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Sonntag, 10. Juli 2011

Ein Freibrief für das "normale" Leben

Es erstaunt immer wieder zu sehen, wie wenig ausgeprägt das Bewußtsein der Menschen ist, daß das, was ihnen derzeit (in der "Krise") passiert, überhaupt mit ihnen zu tun hat. Täter? Das sind immer die anderen, sie haben doch nur "normal" gelebt, ganz "normal", wie alle halt.

Mit all den täglichen kleinen Unredlichkeiten und Gewissensabtötern. Mit all den Lügen und Selbstbelügungtricks. Mit einer Lebensweise, die alles andere als "normal" ist, aber es ist halt so verlockend, es so zu sehen. Nein, so zu tun, als sähe man es so. Weil es ja alle machen. Weil ja doch auch die Wissenschaft sagt, daß. Und so weiter, und so fort. Alles, was nicht paßt, ist eine Ablaufstörung, an der auf jeden Fall andere schuld sein müssen. Denn wir? Wir haben ja nur "normal" gelebt. Wie alle halt.

Also schreien sie, nach der Politik. Die Politik soll doch endlich dies verhindern, und das regeln, und dies erlauben. In den Zeitungen sind die Posting-Spalten VOLL mit guten Ratschlägen, was alles getan werden mußte, welche Gesetze beschlossen, vor allem aber: wer an alle dem Desaster die Schuld trägt. Diese Schuldigen sind bekannt. Und warum nur tut die Politik nichts dagegen! Warum verhindert sie nicht, daß uns die und die alles wegnehmen, uns aussaugen, unsere Staatsfinanzen aushebeln, Verschwörungen bilden, Absprachen tätigen, Kartelle formieren, wild spekulieren, Milliarden einsacken, Arme ausbeuten, etc. etc. etc. Keine globale Ausrede ist da zu weit hergeholt, kein noch größerer Maßstab zu blöd, um das Kleine, um das "normale" Leben in seinen "normalen" Verstößen weiß zu waschen, als unerheblich darzulegen, um sich zu entschulden.

Wie sich aber auch in Griechenland zeigt - es sind nicht die Milliarden der Spekulanten, die das Land ruiniert haben. Gerade die am schlimmsten wirkenden Hebel? Das sind alle diese Anlage- und Sparfonds, mit denen aus unzählichen kleinen Hebeln, von Leuten die "nur normal gelebt" haben, die "nur ein bisserl zinsen wollten", die nur "ein bisserl mehr Zinsen wollten", die lieber Anleihen gekauft und Versicherungen bezahlt, als Kinder in die Welt gesetzt haben ... um nur ein winziges, aber sehr bedeutendes Detail zu nennen ... Es sind die Sozialleistungen, die Umverteilungen, die Staatsboni, es sind die zu vielen Beamten und Geldempfänger, die einen Staat aushebeln. Es ist der millionfache Selbst- und Staatsbetrug, der einen Staat kippen läßt. Es ist diese ganz "normale" Lebensweise, die kriminell geworden ist, ganz einfach! Und weil das jeder weiß, wehrt sich auch jeder mit Händen und Füßen. Denn es gibt sie ja, die Schuldigen, und Ehre dem Politiker, der sie benennt.

Und so sind es tatsächlich die Politiker, die alles tun, um ihrem Volk willfährig zu sein - wenn es sie nur ihre Gehirne waschen läßt, wenn es sie nur am Ruder, ihren Platz in den Büchern der Geschichte läßt (die Ruhmsucht war nicht nur in der Antike größter Antrieb der Menschen!) - und die deshalb Tag und Nacht zum Wohle ihres Volkes Gesetze ausdenken, mit denen man die Illusion aufrechthalten kann, daß es so ist, wie die Leut sich das vorstellen.

Die wirklichen Hammer aber, die verschweigen sie. Und da werden dann auch sehr still die Hämmer, die wirklichen Hämmer installiert, die der maxi von nebenan ohnehin nicht begreift.

So wie nun die EMSA - European Market and Security Authority - zu installieren, die erstaunlich schnell auch zu arbeiten beginnt - in diesen Tagen. Um zu verhindern, daß sich reale Preise und Werte bilden. Damit sich die Staaten ihre Bonität völlig selber machen können, je nach belieben, damit der Maxi von nebenan weiter "normal" leben kann ...

Denn Schuldige sind ja, wie die Geschichte lehrt, die einzige humane Ressource, die nie ausgeht.


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