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Samstag, 31. Oktober 2009

Das Produkt unserer Schulden

Beim Lesen von Hayek, in Kombination mit gerade gelesenen Aussagen von WIFO-Chef Aiginger, Österreich habe schon in der Vergangenheit deutlich zuwenige Arbeitskräfte gehabt, eröffnen sich ganz seltsame Zusammenhänge:

Der österreichische Nobelpreisträger Hayek beschreibt (u. a. im Rahmen einer Arbeit über Inflation, "Keynes und die Folgen", Anm.) sehr klar, wie durch zusätzliche staatliche Geldschöpfung - das berühmte "deficit spending" ("Lieber 5 Prozent Inflation als 5 % Arbeitslose") - Arbeitsnachfrage in Strukturbereichen geschaffen wird, die an sich nur noch durch staatliche Geldschöpfung am Leben erhalten werden können. Die Geldschöpfung v. a. in den Zeiten hoher Inflation, wie in den 1970er Jahren, bewirke, daß manche Bereiche künstlich am Leben gehalten würden, was zu einer nicht bestandsfähigen Verschiebung gesamter wirtschaftlicher Strukturen führte. Diese Strukturen benötigten mit der Zeit immer mehr zusätzliche Gelder, sodaß nach einer gewissen Zeit Inflation, hohe Schulden UND Arbeitslosigkeit unausweichliche Folgen seien. Regierungen bräuchten (Hayek schrieb diese Arbeit ca. 1976) den Mut zu bekennen, daß es eine Stabilitätspolitik UND staatliche garantierte Vollbeschäftigung NICHT GEBEN KÖNNE.

In dieser Kombination erscheinen die österreichischen Schulden von heute also in einem ganz eigentümlichen Licht - als hätten wir uns nämlich über die Gastarbeiter (die über staatliche Schulden = Geldschöpfung in durch den Staat am Leben erhaltenen Wirtschaftszweigen künstlich geschaffene Nachfrage nach Arbeitskräften befriedigten) nun strukturelle Arbeitslosigkeit regelrecht gekauft, die uns heute die Luft abschnürt. Und uns mit dem Migrationsproblem in dieser Dimension und Unbewältigbarkeit konfrontiert.

Nein, nicht hätten - nach Hayek ... HABEN.

Freitag, 30. Oktober 2009

Wie die Dinge zusammenhängen ...

Joachim C. Fest erwähnt es bereits, und in Charles Kindleberger's "Die Weltwirschaftskrise" ergänzen sich die Hintergründe:

Fest meint, daß zu vermuten steht, daß Hindenburg (der sich lange felsenfest geweigert hatte, dies zu tun) Hitler nur deshalb die Kanzlerschaft letztlich doch übertrug, nach einem Vier-Augen-Gespräch mit Hitler, weil dieser ihn vermutlich mit geheim gehaltenen, möglicherweise dubiosen Machenschaften (im Zusammenhang mit Kreditvergaben an preußische Landjunker, die einzigen übrigens, die unter der Weltwirschaftskrise 1929/33, die ja eine Deflationskrise war, so gut wie nicht litten) erpreßt hatte, die die moralische Integrität der Gallionsfigur des Deutschtums kräftig in Frage gestellt hätten. Fest vermutet, daß dies mit einem Sohn Hindenburgs zusammenhing.

James C. Warburg erwähnt in seinen Memoiren zur Wirtschaftskrise die exakten Umstände, denn so war es dann auch:

Die Warburg-Bank in New York hatte der Warburg-Bank in Hamburg einen Stützungskredit gewährt. Aber mehr noch: Amerikanische Banken hatten gleichfalls 1931 einen 50 Mio Reichsmark-Fonds zur Rettung der angeschlagensten deutschen Banken generell bereitgestellt, um einen Kollaps der deutschen Währung zu verhindern. (Gleichermaßen steht ja zu vermuten, daß - politisch auch durch Hitler unter Druck gesetzt - die deutsche Regierung - Zentrum und v. a. Sozialdemokraten! - gewissermaßen einen solchen Kollaps gar nicht ungern sah, um so die Reparationszahlungen "elegant" loszuwerden, was ein "politischer Erfolg" gewesen wäre: ein Zusammenbruch der Wirtschaft, als "Argument" für die Unmöglichkeit der Reparationszahlungen! Auf die ja nur nur Frankreich wirklich pochte, weil es seine Kriegsschulden damit "besichert" hatte ...)

Der deutsche Finanzminister Schacht lehnte diese Rettungsmaßnahme aber "mit Tränen in den Augen" und zur Überraschung aller ab. Wie sich später herausstellte: weil er 10 Mio Reichsmark an uneinbringlichen Krediten nicht begründen WOLLTE, aber für eine Sanierung einer der schwächsten deutschen Banken, der Danatbank (die dann auch zusammenbrach), der Gefahr einer Offenlegung ausgesetzt haben würde ... ein Kredit an einen Sohn Hindenburgs, Oskar.

Damit war in turbulenter Zeit ein weiteres Tor für die volle Auswirkung der Krise in Deutschland geöffnet, über die Bankeneinbrüche, ja wer weiß eben: vielleicht wäre diese Krise nie so ausgeufert (denn: es kamen eben damals eine ununterbrochene Fülle von Faktoren zusammen, einer nach dem anderen, denn die Krise entstand ja nicht über Nacht, es ist nicht einmal so klar, ob und welchen wirklichen Einfluß der Börsenkrach von New York 1929 auf die folgenden Krisenjahre hatte! Keineswegs aber WAR dieser Börsenkrach die Krise selbst, wie es heute oft und vereinfachend gerne mal dargestellt wird) - die dann Hitler so geschickt nutzte.

So hatte persönliche Korrumpiertheit, die sich eingeschlichen hatte, über den Sohn ... einen Türöffner für ein Übel geschaffen, das Hindenburg selbst gar nie gewollt hatte.

Keineswegs eine Frage des Nationalsozialismus

Eine der weltweit zu beobachtende Maßnahmen, um die Weltwirtschaftskrise (ca. 1929-33) zu überwinden, also aus rein ökonomischen Notwendigkeiten geschah, und also keineswegs auf Deutschland - also auf "Ideologiegebiet" - beschränkt blieb, sondern z. B. vor allem in Frankreich eine maßgebliche Stütze des Systems zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit war (die auch gut wirkte), war die "Herausnahme" von verheirateten Frauen aus dem Arbeitsprozeß!

Dies, sowie die Herabsetzung des Pensionsalters (für Männer), trug wesentlich dazu bei, daß die französische Wirtschaft (die vielleicht im ganzen Gefüge der Wirtschaftsturbulenzen am rigidesten, egoistischesten, protektionisitschesten vorgegangen war, samt der rücksichtslosen Ausweisung von über 1 Million Gastarbeiter aus Polen und Algerien - Keynes war ihnen, anders als den Deutschen und Amerikanern, aus sehr persönlichen Gründen suspekt) sich bis 1936 bereits wieder gut erholte, und vor allem kaum noch Arbeitslose hatte.

Die Nationalsozialisten machten sich dieselben Maßnahmen nur insofern zunutze, als sie sich und ihrer "Ideologie" alle diese Maßnahmen auf die Fahnen hefteten. Was eher zufällig war (so, wie diese ganze Ideologie sehr zufällig und widersprüchlich blieb), wurde als Leistung nationalsozialistischer Gesinnung ausgegeben, bis hin zum Autobahnbau, der immer noch Hitler zugeschrieben wird - natürlich blanker Unsinn. Aber die Linke griff (und greift) im Dienste eines unbedingt notwendigen Feindbildes alle diese Mythen gerne und gleichfalls auf.

Dafür haben wir es heute mit solchen ideologischen Handlungsmaximen zu tun, die mit Gewißheit die effektivsten und logischesten Krisenbekämpfungsmaßnahmen im Dienste von Utopien und Ideologien verhindert. Gewiß ist zwar, daß die Krise 1929/33 maßgeblich durch die protektionistische Reaktion aller Staaten, weltweit, befeuert, ja wenn nicht sogar hochgekocht wurde, genauso gewiß aber ist auch, daß das gegenteilige Extrem - wie jüngst - bedeutet, daß dieselben Folgen (einer massiven Kauf- und Wirtschaftswertberichtigung) ... auf die Schultern der nächsten Generation verlagert werden.

Mit vielleicht einem einzigen Hintergrund: dem der Machtbewahrung, der Wahrung der Stabilität um jeden, wirklich jeden Preis. Immerhin gab es in jenen Jahren alleine in Südamerika ... 50 Revolutionen. Den Systemwechsel 1933 in Deutschland - das Grundgespenst der Linken, die sich sohin vor ihrem eigenen Phantom (angeblich) fürchten - freilich der Weltwirtschaftskrise alleine zuzuschreiben stimmt mit Gewißheit nicht. Doch gewiß war immer, daß der Platz für linke Ideologien, wo sie an der Sonne der Macht bruzzeln, in Zeiten der Krise eng wird - denn dann gibt es nichts mehr zu verteilen, bleibt für ideologisches "Sollen" kein Raum mehr. Dann holt sich die Wirklichkeit ihre Wesenskraft zurück. Das Zeitfenster, das sich in Krisen auftut, um zuzuschlagen, ist für Linke (genau, wie es für Hitler knapp war) und ihre Agitation ja nur sehr sehr eng.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Warum weigert sich der Klaus?


Die Kleine Zeitung bringt, was Vaclav Klaus dazu bewegt, so mit der Unterzeichnung der Papiere zu zögern, die die Tschechei ebenfalls in die Lissaboner Verträge einbinden. Einen Präsidenten, der quaolifiziert reflektiert - das ist man natürlich in Europa nicht mehr gewöhnt:

"Bei einer Versammlung auf der Prager Burg anlässlich des tschechischen Nationalfeiertages erklärte er, in Folge des sich beschleunigenden europäischen Integrationsprozesses komme es zu einer "gefährlichen Erosion des Staates".

Einige Leute hörten deshalb auf, ihren Staat und seine Institutionen als eine Einheit zu betrachten, auf die sie sich verlassen könnten, mit der sie sich identifizieren sollten und können und um deren Entwicklung und Verstärkung sie bemüht sein sollten.

In Anspielung auf den europäischen Integrationsprozess sagte Klaus weiters, man sollte sich wehren, die "heute modischen und sogenannten korrekten politischen Lösungen" für einen unabwendbaren und pflichtigen Imperativ der Zeit zu betrachten. "Verhalten wir uns als selbstbewusste Besitzer unserer eigenen Zukunft. Es hat sich oft gezeigt, dass jene Lösungen, die beanspruchen, in einem bestimmten Moment die einzigen möglichen zu sein, über die Zeit nicht bestanden haben. Es gibt eine große Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht einmal jetzt bestehen, auch wenn sie uns oft als die einzige zulässige Richtung des Fortschritts aufgezwungen werden", so Klaus.

Laut Klaus sollte man sich an der europäischen Integration so rational wie möglich beteiligen. Dabei sollte man daran denken, dass der europäische Integrationsprozess ein "Mittel zu unserer Zukunft ist, nicht das Ziel an sich". "Auf jeden weiteren Erweiterungs-Schritt und die Vertiefung der EU schauen wir daher danach, in wie weit dieser zur Verstärkung unserer Freiheit und der Prosperität beiträgt. Kein anderes Kriterium kann die Geschichte bestehen", betonte der Präsident.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Vorteil der Bündnisfreiheit

Charles Kindleberger führt in seiner Analyse der Weltwirtschaftskrise der späten 1920er bis Mitte 1930er Jahre als Beispiel Schweden an, das als eines der ersten Länder die Krise überwand - und zwar durch Maßnahmen, die eben nur kleinen Ländern möglich sind. In einer Politik, die er "beggar-thy-neigbor" nennt:

Kleine Länder können sich erfahrungsgemäß Maßnahmen leisten, ohne Gegenmaßnahmen befürchten zu müssen, die sehr effizient die eigene Wirtschaft aus einer Krise katapultieren: wie Währungsabwertungen und (moderate) Einfuhrzölle. (Übrigens: Österreich ist hierin gegenüber Deutschland ohnehin Weltmeister - man denke nur an die Steuerpolitik gegenüber Vermögen, um von dort Kapital und Firmensitze anzuziehen ...)

Schweden war so ab 1932 ein kleines "Wirtschaftswunder" vergönnt, und es hatte sich vor allem an England angedockt: seine Kredite verbilligt, und die Baunachfrage angekurbelt, sodaß ein kleines "Beschäftigungswunder" losbrach. Neben Japan - das ebenfalls stark protektionistisch handelte, was aber schon deshalb kein Problem war, weil seine Wirtschaft damals generell wenig mit dem Ausland verknüpft war - war Schweden das einzige Land weltweit, dessen Exporte (durch Abwertung gesenkte Preise) stärker zunahmen wie die Industrieproduktion.

Soviel zu der an sich völlig unqualifizierten, häufig zu vernehmenden Polemik, daß Österreich (gar: nur) DANK der EU die Krise der letzten Monate (Jahre) so gut überstanden hätte. Zumal: bewältigt ist gar nichts. Dieses "Überstehen" war (ist) lediglich durch eine weitere Belastung der Zukunft geschehen.

Von Müttern über dem Nichts gehalten

Wollen wir es so bezeichnen: dieses Verhalten nennt sich nicht ohne Grund "weiblich" - die Eingliederung in eine Gruppe, die einem Identität gibt (und das tut nur eine Gruppe, denn nur Identität macht nur Sinn in Zusammenhang mit dem Anderen, und in Zusammenhang mit einem erkennbaren Platz in einer Gemeinschaft) Es äußert sich im Fall der Londoner Gangs nur sehr extrapoliert:

Sozialarbeiter berichten dort (Titellink) von einem immer häufiger vorzufindenden Verhalten von Mädchen in Londoner Straßengangs. Um dazuzugehören, um aufgenommen zu werden, fungieren sie nicht nur als Waffenträger (um die Waffenbenützer zu entlasten), sondern stellen sich sogar der ganzen Gruppe mit sexuellen Diensten zur Verfügung. (Ein Verhalten, das es angeblich in Nord- und Südamerika längst gibt: wie man immer wieder zu lesen bekommt, ist das Gangwesen in Mittel- und Südamerika, mit Gangs mit 50.000 Mitgliedern und mehr, außerordentlich ausgeprägt.)

Nicht ganz so drastisch ist dieses Verhalten aber auch bei uns zu finden, und es ist eben auch typisch für Frauen, deshalb Anzeiczhen der Entmännlichung: Sodaß es sich freilich längst auch bei Männern, die keine Männer mehr sind, als üblich findet: Restlose Unterwürfigkeit, Fremdsteuerung des Denkens und Wollens, um die Zugehörigkeit zu einer herrschenden Schichte nicht zu verlieren. Brav vollziehen die Männer Moralgebote der mütterlichen Placenta, säugen an den Brüsten der Gemeinschaft, und agieren dabei wie ferngesteuert, meist enorm konsequent (nicht selten sind die konsequentesten Vertreter des Feminismus unter Männern zu finden.)

Das Erziehungsmittel der Mütter, wir erinnern uns vielleicht: Verstoßung bei Nichtgefallen, sitzt allen im Nacken. Bei Kindern heißt das: Erleben des Nichts, über dem man nur durch die Mutter, nur durch die "Gemeinschaft" im Dasein gehalten wird. Mutter - Gemeinschaft - Sozialstaat. Männlich wäre, diese Gemeinschaften zu gestalten. Unmännlich, und heute üblich, ist: sich von diesen Gemeinschaften zu nähren, ihnen unter Selbstaufgabe (nicht: Hingabe! das ist etwas völlig anderes!) hörig zu sein.

Den Müttern, sich dann gefließentlich weigern, diese zutiefst seelisch-existentielle Symbiose wirklich mehr und mehr zu lösen. Weil sie den Verlust der Macht über den Probanden und die Welt bedeutet.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Blanke politische Verzweiflung


Oh, wie tief muß die Verzweiflung der Opposition wegen Berlusconi (und Fini) in Italien gehen ... Der hatte den Finger immer wieder auf die wunde Stelle gelegt - die Rechte habe die schöneren Frauen, zumindest als die Linke, deshalb sei sie so erfolgreich.

Erst jüngst hatte sich eine Liga der beleidigten Frauen gebildet, die Berlusconi mit keinem Charme der Welt mehr zu besänftigen vermochte. Mittlerweile ist die Schar der Empörerinnen, die den Verzicht auf jedwedes äußerliche Kriterium bei der Partnerwahl verlangen, wie man hört auf 100.000 Frauen angewachsen. Aber selbst wenn diese Zahl im Verhältnis zu ganz Italien bescheiden ist, so kann man jetzt schon sagen: sie wird ohne Erfolg abziehen müssen. Der italienische Ministerpräsident ist bereits 71 Jahre alt, das ist für den Mann nicht mehr zu machen. Auch wenn er Italiener ist, kaum noch raucht, und sich fast ausschließlich von Olivenöl und Knoblauch nährt.

Aber in welche Verirrungen die Ratlosigkeit der Linken diese nun führt, läßt doch manchen Kopf schütteln. Und man sehnt sich zurück, nach den Kriegsjahren, wo sich verschwitzte, schwarz behaarte Partisanenbrüste zwischen zwei Feuergefechten mit den Nazis und letzten Mussolini-Anähngern, bei einer Portion Spaghetti Aglio e Olio ihre süßeste Verführung zur Nachspeise vorbehielten - die rassigen Köchinnen selber, eine Generation von Müttern von Gino Lollobridgittas und Sophia Lorens, man versteht also nun so manches. Wem ging es denn da noch um Ideologie, außer irgendeinem Sowjetkommissar als militärischem Berater, solange er nüchtern war. Davor wurde schlicht gelebt und gestritten und geliebt und gehaßt, und gekämpft, natürlich. Vor allem aber war man Italiener, Mann. Man lese nur Guareschi's Don Camillo. Da aber war alles noch so ... ehrlich, so echt.

Nicht so verlogen wie heute.

Vier Polizisten haben nämlich nun in letzter Sekunde einen der größten Wahlschwindel der Italienischen Republik verhindert. Sie seien dafür ewig bedankt!

Da wurde doch glatt einer der maßgeblichen Persönlichkeiten der größten Oppositionspartei, der Demokratischen Partei (PD), Piero Marrazzo, mit einem ... Transsexuellen erwischt. (Wobei gleich einzuschränken bleibt, daß es vermutlich ein Transvestit - und kein Transsexueller war. Denn Transsexualität, im richtigen Gebrauch des Terminus, ist keine sexuelle Perversion, sondern eine tragische Abirrung der gefallenen Natur.) In seiner Wohnung. Also: in Marazzo's Wohnung. Was sie getrieben haben, darüber schweigt die Chronik, und wir wollen es auch gar nicht wissen. Aber es gibt in jedem Fall Videoaufnahmen, die die pflichtbewußten Beamten von der Begebenheit angefertigt haben.

Die nun, typisch Italia, für ihre streng geheime Mission die Spesen abrechnen wollten, und ungeschickterweise zu Marazzo gingen ... In so einem Fall war es dann doch keiner! Na, und Berlusconi kannte sie sowieso nicht ... So flog also alles auf.

So flog auf, daß die Linke nun in ihrer Verzweiflung zu den letzten Mitteln greift. Und entweder versucht, schöne Transsexuelle in ihre Reihen einzuschleusen, nachdem es ihnen nicht gelingt, wie Berlusconi schöne Frauen für sich zu begeistern. Oder: auch durch Geschichten mit Prostituierten die Öffentlichkeit der Wähler von ihrer Potenz zu überzeugen, und ist dabei - kleine Sünden straft der Liebe Gott gleich - Opfer einer tragischen Verwechslung geworden.

Dementsprechend sprach Marazzo sofort von "Fälschung", legte aber vorsorglich einmal alle Ämter nieder. Falls es doch stimmt.

Solche Fälschungen - oh mein Gott, ist es böse, wenn man zur Meinung kommt, daß das Wort in diesem Zusammenhang einfach nur paßt? - kommen ja vor, offenbar gerade in Italien. Davon weiß der Autor dieser Zeilen, den manche Ambrosius nennen (womit der Andeutungen genug sein soll), ein höchst seltsames, nicht unhumoristisches Lied zu singen. Aber das ist eine andere, äußerst erstaunliche Geschichte.

Vielleicht aber haben sie es nur vermeint geschickter anzustellen - und durch die Wahl ihres Bettpartners niemanden zu vergraulen, wie Berlusconi es ja offenbar tat, wer weiß. Wie die Linke sich da wieder rauswinden wird, das bleibt abzuwarten.

Was soll man aber nun DAZU sagen? Marrazzo! Wer hätte das von ihm gedacht. Ist doch so ein fescher Kerl! Und kriegt keine. Oder lag's daran, daß, wie hier schon vermutet, die Frauen der Linken (Marrazzo soll ja Familie haben) ihre Männer so unter Druck setzen - sie wollen endlich auch erfolgreiche Männer, und schön sein? Pasolini hätte Marrazzo übrigens vom Fleck weg engagiert. Und aus der Geschichte ein sechsstündiges Kinoepos geschaffen.

Da sieht man's wieder: Was Ideologien so anrichten - man kann nicht genug vor ihnen warnen! Wie Bitterkraut (Tschernobyl) im Cocktail der Liebe.

Das hätte es unter Caesar freilich alles nicht gegeben.



***

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Österreichische Hochzeit

Es gab Zeiten, da war in Österreich, vom Etsch bis nach Preßburg, und dem südlichen Deutschland, kein Ort, kein Dorf, keine Stadt, ohne ihr eigenes Theater, ohne ihre Festspiele, ohne ihre Volksspiele. Und immer wieder als Strahlungspunkte die Klöster, deren Theaterszene im 18. Jhd. kulturprägend war.

In Tirol alleine lassen sich innerhalb eines halben Jahrhunderts, 1750 bis 1800, an über 160 Stätten, über 800 Volksaufführungen zählen. Staatstragödien, Opern aus Italien und Deutschland, Weltgerichtsspiele, Legenden, Komödien, Tragödien, Fastnachtsspiele ... Und es spielten die Bürger vor Ort, die Schmiede und Zimmerer und Köhler und Holzschnitzer und Müller und Bergleute. Wenn in Hallein im Winter die Salzach vereist ist, spielen die Schiffer Theater: in Wirtshäusern, auf Schlössern, und sie werden als Schauspieler berühmter denn als Salzschiffer.

"Der Tiroler Bauer hat in diesem halben Jahrhundert einfach alles gesehen, was seit 1600 über deutsche Bühnen, vieles, was in dieser Zeit über europäische Bühnen gegangen war." (J. Nadler)

1690, sieben Jahren nach der Belagerung Wiens durch die Türken, war alleine in Niederösterreich Kara Mustapha auf zwanzig Bühnen "Titelfigur". Josef Nadler vergleicht diese Zeit mit der Blütezeit Attikas, wo ebenfalls das Theater eine ähnliche Rolle gespielt hat: Als Bannen des Dämonischen, Übermenschlichen, Dunklen, indem man ihm Form gibt, und sich in der Figur des "Hans Wurst", einer Kombination von Teufel und Narr, Distanz dazu schafft.

Mehr und mehr kristallisiert sich Salzburg als Zentrum heraus - und in diese Zeit hinein wird dort ... Wolfgang Amadeus Mozart geboren.

Montag, 19. Oktober 2009

Versteinerte Ordnungen

Toynbee weist nach, daß historisch nachweisbar ein direkter Zusammenhang mit der Kodifizierung von Gesetzen, deren Fassung in Schriftform, und dem Zerfall des jeweiligen Gesellschaftskörpers besteht. Die großen Gesetzwerke sind immer in den letzten Minuten der jeweiligen Kulturen entstanden - als eigentlich nichts mehr von der alten Ordnung zu retten war.

Je mehr ehedem gesunde Lebensordnungen zerfallen, desto mehr werden die aus dem Verwesungsgeruch rekonstruierten Gesetzmäßigkeiten in Stein gemeißelt, um die Gefüge zu stabilisieren. Solche Tat findet anschließend aber nur bei einer Nachwelt Würdigung, die zu weit weg, zu barbarisch oder zu sentimental ist, um zu einer richtigen Einschätzung dieses Werkes zu finden. Desungeachtet, dient das solcherart übergebene Recht der nachfolgenden (Universal-)Kultur (und: Religion) als Gefüge.

Freitag, 16. Oktober 2009

Niemand wird gebraucht


Von Prinz Eugen wird folgende Anekdote berichtet, Hofmannsthal erzählt sie einmal: Als er das Schloß Hof im Marchfeld (das seit Jahren, übrigens, mit enormem Aufwand renoviert und revitalisiert wird; siehe Bild und Titelverlinkung) bauen ließ, schien Geld und Aufwand keine Rolle zu spielen. Lukas von Hildebrand konnte in der relativ kurzen Bauzeit von wenigen Jahren, bis 1830, aus dem Vollen schöpfen. Und so die damals größte und prunkvollste Schloßanlage der Monarchie, auf 50 ha eines der eindrucksvollsten Gesamtkunstwerke des europäischen Barock, aufziehen. Schönbrunn entstand ja erst Jahrzehnte später. Und im Gegensatz zu Schloß Hof hatte die Wiener Anlage keine Epochen, wo es als Militäranlage zweckentfremdet und mißbraucht wurde und letztendlich noch unter den Russen bis 1955 schrecklich herunterkam.

Ständig hielt Eugen, dessen Ruhm als Feldherr ganz Europa erfüllte, was hinwiederum auch seine privaten Kassen nicht ganz leer bleiben ließ, seinen Verwalter an, noch diese Mauer aufzuziehen, diesen Weg anzulegen, diesen Teich einzufassen, diese Terrasse aufwendigst zu pflastern, und nicht nur das, selbst in der Nacht ließ er arbeiten, bei Fackellicht riesige Geländebewegungen durchführen. Tausende Arbeiter aus nah und fern, selbst aus der Slowakei über der March, wurden angeworben, und es schien immer noch Hände zu brauchen.

Kam es so auf die Zeit an? Aber nein ... Aber Eugen sagte es niemandem - denn er war ein bemerkenswerter Humanist. Und in jenen Jahren sah es wirtschaftlich nicht gut im Marchfeld aus. Mißernten und Unwetter hatten die Gegend verarmen lassen, und viele Menschen litten schlimmste Not. Mit seinen, schien es, großzügigen Arbeiten aber setzte er deutliche und vor allem lebensnotwendige wirtschaftliche Impulse, schuf er doch Brot für viele Menschen.

Eines Tages hatte der Prinz die Arbeiten wieder einmal begutachtet, da sah er, daß an einem Weg, an dem am Vortag noch tausendfünfhundert Arbeiter gewerkt hatten, nun nur noch fünfzig Männer arbeiteten. Er fragte den Verwalter, wo die Leute seien! Da sagte der, daß er die Arbeiter nicht mehr brauche, der Weg sei ja so gut wie fertig. Also habe er sie heimgeschickt.

Da wurde der Prinz zornig, und er blickte den Verwalter mit seinem gefürchteten Blick (das war der nämlich tatsächlich gewesen, wie berichtet wird: sein Habichtsgeschau war sogar der Grund, daß der französische König seinerzeit den 22jährigen Lieutenant nicht eingestellt hatte: er habe so komisch gestarrt, habe Ludwig XIV. angeblich gemeint) an, um ihn dann wütend zurechtzuweisen:

"Meint Er, ich brauche ihn? Meint Er, man brauche einen Menschen in der Welt? Wenn Er meint, Er dürfe die Menschen verhungern lassen, die man nicht braucht, so sage Er mir, wer Ihn und mich vor dem Verhungern schützen soll!"

Im Tod wird alles unabwendbar

"Gelingen ist immer ein Geheimnis - Scheitern hat immer Gründe." Was diesem Satz, der so wahr ist, zugrundeliegt, ist kein oberflächlicher, partyesker Psychologismus, sondern eine tiefe Grundwahrheit: Daß Scheitern (in seienr Ursache und in seineN Verursachern) aus dem Tod der schöpferischen Kraft stammt, wo der Mechanismus Oberhand gewinnt. Weshalb Psychologie, und schon gar die heute herrschende mechanistische Psychologie, die den Menschen als Produkt chemisch-physikalischer Prozesse sieht, mit dem Gipfel des (im wahrsten Sinne) geistlosen Mythos der Evolution, in dieser Phase sogar zu wahren Aussagen kommen kann.

Die Fragen, die Toynbee als Schlüsselfragen stellt, lassen sich also genau aus diesen Überlegungen heraus beantworten.

Ja, es gibt ihn nicht, den geschichtlichen Determinismus. Aber witzigerweise ... wird er genau dann als solcher manifest und ablesbar - sodaß man ihn zum Determinismus umdeuten könnte, ja fast muß - wo eine Kultur eben ihre schöpferische Kraft verloren hat, und zusammenbricht. Da wird plötzlich diese Gesamtbewegung (und Toynbee sieht wohl den Raum wie die historischen Belege für jeweilige Bewegungen, die exakt aus diesem Zusammenbruch heraus sich in schöpferischer Kraft formieren, aber es sind anfänglich zumindest Minderheiten) zu einer einem Fatum verdammt deckungsgleichen Lawine, die unausweichlich und hellen Augen absehbar an bestimmten Punkten landen wird.

"Es besteht," schreibt Toynbee, "ein Gegensatz zwischen der Mannigfaltigkeit des Wachstums und der Uniformität des Zerfall." Penelope's nächtliches Auftrennen des tagsüber gewebten vielfältigen Musters ist immer gleich monoton.

Der Mensch wird erst dann berechenbar und mechanistisch, wenn er das Menschsein nicht mehr anstrebt oder erreicht. Und es ist, wie bei alle Dingen, so daß das Wesen eines Dings an seinen höchsten Möglichkeiten verankert ist.

"In Lebensfluten, im Tatensturm
wall ich auf und ab, webe hin und her!
Geburt und Grab, Ein ewiges Meer,
ein wechselnd Weben, ein glühend Leben,
So schaff' ich am sausenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid
." (Goethe, Faust I)

Abtötung und Bußstrenge

Theresia von Avila lehnte einmal (freilich nicht nur diesmal: sie prüfte die Kandidatinnen später, als die Anfangsprobleme, wo sie auch über mangelnde Eintrittsbewerber klagte, sodaß sie auch Augen zudrücken müsse, sehr genau, auch auf rein körperliche Eignung - Behinderte z. B. wurden glatt zurückgewiesen: sie würden die Anforderungen nicht erfüllen können!) eine Kandidatin, die sich mit größtem Nachdruck um die Aufnahme in einen der Konvente der Unbeschuhten Karmeliterinnen (dem "Reformorden" der Theresia) bewarb, ab.

Die Begründung ist interessant: "... wüßte ich wahrlich nicht, wie ich es wagen könnte, sie aufzunehmen, weil ich der Ansicht bin, daß sie mehr auf äußere Bußstrenge als auf inneres Gebet und Abtötung sich verlegt." So schreibt sie in einem ihrer Briefe.

Sie trennt also zwischen Abtötung und Bußstrenge. Und wer ihre Schriften kennt weiß, wie konsequent und kompromißlos-total in ihrem Reformorden der Weg des völligen Sterbens für die Welt gemeint war, den sie ging, und von allen ihren Nonnen verlangte.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Nie wirklich gewußt

Henry Poincarè nimmt in "Wissenschaft und Hypothese" die Mathematik wie eine Zwiebel auseinander, seziert Schicht für Schicht, und zeigt so, daß von einer "festen" Mathematik (diesen Ruf hat sie ja) nichts mehr übrigbleibt - als "feste" Vereinbarung. Sodaß sich diese "härteste aller Wissenschaften" in bloße Philosophie und Metaphysik auflöst, zu einer rein deskriptiven Wissenschaft wird, einer Sprache, die "halbwegs" eine Art "alltägliche" Realität trifft - bis ihre Axiome, immer wieder, am Ende sind und versagen.

Es gibt sie nicht, die Voraussetzungslosigkeit der Wissenschaft - eines der Ergebnisse Poincaré's. Wissenschaftliche Redlichkeit kann nur bedeuten, wieder und wieder ihre Ergebnisse zu falsifizieren/verifizieren, stets bereit zu bleiben, das "Gewußte" aufzugeben, als zu begrenzt und untauglich.

Damit trifft er schon zu Anfang des 20. Jhds. jenen Punkt der akademischen Eliten, an dem sie ab der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu Tode erstickt ist: wo mit "Gewißheiten" operiert wird, weil Dinge so und so zu sein haben, so also eine diktatorische Festschreibung auf eine bestimmte Ideologie herrscht, die den Zugewinn an Wißbarem unweigerlich unterbindet.

Und zwar genau, weil die Grundlagen des Gedachten an sich unhinterfragt übernommen, zu Gewißheiten verdichtet, und damit zum Fundament konkret erworbenen Anwendungswissens wurde. Das wiederum, während alle Maßnahmen (durch Wirklichkeits-Excision) ergriffen sind, um im geschlossenen System zu beharren, scheinbare Verifizierung genau dieser unhinterfragten Basis bietet. Damit werden Akademiker zu simpel geschulten Vertretern von Meinungen - ohne das zu wissen.

Es ist also kein Zufall, daß weltweit "Exzellenz-"Institute, Eliteinstitute gegründet werden müssen, die die ursprüngliche Funktion von Universität - freie Forschung - neu beleben sollen.

Wer heutige Norm-Akademiker beschreiben will, hat es vor allem mit dem "Absolventenphänomen" zu tun: mit einer Form von Identität, die davon ausgeht, zu wissen, weil man absolviert hat. Wo Elite, die Kultur-Elite sein muß, reine Funktionselite, und damit Prototyp des Proletariats, wurde.

Verdienstlicher als früher


Von frühester Kindheit an, war in mir eine unbändige Leidenschaft, das in mir zerbrochene durch Rekonstruktion wiederherzustellen. Dort lag das Glück. Vielleicht war es Zufall, im Sinne einer von mir irrtümlichen Herstellung von Zusammenhängen, vielleicht aber auch nicht - daß die erste Erinnerung an dieses Daseinsgefühl mit dem Weggang, nein, dem Verlust des Vaters in eins fiel. Sodaß die Mutter, die die Kinder noch dazu existentiell an sich band, unbedingt, ja in Hörigkeit, bewußt sich schützend unter Schweigen, mit der Zerstörung identifiziert werden mußte. Man war also an die Kräfte der Zerstörung angewiesen ...

Selbst der rein physiologische Vererbungsprozeß selbst ist dafür Metapher, zeigt diese Tatsache: wenn sich die Doppelhelix der DNS spaltet, zweiteilt, gibt es immer Informationsverlust durch unvollkommene Teilung. Und daraus entstehen, im Prinzip, alle Krankheiten und Defekte.

Ich weiß mich mit diesem Lebensgefühl also nicht alleine, es ist das logische Lebensgefühl einer Kultur im Niedergang. Denn genau daran geht ja alles zugrunde, was sich erst aufbaut: weil es im Weitergeben der Kraft defizitär wird. Entsprechend werden in Zeiten des Niedergangs die Vorfahren verdammt, während im Aufbau die Tradition geehrt wird. (Auch hier also: völlig konträr zur Vorstellung des Fortschritts, wie ihn der Marxismus, die Aufklärung propagiert.)

Aber selbst, wenn ich Rudolf Borchardt lese, der genau dies einmal historisch identifiziert und sich zur lebendigen Alegorie weiß, wenn er schreibt: »... weil die Geschichte meines Lebens die Geschichte des Zusammenbruches der deutschen Überlieferung gewesen ist und des Versuchs eines Einzelnen, diese aus den Trümmern zu ergreifen und in sich herzustellen.« So liegt in dieser Verortung, in dieser Synchronizität der äußeren Vorgänge mit innerem Erleben, als auch von Früheren erlebt zwar Trost, aber gleichzeitig weiß ich, daß ich dieses Problem ganz neu und eigen lösen muß. Denn es stellt sich uns Nachgeborenen auf eine ganz andere Weise, als ihm. Die Rückschau auf Borchardt, als Beispiel, kann also nicht Sehnsucht nach dem Früheren sein, sondern Ehrfurcht davor, wie diese jene dieselben Erfahrungen und Lehren gelöst haben. Um im Heute mich zu besitzen, und damit zu leben, mein Leben zu besitzen, ohne von dumpfem Anklang getrieben zu sein.

Jede Generation hat das Maß des Schönen, das Richtmaß des Wahren und Guten, jeweils in unterschiedlichem Maß zurück liegen. Aber das ist das Wesen der Kindheit und Jugend, und es ist Bedingung unseres Daseins. Genauso falsch wie zu fordern, daß dieser Informationsverlust, dieser Traditionsbruch, endlich aufhöre, weil es hieße, die Erbschuld wegleugnen zu wollen, und das hieße Jesus Christus, Gott selbst, in seinem Heilswerk zum Dummkopf zu erklären, genauso falsch wäre es, zu resignieren.

Jede Generation hat ihr Ziel auch in etwa gleich großem Abstand zu sich - in dieser relativen Vergangenheit, ihm vorausgehend, und in der Kindheit, denn Leben heißt: jenes Kind erinnern, das alles in sich trug, was wir sein können und damit sollen. Ohne daß absoluter Gehalt sich gleichfalls relativiere. Aber unser Ziel hienieden ist eben nicht ein gewisser Kultur- und Zivilisationsstand, sondern ist qualitativer Natur, historisch bedingt aber die Gestalt.

Oder, wie Theresia von Avila es oft und oft schreibt: man könne sich freuen, wenn die Schwierigkeiten groß seien, weil dann die Möglichkeit zum Verdienst es gleichfalls sei. Und damit der mögliche Lohn in der Ewigkeit.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Ohne auf das Aussehen wert zu legen!


Was da wohl wieder dahintersteckt? Nun formieren sich in Italien Frauen, um gegen den "Sexismus" von Silvio Berlusconi mobil zu machen. Was ja wohl nur gegen seine Äußerungen gerichtet sein kann, die der Ministerpräsident - dem man nun ans Leder will, denn man hat aus allen Rohren geschossen, um zu erreichen, daß seine Immunität vor dem Gesetz (gilt die in Österreich nicht für JEDEN Parlamentarier, nicht nur für den Kanzler oder Präsidenten?) wieder aufgehoben wird - fast zum Programm erhoben hatte, der zumindest einer seiner effizientesten Sprüche in Wahlkämpfen war, und dessen Fazit da lautete:

Die Rechte hat die schönsten Frauen - kein Wunder, daß die Linke alle Wahlen verliert. Und nicht nur das, Berlusconi hat dies permanent bewiesen.

Nun regt sich also Protest. Er solle das nicht mehr ... was aber eigentlich? Sagen dürfen? Er soll ... kriterienlos ... denn nur kriterienlos ist gerecht? Oder wollen sie genau bei den Kriterien mitreden, und in den Jurys sitzen, die deren Erfüllung bewerten?

Das Ziel dieser Bewegung ist nicht so genau auszumachen, nicht wenn man den KURIER (Titelverlinkung), nicht wenn man andere Zeitungen studiert. Ja der KURIER meint in der Unterschrift zu unten eingefügtem Bild, daß sich manche Frau in Italien wünschte, Berlusconi würde sich öfter "die Hand vor den Mund halten". Hat er Mundgeruch am Morgen, für jede Bettgenossin ein Schock beim Aufwachen? Oder putzt er nie die Zähne? Und was hat das alles mit er kreuzseriösen Frau Bindi zu tun? Und mit "Sexismus"?

Denn dagegen richtet sich diese Kampagne, die nun gestartet, und mittlerweile von 45.000 (immerhin, von 45.000.000 Italienern) wohl nicht-rechten Unterstützern unterzeichnet wurde. Die ja nun, durch diesen bösen bösen Ministerpräsidenten, ja allesamt auch gleich als ... also als ... bei denen andere Werte mehr gelten, so einfach ist das!

Nun könnte man natürlich Silvio vorwerfen, daß er wenig charmant gewesen sei, manchmal, mit seinen Aussprüchen. Aber, bitte: erstens war das nur zu einem Teil der Frauen gesagt, zweitens war doch Wahlkampf, ja in Italien ist ja Dauerwahlkampf, und drittens hat er selbst, wie er erst jüngst in einer Fernsehdiskussion mit der Initiatorin des Begehrens bewies, noch ohnehin genug Sinn für Realitäten, um seine Äußerungen gar nie das sein zu lassen, was geifernde Mäulchen gerne daraus machten.

"Ich stelle fest: Sie sind schöner als intelligent," meinte Berlusconi.

Na bitte!

Darauf aber stichelte Frau Rosy Bindi (siehe obiges Photo): "Ich bin eine Frau, die nicht in ihrem Dienst steht!"

Pfuh, wenn Abfuhren schmerzen können ... Dabei: Als ob Berlusconi das behauptet hätte!? Wer sie sieht - der weiß doch, daß das niemals in Frage käme, oder? Viel zu seriös, das paßt doch nicht zu Berlusconi?!

Was sollte das also nun wieder heißen. Gar ein: noch nicht? Oder: ganz sicher überhaupt nie nicht? Oder war das gar ... kokett? Meinte es anderseits Berlusconi so, daß die Linke doch eh AUCH schöne Frauen habe, Frau Bindi sei doch der lebendige Beweis!?

Nein, er hat nie gelogen, wir wissen das. Berlusconi, immer charmant, bewies aber vielmehr nun, daß er (auch) auf ganz andere Qualitäten Wert legen könne, wenn er wollte, als gemeiniglich unterstellt, namentlich: Intelligenz! wie bei Frau Bindi!

Fühlte diese sich nun gerade von diesen neuen Kriterien angesprochen (die zu erfüllen sie nun sicher war) und wies Berlusconi deshalb so brüsk zurück?

Die Dame (angeblich ist sie auch Vorsitzende des Verbandes der Jungfrauenbewegungen Brindisi-sud, aber das kann auch nur ein Gerücht sein, das irgendeines dieser windigen Berlusconi-Medien in die Welt gestreut hat, um diese honorige Dame als unzeitgeistig weil moralisch hochstehend zu diskreditieren) mißverstand die Situation vielleicht aber einfach nur?

Oder doch nicht? Denn: davon, daß man dieses Argument von Frau Bindi, mit ein wenig Vorstellungsvermögen hinsichtlich ihrer Stimm- und Sprechlage unterlegt, als Mann, der die Frauen ein wenig versteht, ein wenig kennt, auch ganz anders deuten könnte!?

Aber: wir schweigen nun doch diskret, spekulieren nicht mehr weiter. Und wollen bestenfalls ein wenig Transskriptoren spielen, für alle, die enttäuscht sind, daß sie nicht ... also: daß sie nicht so leicht ... na: daß sie moralischer sind!

Gut, zugegeben, moralische Qualitäten bestimmten Zuschnitts waren bisher eher wenig gefragt. Bisher. Denn anderseits: er ist ein Mann, Italiener! Welcher Mann dieser Machtambitionen hat nicht - bitte, zum Beispiel die Herren auch des kreuzbraven Österreichischen Parlaments mögen es doch zugeben! - erotische Motive? Hans Blüher meinte überhaupt, daß Sexualität DAS Kriterium der staatenbildenden (Männer-)Macht sei!

Berlusconi's Amtszeit dauert nun offiziell fünf oder vier Jahre, oder auch weniger, man kennt ja Italien und seine Leidenschaften. Ich meine: bei Regierungsbildungen. Jeder Schauspieler, etc. etc., alle kennen das doch, die Antwort auf die Frage, warum man dort oben stehe, vor den Massen kreischender Jungfrauen und Maiden ...

Und genau in dieser Situation solle er hinkünftig gefälligst auf das Aussehen der Frauen keinen Wert mehr legen? Schluß mit dieser Privilegienwirtschaft, schreit da Frau Bindi, namens der ... Moral!? Oder meint man, weil ja die Linke so meint: mehr als eine, sondern alle also ... ? Wie soll denn das gehen? Rein technisch?! 25 Millionen Italienerinnen mit Recht auf ... Anerkennung Ihrer Intelligenz?

Hat deshalb auch die Schauspielerin Valeria Bruni-Tedeschi (Bilder 1 + 2) unterschrieben? Die - als Schwägerin des französischen Präsidenten - ihre Karriere, wie man in gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen munkelt, völlig unabhängig von ihrem Aussehen und ihren Beziehungen gemacht, und ansonsten wie die Jungfrau Maria nach der vierten Promotion an der Lateranuniversität gelebt hat? Und die jetzt, nach dreißig Jahren Nachtclubs und Sauforgien und täglich 40 Cartier-noir-filtrès - so sieht sie nämlich aus, wenn sie nicht ihre Stunde beim Visagisten verbrachte, wobei dazu kommt, daß für Frauen ab vierzig die Luft als Schauspieler sehr sehr dünn wird, noch mehr als für Männer - draufkommt, daß das alles verkehrt war, weil es doch nur auf die inneren Werte ankommt, auf die sie nun, mit vierzig, definitiv setzt?

Oder ist die neue Ära feministischer Zukunft wirklich schon eingebrochen? In der man es ja offenbar überhaupt in Europa, in der Welt einführen möchte, und schon längst gar eingeführt hat: Wer bei der Partnerwahl Wert auf das Aussehen seiner Partnerin legt, bei Nichtgefallen zurückweist, WEGEN des nicht gefallenden Aussehens, der sei wegen Verstoßes gegen das Sexismusgesetz, ferner Verstoßes gegen die Gleichbehandlungsrichtlinien der EU etc. etc., mit Strafe nicht unter 8 Jahren zu bestrafen, nackt, bei Wasser und Brot und täglich fünfzehn Rutenstreichen auf den nackten Popo?

Sollte da nicht eher den schönen Frauen verboten werden, hinkünftig rechte Männer zu begehren, weil die mehr Geld, mehr Schulden, mehr Fernsehsender, mehr ehemalige Glatzen, mehr Charismablinken in den Augen, und Ferrari in der Garage haben? (Ach so, das kommt erst in einem zweiten Schritt ...) Wo die Linke doch nur bei den Schulden mithalten kann? Oder soll Berlusconi hinkünftig den Frauen der Rechten keine Komplimente mehr machen? Soll er öffentlich verkünden: Wir haben nun die intelligenteren, und die anständigeren Frauen, wir, die Rechte, Ihr, die Linke, nur die rescheren Knackärsche und die feisteren Büslein? Wenn's aber doch nicht stimmt!

Würde vielleicht eine Einladung an Frau Bindi, in Anita-Ekberg-Bluse im offenen Masarati von Silvio, der elegant mit einer Hand chauffiert, mit der anderen die Brusthaare im Winde auf Mittelscheitel drapiert, durch die nächtlichen Straßen von Roma zu brausen, mit anschließendem Eisessen in einer der berühmten Gelaterias auf der Piazza Navona, NACH dem öffentlichen Bad in der Fontana di Trevi, würde das vielleicht alle Differenzen beilegen?

NEIN???

Povere Silvio, wie soll er sich da noch auskennen!? Wir tun es nicht.



***

Schlichte Hausmannskost

Am besten ißt man, was die Oma schon aß. Man kommt im wesentlichen mit einer Präferenz für Nahrungsmittel auf die Welt, und die meisten Gesundheitsprobleme, die mit Ernährung zu tun haben, fußen in Unverträglichkeiten und mangelnder individueller Disposition. Denn es gibt keine "gesunden" oder "ungesunden" Nahrungsmittel. Was einem bekommt hängt wesentlich davon ab, in welche Umwelt hinein man geboren ist. Und jede Empfehlung, wieviel man wovon zu essen hätte weil man es "wissenschaftlich bewiesen" benötige, könne nur Unsinn sein. Die allermeisten Probleme hingen schlicht mit den drei Faktoren Industrialisierung, Globalisierung und Migration zusammen.

Auf diesen simplen Nenner bringt der österreichische Ernährungswissenschafter Dr. Maximilian Ledochowski sein Fazit aus Jahrzehnten Lebensmittel- und Ernährungsforschung.

Ledochowski: Nahrungsmittel, die die Großmutter nicht gekannt hat, sollten sie meiden. Dann sollen sie Reformhäuser meiden. Denn: Je gesünder man ein Nahrungsmittel machen will, desto größer ist die Gefahr, dass Nebenwirkungen eintreten.

Das alte aristotelische Prinzip des "appetitus naturalis" aber gilt nach seiner Meinung auch nicht mehr. Zu verbildet, zu manipuliert ist der Mensch bereits. Insbesondere der Ersatz regional- und jahreszeitentypischer, traditioneller Ernährung durch standardisierte Industrieprodukte und willkürliche Ernährungsgewohnheiten - ein besonders folgenreiches Beispiel liefert der Zucker, der als Reaktion auf die Kubakrise vom Naturprodukt zu den heutigen Formen des Industrie- und Fruchtzuckers mutiert sei - wirkt sich fatal aus.

"Es wird zukünftig drei Typen von Menschen geben, mit jeweiligen Intoleranzen den anderen gegenüber: Kraftfood, Nestle und Danone-Typen." Die Nahrungsmittelindustrie ziele bewußt genau darauf ab, weil als Kleinkind, ja als Embryo (von Erbanlagen hier zu schweigen) über die Mutter zu sich genommene Nahrungsmittel die Prägung, die Toleranzen und die Unverträglichkeiten für das gesamte restliche Leben bewirken.

Der gesamte, interessante Artikel findet sich im Titellink.

Entfremdung der Zukunft

Im Vorwort zu einer von ihm (1903) neu herausgegebenen Sammlung von "Des Knaben Wunderhorn", schreibt Paul Ernst:

"Aber die Zunahme des Reichtums, der Macht und des Wohllebens haben große gefahren für ein Volk, und bei unseren gesellschaftlichen Zuständen heute zehren wir nur von der Kraft, welche unsere Vorfahren ausgespeichert haben, und erneuern oder vermehren sie nicht. Das land und die kleinen Städte haben für unser Leben viel an Bedeutung verloren, und übermäßigen Einfluß haben die Großstädte gewonnen; Handwerk und Bauerntum hält sich nicht mehr in der alten Weise, und die Bevölkerungsklassen entstehen: Das Industrieproletariat und die Bourgeoisie - dem fremden Wesen entsprechen fremde Namen. Die Lebensbedingungen dieser neuen Kassen sind ganz andere, als das Wunderhorn voraussetzt, und in diesen anderen Lebensbedingungen entwickelt sich ein neues Empfinden und Denken, dem früheren ganz fremd und unverwandt. Mit einem Wort, ein fremdes Volk wächst unter uns auf, selbst aus unseren Kindern, und gewinnt Einfluß und Macht, sein Wesen als deutsches Wesen durchzudrücken."

Und, nach einem Exkurs über Frankreich, als Musterbeispiel einer historisch nachvollziehbaren völligen Umwandlung eines Volkscharakters, weiter:

"Aber die jüngste Entwicklung unseres Volkes, welche die Schlauen und Zugreifenden, die Ängstlichen und Anpassungsfähigen, die Geschickten und Vielfältigen hebt und die Schweren und Stolzen, die Glücklichen und Frommen, die Feste und Einfältigen zum Sinken bringt, die wird nach Menschenaltern dasselbe Ziel erreicht haben [wie in Frankreich, Anm.]: Das Wesen unseres Volkes gänzlich zu wandeln."

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Und er ging direkt in die Seligkeit ein!


Das Beeindruckende, Läuternde der Schriften der Hl. Theresia von Avila, oder: vom Kreuz, wie sie sich nannte, ist gar nicht so sehr der theologische oder philosophische Inhalt, weit gefehlt.

Auch ein Interesse literarischer Art beschränkt sich auf die natürlich immer wieder vorzufindenden Einsprengsel von Erzähltem, aus dem man (auch) ein Zeitbild erhält. Aber das wird einem bald unwichtig.

Die Reinheit eine Seele ist es, die einen gefangennimmt. Man ist von ihrer jugendlich wirkenden "Stimme" so berührt, ja man hört sie mit der Zeit fast mit Ohren, erlebt lustvoll nahezu ihre stille, heitere, ja humorvoll-nüchterne Art, ihre Güte, versteht dabei - selbst gütig lächelnd - ihre uns oft so überzogen erscheinende Selbstkritik, die aber so fern ist von jener Koketterie, wo man den Hintergrund scheinbarer Demut nur aufzieht, um die Stimmen der Eitelkeit noch deutlicher zu hören. Man genießt mehr und mehr nur noch das Licht, von dem man einen Schimmer abbekommen möchte, weil es, in ihr, so anziehend vor einem steht, daß man versteht, was Edith Stein seinerzeit ausrief, als sie, Jüdin, bei der Lektüre begriff, daß sie zum Katholizismus zu konvertieren habe: "Ja, das ist die Wahrheit!" Soll heißen: Ja, da erfaßt man Gott, in diesen Schatten, die in seiner Heiligen vor einem stehen.

Nicht viel anders ergeht es einem auch selber, wenn man die etwa 1780 entstandenen Lebenserinnerungen Ulrich Bräker's aus dem Kanton St. Gallen liest: "Das Leben und die Abentheuer des Armen Mannes im Tockenburg"

Es wäre gleichgültig, ob Bräker von Flinten von 1756, wo er "versehentlich" zum Preußischen Heere requiriert worden war, oder von Maschinengewehren des 20. Jhds. berichtet. Es ist egal. Es wäre auch gleich, ob er als Bub Ziegen gehütet hätte, wie er es tat, oder zweihundert Jahre später was weiß ich was getan hätte. Es wäre egal! Worüber Bräker berichtet, was in seinem Buch sichtbar wird, ist zeitlos. Der Mensch, wie er ist, und er hat sich nicht einen Deut verändert. Dieselben Charakterzüge, dieselben Intrigen, dieselben Herzensqualitäten, dieselben Bosheiten und Niedertrachten, dieselbe Gier, dieselbe Güte, die jeder Leser ganz gewiß selbst erlebt hat, oder sich zumindest vorstellen kann.

Wikipedia schreibt, und man quittiert es kopfschüttelnd, daß seine Bedeutung darin läge, daß mit ihm ein Mann des Volkes aus jener Zeit zu Wort käme, und so wertvolles Zeugnis vom Leben der einfachen Leute ablegte. Pah! Um all das geht es doch nie! Und im übrigen - so wenige Lebenszeugnisse aus dieser Zeit gibt es gar nicht, da weiß man recht gut, wie die gelebt haben. Aber das interessiert doch bestenfalls verquerte Ideologenflachköpfe, die Bräker vielleicht gar noch zum "Klassensymbol" machen, dann noch vielleicht Historiker und Historiologen, weil solche Sachen kann man wissen und erfahren wollen, gut.

Aber das ist verglichen mit dem wirklichen Wert des Buches, mit der Wirklichkeit dieser Autobiographie des "Armen Mannes aus dem Tockenburg" lächerliches Beiwerk, dient bestenfalls einer aber vollständigen Relativierung dessen, worauf wir heute "stolz" sind, von dem wir glauben, es hätte uns "weiter" gebracht. In Wahrheit kann man, gerade auch nach solcher Lektüre, nachgerade NICHTS finden, wo wir Heutigen "weiter" wären - ganz, ganz zum Gegenteil!

Dabei findet sich alles, vom Humor, vom Berührenden der Schilderungen des so eifachen Lebens, man leidet mit, wenn er die seelischen wie äußeren Kämpfe des Vaters mit den quälenden Schulden (ihm selber geht es dann nicht viel anders) beschreibt, man ist zutiefst vom zarten Finger der Poesie berührt, wenn er sein Geißenhüten beschreibt, und selbst Erotik, in der besten Art, findet sich. Weil eben alles zum Leben gehört, das Gute, das Schöne, im Kampf gegen das Häßliche, der Tod, die Geburt, Krankheit und Leid, Elend und Wohlstand - und alles nimmt der Mensch aus der Hand Gottes an, oder er flieht es, schafft so gut er kann, im Vertrauen auf den Segen, oder wehrt sich sinnlos, und scheidet im Unfrieden.

Und in welcher schlichten Sprache er schreibt - nie würde man diese Sprache als "primitiv" denunziert wissen wollen, nie ist sie banal oder platt, so einfach der Satzbau auch ist! Es ist eine wesentliche Sprache, als wäre jeder Satz aus einer zutiefst eigenen Quelle erflossen, und hundertmal geläutert und gereinigt und im Feuer geschmiedet. Kein Dialekt, keine stilisierte oder gar manieristische Hochsprache, und selbst heute wirkt sie keinen Moment "aus dem Barock", schon gar nicht euphuistisch (wie Nadler die barocke, nahezu sinnlose Überüppigkeit nennt) - sie wirkt auch heute genau so, weil sie einfach ECHT ist. Nie gestohlen, sondern durchdrungen von eigenem Lebenssaft, ergriffen, in Besitz genommen.

Ein einfacher Bauerssohn aus dem Schweizerischen Tockenburgischen Tal, aus ärmlichsten Verhältnissen stammend, der sich ohne jede höhere, ja ohne jedwede Bildung, sieht man von simplen Grundtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) ab, hat Bräker sich das Wesentliche des Dichters völlig alleine erarbeitet. Und nie hätte er für andere geschrieben, so rührend und psychologisch klug er von seinen gelegentlichen Anwandlungen zum "Prediger" berichtet, mit denen er seine unzufriedenstellende eheliche Situation garnierte. Aus eigenem Erleben stammt das, was er über das Schreiben, die Dichtung, die Poesie, das leben sagt, und es steht in einer Reihe mit dem, was ein so stupend gebildeter Hofmannsthal, ein ja kaum zu überbietender Borchardt, ein tief echter Doderer, oder ein künstlerisches Genie wie George sagt.

Nicht einmal Romantiker ist er, für den "Kunst" oder gar "Kunstgeschwätz" zur Lebensflucht dahingehend wird, als es dem schlichten, harten, aber auch so erfüllten Leben der damaligen Zeit, angesteckt wird wie ein Hochzeitssträußchen - so zu tun, wie man tut, wenn man zu tun meint, das hat Ulrich Bräker nicht notwendig, ja das widert ihn an. So wie es Jung Stilling anwiderte, der auch etwas zu der Zeit seine Lebenserinnerungen schrieb, aber wie anders, nur gleich in dieser Suche der Echtheit, mit der er dann später Goethe, ja den ganzen Sturm und Drang, die Frühromantik, genau davon heilte. Und den Bräker kannte, der freilich eines so gerne tat: lesen, und dann und wann selber sich was fortschreiben, freilich voller Gewissensbisse, weil er halt gar so untauglich fürs Leben war, und alles falsch machte, weil halt alles mißlang.

Aber das alles ist keineswegs jene Schulung gewesen, wie sie eben ein Stilling oder Goethe hatte, der dann später, so wie so viele, vor dem einfachen Schweizer regelrecht kniete. Bräker hat nur über eines sich entwickelt: über seine Sehnsucht nach einer reinen Seele. Und er zeigt damit, woraus wirkliche Poesie entsteht, nein, geborgen wird: dazu muß man rein sein, um sie ganz der Welt ablauschen zu können. Sie ist damit wie jede Kunst eine Frage der Herzensbildung. Sie ist eine Frage der Freiheit, und der Liebe. Dies waren auch seine Ziele, und die hat er mit größter Wahrhaftigkeit verfolgt. Mit einem unbändigen Willen zur Wahrheit, der Energie zu einer "gnadenlosen" und realistischen Beleuchtung (Theresia nennt einmal das Leben im Lichte Gottes gnadenlos, und sie meint es genau so wie Bräker!) seiner Seelenregungen und Gedanken, mit einem schwer errungenen, aber im Alter dann so sicher gewordenen Gespür für innere Prozesse, wenn alles abgelegt ist, wo man sich doch ständig zu täuschen versucht! Es war die Zeit nie für ein großes Lebenswerk, vom Umfang her. Aber von der Güte - da hat er es erreicht.

Voller Demut war er, voller Bereitschaft, alles anzunehmen, was aus Gottes Hand kommen mag, allem Ringen darum, weil er weiß, weil er dieses vielleicht überhaupt erst Religion begründende, ausmachende Ahnen hat, daß ein Gott nur dann sei, wenn er über alles nicht nur herrsche, sondern daß Glückseligkeit direkt damit zu tun hat, daß man den Gesetzen des Natürlichen, 'Geschaffenen (als Ausdruck Gottes Willens) schlicht zu gehorchen hat.

Es klingt wie so vieles was Theresia schreibt, und auch sie nimmt ja nur auf, was alte Überlieferung ist, eigentlich: Menschheitsgedanke.

Und wirklich - am Ende dieses Weges der Läuterung, der Selbstabtötung, die Theresie es nennt, der Bräker zu einer Seelenreinheit bringt, von der die Schrift nicht nur berichtet, sondern aus der heraus sie immer wieder erschüttert, liegt etwas, das dem, was einen anweht, wenn man vor allem die Briefe der Hl. Theresia liest, völlig deckungsgleich ist.

Dabei war Bräker Protestant! Aber das war ja damals noch weit weniger trennbar vom Katholischen, nämlich wirklich getrennt, wie es heute ist - eine Frucht (Toynbee meint sogar: des Verfalls!) des späten 19. Jahrhunderts vor allem, und nicht ohne Mitschuld der Katholischen Kirche. Leibniz baute ja nur wenige Jahrzehnte vor Bräkers Geburt 1735 seine ehrlichen leidenschaftlichen Bemühungen um Reunion genau darauf auf. (auch er ein Protestant, den der katholische Papst sogar zum Kardinal machte!)

Theresia von Avila, die rund 200 Jahre vor Bräker, der 1798 starb, gelebt hat, hat den einen oder anderen Hinscheid eines Freundes, Verwandten oder Kollegen in ihren Schriften manchmal so kommentiert, und sie tat es nie zum leeren Trost: "Ich bin mir sicher, daß er ohne Fegefeuer gleich in die Anschauung Gottes gekommen ist," wenn sie es nicht visionär auch sah. Dieser Satz aber drängt sich auf, liest man dann vor allem die letzten, resumierenden Seiten aus Ulrich Bräkers Lebensbeschreibung, die so voller Weisheit und Licht sind. Sich zu einer Reinheit und Helligkeit erheben, die den Leser zu einem besseren Menschen macht, und ihn Tränen über die Dunkelheit, die in so oft umgibt, vergießen läßt.

Ja, es kann nicht anders sein: er ging direkt ein, in die Seligkeit, in die Quelle aller Poesie und Schönheit, in das Reich Gottes. Er war schon zu Lebzeiten durchsichtig geworden wie die Luft des Hochgebirgs, für das Dahinter.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Das seltsame Bündnis ist nicht seltsam

Es scheint noch folgerichtiger und logischer, als man es argumentativ zergliedern könnte: die Phänomene selbst fügen sich einfach viel deutlicher, die Gedanken kommen nicht immer hinterher, nicht in die letzten Winkel. Die poetische Betrachtungsweise ist daher weiterführender, als es jede intellektuelle Analyse je vermöchte.

Und aus dieser Betrachtung ist die Nähe von "Rechter" und "Islam" frappierend! Die stille wie offene Invasion Europas durch den Islam, als Wahrer "traditioneller Werte des Abendlandes", vor dem Hintergrund, daß der Islam selbst eine völlig unschöpferische, tote, technizistische Verhaltensmaxime ist. (Alles das noch eher, denn eine blutvolle, schöpferische, lebendige Religion - nicht zufällig sind die noch am spirituellsten einzuschätzenden Bewegungen des Islam ... pantheistische Selbsterlösungstechniken und Stoizismen)

Genau hier fügt er sich wie die Faust aufs Auge zu allen Faschismen, die auch der Linken ja zugrundeliegen (die nur auf der phänomenologischen Ebene diametral zur Rechten liegt, nicht in der prinzipiellen)

Das wird die faktische Mischung sein, die sich anschickt, Europa zu übernehmen. Die Rechte muß nur noch warten, und die Linke tut ja überaschenderweise auch nichts anderes ("Multikulti"!), ja exakt dasselbe, bis einerseits "ihre", anderseits diese Bevölkerungsgruppe auch die reale Macht in der Hand hat. Was durch demographische Entwicklungen bereits unumkehrbar am Weg zur Realisierung ist.

Das Voranschreiten des Islam aber geht völlig im Gleichschritt mit der Bereitschaft der Wähler, moralistische Vertreter zu wählen. Und diese gemeinsame Basis wird Europa auch - ganz woanders, als viele heute glauben - zu einer Macht einen.

Vorhergesagter Totalitarismus

Die prophetische Weitsicht, die Dr. Edwyn Bevan, etwa 1930 in einem Brief an Arnold Toynbee, bewies, ist so beeindruckend, daß ich seine Aussagen ohne Kürzungen bringe. Bevan nimmt auf beeindruckende Weise in Grundzügen vorweg, was ... HEUTE in voller Gestalt zu beobachten und zu erwarten ist, und die Kontinuität der Gegenwart im Strom der Geschichte beweist. Natürlich sage ich dies vor dem Hintergrund der Tatsache, daß mich aus nahezu den fast deckungsgleichen Analysenresultaten heraus die Gedanken für Europa zu nahezu exakt gleichen Schlüssen geführt habe: auch für mich ist eine absehbar recht nahe Zukunft unweigerlich eine Zukunft (aus heutiger Sicht:) "rechter" Despotie. Und zwar als logische, aber schauderbare Notreaktion aufgrund der erfolgreichen Zerstörungsarbeit der Linken. Da hat Hegel völlig richtig das dialektische Wesen vieler Geschichtsprozesse durchschaut.

Gleichzeitig - drum der volle Text - zeigt Bevan aber auch eine Perspektive auf (und das ist der entscheidende Punkt, auch u. a. gegen Hegel, oder Fatalisten wie Spengler) ... und das ist der eigentlich entscheidende Punkt. Denn das (längst nahezu verschwundene) katholische Christentum ist die einzige Kraft, die Geschichte, die in Unfreiheit erstarrt, real zu durchbrechen und damit zu erneuern vermag. Aber nicht ... ohne das Blut des Martyriums. Denn der Irrtum der "Rechten" ist haargenau derselbe, wie der der Linken, wenn auch verständlicher: sie wird mit Technizismus antworten. (Das ist ja das, was man Faschismus nennt, dem der Zweck alle Mittel heiligt. Der aber genau an den untauglichen Mitteln - contradictionem in acjectione - scheitern muß. Weil alles dem Sein gemäß handelt - und nicht Ergebnis eines Prozesses, sondern einer Seinsverwandlung ist.)

"Ich meine nicht, daß die Gefahr, die vor uns steht, die Anarchie ist, sondern der Despotismus, der Verlust der geistigen Freiheit, der totalitäre Staat, vielleicht ein universaler totalitärer Weltstaat. Als eine Folge des Kampfes zwischen Nationen oder Klassen mag es örtliche und zeitweilige Anarchie geben, eine vorübergehende Phase. Anarchie [Anm.: längst haben wir es heute mit reinen Gewaltverhältnissen zu tun, das also, was Anarchie ist - da braucht es nicht einmal die Rachephilosophien amerikanischer Action-Schinken zum Beleg] ist von Natur schwach, und in einer anarchischen Welt könnte ein festorganisierte Gruppe mit rationaler Organisation und wissenschaftlicher Kenntnis ihre Herrschaft über den Rest ausbreiten. [Anm.: Man braucht nur die Vorgänge um Wahlen, Einfluß, Lobbyismus, Öffentlichkeitsarbeit als Wesen der Presse, usw. betrachten, um diese Prophezeiung erfüllt zu sehen, um zu begreifen, daß wir einen Streit ganz anderer als demokratischer Kräfte um die alleinige Macht haben. Und längst sieht sich die jeweils herrschende Macht ohne jeden Skrupel berechtigt, das Wertegefüge der Menschen durch "Erziehung" ihren Vorstellungen gemäß zu verändern; man denke nur an "Gender", "political correctness" ...]

Und die Welt würde den despotischen Staat als Alternative zur Anarchie bewillkommnen. [Anm.: Nachdem offizieller Geist, Gedankenwelt, herrschende Meinungsressentiments, immer weiter zur realen Weltwahrnehmung der Menschen auseinanderklafft, wird dieses Begehren sich irrational äußern, nicht unähnlich wie es 1933ff geschah]

Dann könnte die Welt in eine Periode geistiger "Versteinerung" eintreten, in eine schreckliche Ordnung, die für die höheren Betätigungen des menschlichen Geistes der Tod wäre. [Anm.: Selbst in "Kunstbereichen" herrscht heute längst das Primat des Nutzens, der Techniken (auch individueller Weltzugänge], der ideologischen Veränderungsphantasien, hat die Poesie schon heute weitgehend verdrängt]

Die Versteinerung des Römischen Reiches und die Versteinerung Chinas [Anm.: Auf den Niedergang einer Kultur muß nicht zwangsläufig deren völliger Zerfall folgen, sondern sie kann sich offenbar - Rom, China, v. a. Ägypten sind Beispiele dafür - noch sehr lange, und seien es 2000 Jahre wie bei Ägypten, 1000 bei China, in Versteinerung aufrechthalten] würden weniger starr erscheinen, wie die herrschende Gruppe viel größere wissenschaftliche Machtmittel hätte. (Kennen Sie Macaulays Essay on "History"? Er argumentiert, daß die barbarischen Invasionen auf die Länge gesehen ein Segen waren, weil sie die Verseinerung durchbrachen. "Es kostet Europa tausend Jahre Barbarismus, dem Schicksal Chinas zu entgehen."

Es gäbe keine barbarischen Rassen, um einen zukünftigen totalitären Weltstaat zu zerbrechen.) [Anm.: Die Vereinheitlichung der technizistischen Lebensform heute, die ja eine Folge des inneren Auseinanderfallens unserer Kultur ist, macht diese Äußerungen zu einer regelrechten Elegie: denn tatsächlich gibt es heute gar kein Barbarentum mehr, sondern es ist abgelöst von proletarisiertem Banausentum.]

Es scheint mir möglich, daß in solch einem totalitären Staat naturwissenschaftliche Forschung mit kontinuierlichen neuen Entdeckungen weitergehen könnte, während Poesie und Philosophie darniederlägen. Für die gsriechische Naturwissenschaft war das Ptolemäerreich keine unkongeniale Umwelt, und ich meine, daß, allgemein gesprochen, die Naturwissenschaft unter einem Despotismus blühen könnte. Es liegt im Interesse der herrschenden Gruppe, das zu ermutigen, was ihre Machtmittel anwachsen lassen könnte. Das, nicht Anarchie, ist für mich der Nachtmahr, wenn wir keinen Weg finden, um unseren gegenwärtigen Bruderkrieg zu beenden.

Aber es g i b t da die christliche Kirche, ein Faktor, mit dem zu rechnen ist. Sie kann sich in dem zukünftigen Weltstaat des Martyriums zu unterziehen haben, aber sie könnte auch wiederum, wie sei den römischen Weltstaat am Ende dazu trieb, sic jedenfalls formell Christus zu unterwerfen, auf dem Wege des Martyriums den wissenschaftlich-rationalistischen Weltstaat der Zukunft erobern." (Dr. Edwyn Bevan)

Samstag, 3. Oktober 2009

Von Formlosigkeit zur Form


Was die Auseinandersetzung mit den Werken Hans Blüher's, die in der ersten Hälfte des 20. Jhds. großen Einfluß hatten auf die (weitere) Rezeption der Homosexualität (Stichwort: Wandervogelbewegung) als "normale menschliche Veranlagung", so mühsam macht ist die fast postularische Verwendung des Wortes "Anlage" auf "Vorgefundenes". Damit stimmt der Grundansatz bereits nicht, wohingegen so manche seiner späteren Gedanken sehr originell, ja inspirierend sind, weshalb man denn doch an der Lektüre bleibt. Aber es gibt eine "Vorgefundenes", das als "Anlage" nach positiver Form sucht und drängt (die fehlzuleiten Neurosen bildet, etc.), und es gibt Zustände, in denen nicht ausreichend Geformtes verbleibt, und die später auch "Scheinformen" annehmen können.

Fremd ist Blüher nämlich der Ansatz, daß das Heranwachsen des Menschen nicht nur generell ein Weg vom Ungeformten, Potentiellen zur Form IST, sondern daß es es eben Scheinformen geben kann. Denn man kann eben nicht von Formbeliebigkeit beim Menschen (oder: seiner Sexualität) sprechen, weil es Grundkräfte gibt, die ihre "gesunde" Form aus der Kultur, aus dem wechselweisen Spiel mit den umgebenden Kräften und Wirkungen beziehen und herausschälen.

Wobei Blüher noch hellsichtig genug den Begriff "Trieb" zwar in manchen Bereichen differenziert, aber hinwiederum (nicht zufällig fand er weitgehende Übereinstimmung mit Freud) zuwenig Wirklichung, Geglücktheit mit Formvollzug verknüpft, bzw. dessen "wirkliche Wirklichkeit" (als geistige Kraft nämlich!) völlig unterschätzt und außer Belang läßt. Denn hinter dem Sexualtrieb steckt erneut ein noch größerer "Trieb", als Antrieb, als Wille zur Welt und Form. Dort ist das "Sublimationsgeheimnis" zu suchen, nicht in Verdrängungs- und Unterdrückungskraft. Diese werden erst im Oszillieren der Formkraft (Persönlichkeit, Identität) schlagend, gewisermaßen "Stützen" des obersten Vermögens und Wollens. Und hierin ist die sittliche Aufgabe tatsächlich allen gleich, weil sie immer in einem absoluten Würdebegriff mündet.

Nicht alles also, was sich herausbildet, ist also gesunde Form, als Form, die geglücktes Leben bedeutet! Vielmehr passiert die Formwerdung in dem Spannungsfeld persönlicher Freiheit (als Selbstbestimmung in einer Form, deren prinzipielle Kräfte sich in eine Zeit hinein ihr modifiziertes Kleid suchen) und Annahme von traditionsbestimmten Archetypen (als Teil des Gesamtpuzzles der Gesellschaft, in der man sich jeweils bewegt.)

Sohin ist auch nicht einfach, wie Blüher es tut, die Neurosenbildung des Invertierten (Blüher's sehr gute begriffliche Definition des Charakters der Homosexualität) auf seine Unterdrückungsmechanismen angesichts einer ablehnenden Umwelt abzuführen, und dabei zu werten, bzw. zu relativieren. (Schon gar nicht angesichts des ohnehin viel zu kurz greifenden Erklärungsinstrumentariums Freuds.) Das ist schlicht: zu leicht gemacht. Die "Statik" der Identitätsfaktoren der umgebenden Sozialfelder kann zwar Beschränkendes, Neurosenbildendes enthalten, gewiß, aber Erwachsenwerden, Formwerden heißt eben auch, diese Fessel insoweit zu durchstoßen, als der Einzelne die Freiheit erreicht, zu wählen, und zur Individualität hin (wie es ja immer notwendig ist) zu durchbrechen - durch Aneignung, und individuelle Prägung zur Neuschöpfung (statt der toten Imitation) zu kommen. Ein Vorgang, der mit dem Älterwerden mehr und mehr umfassend wird. (Es ist also sogar notwendig und natürlich, als junger Mensch Formen noch zu "imitieren", die man erst nach und nach "individualisiert", sich wirklich dann aneignet.)

Kulturelle Prägung ist für den Menschen Teil seiner Natur, und als Teil seiner Formwerdung unumgänglich. Sich dagegen prinzipiell zu sträuben ist an sich bereits (ich sehe das sehr deutlich bei der Lektüre von Kate Millett's "Sexus und Herrschaft") ein neurotisches Symptom, das anzeigt, daß innere Formwerdungsvorgänge bereits pathologisch, gelähmt und damit nicht mehr aufnahmefähig für Form (die eine Spannungstoleranz verlangt) generell sind. (Millett ist/war lesbisch.) Oder, wie der deutsche Psychoanalytiker Erwin Möde es einmal ausdrückt: Psychische Heilung bedeutet, Bereitwerdung für die Annahme der Offenbarung (als konstitutives Lebenselement.)

Insofern verwendet Blüher (und so viele andere) den Begriff Neurose in Zusammenhang mit der Invertiertheit/Homosexualität eigentlich falsch. Denn nicht die Homosexualität IST die Neurose. Sondern bestimmte Neurosenbildungen führen zu einer Nichtausbildung einer geformten (das heißt immer: geschlechtsspezifischen, "entlang der Funktionslinie" = natürlich sich betätigenden) Sexualität an sich!

Aber einfach falsch ist, aus der Ungeformtheit eine potentielle homosexuelle Form "für alle" zu attestieren. "Androgynie" ist sohin kein "positiver" (ohne Bezug in moralischem Sinne) Persönlichkeitszustand, der sich "zufällig" zur Hetero-, oder Homosexualität, mit gleichwertigem Glückspotential, entwickelt. Ist also nicht die Summe zweiter gleichwertiger Veranlagungen. Sondern der "Pool", aus dem sich die eine einzige Anlage noch nicht entwickelt hat. Schon gar nicht ist Glücksgefühl ein verläßlicher Parameter, schon gar nicht bei homosexuellen Paaren. (Deren Befindlichkeit man im Durchschnitt ja eher als eindeutiges Indiz für die Homosexualität als Schrecken gewertet werden müßte, aber das zuzugeben, da ist es noch weit, und derzeit, in dem Zustand der heterosexuellen Paare, auch kaum mehr wirklich in diesen Hinsichten überzeugend ...) Denn alleine, wenn man die Sexualität ausklammert, bleiben zwischen Männern mögliche Gemeinsamkeiten und Lebenszufriedenheiten, die man sehr leicht als partnerschaftliche Disposition mißdeuten könnte - gerade WENN man Sexualität nicht als so ausschlaggebend sieht.

Das Gesagte erklärt aber auch, daß - je nach Stärke der Persönlichkeitsmaske, die durchaus schwankt - Homosexualität (wie auch Blüher es nennt) "Latenz" hat! Denn im Zurücksinken der Form, sinkt der Einzelne natürlich wieder, mehr oder weniger, in diese "Androgynie" zurück. Die aber, wie gesagt, keine Form an sich ist, sondern eben Formlosigkeit. So sind auch eine Reihe weiterer Phänomene zu verstehen, wie das Auftauchen von Homosexualität, die "immer da war, aber unterdrückt wurde", bei schon länger Verheirateten - wo die Ehe eben diese Formungskraft nicht entwickeln konnte. Und darauf baut auch die (gewiß zu leichtfertig verwendete) Formel der "Heilbarkeit" der Homosexualität auf.

Ebenso, wie der Befund, der Homosexualität als "Form" "vererbt" (ein Widerspruch in sich!) diagnostiziert, oder (wieder wie Blüher) eine Grundveranlagung bei "jedem" feststellen zu müssen meint) ganz anders verstehbar wird: weil diese Ungeformtheit eben tatsächlich jeden (im Kindheitsstadium) betrifft, er sich aus dieser in die Form zu erheben hat. Und dies seelische Kräfte verlangt (wie aufbaut), die tatsächlich neuerlich auf vererbte Tugendfähigkeit zurückgreift: denn auch das wird vererbt: die Kraft, Form zu tragen, oder: seelische Trägheit (eine mitochondriale Resultante, weiblich.)

(Übrigens: in einem weiteren Sinn ist JEDE Indifferenz, also auch der heute so häufige Synkretismus, als Unterabteilung des seinsfürchtenden Gleichheitswahnes, in solcher ungeformter und immanenter Charakterdisposition gegründet. Die anderseits nicht "der Gegner an sich" sein kann, weil die menschliche Dasein ein permanentes Ungeformtsein, also immer nur ein graduelles Formsein, bedeutet. Der Umgang damit muß anders stattfinden, grob: er geht nur über das Kreuz, nur über das Spiel. Die Sprache kennt nicht zufällig Begriffe wie "In Form sein", oder auch "In Stimmung - also: Handlungsbereitschaft - bringen".)

Freitag, 2. Oktober 2009

Zufall oder Menetekel?

Christa Meves, eine (zumindest über ihre zahlreichen Publikationen) sehr bekannte Jugend- und Kinderpsychologin, und in vielem (wenn auch in vielem mit recht "platonisch - protestantischem" Ansatz; sie ist zum Katholizismus konvertiert, mit aller Sturm- und Drangneigung, die Konvertiten kennzeichnet, und das ist keineswegs nur negativ gemeint) treffliche Analystin der Zeit, schreibt in dem im Titel verlinkten Artikel, wieweit nicht die sich immer wieder ereignenden Amokläufe von Jugendlichen Auffälligkeiten und Parallelen zeigten, die auf bisher noch kaum raisonnierte Ursachenverknüpfungen hinwiesen.

Meves stellt, zusammengefaßt, als fahrlässigen Mangel fest, daß noch kaum jemand die Frage gestellt hat, warum es vorwiegend Jungen, warum vorwiegend Schulen, und warum vorwiegend Frauen und Mädchen die Opfer, gewesen waren.

Um dann den Schluß zu ziehen, daß doch naheliegt Zusammenhänge zu sehen, die zumindest zu untersuchen wert sein müßten. Für das geringe Selbstwertgefühl, für den monierten Mangel an Anerkennung und Annahme, der im Grunde allen diesen Wahnsinnstaten zugrunde liegt, sei die Schule nämlich wenigstens mit verantwortlich. Denn es sei eine längst bekannte, aber bei weitem zuwenig beachtete Tatsache, daß nach und nach das Schulsystem mädchenkonformer, aber zunehmend jungenfeindlicher wurde. Mittlerweile - durch vielerlei Erfahrungen und Beobachtungen sowie den unerläßlichen "Studien" unterstützt - müsse man doch weitgehend schon von einem Schulsystem sprechen, in dem Jungen völlig unter die Räder kommen. Bis hinein in persönliche Wertvorstellungen, sei das "Junge-Sein" verpönt und zu unterdrücken. Dazu komme das Erleben eines Scheiterns angesichts von Anforderungen, die eben immer weniger das spezifische Jungen-Sein berücksichtigten, sondern Mädchen eindeutig bevorzugten. Und das gerade in einer so entscheidenden Phase der Identitätsbildung.

Es gibt, als Hinzufügung, ja längst die Daten, die besagen, daß das Versagen von Jungen im derzeitigen Schulsystem alarmierend (schon gar verglichen mit dem von Mädchen) zunehme. Der Prozentsatz von Jungen an Schulabbrechern und -versagern sei unvergleichlich höher als der von Mädchen. Insbesonders die mittlerweile fast schon ausschließliche, aus ideologischen Gründen (Gleichmacherei, die ja dann doch keine mehr ist, weil ja gar keine sein kann) dogmatisierte Praxis von gemischt-geschlechtlichen Schulen sei also zu hinterfragen. (Die, im übrigen, auch eine der gesellschaftspolitischen Amokläufe der Sozialisten aus den 1970er Jahren ist, Anm.)

Es ist ja ein Faktum, daß gemischte Schulen spezifisches Rollenverhalten einerseits, anderseits Mechanismen gesellschaftlich geforderten (moralischen) Verhaltens in einem Stadium fordern und implementieren, wo man nicht nur meinen könnte, es sei zu früh, sondern auch weil so ausgebaute soziale Mechanismen auf das Lernverhalten einen gar nicht erwünschten Einfluß hätten. Weshalb über lange Perioden der Geschichte "gemischte Schulen" meist nur den "unteren Schichten", der Grundschule, vorbehalten blieben - weil dort Bildung weniger Rolle spielte, dafür eine Prägung auf "einfachere Lebensaufgaben" sinnvoller war.

(Mädchen verhalten sich, wie man weiß, in gemischen Schulen viel mehr wie auch früher typischer weiblich, und eher defensiv, Jungen hingegen, oft genug lernerfolgschädigend, dominant.)

Eingeschlechtliche Schulen hingegen bringen (und genau das ist wohl auch der Grund, warum sie linken Ideologen unerwünscht sind) das jeweils geschlechtsspezifische erst zu einer gewissen stabilen Reife, sodaß es auch im Zueinander der Geschlechter, später, einen ganz anderen, gefestigteren, ja in gewisser Hinsicht überhaupt erst zu einem geschlechtlichen Zugang ausbilden kann. Sie führt aber natürlich zu einem weit ausgeprägteren "Frausein/Mannsein"! (Nur wirkliche Frauen und Männer können sich als jeweilige Ergänzung begegnen.)

Wenn man so will: das geschlechtliche Zueinander hat seinen gedeihlichen Zeitpunkt erst in einem gewissen Reifestadium, weil es erst ab dort ein solches ist. Sonst führt es zu einer Indifferenz, die wiederum Identitätsprobleme (auch in der geschlechtlichen Orientierung) nach sich zieht. Und diese wiederum ... bringen automatisch (weil nicht geliebt werden kann, was nicht existent ist, und existentes Liebesobjekt ist, was erkennbar ist) Defizite in der Anerkennung! (Und diese wiederum ... zu frühes Anreizverhalten, um das Selbstsein auszuloten.) Anderseits führt gemischtgeschlechtliche Pubertätsprägung (in der Ausprägung und gesellschaftlichen Rolle der Schule) zu einer viel zu frühen, deshalb auch in hohem Maß beeinflußten weil notwendig imitierten bzw. angeleiteten Ausformung von Entsprechungs-Verhalten! (Weshalb ja gesellschaftspolitische Utopien, wie "freie Sexualität", gerade in diesem Alter dramatische, neurotisierende Folgewirkungen haben, und keineswegs ist Freiheit, mangels Wahlreife aufgrund aufgebrochener, einseitig belastet deformierter Integrität, enthalten.)

Mit anderen Worten: die gemischtgeschlechtliche Schule, speziell in der Phase der Pubertät, trägt die Erfahrung mangelnder Geliebtheit und Anerkennung im Gepäck, schon überhaupt, wenn sie auf ein Geschlecht "eher" zugeschnitten ist - was natürlich für "frühere Verhältnisse", wo die Berufsorienteirung für den Mann eher denn für die Frau als Zielvorstellung galt, genauso gültig ist. NUR braucht es auch einmal den Mut zu sagen, daß eine gleichwertige Ausbildung beruflicher "Skills" für Frauen gar nicht sinnvoll ist, weil sie als Folge einen demographischen Einbruch, aber auch für die Frau das sehr hohe Risiko völliger Selbstverfehlung auch Entsagung fundamentaler fraulicher Selbstwirklichung - im Muttersein - nach sich zieht. Sprich: wir haben die Frauen in die Erwerbsarbeit gezwungen, wie Verrückte, die noch einmal Vollgas geben, weil der Tank ohnehin bald leer ist.

Daß sich die Wut der jugendlichen Amokläufer so signifikant "coram publico - Schule", und noch dazu: vorwiegend an Mädchen und Frauen, austobe, sei also anzunehmend weit mehr als "Zufall" einer allgemeinen Sozialisation. Sondern zu untersuchender, weil anzunehmen verborgener Hinweis auf Zusammenhänge, die aus ideologischen Gründen unter den Tisch fallen gelassen werden. Weil sie einer Utopie weitgehenden Korrekturbedarf attestieren, die selbst solche dramatische Auswirkungen sogar zur weiteren Befeuerung (des Hasses auf das Männliche), Anm.) benutzt - anstatt zur Besinnung zu führen.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Das Schicksal der Volkskirche

Man könnte es fast übersehen, als herbeigeholte Phantasie abtun, was Monsarrat in "Ei Stamm verliert den Kopf" in den 1950er Jahren beschrieb:

Die Ureinwohner der (fiktiven) Insel huldigen im Untergrund einem geheimen Relikt aus einer historischen Phase, wo christliche Missionare das Land bereits christianisiert hatten. Doch durch die Isolation fiel das Land wieder in ein Heidentum zurück, das sich aber zu Teilen aus christlicher Symbolik und Metaphorik nährte.

Monsarrat beschreibt es in einer sehr drastischen Szene in seinem Wesen: als Vermischung einer aktuellen emotionalen Ausprägung mit relikthaften metaphysischen Bezügen.

Es war mir, als beschriebe Monsarrat hier - prophetisch - die Zukunft des Christentums über den größten Teil der Erde. Denn längst sind wir dort, nur fällt es nur in Übertreibungen, in Auswüchsen auf, so wenn sich Voodoo-Kult mit Christentum zu paaren vorgibt, oder okkulte Praktiken (und Praktiker) christliche Bezüge auch in unseren Breiten pflegen. Im Ganzen aber, in seiner Ausformung im Alltäglichen der Bevölkerung, beschreibt Monsarrat, daß diese Ausformung eines "charismatischen" Christentums (aus Freikirchen etc.) das Schicksal einer aufgelösten "Volkskirche" sein wird.

Verlust der Selbstkontrolle

Das sicherste Kriterium zur Bestimmung, ob eine Kultur sich aufbaut, oder niederbricht, ist Zuwachs oder Verlust an Selbstbestimmung (der Individuen). Das heißt: das Potential kreativer Lebensbewältigung.

In Spät- oder Zerfallsphasen von Kulturen ist nicht nur eine immer breiter Kluft zwischen den Führungsschichten und der Bevölkerungsmasse zu beobachten, sondern auch eine Kluft zwischen dem "elitären Denken" und der Wirklichkeitsbewältigungsstrategien jener. Und hier muß man Toynbee erweitern: denn diese Kluft, zwischen dem Geist und der Vernunft des Einzelnen, hat ein absolutes Kriterium, das in Zeiten des Aufbaus die "elitäre Geisteskraft" (weil der Wahrheit näher) zum Erstrebenswerten und Aufbauenden macht. Während, wenn diese Geisteskraft der Elite versagt, diese Kluft zu einem definitiven Abstoßungsprozeß führt: neue Eliten kommen zur Wirkung.

Mechanisierung kultureller Institutionen ist so ein Maß des Verlustes der Selbstbestimmung, weil nicht mehr die Prozesse dem Menschen, sondern der Mensch in immer breiterem Maß den Prozessen zu dienen hat. Der Organismus einer Gesellschaft verbraucht zunehmend mehr Anteile seiner Energie zur Selbstorganisation, zum Selbsterhalt (u. a. in der Zahl der Gesetze und den Beamten bzw. im unmittelbaren Staatszielen dienenden Bevölkerungsanteil erkennbar).

Ein fatales Detail dabei: Selbstbestimmung ist nicht der heute vorzufindende Autonomismus, also Willkür (der eine Form des Mangels an Selbstbestimmung ist), ebenso wenig wie Kreativität den Abbruch alles Bestehenden (sondern: dessen neue Assemblierung durch Konkretisierung des abstrahierten, somit lebendigen Gehalts) bedeutet.

Aus Mutlosigkeit den Tod wählen

Polybios, einer der großen griechischen Historiker (200-120 v. Chr.), führt in seinen "Historien" die Gründe dafür an, die die hellenische Kultur so derart niedergehen haben lassen, daß sogar weite Gebiete wieder versumpften bzw. verödeten.

Toynbee weist ja zurück, daß technische Rückschläge die Ursachen für kulturelle Niedergänge gewesen seien, vielmehr sei es höchstwahrscheinlich historisch betrachtet genau umgekehrt: Veränderungen im sozalen Körper, insbesondere ... seelische, geistige Gründe, modern ausgedrückt: Motivationsgründe ... wären die Ursachen für das oft sogar völlige Verschwinden von Zivilisation aus manchen Gebieten.

Zurück zu Polybios: Der schreibt, daß die Praxis der Verminderung des Umfangs der Familien durch Abtreibung und Kindermord die Hauptursachen des sozialen wie politischen Niedergangs Griechenlands.

Niemals, so Toynbee, habe ökonomischer oder gar technischer Zusammenbruch das Verschwinden oder auch nur Niedergehen einer Kultur bewirkt - sondern es war umgekehrt. Gesunde, oder/und wachsende Kulturen bewältigen nahezu alles, es sei auch hier sogar umgekehrt, daß Herausforderungen Wachstum anregten. Es sei denn, daß diese Schwierigkeiten einmal den Lebensmut einer Kultur brechen, und damit deren Zurückweichen erfolgt. Ausgedrückt ... in einem Aufgeben der Zukunft (siehe wieder: Polybios), sowie in einer Verachtung der eigenen Vergangenheit, die bereit für die Aufnahme von Neuem, Fremdem macht.

Es ist aber niemals der Verlust der Kontrolle über die umgebende Umwelt gewesen, der eine Kultur niedergehen ließ. Es ist ... der Selbstmord.

"Noch nie lag England, niemals soll es liegen
Zu füßten eines stolzen Siegers, außer
Es half sich selbst die erste Wunde schlagen.
... Nichts sol uns Reu'
Erregen, bleibt sich selbst nur England treu.
" (Shakespeare, "König Johann")

"Weiß Gott, bedarf's in diesem tragisch' Leben
Des Bösewichtes nicht, denn Leidenschaften weben
Den Stoff, der uns betrügt duch das, was falsch
." (Meredith, "Love's Grave")