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Sonntag, 31. Oktober 2010

Beeindruckend gut

Selten findet sich eine metaphorische Botschaft so deutlich, interessant und gut umgesetzt: was die Internet- und Fernsehgesellschaft für ihre Kunden tut. Auch eine Erzählebene, der Verstand; wenn auch keine der eigentlichen Poesie.

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Schleier X


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Ende der Serie.

Nun wissen wir, warum Alice Schwarzer gegen den Schleier ist.

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Das Ungesagte sprechen

Denken, schreibt Martin Heidegger einmal in "Sein und Zeit", bedeutet immer "den Anfang denken", über alle Begrifflichkeit hinaus das Sein selbst zu befragen. Dies kann nur in einem "Zurücktreten vor dem Sein" geschehen, sodaß man aus den historischen, zeitbedingen ontologischen Bedingungen heraustritt. Die, wenn sie sich "in sich" bewegen, unweigerlich Degeneration sind.

In unserem Sprechen zeigt sich dieses Sein nur indirekt - aber es zeigt sich, und wir sprechen von ihm. Es zeigt sich als das Verborgene, das die Zeichen nur als Hinweise benutzt. Das Sagen aber verbirgt genau das, was sich zeigt, es ist Vorhang auf der Bühne des Seins.

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Deshalb ist auch Philosophie nur fälschlicherweise als fortschreitender Denkprozeß verstanden, in deren Disput es bestenfalls um die Regeln der Logik geht, um Stein auf Stein aufeinanderzuschichten, in einem unentwegten Fortschrittsprozeß. Vielmehr muß Philosophie immer wieder dieses ursprüngliche Befragen des Seins bedeuten. Sie ist damit wesenhaft Aufgabe des "wissenschaftlichen Laien". Denn sie braucht die Unbedarftheit des Fragens und Sehens, um über alle Konstrukte der Begrifflichkeiten hinaus dem Sein noch begegnen zu können.

Das Ungedachte ich kein blinder Fleck, den es auszufüllen gilt (übrigens: so dachte Meister Eckhart), sondern es ist das Sein selbst, die Weise seiner Präsenz, das wesentlich Ungedachtes ist. Der Rang des Denkens eines Philosophen bestimmt sich daher aus dem Maß, in welchem das Ungesagte in seinem Gesagten noch präsent ist.
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Definition: Aberglaube

Das Wesen des Aberglaubens, schreibt Valentin Tomberg in "Lazarus, komm heraus", ist der Verzicht auf Bewußtseinsklärung zugunsten der Finsternis des Unbewußten und des Ungewissenhaften, d. h., Aberglaube ist ebenfalls ein Rauschzustand [wie jener der Schamanen und Derwische; Anm.], wo das Bewußtsein "von der Zinne des Tempels" [die dritte Versuchung Jesu; Anm.] gestürzt ist. 

Eigentlich liegt Aberglaube überall da vor - ob in der Zauberei oder in der Wissenschaft -, wo auf das "Was" zugunsten des "Wie" verzichtet wird, d. h., wo man Kräfte und Dinge ohne Einsicht in ihr inneres Wesen manipuliert.

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Samstag, 30. Oktober 2010

Grauenloser Horror

Der Rationalismus ist der Pferd der Logik, die sich auf die Vernunft geschwungen hat - anstatt umgekehrt. Zur Vernunft erhöht, wird die Logik aber irrational. Und weil ihr die Anbindung an die Welt fehlt, die in der Vernunft statthat, sucht sie ein anderes Empfinden - sie sucht die Mystik des Irrationalen, und das ist ein ganz eigentümlicher Horror - es ist das Licht des Dunkels, es ist Dämonie.

Der heutige Mensch ist kein Liebhaber des Horrors. Dieser hat sich nämlich gespalten. In eine Zelebration des Dämonischen, einerseits, und das - auf Vernunft basierende - Grauen anderseits. Denn im Irrationalen, im sohin Widervernünftigen, zwingt sich das Widervernünftige dem Betrachter auf. Und wird somit wirkliche Dämonie.

Der "gute, alte Horror", der auf dem Grauen basiert, ist hingeben die Furcht vor dem Jenseitigen, das aber - weil das Diesseits transzendent ist - nie widervernünftig ist, sondern nur unerwartet. Es gehört eben nicht hierher. (Beispiel aus jüngster Zeit: "Der Exorzismus von Emily Rose")

Man ordnet also zu Unrecht ALLES einem Genre ein. Die meisten der heutigen Horrorfilme oder -werke (Stephen King zählt in fast allen seinen Werken zu ihnen) sind aber aktualistische Dämonenbeschwörungen: der Betrachter fürchtet sich vor realen (!) Dämonen, als Folge der Abwesenheit der Vernunft.

Weshalb diese Art des Horrors auch immer etwas "Dummes" hat: ihr Liebhaber entschließt sich nicht zur erhöhenden Poesie, selbst wenn sie sich auf Transzendentes, auf die Geisterwelt bezieht, sondern zur erniedrigenden Dummheit.

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Die Frage ist also, ob man aus diesem Gesichtswinkel besehen bei Halloween "Entwarnung" geben könnte - wegen Harmlosigkeit, und als verständlichen Wunsch nach Transzendenz, nach Erleben der Jenseitigkeit, der in der liturgielosen, verdampften Kirche nicht mehr erfüllt wird. Wären die damit verbundenen Motive nicht sehr komplex, und vielfach Fragen der Kulturerscheinungen. Aber die Erscheinung Halloween ist mit Gewißheit als direkte Reaktion der Selbstabschaffung der Kirche zu sehen. Damit hat die Kirche den Posten "Religion" zur Neubesetzung freigegeben, und zahlreiche Bewerber haben sich gemeldet. Von Halloween, bis zu den Grünbewegungen, der aufgeklärten Variante der Transzendenz.

In unserer Kulturgeschichte zeigt Halloween mehr an, als es ist, wie weit wir uns bereits zurückentwickelt haben. Denn wir haben die Religion entsorgt, die diese Transzendenzahnung ergriffen und erfüllt hat, und die uns zu einer Größe geführt und befeuert hat, die beispiellos ist. Ob nicht deshalb Halloween zu feiern heißt, den Kakao, durch den wir gezogen wurden, auch noch zu trinken? Ob uns denn nicht auch schon jene letzte Transzendenz fehlt, und das ist anzunehmen, die uns Halloween überhaupt "feiern" könnte lassen? Ob nicht also das folgerichtig Einzige, das uns da noch bleibt, blanke Dämonie wäre?

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Schleier IX



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Mut zur Eigenperspektive

"Politik hat es zu tun mit Subjekten in Strukturen, Kollektiven, Populationen usw. Sie manipuliert diese Subjekte, indem sie Rahmenbedingungen festsetzt, von denen sie sich ein bestimmtes Verhalten erhofft. Aber die Festsetzung dieser Rahmenbedingungen wird ein einem demokratischen Staat selbst wieder öffentlich erörtert. 

Alles liegt daran, ob die so aufgeklärten Bürger sich selbst nur noch als Objekte der Wissenschaft verstehen, ob sie ihre eigene Subjektstellung selbst nicht mehr ernst nehmen, ob sie die den Menschen entwürdigende Sprache der Wissenschaft zu ihrer Selbstbeschreibung benutzen, oder ob sie den Modellcharakter aller Wissenschaft begreifen und sehen, daß die ars longa nur deshalb so lang ist, weil sie eine Abstraktion aus der vita brevis ist."

Robert Spaemann in "Ars longa - vita brevis"

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Some sugar in my bowl

In einer Zeit, da sich die Menschen selbst das Gute gaben, weil sie meinten, sie müßten es sich selbst geben.


Nina Simone - I want a little sugar in my bowl

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Bedenkliche Fakten

Die Junge Freiheit bringt aktuelle Zahlen, die von Auswirkungen erzählen, die einmal kräftig schlucken lassen:

Jede 10. Rente in Deutschland (also 2,2 Millionen) geht mittlerweile an einen Nicht-Staatsbürger. Mehr als die Hälfte dieser Renten (1,3 Mio) werden dabei nicht innerhalb Deutschlands ausgezahlt, sondern gehen auf Konten im Heimatland des Rentenbeziehers, der Rest (908.000) geht auf Konten in Deutschland.

Dieses Faktum ist deshalb so wirkungsvoll, weil aktuell erwirtschaftete Wertschöpfung, die auch die Rente beinhaltet, abgeschöpft wird. Es wirkt also wie eine "Sparquote" - Geld, das dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird, und damit jene Nachfrage dämpft, die erst Produktivität ermöglicht.

Auf die Spitze getrieben könnte man formulieren: Migranten schaffen hierzulande jene Sozialwertschöpfung, die sie, in Erfüllung "ihres" Generationenvertrags, zugleich an ihre eigenen Vorfahren in ihrer Heimat weiterleiten, wo diese Gelder Nachfrage und damit Produktivität generieren, die natürlich hierzulande fehlt.

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Entscheidende Begrifflichkeiten

In den Begrifflichkeiten, als irgendwann entstandene Problemdefinitionen, zeichnet sich, so Ludwig Fleck, am deutlichsten das Relative, Historische der Wissenschaft ab. Anhand seiner Analyse der Entstehung des Syphilis-Begriffs muß ein Denkansatz verweigert werden, der davon ausgeht, daß mit heutigen Instrumentarien und Möglichkeiten ein rascherer Klärungsprozeß gefunden worden wäre. Selbst der Erreger kann nicht als "Erreger" gesehen werden, sondern als Mikroorganismus, der mit der Syphilis in Beziehung zu setzen ist. Dies ist weit mehr als eine Spielerei, weil sich daran die Frage des "Trägertums" entscheidet.

(Die sehr grundsätzliche Frage muß also sein, ob die seit den 1940er Jahren gegebene "Breitseitenbekämpfung" durch Penicillin, die heute zunehmend an ihre Grenzen stößt, genau daran scheitern muß: weil man sich zunehmend vom "was" der Krankheiten ab-, und nur noch dem "wie bekämpfen" zugewendet hat.)

"Auch die heutigen Forschungsmittel sind eben Ergebnis der historischen Entwicklung, sie sind so und nicht anders eben durch solche und nicht andre Vorgeschichte. Auch der heutige Begriff der Krankheitseinheit z. B. ist Entwicklungsergebnis und nicht die logisch einzige Möglichkeit. Man kann nicht nur vollkommen andersartige Krankheitseinteilungen einführen, wie es die Geschichte lehrt, aber man kann auch überhaupt ohne den Begriff einer Krankheitseinheit auskommen."

An dieser Stelle sei dezent daran erinnert, daß - über die Gründe könnte man separat disputieren - von "Aids" erst seit wenigen Jahrzehnten gesprochen wird. Mit einem Federstrich wurde aus einer lange schon bekannten Symptomkollektion ein Krankheitsbild deriviert. (Weshalb ich jener Meinung anhänge, daß einer wirklich fruchtbaren Erforschung der Krankheit durch einen völlig verkehrten, begrifflich viel zu früh definierten Ansatz - hier der HIV-Erreger, dort die Krankheit - eiserne Riegel vorgeschoben wurden. Und finde mich bei Fleck bestätigt: denn er weist ebenfalls darauf hin, daß in jedem Fall ein offeneres, mehr Bindungen zulassendes Definitionsfeld vorzuziehen ist. Begriffe sind nur denktechnische Hilfsmittel.)

Ähnliches geschah (als zufällig herausgegriffenes Beispiel) in der Definition von "Schizophrenie". Ronald D. Laing, der "amerikanische Freud", hat sich immer gegen die schließlich einfach durchgesetzte Definition gewehrt, die führe am eigentlichen Problem vorbei.

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Freitag, 29. Oktober 2010

Schauspiel

Gefunden auf i.imgur.com via foundontheweb

Wiederkehr der alten Götter

Valentin Tomberg vertritt die Auffassung, daß die unbewältigte, unvollkommene Christianisierung Europas die Ursache für die Wiederkehr heidnischer Grundideen  ist, wie sie die Evolutionstheorien (ein Aberglaube, weil sie auf völlig ungeklärten Grundsätzen beruhen; Anm.) darstellen.

Weil die heidnischen Religionen nicht wirklich eingearbeitet wurden, weil das Christentum sie nicht "durchdrang, hob und verwandelte", blieben sie unbewußt wirksam - und äußern sich heute in einer Renaissance alter Götter.

Betrachtet man die Erkenntnisgeschichte Europas so fällt auf, daß die alten heidnischen Grundideen nie wirklich "ausgerottet" (nur: unterdrückt) waren, und in mehr oder weniger großen (oder kleinen) Bereichen ständig fortschwelten, mal aufflackerten, mal glosten, mal brannten. Aber die Geschichte der Philosophie ist eine fortwährende Auseinandersetzung mit solchen alten, nur im Unterbewußtsein fortlebenden Auffassungen, deren Plausibilität (und hier hatte die Kirche eben versagt) in einer strukturell oft sehr richtigen, aber lediglich von der Potenz her "zu geringen" Wahrheit lag.

Heidnische Auffassungen von der Welt und den Göttern drücken ja (mehr oder weniger klar, zumindest meist aber ahndungshaft) Abschattierungen von Wirklichkeitsstrukturen aus, das heißt daß sich in ihnen auch das Wirken des (christlichen) einen Gottes zumindest schattenhaft. wenn auch unvollkommen, abzeichnet. Das gibt ihnen auch die Chance, (eventuell gereinigt) im Christentum in einer weit größeren Fülle aufzugehen. Ja in vielen Fällen - am deutlichsten im Judentum - erfüllt das Christentum heidnische, oder vorchristliche Ziele und Vorstellungen.

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Die wissenschaftlichen Tatsachen

"Die Entstehungsgeschichte eines wissenschaftlichen Begriffs könnte jenem Erkenntnistheoretiker gleichgültig sein, der glaubt, daß z. B. die Irrtümer eines Robert MayerEnergieerhaltungssatzes hätten. gar keine Bedeutung für den Wert des

Dem ist zu entgegnen: Erstens gibt es wahrscheinlich keine vollständigen Irrtümer, so wenig wie vollständige Wahrheiten. Es wird sich früher oder später eine Umarbeitung des Energieerhaltungssatzes als notwendig erweisen - und dann wird man vielleicht an einem verlassenen "Irrtum" rück-anknüpfen müssen.

Zweitens, ob wir wollen oder nicht, wir können nicht von der Vergangenheit - mit allen ihren Irrtümern - loskommen. Sie lebt in übernommenen Begriffen weiter, in Problemfassungen, in schulmäßiger Lehre, im alltäglichen Leben, in der Sprache und in Institutionen. Es gibt keine generatio spontanea der Begriffe, sie sind, durch ihre Ahnen sozusagen, determiniert. Das Gewesene ist viel gefährlicher - oder eigentlich nur dann gefährlich - wenn die Bindung mit ihm unbewußt und Unbekannt bleibt."

"Es ist ein Wahn zu glauben, die Geschichte des Erkennens habe mit dem Inhalte der Wissenschaft ebensowenig zu tun wie die Erfindung des Telephonapparates mit dem Inhalt der Telephongespräche: Wenigstens drei Viertel und vielleicht die Gesamtheit alles Wissenschaftsinhaltes sind denkhistorischd, psychologisch und denksoziologisch bedingt und erklärbar."

Ludwik Fleck, in "Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv"

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Erstaunlich

Die T-Form des Kreuzes, das sich rund um die Franziskaner herausgebildet hat, führt man zum einen auf eine lange erhaltene Legende, daß Christus mit drei Nägeln auf eben einem solchen Kreuz hingerichtet worden sei. Das dürfte freilich nicht stimmen.

Henri Thode macht auf die Parallele aufmerksam, daß auch in diesem Punkt eine gewiß nicht zufällige Spur zu den als Ketzer verurteilten Waldensern - aus deren subjektiver Frömmigkeit der Hl. Franz sich in vielerlei Weise herleitet - führt. Denn einer deren Streitpunkte war - genau diese Kreuzform. In diesem Zusammenhang also ein apokalyptisches Symbol, so wie der Hl. Franz als Figur der Apokalypse des Johannes gesehen wurde. Die zur damaligen Zeit - aber auch heute! - nicht zuletzt unter Berufung auf höchst populären Prophezeiungen des Joachim von Fuore eine große Rolle im Glaubensleben der Menschen spielte. Denn Schwärmerbewegungen beziehen ihren letzten Ersten in hohem Maß von der Ernsthaftigkeit der historischen Situation - unter Hinweis auf das Jüngste Gericht wird so die Analogie (in Gott gibt es keine Zeit, der Zeitbegriff muß also anders gesehen werden, wo die Geschichte sich in die unendlich kleine Gegenwart komprimiert - Geschichte ist ja nur eine Aufeinanderfolge eines Ganzen, das in Gott und der Ewigkeit ein einziges Ganzes ist) durch eine höchst konkrete Anschaulichkeit verdrängt: die Not der Lage rechtfertigt dann auch "neue" Wege, rechtfertigt den Ungehorsam, auf den letztlich alle solche Bewegungen aufbauen.

Und hier entscheidet sich der Hl. Franz eben entscheidend. Weil sich damit erst seine Heiligkeit nicht auf "besserer Technik", auf "richtigerer Ansicht" oder gar "besserem Wissen" aufbaut, sondern eben wirklich auf Gnade.

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Eine wunderschöne Geschichte

Die Kindheit bleibt lebendig, bleibt gegenwärtig. Vater und Tochter, in ihrem Zueinander.

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Donnerstag, 28. Oktober 2010

Nur noch enttäuschend

Monica Bellucci; über 18!
Enttäuschung für alle, die meinten, es gäbe wirklich Neues um "Stallone Berluscone", den Rechten mit den schönen Frauen - mitnichten, die Nachrichten der hiesigen Zeitungen entpuppen sich als leeres Topfgeklappere: KEIN Sexskandal, keine Liaison des Ministerpräsidenten mit, vielleicht, Monica Bellucci, was ihm allemal zu verzeihen wäre, welcher Mann wäre da nicht bloß Mensch ...

Stattdessen: Nachrichten von der Besetzungscouch eines seiner Sender, wo eine noch nicht ganz 18jährige Marokkanerin, die angeblich nichts sonst will als Star zu werden, mit den beiden Managern des Senders, angeblich, beim Vorsprechen etwas freizügiger umgegangen sein soll. Oder: bei der Cocktailparty danach.

Die selbst aber aussagt, daß Berlusconi sie lediglich mit teuren Geschenken verwöhnt habe, und was für besondere Vorliebe er für noch nicht ganz 18jährige Schönheiten hat, und zwar: rein platonischer Art, gewissermaßen als Kunstkenner, oder Politiker, hat sich ja schon in den Vorjahren gezeigt, sie haben ihn sogar seine Ehe gekostet. Und außerdem, noch nicht 18, sondern 17, und ein halb: es soll (fast)europäische Präsidenten geben, die haben ihre Frauen geheiratet, da waren die erst 15! Und ihre Ehen sind sehr glücklich verlaufen, wie man hört. Also? Am Alter kann's nicht liegen.

Silvio  Berlusconi - Mit Mädchen; alle über 18!
Liegt's an Berlusconi selber? Wird er alt? Wird er seriös? Wird Berlusconi tugendhaft? Hat's die hiesige Politik mit ihrer Langeweile zu weit getrieben, sodaß die Zeitungen sich mit Geifer ums Maul auf alles stürzen, was "Berlusconi" und "Mädchen" heißt, sodaß sie sogar "Symbolphotos" veröffentlichen, die ihn mit wildfremden Mädels zeigen, um den Zuseher mit etwas Phantasie und Anregung doch noch zu beglücken, den die Schlagzeile lockte, und der denn doch nach wenigen Zeilen enttäuscht sein muß, weil es einstweilen nun doch KEINEN neuen Sexskandal um ihn gibt?

Wer weiß. Nur eines wissen wir, wir Eingeweihte: Berlusconi wird uns auch weiterhin nicht enttäuschen.




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Wissens(chaftlichkeits)psychose

Er wurde von einem blinden Schicksal fast völlig um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Und hätte ihn nicht ausgerechnet jener - Thomas S. Kuhn - in seiner Arbeit, die genau seine Thesen aufgreift und verwertet, und die dann berühmt wurde, "Strukturen wissenschaftlicher Revolutionen", wenigstens erwähnt, er wäre wohl völlig vergessen: Ludwik Fleck. Er war in den 1920er/1930er Jahren in den Lemberger Wissenschaftlerkreis eingebunden, der auch den Wiener Kreis reflektierte. Fleck lehnte dessen Ansatz ab, und sein Hauptwerk, das ihm einen ewigen Platz in der Geschichte der Wissenschaft sichern müßte, ist auch eine Kritik des Wittgenstein'schen-Popper'schen Positivismus, der nach dem 2 Weltkrieg aber so großen Einfluß gewann: "Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache". Von dem Buch, das gerade noch 1939 erschien, wurden in den Jahren bis zum Tod des Autors kaum 500 Exemplare verkauft.

Ludwik Fleck (1896-1961)
Fleck war eigentlich Mediziner, und befaßte sich mit Typhus und Virenerkrankungen, was ihm in den KZs, die er später durchlitt, auch das Leben rettete: die SS entdeckte, daß er mehr als ein Arzt war, und steckte ihn in eine ihrer Serumsfabriken, wo er Typhus-Serum produzieren sollte. Was er scheinbar tat - dabei aber die SS-Ampullen mit unwirksamem Impfstoff füllte. Den wirklichen Impfstoff verwendete er nur für die kranken KZ-Insassen ...

Ursprünglich befaßte er sich mit einer Entdeckung im Bereich der Abwehrreaktion bei Typhus, wo ihm auffiel, daß sich Leukozythen verklumpten, sobald der Organismus an einer Stelle an einer Entzündung litt. Daraus entwickelte er den Fleck-Test, der in Polen und der Ukraine auch nach dem Krieg noch lange Zeit eine Rolle spielte.

Bald aber befaßte er sich mehr und mehr mit der Art, wie wissenschaftiche Theorien überhaupt entstanden, denn das schien ihm bei der Befassung mit Syphillis ein viel eigentlicheres Problem zu sein, als die Bekämpfung der Syphillis überhaupt. Fleck entdeckte, daß wissenschaftliche Meinungen und Ansätze nämlich nach sehr klar nachvollziehbaren soziologischen Regeln entstehen - und NICHT, wie die landläufige Meinung war, durch streng wissenschaftliche Aussintherung des Wahren, Besseren, und immer Besseren. Sie sind deshalb immer nur relativ zu ihrer Zeit zu sehen, als absolute Wahrheiten aber untauglich. Wahrheit? Wahrheit spielt bei wissenschaftlichen Auffassungen nur eine bestimmte Rolle, aber nicht einmal das ist sicher, wenn ...

... ja wenn die Thesenbildung nämlich zu esoterisch vor sich geht, also zu wenig externen, exoterischen Bildungsprozessen unterliegt, durch externe Kontakte, vor allem und interessanterweise im Kontakt mit dem "common sense", dem Hausverstand: durch Popularisierung der Thesen vor allem also. Denn frische Ansätze, Denkregeneration, braucht diese "Fremdheit", auch der Denkkreise. Fleck geht in Konsequenz tatsächlich so weit, den immer frischen Amateur(ismus) zur Bedingung der Wahrheitsfindung innerhalb einer Wissenschaft zu machen.

Wissenschaftliche Thesen aber werden durch soziologische Prozesse gebildet, durch zwischenmenschliche Vorgänge, die einer Absicherung von Identitäten gleichen. Das hat auch gravierende Auswirkungen bei der Auswahl des Nachwuchses, auch an den Universitäten, die sämtlich solchem Bestandserhalt entsprechen. Nur wer den solchermaßen entstehenden "Denkstilen" entspricht, vermag in diese Kreise und Zirkel auszusteigen, welche Ausleseprozesse alle Elemente von Eliteverhalten zeigen. Je homogener solche Zirkel sind, desto weniger Rolle spielt "Wahrheit", desto ausdifferenzierter werden bloße Abwehrmechanismen, desto mehr werden Tatsachenanalysen zu Irrtumsanalysen.

Wissenschaftliche Forschung vollzieht sich nie isoliert, sondern immer in Denkkollektiven, in denen Ursachen und Wirkungen kaum noch zu differenzieren sind. Aus ersten Thesen, die publiziert werden, entwickelt sich bald ein "Handbuchwissen", das mehr und mehr die Formen eines Denkzwanges annimmt. Entsprechend selektiv (und historisch gebunden) wird der Umgang mit Tatsachen, es entsteht eine "Harmonie der Täuschungen", Denken ist nur noch Selbstvollzug "sozialer Stimmungen". Neue, wirklich neue Erkenntnisse stehen nur noch in Zusammenhang mit Revolutionen des Denkstils der Denkkollektive, weil Erkennen von einer sozialen Wirklichkeit nicht zu trennen ist. Einer "absoluten Wirklichkeit" aber nähert sich diese Wissenschaftlichkeit nie, weil in dem Maß, in dem sich die Erkenntnis ändert, auch die Wirklichkeit herum umgeformt wird, jede Entdeckung erzeugt weitere Wirkungen im Getriebe der Forschung, die in sich konservativ bleibt, weil Kenntnisse aus Erlerntem bestehen. Die erkannte Wahrheit wird so relativ zum Zweck des Wissens.

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Bislang hat noch niemand wirklich seriös darüber nachgedacht, was für Konsequenzen diese Erkenntnis für die Zeit des Internet hat. Wenn sich nämlich die soziologischen Größen durch Globalisierung und Gleichzeitigkeit, durch Homogenisierung der Wissensgenerierung, nicht mehr erweitern, wenn also die Wissensgenerierung nur noch Angelegenheit einer einzigen homogenen Gruppe wird, mit lediglich mächtigeren, aber immer weniger "fremden" Denkorten, muß sich zwangsläufig Wissenschaft und wissenschaftliche Erkenntnis immer mehr in sich abschließen, und nur noch aus sich selbst entwickeln.

Damit schwindet die Wahrscheinlichkeit, daß durch Diskursprozesse, durch Kontakte mit "Andersdenkenden", Irrtümer ausscheiden, und steigt die Wahrscheinlichkeit, daß sich zum Gegenteil Irrtümer perennieren, verfestigen, weil soziologisch ihre Tendenz zur "Ewigkeit", in der Selbstabsicherung, immer vollkommener ausprägen! Wissenschaftliche Thesen werden solcherart zu psychosozialen Erscheinungen, die von "Psychosen" nicht zu unterscheiden sind: zu "Wissenschaftlichkeitspsychosen".

Das Internet, die "eine Welt und Öffentlichkeit", wirkt somit fatal, weil es nur noch zur Potenzierung bereits bestehender Tendenzen und Konstellationen führt, zu einer Versteinerung der Konflikte durch Kategorisierung der einzelnen Denkdifferenzen zu absoluten Endkonstellationen - zur definitiven Ausschaltung anderer Denkansätze also. Die aber wissenschaftshistorisch unverzichtbar wären.

Unter solchen Ansätzen muß sich Wissenschaft - soweit sie offiziell ist - also zwangsläufig zu einer Irrtumsproduktion entwickeln, die in sich mehr und mehr gefangen bleibt. Weil sie Diskursprozesse immer einheitlicher werden, verlieren sie jede Maßstäblichkeit, und würgen selbst "kleine", partielle Gegenthesen mehr und mehr ab, weil sie die Natur auch solcher partieller Diskussionsprozesse maßgeblich eingreifen. Bildlich gesprochen: in der Diskussion mit dem Kollegen wirken autoritative Kräfte, die den zwischenmenschlichen Rahmen in die größte Weltvorgänge hinein verlängern.

"Seine" Autorität wird plötzlich die weltweiter Kollektive - es gibt durch die extreme Vernetzung (Twitter, Newsfeeder, etc. etc.) nur noch EINE soziologische Gruppe. Das Internet führt also nicht zu einer Diversifizierung, sondern zu einer Vertiefung, zu einer Einengung auf nur noch eine psychosoziale "Sieger-"Gruppe, durch Selektion.

Und wer alltägliche Informations- und Meinungsbildungsprozesse beobachtet, wird dies tatsächlich selbst im Kleinsten feststellen: es gibt keine kleinen partiellen Meinungsbildungsprozesse mehr, sondern mehr und mehr nur noch einen einzigen. Die sozialen Prozesse werden also immer einheitlicher, und damit die Kräfte die darin wirken: der Bezugspunkt sozialen Verhaltens (und damit die Kriterien der Meinungsbildung als Haltung zum "Wissen") wird, psychosozial gesehen, immer weniger das partielle, individuelle Gegenüber, sondern die eine, einzige "Welt".

Damit wird Wissensgenerierung generell - für JEDEN einzelnen - mehr und mehr zum Teil eines einzigen Vorgangs, und gerät in dringenden Zweifel, weil es für den, der in diese Prozesse (und hier ist die Rede von Lebens-, nicht nur Meinungsbildungsprozessen, weil Wissensbildungen soziale Vorgänge sind; s. u. a. Luhmann) eingebunden ist, kaum eine Möglichkeit gibt, zurückzutreten, um aus innerer, absichtsloser Distanz eine "eigene" Meinung zu bilden. Weil die Beteiligten alle einen - und zwar bald wirklich nur: einen! - Zweck verfolgen.

Rein soziologisch - hier habe ich schon mehrfach diese Tatsache dargelegt - ist deshalb die Beobachtung, daß sich "Problemdefinitionen" mehr und mehr verabsolutieren und globalisieren (Stichwort: Klimawandel), überhaupt nicht zufällig. Genauso wenig wahrscheinlich aber ... wahr. Wir meinen deshalb, folgerichtig, aus dem Beobachten weltweiter Prozesse, daß aus statistisch - aus diesem einen selektiven Horizont heraus - gleichen Prozessen (die das nur sind, weil wir sie SO SELEKTIEREN) auch einheitliche, alle umfassende Prozesse ableiten lassen.

Es ist aber - wissenschaftlich, wissenschaftstheoretisch - fast Gewißheit (weil so hoch wahrscheinlich zutreffender) zu sagen, daß SOLCHE Wissensbildungsprozesse kaum noch Wahrheits- und Realitätsgehalt besitzen, sondern sich als soziologische Prozesse verselbständigen. Eine eigene Dynamik entwickeln, weil ihr Zweck thesenprägende Kraft hat.

Die hier vorzufindende Ablehnung solcher Bedrohungsszenarios ist, wie noch einmal dargelegt sein soll, nicht auf einzelne Fakten zurückzuführen, sondern auf diese Prozesse, die analysiert zwangsläufig zu solcher Haltung führen. Was immer hier in den letzten Jahren beobachtet werden konnte wies zunehmend alle Merkmale solcher Psychosen auf, und keinesfalls und immer weniger Merkmale "wissenschaftlicher Thesenfalsifizierungen/-verifizierungen".

Vereinfacht: Wir leben heute im Zeitalter weltweiter Dämonien, weltweiter Massenpsychose, und nicht weltweiter (realer) Probleme.

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Politisches Handeln, wie auch privates ethisches Handeln, ist also nur dann sinnvoll, wenn erst diese Psychose(n) abgelegt, überwunden werden, was an sich bereits politische Aufgabe wäre, woraufhin zum anderen der Blick für reale, partielle Probleme wieder frei wird. Nicht "größer", "globaler" also muß der Maßstab politischen Handelns werden, sonder "kleiner".





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Ertragsberechnung

Robert Spaemann schreibt in "Ars longa - vita breva": "Daß die Industrie der sechziger Jahre auf türkische Gastarbeiter zurückgreifen wollte und dabei eine dreijährige Rotation ablehnte, war von ihrer Zielsetzung aus vollkommen rational. Ihrem Zweck war damit gedient. Nicht rational war das Verhalten der Politiker, deren Aufgabe es gewesen wäre, die langfristigen sozialpolitischen Folgen mit in Rechnung zu stellen."

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Unlöschbarer Brand

1962 brach in der Kohlenmine von Centralia, Pennsylvania, USA, ein Brand aus, in dessen Folge der Abbau eingestellt werden mußte. Noch heute, 48 Jahre später, brennt die Kohle unterirdisch weiter. Ein ganzer Landstrich ist unbewohnbar.



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Mittwoch, 27. Oktober 2010

Selbstzerstörung

"Kennzeichnend für das Bestehende in einer modernen Industriegesellschaft ist, daß´in ihnen alles Bestehende geringe Chancen hat, zuletzt dann auch die Natur als das Solideste von allem Bestehenden. Die moderne Zivilisation erschwert so etwas wie Verbindlichkeiten, sie erschwert feste Überzeugungen, stabile Bindungen, unbestrittene Geltungen. 

Solche Überzeugungen, Bindungen, Geltungen, die aufzulösen an sich einmal zur traditionellen Rolle der Intellektuellen gehörte, sind gleichwohl unentbehrlich für den Bestand einer Freuen Gesellschaft. Daraus folgt, daß´eine einseitig emanzipatorisch verstandene Freiheit tendenziell ihre eigenen Reproduktionsbedingungen abbaut."

Robert Spaemann, in "Überzeugungen in einer hypothetischen Zivilisation"

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Das Leben ist schön

Unerschöpflich seine Fülle.


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Angst vor dem Teufel

(aus: Die Welt) In Frankreich sind elf Menschen aus dem Fenster gesprungen, weil sie einen nackten Mann für den Teufel hielten. Der Vorfall habe sich in einer Wohnung im zweiten Stock eines Hauses in La Verrière in der Nähe von Paris ereignet, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei dem mysteriösen Massensprung ist ein vier Monate altes Baby gestorben, elf weitere Menschen wurden verletzt.

Wie die Polizei mitteilt, habe ein Voodoo-Ritual stattgefunden. 13 Afrikaner waren in der Wohnung, als gegen 03.00 Uhr am Morgen einer von ihnen sein Kind schreien hörte. Einer der Männer, der total nackt war, stand auf, um sich um sein Kind zu kümmern – und "auf einmal hielten ihn alle für den Teufel“

Er wurde von den anderen Bewohnern angegriffen, mit einem Messer schwer an der Hand verwundet und aus der Tür geschubst. Als er wieder in die Wohnung wollte, „versuchten die anderen zu flüchten, indem sie aus dem Fenster sprangen – völlig panisch aus Angst vor dem Teufel“

Die Opfer, darunter mehrere Kinder, wurden nach Behördenangaben ins Krankenhaus gebracht. Ein vier Monate altes Baby ist inzwischen gestorben.

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In die eigene Vorstellung verlegt

Gut gespielt, gut die Situation gebaut. Dramaturgie schlicht: Drama am Anfang, Auflösung am Schluß. Der Humor liegt in der eigenen Vorstellung.

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Schleier VIII



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Fettwanste

Der Orden der Franziskaner, mit allen Abspaltungen und Tertiarorden, wächst unglaublich rasant. Noch im Todesjahr des Hl. Franz zählen die Minoriten 3000 Brüder. 42 Jahre später zählen die Franziskaner 8000 Klöster mit 200.000 Mönchen.

Kaiser, Könige, Heilige zählen zu den Tertiarorden, die dem Vorbild des Heiligen Franz nacheifern - mehr, oder weniger. Eher weniger dafür zunehmend die Klöster: das Armutsideal verliert sich bald, Betteln wird zum neckischen Schein, und der Wohlstand zieht auch in die Klosterküchen ein. Ja, sie sind noch im 13. Jhd. als Epikuräer verschrieen, und man sieht es mit Eifersucht, aber durchaus auch mit berechtigten Beschwerdegründen, daß ihre Rolle in der Kirche derartig zunahm.

Denn sie sind einerseits die Träger der Mission der Weltkirche, wie auch der inneren Mission - aber damit untergraben sie die normale Seelsorge, denn die Menschen gehen lieber bei Wandermönchen beichten, als beim Ortspfarrer. Der damit aber sein eigentliches Amt, die Seelsorge, nur noch beeinträchtigt wahrnehmen kann.

Vor allem die Freundschaft der gesellschaftlichen Eliten kommt in der bußfertigen Gebefreude ihrem materiellen Gebaren aber auf eine Weise entgegen, die gewiß nicht mehr die Gründungsintentionen erfüllt. 1246 kommen die Franziskaneroberen aus London den Papst bereits reichgekleidet wie Fürsten besuchen, und in diesem Wohlleben kommen sie auch als Frauenlieblinge ins Gespräch, sodaß sich eine immer stärkere Gegenströmung bemerkbar macht. Dennoch erringen die Franziskaner auch in den Wissenschaften - ebenfalls gegen die Gründerintention - ihre Meriten, und dominieren (neben den Dominikanern) die Universitätslehre. Und mit Figuren wie Alexander von Hales gewinnt die franziskanische Spiritualität Einfluß auf Thomas v. Aquin und von da her auf die gesamte Zukunft der Kirche - wobei sich ihre Theologie bald spaltet: findet sie in der älteren Richtung (in Heiligen wie Bonaventura) noch klare Anleihe im franziskanischen Mystizismus des Platonischen, formiert sich aus einem ebenfalls im Hl. Franz angelegten Spiritualismus später der Nominalismus.

Der dem Realismus der Scholastik bald in regelrechter anti-katholischer Haltung gegenübersteht: als Skeptizismus, der die individuelle religiöse Anschauung gleichberechtigt der kirchlichen Autorität gegenüberstellt - ein Erbe der Waldenser. Diese Richtungen, die in William v. Ockham erste Ausformulierung finden, bahnen damit den Weltanschauungen des 16. und 17 Jhds. ihren Weg, in Hobbes, Locke und Bacovon Verulam: die sinnlichen Dinge, die bloßen Erfahrungen, waren das einzig Anzuerkennende, die Begriffe bloße (substanzlose) Zusammenfassungen, die aber von nichts mehr sprachen, und mit Gottes Denken nie überein kamen - Theologie und Verstand wurden getrennt. Damit wurde die Religion rein auf das Gebiet individueller faktischer Praxis verlegt.

Thode weist darauf hin, daß diese Bewegung aber eigentlich dieselbe ist, wie sie sich in der Kunst abzeichnet und der Renaissancekunst zugrundeliegt: als Giotto beginnt, in Assisi erstmals nach der Natur zu malen. Und plötzlich beginnt, die Gefühle der Dargestellten auszudrücken.

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Geheimnis Werk

"Aus dem tiefen Geheimnis in ihm - dem Dichter - gezogen wird das Kunstwerk die Welt nicht nach den konventionellen Bildern (und Begriffen) reproduzieren, die diejenigen des Publikums sind. Es wird den Schein der Wirklichkeit zerstören, um bis zu dieser selbst vorzudringen." 

"Diese Wirklichkeit, an die nur er herankann, indem er die festgewordene Schicht seines Ichs zerbricht, bietet sich ihm nie in ihrer ganzen Nacktheit dar."

(Pierre-Quint,"Marcel Proust")

Wo unversehens Gefühle uns erheben
bis daß der Atem dieses Körpers hier,
Und selbst das auf und Ab des Bluts in uns
Beinahe eingelullt, wir schlafend liegen:
Im Leib fortan nur eine glühende Seele.
Indeß mit einem Aug' ganz ruhig durch
Die Allgewalt von Harmonie und Freude
Wir in das Leben selbst der Dinge schauen.


William Wordsworth


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Dienstag, 26. Oktober 2010

Heilsordnung - Lebensordnung

Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus. Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn (Christus); denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib. Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen. 

Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. 

Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehaßt, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche. Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche. Was euch angeht, so liebe jeder von euch seine Frau wie sich selbst, die Frau aber ehre den Mann. 

Brief des Apostel Paulus an die Epheser 5,21-33

Gespenster

Wenn das Bestehende zum Gespenst wurde - Zeit für Neues. IKEA mit einer hervorragenden Metapher.

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Nicht mehr erfüllbare Aufgaben

Die Kleine Zeitung brachte vor einigen Wochen ein Interview mit dem Militärkommandanten von Kärnten, Brigadier Mag. Gunther Spath, anläßlich der jährlichen Feiern zum Abwehrkampf Kärntens (gegen Okkupationssoldaten des eben neu gegründeten Jugoslawien) vor mittlerweile 90 Jahren.

Darin sagt Spath:

SPATH: Seit ich 2006 Kommandant geworden bin, gibt es die Einsparungsmaßnahmen. Die damalige Kommission hat festgelegt, die Grundorganisation zugunsten der Truppe zu verkleinern. Der letzte Schritt wird am 1. Oktober die Umstrukturierung des Militärkommandos sein. Das Ganze wäre besser zu akzeptieren, wenn es sich zugunsten der Truppe ausgewirkt hätte. Das hat es aber nicht. Die Bundesheer-Reform 2010 ist gescheitert. 
[...] Das Einzige, was durchgezogen wurde, war die personelle Umorganisation. Das ist auch das Billigste. Aber von den anderen Zielsetzungen ist keine Rede. Längerdienende in Auslandseinheiten? Nach den ursprünglichen Plänen sollten dort über 4000 Mann liegen. Es gibt nicht einmal 1800. Infrastrukturausbau? Materieller Zulauf? Davon ist keine Rede. Es gibt ein eklatantes Fehlen, das ist die Realität.

Jetzt kommt die Diskussion um die Wehrpflicht dazu. Das ist in der jetzigen Situation wohl auch nicht sehr förderlich?

SPATH: Eine typisch österreichische Diskussion. Man will in der Verfassung die Aufgaben des Bundesheeres so stehen lassen. Nur will man ein Instrument schaffen, das die Aufgaben nicht erfüllen kann. Das ist schizophren. Man soll zuerst sagen, welche Aufgaben man will. Dann sagen wir, das geht z. B. mit einer Freiwilligenarmee von 25.000 Leuten oder mit einer Armee von 15.000. Nur muss man sich bewusst sein, dass die jetzt in der Verfassung stehenden Aufgaben keinesfalls mehr in vollem Umfang wahrgenommen werden.

Wie sehen Sie die Aufhebung der Wehrpflicht aus ethischer und gesellschaftspolitischer Sicht?

SPATH: Als schweren Fehler. Die Staaten, die die Wehrpflicht aufgehoben oder ausgesetzt haben, haben schlechte Erfahrungen gemacht. Als Füllpersonal in Freiwilligenstreitkräften meldet sich nicht die Elite der Gesellschaft. Die Spanier haben den Durchschnitts-Intelligenz-Quotienten für die Aufnahme auf 70 gesenkt. Einem solchen Menschen mit der Waffe in der Hand möchte ich nicht begegnen.

[...] Die Verunsicherung und Skepsis steigt von Jahr zu Jahr. Wer das leugnet, ist ein Narr. Das Ausstiegsszenario, wo man Leute in der Finanzverwaltung unterzubringen versucht, ist an sich etwas Gutes. Nur befürchten wir, dass wir wieder die falschen Leute verlieren. Das war schon bei der Umstiegsmöglichkeit in die Justiz so. Wir haben genau Teile des jungen Kaders verloren, die wir brauchen. Die Älteren wurden auch dort nicht genommen.

Ihr Idealmodell einer Armee für Österreich, die zeitgemäß und in den gesamteuropäischen Kontext einzugliedern ist?

SPATH: Solange man immerwährend neutral ist, geht vieles nicht. Die Frage ist, was wollen die Leute. Assistenz bei Katastrophen? Dazu brauchen wir Truppen, die das können oder ein leicht bewaffnetes technisches Hilfswerk. Auslandseinsätze? Da ginge es unter 10.000 Mann nicht. Oder man schafft endlich eine aufbietbare Miliz. Nur muss das jemand gesetzlich verankern.

Ihre Meinung: Neutralität aufgeben oder beibehalten?

SPATH: Ich sehe im heutigen Europa in der Neutralität keinen Sinn mehr. Die Schweden und Finnen haben nach dem Zusammenbruch des Ostblocks erklärt, sie sind nicht mehr neutral, nur bündnisfrei. Da hat man alle Bewegungsfreiheiten und kann jederzeit sagen, da macht man mit.



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Schicksal

"Ein Land, das nicht um seine Verantwortung kämpfen will, wird um seine Sicherheit kämpfen müssen."

Walther Rathenau, im Jahre 1913 in "Das Eumenidenopfer"

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Bis in den Tod

In einer alten "Beispielsammlung für die Heidenmission" in zwei Bänden, fand ich ein Sterbebildchen des Kanzlers Engelbert Dollfuß, der am 25. Juli 1934 von putschenden Nationalsozialisten erschossen wurde.

Es titelt "Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!", zeigt innen sein Bildnis mit Unterschrift, seinen letzten Worten: "Ich wollte nur den Frieden, den anderen möge der Herrgott vergeben," und schließt auf der Rückseite mit einem Auszug aus der Totenrede von Kardinal Innizer: "Eine größere Liebe hat keiner als wer sein Leben hingibt für seine Freunde. Ja wahrhaftig, getreu warst Du bis in den Tod, und so wird dir der Herr die Krone des Lebens geben."

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Die Stellung Österrreichs

Ludwig Uhland in der Paulskirchenversammlung im Jahre 1848, als die wirkliche Elite Deutschlands beratschlagte, und ein einig Deutschland zu formen beschloß, über die Rolle Österreichs:

Höher als Österreichs Beruf nach dem Osten Gesittung und Aufklärung zu tragen, stehe Österreichs Beruf, eine Pulsader zu sein im Herzen Deutschlands. "Man sagt," fuhr er fort, "die alten Mauerwerke seien darum so unzerstörbar, weil der Kalk mit Blut gelöscht sei. Österreich hat sein Herzblut gemischt in den Mörtel zum Neubau der deutschen Freiheit.  [Der Aufstand gegen Napoleon, der diesen dann stürzte, ging von der Erhebung Österreichs aus, die zur gesamtdeutschen Erhebung wuchs und damit den Grundstein zu einem geeinten Deutschland legte; Anm.] Österreich muß mit uns sein und bleiben in der neuen politischen Paulskirche."

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Falsche Idole

Es war ein schwerer und umso typischerer Fehler, läßt Ayn Rand die Figur des Ragnar  Danneskjöld in "Atlas shrugged" sagen, einen Mann wie Robin Hood zum Idol hochzujubeln. Denn Robin Hood vertritt exakt jenes Prinzip, das die Welt zugrunderichtet: er beraubt diejenigen, die etwas erreicht, und verteilt es an jene, die das nicht haben. Ihn zum Idol zu erheben war ein perfider Plan, und hat die Moral der Menschen mitgeholfen, zu untergraben: daß es nämlich verwerflich ist, vom Gelde anderer zu schmarotzen. Robin Hood war so gesehen der Revolutionär des sozialistischen Wohlfahrtsstaates, denn er setzte den Maßstab durch, daß das Bedürfnis, der Wunsch, nicht die Leistung, Maßstab der Zuteilung ist.

Danneskjöld, ein berüchtigter Räuber, macht es in Rand's Roman genau umgekehrt: Er beraubt den Staat und Staatsbetriebe, und verteilt das Geld an Leistungsträger, die vom Staat ausgeplündert werden, weil sie die einzigen sind, die all sie Sozialtöpfe füllen, aus denensich die Schmarotzer und Mediokren, Die Betrüger und Straßenräuber, die geschickten Rechtsverdreher und korrupten Wissenschaftler, einfach alle die Trittbrettfahrer menschlicher Leistung, bedienen.

"What I actually am, Mr. Rearden, is a policeman. It is a policeman's duty to protect men from criminals - criminals being those who seize wealth by force. It is a policeman's duty to retrieve stolen property and to return it to its owners."

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Montag, 25. Oktober 2010

Katharsis

Die Predigten der Franziskaner waren im 13. Jhd. äußerst populär, und mache lösten wahre Volksbewegungen aus, wenn sie predigten. So der Hl. Antonoius v. Padua, eigentlich ein Spanier, der aber so gut Italienisch zu sprechen lernte, daß man ihn für einen Italiener halten konnte.

Schon am Vortag zogen die Menschen  auch von weit entfernten Orten los, um am nächsten Tag nur ja nichts zu verpassen, wenn der Heilige auf einem Feld vor Padua zu predigen begann. Die Kaufleuteschlossen ihre Läden und eilten selbst mit ihren Familien hinaus, und lauschten tief bewegt seinen Worten.

Hatte Antonius geendet, brach ein Sturm der Begeisterung los, in dem der Heilige von starken Männern beschützt werden mußte. Jeder wollte ihn wenigstens berührt haben. Dann stürzten die Leute in die Kirchen der Stadt, um zu beichten, sodaß es immer zu wenige Beichtstühle und Beichtiger gab.

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Legenden

Die Presse bringt einige nackte Fakten, die Legenden, die sich um Einsparungsmaßnahmen des Staates gerankt haben, zu entkräften. Und dabei kommen einige bemerkenswerte Tatsachen zur Sprache, die hier auszugsweise wiedergegeben werden sollen:

„Der Staat wird kaputt gespart“. [...] die Republik heuer 144 Milliarden Euro unter die Leute bringen wird. Das ist nicht nur so viel wie nie zuvor in der Geschichte des Landes, sondern auch um neun Prozent oder zwölf Milliarden Euro mehr als im Jahr 2007. Das wiederum war das letzte Jahr der Hochkonjunktur. [...]

„Budgetkürzungen töten die Unis“. [...] Allein heuer fließen rund 2,8 Mrd. Euro in die Unis. Gegenüber 2004 ist das ein Plus von 45 Prozent. Nicht schlecht – die übrigen Ausgaben des Staates sind im selben Zeitraum nicht einmal halb so schnell gewachsen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung liegt Österreich mit seinen Bildungsausgaben zwar noch immer im unteren Mittelfeld. Zudem müsste man wohl auch einwenden, dass es reichlich absurd ist, wenn dem Staat andere Bereiche noch wichtiger sind als die Bildung. Etwa die Finanzierung der defizitären ÖBB oder der Landwirtschaft.

Vergleicht man aber die Ausgaben pro Student, findet sich Österreich plötzlich im Spitzenfeld der industrialisierten Welt wieder. [...] Demzufolge investierten Österreichs Steuerzahler laut OECD im Jahr 2007 rund 72.000 Dollar (kaufkraftbereinigt), um einen Studenten von der Inskription bis zur Sponsion zu bringen. Das wiederum ist ein inflationsbereinigtes Plus von 27 Prozent gegenüber 1995. Kaum ein anderes OECD-Land erhöhte seine Hochschulausgaben so stark wie Österreich.
Ungeachtet dessen finden Österreichs Studenten an den Unis teilweise beschämende Bedingungen vor. Was also haben die seit 2004 autonomen Universitäten mit den zusätzlichen Geldern angestellt? Ein beträchtlicher Teil wird noch immer in die ungezügelte Vielfalt gesteckt. Die staatlichen Hochschulen schafften es bis dato nicht, ihre Angebote zu koordinieren. Weniger Geld für Unis (woran derzeit niemand denkt) hieße also noch nicht zwangsläufig weniger Qualität.

„Gespart wird auf dem Rücken der Ärmsten“. {...] Tatsächlich entnehmen zwei von drei Wahlberechtigten in diesem Land mehr Geld aus dem Sozialsystem, als sie in dieses einzahlen. Laut Wifo bezieht das untere Einkommensdrittel 84 Prozent seines verfügbaren Einkommens vom Staat.
Erwirtschaftet werden diese Gelder von jenem Drittel der über 16-Jährigen, die in der Marktwirtschaft noch Mehrwert schaffen. Und damit jene Gelder bereitstellen, die der Staat zur Linderung des sozialen Leids ausgeben kann. In Summe werden in Österreich 28 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung unter dem Begriff „Soziales“ umverteilt. Das sind knapp 75 Milliarden Euro (oder 9200 Euro pro Einwohner). Geschlagen wird Österreich in dieser Hinsicht nur noch vom hohen Norden.

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Dem Nacherleben entzogen

Das mystische Erlebnis kann befruchten, zur Poesie, wenn der Mystiker Poet ist, den Verstand um zu lehren, wenn der Mystiker dafür begabt ist. Nie jedoch hat ein mystisches Erlebnis eine "neue Gabe" vermittelt. Und es gibt keinen, keinen einzigen Weg, um zu einem solchen mystischen Erlebnis an sich zu führen.

Das Erlebnis selbst ist - anders als in der Poesie, im Kunstwerk, das oft so tief hinabsteigt - nicht übertragbar, nicht nachvollziehbar für den Leser oder Zuhörer oder Betrachter. Und es ist an sich nicht einmal schilderbar. Was erzählt werden kann sind manche Wirkungen, soweit sie in "irdische" Kategorien passen, und Erinnerung bergen. Es selbst bleibt (in dieser Aussage stimmen alle Mystiker überein) unzugänglich.

Oder soll sich der Dichter, der Berichtende, gekleidet ins Gewand intellektueller Worte, ein Erlebnis nachschaffend selber geben, das zuvor reine Gnade war?

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Schleier VII



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Veränderung des Bekannten

Trailer zum Horrorschocker "Plan 9 from Outer Space" - Hollywood 1935 - Heute lächerlich-belustigend. Was man kennt, kann die Wirlichkeitserwartung nicht sprengen, und identifiziert das Unmögliche als Unvernünftiges: daß man DAS als unerwartet einstufen konnte ... Der Horror ist ein Genre, das somit nicht nur an seiner Selbstzerstörung arbeitet, sondern kein "ewiges" Werk schaffen kann, weil es sich mit der Bekanntheit auflöst. Damit kann er - als Genrewerk - auch kein Kunstwerk sein, weil er lediglich mit dem Faktischen, Zeitbedingten arbeiten kann.

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Zu wenige echte Probleme

Fürst Schwarzenberg, 1945 als Bub aus Prag vertrieben, nach der Wende zurückgekehrt (nachdem sein Angebot an politische Parteien in Österreich, mitzuarbeiten, abgelehnt wurde), nunmehriger tschechischer Außenminister, bei den Wahlen in diesem Jahr auf einer beachtlichen Erfolgswelle, im Interview mit der Kleinen Zeitung:


Ängstigt Sie der Vormarsch der Rechten in Europa?
SCHWARZENBERG: Ich würde eine Partei wie die Freiheitlichen nie als rechts bezeichnen. Nie. Weil rechts basiert für mich auf dem Gedanken des Rechtes. Und das Recht muss die Grundlage jeder konservativen Partei sein. Von Recht ist bei denen da aber nicht die geringste Spur.
Was sagen Sie zur Selbstauslöschung der ÖVP in Wien?
SCHWARZENBERG: Das tut weh. [...]  Aber den Busek, den hat man ja rausexpediert. Dabei wollte der noch was, hatte ungewöhnliche Ideen, eine Vision.
In ganz Europa brechen die Volksparteien ein, die Ränder drückt es nach oben. Warum?
SCHWARZENBERG: [...] Das sind in Wahrheit alles nur mehr Apparate, die sich selbst verwalten und reproduzieren. Von tragenden Gedanken findet sich da keine Spur mehr. Ab dem Moment, wo eine Partei keine Idee mehr verkörpert, verliert sie aber an Attraktion.
[...] Die Grünen sind ja nur ein Mosaikstein. Man hat das Gefühl, Österreich bewegt sich politisch im Kreis. Teilen Sie den Befund?
SCHWARZENBERG. [...] Das Problem ist, dass wir uns immer mehr mit uns selber beschäftigen. Politik verkommt zur reinen Innenpolitik. Und das ist entsetzlich. Wir sind Betrachter des eigenen Nabels geworden.
Andere Länder, Großbritannien etwa, bringen sehr wohl die Kraft auf, sich neu zu erfinden. Warum schafft Österreich das nicht?
SCHWARZENBERG: {...] Wenn es einem zu gut geht, dann wird man faul. Das ist mir ja auch passiert.
Heißt das, dem Land geht es zu gut, als dass es den Antrieb hätte, sich noch einmal zu erneuern?
SCHWARZENBERG: Ja, nur nix ändern, nur nix ändern. Wo sonst auf der Welt gibt es Autobahnraststätten, die einer Mischung aus kitschigem Schubertfilm und dem "Rosenkavalier“ entsprungen sein könnten? Österreich verkitscht sich selbst. 

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Sonntag, 24. Oktober 2010

Quelle der Kunst

San Francesco, Bologna, Ende 14. Jhd.
Selbst die Gotik in Italien geht von den Franziskanern aus. Die Art, wie der Heilige Franz selbst einige Kirchen restauriert hat, verrät ja bereits deutlich (und neuerlich, wie bei seiner "waldensischen" Spiritualität) französischen Einfluß: er mauert Spitzbögen, ein bautechnisches Problem, das im italien jener Zeit noch nicht gelöst ist.

Die französischen Einflüsse waren ja sogar in der Ordensregel des Hl. Franz unübersehbar: man kann als gesichert annehmen, daß er sie von den Zisterziensern (dem unter dem Hl. Bernhard reformierten Benediktinerorden) übernahm.

Endgültig die Franziskanerkirchen in Bologna - der Stadt des Hl. Dominicus! - können dann als Vorbilder für Italiens Gotik angesehen werden. Auch hier ist der französische Einfluß - eben von den Zisterziensern her - unübersehbar. Auch etwas anders macht sich bemerkbar: die Position und Art der Prediterkanzel. Denn Schwerpunkt der Bettelorden (die Dominkaner übernehmen von den Franziskanern auch deren Kirchenbaustil) ist das Predigtamt. Und mit ihrer Verbreitung verbreiten sie auch ihre Art des Kirchenbaus - zisterziensisch einerseits, gotisch anderseits.

Basilica San Petronio, Bologna; Ende 14. Jhd.
Schon einige Kilometerchen von Assisi entfernt, der Heilige selbst 150 Jahre tot, ist ja vom ursprünglichen Schlichtheitsgebot aber in Bologna nur noch wenig zu spüren, das ohnehin im Quadrat der Entfernung abnimmt. Selbst die eigentliche San Franceso-Kirche(n) in Assisi sind zwar bereits gotisch, aber noch deutlich schlichter, und ihre Bezüge noch zum Romanischen sind unübersehbar.

Die Verehrung für den Hl. Franz unterm Volk war groß, sodaß immer weitere und immer größere Kirchen gebaut werden mußten, um die Menschenmassen zu fassen, die seinen Beistand erflehten, ihm in der Selbstlosigkeit und im Gottesdienst nacheiferten. Während der Orden an Brüdern enorm zunahm und sich rasant ausbreitete.

Die Geldspenden flossen so reichlich, daß die persönlich völlig besitzlosen Franziskanerbrüder nach und nach den Widerstand aufgaben, und zumindest im Norden Italiens die von den Gläubigen bestellten Baumeister und Maler und Steinmetze gewähren ließen.

Doch im großen Ganzen wird es dieser schlichte franziskanische Bettelkirchenstil, wie er sich v. a. in der Toskana ausbreitet, der franziskanischen Maxime gemäß mit seinem aus Kostengründen viel einfacher als die gotischen Kirchen (v. a. des reicheren Nordens) gehaltenen Baukörper, die Schule des Bauens in Italien, der die aus der Romanik noch herübergewachsenen gewölbten Bettelmönchkirchen, wie sie von den Dominikanern her, von den Anfängen her noch stehen, völlig verdrängt. Und in der sich die einfachen Harmonien und Prinzipien der Renaissance ausarbeiten. Mit vielen großen und hellen, einsehbaren Wandflächen, die die Malerei in höchste Höhen katapultieren wird. Vor allem, als die bildende Kunst beginnt, die antiken Kunstwerke zu studieren.

Diese Art des (zunehmend einschiffigen) Kirchenbaus übernehmen schließlich auch die Jesuiten, und durch sie breitet er sich schließlich als prägender Stil über die ganze katholische Welt aus.

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Völlig anders gelagert

Es ist ein Irrtum, die Mystik als jenen Zustand zu bezeichnen, in welchem der Mensch Gott in besonderer oder in besonders intensiver Weise begegnet. Das läßt sich gar nicht so aussagen. Einer der größten Mystikkenner des 20. Jhds., P. Henri Bremond, bringt mich auf den Gedanken, der so einfach scheint, liest man ihn einmal, und der doch so weit wirkt:

Die Grunderscheinung der Mystik ist nicht die Gottesbegegnung, sondern die Bewußtheit der Gottesbegegnung.

Dies zu erkennen hat weitreichende Konsequenzen im Nachdenken über die Mystik, sosehr sie ein Ereignis ist, das weder angestrebt, erleistet, verdient werden kann, noch direkt mit Vernunft erklärbar ist. Aber sie verortet sich aus obig Gesagtem auch, in ihrer Ermöglichung, aber nicht Bewirkung, in der Psychologie des Mystikers, und rückt alle Reflexionen über ihre Natur an den rechten Fleck - über die rein sittliche Lehre (wie sie für jeden gleich ist) hinaus im besonderen, soweit es die Unterscheidung zwischen echter und falscher Mystik angeht: zurück in den Bereich rein menschlicher Rezeption.

Diese Erkenntnis läßt die Mystik, als subjektives Erleben, an den gesamten Verstandes- und Vernunftapparat des Menschen gebunden sehen. Was nicht neu ist, was aber wesentlich wird, versucht man den heutigen Dschungel aus den Mißbräuchen des Begriffs zu lichten, in dem der Grundsatz eine wesentliche Rolle spielt, daß je widervernünftiger die Verwendung ist, desto "erhabener" und autoritativer ihre Verortung behauptet wird, weil natürlich subjektive Behauptungen jeder Überprüfung widerstehen. Aber: es IST überprüfbar, auch wenn ein kritisches Sprechen darüber meist (und hoffenlich) liebender Diskretion anheimfällt.

Sich dieser Verortung aber bewußt zu sein läßt auch ahnen, welcher Gefährdung dieses wahrgenommene Moment einer "Inspiration der Gegenwart Gottes" durch persönliche Schwächen, Eitelkeiten, Laster ausgesetzt ist. Deshalb ist ein mystischer Mensch OHNE daß er den Weg der Läuterung gegangen ist, undenkbar, ja man kann nur den Kopf schütteln angesichts der Bemühungen GERADE jener oft, die meinen, sich mit "Mystik" diesen beschwerlichen Weg gar ersparen zu können  - und häufig genug charakterliche Wracks mit offensichtlichen Persönlichkeitsdefiziten sind. Und wo gar Psychotechniken - bewußt oder unbewußt - oder psychologische Mechanismen (namentlich Gruppendynamiken) entsprechende "Erlebnisse" hervorrufen sollen.

Diese Tatsache ist das erste und "todsicherste" Merkmal in der prüfenden Unterscheidung des Herkunftsbezirk entsprechender Erlebnisse und Erfahrungen der "Gegenwart Gottes". Weshalb auch keine mystischen Berichte bekannt sind, in denen ein Mensch mit mystischen Erfahrungen von sich je behauptet hätte, er wäre rein genug ... sondern zum Gegenteil. Erschütternd, aber so glaubwürdig, alleine, was über Franz von Assisi diesbezüglich berichtet wird.

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Beim Lesen der Schriften Theresia's von Avila fällt ebenfals eines auf: man sieht, daß sie im Grunde "nur" Schriften völliger geistiger Klarheit und der Suche danach, in unnachgiebiger,  zu allem bereiter Selbsterkenntnis, sind. Abdruck einer staunenswert klaren Seele, in der nicht eine Bemerkung widervernünftig ist. Kein einziges Wort, das sich gar "mystagogisch" verklärend der Vernunft entzöge. Keine Differenz in der geistigen Schärfe zwischen dem klug, aber nie lieblos erwogenen Kauf einer Ziege (oder eines Klosters), der psychologisch glasklaren Analyse der Gebetsprobleme einer Schwester, und der Besprechung ihrer tiefsten Seelenerfahrungen mit ihrem Seelenführer. Ja, eigentlich geht es ihr nur um eines: eben dieses voraussetzungslose Lieben.

Wer im Irdischen keinen klaren Kopf hat - scheidet für die Mystik (den Weg des inneren Gebets) aus. Das ist Theresia's klare Faustregel. Denn Gott ist die Vernunft. Die an sich einzige Form der Einung mit Gott ist deshalb personal: vernünftig (als Zusammenspiel von habituellen Eigenschaften und Verstand, im Herz) zu sein.

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Aber alles das, was der Laie (und wie der charakterlich Unausgewogene, wie oben beschrieben) als typische Anzeichen der Mystik ansieht - Levitationen, Ekstasen, Visionen des Gefühls und der Phantasie, innere Stimmen, Wunder, Hellsehen etc. etc. - sind Begleiterscheinungen unwesentlicher Art, die den Grundumstand begleiten können oder nicht - deren unmittelbare Ursache aber verschiedenster Herkunft sein kann.

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Das zur poetischen Inspiration unterschiedliche liegt in einem "Extra", das die religöse Mystik dem poetischen Ereignis gegenüber besitzt. Zwar sind beide plötzliche Gesamtschauen, Schau, verschieden vom stufenweisen Vernunftakt, und eine andere Qualität, aber im religiösen Ereignis kommt das Bewußtsein der - dem Mystiker "passierenden" - Begegnung mit der direkten Liebe dazu.

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Handeln um zu Erkennen

Ein Objekt erkenne ich erst und immer tiefer, indem ich mich einfließen lasse, an ihm handele, mit einer im Erkennen nicht beschränkbaren Perspektive: jede ordnende These kann nur ein Annähern sein, dessen Erfüllung ich aus mir nie weiß.

Das verdeutlicht die Stellung des Kultes - ohne Kult und ohne Kultträger (außerhalb von mir, als Fremdes, als Anderes), ohne Repräsentanz Gottes, gibt es keine wirkliche (sondern nur: rückfolgernde) Gotteserkenntnis, als ein Eingehen Gottes in mich über die Vernunft.

Es gibt keine Religion ohne Kult. Weil: Dinge ohne Repräsentanz sind nicht (wirksam).

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Im Anfang war das Wort

Die Furcht vor der Finsternis bedeutet die Abwesenheit von Spiegelung - Abwesenheit von Gott, der sich im Transzendenten, dem auf das die Dinge hinweisen, zeigt. Deshalb fürchtet sich das Kind, deshalb ist der Erwachsene - kraft der Erinnerung, die Wissen präsent hält, während es im Kleinkind mit der Erscheinung wieder schwindet, es hat diese Persönlichkeitskraft noch nicht, dieses Wissen, das ein Präsentsein ist, zu halten, bzw. halten zu wollen - auch in der Dunkelheit geduldig.

Denn er weiß bereits, daß die Finsternis (Genesis) nur das ungespiegelte Licht Gottes ist - das er bereits zu sehen vermag, in der fleischgewordenen Bewußtheit.

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Im Anfang war das Wort. Es ist der Anfang, der Sonntag, der die ganze weitere Woche, als Kreis des Lebens, der sich in diesen sieben Tagen, die alles enthalten (!), öffnet und schließt, in sich keimhaft birgt. Das absolute Licht des Sonntag ruft das Fleischwerdende, das zum Fleisch Drängende der Ideen, zum relativen Licht: als Geister der Ordnung der kommenden Woche.

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Samstag, 23. Oktober 2010

Ungarn

Oh Gott, gib uns Ungarn, die wir so lange danach darbten, doch endlich jenes Glück, das uns so lange Zeit des Leidens vorenthalten hat. - Die ungarische Hymne ist ein Gebet.

Politik ohne Idee

Spaemann schriebt einmal völlig richtig, daß die Politik die Wissenschaft heute vielfach fehlbewertet. Nämlich als könnte es eine "wissenschaftlich richtige Politik" geben. Eine solche gibt es aber nicht.

Politik bedeutet die Manipulation der Lebensumstände der Menschen zum Richtigen. Aber sie muß immer die Politik des Einzelnen sein, und kann nicht den einzelnen zugunsten langfristiger "Zwischenzustände" opfern. Denn wenn (als illlustratives Beispiel) ein Schulversuch auch aus wissenschaftlicher Sicht interessant sein mag - so sind seine "Probanden" Menschen, für die dieser Schulbesucht der einzige ihres Lebens ist, das noch dazu rasch vergeht. So verführerisch es auch sein mag, mit wissenschaftlichen Abstrakta zu arbeiten, so unmenschlich ist es, den Einzelnen - und Leben ist IMMER einzeln! - zu opfern, um ihn diesen Ideen unterzuordnen.

Die Wissenschaft kann niemals - auch nicht die Humanwissenschaft - sagen, was richtig oder falsch ist, wenn ihr nicht ein Ziel, ein Idealbild vorgegeben wird. Den Rahmen ihrer Einordnung muß sie aber von außen bekommen, der entsteht nicht aus ihr selbst, so wie sie die moralisch-politische Gewichtung ihrer Ergebnisse nicht selbst vornehmen kann! Es ist ein tragischer Fehler zu meinen, Wissenschaft wäre eine Wissensansammlung, an deren Ende man sich nur hinzusetzen bräuchte um zu sagen: "Calculemus!" und das Ergebnis läge als richtige Entscheidung am Tisch.

Genau das ist aber Brauch geworden, und es wird übersehen, daß sich damit eine Voraussetzung verfestigt, die immanent wurde, und damit sagt, daß alles der Erhaltung des status quo, der Systemoptimierung zu dienen habe. Der Politik fehlt damit genau das, was sie ausmacht: die Idee, auf die hin sie sich abstimmt, und die sie anstrebt - sonst wäre sie nicht Politik: als permanente Neuausrichtung der täglich neu entstehenden, sich in neuen Konstellationen vorfindenden Gegenwart auf dieses "ewige", ferne Ziel hin. Urteile, Entscheidungen können aber nur auf solch ein Ziel hin getroffen werden - dem sich dann das Leben der Einzelnen nähert, oder von dem sie sich entfernt. Es gibt also (wieder nur als Beispiel) ein abstraktes "Bildungswesen", dem alle politischen Kräfte gleichermaßen dienen, das richtig und zu tun sei, würde ohnehin eine neutrale Wissenschaft sagen. Das zu glauben, ist nicht nur naiv, es ist falsch.

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Sound der Zukunft

Imre Mercenary (1919-1985) war ein bekannter ungarischer Trompeter, der in den 40er Jahren in zahlreichen Budapester Nightclubs spielte, die dem "Arizona", dem "Moulin Rouge" und dem Palais de Dance". In den 60er Jahren wurde er künstlerischer Leiter der Studio 11-Band des Ungarischen Radios, die auch internationale Gastspiele gab, wie eim SanRemo-Festival, wo Mercenary auch Vico Torriani kennenlernte. Sie blieben Freunde bis zu seinem Tod. Diese Aufnahme entstand in den 60er Jahren und ist eine Version des Soundtracks zum Film "Raumpatrouille".

Gefunden bei Glaserei

Welche Frau wollte nicht bluten

"Die Schönheit der Sage, Vater Vito. Sie zog den Hirten Luziade zu sich durch den Bach in den Schoß der Erde. Maitagory, die Jungfrau Pyrene, die Feuerschlange Leheren: sind alle eins Nächsten Tages stürmte Gott das Gebirge über sie und Luziade. Himbeerrote Felsen. Blauglitzernden Firn. Das Feuerweib träumt, mich mit Eis zu bedecken. Ihr Sterben hängt an dem meinen, im Märchen. Das Märchen verlangt, daß ich sie peitsche. Sie will bluten."

"Welches Weib wollte nicht bluten," bestätigte der Patriarch. "Auf kindliche Frömmigkeit kommt es an. Kindlich und kindisch sind zweierlei. Mein Ritt war Fügung. Auf Umwegen fand ich den Weg. An deiner Tochter wurde ich fröhlich. Fröhlich geworden, stieß ich auf die Not der Seelen. Diese Seelen glauben. Die brauchen das harte Brot von Himmel und Hölle, Sakrament und Bann, Gnade und Verdammnis. Denen ist mit Märchen, wie Joseph sie erzählt, nicht gedient."

Wolf Niebelschütz, in "Die Kinder der Finsternis"

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Schleier VI




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Nessun dorma

Luciano Pavarotti - Nessun dorma - Niemand schlafe!

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Wohin der Wahrsager blickt

Dante läßt im XX. Gesang der Hölle die Wahrsager, in Verrenkung ihre Leiber, ewig nach rückwärts schauen.

Auch hier also eine scharfsichtige Entsprechung - als Verewigung dessen, was der Mensch in Wirklichkeit zu Lebzeiten tat. Sie dürfen nie mehr nach vorne schauen, und ihre Tränen laufen somit zwischen die Arschbacken.

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Was Katharsis ist

Hätte Aristoteles die Katharsis verstanden, meint Bremond, so hätte er nicht alleine der Tragödie eine reinigende Wirkung zugeschrieben. 

Katharsis ist, führt er aus,  nichts anderes als das, was die Mystiker den Übergang vom Nachdenken zur Betrachtung nennen. Oder was wir den Austausch der Aktivitäten des Aniumus gegen die Aktivitäten der Anima genannt haben. Kurz: der Übergang von der Vernunft-Erkenntnis zur poetischen, zur wirklichen Erkenntnis.

Jedes poetische Erlebnis ist Katharsis. Alles, was an poetischem Gehalt in irgendeinem Gedicht steckt, ist ebenfalls Katharsis.

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Freitag, 22. Oktober 2010

Über dem Tellerrand

Man muß nicht weit über den Tellerrand hinausblicken um zu sehen, was tief in den Mägen Europas schlummert und gärt - und nach Frankreich schauen. Was sich dort seit vielen Jahren bereits abspielt, ist nicht eine Revolte der Unversorgten, der Armen, der Mittellosen, der Sozialhilfeempfänger. Diese Menschen haben mehr oder weniger was sie zum Leben brauchen, die Sozialtöpfe sind nicht leer für sie.

Aber hier revoltiert - und man bekommt die Lage offenbar gar nicht mehr in den Griff - eine Schichte der Perspektivelosigkeit. Beteiligung am Konsum ist eben keinesfalls ein Mittel wirklicher Sozialmaßnahmen, es schiebt das Problem nur auf. Der Mensch will Sinn!

Hat er den nicht, suchen chthonische, tief unten liegende Kräfte ihre Bahn (weil Bindung, weil Formung - Materie sucht im Eros Form! wird sie verschmäht, beginnt sie zu hassen), und finden keine Vernunft, die sie bändigt und formt, bleiben irrational, blind. Überall dort ist auch die Nähe des Bösen evident.

Das Zuwanderungsland Frankreich - das es schon aus kolonialer Vergangenheit war - bricht an diesen Nähten, die noch lange nicht verwachsen waren, in dem Moment auseinander, in dem der Staat seiner (angeblichen und aber auch verheißenen) Vollversorgerrolle nicht mehr gerecht werden kann. Aber das ist nur der Anlaß, das ist ein Scheinkonflikt.

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Intuitionsphysik

Er denke, sagte der mexikanische Nuklearforscher und Virologe Sergio Lampuscio in einem Interview mit 'Science today & tomorrow", daß der Satz der Energieerhaltung in geschlossenen Systemen eines der herausragendsten Beispiele für den esoterischen Geheimnisnebel darstelle, der von physikalischen Leitsätzen, ja generell von naturwissenschaftlichen Thesen, angenommen werde: Als Mythos  der strengen Rationalität der herrschenden Wissenschaftsmeinungen zeige sich eine der lächerlichsten Falschmeldungen, die die Geistesgeschichte je kannte. Aber sie scheine unausrottbar.

Die Lehre von der Energieerhaltung, die sich ja nur auf geschlossene Systeme beziehen kann, ist im Gegensatz zu ihrem Handelswert eine reine Intuitionsthese, eine Ansicht, die aus einer Anschauung, ganz sicher aber nicht aus einer Ableitung aus "hard facts" folgt. Es war ein Notgriff, den Satz der Energieerhaltung  auf geschlossene Systeme zu beschränken, um die Fundamente der Physik nicht auszuhebeln, die aber in ihren Widersprüchen ertrinken. Typisches Zeichen dafür ist die Zunahme von Publikationen, die wie neue Heilige Schriften versuchten, Weltbilder zu komponieren, die aber nichts als neue Mythen und Deutungshorizonte sind.

Denn das müßte man mir einmal zeigen, wo auf der Welt und wo im uns bekannten Kosmos abgeschlossene Systeme überhaupt existieren. Es gibt sie nicht. Jedes System ist vielmehr in ein noch größeres, umfassenderes eingebettet, das einer höheren Daseinsordnung zuzuordnen ist, das noch komplexer, vielschichtiger und umfassender geordnet angelegt ist, das auf das untergeordnete System determinierende Wirkung ausübt - das Kleinere System hat seine Ordnung von seinem Platz im übergeordneten, und so weiter.

Lampuscio, der mit seinen 82 Jahren als einer der universalsten Gelehrten der Gegenwart gilt, und schon mehrfach für den Nobelpreis für Physik (für seine Entdeckung der Hobart'schen Gleichungen) im Gespräch war, war vor Jahren durch die Publikation seines Buches Thermovascicel achter Ordnung aufgefallen, in dem er dazu aufrief, die Einzelwissenschaften auf ihre Ursprünge in der Metaphysik hin neu zu ordnen, weil sie unbrauchbar geworden wären und die Volkswirtschaften der Erde zunehmend sinnloser nur noch belasteten, vor allem aber die westlichen Kulturen fehlleiteten.

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Werbepoesie

Eine schöne poetische Geschichte. Selten, leider sehr selten in der Werbung. Und gut gemacht!

"Carla, eines Tages wird Dich einer erwischen!"

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