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Mittwoch, 30. September 2009

Kennzeichen des Niederbruchs

Arnold Toynbee meint, daß es drei Merkmale des Niederbruchs einer Kultur (bzw. eines Gesellschaftskörpers) gebe:

ein Versagen der schöpferischen Kraft in der (führenden) Minderheit (=Elite)
als Antwort darauf ein Rückzug der Nachahmung auf seiten der Mehrheit
und ein daraus sich ergebender Verlust der sozialen Einheit im Gesellschaftskörper als ganzem.

Ohne es darauf abzustellen, nennt Toynbee damit die Stoßrichtung eine beabsichtigten Zerstörung einer Kultur von außen, die auf die Zerstörung der Vertrauensbasis von Elite und Volk abzielt, und dazu in erster Linie eine Uminterpretation der Geschichte sowee ein Niederziehen der führenden Schichte benutzt.

Diesen Faktor unterschätzt Toynbee damit auch ganz gewiß, wenn er (ca. 1935) schreibt, daß der abendländische Gesellschaftskörper die Kultur der Zukunft sei, die völlig niedergebrochenen übrigen Weltkulturen gegenüberstehe.

Wieder, sein Hegelianismus, unterscheidet der britische Historiker also nicht zwischen den faktischen Erscheinungen und ihrer Substanz, die sich anthropologisch in den Polen Sein und Nichtsein bewegt, sodaß wir es historisch sehr wohl mit "Scheinphänomenen" zu tun haben, die wiederum wesentlich, Hirngespinsten oder Massenpsychosen vergelichbar, dämonischer Natur in Massenmeinungsbildungsmechanismen (Ressentiment als Element des Moralen) entstehen (und vergehen) können.

Denn in gewisser Weise hat Toynbee zwar recht, aber der "Mechanismus", der Technizismus, der eines der Kennzeichen des Abendlandes ist, ist eine seiner größten Verführungen zum Scheitern! Aber nicht als positive, sondern bestenfalls positivistische Schöpfung. Weshalb man den Verlust der schöpferischen Kraft der Eliten im Abendland durchaus um einige Jahrhunderte vorverlegen kann, weil abzuwägen bleibt, ob die immer ausschließlicher technische Entwicklung, der wir seit vier-, fünfhundert Jahren, seit dem Umbruch des Mittelalters, den wir "Neuzeit" nennen, unterliegen (mit der bis in die letzte Menschlichkeit mittlerweile vorgedrungene Umbildung dieser Kultur in Technik und Mechanismen) nicht unfreie Getriebenheit, ja Besessenheit eher denn schöpferischer Genius ist.

Was ja als sicherstes Zeichen des Todesröchelns längst bis in die Religion gedrungen ist, deren letzte Reste an Religio durch Psychotechniken und Effektproduktion praktisch ausgerottet wurden und werden. Womit auch jeder möglichen Regeneration die Versorgungslinien abgeschnitten werden, weil bereits generationenlang das Numinosum der Religion bestenfalls noch in der Dämonie - als Identifikation mit dem Irrationalen - erfahren werden kann, als menschliche wie liturgische Grunderfahrung aber fehlt. Die Entwicklung in Lateinamerika, mit dem Masseneinbruch von freikirchlich-evangelikalen, charismatischen Bewegungen in ehedem angestammte christ-katholische Bevölkerungsschichten, bestätigt dies (und Toynbee) vollauf.

Ein Technizismus übrigens, dessentwegen das Abendland auch oft verachtet wurde und wird, und zwar auch von Kulturen, die dem Abendland in seiner faktischen Gewalt unterlegen sind. Wohl nicht ganz zu Unrecht.

Dienstag, 29. September 2009

Amerikanische Ausstattung - russische Seele

Für Toynbee ist (1935ff.) der sowjetische Marxismus (phänomenologisch betrachtet) nichts als der Versuch, den Kapitalismus für alle zu erreichen: mit dem Traum "amerikanischer Ausstattung" auch für die russische Seele, die in eine amerikanische umgewandelt werden soll.

Wobei für ihn überhaupt der marxistische Glaube einer totalen Verwerfung der abendländischen Gesellschaftsordnung näher kommt als irgendein anderer Glaube abendländischen Ursprungs.

Und er ist es mit dem Ziel, den amerikanischen Traum - auf andere Weise - zu verwirklichen.

Man könnte Toynbee völlig rechtgeben, interpretiert man die Umstürze 1989 als Entladungen der enttäuschten Bevölkerung, die sich, endgültig entnervt, einen effizienteren Weg zum amerikanischen Traum freimachen wollte. Interpretiert 1989 nicht als Sieg des Abendlandes und seiner Grundlagen.

Einen ähnlichen Verlauf stellt Toynbee übrigens bereits für die Freiheitsbewegung Mahatma Gandhi's fest: Indien nahm einen ähnlichen Weg, und gegen Gandhi's Aufforderung, nicht die westlichen Methoden anzuwenden, geschah genau das. Die Inder wurden zu den "besseren" (erfolgreicheren) Kapitalisten, und diesen Weg, zu einer eigenen starken Industrie etc., wollten sie sich mit Gandhi's "Methoden" freikämpfen. "Die wirksamsten Helfer waren die (stillen) indischen Industriellen," meint Toynbee. "Sie haben zugleich die Philosophie des Propheten am wirksamsten ausgehebelt."

Mehr Technik - weniger Kultur

In "Der Gang der Weltgeschichte" (original: "Study of History") räumt Arnold Toynbee mit leichtem, durch historische Fakten gut vorbereitetem Fingertippen, mit einem Mißverständnis auf: daß nämlich technischer Fortschritt ein Signum oder eine Begleiterscheinung kulturellen Hochstandes sei. Zum Gegenteil, zeigt die Geschichte, daß die Entwicklung der Technik nahezu unabhängig vom Stand eines "Sozialkörpers" (ein Begriff, den Toynbee gerne anstelle von Kulturen benutzt) ist. Daß man sogar bemerkt, daß die Technik - in Arbeitsteilung, Funktionalisierung und Mechanisierung von Vorgängen - dann zur Blüte kam, als die Kulturen bereits im definitiven Niedergang, manchmal bereits (minoische Kultur) niedergegangen waren.

In jedem Fall ist keine wirkliche Korrelation zwischen dem Stand der Technik und dem Stand einer Kultur zu bemerken, beide entwickeln sich nahezu unabhängig voneinander. Selbst vor tausenden von Jahren, in der Gegenüberstellung von Neolithikum und (diesem vorangehendem) Paläolithikum, zeigt sich, daß die ältere Kultur wohl technisch weniger ausgefeiltere Werkzeuge besaß, dafür aber künstlerische Werke zu schaffen vermochte, oder ihre Werkzeuge mit einer detailverliebten Kunstfertigkeit ausgestaltete, die den späteren, jüngeren Kulturen bereits fehlte. Ähnliches läßt sich bei der Gegenüberstellung Mayas (älter) - Atzteken (jünger) sagen.

Überhaupt die Kriegstechnik verhält sich nahezu unabhängig, wenn sie nicht sogar die einzige menschliche Technik ist, die über all die Jahrtausende eine kontinuierliche Fortentwicklung nahm. Selbst Expansion einer Kultur ist in vielen Fällen sogar Anzeichen für ihre innere Schwäche eher, denn Kraft zur Durchdringung der Welt.

Dieser Nenner ist freilich nur auf den ersten Augenblick überraschend, und er trifft sich nahezu deckungsgleich mit den Analysen eines Friedrich Georg Jünger, etc. Toynbee führt ihn auch auf die eurozentristische Technikbegeisterung des 19. Jahrhunderts zurück, auf das Selbstverständnis der Gesellschaften seither, die sich (seither) im Rausch der technischen Entwicklung auch in der historischen Höhe des Menschseins, weil als jeweiliger Spitzenpunkt einer kontinuierlichen Vorwärtsentwicklung (aus Evolutionismen) wähnen. Klarerweise ist auch die materiale Technik der historischen Forschung leichter zugängig, weil auch archäologisch evidenter.

"In der fortwährenden Vereinfachung, in der kontinuierlichen Spezialisierung, verliert der Einzelne mehr und mehr Ganzheitlichkeit und Universalität," sagt Toynbee. Gleichzeitig verkürzt sich der Produktzyklus - sichtbarer Ausdruck einer Tendenz zur "Vergeistigung" (negativ formuliert: Auflösung) des Materiellen, das im selben Zug immer bedeutsamer für die Lebensvorgänge wird.

Hier, und in diesem Moment aber, wo die Aufgaben von technischer Problemlösung sich auf "Moral" legen, wo sich die Kraft von außen (wo das Problem gelöst ist) auf innen wendet, beginnt jede vergangene Kultur zu brechen.

Sonntag, 27. September 2009

Die Freiheit, zu veröffentlichen

Von Peter Scholl.-Latour stammt angeblich folgender Ausspruch: "Die Freiheit der Presse im Westen, wobei die viel besser ist als anderswo, ist letztlich die Freiheit von 200 reichen Leuten ihre Meinung zu veröffentlichen."

Nazis sind unter uns

Man vergißt so leicht ... Bischof Kothgasser (Salzburg) erinnerte wieder daran: In Österreich (und nicht nur) dürfen Kleinkinder im Mutterbauch bis unmittelbar vor der Geburt abgetrieben werden. Das sagte er auf einer Fachtagung zum Down-Syndrom. Wobei er es als "Diskriminerung" brandmarkte.

Blanke Eugenik, und es nennt sich ja auch "eugenische Indikation", und kaum zu fassende Unmenschlichkeit. Dieselben Menschen, die diese "Freiheit" verfechten, stehen vermutlich vor Hartheim bei Linz, um gegen die Nazis zu demonstrieren. Denn es sind dieselben, die sich lautstark öffentlich für Abtreibung und "gegen die Nazis" positionieren.

Denn Nazis sind unter uns. Sie schreien "Haltet den Dieb!", um unerkannt entkommen zu können.

Denn sie haben recht.

Samstag, 26. September 2009

Er hat Euch nicht belogen!


Silvio Berlusconi kämpft derzeit einen wahren Heldenkampf gegen Verleumdung und Intrige. Energisch werden sämtliche Medien verklagt, die jahrelang nichts unterließen, um ihn anzuschwärzen. Und ein sogenannter Freund hat gestanden, daß ER es gewesen war, der Berlusconi die fragwürdigen Fräuleins untergeschoben hatte, während dieser doch nur eine nette Party zur Einweihung des neuen Baumax-Fertigpools in seinem sardinischen Feriendomizil (als Gast u. a. ein ehemals hochrangiger tschechischer Politiker, wie man munkelt - "Ich arbeite immer," meinte er ja unlängst einmal zur Presse) feiern wollte.

Dabei hat er nicht gelogen, es stimmt: Die Rechte Italiens HAT einfach sowieso die schönsten Frauen, die braucht keine bezahlten Bienen. Die Frauenministerin, Mara Carfagna, ist das beste Beispiel. In ihrem "früheren Leben" war sie TV-Moderatorin, oder Model, weiß der Deibel. Und weiß Gott, mit Recht: die gehört vor die Augen! Auf dem zweiten Bild blicke sie, wie es der italienische Blogger - von dem ich das Bild geklaut habe, siehe Titelverlinkung - ausdrückt, in einer offensichtlich mystischen Verzückung, sie dürfte also ungeahnte Fähigkeiten haben! Und nun - Frauenministerin!


Eine, die es nicht nötig hat, die (ähem) physisch geminderten Chancen bei Männern aufgrund tiefer Verschmähungsverwundungen in beinharte Gender-Strategie umzuschmieden, nach dem Motto "Ketten statt Betten". Mit einem einzigen Zweck: die Welt zu zwingen, auch sie so zu begehren wie das Mädchen auf Seite 5, oder wenigstens jene nicht mehr, weil verbannt. Weil sie wie andere nicht nicht an sich glauben, an die Kraft der Frau, liebens- und begehrenswert zu sein, wie krankhaft fixiert glauben daß dies von Äußerlichkeiten abhängt. Dabei zeigt ihnen Carfagna, wie man die Männer mit deren Zustimmung am Gängelband führt, die ja doch nur darauf warten, und jede, wirklich jede kann ihr das nachmachen ...

Zumindest jede, die wie Carfagna weiß, was sie will. Die verklagt nun ja ebenfalls alle jene Medien, die ihr so unverschämt ein Verhältnis mit dem Ministerpräsidenten andichteten. Dabei: Alles erlogen! Was muß die Linke doch für Potenzangst haben, ihm, der doch im achten Lebensjahrzehnt steht, dessen Akmé schon etwas vorbei ist, wie man so schön sagt, in nicht GANZ vollster Mannesblüte also noch, ständig solche Geschichten anzudichten! Der Mann könnte ihr Großvater sein! 

Und wieviel Neid, mein Gott ... Ja, er hat das Geld, und da könnt ihr schwarz werden vor Neid: er zahlt locker die 1000, 2000 Flocken für seine Häschen! WENN er sie zahlt, denn daß das genau nicht zu tun ein Grundsatz von ihm sei, hat er der ganzen Welt bekanntgegeben. Jenes Nüttchen aus Rom hatte also offensichtich ein Informationsdefizit! Denn er zahlt nie für Sex, nie. Wie er dem französischen (oder war es der spanische?) Amtskollegen mal bei einem EU-Treffen gestand, wobei versehentlich die Mikrophone zur Pressekonferenz noch eingeschaltet waren ... Naja, ein Aufschneider, gut, das ist er vielleicht, aber seither weiß es die ganze Welt. Bitte - ein Italiano! Mamma, Spaghetti, Chianti und Amore, und ciao bella, wissen wir doch.

Aber er lügt nicht: So schöne Frauen hat die Linke einfach nicht! Wen würden Sie da wählen, Oma Merkel mal ausgenommen?




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Freitag, 25. September 2009

Der Kampf ist entscheidend

Nimmt man Toynbee's Grundthese zur Entwicklung von Kulturen - "Je größer die Schwierigkeit, desto größer der Anreiz!" - dann führt ein System, das (wie im Sozialstaat) alle Schwierigkeiten zu beseitigen versucht, zum Niedergang der Nachkommenden.

Immerhin würde Toynee's Ansicht auch die hier schon mehrmals ausgerollte These zur demographischen Entwicklung stützen, daß nämlich die Geburtenrate mit der gefühlten Notwendigkeit zusammenhängt, an der Welt handeln, Herausforderungen bewältigen zu müssen. Und NICHT der heute fälschlich getroffenen Grundannahme offizieller Familienpolitik, daß noch mehr Wohlstand, also die "Beseitigung der Armut" die Fertilität in die Höhe treibt. 

(Auch Nachwuchs soll ja, geht es nach den meisten Politikern, keine Spuren in der Lebensweise hinterlassen, man sieht: die selbe prinzipielle Dummheit, die unsere ganze Zivilisation in sich zusammenfallen läßt: Leben ohne Auswirkung ... Handeln wird heute generell ersetzt und mißverstanden durch "Machen von gewünschten Effekten".)

Wer sich eine wirkliche Aufgabe (heutige Meta-Alarme wie "Klimakatastrophe" etc. sind ja nur psychogene Ersatzhandlungen) an der Welt sieht, zu der er Hilfe braucht - der setzt Nachwuchs in die Welt. Für den aber, der die bestehende Welt nur vernaschen will, ist Nachwuchs hinderlich.




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Donnerstag, 24. September 2009

Initialgebräu aus schwachem Proletariat

Der Ansatz Toynbees ist überzeugend ausgearbeitet: Die großen Kulturen haben sich anders, als man glauben könnte, nicht dort entwickelt, wo die Bedingungen besonders günstig gewesen sind! Im Gegenteil, die Entwicklung der vor der Verwüstung des afrikanischen Mittelteils in den feuch-fruchtbaren Süden geflohenen Völker zeigt eine "Einlullung". Auch alle anderen Kulturen haben eindeutig Entwicklungen aufzuweisen, daß jene Teile der Völker sich zu Höchstleistungen aufschwangen, die es mit großen Herausforderungen zu tun hatten, die sie bewältigten. Toynbee weist dies für praktisch sämtliche maßgeblichen Kulturkörper der Weltgeschichte nach: Kulturentwicklung hat mit dem Willen von Völkern, Herausforderungen zu bewältigen, direkt zu tun. Herodot erzählt, zum selben Thema, vom Perserkönig Kyros, der den Ausspruch getätigt haben soll: "Weiche Länder erzeugen weiche Menschen."

Noch eine Stufe übrigens, die Arnold Toynbee als all diesen "Gesellschaftskörpern" gemeinsam zeigt, ist jene, wo aus absterbenden Kulturen sich neue abspalten, auch epigonal, wie Kinder aus Elternleibern: In den untergehenden Volksteilen begann sich eine Spaltung einer führenden, aber zu immer mehr systemerhaltender Gewalt genötigten Minderheit, und einer "proletarischen", einfachen, sich selbst aber zu verwirklichen suchenden Mehrheit, auszubilden, wobei der Mehrheit das vorherrschende System in seinem Willen zur Entfaltung zunehmend hinderlich war. Immer, meint Toynbee, sei ein Initialstoß zu Neubildungen damit von "schwachen", durchaus der vorigen Kultur unterlegenen Volksteilen (oder Zuwanderern/Nachbarn) ausgegangen.

Mittwoch, 23. September 2009

Wer das Leben nicht lebte, kann es nicht nachfühlen

"Von den Veden, von der Bibel angefangen, können alle Gedichte nur von Lebendigen ergriffen, nur von Lebendigen genossen werden. Ein geschnittener Stein, ein schönes Gewebe gibt sich immer her, ein Gedicht vielleicht einmal im Leben. Ein großer Sophist hat an den Dichtern dieser Zeit getadelt, daß sie zu wenig von der Innigkeit der Worte wissen. Aber was wissen die Menschen dieser Zeit von der Innigkeit des Lebens! Die nicht Einsam-sein kennen und nicht Miteinander-sein, nicht Stolz-sein und nicht Demütig-sein, nicht Schwächer-sein und nicht Stärker-sein, wie sollen die in den Gedichten die Zeichen der Einsamkeit und der Demut und der Stärke erkennen? Je besser einer reden kann und je stärker in ihm das scheinhafte Denken ist, desto weiter ist er von den Anfängen der Wege des Lebens entfernt. Und nur mit dem Gehen der Wege des Lebens, mit den Müdigkeiten ihrer Abgründe und den Müdigkeiten ihrer Gipfel wird das Verstehen der geistigen Kunst erkauft." (Hugo von Hofmannsthal in "Poesie und Leben")

Für jene gibt es gar keine Kunst

"Man preise uns für unser Kunst, die Rhetoren aber für ihre Gesinnung und ihre Wucht, die Weisheitslehrer für ihre Weisheit, die Mystiker für ihre Erleuchtungen. Wenn man aber wiederum Bekenntnisse will, so sind sie in den Denkwürdigkeiten der Staatsmänner und Literaten, in den Geständnissen der Ärzte, der Tänzerinnen und Opiumesser zu finden: für Menschen, die das Stoffliche nicht vom Künstlerischen zu unterscheiden wissen, ist die Kunst überhaupt nicht vorhanden; aber freilich auch für sie gibt es Geschriebenes genug." (Hugo v. Hofmannsthal in "Poesie und Leben")

Hebel aller Wirkung

"Ich kenne in keinem Kunststil ein Element, da schmählicher verwahrlost wäre als das Eigenschaftswort bei den neueren deutschen sogenannten Dichtern. Es wird gedankenlos hingesetzt oder mit einer absichtlichen Grellmalerei, die alles lähmt. Die Unzulänglichkeit des rhythmischen Gefühls aber ist ärger. Es scheint beinahe niemand mehr zu wissen, daß das der Hebel aller Wirkung ist. [...] (Der gute Dichter) hat die Adjektiva, die nicht totgeboren sind, und sein Rhythmen gehen nirgends gegen seinen Willen." (Hugo von Hofmannsthal, in "Poesie und Leben")

Völlige Unveränderlichkeit

Immer wieder findet Theresia v. Avila zu einem ihrer treffendsten Vergleiche: wenn sie den Zustand in der Hölle mit dem irdischen völliger Unveränderlichkeit, völliger Ohnmacht gleichsetzt. Selbst, schreibt sie einmal, wenn man einen Schmerz durch einen anderen ersetzen kann, empfindet man den Wechsel als lindernd.

Das genau aber ist in der Hölle nicht mehr gegeben. Entsprechen werde(n) ihre Höllenvision(en) in ihren Erzählungen eingeleitet von einem unterirdischen Gang, der sich zunehmend verjüngt, und in einer Ausnehmung in einer Wand endet, die exakt auf sie zugepaßt ist (bzw. auf den Menschen, der die Hölle betritt), so von ihr (zum Verständnis eines Lesers verbildlichend) beschrieben.

Die Abwesenheit aller Vernunft also, das Fehlen aller Möglichkeit, das Unvernünftige (denn nur das Wissen, das inhärierte Wissen, das ja einer inkarnierten Teihabe am Sein gleichkommt, bewegt) durch Vernunft zu verändern, den Wahnsinn einer Situation, deren ungebrochene Zerstörungswut Geliebtem gegenüber, einen Schmerz, nur im Stille- und Aushalten erfahren zu müssen - das ist es auch, was man bereits zu Lebezeiten als "Hölle auf Erden" erleben kann: Nichts dagegen tun können ...

Dienstag, 22. September 2009

Keine Frau erkennt eine Frau

Iris, überzeugte Feministin, meinte einmal, mich damit schon durch die Geste, in ihrer so entzückenden, dabei so konventionellen Art, auf etwas hinweisen wollend, daß sie meinen Roman "Helena oder: Das Gute ist was bleibt" nicht lese. Denn sie interessiere es nicht, wie ein Mann eine Frau sehe. Wie eine Frau sei, wisse eben nur eine Frau, Männer seien eben in ihrer patriarchalen Tradition gefangen.

Genau das stimmt schlicht überhaupt nicht. Hofmannsthal schreibt in einem Essay über D'Anunzio so wunderbar das genaue Gegenteil: Nur ein MANN könne eine FRAU erkennen. Nur wer etwas wolle nämlich, dem sage die Welt etwas, der erkenne das Leben. "Er weiß nie, was an allem dran ist." D'Annunzio, so Hofmannsthal, sei kein großer Dichter, ja, er sei überhaupt kein Dichter, aber ein großartiger Künstler.

Man erkennt sich eben - im Anderen, im Komplementären. Und deshalb braucht die Konkretion in der Darstellung das Wollen der Weltfiguren. Und deshalb muß der Dichter das Leben kennen (aber überwunden haben, Anm.)

D'Annunzio, der hier sei, aber nicht "im Leben", weil er so offensichtlich nichts vom Leben wolle, es auch nicht kenne, so sehr er die Zeichen des Lebens wisse, schreibe Bücher, in denen nichts geschehe, die keine Handlung hätten. Wenn die Dinge für sich bleiben, ohne Interesse am Außen, bleiben sie starr. Der Sinn der Welt aber liege im Handeln, das Lebensziel sei das Tun, das Tätigsein: nur dann ist man "Objekt" des Erkennens, und damit Quell der Freude.

DAS ist eben der Sinn der Welt.

Sonntag, 20. September 2009

Zwei Bilder



Das Offenbare: die Milchstraße, im 360 Grad - Panoramabild, wie man sie von der Erde aus sähe

Das Seltene: der Mac Gillivray - Sturmvogel, von dem nun die erst zweite Aufnahme seit seiner Entdeckung vor 150 Jahren gelang.

Nichts, das es zu glauben galt

Karl Kerenyi erwähnt das verblüffende Faktum, daß es für die Antike keinerlei Begriff für "Glaube" gab. Die Eingebettetheit in eine Wirklichkeit, die von einem Gott (und davon ausgehend: Göttern) bestimmt war, die der Mythos darstellte und beschrieb, war völlig selbstverständlich. Immerhin gab es nicht einmal ein "Gebot", zu glauben, auch nicht im Judentum!

Aber nicht einmal von einen übergreifenden Mythos könne man sprechen, meint Kerenyi. Denn auch wenn sich weltweit Aussagen und Ereignisbeschreibungen (v. a. aus der Weltentstehung) oft verblüffend gleichen, hat die Religiosität stets rein lokalen Bezug. Deckungsgleichheiten der Inhalte sagen lediglich etwas über gleichgeartete Erfahrungen der Wirklichkeit aus. Im Mythos selbst kam diese Qualität der Welt, in einer künstlerischen Form, zur Darstellung, und wurde vom Lebensgefühl aufgegriffen, das zur Erneuerung als Entsprechung zur Gegenwart drängte. Gefühle, die besonders in Einschnitten, in Wechseln erlebbar sind.

Erst mit den Offenbarungsreligionen, namentlich dem Christentum (und wie erst mit dem Protestantismus), kam ein "Zu Glaubendes".

Entsprechend aber beruht auch das Fest auf einer "gefühlten Zeitqualität", der die Darstellung des Dahinterstehenden im Kult folgte - somit die Feste nicht "machte", sondern einer Aufforderung "entsprach".

Insofern hat auch das Christentum nicht heidnische Feste, Religionsbräuche etc. "okkupiert", sondern der Schöpfungsordnung entsprochen, der auch zuvor, geahnt, gefühlt, bereits zu entsprechen gesucht wurde.

Umgekehrt ist es nur zu logisch, daß in einer Zeit, die durch Technizismus und autonomistische Lebensgestaltung den Rhythmus der Welt nicht mehr erfaßt, in diesen nicht mehr eingebettet ist, und daß in einer Zeit, in der Ursache und Wirkung nicht mehr erlebbare Zusammenhänge haben - das "Festgefühl" erlischt, und Festesfreude als Folge der Abstumpfung der Welt gegenüber nur noch im Ersatz (der Sensation, dem starken Reiz) gefunden werden kann.

Samstag, 19. September 2009

Vom Fortschritt im Gehorsam

Theresia v. Avila mahnt die Priorinnen in einigen der von ihr gegründeten Klöster, den zur Abtötung (der Loslösung von der Welt) nötigen Gehorsam nicht zu überziehen, sondern sehr individuell mit großer Klugheit vorzugehen. Zumal auch bei jedem Anhänglichkeiten bestehen könnten, die oft fürs Ganze von geringer Bedeutung, aber unklug bekämpft schwere Schäden anrichten konnten. Noch dazu, wo die Freude am Gehorsam bald allen als Tugend geschenkt wird, der den Trank des Gehorsams trinkt. Auch und vor allem unbedachte Worte richten aber gerade bei jenen viel Schaden und Verwirrung an, die im Gehorsam weit forgeschritten sind.

Gerade deswegen aber wendet sie sich nicht ohne Schärfe und Sarkasmus gegen Auswüchse. Und sie ermahnt Priorinnen vor allem zu sorgsamerem Umgang mit willkürlichen Gehorsamsübungen, sowie mit dem, was sie überhaupt sagten, weil es sein könne, ja wahrscheinlich sei, daß alles zum Befehl aufgefaßt wird. Um sich schließlich energisch (aber nie ohne feinen Humor, wie überhaupt ihre Schriften voll gütigem Humor und subtiler Selbstironie sind) gegen Gehorsamsübungen zu wenden, die sogar Todsünde seien.

Wie jene Priorin, die einer Nonne befahl, in einen Brunnen zu springen, und dabei beinahe umkam.

Oder jene, die in Gedankenlosigkeit einer Nonne die Bitte um Selbstgeißelung abschlug, um ihr als Ersatzhandlung zu befehlen, spazieren zu gehen. Jene kam nicht mehr wieder ... bis sie geholt wurde.

Oder jene, die einen großen Wurm fand, und die Oberin um Anweisung bat, was sie mit ihm machen solle. Worauf diese - natürlich im Scherz - antwortete, na, sie solle ihn halt aufessen! Im letzten Moment wurde das verhindert, weil die Nonne auffiel, als sie ihn in der Küche, im Gehorsam, briet. Noch dazu war der Wurm giftig.

Donnerstag, 17. September 2009

Eine schöne Geschichte ...

... erzählt Bodo Wartke, mit Humor und Können.

Aber niemand sieht es

In ORF eine Dokumentationssendung über die Menschenvernichtung zur Zeit des Dritten Reichs. Es fehlen einem die Worte.

Aber die Erschütterung steigert sich seltsam, als mehr und mehr auffällt, daß ganze Passagen der Dokumentation, die sich vieler alter Filmaufnahmen bedient, in Bild, noch mehr in Ton, über eine Dokumentation über die Gegenwart gelegt werden können.

Und ich schneide bereits im Kopf einen Dokumentationsfilm für das Jahr 2050, in dem über Euthanasie, Sterbehilfe und Abtreibung berichtet wird, über die Greuel der Jahrzehnte von heute. Denn die Argumente decken sich so auffällig, daß es fast unerträglich wird ...

Aber niemandem scheint es aufzufallen.

Weshalb die Warnung, wie immer in den Wind gesprochen, noch dringender ist, die Unmenschlichkeit nicht als das zu sehen, was sie ist: kein an bestimmten konkreten Phänomenen festzumachendes Verhalten, sondern eine innere Haltung. Und die Grundhaltung damals wie heute ist es, die deckungsgleich ist: die Haltung zum Leben, zum Menschen. Ja im Gegenteil, hat sich heute sogar noch diese Geisteshaltung ausgebaut, die sich damals aus technischen Gründen - die Mediendurchdringung war nicht so groß - nicht so perfekt in den Gehirnen und Herzen der Menschen festsetzen konnten: die Bewertung von Leben, als belastend, als unwert, die Selektion von Behinderten bereits im Mutterleib, die Kalkulation des Lebens nach "Leiderlösung" durch passive oder gar aktive Sterbehilfe.

Und über allem liegt die Tangente, deren Zielpunkt frösteln macht. Weil das, worauf wir ungebremst und immer rascher zurasen (alleine die Erfahrungen der letzten zeit, die mir demonstrierten, wie sehr Sterbehilfe bereits in den Köpfen und Herzen der Menschen als normal und richtig verankert ist) die Haare zu Beere stehen läßt. Und niemand sieht es ... ja, es fällt nicht einmal auf, daß dieselben, die heute an den Schrecken warnend und mit Tränen in den Augen erinnern, begehen oder begünstigen ihn, unter kaum faßbar oberflächlicher Kaschierung, im nächsten Moment.

Nein, nicht einfach, indem wir "den Nationalsozialismus" verhindern, machen alle Beteuerungen des "nie wieder" Sinn. "Den" Nationalsozialismus zu einer wirklichen Ideologie für sich hochzustilisieren, ja ihm nachträglich Logik zu unterschieben, die er gar nie hatte, und die schon deshalb solche Argumentation untauglich machen, weil zu viele Fakten (die Begeisterung, die Modernität, das Gemeinschaftserlebnis, die moderne Lebensqualität, etc.) durch den Rost fallen und dadurch widersprechen, das also gehört bereits zur Verdrängungsmechanik, deren wir uns heute ja so perfekt bedienen.

So perfekt, daß man unser ganzes Leben bereits so charakterisieren kann: als perfekte Verdrängungsmaschinerie und -technik, die die Folgen unseres Lebens und Handelns "vergast", weit weg schiebt, sodaß sie möglichst nicht wahrgenommen werden können. Weil Ursachen und Wirkungen argumentativ und/oder erlebbar trennen, und damit Erkenntnis der Wirklichkeit, aber auch ein Begreifen der Geschichte, verhindern.

Aus der Geschichte lernen heißt hier nicht, keinen "Nationalsozialismus" mehr zuzulassen. Und dabei nicht einmal zu sehen, daß er über weite Teile, und zwar gerade in seinen abscheulichsten Seiten, nicht nur überlebt hat, sondern ungebrochen wütet. Auf eine neue, und noch schrecklichere Apokalypse hin.

Der Orkan dafür baut sich längst auf.

Glaubwürdigkeiten


Michael Haneke im Interview (Titelverlinkung: KURIER), hier einige Ausschnitte:

Warum zeigen Sie meist ein bürgerliches Milieu?
Weil es dieses Milieu ist, aus dem die meisten Kinogeher kommen. Der Identifikationswert ist am höchsten.

Ist es nicht auch das Milieu der größten Verlogenheit?
Ich glaube, dass in jedem Milieu viel gelogen wird, weil die Lüge eines der Kampfmittel der menschlichen Intelligenz ist. Nur im Film funktioniert das meistens nicht, weil die Schauspieler so doof sind, die Lügen so zu spielen, dass man gleich merkt, dass sie lügen. (lacht) Die Arbeit des Regisseurs ist es dann, glaubwürdig zu machen. Das klingt so einfach, ist aber so schwer. Die meisten Schauspieler spielen aber nicht die Situation, sondern ihren Kommentar zur Situation. In schlechten Filmen, in Fernsehserien sieht man das sofort: der lügt...

Schauen Sie viel fern?
Hauptsächlich den Wetterbericht, weil das ist das Einzige, was man glauben kann.

Den Nachrichten glauben Sie weniger?
Ja sicher. Wir sehen hauptsächlich Nachrichten wie Stille Post: Der hat was zu dem gesagt, der zu dem... Es ist ein Sammelsurium von spektakulären Depressionsangelegenheiten. Wenn ich die Welt nur übers Fernsehen wahrnehmen würde, hätte ich mich schon umgebracht.

Und wenn man Ihren Film [Das weiße Band; Anm.] profan als Mysterythriller bezeichnet…
...bin ich zufrieden, wenn es jemanden befriedigt. Thrillermomente verwende ich bei all meinen Filmen. Es ist der Klebstoff, an dem der Zuschauer picken bleibt. Es soll ja kein Geschichtsunterricht sein.

Warum ist der Film dann schwarz-weiß?
Dafür gibt es zwei Gründe: Es ist die einzige Zeit, die in unser aller Bewusstsein schwarz-weiß ist - durch Fotografien und erste Filme. Das erleichtert dem Zuschauer das Eindringen in die Zeit. Der zweite Grund ist eine Stilisierung. Ich nähre immer gerne das Misstrauen des Zuschauers, dass der Film Realität zeigt. An historischen Filmen stimmt ja nichts. Die Farben, die Stoffe, alles war anders. Ich finde, man muss so glaubwürdig wie möglich sein, aber zeigen, dass Film ein Artefakt ist, keine Wirklichkeit.

Ein relativer Skandal


Schon fallen die Worte "Kinderschänder" und "Mißbrauchstäter", im Falle der (nun) 15jährigen Yvonne (Titelverlinkung: KURIER-Bericht) aus Wien. Die vor eineinhalb Jahren verschwunden war - bis sich vor wenigen Monaten herausstellte, daß sie mit dem Bruder ihrer Mutter, also ihrem Onkel, ein eheähnliches Liebesverhältnis hatte und beide (bei ständigen Wohnortewechseln) untergetaucht waren.

Eine Geschichte, deren poetischer Gehalt nicht zu unterschätzen ist. Manche haben dafür sogar schon Literaturnobelpreise erhalten.

Die Hl. Theresia von Avila allerdings nicht. Aber auch sie erzählt (literarisch lang und ausführlich, ganz im Gegensatz zu ihrer sonstigen Knappheit) in ihrem "Buch der Klostergründungen" von einer (für eine Klostergründung relevanten) Geschichte um ein 11jähriges Mädchen.

Diese sei dem Bruder ihrer Mutter verlobt worden, und habe erst weit mehr Neigung zu dem Manne gezeigt, als (so Theresia) ihrem Alter entsprechend anzunehmen gewesen wäre. Bald aber hat das Mädchen eine starke Sehnsucht nach dem geistlichen Stande gefühlt, und in einer abenteuerlichen Aktion sei sie in eines der Klöster der Heiligen geflüchtet.

Weil die Heirat (das, um die Geschichte zu vervollständigen) aber wesentlich für den Erhalt des Familienvermögens gewesen war, trat ihre einige Jahre ältere Schwester wieder aus dem Orden aus, und heiratete diesen Mann, ihren Onkel. Bis der nach wenigen Jahren verstarb, worauf ihre Schwester wieder ins Kloster zurückkehrte.

Nur: von Kinderschändung, Mißbrauch, oder gar erkennbarer Verwunderung, daß eine Elfjährige (mit offenbar ausreichender Geschlechtsreife) heiraten solle, ist bei der so sittenstrengen Theresia (im späten 16. Jhd.) nichts zu lesen. ja zum Gegenteil: erst nämlich waren Bräutigam und Verwandte zur Kloste3rpforte gekommen und hatten wpütend die Herausgabe des Mädchens verlangt! Man stelle sich das vor ... Und als dies vorerst einmal erreicht war, hat man - Gerichtsbeamte, Ordensleute, etc. etc. - sie der "Kinderei" bezichtigt, weil sie sich so dumm der Ehe verweigerte, die sie doch versprochen hatte, und in der sie doch so vermögend sein würde! Auch die Mutter war ihr lange sehr gram ob ihrer störrischen Wesens.

Theresia sieht dies alles nur als große Prüfung Gottes, der ihre Berufung auf die Probe stellte.

Es erscheint uns heute als Groteske? Kaum weniger groß ist aber doch auch heute so manches, was mit Alter und Reife zu tun hat. Wo man mit Altersgrenzen seltsam willkürlich und äußerst widersprüchlich umgesprungen wird. Denn für so manche Dinge werden Altersgrenzen nach unten gesetzt, die lieber oben blieben, und umgekehrt. Während nämlich heutiger Nachwuchs für so manches bereits alt genug ist, ist er beobachtbar immer später reif, was wirkliche Lebensentscheidungen betrifft, vornehmlich jene, die Konsequenzen haben: da fällt auf, daß mancher Menschen Biographien noch mit 30 nicht begonnen haben (wo so viele historische Eckdatenproduzenten schon wieder am Verwelken waren - man denke nur an Alexander den Großen), diese sich immer noch im Maturafeierleben befinden, wo ihre existentielle Bilanz von Eltern und "dem Staat" stillschweigend ausgeglichen wird, sie Teil des Vollkasko-Systems sind, das über alle breit und fett geronnen ist.

Eher also will mir erscheinen, daß persönliche Reife zu ach so irrelevanten, rückständigen und vertrottelt-ungebildeten Vorzeiten weit früher erreicht war, als heute.

Vielleicht sitzt der arme Onkel (siehe Titelverlinkung) aber völlig unschuldig im Gefängnis. Weil das alles eine zarte, wundersame Liebe war, und ist, fernab von jedem ... Mißbrauch? Für welches Delikt der nächste zwei Türen weiter zu Recht einsitzt. Und vielleicht ist also die Eifrigkeit der offiziellen Stellen, die das Mädchen, Yvonne, im Krankenhaus der Stadt "therapieren" bzw. interniert haben, nicht nur für das Mädchen selbst unverständlich, sondern an sich ... grotesk?

Einfach herrlich ...

Dieses Video "Danish mother seeking" - eine Werbeidee des Dänischen Fremdenverkehrsverdandes, das die Freundlichkeit und Offenheit des Landes darstellen soll (und das auch unvergleichlich tut) - macht derzeit im Internet Furore. Und das ist verdient. Köstlich! Und köstlich auch die "empörten" Gegenreaktionen, darunter solche wie: "Es macht Werbung für Sex ohne Kondome!" Stimmt. Gott sei Dank.

Dienstag, 15. September 2009

Grundlage der Moral

"Wenn keine Moral mehr gelehrt wird, keine Religion mehr Glauben findet, wenn kein Gesetz mehr vorhanden ist, wird uns Medea noch anschauern, wenn sie die Treppen des Palastes hinunterwankt, und der Kindermord jetzt geschehen ist. Heilsame Schauer werden die Menschheit ergreifen, und in der Stille wird jeder sein gutes Gewissen preisen, wenn Lady Macbeth, eine schrecklich Nachwandlerin, ihre Hände wäscht, und alle Wohlgerüche Arabiens herbeiruft, den häßlichen Mordgeruch zu vertilgen. So gewiß sichtbare Darstellung mächtiger wirkt als toter Buchstabe und kalte Erzählung, so gewiß wirkt die Schaubühne tiefer und dauernder als Moral und Gesetze." (Friedrich Schiller in "Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet")

Hören, was da

"So ist denn Erkennen ein Wachrufen, ein Zuwortrufen dessen, nein, ein Hören! was zuvor der Leib, der sich gehorsam gefügt, oder auch nicht: gezwungen ward, in sich abgebildet, und also nun dem inneren Fühlen anzubieten vermochte. Auf daß es sich kräftig melden konnte, rufen: hier bin ich, in der Welt!

Bis daß der Mensch also alles geworden ist, alles. Und aller erkennte, was ihm möglich.
" (Antonio della Caraffa, "Bieste")

Geheimnis der Poesie

In seiner Rede "Das Geheimnis der Poesie" führt Rudolf Borchardt aus, daß es in seinen Augen zweifelhaft sei, ob Dichtung überhaupt als Kunst betrachtet werden könne. In jedem Fall entziehe sich Poesie jeder Methode oder Machbarkeit. Denn im Gegensatz zu allen anderen Künsten gäbe es nichts, das hiebei zu erlernen sei: man könnte nicht technisch herbeiführen, und etwas zu "beschreiben" sei nicht, etwas "darzustellen". Dichtung, Poesie "sage" ja nichts, sondern rühre an eine Begrifflichkeit, die allen Dingen offenbar vorausgeht!

Denn es sei ein Mißverständnis dem Dichter zu unterstellen, er würde etwas "erfinden". Vielmehr sei dieser einer Gesamtheit der Dinge verpflichtet, damit schlicht: gehorsam, und gebe wieder, was er selbst sehe, suche dazu die Worte, die diesem Wesen der Dinge anhafte. Überall anders habe Dichtung ja Klitter-, Bruchstellen, sei nicht mehr sie selbst. Es gehe um "die Sprache vor aller Sprache."

Dichtung habe also kein "Verfahren", und ihre Ausübung ist eine Begabung, die bestimmten Menschen anhafte wie die Biene Waben baue. "Er schreibt nicht, er wird geschrieben. Er will nicht, sondern er wird gewollt." Nicht er wähle, sonder er werde erwählt. "Er ist kein Künstler, sondern vollstreckender Schöpfer einer Schöpfungswelt."

Deshalb ist das Wesen des Dichtens, der Poesie, zutiefst religiös. Aber, sagt Borchardt: "Ein Geheimnis ist ein Geheimnis, und kein Rätsel."

Ausnahme zur Gewaltenteilung

Die Meldung verlangt Wiederhall, denn aus persönlicher Anschauung einer Sitzungssituation, in der man gegen alle zu Wahrheiten stehen muß, ist der Mut des Amstettner Gemeinderatsmitglieds, Brigitte Kashofer, zu achten. Der wohl ihre (mir bekannte) gute, stabile familäre Situation so viel Rückhalt gibt.

Sie sprach sich in einer der jüngsten Sitzungen gegen eine Subvention für die Frauenberatungsstelle aus, weil diese den Frauen zu allererst zur Trennung rate, den "Frauenhäusern" zuarbeite.

Das ist schlicht und ergreifend richtig.

Die im Regionalblatt NÖN weiter angeführten Argumente und Meldungen dazu beleuchten lebhaft die gesamte Thematik, zeigen die Positionen der politischen Gruppierungen ihre wirklichen Antriebskräfte. Die Verquickung von Gewaltinitiationsmacht (staatliche Gewalt) und subjektiver Befindlichkeit ("... Frau in Not ..." darf selbst die Gegengewalt auslösen) steht zudem außerhalb des Prinzips der Gewaltenteilung.

Wenn die Parameter für "unerträgliche Gewalt" auf subjektives Werten gelegt werden, dessen Maßstab (auch Empfinden ist ein Ereignis, das einen Sinnhorizont, eine Deutung benötigt, mit Auswirkungen auf das Parameter "Erträglichkeit") noch dazu von einem Menschenbild geprägt ist, dessen ideologische Herkunft (und Irrtümlichkeit) klar zu verorten ist und die klare Zielsetzung hat, jede hierarchische Zueinanderordnung von Dingen der Welt, von menschlicher Gesellschaft, aufzulösen, so wird ohne Zweifel die Schwelle mehr und mehr herabgesetzt, ab der Gegengewalt "berechtigt" scheint.

Die aktuellen Berichte über "Zunahme der Wegweisungen in Wien 2008 um 3 %" beweisen nichts anderes, wie ja überhaupt diese Wegweisungen seit ihrer Einführung vor 10 Jahren auf mittlerweile 6.000 Fälle pro Jahr angestiegen sind (jährlich 28.000 Eheschließungen als Bezugswert) und weiter ansteigen. Unabhängig davon, daß schon die Existenz dieses Unrechtsgesetzes eine latente Gewaltsituation in den Familien bedeutet. Abgesehen davon, daß eindeutig "Frauenrechtsorganisationen" zum Erweis ihrer Notwendigkeit (als quasi existenzsichernde Maßnahme der Mitarbeiter) die Problematik generell daramatisieren, durch PR falsch darstellen, und sich nötigenfalls ihre "Opfer" (denen zu helfen ihre Notwendigkeit beweist) selbst schafft.

Gerade in den "Familienberatungsstellen" wirken meist ausschließlich Frauen, die schon aus prinzipiellen Gründen den Frauen raten, ihre Unabhängigkeit einmal kräftig zu beweisen ...

Kurz und knapp: nicht die Gewalt der Männer in den Familien ist das Problem (ich behaupte sogar das Gegenteil), sondern die mangelnde Bereitschaft der Frauen, Probleme innerhalb der Ehe zu bewältigen, und sei es daß manches nur zu ertragen, nicht zu lösen ist. Die statistische "Zunahme" von Gewalt ist kräftig zu hninterfragen, weil auch die Wahrnehmungsschwelle von (bestimmten!) Ereignisen "als" unzulässige Gewalt ständig sinkt. Das "Opfer" selbst bestimmen zu lassen, wann es Opfer ist, und die Gegenmaßnahmen ebenfalls in dieselbe Hand zu legen, ist nicht nur fatal, sondern auch eine Abkehr vom rechtsstaatlichen Prinzip der Gewaltentrennung, dessen Notwendigkeit ("Nofall") durch Lüge erschlichen ist.

Samstag, 12. September 2009

Dramaturgie und Weltsicht

An der Entwicklung der Dramaturgie in Theater (und natürlich dann: Film) kann man gut beobachten, wie sich Veränderungen der Weltsicht, aber auch nur des kulturellen Klimas, auf die Dramaturgien und Formen der Stücke auswirkt.

Die philosophische Entwicklung der Scholastik bzw. des Mittelalters, in der die Welt und ihre Logik als Weg Gottes zur Selbstdarstellung wie als Weg des Menschen erfaßt wird, macht für eine Haupthandlung die Entwicklung einer Nebenhandlung notwendig. Denn anders als im naiven Heidentum, auch der Antike, muß das die Haupthandlung zur Kulmination Treibende, das die Peripetie (Wende) auslösende, mehr sein als ein "Deus ex machina", der direkt in die Welt eingreifende Gott (Götter). Es muß durchgestaltet motiviert und entwickelt sein.

Je mehr die Welt als zueinander sich verhaltendes, unendlich feines und ineinandergreifendes Moasik begriffen wird, desto mehr entwickelt sich die Dramaturgie umfassender und komplexer.

In diese Entwicklung hinein auch kann sich dann übrigens auch der Roman aufbauen, der mehr und mehr zur Darstellungsform einer umfassenden Welt wird, die von einem alles überschauenden Standpunkt aus geordnet wird. Und so dem bloßen Epos, dem linear eindimensionalen Geschehen, entwächst und zu einer eigenen, wahrscheinlich nun umfassendenen Kunstform wird.

Mittwoch, 9. September 2009

Keine Bauanleitung für gutes Theater

Ein historisch (bis heute) gnadenlos durchgehecheltes Zeugnis von Mißverständnis belegt die "Poetik" des Aristoteles. Immer wieder wurde und wird (siehe: Hollywood!) sie als technische Ahnleitung á la "How to write a really good play!" verwendet und mißbraucht.

Die Poetik des Aristoteles aber ist nur verständlich, wenn man seine Metaphysik, die Art wie er die Welt und deren Sinn und Zusammenhang sieht, kennt. DANN die Erkenntnislehre, und das heißt: die Anthropologie, die Stellung des Menschen im Kosmos, verstanden hat, und so auch versteht, welche Rolle die Katharsis, die Läuterung zur Sittlichkeit spielt.

Genau daraus nämlich ergibt sich KEINE "Moralanstalt Theater", sondern liegt der Schwerpunkt in der Entelechie des Dargestellten, auf die Bühne gebrachten, dessen Aufspaltung in "Wahr" und "Falsch" eine Frage des Seins und Nichtseins ist - und nicht eine irgendwelcher Mora oder Nützlichkeit. Letztere sind Folgen.

So ist es auch grotesk, die Theatergeschichte im immer wiederkehrenden Kampf mit angeblichen Formalgesetzen zu sehen - am berühmtesten, am verheerendsten: die "drei Einheiten" (Zeit, Raum, Handlung) Ist es eine völlig irrelevante Diskussion, ob drei, fünf oder vier Akte ein Theaterstück wesentlicher machen. Gregor zeigt in seiner Theatergeschichte, wie tödlich lähmend sich solcher Rubrizismus auswirkte.

Das erzeugt sohin auch bei manchen Kritikern, die sich von dieser Dramenlehre abwenden, weil sie zu starr ist, dasselbe Mißverständnis. Aristoteles hat es SO sicher nie verstanden. Er hat lediglich das Wesen des Erzählens, das der Wesenszug der Welt ist, versucht zu fassen. Es geht rein um das Wesen der Katharsis (und das ist der Kern seiner Poetik), der Reinigung der Leidenschaften im Feuer des Mitleidens, deshalb um Elemente wie Identifikation, Glaubwürdigkeit, Nachvollziehbarkeit, um Sympathie und Haß und Liebe, um Mitleid, und: um Konzentration, um Ablenkungsfreiheit! Und nur der ganze Aristoteles läßt erkennen, WARUM die "Poetik" es so und nicht anders beschreibt. Wer diese Grundlagen verstanden hat, sucht eben lediglich die Form, ja für den ist die Form (denn Verständnis und Potenz zum Schaffen haben heißt: "gebärfähige Form haben wie") der einzige Anhaltepunkt.

Form, die der Inhalt und die Gesamtheit des Theaters fordert.

Es gibt keine Bedienungsanleitung für gutes Theater. Es gibt nur Erkenntnis und spezifische Erfahrung, die bereits wieder Begabung voraussetzt. Denn fälschlicherweise wird auch oft vermeint, daß am Theater die Außen- wie die Innensicht der Dinge gleich sein müsse.

Man erkennt eben nur, wozu auch die Schaffenspotenz da ist.

In einer Zeit, in der das darstellende Gewerbe zu einem Laufstall persönlicher Pathologien und Eitelkeiten verkommen ist, natürlich ein Problem.

Dienstag, 8. September 2009

Gehört dazu

Seit geraumer Zeit ist bekannt, daß der Gründer einer der "profiliertesten", erfolgreichsten charismatischen Bewegungen der Nachkriegsjahrzehnte, der "Legionäre Christi" (1941; als Orden heute, 3150 Priester und Seminaristen) sowie des "Regnum Christi" (1949, für Laien, heute 50.000 Mitglieder) Marcial Maciel (†2008), nachweislich sexuellen Mißbrauchs geziehen werden muß. Ebenso hat er zumindest ein Kind gezeugt, wie im Insgesamt in deutlichem Widerspruch zu seinem vorgeblichen und von der Bewegung geforderten Weg gelebt. Selbst Drogen scheinen im Spiel gewesen zu sein.

Nun tauchen natürlich auch Fragen der Art auf, daß es doch unmöglich bei Mißständen in diesem Umfang sein kann, daß niemand in der Bewegung der "Legionäre Christi" darauf aufmerksam geworden sein kann. Was nichts heißt als: es muß Maciel durch Schweigen gedeckt worden sein.

Erschütterung aber kann wohl nur empfinden, wer selber dem Trug dieser Bewegungen aufsitzt. Da ist's dann vielleicht eine heilsame "Enttäuschung". Aber spätestens, wenn man maßgebliche Werke (s. u. a. Ronald A. Knox, "Christliches Schwärmertum") zu den Schwärmerbewegungen liest (und als solche sind solche Erneuerungsbewegungen zu bezeichnen), wird klar, daß selbst historisch die Herkunft solcher Bewegungen aus ein- und derselben inneren Haltung (verschiedenen Formen des Hochmuts) eindeutig ist.

In jedem Fall aber ist in solchen Bewegungen das Phänomen von geistigen, aber auch sexuellen Machtmißbrauchs keineswegs eine einmalige Entgleisung, wie sie sonst ja auch vorkommt. Sondern sie liegt in einer direkten Linie mit ihren inneren psychischen Konstellationen. Der angeführte Knox weist in seiner Arbeit auf, daß seit deren als Phänomen erfaßtem Erscheinen (in christlicher Maske spätestens seit dem Manichäismus im 3. Jhd.) sexueller Mißbrauch, sexuelle Ausschweifung, knapp zusammengefaßt unter dem Motto, daß "für Auserwählte, Bekehrte die Sünde nicht mehr existiert, sondern durch die Liebe ersetzt wird, denn es gelten andere Gesetze", Begleiterscheinungen solcher Bewegungen sind. Und auch die äußerst feinen, taktvollen Beobachtungen der Hl. Theresia von Avila schildern diese Gefahr der Selbstüberschätzung, die auf ganz anderen Fehlern aufruht, und geistigem Fortschritt sohin diametral entgegenarbeitet.

Selbst wenn man mittlerweile wohl akzeptieren muß, daß die Kirche taktisch klug und vorsichtig vorgehen muß, weil man das Phänomen schon so lange nicht nur bestehen ließ, sondern nachgerade förderte, bleibt viel Wundern, daß hier nicht längst energischer vorgegangen wurde.

Angekündigte Milchpreiskatastrophen

Ich erinnere mich an eine der öffentlichen Diskussionen, diesmal in Amstetten, in einem mittlerweile leider übergebenen Gasthaus, das zuvor noch einer der Ecksteine des Wesens eines Ortes war, den Geldgier und sozialistischer Materialismus mittlerweile zu einem Fick-, Freß- und Saufstall verkommen hat lassen, weil alles Solide längst gestorben, gegangen oder zerstört ist. Wir schreiben 1993, Herbst, und ein Bekannter hatte mich gebeten, zu dieser Bauernversammlung in den "Gasthof zur Rennbahn" zu kommen. Er und seine Freunde und Kollegen fühlten sich der Rhetorik der ÖVP-Bauernbundvertreter nicht gewachsen, die zu einer Diskussion über den EU-Beitritt geladen hatten.

Ein junger, sichtlich auf dieses Thema heiß gemachter Schnösel im Anzug führte denn auch das offizielle Wort, und mein Bekannter drängte, auch die Stimme zu erheben - alles verlief erwartungsgemäß: die ÖVP setzte Gewaltrhetorik ein, von wahrhaftiger Information oder Meinungsbildung war nie die Rede.

Halt, einmal war der Mann denn doch wahrhaftig, denn da kamen ihm die Schlaraffenland-Argumente in Widerspruch, den er gar nicht begriff: denn zwar stimmt es, daß die Bauern immer sehr zugängig für die Argumente des "niedrigen Preises" waren, wenn es um das Leerkaufen von Supermarktregalen ging, aber als er da in die Runde warf, daß in Zukunft - da haben wir ihn nämlich, diesen Ederer-Tausender - jeder der hier Anwesenden in den Genuß viel billiger Lebensmittelpreise komme, sich zukünftig mehr leisten könne, schien es einen Augenblick lang im Raum zu klicken, als würde ein feines Metallstäbchen brechen. Ich hatte mich zuvor nämlich erhoben, und ihn tatsächlich ins Wanken, die Bauern hinter mich gebracht: die Argumente gegen den EU-Beitritt wogen schwer, man fühlte es. So sah er sich gezwungen, dieses Totschlagargument in die Runde zu werfen (das im übrigen genauso gelogen war wie so vieles andere; aber weil es um die gute Sache ging, sah sich nicht einmal die Kirche ein Problem darin, die Lüge dafür freizugeben.)

Die Lebensmittelpreise würden also fallen, stark, sagte er.

Die Gesichter der Bauern drückten einen Augenblick Verblüffung aus.

Er hatte recht, der Schnösel der ÖVP-Nachwuchsriege. Und ich selber war von seiner Chuzpe derart verblüfft, daß ich mich sprachlos setzte.

Da hatte der die Chuzpe, den versammelten Bauern nämlich mitzuteilen, daß sie hinkünftig für ihre Produkte noch deutlich weniger erhalten würden als heute. Einen Moment war damals also Wahrhaftigkeit eingezogen in die Diskussion.

Heute las ich in der Zeitung, daß die Bauern derzeit die Milch regelrecht herschenken müßten, weil die Produktenpreise derartig niedrig seien, daß Herstellungspreise nicht einmal mehr annähernd gedeckt seien. Und ind er Krise, wie jetzt, würden auch Bio-Produkte keinen Markt mehr finden, zähle das Preis-Argument einfach überdeutlich.

Denn daran hatte natürlich auch niemand gedacht, der vom "Feinkostladen Europas" daherfaselte, von in hygienisch reinen Schweinemastfabriken entlang des Maisgürtels (St. Pölten bis Wels) zentimetergenau gezüchteten Schweinekeulen, die nach Italien zur Schinkenproduktion geliefert werden könnten. (Ich zitiere tatsächlich vorgebrachte Argumente von damals.) Bio-Produkte, Erlebniskauf - sind nämlich Schnickschnack einer am Wohlstand so gesättigten Gesellschaft, daß genug Geld noch übrigbleibt, auch in innere Qualität zu investieren. Bio ist eine Erscheinung des Überflusses! Die Öko-Heizungsbetreiber können nun ja ein Liedchen davon singen - sie zahlen z. B. über überhöhte Pelletspreise (Bio-Heizmasse) diese Unterdeckung der Lebensmittelpreise. (siehe Titelverlinkung: ein Artikel in der NÖN, St. Pölten)

Alles aber, was wir heute in der Landwirtschaft erleben und haben - es war nicht nur vorhersehbar. Es war angekündigt. Wer EU wählte, wählte auch das.

Freitag, 4. September 2009

Eine Metapher der Befreiungsverwüstungen

Es gehört zu den vielen vielen Büchern, die man nicht vergessen haben sollte, die man wieder lesen muß, um so manches von dem, was heute geschieht, aus seinen historischen Wurzeln zu verstehen. Und um so auch zu sehen, wie manche Kräfte, die heute konglomeratartig alles in einem scheinbar unentwirrbaren Knäule überlagern, im Einzelnen aussehen. Und die weit mehr darstellen als jene Geschichte, die sie darzustellen vorgeben, die sogar und nur in der Exaktheit ihrer (gleichermaßen poetischen, dann wieder brutal realistischen, immer aber glaubwürdigen) Schilderungen zur Metapher werden:

Nicholas Monsarrat's "Ein Stamm verliert den Kopf" (deutsch 1957) liefert eine exakte Erzählung (der Autor war als britischer Botschafter in Südafrika mit der Problematik rund um die Entkolonialisierung im 20. Jhd. intensiv befaßt) nicht einfach nur über den Kolonialismus in seinem Endstadium, sondern das Buch wird zur Metapher auf viele Vorgänge einer Welt, die unter der hehren Fahne der "Befreiung" alles aus seinen Zusammenhängen herausgerissen, isoliert und damit irrational entfesselt hat.

Eine Allgemeinheit der Prinzipien, die vielleicht sogar erst aus der 50jährigen Distanz erkennbar wird. Und der Wahrhaftigkeit des Buches ein gutes Zeugnis ausstellt.

Feminismus, Emanzipationsbewegungen gleich welcher Art, deren Folgen wir heute inmitten eines wahren Trümmerfeldes auszubaden haben, in ihren historischen Kräften, so erkennt man bald die erzählte Geschichte um einen fiktiven afrikanischen Staat.

Insbesonders die Rolle der Medien, die nämlich keinesweg schlicht "neutral" nur berichten, was "wahr und war", sondern die massiv bestimm sind von kommerziellen Interessen der Betreiber, und von immer sehr persönlichen Motiven der Journalisten bzw. der Medienvertreter. Die noch dazu in den seltensten Fällen über jene Bildung (im wirklichen Sinn: als Geformtheit in der unbeteiligten, "spiel-, theaterhaften" Wahrhaftigkeitsdistanz) verfügen, auf die sich ursprünglich jede Kunst- wie Medienethik bezog.

(Wobei man vergißt, daß noch vor 200 Jahren, rudimentär bis vor wenigen Jahrzehnten sogar, Journalismus eine Angelegenheit einer Schichte war, die man heute als "Klassiker" bezeichnet - Schiller und Goethe, die journalistisch arbeiteten, nur als Wegmarken, worauf diese Bemerkung abzielt)

In "Ein Stamm verliert den Kopf" zeigt Monsarrat, wie eine journalistische Kamarilla, eine regelrechte neue, eigene Schichte von Menschen, die aus oft groteskem Interesse an den Gewissen der Menschen operieren, beginnt, Welt- und Geschichte nicht nur zu beeinflussen, sondern in oft unfaßlicher Unkenntnis und damit Realitätsferne mehr und mehr zu bestimmen, vorzuschreiben, nach welchen Kriterien zu handeln sei. Damit bringen Medien längst verantwortliches (persönliches wie politisch-öffentliches) Handeln in schwere Konflikte, die den Lebenssachen keineswegs dienlich sind, weil sie praktisch ausnahmslos Gleichgewichte und Harmonien stören, und Teile auf neue Art gewichten, die meist nichts als völlige Systemzusammenbrüche nach sich ziehen, jede historisch gesunde, "normale" Entwicklung damit unmöglich machen.

Nur in wenigen Passagen könnte man das Buch der "Thesenliteratur" verdächtigen. Wüßte man nicht, daß menschliche Schwäche tatsächlich und realiter zum Schema verkommenes Menschtum bedeutet. Daß also Schwäche und Irrtum das am Menschen sind, das tatsächlich mechanistisch abläuft, und dem Menschen selbst seine Menschlichkeit, seine personale Ganzheit und sein Geheimnis, nimmt. Wo also die Person zum "Charaktertyp" verkommt.

Ansonsten aber liefert Monsarrat einen weiteren Beweis, wie lohnend es zumeist ist, sich mit einer Literatur auseinanderzusetzen, die heute erst zu dem verkommen ist, was man ihr damals vorwarf: als sie aber noch in Qualitätshöhen auch in ihrem "Massensegment" (=schnöde "Unterhaltungsliteratur") hielt, die heutige "Qualitätsliteratur" oft sehr sehr blaß aussehen läßt. Daß Romane wie "Ein Stamm verliert den Kopf" beitragen, heutige Vorgänge noch besser zu verstehen, indem sie Entwicklungsansätze von Wirkkräften aufzeigen, die heute in voller Blüte stehen.

Eine Frage der geistigen Triebkräfte

Wer sich intensiver mit Geschichte befaßt, dem ist bald die Jahreszahl nur ein Merkmal der Einordnung unter anderen, aber kaum mehr. Denn mehr und mehr erheben sich aus den Ereignissen und Geschehen ganz neue Konturen und Reliefs, die ein völlig verändertes Nahe- und Fernverhältnis ergeben. Ja: plötzlich wird im Erfassen der wirklichen (=wirksamen) Hintergründe geschichtlicher Entwicklungen alles nahe, weil in der Gegenwart in absolut gleichem Maß als präsent erkannt. Darum wundert man sich immer öfter über so viele, die meinen (in der Gegenwart) Neues erfunden und entdeckt zu haben, das bei ein wenig Kenntnis der Geschichte (auch: des Theaters, der Kunst) so rasch als "längst gewesen" erkennbar würde. Kommt dazu noch (die heute immer seltener werdende) wirkliche Kenntnis des (immer gleichen) Menschen, aus seinen tiefsten Wurzeln, Antrieben und Entelechiekonflikten heraus, wird auch Gegenwart verstehbar und Zukunft damit sogar erst möglich.

Ein wünschenswerter Nebeneffekt davon ist, daß der, der die Geschichte kennt, rasch aufhört, sich und seine Gegenwart so grotesk zu überschätzen, wie das heute üblich geworden ist. In einer Zeit, die in Stillstand, ja fatalen Rückschritt verfallen ist, der dem Stillen, dem Außenstehenden, dem Fremden, umso mehr auffällt, als das Getöse der Illusion, das Bewegung und Entwicklung vortäuschen soll, alle Sinne längst benebelt, und die Leere, die in Wirklichkeit heute so bedrohlich herrscht und in ihren Sog, dem Internationalismus, die ganze Welt erfaßt zu haben scheint, zu kaschieren sucht. Hinter dem Lärm der Plappermäuler aber hört man sie, die gespenstische Ruhe vor dem Hurrikan ...

Das aber vermittelt zugleich eine ungeheure Hoffnung: jeden fatalistischen "Schicksalskreis" zu durchbrechen, jederzeit. Und ihn durchbrechen zu können, weil der Mensch seit Christus über Quellen verfügt, die das Ewige, Unvergängliche, JEDERZEIT präsent halten, und in der Tugend, im Fleisch, in das es über die Sinne hineingelangt, zu dem es geworden ist, historisch wirksam machen. So bricht sich jede Verzagtheit!

"Eines der schönste Erlebnisse, das das historische Studium zu vermitteln vermag, ruht in dem Augenblicke der Erkenntnis, daß alle zeitlichen Grenzen willkürlich sind. Nichts unterscheidet das Altertum zeitlich vom Mittelalter, kein irgendwie zeitlich zu empfindender und zu fixierender Einschnitt, es sei denn der eines geänderten Denkens, der aber niemals an ein festes Datum gebunden werden kann. Nicht die Epochen entstehen und vergehen, sondern die geistigen Ereignisse und Bewegungen in ihnen; wenn alle ausgelegt und vollendet sind, endet mit ihnen selbst die Epoche.

Daß auch der Tod eines Einzelnen für das Ende einer Epoche stehen kann, ist einer der größten Triumphe des menschlichen Individualismus über die Zeit, der Tod Alexanders des Großen, Cäsars, Christi. Aber ebenso gewiß ist es, daß geistige Bewegungen solange bestehen, als eben Triebkraft in ihnen ist, wenn sie auch noch lange mit denen ihrer Umgebung, die indessen aufgewachsen sind, zu kämpfen haben.
" (Joseph Gregor; in "Weltgeschichte des Theaters", 1933)

Donnerstag, 3. September 2009

Unglaublich, was heute geglaubt wird

In der Tagespost fand ich einen Artikel, der eine "zweite Aufklärung fordert" (Titelverlinkung: gesamter Artikel von Stephan Baier):

"[...] Ganz anders in Europa, wo die Politik und die sie umlagernden Medien und Wissenschaften bis heute täglich das Gift der drei großen Ideologien des 19. Jahrhunderts einatmen: des Nationalismus, des Sozialismus und des Liberalismus. Kein Wunder, denn in Europa sind diese Ideologien nicht importiert worden, sondern aus weltanschaulich frei gewordenen Räumen entstanden und gewachsen. Das mittelalterliche Ordo-Denken konnte Schöpfungsordnung, Seinsordnung, Weltordnung und Lebensordnung noch in einer Zusammenschau denken – und Abweichungen als Häresie bekämpfen. Sie fand ihren Ausdruck in den patriarchalen (und natürlich komplementär auch matriarchalen) Autoritäten: Gott Vater im Himmel, der Heilige Vater in Rom, der König als Vater des Vaterlands, der Vater als König in seiner Familie.

Bis heute scheint den Europäern das Säkulare das Vernünftige

Mit der „fraternité“ (der nicht mehr christlich verstandenen Brüderlichkeit der Französischen Revolution) fielen die Autoritäten, mit der „liberté“ die Schranken, mit der „egalité“ die Verantwortlichkeiten. Wer hätte sich im aufgeklärten Europa den Ideologien des 19. Jahrhunderts mit ihrer konstruktiven wie destruktiven Energie denn entgegenstellen sollen? Die Kirchen vielleicht, denen die sich aufgeklärt wähnenden Autokraten gerade noch zugestanden, das Herz der Betrübten zu wärmen, durch ihre Predigt zur Stabilität des Staates und durch ihre Erziehungsarbeit zur Stabilität heranwachsender Staatsbürger beizutragen?

Bis heute scheint dem ach so aufgeklärten Europäer das Säkulare als das Vernünftige, das Fortgeschrittene, das Moderne – trotz aller Barbareien des 20. Jahrhunderts, trotz aller staatlichen und menschlichen Katastrophen, die den modernen Ideologien anzulasten sind. Bis heute scheint dem Europäer die Vermengung von Religion und Politik vormodern, antiquiert und unaufgeklärt – vom sogenannten „Gottesstaat“ Iran bis zu den religiösen Beteuerungen US-amerikanischer Spitzenpolitiker. Bis heute meinen die Europäer mit ihrem Säkularismus und der völligen gesellschaftlichen Ausblendung der Gottesfrage an der Spitze des Fortschrittes zu marschieren – obwohl sie bekanntlich demografisch, weltpolitisch und mittlerweile sogar ökonomisch alles andere als vital sind. Der frühere Direktor am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen, Hartmut Lehmann, hat in seinem 2004 erschienenen Buch „Säkularisierung“ überzeugend nachgewiesen, dass Europa mit diesem Trend völlig allein steht: „Nur in Europa ist die Säkularisierung zu einer dominierenden politischen, sozialen und kulturellen Kraft geworden; nur in Europa hat die Säkularisierung triumphiert, wenigstens bis heute.“

[...] Wer die Tabus und Wertehaltungen des 16., des 19. und des 21. Jahrhunderts vergleicht – ohne von vornherein an die Irreversibiliät des Fortschritts der Menschheit zu glauben, sondern in nüchterner gedanklicher Gleichzeitigkeit zu allem in Europas Geistesgeschichte Gedachten – kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Unfassbar, was der angeblich aufgeklärte Europäer heute so alles zusammenglaubt, was er naiv zu wissen und zu meinen meint! Unvorstellbar, an wie viele Tabus wir uns im säkularen Europa so gewöhnt haben und wie demütig wir die Sanktionierung von Tabuverstößen hinnehmen! Empörend, wie wir uns nicht nur das Denken diktieren lassen, sondern auch der ständigen Manipulation der Worte tatenlos zusehen! Kein Zweifel: In Europa ist es allerhöchste Zeit für eine Aufklärung!
"

Nicht mit rechten Dingen zugegangen?

Ob das heute noch zur Heiligsprechung dienlich wäre? Da würde sich eine faire-Welt-behauchte Gutmenschengemeinschaft wohl querlegen:

Theresia von Avila hat nachweislich zur Gründung ihrer Klöster Geld aus dem spanisch eroberten Peru verwendet, und das war für sie sogar eine Erfüllung göttlichen Wohlwollens. Diese Gelder waren ihr nach Versprechungen Jesu selbst zugeflossen, der ihr nach verschiedenen Prüfungen ihrer Demut gesagt hatte, daß sich Gelder auftun würden. Das taten sie dann: durch "unermeßlich reiche" Verwandte in Peru.

Jesus war also ... political incorrect? Ja: War Jesus gar ... unmoralisch?

Höllenvisionen

Was muß man eigentlich für ein Ignorant sein, wie verstockt muß eines Sinn sein, um, liest man Theresia v. Avila's Lebensbeschreibung (von ihr selbst verfaßt), erkennt man die Feinheit und Demut ihres Seelenlebens, die Wahrhaftigkeit und Penibilität in der Prüfung aller Seelenregungen, sieht man den unbedingten Willen sich von jeder Täuschung freizuhalten, um dann also, mitten drin, unvermittelt fast, in ihrem 32. Hauptstück von ihrer Höllenvision zu lesen ... Wer hat da die unfaßbare Chuzpe weiterhin zu sagen, daß es im Christentum nicht um eine verdammt schmale Pforte geht, und daß Verdammnis wohl weit häufiger vorkommt als man es gerne hätte. Und damit zu sagen, sie hätte phantasiert (sie, neben so vielen anderen, übrigens, die ähnliche Visionen hatten.)

Ohne noch zu berücksichtigen, daß die Existenz einer Hölle keineswegs nur die Frage eines geoffenbarten "pädagogischen" Schreckensbildes ist, sondern die Vernunft eine solche regelrecht fordert. Nicht zufällig kennt jede Weltreligion seit der Antike die Existenz einer Hölle.

Umso schrecklicher, beklemmender, aber vorstellbarer das, was Theresia von ihrer Vision (nur in Andeutungen, weil letztlich bleibt es unbeschreibbar, weil es unsere gewohnten Dimensionen auch begrifflich übersteigt) schreibt: wo sie sich bewegungsunfähig hineingepreßt in eine Mauernische erfährt, die am Ende eines langen, absolut finsteren, engen Ganges sich befindet, und in dieser völligen Dunkelheit ein Feuer erfährt, das nicht nur ewig, unaufhörlich (also: ohne Hoffnung) sondern weit schmerzhafter als jedes irdische Feuer ist.

Sie erzählt auch, daß ihr ein bestimmter Platz in der Hölle von den Dämonen vorbedacht gewesen wäre, sodaß sich auch Dante's Schilderung (auch Werfel in "Jeremias" ist da sehr illustrativ, macht im Gang des Propheten in die Unterwelt in Ägypten sehr gut begreifbar, was Hölle überhaupt ist) nahtlos einfügt. Die aus rein poetischem Sinn die Wahrheit und Wirklichkeit ebenfalls erfaßt hat.

All diesen also wäre jede Glaubwürdigkeit abzusprechen. Welch Verkennen der (transzendenten) Wirklichkeit auch jeder Dichtung, die das "Dahinter", das gereinigte Wesen der Dinge erfaßt und darstellt.

Welch Verkennen aber auch der Nähe von Heiligkeit und Dichterschaft.

Dienstag, 1. September 2009

Ach, auch kein Held

"Vor seinem Kammerdiener, heißt es, ist kein Held ein Held mehr. Das gefällt manchen modernen Kritikern und Dichtern ganz ungemein. Begeistert predigen sie die Kammerdieneroptik, die Kammerdienerweisheit, und überschütten die Welt mit dem überlegenen Lachen des - Kammerdieners." (Christian Morgenstern; "Stufen")