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Mittwoch, 18. Juni 2008

Da hört sich der Spaß aber auf

Reinhold Messner im Interview: Er könne es nicht mehr hören, wenn von "Spaß" die Rede sei - "Hauptsache Spaß!" sagten sich ja auch die Bergsteiger.

Er glaube niemandem mehr, daß es ihm wirklich darum gehe (und wenn sei er im Irrtum). Lebensfreude sei nämlich etwas ganz anders: sie hänge mit Verwirklichung von Ideen und mit Entfaltung zusammen. Und damit untrennbar mit Können. Können aber fange erst dort an, wo der Spaß aufhöre. In der Überwindung, im Durchhalten, im Ernst also - dort liege dann die Leistung der Verwirklichung, an der man sich freue.

So sehe er sich als Künstler, nicht als Bergsteiger: als selbstbestimmter Mensch, der Ideen mit ganzem Herzen umsetze.

Was hat was beeinflußt?

An das Kernproblem der Astrologie und jeder Wahrsagerei rührt das Problem "Wallenstein" Ab dem Zeitpunkt so man recht gesichert annimmt, daß Wallenstein es in Händen hielt, verschwimmt die Grenze zwischen einem posthoc-Vollzug und wirklicher Spiegelung. Eines beginnt dem anderen seine Gesetze aufzudrängen.

So ist nicht mehr abzuschätzen, ob Wallenstein 1618 sein Abenteuer in Gradisca (gegen Venedig) nicht bereits vollzog, um das Horoskop auszuschöpfen ... und nicht seinen persönlichen Handlungstrieb. Wo er den Grundstein zu seiner "Ferdinand-Verbindung" legte, dessen Dankbarkeit für den an sich fast bedeutungslosen Gefallen (sieht man von seiner urkundlich erwähnten Tapferkeit und Umsicht ab - 200 kostenlos beigestellte Kämpfende, bei 10.000en involvierten erzherzoglichen Soldaten) ihm den späteren Aufstieg einbrachte.

Ein Horoskop, das übrigens Johannes Kepler erstellte (Horoskope zu erstellen war für Astronomen einzige Möglichkeit, ihre "unnütze Wissenschaft" finanzieren zu können) Und das eine Genauigkeit, eine Zutreffendheit aufweist, die wirklich staunen macht. Relativ gesichert ist (lt. Golo Mann) die Aussage, daß Wallenstein nicht vor 1616 in Besitz des Horoskops kam, das Kepler erstellte, ohne um Wallenstein (der zum Zeitpunkt der Horoskoperstellung außerdem ein völlig unbedeutender, unbekannter Mann war) zu wissen.

Was man nicht schätzt verschenkt man gerne

Man sollte sich nicht täuschen: Vielleicht sogar alles, was die Linken an Reformen, gesellschaftlichen Veränderungen, Utopien der Eigentumsverteilung etc. haben, stammt aus der ganz schlichten Unkultur, nicht zu schätzen, was sie haben, und zu neiden, was ihnen fehlt!

Vermutlich sogar oft, weil es ihnen zu leicht fiel, es zu erlangen. Nun verteilen sie die Substanz, und lügen sich und anderen vor, damit moralisch gut zu handeln.

Die wirklichen Linken von heute kommen aus den Salons und Wohlstandshaushalten sowie aus dem Versorgtenstand, und bilden sich den Nachwuchs aus den Enteignungsgesättigtheiten der Umverteilungsgeneration, die auch ihre Zwischenmenschlichkeiten von mißbrauchter staatlicher Gewalt organisiertem (Macht-)Diebstahl und Neid verdankt.

Sie verteilen (materielle wie geistige) Substanz, die sie ohnehin nicht zu schätzen wissen, oder der Tugend neiden, die sie nicht besitzen, weil sie Anstrengung bräuchte, um erlangt zu werden.

Ein praktisches Beispiel: Der Verfall in den Ostblockstaaten beruht schlicht auf der Tatsache, daß niemand einsah, daß verbrauchte Substanz gleichzeitig wieder erarbeitet werden muß, sonst zehrt sie sich auf. Der buchhalterische (und hochphilosophische) Begriff der "Abschreibung" ist im Osten (und den Linken s.o.) unbekannt. Daß Eigentum und Wert nur auf dem Wege des Diebstahls entstehen kann, diese Erkenntnis erwächst ihnen somit aus eigener Erfahrung.

729.000 zu 450.000.000

Interessante Fragestellungen tauchen imZusammenhang mit dem Nein der Iren zur EU-Verfassung auf, die an die Legitimitätsfrage demokratischer Prozesse rühren.

Da heißt es nun von seiten enttäuschter Befürwortet, daß es nicht angehe, daß ein einziges Mitgliedland die EU in Geiselhaft nehme. Ja, noch mehr: daß es nicht möglich sein dürfe, daß 729.000 - die Nein-Stimmen Irlands - über das Schicksal von 450.000.000 Europäer entscheiden könnten.

Mit der Erklärung der Nein-Stimmen zur unerwünschten Menge stimmt natürlich alles nicht. Der Gedanke des Veto-Rechts war immerhin eines der stärksten Argumente, überhaupt eine EU zu gründen: jedes Mitglied hat somit die Möglichkeit, sich gegen Entwicklungen zu wehren, die einen nationalen Willen überfordern. Und er ist das deutlichste Zeichen dafür, daß es sich um KEINEN Zentralstaat handelt.

Ach ja, und wie kennt man die Pappenheimer, mit ihrer Denunziatioskampagne ... die Nein-Stimmen stammen von den Ungebildeten, den Uninformierten, den Angstbehafteten ... im Grunde keine Menschen. Unterentwickelt und neurotisch. Die Guten, die Gesunden, die Klugen, die Moralischen - das sind die anderen.

Rechnet man demokratische Entscheidungen herunter, ergeben sich freilich ganz andere absolute Zahlen. Destilliert man von den 450 Mio Europäern die heraus, die EU-Wahlen ignorieren, liegen wir bei etwa 200 mio Europäern. Davon sind Befürworter: Knapp 100 Mio Europäer.

DIESEN 100.000.000 BEFÜRWORTERN STEHEN NUNMEHR 350.000.000 EUROPÄER GEGENÜBER, die frustriert, resigniert, ABLEHNEND sind, die an einer Entwicklung der EU kein Interesse haben! So schaut's nämlich eher aus. Daß man genau das auch befürchtet, zeigt, daß man nicht den Mut hat, europaweit Referenden abzuhalten. Über den Sinn von Referenden mag man diskutieren, gut, aber dann soll man auch über die eigenen Argumente besser nachdenken.

Die Argumente greifen ohnehin schon längst erstaunlich freimütig und weit auch auf Terrain vor, das in offiziellen Worten noch lange nicht betreten ist, ja angeblich gar nie betreten werden will - aber sich unzweifelhaft als zu betretendes entlarvt: der europäische Zentralstaat.

Längst werden ja die Kataloge der Notwendigkeiten von Entwicklungen und Reformen der EU zu einem Katalog eines europäischen Staates mit Verlust der Souveränität der Mitgliederstaaten. Längst aber zeichnet sich so - wie in den postkonstruktivistischen Sinngebilden von Valie Export, in denen man diesen Vorgang sehr schön erfahren kann: wo im betrachteten Bild etwas so deutlich fehlt, das dazugehört, daß man es selbst "rekonstruiert", in sich das Fehlende ersetzend bildet - im Maß des als fehlend reklamierten ein zentralistischer, totalitärer Staat mit sehr spezifischen geistigen wie ethischen Hintergründen ab.

Das wird erstaunlich deutlich von realen Entwicklungen gestützt, die eine solche Reaktion des Totalitarismus mit dem immer deutlicher werdenden Auftreten regionaler Separatismen! Diejenigen, die treuherzig meinen, das sei nicht richtig, das sei eien Entwicklung, der man "gegensteuern" müsse, erweisen sich einmal mehr als die Masse der Stimmdeppen, die noch nie begriffen haben, daß alle diese Entwicklungen so absehbar und vorhergesagt waren, weil sie die natürliche Reaktion auf eine Fehlkonstruktion ab ovo sind.

Die EU war von Anfang an abgezielt auf die Auflösung der Souveränität der Mitgliedsstaaten, und damit der Identität. Die sich nun "rückbildet" auf immer kleinere Einheiten. Bis das Gegenteil der ursprünglichen Intention erreich sein wird: statt eines geeinten mächtigen Europa im Konzert globaler Großmächte wird sich ein Konglomerat winziger und ungeeinter Staaten ergeben haben. Die Idee der EU hat (leider) spätestens seit drei Jahrzehnten die kritische Masse überschritten und ist längst die Idee eines Zentralstaates diktatorischen Charakters geworden.

Cui bono?

Samstag, 14. Juni 2008

Menschheitsepos

"Der Herr der Ringe" ist eines jener Epen, die die archaischen Dispositionen der Welt und des Menschseins, die zu Mythen destillierten welttreibenden Kräfte in dem nie endenden Kampf um die Schöpfung darstellen. Dieser Kampf wiederholt sich immer wieder und wieder, und er ist von wohl jedem zu führen, auch wenn natürlich die bloßen Geschehnisse nicht einfach übernehmbar sind.

Aber das macht die Sättigung beim Lesen aus, diese Fleischstücke, die immer wieder auftauchen und allgemein menschliche, tiefgründige Allegorien des Lebens im Kampf gegen den Tod sind. Es geht um die Macht auf dieser Welt, es geht darum, wer sie besitzt.

Und es geht um die Verquickung von Schwäche, Tod, Häßlichkeit und Bosheit, wie die christliche Tugendlehre so wunderschön zeigt. Am wunderbarsten zeigt sich das an exemplarischen Figuren, wie dem Golum "Smeagol"

Wer sich freilich ein christliches Missionsbüchlein erwartet hat, der verkennt, was Literatur, was Kunst überhaupt ist: nämlich eine Versöhnung der Natur mit der Übernatur, mit nahezu sakramentaler Dimension, im Ringen um das Heil in dieser Welt, die Soteriologie. Tolkien's Werk steht damit in bester Tradition dichterischer Weltdeutung, wie sie sich in den großen Menschheitsepen wiederfindet.

Und keine Saturiertheitsbestätigung selbstzufriedener Pelagianer.

Aber genau das unterscheidet diese Bücher von bloßen Produkten menschlicher Phantasie, wie sie "Phantasy" und "Horror" darstellen, die damit wirkliche dämonische Qualität erhalten. "Der Herr der Ringe" baut keine irrationalen Elemente auf, er findet sich in seinen phantastischesten Allegorien auf dem Boden menschlichen und nachvollziehbaren, erinnerbaren, geahnten (und damit NICHT horrorartigen, das Bekannte nämlich düpierenden) Erlebens, sondern ist ein in Bildern gefaßtes Darstellen des kaum oder nicht Sagbaren, sondern nur Erzählbaren.

Keiner kommt zu kurz

Aber nicht nur das. Zwar weiß ich schon, daß das Leben nicht ohne Rest aufgeht. Aber es ist und bleibt die Auseinandersetzung zwischen dem Sein, das (und das ist auch die einzige wirklich vitale Kraft) um Luft ringt, das im jeweiligen Anteil als Seiendes Leib nehmen will, und dem Nichts, denn was auch immer als Übel und Sünde und Fehler bezeichnet wird, hat (außer der moralischen Qualität) die Dimension des Mangels am Gut.

Und zwar weiß ich auch, daß es nicht nur um uns sondern um ein gehörig Kreuzelchen am Übel der Welt geht, das es mitzutragen gilt.

Aber es ist das, was wir als Fegefeuer bezeichnen, das Leben. Und aller Schmerz, den wir mit so viel Aufwand zu vermeiden trachten, ist nur der Schmerz der Kraftanstrengung, das Gut ins Seiende in allen Dimensionen zu dehnen.

Über längere Jahre und Jahrzehnte - also gerade im Überblick über Generationen - zeigt sich doch für jeden, wie die Lebensbögen sich schließen, daß das, was man sich auf der einen Seite von der Welt herauszureißen trachtete, auf der anderen Seite (sogar: samt Aufgeld) zu zahlen ist.

Wir ruhig mag man sich dann in den Lehnstuhl setzen, und mutig entscheiden, daß es einfach nicht lohnt, in Nichts zu investieren.

Man braucht heute die kostbare Zeit des Lebens schon nur dafür, überhaupt einmal erwachsen zu werden. Das in dieser Zeit überzeugendste Argument, das für eine kommende Anarchie spricht.

Sandwichgeneration

Der Begriff kommt aus den USA und bezeichnet die Geburtenjahrgänge 1950-1970. Diese kennzeichnet daß sie nun eingespannt sind zwischen den Pflichten den Kindern gegenüber, die immer später von den Eltern selbständig sind, und den Eltern, die zu pflegen immer teurer wird, sodaß (rein statistisch) davon auszugehen ist, daß das Erbe deren Eltern nicht eimal mehr dafür ausreichen wird. Eine Lebensspanne, in der eigene Lebensfrüchte zu genießen sind, gibt es nur mehr bei Vernachlässigung einer der Pflichten den übrigen Generationen gegenüber.

Gab es das jemals? Oder ist nicht kennzeichnend, diesen Anspruch (neben anderen) an das Leben überhaupt erst zu stellen, ohne daß er zu Recht bestünde? Wann war das Leben den eine "gemähte Wiese" des Lebensgenusses? Ist es nicht so, daß alles was von dieser Generation 50+ nun beklagt wird - eben ihre Lebensfrüchte sind? War nicht kennzeichnend für diese Zeit - das Leben auf Zukunft? Eine Haltung, die sich heute bis zum Extrem ausgebildet hat. Denn unser gesamter - ich wiederhole: GESAMTER - Lebensstandard beruht NUR NOCH auf Zukunft, die einzutreten man auch mit Gewalt herbeizwingen will. Und wird - mit Gewalt.

Untersuchungen an Pflegepatienten in den 70er Jahren haben gezeigt, daß das damals von den Studienbetreibern als "niedrig" angesehene Lebensniveau dieser Menschen von ihnen selbst als "äußerst hoch" gesehen wurde, die Zufriedenheit dieser Menschen war erstaunlich hoch. Warum? Die Argumente gingen sämtlich in die Richtung, daß es ihnen ... noch nie so gut wie damals gegangen sei, in ihrer Jugend und Erwachsenenzeit in Krieg und Not, und schon gar verglichen mit ihren eigenen Eltern.

Für sie war es ein Aufstieg.

Einen Abstieg zu erleben ist ein anderes Ding.

Mittwoch, 11. Juni 2008

Cui bono Klimakatastrophe?

Kilimandjaro Jänner 1976

Tja, es war vorhergesagt, und ist eingetroffen:

Der größte Profiteur der Klimawandel-Hysterie ist ... die Energiewirschaft, insbesonders die weltweit tätigen Konzerne, die in der Errichtung von ... Atomkraftwerken tätig sind. Es sind dabei immer wieder die selben Namen: Retter, Opfer, Täter, es sind dieselben.

Nun meldeten sie sich zu Wort. In form eines UNO-Sprechers von der Atombehörde, bekanntermaßen Kompetenzträger erster Güte, Menschen ohne Furcht und Tadel, daß ihr Ressort unwichtiger werden könnte. Um den Klimawandel zu stoppen, gleichzeitig aber den Energiebedarf zu decken, sei es einfach nötig, TAUSENDE Atomkraftwerke weltweit zu bauen, und das sei auch anzuraten - sind sie doch die einzigen Kraftwerke, die keine Auswirkungen auf die "Klimabilanz" haben UND effizient genug sind, den Strombedarf auch so stark steigender Volkswirtschaften wie derzeit - und das muß ja so bleiben, sonst bricht uns auch der Wohlstand im Westen zusammen - zu decken.

Kein Schaden, wo nicht auch ein Nutzen wäre, nicht wahr?
kilimandjaro Jänner 2006

Bilder: Kilimandjaro-Eis 1976 und 2006, jeweils im Jänner

Teleologie

"Ein Lebendiges ist ein Etwas, das plangemäße Leistungen vollbringen kann, ohne maschinell dazu eingerichtet z sein und ohne den Plan in personal subjektiver Weise vor sich zu haben. Das bedeuet aber, daß bei entelechialer Wirksamkeit der Gestaltungs- oder Leisungsziel, auf das hin die dynamischen Potenzen ausgerichtet sind, in irgendeiner Weise im Wirkursächlichen objektiv eingeschlossen sein muß. Das richtunggebende Ziel muß ... in der objektiven Wirkursächlichkeit, in der auch die dynamischen Potenzen liegen, mitenthalten sein ... Der lebendige Organismus - oder welche in entelechialer Weise entstehende Entität immer - muß einen Vorentwurf seiner selbst als richtunggebend wirksamen Faktor objektiv in sich tragen." (H. Conrad-Martius in: "Der Selbstaufbau der Natur")

Sich selbst zeugende Natur

Hedwig Conrad-Martius in "Der Selbstaufbau der Natur" (1944):

"Differenzierung (im Zuge der Entwicklung von der Zelle zum Organismus; Anm.) ist unter normalen Verhältnissen immer die Folge einer an dem betreffenden Material ausgelösten Eigengestaltungspotenz"

Materie ist immer Potenz zur Gestalt. Doch braucht es das Wesen einer Form, um es zu organisieren.

"... macht ... (der Natur) urgeigenstes Wesen aus, sich kraft ihrer selbst aus sich selbst herauszuzeugen. In dieser immanenten Schöpfungskraft liegt ihr ganzes Sein." Diese Selbstschöpfungskraft (Entelechie) aber ist nur möglich, wenn man die Grundpotenz der Welt in potens und actu denkt, also eine Kraft annimmt, die das Mögliche ins gestaltnehmende Dasein ruft. "Erschaffung bedeutet: ins eigene Sein stellen; bedeutet: ein solches Sein verleihen, daß das Betreffende sich nunmehr aus eigenem Seinsboden zu sich selbst erheben kann. Erst hierdurch wird die Schöpfung zu einem Analogon des Schöpfers, der das allerdings aus dem Nichts heraus in eigene immanente Selbstbewirkungsgründe hineingestellte Weltgebilde nicht nur durch Erhaltung der betreffenden Potentialitätsgründe weiterhin erhalten muß (ohne welch es in Nichts zurücksänke), sondern auch mit jedem Schritt der geschöpflichen Selbstbewirkung selber mitwirkt ..."

Und: "... streng genommen ist materielle Leibhaftigkeit überhaupt nichts andres und kann nichts anderes sein als eine sich kraft ihrer selbst aus sich selbst herauszeugende EKSTASE ..."

Dienstag, 10. Juni 2008

Von außen beginnend: Wer man ist

Die Identität hängt - anders als landläufig gemeint - am äußersten Ring der Aussagbarkeit über einen Menschen. Sie beginnt also in der staatlichen, ja überstaatlichen Einheit, in die jemand eingegliedert ist, und geht zurück bis zu beruflichen oder neigungsgemäßen Definiertheiten.

Der Stand, der vielfach definiert ist, ist nur sehr beschränkt auf einen Begriff reduzibel. Teilweise greifen die Standesbegriffe ineinander über - man denke an den der "Verheirateten" in seinem Verhalten zum Beruf usw. Und er braucht an den Rändern Durchlässigkeiten, weil das Wesen des Menschen Entfaltung ist, was der Welt gewisses dynamisches Gepräge verleiht.

Dennoch ist der Mensch angewiesen auf eine "stufenweise Ruhe" dieser Bestimmtheiten. Andernfalls benötigt er seine gesamte Kraft, um sich in seinem In-der-Welt-sein zu halten: das zu einem Behaupten-müssen wird. Es ist also blanker Zynismus davon zu sprechen, daß die moderne Gesellschaft mehr Möglichkeiten offeriert. Das Gegenteil ist nämlich der Fall - es werden gar keine mehr offeriert weil zugesprochen. Die Gesellschaft befindet sich in einem permanenten Kampf aller gegen alle, mit der Besonderheit, daß jeweils der "höher Begabte" erliegt, weil seine Höhergliederung nicht erkannt wird.

Stand muß von oben bestellt sein. Er kann sich nicht von unten heraus formen. Und die Formungskraft, die Duchdringung geht von außen - vom Allgemeinsten - nach innen. Es nützt niemandem, zu wissen, daß man Schaffner ist, wenn nicht geklärt ist, ob auch Mensch ... Somit ist klar, daß Identität im Religiösen ansetzt.

Künstlersimulanten

Gütersloh spricht davon, daß der Künstler archetypfrei ist und sein muß. Jeder ist für sich Antwort auf die ihn wie die Luft umgebende Welt, und nur für diese - ob weiter oder enger, international oder lokal, ist völlig irrelevant. Nur so vermag er das zu leisten, was Kunst zu leisten vermag: eine Antwort aus dem Kern der Wirklichkeit heraus zu geben.

Die Institutionalisierung der Kunstförderung in diesem Land aber hat mit sich gebracht, daß das Künstlertum zu einer Art generalisierbarem "Beruf" geworden ist, der sich ergreifen läßt wie der des Besenbinders. Entsprechend sind die Kriterien, an denen die Förderung festgemacht ist, (die in erster Linie damit Identität schafft, damit eigentlich genau die Kunst tötet), phänomenologisierte, für sich genommene Eigenschaften des Lebens eines Künstlers, die zu anstrebbaren Lebensweisen und -formen werden.

Z. B. der zwanghafte Neuigkeitswahn. Zwar ist jeder Künstler originell, aber Originalität nicht Ausdruck von Kunst! Dingfest gemacht wie oben beschrieben aber wird Originalität zu einem Ausweis der Identitätszuordnung und damit -bildung.

Damit werden die meisten Künstler bereits erwürgt, noch ehe sie einen Mucks gemacht haben. Und erstickt von Myriaden von Pseudokünstlern, die es besser verstehen, Identitäten zu ergreifen und zu simulieren. Nimmt man aber dem Künstler seinen individuellen Weg, indem man ihn "ebnet", archetypisiert, erstickt man seine natürliche Entwicklung der Überwindung der Zeit, aus welcher Erfahrung heraus er zu deren Arzt wird.

Die Fackel weitergeben

Man erlebt wenn man älter wird, daß manches nicht mehr verwirklichbar ist, für das man aber in langjährigen Kämpfen den Weg bereitet hat. Denn jedes zu erlangende Gut muß erkämpft werden. Hier muß man die Fackel an die nächste Generation weitergeben - vorausgesetzt, diese nimmt sie auf!

Wie hoffnungslos aber das Leben jener, deren Fackel zurückgewiesen wird. Wie schrecklich das Los jener, die erleben, daß ihre Nachkommen ihnen ins Gesicht spotten und das Erbe zurückweisen, so dumm das auch sein mag.

Ohne Generationenkette aber ist menschliche Kultur undenkbar. Sie begänne mit jedem neu und gleich primitiv. Kulturverfall ist dann am deutlichsten erkennbar, wenn die Generationen in Streit liegen, die Altvorderen gering geachtet werden.

Dies läßt sich auch sehr gut im Verändern des Standes einer Familie über die Generationen beobachten, defacto das Verbürgern bäuerlicher Stände, noch stärker in Hinblick auf Bildungsbürgertum. Wo die erste Generation meist noch gegen starke Widerstände gerade das Fundament legen kann, auf dem dann weitergebaut wird.

Samstag, 7. Juni 2008

Traumfrauen


In einer Umfrage in Deutschland gaben an die 70 % der befragten Männer an, Heidi Klum als Ideal einer Frau anzusehen. Sie übertrifft mit diesem Wert sogar die seinerzeitige Dauerführende Claudia Schiffer.

Hier im Bild mit der heurigen Siegerin des Bewerbs "Deutschland sucht das Supermodel"

Mittwoch, 4. Juni 2008

Zeugnis der Entwicklung

Gütersloh sagt einmal so treffend, daß jedes Werk nur Zeugnis von der Entwicklung des Künstlers gibt. Auf dessen Weg zur Universalität.

Aber an sich gar nicht wesentlich für ihn ist.

Es hat schon etwas von Unerhörtheit, das Leben nur zu leben, um vollkommen zu werden. Wie fremd klingt das heute. Aber wie beruhigend.

Sonntag, 1. Juni 2008

Prophetische Zwickmühle

Der Prophet befindet sich in einer Zwickmühle: Wird er ernstgenommen, ändert sich der Welten Lauf - und seine Prophetie tritt nicht ein. Wird er nicht ernstgenommen, muß er mit einer Katastrophe leben und leiden, die er sehenden Auges aufprallen sieht.

Das hat nicht nur Jeremias angewidert und verbittert, oder Jonas.

Ähnlich geht es nämlich jedem Künstler, weil Prophetie und Künstlerisches Werk ihrem Wesen nach identisch (wenn auch nicht in allem gleich) sind. Auch der Künstler entfaltet aus Möglichem Wirkliches, womit sein Werk "seherische" Qualität erhält. Und beide müssen, um zu sehen, aus dem Gestern, aus der Erinnerung, der Abstraktion schaffen, in der sich das Ewige, das die Zeit überdauernde, das Bleibende, und damit Gott aussagt.

Die Rezeption eines Kunstwerkes ist ebenfalls der Aufnahme der Prophetie gleich.