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Montag, 28. Februar 2011

Koinzidenz

Die Schwelle der Mystik ist die Quelle der Kunst.
Der Satz umgedreht hat nicht dieselbe, sodern eine weitere wahre Bedeutung.
Die Quelle der Kunst ist die Schwelle der Mystik.

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Kein alter - ein neuer Schmäh

Nun meint Nissan gewiß, daß der Spot witzig und originell wäre. Aber das ist er nicht. Weil es im Grunde um eine einzige Form von "Erotik" geht. Der Rest hat mit Situation, Erinnerung, und was auch immer zu tun. Eros ist aber das an den Geist gerichtete Locken der Materie, sie zu ihrer Vollgestalt zu führen. Also nicht zu wissen, daß das eigene Produkt erotisch ist, bedeutet die Grundelemente der Welt gar nie begriffen zu haben.


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Es gibt keine Neutralität

Eine Aussage, für die man Dodge eigentlich lieben MUSZ: Wir sind nie "neutral"! Die Dinge verändern sich nicht, weil wir WIR SELBST sind. Sondern die Dinge werden bestimmbar im Maß dessen, wer sie sieht. Denn wer etwas sieht sieht auch etwas wie. Es gibt kein einfach neutrales Erkennen, sosehr die Dinge letztlich sie selbst bleiben.


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Falsch verbunden

Man schießt los, und vergewissert sich gar nicht, ob die Adresse stimmt. Das ist manchmal tragisch, und genau dort wird es komisch. Wer rechnet mit sowas? Wobei es kulturhistorisch interessant ist, mit welchen Kunden, also mit welcher Bevölkerung, das werbende Unternehmen rechnet.


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Was Kunst ist, was sie kann, was sie ...


Gefunden bei thisisnthappiness

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Sonntag, 27. Februar 2011

Aufklärung


Gesehen bei everyday_i_show

Florenz, 1965

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Poetische Erhellung

Der Wille, ein Leben zu gestalten - mit der Blüte. Leben bedeutet, die Dinge beleuchten, verwandeln. Und wundert man sich erst, denkt man an die übliche Praxis - trotzig zu setzen, was nicht ist, zu behaupten, statt zu sein - erhellt sich dann alles zur Fülle der Natur.

Wunderschöne, poetische Metapher!


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Tiefgründig


Gefunden auf thisisnthappiness

Das Prinzip des Expressionismus, einer Fortsetzung des strengen Idealismus, der dann überhaupt nur noch die Idee in Händen hat. Kunstgeschichtlich wird diese Weiche mit dem Auseinanderdriften von Impressionismus (als auf die Spitze getreibenem "Realismus", "Naturalismus") und Expressionismus als die beiden Pole der Kunst verortet. Weltlos neigt der eine zur Inhaltslosigkeit, weltversessen der andere zum magischen Materialismus der Konvention und des nackten, häßlichen Realismus der Suche nach dem "Ding an sich".

Auf die Spitze getrieben, enden beide im Nichts. Der eine findet mit der Zeit eine entleerte Welt vor, weil der Geist keinen "Landeplatz" findet an dem er sich zeigen könnte, und der andere entleert die Welt, weil die Dinge ohne Geist ins Nichts fallen.

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Mann (und Arena)


Gefunden bei everyday_i_show
Pamplona, Spanien, 1967

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Schöpfung

Bill Brandt - Gesehen bei everyday_i_show


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Samstag, 26. Februar 2011

Ein wahrer Neubeginn

Die tägliche Medienlandschaft macht es nicht leicht, die wirklichen Konturen der Ereignisse noch auszumachen. So erscheint als Meldung aus der Tiefebene in der FAZ ein Bericht über die eigentlichen Verursacher und Auslöser der Finanzkrise der letzten Jahre - es sind Millionen amerikanischer Einfamilienhausbesitzer.

Die nicht mehr und nicht weniger getan haben als auf Ihre Anwesen Kredit um Kredit zu häufen, bis sie ... nicht mehr zahlen konnten. Viele - und es geht hier um Millionen, also keine Einzelerscheinungen - haben sogar ihr Leben mit Hypothekarkrediten finanziert, weil sie an steigende Immobilienpreise glauben wollten, so wie die Banken und Kreditgeber, die mit Milliarden und Billionen aus den Pensionsfonds und Lebensversicherungskassen und privatren Anlegerfonds aus Europa und Asien und dem eigenen Land dasaßen, die sie anlegen mußten. Zu hohen Zinsen anlegen mußten. Also warum nicht - durch hohe Risken?

Also warum nicht einen Kredit auf den anderen türmen, den alten mit einem neuen, noch höheren Kredit "zurückzahlen", auf immer noch höhere Immobilienpreise dabei zu spekulieren? Bis ... ja, bis sich herausstellte: Es gab ja niemanden, der diese Immobilien auch kaufen wollte?

Das sprach sich herum, wie es eben die Prinzip des Marktes ist, der so seine Preise bildet Denn: es gibt keinen "echten" Preis, so wie es kein "echtes" Geld gibt. Preis (und Geld) bedeutet immer ein gewisses Fließen, bedeutet immer die Spitze einer nirgendwo absolut festzumachenden Beziehungskette von Produkt und Bedarf. Der Preis eines Liters Wasser in der Wüste Gobi ist nicht unfairer als der für dieselbe Flasche an den Ontario-Seen. Die Stellung von Produkten innerhalb eines Weltgefüges ist immer außerdordentlich relativ. (Was ja die Globalisierung zum absurden Spiel macht, das alles schlicht und ergreifend durcheinanderbringt, weil Preissysteme und Freier Markt NUR mit lokalem Bezug funktionieren - nicht aber bei einer virtuellen, abstrakten, nirgendwo mehr konkreten "Welt". Es gibt keinen freien "Weltmarkt" - dort gibt es keine wirklichen Preisbildungsmechanismen mehr, sondern dort wirken Faktoren, die mit "Markt" nichts mehr zu tun haben.)

Und mit einem Schlag purzelten die Preise, mit einem Schlag gab es keine weiteren Kredite, um die alten Kredite zurückzuzahlen, mit einem mal wollten die Kreditgeber ihr Geld zurück, weil die Renditen nicht einzufahren waren, und mit einem mal konnten Millionen von Amerikanern ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen, weil sie nie so viel verdient hatten, um das überhaupt zu können. Und keiner sich Gedanken machen wollte, daß dieses Pyramidenspiel irgendwann einmal sein Ende finden MUSZ.

Die FAZ spricht von 4 bis 7 Millionen Einfamilienhäusern, die derzeit zur Zwangsversteigerung vorgesehen sind. Das entspricht 3 bis 5 Prozent ALLER amerikanischen Wohnbauten. Und auch jetzt gibt es natürlich für diese Massen keine Käufer.

Aber die Spekulation auf die virtuelle Welt der Schmerzvermeidung, die man "Demokratie" nennt, geht offenbar auf. Mit Billionen wurden amerikanische Banken gerettet, sprich: diese Häuserkredite, die nicht zurückgezahlt werden konnten, zahlen nun die amerikanischen Steuerzahler. Die Gewinne waren privat, die Verluste werden nun vergesellschaftet.

Und damit nicht diese Abermillionen Menschen wirklich auf der Straße stehen, fordert die Regierung nun die Banken auf, die Kredite teilweise zumindest zu erlassen. Der Papa wird's schon richten, heißt es so schön. Wir brauchen keine Konsequenzen aus unserem Handeln mehr zu fürchten. Es gibt immer jemanden, der die Pflicht hat, unser Recht auf Schmerzfreiheit zu erfüllen. Es gibt immer jemanden, der zahlt.

Die Amerikaner haben keinen Sozialstaat wie er in Europa alles zerquetscht hat, das stimmt. Aber sie haben längst ihre Mechanismen, dieselben Effekte zu erzielen. Und sei es, daß die Banken - die ohnehin längst quasi-vergesellschaftet sind - mit Immobilien dasäßen, die keiner kaufte, die auch durch das Überangebot fast wertlos wären und im Preis verfielen. Während ihre Schuldner zahlungsunfähig sind.

Deshalb die Aufforderung, das Pyramidenspiel auf niedrigerer Ebene wieder zu beginnen. Mit Krediten gekaufte Häuser finanzieren, vielleicht denselben Schuldnern, die gerade insolvent waren, für Häuser die momentan billig sind. Aber sicher, ganz sicher, bald sehr im Wert steigen.

Steigen müssen. Sonst müßten die Banken um ihr Geld fürchten, auch in so vielen anderen Kreditfällen, denn Immobilien stehen praktisch in einem "paritätischen" Verhältnis zu Krediten, sind deren letzte Sicherstellung, immer und überall. Wenn also ein Marktsegment so hohe Überangebote zeigt, leiden die Preise (und damit die Kreditbonitäten) anderer!

Und sieh da: schon berichtet die FAZ, daß der Preisverfall dieser Häuser allmählich gestoppt ist, daß die Häuserpreise wieder stabilder wurden, in zwei, drei Jahren wieder stabil sind. Ganz sicher.

Et cetera, et cetera, et cetera ...

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Warnende Stimmen

Es soll später niemand sagen können, die Ökonomen hätten nicht gewarnt - 189 Professoren für Wirtschaft auf deutschen und österreichischen Universitäten haben in einer gemeinsamen Petition gewarnt, den Euro-Schutzschild wie geplant auszuweiten, schreibt die FAZ.

Durch eine Vergemeinschaftung der Schulden wäre absehbar, daß schwache Staaten ungebremst weiter Wirtschaftspolitik auf Kredit machten, den letztlich die starken Staaten verbriefen auch zu decken. Dies geschieht praktisch u. a. dadurch, daß die Europäische Zentralbank (EZB), für die ja "alle" haften, staatliche Anleihen solcher Risikostaaten aufkauft.

Eine dauerhafte Garantie der EU, die Zahlungsfähigkeit insolventer Staaten zu sichern, sei mit „gravierenden negativen Folgen“ verbunden. Günstige Kreditkonditionen und die Haftung der europäischen Staatengemeinschaft würde Anreize bieten, „die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen und eine Verschuldungspolitik zu Lasten der EU-Partner fortzusetzen“. Der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angeregte „Pakt für Wettbewerbsfähigkeit“ sei nicht durchsetzbar und kein geeignetes Mittel, warnen die Professoren. Bleiben die Fehlanreize bestehen, werde sich mittelfristig die Schuldenkrise weiter verschärfen.

Die Stellungnahme der Wirtschaftsprofessoren ist auf der neugegründeten Plattform „Plenum der Ökonomen“ von Monika Merz (Universität Wien), Andreas Haufler (München), Wolfram F. Richter (Dortmund) und Bernd Lucke (Hamburg) erarbeitet worden. In einer namentlichen Abstimmung, an der knapp zwei Drittel der Mitglieder teilnahmen, haben sich 90 Prozent dem Protest angeschlossen. „Die deutsche akademische VWL ist sich mit überwältigender Mehrheit einig“, sagte Lucke der F.A.Z.. „Sie positioniert sich in dieser Einigkeit gegen die für Ende März vorgesehenen Beschlüsse der EU.“

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Frau


Gesehen bei everyday_i_show
Marseille, Tauchschule, 1965

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Die Welt ist besessen von Facebook



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Der Diskuswerfer

Ich hab's genommen, weil es so gut gespielt ist. Und weil die Bewegung, die der gute Mann zeigt, großartig ist.


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Was Frauen sind

Sind Frauen gar nur die besseren Kleinbürger? Oder ist VW und die Vernunft ein geordnetes, einfallsloses Einfamilienhaus? Ein Filmchen, das - gut gemacht - Fragen aufwirft. Und das, obwohl es vorhersehbar verläuft, eine Menge spannender Momente hat. So ist das eben mit der Konvention - sie ist nur sie selbst, wenn sie rationalistisch auf ein Zahlenspiel heruntergebrochen wird; ihr Inhalt ist nicht einfach nur das Bekannte, sondern sie löst sich auf und läßt dem Augenblick - dem einzigen, das Geschichte wirklich vorangehen läßt, wo sie nicht einfach "passiert" - ihren Raum, wenn der Mensch beginnt, damit zu spielen.

Absehbar, aber nicht konventionell. VW. DAS nenne man mal eine Aussage.


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Indische Ästhetik

Ein Titellied. Die indische Filmindustrie ist die weltweit größte, mit dem größten Ausstoß an Filmen pro Jahr. Die Anforderungen an Schauspieler sind offenbar erheblich anders gelagert, als hierzulande, und sehr dem Schauspielberuf wie er im Barock aufkam verwandt. Wo das Spiel weitgehend in der Beherrschung einer umfangreichen Körpersymbolik bestand. In der Commedia dell'Arte lebt das noch heute fort.



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Verwirrte und verworrene Ebenen

Ein zehnjähriges Mädchen macht, so titeln die Zeitungen ihre Berichte darüber, "Furore" auf Youtube" mit der "Cover-Version eines Lady GaGa-Songs". Über 13 Millionen mal ist das Video auf YouTube bereits angeklickt worden. Sie finden es unten.

Was zeigt uns das? Daß die momentanen Elitebildungsmechanismen, in ihren Auswirkungen auf Identitäten und gesellschaftliche Ideale, wahllos das Gesetz der Menge über alle Inhalte stellen. Denn die Darbietung ist nett, aber ganz sicher gibt es Massen an Mädchen, die zu solch einer Leistung - die ja noch dazu im bloßen Imitieren besteht, aber das ist so jungen Menschen halt noch gestattet - imstande sind. Alles spielt sich auf dem Niveau stolzer Eltern ab, die die jährlichen Musikschul-Konzerte mttfilmen, und dann früher in der Familie herzeigten, heute - wird es auf YouTube gestellt und damit auf eine Ebene, wo der Zufall (oder gewisses, mit der Leistung selbst in keinerlei Zusammenhang stehendes Geschick) ihre Rolle spielen. Und plötzlich hat, was auf die Ebene der nächsten Umgebung gehört, eine gesellschaftliche Ebene der "Weltöffentlichkeit" ...

Was das bedeutet? Sieht man von der Entwertung dessen, was Öffentlichkeit überhaupt heißt, ab, wirkt es leitbildformend dahingehend, als den Menschen nicht mehr genügt, für ihre Familie, die Nachbarn, oder den Faschingsball in der Pfarre zu singen - jeder fühlt sich zu einer Bedeutung berufen, weil seine Leistung ja tatsächlich vergleichbar ist, scheinbar zumindest, die jeden Rahmen sprengt. Größenwahn wird zum Massenphänomen, der das nächste geringschätzt, um das Übernächste zu erreichen.

Der Ehrgeiz der Eltern hat ohnehin bereits die erste schwerst geschädigte Generation hervorgerufen. Diese überfrachten nun ihre eigenen Nachkommen endgültig - mit Anforderungen und Erwartungen, die der Kunst alles nehmen, was sie ausmacht, und dafür nächste und nächste Casting-Shows mit tragischen Elementen füllen. Denn ihr Kriterium ist nicht "Weltwirkung", sondern Freiheit, absichtsloses Spiel, Gestaltungswille Nicht "Wille zur Prominenz".



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Freitag, 25. Februar 2011

Vor den Freunden auf der Hut

Sanfte Rede erwirbt viele Freunde, freundliche Lippen sind willkommen. Viele seien es, die dich grüßen, dein Vertrauter aber sei nur einer aus tausend. Willst du einen Freund gewinnen, gewinne ihn durch Erprobung, schenk ihm nicht zu schnell dein Vertrauen! Mancher ist Freund je nach der Zeit, am Tag der Not hält er nicht stand. 

Mancher Freund wird zum Feind, unter Schmähungen deckt er den Streit mit dir auf. Mancher ist Freund als Gast am Tisch, am Tag des Unheils ist er nicht zu finden. In deinem Glück ist er eins mit dir, in deinem Unglück trennt er sich von dir. Trifft dich ein Unglück, wendet er sich gegen dich und hält sich vor dir verborgen. 

Von deinen Feinden halte dich fern, vor deinen Freunden sei auf der Hut! Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt; wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden. Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis, nichts wiegt seinen Wert auf. Das Leben ist geborgen bei einem treuen Freund, ihn findet, wer Gott fürchtet. Wer den Herrn fürchtet, hält rechte Freundschaft, wie er selbst, so ist auch sein Freund.

Buch Jesus Sirach 6,5-17
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Frau (und Kind)


Gesehen bei everyday_i_show
MS Gran Canaria, Spanien, 1965

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Lebensfreude

Es ist eine interessante und wahre Botschaft: mit jeder Begegnung erwacht man zu einer bestimmten Art, zu leben. Daraus erwächst Freude, aus dieser Anschmiegung ans Spezifische einer Form erwächst aber auch Können. So wird dieser Mann zum Alleskönner. Öffne Deine Welt, ist deshalb der Aufruf. Wer sich verschließt, bleibt ohne Wirklichung. Und ohne Lebensfreude. Laß im Aufnehmen des Begegnenden dieses in Dir wirken.


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Persönlichkeitsdiebstahl

Es gibt eine Persönlichkeitsstruktur, schreibt Adreij Swischtschenko in "Dumal by!", deren überproportionale Häufigkeitszunahme zu beobachten, und im Rahmen des Kulturverfalls zu sehen ist, der natürlich am unmittelbarsten ein direkter Verfall der  Persönlichkeitsstrukturen sei. Sie trage klar symbiotische Tendenzen, und sei theoretisch unbeschränkt vermehrungs- bzw. aufbaufähig.

Sie funktioniere aber nur beim Zusammentreffen von zwei bestimmten Persönlichkeitsbildern, auch wenn man davon ausgeht, daß solche Kuckucks-Identitäten - denn darauf laufe es hinaus - durchaus in Teilaspekten zum Tragen kommen.

Der eine Persönlichkeitstypus müsse dabei aufgrund hoher Begabungen, Fähigkeiten etc., besonders großzügig mit Leistungen und Erfolgen umgehen. Denn er weiß, daß er Einzelerfolge jederzeit wiederholen kann.  Dieses Selbstbild ist sehr begehrenswert, und genießt hohes Ansehen.

Der zweite, der an diesen herantritt, ist gekennzeichnet durch besonders ausgeprägte Selbstschwäche. In erster Linie, weil er kein Selbstvertrauen ausbilden konnte, sodaß ihm die Kraft, die Persönlichkeit ausmache - das Ertragen einer Spannung zwischen dem Selbstbild und der Umgebungsreaktion - fehle. Er braucht also die Umgebung, um eine Identität zu wirklichen, während diese Umgebung den Kitt der Credibilitas, der Glaubwürdigkeit enthält, das Grundelement von Persönlichkeit, die ja zugleich Kultur ist.

Nun passiert Folgendes, schreibt Swischtschenko: Der Schwache verbirgt sich zu Anfang hinter dem Starken, ordnet sich mehr oder weniger widerspruchslos (er verfügt ja über keinen Mut zum Eigenwillen) unter, und nimmt imitierend - oft in fremden Umgebungen erst, in die er sich wie ein Brückenkopf einnistet - dessen Erscheinungsformen an.

In der Zweisamkeit zwischen diesen beiden Personen, verschwimmt so die Unterscheidbarkeit mehr und mehr. Die Außenwelt meint, zwei wie ein Herz und eine Seele vor sich zu haben, weil sie natürlich nicht sieht, daß nur einer die "Seele" des anderen imitiert, in dessen Windschatten mitschwimmt. 

Was der Aufmerksamkeit des ersteren aber entgeht ist, daß der Zweite mehr und mehr die Außenbeziehungen regelrecht übernimmt, und ihm so seine Umgebungswelt, auf die sich seine Persönlichkeit ja bezieht, aus der Hand nimmt. Dies geschieht, indem er die Credibilität auf sich zieht, fast immer sogar "leicht", weil er eine Persönlichkeitsbild anbietet, dem es am Wesentlichen des Persönlichkeitsaufbaus, der "Gewalt", auch der Mühe des Ertragens (als Integrierens in die eigene Weltgeflechtung), das ja "Dehnschmerz" bedeutet, fehlt. Er (simpel dargestellt) wirkt einfach "netter", problemloser - während normalerweise Persönlichkeit ohnzweifelhaft "Probleme" bringt, ja: Persönlichkeit BEDEUTET Problem als Widerstand gegen Willfahrigkeit.

Und so gewinnt er nach und nach Verankerung und Autorität, die untrennbar mit dem Personskern verbunden bleibt, also mit dem Ich des Schwachen. Während der Starke (der Einfachheit halber sei es so genannt) diese Veränderungen meist erst zu einem Zeitpunkt wahrnimmt, wo er nichts mehr tun kann - weil Persönlichkeit nicht direkt "gewinnbar", schon gar nicht behauptbar ist.

Jemand schlüpft (auf diese Gleichung kann man es reduzieren) unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in die begehrte Haut eines anderen, und läuft am Ende mit dieser - dessen! - Haut davon.

Die Folgen sind natürlich keineswegs auf den "Beraubten" beschränkt. Sondern sie zeigen sich in meist sogar dramatischem Wirklichkeitsverlust (mangels Fähigkeit zu realistischer Selbsteinschätzung) des Schwachen - völliger Selbstüberschätzung, mit aggressiver Schutzaktivierung, weil um die Gefährdung gewußt wird - einerseits (völlige Entwertung des Wirtes durch z. B., Verleumdung, mit dem Ziel der Vernichtung), während anderseits der ursprünlich "Starke" bar aller sozialen Felder - sich in einer real verächtlichen, schwachen Position wiederfindet, und an anderem Ort regelrecht von vorne beginnen muß. Denn seine alte Umgebung ist ihm verloren: versucht er, Eigentumsrecht an "sich" (Aussagen, Handlungen, Merkmalen etc.) zu behaupten, wird er zunehmend zum Plagiator abgestempelt, seine Glaubwürdigkeit ist also vernichtet. Was als eigener und zunehmend aggressiver Akt des Schwächeren ja in dem Maß dazukommt, als mit Vollendung des Persönlichkeitsdiebstahls die Angst vor dem ursprünglichen Träger wächst.

Swischtschenko verfaßt die Arbeit übrigens unter direktem Bezug zur "Generation Facebook". Die er als Tummelplatz genau solcher Schmarotzer-Identitäten sieht: Als Selbstbedingungskatalog von Persönlichkeitselementen, die immer von den Stärkeren, Ganzheitlichen, zu dem (mehrheitlichen) Schwachen wandern. Solche Vorgänge, schreibt der raketenhaft zum Psychologenstar der letzten 10 Jahre aufgestiegene 40jährige, können sich natürlich auch auf Teilbereiche erstrecken, ja dort sind sie bei weitem häufiger. Aus bekannten Gründen sei aber ein "Totaldiebstahl" immer häufiger, und unterwandere regelrecht die Struktur gesellschaftlicher Eliten.

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Kindheit

Malaga, Spanien, 1967

Gefunden bei everyday_i_show

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Ein Gustostückerl!

Man sieht selten eine so entspannte Werbung: ein wahres Gustostückerl des Slapstick, ja des absurden Witzes, der Spiellust, der Freude an der Sprache, und des liebenswürdigen Menschen. Als wäre Chevrolet die Liebe zum Filmchen durchgegangen - pfeif auf die Werbung! Bravo!


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Indische Massenästhetik

Die Vorstellung, daß die indische Bevölkerung diese gleichermaßen naive wie ausdrucksstarke Ästhetik liebt, macht einen irgendwie glücklicher.


Gefunden bei Glaserei

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Donnerstag, 24. Februar 2011

Die üblichen Ängste

Auch von den Aufständen und Unruhen in Libyen sind nun "alle überrascht". Unternehmer, die sich jahrzehntelang dort engagiert haben, fürchten momemtan nur um ihre Investitionen. Von einem geknechteten Volk ist ihnen bislang nie etwas aufgefallen. Sodaß sich die Frage erhebt, was diese Damen und Herren dort überhaupt gemacht haben? Oder welche Bewertungsmaßstäbe zur Anwendung kamen, die mit den Selbsteinschätzungen der jeweiligen Bevölkerungen im arabischen Raum offensichtlich so wenig übereinstimmen.

Gadhafi droht im TV mit einem Blutbad
Oder ist es der ganz normale Internet-Chaos-Wahnsinn, der jede, wirklich jede Regierung, die willkürlichen Bedürfnissen nicht willfährig genug ist, zum Sturze bringt und bringen wird? Von den meisten Regierungen europas hat man ohnehin schon lange den Eindruck, daß sie das fürchten, ja, daß das das Grundgesetz demokratischer Politik ist: die Angst, nicht an die Macht zu kommen.

Vielleicht genau deshalb: weil sie ihren eigenen Bewertungsmaßstäben nicht mehr trauen, mit denen sie den Willen der Bevölkerung bewerten - aus diffusen Ängsten, sie könnten ganz weit daneben liegen. Wie in all diesen arabischen Ländern.

Und vielleicht genau aus dem unbewußte Wissen heraus, daß sie in Wahrheit ganz anderes wollen, als sie den Menschen vormachen - und deshalb um diese grundsätzliche Situation der Divergenz von Lüge und Wahrheit wissen, die Nebel der Dämonie über alles breitet. Selbst Griechenland, von wo neuerlich Demonstrationen und Streiks vermeldet werden, während das Land schon fast offiziell als pleite gilt, ließe sich so deuten. Denn gelogen, die Wirklichkeit außen vor gehalten, wurde von Anfang an genug, von allen Seiten, und seit vielen Jahren.

Die Installierung so dramatisch weitgreifender Kontrollmechanismen wie derzeit, unter so erstaunlich bereitilliger Dramatisierung immer übermächtigerer Bedrohungsszenarien - Klimawandel, Terrorismus, beides als direkter Kampf gegen Okkultes (!) weil man ja gar nicht wirklich weiß, gegen wen man die Waffen aufzieht, mit dem Aufbau alles umfassender Gängelungsapparate (Kommunikationsdaten, totale Videoüberwachung, etc. etc.), unter generaler Verdächtigung der Bevölkerungen und Umkehr eines alten und fundamentalen Rechtsprinzips, dem der Unschuldsvermutung, ließe sich unter diesem Gesichtspunkt sehen: wo sich Regierung und Volk als feindliches Gegenüber sehen (müssen). Und ganz anders und erstmals wirklich verstehen.

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Bibliothek


Gefunden bei thisisnthappiness

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Heutige Grundhaltungen

Das höhere Gut. Und: Produkte, die Entscheidungen vermeiden machen. Persönlichkeit aber ist Entscheidung, und Freiheit ist die Freiheit, immer das zu tun, das die Ehre gebietet. Gibt es eine Ehre, die keinen Preis mehr verlangt?


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Ein Held

Spanien, 1967.

Gefunden auf everyday_i_show

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Frau (und Frau)

Bill Brandt - Gesehen bei everyday_i_show
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Parallelgesellschaften

Schwierig. Wem trauen? Wem glauben, wenn über Integrationswille, über den Charakter der Zuwanderung gesprochen wird?


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Reise in die Vergangenheit - Tambakaria

Tambakaria, das Gerberviertel von Chania auf Kreta, war im 19. Jahrhundert berühmt für seine Lederverarbeitung. Die alten Industriebauten gehen arabischen Aufzeichnungen zufolge auf die Zeit 1830-1840 zurück, als Kreta zu Ägypten gehörte.


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Mittwoch, 23. Februar 2011

Mit zwinkerndem Auge

Dieses Filmchen wollte ich Ihnen nicht vorenthalten - denn es ist sehr gut gemacht, und einfach ein Stückchen guten (leicht schwarzen) Humors.


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Überraschende Dimensionen

Vorweg: ich war nie ein VW-Fan. Und es war Zufall, daß mein erster Wagen - noch vor dem Führerschein ein Käfer, mein Fahrschulauto, ein Jahr später, einer der ersten Golf gewesen ist. Aber an der derzeitigen Werbelinie kann man seine Freude haben, weil sich darin regelrecht scholastische Prinzipien exerzieren: in der Suche nach dem Gut. Nun entdeckt man auf diese Art den "Jetta" neu, entdeckt die Vorzüge eines Modells, das bislang eine seltsam ungeliebte Schattenexistez geführt hat. Er wartete, geduldig. Seine Zeit kam als VW anstatt Milliarden in neue Modellreihen zu investieren, diese vorhandene entstaubte.

Wir freuen uns daran, weil uns dies beschwingte Filmchen beschert. In denen uns fast etwas wie eine neu gewonnene Daseinsfreude eines Dings entgegenspringt.


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Ein kleines Wunder

Großartiges Filmchen über die Geburt einer Gelse. Was für ein erstaunliches Geschöpf! Woltereck weist einmal auf den Umstand hin, daß jede Phase der Genese eines Tieres ein für sich abgeschlossenes Stadium ist, dem nichts fehlt, und das dennoch eines Tages die Schwelle zu einem neuen Dasein überschreitet.

Gesehen bei Glaserei

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Dienstag, 22. Februar 2011

Gesamtbewegung

Gedanklich, geistig schwer zu knacken - aber was in diesem Einpeitscher zum Vorschein kommt, ist nicht das Wesen des Vermaßten. Sondern das Wesen einer Kultur als Lebensraum, die in einem Rhythmus (wie der Woche, mit ihren Zuordnungen pro Tag) atmet, sodaß diese Massenszene zur Metapher des "alle" wird. Der Slogan lautet damit: Holt Euch Eure Kultur zurück! Holt Euch Eure Einheit zurück! Das wäre nicht das Schlechteste.


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Die Früchte

Man spricht von 2 Millionen, die sich vor einer Woche am Tahrir-Platz in Kario einfanden, und den Marsch auf Jerusalem, die Vernichtung Israels forderten. Anlaß war die Rede eines Imam, der - als Islamist unter Mubarak verboten - nach Ägypten nach Jahrzehnten des Exils zurückgekehrt ist.



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Hinter eines Baumes Rinde

Heinz Erhard


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Umgebungsgestimmtheit

Technik, um Fehler zu vermeiden? Um welchen Preis, ist die eine Überlegung. Denn die zweite ergibt eine heutige, und dabei tödliche Grundhaltung: Man muß nicht mehr wach werden. Das Leben erledigt sich in automatisierten Abläufen. Leben aber gibt es nur im Maß der Wachheit!


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Faun

Bill Brandt - Gesehen bei everyday_i_show

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Verrat durch Realismus

Mit einem neuen Buch vertieft die ehemalige Mitbegründerin der deutschen "Die Grünen", Jutta Ditfurth, ihre Kritik an der Partei. Im Spiegel-Interview meint sie, daß die Grünen als Ökobewegung sehr rasch von linken Karrieristen aus der 68er Spontibewegung - solche wie Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit - gekapert und mißbraucht worden, die nichts sonst im Sinn hatten als rasch an die Macht zu kommen. Ökologische Anliegen waren ihnen stets unwichtig gewesen, ihr Kalkül zu Anfang der 1980er Jahre war, eine notwendige Ergänzung einer dann mehrheitsfähigen Linken - mit den Grünen links der Mitte - zu bilden.

Ditfurth - "Grünen Wähler wollen getäuscht sein."
Im Kern hätten sie aber die Partei zu einer tiefbürgerlichen, etablierten Partei umgestaltet, die ihre ursprüngliche Kraft und Aufgabe längst nach Belieben und politischem Kalkül verrate. In Wahrheit biete die Partei nur noch soviel Kritik, als notwendig ist, um an die Macht zu kommen - ihre Prinzipien würden jederzeit, wenn sie nicht notwendig wären, fallen gelassen. Solcherart sind die Grünen zu einer Partei der "gehobenen und verrohenden Mittelschichte" geworden, wo man sich nur noch gegenseitig die alternative Gesinnung bestätigt und in Wahrheit die kleinbürgerlichte Gesinnung der Absicherung ihres Wohlstands hegen.

Mittvierziger in gutbezahlter Position mit zwei Kindern, Eigenheim, Vermögen, Aktien und regelmäßigen Flugreisen, die die Grünen wählen, weil sie schick sind, werden sich von mir nicht davon überzeugen lassen, dass die Grünen keine soziale Partei sind, weil sie das gar nicht interessiert.

Entsprechend verwässert ist auch die Politik der Grünen, die nicht mehr an den Kern der Probleme streift.

Weil sie unter Ökologie nichts anderes mehr verstehen als verdünnte Vorstellungen von Klimaschutz. Aber an die Wurzel der Mensch und Natur zerstörenden Produktionsverhältnisse gehen sie nicht ran. Grüne und ihre Wähler interessieren sich heute weder für die Produktionsabläufe, noch für die Rohstoffbeschaffung in aller Welt oder für den Giftmüllexport. Die Dominanz des Autoverkehrs haben sie akzeptiert und die Privatisierung der Bahn, die Voraussetzung des derzeitigen Bahndesasters, haben die Grünen im Bundestag mitbeschlossen. Es geht heute bei grüner Umweltpolitik nur noch um das eigene Essen, Ökoklamotten, getrennte Müllsammlung, kein Pestizid im eigenen Vorgarten.

Damit seien die Grünen sogar zu einer kriegstreibenden Partei geworden, fern von allem Pazifismus der Anfänge.

Özdemir (der Vorsitzende der Grünen Deutschlands, Anm.) war 2002 nach der Bonusmeilen-Affäre und dem Skandal um einen Privatkredit, den er von dem PR-Berater Hunzinger bekommen hatte, eine Zeitlang aus der deutschen Öffentlichkeit verschwunden. Er war in den USA, gefördert vom German Marshall Fund, und hat eine Art Zusatzausbildung gemacht. Danach folgte der steile politische Aufstieg - und plötzlich sitzt er in allen möglichen Gremien, die immer etwas damit zu tun haben, wie sich Europa und Deutschland zu den USA verhalten. Im Oktober 2010 veröffentlichte Wikileaks rund 400.000 Geheimdokumente zum Irak-Krieg. Das fand Cem Özdemir ethisch bedenklich. Aber die Grünen waren mal für Transparenz!

Die Einflußnahme der US-Regierung auf deutsche Politiker sei, so Ditfurth, ja eine bewiesene Sache. Und Özdemir laufe an deren Gängelband.

Alle Parteien machen ihren Wählern was vor, aber es gibt keine Partei, die eine so grandiose Differenz zwischen ihrem Image und ihrer Realität hat.

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Montag, 21. Februar 2011

Es ist nicht Liebe

Es ist der Aufruf, das Leben zu vergewaltigen. Es ist das Versprechen, die Welt aus dem Ganzen zu reißen, um eine Absicht - was für eine? - durchzusetzen, die nicht der Natur der Dinge entspricht. Das ist Manichäismus, wahre Leib- weil Weltfeindlichkeit.


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Da soll sich noch einer auskennen

Sat1 bringt Interviews mit einigen der 5.000 Flüchtlinge, die letzte Woche binnen 48 Stunden auf Lampedusa (Italien) gelandet sind: Sie wollen nach Europa, irgendwohin, um dort zu arbeiten, damit es ihnen einmal besser gehe. Das gehe in Tunesien nicht mehr. Denn dort sei nach der Revolution die öffentliche Ordnung völlig zusammengebrochen. Es gebe keine Polizei mehr, und jeder Verbrecher könne ungestört seine Geschäfte entwickeln.

Ja wollten sie nicht genau das? War nicht die Ordnung der Feind?

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Vorstoß in die Leere

E. R. Curtius entnehme ich den Hinweis, daß die lateinisch-spätantike Welt ab etwa 300 n. Chr. wie angefüllt mit seltsamen "übersinnlichen" Wesen und Zwischenwesen ist. Der alte Glaube war durch "Aufklärung" verloren, und das Christentum hatte sich noch längst nicht soweit durchgesetzt, als es die alte bereits zur neuen Kultur umgewirkt hatte.

Im Alltag aber waren Münzen der Kaiserlichen Prägungsanstalten, war die Kunst, waren Mönchsvisionen, aber auch die heidnische Poesie angefüllt mit seltsamsten Zwischenwesen - mit Sibyllen, Schutzgeistern, Dämonen, übermenschlichen Heilsbringern und Schädlingen.

Als schaffe sich eine Epoche ihre seelischen, geistigen Bilder, die zu einem guten Teil archaische Grundbilder seelischen und metaphysischen Idealbilder und tief inneren, noch unbegriffenen Erlebenswelten in Allegorien und Visionen. Boethius zum Beispiel erscheint die Philosophia als Greisin - voller jugendlicher Lebenskraft, in wechselnden Gestalten und Größen. Wobei das Motiv - die Verquickung von jung und alt - sehr dominant ist.

Die Kirche wird in einer berühmten Vision von Hermas z. B. als alte Frau gesehen, die sich zunehmend verjüngt. Claudius wiederum führt die vergreiste und verfallene Göttin Roma zu Jupiter, der sie ermutigt und verjüngt. Das Schema der "Altjungen" kann sowieso in der gesamten Menschheitsgeschichte als Archetyp für "Heilsbringer" ausgemacht werden. Erst allmählich,ab dem 5. Jhd., wird diese Allegorie zum rhetorischen Klischee entwertet.

Um  aber immer wieder aufzutauchen ... Curtius: "In messianisch odelr apokalyptisch erregten Zeiten können sich verblaßte Symbolgestalten mit neuem Leben füllen wie Schatten, die Blut getrunken haben." In der französischen Juli-Revolution von 1830 tauchen beispielsweise (Balzac!) solche Figuren wieder auf. Ein scheinbar verbrauchter Topos hatte sich überraschend wieder verjüngt. Archetypische Tiefenbilder der Seele, die dort nur schlummern, nie tot sind sondern - oft genug im Wechselspiel mit Konkretem aus Kulturrelikten, in denen sie über die Zeit heraufwandern - verschatten, tauchen plötzlich wieder auf. Auch solche Tiefenbilder, die längst zu dämonischer Eigengewalt gewachsen waren, schliefen - und nun wieder gerufen werden.

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Mann und Frau

Bill Brandt - Gesehen bei everyday_i_show

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Raum heißt Beziehung

Es hat durchaus Charme, ein wenig dem Menschen im Raum zuzusehen, und über ihn nachzudenken - nichts ist ohne Bedeutung, ohne Bezüge, und doch gibt es ein Absolutes in seinem Wesen: genau die Definiertheit, auch als gemeinsamer Nenner, die im Konkreten ihre Gestalt sucht. Persönlichkeit definiert sich genau aus dem Vermögen, Bestimmtheiten - und damit immer: Raum, untrennbar von Gestalt - zu wahren.


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Sonntag, 20. Februar 2011

Das Gewicht der Welt

Es war verschiedentlich zu lesen, daß eine neue "Macht" aufgetaucht sei - die Macht der "Facebook-Generation". Die sei es, die nun in der arabischen Welt (und wer weiß wo sonst noch) die Systeme wanken mache. Eine neue Macht, die niemand vorhergesehen habe.

Darf man dreimal laut auflachen? Es ist keinesweg eine neue Macht, die sich hier auftut. Es ist dieselbe Macht, die seit Jahrzehnten zunehmend frei wird, ja, das ist das neue daran: daß es immer weniger gelingt, diese "Macht" zu ... ja, zu was eigentlich? Zu beherrschen?

Auch, auch das ist es. Denn es ist dieselbe Macht, die überall frei wird, wo sich (alle!) Ordnungsysteme auflösen, und die - wie in chemischten Verbindungen - ungebundenes Bindungspotential und -bestreben darstelle, das nun als Kraft sich äußert. Aber keineswegs haben wir es hier mit einer Macht zu tun! Denn eine Macht ordnet, stellt Ungebundenes an seinen Platz, auf daß es sich zum Wohle aller entfalte, gerichtet, konstruktiv.

Vergleichbar sind diese Erscheinungen, und darin sind sie also lediglich Analogien ein und derselben Vorgänge des 20. Jhds., mit Atomzertrümmerungen, mit der Atomkraft also, die gleichfalls nicht beherrschte Vorgänge bedeuten, sondern lediglich mehr oder weniger beherrschte Freiräume für die Entfaltung des Unbeherrschten weil Unbeherrschbaren. Eine absolut similare Erscheinung, folgerichtig und in einer geistigen Linie, war und ist der Antiautoritarismus, der sich im selben Zeitraum entfaltet hat, dem Zeitalter der "Emanzipation" - wo die Teile "frei" sein wollen, und damit alles, wirklich alles zerfällt, die Teile aber auch zu keiner Erfüllung ihres Möglichen mehr kommen.

Es ist deshalb die selbe Macht, die auch in den soziologischen Formen freigesetzt wurde, durch Feminismus und Antiautoritarismus, die die Form verweigert indem sie mit dem Zerfall des Ganzen, des Organismus droht bzw. diesen permanent riskiert. - Das ist ja eigentlich das Klima, das bereits in den Familien - auch den "gutmeinenden" - herrscht, die ohne es zu wissen bereits mit dem Rücken zur Wand stehen, auf das letzte Glied der Kette zurückgedrängt: wo sie Tag für Tag, selbst schon in banalsten Dingen, mit der Grundsatzfrage konfrontiert sind, das Ganze zu brechen oder nicht. Ja, wo das einzige soziale Rangiermittel bereits die Frage nach dem Ausstieg aus allem ist - aus Beruf, aus Familie, aus Vereinen, aus Gruppierungen und sozialen Zugehörigkeiten, aus Arbeitsverhältnissen, aus Beziehungen die Treue (die es ja solcherart gar nicht mehr gibt) verlangen ...

Jawohl, mehr ist es nicht: die kindische Kraft des Kindes, das den Wecker zerlegt, um ihn zu "erkennen", und ihn dann nicht mehr zusammenbauen kann weil sie entdeckt, daß er eigentlich seinen Sinn hatte. DAS ist überall, wirlich überall und in allen gesellschaftlichen Bereichen - nicht zuletzt in der Kunst, ja dort allem voran, weil die Rationalität sich dort stets ins letztlich Persönliche zurückziehen muß - festzustellen, und ebenso festzustellen ist das Überhandnehmen jener mit Autorität ausgestatteten, die diese Zerstörungs-Erkenntnis für fortschrittlich und innovativ preisen, weil sie nicht (mehr) wissen, was sie tun.

Ungebundene Kraft aber - und ich weigere mich sogar, sie anarchisch zu nennen, sie ist vielmehr chaotisch, dem Anfangsstadium der Welt vergleichbar, auf das sie sich zurückbewegt - zu bündeln und auf Zerstörung auszurichten, das ist keine Macht. Und sie hat wie jene "Kraft" - die ja wieder nur die Äußerung unterbrochenen Eigenbestrebens der natürlichen Materie ist, um es so zu umschreiben - die Eigenschaft, daß sie einmal freigeworden, verduftet, entflieht. Denn um zu einem Molekül, um zu einem Ding zu werden, braucht es weit mehr als die Fähigkeit, diese Kräfte durch Zerstörung freizulegen. Dazu sind ganz andere Kräfte notwendig. Dazu braucht es Idee, Geist, teleologischen Formwillen. Dazu braucht es Tugend, Persönlichkeitskraft, Kultur, Gestalt, Treue, und vor allem Selbsttranszendenz, Übersteigen des momentan zufällig Eigenen im Dienste eines Zieles, das außerhalb von mir liegt, dem ich mich eingliedere, dem ich mich unterordne.

Merkmal aller dieser Bewegungen, die sich tatsächlich zu häufen scheinen, nämlich in dieser Art, ist ja, daß alle nicht wirklich wissen, was sie wollen! Ob die Schüler und Studenten in Wien und anderswo, ob die Massen in Kairo oder Tunis. Die, wenn sie "Demokratie" rufen, dies aus Verlegenheit tun, weil sie hoffen, daß der moderne Aberglaube stimmt, daß das das Konzept wäre, das alle Probleme löse, der Schlüssel zum Paradies. Wie leer die Formel aber ist, das zu erkennen würde bereits jene Tugenden verlangen, deren sie sich ja gerade als Anforderung gerade entledigen wollen. Denn genau das ist ja die eigentliche Stoßrichtung der Emanzipationen des 19. und 20. Jhds. - sie sind Bewegungen gegen die Tugend, gegen das Gewicht der Welt (Und hier sei ausnahmsweisig mal Peter Handke zitiert), sind aggressive Forderungen, das Nichts dem Etwas gleichzusetzen, sind dämonische Aufrufe zur Reflexivität, die letztendlich im Nichts endet.

Die neuen Kommunikationsmittel und -plattformen sind lediglich Katalysatoren, die die Entladungen der Sinnlosigkeit zur weltweiten Verseuchung mit Stumpfsinn potenziert. Sie zeigen derzeit nichts Neues. Solche Erscheinungen funktionieren deshalb auch nur so lange, so lange es etwas zu zertrümmern gibt, und solange dieser Rausch, der auf Irrationalität und Unfähigkeit zur Vernunft beruht, andauert: bis das letzte durch die Detonationen freigewordene Energiequant verkonsumiert ist. Auf dieser heutigen Stufe der "Vernetzung" kann diese Zertrümmerung historisch, da bin ich mir sicher, unübertroffen weit gehen. Und sie ist mit herkömmlichen Methoden nicht mehr zu bremsen, da bin ich mir auch sicher. Man könnte bestenfalls versuchen zu isolieren, oder, umgekehrt, denn jene sind wahrscheinlich die Mehrheit: sich in überlebensfähigen Soziotopen zu isolieren, und den Rest der Welt aufzugeben.

Wie weit das Spiel dort dann gehen kann? Schauen wir in die Genesis: Bis die Erde wüst und leer ist, weil es keine Dinge mehr in ihr gibt. Weil es keinen Geist mehr gibt, der im Menschen Halt findet, und so die ungeformte Erde zur Gestalt formt. Denn, es mag dramatisch klingen, ist es aber auch: wir stehen am Ende aller Kultur, und damit des Menschen.

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Grenzüberschreitung

Hier ist wohl die Grenze der Ironie zum Schrecken bereits überschritten, so wahr die Aussage auch sein kann. Wobei es nicht um das bißchen Realismus und "Blut" geht. Da hilft auch nicht ein bestimmtes Filmdesign, das sich auf diese Weise gleich mit in Frage stellt.


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Das nenne man noch Politik!

Über seinen Rang als Kunstwerk unter den großen Kunstwerken der Menschheit mag man streiten, es ist vielleicht dafür zu handlungslastig, es ist eben Historienmalerei des russischen Realismus, entstanden 1890/91. Der Grund, warum ich das berühmte Gemälde von Ilja Repin - "Die Saporoger Kosaken schreiben einen Brief an Sultan Mehmed IV." - so gerne mag liegt in seiner ansteckenden, überbordenden Fröhlichkeit und Lebenslust, an der ich mich jedesmal neu entzünde, wenn ich es erblicke.
Was bei so manchen Bildern meiner Kindheit der Fall war, die ich wieder und wieder, und Stunde um Stunde anzusehen vermochte, ohne daran müde zu werden. Wie sie als Illustrationen in Hauff's Märchen, oder in den Bibelgeschichten von Anne de Vries vorkommen, oder im alten Katechismus, dem "Pichler", den wir noch in der Volksschule in Verwendung hatten. Ganze Welten sind da im Kopf auferstanden und waren zu erleben.

Ilja Repin (1844-1930)

Nun aber endlich habe ich zu Repin's "Historienschinken", der im Staatsmuseum in St. Petersburg hängt, auch den zugehörigen Brief gefunden. Und er ist es wert, hier gebracht zu werden.

Mehmed IV. - derselbe Sultan, der 1683 Wien belagerte, hatte 1674 das Hauptlager der Saporoger Kosaken in der Südukraine überfallen und dabei 5.000 seiner besten Truppen verloren, ohne mehr erreicht zu haben als daß der Haß der Kosaken auf die Türken aufs höchste stieg. Die übermütig, tollkühn, freiheitsliebend und gefürchtet im Jahr darauf den Türken eine weitere schreckliche Niederlage auf der Krim zufügten. Trotzdem wagte der Sultan es, sie zur Unterwerfung aufzufordern.

Im entsprechenden Schreiben nannte er sich selbst "Bruder der Sonne und des Mondes, Enkel und Statthalter Gottes, Beherrscher von Groß- und Kleinägypten, Mazedonien, Babylon und Jerusalem, König der Könige, Ritter ohnegleichen, unablässiger Hüter des Grabes Jesu Christi, Pfleger Gottes, Hoffnung und Trost aller Muselmänner, Unruhe aller Christen."

Die Kosaken schrieben ihm daraufhin Folgendes zurück:

Du türkischer Schaitan, Bruder und Genosse des verfluchten Teufels und des leibhaftigen Luzifer Sekretär!

Was in Teufels Namen bist Du eigentlich für ein trauriger Ritter? Was der Teufel scheißt, das frißt Du samt Deinen Scharen, und schwerlich wird es Dir glücken, Christensöhne in Deine Gewalt zu bekommen.

Dein Heer fürchten wir nicht, werden zu Wasser und Lande uns mit Dir schlagen, Du Babylonischer Küchenchef, Du Mazedonischer Radmacher, Alexandrinischer  Ziegenmetzger, Jerusalemitischer Bierbrauer, Erzsauhalter des großen und des kleinen Ägypten [...]

Du Armenisches Schwein, Du Tartarischer Geißbock, Du Henker von Kamenetz und Taschendieb von Podolsk, Du Enkel des leibhaftigen Satans und Narr der ganzen Welt und Unterwelt, dazu unseres großen Gottes Dummkopf [...]

Schweineschnauze, Stutenarsch, Metzgerhund, ungetaufter Schädel! Ausdämpfen soll der Teufel Deine Frau Mutter, und also, Du Unflätiger, antworten Dir die Saparoger! Denn einer Mutter rechtgläubiger Christen bist Du nicht würdig.

Da wir keinen Kalender habe, so wissen wir das Datum nicht, der Mond steht am Himmel, das Jahr steht im Buch geschrieben, und der Tag ist der gleiche, wie bei Euch.

Wofür Du uns den Hintern küssen kannst. 

Der Lager-Ataman Iwan Syrko 
mitsamt dem ganzen Lager der Saporoger Kosaken

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Erkenntnisprinzip

Man sieht nur, was man sehen will. Man findet nur, wonach man sucht.


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Samstag, 19. Februar 2011

Frau und Identität

Löst sich die Frau aus der Hingewiesenheit auf den Mann, sucht sie dennoch Geprägtheit. Physisch. Wie ein Schutz, um ganz zu bleiben.

Gefunden bei over-the-top's soup

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Mutter aller Kunst

Augustinus und Hieronymus (Vulgata) sehen die Bibel - beide auf je andere Weise: Augustinus als Allegoriensammlung, Hieronymus direkt in der Linie aus der heidnischen Kunst heraufkommend - als Thesaurus, als Kompendium aller rhetorisch-künstlerischen Formen des Menschseins (in allen freien Künsten) die bekannt waren (und gewiß bis heute sind), im Rang keinem der antiken Epen und Dichtungen und Lieder und Hymnen nachrangig, durch die weitere Dimension - der direkten göttlichen Inspiriertheit - freilich diesen unvergleichlich überlegen. Und als Literatur, die ja alles Geistige, alles Darstellende umfaßt und in der Schöpfung ohne Grenzen auferstehen lassen kann, die Quellkunst überhaupt. Alles, wahrhaftig alles ist in ihr enthalten, damit auch jede der freien Künste: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik (bzw. Musik), Poesie (bzw. Grammatik) - und Astronomie. (Artes im engen Konnex mit "Regeln unterworfen")

Im Neuen Testament wird dieses Kunstwerk aber sogar zum Fleisch durch die Historizität, die Erinnerung, und damit die Gegenwärtigsetzung historischen Ereignens in weiterer Dimension wirklich: Gott, im Fleisch, im Weltlichen inkarniert und - im Aufklingen des Wortes - gegenwärtig. Nicht nur angedeutet. Damit ist der Klang der Heiligen Schrift Gott selbst, der sich anbetet, der zu sich spricht, und den Hörenden, der immer ein Gehorsamer ist, denn nur der Gehorsame, der dem Gehörten Nachgehende, Nachdenkende, nimmt wirklich etwas auf, in der Teilhabe in diese Gemeinschaft mit hineinnimmt.

Die Lesung der Schrift, dieses Wortes nicht faßbarer und deshalb so häufig befleckter, in die Banalisierung und Profanierung getretener Würde, ist deshalb das Klingendmachen des Stromes der Dreifaltigkeit. Im noch Kunstwerk Seienden, aber dieses durch die Vergegenwärtigung der Neuen Welt bereits erfüllenden. Denn in der Neuen Welt - als Gleichförmigkeit, im Neuen Jerusalem, in der Stadt am Berg - ist die Erfüllung dessen, was die Kunst nur am Hemdzipfel in die Welt zu zerren, in der Sehnsucht anzustiften vermag, immer präsent.

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Die Lüge als Mut

Der Mensch ist immer im Steigen oder Fallen, in der Säule seiner Persönlichkeit. Diskretion, hier als Notlüge, ist so ein Akt der Barmherzigkeit, ja der Stärke die Transzendenz zu wahren, indem man ihre Fahne rettet, obwohl die kämpfende Truppe am liebsten desertieren möchte.


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Unter Bären

Zeigt sich hier Poesie? Wo man doch - aus der Rätselhaftigkeit aufsteigend, beobachte man sich ganz genau - rasch mit rationalen Deutungsvorschlägen konfrontiert wird, die durchaus abstoßend Moralpsychosen der Gegenwart darstellen. Gemacht ist das 5min-Filmchen aber sehr gut. Im Animationsfilm bleibt ja nur die Konvention, und das Spiel mit ihr. Denn er besitzt nur die Symbolhaftigkeit, und die braucht wiederum Bekanntes, um daraus Metaphern zu bilden, um so zu erzählen. Also doch Dämonie?




Gesehen bei Glaserei

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Freitag, 18. Februar 2011

Nie mehr alleine

Es war ja nur eine Frage der Zeit, nun ist das erste Handy am Markt, das "rund um Facebook" gebaut ist. Damit ist der ununterbrochene Update-Status, die pausenlose Online-Verfügbarkeit und -aktualität endlich gewährleistet.  Panta rei - alles ist ständig im Fluß, alles auf "standby", nichts muß mehr entschieden werden, alles entscheidet sich von Moment zu Moment wie von Geisterhand von selbst.

Identität ist eine Frage des Gedächtnisses und der Spannkraft - in der Persönlichkeit - die Bezüge dieser Identität zu wahren. Facebook ist wie eine Auslagerung dessen, was Persönlichkeit und Identität überhaupt ausmacht: die Verabschiedung einer existenznotwendigen Fähigkeit, dem Aufbau eines Gedächtnisses, dem Aufbau einer Vergangenheit. Schon das Handy alleine hat - völlig unerschätzt! - Schaden katastrophischen Ausmaßes angerichtet - dieser Schaden wird nun auf die Spitze getrieben. Facebook wird eine neue Generation nie vorstellbarer Abhängigkeit schaffen: der Mensch sinkt zur materia prima herab, seine Form steckt in 7 x 12 cm akkubetriebenen Elektronikboxen, online mit einem Zentralcomputer am Leben gehalten, Spielwiese - man muß es sagen - des Bösen, denn es gibt kein Gut ohne Sein, zernichtet. Das Wesen des Dämonischen wird hier faßbar, wo diese Idee zur beherrschenden Macht wird, ein eigenes Leben beginnt, zum Dämon wird.

Als Entsprechung und Verlängerung dessen, was seit Jahrzehnten betrieben wird - die Auslöschung, die Umdeutung der Vergangenheit, deren Enteignung durch Lüge und Ideologie. Damit ist die Gegenwart wirklichkeits- und wertlos geworden, weil sie keine Vergangenheit mehr zu setzen vermag, wird das Sein durch den Dämon ersetzt.

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"Wer seine Vergangenheit nicht kennt," sagte Keimo, "hat keine Macht über sich. Er findet nie zum eigenen Handeln, sondern bleibt allem Begegnenden ausgeliefert. Seine einzige Chance zu überleben besteht darin, positivistisch Identitäten zu behaupten. Diesen Zustand gibt es natürlich auch graduell, in Teilen. Aber wer keine Vergangenheit hat, findet zu keiner Legitimität des Handelns. Er findet damit keine Gewissensentlastung. Er ..." 
Keimo schluckte, als erzählte er von sich, dachte Lina, er erzählt von sich, das wurde ihr jetzt klar! 
"Er?"
"Er kann nicht leben. Er kann nicht ... er ist immer alleine, verstehst Du?"
Lena legte die Arme um ihn. Sein Haar ist so strohig, dachte sie, richtig strohig.

Matti Haugasmäki in "Gen Westen, Kamerad Guckmal!"

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Die neue Aristokratie

"Ich erblicke eine Menge einzelner ähnlicher und gleichgestellter Menschen, über diese erhebt sich eine gewaltige bevormundende Macht, die allein für sie sorgt. Sie arbeitet gerne für deren Wohl, sie will aber auch deren alleiniger Beherrscher sein.

In dem Grade, wie die Befugnisse der Zentralgewalt zunehmen, vermehrt sich die Zahl der sie vertretenden Beamten. Sie bilden ein Volk innerhalb des Volkes und da die Regierung ihre Festigkeit auf sie überträgt, ersetzen sie in jedem von ihnen mehr und mehr die Aristokratie."
Alexis de Tocqueville

Von den Schichten der Persönlichkeit

Der Mensch ist wie eine Frucht, deren äußerste Schale alles bestimmt, deren innerster Kern aber alles mit Kraft durchdringt, und in jener Spannung bleibt, die das Ungeformte, nur Potentielle, vom Konkreten der Gestalt verlangt. Für das die Grenze als Kriterium sehr sinnige Metapher wird.

Sieht man das CocaCola-Filmchen so, wird es plötzlich nett, bleibt der Moment der Schwäche in Barmherzigkeit gehüllt, und legt den typisch amerikanischen Aufruf, den noch formlosen Kern für alles zu halten, um die Schale, an der alle Mühe hängt, zu verunglimpfen, ins Niemandsland.


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Höhlenmalerei


Gesehen bei thisisnthappiness

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Frau (und Frauen)

Formen des Eros.

Bill Brandt - Gesehen bei everyday_i_show

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Schläue

Das faszinierende an Schlauheit ist, daß man sie erst im Ergebnis bemerkt. Und nur, wenn man sie bemerkt.


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Donnerstag, 17. Februar 2011

Zumutungen

Auau, schreibt Matti Haugasmäki in "Gen Westen, Kamerad Guckmal!" einmal, ich würde mich zu allem bekehren lassen, das da neu wird. Aber wo wäre es? Wo wäre die überlegene Religion? Wo wäre die neue Philosophie? Wo wäre die neue Erkenntnis?

Sie ist nicht da. Was immer heute an Alternative auftaucht, ist geistig so armselig, ist so weit hinter dem zurück, was wir gerade im Begriffe sind, mit lachenden Gesichtern aufzugeben - WEIL es angeblich nicht MEHR reicht - daß ich mich nur frage, ob alle verrückt geworden sind!? Oder einfach: dumm? Wollen wir gnädig sein. Sagen wir: sie sind dumm. Sagen wir vor allem: Sie haben keine Ahnung.

Ich bin nicht bereit über Neugründungen zu sprechen, solange die, die sie verlangen, keine Ahnung von dem haben, was sie vorgeben, ersetzen zu müssen.

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Folgen politischer Hybris

Norbert Rücker, Rohstoffanalytiker des Schweizer Investhauses Julius Bär, spricht im NZZ-Interview davon, daß die Nahrungs- und Rohstoffsituation viele Parallelen zur Krise von 2008 aufweise. Weltweite Mißernten, vor allem durch Wetterkapriolen - zu viel Kälte, zu viel Hitze, zu viel Regen, zu wenig Regen - haben zu einer Leerung der Vorratskammern geführt, und die Preise werden absehbar noch kräftig steigen.

Durch Spekulationen? Rücker verneint. Spekulationen könnten Preise immer nur kurzfristig beeinflussen. Sie verstärken Trends, sie schaffen sie aber nicht. Gerade am Rohstoffmarkt hat man es immer mit realen Kontrakten zu tun, wo zwei Realitätseinschätzungen aufeinandertreffen.

Beobachtbaren Einfluß auf die Preise habe aber das Verhalten z. B. der nordafrikanischen Länder, die seit geraumer Zeit in großen Mengen Naheungsmittel aufkaufen, um Vorräte anzulegen. Die Zunahme politischer Instabilität lasse zudem befürchten, daß mehr und mehr Länder Handelsbeschränkungen einführen, um die Versorgung zu sichern - Rußland und die Ukraine haben das bereits in den letzten Jahren vorgezeigt. Das alles erhöht die Gefahr einer veritablen Verknappung und Preiserhöhung.

Entschärfen könnte man eine nahende Versorgungskrise durch drei Ansätze: solche politischer Art, die die Verteilung übergreifend regeln (schon längst reagieren Länder "vorsorglich" und protektionistisch und wirken damit an einer Verknappung beträchtlich mit; Anm.), dann vor allem sollte die Subvention von Biosprit-Nahrungsmitteln überdacht werden, denn würden diese fallen würden riesige Anbauflächen für Nahrungsmittel frei, und zum dritten sollten die Märkte transparenter gemacht werden, derzeit könne man kaum einschätzen, wer welche Hebel ziehe.

Fazit? Das Problem wurde und wird eigentlich von der Politik produziert ...

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Frau

Gefunden bei everydayishow

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Blüte der Wahrheit

Keineswegs sei "Dichtung (und Wahrheit)" so gemeint, daß das was er da sage erfunden, erlogen sei, schreibt Goethe einmal. Vielmehr sei die Dichtung jene Blüte, die aus der Wahrheit als Bezeichnung der Wirklichkeit emporsteige - als ihre höchste, umfassendste, grundlegendste Form.

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Dichten kommt so wie im Grunde jede Kunst aus dem Rhythmus, dem inneren Takt der Welt - aus dem Körperlichen hervorquellend, im Singen, im Sprechen. Also hat ja der Poet diese mehr oder weniger komprimierte Aussage über die Welt gesprochen, erzählt, umformend wie überhaupt formend weitererzählt oder vorgesungen, und schließlich "diktiert", also jemandem zum Aufschreiben vorgesagt, oder gesungen. So wurde das Wort in der Antike bereits in der Konnotation von "ab-/verfassen" verwendet, mit immer weitergehender Bedeutung in Richtung von "ein Buch schreiben" (im Gegensatz zur bloßen Tätigkeit des Schreibens). Im Althochdeutschen taucht das Wort als "tihten" schließlich auf - im Sinne von "ausdenken", etwas schaffen, ersinnen, das ja ein ordnen ist.

Übrigens stammt der "Dichter" damit aus dem selben Wortstamm wie der "Diktator".

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Hochwertiges

Schon aus Tradition - Stella Artois, mit einem nächsten "europäischen Film". Beeindruckend vor allem die schauspielerische Leistung - Katharsis in diesem einen Moment.


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Ich steh im Regen

Heinz Erhard und Rudi Carell in einem Sketch (ca. 1970)



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Mittwoch, 16. Februar 2011

Land der hohen Pässe - Tibet

Im Dialog mit weltbeherrschenden Mächten.


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Frau und Mann


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Leise, ganz leise

Nur noch eine Randnotiz in den Zeitungen zu entnehmen war, daß der "Rettungsschirm", der einer - angeblichen - Stabilsierung (so Schäuble) der europäischen Währung dienen soll, weil Staatsschulden maroder Länder auf den Rest aufgeteilt werden, in diesen Tagen verdoppelt wurde. Anstatt 500 Milliarden stehen fortan 1 Billion Euro nominell zur Verfügung, sollte ein Staat von der Zahlungsunfähigkeit bedroht sein. Real zur Auszahlung kämen freilich nur ca. die Hälfte, ein Viertel muß als Sicherstellung einbehalten werden. Quasi Eigenkapitalstock für vergebene Kredite. Zahlt ein Staat nicht, fließt dieses Viertel an die Kreditgeber, die das Eigenkapital gleich selbst mitgebracht haben. 

Ist bequemer, es ist ja heutzutage ohnehin längst Mode, sich das Geld, das man benötigt, auch gleich selbst zu borgen. Und wenn man sich - oder in dem Fall: die Pleitekandidaten, die das Geld benötigen - dann noch recht hoch bewertet, dann kann man den Kredit auch recht hoch bewerten, oder auf eine gaaanz andere Situation in dreißig Jahren spekulieren, wo man dann, dann aber ganz bestimmt alles zurückzahlen wird, und alles ist gleich nicht mehr so schlimm.


Notwendig war diese Aktion deshalb, weil ein nächster Insolvenzfall - und als Kandidaten warten Spanien vor Belgien, um den dritten Platz streiten derzeit noch England und Italien - ein Kaliber annehmen könnte, das in einer Kettenreaktion den gesamten EU-Raum umwirft. Also muß man das Risiko so breit wie möglich streuen, und für ausreichend Spielgeld sorgen, das in allen möglichen Ernstfällen noch eine bilanzielle Darstellung ermöglicht. Und weil das ohnehin kein Staatshaushalt in Europa mehr schafft, wird das Einzelrisiko nominell auf alle übrigen Staaten aufgeteilt. Bei allen gleichermaßen, natürlich. 

Psst, nicht weitersagen!


Aber wer nimmt in diesen Zeiten Zahlen noch ernst.

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Frau

Bill Brandt - Gesehen bei everyday_i_show

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Geheimnis der Analogie

Wenn es eines Beispiels bedürfte um zu begreifen, was Analogie - im letztlich die gesamte Schöpfung vereinenden Prinzip! - bedeutet, bekommt es in diesem entzückenden VW-Filmchen geliefert. Es braucht das Produkt gar nicht mehr, wir sehen nur noch Eigenschaften, und man weiß alles. Großartig! Vor den Vorhang!


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Ob das etwas zu sagen hat?

Eine Bemerkung las ich unlängst, die soll dem Leser hier nicht vorenthalten werden: Die linken Frauen Italiens gehen jetzt auf die Straße.

Kein Wunder. Und soll man sagen: auch? Angeblich hat Berlusconi seine Frauen stets von dort geholt.



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Dienstag, 15. Februar 2011

Protokollarisch vergriffen

Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt war für seine jovial-bürgerliche Art bekannt und beliebt. So entschied er auch, den Staatsbesuch des sowjetischen Ministerpräsidenten Breshnjew zu sich, in sein Häuschen in Hamburg, einzuladen - sehr zum Entsetzen des gesamten Stabes, denn das Haus Schmidts war keineswegs mit jenen Schlössern vergleichbar, in denen der Held der sowjetischen Republik zu logieren gewöhnt war.

Dennoch wurde dort getafelt, und die protokollarische Sitzordnung sah vor, daß die Frau des deutschen Bundespräsidenten Scheel direkt neben Breshnjew zu sitzen kam. Plötzlich war der so, als tätschelte eine plumpe-kräftige Männerhand ihren Oberschenkel! Blut schoß ihr ins Gesicht, und mit größter Beherrschung wandte sie den Kopf zu Breshnjew. Doch der verzog keine Miene, und auch seine Körpersprache verriet keine erotische Anwallung.

Da zog sich die Hand, die nun den schwerwiegenden Fehler durch anatomische Tasterfahrung bemerkt hatte, blitzschnell wieder zurück.

Später klärte sich der Vorfall, auf welche Weise beschreibt Joschka Pintschovius allerdings nicht, der von dieser Peinlichkeit berichtet, die dem für solche Ereignisse einfach nicht gewachsenen Haushalt Schmidts - also: dessen kleinbürgerlicher Selbstüberschätzung, die es zu demonstrieren galt - zuzuschreiben war. Die Hand gehörte dem persönlichen Sekretär des russischen Gottsobersten, der seinem Herrn auf übliche Weise diskret eine Insulinspritze verabreichen wollte, ehe der noch zu essen begann. Nur hatte der ganz darauf vergessen, daß die Situation eine andere Sitzordnung verlangte als gewohnt.

Die Spritze erhielt Breshnjew übrigens später und nachträglich, auf der (winzigen) Toilette des Wohnhauses von Schmidt. Aber da war die Stimmung, wie es heißt, bereits gehoben.

Solche privatimen Ausflüge wurden später angeblich üblich in deutschen Landen. So soll Helmut Kohl einmal den von einer Krankheit gezeichneten französischen Staatspräsidenten in seinem bescheidenen Häuslein in Oggersheim mit einfachster Hausmannskost - Pfälzer Saumagen - bewirtet haben.

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