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Sonntag, 30. November 2008

Durch Schönheit nicht zu erschüttern

Hugo von Hofmannsthal schreibt einmal, vermeintlich Schiller zitierend: Die Deutschen seien - anders als z. B. die Italiener, die Südländer generell - nicht von Schönheit zu erschüttern, sondern nur durch Moralisches. Entsprechend seien seitens des Dramatikers die Rückschlüsse auf die dramatischen, kathartischen Mittel zu ziehen.

In "Die Technik des Dramas" weist Gustav Freytag mit dem interessanten Satz "Die Muse der Kunst ist keine barmherzige Schwester!" darauf hin, daß sozial-politische Problematik im Drama nichts verloren habe.

Samstag, 29. November 2008

Ars semper reformanda

Künstlerische Freiheit bemißt sich nicht an moralischen, normativen Inhalten, sondern ihr Maß ergibt sich aus der Fähigkeit, Distanz zu in (privat-gesellschaftliche) Figur geronnene Haltungen zu wahren. Denn die Tendenz zur Konventionalisierung hat keine inhaltlichen Grenzen, sondern verhält sich maßgeblich relativ zum vorherrschenden, resentimentbildenden gesellschaftlich-kulturalen Sukkus.

Es ist heute zu beobachten, daß künstlerische Qualität an bestimmten Haltungen und Normen festgemacht wird. Dabei wird übersehen, daß in dem Moment, wo die notwendig künstlerische Rebellion (das, was man eigentlich mit "links" bezeichnet) zu politischen Inhalten gerinnt, sich mit dem Marxismus verschwistert, lediglich eine Konvention durch die andere ersetzt wird.

Gerade die Avantgarde von heute zeichnet sich damit sehr häufig durch ein Maß an Konventionalität aus, das beeindruckend ist. Denn auch wenn manche es nicht glauben wollen: Spießbürgerlichkeit kennzeichnet sich gerade durch die Tendenz zur Masse, durch Konventionalisierung der Rebellion aus.

Umgekehrt ist die künstlerische Rebellion eine Haltung der Reform, eine Gegenwehr gegen Historisierung, und insofern immer Seins-, Wesens- und Substanzbezogen. "Ars semper reformanda!" Also muß sie in Zeiten des Verfalls "konservativ" sein.

Freitag, 28. November 2008

Den Menschen überschätzt

Die Erkenntnis, daß hinter allem Geschehen abstrahierbare Kräfte stehen, daß die Menschen lediglich Puppen im immer gleichen Spiel der welttragenden Mächte und Willen sind, an dem bloß teilzunehmen ist, weil das Entscheidende die Haltung diesen Dingen gegenüber ist, die Frage des "Ja" um Sein, des Fiat, dies also bringt mit sich, daß auch im Drama die treibenden Kräfte anders gesehen werden müssen, als ich es bisher tat.

Denn geht es bestenfalls im Einzelfall um den Menschen selbst als ein Geschehen auslösende Kraft (und wird genau deshalb verständlich, warum es so lange kein Drama der "gewöhnlichen Schichten" gab, sondern lediglich der Mächtigen, denn wenn sind noch sie diejenigen, die am ehesten das können, was man Handeln nennen kann) so ist der Handlung selbst viel mehr Augenmerk zu widmen.

Freytag meint (indem er Aristoteles zitiert) überhaupt, daß vor allen Charakteren die Handlung ein Stück trägt. Auch die Spannung selbst kann nie an einem Charakter, sondern muß an der Handlung aufgehangen werden - weil nur Handlung Spannung erzeugen könne, so interessant auch ein Charakter sein mag. Handlungen müssen logisch sein, sich auf Null Rest auflösen. Charaktere hingegen sind wie im Leben rätselvoll.

Ihr Handeln ist sohin eher noch ein Stören, dem Geschehen des Ende des 1. Aktes also zugehörig, das den dramaturgischen Hauptkonflikt ausgeformt haben sollte.

Donnerstag, 27. November 2008

Erst einmal nach oben - dann wird alles wieder anders

©cheelz; www.pixelio.de
C. J. Burckhardt 1915, während einer Deutschland-Reise: "... Das ist eine der üblen Erscheinungen der Zeit: das Vormacht-ausüben-wollen, das Führen-wollen; keiner will mehr dienen. Liebe zu den anderen, ausübendes Mitleid den Schwachen - das findet man so selten mehr. Menschen und Völker sind verblendet: sie hätten die einzige Pflicht, zu steigen, um dann wohltuend zu herrschen, und weil sie an ihre Mission glauben, glauben sie keiner täglichen Pflicht mehr, treten und zertreten, um hinaufzukommen und einmal oben, verfallen sie dem Egoismus."

Ich stelle die Sätze, mit denen der Schweizer die Veränderungen in Europa kommentiert hat, unter das Label "Emanzipation, Frau"

Mittwoch, 26. November 2008

Ein tragischer Moment

Der Vater von Carl J. Burckhardt hatte - neben seiner Gradlinigkeit - eine ausgeprägte Feinfühligkeit und Verletzlichkeit Unrecht gegenüber. Eines Tages hatte er einem Mitglied des Schweizer Parlaments (dem er selber angehörte) unberechtigte Anwürfe anhören müssen, worauf er für einen Moment die Fassung verlor und meinte, es sei eine Ungeheuerlichkeit, daß er sich von einem Manne (Anwalt), der in einem Prozeß einen Zeugen für ein falsches Zeugnis bezahlt habe, so beleidigen lassen müsse.

Der solcherart Angesprochene rief empört, ob Burckhardt sich diesen Vorwurf auch außerhalb der parlamentarischen Immunität zu wiederholen wage. Was der geradlinige Charakter prompt tat ... und daraufhin verklagt und verurteilt wurde, weil er es nicht beweisen konnte. Ein Jahr später nahm er, der mit diesem (nur von ihm gewußten) Unrecht nicht leben konnte, sich das Leben.

Jahre später erfuhr der Sohn, von dem es später ebenso hieß, daß "keine Lüge über seine Lippen" komme, von einem Zeugen am Sterbebett nämlichen Anwalts, daß dieser die schwere Gewissensbelastung eingestanden habe - denn: er hatte den Zeugen seinerzeit tatsächlich bestochen.

Dem Zug der Natur nach

Carl Jakob Burckhardt in einem Brief (1914) an Jacob Wassernagel: "... Du solltest überzeugter sein, daß gar nichts Dein Leben an glücklicher Entfaltung hindern kann, wenn Du nur stets dem großen Zuge Deiner Natur nachlebst und der kleinen Eigensucht, den Ergriffenheiten und Wünschen des Moments absagst. ..."

Montag, 24. November 2008

Binnen einer Sekunde ein anderer Zelltyp

Maureen Condic, Dozentin am Westchester Institut für „Ethik und die menschliche Person“, in einem Interview mit Zenith (Titelverlinkung: das originale Interview) über den Zeitpunkt, ab wann definierbar menschliches Leben aus naturwissenschaftlicher Sicht entstehe - kurz: beobachtbar "binnen einer Sekunde ab der Vereinigung von Ei und Samenzelle", in denen sich ein neuer Zelltyp eines neuen Organismus formiert. Alles andere ist nur noch eine Frage der Aktualisierung des Menschseins. Danach zu urteilen unterliegt derselben prinzipiellen Frage wie z. B. die Euthanasierung von Behinderten, oder überhaupt irgendwie definiert Lästigen.

Einige Passagen daraus:

...

Maureen Condic: Die zentrale Frage, „wann beginnt menschliches Leben“, läst sich auch etwas anders stellen: Wann hören Samen- und Eizelle auf zu existieren, und was für eine Art von Ding nimmt ihren Platz ein, wenn das geschehen ist?

Um diese Frage wissenschaftlich anzugehen, müssen wir uns auf eine logische Beweisführung und auf das tatsächliche Beweismaterial stützen. Wissenschaftler unterscheiden zwischen verschiedenen Zelltypen (zum Beispiel zwischen Samenzelle, Eizelle und der Zelle, die diese bei der Befruchtung hervorbringen). Diese Unterscheidung erfolgt nach zwei einfachen Kriterien: Die Zellen werden als unterschiedlich erkannt, weil sie aus verschiedenen Komponenten bestehen und weil sie sich verschieden verhalten.

Diese beiden Kriterien werden durchweg bei wissenschaftlichen Versuchen angewandt, um einen Zelltyp vom andern zu unterscheiden, und sie sind die Basis jeder wissenschaftlichen Unterscheidungen - im Gegensatz zu subjektiver Meinung entspringenden oder auf dem Glauben gründenden Kriterien oder etwa politischen Unterscheidungen. Ich habe diese zwei Kriterien auf die wissenschaftlichen Daten, die für die Befruchtung von Belang sind, angewandt. Auf ihnen gründet die Schlussfolgerung, dass ein neuer menschlicher Organismus in dem Moment der Verschmelzung von Sperma und Eizelle entsteht.

ZENIT: In der Welt der Wissenschaft sagt man doch vielerorts, dass die Befruchtung nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt geschieht, sondern dass sie vielmehr ein Prozess ist, der am Ende des ersten Zellzyklus endet, nämlich 24 Stunden später. Warum ist es wichtig, einen „Zeitpunkt der Empfängnis” zu bestimmen, im Gegensatz zu einem „Prozess der Befruchtung“?

Maureen Condic: Es geht nicht so sehr darum, irgendwie einen Moment oder einen Prozess der Befruchtung abstrakt zu bestimmen. Vielmehr geht es darum, Schlussfolgerungen und Entscheidungen über menschliche Embryonen auf eine zuverlässige wissenschaftliche Beweisführung und auf die besten zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Daten zu gründen.

Hätte diese Analyse zu einem anderen Ergebnis geführt – zum Beispiel dazu, dass die Befruchtung ein „Prozess“ ist, – hätte ich dieses Ergebnis als wissenschaftlich gültig akzeptiert. Aber die Analyse der besten zur Verfügung stehenden Daten erhärtet nicht die Schlussfolgerung, dass die Befruchtung ein „Prozess“ ist. Sie bestätigt vielmehr das Ergebnis, dass die Befruchtung ein Ereignis darstellt, das in weniger als einer Sekunde abgeschlossen ist.

Der Prozess der Vorgänge während der ersten 24 Stunden nach der Verschmelzung von Sperma und Eizelle ist eindeutig einzigartig, aber die Ereignisse sind auch eindeutig Akte eines menschlichen Organismus, nicht Akte einer bloßen menschlichen Zelle.

...

Doch dafür ist es Poesie!

Ludwig Curtius erzählt von einem Nachbarn, den er eines Nachmittags in einem Café auf der Piazza della Signoria in Florenz getroffen hatte. Ein junger Mann, Tischlergeselle, dessen Verdienst aber für eine Familiengründung nicht ausreichte, um zu heiraten. Es sei ein übler Zustand. Die Florentiner Mädchen aus ehrlichen Häusern seien aber spröde.

Freilich sei es da viel leichter, sich mit feilem Weibsvolk abzugeben.

Aber: "Ma, non c'è poesia." (Aber das ist doch keine Poesie!)

Freitag, 21. November 2008

Ob im Liegen oder Stehen - immer zu Diensten

Als Don Quixotte dem Herzog, vielmehr der schönen Herzogin entgegen, von seiner Rosinante absteigen wollte, fiel er mitsamt seinem Sattel von demselben und lag somit, übel zugerichtet, am Boden. Der Herzog ließ ihn aufheben, und bedauerte unsäglich, daß ein so schlimmer Zufall bei ihrem ersten Zusammentreffen zu beklagen sei. Doch der Ritter von der traurigen Gestalt meinte, während er sich hinkend dem herzöglichen Paar näherte: "Derjenige, der mich betroffen, kann unmöglich ein schlimmer gewesen sein, und wenn sich mein Fall selbst bis in den Abgrund der Hölle erstreckt hätte, denn auch von dort hätte mich das Glück erhoben und gerettet, Euch gesehen zu haben. ... wie auch immer ich mich befinde möge, gefallen oder aufgestanden, zu Fuß oder zu Pferde, werde ich immerdar zu Euren Diensten sein wie zu denen meiner gnädigen Herzogin, Eurer würdigen Gefährtin, und der würdigen Herrin der Schönheit und erhabensten Fürstin aller Gnade."

Wir sind was wir gehört

Dieser Werbung liegt eine interessante Idee zzgrunde, die m. E. aber nicht ordentlich genug durchreflektiert wurde. Also geht sie auch etwas daneben, bleibt unklar - die Aussage ist auch falsch: "Ich bin ... der Meteorologe" usw. usf.) Ich sähe hier eine schöne Anspielung auf den Satz von Golo Mann "Wir sind was wir gelesen" - unser Menschsein, unsere Leistung ist nicht das "Erfinden" von Aussagen über die Welt, sondern unsere entscheidendes Maß ist jenes des Charakters, des Herzens, das zusammenfügt und auswählt, ist unsere Phantasie. Doch diesen Satz ontologisch zu gebrauchen ist problematisch.

Auch wenn dieser Spot (der leider nur auf den Standard-Seiten direkt zu sehen ist - hie das Link) schon etwas klarer ist als jener, den der Telephonanbieter "Orange" (daß es ein solcher ist kommt m. E. nicht einmal als blanke Information durch) bislang ausstrahlte.

Poetische Werbung

Eine Werbung, die nette Geschichten erzählt, ja poetische Momente hat:

Donnerstag, 20. November 2008

Szivemben bomba van ... Budapest Bár

Umwerfend: Budapest Bár im Konzert zu sehen: "Szivemben bomba van" ("In meinem Herzen befindet sich eine Bombe") - Kiss Tivor und Németh Juci

Dienstag, 18. November 2008

Die Revolution von 1918

Es ist mein Gefühl für Fairness, das mir fast vorschreibt, diesen Artikel - angeblich aus der Hand Alfred Gusenbauers, des gerade noch, aber schon eigentlich nicht mehr Kanzlers - vorzustellen: im Standard (siehe: Titelverlinkung) hat Gusenbauer einen bemerkenswerten Artikel über die Gründung der Republik und ihre ersten Jahre veröffentlicht: in der Form eines historischen Überblicks, der zwar deutlich die Literatur anmerken läßt, aus der er herausgearbeitet ist, von dem ich aber meine, daß er eine selten präzise Information über die wesentlichen Vorgänge zur - nämlich: richtig bezeichneten! - Revolution von 1918 liefert: So, wie ihn die Sozialdemokraten gerne hätten nämlich. So könnte er sofort Eingamg in jede politische Akademie der SPÖ finden, und von dort stammt die Literatur vermutlich auch, aus der Gusenbauer exzerpiert.

Was ihn nicht hindert, bemerkenswerte Exzerpte anderer Quellen zu Stellungnahmen - zum Tod von Dr. Haider wie Dr. Zilk - umzuformulieren, in denen Gusenbauer - wie in diesem Artikel - den blitzschnellen Wechsel seines Rollenfachs öffentlich bekanntgibt: vom pubertären Lauser zum über allen Dingen stehenden "Weisen" ... Ein Vexierbild wird durch das nächste ersetzt, mehr als Pseudologie paßt in die Persönlichkeit dieses Mannes nicht hinein.

Einige interessante Passagen:

... Die Ziele der Sozialdemokratie waren u. a. "das gesamte Volk ohne Unterschied der Nation, der Rasse und des Geschlechtes ... aus den Fesseln der ökonomischen Abhängigkeit, ... der politischen Rechtlosigkeit und ... der geistigen Verkümmerung" zu befreien. Mit der demokratischen Republik wurde die politische Basis dafür geschaffen.

... Im Oktober und November 1918 waren die Sozialdemokraten die einzige Kraft, die über politische Konzepte verfügte und sie gegenüber den Arbeitermassen vertreten konnte. Das Elend des Krieges, die Hungersnot, auch das Beispiel Sowjetrusslands ließen einen gewaltsamen Umsturz für viele Arbeiter und heimkehrende Soldaten attraktiv erscheinen. Die Sozialdemokratie setzte dem ihre tragende und bewahrende Rolle entgegen. Dass sie es erfolgreich tun konnte, verdankte sie der Einsicht ihrer wichtigsten Funktionären, die als oberstes Ziel die Geschlossenheit von Partei und Gewerkschaft erkannt hatten. Die Errichtung von Räterepubliken in Ungarn und Bayern zwang die anderen Parteien in Österreich zu weitgehenden Konzessionen. Die Errichtung von Einigungsämtern, die Invalidenfürsorge und die staatliche Arbeitslosenunterstützung, Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungsnot und der Achtstundentag in fabriksmäßig betriebenen Unternehmen, das Gesetz über die Errichtung von Betriebsräten waren die ersten Erfolge der Arbeiterschaft.

... Wir erfinden nichts neu, sondern bedienen uns der Mittel, welche die Gründerväter der Republik den nachfolgenden Generationen zur Verfügung gestellt haben. Noch wichtiger scheint mir aber die Förderung einer rationalen Information der Bevölkerung und die Intensivierung eines rationalen Diskurses zu sein. Die politische Bildung in den Schulen und in den öffentlich-rechtlichen Medien muss verstärkt werden. Die Menschen und zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich für die Gesellschaft engagieren, verdienen nicht nur mehr Anerkennung, sondern auch mehr Förderung.

Worauf unser Wohlstand zurückgeht

Maxim Gorkij leitet einmal aus dem Anthropomorphismus - er führt Beispiele an, wo wir rein physikalisch-biologischen Vorgängen menschliche, personale Eigenschaften zumessen, wo wie wir der Kälte zuschreiben, daß "sie uns beißt" etc. etc. - schreibt einmal:

"... Nur deshalb haben die Menschen einen Gott über ihr Leben gesetzt, weil ihre besten Eigenschaften und Wünsche, die sich während des Arbeitsprozesse bildeten, in der Wirklichkeit keinen Platz hatten, weil der Kampf um das tägliche Brot so hart war.
Wir sehen daraus, daß Gott als eine überlebte Idee überflüssig werden würde, sobald fortschrittlich eingestellte Leute der Arbeiterklasse es richtig gelernt hätten, ihr Leben so zu reformieren, daß sich ihre besten Eigenschaften frei entfalten könnten. Damit gäbe es keine Notwendigkeit mehr, sein Bestes in Gott zu verstecken, weil man wüßte, auf welche Art sich dieses Beste in der lebendigen, irdischen Wirklichkeit verkörpern ließe.

Gott ist ebenso nach den Gesetzen der 'Abstraktion und Konkretisierung erschaffen worden wie die literarischen "Typen" (als Assemblierung verschiedenster charakterlicher Eigenschaft etc.; Anm.) die charakteristischen Ruhmestaten mehrer Helden wurden "abstrahiert", abgesondert, danach werden diese Züge "konkretisiert" und zu einem Helfen zusammengefügt, zum Beispiel zu Herkules ..."


So nebenbei zeigt Gorkij die A-Personalität der griechischen Kunst auf (siehe auf diesen Seiten: die Einträge zu Andre Malraux!), die tatsächlich nur abstrahierte, deren bildende Kunst z. B. deutlich diese Abstraktion offenbart (anders als die gute römische Kunst übrigens), und er leitet daraus generell die Kunst und ihr Wesen ab, was mit der Grundhaltung dieser Form von Utopisten (Gorkij war Kommunist) - dem Dualismus Geist/Körper - übereinstimmt, wo sich auch moralisches Handeln lediglich aus dem Willen ergibt (s.u.a. Kant).

Aber: was Gorkij 1928 eigentlich ganz präzist - sicher mehr, als er wollte - ausdrückt wie vorwegnimmt, ist nicht nur die Wirklichkeitssicht des Marxismus, sondern es könnte deshalb von heute sein, weil es die Grundlage dessen darstellt, was wir Sozialstaat" etc. nennen, was die Grundlage der Sozialpolitik von heute ist. Es ist eine Anthropologie, die den Menschen entpersönlicht, und seine Entfaltung zu einer FOLGE des Wohlstands macht. Auf diesem Gedanken, der eine (gewiß: sogar verführerische) Pervertierung der Pädagogik des Seins ist, fußt unser heutiger Sozialstaat.

Sonntag, 16. November 2008

Irrglaube an die Machbarkeit des Glücks

Prew in "Verdammt in alle Ewigkeit" von James Jones: "... erinnerte er sich, was Onkel Turner, der nie verheiratet gewesen war, einmal zu ihm gesagt hatte. Weiber lenken die Welt, mein Junge. Gott hat ihnen alle Trümpfe zwischen die Beine gesteckt, sagte er. Die sind nicht aufs Glück angewiesen wie wir Männer, und wir geben's besser gleich zu."

Und wie paßt der Satz auf die Wirklichkeit? Öffnet sich dabei manche Türe? "Diese verdammte Frauengleichberechtigungsscheiße kommt nur davon, daß die allen Ernstes glauben, daß Glück und Erfolg in der Welt machbar sind. Sonst würden sie nicht glauben, daß es die Männer sind und waren, die es sich vorbe- und ihnen vorenthalten hätten! Und die Männer lehnen sich zurück und schauen zu, und grinsen, den Zahnstocher im Mundwinkel, weil es denen auch nicht gelingt: dabei wären die nie auf Glück angewiesen gewesen! Die hätten es sich richten können, denn sie haben einen Weg, der steuerbar ist: uns."

Samstag, 15. November 2008

"Sehenden Auges," meinte er damals.

H hatte es schon vor fünf Jahren gesagt. Bei fünf Bieren und durch den Zigarettenrauch nahezu blickdichter Atmosphäre im "Guitarre" im 4. Bezirk explizierte er erregt seine Meinung: "Dieser Greenspan steuert die USA auf eine Katastrophe zu! Das einzige, was denen seit vielen Jahren zur Konjunkturbelebung einfällt ist, die Zinsen zu senken. Das wird böse Folgen haben!"

Dadurch würden in der amerikanischen Wirtschaft, meinte er, sämtliche organische Strukturbereinigungen und Modernisierungsverfahren, die immer nur unter normalem Konkurrenzdruck entstünden, ausbleiben - die Effizienz sinke, schon gar unter globalen Wettbewerbsgesichtspunkten. Das führe dazu, daß das Geld tatsächlich billiger bleiben müsse, weil sonst der Kapitalmarkt die Unternehmenserträge weit übertreffen würde. Man würde nicht in Unternehmen und Investitionen investieren, sondern in Spekulationen, in Geldanlagen.

Damit aber würde in jedem Fall ein ungeheurer Sog, neues Geld zu besorgen oder gar zu schaffen, entstehen, mit gleichzeitiger Tendenz, Risikoanlagen zu forcieren, die hohe Renditen garantierten: denn die Banken hätten sonst keine Chance, das (durch das niedrige Zinsniveau) nachgefragte Geld aufzutreiben. Somit würden hochspekulative Papiere immer interessanter - und weltweit Geld ansaugen.

"Ein Wahnsinn," meinte er, schon lallend, und voller Sarkasmus, weil die Katastrophe nicht abwendbar sei. "In ein paar Jahren gehen denen dann alle Banken mit pleite, wenn sie nicht aufpassen."

Das war 2003. Er war nicht der einzige, der es kommen sah. Aber die Visionen waren so düster, daß man sie gar nicht wirklich ernstnahm.

Wir können uns Katastrophen, wirkliche Notlagen, gar nicht mehr ernsthaft genug vorstellen. Bereits in zweiter Generation erleben wir einen Wohlstand, der unser gesamtes Welterleben verändert hat. Somit fehlt uns auch jedes Verständnis für wirkliche Not in unserer unmittelbare Umgebung - und damit meine ich gerade nicht die Spendenbereitschaft, die nur eine verlängerte Wohlstandsattitüde ist. Soziale Absicherung in jeder Hinsicht ist uns nahezu "angeborenes Merkmal" - ihre Brüchigkeit ist uns schlicht nicht vorstellbar. Was die Gefahr erhöht, radikalen Veränderungen zuzustimmen, die auch Gutes mit ausreißen.

Um diese soziale "Sicherheit" - die Merkmale von Etatismus, von totalitärer, zentraler Steuerung der Wirtschaftsprozesse - zu gewährleisten, ist längst die Zustimmung zu kommunistischen Tendenzen groß.

Die Bedrohung von Not und Armut wird umso ärger empfunden, als sie irrational, weil fern, unvorstellbar bleibt. Damit wird aber auch jene Erfahrung falsch eingeschätzt die besagt, daß man ... durch Geld nicht glücklich wird.

Damit aber wird die Gefahr groß, daß übersehen wird, daß alles Wirtschaften Ausfluß menschlicher Wirklichung ist. Eine Volkswirtschaft ist nur bedingt durch staatliche Maßnahmen als "Ding an sich" ansprechbar. Wird sie zu sehr aber zum Phänomen - durch Abhängigkeiten vom staatlichen und direkten Einfluß auf die Konjunktur, die nämlich mit der Zeit entstehen -

Eine weitere Lehre sollte sein, daß die Zusammenfassung in große Wirtschaftsräume - wie in Europa in der EU - den Verzicht auf wichtige Steuerungsmaßnahmen bedeutet, mit denen ein Volk, ein Staat, seine Kernbereiche vor internationalen Entwicklungen schützen kann, wenn es notwendig ist. Auch wenn sonst der Weg eines Landes vielleicht etwas mühsamer verläuft.

In jedem Fall aber müssen wir - gerade in Österreich - wieder neu begreifen, daß das Leben im Normalfall ein Auf und Ab ist, und daß wir uns jahrzehntelang falsch angewöhnt haben, jedes Fieber sofort zu unterdrücken. Weil es keine Krisen geben darf, die eben wirklich mit Rückgängen auch im Wohlstand einhergehen.

Auf eine weitgehend krisenfreie Weiterentwicklung auf Jahrzehnte hinaus zu setzen - und wir tun es immer noch: nach wie vor findet die Demographie viel zu wenig Berücksichtigung in den politischen Maßnahmen - ist nicht besonders friedliebend, sondern besonders dumm. Und es sind dann nicht unglückliche einzelne Ereignisse und Zusammenfälle, die die Kartenhäuser zum Einsturz bringen.

Wir wollten zu viel, und zu viel mit Gewalt. Und nun wollen wir erst recht zu viel: alles ist uns recht, solange sich nichts ändert. Ändert sich das aber nicht, wird eine nächste und noch größere Krise absehbar. Es IST absehbar - so wie die jetzige es schon viele Jahre lang war: nichts davon ist überraschend.

Donnerstag, 13. November 2008

Was Leben ist

In einem Vortrag zur 3. Sondertagung des Verbandes Katholischer Akademiker in Kevelaer im Jahre 1927 definiert Abt Laurentius Zeller "Leben" in der Spezialfrage, ob Pflanzen eine Seele haben, so:

Von der rein biochemisch-mechanistischen Welt unterscheidet es sich genau dadurch, es nicht auf rein chemische und mechanische Vorgänge zurückzuführen ist. Zwar ist (vegetative) Seele und Leben in seinen Vorgängen an die Gesetze und Kräfte der leblosen Stoffe gebunden, aber sie verlaufen nach eigenen, höheren Gesetzen, verlangen eigene, höhere Kräfte und zwingen den denkenden Verstand zur Annahme einer Seele. Die Pflanze ist sohin keine Maschine, ihr Leben ist mehr als ein chemischer Vorgang.

... die gesetzmäßige Einheit der Vorgänge stofflichen Lebens sagt uns, daß sie die Auswirkung eines Wesens sind, das den Stoff und seine Teile und Kräfte beherrscht und mit ihm zur Einheit der Natur verbunden ist, um mit ihm ein einheitliches, selbständiges Lebewesen zu bilden.

... Von Leben können wir dann sprechen, wenn die Vorgänge und Bewegungen, die wir am Körper wahrnehmen, ihren Grund nicht in äußeren, mechanischen oder chemischen Einwirkungen haben, sondern im Inneren, im Wesensgrund des Stofflichen Gebildes. Leben ist Bewegung von innen heraus, in diesem Sinne: Selbstbewegung. "Viventia movent seipsa" ... Jede Bewegung, jede Seinsveränderung verlangt ihren Grund. Die Lebensvorgänge haben ihre Quelle im inneren Wesensgrund, den wir Seele nennen.

Mittwoch, 12. November 2008

Sozialverträgliches Frühableben erwünscht

Kein weiterer Kommentar notwendig (Titelverlinkung: kath.net, der gesamte Artikel aus der Tagespost) Hier die wesentlichsten Passagen, vermengt mit Passagen aus einem weiteren Artikel auf kath.net:

... nur noch 19 Prozent der Deutschen eine „Tötung auf Verlangen“ ablehnen ...

... Kommt es hart auf hart, befürworten nicht einmal ein Fünftel der Deutschen noch ein kategorisches Tötungsverbot.

Wie weit die ethische Verwahrlosung der Deutschen inzwischen vorangeschritten ist zeigt, dass auch 56 Prozent der Protestanten und sogar 50 Prozent der Katholiken hierzulande eine solche Auffassung vertreten.

Man tut also gut daran, sich nicht damit trösten zu wollen, dass die Zustimmung zur Euthanasie umso geringer ausfällt, je älter die Befragten sind. Denn inwieweit das „sozialverträgliche Frühableben“ (Karsten Vilmar) auch in Deutschland in Mode kommen wird oder nicht, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie hoch die Bereitschaft junger Menschen sein wird, die Lasten, die ihnen der demografische Wandel aufbürdet, auch zu tragen.

Die Chancen dafür stehen denkbar schlecht. Viel wahrscheinlicher ist, dass die sich die auf das Rentenalter zubewegenden Deutschen schon bald die Früchte ernten werden, die sie gesät haben. Eine Gesellschaft, die jahrzehntelang die „Selbstverwirklichung“ und in der Folge auch die dafür meist als erforderlich betrachtete „Gesundheit“ zum höchsten Gut erklärt, die „Selbstbestimmung“ und „Autonomie“ – auch in Fragen der Moral – über alles gestellt, die Glaube, Religion und Tugenden systematisch verspottet hat, darf sich nicht wundern, wenn ihre Lehren nun beginnen, sich auszuzahlen.

... keine Generation, die so schlecht auf die zukünftigen Herausforderungen vorbereitet wurde, wie die nachwachsende. Noch treten die Folgen mangelhaften Rüstzeuges nicht offen zutage. Noch wärmen die Restbestände christlichen Gedankenguts die Gesellschaft. Noch geht es ihr wirtschaftlich so gut, dass die Verteilungskämpfe kein unerträgliches Ausmaß angenommen haben. Doch niemand sollte davon ausgehen, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird ...

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Brüssel (kath.net) Nach den Niederlanden will auch Belgien die aktive Sterbehilfe an Kindern legalisieren. Damit wendet die Regelung der regierenden Flämischen Liberalen Partei dieselben Kriterien für Kinder wie für Erwachsene an: Diese können auf eigenen Wunsch Sterbehilfe verlangen. Kindern ab 12 Jahren soll dieses „Recht“ gewährt sein, ab 16 Jahren sogar ohne Zustimmung der Eltern. Das berichtet die Website www.AlbertMohler.com.

In den Niederlanden ist Euthanasie für Kinder bereits legal. Seit kurzem dürfen die Mediziner des Groningen Universitätsspitals auch Kindern unter 12 Jahren Sterbehilfe leisten, “wenn die Ärzte glauben, dass ihr Leiden unerträglich ist oder wenn sie eine unheilbare Krankheit haben“, wie The Weekly Standard meldet. Wie die Zeitung ausführt, sei “unheilbar” nichts als ein “Euphemismus für das Töten von Babys und Kindern, die schwer behindert sind”.

Das britische Ärztejournal The Lancet weist nach, dass in den Niederlanden bereits jetzt zwischen 80 und 90 Babys getötet werden, das sind acht Prozent aller verstorbenen Kleinstkinder in Land. 45 Prozent aller Neonatologen (Ärzte für Neugeborene) und 31 Prozent aller Kinderärzte haben laut der Studie bereits Babys getötet.

Birgt zweitwirkliche Frömmigkeit Gnade?

Ist das nicht (Europa-)Fetischismus? Wie könnte es anders sein: us-amerikanisch, wo es Kultur nur als Fetischismus und Zweitwirklichkeit schlechthin gibt; eine Kultur, die dann, wenn sie wirklichkeitsoffen ist, auf eine kaum zu fassende Stufe zurückfällt. Und damit ihren wahren Stand offenbart. Wieviel Soterik enthält die Psychologie der Zweitwirklichkeit?

Dienstag, 11. November 2008

Die wunderbare Brotvermehrung

Nun kommen sogar schon die Museen (Titelverlinkung: Die Museen fordern Geld) ... die Sponsoren fallen aus.

Alle, scheinbar wirklich alle leiden mittlerweile unter der Weltfinanzkrise - ja, wie sollte es anders sein? - und begehren "staatliche Hilfe". Denn die Finanzkrise erreiche da und dort doch die Realwirtschaft - wie es Frau Merkel unlängst in einer Rede verkündete.

Realwirtschaft. Wirtschaft. Staatliche Hilfe.

Der Staat soll helfen. Der Staat. Auja, helfen ist gut. Am besten: Alle helfen allen. Und die anderen helfen mir. Noch besser: am besten ist, wenn am Ende alle einstecken. wir schaffen einfach (endgültig) ... den Realbezug von Geld ab, wie wär's damit? Der ehemalige Osten hat es ja vorexerziert! Da gab es ja Geld! Und bei uns fehlt es.

Was sich derzeit so beängstigend ausdrückt: der kollektive Wille, ohne jede Rücksicht und Bedenken Schulden in nahezu unbegrenzter Höhe aufzunehmen, um unser Leben möglichst unverändert weiterlaufen zu lassen.

Man muß sich die Summe einmal auf der Zunge zergehen lassen: Österreich alleine macht 100 Milliarden Euro - das sind 1,4 Billionen Schilling! - "locker". Waren das mal Zeiten, in denen wir über ein "Milliardendebakel" von VÖESt und Verstaatlichter diskutierten ... über solche Beträge (in Euro: "wenige hundert Millionen") redet heute nicht einmal mehr jemand. Das sind doch Peanuts, Erdnüßchen!

Geht ja. Seit Jahrzehnten ist das Heilmittel der staatlichen Wirtschaftslenkung ja da: Es lebe der Kredit! In immer komplexeren Formen, wo alle einander leihen, alle, nahezu unbegrenzt! Man ist ja - wahrscheinlich ohne jede Übertreibung - schon so weit, daß die Bonität eines Staates dann und darunter leidet, weil dessen Schuldner das auf einer Seite geliehene Geld auf der anderen zurückborgt, damit es ihm geliehen werden kann, und dafür diesen Staat sofort als schlechten Schuldner einstuft, weil er bei ihm einen Kredit hat, der fraglich ist, weshalb er ihm neuerlich Kredit gibt, um das Vertrauen zu demonstrieren ...

Eigentlich könnte man sagen, daß die sogenannte Weiterentwicklung der Etat- und Finanztheorien seit Jahrzehnten nichts anderes war als das Finden neuer Wege der Geldvermehrung durch Kredite: durch neue Begründungen dafür, sich frohzurechnen, (wie das einer meiner mittlerweile verstorbenen Geschäftspartner früherer Zeiten immer nannte.)

Es ist wie die wunderbare Brotvermehrung ... es fehlt nur noch der Messias. Und vielleicht doch: das wirkliche Wunder.

Von Gott beschlafen

Der schwerste weil zuinnerste, tabubehafteste, am schwersten in seiner Gegnerschaft erfaßbare Kampf auf dem Weg zur Freiheit ist jener gegen die Erwartungshaltungen der Mütter.

Der Vater kann entmutigen, erdrücken. Aber: Aller Antrieb zur Wirklichung, der ein Antrieb des Eros ist, geht aber zurück auf die Frau und die Aufgabe, die sie an ihr zu lösen lockt. Im Vater findet sich "lediglich" ein gestalthafter, aber aus der Natur der Geschichte heraus immer überholter, veralteter (konkreter, also bloß nachahmbarer) Weg, der die Identität bestimmt.

Aber die Tat ist Antwort auf die Frau.

So wie die Schöpfung ehelicher Begattungsakt Gottes war.

Also sind auch die Salomonischen Verse zu verstehen, die Gleichnisse, in denen die Kirche - als Gemeinschaft der Heiligen in allen Dimensionen - mit dem Zicklein verglichen wird, mit der Braut, die den Bräutigam sehnsüchtig erwartet.

Umso schwerer, langwieriger, komplexer und schwieriger zu entdecken sind jene verinnerlichten Forderungen, die u. U. Lebenswege einschlagen lassen, die an eines wahrer Natur weit vorbeigehen.

Es liegt das Gelingen in den Händen der Frau. Ob es die Mitochondrien in den Zellen sind - oder die Mütter in den Familien: sie entscheiden, ob der Same aufgeht, verkrüppelt wird, oder ganz erstickt.

Eigentumslosigkeit - einziger Weg

Es gibt vielleicht nur eine einzige Form des Heraustretens aus den Verstrickungen der Zeit, das ident ist mit einem Heraustreten aus figürlicher Verantwortung: nicht also Mitspieler, sondern Chronist und Reflektor.

Es ist die Eigentumslosigkeit.

Jede Form von Eigentum braucht Erhaltung, ist somit auf die faktische Gegenwart verwiesen. Je weniger Eigentum - desto weniger Verantwortung - desto weniger von gesollten Interessen gefilterte Reflexion, weil keine Rücksicht auf Erhaltungsnotwendigkeiten (in figürlichen Identitäten) genommen werden muß.

Und nur in dieser - frei gewählten (weil Eigentum an sich Ziel des irdischen Existierens, also der menschlichen Natur zutiefst eingeschrieben ist! dies als Warnung vor den zu erwartenden inneren wie äußeren Kämpfen gesagt) - Eigentumslosigkeit, die lediglich eine Reaktion auf den faktischen Zustand der Welt ist, in den sie durch die Erbsünde gezwungen bleibt ist die Wahrheit bibliotheksgleich darstellbar: weil die Welt als Kreuz in seiner Gesamtheit und Universalität auf eines Schultern drückt.

Wird man zur Eigentumslosigkeit gezwungen, ist ein natürliches Verhältnis zum Verzicht schwerer und langwieriger herzustellen. Sogar das dauert länger: zu begreifen, daß man dem Eigentum nicht hinterherweinen MUSZ.

Damit also sind wir bei der Kunst - und der Aufgabe des Künstlers.

Der Gedanke ist keinesfalls neu. Er hat die Kunst jahrhunderte-, ja jahrtausendelang beseelt und geschaffen. Aber er muß (und mußte bei mir) vielleicht neu gedacht und belebt werden.

Zur (auch: vorwegnehmenden, damit rüstenden) Befreiung einer Generation. Vielleicht.

Gewitter um Bismarck

Bismarck in einem Brief an seinen Vater:

"Als wir in See kamen, fing es heftig zu regnen an, und etwa 3 Meilen von der Insel Wangerog liefen wir auf eine Sandbank fest, so daß wir die Nacht über liegen bleiben mußten, um die Fluth abzuwarten. Während der Zeit überfiel uns das tollste Gewitter, welches ich je gesehn habe; zum Glück ganz ohne Wind, aber wohl 2 Stunden mit wenig unterbrochnem Donner und Blitz. Ich war mit Herrn von Friesen aus Rammelburg und dem Capitain allein auf dem Verdeck, als ein betäubender Schlag, mit Donner und Blitz ganz zugleich fiel; Friesen und ich taumelten auseinander, und jeder dachte von dem Anderen, er brennte; der Strahl hatte einige Schritte von uns den Kettenkasten getroffen, und an der aushängenden Kette seinen Weg ins Wasser genommen.

In derselben Minute erfolgten noch 3 ähnliche Schläge in der unmittelbarsten Nähe des Schiffes, so daß die ganze See um uns her aufbrauste. Einige Damen wurden ohnmächtig, andre weinten, und die Stille in der Herrencajüte wurde nur durch das laute Beten eines Bremer Kaufmanns unterbrochen, der mir vorher viel mehr au seine Weste als auf seien Gott zu geben schien. Als ich mich nach dem Schlage, der das Schiff traf, mit der Frage an den Capitain wandte, wo der Blitz wohl sitzen möchte, war dieser Mann gänzlich außer Stande zu antworten; er war blaublaß im Gesicht, die Lippen bebten ihm wie im Fieberfrost, und er war fast ohne Besinnung.

Ich hätte wohl sehen mögen, was für Commando er hätte geben können, wenn das Schiff etwa in Brand gerathen wäre; gegen mich gerieth er in eine abergläubische Aufregung, die er erst späterhin zu äußern im Stande war, weil ich zur Beruhigung der alten Gräfin K., die im größten Schreck an die Tür stürzte, einige Scherze über den Donner machte. Übrigens stand unsere Partie wirklich sehr schlecht ... Das Gebet des Bremer Herrn rettete uns diesmal noch. Dienstag früh kamen wir hier an."

Er war so voller Verstand ...

G. E. Lessing anläßlich des Todes seines Sohnes, wenige Tage nach dessen Geburt:

"Ich ergreife den Augenblick, da meine Frau ganz ohne Besonnenheit liegt, um Ihnen für Ihren gütigen Anteil zu danken. Meine Freude war nur kurz: Und ich verlor ihn so ungern, diesen Sohn! denn er hatte so viel Verstand! so viel Verstand! - Glauben Sie nicht, daß die wenigen Stunden meiner Vaterschaft, mich schon zu so einem Affen von Vater gemacht haben! Ich weiß, was ich sage. - War es nicht Verstand, daß man ihn mit eisern Zangen auf die Welt ziehen mußte? daß er sobald Unrat merkte? - War es nicht Verstand, daß er die erste Gelegenheit ergriff, sich wieder davon zu machen? - Freilich zerrt mir der kleine Ruschelkopf auch die Mutter mit fort! - Denn noch ist wenig Hoffnung, daß ich sie behalten werde. - Ich wollte es auch einmal so gut haben, wie andere Menschen. Aber es ist mir schlecht bekommen. Lessing"

Montag, 10. November 2008

Internet ohne gesellschaftliche Relevanz

Das berichtet die Presse über die Grazer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Jugend und Medien" (Titelverlinkung: der ganze Artikel):

... Lorenz (Programmdirektor ORF, Anm.) gesteht eine gewisse Ratlosigkeit im Umgang mit der Jugend ein. Jugendsendungen seien keine adäquate Lösung. Im Gegenteil: „Die sind das Schlimmste, was wir der Jugend anbieten können“, sagt der Programmchef, fordert aber auch mehr Initiative und Rebellionsgeist des 12- bis 29-jährigen Zielpublikums selbst. „Es fehlt eine aufgekratze Jugend, die ihre Chance einfordert und Lust hat, die Gesellschaft in die Luft zu sprengen“, bedauert Lorenz. Die Leute wollen nur noch unterhalten werden, seien aber nicht mehr an ernsthaften gesellschaftspolitischen Fragen interessiert. Auch der ORF sei zwar „nicht die Erziehungsanstalt der Nation“ (Lorenz), würde aber entsprechende Plattformen anbieten. Im Fernsehen! Denn: „Das Internet hat keine gesellschaftliche Relevanz“, poltert der Direktor.

... Nicht so drastisch im Ton, aber inhaltlich nicht weit von Lorenz entfernt, warnt selbst ORF-Online-Chef Karl Pachner vor zu großen Erwartungen an das Internet: „Die großen Events finden nicht ohne Fernsehen statt“, behauptet er. Auch Kampagnen würden – siehe jüngste Beispiele bei der „Kronen Zeitung“ – noch über ein „altmodisches Medium“ wie die Zeitung funktionieren. Parallel sei online aber ein „verstärkter Bedarf nach Stellungnahme“ festzustellen.

Nur Scheitern hat Gründe

Jedes Mißlingen hat Gründe. Jedes Gelingen ist ein Geheimnis. (angeblich: Joachim Kaiser)

Das Ganze vollzieht sich aus sich selbst heraus zum Gelingen, in der Tugend. Es ist nicht aus seinen durch das Fehlen bewußt gewordenen Eigenschaftlichkeiten konstruierbar.

Wir stehen in unserer Freiheit nur vor der Wahl, dem Gelingen zuzustimmen, nur hierin haben wir Freiheit - oder in Getriebenheit oder Bosheit zu irren und zu vernichten.

Sonntag, 9. November 2008

Man pinkele auf Sägespäne

Was hat Darwin eigentlich anderes gemacht als die aus der menschlichen Beobachtung heraus weit verbreitete Annahme zur universalen These zu erheben, daß Leben von selbst aus dem Nichts entstehe? Selbst Goethe hat seinem Fürsten erklärt, daß zur Entstehung von Leben genüge, Sägespäne mit ein wenig Urin zu versetzen.

Darwin hat eigentlich nichts anderes gemacht als aufgehoben, was auf der Straße lag, benannt, was alle dachten. Er hat aber vor allem die Frage auf eine bereits vorentschiedene Ebene gehoben, auf der sie gar nicht zu lösen ist. Darwin hat die Lösung bereits postuliert, jedes Gegenargument aber durch sein Zirkelargument der "Teleonomie" (ein Gedanke ist nicht er selbst, sondern erscheint nur als solcher) apriori für unzulässig erklärt - das ist das (wirkmächtige) Geheimnis.

Man ist heute mit dieser These vielleicht quantitativ weitergekommen, aber nicht qualitativ. Die Erklärungen sind nicht weiter gediehen, als den Ursprung im allerbesten Fall weiter hinauszuschieben. WAS wirklich passiert ist und passiert sein soll, und WARUM, und schon gar in so komplexen, unteilbaren Zusammenhängen, wo z. B. das, was im Mechanismus wirkt, diesen zur Entstehung bereits voraussetzt ("irreduzible Systeme") - das weiß man nicht.

Aber in dunklen Zeitaltern wie diesem neigt man dazu, die Erklärungskraft der naturwissenschaftlichen Forschung (als der subjektivistischen Erfahrung) weit zu überschätzen. Zeichen des Irrationalen, das heute herrscht. Umso mehr muß das Gegenteil behauptet werden.

(Titelverlinkung: Eine Sendung des BR "Alpha Centauri" über die "Ursuppe"; man achte vielleicht einmal auch auf das, was alles NICHT erklärt werden kann, über das man einfach hinweggeht; wahrlich: eine dünne Suppe ... wie auch bei diesem Eintrag in der Wikipedia zu "Chemische Evolution")

Linkes wollen - Rechtes wählen?

Der KURIER (Titelverlinkung: Originalnachricht) bringt einen interessanten Bericht von einer wie es scheint recht offen geführten Podiumsdiskiussion in Graz, den er übertitelt:

Im ORF sitzen altgewordene Revolutionäre - Festival Elevate: "Gegenkultur ist heute Mainstream" - Podiumsdiskussion in Graz zu sinkenden ORF-Quoten bei Jugendlichen

Einzelne Aussagen lassen einesteils aufhorchen. Der Wirtschaftsdruck zwingt offenbar als einziges Mittel, Realitäten wenigstens einmal zur Kenntnis zu nehmen. In den Begründungen freilich kann man auch ganz anderer Auffassungen sein:

"Die österreichische Gesellschaft ist zu einer Wellness-Gesellschaft geworden, in der Bildung zweitrangig ist und nicht einmal mehr die Jungen gegen die herrschenden Strukturen protestieren, sondern sich im anonymen Internet verkriechen", fasste ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz das Problem bei den unter 30-Jährigen aus seiner Sicht zusammen.

... Die altgewordenen Revolutionäre der 68er-Bewegung säßen heute im ORF und machten Programm. "Menschen wie ich haben den Jungen die Bilder zum Revoltieren genommen. Gegenkultur ist heute Mainstream", zog Pachner ein Resümee.

... "Ihr (die Jugendlichen, Anm.) wählt rechts und erwartet von uns ein linkes Programm. Klagt nicht den ORF an, das er euch nicht vor euch gewarnt hat."

Freitag, 7. November 2008

Berlusconi hat eben Humor!

Der italienische Premiereminister Silvio Berlusconi zum neuen amerikanischen Präsidenten: "Toll - er ist jung, schön, und immer so wunderbar braun von der Sonne!"

Angeblich hat er sich heute dafür halb und halb entschuldigt. "Ich wollte doch nur freundlich zu ihm sein!" Man hatte sofortigen Rücktritt wegen seines Rassismus sowie seiner Respektlosigkeit verlangt. "Unsinn. Mir hat Italien es zu verdanken, daß es überall auf der Welt als sympathisches Land gilt! Die italienische Linke hat keinerlei Sinn für Humor. Wenn jemand nicht begreift, dass ich nur nett sein wollte, wenn die Dummköpfe ihre Kampagnen starten, sind wir am Ende. Gott rette uns vor den Dummköpfen!", sagte Berlusconi nach Angaben italienischer Medien.

Da hat er recht. Forza Italia!

Dienstag, 4. November 2008

Feine Früchtchen

Über Bias, einem der legendären 7 Weisen und Richter der griechischen Antike (6. Jhd.), berichtet Diogenes Laertes: das Schiff, mit dem er eines Tages unterwegs gewesen war, geriet in einen Sturm und drohte zu sinken. Alle Seemänner warfen sich zu Boden, um die Götter um Rettung anzuflehen. Da herrschte Bias sie an: sie sollten schweigen! Damit die Götter nicht entdeckten, daß sie hier bei ihm seien ...

Umgekehrtes wird von Albuquerque, dem Vizekönig Emanuels von Portugal in Indien, berichtet: der nahm in höchster Seenot einen unschuldigen Knaben auf seine Schultern in dem einzigen Gedanken, daß ihm in der gemeinsamen Bedrängnis dessen Unschuld zur Bürgschaft und Empfehlung an die Gnade Gottes diene, um ihm so Rettung zu bringen. (Montaigne)

Samstag, 1. November 2008

Nicht Weitergabe von Inhalten

Erzählen ist nicht die Weitergabe von Inhalten, sondern eine Aussage, die über die sinnliche Vermittlung von Erfahrung getroffen wird, die damit im Zuhörer gegenwärtig wird und somit in der aus der Erinnerung wirkenden Kraft fleischlich präsent bleibt.