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Dienstag, 31. August 2010

Schlichte Sätze

Nichts kann sich selbst Ursache sein. Das Seinkönnen kann nur durch das wirkliche Sein zur Wirklichkeit gebracht werden, weil nichts sich selbst in Wirklichkeit setzen kann, weil es sonst der Ursache seiner selbst und somit da wäre, bevor es ist.

Nicolaus von Cues - "De docta ignorantia"

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Schopenhauer schreibt einmal, und hier weiterführenden Sinnes: daß der Bereich des Wirklichen, das hinwiederum nur durch einen Willen ins Wirkliche getrieben werde, der Bereich der Kausalität sei.

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Der Bereich des Wirklichen ist, als Bereich der Vernunft, der Bereich des Logos - damit des Sohnes Gottes, Jesus, der alles umfaßt, enthält, in die Wirklichkeit treibt.

Die Dinge wurzeln, liegen in den Begriffen. "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt."

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In aller Ruhe

Nur ein wenig, ein winziges Wenig mehr Selbstbeschränkung, und der Film wäre perfekt gewesen: die letzte Sequenz löst nämlich gar nicht mehr auf, sie zeigt nur die schwachen Nerven der Filmemacher. Oder eine Konzession an einen lächerlichen, gefühllosen Vorstandsvorsitzenden der Auftraggeber. Ansonst: Perfekt erzählt, und dabei auf alles Ausdeutende verzichtet.

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Sonntag, 29. August 2010

Ziemlich mutig

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Wie so oft: deutsche Unternehmen wagen viel in der Werbung. Und treffen präzise neuralgische Stellen.

Dichterische Haltungen

Zu dem, was den Menschen umgibt, gehören nicht nur die Wesen und Verhältnisse, mit denen er in seinem persönlichen Leben zu tun hat, sondern ebenso die Gestalten und Erscheinungen, die wir im eigentlichen Sinne Natur nennen, die Elemente, die Pflanzen, die Tiere, Luft, Licht, Himmel und Gestirne. Auch mit ihnen steht der reine, in seine Freiheit erhobene Mensch in einem höheren Zusammenhang. 

Keine bloß ästhetische Betrachtung läßt ihn ihren Anblick genießen. Ein wunderbares Leben, ein heiliges Geschick ist zwischen ihm und ihnen. Er drängt sich nicht in ihr Wesen ein, er zieht es nicht selbstherrlich in das eigene. Es bleibt das Andere und Gegensätzliche. 

Aber in der Harmonie der reinen Begegnung ist das Göttliche gegenwärtig. "Die Aorgischere Natur, wenn sie rein gefühlt wird, vom rein organisierten, rein in seiner Art gebildeten Menschden, gibt ihm das Gefühl der Vollendung," sagt Hölderlin.

(Walter F. Otto in "Der Dichter und die Alten Götter")

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Daraus, meint übrigens Hölderlin, erwachse die religiöse Haltung von selber. Die von ihrem Wesen her durch die Geschichte nur bestätigt werden könne, wo sie bereits Überzeugung wäre. Für die Bildung plastischer Vorstellungen braucht es Beweise, Gründe - nicht aber für dieses unmittelbare "heilige" Gefühl direkter Anschauung. 
Da hört man sogar Schopenhauer'sche Sätze aus seiner Erkenntniskritik: der (passive, leidende) Verstand vermag nur zu bestätigten, was der Wille ihm aufträgt, den angeschauten Dingen zu unterlegen. Die wahre Erkenntnis aber gehe aus einer Anschauung hervor.

Und es bestärkt die alte, gerade auch aus Geschichtsbetrachtungen so erstaunlich deutliche Einsicht, daß der Mensch zu aller erst mit religiösen Fragen beschäftigt war - und weil sich in jedem Menschenleben dem Sinne nach die Geschichte selbst wiederholen möchte: in jedem einzelnen Menschen auch heute noch. Was zu vergessen man neigen könnte.

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Mircea Eliade zeigt in "Das Heilige und das Profane", daß sich dies auch an der Siedlungsgeschichte, der Entwicklung menschlicher Ansiedlung belegen läßt: die sämtich vom religiösen Zentrum ausgehen. Erst wo es ein solches gab, erst nachdem ein solches geschaffen wurde, ließ sich der Mensch nieder. Wo Gott in seiner Mitte war. Täuschen wir uns nicht: auch darin hat sich NICHTS verändert! Der Mensch sucht nach wie vor in allem, was er tut, ERST metaphysische Rücksicherung. Sein Suchen hat nur ein anderes Gesicht angenommen, sodaß das Zeitalter des Aufgeklärten Menschen gar nicht viel anderes war und ist als das Zeitalter der Verschleierung und Umbenennung der wirklichen Zusammenhänge der Welt, auf daß seine Religion aufgelöst werde.

Es haben sich aber nur die Namen geändert. Nicht die Menschen und ihre wirklichen Lebensbe- und Vollzüge. Sie, freilich, wurden nun orientierungslos, unbestimmt, der Dämonie ausgeliefert. Sie waren und sind nicht gewöhnt, mit gefälschten Etiketten zu leben: mit jedem Menschen beginnt die Welt ja neu - an ihrer Wurzel.

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Ist im Anfang Religiosität und Alltag gar nicht unterschieden, weil Religiosität alles Tun und Leben durchwirkt, so bringt die Ausdifferenzierung und Bewußtwerdung allmählich eine Zweiteilung von Heilig und Profan, und so erst erwächst diese Widersprüchlichkeit der beiden. Damit verliert die Religion ihre ursprüngliche Überzeugungskraft, der Mensch beginnt nach ihrer Legitimität zu fragen. Und doch läßt sie sich nicht austreiben: Die Religiosität flüchtet "vor dem Verstande in die Träume," nimmt allerlei befremdliche Formen an, und stellt ihrerseits den Verstand in Frage, nicht durch Gegenargumente, sondern durch das Gefühl der Unseligkeit, das mit der Ausbreitung des profanen Lebens, trotz aller Lobreden auf den Fortschritt, immer verbunden ist. (Zitate von Walter F. Otto)

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Samstag, 28. August 2010

Unwiderstehliche Mafia

Wenn die irdische Natur die Oberhand gewinnt, der Mensch in den Moment zerfließt, das Insgesamt der Situation vergißt - so entstgeht Peinlichkeit.

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Freitag, 27. August 2010

Tiefe, dunkele Weite

Die Frankfurter Allgemeine (auf der Seite bietet die FAZ auch einen sehenswerten Film) berichtet von einem Forschungsprojekt, das der Erfassung der Lebensformen im Meer galt. Man wollte endlich einmal etwas genauer wissen, wieviele und welche Lebensformen die Ozeane enthalten! Also machten sich 2000 Forscher aus 80 Ländern auf, um zu zählen, und riefen die Fische, sich in ihre Heimatorte zu begeben, um sich eintragen zu lassen.

Zehn Jahre, angelaufenen Kosten von 650 Millionen Dollar, 538 Expeditionen, 2600 Publikationen und 1300 Neuentdeckungen später, ist nun ein erstes Fazit zu ziehen:


Es sind nicht, wie von manchen befürchtet, 99,99 Prozent, sondern nur 70 bis 80 Prozent der Meeresbewohner bis heute unbekannt, und diese Zahl schwankt je nach Region. Australiens Meere z. B. weisen noch über 90 Prozent unerforschte Meeresbiologie auf. Weltweit gilt, daß auf 1 bekannte Art 4 unbekannte Formen von Leben im Meer kommen.

Speziell in der Tiefsee der Tropen, aber auch in den Südlichen Meeren bestehen noch riesige Wissenslücken. Hochgerechnet, setzt man bei 10 bis 20 Millionen Arten an, 230.000 Arten kann man derzeit katalogisieren. Vor allem die Tiefsee scheint unermeßlich reich. Noch in 7 Kilometern Tiefe gibt es Fische. Alleine rund um Japan existieren 33.000 verschiedene Arten von Meeresbewohnern. Wobei 19 Prozent aller Arten den Krebstieren (Hummer, Krebse, Garnelen, Krabben, Krill), und 17 Prozent den Weichtieren (Tintenfische, Muscheln, Schnecken) zuzurechnen sind. Dann erst kommen die Fische.

Übrigens war diese gigantische Vielfalt lange Zeit eines der häufigsten Argumente gegen die Evolutionstheorie, die in den 1920/30er Jahren für "tot" weil unhaltbar galt. Erst nach dem 2. Weltkrieg erlebte sie ihre Wiederauferstehung, und schließlich ihren dogmatischen Charakter.

Damals freilich stellte man die Frage: Wenn die Evolution der Arten in ihren Grundansätzen - Selektion und Mutation - mit Umweltfaktoren und dem Reagieren darauf zu tun haben soll, dann ist unbeantwortbar, warum in so homogenen Lebensbedingungen, wie in den Meeren zu finden sind, eine derartige Artenfülle entstanden sein soll.

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Heute stellt man diese Frage gar nicht mehr. Sie gilt bestenfalls als eine der "black boxes": ungelöste und sogar zentrale Fragen, häufig Aporien (also Unmöglichkeiten), die man unangetastet läßt, weil man davon ausgeht, daß sie irgendwann beantwortet werden können. Michael Behe (ein amerikanischer Dozent und Zellforscher, der zu dem Ergebnis kommt, daß es zellbiologisch keine einzigen relevanten Forschungsergebnisse gibt, die eine Evolutionsthese stützen) formuliert es deshalb in seinem Bestseller "Darwin's Black Box" (2008f.) so, daß nur der Einsatz einer mythologisch - kryptischen, postulativen Sprache ("die Evolution hat hier" ... "hat im Laufe der Evolution" ... etc. etc.) möglich macht, überhaupt von einer Theorie zu sprechen.

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Für Interessierte: die Seite der ComL - Census of Marine Life , der für die Zählung verantwortliche Meeresforschungsanstalt, mit faszinierenen Kurzvideos.

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Wirkliche Idee

Die Aufeinanderfolge der Dinge, schreibt Cusanus einmal, ist die Art, wie Gott eine Idee in der Wirklichkeit halten kann, auch wenn ihre jeweilige Konkretion vergeht. So geht es bei den Pflanzen und Tieren eben um ihre Art, Gattung - ihre Universalien also - als Ausdruck eines Gedanken.

Nur im Menschen, und das zeigt seine königliche Stellung in der Natur, ist jeder selbst, als Person, für sich Ziel und Sinn. Was sich in seiner höchsten Möglichkeit, der freien und schöpferischen Geistigkeit, ausdrückt. Denn immer ist es die höchste Möglichkeit, die etwas definiert und determiniert.

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Wirklichkeit ist die Beschränkung der Möglichkeiten. Das Universale Mögliche, das was nur möglich bleibt, und hätte es alle Möglichkeiten in sich, ist nicht wirklich.

(Das erinnert an die seuchenartig verbreitete Lebensart, unter Berufung auf modernste Kommunikationsmöglichkeiten darauf zu verzichten, Entscheidungen, Gestaltungen zu fixieren. Was sich am scheinbar nebensächlichen, aber in Wahrheit fundamentalen Detail ausdrückt, wie z. B. Termine vereinbart, Versprechen gegeben - oder gebrochen - werden. Stattdessen ist es heute üblich, alles in der Möglichkeit zu halten, um nur ja den Schmerz einer verpaßten Wirklichung, die mehr Freuung enthalten könnte als die, zu der man sich in der Konkretion entschlossen hat, zu vermeiden. Damit geschieht nichts anderes als daß - gestaltete - Wirklichkeit vermieden wird! Gleichzeitig steigt ja der Hunger nach Leben. Das es aber nur in Wirklichkeit gibt.)

Die Möglichkeit aber ist zufällig. Während es Wirklichkeit nur in Gott, dem ACTU, gibt. (Weil alles Mögliche nur durch das reine SEIN wirklich wird.) Er ist die Ursache der Wirklichkeit, die durch das Mögliche nur beschränkt ist. Deshalb gibt es einen vernünftigen Grund für alle Dinge: alles bliebe Zufall.

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Donnerstag, 26. August 2010

Interesse des Spiels

Natürlich wäre es nicht minder totes Gerede, die Interesselosigkeit des Künstlers als technische Gleichgültigkeit zu sehen oder gar zu wirklichen. Am Fehlen der Liebe ist es am deutlichsten gewahr, was fehlt - und die Haltung Gottes der Lehrmeister: dessen Verhältnis zu den Dingen unbedingte Liebe ist, losgelöst in der Heiterkeit des Spiels aber seine Beziehung, in der er sich mit allem in den Gärten ergeht.

So ist der Dichter und Künstler zu sehen, dieser Analogie zu Gott selbst. Seine Beziehung zur Welt ist die der Freiheit von Notdurft und Zwang. Erst in dieser Stufe erhebt sich auch sein Werk in jene Sphäre, wo es als Blume unter Blumen auf Wiesen des Himmels steht.

Es ist ein höheres Geschick zwischen den den Dingen und dem Dichter, und erst in diesem höheren Zusammenhang besitzen sie ihr Heiligstes. Der Beweis der Göttlichkeit ist nicht aus Argumenten und Disputen erfahrbar, nicht aus Notwendigkeiten, nicht aus Beweisen. 

Nicht aus sich selbst kann der Mensch diese Göttlichkeit erfahren, und nicht aus den Gegenständen, die ihn umgeben -"wo er mehr ist als ein Maschinengang. Daß ein Geist, ein Gott ist in der Welt, aber wohl in einer lebendigeren über die Notdurft erhabenen Beziehung, in der er stehet mir dem, was ihn umgibt" (Hölderlin)

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Als wär nichts gewesen

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Mittwoch, 25. August 2010

Komplexes Rätsel

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Was aber bringt den Umschwung beim ersten mal? Das Rätsel bleibt ungelöst, und dies ist die - interessante - Aussage. Als Werbung aber vielleicht zu kompliziert gedacht.

Und Galilei irrte doch

Es gibt keine präzise Gleichheit außerhalb von Gott. Cusanus begründet dies sehr klar, und hier sei nur auf den Zusammenhang von Zeit - Gestalt - Ort/Raum hingewiesen, wo schon der nächste Moment, eine völlig neue, unwiederholbare Konstellation der Bedingungen des Seienden mit sich bringt.

Darin läßt sich übrigens eine bemerkenswerte Argumentationsreihe bis hin zur Verteidigung der Metaphysik und des Weges des Erkenntnisgewinns durch Kard. Bellarmin im Prozeß gegen Galileo Galilei finden. (Die Erkenntnis ergibt sich, vereinfacht, nicht aus dem Beobachten, sondern das Beobachtete verifiziert oder falsifiziert ein Apriorisches.) Denn die Mathematik, die ja auf die Anschaulichkeit und Geometrie zurückzuführen ist, läßt sich ebenfalls nur abstrakt und im geschlossenen System, nicht aber im Konkreten präzise finden.

Sonst aber bleibt immer Mangel. Und das ist so beispielhaft erfahrbar in der Musik erlebbar, deren Takt und Intervalle niemals so präzise sind, daß sie nicht noch präziser sein könnten, wie Cusanus diese Ungleichheit zweier Dinge so erstaunlich gut faßt. Die Proportionen der Dinge also können gar nicht exakt gleich sein, und deshalb können es auch nicht die Sternenläufe an sich sein. Und die Astronomie weiß das ja ohnehin längst, und korrigiert deshalb von Zeit zu Zeit diese realen Abweichungen "so gut es geht".

Nicht eine Bewegung aber gleicht der anderen ganz genau, nicht ein Maß ist exakt dem anderen, weil das Maß und das Gemessene notwendig verschieden sind. "Das läßt," so Cusanus, "eine Anwendung auf unendlich vieles zu."

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Was im übrigen elektronische Musik so fragwürdig und nicht menschengerecht, in ihren Auswirkungen so problematisch und "tot" macht.

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Die präziseste, vollkommen harmonische Proportion als vollkommene Harmonie gibt es nur in Gott. Sie ist für den im Fleisch lebenden Menschen aber unhörbar, weil diese Vollkommenheit alles Rationale unserer Seele als deren Grund und Substanz als Rationales an sich sofort an sich ziehen würde, so wie das vollkommene Licht alles nicht vollkommene Licht absorbiert. Damit würde die Seele von ihrer sinnlichen Grundlage abgelöst - der Mensch würde nichts mehr hören.

Aus dieser ewigen Proportion aber, die unserem Da- und Sosein zugrundeliegt, und auf die hin sich die Seele streckt, ergibt sich das Schöpferische, das Gestalten des Menschen als Hinweis und -führung auf die absolute Schönheit und Vollkommenheit - allem Seienden (das notwendig gestalthaft ist) liegt sohin die Proportion und der Rhythmus zugrunde.

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Aber nicht nur gibt es keine absolute Gleichheit - es gibt auch keine absolute Verschiedenheit der Dinge voneinander. Diese ist eher einer Frage der nie gleichen Gewichtung (und damit: Übergewichtung) vergleichbar, und Bedingung wie Folge der Endlichkeit. Denn in der Unendlichkeit (oder im Aufgehen des Individuellen darin) würde sich jede Unterschiedenheit aufheben, weil alles enthalten wäre.

So ist - wir nageln diese Sätze gleich am Boden fest - in der Lebenswelt erkennbar, daß sich Identität, So-sein, umso klarer darstellt, je klarer die Unterschiedenheit besteht. Und das läßt sich wohl gut und an vielerlei beobachten.

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Der Weg zu Gott kann also nicht der Weg über die Auflösung alles Konkreten sein! Was diese Individualität auflöst, stirbt - das Tote löst sich auf, wie jeder beobachten kann. Wozu es auch nicht den Hinweis auf das 1. Thermodynamische Grundgesetz - die zunehmende Entropie - braucht. Wie es der Buddhismus (u. a.) propagiert, oder Schopenhauer formuliert, deren beide alles ins Nichts auflösen. Und er geht nicht über Moral (an sich), nicht über Verhalten (an sich). Es geht über Ähnlichkeit mit der Idee in Gott, deren Spiegel das Geschöpfliche ist - Spiegel wie Bild, aber nicht identisch mit dem Unendlichen, lediglich aus diesem stammend, ohne diesem ins Nichts fallend. Von Anbeginn da und gedacht.

Der Weg zu Gott kann also nur über die Vollkommenheit des Konkreten, also über die Schönheit der Gestalt gehen. Denn die Trennung vom Sein an sich - als Unähnlichkeit mit dem Sein verstehbar, als Häßlichkeit, als Disharmonie sinnlich erkennbar - folgt aus der Unvollkommenheit. Und diese ist hinwiederum eine Unvollkommenheit des Wollens - Unvollkommenheit hat keine "positive" Ursache, sie ist deren Ermangelung, und damit auch zufällig.

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Dienstag, 24. August 2010

Was hinter den Dingen steckt

Jedes Ding ist ein Zeichen für ein Geschehen, einen Willen dahinter, erzählt sohin eine Ursache. Denn alles Dingliche hat Ursachen, denen gemäß es so und nicht anders ist. Ob wir auf etwas achten müssen oder nicht, wie es zu deuten ist, wissen wir nur im Gesamtzusammenhang gesehen - zu Lebezeiten also tasten wir also wie Blinde in der Höhle.


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Montag, 23. August 2010

Vom Beginn der Zeiten an

Göttlicher Äther , und ihr, Windesflügel,
Ihr Ströme, und du, tausendfacher Glanz
Der Meereswellen, du, Allmutter Erde,
Und dich, der alles schaut, den Sonnenball
Ruf ich zu Zeugen an ..."
(Aeschylos)

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"Wir denken an Sophokles, wo der sterbende Aias das Tageslicht, dieSonne, den heiligen Heimaterde, die Brunnen und Flüsse Trojas zum letztenmal anredet Wir hören die verwandte Stimme, wenn der Mensch der Tragödie zum Äther aufblickte und das Himmelslicht, das urgöttliche, zum Mitwisser seiner Sorgen machte. Wie oft, wie vielfältig hören wir diese ergreifenden Stimmen!

Sie beten zu etwas, das älter und heiliger ist als die menschenähnlichen Götter. Und dennoch: sie könnten nicht so erleuchtet beten, wenn nicht die Olympischen Lichtgestalten durch ihre Welt gewandelt wären. In ihrem Sein war das Elementische nach schwerem Kampf zur Gestaltung bewältigt. Aber es blieb doch als Urwesenheit im Grunde aller Dinge, und auch der Verehrer der Olympier blieb ihm treu, ja er weihte ihm seine feierlichste Andacht. 

Aber es war selbst ein anderes geworden; es blickte den Menschen mit Geisteraugen an und erwiderte seinen heißen Herzschlag mit stiller, geheimnisvoller Vertraulichkeit. Erst durch die Erscheinung des Himmlischen in klaren, menschennahen Gestalten war das Heiligtum der göttlichen Natur eröffnet.

Walter F. Otto in "Der Dichter und die Alten Götter", wo sich der Anklang an die Incarnation Gottes in Jesus Christus als im rein natürlich-religiösen angelegten Grunddrang des Menschen zeigt.

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Wer mich sieht, der sieht den Vater! Da baten sie ihn: Herr, lehre uns beten! Und er lehrte sie: Vater unser, der Du bist in den Himmeln, Dein Name sei geheiligt, wie in den Himmeln, so auch auf Erden. Gib uns unser täglich Brot, und vergib uns unsere Schuld, so wie auch wir vergeben denen, die uns etwas schulden, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von allem Übel.

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Sonntag, 22. August 2010

Entweder - oder

Zwei Blumen blühen für den weisen Finder,
Sie heißen Hoffnung und Genuß.
Wer dieser Blumen eine brach,
begehre die andere Schwester nicht. 
Genieße, wer nicht glauben kann ...
wer glauben kann, entbehre.

(F. Schiller)

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Samstag, 21. August 2010

Neulich bei Leonardo

Wie manche große Leistung wirklich entsteht.

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Alt, aber gut

Gewiß, der Witz hat einen Bart, und er hatte ihn wohl schon vor dreißig Jahren, als wir Jugendliche ihn uns erzählt haben. Aber er ist gut. Und hier sehr gut verfilmt.

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Erwartungshaltungen

Das Welterleben des mittelalterlichen Menschen war geprägt von der selbstverständlichen Annahme, daß sich auch über Jahrhunderte nichts änderte. Schwankungen in der Lebensführung, in mehr oder weniger an Wohlstand, hingen mit Naturereignissen, Mißernten oder Kriegen zusammen, auf welche anschließend das bekannte Normalniveau wieder angestrebt wurde.

So ließ der Abt Caesarius von Prüm im frühen 13. Jahrhundert ein Register, in dem die Abgaben der einzelnen Bauern seiner Herrschaft verzeichnet waren, und das aus dem 9. Jahrhundert stammte, sicherheitshalber noch einmal abschreiben, damit es nicht verloren ging - und er und seine Nachfolger wußten, mit welchen Einnahmen sie zu rechnen hatten.

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Dennoch läßt sich über die Jahrhunderte eine Aufwärtsentwicklung - hin zu mehr Prosperität in der Volkswirtschaft (hier) Europas - bemerken. Doch hängt diese nicht mit der Entwiclung der Technik und einer Steigerung der Produktivität zusammen, sondern mit dem Bevölkerungswachstum. Damit wurden noch unbesiedelte, nicht urbar gemachte Gebiete, die es noch in großer Menge gab, produktiv. Und indem sich so das Siedlungsnetz enger und enger spannte, wuchs auch die Produktivität - durch die Arbeitsteilung, die mehr und mehr möglich wurde, sowie der Handel und die Geldwirtschaft. So prosperierten bald die Knotenpunkte der Verkehrswege und nahmen städtische Dimension mit einer neuen Kultur an.
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Freitag, 20. August 2010

Kein Mittel zum Zweck

Es ist die Auflehnung gegen die Gottheit, die vergewaltigend und zerstörend in sein Leben eingreift. Sie ist undenkbar, trotz allem Leid und in allen Unbegreiflichkeiten, die über den Menschen kommen mögen, solange er nicht sein Eigengefühl von dem Gefühl des Göttlichen abgegrenzt hat, wie die Daseinshaltung des neueren Menschen es mit sich bringt.

Aber bei Goethe finden wir noch einen anderen viel tiefer begründeten Widerspruch, der sich oft in einer Form äußert, die man titanisch nennen könnte. Durch seine ganze 'Geisteswelt, die schöpferische, wie die erkennende, läßt sich die Spur einer grandiosen Selbstgenugsamkeit verfolgen und nicht zuletzt in seiner Aneignung der Leibnizschen Monadenlehre wiederfinden, nämlich in der Wendung, die er ihr gegeben hat und die den Aufmerksamen an gewissen Hauptsätze in Nietzsches Willen zur Macht gemahnen muß. 

Aus dieser Geisteshaltung ist auch das selbstgenugsame Worte über die Frömmigkeit in den Maximen und Reflexionen zu verstehen: "Frömmigkeit ist kein Zweck, sondern ein Mittel, um durch die reinste Gemütsruhe zur höchsten Kultur zu gelangen."

Walter F. Otto in "Der Dichter und die Alten Götter"

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Donnerstag, 19. August 2010

Da flieht Gott

"Der griechische Geist kann den Menschen ohne die Gottheit gar nicht denken. Er kennt keine Notwendigkeiten im Menschen, die nicht zugleich vom Sein der Götter zeugten. Wo aber der Mensch sich seiner selbst als einer Person mit eigener Notwendigkeit bewußt wird, da hat sich auch schon das Göttliche in bedrohliche Fernen und Höhen zurückgezogen. 

Und nun kommt es zu dem Widerstand und Kampf so vieler selbstbewußter Geister, der für den oberflächlichen Blick nur durch den Zwang des kirchlichen Dogmas hervorgerufen wird. Die großen Widersacher, die gefallenen Engel und ihr Fürst, der Satan, werden zu tragischen Gestalten und erregen ein Mitgefühl, das in der griechischen Welt undenkbar wäre. 

Und der griechische Prometheus, ein Gott der Vorzeit, der sich dem neuen Göttergeschlechte nicht beugen wollte, wandelt sich in ein Symbol der Menschen, der gegen Gott protestiert."

Walter F. Otto in "Der Dichter und die Alten Götter"

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Goethe wußte von den ewigen Mächten, die zu fürchten sind, wenn sich der Mensch gegen sie stellt, wo er ihr Wort also, das in den Notwendigkeiten (oder auch: Gesetzen) wie sie die Natur uns erzählt, die dadurch Gott darstellt (wenn, freilich nicht ontologisch gesehen IST!), zurückweist. 

Er läßt Iphigenie einmal voller Schaudern sagen:

O daß in meinem Busen nicht zuletzt
Ein Widerwille keime! der Titanen,
Der alten Götter tiefer Haß auf euch,
Olympier, nicht auch die zarte Brust
Mit Geierklauen fasse! Rettet mich,
Und rettet euer Bild in meiner Seele!

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Mittwoch, 18. August 2010

Gutes Schauspiel

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Rechtmäßigkeit ist Freiheit

Völlig zu Unrecht wird Schiller, sieht man von Jugendsünden ab, als der Künder des Individuums gefeiert, das sich gegen die Ordnung auflehnt. Vielmehr muß gelten, betrachtet man seine gesamten mittleren, späteren Dramen, daß Schiller die Legitimität der Ordnung über alles stellt. Sein Auflehnen ist nur ein Aulehnen gegen die ungerechtfertigte Regierung.

Ob in Maria Stuart - "Regierte hier Recht, lägest du vor mir auf den Knien, denn ich bin dein König!" - oder Johann von Orleans - "Hier steht die Gottgesandte, die Euch den angestammten König wiedergab!" - zu Wallenstein - "Das Jahr übt heiligende Kraft; sei im Besitze, und du wohnst im Recht, und heilig wird's die Menge dir bewahren." - geht es ihm immer sehr deutlich um die Beseitigung aller Illegitimität, und die Herstellung eines in heiliger Ordnung fundierten Ordnung. Selbst im Freiheitsdrama par excellence, im Wilhelm Tell, heißt es: "Ein Oberhaupt muß sein, ein höchster Richter, wo man das Recht mag schöpfen im Streit."

So stellt sich Schiller's Freiheitskampf als Kampf gegen die Usurpateure der Macht dar, um die heilige und alte Ordnung wiederherzustellen - nicht, um eine neue zu schaffen. Die Mißstände der Gegenwart sind in der Ungemäßheit der Regierung gegründet. Sie fortzuschaffen heißt, dem Volke den Weg freizumachen zu seiner Natur gemäßen Gestalt - und erst dann kann sich Schönheit und Glück einstellen.

Nicht vergessen darf man, daß Schiller alle diese Dramen in einer Zeit schrieb (1798 bis 1805), in denen überall in Europa von einem Usurpateur, Napoleon, die alten Ordnungen beseitigt wurden. Der Glaube an die Kraft der Rechtmäßigkeit des im Gestern sich zeigenden Ewigen, Echten, das den Daseinsgrund gar bietet, hat die Unterjochten aber überleben lassen.

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Nadler weist darauf hin, daß Schiller Wallenstein sogar sprechen läßt:

Ein unsichtbarer Feind ist's, den ich fürchte
Das ganz Gemeine ist's, das ewig Gestrige,
Was immer war und immer wiederkehrt
Und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht,
Und die Gewohnheit nennt er seine Amme.
Weh dem, der an dem würdig alten Hausrat
Ihm rührt, das teure Erbstück seiner Ahnen.

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Ja, es verklärt sich sogar - himmliche Mächte steigen dann schon hernieder, um für den rechtmäßigen König einzutreten und zu kämpfen. (Johanna v. O.) Ein bemerkenswert barocker Gedanke, übrigens, auf den zu Schiller - mitten in der Romantik rund um ihn - sich hingearbeitet hat. Und nicht nur inhaltich - die Jungfrau ist schon als Textmatrix angelegt, auf die Musik und Chöre (Massenszenen, auch im Tell!) gesetzt werden sollen. Schiller steht (wie Grillparzer) damit am Höhepunkt der Theaterkunst aus Humanismus und Barock.

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Dienstag, 17. August 2010

Hochleistungschillen

Einige der Top-Jugendwörter des Jahres.

  • Arschfax - ein Unterhosenetikett, das aus der Hose hängt
  • Speckbarbie - ein aufgetakeltes Mädchen, das zu enge Kleidung trägt (früher: Preßwurst)
  • Crossi - jemand, dessen Haut von der Sonne sehr braun und ledrig ist
  • Nippelwetter - nasses, regnerisches, eher kühles Wetter ...
  • hartzen - faul rumhängen; arbeitslos sein (Jugendwort des Jahres 2009)
  • bam - cool
  • Bankster - ein Bankangestellter, ein Bankier
  • Rudelgucken - public viewing (auf öffentlichen Plätzen Filmen/Übertragungen verfolgen)
  • Pisaopfer - Schulabgänger mit mangelhafter Allgemeinbildung
  • Gammelfleischparty - Versammlung eher älterer Menschen
  • malle - verrückt, durchgeknallt (von: Mallorca)
  • Schnitzelhusten - Schweinegrippe
  • riemen - Universalverb für alles ("nach XY riemen", "mit dem Fahrrad riemen" ...)
  • Flatratelabern - belangloses Gerede
  • Atze - Freunde
  • eskalieren (gehen) - feiern, die Sau raus lassen
  • Hochleistungschillen - es sich so richtig gemütlich und faul machen

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Mein, Dein ...

Man liebt das Ding, die Sache, die "Seinsheit" (Monade ...), wenn man liebt, um ihrer selbst willen. Eigentum hinwiederum hat damit zu tun, an einer Sache etwas (in Liebe) zu tun. Deshalb die Scham ... an fremdem Eigentum liebend zu handeln ist zumindest unklug.

Volkswagen.

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Montag, 16. August 2010

Was man wahrnimmt

Man kann ihn "rational" auflösen - aber man nimmt sich eigentlich etwas. Der Audi-Film ist ein kleines Stück Poesie, tatsächlich. Wenn man ihn nicht ... wie gesagt: verzichten Sie.

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Fern von Gott

"Die Rückwendung des Menschen auf sich selbst ist der entscheidende Akt, der die Grenze der echtgriechischen Welt (der heutigen gegenüber, Anm.) bezeichnet. Sie hat neue Werte, großartige Schöpfungen hervorgerufen; aber die Größe des Verlorenen kann der ermessen, der begreift, daß diese Einkehr das Symptom verlorener Gottesnähe ist. 

Der Mensch ist vereinsamt, seit die Natur entgöttert und das Göttliche, das einst allen Regungen seines Wesens, des leiblichen wie des geistigen, so nahe war, daß er sich selbst in ihm vergessen konnte, ins Unbegreifliche entwichen ist. 

Nun scheint ihm keine Wahl zu bleiben, als diee Dienstbarmachung der Natur, die sich doch immer an ihm rächt, indem sie ihn selbst zum Sklaven macht, und andererseits der fast verzweifelte Ansturm auf das so fern gerückte Göttliche, wie er in der Lehre von der Gnade und der Rechtfertigung durch den Glauben zutage tritt."

Otto F. Walter in "'Der Dichter und die Alten Götter"

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Sonntag, 15. August 2010

Wie eine durchleuchtende Idee

Immer sind es einzelne Lebensformen, die wir als edel empfinden, einzeln stehende Bäume, ein einzelner Falke, ein einzelner menschlicher Körper. Und immer sind in dieser Einzelerscheinung die zufälligen Mängel überwunden, die aus äußeren Einflüssen und aus inneren Schlacken kommen und in so vielen anderen Fällen die Reinheit des Sichausdrückenseine trüben. Es ist stets eine determinante Idee, die sich ausdrückt, aber nur in ausgezeichneten Fällen geschieht das in völliger Reinheit. Ein vollkommen gestalteter Baum oder Mensch ist gleichsam transparent, etwas Rein-gestaltendes, eine Idee leuchtet durch den gestalteten Körper hindurch.

R. Woltereck, "Philosopie der Lebendigen Welt" über Lebensvollendung durch Aristie von Gestalten.


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Samstag, 14. August 2010

Das war alles? Ja.

Der KURIER bringt in 21 Bildern einen gerafften Überblick über 20 Jahre Internet, und kündigt an, Skurrilitäten Revue passieren zu lasse, die jede für sich originell, witzig, überraschend, ideenreich oder gar kreativ zu sein beanspruchen.

Man sollte sich diese Bilder durchklicken. Auch dem einen oder anderen weiterführenden Link nachgehen. Warum?

Um sich dann an den Kopf zu greifen ob der Erkenntnis, daß 20 Jahre (und das ist keine knappe Zeit mehr) Internet auch heißen: 20 Jahre voller Belanglosigkeiten! Die, wenn sie das Etikett "originell" (etc.) heischen, ihre Wirkung bestenfalls der Unbekanntheit des Mediums verdankt haben.

Aber wohl nicht nur dem Autor dieser Zeilen schläft bei dieser Parade das Gesicht ein - es ist ein heilsamer Schock, welche Nichtigkeit, welche Belanglosigkeit, welche Irrelevanz, welche ... Lebenslosigkeit sich mit dem Internet breitgemacht hat. Als Teppich des Banausischen, des Lächerlichen, des Uninteressanten und des faden, toten Dilettantismus.

Und wo, wollte man fragen, ist das Leben? Das doch ganz woanders seine Bahnen zieht?

Diese Ernüchterung tut gewiß manchem gut.

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Angleichung der Formen

Volkswagen. Kurven sind wieder gefragt.

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Vollkommene Form

"Wenn man einen flüchtigen Blick durch das Thierreich wirft, so findet man daß die Schönheit der Thiere in demselben Verhältniß abnimmt als sie sich der Masse nähern, und bloß der Schwerkraft zu dienen scheinen. Die Natur eines Thiers (in der ästhetischen Bedeutung dieses Worts) äußert sich entweder in seinen Bewegungen, oder in seinen Formen, und beide werden eingeschränkt durch die Masse. 

Hat die Masse Einfluß gehabt auf die Form, so nenne wir diese plump; hat die Masse Einfluß gehabt auf die Bewegung, so heißt diese unbehülflich. Im Bau des Elephanten, des Bären, des Stiers, usf. ist es die Masse, welche an der Form Antheil hat. Die Masse aber muß jederzeit der Schwerkraft gehorchen, die sich gegen die Eigene Natur des organischen Körpers als eine fremde Potenz verhält.

Dagegen nehmen wir überall Schönheit wahr, wo die Masse von der Form und (im Thier- und Pflanzenreich) von den lebendigen Kräften (in die ich die Autonomie des organischen setze) völlig beherrscht ist."

Friedrich Schiller in einem Brief an seinen Freund Körner - "Der Grund der Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung."

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Freitag, 13. August 2010

Dänemark II

Das scharlachrote Halstuch.

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Langfristige, tiefe Zusammenhänge - Ayn Rand IIb

In den Zeitungen fanden sich Artikel die monierten, daß Frauen gegenüber Kreditvergaben restriktiver gehandhabt würden, als dies Männern gegenüber geschah. Man riet deshalb zu Kreditinstituten, die über Internet verfügbar wären, dort würden Frauen als Kreditempfänger sogar die Mehrheit bilden. Und sie nennen es "Frauendiskriminierung".

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In Zusammenhang mit besagtem Artikel über Ayn Rand, der russischen Apothekerstochter, die 196 nach Amerika geflohen war, und dort eine beachtliche Karriere als Philosophin hingelegt hatte. Sie warnte eindringlichst vor staatlichen Eingriffen in das Wirtschaftsgeschehen, das nur funktionieren könne, wenn man es den freien Kräften überließ. Jeder Eingriff staatlicherseits aber wäre zutiefst geprägt von Egoismen politischer Kräfte, und KÖNNE deshalb nur verheerend wirken, weil jede Gesellschaft ein komplexes, aber auch filigranes System eines (sich immer wieder selbst regulierenden) Gleichgewichts eines Volksganzen sei.

Deshalb wehrte sie sich auch vehement gegen den in ihren Augen völlig verkehrten Interventionismus, den Roosevelt in den 1930er Jahren einführte, und der fatale Folgen für die Weltwirtschaft haben MUSZTE. Denn im selben Zuge mußten die entscheidenden Stabilitätsfaktoren, die Rückbindung der Währungen an Maß und Menschengerechtheit, aufgegeben werden. (Denkt man ihre Thesen durch, so kommt man folgerichtig zu den Ereignissen 2008f., denn die Wirtschaftskrise dieser Jahre ist exakt auf diese Ursachen zurückzuführen.)

Ayn Rand's Einfluß ist also nicht nur theoretisch gar nicht zu überschätzen, sondern auch praktisch. Denn zu ihren Schülern zählte u. a. Ronald Reagan, aber auch der langjährige Chef der amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan. 

Und über ihn schreibt die FAZ Folgendes:

(Ursachen der Weltwirtschaftskrise von 1929 - Parallelen zu heute)


In einem Essay von 1966 kam Alan Greenspan angesichts der Finanzkrise von 1929 zu dem Ergebnis, dass die Spekulationsblase vom unmäßigen Papiergeldfluss kreiert wurde, den die Federal Reserve 1927 in die Banken pumpte. Als daraufhin die britische Regierung mit der gänzlichen Aufgabe des Goldstandards voranging, löste sie den weltweiten Bankencrash aus. Er wäre, wie Greenspan glaubt, zu vermeiden gewesen, hätten die Wohlfahrtsstaat-Advokaten aller Länder nicht ihre historische Chance gewittert. Denn solange der Goldstandard herrschte, waren sie gezwungen, den Machterhalt durch unpopuläre Steuern aufs Spiel zu setzen.

Also lösten sie sich vom Gold und erzeugten einen Rausch der Machbarkeit auf Kosten privater Sparer: „Seines akademischen Jargons entkleidet, ist der Wohlfahrtsstaat nichts weiter als ein Mechanismus, durch den Regierungen den Besitz der produktiven Mitglieder einer Gesellschaft beschlagnahmen und einer breiten Palette von Wohlfahrtszwecken zuführen.“

Indem Greenspan das „schäbige Geheimnis“ der damaligen Regierung benennt, legt er auch den Finger auf eine der Ursachen der heutigen Krise: „Die Aufgabe des Goldstandards erlaubte es den Wohlfahrtsstaatlern, das Bankensystem als Instrument zur unbegrenzten Kreditvergabe zu gebrauchen. Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Konfiszierung durch Inflation zu bewahren.

Sätze wie diese machen Greenspan zur enigmatischsten Figur der Bankenkrise. Er war es, der nach dem 11. September den Leitzins auf ein Prozent herabsetzte und mit der dann zwingend folgenden Kreditschwemme den Immobilienboom auslöste: ein Konsum-Mekka auf Pump. Nicht nur hatten die Sparer nichts von ihrem Vermögen, sie waren auch die künftigen Leidtragenden der auf Taubenfüßen nahenden Inflation. Gelockerte Richtlinien sorgten dafür, dass der Eigenkapitalquotient der Banken im Verhältnis zu ihren Schulden auf 1:30 gesenkt wurde. Die finanziellen Garantien, die es den Banken möglich machten, über ihre Verhältnisse zu leihen, übernahm der Staat. Diese Großzügigkeit schlug vor zwei Jahren in Form von 700 Milliarden Dollar zu Buche, mit denen die Zentralbank die faulen Immobilienkredite aufkaufte. Diese nur von einer hypothetischen Zukunft gedeckte Summe bedeutet de facto eine immense Verringerung des aktuellen Dollarwerts. Der steigende Goldpreis gibt eine Vorstellung von der historischen Entwertung der amerikanischen Währung: Heute zahlt man 1220 Dollar für eine Unze Gold, bis ins zwanzigste Jahrhundert waren es rund 20 Dollar, weniger als zwei Prozent des heutigen Kurses.

Modell für einen Systemwechsel

All dies hat nicht nur mit dem Rätsel Greenspan, sondern auch eine Menge mit den von Ayn Rand vorausgesagten Entwicklungen zu tun. Finanzielle Rücklagen stärken die von ihr propagierte Unabhängigkeit des Individuums, machen es frei von politischen Eingriffen und nach eigenen Vorstellungen handlungsfähig. In diesem Sinne müsste Ayn Rand ganz oben auf der Leseliste der autonomen Szene stehen. Denn durch die finanzpolitische Zentralisierung verschiebt sich die persönliche Verantwortung von unten nach oben. Der Zwang, der dann zur Stabilisierung der Verhältnisse nötig wird, verstärkt die Gewaltbereitschaft im Ganzen. 

Ayn Rand war sich darüber im Klaren, dass ihr Modell, wenn nicht auf einen Systemwechsel, dann auf die Abschaffung des Systems als solchem hinauslief. Entspricht es doch der tief implementierten Struktur der Moderne, Verantwortung an Systeme zu delegieren, deren Entscheidungsträger die Folgen ihres Handelns nicht mitzutragen haben.

Wie also konnte Alan Greenspan, der sich noch kürzlich in einem Fernsehinterview zu seiner Lehrerin Ayn Rand bekannte, die zynische Spirale der Dollarentwertung mitbedienen und heraufbeschwören, was er selbst einen Finanz-Tsunami nannte? Fehlte ihm das Rückgrat, angesichts der eklatanten Verletzung seiner Prinzipien zurückzutreten, oder hielt er die Papiergeldflut für das geringere Übel? Bei der Anhörung im Kongress Anfang April gab er gewunden zu, dass die Leitzinssenkung 2003 ohne seine Zustimmung und auf politischen Druck hin erfolgt war.

Bei dem unentwirrbaren Gespinst der Vorwürfe, die seit September 2008 kursieren, geht es auch um eine Schuld, die zu schmerzhaft ist, um offen benannt zu werden. Das 1977 vom amerikanischen Kongress verabschiedete Antidiskriminierungsgesetz („Community Reinvestment Act“) verpflichtete Banken, Kredite auch in Stadtbezirken zu vergeben, die ihren bisherigen Vergabestandards nicht entsprachen. Der Dokumentarfilmer Peter Krieg wies darauf hin, dass ein weiteres Gesetz von 1991 den „Vergleich von Kreditverträgen nach Rassenzugehörigkeit ermöglichte - mit dem erwartbaren Ergebnis, dass die Banken offenbar proportional mehr Kredite an Weiße als an Schwarze vergaben.

Dies interpretierte die Politik als Ungerechtigkeit seitens der Banken, die umgehend durch öffentlichen Druck, noch mehr ,antidiskriminierende' Vorschriften und Lockerung des Standards für Kreditvergaben korrigiert werden musste. Wer sich dennoch an seriöse und bewährte Kreditstandards hielt, dem drohten Gesetzgeber und Zentralbanken hohe Geldstrafen an.“ Die regierungseigenen Banken Fannie Mae und Freddy Mac gaben das Tempo vor, mit dem sich durch Verpackung von faulen Krediten Profite erwirtschaften ließen. Wie bekannt, wurde die sich abzeichnende Pleite über Immobilienjunkbonds global verteilt, deren fahrlässig positive Bewertung die Regierung duldete.

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Anmerkung: Der Autor dieser Zeilen ist nicht unbedingt der Ansichten Greenspans, der wie alle Amerikaner ein sehr selektives Verhältnis zur Geschichtsforschung hat, um es gelinde auszudrücken. Amerikaner sind sicher die falschen, geht es um Geschichte. Die Aufgabe des Goldstandards durch Großbritannien in den 1920er Jahren (der dann neben den meisten übrigen Staaten, nicht aber z. B. Österreich) die USA in den 1930ern folgte) hatte mehrere Ursachen: einmal war das Pfund als Weltflucht- und -reservewährung auf eine Volkswirtschaft bezogen, die sich als zu schwach definierte, diese weltweiten Spannungen auszugleichen. 

Denn zahlreiche Staaten begannen als Gegenmaßnahme gegen ihre "Hauskrisen" die Pfundvorräte gegen Gold (zum verbrieften Kurs!) einzutauschen, und diese Last wollte Großbritannien nicht länger tragen. Nun entschied sich das Empire, die Rolle des "leading players" der Weltwirtschaft (wohl auch in Vorahnung des bald bröckelnden Weltreichs) aufzugeben. Es war also eine poltische, staatsmännische Entscheidung, in der Großbritannien nach dem 1. Weltkrieg seine Rolle als führende Macht der Welt - preisgab. Mit fatalen Folgen für Europa.

Diese Rolle übernahm nach dem 2. Weltkrieg die USA, und der Dollar. Und es ist zu beobachten, daß sie selbst diese Rolle allmählich auf-, und an China (oder Indien) übergeben wird. In der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise hat ja bereits China ein wenig diese Rolle gespielt.

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Ayn Rand I
Ayn Rand IIa
Ayn Rand IIb


Donnerstag, 12. August 2010

Dumm gelaufen

Dinge sind zwar immer, was sie sind, und Werte, was Wert hat. Aber der Rahmen wechselt. Und damit auch aktuelles Wertwollen.

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Not lehrt

Es war nicht der einzige, aber einer der häßlichsten, entlarvendsten Irrtümer von Karl Marx, auch unter Rückgriff auf Feuerbach (etc.), die Religion in ein Zweckverhältnis der Befriedigung irdischer Wünsche eingespannt zu sehen. Unter anderem aus der für Marx so frustrierenden Beobachtung, daß die Not der Arbeiter nicht deren Empörung, sondern deren Religiosität beförderte.

Also schloß er, schlossen andere, daß der Sinn der Religion in der Bitte liege. Immerhin heißt es ja auch: "Not lehrt beten!" Aus einem völligen Mißverstehen von Religion überhaupt, das der Religion Weltbeherrschung und Magie, also: Zweck, unterschob.

Aber es ist bei weitem gefehlt. Not führt nicht zum Notausgang, das Gewünschte von einer Ersatzfigur - Gott - zu erbitten. Bei weitem nicht. Not lehrt, daß das Leben Wege geht, die nicht in der Vorsehung Gottes stehen (könnten.) Deshalb ist das Gebet in der Not nicht "Bitte um Fehlendes", auch wenn es sich so äußern mag. Aber das ist nur aus Verlegenheit, weil der Mensch um Worte verlegen ist, so wie man an der Türe herumdrückt, und sich einen Grund überlegt, warum man eintreten sollte, was man denn nun sagen sollte, das angemessen ist. Und da hieß es doch: bittet. Und so weiter. Und so fort.

Nein, das Gebet der Not ist die Wiedereingliederung in den Lauf der Welt, wie ihn das Sein zu gehen drängt. Es ist im eigentlichsten Sinne Selbstkorrektur, denn nicht die materielle Situation geriet aus den Fugen, sondern das Umgehen damit. Wer den, der Not durchgemacht hat, erlebt, der erlebt keinen Sieger, dem nach "erfolgreichem " Gebet das Ende der Niederlage geschenkt wurde.

Wer aus der Not gestiegen ist, dem sieht man eine tiefe Ergebenheit an. DARAN erkennt man sie in Wirklichkeit, die Sieger: sie sagen Ja zu allem, was kommt. Die Not hat sie gelehrt, daß es nicht auf irdischen Erfolg ankommt, nicht auf materiellen Wohlstand - das ist Windhauch.

Religiosität hatte nie, wenn sie echt ist, einen Zweck. Sie ist Antwort auf wirkliches Welterleben. In der Not zeigt sich meist ganz real das Großartige eines inneren, tief verborgenen Erlebens, daß die Welt in einer einzigen Hand geborgen liegt, in der des Seins selbst,  das/der alles enthält - Gott. -Darauf steigt man dann zurück, läßt die Welt, die sich eben dem Willkürmenschen entzieht, wieder los, und fügt sich der Göttlichen Vorsehung.

Denn es ist nicht Gut und Geld, das der Mensch wirklich begehrt. Das anzunehmen ist selbst schon dumm. Es ist die Sehnsucht nach der Nähe Gottes, das Leiden an seiner Ferne - und der Schritt zurück, erneut zu ihm hin. In die Höhe des Anredens Gottes, dem man wieder die Freundschaft bekundet.

Um dann, gereinigt, sich im Opfer (und im Mahl) wieder mit ihm zu vereinen.

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Man hat übrigens nie recht verstanden, warum in den alten Tiefopfern die scheinbar "wertlosesten" Teile des Opfertieres Gott selbst geopfert wurden, während das "gute Fleisch" von den Opfernden gegessen wurde. Der Grund ist sehr einfach: die Innereien, Knochen etc., die dem Gotte vorbehalten blieben, waren nicht das "wertlose", so denken nur wir Utilitaristen und Technizisten.  Vielmehr waren es jene Teile, aus denen heraus sich ein Lebewesen konstituierte! Es waren also die zentralen Lebensteile, die man Gott "zurückgab," als ihm gehörig. Selbst der griechische Mythos, der in seiner Differenzierung in Einzelgötter etc. ja relativ jung (im Sinne von später) gewesen war, konnte damit schon nicht mehr etwas anfangen.

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Um sich völlig in die Einheit mit dem Gott zu wiegen - im Tanz, der auch in seinen schlichten alltäglichen Formen Zeichen der Einheit mit der Welt und ihrem Innersten ist. Nicht mehr nach menschlicher Willkür bewegt sich der Mensch dann, sondern  nach der freien, großen Weise der Götter, als Halbgott. (Wie es sich bis zum heutigen Tage, übrigens, in der "alten" katholischen Liturgie wiederfindet, wo jeder Schritt abgemessen und geregelt ist, als Tanzschritt vor Gott.)

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Mittwoch, 11. August 2010

Rechtsprinzip der Strafe

Rache - als Prinzip der Gerechtigkeit. Strafe - als Belehrung. Man freut sich darüber. Das moralische Problem entsteht bei der Frage, WER die Rache vollzieht. Oder fällt es doch noch unter Klugheit, unter Pädagogik?

Eine schöne Geschichte. Da sieht man, woran man sich eigentlich freut.

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Fragwürdige Geldentwicklung - Ayn Rand IIa

Die Wurzeln dessen, was Amity Shlaes, eine amerikanische einflußreiche Kolumnistin (Photo), den „Staatskapitalismus des Jahres 2009“ nennt, entdeckte Ayn Rand im „Sherman Act“ von 1890, „einem lächerlichen Flickwerk von undurchsichtigen, unfairen Gesetzen, das amerikanische Unternehmen drangsaliert, zur Ader lässt und sogar erpresst“.

(Anmerkung: In den Gesetzen von 1890 hat die USA - in Reaktion auf das ausufernde Wirtschaftswachstum und die entstehende bzw. drohende Kumulierung von Marktmacht - als Waffe gegen Monopolisierung die Möglichkeit eingeführt, Unternehmen zu entflechten bzw. zu zerschlagen, wenn ihre Macht zu groß wird. Dieses Gesetz findet bis heute Anwendung, so wurden in den letzten Jahrzehnten AT&T,  IBM und Microsoft aus diesem Punkt angeklagt und mit Zerschlagung gedroht, alle Verfahren wurden aber wieder eingestellt. Als spektakulärste Fälle des 20. Jhds. aber waren Standard Oil, American Tobacco und DuPont per staatlichem Eingriff zerschlagen worden.)

Ein besonderer Dorn im Auge war Ayn Rand die Aufhebung des Goldstandards: Papier, doziert einer ihrer Helden, „ist eine Hypothek auf Werte, die nicht existieren, assistiert von einem Gewehr im Rücken derer, auf deren Produktivität man sich verlässt. Papier ist ein Scheck, den legalisierte Vandalen sich auf ein Konto ausstellen, das ihnen nicht gehört. Machen Sie sich auf den Tag gefasst, an dem der Scheck mit dem Verweis platzt: Konto überzogen.“

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Dienstag, 10. August 2010

Gesetz des Kunstwerkes

Die Bestimmung des künstlerischen Tuns ist die Form, nicht der Begriff, und Kunstverständnis ist Formverständnis.

Die Form bedeutet die einheitliche innere Notwendigkeit, die sich in der Gesamtheit der anschaulichen Teilinhalte des Kunstwerkes gestaltend auswirkt. Die Form besagt die innere Notwendigkit und Gesetzlichkeit, mit der der künstlerische Gedanke sich in dem Werk als seinem Ausdruck rein und erschöpfend darstellt. Jedes Schöne bedeutet ein Gesetz, das es in sich selber stellt und erfüllt. Der künstlerische Gedanke ist dies Gesetz, das gestaltend sich darstellt. 

Das Schöne ist die Einheit von Gestalt und Bedeutung. Als Gestalt, die mit der Sinnenwelt erfaßt wird, ist es ein Stück Natur. Als Erfüllung eines in sich selbst gestellten Gesetzes ist es Freiheit und Persönlichkeit. Das Schöne eint sich in Natur und Freiheit. Es ist Freiheit in der Erscheinung. Als Naturgebilde in die Bedingtheiten der Natur gefaßt ist es doch in sich selber abgeschlossen und vollendet und in der Bedeutung eines Unbedingten den Naturbedingtheiten entnommen; es ist ein Symbol de vollendeten menschlichen Bestimmung.

Hier rühren wir an ein letztes Geheimnis der Wohltat, die das Schöne dem Menschenleben bringt. Wir dürfen bei ihm in einer Welt des Scheins und im Spiel der Einbildungskraft der Vollendung genießen, die uns die Wirklichkeit versagt. Es ist, als ob sich die Menschheit als Natur vollende.

Eugen Kühnemann faßt Schiller's Kunstphilosophie zusammen

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Also wäre eine moralische Handlung alsdann erst eine schöne Handlung, wenn sie aussieht wie eine sich von selbst ergebende Wirkung der Natur. Aus diesem Grunde ist die vollendete Charaktervollkommenheit des Menschen moralische Schönheit, denn sie tritt nur alsdann ein,wenn ihm die Pflicht zur Natur geworden ist.

Friedrich Schiller zu seinen Folgerungen aus der Theorie der Schönheit - Das zur Schönheit gekommene Leben ist also auch das vollendete, vollkommene Leben. Sodaß sich die Folgerung ableiten läßt, daß es nicht die "Pflicht" ist, die ein Leben gelingen läßt, sondern die Schönheit! 
Wo die Neigung sich mit dem Gesollten, der Pflicht quasi trifft, ist sie Tugend - sohin ist die Tugend die Vollendung des Menschentums - in der Schönheit. (Nicht die einzelne "gute" Tat.)

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Montag, 9. August 2010

Von der Wiederbelebung

"Er [Hölderlin, Anm.] weiß, daß ihm vom Menschen her der Zwang der Bedürfnisse, die alle Dinge zu bloßen Brauchbarkeiten entwerten möchten, entgegensteht. Er weiß aber auch, daß in dem Wesen des "reinen" Menschen die Möglichkeit, ja die Notwendigkeit liegt, sich aus der Dienstbarkeit der Zwecke zu lösen und die Haltung der Freiheit einzunehmen.

Erst in dieser Haltung ist er ganz er selbst und in seinem ursprünglichen Adel, der noch auf der Stirne des Kindes geschrieben steht, aber in dem Eifer und Gezänke des späteren Lebens so schnell erlischt. Nur wenn der Mensch er selbst ist, enthüllt auch das, was ihn umgibt, sein Wesen, und es ist als ob ein Glanz heiliger Offenheit zwischen ihnen wäre. 

Die Totenstarre der bloß mechanischen und oberflächlichen Zusammenhänge ist von den Dingen abgefallen, und ein Lebensodem strömt durch alles Tun und Leiden, ein "höheres Geschick", wie Hölderlin sagt, ist zwischen dem Menschen und seiner Welt"

Walter F. Otto in "Der Dichter und die Alten Götter"

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Simplifying Summer

Anleitung, wie Eindruck zu schinden ist.

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Sonntag, 8. August 2010

Deftiger Humor

In einem österreichischen Lokalblatt fand sich unter der Nachricht, daß Gery Keszler sich mit dem Gedanken trage, den ORF zukünftig von einer Life-Übertragung auszuschließen, folgender Dialog in den Postings:

  • ErzherzogJohann: Na Gott sei Dank! Endlich muß ich nimmer diese Spinatwachtel am Bildschirm ertragen!
  • rks69: Das war ja abzusehen, daß sofort die homophoben Asseln aus ihren Löchern kriechen. Aber zu früh gefreut, der Lifeball wird sogar von MTV übertragen
  • ErzherzogJohann: Und wenns ihr ihn auf die Donau projizierts, ich will den nicht auf meinem ORF sehen, mehr Sender hab ich nicht, und da möcht ich so ein Schwuchtelgfries nicht sehen.
  • rks69: Noch einmal so eine Bemerkung, und ich schreibe an die Zeitung wegen ihrem Namen, und zeige sie an. Das ist Diskriminierung, die ist jetzt strafbar.
  • ErzherzogJohann: Na da fürcht ich mich aber. Ich brauch ned an die Zeitung schreiben, ich hab deine IP. Und mit der find ich dich in drei Tagen. Dann komm ich und stoß dich aus dem Gwand. 13 Jahre Boxvereinigung Unterpremstätten, dreimal Landesmeister. 1,95 groß, 128 Kilo. Brauchens noch meine Halsweite?
  • JuditT.: Na dem haben Sie es aber gezeigt.
  • ErzherzogJohann: Danke die Blumen, die Dame. Gnädigste sind noch frei?
  • JuditT.: Sie haben meine IP?
  • ErzherzogJohann: Geht ganz leicht, wieso?
  • JuditT.: ;-)
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1002. Geschichte aus Afghanistan

Das Nachrichtenmagazin TIME bringt eine Titelseite, die weltweit für Aufsehen sorgt: Es zeigt in Großaufnahme ein afghanisches junges Mädchen, die als Bestrafungsmaßnahme, im Rahmen der Gesetze der Sharia, dem islamischen Recht, von ihrem Ehemann verstümmelt wurde.

Was war geschehen? Das Mädchen wird, wie in Afghanistan üblich, im Alter von 16 Jahren als Braut in die Provinz Oruzgan verkauft. Die (große) Familie ihres zukünftigen Mannes, die sich zur Taliban zählt, behandelt sie aber wie eine Haussklavin. Sie wird unter Verschluß gehalten, regelmäßig geschlagen, mißbraucht, sodaß sie nach zwei Jahren davonläuft.

Aber sie kommt vom Regen in die Traufe: sie vertraut sich zwei jungen Frauen an, die ihr versprechen, ihr zur Flucht nach Kandahar zu verhelfen. Dort angelangt, versuchen diese jedoch, sie an einen anderen Mann zu verkaufen. Dabei werden aber alle drei von der Polizei aufgegriffen, und vom Gericht zu drei Jahren Haft verurteilt, weil Davonlaufen zwar kein offizielles Delikt ist, in der Praxis jedoch (so die Grossman Burn Foundation) so behandelt wird. Der afghanische Präsident reduziert die Strafe in einem Gnadenakt auf fünf Monate.

Kaum hat sie das Gefängnis wieder verlassen, findet sie zufällig ihr zukünftiger Schwiegervater, hält sie fest, und bringt sie in sein Haus zurück. Dort sieht sie das erste mal ihren anzutrauenden Ehemann, der mittlerweile aus Pakistan zurückgekehrt ist. Er ist wütend auf sie, denn sie hat ihn entehrt, und er schleift die junge Frau vor ein Gericht der Taliban, das nach der Sharia Recht spricht. Das Urteil fällt rigoros aus: Sie geben dem Mann recht, und ermächtigen ihn, das Mädchen zu bestrafen.

Der bringt sie in die Berge, läßt sie von seiner Familie am Boden festhalten, und schneidet ihr mit einem Messer erst die Ohren, und dann die Nase ab. Sie solle, so die Begründung, keinen Tag mehr in den Spiegel sehen können, ohne vor sich zu erschrecken. Anschließend läßt man sie einfach liegen. Die junge Frau überlebt, wendet sich an die Amerikaner, und landet schließlich bei der Organisation "Women für Afghan Women".

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TIME hat angeblich lange überlegt, das Bild zu veröffentlichen, sich dann doch dazu entschlossen. Man wolle davor warnen, was passieren würde, wenn in Afghanistan - bei Rückzug der westlichen Truppen sei das auf jeden Fall zu erwarten - die Taliban die Macht wieder an sich rissen. Oder, wie diskutiert, schon derzeit mehr an der Macht beteiligt würden.

Die Frau selbst wird in nächster Zeit, finanziert von einer Wohltätigkeitsorganisation, in die USA reisen, wo man ihr durch kosmetische Operationen das Gesicht wiederherstellen möchte. Sie sei, so die Redaktion von TIME, ein Symbol für den Kampf der Frau um ihre Freiheit dem Mann gegenüber.

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Es gehört gewiß Mut dazu, an dieser Stelle an die Freiheit und Integrität der Familie, an ihre heiligen Ordnungen zu erinnern. Und doch tue ich's. Denn gerade hier steigt der Ekel vor der alles vernichtenden Gefühlsblindheit der Gegenwart, die das Richteramt für sich in beansprucht, und als Verheißung das Ödland des Nichts hinter ihrem Rücken bereithält. 

Selbst wenn der Ekel vor schwächelnden Männern, die verweichlicht und unbeherrscht und sittenlos genug sind, um sich, unter dem geifernden Zuruf stinkender, eifersüchtiger Weiber, die das Volk selbst - und damit mit Gewißheit die Männer - in ihren Krallen halten, zu blindem, willkürlichem Zorn hinreißen lassen, nicht geringer ist.

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Aber vielleicht ist das Allerstörendste dabei, daß sich die Internationalität zum Richter aufwirft, und für sich beansprucht, Recht herstellen zu müssen, weil - zu können. Weil die Psychose der Schmerzvermeidung vor dem Schmerz der anderen Hysterie wird.

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