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Freitag, 31. Mai 2013

Wissenschaft und Klimaerwärmung

1. Im Jahre 1997 veöffentlichte der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung (WGBU) das Sondergutachten ''Klimaschutz'' (hier). In diesem heißt es auf S.8, Abschnitt 2.1, letzter Absatz: ''Wegen der hohen natürlichen Klimavariabilität ist es sehr schwierig nachzuweisen, ob der Mensch die beobachtete Klimaänderung mit verursacht hat''. Einen solchen Nachweis gibt es bis heute nicht.
 
2. Eine erste maßgebende, systematische Untersuchung von Temperaturreihen weltweit verstreuter Stationen wurde im Jahre 2003 veröffentlicht (hier). Im Ergebnisteil dieser Fachpublikation, die auch der Direktor des WBGU, Prof. Hans-Joachim Schellnhuber als Koautor zeichnete, ist unter (iii) nachzulesen: ''In der weit überwiegenden Anzahl aller Stationen konnten wir keine globale Erwärmung im 20. Jahrhundert auffinden''. 

3. Im Jahre 2011 erschienen zeitgleich zwei weitere Studien, die erste von der US Universität Berkeley mit den Autoren R. Muller et al. (hier), die zweite von den EIKE-Autoren Lüdecke, Link, Ewert (hier). Das wichtigste Ergebnis der Berkeley Studie war, dass ein Viertel aller Temperaturreihen weltweit im 20. Jahrhundert Abkühlung zeigen. 


Aus EIKE vom 29. Mai 2013




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Warten auf die Wunderwaffen

Was die Energiewende mit dem Hitlerismus gemeinsam hat? Etwas ganz Auffälliges. So offensichtlich, daß es eben niemandem auffällt: Es ist das Warten auf die Wunderwaffen. Kaum ein Regime hat so davon gelebt, daß es darauf hoffte, daß die Techniker und Ingenieure alle Probleme lösen würden. Während die Gegenwart in Schutt und Asche sank, hofften die Menschen, aufgeputscht von den Politikern, deren politisches Überleben davon abhing, wie der Hitlerismus.

War die Schimäre der damaligen Zeit, der lebensbedrohliche Gegner, das Weltjudentum, so ist es heute der Klimawandel. Ihn zu bekämpfen wird keine Anstrengung gescheut, er ist das Leitziel, dem alles unterzuordnen ist, dem der totale Staat zu dienen hat, um eines größeren, um eines einzigen Zieles willen: dem des Überlebens.

Weil sich aber Schimären nie bekämpfen lassen, weil es sie nicht gibt, kann es auch keine "Lösungen" geben. Aber es gibt Phantasiemaschinen und -apparaturen, die zu errichten keine Mühen und Kosten gescheut werden. Säcke, in denen das Licht eingefangen werden soll.

Kraftwerke, die ein zweites Kraftwerk brauchen, damit aus dem ersten Strom herauskommt. (Weshalb sich der Strompreis natürlich verdoppelt.)

Und es braucht den Glauben an die Wunderwaffen. Es braucht die Ingenieure und Politiker, die immer wieder auftauchen und von neuen Lösungen sprechen, die nur noch perfektioniert werden müssen, dann seien sie Lösungen. Produktion von Stickstoff durch Windräder, der dann Turbinen antreibt, die Strom erzeugen. Energietransformationen, technische Komplexe, die 80 % Wirkverlust haben, also viermal so viel Strom benötigen, als sie dann abgeben. Und es braucht die Medien, die immer wieder von einem "findigen Ingenieur" in Schottland berichten, einem cleveren Erfinder in Buxtehude, oder einem phantastischen Konzept in einem ehemaligen Bergwerksstollen in einem Seitental des Ennstales.

Durchhalten! Noch ein wenig zuwarten! Nur noch wenige Monate, Jahre, jeden Moment kann die Geniallösung passieren, mit der dann alle Probleme vom Tisch sind! Der Magier der Gegenwart, der Ingenieur, arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung, und er ist nahe dran! Ganz nahe dran! Haltet durch!


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Die Solarenergiebranche in Deutschland und Österreich ist bereits zusammengebrochen. Nicht einmal der vielgepriesene Beschäftigungseffekt, bei dem mit Steuergeldern künstliche Arbeitsplätze geschaffen wurden, blieb, das Geld ist wirkungslos verpufft. Solarpanele lassen sich in China oder Hongkong deutlich billiger herstellen. 100 Milliarden Euro wurden alleine in die Solarindustrie gepumpt. Gerade noch 8000 Arbeitnehmer weist die Branche mittlerweile auf, die Kollateralschäden der Firmenzusammenbrüche gar nicht zu rechnen.

Die Biospritbranche steht als nächste vor dem Kollaps. Soja- und Palmöl aus Argentinien, Malaysien und Indonesien kostet nur einen Bruchteil des Rapsöls aus deutschen Äckern, der noch dazu die Nachhaltigkeitskriterien nicht mehr erfüllt, weil seine globale Klimabilanz schwere Schlagseite hat. Weil diese Länder immer ausschließlicher nur für den EU-Raum Ölsaaten anbauen, gar ihre Urwälder dafür roden, um Geld zu verdienen, Wohlstand zu generieren, mit dem sie europäische Autos und amerikanische Unterhaltungselektronik kaufen können, und damit der Klimabilanz des europäischen Rapsanbaus zuzurechnen wären. Gleichzeitig müssen Futtermittel für die europäische Landwirtschaft zugekauft werden (was die nächste Forderung immer lauter macht: Reduktion des Fleischkonsums!), weil der inländische Raps (etc.) in die Ölmühlen wandert. Österreich ist erstmals seit vielen Jahrzehnten nicht mehr in der Lage, ausreichend Getreide für die Lebensmittel anzubauen, weil zu viel Getreide versprittet wird.


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Es ist wie der Blick in ein Irrenhaus, in das wir die Welt verwandelt haben.

Die wir aber noch retten, ganz sicher, eines Tages, vielleicht schon morgen, oder nächste Woche, oder nächstes. Mit einer neuen Wunderwaffe. Harret aus!





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Wo soll das hinführen?

Eine erschreckende Graphik, mit noch erschreckenderen politischen Implikationen.


Graphik aus The Wallstreet Journal





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Geist nur nicht-virtuell

Es gibt kein Seiendes (ein "Ding", als Objekt der Wahrnehmung, und nur dann ist es ein Ding) das nicht ein "was" wäre. Jedes Existierende ist zugleich sein Wie. Das ist nicht trennbar, so wie ein Spiegel nicht von seinem Gespiegelten trennbar ist, ja nur als Spiegelndes (eines Etwas) als Spiegel überhaupt erkennbar wird. Ein Spiegel, der nichts spiegelt, ist kein Spiegel. Ein Spiegel spiegelt immer, und immer ein etwas.

Jedes "Was" ist für das Erkennen ein "wirken wie", es ist also seine Wirklichkeit*. Nehmen wir eine Landschaft. Sie wirkt lieblich. Werden nun die Wälder niedergelegt, die Häuser abgerissen, eine Autobahn drübergepflastert, so ist es zwar noch "eine Landschaft", aber ihre Wirklichkeit ist ins Nichts gesunken, sie spiegelt nun eine andere Wirklichkeit: Kalt, öde, unwirtlich, was auch immer. Sie wirkt nun anders.

Dieses "wirken wie" ist nun nicht das Ergebnis eines Wahrnehmungsprozesses, sondern es ist das, was einen Wahrnehmungsprozeß überhaupt erst zu einem macht. Denn ohne ein "Etwas" - einem "wirken wie" zubezogen - würde dieses Etwas gar nicht ALS dieses Etwas erkennbar sein. Vereinfacht: Der Erkennende muß zuvor wissen, was dieses "Etwas" ist, er muß es haben sozusagen, um es dann der sinnlichen Aufnahme zuzuordnen: Dieses Etwas ist dort und dort vorhanden, es ist DA.

Darin  kann man sich in näheren Bestimmungen täuschen (dieses Gebilde dort "wirkt wie" ein Mensch- und es ist beim Näherkommen eine Vogelscheuche) - aber das ändert nichts am Umstand, daß zwar das Konkrete der Zeit (und Vergänglichkeit wie Zukünftigkeit) unterworfen ist, aber dieses "Etwas" an sich nicht. Dieses "Wirken wie" (ein Mensch, in dem Fall) ist zeitenthoben.

Aber es ist darin alleine noch nicht als ewig bestimmbar. Denn es ist zugleich nur "da", wenn es an ein Ding gebunden, wenn es "präsentisch" ist. Es hat als Alternative nur das Nichts. Aber es ist das Sein des Seienden, das im Seienden (das es ohne Sein nicht gibt) aufleuchtet - sich spiegelt. Das Sein-Denken ist also nicht identisch mit dem Denken des Gedankens des Seins. Es enthält das Sein selbst, das in ihm aufleuchtet, das aber nur in der Form des Gedankens am Sein teilhat.

Wenn wir eine Landschaft s. o. nun "nicht mehr so finden", so heißt das, daß der entsprechende Gedanke (als aktuelles Sein des Seienden) nicht mehr in uns ist. Es besteht keine Einheit mehr zwischen uns und dem einen Gefühl-von. Das Denken wird ein "Denken-über" (oder von). Wir erinnern uns vielleicht noch daran, aber seine Aktualität, sein actu ist weg. 

Wir können aber nur das Denken des Denkens denken, wenn das Gefühl aktuell in uns ist, denn in diesem Gefühl (man reinige den Begriff völlig von allem, was mit "Emotion" etc. etc. zu tun hat, deute ihn eher in Richtung "Intuition", zu der wir ja auch sagen: "Ich habe das Gefühl daß ...", beachte dabei aber den Bezug des Begriffs zum Tasten) ist dieses Sein selbst actu.** Und zwar "übergreifend", sowohl im Ding als auch im Rezipienten, weil es zum einen voraussetzt, was es zum anderen wahrnehmen läßt - es wird zum "im"-Geist-sein, aus dem es das Sein-Denken selbst IST.*** Leer dieses (nur aktuell möglichen) Gefühls erreichen wir den Gedanken selbst nicht mehr, er bleibt bloßer (als vom Gedanken getrennter Gedanke nachwehender) Spachabdruck, auf einer völlig anderen Zugangsebene.

Was Josef König in "Sein und Denken" so großartig analysiert (und nur sehr fragmentarisch darstellbar, will man es "vereinfachen", wie hier als Umlegen auf eher praktisch-begreifbarere Termini versucht, womit natürlich Vieles angreifbarer wird) bedeutet in ganz konkreter Folgerung nichts anderes, als daß das Sein in unserem Geist nicht über Virtualität eine "Denkens über" oder "Denken von" (etc.), über gedankliche Vorstellung, Selbsthervorrufung zu einem Geist des Seins gemacht werden kann.**** Es braucht die wirkliche (s. o.) Aktualität eines So-Seienden. Und das ist etwas völlig anderes als das Vorfinden von Gedanken über das Sein (etc.)***** 






*Das bedeutet (hinweisend) nichts anderes, als daß es kein Erkennen von Wirklichkeit gibt, das nicht Wesenserkenntnis - und DARIN (als sie selbst) Teilhabe am zu Erkennenden - ist. Und das ist in seiner Wirklichkeit etwas anderes als das bloße "Denken über" (etc.)

**Es gehört zu den schlimmsten und (aus nachvollziehbaren Gründen inmitten einer zerfallenden Welt der Dinglosigkeiten gerade!) heute geläufigsten Versuchungen - und hier wird nachvollziehbar (hoffentlich auch dem Leser) in welchen Zusammenhängen - dieses Gefühl des Aktuellen dieses Gefühls quasi hervorzurufen, uns selbst (und andere) damit über die Präsenz des Seins in uns (als unser Denken) zu täuschen. Denn diese Gefühle sind NICHT MACHBAR. Sie sind an die Aktualität und damit an Wahrhaftigkeit und Wahrheit des dinghaften Geschehens gebunden. Zumal diese Gefühle nicht "für sich" existieren, als Seiendes in der Welt und im Menschen vorhanden sind, also nicht sozusagen aus der konkreten wirklichen Welt herausgegriffen, für sich gestellt werden können. Es ist ein Selbstrettungsakt, der auf Gott gerichtet ist, indem er diesen "in seine Gewalt" bringen, präsent machen will.

***In diesem Sinn spricht man auch völlig richtig davon, daß jemand, der eine Überzeugung ändert, SICH ändert, sogar EIN ANDERER wird.

****König liefert an dieser Stelle also weiteren Unterbau zu dem, was hier immer wieder versucht wurde über das Wesen des Mediums "Internet"/social media zu beleuchten.

*****Damit sind wie erneut, und von einer anderen Seite, am Wesen des Sakraments - und allen Sinnrichtungen des Kultes im übrigen, die aber an genau dieser Wirklichkeit scheitern, der sie sich zu nähern versuchen, ohne sie je erreichen zu KÖNNEN - angelangt. In dem das Heil in Jesus Christus wirklich gegenwärtig und damit erst wirklich wirkend ist. Es kann auch deshalb nie "Methode" sein, denn die Methode simuliert Wirklichkeit, greift einen Ausschnitt aus ihr heraus, stellt ihn für sich, um eines bestimmten Wirkungseffekts willen.

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Donnerstag, 30. Mai 2013

Ein erster Schritt

Es ist vielleicht ein erster Schritt, der den Wahn um "Erneuerbare Energie" in erste Schranken weist, nicht mehr, und wird nur die schlimmsten Auswüchse verhindern. Wenn. Niederösterreich hat nun beschlossen, daß Windräder nur noch in ausgewiesen dafür gewidmeten Flächen gebaut werden dürfen. Der Wildwuchs, der das Land bereits schwer geschädigt hat, weil wahllos Windräder gebaut wurden, soll damit etwas eingedämmt werden.

In welchen Begriffsschwalben aber die Verantwortlichen bereits denken, zeigt, daß Landehauptmann Pröll davon spricht, daß der Weg in die Erneuerbaren Energien "irreversibel" sei. Mit dem Ziel, 50 % der Energie auf diese Weise zu gewinnen.

Das ist aber nur ein Indiz dafür, daß die Ankündigung auf Regelung des Ausbaus der Erneuerbaren (Wind) nicht viel mehr als populistischer Wind selbst ist, der die Mühlen der Politik betreiben soll. Praktisch wird das nicht viel heißen, soll nur den immer breiter werdenden Widerstand gegen Windräder kanalisieren. Solche Ankündigungen bedeuten in der Regel nicht mehr als daß der rhetorische Aufwand steigt, mit dem unverändertes Tun gedeckt wird, erkennbar daran, daß der PR-Aufwand der Politik seit Jahrzehnten kontinuierlich steigt. Aber das ist ein anderes Thema.

Vielmehr soll es um das Wort "irreversibel" gehen. Denn eine Stromerzeugung, das eine eigene zweite Stromerzeugung (nämlich die herkömmliche) braucht, um Stromversorgung vorgeben zu können, ist nur in einem Punkt irreversibel: in den schweren Schäden, die es dem Selbstbegreifen der Menschen zufügt, weil es ihre Lebensumgebung zerstört.

Von der gar nicht glaublichen Schildbürgerei dieses ganzen Projekts gar nicht zu reden.




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Verarmung durch Zweck

Der Hauptfeind der Biene ist nicht die Industrie oder die Umweltverschmutzung, titelt ein Bericht im Standard. Der aufgreift, daß die Biene stark bedroht ist. Gerade im letzten Winter sind neuerlich ein Viertel der Bienenvölker eingegangen. Doch die wahren Gründe hören Imker nicht gerne, und erzählen sie noch weniger gern weiter. Ausgerechnet Bienenverbände zerreden und diffamieren die eigentlichen Erkenntnisse über die Gründe für das Bienensterben.

Denn der eigentliche Grund ist eine jahrhundertelange Zuchtpolitik, die Bienenvölker vor allem unter den Gesichtspunkten der Ertragssteigerung und der leichteren, bequemeren Handhabung züchtete, zweckoptomierte, technisierte. Dadurch entstand eine Verarmung der Variabilitäten. Die heutigen Bienenvölker sind domestizierte Tiere, die, durch Inzucht sortenrein gehalten, oft nicht mehr in der Lage sind, ohne menschliche Hilfe zu bestehen, und deren Widerstands- und Anpassungsfähigkeit nicht mehr ausreicht, sich auf Umweltveränderungen einzustellen.

Der Einsatz von Giften sowie Antibiotika bei Bienen hat ein komplexes Ursache-Wirkgefüge ausgelöst. Fachleuten nach, ist die Anfälligkeit der Biene für die Varroa-Milbe selbst Resultat komplexer Wechselwirkungen, wo eine fatale Schwäche der Immunreaktionen bei Bienen auf eine Varroa trifft, bei der Bienenschutzchemie in Reaktion mit übriger landwirtschaftlicher Chemie wirkungslos wurde.*

Und man lernt nicht dazu. Denn schon in den 1920er Jahren kam es in England durch das Auftreten einer Milbenart zum Aussterben von 90 Prozent des landesweiten Bestandes. Überlebt haben nur durch Einkreuzungen von Wildbienen resistentere Völker, u. a. im Kloster Buckfast. Aus diesen wurden dann jene Bienensorten gezüchtet, die die Bestände wieder ergänzen konnten.

Wenn es einen Ausweg aus der sehr realen Bedrohung der Biene gibt, dann nur durch Wiedereinkreuzung von Wildbienen. Es zeigt sich, daß weniger eingeschränkte, durch Züchtung auf spezielle Eigenschaften beschränkte Bienenvölker auch gegen die heutigen Bedrohungen bestehen können.


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Der Verfasser dieser Zeilen hat bei einem seiner Neffen nachgefragt, einem Pferde- und Bienenzüchter. Der hat diese Wirkung von zwei Seiten her bestätigt: Zum einen wurden immer erfolgreicher Bienenstämme gezüchtet, die sich defensiv und menschenfreundlich verhalten, und dabei hohe Erträge liefern. Anders, so der Mitbesitzer des Gestüts Riegersburg, würde die Bienenzucht auch nicht mehr akzeptiert - die Bevölkerung verlangt nach "nicht stechenden Bienen", sonst wehrt sie sich gegen das Aufstellen der Stöcke. Das hängt auch mit der Zunahme von Allergien zusammen, also mit der Schwächung des Immunsystems der Menschen selbst, die Bienenstiche immer häufiger lebensbedrohlich machen.

Mit Folgen. Denn diese gezähmten Bienenvölker reinigen ihre Stöcke kaum noch von den mit der Verroa-Milbe befallenen toten Leibern. Die über die Milbe bzw. aus ihr auch Sekundärinfektionen übertragen. Die hohe Anpassungsfähigkeit der Verroa-Milbe führt gleichzeitig zu einem Versagen der Gegenmittel, denn nach einem Jahr jeweils haben sich die Milben eingestellt. (Derzeit gilt Ameisensäure als einziges wirksames Mittel.)

Er selbst hielt lange Zeit auch alleine die Verroa-Milbe für den Schädling. Bis Untersuchungen gezeigt haben, daß viele Bienen durch Nervenschäden verendeten, deren Ursache die Pestizidrückstände anzeigten. Die über das Wasser, das die Bienen in den Blüten aufnehmen und zur Aufzucht der Brut in den Stock tragen, die Nachbrut schädigen. Diese verliert ihre Orientierungsfähigkeit, findet nach dem Ausflug nicht mehr zum Stock zurück, wenn sie nicht im Stock bereits, an Nervenschäden irre gemacht, verendet. Denn die Pestizide (Nicotinoide sowie Kautschuk als Beizmittel für Saatgut) wirken nervenschädigend. Das passiert schleichend, über die Jahre, weil es die Blutsubstanz schädigt. Wie in seinem Fall kann es also zu hohen Brutzahlen führen, die aber immer schwächer und immer schlechter versorgt werden, und damit zunehmend absterben.


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*Berichten nach treten seit 2007 die Probleme bei Bienenvölkern vor allem in der Nähe von Raps-, Mais- und Weizenfeldern auf. Dies sei einigen Ansichten nach vor allem in Zusammenhang mit dem Einsatz von Neonicotinoid-Pestiziden bei der Beizung des Saatgutes für die Monokulturen in Verbindung zu bringen.




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Aus dem Leben der Romni (7)


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Mittwoch, 29. Mai 2013

Eros des Landes

Die 20 Kandidatinnen für die Wahl der Narzissekönigin zum jährlichen Narzissenfest (2013 vom 30. Mai bis zum 3. Juni) in Bad Aussee (Steirisches Salzkammergut).

Bildrechte salzi.at

Dort traf 1819 der Erzherzog Johann 1819 die Postmeisterstochter Anna Plochl, und verliebte sich unsterblich in sie. Dem allseits beliebten und geschätzten, volksnahen Habsburger, in dessen Ahnenreihe sich die Geschichte ganz Europas wiederspiegelt, wurde 1848 von der Volksversammlung in der Paulskirche zum Reichsverweser für das Heilige Römische Reich gewählt, und damit zum ersten gesamtdeutschen Staatsoberhaupt, legte das Amt aber 1849 - und damit die erfolgen sollende Kaiserwürde für die "großdeutsche Lösung" (ein Deutsches Reich einschließlich Österreich), die dann endgültig aber an Preußen scheiterte - ab, wurde im Jahr darauf Bürgermeister der kleinen steirischen Gemeinde Stainz. Seine Frau und der zahlreiche Nachwuchs wurden als "von Meran" gegraft, mußten aber auf alle Thronrechte verzichten. Im Namen wurde an die in den Ahnen gegebenen Verbindung zu denen von Andechs Bezug genommen, die einst Küstenländer an der Adria mit diesem Namen besaßen (er stammt also nicht vom südtirolerischen Meran).

Mehr als drei Dutzend Lieder, darunter der Erzherzog-Johann-Jodler ("Wo i geh und steh ..."), wurden auf ihn gedichtet. Der auch erste Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der die Wissenschaften aus der Metternichschen Zensur herauslöste, liegt in Schenna in Südtirol begraben.







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Faszination Technik

Philips P 1400

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Wannen denn Erfolg kommt

"Was ist der Erfolg," läßt Thomas Mann in den Buddenbrooks Tom fragen? "Eine geheime, unbeschreibliche Kraft, Umsichtigkeit, Bereitschaft - das Bewußtsein, einen Druck auf die Bewegungen des Lebens um mich her durch mein bloßes Vorhandensein auszuüben. Der Glaube an die Gefügigkeit des Lebens zu meinen Gunsten ... Glück und Erfolg sind in uns. Wir müssen sie halten: fest, tief. Sowie hier drinnen etwas nachzulassen beginnt, sich abzuspannen, müde zu werden, alsbald wird alles frei um uns herum, widerstrebt, rebelliert, entzieht sich unserem Einfluß. Dann ist man fertig."

Später fügt Thomas Buddenbrook hinzu: "Ich weiß, daß oft die äußeren, sichtbarlichen und greifbaren Zeichen und Symbole des Glückes und Aufstieges erst erscheinen, wenn die Wahrheit alles schon wieder abwärts geht. Die äußeren Zeichen brauchen Zeit, anzukommen, wie das Licht eines solchen Sternes dort oben, von dem wir nicht wissen, ob er nicht schon im Erlöschen begriffen, nciht schon erloschen ist, wenn er am hellsten strahlt."




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Dienstag, 28. Mai 2013

Vom gesollt Gewußten

Einen lesenwerten Artikel bekommt man in der Zeit zu lesen. Darin wirft der Autor Frederik Jölten ein Problem wissenschaftlicher Meinungen und Publikationen auf. Anhand des Beispiels der weitverbreiteten Ansicht, daß der Schimpanse als nächster Verwandter des Menschen gelte. Immerhin ist die DNA zu über 98,5 % gleich. Und doch ist das Verhalten so völlig anders.

Aber nun wird, so Jölten, seit Jahren nur noch danach gesucht, was diese These bestätige. Was ihr aber widerspricht, hat kaum Chance, überhaupt publik zu werden.

Das führt zu einem völlig falschen Bild über wissenschaftliche Bewertungsstände. Denn so haben z. B. jüngste Forschungsreihen deutliche Indizien dafür geliefert, daß Schimpansen eine entscheidende Fähigkeit, die sie dem Menschen ähnlich machen würde, gar nicht haben - sie können mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht imitieren. Was auch immer dazu publiziert worden war, ist bei näherer Betrachtung nicht Imitation, sondern auf verschiedenen andere Leistungen der Schimpansen zurückzuführen. Vor allem auf genetisch angelegte Fähigkeit.

Diese Fähigkeit ist deshalb sehr bedeutend, weil Sprache direkt mit dem vorausgehenden Erlernen von Gesten zu tun hat, ja aus der Gestik stammt. Wenn aber nun Schimpansen keine Gesten imitieren und damit als Kommunikationsmittel aufbauen können, sind sie wesentlich deutlicher vom Menschen entfernt, als vielfach gedacht wurde.

Doch was immer gegen diese Nähe Mensch - Schimpanse spricht, was nicht also der augenblicklichen Mode dient, und das ist viel, hat international keine Chance, veröffentlicht zu werden. Wenn es um "Fakten" geht, die diese These bestärken, wird oft nicht einmal mehr unterschieden, wieweit nicht schlicht in äffisches Verhalten Menschenähnliches "hineininterpretiert" wird.

Damit besteht die eminente Gefahr, daß die wirkliche wissenschaftliche Lage völlig verkannt wird. Jölten erzählt von Studenten, die Thesen für ihre Arbeiten gewählt haben, bei denen sie von angeblichen Forschungsergebnissen ausgingen, die aber nicht reproduzierbar waren - obwohl sie als gesichert galten. Und daraufhin entmutigt ... und das Studium aufgaben.





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Das Heilige Experiment (4)

 Teil 4) Das Ende des Experiments ist das Ende der Jesuiten. Fast.




Das Ende des Heiligen Experiments kam aber nicht nur durch Intrigen am spanischen Hof, durch staatliche Behörden, irrationalem Neid und die Gier weißer Siedler, sondern vor allem seitens der Kirche selbst. Dabei hatte der Borbone auf Spaniens Thron, Philipp V., 1743 nach eingehender Prüfung durch Ministerialen vor Ort und in Spanien die Reduktionen - die u. a. all die Legenden und Verleumdungen über die Profitgier der Jesuiten entkräfteten, darunter die von einem sagenhaften Goldschatz der Jesuiten in Paraguay" - vermeintlich ein- für allemal bestätigt. 

Doch da kam es im Vertrag von Madrid 1750 in Abtauschgeschäften zu neuen Grenzziehungen zwischen Portugal und Spanien in Südamerika, getragen bereits von tiefem Haß auf die Jesuiten, die auch das Jesuiten-Gebiet auseinanderreißen, dabei die blühendsten Reducciones an Portugal abtreten sollten. Erstmals kam es zu einem Versagen der Autorität der Jesuiten, die Guaranis folgten ihnen nicht mehr, sondern ein Selbstverteidigungsreflex machte sich breit. Und sie weigerten sich nicht nur, die Siedlungen zu verlassen, sondern erhoben sich gegen die Portugiesen.

Da bildete sich eine seltsame Allianz der Todfeinde - Spanien half Portugal, den Aufstand 1754 und 1756, wo er in Schlachten kulminiert war, brutal niederzuwerfen. Als die Portugiesen nach dem Ende des Gemetzels bemerkten, daß sich in den Reduktionen keineswegs die kolportierten Goldschätze häuften, wollten sie das Tauschgeschäft mit Spanien sofort rückgängig machen, was Spanien verweigerte, woraufhin Krieg ausbrach. An diesem wurden ... die Jesuiten für schuldig erklärt, selbst vom spanischen Jesuitengeneral. Plötzlich waren sie also Rebellen.

Was war passiert? In einer Art Massenpsychose waren die Jesuiten europaweit durch gezielte Verleumdungspropaganda zu wahren kollektiven Haßobjekten geworden. Das ging so weit, daß sich selbst der Papst dazu hinreißen ließ, die Vernichtung der Jesuiten zum Gebot der Stunde zu machen. 1764 wurden die Jesuiten aus Frankreich vertrieben, dasselbe für Spanien konnte gerade noch abgewendet werden. Da wurde 1766 ein Attentat auf Karl III. verübt, das man wieder nachweislich falsch den Jesuiten in die Schuhe schob. 1767 wurden alle Jesuiten Spaniens ausgewiesen, 2617 Missionare im gesamten überseeischen Reich, von Südamerika bis zu den Philippinen, verhaftet. Die Padres der Reduktionen wurden in Buenos Aires in den Kerker geworfen, und 1768 nach Spanien verfrachtet.

Weil aber der Kirchenstaat (!) sich weigerte, sie aufzunehmen, kreuzten sie monatelang bleibelos auf dem Mittelmeer, bis ihnen Korsika Zuflucht gewährte. 1773 hob Papst Klemens XIV. die Societas Jesu weltweit auf. Wäre nicht in Rußland und Preußen aus naheliegenden Gründen jeder päpstlicher Ukas ignoriert worden, gäbe es sie heute gar nicht mehr. Denn aus diesen Ländern heraus haben sich die Jesuiten später wieder restrukturiert. Mit ihrem Verschwinden aus Amerika aber zerfiel auch Spaniens Weltreich, und mit ihrer versuchten Auslöschung schwand die Liebe aus der Mission. Es blieben nur noch auszubeutende Kolonien, deren Besitzer das Heilige Experiment immer ein schmerzhafter Gewissensdorn gewesen war.

Die Guaranis waren verzweifelt, als die Jesuiten verhaftet wurden. Die Reducciones, soweit sie nicht ohnehin bereits verwüstet waren, verfielen schnell, und die Indios wurden versklavt. Damit schritt der wirtschaftliche, sittliche und biologische Niedergang unaufhaltsam voran. Es kam noch da und dort zu kleineren Revolten, aber ohne Erfolg. Teils flüchteten sie in die Wälder, oder verkamen in den Städten. Aber sie versanken insgesamt in jene Apathie, die Vorstufe und -bedingung zum Aussterben ist.

Als Steyler Missionare 1910 in diesen Gebieten wieder beginnen wollten, das Christentum zu verkünden, waren sie erschüttert: Sie sahen sich in der Stunde Null. Sie fanden nur noch leere Ruinen.






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Aus dem Leben der Romni (6)


Gesehen auf everyday_i_show







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Montag, 27. Mai 2013

Die einfache Welt (2)

Teil 2) Das sogenannte Wohlstandsgefälle ist kein Grund, 
es ist eine bequeme Ausrede




Es ist nicht das Wohlstandsgefälle - ALS SOZIALES PROBLEM. Wohlstandsunterschiede sind an sich kein soziales Problem, sie gehören zum Leben und zum Menschen dazu wie die Farbe der Augen. Sie werden willentlich und in Dummheit erst dazu gemacht, und von den "Betroffenen" oft "dankbar" angenommen, weil sie sich davon etwas erwarten können, in vielen Fällen stützt es ja genau den Grund und jene Vorläufigkeit, deretwegen sie überhaupt hergekommen sind.

Sie prinzipiell als "Unrecht" zu sehen ist nur bei einer irrigen Anthropologie möglich, die bestenfalls Werkzeug einer Utopie ist, aber nicht dem Wesen des Menschen entspricht. Dieses politische Schlagwort stammt deshalb aus dem Arsenal derjenigen, die sich in ausgesuchter, gut abgeschützter Wirklichkeitsferne die Welt immer schon nach ihrer Facon geschnitzt haben, und die es ihnen leicht macht, weiter in ihren gemütlichen Sofas zu sitzen, wichtige Konferenzen zu besuchen, Weltprobleme lautstark zu diskutieren, deren Lösung sie kennen, und "moralisch" zu handeln.

Die Vorfälle in Schweden (und anderswo) sind keine sozialen Unruhen aus Wohlstandsgefälle. Sie sind reine Migrationsprobleme, keine des Wohlstandsgefüges der betroffenen Staaten. Sie quasi als Menetekel der Gesellschaften Europas AUFGRUND der wirtschaftlichen Entwicklung zu benützen ist politischer Mißbrauch, und NUR deshalb taucht es auch in diesem Licht auf.

Und sie sind Migrationsprobleme, die weit vielschichtere Ursache-Wirkungsgefüge zeigen, als links- oder sonstpopulistische Politik sie darzustellen pflegt. Etwa als bösartiges Verweigern durch böse Einheimische.

Es ist eine völlig andere Haltung, die mit den Zuwanderern - zum Teil, nicht bei allen! - ins Land kam, die diese nach Europa trieb, und weiter treibt, und das macht die Kluft ad hoc und sehr real und auf lange Frist UNüberwindlich. Mit Integrationsfreundlichkeit, einer "Willkommenskultur", und wie die Schlagworte alle heißen, ist damit nichts anzufangen. Dies Kluft zeigt sich in der Ausbildung von Parallelgesellschaften, die an sich bereits klare Absichtserklärung sind, und mittlerweile nicht mehr zu verhindern, sondern der einzige Weg sind, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Weshalb man es gezielt kanalisieren muß, es gibt überhaupt keinen Ausweg. Auch das zeigt sich in Schweden.

Es sind nämlich auch nicht jene Asylanten, die als Geflohene mehr oder weniger unfreiwillig genötigt sind, sich ein neues Leben aufzubauen, das Migrationsproblem ist kein Problem von Asyl (es wird als solches lediglich mißbräuchlich zu verwenden versucht). Der Verfasser dieser Zeilen hat bei wirklichen Asylanten immer eine ganz andere Haltung festgestellt - keine der Erwartung, der Forderung. Sie wußten, daß sie ihr Leben selbst wieder aufbauen, bei Null beginnen mußten.

Man nehme durchaus die Millionen, die nach dem 2. Weltkrieg nach Westdeutschland eingesiedelt wurden als Beispiel, oder die 200.000 Ungarn nach 1956, die in Österreich klaglos integriert wurden. Auch das aber verlief (Deutschland!) keineswegs friktionsfrei, es blieb den Einheimischen nur keine Wahl, wobei die Folgen dramatischer sind und waren, als man heute wahrnehmen möchte: diese Zwangsintegration ist wesentlicher Faktor zur Auslöschung regional geprägter Kultur in Deutschland! Wobei: Welche Haltung hatten diese zuwandernden Menschen!?

Wer selbst bei Spätaussiedlern aus Rußland etwa - der Verfasser hat solche in den 1980er Jahren nicht nur als Kollegen am Fließband erlebt, sondern als Unternehmer Anfang der 1990er auch Siedlungen in Süddeutschland für sie gebaut: auch sie waren politisches Tauschgeschäft, Devisenbringer oder politisches Pfand für so manchen Staat - den Fleiß, die Bereitschaft sich etwas zu schaffen beobachtet hat, sieht manchen Unterschied. Dies dezidiert neutral gesagt, ohne zu werten, nur sachlich-funktional in den Auswirkungen betrachtet.

Und die Haltung ist es in erster Linie, die nun in Schweden zu (gar nicht: ersten; es gab dort schon jahrelang erstaunliche Konflikte, u. a. in einem ausgeprägten Antisemitismus in Teilen Schwedens bei islamischen Zuwanderern, wie z. B. von Malmö schon lange berichtet wird) Eskalationen geführt hat. Vorbeben dafür - Unruhen UNTER den Zuwanderern - gab es also bereits seit Jahren. In einem Land, das den Sozialstaat sowie die Liberalität einer undifferenzierten Einwanderungspolitik auf die größtmögliche Spitze getrieben hat, sodaß der darauf folgenden Kollaps der Staatsfinanzen vor etwa zehn Jahren mit letzter Kraft noch abgewendet werden konnte.

Die Art der Zuwanderungsgestaltung, ja Förderung, ja: FORDERUNG**, hat nun dazu geführt, daß wir sogar regelrecht erpreßbar geworden sind. Weil wir immer die wahrhaftige Auseinandersetzung gescheut haben, Wesen des Sozialstaates ist ja genau das. Nun heißt es also: Entweder Wohlstand - oder Rebellion. In Schweden hat die Polizei nicht einmal den Versuch unternommen, Leben, Hab und Gut der übrigen Bevölkerung zu schützen, sondern "filmt" vorerst einmal alles mit, um nachher die Täter auszuforschen. Die Schäden haben in jedem Fall also auch noch die Betroffenen selbst (über ihre Gemeinschat als Versicherte, bestenfalls) zu tragen. Eine kaum faßbare Bankrotterklärung jeder Ordnungspolitik. Festgenommen wurden nur jene "Rechtsradikale", die sich mittlerweile organisiert hatten, um in Übernahme der Eigen- und Sozialverantwortung diesen Schutz zu übernehmen, den die Polizei verweigert.

Natürlich ist in so einem Aufsätzchen nicht alles und definitiv erklärt und ausgeleuchtet. Aber es will einen Grundzug darstellen, der in den Augen des Verfassers dieser Zeilen in der gesamten Diskussion über Migration und Wohlstand völlig ignoriert wurde und wird. Und der sich nicht einmal mit "Unwillen zur Integration" ausreichend beschreiben läßt. Es verlangt insgesamt eine weit subtilere Bewertung und weit mutigere Lösung der Dinge. Derzeit versucht die Politik ja innerhalb jener Grenzen zu bleiben, in denen sie die wahre Verantwortungsdimension einzugestehen doch noch vermeiden kann.

Anders wird die Befürchtung, daß mit falschen Maßnahmen, allenfalls auch vorbeugend und in anderen Ländern reagiert wird wieder einmal zur Gewißheit. Wohlstand kann niemals durch Zuwendungen und "soziale Maßnahmen" verbessert werden, Wohlstand ist Frucht einer inneren Reife, einer Haltung die sittliche Leistung (und damit kultur- wie religionsabhängig) ist***, die Umstände in denen man lebt und denkt korrelieren exakt damit.

Wer bestimmte Gegenden Europas bereist, die als Herkunftsland so mancher Tausendschaft an Zuwanderern in Österreich und Deutschland bekannt sind, wird bald erkennen, daß die selbst in ihrer Heimat nicht "integriert" sind. Daß sie auch dort ohne Verwurzelung mit dem Boden leben. DAS sind reale kulturelle Differenzen, die sich mit Geld nicht beheben lassen, die mit pekuniärem Wohlstand rein gar nichts zu tun haben. Daß solche Menschen auch überdurchschnittlich leicht "auswandern", weil sie gar nie wo einwandern, weil sie ORTSLOS sind, beantwortet sich von selbst. "Die (X) können mit Häusern nichts anfangen, wie sollen sie es hier?" meinte einmal ein weitgereister Schriftsteller zum Verfasser dieser Zeilen.

Übrigens - jene (X) waren auch in ihrer Heimat alles andere als gern gesehen und ein Problem, das die hohe Politik seit Jahrzehnten gern als Verschiebeobjekt und Mittel ganz anderer politischer Zielsetzungen benützte. Bei seinem Besuch in Nordzypern vor drei Jahren hat der Verfasser dieser Zeilen mit Staunen festgestellt, daß die Probleme der Einheimischen - "Landsleute" dieser Zuwanderer - dieselben sind wie sie aus Hamburg oder Wien oder Stockholm bekannt sind. Die Parallele ist insofern auch interessant, als die alteingesessene Bevölkerung sich mittlerweile in der Minderheit befindet, und durch eine entsprechend angepaßte Verwaltung fremd im eigenen Land ist. Die sich dem abgeteilten Süden näher fühlt, als den "Landsleuten".

Wie immer die Europäer leben, welchen Wohlstands immer sie sich erfreuen - er ist Frucht einer Lebenshaltung, und einer Entfaltung ihres persönlichen Lebens und die Erfüllung eines Lebensauftrags: jenen zur Entelechie, zur Selbstentfaltung. Das hat diese Kultur bestimmt, und dieses Europa in der heutigen entwickelten Form überhaupt entstehen lassen. Selbstentfaltung ist wiederum kein neutrales Computerprogramm, das jeder in sich trägt, man muß es nur an den Strom (Geld und Schule und Methoden) anschließen, sondern UNTRENNBAR, wesensbestimmt mit dem unmittelbaren sozialen Umfeld verbunden, in das sie hineingeboren werden. Jede Herauslösung aus diesem Umfeld hinterläßt eine tiefe Wunde, die Generationen braucht, um wieder zu heilen. Und die nicht künstlich befördert werden kann, die natürlich wachsen muß.****

Zuwanderer müssen also auf ihre neue Heimat hin ZUWACHSEN, um in ein Umfeld einzuwachsen - integriert zu werden. Nicht anders, als es mit heutigen Inländern in einem jahrtausendelangen fortwährenden Fließen und Werden passiert ist. Deren Eingewachsenheit keine Schuld ist, deren Früchte gefälligst abzutreten wären, sondern nicht mehr und nicht weniger als natürliche Bedingung ihres Lebens.

Der kulturelle Herkunftsgrund ist dabei einerseits bei noch so viel Willensanstrengung unüberwindbarer Ausgangspunkt, aber - und das wird völlig übersehen - zugleich immanente Prägung des Zielpunkts. Sind deshalb die Ausgangslagen (Religion, Weltanschauung) unvereinbar, so sind es die Zielpunkte. Es sei denn, die Ausgangshaltung verändert sich ...

Und das ist die eigentliche Forderung - als Kriterium, nicht als quasi Pflicht zur Selbstveränderung, das wird nie funktionieren! - an Zuwanderer, eine Bringschuld, die eine Grundhaltung braucht, und keine "sozialen Maßnahmen", damit sie mehr Geld erwirtschaften können, der Rest wird sich schon ergeben. Wird es nicht. Maßnahmen, die folgerichtig pausenlos auf Aporien, Unvereinbarkeiten stoßen. Man denke nur an die Forderung nach Sprachkenntnis, die in vielen Fällen tatsächlich unmenschlich und sprachpädagogisch verheerend falsch ist, gerade bei Kindern, die zuerst in das Begriffsgefüge ihrer Familie hineinwachsen müssen, um dann erst auf die Symbolik der Fremdsprache ausgreifen zu können.

Wer ohne soziales Umfeld, ohne "auf zu und von her" leben will, will aber nur jene Funktionen seines Umfeldes nützen, die ihm für ein anderes Umfeld nützen. Und das nennt man mit Recht: ausnützen.




**Erst jüngst wieder kamen staatliche Sozial-, Arbeits- und Industriellenvereinigungen zu einer gemeinsam erhobenen Forderung, die Zuwanderung (natürlich: "qualifziert" ...) zu steigern, weil sonst - man höre! - soziale Unruhen eine der Folgen sein würden, weil der Wohlstand, der Sozialstaat in der heutigen Form aus demographischen Gründen nicht aufrechterhalten werden könne. Das klingt schon gar nicht mehr anders als die Forderung im alten Rom, Sklaven ins Land zu holen. Welche Personengruppen aber sind bereit, mit der dauerhaften Zuwanderung (und andere hat in diesem Umfang keinen Sinn) zugleich eine Verpflichtungsleistung zu unterschreiben, 30, 40 oder 50.000 Euro als Schulden, als Anteil am öffentlichen Gebaren pro Person, gleich einmal mit zu übernehmen? Nicht eher jene, die schon in ihrer Heimat sich keinen Deut um Sozialgefüge und Schulden ihres Herkunftslandes geschert haben, die gar nichts mehr zu verlieren haben? Die hoffen, ihre Kalkulation auf egal welche Weise zu ihren Gunsten ausgehen zu lassen?

***Diese Zusammenhänge auseinandergerissen zu haben ist einer der fundamentalsten Schäden, den unser gesamtes gesellschaftliches Gefüge mittlerweile zu tragen hat, und bei dem es fraglich ist, ob es ihn überhaupt überstehen wird. Das ist eine der maßgebenden Wurzeln auch der Finanzkrise seit 2008.

****Zuwanderung in dem quantitativen Ausmaß, wie es seit Jahrzehnten in unseren Ländern passiert ist, kann deshalb - so die hier vertretene These - nur über relativ autonome Parallelgesellschaften aufgefangen werden. Sie ist, eben weil sie höchst differenziert ist, nicht einfach ein mit ein paar politischen Maßnahmen durchführbares "Programm" oder "moralischer Pflicht". Um dann, untereinander formal strikt befriedet, in generationenlangen, jahrhundertelangen Prozessen miteinander verwachsen zu können.






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Das Denken denken

"Denken, auf jeden Fall Sein-Denken - ist in sich ein Vernehmen. Wir sprechen im Deutschen von der Vernunft, aber auch von der Stimme der Vernunft. Wenn wir beides zusammenbringen, so stehen wir vor dem Selbstunterschied der Vernunft als einer sowohl kündenden als auch diese Kunde vernehmenden Vernunft. Die Koinzidenz von Künden und Vernehmen, von Reden und Verstehen der Rede macht Vernunft aus.

Für sich genommen würden sich Bestimmungen dieser Art sehr abstrakt anhören; sie werden faßlich auf dem Grunde des Selbstunterschieds des Sein-Denkens. 

Die Vernunft ist kein rein empfangendes und kein rein hervorbringendes Vermögen. Sie interpretiert sich selbst; d. h. sie interpretiert, was wir schon denken (den in sich bestimmten Eindruck), durch das Wort. Und ebensogut könnte man sagen, daß wir interpretieren, was sie schon denkt. 

Der Gegensatz zwischen uns und der Vernunft, die je unsere ist, hat hier seine Quelle. Die Vernunft ist dieses Sichinterpretieren. Der Charakter des Selbst, der ihr im Unterschied etwa zu dem Vermögen der Wahrnehmung zukommt, erwächst aus der immanenten rückwendig-produktiven Bewegung (s. G. Misch), die Denken des Denkens ist.

Das Problem der Vernunft ist das Problem des Gefühls, das zu uns spricht. Wir müssen ünden, was es kündet, wenn es künden soll."


Josef König in "Sein und Denken"






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Das Heilige Experiment (3)

 Teil 3) Ein Muster wirklicher Entwicklungshilfe, 
das aber an menschlicher Schwäche scheitert




Das ganze Leben in den Reducciones kreiste aber um Religion. Die Indios besuchten gerne und täglich die Messe, und kein Tag klang ohne Abendandacht aus. Ihr ganzes soziales Leben wurde umgemodelt: die Vielweiberei erlosch, die völlige Vernachlässigung der Kinder - von Familien konnte man gar nicht sprechen - wich einer Erziehung, und nach und nach wurden Ehen üblich, auf freier Partnerwahl. Mit einer Konzession an früher: es war die Frau, die wählte. Aber es erwies sich auch hier, daß die Polygamie eine Degeneration der Geschlechtsgemeinschaft in die beliebige Formlosigkeit ist, nicht eine "freiere Vorstufe".

Die Jesuiten wußten, daß es sinnlos war, einem Nomadenvolk eine "Demokratie" bzw. eine hochentwickelte Staatsform überzustülpen wie einen Konfektionsanzug. Die Guarani waren einfach maßlos faul und träge, wie es von den meisten (wilden) Indianerstämmen bekannt war, und wollten nur tun, was ihnen gerade Spaß machte. 

Die Menschen mußten erst höhergeführt werden, und das gelang: Binnen 80 Jahren wurde aus einer primitiven Kazinkenherrschaft (der alten Dorfhöchsten) und Hordensoziologie eine Selbstverwaltung nach spanischem Muster, die selbstverständlich auch Tribute und Steuern zahlten, ja in Kriegen (wie mit Portugal) sogar besonders zuverlässige und tapfere und freiwillige Truppenkontingente stellten, in denen sie von Laien aus ihren eigenen Reihen geführt wurden und keinen Sold verlangten.

Und obwohl die Guaranis das Privileg des Waffenbesitzes hatten, kam es nie es auch nur zur geringsten Insubordination. 7-12.000 Guaranis kämpften so in über 50 Auseinandersetzungen für die spanische Krone, bei einem Einwohnerstand, der sich von insgesamt rund 28.000 innerhalb der Reducciones auf bald 100.000, ja mit einem Höchststand von 130.000 sogar, entwickelte.  Übrigens mit interessanten Schwankungen, auch durch eingeschleppte Krankheiten.

Sie blieben damit übrigens auch der einzige Indianerstamm ganz Amerikas, der sich - bei erheblichen Schwankungen - über die Zeit damals vermehrte, nicht verminderte oder verschwand. BIS zur Auflösung der Reducciones 1768. Denn dann schwand auch ihre Bevölkerung rapide, bis 1801 nur noch 300 (!) gezählt wurden.

Eine Ordnung, in der sich die Befähigungen der Einzelnen aus ihrer Sittlichkeit allmählich heranbilden mußte - zu späteren Bürgermeistern und Schreibern, Richtern und Ratsherren und Polizisten.

In ihrer jeweiligen dörflichen, klar patriarchalischen Ordnung waren die Guaranis hingeordnet auf den Pfarrer, dem von allen geliebten und glaubwürdigen Hort der Gerechtigkeit und des geordneten Wohlergehens, dem Schutz auch gegenüber schlechten Regeln des eigenen Stammes. Dabei erwies sich das jesuitische interne Ordenssystem als besonders fruchtbar, weil es die Vielfalt und charakterliche Prägung der Einzelnen hervorragend nützte. Wobei sich herausstellte, daß deutsche Pater - die bald ein Viertel der Missionare stellten - bei den Indios ganz besonders beliebt waren. Die rund 80 Pater, die eingesetzt waren, wurden immer als eine erstaunliche Mannigfaltigkeit der Individualitäten gerühmt.*

Natürlich gab es auch Straftaten und Strafen. Sie orientierten sich an Strafsystemen für Kinder: Stockhiebe auf den Allerwertesten etwa, oder in schweren Fällen (begrenzt auf 10 Jahre) als Gefängnisstrafe, die VOR ORT, also im Dorf, in dem der Täter gelebt hatte, zu büßen hatte. Eine Todesstrafe gab es nicht, wohl aber eine Ausweisung aus dem Gebiet. Alle Berichte erzählen, daß die Indios das Strafsystem als gerecht empfanden, ja mit Genugtuung zur Kenntnis nahmen und sogar forderten.

Man verlangte von den Menschen also nicht, was sie gar nicht leisten konnten. Auf den Säulen patriarchaler Struktur aber bildete sich Wohlstand und friedliches Leben. Das immer mehr Neid und Mißgunst erweckte, auch in Europa, immer wieder als verschwörerisches Treiben verleumdet wurde, bei dem die Jesuiten der Machtlüsternheit und unersättlicher Geldgier bezichtigt wurden. Der Hintergrund war freilich ein anderer: Denn der immer drängender aufkommenden "modernen Zeit" des maßlosen und wurzellosen Individualismus, der Gier, ja auch des Protestantismus, denen allen die Welt auszubeutendes weil an sich wertloses ("gefallenes") Nutzgefäß war, standen die Jesuiten auf der Grundlage ihres strengen Gehorsamsgebots eindeutig entgegen.

Nie ist das quasi von selbst zusammengewachsene Reduktionsgebiet in Südamerika ein Staat gewesen. Die Jesuiten hatten keinerlei entsprechende Befugnis, und auch nie die Absicht. Der König war für die Indios ohnehin höchst willkommene, natürliche Verkörperung des Weltengesetzes der Dreifaltigkeit, des Höchsten Gottes. Nicht anders hatte man ja in Europa bis ins 18. Jhd. empfunden.

Alle zivilisatorische Entwicklung - die erste Entwicklungshilfe also, die diesen Namen wirklich verdient - aber sollte  nur einem dienen: der Höherentwicklung des religiösen Lebens. Das aber eine Grundlage bereits in der kulturellen als persönlichen Sittlichkeit haben muß. Man kann Religion nicht einfach überstülpen, sie kann nur auf natürlicher Religiosität anwurzeln.


*"In Geduld unüberwindlich, in ihrem Tun und Lassen starkmütig, in dem Umgang mit den Leuten freundlich, in Sitten ernsthaft und an Tugenden bewährt" mußten sie sein. Nicht aber "zarte, gleichsam aus Wachs possierte Männlein, denn die taugen auf die Missionen so wenig als der Haas zum Sturm-Lauffen," erzählen Berichte aus der Zeit. Im besonderen aber mußten die Missionare, die aus Europa hinübergeschickt wurden, Kenntnisse der Landwirtschaft, der wichtigsten Handwerke, Bewandertheit in Heil- und Arzneikunde, und die Beherrschung der Indianersprache aufweisen.



Teil 4 morgen) Das Ende des Experiments ist das Ende der Jesuiten. Fast.



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Sonntag, 26. Mai 2013

An der Wegscheide (2)

 2. Teil) Der Heilige wird Aristokrat




Deshalb ist dem Griechen (und dem Abendländer) Homers Ilias, das Heroentum die entscheidende Lebenshaltung. Der Ritter, der Adel wird zum Lebensideal überhaupt.

Während dem Chinesen und Inder - in den Rigvedas und den chinesischen Erzählungen vom alten Reich der Harmonie - die entscheidende Lebenshaltung das Vermeiden von Konflikten wird, und auch hier: eigentlich: wurde, im Gegensatz zur Lebenshaltung in den Vorzeiten, die auch dort Heldengeschichten dokumentieren. Dem Griechen ist aber diese Haltung des Weltharmonisierens der Vernichtung der Welt gleich - wie es umgekehrt dem Asiaten der Kampf wird.

Asien beginnt einzuschlafen, weil es einschlafen will. Während das Abendland aufwacht, weil es wach werden will.

Wiewohl beide ursprünglich eine selbe und religiös-metaphysische Grundlage haben, die auch die Grundlage jeder Religion überhaupt ist: In Harmonie mit dem göttlichen Willen als das der Welt zugrundeliegende Gesetz ihres Ganges zu gelangen. Hier ist es aber der Logos in der Persönlichkeit, dort die praktische Harmonisierung durch Versenkung als Angleichung an das Weltprinzip. 

In Heraklith's Konzeption wird der Mensch in dem Maß vollkommener, als er sein Denken und Handeln an die objektive Vernunft anbindet. Die nicht im Vielwissen (als Wissen von Einzelnem) besteht, sondern in der Tugend, die auf das Modifizierende, Umfassende, den Sinn geht. Heraklith mündet in die Transzendenz, er sieht die Beschränktheit des Menschen, erkennt die Autonomie der sittlichen Persönlichkeit in ihrer Hingestrecktheit auf den Logos als Auftrag zum persönlichen Adel, mit dem (aus Realismus unerreichbaren) Endziel des Absoluten, der absoluten Werte und Tugenden.  Aber so nimmt er Teil an der göttlichen Macht (die in vernünftigen Gesetzen überhaupt zur göttlichen Ordnung gerinnt).

(Freilich bleibt ihm die Vollendung nur im Ruhm möglich, mit dem Dichter als Ruhmesrichter, als Künder und Hebamme, ja Schöpfer des Fortlebens, weil er das Göttliche in die Welt stellt und im Ruhm festigt. Denn als Teile der Welt sind die Menschen abhängig von dem "allen Gemeinsamen", woraus sich auch die absolute Stellung des Gesetzes ergibt.)

Beiden - Orient wie Abendland - prinzipiell gleich ist zwar auch das Bemühen der Selbsterlösung in einem pantheistischen Weltbild als Ausgangspunkt, wenn man so will. Weil ihnen natürlich das personale Prinzip*** eines inkarnierten Gottes (in der Dreifaltigkeit) fehlt, der sich nur selbst offenbaren KANN, weil Gott an sich unerkennbar ist. Welch letzteres eine logische Einsicht der fortentwickelten Philosophie wird, die natürlich den Lebensvollzug selbst erhellt. Erst aus der Dreifaltigkeit wird das Wesen des Seienden verstehbar, schließt sich auch der Denkbewegung auf - mit der Welt als Analogie Gottes.

Aber damit ist auch klar, daß sich die abendländische Philosophie und Kultur in ihrer Richtung auf die Inkarnation Gottes in Jesus Christus - auf eine Gesellschaft der Königssöhne - hin bewegte, die ihr wie ein Schlußstein - "in der Fülle der Zeiten" - zupaßte und alles aufhellte. Ganz im Gegensatz zu den asiatischen Konzepten, so ähnlich oder gar gleich die metaphysischen Ansätze und Ahnungen ursprünglich auch waren. Die entscheidenden Umbrüche standen in beiden Erdteilen in einer absolut vergleichbaren kulturellen Epoche (um 500 v. Chr.): dem Zusammenbruch der alten, feudal-hierarchischen Lebensordnung.
Es läßt sich bei Heraklith (gerade in der Gegenüberstellung mit asiatischen Religionsentwicklungen) hervorragend beobachten, wie eine Ethik, die aus der metaphysischen Grundbewegung des Menschen hervorgeht, Gestalt und Konkretion gewinnt aufgrund der in der (hier: aristokratischen) Gesellschaftsordnung ausgebildeten Rangordnung der Werte.**** Die Lebenswerte sind ihrem Wesen nach mannigfaltig; ihre Schätzung hängt von der Lage der Lebewesen ab, die ihrer bedürfen und sie genießen, schreibt er deshalb. 






***Die entscheidende Rolle der Schuldvergebung sei hier nur angedeutet, aber hier blitzt sie auf. Jacques Lacan übrigens, als nihilistischer Psychoanalytiker, weist in seinen Schriften darauf hin, daß als Ergebnis seiner Untersuchungen für ihn feststeht, daß der Mensch in seinem Tiefsten persönliche Vergebung vom Sein selbst, im Wort, sucht und benötigt.
 
****Heraklith hat sich politisch völlig enthalten. Denn ihm war die Demokratie, die sich zu dieser Zeit in Athen herausbildete, zutiefst verhaßt.




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Die einfache Welt (1)

Au ja, da ist ja die Welt für die bourgeoisen Schnösel vom Dienst wieder in Ordnung, die in fein monatlich abgesicherten Zahlungseingängen ihre hygienisch reinen Thesen zu Wohlstand haben, und in ihren schmucken Häuschen über die Schuldigen an der Ungleichheit diskutieren. Da stimmt ihre Welt wieder, wenn sie Sätze wie die folgenden lesen, die die APA (Austrian Press Agency) rundgeschickt hat, auf daß ihn so gut wie jede Zeitung wie üblich im copy and paste-Verfahren zur Erfüllung ihrer journalistischen Wahrheitspflicht* abdruckt. Dazu werden auch noch rasch die Leserforen gesperrt, denn die Reaktionen der Menschen lassen jede Vorsicht der politisch erwünschten Korrektheit gegenüber vermissen.

Die Ausschreitungen [in Schweden; Anm.] haben eine Debatte über das wachsende Wohlstandsgefälle in Schweden ausgelöst. Während es der Mehrheit der Bevölkerung wirtschaftlich gut geht, fühlen sich vor allem Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund zunehmend ausgegrenzt.

Dazu eine Beobachtung aus jenen Jahren, als der Verfasser dieser Zeilen noch als Bauunternehmer tätig war, und immer ausländische Arbeitnehmer beschäftigt hatte. Und zwar Handwerker (Tischler, Zimmerleute), denn die waren und sind bis heute in Österreich Mangelware. Es gab nie Probleme mit Tschechen, und auch mit Serben und Montenegrinern nur bedingt. Auch Rumänen waren darunter. Brave, berührend demütige Leute - Flüchtlinge, Asylanten im übrigen. Wohlgemerkt: immer zu gleichem Lohn, leistungsbezogen, wie Österreicher.

Aber mit der Wende in Rumänien kam mit den Rumänen die nun ins Land strömten, und die auch der Verfasser dieser Zeilen verschiedentlich eingestellt  hat, ein völlig neuer Menschenschlag ins Land. Die eine ganz eigentümlich Haltung aufwiesen: Denn sie waren der Meinung, daß sie völlig unabhängig, ob und wieviel sie arbeiteten, EIN RECHT auf denselben Wohlstand hatten, wie die Menschen, die hier lebten. Das ging so weit, daß sie teilweise kaum noch mehr als Anwesenheitsdienst verrichteten, den Kollegen bei der Arbeit zusahen. Als sie dafür auch deutlich weniger Geld erhielten, begann eine Art Streikblockade. Die zwar durch energisches Handeln (und Entlassungen) bekämpft werden konnte, aber in schlagartig gestiegenen Diebstählen, die die Materiallager über Nacht schwinden ließen aber auch durch Polizeikontrollen kaum zu bekämpfen waren, weitergloste.

Eine prinzipiell nicht unähnliche Erfahrung, wenn auch nicht in allen Details übertragbar, kann man noch heute machen, selbst in Ungarn, wo einem immer wieder Menschen begegnen, die sich empören, daß sie mit nominell demselben Beruf nicht denselben Wohlstand wie das Nachbarland im Westen haben. Er stünde ihnen nämlich zu.

Was will uns der Verfasser damit sagen?

Man muß dazu einen Antwortversuch bei der Frage ansetzen: Was verbindet all diese Menschen? Was verbindet sie mit den beachtlichen Unruhen in Schweden? Um dann die These begreifen zu können: Es verbindet diese Menschen eine persönliche Haltung, die sie den Staat als Motor und Quelle allen Wohlstandes, die Politik als Anlaufstelle zur Erfüllung aller Wünsche und Lösung aller Probleme erleben hat lassen. Also hat auch "die Gesellschaft" (die es ja nur konkret gibt, als Land, als Staat, als Stadtgemeinde etc.) dafür Sorge zu tragen, daß sie in diese Lage kommen. Und das ist ein Systemproblem, kein einfach moralisches Problem dieser jener, oder einiger weniger.

Aber noch eine entscheidende Haltung ist vielfach Merkmal der Zuwanderung, der "Gastarbeiter". Auch diese kennt der Verfasser dieser Zeilen aus eigener Anschauung, wenn auch mit umkehrten Vorzeichen. Als er während des Studiums immer wieder für Monate nach Deutschland ging, um in relativ kurzer Zeit, unter Ausnützung bestimmter steuerlicher Begünstigungen, Geld zu verdienen, das ihm das Studium (mit)finanzieren sollte, suchte er als Unterkunft in dieser Zeit eine Bleibe, fast egal welchen Zustands. Er "lebte" dort nicht, er wohnte nur soweit, als es zur Aufrechterhaltung der notwendigsten Lebensvollzüge notwendig war. Nichts an dem Land interessierte ihn in jener Weise, daß man von "Integration" sprechen hätte können. Er wollte an ihrem Geldgebaren teilhaben, aber nicht in dieser Gesellschaft als Teil leben. Er war in einer Ausnahmesituation, einem geringeren Übel, blieb bewußt in einer Situation der Vorläufigkeit.

Genau so verhielten sich nahezu alle die Gastarbeiter, die seit den 1960er Jahren ins Land kamen. Ja Rückkehr war sogar ausgesprochene Absicht. (Diesem Umstand verdanken wir die ersten Pizzerien in Deutschland, übrigens: Teil dieser als vorläufig gelebten Parallelgesellschaften.) Ihre sprichwörtlich katastrophalen Lebensumstände, die sogar manche Entwicklung verhinderten (man denke an Gebäude, die plötzlich wieder geschäftsfähig, wiewohl in desolatestem Zustand waren).

Diese Lebensumstände waren also keineswegs Ausweis mangelnder Aufnahmebereitschaft der Inländer, sondern selbst gewählter Kompromiss, denn sie wollten nur eines: Geld verdienen. Je mehr, desto besser. Mit dem sie dann in die Heimat, irgendwann, zurückkehren wollten. Oder parallel, in den Sommermonaten, ihre Häuser in Pristina oder auf Krk bauten, nicht selten um durch Tourismus, den die daheim gebliebene Frau oder Großmutter managte, weiteres Geld zu verdienen. Für diese Menschen war Österreich, war Deutschland kaum etwas anderes als die Tankstelle ihres zukünftigen Wohlstands, Integration wurde nur soweit betrieben, als sie unumgänglich war, oder eben so mal "passierte". Der Verfasser dieser Zeilen hat bei seinen Arbeitsaufenthalten in Stuttgart Anfang der 1980er Jahre genau diese Haltung bei den zehntausenden Türken und Jugoslawen, die dort die Fließbänder bearbeiteten, in Vollgestalt erlebt. Niemand von diesen Leuten wollte je in Deutschland leben - eine Haltung der Verachtung, übrigens, die so manches andere mit erklärt.

Und noch vor wenigen Jahren hat der Verfasser im Gespräch mit älteren Türken und Serben, die sich seit den 1970er Jahren in Wien aufhielten, die erstaunliche und gleiche Erfahrung gemacht, daß die nur ein Ziel hatten: So lange hier zu bleiben, zu sparen, mieseste und vorläufigste Lebensumstände auf sich zu nehmen, bis sie in Pension gehen konnten. Um dann in ihre Heimat zurückzukehren. Ihr Hierbleiben war oft regelrecht zufällig, hat aber ihre Grundmotivation nicht verändert.



Teil 2) Das sogenannte Wohlstandsgefälle ist kein Grund,
es ist eine bequeme Ausrede
 




*Journalismus ist von Literatur nicht zu trennen, unterliegt in seiner Wurzel deshalb derselben ethischen Verpflichtung und praktischen Genese. Ist in gewisser Weise Literatur, der die Zeit fehlt, zur Literatur zu werden.





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Das Heilige Experiment (2)

Teil 2) Keine kommunistische Utopie, sondern Höherführung




Aber für immerhin mehr als 150 Jahre konnten die Jesuiten ihr Bekehrungsprojekt entfalten, das vor allem einmal ein schwieriges Erziehungsprojekt war. Einem nomadisierenden Indianerstamm gegenüber, der in zahlreichen zuverlässigen Berichten als "Kinder" bezeichnet wird, die gedanken- und sorglos in den Tag hineinlebten, Arbeit in unserem Sinn nicht kannten und bewältigen konnten, und zu Recht als schwurunfähig galten, also mit Gesetzen bedacht waren, wie sie in Europa für Geistesschwache, Arme, Witwen und Waisen sowie dauernd Kranken galten.*

Die aber auffallend eines hatten: Eine große, allerdings nur (das dafür mit größter Begabung) interpretierende, nicht aber schöpferische Liebe zur Musik. Jedes Dorf hatte bald eine 40köpfige Kapelle und Chorgemeinschaft, die lateinische Choräle oder Tänze und Lieder darbrachte. Oder die Padres schrieben Stücke, inszenierten Theateraufführungen, oder kreierten wie in einem Fall 70 Ballettchoreographien, die von den Indios mit Begeisterung einstudiert wurden.

Nie nahmen die Jesuiten ab 1609, unter oft schweren Rückschlägen, mehrmaliger Notwendigkeit quasi neu zu beginnen, in ihren Reducciones die Hilfe der Staatsgewalt in Anspruch, sie wollten nur mit dem Evangelium siegen, selbst wenn es zu Anfang einige das Leben kostete. Nicht in den ersten 30 jahren zumindest, ehe sie die Erlaubnis erhielten, sich gegen die zahllosen Banditen und Räuber zu verteidigen, für die diese Reducciones Gier- und Beuteobjekt waren und fortlaufend plünderten und zerstörten, was aufgebaut worden war. Und sie in einer regelrechten Schlacht 1641 besiegten. Daraufhin war für über 100 Jahre Ruhe.

Sie begannen immer mit der behutsamen Einführung in eine andere, seßhafte Lebensform, mit vorsichtiger Gewöhnung an Arbeit, mit der Nachahmung an das vorgelebte Leben der Jesuiten selbst, die selbst, meist als hochgebildete Männer, zu Holzfällern, Zimmerleuten und Saatbauern wurden.

Die eigentliche Christianisierung begann erst ab diesem Zeitpunkt, und unter sorgfältiger Aufnahme alter Vorstellungen, deren religiöser Kern aufgegriffen und neu entfaltet wurde.

Dabei nützten die Padres die Musik- und Spielfreude, worin sich ein neues Band der Zusammengehörigkeit bildete. Und für das sich die Liturgie hervorragend eignete, für deren feierliche, ausgeschmückte Riten die Indios sehr empfänglich waren. Die geistige Abstraktion konnte so auf dem zuerst bereits Erfahrenen aufbauen. Soziales und religiöses Leben wurden so ein Ganzes. Und bald begannen die Indianer sich sogar schon untereinander zu missionieren.

Verfolgung und Zerstörung standen am Beginn - Vertreibung und Zerstörung am Schluß ihres Missionierungswerkes 1768. Mit dem sie aber zeigten, was Europa zu tun gehabt hätte. Dessen Menschen sich aber anders entschieden. Ein Experiment, das mit kommunistischen, aufklärerischen Utopien überhaupt nichts gemein hatte, sondern ein kluges Aufbauen auf dem vorgefundenen Kulturstand, mit behutsamer Weiterentwicklung zu höherer Kultur und damit Lebensentfaltung (größere Steinkirchen folgten erst nach etwa 100 Jahren) bedeutete. Kein Staatsvolk war der Krone mehr ergeben, als diese Reducciones. aber es wurde kein überlegenes Kultursystem einfach aufgepfropft, sondern eine sehr primitive Kulturstufe aufgegriffen, und behutsam weitergeführt.

Wo es Kommunaleigentum gab, war dies bereits eine alte Sitte der Indios selbst, und darin gar nicht unähnlich Europa, wo es auch Kommenden - Gemeindewiesen, -wälder etc. - gab. Diese wurde in bestimmtem Maß weitergeführt, ein Eigentums- weil Verantwortungsbegriff (und vor allem: der Pflicht zur Privatinitiative, die mit Eigentum verbunden ist, und die diese Menschen nicht aufbringen konnten!) mußte sich erst entwickeln. Die Jesuiten bauten also auch hier lediglich auf dem vorhandenen Fundament auf, führten keineswegs einen Kommunismus ein, wie oft dargestellt wird. Daß diese Gemeindegüter (bei zwei Tagen gemeinnütziger Arbeitspflicht pro Woche) freilich auch die eigentliche Versorgungsquelle war und meist blieb, die Privatäcker verkamen, lag eben an der Sittlichkeit der Guaranis selbst, nicht an der Ordnung.

Es gelang in diesen 170 Jahren nicht, die Indianer zu Vorratswirtschaft anzuregen, nur in ganz kleinem Maß zu Privatinitiative. Ein Erbrecht war deshalb obsolet. Sie blieben immer noch eine "Menschheits-Kindheit", wie es ein Pater niederschrieb. Ihre Arbeitsleistung über ein Jahr entsprach etwa dem, was ein europäischer Bauer in vier Wochen bewältigte.

Der Wohlstand der sich bald einstellte, und bald auch in Silber klang, war vor allem der Findigkeit der Padres - und der Geschicklichkeit und Fähigkeit zur Nachahmung der Guaranis - zu verdanken. Bald blühte vielfältigstes Handwerk, und die (kollektive) Rinder- und Schafzucht oder (die kollektiven) Anbauplantagen für Yerba-Tee, Tabak oder Mais brachten durch kluge Bewirtschaftung der Jesuiten höchste Erträge. Sogar eine Druckerei wurde installiert, wo 1705 das erste Buch Südamerikas** erschien.

Auch der Handel blühte. Aber auch der mußte von den Jesuiten durchgeführt werden, denn den Indios fehlte überall jede Eigeninitiative. Wo doch Kontakt mit (weißen) Siedlungen, z. B. durch unvermeidlichen Handel, stattfand, waren sofort die schädigenden, verrohenden Einflüsse durch Verführungen festzustellen, denen die Indianer nicht gewachsen waren. Weshalb er auf das Notwendigste eingeschränkt wurde.



*Natürlich soll diese Passage nicht verstreichen, ohne auf die Tumbheit jener hinzubeißen, die da meinen, welch überlegen Ethik sie selbst nicht verträten, verglichen mit den Vorvätern, und wie erst den Kirchenvätern, die die "Wilden" oft nicht als Menschen bezeichnet hätten. Auch unsere Gesetze kennen die eingeschränkte oder gar entzogene Mündigkeit und damit Handlungsfähigkeit - das "Menschsein" wird auch bei uns definiert und hat - Abtreibung! - eindeutige historische Definition. Nichts anderes war der Kern der damaligen Überlegungen, ohne zu berücksichtigen, daß die materielle Gier vieler sehr darnach verlangt hat, sich jeder menschlichen Gewissenspflicht zu entheben. Es waren die Könige und die Kirche, die diese Pflicht wieder und wieder eingefordert haben! Ohne sie würde es uns heute mit Sicherheit normal erscheinen, den Indianern nach wie vor Menschenqualität abzusprechen. So, wie wir es ja mit Föten oder in der Euthanasie (pardon, "Sterbehilfe" ...) tun. Nur aus dem Transzendenten, als Abbild Gottes, wird der Mensch unabhängig von seiner AKTUALISIERUNG, zu einem in jedem Fall zu Liebenden.

**"Temporal y Eterno" von Pater Nierenberg




Teil 3 morgen) Ein Muster wirklicher Entwicklungshilfe, 
das aber an menschlicher Schwäche scheitert






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Samstag, 25. Mai 2013

An der Wegscheide (1)

Die griechisch-abendländische Philosophie ist praktisch zeitgleich mit der indischen und chinesischen entstanden. Aber schon in ihren Anfängen zeigen sich die grundsätzlichen Unterschiede in der Haltung, die Gegensätze, die Georg Misch zusammenfaßt, die auf andere Weise auf Parallelen verweist, zu denen sich aber beide Kulturkreise je anders stellen.

Dem Inder und Chinesen ist die Welt jener Zustand, in dem er vom Ewigen, Alleinen getrennt wird. In der Vielfalt der Welt verliert er sich. Deshalb muß er ihr in den Subjektivismus entfliehen, sein Ziel ist der ewige Schlaf. Der Krieg, der Konflikt des Alltags reißt ihn in eine Wachheit, die ihn von seiner Bestimmung trennt. Nur die Harmonie des Alltäglichen, der Lebenskreise, die Konfliktfreiheit läßt die Erde als Gottes Stätte erscheinen. In China prägt sich das in der besonderen Zuwendung zum gesellschaftlichen Verhalten aus, in Indien in einem Fatalismus der Gesellschaft gegenüber.

Dem Abendländer liegt es genau umgekehrt, und prägt sich zur selben Zeit (um 500 v. Chr.) ganz anders aus. Heraklith sieht den Alltag als den Schlaf, aus dem es zu erwachen gilt. Ihn kennzeichnet die Weltoffenheit, aus der seine Konzeption des Pantheismus erfließt. Das Alleine liegt in den Dingen, sich ihnen zuzuwenden, darauf kommt es also an. Aus dieser Spannung der Dinge zueinander aber ist das All-eine, das alles Umfassende zu gewinnen. Er öffnet also dem Abendland den Weg zur Wissenschaft, zu einer Welt des Kampfes und der Spannung.

Die Welt der Sinne ist ihm dabei zu wenig. Denn nichts täuscht so sehr, wie sinnlicher Eindruck. ER ist es, der verstrickt. 

Darin könnte man in gewisser Hinsicht eine Parallele zur indisch-chinesischen Metaphysik finden - die Welt ist Stätte Gottes. Aber Heraklith geht den Weg in das Denken, in den Geist - die asiatischen Konzeptionen ziehen sich zurück ins Innere, das sie ins Alleine hinein, dem Ursprung, auflösen. Dabei würde eine Welt der Disharmonie nur stören.

Für Heraklith liegt dieser Ursprung im Logos, der sich in den Dingen ausspricht, und der ist nicht im sinnlichen Faktischen erschöpft, im Gegenteil, das alles Einende ist das was den Sinnen nicht zugängig ist. Sondern dem Geist, dem Verstand - dem Sinn (logos). Denn der Sinn ist es, der die Dinge überhaupt Dinge sein läßt, nicht ihre den Sinnen allein zugängige Erscheinung. 

Deshalb gilt es, die Bedeutung der Dinge zu erfassen, vom sinnlichen Eindruck zu abstrahieren - durch das Verstehen. Und dazu muß der Mensch hinaustreten, sich verstricken - um dadurch die Eigenschaften der Dinge zu erfahren, und ins Allumfassende zu bergen. Dem der die Bedeutung der Dinge verschlossen bleibt, ist die Welt ein fremdes Land. In dieser Bedeutung, im Logos, im Sinn, dem Weg auf den die Dinge zugehen, erfaßt sich der Kreislauf der Welt, in der sich Gott in sich selbst zurückschließt.

Die Dinge sind beiden Erzählung Gottes, aber den einen in ihrer faktischen Deformation Hindernis, den anderen unter Umständen sogar genau damit Weg. Eine je völlig andere Richtung, eine vor allem aber völlig andere Haltung den Dingen der Welt gegenüber.

Dem Inder ziehen die Dinge ihre eigenen Kreise, ohne miteinander zusammenzustoßen. Harmonie heißt ihm, wenn die Dinge einander nicht stören. Heraklith, dem Abendländer hingegen liegt die Allgemeinheit in der Abstraktion des Besonderen, der Vielfalt, und das alleine, ja genau in der möglichst großen Ausformung dieses Besonderen - im Sein des Seienden also! - umfaßt diese Unterschiedenheit, diese Selbstidentität alles Einzelne. 

Alles geht auch ihm also vom Einen aus - aber dieses Eine ist der Endpunkt, das alles Einzelne umfassende, das damit zugleich den Anfangspunkt und Ursprung eröffnet. Das, worein sich der Asiate zu versenken sucht, wozu er der Welt entfliehen muß. Beiden aber ist die Weltseele selbst Gott, die in ihrem Ein- und Ausatmen ("Prana") die ewig gleichen kosmischen Kreisläufe hervorgehen läßt, innerhalb deren sich die Erde mitbewegt. Diese immer selbe Psyche ist allem immanent, auch dem Menschen, der "ist und auch nicht, neu an jedem Tag", als "wir" (Heraklith).* Mensch und Gott stehen sich bei ihm wie den Indern nicht gegenüber - sie sind in ein und derselben Weltseele, dem "Licht des Lichtes", eins. In diesem Pantheismus sind sich Heraklith und die Inder/Chinesen einig.**

Es kommt aber Heraklith nicht auf die sinnlich-oberflächliche Harmonie der Welt der Dinge an (wie dem Asiaten) - ihre Harmonie liegt darüber, in einer Spannung, "wie beim Bogen oder der Leier", und diese Spannung treibt die Dinge hervor. Wie ein Ton, der sich aus ihr löst, als dessen Ausdruck, als wirkende und alles bewegende Kraft, im Handeln und im Kampf. So ist sein Satz zu verstehen: "Der Krieg ist der Vater aller Dinge."

Das Leben entsteht aus dem Kampf der Gegensätze - aus dem Prozeß der Dialektik. Wo alles Sinnenfällige eine Augenblicksform im ständigen Prozeß des Wandels ist, der Vergehen wie Entstehen in sich schließt. Deshalb bedeutet Denken - Leben. Insofern es die Gegensätze in die Einheit (Synthese) des Denkens führt.

Am Gegensatz zeugt sich alles Leben, aus dem Konflikt Männlich - Weiblich. Das daraus entstehende steht auf dem Boden des Todes der Vorherigen, es "lebt seinen Tod", denn das Werden ist nicht einfach ein unterschiedsloses, graduelles Fließen, sondern ein sprunghaftes Neuentstehen. Das vom Denken übergriffen wird. Das Hinzukommen von Attributen bestimmt nicht das Nomen, sondern es modifiziert es.*** Die Dinge werden zu Symbolen des Transzendenten, das sich im Denken aufschließt.





2. Teil morgen) Der Heilige wird Aristokrat



*Heraklith geht tatsächlich von einem genuin nicht-personalen, nicht-substantiellen "Ich" aus, er kennt keine Person als für-sich-Bleibendes Wesen des Menschen, sie ist ihm dynamisch. Das was wir mit "ich" bezeichnen ist ihm in ein ständiges Werden und Vergehen eingebettet, weil sich Sein und Nichtsein als Weltphänomen treffen. Die menschliche Seele hebt sich aus dem Welteinen nur durch den (sich steigern vermögenden, ja sollenden - "erkenne dich selbst") Logos heraus, womit Heraklith die menschliche Seele nicht einfach faktisch mit dem Absoluten gleichsetzt, sondern ihr die Entwicklung in dieses All-eine hinein auferlegt - der Grundstein des abendländischen Humanismus. 

Anders als die Inder, die diese selbe geheimnisvolle Tiefe der menschlichen Seele mit dem All-einen identifizierten, das sich aber völlig anders (in der Auslöschung des kulturellen Selbst) emaniert. Ein signifikanter Unterschied, der sich in den kulturellen Entwicklungen klar ausdrückt. Denn damit war der abendländische Weg des Individualismus gegen das indische Konzept - unvereinbar, weil einander auslöschend! - gesetzt.

**Und darin unterscheiden sich diese Anschauungen vom Judentum und Christentum, aber auch vom Islam, fundamental. Im strengen Sinn müßte man sagen, daß die heraklith'sche Philosophie ebenso wie die der Inder und Chinesen keinen Gott HAT, auch wenn sie dieses All-eine so bezeichnet (Heraklith identifiziert es sogar als "Zeus"). Der Pantheismus ist seinem Wesen nach nihilistisch, ja man kann, bemessen am Verständnis des Juden- und Christentum (und Islam), gar nicht von Religion sprechen. Daraus aber wird vielleicht ein wenig besser verständlich, wie NEU und anders das durch das Christentum Hereingekommene für die damalige Welt wirklich war.

Es ist also überhaupt kein Zufall, daß mit der Hereinnahme der antiken Philosphie in der Scholastik im 13. Jhd. die ursprünglich (könnte man sagen) der gesamten Menschheit nahezu gleichen metaphysischen Anlagen auch zu einer Renaissance des Pantheismus (G. Bruno - Spinoza) als eine darin angelegte Möglichkeit in der Folge einer fehlenden oder mißverstandenen christlichen Aufhellung - die bis hinein in die Metaphysik reicht, diese erst auf ihre realen Schienen stellt - führte. Wenn viele heute der Meinung sind, daß da ja gar keine Unterschiede bestünden, so haben sie den alles entscheidenden Punkt ganz einfach nicht verstanden.

Das ist vergleichbar mit den Tatsachen in der Natur selbst, wo zwar die Lebewesen die anorganische Natur, auf der alle stehen, in sich aufnehmen, aber in diesem Aufnehmen von Grund auf verwandeln. Nur weil im Hund ebenso wie im Menschen oder in der Distel chemisch-analytisch "derselbe" Kohlenstoff enthalten ist, sind nicht alle gleich, sondern haben eine völlig andere Bedeutung und Wirklichkeit, die sich aus ihren empirischen "Bestandteilen" nicht erschließt. Synkretismus und Materialismus sind also ein Wort, sie bedingen einander. Die Esoterik der Gegenwart ist purer Materialismus.

Man kann selbst einen Cusanus oder Meister Eckhart pantheistisch lesen, und der Verfasser dieser Zielen gesteht, daß ihm das bei letzterem unterlaufen ist. Er hat sich auf dieselbe Weise in bzw. an den Worten gefangen, wie es Pantheisten tun. Bis er ihn neu zu verstehen begann, begriff, daß es auf die reale Position ankommt in der man steht - auf die fleischliche Realität des Christentums. Und aus ihr hellt er sich völlig anders auch in den zuvor dunklen Stellen auf. Er ist KEIN Pantheist.

***Josef König stellt in "Sein und Denken" den Unterschied von modifizierenden zu determinierenden Prädikaten dar: Die sinnlich faßbaren Eigenschaften der Dinge - blau, süß, hart, eben sinnliche Qualitäten, die für alle gleichermaßen feststellbar sind - sind determinierend, während alles, was wir beurteilen, modifiziert: gut, ist, ist nicht, gerecht, schön, gütig, edel. Wir sehen und hören und riechen bei modifizierenden Prädikaten nicht analog zum Sein der Dinge. Uns bleibt nur das "wirken wie", als komplexes Urteil aus dem Sinn heraus. Während wir bei "blau" auf alles blicken, das wir in der Sprache "blau" benennen. Hier wechselt auch in den Sprachen der Welt nur das Wort, nicht der Inhalt. Während sich das Wort im vorgefundenen "Blau sein" also erschöpft, tut es das beim modifizierenden "gerecht (etc.)" nicht. 

Diese modifizierenden Worte aber sind es, die das wirkliche Wesen der Dinge, ihren Sinn, ihren Logos beschreiben. Es ist aber der Logos, der die Welt eint, nicht "das Blau". Damit wird auch klar, warum sich im Abendland Philosophie (und Wissenschaft) entwickelte - und nicht in Asien, wo sie in metaphysisch-mythisch/mystisch-theologischen Konzepten oder in reiner Lebenspraxis "der Harmonie willen" (oder in beidem) verlief. (Natürlich immer: grosso modo, von Einzelfällen oder Teilströmungen abgesehen.)



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