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Mittwoch, 30. Januar 2008

Von der Versuchung, sich Selbstachtung verdienen zu wollen ... oder: Vom Wandel des Edlen zum Imperativistischen


Georges Chastellain (1404-1475)

"... der Glanz der Fürsten besteht in Hochmut und im Unternehmen sehr gefährlicher Dinge; alle fürstlichen Machtäußerungen laufen in einem engen Punkte zusammen, der 'Hochmut' heißt."

"Nun ist aber unter den tiefverwurzelten Gefühlen des Menschen keines, das geeigneter wäre, sich in Redlichkeit, Vaterlandsliebe und Gewissenhaftigkeit umzusetzen; denn der Stolze bedarf der Selbstachtung, und um sie zu erlangen ist er versucht, sie zu verdienen."

Dienstag, 29. Januar 2008

Der Windkraft-Schwindel ... ?

Es ist doch heute wirklich schon egal, ob eine Sache sachlich gerechtfertigt ist oder nicht - es geht nur noch darum, daß Sentimentalkontingente befriedigt werden.

Befaßt man sich nur oberflächlich sachlich mit der Angelegenheit - Windkraftanlagen, WKAs - gewinnt man den Eindruck, daß das doch ein einziger ausgemachter Bluff ist?! Hier ist eine der vielen Seiten verlinkt, die sich mit den zahlreichen Argumenten GEGEN Windkraft auseinandersetzen. Wobei diese Seiten oft bejammern, daß sie es mit einer regelrechten Öko-Lobby zu tun hätten, wo massive Profitinteressen von Großkonzernen wie Siemens sich auffallend unauffällig mit zur Moral erhobenen "Umweltschutznarreteien" verquicken.

Auszüge:

... Professor Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises, Initiator des ostdeutschen Nationalparkprogramms, erstmals den Windkraftkurs der neoliberalen Bundesregierung als überspannt und unverantwortlich anprangert ... Succows Windkraft-Kritik fast durchweg der Medienzensur zum Opfer fällt. Denn nicht nur in Redaktionen, auch in Umweltorganisationen haben die Windkraftkonzerne clever ihre Funktionäre postiert, sponsern sie nach Kräften, damit Windkraftwerke wider besseres Wissen mit Umweltschutz gleichgesetzt werden.

Succow sieht, wie selbst seine Heimat Brandenburg zunehmend durch die Windmonster zerstört wird. „Aus einer Kulturlandschaft ist eine Produktionslandschaft geworden, die nur noch ein Ziel hat - Maximalprofite. Industriemäßig genutzte Standorte sind lebensfeindliche Räume. Wahnsinnige Erträge, die Bodenfruchtbarkeit vernichtet - riesige Flächen, wo kein Hase mehr leben kann, das Leben flieht. Und dann kommt noch die Windkraftanlage dazu - in ökologisch hochwertigen Räumen für mich ein Fluch! Diese Verschandelung der Landschaft kann man nicht akzeptieren.“

... Pseudo-Umweltschützer tun weiter so, als grabe man mit Windkraftwerken der bösen Atomindustrie, den Betreibern konventioneller Großkraftwerke das Wasser ab, tue also ein gutes Werk. Und bestreiten erbittert selbst öffentlich in Umweltblättchen, daß just die Rüstungsindustrie, der Atomkraftwerksbauer Siemens-KWU von Anfang an beim Windkraft-Deal mit dabei sind - als Produzenten, Planer, Vermarkter hohe Profite erwirtschaften. Es reicht, im Internet die entsprechenden Firmen-Websites anzuklicken. Und - wenn man einmal dabei ist, die Argumente auf den Windkraftgegner-Websites zu studieren - über fünfhundert Bürgerinitiativen Deutschlands sind inzwischen vernetzt. Mancher bislang Blauäugige müßte sich zwangsläufig mit einigen physikalisch-technischen Details befassen: Windanlagen können keine konventionellen Kraftwerke ersetzen, brauchen diese sogar, um überhaupt zu laufen. Und im häufigen Fall einer Flaute, damit abnehmender Windanlagenleistung, müssen die konventionellen Kraftwerke sofort einspringen, deshalb schon vorher Reserveleistung vorhalten.

„Windenergie für sich allein ist zwar emissionsfrei erzeugt, aber auch schlicht unbrauchbar“, schreibt in der Frankfurter Rundschau“ der Windkraftkritiker Werner Eisenkopf.“ „Sie schwankt von Viertelstunde zu Viertelstunde und ist bei Schwachwind, Flaute und auch bei Sturm wegen Sicherheitsabschaltung nicht verfügbar. Im deutschen Schnitt des Jahres 2001 waren nur ca. 14 Prozent der Nennleistung aller Windräder überhaupt und unregelmäßig nutzbar. In der übrigen Zeit und immer wieder zwischendurch mußte durch ständiges Zu-und Abschalten von Regelungsenergie dafür gesorgt werden, daß die örtlichen Stromnetze nicht dauernd durch diese unvermeidlichen und natürlichen Schwankungen des Windes abstürzen und Computer täglich mehrmals zwangsweise neu booten müssen und Daten verloren gehen. Diese Regelungsenergie(...) ist nicht emissionsfrei erzeugt, sondern kommt von aus dem Teillastbetrieb schnell hochgefahrenen Kohlekraftwerken und von Gasturbinen.“

Nicht zufällig gilt bei Naturschützern Windkraft auch deshalb als der größte Bluf.

... müssen die Industrieanlagen in deutlichem Abstand von menschlichen Siedlungen errichtet werden, um die Menschen nicht zu stören oder zu gefährden. Aber der Natur, den wildlebenden Tieren sind all diese negativen Effekte zuzumuten, meinen die zynischen Windkraft-Sympathisanten. „Kein Mensch baut die Anlagen“, so Sömmer, „weil er den Strom braucht, sondern weil er an der Förderung verdient.“ Der erfahrene Naturbeobachter ist sicher, daß die Anlagen, „nachdem sich die Firmen dumm und dämlich verdient haben, wohl wieder abgebaut werden - zu riesigen Kosten, die dann die Allgemeinheit bezahlt.“



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Widerspricht der Islam der Schweizer Gesetzesgrundverfaßtheit?

Ein interessantes Argument brachte in einer auf Ö1 (siehe Link) zu hörenden Diskussion ein Schweizer Gegner gegen (weitere) Minarette in seinem Heimatland vor:

Die islamische Lebensordnung und -welt (schon gar in der Sharia) widerspreche der Schweizerischen Grundordnung und der darin verankerten Lebenswelt.

Übrigens: Die Freiheit des Gewissens und der Religionsausübung ist kein Gegenstand des Völkerrechts.

Menschliches Leben IST Kommunikation

Samy Molcho im Interview auf SWR3; sinngemäße Wiedergabe:

"Es gibt keine Körperhaltung, die gut oder schlecht ist. Jeder Mensch hat einen Grund, so oder so sich zu verhalten. Gut oder schlecht kann es höchstens sein für meine Ziele. Der Körper ist der größte Schwätzer aller Zeiten, bewußt und unbewußt. Man kann nur gewisse Sachen machen, gewisse aber nicht. Man kann nicht wirklich mit dem Körper täuschen und lügen. Man sieht sofort den Widerspruch.

Der Körper ist der Handschuh der Seele. Jede seelische Bewegung äußert sich im physischen Verhalten. Selbnst wenn man durch Kleidung verdeckt ist - dann ist es eben die Atmung ... Man hört nie auf, (über Empathie) zu kommunizieren. (Menschliches Dasein IST pausenlose Kommunikation.) Man kann sich aber über Bewegungen, über Haltungen auch in seelische Positionen bringen!"

Kein Mensch ist unabhängig

Eine schlichte Nachricht unter vielen als Link zu einer Tageszeitung - ein Ungeborenes wurde mittels Kaiserschnitt aus einer Mutter geboren, die bereits tot war, Opfer eines Schußwechsels. Das Baby lebt.

Eines der Argumente, die ich gehört habe, um das "noch nicht Mensch"-Sein eines Ungeborenen zu beweisen ist, daß es erst in dem Moment, wo die Nabelschnur durchtrennt sei, Mensch weil selbständig existenzfähig sei.

Wie sehr ein Mensch trotz seiner Abhängigkeit zu leben vermag beweist dieses Baby. Aber die Selbständigketi als Organismus, als eigenständiger Organismus kann jeder Arzt bestätigen. Gerade übrigens Abtreibungsärzte, denn nicth nur überleben manchmal vermeintlich Abgetriebene, wie ich persönlich von (erschütterten) Krankenschwestern gehört habe, die man dann einfach bewußt liegen und sterben läßt. Sondern Videoaufnahmen zeigen, nicht weniger erschütternd, wie der Embryo bereits im dritten Monat der todbringenden Zange zu entkommen sucht.

Doch was dahintersteht ist eine per se falsche Vorstellung über die Autonomie des Menschen. Niemandem würde einfallen, die Abhängigkeit des Menschen von Sauerstoff, Wasser, Nahrung als Grund anzusetzen, daß er nicht Mensch sei. Niemandem würde einfallen, den Unternehmer, der von der Zahlung des Kunden existentiell abhängt, den Rentner der wenn die Rentenzahlung nicht eintrifft nichts zu essen hat, den Bauern, der zwar alles zum Wachsen seiner Feldfrucht beitragen kann, aber dennoch das Wachsen selbst nur abwarten kann, etc. etc. als weniger Mensch anzusetzen.

Kein Mensch ist autonom im Sinne von unabängig von der Welt oder der Kultur! Jeder Mensch hängt existentiell ohne Unterbrechung von allen möglichen Umständen, aber auch von Mitmenschen ab. Abhängigkeit - die religio, die existentielle Rückgebundenheit - ist Kennzeichen des Menschen, ja Kennzeichen der ganzen Schöpfung, die ein gigantisches Zueinander der Dinge ist, wo nichts autonom agiert, und nichts agiert ohne anderes zu tangieren.

Sie tangiert nicht die Freiheit des Menschen, denn nichts kann ihm nehmen, sich zu allem zu verhalten. Ja selbst Notwendigstes zu verweigern. Erst wenn dieses Verhalten zu sich selber eingeschränkt, getrieben ist (wie beim Tier) - dann ist der Mensch unfrei.

(Was der Biologismus der Naturwissenschaften, der alles Lebendige als simplen Ursache-Wirkung-Mechanismus erklären möchte, als erstes opfert ist eben die menschliche Freiheit. Deutlich wird das für jeden, der mit einem Psychologen europäischer Schule spricht ...)

Mittwoch, 23. Januar 2008

Glück = Nutzen

Es soll nachgeschoben werden: Der Vortrag von Tobias Moretti bei einer Tagung in Hartheim in OÖ. Denn er ist es wert.

"Wer das Leben am einen Ende - bei der Empfängnis - in Frage stellt, wird es auch am anderen Ende in Frage stellen. Das Leben an sich darf aber keine Rechtfertigung benötigen!"

Mit einem schönen Gedanken: "Mir macht die Norm Angst: Fit, jung, schön ... Wer aber ein behindertes Kind großzieht, sich um einen alten Menschen kümmert, für den ist das plötzlich Hobby (gegen die Norm) ... Die Frage, was Lebenskultur zu einer menschlichen Kultur beitragen kann ist, daß diese Frage nach dem Nutzen offen bleibt."

Dienstag, 22. Januar 2008

Aufschreiben als Pflicht

Es sind oft nicht viele Sätze, ja manchmal wenige, manchmal nur ein einziger ... die aufstehen. Vor denen man Respekt entwickeln wie bewahren muß, so kummervoll das auch sein mag. Denn man darf sich nie dabei verurteilen, nie werten, sondern bescheidentlich hinnehmen, was einem so dürftig vorkommt.

Doch diese wenigen Sätze aufzuschreiben - es ist das Wahrnehmen von Lebensgelegenheiten, es ist die Treue einer Pflicht gegenüber, an die zu glauben einem selbst schwerer fällt als ein Außenstehender glauben mag. Aber am Abend, vor dem Einschlafen, werde ich nach ihnen gefragt. Ich kann dann ruhig einschlafen, wenn ich sagen kann: ja, ich habe sie aufgeschrieben.

Erst wenn man diese Pflicht, die aus Momenten des Tages aufsteigt, aufgibt - dann gibt man auch das Leben als Schriftsteller auf, das sich scheinbar sonst durch nichts zu erkennen gibt ... will man nicht in den Beruf des "Künstler-Seins" fallen, der heute größten und tödlichsten, folgenreichsten Versuchung.

Aber man weiß es einfach: Dann gibt man sich selbst, sein Leben auf.

Halloween ... Schluß mit dem Rätselraten

Was gibt es nicht alles für Thesen, woher Halloween stamme: von den Kelten, aus Urzeiten, des Teufels Werk, heidnisches Unzeugs, erfunden in den USA, etc. etc.

Die Wahrheit ist aber vielleicht viel einfacher: Gottseibeiuns MARTIN LUTHER hat auch Halloween erfunden! Aus der Notwendigkeit, dem Protestantismus mehr Freude einzuhauchen, dessen Ausbreitung nach den erste Jahren zu erlahmen schien (denn feiern können bekanntlich nur die Katholiken ...) führte er das Fest "Hallo Wahn!" ein.

Luther galt ja bald als "Spaßverderber", und das war tatsächlich eines der schlagendsten Argumente für die katholischen Bischöfe und Landesfürsten. Zu bierernst war bald der Protestantismus geworden, der binnen 5 Jahren immerhin 50 % Deutschlands erobert hatte. Aber die Arbeit als "höchste Tugend", der Moralismus als Lebensgalle ... das verlangte nach Gegenmaßnahmen, um die Massen nicht wieder zu verlieren. Immerhin wurden in den protestantischen Gebieten die meisten katholischen Feiertage gestrichen, und darüber hinaus die zur Unmoral so verleitenden Fastnacht und Karneval! Es gab also ein ernstes !"Imageprobem"..

So kam es zu ernsthaften Debatten, wieweit die Freude des Festes, "Wein, Weib und Gesang", nicht reiner Ausfluß teuflischen Umtriebes war. Ob also irdische Festesfreude generell als göttliche Gnade angesehen werden kann, wie es übrigens die Katholiken betrachten. Für das Argument teuflischer Herkunft sprach für Luther und Melanchthon, daß bei großer Festesfreude ein "Wahn" über die Menschen zu kommen schien. Ja, als läge geradezu das Wesen des Festes im "Wahn" ... ein "frommer Wahn" ... Also habe der Christ denn doch den (begrenzten) Wahnsinn zu begrüßen - der Weg zu "Halo Wahen" war nur kurz: Am 1. April 1522 erschien die Luther-Schrift "Sermon vom Halo Wahen! Dem gottgewollten und also gestatteten Frohsinnsfeste zum Frühlingsbeginn"

Rasch setzte sich dieser neue Brauch durch, und er schlug rasch auch Fastnacht und Karneval aus dem Rennen: Die Obrigkeit wurde verspottet, und so manches Treuegelöbnis nicht mehr so ernst genommen. Luther schien das erst kaum zu stören.

Wäre diese Lockerung er Sitten nicht auch im Hause Luther zu bemerken gewesen ... bei ihm wie bei seiner Frau ... So begründet allen Ernstes die Lutherforschung zu nicht unerheblichem Teil den sonst nicht wirklich nachvollziehbaren Stimmungswandel, der ab 1525 bei Luther dieses Fest betreffend einsetzte.

Daneben aber uferten die Halo-Wahen-Feste zu Aufständen aus, es kam zu Bauernaufständen etc., und Luther war Revolution eigentlich ja ein Greuel! So kam's zur nächsten Schrift: "Wider das gotteslästerliche Halo-Wahen-Treiben der Bauern, Hexen, Juden und Bademeister ..."

Also konterkarierte er es, denn abschaffen konnte er es kaum noch. Und verlegte es in den düsteren Herbst. Und so wurde aus dem typischen Winter- und Frühlingsfest das heute bekannte Herbstfest, am Vorabend zum Buß- und Bettag. Halloween ist also ein wirklich protestantisches Fest! Wer nicht zum Beten in die Kirche ging - dem sollte wenigstens aber der Schrecken in die Glieder fahren! Nur den Kindern war es noch erlaubt, feiernd herumzuziehen

Damit wurde aber das "entschärfte", "kanalisierte" Fest unpopulärer. Nach und Nach geriet es in den protestantischen Gebieten sogar wieder in Vergessenheit. Thüringer Auswanderer jedoch sorgten dafür, daß das Fest in den USA weiterlebte ... von wo es heute wieder zu uns kam. Denn in den USA ist es längst das größte "Frohsinnsfest" des Jahres geworden.

Die Verquickung aus Freude und Moral, einem immer vorhandenen letzten Rest schlechten Gewissens, stammt eben aus dieser schon an allem Anfang sichtbaren protestantischen Zwiespältigkeit, dem "einerseits und doch auch anderseits" Der Katholik kann ja über die Strenge schlagen, er findet in der Beichte seinen Frieden wieder. Für den Protestanten war das aber eine Heuchlerei. So kennt er zwar die Reformation - verlangt aber völlige Unterordnung unter die Landesherren, kennt Freude - aber ohne gefährliche Selbstvergessenheit ... was zum Vorwurf an die Protestanten führte, sie wären unfähig zu feiern.

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ACHTUNG: Dieser "Bericht" basiert auf einem Aprilscherz des WDR, er entspricht nicht der historischen Wahrheit, sosehr er ihr als Metapher sowie in abstrakten Grundaussagen entspricht! "Halo Wahen" hat NIE EXISTIERT!

ATTENTION: This "report" is fictious, and it is based on some 1st-April-joke of WDR-Radiostation Germany! It does not describe historical facts, though they are  true in abstract, and describe motives and truths according protestantism and Martin Luther, but not in concrete! There never existed any "Halo Wahen"!

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Freitag, 11. Januar 2008

Alles Bakterien ...

Bisherige Ergebnisse brachten vorläufige (und immer weiter steigende) Schätzungen einer Bakterienmasse auf unserem Planeten, die 80 % der Biomasse der Erde beträgt. Aufeinandergeschichtet - auch jene Organismen, die unter der Erdoberfläche leben - ergäbe das eine Bedeckung der Erdoberfläche von 1,50 m Höhe.

Mittwoch, 9. Januar 2008

Physik am Ende?

Dem deutschen Physiker Max Planck wurde 1875 als Student von einem angesehen Professor geraten, sich nicht mit der Physik, sondern der Mathematik zu befassen. Denn in der Physik sei nichts mehr zu holen, es seien alle bahnbrechenden Entdeckungen bereits gemacht, die Welt ausreichend erklärbar.

Der amerikanische Sachbuch-Bestseller-Autor Bill Bryson schreibt in seinem Buch "A short history of nearly everything", das mit dem Aventis-Price for Science-Books 2004 ausgezeichnet wurde, daß das Fazit der heutigen Kosmologie so laute: "Wir leben in einem Universum, dessen Alter wir nicht berechnen können, umgeben von Sternen, deren Entfernung wir nicht kennen, zwischen Materie, die wir nicht identifizieren können, und alles funktioniert nach physikalischen Gesetzen, deren Eigenschaften wir eigentlich nicht verstehen."

In der Kosmologie sei "ein Berg von Theorien auf einem Maulwurfshügel von Befunden" aufgebaut. (Ein Eindruck, den ich übrigens beim Lesen von "Die kürzeste Geschichte der Zeit", dem Sachbuchbestseller von S. Hawkins so stark hatte, daß ich das Buch für wissenschaftlich unseriös halte.) Ein anderer (Martin Rees) meint: "In der derzeitigen Zufriedenheit (bei unserem derzeitigen Kenntnisstand) spiegelt sich möglicherweise eher ein Mangel an Daten als die Qualität der Theorien wider."

Es gibt allen Ernstes bei manchen Publikationen zu diesem Thema - so Bryson - auch in reinen Fachkreisen niemanden mehr, der unterscheiden könnte, was geniale Theorie und was Unsinn oder gar Betrug sei. Die Spekulationen zu diesen Themen hätten sich längst jeder Vorstellungskraft entzogen.

Sonntag, 6. Januar 2008

Wegen einer Beobachtung in elf Jahren

Die Venus schiebt sich ca. alle 100 Jahre, dann aber zweimal hintereinander im Abstand von etwa 8 Jahren, zwischen Erde und Sonne. Um die Abstände der Planeten untereinander, neben dem der Erde zur Sonne etc., noch genauer zu vermessen (bis ins 17., ja 18. Jhd. verfehlte man durch die Ungenauigkeit bei nautischen Messungen Ziele zur See oft gewaltig) schwärmten 1761 weltweit über 60 Astronomen aus aller Herren Länder aus, um dieses Ereignis zu beobachten und unter Berücksichtigung der von Newton festgestellten Abplattung der Erdkugel in Meßreihen festzuhalten.

Unter den alleine 32 französischen Beobachtern war auch ein gewisser Guilleaume LeGentil. Er wollte den Durchgang in Indien beobachten, und machte sich 1760 schon von Frankreich aus auf den Weg. Wegen verschiedener Pannen aber war er 1761 immer noch auf schwankender See, als das Ereignis stattfand. Sodaß sich die entsprechenden Messungen nicht vornehmen ließen.

Ohne zu zögern fuhr LeGentil aber weiter, um dann eben den Durchgang der Venus im Jahre 1769 in Indien abzuwarten. Er baute dort alle seine Geräte auf, und bereitete in Form einer erstklassigen Beobachtungsstation 8 Jahre lang alles für diese drei Stunden, 14 Minuten und 7 Sekunden am 4. Juni 1769 vor. Schließlich war es so weit. Am Morgen war auch das Wetter klar, die Sonne schien, LeGentil machte sich bereit.

Im selben Moment aber, wo sich die Venus vor die Sonne zu schieben begann, taten dies auch Wolken, und verstellten endgültig die Sicht. Das Unternehmen war gescheitert. Ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, ließ LeGentil die Station abbauen, die Sachen verpacken und nach einem nahen Hafen verbringen, um den Heimweg anzutreten. Ehe er aber einschiffen konnte, packte ihn die Ruhr, die ihn ein Jahr ans Bett fesselte. Schwer geschwächt, trat er 1770 endlich die Heimreise an. Doch das Schiff sank vor der afrikanischen Küste.

Schließlich, als er nach elf Jahren wieder heimatlichen Boden betrat, mußte er feststellen, daß seine Verwandten ihn für tot erklärt und seinen Besitz veräußert und aufgeteilt hatten. Mit großen Mühen konnte er noch sein weiteres Überleben sichern.

Wegen einer einzigen, dreistündigen Beobachtung des Durchgangs der Venus zwischen Erde und Sonne ...

Es kommt nie darauf an, wieviel wir tun, oder ob wir damit Erfolg haben. Es kommt darauf an, ob wir das tun, was es zu tun gilt.