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Donnerstag, 31. Januar 2013

Unfähigkeit zur Selbstbegründetheit

Ein Detail liefert die Universität Regensburg mit einer Untersuchung über das Lernverhalten von Schülern, die mit Inhalten textal konfrontiert werden, berichtet pressetext.at

Schüler, die Texte nur lesen, auch wenn sie sie mehrfach lesen, merken sich die Inhalte wenn überhaupt so nur kurze Zeit.

Anders, wenn sie die Texte nur zweimal lesen, und sie dann wiedergeben müssen - so gut sie eben können. In diesem Spielen mit den Inhalten, in dieser Eigenleistung erst werden Inhalte auch langfristig zu Gedächtnisinhalten.

Das ist auf jeden Fall eine Aussage über die Illusion, im Zeitalter der Vernetzung könnten digitale Medien die Leistungen des Gedächtnisses ersetzen. Das können sie nicht. Was man nur am Bildschirm liest, sinkt ins Vergessen, wird, wie andere Studien belegen, nur mehr oder weniger oberflächlich zur Kenntnis genommen, hat aber keine Auswirkungen. Bildschirmtexte werden eindeutig oberflächlicher zur Kenntnis genommen, man weiß nach dem lesen was dort steht, mehr aber nicht, und vergißt es rasch wieder. Das Gelesene verliert seine Relevanz, dem Leser bleibt nur sein momentaner Erkenntnisstand, um dem Gelesenen mehr Bedeutung zu verleihen, sich es also zu "merken". Die ständige Präsenz von technischen Hilfsmitteln, die Abrufbarkeit von Wissen, mag quantitativ signifikant sein. Aber die Menschen verlernen tatsächlich das eigene Denken. Sie werden bestenfalls zu Assemblern von Wissensfetzen. Mit dem Finger ständig auf "schlag nach bei Wikipedia". Oder, den unaufhaltsamen technischen Entwicklngen folgend, mit ständigen Einspielungen von "Wissen", sobald sie etwas durch die buchstäbliche, gegenständliche Wahrnehmungsbrille sehen.

Das copy & paste ist mehr als ein einmaliges Vorgehen, es ist eine Haltung. Erkenntnis wird mit diesen Hilfsmitteln zur bloßen Cleverness, mit diesen Fetzen umzugehen. Mit einem gravierenden "Nachteil": Weil Wissen erst durch das Vermögen zur Ordnung von Gewußtem zur Erkenntnis wird, ja Erkenntnisgewinn erst durch Vergleichen mit Vorhandenem entsteht, wird der mediengestützte "Wissende" unfähig, seine Erkenntnis zu entwickeln. Er bleibt einerseits stehen, regressiert dabei in Wahrheit, und wird in zunehmendem Maß von ordnenden Kräften abhängig, denen er gerade Vertrauen schenkt. 

Das zeigt sich auch deutlich in der Tendenz der social media, "Bewertungen" einzubauen, um so das diffundierende persönliche Einschätzungsvermögen durch Fremdbewertungen zu ersetzen. Denn auch darin erkennen sie sehr richtig das Manko der Menschen: Urteile zu fällen. Weil aber in dieser Wolke von Bewertungen im Grunde niemand in der Lage ist, Urteile zu fällen, sondern selber auf die Werturteile anderer starrt, um die seinen zu bilden, werden sich diese Bewertungswolken wie Vogelschwärme verhalten. Unberechenbar, wiewohl enorm leicht beeinflußbar, das aber nur sehr kurzfristig.

Mit Wissensinhalten umgehen kann nur, wer sie auch besitzt. Nur so ist die Entwicklung einer immer breiteren Basis der Grundlage der Urteilsfähigkeit möglich. Auf denen weiter aufgebaut werden kann - wenn sie erinnert werden. Nur durch die Erinnerung können damit überhaupt komplexe Erfahrungen gesammelt und weiter kombiniert, zu immer höheren, abstrakteren (aber damit allgemeineren, umfassenderen) Erkenntnissen entwickelt werden. Nur das Erinnerte hat damit Signifikanz für den Aufbau einer freien Persönlichkeit. Fällt das Erinnerungsvermögen weg, fällt am anderen Ende auch die Fähigkeit zu abstraktem Denken weg. Das Denken wird zur bloßen Fallerledigung, zusammenhanglos und chaotisch - die Persönlichkeit wird dämonisch, Bildung im eigentlichen Sinn wird unmöglich. Daß also Bildung als entscheidender Faktor der Zukunft angesehen wird, hat interessanterweise hierin ihr fundamentum in re. Nur ist der Begriff zur reinen Äquivokation und damit Täuschung verkommen, seine Inhalte sind ausgetauscht worden. Das heutige Schulwesen erreicht in seiner anthropologisch verfehlten Pädagogik gerade das Gegenteil.

Daß aus solchen Persönlichkeitsstrukturen keine Weltbilder mehr hervorgehen, die sinnvolle Sinnzusammenhänge zur Grundlage haben, ist längst allgemein beobachtbar. Gerade unter jungen Menschen ist der (mit ethisch positiven Gefühlen künstlich behängte) "Verzicht" auf ein zusammenhängendes Weltbild, auf dem ein Mensch stehen, handeln, weiter denken kann, nicht mehr als die Unfähigkeit, überhaupt noch eines zu bilden. Sie "verzichten" darauf, die Prinzipien der Welt zu erfassen, weil sie diese Abstraktionsebenen gar nicht mehr bilden können. Den Menschen heute fehlt beobachtbar diese zentrale Wurzel, aus der heraus sie alles Begegnende in einen können. Es bleibt nur noch die Ebene von partiellen "Meinungen", Weltbilder selbst werden aus oft grotesk widersprüchlichen, emotional akzeptierten, aber im letzten nie über längere Denkwege begründbaren Einzelbestandteilen zusammengeschustert. 

Und hier spielen die technischen Möglichkeiten, die sich in jedermanns Hand befinden, die entscheidende Rolle. Ihnen erwachsen Weltbilder (und Menschen), die nur noch "irgendwie", diffus und emotional sind, aber nicht mehr in einem Punkt zusammengefaßt, eben vernünftig. Damit zerfällt unweigerlich jede Gesellschaft. Denn Einheit vermag nur diese außerhalb stehende Vernunft, als "Allgemeines", allen gleichermaßen zugängig (durch Abstraktion, durch Denken) zumindest als Zielpunkt, zu geben. Dieses Außerhalbstehende der Vernunft aber, die es in einem schöpferischen Akt zu ergreifen gilt, ersetzt derjenige, der zur Abstraktion unfähig ist, durch die Zustimmung zur nicht mehr beurteilbaren Fremdbestimmtheit. Damit fällt auch das Prinzip der Verantwortung völlig aus. Es wird ersetzt durch das Prinzip der Umwandlung der willkürlichen eigenen Intention zur Allgemeinheit - Weltsicht wird zum Fanatismus.

Ein Werkzeug hat ja seine Eigendynamik schon darin, daß es als Gut, als Ding Aufforderungscharakter hat, benützt zu werden. Dieses Benützen selbst IST für sich gesehen eine ethisch "gute" Handlung. Das ist das Kernproblem einer derartig technisierten Zivilisation, wie der unseren. Mit "maßhaltender Anwendung" hat das nichts mehr zu tun. Die Technik WIRD siegen, schon gar denkt man das mit dem Gesagten zusammen.

Es geht also auch im schulischen Lernen darum, die Schüler zu psychogenen Eigenleistungen zu bringen, in denen sie sich in einem Akt der Nachschöpfung, die die Referenz zum Erinnerten braucht, erst die Inhalte (als Erfassen und Bilden der Prinzipien, die hinter den Dingen stehen, aus denen sie hervorgehen) aneignen - INDEM sie sie sich aneignen. Die neuen Medien aber haben im Unterricht nichts verloren.






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Stadtkultur (1)

Buenos Aires, Argentinien, ca. 1923


Gesehen bei everyday_i_show

Gesehen bei everyday_i_show







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Vertrauenssprache

Anders, als vielfach gemeint wird, hat die Schriftlichkeit für den Menschen keineswegs die höhere Verbindlichkeit. Im Gegenteil, das Mißtrauen gegen den Menschen wird dadurch sogar ausgedrückt, etwas zu verschriftlichen. Und auch ein Vertrag - wer des öfteren mit Gerichten und der Rechtssprechung zu tun hat, wird wissen, wovon hier die Rede ist - bezieht seine Relevanz nur auf den Bezug zum "gemeinten", zu den Personen, die ihn geschlossen haben, und ihrer "vorschriftlichen", realen Beziehung zueinander. Nicht einfach aus der Logik der Schriftzeichen.

Walter Ong weist explizit auf die auch heute noch zu beobachtende Tatsache hin, wie sehr mündliche Kulturen dem Geschriebenen mißtrauen - und im letzten ist jede Kultur, auch heute, mündlich, wir vergessen das nur gerne. Fleischlich. Nicht Schrift. 

Das deutsche Wort Stimmung in seinen Konnotationen zu Lautharmonie, Harmonie einer Gruppe oder einer Situation, Ton, aber auch zu richtig und Recht, in stimmig, stimmt, gar in Zustimmung, zeigt diesen klaren Bezug zur Mündlichkeit als Ausgangspunkt aller Medien. Handlungsbezogene Kommunikation ist ihrem Wesen nach Mündlichkeit. Noch im Wort Moral ist dieser Zusammenhang von Ethik und Mündlichkeit (orality) erfahrbar. Die Lüge gehört fast zum Wesen des Schriftlichen. 

Weniger, weil "leichter" gelogen werden kann, sondern weil alles Schriftliche in seinem Bezug zur aussagenden Person erst seinen Bezug zur Wahrheit herstellen kann. Denn die Person selbst ... kann gar nicht lügen, steht sie einem gegenüber. Die Wahrheit liegt in der Gestalt. Sie ist in ihrer Wahrheit immer wirklich (sinnlich) erkennbar. Sie kann nur den Zugang zu dieser Erkennbarkeit verwischen, durch Prädestination, Manipulation des Hörenden. Im Geschriebenen aber fehlt dieser Bezug zum Anderen, der Lesende wird sich selbst Maß der Relevanz des Textes. Und jeder Leser weiß das, weshalb seine Haltung einem Text gegenüber völlig anders, skeptischer fundiert ist, als in der direkten Begegnung mit einem aussagenden Menschen. Ein geschriebener Text wird nicht graduell, sondern prinzipiell anders rezipiert, als ein von einer Person gehörter - er wird zuerst kritisch betrachtet, denn er tritt als Konfrontation auf.*

Und hier wiederum graduell abgestuft, zur Art des Mediums, zu seiner physischen Eigenschaftlichkeit. Wer würde eine wichtige Mitteilung mit Kreide auf eine Tafel schreiben? Auf die Flüchtigkeit und extrem leichte Manipulierbarkeit einer Bildschirmillusion? Welch anderer Qualität ist da schon ein durch aufwendiges Druckverfahren hergestelltes Wort. Selbst sie kann aber auch nur näherungsweise das Gesetz aller Dinge aufzeigen: Inhalt ist direkt mit seiner Form verbunden, er ist nicht abtrennbar. So sehr, daß das Geheimnis der Erlösung den Gottmenschen selbst erfordert hat, das lebendige Wort. Keine Lehre oder Weisheitsrede als Text (oder über andere Lehrer) hätte das je erfüllen können.

"Sound situates man in the middle of actuality and in simultaneity, whereas vision situates man in front of things and in sequentiality." Und: "Sight prevents surfaces. Sound - inner qualities."

Im Hören bin ich mitten in einer Situation, der Ton übermittelt mir eine extrem komplexe Aktualität und Beschaffenheit des Raumes, der Gegenwart.** Sehen hingegen ist eine Fähigkeit des "Hintereinander", und der Sehende sieht nur, was er auch bereits verstanden hat. Sehen ist schon physikalisch Reflexion (Lichtreflexion), und es ist es in jeder Hinsicht. Es benötigt das (isolationaistische) Denken der Abstraktion.*** Ohne Licht in uns sähen wir auch keine Sonne.






*Der Konsum von Medien selbst, ihr Gebrauch, ihre Rolle im Leben verändert deshalb die Persönlichkeitsstrukturen. Er ist nicht primär inhaltlich definiert. Aber Medien selbst wirken auf eine Kultur direkt verändernd. Und die Sichtweise, unsere kulturelle Entwicklung in direktem Zusammenhang mit ihrer medialen Entwicklung zu sehen, hat ein tiefes fundamentum in re. Auf einen klaren Nenner gebracht: Der Gebrauch der Internet-Medien (social media) wirkt bereits in geringer Dosis direkt auflösend auf die Kraft einer Persönlichkeit, die die Kraft ist, sich selbst zu durchdringen und in ihren Bezügen zu halten, sich selbst auf eine Weise "zu setzen". Darin liegt ihr Abhängigkeitspotential. Wer Medien für wesentliche Vorgänge benutzt, benötigt sie zunehmend. Das zeigt die ganze Lächerlichkeit und Gefährlichkeit der Diskussion um Wahrheitsvermittlung über das Netz bzw. social media. Denn Heiligkeit hat direkt mit Persönlichkeitsstärke zu tun.

**Das macht das Hören über Schallträger so problematisch, gerade dort, wo er Raum simuliert. Denn es ist eine Konzeption von Räumlichkeit, die dadurch vermittelt wird. Sie ist wesentlich - nicht graduell! - vom Hören (sagen wir: eines Orchesters) unterschieden. Sie ist deshalb eine Abstraktion des Hörens selbst, das in Wahrheit vom Hörenden in einen weiteren Bezug gestellt wird, in den realen Raum, in dem er sich befindet. Je vollkommener das Medium deshalb das Hörerlebnis nachzubilden versucht, desto entwirklichter ist das Hörerlebnis selbst. Der Mensch erschlafft in seinem Selbstsein, in dem er nämlich wirklich SEIN, also bilden MUSZ, um sie überhaupt wahrnehmen zu können. Je technisch perfekter deshalb die Medien sind, in denen "gehört" wird, desto katastrophaler ist ihre Wirkung auf den Habitus des Hörenden. Umso höher wird sein Verlangen, gleichzeitig, weil das Hörerlebnis auch seine Wirklichkeitskonzeption übernimmt, ihn somit immer existentieller trägt und verankert. Darin liegt der Grund für die immer lauter gewordene Musik auf Tonträgern (die Grundlautstärken sind in den letzten Jahrzehnten massiv angestiegen, wie die Plattenproduzenten betonen), darin liegt der Grund für die immer aggressiveren Abspielgeräte, bis zu den Subwoover-Techniken, die schon massiv auf die Umwelt ausgreifen. Und damit den Wirklichkeitsabschließungsraum ausweiten, indem wir uns in einer rational geschaffenen "Welt" halten. "Being in is what we experience in a world of sound," schreibt Walter Ong.

***Nur in diesem Rahmen - dem der Abstraktion - kann die Schriftlichkeit als kulturelle Erscheinung, undenkbar aber ohne kulturell-institutionellem Rahmen, also klarer gesellschaftlicher Strukturen, bejaht werden. Während sie heute zum Strohhalm wird, an dem sich die Menschen festhalten wollen, um so ihrem Dasein Kontinuität und Dauer zu verleihen, und damit den wahren Zerfallszustand anzeigt. Der Griff zu den social media ist ein panischer (aber irrender) Griff Ertrinkender, um überhaupt noch zu bestehen. Ein Zeit- und Krankheitssymptom, keine kulturelle Entwicklung.




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Mittwoch, 30. Januar 2013

Wer's glaubt wird selig

Dank an Blogleserin M für die Empfehlung: Ein köstlicher, intelligenter, ja fast tiefsinniger, auf jeden Fall unterhaltsamer und herzerwärmender Film aus Deutschland. Entstanden unter der Regie von Marcus H. Rosenmüller, mit einem hervorragenden Ensemble, darunter die ewig schöne Hannelore Elsner und Christian Ulmen. Die Geschichte scheint vorerst nicht besonders originell, aber sie ist ungleich heiterer und klüger, sogar mit einem Hauch Poesie umgesetzt als vergleichbare aktuelle Produktionen, von denen sie sich damit völlig unterscheidet. Weil Menschen in ihren Schwächen nicht in abstoßender Niedrigkeit, sondern mit jenem liebevollen Augenblinzeln dargestellt sind, in welcher spielerischen Distanz ihre Überwindung - ähnlich wie in Don Camillo - in der bewahrten Hoffnung enthalten ist.










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Vernünftige Hingabe

Es sei ganz wichtig, meinte Jürgen Klopp, Trainer des Fußballvereins Borussia Dortmund im TV-Interview, daß ein Spieler eine Sache ganz einfach wieder aus dem Bauch machen darf.

Was meinte er damit? Daß der Spieler Nuri Sahin, um den es in der Bemerkung geht, erfolgreich ein esoterisches Seminar absolviert hat, das ihn gelehrt hat, blind seinem "Bauch" zu folgen, nachdem er unterstützt von ein paar Yogaübungen sein letztes Gehirn wegbläst?

Nein. Es geht darum, daß ein Mensch was er tut dann am besten tut, wenn er sich daran hingibt, es liebt. Und dazu braucht es Vertrauen. Deshalb sagt Klopp sehr richtig, daß es eine Zeit brauchen wird, bis Sahin dieses Vertrauen durch die Erfahrung der Tragfähigkeit des Umfelds wieder lernt.

Es ist keine Psycholeistung, zu der man sich überreden soll oder kann, oder die in einer Sitzung mit der Psychotante, die mit Klopftherapie die letzten psychischen Schranken aufhebt, hingebogen wird, sondern es muß für diesen Menschen vernünftig sein. Sodaß er sich als ganzer Mensch für diesen Schritt entscheiden kann, völlig unabhängig von Erfolgsaussichten oder Gewinnkalkulationen, mit dem, was der Aufgabe entspricht. Denn man kann nur lieben, was man kennt. Und man kennt nur, was man ist - dem man also entspricht. Vernunft und Stufe des Hingabefeldes müssen sich also entsprechen, sie müssen sich im Gleichgewicht befinden. Vernunft kann und darf man aber nicht übertölpeln, wie es heute so oft mit Techniken versucht wird.

Weil es keine perfekte Umwelt gibt, weil man jederzeit mit Verletzungen rechnen muß, kann es aber kein völliges Vertrauen in die Welt selbst geben. Das wäre (tragische) Dummheit. Es braucht die Verankerung im Sinn, im Logos, im Letzten, das auch dem Scheitern Sinn zu geben vermag. Weil es im Logos gar kein Scheitern gibt, die Vernünftigkeit gar nie aufhört - als Vorsehung Gottes. Eine Welt ohne Gott ist deshalb nicht nur eine Welt ohne Liebe, sondern eine Welt verminderter Leistungskraft weil Hingabebereitschaft, die sich je ferner von ihr umso krampfhafter an Erfolg und Effekt klammert. Und umso mehr versagt, an der Sinnlosigkeit verzweifelt.




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Fortgedacht

Es ist eine Beobachtungstatsache, daß sich Körper in der Abkühlung zusammenziehen. Als physikalisches Gesetz wurde dieses Verhalten als "Erhaltung des Rotationsmoments" bzw. "Erhaltung der Flächen" benannt.

Das verführt zu weiterführenden Gedanken - denn die Dinge haben ihren Bezug zueinander durch ihre Gestalt, durch ihre Oberfläche, ihr Außen. Ja, das Außen IST gestalteter, gewirklichter, in der Darstellung befindlicher Bezug. Wird dies bei einer bestehenden Seinsheit verringert, bleibt dennoch die entelechiale Potenz des Körpers gleich, aber sie wird unbildlich, unkonkret. Damit vergrößert sich also die Potenz seiner Beziehungen zur Außenwelt, nur bleibt sie unausgefaltet, eben potentiell.

Denkt man dies unendlich fort, so wird die Aktualität gegen das Verschwinden zu immer geringer, während sich die Potentialität vergrößert. Während in der unendlichen Ausweitung die Ausgefaltetheit immer größer wird. Der Gesamtenergiehaushalt dieser Einheit aber bleibt gleich (s. u. a. thermodynamische Grundgesetze). 



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Dienstag, 29. Januar 2013

Energiefalle

Die Darstellungen des Namensvetters des Verfassers dieser Zeilen, des Energiefachmannes Dipl-Ing Eberhard Wagner, sind hier bereits mehrfach zitiert worden. In einem seit kurzer Zeit von ihm betriebenen Blog faßt Wagner den fatalen Fehlschluß zusammen, der in der sogenannten "Energiewende" betrieben wird.

Sachlich und faktenreich zeigt er u. a. auf, daß:

- mit den enerneuerbaren Energien Versorgungssicherheit nicht erreichbar ist
- die Kosten für Energie ausweglos enorm steigen werden
- die Lasten dafür in jedem Fall der normale Energieverbraucher zu tragen haben wird, d. h. der, der kein Eigenheim besitzt etc.
- Wind- und Solarenergie aufgrund der (weil einfach nicht mehr leistbaren) notwendigen Kürzungen der Zuschüsse ökonomisch sinnlose Fehlinvestitionen sind
- bereits jetzt gesagt werden kann, daß z. B. die Offshore-Windanlagen auch energietechnisch klare Fehlinvestitionen sind
- Solarprojekte wie Desertec ökonomisch wie technisch sinnlos sind
- der Speicherbedarf für Strom das 3000fache (!) des derzeitigen Speicherkapazitäten betragen müßte, und das ist selbst dem Laien einsichtig, daß das illusorisch ist
- Deutschland in jedem Fall, auch bei "Vollausbau" der Erneuerbaren Energie, in hohem Maß von Stromlieferungen aus dem Ausland abhängig sein wird*


Der geneigte Leser dieses Blog möge sich selbst ein Bild machen, und die detailreiche, dabei präzise Übersicht über die Problematik selbst studieren. Rein energiepolitisch gesehen, fährt sich ein ganzes Land an die Wand. Und das wird zweifellos andere Bereiche der Außenpolitik aktivieren.




*Weil versorgungstechnisch letztlich auch Mega-Europa-Netze im Engpaßfall auf nationale Einheiten zurückfallen wird (Polen und die Tschechei haben daraus bereits erste Konsequenzen gezogen, und eine mögliche Abkoppelung ihrer Stromnetze technisch eingerichtet) hat dieser Punkt enorme politische, ja militärische Brisanz. Deutschland wird die Konsequenzen aus seiner "Energiewende" ganz Europa aufzwingen MÜSSEN, und die Folge aus der Aufgabe nationaler Versorgungsprioritäten Europas wird im Umkehrschluß eine wirtschaftspolitische Abhängigkeit des gesamten Kontinents von Deutschland bewirken. Das wird mittelfristig nicht ohne Reaktionen bleiben. Es wurde hier bereits das Argument vertreten, daß die Energiewende machtpolitisch enorme Konsequenzen für ganz Europa aufgrund einer verdeckten, nahezu "unbewußten", aber nichts weniger aggressiven Hegemoniepolitik Deutschlands haben wird. In der sich die massive Seinsbewegung des Landes, das sich seit der 2. Hälfte des 19. Jhd. zum Motor des technizistischen Umbaus der Gesellschaften Europas entwickelt hat, zur Vollendung zu bringen versucht.



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Ein Blick

Ein weiterer aus den 10 besten Werbespots 2012. 
Hier dieses einen Blicks wegen.









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Montag, 28. Januar 2013

Vorwurf als Anriß

In den Nachwehen der 68er Revolution im Jahr 1972 als Universitätsprofessor für Städtebau und Raumplanung an die Universität Innsbruck berufen, wurde ich mit einer geschichtslos aufgewachsenen Jugend konfrontiert. Die Ursache und Beziehung zwischen sozialer, militärischer, wirtschaftlicher und religiöser Geschichte einerseits und Städtebau andererseits waren den Studierenden unbekannt und mangels jeglicher Wissensbasis auch nicht zu erläutern. Historische Ereignisse aus dem Jahr 1800 wurden im Mittelschulunterricht vielfach übergangen, um nicht 'anzuecken', und nicht mit Sprüchen aus Maos 'Rotem Buch' mattgesetzt zu werden.

Auch ich erwarb eine solche Spruchsammlung im roten Plastikeinband,  besitze sie noch heute und konnte sie, wie auch die Afrikabücher von Edgar Wallac, mit großem Erfolg nutzen, während viele meiner Kollegen der Konfrontation  mit Diskutanten einen Krankenhausurlaub vorzogen.

[...] Der Versuch, den 'roten Faden' dieser Geschichte des Städtebaus nicht formal, sondern als Abfolgen von Ursache, Wirkung und Gegenwirkung zu erläutern, stieß zunächst auf Unverständnis. Dies war, wie Recherchen ergaben, auf das Unvermögen zurückzuführen, Fakten der Sozial-, Wirtschafts- und Kriegsgeschichte mit solchen der Baugeschichte zu verknüpfen und dadurch Ursache-Wirkungszusammenhänge zu erkennen.

So ermangelte jede Relation; z. B. daß die Maya-Städte
- etwa 600-900 n. Chr. mit Einwohnerzahlen bis zu 100.000 Menschen eine weit höhere Bevölkerung aufwiesen als die großen Städte Mitteleuropas im selben Zeitabschnitt
- eine Bevölkerungsdichte von bis zu 20 EW/ha aufwiesen, während sie am freien Land ca. 2 EW/ha betrug - welche auch in unserer Zeit nicht ungewöhnlich ist,
- über eine Stadtfläche von bis zu 2500 ha verfügten;
# jede Vorstellung von der restriktiven Natur einseitig optimierter Infrastrukturen, wie z. B.
- der Untergang der tradierten Stadtanlage durch Maximieren ihrer militärischen Sicherheit
- der Untergang der modernen Stadt durch selektive Förderung,
# des Individualverkehrs, z. B. in Form der 'autogerechten Stadt', aber auch
des Fußgängerverkehrs in ihrem Zentrum, ohne die benötigen peripheren Einrichtungen zu berücksichtigen,
# jede Information über den beginnenden Zerfall sich multikulturell entwickelnder Megastädte - sie zerfallen in mehrere, nach Bevölkerungsgruppen und Nationalitäten unterschiedene Teilstädte, wie an den nordamerikanischen Städten, vornehmlich New York, beispielhaft zu sehen ist.



Aus dem Vorwort des 2008 erstmals erschienen Buches von Franz Heigl,"Die Geschichte der Stadt", derzeit um fast unglaubliche 15 Euro zu erwerben,




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Best Job

Zu einem der 10 besten Werbefilme 2012 gewählt.







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Leben, wie es sich eben lebt

Wieder ein Fehlschlag für den Normmenschen nach medizinisch-wissenschaftlichen Kriterien? Eine groß angelegte Untersuchung in den USA ergab, wie der Spiegel berichtet, daß die gegenwärtigen Kriterien für den "idealen Körper" (im Body-Mass-Index ausgedrückt, also dem Verhältnis von Körpergröße zu Gewicht) nicht auch bedeuten, daß Menschen mit diesen Idealmaßen (BMI 18-25) länger leben. Es ist sogar das Gegenteil der Fall.

2,88 Millionen Fälle aus der "Allgemeinbevölkerung" aus bisher bereits ausgearbeiteten 97 Studien wurden nun zusammengefaßt und ausgewertet. Man untersuchte den Zusammenhang von Sterblichkeit (Lebensalter) und Fettleibigkeit. Das Ergebnis überrascht: Leicht übergewichtige Menschen, mit BMI 25-30, leben statistisch um 6 %, und selbst solche mit BMI 30-35 (Fettsucht 1. Grades) um 5 % länger als "Idealmenschen". Erst bei wirklicher Verfettung, einem BMI über 35 (Fettsucht 2. Grades), sinkt statistisch auch die Lebensdauer der Übergewichtigen wieder, und zwar deutlich (29 % weniger erreichte Lebensjahre als die Idealgruppe).

Keinerlei Relevanz ergab in dieser Hinsicht ein Abgleich mit Lebensgewohnheiten wie Alkohol oder Zigaretten, und selbst Krankheiten weisen keinen Zusammenhang mit dem BMI-Idealmaß auf. Zusammengefaßt heißt das: Übergewichtige (zumindest in gewissem Rahmen) sind weder kränker als solche mit Modellkörper, noch sterben sie früher - sie leben sogar länger. Möglicherweise sterben sie nur ... an etwas anderem, als Idealtypen. Aber das wurde nicht untersucht. So, wie auch nicht untersucht wurde, weil das nicht möglich ist, ob langes Leben an sich überhaupt ein Ziel ist - wieweit also "Erfülltheit" mit gewisser körperlicher Konstitution zusammenhängt, und sich durchaus ein kürzeres Leben zugunsten der Intensität und Qualität (im Selbstverzehr) aufwiegt.

Es ist aber zumindest viel schwieriger als bisher gedacht, eine Grenze zwischen "guter" und "schlechter" Lebensführung zu ziehen. Aber vielleicht steckt genau das wieder hinter den Initiativen, die Sozialversicherungsbeiträge an das BMI koppeln wollen. Ansätze dazu gibt es ja bereits. Man will gar nicht, daß die Menschen länger leben. Denn das kostet den Rentenkassen zuviel.

Weil das Leben generell nicht mehr gelebt wird, Leben (rein physiologisch, materiell) einfach aber die Menschen zu lang. Sie sitzen ihre Sinnverweigerung, im Verhaltensmodus von dreijährigen Kindern, einfach aus.





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Sonntag, 27. Januar 2013

Das Heilige war zuerst

Am Anfang der menschlichen Erfahrung stellt die gesamte sich ihr bitende Wirklichkeit den Bereich des Heiligen dar. Das Heilige gehört zum ursprünglichen Verständnis der Welt, die der Mensch als Gesamtheit und zugleich als qualitative Einheit erfaßt. Später, schreibt Louis Bouyer in "Mensch und Ritus" (in Zusammenschau mit Eliade's Ausführungen in "Das Heilige und das Profane") gelangt der Mensch zum reflesen Selbstbewußtsein, er erfährt seine relative Unabhängigkeit, weil er inerhalb der Wirklichkeit einen Bereich als sein Eigentum für sich abgrenzt und Gott davon ausschließt.

Zu diesem Zeitpunkt taucht das Profane auf. Das Profane ist also nicht die Welt, der das Heilige "hinzugefügt", in das es "konsekriert" werden müßte, sondern dem ursprünglichen Menschen fallen Welt und Wirklichkeit, die eine Wirklichkeit des Göttlichen in seiner Hochzeit mit dem Irdischen ist, zusammen.

Erst mit der zunehmenden Zivilisation, die praktisch immer eine zunehmende Technisierung und damit scheinbare Weltbeherrschung bedeutet, taucht der Gedanke auf, daß die Welt sich in der Machbarkeit erschöpft. Und ab diesem Moment wird sie profan. Je mehr der Mensch die Welt planmäßig unterwirft und gestaltet, desto mehr weitet sich das Profane aus. Es ist eine typische neuzeltliche Illusion - und entspricht nicht der historischen Wahrheit - die Welt an sich als profan zu sehen. Das Profane ist das profanierte Heilige!

Zur gleichen Zeit, so Bouyer, da er die Grenzen seines Feldes immer weiter absteckt, verliert er das Interesse für die restliche Wirklichkeit. Es kommt dann ein Augenblick, da ihm das Profane praktisch mit dem Wirklichen identisch zu sein scheint. Das Heilige lebt nur noch an bestimmten Orten fort. Dann gewinnt der Mensch auch leicht den Eindruck, als würden die Riten das Heilige hervorbringen. 

Aber Riten bringen niemals das Heilige hervor, sie bringen überhaupt nichts hervor. Sie bewahren einfach das Heilige! Der Kult geht jeder Kultur voraus. und er liegt ihr in einem viel weiteren Maß zugrunde, als gemeiniglich angenommen wird - nämlich nicht als Sonderveranstaltung, sondern als Wirklichkeit, die alles durchdringt. Fällt der Kult, fällt die Kultur. Der Tanz bringt die Arbeit hervor. Im Ritus wird der Welt als Ort des Menschen ihr ursprünglicher Platz wieder zugewiesen, ihr belassen.

Das Heilige abzugrenzen, in Heilige Bezirke einzuschließen etc., ist lediglich bereits die schützende Reaktion auf die rundum erfolgende Profanierung, in der sich der zivilisierte Mensch immer mehr Bereiche aneignet und Gott daraus entfernt. Und hier setzt die Mythologisierung ein, die dieses an sich Heilige auch intellektuell abzusichern beginnt.

Die Magie selber folgt erst später, sie ist nicht die Wurzel des Religiösen, sondern bereits seine Entartung, als profanierende Aneignung des Göttlichen, also der Technik direkt verwandt, die sich nun dem Heiligen zuwendet. Sie ist aus dem Heiligen abgeleitet. Denn das Wesen des Sakralen ist seine Unverfügbarkeit, das die menschlichen Kräfte nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ übersteigt - Eigentum Gottes. Das Heilige ist ein an sich und durch sich Vorhandenes, kein Gemachtes.* Am selben Punkt wird in der Magie der Heilige Bezirk bzw. Ort zum Ort der Verfügbarmachung des Göttlichen umgedeutet.

In der Liturgie passiert aber etwas anderes: die konsekratorischen Riten sind eine Erkenntnis des Göttlichen und seiner ihm eigenen Wege. Dienst, in dem sich der Mensch dem Willen des Himmels unterwirft und sich ihm ausliefert, was auch immer für Hintergedanken dabei sein mögen. Auch in diesem Fall muß er aber die Unabhängigkeit und letzte Souveränität des göttlichen Willens anerkennen.

In der Heiligen Messe also begegnet der Mensch dem neuen (in gewisser Hinsicht: ersten, anfänglichsten) Adam, von dem alle Menschheit ausgeht, inmitten einer uranfänglichen Ordnung des Kosmos, die aber auch der Welt "draußen" zugrundeliegt, die ihr eigentliches entelechiales Bestreben ist, die unter der Unordnung, die durch den Menschen in sie hineingebracht wurde, ächzt und stöhnt. Im Ritus wird dieser ursprüngliche Mensch repräsentativ wiederhergestellt, er übt sich darin ein, nimmt dieses Heilige fleischlich wieder an, und das ist das Heiligende für den Menschen.





*Sehr typisch für diesen Schritt der Aneignung bzw. Profanierung ist die etymologische Umdeutung des "Sakralen", wie sie historisch als Bedeutungsverschiebung zu beobachten ist. Mit dem Beginn der Neuzeit wird "sacrificium - sacrum facere" - als "sakral MACHEN" transkribiert. Während es ursprünglich schlicht "das, was heilig ist, tun" bedeutet.




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Auf dem Boden der Vernunft

Johannes Duns Scotus sieht die Frage nach der Dreifaltigkeit keineswegs als akademische Diskussion, die so oder so gesehen werden könnte. Er sieht sie als zutiefst praktische Frage. Denn nur wenn das Wesen der Dinge selbst, in ihrer Struktur, als Analogia Entis, als Analogie zu Gott gesehen wird, bleibt die Christologie des Christentums aufrecht. Sonst zerfällt sie unweigerlich. Und sie ist bis in den Alltag hinein vor gar nicht abzuschätzender Relevanz.

Es geht um die Frage, ob Jesus Christus, Gottes Sohn, gezeugt vom Vater in der Liebe des Heiligen Geistes, immer gewesener Teil der Dreifaltigkeit ist, oder ob Gott Vater ihn auf die Erde geschickt hat, um den "Fehler", in den die Schöpfung in der Erbsünde gefallen ist, zu "korrigieren".

Denn diese Sichtweise, die sich (damals, aber heute erst recht - Duns Scotus ist einem Ausmaß aktuell, das einen verblüfft) sehr weit verbreitet hat, führt zwangsläufig zum Anthropozentrismus, und darin zur Degradierung von Jesus Christus zum Knecht der Menschen. Nicht zuletzt der Arianismus gründet darin. Und viele Sichtweise auch der Gegenwart sind ein wiederauferstandener Arianismus - man beachte nur die vielen esoterischen Lehren, die herumschwirren. Aber man beachte auch die Praxis und Sprache der Katholischen Liturgie, wie sie oft praktiziert wird. Die man zweifellos auf diesen Nenner bringen könnte. Hier wie dort wird Jesus Christus zur durch Technik dienstbar gemachten "Kraft". Bis zum Geschwafel vom "Christus in jedem", das ein indirekt machbare Aussage pervertiert. Darin fällt der Mensch zu einem zufälligen Produkt, wird einerseits wertlos, anderseits vergöttlicht.

Im Wesen der Dreifaltigkeit aber drückt sich das Wesen aller Dinge aus. Edith Stein zergliedert in "Vom Endlichen zum Ewigen Sein" diese Grundfragen der Philosophie von Anbeginn an mit größter Präzision, und zeigt damit, daß der von Gott gezeugte Sohn Jesus Christus, im Hl. Geist der Liebe, analoges Wesen aller Dinge ist, und insofern sogar bis hinein zu Platon's Konzeptionen zusammenführt, was oft seltsam getrennt gesehen wird.

Jesus war von Anbeginn an, und in ihm ist alles Geschöpfliche begründet, er ist Anfang und Ende aller Dinge. Nur in dieser (in sich noch einmal tief fundierbaren) Sicht schließt sich das Geheimnis der Erlösung überhaupt auf und wird nachvollziehbar. Nur so wird auch das Wesen der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter verständlich, mit seinen tiefen Auswirkungen auf das Verständnis vom Wesen des Menschen überhaupt. Nur so wird Gott als Liebe begreifbar, in der der ganze Bauplan der Schöpfung begreifbar wird. Es ist nicht das "Ich" des Menschen, das in seiner Fehlerhaftigkeit den Sohn in die Welt kommen ließ, und Gott hat in der Inkarnation nicht den ganzen Schöpfungsplan umgekehrt, sondern er ist und war immer in seiner Weisheit geordnet.

Fällt dieses Wissen (in seiner tiefen Vernünftigkeit und Erhellungskraft), stürzt die Haltung zum Geschöpflichen, und der Weltenplan löst sich aus der Vorsehung. Ohne die Liebe seines Sohnes, als Erwiderung, würde alle geschöpfliche Liebe immanent bleiben, eine gottgemäße Liebe wäre nicht möglich. Und nur in dieser liebenden Umarmung, Christus Sohn, Mensch und Wort zugleich - Vater, hat die Schöpfung überhaupt Sinn. Nichts, absolut nichts ist damit seinem Zugriff entzogen, hat nur Bestand weil und soweit es am Sein Gottes Anteil hat. "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben." Was außerhalb der Vorherbestimmung Gottes sein wollte, wäre Nichts. "Alles ist durch Christus für Christus geschaffen worden." Von Anbeginn auf ihn hingeordnet. "Per Christum dominum nostrum" endet daher jedes hohepriesterliche Gebet in der Liturgie. "Durch ihn, mit ihm und in ihm ..." Die Schrifstellen, die darauf hinweisen, dies belegen, sind schier ohne Zahl. Nur in dieser Sicht wird Gottes Liebe, der die Schöpfung in seinem Sohn liebt, zum ewigen Wohlwollen. Denn er selbst sieht die Schöpfung in seinem geliebten Sohn, und nur in dieser Sichtweise wird auch die Schöpfung "erhöht", die mit Christus eins wird, soweit sie an seiner Sohnschaft teilhat. Um an Gottes innerem Leben teilzuhaben, berufen zur Herrlichkeit - im Menschen Christus sofern er Mensch ist (und das ist er, ganz). Einer Natur mit Christus, dieser von Jesus verdienten Gnade angepaßt, Anteil an der größten erschaffbaren Gnade.

Je mehr Christus erhoben wird, desto mehr werden es also auch die Geschöpfe, seine Glieder. Alles schuldet ihm sein Sein. "In ihrer Aktivität also und in ihrer Bestimmung ist die Ordnung der Welt christlich." Damit gibt es kein Sein (als Seiendes), das "in sich schlecht" ist*.

"Die Liebe ist die alleinige Ursache der Menschwerdung. Gott wollte die hypostatische Union, um außer seiner selbst das Höchstmaß an Liebe zu verschenken und zu empfangen bis zur unendlichen Gleichwertigkeit in der Person des fleischgewordenen Wortes Jesus Christus, und durch Ausweitung in all seinen mystischen Gliedern, den Engeln und Menschen." Daß Christus "qui propter nos homines" herabstieg heißt nicht das Gegenteil, sondern es grenzt historisch nur ab gegen die Lehre, die meint, er wäre der Engel willen Erlöser geworden. Christus hat auch nicht nur für den Akt der Erlösung Fleisch angenommen, schreibt Duns Scotus (auch hier: in Einklang mit Thomas v. Aquin). Denn das Ziel muß höher sein als seine Mittel. Also kann die Schöpfung nicht niedriger sein als sein Erlöser. Aber sie kann es auch nicht aus sich heraus sein, sondern nur wenn sie in eins mit Gott gedacht wird - im Sohn Jesus Christus. "Der Mond ist nicht wegen der Eulen und Fledermäuse da." Dieses gleiche Wesen hat aber seinen Seinsgrund im Guten, das es dem anderen antut. "So sagt man habe der König seinen Seinsgrund im Volk, sofern seine Regierung dem Volk den Frieden bringt."

Also hat die Menschwerdung Christ ihren Seinsgrund notwendig im ewigen Wesen Gottes, dessen Wille unwandelbar ist (bzw. sein muß). Das Mysterium der Erlösung ist insofern dem der Menschwerdung untergeordnet, unabhängig von der Sünde der Menschen, Gottes ewige Schau kann nicht vom Zufall menschlicher Akte abhängen. In Jesus vereint sich Gott selbst mit dem höchsten, von Gott erschaffbaren Wesen - dem Menschen. (Was die Kindheits- und Reifejahre Jesu nicht zur netten Episode frommer Gemüter macht, sondern ihnen substantielle Bedeutung gibt.)

Die Welt kann sich also nicht "per Zufall" aus der göttlichen Vorsehung losreißen. Sie hat nur die Wahl zwischen Sein und Nichts, aber niemals außerhalb des ewigen göttlichen Vorherwissens.** Wird Christus anthropozentrisch gedacht, wie oben versucht wurde auseinanderzulegen, beginnen die Weltereignisse notwendig eine völlig andere Natur anzunehmen - sie nehmen die Dimension der Göttlichkeit (aus sich selbst heraus, bzw. aus menschlichem Handeln heraus) an. Und wenn man die apokalyptischen Ängste der Gegenwart heranzieht, so läßt sich genau das erkennen: Der Klimawahn sei nur als eine davon erwähnt. 

Man erkennt hier genau die praktische Bedeutung, die der Scotist meint. Solche Sichtweise wächst aus einer zutiefst bereits verkehrten Sicht der Schöpfung, und degradiert die Erde entsprechend auch zu einem menschlich-technischen Machwerk, das in seiner Unvorhersehbarkeit auch den Schöpfer überraschen kann. Die Natur einer Erlösung, ihre Notwendigkeit (auch die wird heute ja gar nicht mehr gesehen, auch das hängt direkt damit zusammen), ist nicht mehr wirklich einzusehen, wird zum bloßen "Erklärungs- und Meinungsmodell", das man sich auch anders vorstellen könnte.*** Oder außer Kraft gesetzt angesichts dringlicherer Verfahren, die notwendig sind, um grade mal die Welt zu retten, damit, vielleicht, Gott überhaupt noch etwas zu erlösen hat. 

Fällt dann noch das Verständnis der Erbsünde - auch hier auf eine stupende Weise mit der Lebensführung der Gegenwart selbst verknüpft, die Gebrechlichkeit gleichfalls zur technischen (aber behebbaren) weltimmanenten Ablaufstörung macht - ist Erlösung und vor allem die Menschwerdung Gottes überhaupt nicht mehr einsichtig. Dann wird (auch das heute so häufig) Jesus zum tollen, ja, wunderbaren, gewiß, Wanderprediger und menschlichen "Religionsstifter", wie Buddha Gautama, oder Mohamed, Gandhi oder Martin Luther King oder Gerry Kessler's Anti-Aids-Geilerei.






*Es gibt aber eine falsche Sichtweise, die das Sein verkennt, nicht erkennt. Eine klare Trennung, die nicht zu wahren alles Faktische vergöttlicht, verabsolutiert, wie es dann bei Hegel seine Bahn fand, der meinte, daß in der historischen Dialektik alles historisch Gegenwärtige "göttlich" sei.

**Das würde, so nebenbei, jede Gottesidee in Wahrheit auflösen; auch das ist heute übrigens vielfach zu beobachten, wo Gott zur welt-/kosmosimmanenten, technischen Kraftidee wird, und damit überhaupt kein Gott mehr ist - Nihilismus! 

***Und fast als Grundzug unserer Gegenwart wird ja die Frage des Religiösen zur Frage von Meinungen entwertet. Eben, weil nicht mehr die Grundlage der Vernünftigkeit der Heilslehre gesehen wird, die in sich tief vernünftig ist, also auch der menschlichen Vernunft, dem Verstand erschließbar. Aber nicht voraussetzungs-, kostenlos. So wie man einen esoterischen Schmöker liest, der einem gefällt, oder auch nicht.



 


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Leben




Gefunden auf everyday_i_show





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Samstag, 26. Januar 2013

Es geht doch um ganz was anderes ...

Wasser soll also privatisiert werden, sagen die einen? Ach was, sagen die anderen, es soll nur die Möglichkeit dazu geregelt werden. Indem die Kommunen gezwungen werden, ihre Wasserversorgung in einem Wettbewerb auszuschreiben. Damit würde so manchem Mißbrauch Einhalt geboten. 

Nun ja, was treibt die EU wirklich dazu, das Subsidiaritätsprinzip, das sie ständig verkündet, wenn es ihr nützt, und bricht, sobald die Sonne aufgeht (und niemanden scheint es zu stören, schon gar nicht die Vertreter der Naturrechtslehren, ja, richtig, jene, die mal die christlichen Werte nach Brüssel LKWweise karren wollten, genau die), mit der neuen Wasserverordnung wieder einmal zu brechen, diesmal freilich unter Getöse?

Verletzung der Subsidiarität, zumindest also? Aber das trifft nur auf den ersten Blick zu.

Wer die Verordnung aber aufmerksam liest, liest etwas zwischen den Zeilen, und wer den Stellungnahmen der Beflissenen zuhört, hört etwas zwischen den Zeilen. Was Portugal, Griechenland und etlichen anderen Ländern vorgeschrieben wurde, wird nun einfach doch Allgemeingut: Privatisierung. 

Und warum? Weil die Staaten - die Staaten! - derartig marode sind, daß sie jede Möglichkeit nützen müssen, um zu Geld zu kommen. Verausgabt, weil sie alles regeln und alles an sich gezogen haben, was nie in Staatshände gehört hätte. So schaut's aus, geneigter Leser. Drum werden Sie auch kaum empörte Stellungnahmen maßgeblicher Politiker hören.  Sie alle haben stillschweigend mitgestimmt. Denn es dient ihnen.

SIE sind es, in den Staaten, die doch schon lange alles verscherbeln, was sich zu Geld machen läßt. Nicht "die EU", nicht die bösen Konzerne, die zum Sündenbock zu machen so bequem ist. Denn die wehren sich ja nicht, was kümmert es die, wenn die Gewinne steigen, udn die Bürger ohnehin zahlen werden müssen. Denn Wasser ist ein Bombengeschäft, in jeder Hinsicht. Krisenfest und ertragssicher, weil jeder Wasserversorger in seinem Gebiet in den meisten Fällen eine Monopolstellung haben wird.

Was diese EU-Richtlinie - so verdammenswert sie schon aus prinzipiellen Gründen ist - aber nur vertuschen soll ist, daß schon seit vielen (!) Jahren die Kommunalkaiser und Potenzprotzer der Kommunen und Städte ohnehin längst alles versilbert haben, was zu versilbern ist. In Boschendorf an der Prüll scheißen die Leut in Kanäle, die an eine Silbergesellschaft in Kanada verscherbelt, in Huntzenberg bei Kautzen sind die Erträge des Stadtbades für die nächsten dreißig Jahre verpfändet, weil die Gemeinde nicht einmal mehr das Geld für die Schneeräumung aufbringen konnte, und in der Millionenmetropole Gutz bei Wutz fahren die Bürger in U-Bahnen, die der Moneycompany in Chicago und Beijing gehört. Und wer in den Wörthersee baden geht, darf froh sein, daß ihn nicht mysteriöse Arme an den Bodengrund ziehen, und ihn dort der letzten Badehose berauben - das geschieht nun indirekt.

Diese EU-Verordnung verordnet keine Zukunft. Sie regelt Vorhandenes!

Und warum? Weil der Totschi Sepp beim Bier natürlich auch der strammen Jungfamilie die Autobahn bis vor die doppelgarage baut, weil die Ortsgruppe der XY-Partei eine tolle neue Sporthalle braucht, und weil der Bürgermeister ein Denkmal seiner Tatkraft hinterlassen will, indem er den Ortsplatz - mit welch touristischem Potential! Welch Weitblick! - mit Solnhofener Marmor auslegen hat lassen. Wenn die Gemeinde nicht in nur etwas riskantere Anlagen in Thailand investiert, und nicht - der neueste Wahnsinn - den Energiepark gebaut hätte, weil es ja um die Zukunft der Jugend geht. Und darin lügen diese Herren alle mal nicht wirklich. Außerdem ist es immer noch besser, 20.000 Beamte zuviel, als 20.000 Arbeitslose und Frührentner zuwenig. Oder so.

Unter diesem zweiten Blick also ist diese EU-Verordnung keineswegs positivistisch, setzt etwas, das es erst nachzuvollziehen gäbe. Es trifft auf ein gefährliches Chaos, das längst besteht, und dieses versucht es zu regeln. Und darin ist die EU ausnahmsweise tatsächlich subsidiär: wo das Höhere nur eingreift, wenn das Untere seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann. Wie immer man sonst zu dieser Wasserverordnung stehen mag - sie gründet die Zustände nicht. Sie versucht sie anzusprechen. Und tut es mit Bedacht, vorsichtig, spricht die wirklichen Verhältnisse nicht wirklich offen an. Darin schonen sich die Politiker aller Länder gefließentlich selber, das verschweigen die EU-Granden diskret, zumindest soweit es geht.

Denn die Bürger, ihre vergangenen und vor allem zukünftigen Wähler, glauben allesamt immer noch, daß ihnen - wir sind der Staat, oder wie es vor Wahlen so schön heißt? - überhaupt etwas in diesem Land gehört. Schön blöd. Schön dumm. Schön an der Nase herumgeführt. Auf allen Ebenen.*

Das Versagen der Politik, das nach der Staats- längst auf der Landesebene aufgebrochen ist, ehe es den großen Knall bei den Gemeinden gibt, vor dem schon lange gewarnt wird - DAS vertuscht dieser Tusch der EU elegant. Da hat Gamsbartl Fischler schon recht, ausnahmsweise, und sein Zynismus ist mal passend: man wolle den Malversationen der Gemeinden einen Riegel  vorschieben. Genau. Weil die schon längst auf der to-do-Liste stehen, unter der Rubrik: Nächste Katastrophen , die kaum noch zu verbergen sind. Und alle Ortskaiser und Landeskönige schicken Handküsse nach Brüssel, und nicken verständnisvoll, wenn die Bürger am Zaun stehen und schimpfen. Während sie erst gestern die letzten Kirschenbäume am Dorfanger verkauft haben.

Vor allem, weil seit Jahrzehnten eine technische Lebenslandschaft aufgebaut wird, die ihren Irrsinn eben auch darin ausdrückt, daß wir sie uns gar nicht leisten können, und nie leisten konnten. Und nach wie vor tanzen als einzige politische Mittel die nächsten angestochenen Geldflüsse auf. Wie die jüngsten, wenn auch per Volksentscheid gescheiterten Pläne, Heer und Sozialdienste per Bezahlung zu "professionalisieren". Nach wie vor wird Geld als politisches Lockmittel eingesetzt.

Vermutlich, weil es funktioniert. Zumindest denkt die Politik so. Und den Leuten muß es nur gutgehen, man versucht nach wie vor, ihnen noch mehr Lebensmühen aus dem Weg zu räumen, das sei dann Politik. Hinter uns die Sintflut, juchheeee! Und überhaupt, jetzt samma gegen die EU, raunzelt es am Stammtisch und in den Internetforen, gegen diese Gauner dorten, diese dreckaten, die uns des Wossa a nu nemma woin. Und vor zwanzig Jahren waren dieselben Leute dafür, weil's endlich billigere Schnitzerl und Sony-Kameras und fünfzig Schilling pro Hektar Stauflußprämie geben wird. Mama, den neuen Honda bestell ma schon mal, gell?

Hört's ma do auf. Und pockt's Eich z'samm, Bagage ... selber verschuldet, jetzt badet's den Dreck auch aus. Und zahlt's Eure Rechnungen. Mit Zins und Zinseszinsen. Mit jedem Liter Wasser.

Dessen wahre Kosten Euch bald wer zeigen wird. Aber gehören, gehören tut es Euch schon lang nimmer. Los, raus mit den Daten, Gemeinden, Städte, Großstädte, Karten auf den Tisch! Wem gehört denn das Wasser in Eurer Gemeinde derzeit? Der Allgemeinheit? Darf man lachen?





*Auch der Verfasser dieser Zielen besaß seinerzeit einen um gutes Geld errichteten, hervorragenden Hausbrunnen, der selbst bei langanhaltender Trockenheit kühlstes Naß auch für den verhutzelten Baum im Garten lieferte. Ehe die Gemeinde kam und die Wasserleitung, per Zentralversorgung innerhalb eines Gemeindeverbundes, denn sonst rechnete sich dieser nicht, per Zwangsanschluß verlegte. Und noch einmal so viel Geld verlangte, wie der Brunnen bereits gekostet hatte. Fazit? Hunderte Einfamilienhäuser dieses Ortsteils waren fortan tributpflichtig und abhängig, die zwanzig Meter unter ihren Füßen das Wasser hätten. Von dem sie aber nicht mehr nehmen durften. Dafür - eiderdautz - kann es schon mal zu Entnahmelimitierungen kommen. Weil ab sofort gilt der Durchschnitt.




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Ein Wunder

Am besten vor Überwachung schützt noch immer die Inkompetenz der Überwacher. Eine knackige Kernaussage, die am Schluß des letzten Kongreß des Chaos-Computer-Clubs in Hamburg stand. Der Artikel, den die FAZ dazu verfaßt hat, ist lesenswert. Und er macht einerseits schmunzeln - die Sympathie des Verfassers dieser Zeilen für Anarchisten, solange sie sich nicht selbst zu ernst nehmen, ist ja den Lesern dieses Blog vertraut - anderseits steigen die Grausbirnen auf. 

Die Grunderkenntnis ist aber wie überall dieselbe: Die Inkompetenz der meisten Menschen (wenn nicht aller), die überhaupt einen Beruf ausüben, ist fast nicht glaublich. Auch im Computerwesen ist es nicht anders wie sonstwo im Alltag, auch da wissen nur die Allerwenigsten wenigstens annähernd, was sie überhaupt tun, das schreibt schon Joseph Weizenbaum. Sie tun es halt, so flott und fix wie eben möglich. Kaum eine Branche aber, die derartig überschätzt wird, könnte man sagen. Wäre es nicht in allen Branchen letztendlich so. Das "Können" hat noch nie die Welt zusammengehalten. Und gerade das wird heute am meisten geglaubt. Die Welt ist ein gigantisches Wunder. Alles andere anzunehmen ist pure Phantasterei. Denn mit jedem "da muß man" wird es nur noch schlimmer, statt besser. Auch das gilt für alle Lebensbereiche. Wenn die Vernunft fehlt, wird der Verstand zum Spaßclown.

Es ist sie Normalität, die Anständigkeit der meisten Menschen, und die meisten  Menschen sind anständig, und eigentlich alle wollen es sein, die die Computerwelt aufrechthält. Nicht umgekehrt, wie uns eingeredet wird. Es sind die Menschen, die im Grunde wissen, was sie sollen und wollen und dürfen, nicht Softwarefinessen und Schutzeinrichtungen und Gesetzestechnizismen. Die Gefahr liegt lediglich darin, sie zu ernst zu nehmen, diese Kunstwelt. Denn tun wir das, durch hirnrissige Gesetzesbindungen, durch Aufwertung inkompetenter Gesetzgeber*, ist erst das Feld für wirklich Bösartiges eröffnet. Nichts und niemand in der Welt vermag aber eine Computerwelt zu errichten, die das einlöst, was wir ihr im Wahn zumessen.

Dilettantische Polizeiüberwacher, die gar nicht in der Lage sind, den Datensalat, den sie geliefert bekommen oder generieren, zu ordnen, schon gar nach Gesetzesrelevanz zu bewerten, oder Privates punktuell  zu löschen. Software- oder Hardware-Sicherheitsbarrieren, die von jedem, der sich auch nur oberflächlich damit befaßt, mit wenigen Handgriffen auszuhebeln sind. Einkaufsvernetzungen und Zahlvorgänge, die grotesk unsicher sind. Im Ganzen noch dazu - ein fast rechtsfreier Raum, weil niemand die Relevanz der Dinge beurteilen kann, mit denen die ganze Computerwelt unsren Alltag bis in den letzten Klowinkel verfolgt - niemand weiß, was er da tut, wie es sich insgesamt auswirkt, was die Software und die Vernetzung tut oder kann. Und was für Informationen es überhaupt sind, die da ermittelt werden. Nicht quantitativ, sondern was welche Daten überhaupt aussagen. 

In einem Berufs- und Geschäftsfeld, wo (auch aus persönlicher Erfahrung des Verfassers dieser Zeilen) Experten herumlaufen, die gerade einmal in der Lage sind, simple Kaufprogramme in Teilen zu bedienen, aber denen es unmöglich ist, zu sagen, was sie überhaupt da tun - außer, daß dies oder das "funktioniert." Und so "funktioniert" unsere schöne brave Computerwelt gerade mal hier und dort, für Teilabläufe, vielleicht, bis zum nächsten Absturz. Aber sie ist in einem Ausmaß sinnlos, daß man nur fordern sollte, den berühmten Generalstecker zu ziehen, damit der Spuk vorüber ist. Niemandem würde etwas fehlen, wahrscheinlich würde es auch niemand merken. Und alle würden staunen, wie viel Wirklichkeit in den aufgewachten Menschen wieder aufsteht. Dann, wenn die künstlichen Regeln, die uns längst wie eine Geisteskrankheit bis in die letzten Winkeln nachgekrochen sind und uns umfangen, endlich außer Betrieb sind.

Denn zum einen liegt es eben im Wesen des Menschen, weist auf seine Grundorientierung zum Logos selbst hin, zum anderen ist es ein Schlüssel zum Verständnis dieser Zeit: Daß wir mit den Instrumenten, die wir Denken nennen, das erfüllen, was als Zu-Denkendes Gleichförmigkeit mit diesem zu Denkenden gebietet. Ein Zirkel, in den uns der Rationalismus zunehmend eingesperrt hat, den nur Transzendenz zu durchbrechen vermag. Bleibt unser Denken immanentistisch, spiegelt es in einem immer wahnwitzigeren Spiralrausch nur noch sich selbst, nicht mehr die Welt. Wir tragen unsere Gefängnisse in uns, und glotzen durch die Gitterstäbe mit verwundertem Blick auf die Wüsten der Welt, die von plündernden Räubern durchstreift werden, die wir aber ... einander geworden sind.

Das entspannt einerseits sogar, und man sollte es sich immer wieder einmal vor Augen führen, um sich vor dem Phantom, das über unserem Leben lastet, nicht über das notwendige Maß hinaus zu fürchten. Freilich, anderseits macht es die Sache erst recht gefährlich.





*Und diese Gefahr ist mehr als real, denn den offiziellen Eliten unserer heutigen Gesellschaften zu trauen wäre längst der größte Fehler, das ist endgültig vorbei. Legitimität wird zum Grundproblem aller politischen Systeme. Das wissen die Eliten, alle Systemprofiteure, und aus diesem Grund alleine ist ein ausufernder Gewaltapparat zu verstehen, der das System zusammenhalten, seine Klammern neuer Mythologien einzementieren soll.




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Kunst und Kunstbetrieb




Gefunden auf this_isn't_happiness
Milton Glaser





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Freitag, 25. Januar 2013

Strömungsrichtung

Es sei auch das hier protokolliert: Da fordert ein Professor der Universität Graz, daß zu überlegen sei, ob nicht Leugner des Klimawandels sowie Gegner der Empfängnisverhütung (aus Gründen der Aids-Verbreitung) per Todesstrafe zu eliminieren seien.* Der Artikel wird auf dem Uni-Server veröffentlicht.

Richard Parncutt, gebürtiger Australier und Professor für systematische Musikwissenschaft, hatte darin zur Diskussion gestellt, ob nicht die Todesstrafe ab einer gewissen Größenordnung der potenziell letal Geschädigten angemessen sei. Primär zielte der Professor auf Leugner des Klimawandels ab, doch wurden auch der Papst und seine Berater angeführt, zumal sie mit ihrer Haltung zur Kontrazeption an Millionen Aids-Toten mit schuldig seien.

Ganz gewiß Zufall und Einzelmeinung.Außerdem: Ein Musikpädagoge? Da kann der Wahn schon mal zupacken. Im Jänner werde mit dem Dozenten gesprochen, so die Uni Graz.



*Im Gegensatz zu landläufigen Publikationen ist die Tatsache, daß da vor allem auch der Papst gemeint sei, wenig relevant.



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Beichtruhm

Als Mönche im 16. Jhd. Polynesien besuchten, waren sie so überrascht von manchen der aufgefundenen religiösen Bräuche, daß sie annahmen, sie müßten vom Heiligen Apostel Thomas hierher gebracht worden sein - denn sie waren den katholischen verblüffend ähnlich. Diese an sich niedrigen Kulturen hatten sogar eine der Beichte völlig gleichen Praxis der Entschuldung und Entsühnung. 

Dabei ging es nicht um "moralische" Prinzipien, sondern die Beichte war eine Form der Rechts- und Medizinpraxis. Denn Krankheit galt den Polynesiern als Besessenheit. Der Kranke samt seiner Familie wurde unter religiösen Zeremonien in ein Verhör genommen, wobei es sich wesentlich um die Frage handelte, ob er Tabuverletzungen begangen hatte. "Man beichtete ganz ehrlich, widerrief ausgesprochene Flüche, gab dem Priester Sühnegeschenke, die er verlangte." 

Aus Peru  liegen ähnliche frühe Berichte vor. Dort hatte die Beichte freilich ausgeprägte politische Zielsetzungen. Fielen Lebenswandel oder Sonderbarkeiten wie Zwillingsgeburten auf, wurde der "Täter" ins Verhör genommen und untersucht, ob er gegen die Staatsordnung verstoßen hatte. Ein Zufallsorakel entschied über die Absolution.

In Mexiko sowie einigen verwandten Völkern gab es die Institution einer freiwilligen Generalbeichte, die sich an den Gott des Gerichts, aber auch an die Göttin der Lust richtete. Unter einem Wahrheitseid wurde dann ein Geständnis der Vergehen abgelegt, worauf der Priester die Bus- und Marterübungen bestimmte. Weil sie von so großem Gewicht war, und nur einmal abgelegt werden konnte, verschoben viele Mexikaner sie so lange es nur ging, bis ins hohe Alter. Denn dann blieb sie in ihren Elementen für immer gültig, Rückfälle konnten nicht mehr gesühnt werden. Zugleich entzog man sich damit aber auch der gesetzlichen Verfolgung, denn die Beichte stand höher.

Aber auch von den höher entwickelten Persern (siehe das Avesta) und Israeliten (Altes Testament) sind ja ähnliche Einrichtungen bekannt, nicht anders als bei den Assyrern, wo es sich bald in der Form von Chroniken findet. Aber als tief religiöse Grundfunktion, die im Bekennen bis hin zum Topos des Gottesknechts geht, der stellvertretenden Sühne des Königs, des von Gott auserwählten Priesters (in seiner ursprünglichen Nähe und Ineinsfall zum König), die dann aus dem Judentum (Psalmen!) heraus im Christentum endgültige, reale Heilsgestalt annimmt.

Sogar bei den Ägyptern sind Sündenbekenntnisse in schriftlicher Form als Grabbeigaben bekannt. Sie sollten den Weg  nach Westen öffnen, und wurden an die Stelle des Herzens gelegt. Das Herz sollte nicht gegen die Rettung selbst Zeugnis ablegen, und tauchte sich deshalb ganz in Wahrheit: als jemand mit reinem Mund und reinen Händen trat er vor das jenseitige Gericht. 

Ähnliche Praxis ist von den Griechen bekannt, und lebt in den Grabinschriften in leisen Resten sogar bis heute. Aber bei den Griechen entwickelte es sich zur wirklichen Selbstreflexion. Georg Misch führt das in seinem vergessenen Monumentalwerk "Geschichte der Autobiographie" als frühe Formen der Bekenntnisse in der autobiographischen Literatur an, in deren Tradition damit sogar des Hl. Augustinus "Confessiones" keineswegs so außergewöhnlich erscheinen, wie oft angenommen wird. 

Das Bekenntnis (und sei es in der erstmals in Ässur auftauchenden Ruhmestafel) wurde in dieser Reinheit zu einem Reden Gottes über den betreffenden Menschen. Man würde also auch Ruhmesberichte dieser Art völlig mißverstehen: sie kommen nicht aus einem gefestigten, protzigen Selbstbewußtsein, sondern zum Gegenteil, aus dem Ringen um Rechtfertigung.* Denn je größer die Macht, desto größer die Relevanz vor Gott. Wer Feinde besiegte, besiegte ja die Feinde des Gottes! Und DARIN lag der Erweis der Rechtfertigung des Herrschergeschlechts, in welcher sich eine gewisse Bandbreite in der Ineinsetzung Herrscher, Macht und Gott verstehen läßt. Keine größere Katastrophe für einen Staat, wenn das Volk von der Religion abfiel.





*Das macht noch heute die "gute Nachrede" zu einem Gebet vor Gott: Er möge dem Toten seine guten Taten anrechnen, alles Schlechte vergessen.




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Donnerstag, 24. Januar 2013

Andere Affektziele

Eine Untersuchung an der Art der Bekleidung in virtuellen Welten ("second life") brachte zutage, daß Frauen ihre "Traumfiguren" (Avatare) deutlich hautzeigefreudiger orientieren, als Männer. Ihre Avatare sind signifikant weniger bekleidet, als die der Männer, Frauen zeigen in allen Fällen mehr Haut. Das ändert sich nämlich auch dann nicht, wenn (und das sind immerhin noch 25 % der Figuren von "second life") man davon ausgeht, daß die Spieler in der Virtualität das zu ihrer realen Natur gegenteilige Geschlecht wählen: Die Geschlechterdifferenz bleibt. Männer, die Frauen wählen, bekleiden sie deutlich mehr, als Frauen, die Männer wählen. Und es ist auch dann nicht anders, wenn sich die Avatare an Vorbildern aus Science Fiction-Filmen orientieren (wie Star Wars), Frauen kleiden selbst innerhalb dieser Vorbildwelten ihre Figuren leichter.

Von den Männern kleideten sich 71 Prozent so, dass 75 bis 100 Prozent der Haut bedeckt waren, bei den Frauen taten das nur fünf Prozent; 47 Prozent von ihnen hatten nur 25 bis 49 Prozent der Haut bedeckt, bei den Männern neun.

Dabei haben diese Bekleidungstendenzen auch keinen (statistisch) erkennbaren Zusammenhang mit der Wahl anderer sexueller Reize, wie männlicher Schultern, oder weiblich-runder Hüften. Selbst weniger weibliche Rundungen werden von Frauen freizügig-sparsam bekleidet, bzw. auch deutliche männliche Merkmale von Männern hinter Gewändern verborgen. 

Worin man ein Indiz dafür sehen könnte, daß Mann und Frau auf jeweils andere Affekte und Ergänzungen ausgerichtet sind. In ihrem Selbstsein je anderes Bedürfen im anderen Geschlecht abdecken, als Einander-sein. Der Mann gibt in seinem In-der-Welt-stehen kulturbezogene Identität, die Frau bindet ihn in der Hingabe und nimmt so über ihn an der Welt teil.





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Meeresbusen Atlantik

Die Bewegung des Meeres, schreibt H. G. Darwin in seinem Klassiker der Wissenschaftsliteratur "Ebbe und Flut", muß als eine globale Bewegung eines erdumspannenden Ozeans gesehen werden. Dann kann man es in Grundzügen verstehen. Das durch die unzähligen Interaktionen von Masse, Anziehung von Sonne und Mond (samt den Differenzen die sich aus dem unterschiedlichen Stand der Gestirne ergeben), Meerestiefe und Erdumdrehung im wesentlichen als Welle betrachtet werden kann. 

Es im Ganzen jemals vorhersagen zu können hält Darwin aber prinzipiell für höchst unwahrscheinlich. Im Einzelnen läßt sich Wellenverhalten zwar sehr genau studieren, aber in den zahllosen Wechselbeziehungen, denen das Meer unterliegt, ist es nicht präzise erfaßbar.

Im Rahmen dieser Bewegung kann man den Atlantik wie einen Meerbusen sehen, der durch eine Wellen-Hauptbewegung von Süden nach Norden, die nach Westen (durch die Erdumdrehung, zugleich die Hauptwelle der Erdmeere) abgelenkt ist, gekennzeichnet ist. Im Wesentlichen dabei bestimmt durch das Geschehen im Indischen Ozean, von wo das Meer zwischen Afrika und Antarktis durchgedrängt wird. 

Ohne daraus alleine die Unterschiede in den Gezeiten selbst ausreichend erklären zu können, zu denen zahllose weitere Faktoren in Interaktion erklärend hinzugezogen werden müssen, ohne sie je wirklich im Allgemeinen vorhersagen zu können. Vom Druck der Luftsäule, der beträchtlich ist und im kleinsten Raum beträchtlich schwanken kann, damit selbst wieder interagierende Wellen auslöst, über Erdbewegungen selbst, den Gestirnen (Sonne und Mond in Wechselwirkung) bis zu Schiffen als Wellenemittenten, Temperaturen, Wetter (das aber auch vom Meer selbst ausgeht), das ständige Beben und Bewegen der Erdkruste, sehr stark geprägt vom unterschiedlichen Wellenverhalten im Zusammenhang mit der Wassertiefe, mit Rückwirkungen, Abschwächungen wie Interferenzen und Steigerungen, nicht zuletzt durch Flüsse (Regenfälle, Verdunstung, oder Schneeschmelzen) ... *

Aber selbst das "Taumeln" der Erdachse - selbst wenn es nur einige Meter sind - verursacht ein periodisches Schwanken (ca. 430-Tage-Rhythmus) des Wassers der Meere. Und was ist mit den Breitenschwankungen, wo sich der nördlichste wie südlichste Punkt der Landmasse der Erde jährlich um 180 cm hin- und herverschiebt? Das Meer ist überhaupt am besten als ständig oszillierender Geleekörper vorstellbar, in dem wiederum selbst unterschiedliche Gelees und Zustände zueinander reagieren und ihr Gleichgewicht (!) um die ruhende Mitte im Kleinen wie im Großen suchen.** Als Flüssigkeit, die sich in ihrem Verhalten "gegen" das feste Land der Erdkruste in Interaktion bewegt. Im Fall der Erde elastisch, aber in ihrer Härte dem Verhalten einer Stahlkugel vergleichbar, das doch im Innerern ... eine Flüssigkeit enthält, die ebenfalls periodischen Einflüssen unterliegt.

Und das alles noch ungeachtet der Bedeutung, die die Nähe der Planeten zur Erde auf Wasserstand und Wellenverhalten (und Erdrotation) hat.

Zu komplex sind aber die physikalischen Interaktionen von Wellen, um den Meeresstand im Einzelfall vorhersagbar zu machen. Sie sind als kritische Systeme (mathematisch) am ehesten beschreibbar: Im Einzelnen unvorhersagbar, in der ereignisbezogen beschreibenden Gesamt-Wahrscheinlichkeit aber dennoch exakt. Das einzige, was sich noch verlässlich sagen läßt, ist also eine gewisse Konstanz der Erscheinungen über je lange oder kürzere Zeiträume gesehen.

Am zuverlässigsten sind solche Wasserstandsvorhersagen noch rein lokal begrenzt möglich, insofern sie in langen Beobachtungszeiträumen sogar Zusammenhänge (in begrenztem Rahmen) erkennbar machen können. Wasserstandsvorhersagen für einen bestimmten Hafen unter bestimmten "alltäglichen" Wirkfaktoren also (Mond- und Sonnenstand wie -entfernung, in Interaktion, immerhin bringt die Sonne ja die halbe Wirkkraft des Mondes auf die Waage, sodaß hier zwei Wellen unerschiedlicher Länge interagieren, dazu den Wind***) sind recht präzise möglich. 

Ohne daß dies für jeden Einzelfall verbindlich - weil nur als Wahrscheinlichkeit - gelten kann. Zumal sie sich durch lokale Faktoren (Veränderungen durch Bildung von Sandbänken, auch oft kleinsten Ausmaßes, von Erscheinungen in Zusammenhang von Flüssen, die ja selbst wiederum Wellengeschehen sind, usw. usf.) historisch ständig ändern. Was außerdem an einem Ort wichtig ist, kann an einem anderen völlig unbedeutend sein.





*Die Welt ist ein unendlich komplexes Ineinander, wo alles auf alles wirkt, und aufeinander einwirkt und Reaktion hervorruft. Nichts, wirklich nichts bleibt ohne Folgen, nichts bleibt ohne Gegenwirkung, und so gut wie nie sind direkte Zusammenhänge präzise abgrenzbar, und ganz sicher nicht in seinem globalen Wirkfeld.

**Der Verfasser dieser Zeilen macht keinen Hehl daraus, daß er Aussagen wie "Satelliten messen: Der Meeresstand ist um 14 Millimeter gestiegen" für Plappereien Geisteskranker oder/und charakterloser Geschöpfe hält. Solche Aussagen - und schon gar über Ursache-Wirkungs-Verhältnisse - sind praktisch überhaupt nicht machbar, weil solche Veränderungen nur über sehr (!) lange Zeiträume möglich wären - wenn überhaupt. Das Meer ist viel zu "instabil", veränderlich, von zahllosen Faktoren und unabgrenzbaren Wechselwirkungen geprägt, um es absolut "messen" zu können. Es ist mehr als eine ungefähre Metapher, wenn es als "unausmeßbar" gilt. Und es ist mehr als verständlich, wenn es als "personaler Organismus" gesehen wurde und wird - denn es wird von einem Geheimnis regiert, wie eine Analogie zur Person. Und "Geheimnis" heißt nicht: "Was wir eben noch nicht wissen". Sondern was wir prinzipiell nicht rational erfassen KÖNNEN.

Es ist also höchste Skepsis angebracht, was denn auch ein Satellit, der seit relativ kurzer Zeit "mißt", überhaupt an Aussage liefern kann. Wenn, sind seine Daten bestenfalls in ihren Bezügen relative Werte. Wie extrem gerade bei Wetter- und Klimabeobachtungen die Mikrobedingungen prägen, was "gemessen" wird, zeigt eine Auseinandersetzung der jüngsten Zeit, wo plötzlich Meldungen auftauchen, daß die Westantarktis sich viel rascher erwärme, als bisher angenommen. Nähere Untersuchungen haben ergeben, daß die Meßdatenreihen solche Aussagen gar nicht zulassen, weil die Meßdaten selbst manipuliert wurden. Und zwar durch einerseits Ergänzungen aus bereits vorliegenden Daten - eine Meßstation wurde nämlich über einen größeren Zeitraum aufgegeben, andere mehrmals versetzt. Aber schon eine Erhöhung des Schnees rund um so eine Meßstation um wenige Meter ergibt völlig andere Werte. Singer u. a. weisen in ihren Publikationen nach, daß schon bei oberflächlicher Betrachtung offensichtlich veränderte Mikrobedingungen mindestens ein Drittel der Meßstationen weltweit nicht mehr herangezogen werden dürften, weil sich ihre Umgebungsbedingungen dramatisch verändert haben (vor allem durch das Ausweiten des bebauten Gebietes). Weil aber defacto Aussagen über Klimaveränderungen nur aus relativen Bezügen möglich sind, ist z. B. ein Methodenwechsel bei den Meßmethoden (z. B. Einbeziehung von Satellitendaten) nicht erweiternd, sondern der Beginn einer neuen Meßreihe, deren Inhalte über lange Zeiträume vielleicht Daten liefern können. Aber keinen absoluten Vergleich möglich machen. 

Wenn es also wie gleichfalls jüngst - natürlich, wie sonst, anläßlich der Klimakonferenz in Doha - Satellitenvermessungen des arktischen Eises belegten, daß das Eis dort viel rascher schmölze, als bisher angenommen, so werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Satellitenmessungen unter denselben Bedingungen wie heute (!) hätten dazu schon vor vielen Jahren begonnen werden  müssen. Wissenschaftlich sind solche Aussage also keinesfalls haltbar. Sie sind reine PR-Lüge. Von ihrem Stellenwert im Rahmen einer "Weltklima-Messung" gar nicht zu reden. 

***Die Planeten nicht gerechnet, denn immerhin stehen sie in einem Gegenkräftefeld analog zu dem, das sie in Umlaufbahn hält, auf jeden Fall also wirken auch sie auf die Wellenbildung im Meer. Darwin rechnet sie (ohne Anspruch auf Stichhaltigkeit) in Summe auf etwa die Kraft der Sonne hoch.



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Mittwoch, 23. Januar 2013

Selbstläufer

"Ich habe es so satt, ein einer Welt zu leben, wo man die Miete erhöht, weil sich die Mieten erhöhen. Wo man die Preise erhöht, weil die Lohnkosten steigen, weil man die Gehälter erhöht, weil die Preise steigen."



R. Steigwasser in einem Interview, 
über sein freiwillig gewähltes Exil




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Weiche Erde

Um zu überprüfen, ob die Anziehungskraft des Mondes auch die Erdkruste verformt - Untersuchungen im Rahmen der Frage nach der Entstehung von Ebbe und Flut - baute G. H. Darwin (mit dem Evolutionstheoretiker weder verwandt noch verschwägert) zusammen mit seinem Bruder Horace einen komplexen Apparat. Das sogenannte "Bivilarpendel", in Kombination mit einem Licht- und Spiegelsystem, konnte selbst kleinste Deformationen aufzeigen. 

Das Lot mußte ja, bei Deformation der Erdkruste je nach Mondstand, aus dem Mittel wandern.

Die Aufhängevorrichtung wurde auf einem gewaltigen Betonsockel von mehreren Metern Mächtigkeit angebracht, um Schwingungen aus Umgebungsbewegungen abzuwehren.

Bei den ersten Messungen stellten die beiden aber fest, daß die Pendelbewegungen äußerst ungleichmäßig stattfanden, und keine zuverlässige Aussage zuließen. Durch Zufall entdeckten sie schließlich Zusammenhänge, die sie überraschten: Der Ort, an dem sie selbst während der Beobachtungen standen, hatte auf die Lotbewegungen Einfluß. Bis sie auch diese Beobachtung systematisierten, und die Entdeckung machten, daß ihr im Vergleich mit der Sockelmasse lächerliches Gewicht ... den (natürlichen) Boden verformte, auf dem sie standen. Und so Sockel samt Pendel (zusätzlich zu übrigen Faktoren) aus dem Lot brachte.




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Araber wollen keine Wüste

Vielleicht also kann man dem "arabischen Frühling", den die bis zur Debilität vertrottelte westliche Medienlandschaft ausrief, doch noch eine gute Seite abgewinnen. Denn am Beispiel Ägypten zeigt sich etwas: Das Land wählte mit überwältigender Mehrheit eine religiöse Rechtsordnung zur Grundlage ihrer Lebensführung. 

Die Internetgesellschaft erwies sich also nun als das, was sie ist. Als inhaltsleeres nützliches Idiotentum. Insofern steckt hinter dem leeren Geplappere von "Basisdemokratie" (und wie immer man es nennt) eine gehörige Portion Wahrheit. Denn die völlige Devastierung der Gesellschaftsordnung, die die Technisierung der individuellen Willkür öffnet, bewirkt das breite Aufbrechen chthonischer Bedürfnisse. Und die sind Form und Gestaltwille.

Wenn auch nur ein Drittel der Ägypter zur Abstimmung ging, so spricht dies sogar für eine noch viel breitere Akzeptanz der Sharia als die 64 % Quote der Gewinner aussagt. Denn die Internetgesellschaft der Moderne, die sich hinter dem Nebelwort "Demokratie" einfand, und dabei eigentlich nur eines will, und das aggressiv: daß jede Lebensführung überhaupt aufhöre, weil alle Dinge Mühe bedeuten, ging sicher geschlossen zur Wahl, zum einen. Zum anderen ist genau deshalb Demokratie heutigen Zuschnitts auch bei uns zunehmend reiner Positivismus, Instrument der rationalistischen Veränderungskräfte des Volkswillens, nicht dessen Ausdruck. Die westliche Demokratie tendiert also aus sich heraus zur Selbstauflösung. 

Wie Brinton Crane es aus der Analyse der Revolutionen richtig für alle Revolutionen vorhersagt: Alle enden an ihrem verschärften Ausgangspunkt. Die überwältigende Mehrheit eines Volkes will nie eine Änderung. Bestenfalls die eine oder andere Korrektur, sonst aber einfach in Ruhe leben, arbeiten, heiraten, Kinder gebären, ihr Haus bauen, einen Baum pflanzen, feiern und trauern, lachen und weinen, und sterben.

Wer sein Leben solide und in Verwurzelung führt hat deshalb ohnehin immer nur sehr begrenzt Verständnis dafür, das Bestehende auch erkämpfen zu sollen. Er versteht nicht, warum er alle fünf Jahre wieder und wieder dasselbe zum Ausdruck bringen muß, das er doch bereits ausgedrückt hat. Sein Wort ändert sich nicht je nach Windrichtung und Sonderangebot. Er will tendentiell einfach Ruhe, weil er weiß, daß die Welt in sich ruht. Insofern können die islamistischen Kräfte in sämtlichen dieser Länder in aller Ruhe warte, bis ihnen die Früchte in den Schoß fallen. Die säkulare, technizistische Gesellschaft des Westens, die sich selbst verblendet hat und nicht mehr weiß, wovon sie in ihrer Logorrhoe überhaupt noch redet, führt sich selbst ad absurdum, räumt sich selbst aus dem Weg. Der Kreis, in dem sie geht, endet dort, von wo er ausging: im Nichts.

Mit einer kleinen, aber feinen Unterscheidung: es sind nur die ehemals christlichen Kulturen der Welt, die in ihrem blinden Wahn ihre Selbstzerstörung so konsequent betreiben. Und dabei elegant ihre christlichen Brüder in Ländern wie Ägypten ans Messer liefern. Denn denen ist ihre Lebensführung nicht gleichgültig. Sie wollen aus der Wüste heraus, nicht in sie hinein, wie der Westen. "Nur Engländer lieben die Wüste," sagt König Fejsal zu T. E. Lawrence. Die Araber hassen sie. Weil sie sie kennen.



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