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Mittwoch, 31. Dezember 2008

Schlicht: köstlich


Der KURIER bringt einige Peinlichkeiten des Jahres 2008, und ich kann nicht widerstehen, einige davon hier zu bringen:

Glänzender Tipp
Zum Thema "Tipps gegen die Teuerung" Fiona Griffini-Grasser (aus dem Hause der Multimillionäre Swarowsky): "Wenn man Platz auf seiner Terrasse hat, dann soll man sich sein Gemüse, seinen Salat einfach selber anbauen."

Spitzerl
Claudia Stöckl fragte beim sichtlich angeheiterten Tobias Moretti nach, wie er sich den Verbleib von Dita von Teese im WC erklären könne. Moretti dazu:
"Wer?"
"Der Stargast von Richard Lugner (Anm.: am Opernball), Dita von Teese."
" Dieter, ein Mann?!"
"Nein, das ist eine Frau, eine Tänzerin, eine Edel-Stripperin (…)."
"Wieso heißt die dann Dieter?"
(siehe Photo: Dita von Teese)

Religion des Schönen

Schiller 1794 an Goethe: "... Hält man sich an den eigentümlichen Charakter des Christentums, der es von allen monotheistischen Religionen unterscheidet, so liegt er in der Aufhebung des Gesetzes oder des Kantischen Imperativs, an dessen Stelle das Christentum eine freie Neigung ersetzt haben will. Es ist also in seiner reinen Form Darstellung schöner Sittlichkeit oder der Menschwerdung des Heiligen, und in diesem Sinne die einzige ästhetische Religion; daher ich mir auch erkläre, warum diese Religion bei der weiblichen Natur so viel Glück macht, und nur in Weibern noch in einer gewissen erträglichen Form angetroffen wird. ..."

Montag, 29. Dezember 2008

Krank sein dürfen

Schiller in seiner Antwort auf eine Einladung Goethe's nach Weimar: er könne (aufgrund seiner Krämpfe) nicht dieses und nicht jenes, morgends schlafe er, weil er nächtens nicht schlafen könne, ja er könne an so gut wie nichts teilzuhaben versprechen, weshalb er bereits jetzt fest verspreche, an keinem von Goethe's Vorschlägen, etwas zu unternehmen, teilzuhaben, und er erbitte sohin dringend, ihn von allem entbunden zu sehen, wo andere an ihn gebunden seien - dann komme er gerne. "Erlauben Sie mir aber bitte, krank zu sein!"

Nur Schönheit ist Kultur

Natürlich verknüpft sich Freiheit (siehe: Goethe's Definition von Schönheit, die Freiheit voraussetzt) mit Schönheit zur Kultur. Kulturelle Höhe ist gekennzeichnet durch Schönheit.

Weshalb man viel zu leichtfertig von KulturEN der Welt spricht - denn nicht selten findet sich lediglich ein Zustand einer Kultur, deren Kultur-sein vom Freiheitsgrad abhängt.

Innerhalb von Getriebenheiten - und seien es solche von natürlichen (an sich abstrakten, Konkretion in einem kulturellen Gefüge zu einem solchen suchenden) Neigungen, die zu Trieben als Haltungen ausgehärtet wurden - ist auch keien SChönheit, lediglich technische Tauglichkeit (Attraktivität ist eine Kategorie dieser Technik) zu finden.

Mehr als notwendig

Goethe schreibt in einem Traktätchen, daß die Schönheit eines Lebewesens in der Darstellung der Freiheit in seiner Möglichkeit zur Möglichkeit (dem actu der potens) besteht bzw. sinnlich erfahrbar wird - in der Ausgedrückten Freiheit von Notwendigkeit. Jede Bewegung drücke dieses "Mehr" aus, diese Nicht-Getriebenheit.

Dem ist eigentlich nur hinzuzufügen, daß Freiheit eine Kategorie des Menschen ist, ihre Möglichkeit somit Auftrag zur Schönheit, aber wiederum innerhalb der geschöpflichen Vollkommenheit, also konservativ (und nicht positivistisch) verbleibt.

Die Überschreitung dieser Vollkommenheit ist ein Schritt zum Ästhetizismus, zum Manieristischen, und genau dieses Abgleiten dorthin zeigt sich im Idealismus der Romantik.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Vielleicht bist Du's

Unvermutet, in seinen Briefen, dies Gedicht von Jakob Burckhardt:

Sonntag, 14. Dezember 2008

Man merkt die Absicht und ist verstimmt

Immer wieder ist die Decke zu kurz, die Willim Golding in "Der Herr der Fliegen" über seine Ideengerüste in Handlung und Charakteren geworfen hat, sodaß ich der hohen Meinung über dieses sein Buch nicht wirklich beipflichten kann. Golding will eine Theorie darstellen, das merkt man auf Schritt und Tritt, und Figuren wie Handlung dient lediglich der Illustration dieser Theorie: der Entstehung von totalitären Regimen.

Zwar ist manches an seinen Gedanken, dem man beipflichten kann, viel Wahres über Zusammenhänge von Irrationalem, Bösem und Religion, sowie Vernunft. Aber daß Golding dabei aus der aufklärerisch-rationalistischen Ecke kommt, für die Numinoses generell nicht mehr ist als psychologisch-mechanistisch erfaßbares, weltimmanentes, rein subjektivistischer Schwächeaffekt kann er ebenfalls nicht abstreiten.

Gewiß, das Totalitäre in seiner Zustimmung durch den Großteil der Masse kann sich auf irrationale Ängste berufen, die es kanalisiert, in Gruppenerlebnissen läutert sowie jene als deren Ort der Erlösung erfahrbar macht. Gewiß und sogar möglicherweise ungewollt tiefsinnig auch der erklärte Zusammenhang von Machtusurpation (ungerechtfertigter Aneignung) und Neid, ja Sturz des Vaters. Sehr schön, gewiß, auch die Erklärung des die Gesellschaftsordnung begründenden als wesentlich tradions- und dann tabubestimmt. Aber schon an deren Entstehung aus bloß persönlicher Willkür, aus zufälliger, willkürlicher Wahl von Attributen, die ein irgendwie gewordener Führer festlegt, bricht sich die Theorie, sucht sie sich Fundamente, die nicht halten.

Golding's Immanentismus stört denn also, und vermutlich liegt die letztlich fehlende Glaubwürdigkeit des Buches, die man an der Plausibilität der Charaktere und Geschehnisse mißt, das kaum über einen (wenn auch sehr intelligenten) Traktats hinauskommt, genau darin: daß eine Dimension des Menschen schlicht fehlt, und daß Religion eine Dimension des Wirklichkeit, und nicht einer biologistischen Psychologie ist. Vermutlich bezieht das Werk seinen Ruhm eben nicht aus seinem Rang als Kunstwerk, sondern als Versuch einer Illustration der Metapher einer Theorie des Totalitären.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Was nur man selbst kann

Schiller, zu der Zeit Geschichts-Dozent in Jena, frägt Dalberg, was er nun tun solle: als Schriftsteller historischer Schriften weiterleben, oder als Dichter weiterleben?

Dalberg antwortete: "... ich würde wünschen, daß Sie in ganzer Fülle dasjenige leisten, was nur Sie leisten können, und das ist das Drama."

Leisten, was nur durch einen selbst geleistet werden kann - die höchste Spitze des Menschseins, von der aus der Mensch selbst definiert wird, den es nur als Individuum gibt.

Das Höchste im Leben des Einzelnen wird Gestalt, wenn es aus der Wirklichungskraft des (gereinigten, reinen) Selbst steigt.

Ein Prinzip des "Höheren Guts." Eine Hilfe für Lebensentscheidungen.

Samstag, 6. Dezember 2008

Orden der strengsten Observanz


Ein Trappistenkloster (reformierte "Zisterzienser von der strengeren Observanz", während Zisterzienser wiederum reformierte Benediktiner sind) kehrt geschlossen zur "Alten Ordnung" zurück - im Ordensleben, im liturgischen Leben: Marienwald. (siehe Photo; Titelverlinkung: Artikel auf kreuz.net)

Der Abt: "Man übersieht meist, wie viel Anziehungskraft die französischen Klöster auf junge Menschen haben, die die Alte Liturgie pflegen." (Anm.: in Frankreich gibt es eine Reihe von Abteien, die sich teils schon lange wieder oder überhaupt der traditionellen Liturgie verschrieben haben, wie Le Barroux)

Die Genehmigung aus Rom für diesen Schritt langte lt. Bericht angeblich so rasch nach dem Ansuchen ein, daß die Vorbereitungen zu dieser Umstellung noch gar nicht abgeschlossen waren und nun beschleunigt nachgeholt werden.

Vielleicht entsteht bald der nächste benediktinische Zweig - die "Marienwalder - Orden von der die Strenge wieder streng machenden Observanz"

Hoffentlich schaffen sie nicht - auch das gibt es ja bereits, u. a. in der Piusbruderschaft - eine neue Häresie, reihen sich ein in eine Strömung, die Merkmale einer Modeerscheinungen hat: der Häresie des Traditionalismus, oder: des zur Häresie betonten Traditionalismus.

Böse Zungen behaupten, es gäbe ohnehin nur einen einzigen katolischen Orden - den der Benediktiner. Alle anderen wären (für sich gesehen) häretisch. (Häresie = das Auswählen, das Ausgewählte)

Freitag, 5. Dezember 2008

Dann packe zu!

Jack Malloy in "Verdammt in alle Ewigkeit" kurz vor seinem Ausbruch, den er Prew zu dessen Überraschung verriet - er hielt seinen Zellenkumpan bis dahin für absolut abgeklärt und ausgewogen, aber der winkte ab, er stehe auf tönernen Füßen: "(Im Gegensatz zu Dir) ... habe ich die Armee nie geliebt. Ja, ich habe überhaupt nie etwas genug geliebt, und deshalb gehöre ich nirgendwo dazu. Die Dinge, die ich geliebt habe, waren alle zu trügerisch, zu irreal. Ich leide an der gleichen Krankheit, die ich zu diagnostizieren versuche und die die Welt zerstört.

Das ist's, was mich mein ganzes Leben lang verfolgt hat, (...) Immer ist es hinter mir her gewesen und hat mich zu Fall gebracht, dieses Ding, das ich gesucht hab und niemals finden werde. Welcher Platz im Himmel auch immer auf mich wartet, ich gäbe ihn dafür, wenn ich etwas so lieben könnte, wie du die Armee liebst. Verlaß sie nicht, (...) Niemals.

Wenn ein Mann einmal das gefunden hat, was er wirklich liebt, dann muß er es festhalten, ganz gleichgültig,ob seine Liebe erwidert wird oder nicht. Und (...) wenn es ihn schließlich tötet, sollte er dankbar dafür sein, daß er überhaupt die Möglichkeit hatte, so zu lieben. Darin liegt nämlich das ganze Geheimnis.
"

Dazu vielleicht nur zwei Bemerkungen, Hinweise - auf diese Angst vor dem Schmerz, dem Tod, dem man sogar sein Glück opfert, einerseits, und: die (eben: Nicht-)Erziehung zur Trägheit der Versorgtheit, ja: des Förderwesens, das zutiefst einer Haltung der Lieblosigkeit erwächst, die das Kind schon genau das, was es liebt, vielleicht sogar noch erkennen läßt, aber den entscheidenden Ernst, es festzuhalten, nie ertüchtigt, sodaß der Mensch, erwachsen, korrumpiert, dem davonwehenden Glück schlichtweg ... traurig nachblickt.

Es ist eben nicht (zumindest nicht: zuerst) die Versorgtheit, die Versicherung gegen die Lebensunbill, die Lebensgeglücktheit grundlegt.

Es ist der Wille, zuzupacken - vor dem Hintergrund der fehlenden Furcht vor Schmerz und Tod.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Angst vor dem Tod

Goethe meint einmal, daß alle Kunst religiös sei, ja sein müsse. Sei sie das nicht mehr, würde sie bloß nachahmend. Dazu fügt CJ Burckhardt noch die Bemerkung an, daß er den Eindruck habe, daß die heutige Künstlergeneration dem entgehen wolle. Sie fürchte die Nachahmung so sehr, daß sie die Schönheit im platonischen Sinne (T. v. Aquin: Gott schafft immer geometrische Formen, das heißt Ordnung und Harmonie) nicht nur meide, sondern sie jedesmal wenn sie auftauche, breche.

Immerhin - im Werk tritt der Künstler gnadenlos sich selbst gegenüber.

Das Neue = das Andere

C. J. Burckhardt in einem Brief (1946) an Gustav Bally (u. a. Präsident d. schweizer Gesellschaft f. Psychiatrie): "... dieses mir psychologisch so merkwürdigen Begriff 'des Neuen', das doch nichts anderes sein kann als das Andere, nämlich eine Ausschließung von allem Seienden und Bewährten."

Dienstag, 2. Dezember 2008

Über das Vorherwissen

"(... denn da ihm alle Dinge gegenwärtig sind, sieht er sie vielmehr, als daß er sie vorhersieht), ... in Wahrheit sehen wir es so kommen, weil es so kommt; aber es kommt nicht so, weil wir es so kommen sehen. Das Geschehen macht das Wissen, und nicht das Wissen das Geschehen. Was wir kommen sehen, kommt so; aber es konnte auch anders kommen; und Gott sieht im Buch der Ursachen des Kommenden, das vor seiner Allwissenheit aufgeschlagen liegt, auch jene, die wir zufällig nennen, und die willkürlichen, die in der freien Wahl stehen, mit der er unseren Willen begabt hat, und er weiß, daß wir fehlen werden, weil wir haben fehlen wollen." (Montaigne)

Das hat Humor!

Zur Zeit der Proteste bis 1989 (Wende) im kommunistischen Polen verkleideten sich im schlesischen Breslau bei Protestaktionen Studenten als Zwerge.

Die Polizei mußte dann bei den Verhaftungen ... Zwerge inhaftieren. Während die Studenten skandierten: "Ihr könnt doch keine Zwerge verhaften!"