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Samstag, 17. September 2011

Keine Schuldenkrise

Nein, was wir jetzt erleben, ist keine Schuldenkrise, kein Versagen des Kapitalismus, kein Systemversagen, kein Managementfehler. Was wir jetzt erleben ist absolut folgerichtig, und wenn man das erkennt, hört man zu schimpfen auf - denn es ist sinnlos. Die Beschumpfenen können es weder rezipieren, weder erkennen, noch würden sie es ändern können.

Wir erleben den folgerichtigen Konkurs des europäischen (als Kulturbegriff verwendet) Menschen. Wir erleben die Auswirkungen von Jahrzehnten Depädagogisierung (die NICHT das Gegenteil von Pädagogik ist!) der Bevölkerungen. Jahrzehnte, in denen unsere charakterlichen Grundlagen völlig zerstört wurden.

Und zwar so tiefgreifend - von den Eliten her beginnend, und auf alle Lebensbereiche übergreifend, vor allem in allem, was "Wissenschaft" sich nennt, der vorgeblichen Bezugsgröße des Urteilens heute - daß es den Menschen des politischen Systems am Kontakt zur Wirklichkeit fehlt, der alleine alles reparieren könnte. Die Totalzerstörung der Tugend, wie wir sie heute erleben, die völlige Abschottung vom Sein selbst, der das Leben zu einem menschenverlassenen Wagen macht, auf dem wir alle Schotten dicht gemacht haben, weil wir gar nicht mehr sehen wollen und können, wo es hingeht.

Dieses Totalversagen ist so grundsätzlich, daß es einen regelrechten Abhub der Spitze verlangen würde - als festen Filz, der vermutlich 15, 20 % der Bevölkerungen ausmacht, der aber alles in der Hand hält. Der deutsche Philosoph Koslowski hat es in Alpbach unlängst - natürlich, viel kritisiert! - ausgesprochen: man müßte regelrecht alle Führungskräfte entlassen und mit lebenslangem Berufsverbot belegen.

Aber daß das geschieht glaubt niemand. Auch nicht der Verfasser dieser Zeilen. Die Wirklichkeit wird sich ihr Recht zurückholen, weshalb es zu "völlig überraschenden" Wendungen kommen wird. Das ist das einzige, was sich sagen läßt. So lange aber wird alles wie in einer riesigen kollektiven Lähmung, wo nur da und dort jemand aufschreit "Mein Gott, so tut doch etwas!", sich voranschieben und immer unlösbarere Probleme produzieren. Insofern erleben wir nur unseren eigenen Zustand - den, in den wir als Volk gerutscht sind. Nur da und dort, am Land wohl, mag es noch kleine Zellen geben - sie sind die Angeln, an denen unsere europäische Welt noch aufgehangen ist. Möglicherweise würde sie sonst längst ins Nichts gefallen sein.


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Donnerstag, 15. September 2011

Alles geht so einfach - mit Kredit!

So hat Raiffeisen (Österreich) Kredite in Ungarn beworben: Ein normales Ehepaar, eher untere Einkommensschichte, versucht, um einen Wohnungskredit zu bekommen, seine Einkommenssituation darzulegen. Die Bankvertreterin will das überhaupt nicht wissen - den Kredit bekommt man bei Raiffeisen ja viel leichter!

Rund 900.000 ungarische Haushalte sind im Prinzip überschuldet. Rund 150.000 Haushalte können seit drei Monaten ihre Wohnungs- und Hausbaukredite nicht mehr bedienen. Platzt diese Kreditrückzahlung, ist ein völliger Verfall der Immobilienpreise in Ungarn zu erwarten. Das Land würde damit seine Weltwirtschaftskrise im Kleinformat noch einmal erleben. Die meisten dieser Kredite sind übrigens in Fremdwährung (Franken) aufgenommen.

Premier Orban hat deshalb ein Gesetz angekündigt, wonach jenen Ungarn, die sich in Franken verschuldet haben, ein Kurs "zwangsverordnet" wird, der jenem näherkommt, zu dem der Kredit aufgenommen wurde (1 Franken = 180 Forint) Dagegen versuchen sich die Banken mit Schlagzeilen (die wie üblich den Stallgeruch bänklerischer PR-Abteilungen tragen) zu wehren, daß Österreich (!) ein Milliardendebakel drohe.

Ich war schon bei meinem Berlinjahr 1997 wirklich erschüttert, wie unwissend (und deshalb von so vielen falschen, völlig unrealistischen Hoffnungen geprägt) die Ostdeutschen (ich lebte in Friedrichshain) waren, was marktwirtschaftliche Vorgänge und Logik anbelangt. Und wie leichtfertig sie von westdeutschen "Beratern" in Unternehmensgründungen gehetzt wurden, die in unendlich vielen Fällen nach wenigen Jahren nur noch Kreditdesaster, zerstörte Existenzen hinterließen.

In Ungarn erlebe ich es nicht sehr viel anders. Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich diese inneren Haltungen wieder geformt haben, die im übrigen auch in Österreich längst schwer deformiert sind, die die Zusammenhänge im Leben der Wirklichkeit zur Basis täglichen Entscheidens machen.



"Lassen Sie sich den Kopf nicht vollschwätzen - Raiffeisen, und alles geht leichter!"





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An nichts zu messen

Eigentlich verdanke ich die Anregung Christoph Steding (in "Das Reich und die Krankheit der europäischen Kultur") - der darauf hinweist, daß die liberalistische "Toleranz" aller Geisteshaltungen in Wahrheit eine Form weibischer Distanzierung von allem ist, der zugleich der Mut fehlt, sich zu etwas zu bekennen.

Es bleibt beim "anders sein", bei der Nichtmeßbarkeit, bei der Flucht vor jeder Beurteilung, weil man keiner Instanz Urteilskraft und -relevanz beimißt - man bleibt immer selbst der Richter, was die Entsprechung mit dem Internet* aufleuchten läßt. Sodaß man von einer Form des Ablehnens von Autorität - und damit verbunden: von Hierarchie, Ordnung der Schöpfung, der solcherart Gesinnte behauptet, alles selbst und neu ordnen zu können, was den Wahn noch deutlicher macht - sprechen muß.

Das steckt ja wohl hinter so manchem der heutigen Phänomene, und fügt sich damit in die Befundlandschaft der Wüste unserer ehemaligen Kultur. Der oft zu beobachtende Synkretismus, der alles angeblich als gleich wertet, jede Religion als nur jeweils anderen Weg zum selben Ziel, ist in Wahrheit tiefe Mißachtung. Und entspricht dem Nihilismus der Seinslosen. Was aber seinslos ist, steht auch an der Grenze zum Bösen, denn das Böse IST Defizienzerscheinung, Sein auf dem Weg zur Nichtung, kann aus sich nicht bestehen.

Nicht zufällig ist auch die Bereitschaft, ostasiatische (ferne, sehr ferne) Praktiken und Anschauungen zu übernehmen, so ausgeprägt. Auch hier ist eine unverbindliche Handhabung möglich, niemand wird ernsthaft verlangen, die östliche Religion konsequent bis zum Letzten zu leben.



*social media sind ja eine Form kommunikationsloser Kommunikation: es fehlt die der Kommunikation wesentlich zubehörige hierarchische Position der Kommunikanten! Die vorgeblich durch intellektuelle - selbstjustizielle! - Aspekte ersetzt wird, in Wahrheit aber nicht da ist, weil immer dem Urteil (über die Curserbewegung ...) einer Seite unterworfen bleibt. Autorität als Wesen der Hierarchie und der Gnade aber bedeutet, sich formen zu lassen, heißt sich dem Unbekannten im Vertrauen ausliefern, heißt Gehorsam der Ordnung gegenüber.


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Sonntag, 11. September 2011

Was das Wetter bringt

So gut wie nichts gebe ich auf "global" oder mit dem Pathos der "Wissenschaftlichkeit" verbreitete angebliche Meßergebnisse - wir haben längst vergessen, wie relativ im wahrsten Sinne des Wortes Daten sind, wie sehr "Meßergebnisse" lediglich Verhältniszahlen unter exakt abgesteckten Voraussetzungen und Modellbedingungen liefern können, aber keine absoluten Werte, so sehr die Berichterstattung uns dies bereits anzuerziehen trachtete. Abgesehen von der Grundfrage, wieviel Aussage sich aus Querschnitten - jede Messung ist eine postularisch festgelegte Momentaufnahme bestimmter postularisch festgelegter Parameter - über die Dinge an sich treffen lassen.

Es hängt also alles am Interpretationsrahmen - letztlich also am Messenden selbst. Was soll also der heutige durchschnittliche Mensch noch vernünftig messen? Mit anderen Worten: ich gebe einen feuchten Dreck auf die Hekatomben an Internetseiten und bedruckten Papierseiten, die von irgendwelchen aktuellen Weltfakten berichten wollen, und nur noch Verwirrung stiften. Die Irrelevanz fast aller über die Medien verbreiteten Aussagen ist ja mittlerweile schon abstoßend, und der sicherste Hinweis auf die Wertlosigkeit der meisten Interpretationsrahmen - die ja die Erhebung von "Daten" zu "Fakten" bestimmen, ja in gewisser Hinsicht also Fakten "schaffen". In anbetracht der heutigen geistige Situation halte ich gerade Universitätsabsolventen schon für prinzipiell erkenntnis- weil wirklichkeitsunfähig (gemacht). Ausnahmen bestätigen da nur die Regel.

Ich gebe aber alles auf das, was die Menschen beobachten. Sie kann ich einschätzen, hier habe ich ein verantwortbares Maß des Vertrauens. Vielleicht, weil ich mit einer Wetterstation vor der Nase aufgewachsen bin. Meine gesamte Kindheit über beobachtete ich einen Mann, der Tag für Tag über die Wiesen ging, Sommer und Winter, dessen Haar mit den Jahren von dunkelbrünett auf weiß wechselte, der in immer gleichen Bewegungen die Leiter zu seiner Wetterstation hochkletterte, die Türchen öffnete, sorgfältig die Daten ablas und in seine Listen eintrug, alles wieder abschloß, und nach Hause eilte, um das Gemessene telephonisch nach Wien weiterzugeben, wo es zu bestimmten Zeiten sogar im Radio zu hören war: ... Amstetten; leichter Regen, 14 Grad ...

Was der einzelne beobachtet, wie er es im Laufe der Erfahrung in seinen Bezügen zu diesen und jenen Weltgeschehen setzt - das ist interessant, und praktisch immer aussagekräftiger als jeder Bericht über globale angebliche Forschungsergebnisse ... was der alte Förster erzählt, oder der Bauer aus Gumpoldswatschenhausen, das ist erwägenswert. Und deshalb ist es auch interessant, und in Wahrheit unersetzbar, was ein Hobby-Meteorologe aus Amstetten - Ing Wolfgang Ruthner - jüngst in einem Zeitungsbericht erzählt, so bescheiden es auch sein mag:

Er meint, daß der Juli dieses Jahres der kälteste seiner Aufzeichnungen seit 2003 gewesen ist. Die Solareinstrahlung war ebenso die niedrigste bisher gemessene, wie die UV-Belastung. Für eine Prognose sei er aber nicht bereit. Aufgefallen sei ihm im Vergleich der Jahre aber, daß die Luftfeuchtigkeit kontinuierlich ansteige.

Interessant auch, was er zu den Bauernregeln sagt, die er beobachtet: Generell gesteht er ihnen eine Trefferquote von 60 % zu, der Laurentiusregel - "Zu Laurenti Sonnenschein, bringt viel und guten Wein" - vom 10. August sogar eine von 80 %. 



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Ohne Geglaubtes verloren

Zwangsläufig, schreibt Jacques Maritain in "Antimodern", muß eine (Fach-)Wissenschaft, die ihre Abhängigkeiten und Prämissen, die außerhalb ihrer liegen - weil keine Wissenschaft aus sich heraus existieren kann, sie kann nur Bezüge innerhalt bestimmter geählter Koordinaten und Raster erforschen, um daraus Gesetzmäßigkeiten und prinzipielle Eigenschaften zu erfahren - nicht überprüft, in ihren facheigenen Schlüssen und Folgerungen mehr und mehr irren, weil ihre Urteile falsch und unrein sind.

Denn sie überhebt sich zu Hypothesen (und genau dort ist ja die Wissenschaft eigentlich gefragt: in ihrer Hypothetik, nicht im Gewißhaften) in denen sie ihre Leistungskraft überschreitet. Sie wird damit zur Pseudowissenschaft. Keine Wissenschaft kann ohne ein festes Bezugsfeld auskommen, das höchstmögliche Gewißheit hat. Und die höchtmögliche Gewißheit ist - das Geglaubte, die Gesamtwahrheit.



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Samstag, 10. September 2011

Nachhaltige Schäden

Wie sehr die Ökologie-Bewegung ("Grün") innerhalb derselben technizistischen Schiene fährt, wie der zerstörerische Rationalismus der letzten Jahrhunderte, beweist sich nahezu täglich: wo eine "Nachhaltigkeitsmaßnahme" nach der anderen "nachhaltig" Schaden anrichtet. Wo Umwelttechnologie die Desaster auf noch höhere und weitreichendere Ebenen führt. So, wie es nun in der Energiefrage bereits eingeleitet ist.

Die Liste an Weltrettungsmaßnahmen, die nachträglich betrachtet mehr Probleme schufen als lösten, ist mittlerweile ja wirklich beträchtlich umfangreich. Und wenn eines gewiß ist so dieses: sie wird noch beträchtlich wachsen, je mehr Einfluß diese politischen Weltrettungsbewegungen erhalten.

So findet sich auf der Seite von Jürgen Keitel eine Art Dossier zum Thema "Biogas/Bioenergie" - Methangas und Elektrizität, gewonnen aus der Verrottung biogener Stoffe - das nur noch den Kopf schütteln läßt, wie sich technisches Denken durch "Moral" nicht zum Gut heben läßt, sondern in der Hinterhand noch weitere und noch unlösbarere Probleme auslöst. Kurz: Die Verrottungsanlagen für "Biogas" bewirken durch ihren hohen Bedarf an geeigneten Pflanzen eine rasch voranschreitende Verarmung der von den Landwirten angebauten Pflanzen in Form einer Konzentration auf Mais. Mais hat ja bekanntlich die Eigenschaft, ein "Zieher" zu sein - er benötigt hohe Mengen an Nährstoffen, und deshalb hohe Mengen an Düngemitteln. Böden, die längere Zeit mit Mais bebaut wurden, verlieren mit den Jahren erschreckend ihre Ertragskraft und zehren völlig aus. Durch den Bedarf für Biogasanlagen aber ist z. B. der Anbau exorbitant gestiegen: in Niedersachen sind derzeit bereits 28 % der Böden für Mais verwendet, ähnliche Zahlen liegen für ganz Deutschland auf.

Wenn nicht Pflanzen - Lebensmittel! - überhaupt für Treibstoffproduktion verwendet werden. Die derzeit um 1/3 gestiegenen Lebensmittelpreise gehen zu hohen Teilen nämlich nicht auf "Spekulanten" - das Lieblingsobjekt der Kindergartenwelt sozialistischer Politik - zurück, sondern auf die weltweite Nachfrage nach für Treibstoffe verwendbare Lebensmittelpflanzen. Eine Maßnahme, die die EU ihren Mitgliedsländern sogar per Gesetz vorgeschrieben hat ...

Armut durch Biosprit

(2011-08-26)

… und Biogasanlagen. Nach Ansicht des derzeitigen Verwaltungsratschefs des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé verschärft der wachsende Bedarf für Biosprit den Hunger in der Welt. Er appellierte an die Politik den Ausbau zu stoppen. „Wir haben durch die Biotreibstoffe Hunderte von Millionen Menschen wieder in die extreme Armut geschickt“ sagte er gegenüber der „Frankfurter Rundschau“.
Es ist ein Unding, dass heute über die Hälfte des amerikanischen Maises und ein Fünftel des ganzen Zuckeranbaus in Biotreibstoffe umgesetzt wird, während es gleichzeitig nicht genügend Lebensmittel gibt, um die Menschheit zu ernähren. Das Verrückte ist doch, dass die Politik diese blödsinnige Nachfrage nach Biotreibstoffen und damit die Verknappung des Nahrungsmittelangebots selbst kreiert hat.“
Hierin liegt ein Grund für die Preissteigerungen. Biogasanlagenbetreiber schaden der Menschheit.
 
Keitel schließt aus den gesammelten Fakten, daß der Betrieb von Biogasanlagen UNMORALISCH ist. Sieht man vom unverantwortlich niedrigen Wirkungsgrad von Biogasanlagen ab: Er beträgt nur 20 %.
Ujee. Dabei wär's so umweltfreundlich, und nachhaltig obendrein!



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Stasispitzel - III




In den Archiven der Stasi in Berlin stieß man auf einen kleinen Schatz: der Staatssicherheitsdienst der DDR hatte seinerzeit prototypische unauffällige Verkleidungen für seine Spitzel und Mitarbeiter entworfen. Sie waren für Schulungszwecke natürlich photographiert worden. Hier eine Auswahl.

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Doch kein Mythos

Wie einen harten Handkantenschlag führt Jean Gebser seine Argumentation, die Gotik entstamme der spanisch-maurischen Tradition! Es sei ein nationalistischer, relativ junger Mythos, der da die Gotik als "deutsche", "germanische" Kunst darstelle.

Hans Sedlmayr widerspricht mit ebenso klarer Stimme, und er beweist in "Die Kathedrale" was er behauptet: die Gotik ist in Frankreich entstanden, und sie weist klar nordische und keltische (!) Einflüsse auf, teilweise sind die irischen Einflüsse zum Greifen, wie in der überschwenglichen Formverspieltheit, der Feinnervigkeit, der Vorliebe für Glas, ihrem Hang für Traumverspieltes und Groteskes, die im Grunde undramatische Ordnung, die alles nebeneinander stehen läßt, wie im Epos, aber kein Steigern: die Elemente haben zueinander keine dramatische Beziehung.

Ihre Bauweise ist wie die Übertragung der norwegischen Stabkirche - erst das Gerüst, dann die Wandfüllung - auf Steinbauweise. Ihre Ornamentik ist wesentlich auf eine Renaissance des Keltischen zurückzuführen, der wir im Grunde sogar unsere literarischen Wurzeln verdanken: im Parzival, im Tristan, im König Arthur. Ihre Theologie klar dionysisch-scholastisch, und damit auch von dieser Seite klar französisch (Dionysius!) und neulateinisch-keltisch. Was die französische Sprache deutlich prägt: sie hat den hüpfenden Aufbau des Keltischen, das sich (W. Krause) in kurzen Sprüngen bewegt - nicht die Schwunhaftigkeit der lateinischen Periode, nicht die Rhythmik des Germanischen.


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Freitag, 9. September 2011

Der Zugriff auf die Rezeption

Die Photographie (und der Film) v. a. heutigen, digitalen Zuschnitts, versucht nicht, die Wirklichkeit darzustellen, damit der Betrachter an ihr teilhaben kann, dieses Teilhaben also wirklich passiert, sondern sie setzt auf der Interpretationsebene, dem Verstand also, an. Sie simuliert damit Rezeption, indem sie den Schein erlebter Wirklichkeit aufrichtet, der aber keine Wirklichkeit zugrundeliegt. Solche Bilder zu betrachten ist dabei (wenn man genau auf die inneren Vorgänge achtet) wie ein Sezieren von Wahrnehmungs- und Rezeptionsprozessen, in ihren Stufen, in ihren Hierarchien. "Was sehe ich hier?" Aperspektivisch? Nein, das Aperspektivische ist mehr und etwas anderes als die Summe aller Perspektiven.






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Vom Ruhm überrascht

Als Charlie Chaplin seinen ersten Filmvertrag unterschrieben, und sich in den ersten beiden Jahren immer bessere Arbeitsbedingungen erkämpft hatte, war er derartig in seine Arbeit vertieft, daß ihm nicht auffiel, wie groß seine Popularität bereits gestiegen war. Phasenweise in Wochenabständen, manche Filme in wenigen Stunden oder Tagen abgedreht, hatte die Filmproduktion die Filme sofort und mit überwältigendem Erfolg verkauft, was Charlie nur an seinen Kontoauszügen aufgefallen sein dürfte. Kopien (nach 30 oder 90 Tagen Aufführungen im Grunde fertig, aber entsprechend billiger noch für Kinos zu haben) liefen Jahre, ja Jahrzehnte mit größtem Erfolg.

Als er mit seinem Bruder Sidney 1914 zu Verhandlungen per Eisenbahn von Kalifornien nach New York reiste, war er völlig überrascht, als er in den einzelnen Bahnhöfen ankam, und von riesigen Menschenmassen bejubelt wurde. Während sie sich schließlich New York näherten, langte gar ein Telegramm des dortigen Polizeichefs ein, er möge bitte auf keinen Fall erst in der Central Station aussteigen, sondern in einem Vorort, denn man könne die Sicherheit aufgrund der Vieltausenden, die auf ihn warteten, nicht mehr gewährleisten.

Das Land fand er überschwemmt mit Devotionalien, Souvenirs, Chaplin-Statuen oder -bilder - nichts, was nicht in Chaplin-Ausführung erhältlich war. Sidney Chaplin versuchte ein Jahr lang, diese Schwemme zu sichten, um für seinen Bruder wenigstens Geld herauszuschlagen, aber es war angesichts der Menge und Details unmöglich (und zuwenig rentabel).

Erst jetzt, und in Raketentempo, war seine Popularität auch für ihn ein Geschäftsargument. Und er erhielt einen Filmvertrag mit Verdienstsummen, die außer vielleicht Rockefeller noch nie jemand in den USA verdient hatte.


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Hebel zur Entmachtung

Weil man angesichts der heißen letzten Sommerwochen nur darauf zu warten braucht, bis sie wieder kommen, die Beweiserbringer für Klimakatastrophen etc., zum Abkühlen ein einstündiges Referat von Hartmut Bachmann, der es klar sagt: es ist eine Ideologie, eine gezielt gewählte Leitidee, an deren Geburtswiege ich sogar als Zeuge stand. Es ist keine Verschörungstheorie, es ist eine Verschwörungstatsache. Die "Klimalüge" ist (und diese Aussage schlägt mit dem, was hier schon oft dargelegt wurde, in dieselbe Kerbe) jene Metamoral, die als Hebel hervorragend eingesetzt werden kann, nicht einfach um Macht zu zentralisieren, sondern um dezentrale Macht auszuhebeln. Weil auf "offiziellem", offenem Wege eine Zentralmacht aufgrund faktischer Dialektiken und Mechanismen nie so absolut werden kann, wie sie es wird, wenn man die Gewissen der Menschen, der Völker in der Hand hält.

Der Anteil an CO2 (und davon jenem Teil, der bestenfalls vom Menschen ausgehen kann) an der Luft ist so gering, daß es nahezu absurd ist, so einem winzigen Faktor die Wirkung zuzuschreiben, die ja nebenbei ein gigantisches Geschäft ist, zu dem auch Österreich und Deutschland Milliardenbeträge Jahr für Jahr beitragen. Aber es ist der einzige Faktor, der überhaupt mit dem Menschen zusammenhängt, also wurde er zum Zentralproblem ausgewählt. Diese beiden Länder seien nicht zufällig erwähnt: denn diese beiden Länder laborieren nachhaltig an Vorgängen, die 1933-45 frappierende Ähnlichkeiten mit den heutigen Szenarien aufweisen, und nützen die in diesen Ländern kaum abzuschüttelnde Neurotisierung der Meinungsbildung. Und immer zugespitzter, auf alle Bereiche übergreifend, als Analogie zur Saga von Wilhelm Tell, scheint sich die Schweiz zumindest unbewußt als letzter Hoffnungsanker europäischer Kollektivahnung herauszubilden.

Das Frappierende an dem Vortrag, der die Geschehen am Beginn des weltweiten "Klimaproblems" nachzeichnet, ist, daß ich aus eigener Erfahrung weiß, daß dazu keine großen Verschwörungen und Sitzungen nötig sind. Schon aus bloßer Kenntnis menschlicher Untiefen, Schwächen, aus dem Wissen, wie menschliches Handeln entsteht, wie es sich fortsetzt, wie sehr der Mensch posthoc rechtfertigt, da aus allen möglichen, oft lächerlich kleinen, persönlichen Beweggründen längst auf Schiene steht, und den Charakter einer Zufälligkeit aufweist, die sich mit grundlegendsten Erkenntnissen über die Entstehung wissenschaftlicher Lehrmeinungen - Ludwik Fleck, Thomas S. Kuhn, um nur Ecksteine zu erwähnen - nahtlos deckt.

Da fallen Aussagen Bachmanns wie "Wir haben keien Demokratie, wie haben eine Parteien- und Beamtendiktatur" gar nicht mehr ins Gewicht.

Der betagte Deutsche findet noch zu einigen sonstigen bedenkenswerten Aussagen: Die Angst vor Energieknappheit (Stichwort: Erdöl, Erdgas) ist künstlich geschaffen, und künstlich hochgehalten. Sie ist ein äußerst probater Hebel, um Öl zu jenem gigantischen Geschäft zu machen, über künstliche Verknappungsszenarien, die es ist. Gleichzeitig wird, über die CO2-Lüge, seine Verwendbarkeit eingeschränkt. Geopolitisch gründet darin die Schlüsselstellung Israels inmitten eines zentralen Ölfordergebiets.

Ich darf noch einmal hinweisen: nicht aufgrund solcher Vorträge oder Einzelmeinungen (über die man sogar recht geteilter Auffassung sein kann) oder Verschwörungsgeschichten etc. war ich immer ein vehementer Gegner der "Klimawandel-These". Vielmehr war mir die Deckungsgleichheit mit Phänomenen der Massenpsychose, der Massenpsychologie, der Massenhysterie schon nach kurzer Zeit so auffällig, daß ich der ganzen Geschichte einfach keine Glaubwürdigkeit beimessen konnte. Fakten kamen erst mit der Zeit - belegend, verifizerend, falsifizierend - dazu.

Bachmann verquickt die Klimalüge mit dem faktischen Zustand der Staatsfinanzen: Hochverschuldete Staaten haben mit der "Black Box" Klimalüge ein höchst wirksames Instrumentarium, die Steuerschraube fast nach Belieben nach oben zu drehen, den Sozialstaat, als Mittel an der Macht zu bleiben, in unabsehbare Zukunft zu verlängern. Das erklärt die Affinität der Politik zu diesem Thema.




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Wenn Gurte retten

Eine etwas andere, mehr humorvolle Aufarbeitung des "Gurte rette Leben"-Themas.




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Ursache und Wirkung

Das Filmchen zeigt eine Problemstellung, die mich schon lange beschäftigt, weil sie im Grunde das menschliche Denken düpiert: Was ist die Ursache einer Wirkung? Es ist dieser berühmte letzte Tropfen in ein volles Faß, der mit einem Schlag die gesamte Qualität eines Dings verändert. Das wissenschaftlich-rationalistische Denken kann mit diesem plötzlichen Umschlagen aber nichts anfangen, es muß sich dazu durchbrechen.

Ein defekter Bildschirm löst eine Revolution aus? Er ist der "Trigger", vielleicht, das was mit ihm einhergeht, wahrscheinlicher, aber Ursache? Hier braucht es weit umfassendere Horizonte, die Kausalitätsanalyse reicht bei weitem nicht. Und interessanterweise erfaßt man das bei diesem Filmchen auch: in der Skepsis, ob die gezeigten Zusammenhänge "realistisch" sind.


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Donnerstag, 8. September 2011

Es begann an der Wallstreet 1929

Mitten in Ausführungen über das Wesen der Engel, findet sich in Kaltenbrunner's "Dionysius" der kleine Ausflug ins Wirtschaftshistorische - und er könnte recht haben: Er meint nämlich, daß die Wirtschaftskrise, die 1929 mit dem Börsenkrach an der Wallstreet begonnen hat, NIE MEHR zu einem Ende kam. Wir stecken also seither in den Auswirkungen und Folgen dieser Krise.

Seither, schreibt er, tobt und wütet in immer wilderen Auswüchsen dieselbe Krise, seither gibt es nichts mehr als eine Wilde Jagd, die jeder menschengerechten, schöpfungsgerechten, vernünftigen Ökonomie den Boden und die Atemluft raubt.



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Espaguette

Loriot - Vicco von Bülow (1923-2011)

Espaguette




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Alt, aber gut

Der Spot ist eigentlich schon sechs Jahre alt, aber er läuft in halb Europa, immer wieder übernimmt ihn ein Land. Er ist wirklich gut gemacht, wobei man die Off-Stimme noch sparen hätte können. Aber im Einschätzen, auch angesichts der Sehgewohnheiten, wer welche Botschaft noch erfaßt, wohl notwendig. Gut gespielt, gerade in dieser leichten Überhöhung, vom lieben Kollegen Michael Duregger, mit dem ich mich ja schon mehrmals in einem Projekt wiederfand. Ansonsten erkennt man wieder, was (oder. wie wenig) für eine gute Geschichte bedeutend ist - der Zuschauer erzählt sich alles selbst, und interpretiert auch, was er oft nur aus winzigen Hinweisen sieht, entsprechend.




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Mittwoch, 7. September 2011

Lahme werden gehen

Die Kampagne gegen Charles Chaplin flaute nach 1918 erst allmählich ab. Und zwar als bekannt wurde, daß er 1916 tatsächlich bei der britischen Botschaft aufgetaucht war, um sich (freiwillig) der britischen Armee zur Verfügung zu stellen. Doch die Botschaft hatte, in Absprache mit dem britischen Wehramt, entschieden, daß ein Komiker und Zeichner von Kriegsanleihen (Chaplin hatte 1/4 Mio Pfund Anleihen gezeichnet) viel wertvoller war, als ein schmales Bürschchen, das (stark untergewichtig) versuchte, den Hunnen (=Deutschen) Kampfeswunden zuzufügen. Dabei waren sogar Argumente laut geworden, daß sein watschelnder Gang doch das beste Beweiszeichen dafür wäre, wie flink Chaplin dabei wäre, aus den Schützengräben zum Sturm gen Germanien herauszuspringen.

Als Chaplin 1921 in England zu Besuch war, kippte die Stimmung endgültig: Veteranen überließen ihm ihre Tapferkeitsmedaillen - er habe ihnen so oft Mut gemacht und sie wieder ans Leben glauben lassen, daß ihm die Auszeichnungen gebührten. Lazarette berichteten, daß sie spezielle Projektorkonstruktionen anfertigen hatten lassen, die Chaplin-Filme auf die Decke projizierten, sodaß sie Schwerverwundete ebenfalls sehen konnten.

Ärzte berichteten von Wunderheilungen, die sein Humor bewerkstelligt haben solle, und erzählten daß seine Filme mit therapeutischem Zweck eingesetzt worden waren. Einer hatte eine regelrechte Therapie entwickelt, wo er Patienten mit Bildern von Chaplin so fesselte, daß sie ihre Schmerzen vergaßen, und rascher genasen. Photographien zeigte er schon deshalb her, weil die Patienten für kurze Zeit von dem Gedanken, der Doktor würde Chaplin persönlich kennen, so begeistert waren, daß sich ihr Zustand schlagartig besserte.

Es gab mehrere Berichte, wonach Verwundete, die gehunfähig in hinteren Bettenreihen gelegen hatten, plötzlich und ohne Krücken, sich vor Lachen schüttelnd, aufgestanden und nach vorne gegangen waren, um besser zu sehen.



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Sehnsucht

Dort im Reinen und im Rechten
Will ich menschlichen Geschlechten
In des Ursprungs Tiefe dringen,
Wo sie noch von Gott empfingen
Himmelslehr' in Erdesprachen
Und sichnicht den Kopf zerbrachen

Wo sie Väter hoch verehrten,
Jeden fremden Dienst verwehrten;
Will mich freun der Jugendschranke:
Glaube weit, eng der Gedanke,
Wie das Wort so wichtig dort war,
Weil es ein gesprochen Wort war.

(J. W. v. Goethe, West-Östlicher Divan, Hegire)


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Gott hab ihn selig

Loriot - Vicco von Bülow (1923 - 2011)

Vertreterbesuch



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Genie - Talent

"Das Talent rangiert im Verhältnis, wie es Sensation weckt; das Genie im Verhältnis, wie es Widerstand weckt [religiöser Charakter im Verhältnis, wie er Ärgernis weckt]. Das Talent paßt auf der Stelle und direkt hinein; das Genie paßt nicht in das Gegebene. Das Talent wärmt das Gegebene auf [wie man in der Kochkunst sagt] und gibt ihm ein Aussehen; das Genie bringt das Neue.

Aber wie unsere Zeit in allen Hinsichten lumpige Surrogate erfunden hat, so auch dieses: die Talente für Genies gelten zu lassen, so daß sie frei von den Leiden des Genies das direkte Verhältnis des Talents zur Mitzeit genießen - und zugleich honoriert werden als Genies.*

Dieses hängt wiederum zusammen mit der Selbstvergottung des Menschengeschlechts und er ungeheuren macht der Gegenwart; denn man will sich nicht mehr finden in die Formen: Einer, der das Neue bringt. Darum will man eigentlich das Genie abschaffen, das Genus vergotten und das Talent avancieren lassen."


Sören Kierkegaard, Tagebücher 1854


*Das ist auch alles, was es zum Förderwahn der Gegenwart, zur Idiotie der Gleichstellungen, der angeblichen Gerechtigkeit etc., zu sagen gibt. Kierkegaard spricht diese unsägliche Narretei an, die speziell in Österreich Platz gegriffen hat: und schon den jungen Menschen weißmachen will, daß es ihre Talente wären, die sie in alle Rechte setzen würden - was beim Eintritt ins Erwachsenenalter nun fehle, sei die Forderung nach Erfüllung der Ansprüche an die Mitwelt. Mitnichten, und -tanten. Es ist die sittliche Leistung, die ethische Qualität, die entscheidet. Talent ist keine Leistung. Genie und Außergewöhnlichkeit KANN gar nicht in die normalen Honorarschemata einer Gesellschaft passen. Das heutige Förderwesen konzentriert sich also auf die Verschleuderung von Energie, indem sie die Mittelmäßigkeit zum Genie erklärt. Und damit den wirklichen Genies noch mehr Wege abschneidet, wenn das möglich wäre. Die meisten Forderungen nach Schulreform, die derzeit kursieren, sind in jedem Fall blanker Unsinn und Geldverschwendung. Man kann Außergewöhnliches nicht "fördern" - aber man kann es weiter erschweren. Und das tut man!

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Dienstag, 6. September 2011

Sehnsucht nach Neuanfang

Goethe graute vor dem heraufdämmernden Zeitalter des Maschinenwesens. Zu Eckermann meinte er einmal: "Wissen Sie aber, wie ich es mir denke? - Der Mensch muß wieder ruiniert werden? [...] Ich sehe die Zeit kommen, wo Gott keine Freude mehr an [der Welt] hat und er abermals alles zusammenschlagen muß zu einer verjüngten Schöpfung. ich bin gewiß, es ist alles danach angelegt und es steht in der fernen Zukunft schon Zeit und Stunde fest, wann diese Verjüngungsepoche eintritt."

Hinter wie vielen Erscheinungen und düsteren Prophezeiungen steckt doch genau das: die Sehnsucht, dieses Gefängnis, zu dem uns unsere selbstgeschaffene Welt geworden ist, möge radikal zerbrechen, um uns so zu befreien, um uns wieder Luft zu geben, auch aus den rationalistischen Korsetten, in die wir eingesperrt sind, auszubrechen und neu zu beginnen.

Manchmal scheint sie mir zu greifen, und es ist mir nur eine Frage der Zeit, bis sie sich in handfeste Taten kleidet, diese Sehnsucht, alles möge endlich zusammenfallen. Diese seltsame Lust schien mir an dieser Wirtschaftskrise von Anfang an spürbar.

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Im Vernünftigen verankert - II

Teil II) Wo sich der Kreis schließt - und wo er sich nicht schließt

Anders die Mystik des Abendlandes, die auf der Metaphysik Platos und Aristoteles aufbaut: Für sie ist alles Seiende nur insofern, als es ANTEIL am Sein hat. Diesen Anteil kann es verlieren, es kann nicht mehr sein, ins Nichts fallen. Nur insofern also hat alles Anteil am Sein, als es indirekt nur dann ist, als es gut und schön ist! Das ist etwas dann, wenn es seine eigene Aufgabe am vollkommensten erfüllt - je nachdem, was es ist. (Es gibt also ein Sein der Dinge, der Ideen.)


Deshalb ist alles Schöne (hier eint sich das Christentum mit der antiken Auffassung) auch gut, und deshalb IST alles, insoweit es schön ist. Je mehr etwas also es selbst ist - aus eigener Kraft, aus eigenem Willen, am Sein teilzuhaben (zu "sein" ist also hier nur bedingungsweise gemeint) Dieses "Denkkonzept" hat also Raum für menschliche Freiheit! Denn es ist vom Menschen verlangt, sich für das starke Selbstsein zu entscheiden. Alles Seiende hat hinter sich einen "Willen", ganz zu sein - die Liebe. Der Mensch, der selbst lieben kann, ist also am vollkommensten Gottes Ebenbild, je mehr er liebt. Denn desto mehr IST er.



Während der Neuplatonismus seine höchste Erfüllung im Hineinsinken ins Alleine sieht, das er erreicht, indem er sich auflöst: das Seiende hat keine spezifische Aufgabe, der Kosmos ist im Grunde eine Störung des Alleinen, nach dem alles strebt (interessant: es findet sich hier also mit der Entropie, dem Zerfall in den alles treibt, das keine Energie aufbringt bzw. zugeführt erhält - verliert, sich damit, auch physikalisch, in ein abstraktes Gesamenergetisches zurückzieht). Denn im Neuplatonismus ist alles umso reiner SEIN, weil direkt Sein, als es nicht durch Individualisierung in Dinge von ihm quasi separiert. Die Dinge sind belanglose, ja wie Warzen im Gesicht des Seins.


Im Christentum hat alles auf je gleiche Weise Anteil am Sein - wenn auch hierarchisch abgestuft, alles an seinem Platz! Je mehr also ein kleines Seitenrad "kleines Seitenrad" ist, umso vollkommener ist es. Gleiches gilt für den Kaiser. Im Neuplatonismus hat das kleine Seitenrad aber weniger Sein, sonst ... wäre es Kaiser, der das Sein mehr ausdrückt, als das kleine Seitenrad. (Da finden wir also sogar im Lutherismus diesen Neuplatonismus aufgelöst, wo die Höhe der weltlichen Stellung etwas über die Nähe zu Gott aussagt!)



Bleibt noch die Frage, wie sich der Wille des Alleins mitteilt? Im Neuplatonismus sind es die göttlichen Kräfte, separiert, in den Polytheismus hinein aufgelöst, der ja auch Hierarchien kennt, und direkt einwirkt. Im Christentum sind es die Hilfswesen der Engel, die als rein geistige Wesen keine körperliche Wirkmöglichkeit haben, sondern eben nur geistig wahrnehmbar (und nur insofern wirksam) sind. Deshalb ist ihr Medium auch das Wort, weil ihr Sein auf den Geist beschränkt: es ist das Wort (Gottes, weil auch ein Guter Geist nur Gottes Wort weitererzählt) das bewirkt, daß etwas ist. ("In principio erat verbum, et verbum erat apud Deum ..." - "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott ...") Entsprechend ist es das "Herz" des Menschen, das die Fähigkeit zur Vollkommenheit ausmacht: es hört (hören - Gehorsam ...) das Wort, und das Wort wird in ihm bewegende Kraft. So wird der Mensch (ja, sein Herz!) Symbol für die Wahrheit.


Und damit sollte sich der Kreis schließen: denn hier greift wieder die Vernunft, die allem innewohnt weil alles strukturiert (weil: wo keine Vernunft, fällt die Dingwelt ins Nichts), und in der es keine Graduierung gibt, die vom Inhalt abhängt, sondern die an der Wahrheit teilhat, egal in welchem Stadium und in welcher Konkretion.




Man kann es hier nur andeuten, nur anreißen - keine Bibliothek der Welt kann es ganz ausverbalisieren, so sehr das versucht wurde und wird. Daß ein Anlaß vorlag bzw. vorliegt, das Thema zu behandeln, darf der geneigte Leser aber annehmen.

Was wirklich ist

Was ich von dem Filmchen halten soll, weiß ich nicht so recht. Es hat nämlich eine umwerfende Aussage: "It's getting harder and harder to find out, what is real!"


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Montag, 5. September 2011

Was die Menschen wirklich bewegt

Diese 20 Minuten sind es wert - Weihbischof Laun in einer der besten und pointiertesten Stellungnahmen zu tagesaktuellen Themen rund um die Kirche, die ich in den letzten Jahren gehört habe.

Dionysius vom Areopag schreibt in seiner Angelologie, daß die Schöpfung den Saum des Gewandes Gottes darstellt, mit dem sie in ihrer grandiosen Ordnung, einer grandiosen und unendlich weisen Hierarchie, verbunden ist. Als Instrument der Weitergabe dieses göttlichen Glanzes, dieser Heiligkeit Gottes, muß sie zum einen konkret sein (wie die Schöpfung ist), zum anderen ist das Einfügen in diese Hierarchie, deren oberste Spitze im priesterlichen Amt dargestellt und (!) sakramental das Numinose zur Teilhabe anbietend konkretisiert (erst dadurch konkret da), jene innere Voraussetzung, die zum Empfang wie zur Weitergabe (nach "unten") befähigt, sodaß die Welt selbst wirklich wird. Denn das Heilige ist das Wirkliche schlechthin, die Urwirklichkeit, ohne die es gar nichts Reales gäbe. Aus ihr heraus, in ihr gegründet, fließt - untrennbar - Wahrheit, Schönheit, Gutheit.




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Leichte Kost

Liebevoll gemachtes, unbeschwertes, naives Filmchen. Muß auch mal sein.





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Im Vernünftigen verankert - I

Wo liegt der Unterschied zwischen der Mystik und dem Neuplatonismus? Das eine ist das Erfaßtwerden vom Unerschöpflichen - das andere ist der Schritt ins Irrationale. Die Mystik geht von einer ohnunterbrochenen Linie des Verstehbaren aus, das irgendwann begreift, daß es unendlich überstiegen wird, also am Nichtmehrverstehbaren endet, nein, beginnt. Aber es weiß, daß diese Unerschöpflichkeit in sich wiederum lauter Verstehbarkeiten erschließt - es ist nur die Verstehbarkeit unerschöpflich. Das höchste Erreichbare ist ja die Erkenntnis Gottes, als (indirektes) Werden "wie Gott". Indirekt, über die Teilhabe an der Wahrheit, die ein (ethisch verankertes) Zulassen der Wahrheit im Erkennenden ist. (Hier ist also der Anker zur Tugend, zur Sittlichkeit, der nicht primär ein Anker der Kasteiung o.ä. ist, sondern einer des Gemäßen, des Richtigen.)

Die Irrationalität der Esoterik bzw. des Neuplatonismus aber läßt aber auch Widersprüche zu, ist also im Grunde ein gewolltes, nur "zu glaubendes" System. Der Zugang zum Höchsten ist deshalb kein Fortschreiten im Vernünftigen, sondern ein quasi Komponieren (Zusammenstellen) von für-wahr-Gehaltenem. Deshalb kennt sie Methoden der "Erhöhung", des Höhersteigens, kennt Techniken etc.

Dazu muß man also auch das Menschenbild aufgeben, das die Vernunft als die dem Menschen gemäße (weil sich ja alles aus seiner höchsten Möglichkeit definiert, erst dort es selbst ist) Weise seines Erkennens und Handelns sieht. Der Neuplatonismus, und jedes System des Irrationalen, muß also (interessanterweise) das Menschsein selbst übersehen (wollen), um relevant zu sein.

Der Knackpunkt in der Unterscheidung liegt in der Deutung des Materiellen, des Dinghaften: während der Neuplatonismus alles aufzulösen trachtet, weil alles "Geist IST", somit das Geschöpfliche Gott (Allgeist) WIRD/IST (der Neuplatonismus ist also immer eine Form von Pantheismus!), ist für den Mystiker die Welt Symbol: Die Dinge erzählen von Gedanken Gottes, die in ihrer Gutheit - je mehr desto mehr - an der Gutheit und Schönheit und Wahrheit Gottes teilhaben, sie damit präsent machen. Die Dinge müssen also SIE SELBST SEIN, um in dieser Schönheit von Gott zu erzählen. Je mehr, desto mehr. Sie sind aber nicht DIREKTE Erzählung Gottes.

Natürlich ist es dazu hilfreich und interessant, den Neuplatonismus als System zu begreifen, das die gedankliche Brücke zum Polytheismus der griechischen Mythologie schloß! Denn in dem Stufenbau des Kosmos - von der Idee, dem Geist zum Materiellen herunter - spielen diese Götter (Kräfte) die Rolle der jeweiligen Transformatoren, Mittler zwischen den einzelnen Seinsstufen.

Anders im Christentum: wo Jesus zwar auch "Mittler" ist, aber über seine reale Präsenz in den Sakramenten im Symbol den geistigen Inhalt - der die Offenbarung BRAUCHT, denn das Symbol braucht das Erkannte, Bekannte, sonst wird es zur Magie - darreicht, gegenwärtig hält.

Im Pantheismus gibt es logischerweise keine Sakramente, es gibt nur den technisch-erlebnishaften "Rausch" (als Selbstverwandlung, bzw. der -entschränkung, dem Aussteigen aus dem Vernünftigen also) der Wanderung zwischen den Welten, der wirkliche Neuplatoniker hat also als höchstes Ziel den Eremiten, den völlig Herausgenommenen. Und das war in der Tat Pflicht des Priestertums in den betreffenden Epochen.

Nun bleibt natürlich die Frage - gehen wir das Thema von einer anderen Seite her an - warum denn überhaupt etwas IST, noch mehr: WIE etwas sein kann. Denn was ist, hat etwas mit "Sein" zu tun, und Sein ist das Eine, das alles umfaßt, was ist. (Es gibt nur etwas, das ist - also eint sich alles im Sein.)

Der Neuplatonismus sieht in allem, was ist, allem Seienden also, die direkte Äußerung des Seins. WARUM ist es? Weil dahinterstehende göttliche Kräfte (in abgestufter Hierarchie) es bewirken. (Daher: Polytheismus) Es gibt also Seiendes, das in geringen Spuren nur noch Sein enthält - aber prinzipiell sehen wir in allem Seienden, allen Dingen, DIREKT Gott, weil göttliche Kräfte.

Morgen: Wo sich der Kreis schließt - und wo er sich nicht schließt


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Sonntag, 4. September 2011

Die Personalität des Wortes

Der Geist der Lüge, dem alles Menschliche im Menschen zum Opfer fällt, der alles erwürgt, dem Menschenmörder von Anbeginn, hat seine Macht über die Welt erst so richtig gewonnen, als das Papier erfunden war, schreibt Ferdinand Ebner in einem Artikel in der Zeitschrift "Brenner" im Jahre 1922.

Erst die papiergewordene Lüge, die den geistvernichtenden Widerspruch zur Wahrheit, die im Worte war im Anfang, nicht mehr so recht fühlbar werden läßt, sie erst richtete den Menschen ganz zugrunde. Das geschriebene Wort - mehr aber noch gilt das vom gedruckten - kommt, wie Platon sagt, überall hin, auch zu denen, die es nicht verstehen, und weiß selbst nicht zu sagen, für wen es bestimmt war und für wen nicht. Auf dem Wege durch Druckerschwärze und Maschine wird es, eben weil es durch einen Mechanismus der lebenserfüllten Unmittelbarkeit des persönlichen Moments bereits entrückt ist, selber zu etwas Unpersönlichem, und läuft zuletzt nur gar zu leicht Gefahr, dem Ursprung des Worts im Geist und in der Wahrheit sich zu entfremden. 

Die Phrase, von der das Herz nichts weiß und nichts wissen kann, die die Gehirne verklebt, die Urteilskraft knebelt und den Quell des Lebens im Gemüt verstopft, wird nicht aus dem Mund des Menschen geboren. Zuerst steht sie auf dem Papier, und von da erst kommt sie in den Mund des Menschen, um nun ihre Herrschaft in einer geistlos werdenden Welt auszuüben. 

Hat Platon, der durch Sokrates im Gespräch mit Phaidros seine Überzeugung ausspricht, daß niemals eine Rede in Versen oder in Prosa geschrieben worden sei, die von Anfang bis zum Ende ganz ernst zu nehmen wäre, das Unheil des Journalismus und einer in 'Welträtseln und Lebenswundern sich popularisierenden und prostituierenden Wissenschaft geahnt, [...] das einem Geschlecht eignet, das viel zu wissen meint, während es nicht weiß, nicht einmal, wie fern vom Wissen und er Wahrheit es lebt?

Ein wichtiger Gedanke - das Wort ist nicht gültig und wirksam, ohne es im Insgesamt der Kommunikation gesehen zu werden: als Wort VON jemandem AN jemandem. Ein personaler Akt! Nicht ein (genuin) rational-rationalistischer, wie (entschuldigend, der Verantwortung, auch für die Lüge, entheben sollend) gerne behauptet wird. Wieviel mehr gilt das, was Ebner da schreibt, vom Internet, einer nächsten Stufe der Entpersönlichung der Kommunikation!



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Schnitter Tod

Mir hat es fast die Sprache verschlagen - so klein, und schon so ein interessanter, spannender (und richtiger) Film! Mit einem großen Problem: einer Metapher für ein Geschehen, für ein Wesen, das gar kein "Sein" hat. Weil es ein Begriff für einen Zustand eines Dings ist, das es genau dann wenn es ihn "gibt" nicht mehr gibt - nicht aber ein Ding an sich.





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Nur als Märtyrer glaubwürdig

Luther hat doch eigentlich, schreibt Kierkegaard in seinen Tagebüchern 1954, unberechenbaren Schaden dadurch angerichtet, daß er nicht bereit war, Märtyrer zu werden. Stattdessen hat er seine Sache zu einer faden Angelegenheit bequemen Bürgertums gemacht, wo er sich mit zunehmendem Alter damit zufrieden gab, im Kreise seiner Bewunderer großmaulige Tischreden zu halten.

Damit aber hat er seine Sache so herabgemindert, daß in späteren Generationen "die Sache" immer schaler, dünner und immer schlechtere Nachäffung wurde. 

Dadurch, daß er stehenblieb, hat Luther den Münzfuß des Reformators auf die Hälfte gedrückt, und so in späteren Generationen dieses Gewimmel erzeugt, diesen Janhagel von raren, herzlichen Menschen, die auch so ein bißchen den Reformator spielen wollen; item er hat die Konfusion erzeugt, Reformator zu sein ist dadurch, daß man die Politik zu Hilfe ruft. Das Resultat ist geworden die tiefste Verwirrung in den höchsten Begriffen und die allergefährlichste Demoralisation, die natürlich ist, wenn etwa so Feines und Edles und Zartes wie der Begriff "Reformator" verfault.

Über eines aber hätte er um Gottes willen wachen müssen - daß nämlich der Reformator der auf diese Weise Reformator ist, als das Niedrigere angesehen werden muß. Dadurch ist es für die Zukunft fast unmöglich gemacht, noch einen Reformator zu kriegen - alle werden meinen, daß dieser niedrige Preis genüge, und daß die Verbrüderung mit der Weltlichkeit geheimer Gewinn ist: der diese Aufgabe noch (und wie gerne!) zu Ansehen steigere, und damit das Verhältnis Kirche - Welt sogar umkehrt.

Steht es aber nicht christlich fest, daß das Martyrium das Höchste ist, das Wahre, daß gutes Davonkommen das Niedrigere ist, das durch Indulgenz eingeräumt werden kann: so ist Satan nicht bloß los, sondern er hat gesiegt.  

Denn so lautet die Aussage, daß die Welt ja ohnehin das Gute wolle, die Welt selber gar keine Reform brauche - sondern der Glaube ... und weil die Welt eben das Gute wolle, deshalb siegt auch der Reformator. Damit hat Luther durch sein späteres Leben die Mittelmäßigkeit akkreditiert. Dazu braucht es nämlich einen Heros! Und Luther war dieser Heros - der Mittelmäßgkeit. Und mit ihr ist der Protestantismus überreich gesegnet worden, schreibt Kierkegaard.

Luther hatte eine ungeheure Verantwortung: er stürzte den Papst, und setzte das Publikum auf den Thron.



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Samstag, 3. September 2011

Männer sind informierte Frauen

"Frau ist man ja von Haus aus. [Zeigt ein Ei.] Aber dann kommt halt noch sehr viel Information dazu. [Formt mit der anderen Hand die kriechende Bewegung eines Spermiums, das ins Ei eindringt.] Ein Mann ist also gewissermaßen eine informierte Frau!"

So ließ ich die schrullige Figur des "Herbert Woskocki" in der vom Publikum so wunderbar aufgenommenen Kabaretttragödie "Mann (43) sucht Frau" vor ein paar Jahren sagen. "Pfau, da ziagt's mi z'samm," meinte einmal  eine Besucherin. Es sei so frauenfeindlich. Andere meinten übrigens das genaue Gegenteil. Aber wie so oft bedeuten auch hier zeitgeistige Haltungen eine direkte Gegenwehr gegen Realitäten, die abzuleugnen im Grunde Kernthema der political correctness ist.

Denn natürlich habe ich mir das nicht so einfach aus dem Finger gesogen, die phsyiologischen Vorgänge waren mir bekannt, zum einen, zum anderen ist es ja die Einsicht in die abstrakten Weltprozesse, die die Daten zu Tatsachen formen. Aber die Naturwissenschaft müßte dann diese Prinzipien-Erkenntnisse bestätigen.

Wie sie es hier tut: Forscher der Universitäten Bern und Zürich haben nun herausgefunden (wobei es sich ja nur um "Bestätigungen" handeln kann, denn die Grundvorgänge waren schon lange bekannt), daß es tatsächlich genau so ist. Und sie haben es vor allem durch Forschungen an Fehlbildungen herausgefunden: Männer entwickeln sich "aus dem weiblichen Embryo", indem verschiedene Hormonbildungsabläufe stattfinden, die dann jene Hormone ausbilden, die direkt die männlichen Merkmale auszuprägen beginnen. Das ist ab der 6. Schwangerschaftswoche zu beobachten.

Geschehen in diesen Prozessen Fehler, laufen diese Prozesse unvollständig ab, kommt es zu den bekannten Erscheinungen wie Hermaphroditentum, oder sogar Transsexualität (wo also ein Geschlecht sich im Körper des anderen findet.)

Nichts anders stand ja hier oft genug zu lesen. Abgesehen davon, daß die Mythen der Völker reich an Hinweisen darauf sind, wie sehr "Frau" mit "materia prima" gleichzusetzen ist. Daß also Mann-Sein mit Form zu tun hat, Frau-Sein die Bereitschaft ist, diese Form aufzunehmen und auszubilden. Deshalb hat "Kultur" immer mit "Patriarchat" zu tun, während Matriarchat immer der kulturlose amorphe Urzustand - erkennbar in den Mythen - ist. Seine Basis erklärt schon der Name: mater hat etymologisch dieselbe Basis wie Materie (Materialismus), das Matriarchat geht also geistig mit Sichten einher, die das Faktische zum Normativen macht (um ausnahmsweisig Marx zu bemühen), die Materie selbst zum direkten Träger, nein Ausgang des Geistes macht.

Deshalb ist es auch schlicht logisch, daß die "Befreiung" als das Motto der emanzipatorischen Politik der letzten Jahrzehnte als Schritt zum Matriarchat fast ausschließlich ein Abbau kultureller Formen ("Patriarchat") ist. Die vom Hebel "Depotenzierung des Mannes" - wie in einer Rückabwicklung natürlicher Prozesse, die sich historisch Gestalt suchten - ausging, und durch die Stellung des Mannes in der heutigen Familie eindrucksvoll dargestellt ist. Denn der Wegfall des Vaters stellt ja auf diese Weise gesehen tatsächlich eine "Erleichterung" dar: Kulturlosigkeit ist "leichter", denn sie verlangt keine Heranbildung von Tugend! Am Ende dieses Prozesses, den ich bereits im Großen und Ganzen für unaufhaltsam halte, steht Chaos und Irrationalität.

Wie weit sich aber dieser Gedanke ausfalten läßt, wird erst klar, wenn die hinter allem stehenden Wirkmächte - die Engel - dazugedacht werden. Die in einem Zeitalter, das zum Tode der Formlosigkeit eingestampft und banalisiert, unempfänglich für die Welt des Geistes und der Geister wurde, keinen Nährplatz mehr für formenden Willen bieten; Frauen, die aller Schleier des Eros der Züchtigkeit und des Zaubers entblößt, nichts und niemanden mehr locken ...


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Nur ein paar Sätze

In ein paar Sätzen faßt in einem Kommentar Christian Ortner zusammen, warum es einfach grotesk ist, die Marktwirtschaft für die Krise der letzten Jahre verantwortlich zu machen. Und die Wirtschaftskrise zum Anlaß zu nehmen, nach mehr linker Politik zu rufen. Zum Gegenteil ist uns genau das auf den Kopf gefallen - und zu Ortners Beispielen ließen sich noch sehr sehr viele Ursachen hinzufügen! denn da ist eine ganze politische Weltsicht zusammengebrochen, und es war nicht der Kapitalismus, sondern der Sozialstaat, die sozialistische Art, Politik zu machen - wo Ideologie und Heuchelei Politik gemacht hat:

Zuerst zwingt die (eher linke) Clinton-Regierung die US-Banken, Kredite an nicht kreditwürdige Angehörige von Minderheiten zu vergeben und verursacht damit kausal den Immobilien-Crash und in der Folge die Finanzkrise 2007; ein Staatsversagen von monumentalem Ausmaß. Des Weiteren verschlechtern die Regierungen in den USA wie in Europa die legistische Qualität der Regulierung von Finanzmärkten erheblich; abermals gravierendes Staatsversagen. Sodann drucken die staatsnahen Notenbanken Geld containerweise und untergraben damit das Vertrauen in Währungen auf kriminelle Weise; abermals Staatsversagen. 

Die Staaten verschulden sich bis tief in das Territorium der Fahrlässigkeit hinein, können sich aber in den USA wie in der EU anschließend nicht einmal annähernd auf dringend nötige Entzugsmaßnahmen einigen. Fortsetzung folgt: Mehr Staatsversagen war wohl nie zuvor seit dem Weltkrieg. Wer hingegen, wie die Linke das ja versucht, „die Gier“ oder „die Märkte“ als Unfallursache verortet, kann genauso gut die Schwerkraft für Flugzeugabstürze verantwortlich machen oder ungünstige meteorologische Bedingungen für das Elend in der Dritten Welt.


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Stasispitzel - II


Anm.: Nur für Gebrauch innerhalb der DDR


In den Archiven der Stasi in Berlin stieß man auf einen kleinen Schatz: der Staatssicherheitsdienst der DDR hatte seinerzeit prototypische unauffällige Verkleidungen für seine Spitzel und Mitarbeiter entworfen. Sie waren für Schulungszwecke natürlich photographiert worden. Hier eine Auswahl.


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Das Zentralthema der Politik

Die FAZ berichtet (immer wieder) von der Kostenlawine, die mit dem beschlossenen (quasi sofortigen) Ausstieg aus der Atomkraft, vor allem aber Umstieg auf "nachhaltige Stromerzeugung" bereits zu rollen begonnen hat: Fieberhaft wird an den Plänen gearbeitet, die rund 8000 km Hochleistungs-Stromleitungen herzustellen. Die Kosten pro Kilometer betragen rund 250.000 Euro, darin enthalten sind die Grundablösen bzw. -entschädigungen, die pro km bis zu 40.000 Euro betragen - die Gemeinden lassen sich die Verunstaltung der Landschaft nur um viel Geld abkaufen.*

Im Dienste einer lebenswerten Umwelt
Die Energiekonzerne selbst wissen im Moment überhaupt noch nicht, wie sie diese Entwicklungen darstellen sollen. Man spricht von rund 30 Mrd. Euro alleine bei der RWE, die an Schulden für die Investitionen in die Atomkraft noch unbeglichen sind, und die sofortige Stilllegung der Kraftwerke selbst kostet gleichfalls Milliarden, weil nun Energie aus dem Ausland (um jeden Preis) zugekauft werden muß, um die Energieversorgung überhaupt noch sicherzustellen.

Fieberhaft wird an Kohle- und Gaskraftwerken gebaut, werden neue geplant. Die per Gesetz vorgeschriebene Bevorzugung von Betreibern "nachhaltiger Energiequellen" kostet ebenfalls Milliarden, viele Milliarden, und zwar zweifach: einmal durch subventionierte Einspeisetarife, und dann durch direkte Subventionen. Mit der Erhöhung des Strompreises hat man ja längst begonnen, sie sind aber nur als Beginn einer Rampe zu sehen, die nach Meinung mancher Experten einen Strompreis anpeilt, der bis zum Dreifachen des derzeitigen Strompreises ausmachen wird. Der vor allem zu Lasten des Endverbrauchers gehen muß, weil die Industrie weitere Wettbewerbsverschlechterungen nicht mehr verkraften kann, und ohnehin bereits viel zu viele Produktionsstätten ins Ausland verlegt wurden.

Die völlige Zentralisierung des Energienetzes, die völlige Planwirtschaft nicht nur in diesem Bereich ist ohnehin unumgänglich. Aber das scheint für viele nur noch unwichtiges Nebengeräusch zu sein - die Zwangs- und Zentralbewirtschaftung Europas als Transferunion, als "ein Haushalt" sozusagen, ist ja ebenfalls bereits beschlossen. Wenn noch nicht in allem formal, so durch die Maßnahmen, die die Regierungen längst abgenickt haben.

Atommeiler Isar II; Bayern - Was für ein Ofen!
Hier handelt es sich ja nur um jene Gelder, die in eine Energiezukunft fließen, die nicht nur aus prinzipiellen Gründen fraglich ist - es handelt sich um einen dramatischen ethischen UND wirtschaftlichen Trugschluß, Wind- und Solarenergie als "ökologisch" bzw. "gut" darzustellen! - sondern deren Funktionsfähigkeit bestenfalls als "Herausforderung an die Leistungsfähigkeit deutscher Ingenieurskunst" betrachtet werden kann: viele technische und logistische Probleme sind derzeit alles andere als gelöst, und die Warnung, daß das deutsche Stromnetz so labil sein wird, daß Netzausfälle fast vorprogrammiert sind, kommt beileibe nicht (nur) aus der Ecke der Energieversorger, die zu gerne noch weitere Milliarden mit Atomstrom gescheffelt hätten. Und die, so nebenbei, zu großen Teilen ohnehin ... den Staaten und Ländern und Kommunen gehören. Aber die haben ja traditionell gut wirtschaften - es gibt ja immer einen, der alles bezahlt.

Derzeit sind übrigens nur noch vier Atomkraftwerke in Deutschland in Betrieb! Nur in Europa rund 50 bereits in Bau, weitere geplant ...



*Lassen Sie das nicht, werden sie dazu gezwungen, übrigens. Friedrich Georg Jünger schreibt über den Enteignungsaspekt, den die moderne Technik mit sich bringt, und der in seiner Schärfe noch gar nicht richtig rezipiert wurde, denn auch eine Veränderung des Charakters einer Landschaft ist ja eine Enteignung, nicht nur, wenn das Haus entweder von einer Stromleitung umrundet, oder überquert wird, ich mir nur die Art der Entschädigung aussuchen kann. Enteignung - passen Sie auf! - ist ja längst das eigentliche Thema europäischer Politik, und es ist das wirkliche Thema der nächsten Jahrzehnte. Denn weil wir längst die Zusammenhänge vergessen und verdrängt haben ist uns gar nicht mehr bewußt, wieviele Enteignungsprozesse längst gelaufen sind, und weiter laufen: in humanen Bereichen genauso, wie in wirtschaftlichen Hinsichten.


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Freitag, 2. September 2011

Telephonprotokolle

Das ist archivlierungswürdig - die Anrufe des norwegischen Attentäters Breivik bei der Polizei, während bzw. nachdem er die Jugendlichen auf der Insel über den Haufen geschossen hatte. Insgesamt habe er es 10 mal versucht, sei aber nur diese zwei mal durchgekommen, das Handynetz war überlastet.

Vermutlich, weil die überlebenden Jugendlichen ihre Eltern angerufen hatten, die Eltern ihre Nachbarn, um davon zu berichten, die Polizei die Eltern, die Eltern die Polizei, die Anwohner am Festland ihre Freunde in Oslo "Stell Dir vor, was da passiert ... hörst Du die Schüsse? Ach, schau, nein, jetzt ist es ruhig ... seltsam, warte, ich schau mal raus ... ah, jetzt fängt es wieder an, hörst Du, Rude, siehste, schlimm, was? Und die Polizei kommt nicht daher! Warum die keiner anruft!?"

Gespräch 1 Anrufeingang beim Polizeidistrikt Buskerud Nord am 22.
Juli 2011, 18.00.49 Uhr laut nicht abgeglichener Anzeige.


Polizei: Polizei-Nottelefon.
Breivik: Ja, Guten Tag, mein Name ist Kommandant Anders Behring
Breivik von der Antikommunistischen Widerstandsbewegung Norwegens
Polizei: Ja.
Breivik: Ich bin derzeit auf Utöya. Ich möchte mich ergeben.
Polizei: Ok. Von welcher Nummer rufen Sie an?
Breivik: Ich rufe vom Handy aus an.
Polizei: Sie rufen vom Handy aus an.
Breivik: Ja. Es ist nicht mein Handy, es ist ein anderes ...
Polizei: Ein anderes, was ist es für eines? Hallo ... Hallo ..

(Hier brach das Gespräch laut Polizei ab)

Gespräch 2 Anrufeinang beim Polizeidistrikt Buskerud Süd am 22. Juli
2011, 18.26 Uhr laut Protokoll der diensthabenden Beamten


Polizei: Polizei-Nottelefon.
Breivik: Guten Tag, mein Name ist Anders Behring Breivik
Polizei: Ja, Hallo.
Breivik: Ich bin Kommandant in der Norwegischen Widerstandsbewegung
Polizei: Ja, Hallo.
Breivik: Können Sie mich mit dem Einsatzleiter von Delta verbinden?
Polizei: Ja ... von wo aus rufen Sie an und worum geht es?
Breivik: Ich bin auf Utöya.
Polizei: Sie sind auf Utöya, ja
Breivik: Ich habe meine Operation durchgeführt, ich möchte mich daher
nun ... ergeben.
Polizei: Sie wollen sich ergeben, ja.
Breivik: Ja.
Polizei: Wie heißen Sie, sagten Sie?
Breivik: Anders Behring Breivik.
Polizei: Und Sie sind Kommandant bei ... ?
Breivik: Knights Templar Europe heißt die Organisation, aber wir sind
organisiert in ... der Antikommunistischen und Norwegischen
Widerstandsbewegung gegen die Islamisierung Europas und gegen die
Islamisierung Norwegens.
Polizei:Ja.
Breivik: Wir haben gerade eine Operation im Auftrag von Knights
Templar durchgeführt.
Polizei: Ja ...
Breivik: Europa und Norwegen.
Polizei: Ja ..
Breivik: Und im Hinblick darauf dass die Operation durchgeführt ist,
ist es also ... vertretbar, sich Delta zu ergeben.
Polizei: Sie wollen sich Delta ergeben?
Breivik: Können Sie mich zumm Einsatzleiter von Delta durchstellen?
Polizei: Ja, Sie Sie sprechen schon mit jemandem, der in gewissem Maß
übergeordnete Verantwortung trägt.
Breivik: Ok, finden Sie heraus, was sie müssen und dann rufen Sie
mich auf diesem Telefon an, ok?
Polizei: Hm, welche Telefonnummer ..?
Breivik: Superfein, Tschüs.
Polizei: Ich habe Ihre Ihre Telefonnumer nicht! Hallo!


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Sieg des Zwecks

Anders als gestern, wenn auch mit fast identen Motiven: Der häßliche Sieg des Zwecks. Samsung hat dabei sehr zu tun, es als Wert zu erklären.



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Von der Pieke auf

 New York Academy of Art- "If You are working with people who are on the top of their game, You are going to learn faster." "Art isn't about progress. It is about general excellence."

At the New York Academy of Art, we believe that the world of visual art is built upon the essential cornerstones of figurative drawing, painting, and sculpture. Mastering these disciplines is critical to the development of an artist's personal vision and, ultimately, to the creation of vital contemporary art.


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Donnerstag, 1. September 2011

Ein besonderes Geschehen

Kaum ein Fall, in dem nicht die Herkunft eines Wortes über sein Bezeichnetes bereits weit mehr erzählt, als der tägliche Sprachgebrauch zu Bewußtsein bringt. So im Fall des Wortes "Geschichte".

Denn selbst im Griechischen "istoreo/historeo" - "ich forsche" kommt eine Gerichtetheit zum Ausdruck, die das altdeutsche "Schickung, Zufall, Ereignis" noch weiter zuspitzt, über das alt- und mittelhochdeutsche "gesciht", einer Ableitung von "scihan": "durch höhere Schickung sich ereignen."

"Geschichte" ist also die verstärkte Form eines Partizipiums des Stammwortes "geschehen". Und in der Lautverstärkung erfolgte eine Sinnverstärkung: es handelt sich nicht um irgendein Geschehen, sondern um ein besonderes Geschehen. Diese Sinnverstärkung verweist auf eine beachtenswerte Tatsache, schreibt Jean Gebser in "Ursprung und Gegenwart": das, was von sich aus, da es eine "Schickung" ist, Richtung auf uns zu erhält, ist nicht irgendeine, sondern eine besondere "Schickung"; durch diese Besonderheit schimmert ein numinoser Hintergrund durch! 

Das Erleben, daß alles Geschehen über sich hinausweist - im Ursprung, der sich in ein Ziel trägt, und eingebettet in einen persönliche Sinngeschichte dessen ist, dem sie zustößt. Was, so nebenbei, die Rolle der Erinnerung und deren Bewußtwerden im Erzählen anzeigt.


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Nur noch Autobiographien

In einem Interview mit der Presse meinte unlängst Julian Schutting, daß die Zeit der Romane längst vorbei sei. Die großen Geschichtenerfinder, wie die Russen, gebe es nicht mehr, alles was sich heuter noch Roman nenne, wäre nur noch autobiographisch.

Julian Schutting  | Copyright Guenter R. Artinger
Nun, so eine Aussage läßt sich natürlich nur vor dem Hintergrund einer Kulturentwicklung machen und verstehen, in die eingebettet, auf die bezogen, aus der geboren auch der Künstler lebt. Sodaß Kultur als sozio-psychologische Außensicht verstanden wird.

Vielleicht trifft sich das mit meiner Beobachtung, daß der Schreibende heute fast nicht mehr freikommt davon, sich überhaupt erst zu den Voraussetzungen des Schreibens freizumachen. Sodaß sehr vieles, was heute publiziert wird, nur noch Freimachungsprozesse oder Zeugnisse davon sind. Wenn es überhaupt noch möglich ist, heute zum Werk zu kommen, so nur über völligen Rückzug ... bis nichts mehr nach einem greift, und das selbstische Steigen zur Ruhe kam. So ließe sich auch die Tendenz verstehen, daß die letzten großen Romane zunehmend einer Collage aus Fragmenten gleichen: wo Einzelnes den Betrachter so tief und ungelöst verstrickt, daß er nur durch radikale Brüche von einer Episode zur nächsten gehen kann. So, wie man im Sumpf stehend versinkt, und immer wieder seine Füße aus dem Untergrund zieht, mühsam und zäh, oft genug bleibt der Stiefel zurück, und man ist einfach heilfroh, dem Sumpf wieder entkommen zu sein, am Ende, ohnerachten aller Vorhaben, einen Organismus mit Anfang und Ende schaffen zu wollen: man stieg hinein, und trachtete mit der Zeit nur noch, zu entkommen ...

Aus den bekannten dokumentarischen Gründen bringe ich hier einige Passagen des Interviews:

Es gibt auch die Gefahr des Manierismus.
Man darf nie kostbare Wörter suchen. Das einzig Richtige für einen Autor ist, dass ihm alles, was er schreibt, ganz selbstverständlich und natürlich ist. Meinen Schülern habe ich immer gesagt, sie sollten aufhören zu dichten. Sie sollten stattdessen kühl etwas darlegen, ohne grässliches „Heutdeutsch“ hereinzulassen. Davor sind wir alle nicht gefeit. Auch sollte man die Bearbeitung nicht merken. Ich muss sehr oft nach Wörtern suchen, die sind aber ganz einfache, nicht gewählte. Die Kunst knapper Deskription, wie sie etwa Musil konnte, ist etwas ganz Hohes.

Sie haben Musil erneut erwähnt. Welche Autoren haben Sie am meisten beeinflusst?
Kleist war für mich am wichtigsten, als Beweis, dass man ein Dichter ist, wenn man eine unverwechselbare Satz-Architektur aufzuweisen hat, die einem eingeboren ist. Sicher auch Stifter, der mich zugleich von Jugend an gelangweilt hat, aber er war prägend in seiner Tendenz zu ritualisieren. Mittagessen, Zusammenkünfte in der Bibliothek wurden bei ihm zu Ritualen. Das liegt uns Österreichern. Benn habe ich immer sehr geschätzt, vor allem seinen Essay „Probleme der Lyrik“. Er fährt grob drüber, wenn altmodisch vor sich hin gedichtet wird. Vor allem aber auch Adornos „Ästhetische Theorie“.

Sind Sie also ein Dichter?
Also, erst einmal bin ich Schriftsteller. Wenn mir jedoch eine entsprechende Passage gelingt, denke ich mir heimlich: „Aber ein Dichter bin ich auch!“ Nicht immer, aber bisweilen.

Ist der Begriff des Dichters heute noch immer der Ausfluss des Genie-Gedankens?
Das muss man gar nicht sagen. Der Dichter behandelt eine bestimmte Sache wie etwas Heiliges, die Idee des Genies dürfte ihm gar nicht kommen. Dieser Begriff ist auch überholt. Man hat ein Maß an Originalität aufzuweisen, damit man nicht zu einem Epigonen seiner selbst wird. Thomas Mann ist mir ein Vorbild. Er war immer fähig, sich neuen Themen zu öffnen. Allein das Thema wirkt auch auf den Stil ein. Manie und Manieren gehören zusammen. Immer aber ist hoffentlich eine Überraschung für den Leser drin.




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Sieg über den Zweck

Wenn es kein Moment der Poesie ist, so ist es ein Moment, der das Profane hinter sich läßt, um sich der Poesie zu öffnen. Aber ein wenig, wenn man genau schaut, ist es schon Poesie - vergessen Sie das Produkt dabei. Denn es ist ein Euphemismus, "light" und "zweckfrei" zu einen.

Und dann sehen wir - wollen wir großzügig sein - morgen so etwas wie das Gegenteil: bei selben Motiven, bei gleichem Interessenskonflikt.



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