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Freitag, 31. Dezember 2010

Haß aufs Freie

Kleinbürgerlichkeit, Kleinbürgertum ist nicht die Kultivierung eines Standes, so wie Bauer, Adeliger, Kleriker, was auch immer. Kleinbürgerlichkeit ist das Kultivieren eines Zustandes der Niedrigkeit, in seiner Aktivität und Verbreitungsaggressivität deshalb zutiefst vom Bösen, gegen alles Hohe und Schöpferische gerichtet. So ist dieser Zustand auch historisch verfolgbar entstanden - als Folge niedrigen Verhaltens, nicht als positiver Entwicklungsschritt. Insofern zieht sie sich auch quer durch alle wirklichen Stände, und wahrt aber einen nicht einmal zum Stand geformten Menschenschlag, der heute gar schon die Mehrheit zu sein scheint, in der schizotymen Behauptung, ein solcher zu sein. Ja, meist hat dieser Zwischenstand sogar die Chuzpe, sich als Mittelstand zu bestimmen.

Der Haß auf so vieles der Gegenwart ist im Grunde immer ein Haß auf diese Kleinbürgerlichkeit, und insofern mehr als berechtigt. Denn das wahre Leben liegt nicht an den Orten moralinsauren Wohlbetragens und unterwürfiger Gesetzestreue, die gar nie Gehorsam war und ist, sondern Feigheit und Haß auf alles Freie.

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Zuviel Kraft

Man wird schon mal vergeßlich. - Kraft braucht Formung, ja Kraft ist Ausfluß der Form.

Was für Laune!

Aus dem kanadischen Fernsehen von 1968. Wer da noch trübe Tasse bleibt, dem ist nicht zu helfen.


Gefunden bei Glaserei

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Ein Gleichnis

"So ist uns der "Entwicklungsgedanke" nur ein Gleichnis der menschlichen Sehnsucht nach seelischer Steigerung, der "Blutszusammenhang der Tierarten" das Gleichnis des gemeinsamen Schöpfungsursprungs.

Hier tun sich blühende, lebendige Aussichten auf, aber sie sind nicht mit Leichtigkeit zu erlangen, wie die platten Dogmen der popularisierten Abstammungslehre. Um sie verstehen zu können, genügt es nicht, zoologische Begriffe ungenau kennen zu lernen; dazu muß man Anschauungskraft besitzen, und die hat der Mensch unserer Zeit zum großen Teil eingebüßt. Während er in den Abbildungen versteinerter Tiere nach einem wohlfeilen "Sinn des Lebens" suchte, hat er verlernt, das Leben selbst zu betrachten."


Albrecht Günther in "Totem" in einem Versuch einer geistesgeschichtlich Verortung des Evolutionismus

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Mann (und Frau)



Gefunden bei everyday i show

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Punktgenaue Vorhersage - I

Nicht schlecht - eine Vorhersage über technische Entwicklungen aus dem Jahre 1964, die sich fast auf den Punkt erfüllt hat.



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Donnerstag, 30. Dezember 2010

Mannsbilder

Werbung aus 1970 - so sehen richtige Männer aus. Schopenhauer schreibt einmal, daß Humor dann entsteht, wenn Begriff und Anschauung auseinanderdriften.


Gefunden bei visualnews
 
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Frau (und Mann)



Gefunden bei everyday i show

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Darwin'sche Kastrationswünsche

Fügt man die Untersuchung von Albrecht Erich Günther "Totem. Tier und Mensch im Lebenszusammenhang" - Ernst Jünger nennt das Büchlein eine kleine, feine Arbeit, und da untertreibt er mit äußerstem Understatement, denn Günther hat ein phantastisches und wohl vergessenes, aber bestenfalls von den Papiermaßen her kleines Buch vorgelegt - in ein psychoanalytisches Gesamtbild ein, so ergibt sich die frappierende Erkenntnis, daß die Evolutionstheorie Darwin'schen Zuschnitts ein Ausfluß ödipaler Vaterkastrationswünsche ist. (Und der von seinen Schwestern aufgezogene Darwin hatte einen Konflikt mit dem Vater, soviel steht fest.)

So wie jede wissenschaftliche Hypothese brachte Darwin (und parallel Marx) den Zeitgeist zum Ausdruck, wie er sich sogar in jedem, auch heutigen, Jugendleben Gestalt sucht: im Protest gegen die überkommene Gefügtheit des Lebens und der Kultur in Kategorien und Dimensionen, die zu einem stetigen Fließen von Gestalten im Rahmen von Gestaltsuche von reinen Prinzipien (bei Darwin: Überlegen) werden.

Gemäß dieser pubertären Rebellion, die ihre Suche nach gemäßer Gestalt von einem Aufweichen bestehender ausgehen lassen muß. In der Popularisierung dieser Weltanschauung, in der Transformierung in eine Daseinsgefühl (das als Ressentiment wertebestimmende Dimension erlangt, wie Max Scheler so schön zeigt), wurde nach und nach das gesamte Volk in diesem unreifen Stadium festgenagelt. Der populistisch, direkt politisch eingesetzte Darwinismus war eine Waffe einer solchen Grundstimmung, die sich im Kirchenkampf des 19. Jhds. ihr definitives Ventil suchte.

Von der Analogie mit dem seit dem späten Mittelalter alles über den Haufen werfenden Kleinbürgertum gar nicht erst zu reden. Denn der Darwinismus der Nützlichkeit ist ja blankes Abbild des Spießbürgertums, mit seiner Moral des Nutzens: tue, was auch der andere tun soll, damit Moral dir also nutzt.

(Und machen wir uns nichts vor, lassen wir uns vom Zentralismusstreben der Gegenwart nicht täuschen, wie er nicht nur die Kirche, sondern auch den Staat funktional-totalitär zu ersetzen sucht: weil sich dieser Antiautoritarismus, über den Totalitarismus, auf subtile Weise gegen den Staat gleichermaßen richtete und richtet, weil es ein Streben gegen jede Autorität ist. Als Usurpation von Macht, die auf dem Weg der väterlichen Struktur nicht erreicht wird. Totalitarismus ist der Weg der Muttersöhnchen zur Macht über andere, in der Form einer reformierten Mütterlichkeit als Weg sich doch zu sich selbst zu heben.)

Damit wurde die geistige Grundlage des Daseins der Dinge - Sein, Wesen und Entelechie (Gestaltnahme von vorausgehender Form) - und ihre materielle Existenz auseinandergerissen, entstand die scheinbare Notwendigkeit für die Menschen, sich zwischen simplem Materialismus, der den Anspruch "Wissenschaft" für sich und gewaltsam behauptete, und in Abwehr befindlichem bald fideistischem Idealismus (der aus dem Wissen erwachsen war, daß alles materiale Geschehen schöpferische Entwicklung und nicht richtungslose zufällige Abwicklung mechanischen Geschehens war) zu entscheiden, die nicht mehr vereinbar waren. Noch dazu, wo der abendländische Grundkonflikt ohnehin ödipale Archetypik hatte: und der Schöpfungsglaube mit der Vaterreligion des Judentums zusammenfiel! Antisemitismus und Evolutionismus sind ja nur zwei Seiten einer Medaille, sind nur historische Gestalten eines ungelösten, ersatzweisen Vaterkonflikts.

Und so hat sich den Menschen gleichermaßen der Weg zur Wissenschaft wie zur Religion verbaut. Die Folgen haben wir heute in vollem Ausmaß vor Augen. Religion war zum entzauberten Utilitarismus verkommen, während die Wissenschaft am Altar der Propagandistik verblutete, von welchem dem Volk verwertbare "Wissenshappen" zugeworfen wurden.

Die europäische Geistes- und Wissenschaftsgeschichte selbst ist ja seit dem 16. Jhd. eine einzige Rebellion gegen den Vater (und damit: Gott), so wie das Abendland eine Entwicklung zum Vater hin gewesen ist, den es dann in seiner Wende wieder mordete, und zeichnet eine allmähliche Regression auf die Ebene der Rebellion und Vaterdepotenzierung nach. Jeder Pubertierende erlebt sie, und findet heute keine weitergehende, ihn herausfordernde Umwelt mehr, sodaß er in diesem Stadium verharrt.



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Ein Stern fällt

So steht's auf seinem Grabstein. Joseph Schmidt.
Ein Stern fällt vom Himmel

 
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Mittwoch, 29. Dezember 2010

Erkenntnisleitung

Was etwas ist, zeigt die Umgebung. Es hat mit Liebe zu tun. Großartig gespielt, wohl weil großartig konzipiert, und noch besser besetzt. Denn diese Darsteller tragen das nötige Licht bereits an sich. Da liegt das vierte Kind förmlich in der Luft.



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Leise, ganz leise

Peter Anders


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Bops

Kein Wille wird erfüllt. Gerade am "Spiel" von Kindern zeigt sich am klarsten, was Schauspiel ausmacht, welche Bedeutung das Licht der Interpretation, der Situation, des Sinns hat, das auf etwas fällt.

Sonderbare Probleme

Während weltweit über Arbeitslosigkeit geklagt wird, hat Brasilien das gegenteilige Problem: das starke Wirtschaftswachstum des Landes führt branchenweise bereits zu einem Mangel an Arbeitskräften, vor allem an solchen mit geeigneter Ausbildung, schreibt die Neue Zürcher Zeitung.

War in den letzten Jahren bereits ein Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften auszumachen, so weitet sich das Problem nun zusehends auch auf einfachere Berufe aus. Es fehlt an Ingenieuren und Finanzexperten ebenso wie an Verkäufern, Elektrikern oder Servicekräften. Firmen in unterschiedlichsten Branchen bekunden zusehends Schwierigkeiten bei der Rekrutierung neuer Angestellter. Besonders prekär ist die Situation in der boomenden Baubranche, in der die Arbeitslosigkeit bei nur gerade 2% liegt. Aber auch der Bankensektor Brasiliens, der 2010 erstarkt ist und über 50 000 neue Arbeitsplätze generiert hat, kann sich nur schwer entfalten, wie das Beispiel der Bankengruppe Santander verdeutlicht: Diese musste die Anstellung von 1200 neuen Mitarbeitern aufschieben, da sich keine passenden Bewerber fanden.

Dabei ist zu erwähnen, daß jede Arbeitslosigkeit unter 2-3 Prozent bereits Mangel bedeutet, denn eine statistisch ausgewiesene kurzfristige Arbeitslosigkeit als Grundfluktuation weist jede Volkswirtschaft auf, die gesund und dynamisch ist. Dabei hatte Brasilien seit Jahrzehnten eine der höchsten Bevölkerungswachstumsraten der Welt, demographisch ist es ein sehr junges Land: gerade 27,4 Jahre ist das statistische Mittel der Lebensalter, und 28 % der Bevölkerung sind noch nicht einmal 15 Jahre alt. Wer erinnert sich nicht an die klugen Köpfe, die noch vor 10, 15 Jahren mit weißen Lippen vor der Gefahr der Bevölkerungsexplosion in diesem Land warnten, das nach wie vor eine sehr niedrige Bevölkerungsdichte aufweist. Die zwar stark schwankt - 20 bis 300 Menschen pro km2 - aber selbst in den dicht besiedelten Gebieten kaum mehr Bewohner pro km2 zeigt als manche europäische Länder.

Als Nebeneffekt ist ein Steigen der Löhne zu bemerken, in manchen Branchen waren die Lohnerhöhungen bereits deutlich über der Inflationsrate. Dabei kann man noch gespannt sein, was auf Brasilien in den nächsten 10, 15 Jahren wird. Wenn nämlich die Exploitation der riesigen Erdölfelder (in Schiefer gebunden, d. h. ihre Ausbeutung ist erst ab einem Barrelpreis ab 80-120 Dollar interessant) beginnt, die im Atlantik vor der brasilianischen Küste gefunden wurden. Ein Land mit Zukunft!

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Brüderlein und Schwesterlein

William Wordsworth (1770 - 1850) findet in seiner Schwester Dorothy endlich jene Hausgefährtin, die sein Leben zur Ruhe bringt. Ihrer beider Zärtlichkeit füreinander, getragen von einer Gewogenheit der Manieren, ist außergewöhnlich und bezaubert die Umgebung. Sie sprechen voneinander in ausgesuchtester Zartheit, und schreiben sich innige Briefe:

Das schließliche Landhaus der Wordsworth-Geschwister
"How much do I wish that each emotion of pleasue or pain that visits your heart should excite a simliar pleasure or a similar pain within me, by that sympathy which will almost identifiy us when wihave stolen to our little cottage. (Ein Landhaus, das beide als Rückzugsort für sich erhoffen; Anm.) I will write to my uncle, and tell him that I cannot think, of going anywhere before I have been with you. Whatever answer he gives me, I certainly will make a point of once more mingling my transports with yours. Alas! my dear sister, how soon must this happiness expire; yet ehre are moments worth ages." 

Das schreibt William an seine Schwester. Und diese schreibt im selben Jahr1793 an eine Freundin: 

"I have strolled into a neighbouring meadow, where I am enjoying the melody of birds, and the busy sounds of a fine summer's evening. But oh! how imperfect is my pleasure whilst I am alone! Why are you not seated with me! and my dear William why is he not here also? I could almost fancy that I see you both near me. I hear you point out a spot, where if we could erect a little cottage and call it our own we should be the happiest of human beings. I see my brother fired with the idea of leading his sister to such a retreat. Our parlour is in a moment furnished, our garden is adorned by magic; the roses and honeysuckles spring at our command; the wood behind the house lifts its head, and furnishes us with a winter's shelter and al summer's noonday shade."

Und er schreibt ihr dann, im selben Jahr:

"Oh, my dear, dear sister! with what transport shall I again meet you! with what rapture shall I again wear out the day in your sight! ... I see you in a moment running, or rather flying, to my arms."

Sie, die ihm so kongenial fühlt, ohne seine poetische Ausdruckskraft zu haben, ist es, die ihn - in aller Unschuld - zu seinen ersten poetischen Höhenflügen befeuert. Es sind ihre Augen, die er beschreibt, ihre Stimme die ihn inspiriert, ihre selbstlose, eifersuchtsfreie Art, sich ihm ganz zu widmen.

Birds in the bower, and lambs in the green field
Could they have known her, would have loved; methought
Her very presence such a sweetness breathed,
That flowers, and trees, and even the silent hills,
And everything she looked on, should have had
An intimation how she bore herself
Towards them, and to all creatures.

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Und es sind ihre Empfindungen, die ihn mit ihr vibrieren lassen.

She gave me eyes, she gave me ears,
And humble cares, and delicate fears;
A heart the fountain of sweet tears;
And love, and thought, and joy.

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Du kaufst mir jetzt den Simmel ab!

Sonst schneide ich Dir ins Ohrläppchen. Eine gewagte Werbung, voller Selbstironie, als Tangente dessen, was im Grunde gewollt ist, aber niemand zuzugeben wagt. Sehr amüsant, und sehr gut gespielt! Vor allem vom Panda. Was ernstgemeint ist.




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Dienstag, 28. Dezember 2010

Situationsgerecht

Da saß ja wohl jemandem der Schalk im Nacken.

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Mensch, Zivilisation, Stadt

Die Geschichte der Errichtung des Empire State Building in New York. Das in nur 13 Monaten in den Jahren 1930/31 errichtet worden war. 4 bis 5 Stockwerke pro Woche. Während der längsten durchgehenden Bauperiode wurden an 22 Tagen 22 Stockwerke aufgesetzt. Erst 1950 wurde der "break-even" erreicht, seither wirft das Gebäude Gewinne ab.

Teil 1



Teil 2



Teil 3


Gefunden durch Glaserei

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Wirklichkeit des Internet

Leben. Und was wir von ihm wachrufen, um uns fernzuhalten.


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Montag, 27. Dezember 2010

Die Katze und der iPod


Gefunden bei Glaserei

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Mann und Frau

Aber das ist eine andere Geschichte.


Gefunden bei everyday i show

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Nessun dorma - III

Die drei Tenöre - Carreras/Pavarotti/Domingo - Nessun dorma! (Puccini)

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Der dritte Mann aber ...

Stella Artois - Das Belgische Bier, wie immer: extravagant. Auch durch die Wahl dieser alten Erzählweise. Da war eine schöne Prinzessin, und drei Männer ...


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Neue Welt

Eine völlig neue Konstellation der Staaten, weltweit, prognostiziert der Schweizer Ökonom Andreas Höfert in der NZZ (Podcast). Denn die Welt hat sich nun neu und ungewohnt geteilt: die alten Grenzen zwischen Entwicklungsländern, Schwellenländern und entwickelten Industriestaaten gelten nicht mehr. Vielmehr ziehen sich die Linien ganz neu, und quer durch alle Staaten: anhand der Kriterien, welche Staaten die Wirtschaftskrise der letzten Jahre bewältigt haben, und welche nicht.

Die USA zählen dabei zu den Verlierern, denn ihre Krisenpolitik hat sich derartig auf eine reine Geldvermehrungspolitik abgestellt, ohne daß die Wirtschaftsentwicklung wirklich "angesprungen" wäre, daß nichts Gutes zu erwarten ist. Die Leichtfertigkeit der Geldpolitik so vieler Staaten macht Anleihen, hinter denen ja die Bonität von Staaten steht, plötzlich zu einem risikoreichen Geschäft.

Das wirkt sich massiv auf das Wirtschaftsgeschehen aus. Zinsen werden steigen, was sich längst in der (auch europäischen) Peripherie zeigt - Italien, Großbritannien, Spanien etc.

In solchen Anleihen ankern aber gigantische Gelder - in den Anleihenfonds, die bislang als sicher galten,und entsprechende Gelder (Versicherungen, Renten etc. etc.) anzogen. Gelder werden somit immer schwieriger und nur noch selektiv abzusichern sein. Damit sind auch starke Währungsschwankungen zu erwarten.

Und vor allem steigt die Inflationserwartung bei den Menschen, was sich unmittelbar auf ihr Verhalten auswirkt. Plötzlich wird Geld mehr und mehr hinterfragt. Damit ist absehbar, daß mittel- oder langfristig das Vertrauen ins Geld generell verloren gehen wird. Das begünstigt eine Inflation, die ja weniger von der Geldmenge, als vom Vertrauen darein bedingt wird.

Gleichzeitig ist - kurzfristig - eine Entwicklung hin zu den Aktien zu erwarten. Denn die Liquidität ist sehr hoch, schon gar durch die enorme Geldvermehrung, die stattfand. Und diese Liquidität muß sich irgendwohin plazieren. Sehr wahrscheinlich also sind nicht nur neue Seifenblasen, die sich aber gerade erst entwickeln, sondern auch - übrigens wie im gesamten Wirtschaftsgeschehen - eine hohe Polarität: was "gut" ist, wird enorm teuer werden, was "schlecht" (eingeschätzt) ist, wird umso mehr fallen, und schon daran sterben. Entwicklungen werden sich also jeweils sehr verstärken - was eben die Blasenbildung begünstigt.

Gute Aktienmärkte werden also 2011 wohl sehr gut "performen" - Deutschland, Schweiz zum Beispiel. Schwellenländer wohl auch, doch ist hier die Gefahr - durch das viele Geld, das gierig nach Erträgen ist - für Blasen etwa ab 2012 hoch. Anleihen (in der Diskrepanz niedriger Zinsen und nach wie vor hochgehaltener Kurse) und Rohstoffe sind ohnehin bereits besonders "blasengefährdet".

Insgesamt wird das Geschehen getrieben werden von den enormen Geldmengen, die in den USA, aber auch in Europa zur "Krisenbekämpfung" zusätzlich geschaffen wurden. Höfert, Chefökonom von UBS, erwartet deshalb die nächsten Probleme für die Weltwirtschaft im Jahre 2012. Das nächste Jahr sollte eher ruhig werden.

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Sonntag, 26. Dezember 2010

In dulci jubilo

Wiener Sängerknaben



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Lebensbewältigung

So bringen Sie sich wieder aus der Ecke.

Gefunden bei vintage ads  - via Glaserei

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Überraschung

Was wäre sittlicher?


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Belgische Qualität

Die hohe Qualität der Werbefilme ist Firmenpolitik. Das Bier der Belgier gewiß auch nicht zu verachten. Ein Zauberwort unter Cineasten: Stella Artois.

Musik

Töne und Geräusche, die einem Plan, einer Idee gemäß zueinander in Beziehungen geordnet werden.


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Samstag, 25. Dezember 2010

Papstwirklichkeit

Michael Triegel - Portrait Papst Benedikt XVI. (2010)

Rechte MdbK, Leipzig

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Gast aus der Ewigkeit

Der 80jährige Maler Ernst Fuchs im Interview auf die Frage, ob er eine alte Seele sei:

"Eine alte Seele? Ich bin in der Ewigkeit zu Hause, und hier nur auf Urlaub. Mal sehen, wie lange der Ewige mich noch hiersein läßt."

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Was für ein Leben führen wir

Jean Cocteau erzählt, wie er Ostern 1917 mit Pablo Picasso in Rom an einer Inszenierung ("Parade") arbeitete. Nach 14 Tagen durchgehender Arbeit, wo sie für nichts anderes Zeit hatten, gingen die beiden schließlich doch einmal spazieren. Sie wollten endlich etwas von Rom sehen.

Da kamen sie an eine Kirche. Picasso meinte, sie sollten doch hineingehen. Die Kirche aber war voll mit Gläubigen, Lichtern, Musik und Gebet. Ein Besuch war unmöglich. Laß uns in eine andere gehen, meinte Cocteau.

Doch auch in der nächsten war es nicht anders: überall dasselbe Schauspiel.

Schweigend gingen die beiden lange nebeneinander her. Dann sagte Picasso: "Wir leben wie die Hunde."

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Was die Welt zusammenhält

Leschs Kosmos - Was die Welt im Innersten zusammenhält.



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Die Stimme

Trojka - Ewgenij Beljajew


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Nachmittags die Troikafahrt, in klirrender Kälte, und durch Eiswelten.
Sergej Lemeschow



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Freitag, 24. Dezember 2010

Ereignis Licht

Vielleicht ist Licht überhaupt das einzige Ereignis der Welt. Das Leben des Menschen als Erkennen ist ein Aufwachen im Maß des Lichts.

 
Galileo Chini (1873-1956)

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Himmlische Rechenkünste


Was dem Herzen sich verwehrte,
laß es schwinden unbewegt.
Allenthalben das Entbehrte
wird dir mystisch zugelegt.

Liebt doch Gott die leeren Hände,
und der Mangel wird Gewinn.
Immerdar enthüllt das Ende
sich als strahlender Beginn.

Jeder Schmerz entläßt dich reicher.
Preise die geweihte Not.
Und aus nie geleertem Speicher
nährt dich das geheime Brot.

(Werner Bergengrün)

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Nessun dorma - II

Mario del Monaco - Nessun dorma! (Turandot)

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Am Abend

Dann gab es im Radion den Evangelimann. Selig sind die Verfolgung leiden. So gegen sieben. Jedes Jahr. Man gedachte der Verfolgten. Weltweit.



Vielelicht aber war es der Joseph Schmidt, der es gesungen hat. Denn es war manchmal nicht nur so bewegend, das war manchmal bis in die Grundfesten erschütternd. Aber vielleicht hing das von anderen Umständen ab, wie man's erlebte.

Oder der Richard Tauber? Ja, der wohl. Oder manchmal zumindest. Nur so gerauscht hat es damals nicht. Aber wer hätte schon darauf geachtet.



Viel strahlender freilich der Peter Anders.



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Donnerstag, 23. Dezember 2010

Wettervorhersage und Börsenprognose

Einen weiteren interessanten Podcast findet der Interessierte in der Neuen Zürcher Zeitung. Unter diesem Link findet sich ein 5-Minuten-Statement des Zürcher Finanzprofessors und Präsidenten der Valartis Bankengruppe Erwin Heri, das feine Aussagen enthält.

Heri meint, daß jede Wirtschaftsentwicklung mittel- und langfristig passierte. Konjunkturprogramme von Staaten haben auf substantielle Entwicklungen so gut wie keine Auswirkungen, allerdings evozieren sie kurzfristige Erscheinungen, weil alle Informationen kurzfristig interpretiert und umgesetzt werden.

Ähnlich ist es bei Börsenentwicklungen. Die heutige Informationsflut spielt dabei keinesfalls eine erleichternde, sondern eine komplizierende Rolle. Denn wenn Prognosen geglaubt werden, bewirken sie sofort Änderungen im Verhalten, ohne langfristig Einfluß nehmen zu können. Deshalb muß man sehr geschickt agieren, um dieses nervöse Verhalten auszugleichen - mit Blickpunkt auf langfristige Ziele, die unverändert bleiben: Unternehmensentwicklungen, Gewinnentwicklungen, gesamtwirtschaftliche Daten.

Wetterprognosen verhalten sich im Vergleich dazu zuverlässiger, weil die Prognose keine Rückkoppelung aufweist, wie Börsenprognosen, wo die Prognose selbst das Geschehen - kurzfristig - beeinflußt. Der enorme Informationsfluß der Gegenwart erhöht im wesentlichen nur die Unsicherheit.

Kurzfristige Börsenentwicklungen werden seit 50, 60 Jahren untersucht, und tragen alle Anzeichen eines reinen Zufallsprozesses. Sinnvolle Vorhersagen lassen sich bestenfalls ab 5, 10 oder 15 Jahre Prognosezeitraum erstellen. Der Unterschied von - kurzfristigen! - Börseprognosen zu reinem Glücksspiel liegt darin, daß es sich hier um soziale, interdependierende Prozesse handelt, mit Ursachen und Wirkungen. Es "sieht nur so aus" als seien solche Vorhersagen Zufall.

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So fing es an

Ein bemerkenswerter Film von Skoda, mit sehenswerten Bildern aus der Frühzeit des Automobils, in allen seinen Varianten.


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Richtig vorhergesagt

Die psychologische Reflexion, die sich auf die innere, die Motivation der Handlung bedingende Grundverfassung des Daseins richtet, kann die Liebe als Quelle der Spontaneität nicht erreichen, weil sie selbst die Manifestation jenes "Interesses" ist, das in der Liebe überwunden wird. Spontaneität und Reflexion schließen einander aus.

Gegenwärtigkeit der amour pur (der selbstlosen Liebe, Anm.) für die Reflexion ist nur eine Illusion des amour propre (der Eigenliebe, Anm.) So lange die Liebe die gegenständliche Form einer für die Reflexion antreffbaren Zuständlichkeit, also zum Beispiel die Form des Gefühls hat, ist sie nicht jene reine Spontaneität, die sich zwar im Vollzug ihrer selbst bewußt ist, aber sich jeder Vergegenständlichung durch Introspektion entzieht.

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Die Förderung der Bedeutung des Gefühls aus der Gottesbegegnung, das noch dazu sehr leicht zum "Maßstab" der Sittlichkeit wird, hat furchtbare Folgen, schreibt Fenelon einmal. Die Reflexion auf dieses Gefühl schiebt sich mehr und mehr in den Vordergrund, bis die Feststellung des Gefühls selbst zum Mittelpunkt der Reflexion wird, die sich mehr und mehr auflöst. Das führt langfristig zu einer völligen Entfernung von Gott.

Weil dies die religiöse Situation des Frankreich des 17. Jhds. kennzeichnet, sagt Fenelon eine völlige Entfernung von Gott voraus - und hat auf gespenstische Weise recht: seine Prophezeiung erfüllt sich im 18. Jhd.

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Autochthone, doch identische Hervorbringungen

Das kollektive Unterbewußte, schreibt C. G. Jung an einer Stelle, beweist sich in zwei Dingen:

Zum einen darin, als jeder Einzelne in seinem Erleben die seelische Erfahrung eines Numinosum (die vielleicht schönste Erklärung für dieses Wort: "Gott zwinkert Dir zu!"; Rudolf Otto erklärt es als: "Die Idee vom Heiligen") macht bzw. machen kann, mit dem er nicht nur konfrontiert wird, sondern das ihn überwältigt. Der Mensch ist also eher Opfer als Schöpfer dieser Transzendenzerfahrung.

Zum zweiten läßt sich zeigen, daß diese inneren seelischen Gestimmtheiten und Erfahrungen weltweit (!) ähnliche, wenn nicht gleiche Darstellungsformen finden und gefunden haben. Und zwar ohne daß direkter bewußter, gegenständlicher Austausch stattgefunden hätte. Es handelt sich also hier um eine autochthone Wiedererzeugung von dargestellten Wahrheiten, die nicht aus bewußter Bilderentstehung stammen können.

Solche "Mythologeme" sind also in den Strukturen jeder menschlichen Psyche eingeschlossen. Sie stellen Konstanten dar, die sich über alle Zeiten und an allen Orten  relativ identisch ausdrücken.

Weil sich aber in diese Gestaltgebung psychische, bewußte, zeitbedingte Strömungen gleichfalls einmischen, ist die Erfahrung des Numinosums OHNE Prozeß der Wahrheitsfindung kein Kriterium für Wahrheit oder als bloß psychogene, rein subjektiv-unklare Herkunft dieser Erfahrung.

Die Ostkirche hat deshalb übrigens diese Erfahrungen als Aussagequelle über Gott und die Welt des Heiligen nie zugelassen. Und auch die westliche christliche Mystik ist nie ohne klare und scharf prüfende Prozesse - des "advocatus diaboli" - ausgekommen. Gerade angesichts der Macht der Erfahrung ist die Täuschungsmöglichkeit zu groß. Und dort lag ja auch das Problem des Judentums mit dem Chassidimismus.


Das größte Problem sieht Jung - aus genau den genannten Gründen - deshalb in der Einflußnahme des Kollektivs, in der Masse. Hier sieht er die größten Gefahren auf die Menschen zukommen, weit noch vor allen konkreten Bedrohungen wie Hunger oder Krieg. Denn in diesen kollektiven Wirkungen finden sich völlig unberechenbare Mächte und Antriebe, die die Grenzen des Bewußten - die durch verbale, bewußte Argumente etc. nicht beeinflußbar sind - spielend überschwemmen.  Damit steht die Welt unter völlig unberechenbarem Risiko. (Jung schreib das übrigens in den 1930er Jahren - seine Prophezeiung hat sich sehr rasch erfüllt. Aber: sie muß nach wie vor aufrecht bleiben. Jung beschreibt ein generelles menschliches, kein einmaliges historisches Problem.)

Das einzige, was den Menschen fundamental erkennen läßt, bräuchte deshalb die Natur einer personalen Erfahrung als Begegnung mit der Wahrheit - und Wahrheit hat personale, nicht "nur logische" (wenn auch nie unlogische) Struktur - als Quelle der Erkenntnis.

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Mittwoch, 22. Dezember 2010

Familienfest

So ändern sich die Zeiten.



Gefunden bei thisisnthappiness

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Rußland. 2010

70 Jahre Kommunismus haben eine Dekultivierung geschaffen, die einer Art Erst-Chaos der Welt glich. Und wo sich ganz neue Hierarchien bilden, um archaische Antriebe gruppiert. Aber es wäre verfehlt, sich an der Gewalt zu erschrecken. Sie zeigt sich hier als Formbildungskraft, die in der Kultur zur Gestalt konzentriert wäre, so aber als bloße Brutalität erscheint. Das ist aber nicht nur ein Verhängnis, es ist auch Rußlands wirkliche Chance. Denn wo es nichts zu verlieren gibt, erst da beginnt Ernsthaftigkeit, und erst da beginnt Persönlichkeit. Jede Zukunft aber lebt nur aus der permaneten Wiedergeburt der anthropoiden Archetypen. Wo, wie im Westen, Ideologien diese Formen an ihrer Geburt hindern, suchen sich die Energien Ersatzformen und Dämonien.


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Das Durchscheinen

"Man übersieht zu oft, daß die Vorstellungen und Ideen des Künstlers nur ein Werkzeug des Dichters und ein Zeichen sind. [Die Worte, die Rhythmen sind für ihn nur der Stoff. Daraus schafft er ein Objekt, das den Geist erfreut durch seinen Abglanz aus der großen Sternennacht des Seins.] Man geht fast immer in die Irre wenn man Dichtwerke so beurteilt, als sei das "klare" Gedicht ein Kristall, das "dunkle" Gedicht ein Achat. 

Die Leute schätzen das erstere, weil sie durch den Kristall hindurch Dinge sehen, die sie schon kennen bzw. anerkennen; sie verwerfen das andere, weil durch den Achat hindurch nichts zu sehen ist, oder sie bewundern es auch, weil sie darin Adern und Schattierungen entdecken, die mit einem bekannten Ding Ähnlichkeit zu haben scheinen. 

Es ist aber die Reinheit des Stoffes und der Gestaltung, die im Auge behalten werden müßte; und der Lichtstrahl des geistigen Seins, der darin aufgegangen ist."

Jacques Maritain spricht sich in "Der Künstler und der Weise" dagegen aus, Ideen und Einfälle als das Wesentliche zu bewerten. In ihnen begegnet man nur dem Konventionellen, Bekannten. Vielmehr muß es um die Entbindung von Geistigkeit aus den Sinnendinge gehen, die in ihnen durchscheinen. So begegnet der Künstler/Dichter in den Dingen dem Auge Gottes.

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Most men here are repressors.

They hide their feelings. That makes women very unhappy.

Interview mit Ayn Rand im Jahre 1979, in dem sie ihre Philosophie darstellt.



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Mann und Frau

Menschenleben.

Gefunden bei everydayishow

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Frau



Modezeichnung von Réne Gruau - Gefunden bei pour15minutesdamour über Glaserei

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Dienstag, 21. Dezember 2010

Das Gute?

Klaren Geistes hat Fénelon die Gefahr erkannt, daß die Moral, ja daß sogar das "Erleben von Gott" von Gott trennbar ist, und, in eine Form von "Morallogizismus" verwandelt, getrennt werden wird, wenn die moralische Tat an sich in den Mittelpunkt des Heilsstrebens rückt, und das Gutsein, das gute Handeln, zum Moralismus wird.

Entscheidend aber ist vielmehr die Haltung prinzipieller Zustimmung zu Gott, von der aus das Rezipieren und Handeln angewegt und durchtränkt wird, also das "Richtige" zuerst, sodaß das "moralische Handeln" ein inhaltlich primär gar nicht bestimmbares, realitäts- und augenblicksgerechtes Handeln auf der Nadelspitze der Wirklichkeit ist. Daraus, aus dem momentanen Horizont, der das Gute ergibt, bestimmt sich dann die Güte einer Handlung.

Das wurde mißverstanden, und brachte ihm hier den Vorwurf des Quietismus ein, und mündete dort (u. a. bei Rousseau) in die Gleichsetzung von "natürlich" mit "geschichtslos".

Aber Fénelon meinte u. a. genau das Untenstehende. Und, ganz naiv, darf die Frage gestellt werden: Mangelt es der Welt an Geld? Mitten in einer Krise, die - und zwar in so vielerlei Hinsichten - eine Krise des Geldüberflusses, der Geldvergötzung ist? Und zwar auch dort, wo "kein" Geld ist - weil alles vom Geld erwartet wird, und damit die "spontane" (natürliche) Wirklichkeitsrezeption, und das ist das Leben, verloren geht.

Sind also Menschen gut, die keine Mittel scheuen, um sich brutal am Markt durchzusetzen, um dann das damit verdiente Geld ... wohltätigen Zwecken zu spenden? Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel. Der Weg ist das Ziel, das darf hier tatsächlich so genannt werden. Das Gelingen soll nicht mehr in unserer Hand liegen. Gott hat die Welt nicht geschaffen und mit "Gesetzen" ausgestattet, nach denen sie, als (an sich) nichtssagender Mechanismus, abschnurrt. Sondern das Sein steht dem Menschen, der Welt, jeden Augenblick, auf diese Nadelspitze gesehen, als wirkliche und ganze Wirklichkeit gegenüber, die zum Mirakel wird, der der Mensch staunend und nur so aufnahmebereit wie daraus folgend gottebenbildlich entgegentritt. Das Gute ist vom (erfüllten) Wesen der Dinge, und damit vom (Darstellen in der Anteilhabe am) Sein, nicht zu trennen.

Gefunden bei thisisnthappiness
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Verdecktes Sklavensystem

Moskau, Lomonossow-Universität
Wilfried Daim weist nicht nur auf, daß der Kommunismus des Europa des 20. Jhd. eine Sekundärform des amerikanischen Kapitalismus war - mit einer erdrückenden Fülle von Indizien, von denen die Ähnlichkeiten der Wolkenkratzer/Sowjetbauten oder Straßenkreuzer/sowjetische Automodelle nur einige der kleineren darstellen. Noch bei den Staatsvertragsverhandlungen 1955 wurde der österreichische Kanzler Raab auf die Krim auf ein paar Erholungstage eingeladen, mit dem Hinweis, daß es hier genauso schön wie in Nizza sei.

New York, Waldorf Astoria
Vor der Machtübernahme der Kommunisten 1917 war Nizza ein beliebter Treff der russischen Oberschichte. Stalin ließ sogar die Straßenlaternen nachbauen. Gebaut für die neue Oberschichte.

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Aber nicht nur kam hier die einfach nachvollziehbare Haß-Liebe der Kommunisten für die (als Vaterrepräsentanten) offiziell abgelehnten Feinde in ihrem wahren Charakter - der Bewunderung, die sich in der ausdrücklichen Ablehnung Rechtfertigung suchte - durch.

Die UdSSR hat seit Stalin sogar das Sklavensystem des Frühkapitalismus eingeführt.

Mit teilweise denselben Motiven (als wesentlicher Faktor der Wirtschaftsleistung) und Gründen (Unterkastigkeit, in diesem Fall aus ideologischen Gründen).

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1938 waren von den 500.000 Studenten der UdSSR 45 % Funktionärskinder, am Wege zu einer neuen Führungskaste. Nur 50 %, manchmal nicht einmal 35 % der Studierenden stammten aus der Arbeiter- und Bauernschichte. Das bewirkte, daß sich für die weitere Zukunft, daß sich immer ausschließlicher die Akademiker mit der politischen Führungskaste deckten, entsprechende Hörigkeiten waren die Folge. Eine spätfeudale Schichte bildete sich heran, die, als Elite, Volkseigentum und Privateigentum kaum unterschied.

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Verzicht auf Raum

Festspielhaus St. Pölten
In der Kleinen Zeitung stand über den steirischen Architekt Klaus Kada (70) zu lesen:

"Seine Architektur sucht nicht die expressive Bauplastik, nicht das Drama von Licht und Schatten auf der Materialität der Volumina. Sie formt aus dem offenen, allgegenwärtigen Raum jeweils spezifische Aggregatzustände der Diffusion zwischen Innen und Außen. Und sie bewerkstelligt dies durch die Auflösung der herkömmlichen Tektonik, durch ein komplexes Spiel von Hüll - und Reflexionsflächen, von transparenten, transluzenten oder opaken Membranen", schrieb Otto Kapfinger in seiner Kada-Monografie im Springer Verlag (2000).

Kada selbst formuliert seine baukünstlerische Devise knapp: "Modern ist nicht ein Stil, sondern nur das, was uns mehr Freiheit gibt."

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Wie nannte es der finnische Stararchitetk Hautta Meikkameikkäa? Form schafft Raum? "Architektur bedeutet nicht nur definierter, sondern geschaffener Raum." Bedeutet dann nicht auch Raumverzicht Formverzicht? Ist Sparsamkeit - Kada wird auch "Ästhet der Sparsamkeit" genannt - dann nicht einfach Verzicht auf Architektur, deren Auflösung durch völlige Reduktion auf Funktion? (Glaswände, Stahlbaugerüste, etc.) Ist eine so verstandene Freiheit, als Abschütteln von Form und Gestaltsanspruch, nicht auch Verzicht auf Kultur, die ja der Freiheit dient bzw. deren Ausfluß ist, als Gewöhnung im immer höheren Guten?


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Kann passieren

Leonhard Cohen will plötzlich der Text zu "Suzanne" nicht mehr einfallen.


Gefunden bei Glaserei

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Frau



Gefunden bei backviews

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Tragisch

Luciano Pavarotti - Il Pagliacci - Vesti La Giubba

 
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Das höchste Natürliche

Man hat sich genug über die Absonderlichkeiten des Musikers Satié aufgehalten. Sie waren im Bereich der Musik dasselbe wie die Seltsamkeiten des Hl. Philipp Neri im Reich der Gnade. Und hier ist der springende Punkt: Die Kunst ist ein Gleichnis der Gnade. Dichtkunst und Heiligkeit stehen zueinander im Verhältnis einer Analogie; ich nehme das Wort in der vollen starken Bedeutung, die es bei den Metaphysikern besitzt, als Ausdruck der Verwandtschaft wie der Verschiedenheit zweier Wesen. Aus der Verkennung dieses Analogiebegriffs kommen alle Irrtümer über das Wesen der Kunst. Die einen übertreiben die Ähnlichkeit und verwechseln die Kunst mit der Mystik, die anderen entleeren sie und machen aus der Kunst ein Handwerk, eine Technik. 

Doch die Kunst ist von oben, nicht wie die Gnade, die wesenhaft übernatürlich ist und uns an Gottes eigenem Leben teilhaben läßt. Aber die Kunst ist das vollkommenste natürliche* Ebenbild des göttlichen Wirkens. Unsere Kunst ist, nach den Worten Dantes, die Enkelin Gottes. Und sie stammt nicht bloß von jener Kunst ab, die als ihr reines Urbild die Welt geschaffen hat. 

Um eine Vorstellung von ihrem Adel zu erhalten, muß vielmehr das Geheimnis der ewigen Zeugung des Wortes angerufen werden: Die schauende Erkenntnis ist nämlich als solche fruchtbar, und wo sie nicht wie in Gott ein anderes Selbst hervorbringen kann, da will sie wenigstens ein Werk zeugen, das nach unserem Bilde gemacht ist und darin unser Herz fortschlägt."

Jacques Maritain in "Der Künstler und der Weise"


*Ich sage natürlich im Gegensatz zum übernatürlichen Wesen der Gnade Christi. Das hindert jedoch nicht, daß die Kunst in anderer Hinsicht, so wie die erste Philosophie, die Metaphysik heißt, über-natürlich genannt werden kann, insofern sie zwar nicht über die Ordnung der geschaffenen und erschaffbaren Natur schlechthin, wohl aber über die sinnliche Natur und über alle Gesetze der körperlichen Natur hinausragt, insofern also ihr Seinswert der transzendentalen Ordnung angehört.


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Montag, 20. Dezember 2010

Heimkehr

Evelyn Richter, Alltag in der DDR

Rechte Evelyn Richter-Archiv

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Sehr überzeugend

Was Frauen wirklich guttut. Und wie sich das in ihrer Schönheit zum Ausdruck bringt.

Mann und Frau



Gefunden auf everyday i show

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Charmante Lüge

Dr. Praetorius - V

Curt Goetz - Film nach dem gleichnamigen Theaterstück - Szene "Gaudeamus igitur!"


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Wintereinbruch

Süß. Verrrückt. Verrücktheit resultiert aus dem Heraustreten aus dem übergeordneten Sinn, dem Verbeißen in ein Teilziel, das diesem Sinn nur bedingt entsprach.


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Ratio und Anschauung

Wie die Vorstellung, die automatisch ergänzt, zuerst zu einer waagerechten, zweidimensionalen Bewegung, die sie dann zu einer dreidimensionalen macht. (Click it!)



Gefunden bei 2headedsnake

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Mensch, Lied, Mann, Frau



Gefunden auf everydayishow

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Sonntag, 19. Dezember 2010

Vor 26 Jahren

Franz Josef Hartlauer, 1944 - 2000
Einkauf bei Hartlauer im Jahre 1984. Die ersten PCs kamen erst in den nächsten beiden Jahren auf den Markt.Der persönlich gewiß integere Unternehmer Franz Josef Hartlauer, der das Unternehmen in Steyr gegründet hatte, war zutiefst in den Kampf um Marktanteile mit Niedermayer und Herlango verwickelt, war in der Haltung Geld gegenüber aber auch ein Kind der Zeit, und gründet eine Filiale nach der anderen, um auch nach der "Strukturbereinigung" noch am Leben zu sein.

Am Leben hieß: hoffnungslos überschuldet, unter enormem Ertrags- und Umsatzsteiegerungsdruck, wo immer höhere Risken durch immer noch höhere Umsätze bei immer geringeren Spannen abgefangen werden mußten, einem unerbittlichen Gesetz des "geringeren Übels" folgend. Das immer ausschließlicher hieß: alles oder nichts, Unternehmensuntergang oder -fortbestand. In der verwegenen Hoffnung auf durch größere Mengen rechnerisch zumindest mögliche Synergie- und Einspareffekte, die die nach außen verlorene Gewinnmarge "nach innen" wieder hereinbringen sollten. Oh, der Verfasser dieser Zeilen, der in jenen Zeiten ein Bauunternehmen besaß, weiß, wovon hier gesungen wird.

Herlango war schließlich bald aus dem Rennen, Niedermayer verkaufte rechtzeitig, aber Hartlauer war ebenfalls am Ende. So, wie tausende Kleinhändler - "Kollateralschäden einer notwendigen Strukturanpassung einer Branche", wie prinzipiell ahnungslose Politiker es nennen - bereits zuvor. Er konnte nur durch Schuldennachlässe der Banken und Lieferanten erhalten bleiben. 

Legendär die von ihm unter Medienankündigung initiierte Wallfahrt nach Mariazell, ganz offiziell: Um Hilfe in der Not der Firma zu erflehen. Immerhin, dieses Unternehmen, dieses Haus gibt es heute (2010) noch, wenn auch vom Sohn kräftig umgebaut.

In DIESEN Jahren aber wurde der endgültige Grundstein für ein Wirtschaftsgebahren gelegt, das nicht nur zum ersten (und bereits eigentlichen!) Crash des Finanzsystems der westlichen Welt im Zeitraum 1988/90 führte, sondern im Grunde ersticken wir heute an den Wegen, die damals und vor Jahrzehnten beschritten wurden.


(Dank an JC aus Steyr für das Dokument)



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Ordnung machen

Eric Satié (1866-1925)
Jacques Maritain erzählt seinem Freund Jean Cocteau in einem Brief von der Bekehrung von Erik Satie, dem Komponisten. Der was schwer erkrankt, und Maritain hatte ihn noch wenige Wochen vor seinem Tod besucht.

"Als ich das erste mal sein Zimmer im Spital St. Josef betrat - Pierre de Massot hatte mich hingeführt und für einen Augenblick zurückgezogen - flüsterte er mir ins Ohr: "Sie wissen, ich bin nicht so ein hartgesottener Religionsfeind. Wenn ich gesund werde, werde ich mein Leben ändern. Aber nicht auf einmal, um nicht meinen Freunden Ärgernis zu geben. Und dann, ich habe jeden Morgen ein Kreuzzeichen gemacht ..."

Als der Spitalsgeistliche wie gewöhnlich am Karfreitag durch die Säle ging, um zu fragen, wer Ostern halten wolle, antwortete er: "Aber gewiß, ich bin katholisch!" Er beichtete des  Abends noch; da er die Gebete vergessen hatte, bat er die Pflegeschwester ihm bei der Buße zu helfen. Sie verrichteten zusammen das Gebet des Herrn und den Englischen Gruß; Satie weinte. Zweimal noch verlangte er nach der Heiligen Kommunion. Zu Reverdy, seinem Vertrauten, sprach er von seinen frommen Übungen in seinem unnachahmlichen, halb ernsten, halb schalkhaften Ton, den die Schamhaftigkeit ihm eingab, wenn er von sich selbst sprach.

Zu mir sprach er vor allem von Musik und von Küchensachen. [...] Einmal fuhr er mich derb an, weil ich eine auf seltsame Weise verschwundene Büchse Konfekt nicht mehr finden konnte. Alle Schubläden mußten durchstöbert werden. "Es ist doch nicht weit her mit einem katholischen Autor, wenn er nicht einmal imstande ist, eine verschwundene Büchse Konfekt zu finden. Man braucht sie bloß sehen, wie sie suchen, um zu wissen, daß sie sie nie finden werden."

Alles in allem zeigte er in seiner rätselhaften und grausamen Krankheit musterhafte Geduld. Und stets diesen seltsamen - von Überlegung und Ironie, von Ängstlichkeit und Absonderlichkeit getragenen - Ordnungssinn, der bei ihm eine so tiefe Bedeutung besaß. Zuletzt befiel ihn eine nur durch wache Momente unterbrochene Ohnmacht. Als ich an seinem Bette sitzend leise meinen Rosenkranz betete, erwachte er und sagte: "Es ist gut beisammen zu sein, wenn man zusammen denkt." Dann fiel er in Schlaf. Das sind die letzten Worte, die ich aus seinem Munde hörte. Nach einer halben Stunde ging ich leise fort. 

Ich sah ihn erst wieder, als er auf der Bahre lag. Er hatte die letzte Ölung bei vollem Bewußtsein erhalten. Ich glaube, daß er seinen Freunden viel erbitten wird."

"Gott kann man nichts vormachen," schreibt er dann an anderer Stelle. "Er verachtet die Literatur. Er hat das reine Auge Satié's geliebt."

Aus "Der Künstler und der Weise - Jean Cocteau und Jacques Maritain - Briefe"

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Alltag

Evelyn Richter, Photos aus der DDR - Plattenbausiedlung Leipzig

Rechte Evelyn Richter-Archiv


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Dr. Praetorius - IV

Curt Goetz - Film nach dem gleichnamigen Theaterstück (1950) - Szene "Ehrenrat - II"


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Mann und Frau

Jean Paul Belmondo - Anna Karina




Gefunden bei everyday i show
 
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Ab wann man ein Mann


Gefunden bei twistedvintage

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Hervortreten

Luciano Pavarotti bei seinem Debut - Che Gelida Manina, 1961 live


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Erfolg

Und alle lachten.


Gefunden bei Vintage Ads | via Glaserei

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Samstag, 18. Dezember 2010

Damals wie heute

"Nicht die Frage, ob es vernünftig sei, die Existenz Gottes anzunehmen oder nicht, ist [für Fénelon] die letzte Frage, sondern die, wie das durch die Reflexion entfremdete Subjekt "vernünftig" werden, wie es ich in dem durch den kartesischen Zweifel eliminierten Zusammenhang wieder integrieren könne. 

Nicht der Beweis der Existenz Gottes ist der entscheidende Punkt, sondern das Problem des Entschlusses, zu dem die Seinsfrage unter den Bedingungen der sich emanzipierenden Reflexion notwendig wird.

Ausgangssituation Fénelons ist die Entfremdung, d. h. zunächst und für ihn: die Situation des Christentums bzw. des christlichen Individuums in einer Welt, in deren Kategorien es sich selbst nicht mehr begreifen und aussprechen kann und die es deshalb als gottverlassen verstehen muß. 

Die Worte Jesu am Kreuz "Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" werden für Fénelon so bedeutsam wir für Pascal die Agonie am Ölberg, die bis zum Ende der Welt dauert. Fénelons besondere Weise, das Problem, das hierdurch aufgegeben ist, zu lösen, wird deutlich in der Abhebung gegen die verschiedenen Versuche, die Entfremdung aufzuheben. Bossuet, der väterliche Freund und dann der "adversarius" schlechthin [der bewirkte, daß Fénelons Thesen später von Rom verurteilt wurden; Anm.] verkörpert den "konservativen" Versuch, die Entfremdung nicht zur Kenntnis zu nehmen, sondern durch eine Theodizee der Weltgeschichte, durch theologischen Klassizismus und durch Kirchenpolitik zu überdecken. Daß diese Weltgeschichte als Theodizee, als triumphierende Apologetik, bereits selbst jene Säkularisierung bedeutet, zu deren Bekämpfung sie entworfen wird, kommt Bossuet nicht zum Bewußtsein."


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So schreibt Robert Spaeman in seinen "Reflexion und Spontaneität - Studien zu Fénelon" zur Beobachtung, daß Fénelon in seinen Thesen sich direkt pädagogisch verstand. Damit erscheint der französische Erzbischof als Vorläufer einer Entwicklung des Geistes in Europa, die sich bis zum heutigen Tag ungebremst entfaltet hat, und die bereits im 17. Jhd. - in der Gestalt Bossuets, seines Gegenspielers, der dann "siegte", indem er der "Orthodoxie" zum Sieg verhalf, der Fénelons Thesen schlicht über das Gerüst eines undynamischen Dogmatismus, zur Waffe mißbraucht, brach - alle Weichenstellungen vorfand.

Aber noch etwas zeigt sich in dieser Auseinandersetzung, und Spaemann spürt es punktgenau auf: die Reaktion Bossuets ist deckungsgleich mit jenem Konservativismus, der - ob "Neo-" oder "Tradi-" - kein Mittel gegen die Verirrungen der Zeit ist.

Vielmehr ist der Weg, den Fénelon sucht und aufzeigt, so schmal, daß ihn nicht links, nicht rechts, zu finden scheint. Es ist aber der einzig gangbare - denn Fénelon ist große Seele genug um die Wahrheit nicht zu verdrängen, daß das entscheidende Moment in der Existenzialität liegt, in der Begegnung mit Welt und Wirklichkeit an ihrem innersten Nadelpunkt. In Seelenläuterung und Klarheit. SO versteht Fénelon die Mystik, hier findet er sie als "gangbaren Weg" rückverlängert, von den Mystikern direkt ausgehend, mit deren Aussagen er alle Übereinstimmung findet, zu einer Grundhaltung des Lebens überhaupt. Hier wird Mystik als Grundhaltung des Christen sui generis identifiziert.

Bossuet, sein Gegner, vertritt den leider heute in den "Erneuerungsbewegungen" so fatal mißverstandenen Weg des Reflexivismus (als Erfahrungssimulation) und Theologismus, wie er an dieser Stelle schon so oft angeprangert wurde: wo das Reden von Gott zur Äquivokation wird, zum Logizismus, wo Worte innerhalb einer bestimmten Logik (und einer als magisch mißverstandenen Sprache) aneinandergereiht werden, ohne den Kern noch zu treffen, ohne diesen noch zu transportieren. Bossuet siegte. Und er stellte Weichen.

Aber es geht nach wie vor um die Überwindung der Gefangenschaft in sich selbst, um den Durchbruch zur Nadelspitze der Wirklichkeit. In den seither verstrichenen 300 Jahren wurde vor allem aber eines gemacht: die Pseudo-Welt perfektioniert, die zur Abwehr der wirklichen Wirklichkeit - und nur dort ist Gott zu finden - aufgebaut wurde und wird.

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Offensichtlich aber war in den 1950er Jahren das Problem bereits deutlich zu sehen, zumindest zu spüren. Denn nicht nur Spaemann hat es zum Ausgangspunkt seines Forschens gemacht, sondern auch später ihre Rolle spielende Philosophen wie Walter Hoeres ("Reflexion und Reflexivität"). Sie sehen in ihren Habilitationsschriften was auf uns zukommt, sie sehen die Entwicklung des in sich abschließenden inneren Erlebens, das letztlich ins Leere geht, und in einer subtilen Verzweiflung, samt ihren "Bekämpfungsmitteln" (Massendynamiken, Gruppendruck, etc., um das immer hermetischere, technizistischere Innen noch mit "Außen" und "Erleben" zu füllen) endet.

Wahrscheinlich war sogar DAS der Impuls ein 2. Vatikanisches Konzil einzuberufen. Als "pastorales", pädagogisches Konzil, das einen Ausweg aus der Starre und Unwirklichkeit und Entfremdung finden sollte. Fénelon hat es Jahrhunderte zuvor angerührt.

Er hat keinen moralischen oder moralistischen oder subjektivistischen Ausweg gesucht. Sondern er hat Blut daran geleckt, was es überhaupt heißt, Mensch zu sein. Denn was Fénelon darzulegen versuchte, und was ihn einerseits so populär, anderseits aber befehdet machte, war sein Bezug auf das Desinteressement der "amour pour", der reinen Liebe. Als letzte und unbedingte Norm des Menschseins.

Erziehung, Läuterung, wird damit zur Läuterung der reinen Liebe, als Grundhaltung der Offenheit, auf der aufruhend der Mensch im Leben Konkretion sucht und findet. Hier ist der Kernpunkt auch, in dem Vernunft vom Rationalismus befreit und verankert ist. Und wo sogar tradierte Moral wieder relevant wird - als Zaun und Markung, in keinem Fall als Spielball subjektiver Anwandlung, sondern gleichfalls als Prüfstein dieser reinen Liebe.

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Und plötzlich, ganz plötzlich, ist er da - der ganz ganz einfache, alte Volksglaube, der allen eigen und möglich ist. Der Glaube der einfachen Landpfarrer und Menschen. Als Weg einer Offenheit und eines Gehorsams, als Weg wirklicher Liebe, der "amour pour", der reinen Liebe.

Als Weg des Gehorsams, der alles zusammenschmilzt, in der Indifferenz zu dem, was tatsächlich erreicht wird, weil der Weg bereits das Ziel ist. Der gleiche Gehorsam, der den Wille Gottes wollen und erfüllen läßt, heißt den Menschen auch das "Noch nicht" hinnehmen.


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Dr. Praetorius - III

Curt Coetz - Film nach dem gleichnamigen Theaterstück - Szene "Ehrenrat - II"


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Frau

Anne St. Marie, Vogue 1959



Gefunden bei retrogasm

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Schwungvolles Fazit - III

Teil III)  Was Ayn Rands wirklich Stärke ist? Sie wirkt für einen Europäer ... befreiend!


Was Ayn Rands wirkliche Stärke ist, ist eine gewaltige Nüchternheit, ein beeindruckender Realismus, die sie so vieles so klar sehen läßt. Genau deshalb findet sich so manche Übereinstimmung mit aristotelisch-thomistischer, scholastischer Metaphysik, von der Rand offenbar aber wenig wußte. Und das auf eine Art, mit Nuancen, mit Zuständen die sich in den Figuren finden, die wirklich einzigartig sind, und gar nicht konstruiert wirken - dieser Vorwurf kommt ja öfter, wenn die gute alte Psychologie eben weil sie so offensichtlich wahr ist, mancher überholter Konventionalität bezichtigt wird.

Wo Rand gar manches zum Namen bringen, das für einen Europäer - und ein solcher bin ich ja - wirklich neu, aber erlösungsbedürftig war. Hier kommt es erstmals zur Sprache, hier wird es einem bewußt, hier atmet man auf, daß diese Gefühle aus dem dunkelen Keller hervorgeholt werden, wo man sie nur dumpf ahnte, aber nicht um ihre Existenz wußte.

Man wirft Ayn Rand vor, keine Künstlerin zu sein, sondern Philosophin, die ihre Philosophien in Metaphern kleide. Nein, ich bin völlig gegenteiliger Ansicht. Ihre Traktate, die sie in Monologform verpackt, oft fast quälend lang, dabei nie uninteressant, gewiß, sind philosophisch eigentlich schwach, widersprüchlich, und utopistisch (ich habe hier bereits einmal darüber geschrieben: ihre Beschreibung des Paradieses, der Utopie, ist sogar regelrecht lächerlich. Und man hat beim Lesen ständig das Gefühl, daß Ayn Rand das sehr wohl spürte, so kraftlos, so "laberig" ist auch die Sprache in diesen Passagen.)

Es ist der künstlerische Wert, das Ausleuchten so geheimer Winkel, daß man gar nicht wußte, daß sie bestehen, es ist die Identifikation mit Gefühlen, die sie in Figuren darstellt, die man als befreiend erlebt, die das Buch und Ayn Rand lesenswert machen. Schon gar für einen Europäer. Ja, gerade für uns Europäer.

Und das ist eine der Aufgaben von Kunst: das ist ihre kathartische Wirkung. Wenn Unfreiheiten aufbrechen, und der Blick frei(er) wird für das Ganze, wieder fähig zum Staunen, und damit zum Erkennen.


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Traumland

Evelyn Richter, eine der bekanntesten Photographinnen der DDR - Berlin, Spree beim Dom


Rechte Evelyn Richter-Archiv

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