anhaltendem Fortschritt der Medizin ein Lebensalter von 180 Jahren völlig realistisch. Entsprechende Organe würden dann z. B. einfach nachgezüchtet und transplantiert.

Das ist ja alles noch recht interessant, was der da sagt, der übrigens Mitglied des päpstlichen Rates der Wissenschaften ist. Ein bissel viel glaubt er vielleicht an die Mechanik der Biologie, das wäre aber noch verständlich. Grotesk wird es jedoch bei Aussagen wie:

"Ich bin sogar tief gläubig. Aber ich kann mit manchem der Kirche nicht: ich glaube überhaupt nicht, daß die Welt erschaffen ist. Die Bibel ist ja die Grundlage dessen, was man glaubt. Aber mir wäre es nie eingefallen, ihre Aussagen als wissenschaftlich stichhaltig zu nehmen. Außerdem geht mir vieles an der Institution zu weit - z. B. was die Kirche zur Sexualität sagt etc. Nur wer dabei sein kann, kann etwas verändern. Am Tennisclub, wo ich Mitglied bin, paßt mir ja auch manches nicht, und trotzdem bin ich Mitglied."

Na szervusz - da werden erhellende Einblicke gegeben. Wie sagte seine Mutter noch? Er solle achtgeben, daß er nicht hochmütig werde.

Ab wann man ein Schicksal hat

Ein Genetiker schreibt, daß das Schicksal des Menschen von dem Moment an feststeht, in welchem sich Eizelle und Same verbinden.

Auch das Schicksal, ob man ein Schicksal hat, wie Doderer einmal schreibt.

Bleibt interessant, daß Viren und Gene sich im Bau als Nukleoproteide sehr ähnlich sind: es sind Merkmalsträger.

Die Gefährlichkeit des Krieges liegt nicht am Schlachtfeld

Von 1792 bis 1815 (in den napoleonischen Kriegen) wurden insgesamt 4,5 Mio. Franzosen für das Heer verpflichtet (ausgehoben). Davon starben 150.000 auf den Schlachtfeldern.

2,5 Mio starben in den Hospitälern, wobei das Wundfieber die häufigste Todesursache war. Dicht gefolgt von Cholera, Fleckfieber und Malaria.

Im Krieg 1870/71 verloren die Franzosen 150.000 Soldaten durch Seuchen, während die Preußen bereits verpflichtende Schutzimpfungen (Cholera) eingeführt hatten und kaum 3.000 Soldaten durch Krankheiten verloren.

Malaria und Fleckfieber waren es auch, die verhinderten, daß Frankreich und England von Griechenland her Österreich-Ungarn 1914/18 (sieht man von der Schlußphase ab, wo die österr.-ungar. Armee durch Selbstauflösung zusammenbrach) ernsthaft gefährden konnten: von 115.000 in Saloniki stationierten Soldaten waren manchmal kaum 20.000 einsatzbereit, der Rest lag in Spitälern. Die Folgen wären gravierend gewesen, hätten die Mittelmächte das wahre Ausmaß der Epidemien gekannt. Denn recht eigentlich hätten sie ohne nennenswerten Widerstand bis zur Ägäis durchmarschieren können.

Die Medizin schritt gerade in diesen Jahren aber enorm voran: Im deutschen Heer gab es 1914-1918 zwar immer noch 155.376 an Ruhr Erkrankte, und 8.646 überlebten die Dysentrie nicht. Aber von 5.686.937 Verwundeten waren nach Behandlung nur 350.000 dienstunbrauchbar! Weltweit waren es 27 Mio Verwundete, von denen immerhin 98,4 % überlebten, mit 95,8 % Dienstfähigkeit. Die Wundkrankheiten waren nahezu vollständig zurückgedrängt.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Glück ist, wenn man angekommen ist


Der Regensburger Soziologe, Prof. em. (Regensburg, St. Gallen, Basel, Trento) DDr. Robert Hettlage (D) im Radiogespräch über das Glück:

"Fragt man alte Menschen, egal welcher sozialen Schichte, was in ihrem Leben glücklich war, so kommt eigentlich ausschließlich das Erinnern an die Familie zum Vorschein, nämlich auch dort, wo die eigene Familie scheiterte: dann zählt die Kindheit. Glück läßt sich vielleicht wirklich so definieren: dann ist man glücklich, wenn man verstanden wird, wenn man angekommen ist, wenn man zuhause ist - wo einfach die Schwingungen stimmen. Da genügen einige wenige Menschen."

"Glück hat mit sozialen Anbindungen zu tun: die sind notwendig fürs Glück. Und man wird diese Einbindungen auch nie los."

"Gerade auch, wenn die beruflichen Aufgaben weniger werden - immer ist es dann die generationenübergreifende Familie, die noch übrigbleibt. Fehlen diese Bezugspersonen, bleibt nur Egoismus, den die Alten selber als unwürdige Existenz begreifen."

"Frauen sind weniger glücklich als Männer, und häufiger depressiv. Das hatte früher wohl damit zu tun, als die Familie als Gefängnis, zumindest teilweise, empfunden wurde. Einen Ausweg aus dieser Eintönigkeit gab es kaum, die Anbindungen and ie Außenwelt fehlten. Das ist heute zwar anders, aber die Frauen sind nach wie vor die unglücklicheren: Sie erleben, eingespannt zwischen Familie und Beruf, von letzterem sie trotz der hohen Belastung nicht lassen wollen, heute ein Scheitern ihrer hohen Kommunikationsanforderungen."

"Die Menschen heute kommen durch die langen Ausbildungszeiten sehr spät erst in der Gesellschaft an. In den Examen - da sitzen einem 30jährige gegenüber, die zwar viel gesehen haben, überall waren, aber Kinder sind: sie sind noch niemand, nicht angekommen, erst dabei sich die Zutrittsgenehmigungen für die Gesellschaft zu erwerben. Das war früher sicher anders: die Menschen waren früher erwachsen."

"Die Politik ist immer dann gefährlich gewesen, wenn sie sich verantwortlich für das individuelle Glück er´klärte. Das ist Privatsache: die Glücksfindung. Die Politik kann nur die Rahmen schaffen. Dazu gehört sicher, die Belastung der Frauen zu vermindern, gerade vor dem Hintergrund, daß Familie Bedingung für Glück ist. Früher z. B. waren die Kinder nach der Schule sich selbst überlassen, es gab eine eigene Kinderwelt: wie liefen auf die Straße, trafen sich auf den Plätzen. Das gibt es nicht mehr. Stattdessen beginnt weiterer Terminstreß, Ausbildungstermine etc. Oder es ist zu gefährlich, z. B. die Kinder auf die Straße zu schicken."

"Rollenbilder sind so komplex, daß wir nicht wissen, wie die entstehen oder veränderbar sind. Was in den 50er Jahre passierte war eine Revolution, die vorwiegend durch den Bedarf an Arbeitskräften entstand, die die Frauen in den Produktionsprozeß holte. Dennoch gibt es in interessantes Phänomen: Frauen werden nach der 'Babypause' selber ambivalent. Damit werden sie für die Betriebe weniger berechenbar, die sie durchaus als qualifizierte, ausgebildete und erfahrene Arbeitskräfte wieder zurückhaben wollen. Aber Frauen beklagen sehr die Härte der Arbeitswelt, die diesem oft überraschenden Glück in der Familie gegenübersteht. Trotzdem ist zu beobachten, daß man nicht verstanden wird wenn man die Frauen fragt: warum also wollt ihr in diese harte kapitalistische Welt überhaupt rein? Warum nicht in der Familie bleiben?

Männer haben keine Alternative. Frauen können ihre Rollen ja wählen: Familie und Beruf. Nicht so Männer. Es gab einen Stern-Journalisten, der sich entschied, Hausmann zu sein, und darüber ein Buch schrieb. Dennoch - nach ein paar Jahren kam er zurück, und er bekannte ein: es war für ihn unvereinbar mit seinem Selbstbild, mit dem Bild das er als Mann von sich hatte. Als Hausmann war er eine gesellschaftliche Null, und damit wurde er nicht fertig. Das muß man einfach auch in der Gender-Forschung zur Kenntnis nehmen."

"Die Komplexität heute - durch die Globalisierung - ist von niemandem beherrscht und beherrschbar. Und mit einem mal wird der kleine soziale Bezug wieder so wichtig, um zu verankern: Heimat, Familie, die Denkmalpflege, die Erinnerung ... Da kann man wieder gestalten, da überschaut man die Problematiken."

"Die 68er-Bewegung hat die Familienbezüge geöffnet. Heute verlangen wir wieder nach mehr geschlossenen Räumen, die Offenheit war uns zu weit."

"Ich glaube nicht an die Single-Gesellschaft. Zwar haben wir viele Singles, aber die meisten sind unechte Singles: ungewollt, oder aus Witwerschaft, in Partnerschaft, etc. Echte Singles sind vielleicht 5 Prozent, und fast alle davon sagen: wir suchen einen Partner! Die Singlegesellschaft ist eine Chimäre."

"Wenn man diese Patchwork-Verbindungen ansieht, so täuscht man sich gerne. Überall sind gewaltige Verletzungen da, und die verfolgen die Menschen bis ins hohe Alter. Familie ist nicht so einfach ersetzbar, weshalb man sich auch Scheidungen viel besser überlegen sollte. Man könnte z. B. einen Ehevertrag aufsetzen, wo man vereinbart, daß im Scheidungsfall eine Mediation verpflichtend zu konsultieren wird. Es fehlt heute ja schlicht oft an Sozialtechniken."

Zum (eigenen) Pensionsalter (Hettlage ist 60): "Wir sind so eingespannt, daß wir nicht zum Nachdenken kommen. Man publiziert, initiiert ständig, und kommt nicht mehr zum Nachdenken. Ob man mit 65 dieses Podest der Eitelkeit verlassen kann, hängt davon ab, ob man genug Substanz angehäuft hat, das zu verkraften. Vielleicht kommt in diesem Schauen, Zuhören, das nun als neue Phase ansteht, doch ein wenig Weisheit vorbei."

Literaturliste DDr. Hettlage