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Freitag, 27. August 2010

Wirkliche Idee

Die Aufeinanderfolge der Dinge, schreibt Cusanus einmal, ist die Art, wie Gott eine Idee in der Wirklichkeit halten kann, auch wenn ihre jeweilige Konkretion vergeht. So geht es bei den Pflanzen und Tieren eben um ihre Art, Gattung - ihre Universalien also - als Ausdruck eines Gedankens.

Nur im Menschen, und das zeigt seine königliche Stellung in der Natur, ist jeder selbst, als Person, für sich Ziel und Sinn. Was sich in seiner höchsten Möglichkeit, der freien und schöpferischen Geistigkeit, ausdrückt. Denn immer ist es die höchste Möglichkeit, die etwas definiert und determiniert.

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Wirklichkeit ist die Beschränkung der Möglichkeiten. Das Universale Mögliche, das, was nur möglich bleibt, und hätte es alle Möglichkeiten in sich, ist nicht wirklich.

(Das erinnert an die seuchenartig verbreitete Lebensart, unter Berufung auf modernste Kommunikationsmöglichkeiten darauf zu verzichten, Entscheidungen, Gestaltungen zu fixieren. Was sich am scheinbar nebensächlichen, aber in Wahrheit fundamentalen Detail ausdrückt, wie, zum Beispiel, Termine vereinbart, Versprechen gegeben - oder gebrochen - werden. Stattdessen ist es heute üblich, alles in der Möglichkeit zu halten, um nur ja den Schmerz einer verpaßten Wirklichung, die mehr Freuung enthalten könnte als die, zu der man sich in der Konkretion entschlossen hat, zu vermeiden. Damit geschieht nichts anderes als daß - gestaltete - Wirklichkeit vermieden wird! Gleichzeitig steigt ja der Hunger nach Leben. Das es aber nur in Wirklichkeit gibt.)

Die Möglichkeit aber ist zufällig. Während es Wirklichkeit nur in Gott, dem ACTU, gibt. (Weil alles Mögliche nur durch das reine SEIN wirklich wird.) Er ist die Ursache der Wirklichkeit, die durch das Mögliche nur beschränkt ist. Deshalb gibt es einen vernünftigen Grund für alle Dinge: alles bliebe Zufall.



*270810*