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Sonntag, 30. Juni 2013

Erkenntnis als sittlicher Akt

Die Erkenntnis ist ein reales Aus-Sich-Herausgehen des Erkennenden oder - was dasselbe ist - ein reales Hineingehen dessen, was erkannt wird, in den Erkennenden - eine reale Vereinigung des Erkennenden und des Erkannten. Das ist die fundamentale und charakteristische These der gesamten russischen und überhaupt der östlichen Philosophie. 
Wir sind zu ihr auf einem etwas anderen und sichereren Wege gekommen, indem wir geradezu auf das Herz und die Seele dieses "Herausgehen aus sich selber" als auf einen Glaubensakt im religiösen, orthodoxen Sinn hinwiesen, denn das wahre "Hinausgehen" ist eben der Glaube, alles andere kann traumhaft und trügerisch sein. 
Die Erkenntnis ist also kein Ergreifen des toten Objekts durch das raubgierige gnoseologische Subjekt, sondern eine lebendige sittliche Gemeinschaft der Persönlichkeiten, von denen jede jeder als Subjekt und als Objekt dient. Im eigentlichen Sinne ist nur die Persönlichkeit und durch die Persönlichkeit erkennbar.





Wenn die Vernunft nicht des Seins teilhaftig ist, so hat auch das Sein an der Vernunft nicht teil, d. h. es ist alogisch. Der Akt des Erkennens ist deshalb nicht einfach ein gnoseologischer, sondern ein ontologischer Akt, nicht nur ein idealer, sondern ein realer Akt.



Pawel Florenski, in "Säule und Grundfeste der Wahrheit"





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Es ist kompliziert


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Vom Irrationalen des Rationalistischen

Es entspringt derselben Quelle - hier zu meinen, der Mensch wäre in der Lage, das Leben auf der Erde überhaupt auszulöschen, und anderseits die menschlich-zivilisatorisch-rationalistische Vernunft für die alleinige zu halten. Das ist irrational, und das ist nicht Vernunft. Irrationalität, aus der heraus sich Wissenschaft zur Welterklärung selbst verstiegen hat. Nur wer meint, die Welt als Ganzes bauen zu können kann meinen, sie auch zerstören zu können. Nur wer meint, daß es ein Gesamtprinzip gibt, das er beeinflussen kann - auch dort, wo er es nicht oder noch nicht kennt - kann meinen, die Welt insgesamt zerstören zu können.

Darin liegt das Auffällige der Weltuntergangsszenarien, die uns seit 100 Jahren zunehmend vor Augen geführt werden.

Die Angst vor der Totalzerstörung der Welt rührt ja aus dem Begreifen, daß diese weltimmanente, logizistisch-technische Rationalität zum Erfassen der Welt in ihrer Gesamtheit gar nicht ausreicht. Diese Bilder als Schlüsse stammen aus ganz anderen Bezirken als jenen der rationalen ("wissenschaftlich-objektiven") Strukturen, sie sind selbst tieferliegender, und damit prinzipiell religiöser Natur. Denn jede Logik ist ja nur das "formale Weltbild des Denkens" (L. Gabriel), das alle Axiome, als Paradigmen der späteren Logik in sich als Grundlage trägt und entfaltet. 'Auf sie hin also wird gedacht - jene folgen nicht aus der Logik, sondern umgekehrt.

Der Mensch weiß sich immer in ein alles umgreifendes Sein eingebunden, und nur deshalb und insoweit vermag er überhaupt etwas. Die Frage ist also, welcher Natur dieses Seinsbild ist.

Eine Zerstörung kann sich nur auf diese Teilbezirke seines Tuns und Wollens beziehen, handeln wider die Vernunft ist also immer ein Handeln gegen das Sein, und doch kann es nie das Sein selbst verlassen.

Die Logik gründet nicht im Abstrakten der Technik und Mathematik, sondern umgekehrt. Sie ergibt sich auch nicht aus der Erfahrung, sie braucht dazu synthetische, die Erfahrung erst (qualifizierend) zu einer solchen machende Bilder und Urteile. Die Logik gründet ja im Zueinander des Wesens der Welt und der Dinge, das eine andere, hörende und synthetische Art des Ergreifens braucht, um jener Quelle zu nahen, aus der alles überhaupt erst besteht.* Dort liegt, durch Urteile, Vorentscheidungen konstruiert, jene Sinn- und Seinsmacht, die der Welt zugrundeliegt, und die dann spätere Gedankenbilder und Schlüsse hervorbringt.

Der kritische Ansatz dieser Seiten bezieht sich (über die Wissenschaftskritik hinaus) also auf diese Anschauungsbilder und Grundentscheidungen. Ohne die eine "wissenschaftliche Aussage" nämlich gar nicht möglich ist. Dort liegt der Hund begraben, wenn man so will. Der sich dann auch in jeder Teillogik nachweisen läßt.

Denn der (grosso modo) aufklärerische Ansatz, mit dem wir es heute zu tun haben, löst fälschlich den Menschen in einen von jeder Transzendenz abgeschlossenen Weltmechanismus auf, wo er nur als Rädchen mitläuft. Daraus folgt mit zwangsläufiger Logik eine apokalyptische Grundhaltung, der mit ebensolcher Zwangsläufigkeit Totalitarismus folgt. Die Blüten unserer (auch politisch aufgegriffenen) Handlungsprioritäten zeugen davon. Zwischen Klimawahn, Atomkriegsangst (in der Form wie sie uns Jahrzehnte beherrscht hat), Nationalsozialismus, Kommunismus, Globalisierung und globaler Technisierung durch social media (etc. etc.) ... gibt es also überhaupt keinen Unterschied, sie sind in Wahrheit Ausgestaltungen derselben Denkbewegung. Deren Mannigfaltigkeiten Selbsttäuschungen sind. Und das macht einen immer größeren Teil des öffentlichen wie zwischenmenschlichen Diskurses zu einem irrelevantem Geplappere.




*Gerade wer eine Maschine, eine Apparatur baut erfährt, wie genau er hinhören muß, wie dieses Wesen der Dinge überhaupt aussieht. Man kann gar nicht "irgendeine" Maschine bauen, sondern ihr Funktionieren, das auf einen herausgegriffenen Zweck bezogen wird, hängt vom Beachten der in dieser Ausschnitthaftigkeit relevanten Wesensaspekte der Dinge, die man zur Konstruktion verwendet, ab.



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Samstag, 29. Juni 2013

Hören vor dem Sprechen

Manfred Spitzer bzw. die Gehirnforschung (man beachte das hier vorzufindende Filmchen eines seiner Vorträge) zeigt, daß der Akt des Zuhörens zuerst beim Hörenden, und dann beim Sprechenden Verstehen anzeigt. Der Hörende ist der erste, das läßt sich gehirnphysiologisch zeigen. Seine Verstehensaktivität setzt bereits ca. 3 Sekunden früher ein, als der Sprechende überhaupt zu sprechen beginnt! 

Heraklith schreibt, daß wie im Zuhören dem Sprechenden voraus sind. Wir verstehen ihn bereits - oder nicht - noch ehe er zu sprechen begonnen hat. Ohne den Logos zuvor bereits erfaßt zu haben, könnten wir kein Wort von dem, was der andere sagt, verstehen, sofern der Sprechende sinnvoll spricht, also gleichermaßen am Logos teilhat.

Wilhelm von Humboldt schreibt einmal: "Um sich zu verstehn, muß man sich schon verstanden haben." Dem faktischen Reden und Verstehen muß eine Übereinstimmung bereits zugrundeliegen.




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Segen Globalisierung? (2)

 Teil 2) Bloßer Wirtschaftsliberalismus versteht Freiheit nicht




Kommentar: Gibt man den Menschen die Chance, wirtschaftlich frei tätig zu sein, sich etwas dabei zu schaffen, geht auch die Armut zurück. Vielleicht sollte man es auf diesen Faktor beschränken, meint der Verfasser dieser Zeilen. Darin stärkt diese Studie auch die Aussagen an dieser Stelle. Und ein wesentliches Element dabei darf nicht vergessen werden: Freiheit ist nicht nur eine Möglichkeit der individuellen Entfaltung, die nicht entmutigt werden darf. Freiheit ist auch ein Aufruf, ja eine Last, sich zu erheben, und diese Last zu tragen. Deshalb braucht es auch einen Ansporn durch den Verweis auf die eigene Kraft, diese Last darf dem Einzelnen nicht genommen werden. 

Sozialsysteme müssen strikt subsidiär bleiben, dürfen einfach nicht "leicht" zugängig sein, sonst wirken sie hemmend, der Mensch muß wissen, daß es auf ihn selbst ankommt, er sich selbst helfen muß. Sie sind und bleiben Hilfeleistungen, die der Willkür und Güte der Geber unterliegen. Sie zu beanspruchen kann nie mehr sein als der Appell an diese Güte, bei Gebern als (aber  nur individuell zu erfüllende, damit freigestellte) moralische Pflicht, wie Nehmern, die sie mit Dankesschuld belastet. 

Wird Sozialleistung zum "Recht", wird die jedem mögliche Grenze und Belastungsfähigkeit gar nicht mehr ausgelotet, was destruktive Auswirkungen bis hinein in das persönliche Selbstbewußtsein, in die individuelle Würde hat. Und damit sinkt auch die Wirtschaftsleistung.

Hinter dem Umverteilungsgedanken steht ja gar nicht Güte als Motiv, denn die würde sich ja auf alle Beteiligten erstrecken müssen. Vielmehr steht eine verquere Auffassung, wie Wirtschaftsleistung und Eigentum überhaupt entsteht. Die Eigentum deshalb als Unrecht ansieht, um es umso leichter beschneiden zu können. Genau darin aber wird die Umverteilung zum oft sogar schweren Unrecht. Soziale Tat - eine Tat der Liebe - kann und darf nicht vom ethischen Akt des Tuenden getrennt werden!

Genausowenig, wie ein Staat Akte der Gerechtigkeit zu sozialen Güteakten umpunzieren darf. Wie das bei der Kinderbeihilfe oder Steuerabsetzbeträgen für Kinder etwa geschieht. Die keineswegs Akte der Güte sind, sondern zu Unrecht eingehobene Steuern* - Familien werden in ihrer Leistung für den Staat (indirekt, durch das Großziehen von Kindern, ein Leistung, die Kinderlose nicht erbringen) direkt durch die allgemeinen Steuern (etwa durch Verbrauchssteuern wie die Mehrwertsteuer, durch Gebühren etc.) ungerecht belastet - rückführen soll. Eine (von mittlerweile vieler) Ungerechtigkeit, die keineswegs durch die Wirtschaft geschieht, sondern direkt durch den Staat.**
 
Wobei die Globalisierung dieser individuellen Entfaltung keineswegs, also anders als die Studie als Zusammenhang behauptet, fördert. Sie fördert nur eine BESTIMMTE Art der Entwicklung. In der der Fokus genau vom eigentlichen Wirtschaftsgrund, der individuellen Entfaltung, die immer einen streng regionalen Bezug braucht wie hat, auf bloßen Gelderwerb wandert. Der Zusammenfall von Globalisierung und Hebung des Wohlstands ist also nahezu zufällig, ihr Wirkfaktor ist - wenn - lediglich in der wirtschaftlichen Liberalisierung zu sehen, die auch die Globalisierung braucht, aber eine Interpretation bedeutet, die zählbaren Wohlstand mit Gemeinwohl verwechselt. Letzteres hat eine völlig andere Dimension, und ihre Überschneidung mit Wirtschaftsliberalismus ist lediglich eine Frage der besseren Entsprechung, als es sozialistische Modelle bedeuten, die die Axt an die Wurzel des Wirtschaftens überhaupt legen.

Ethisches Handeln kann nicht per Gesetz verordnet (nur Vergehen gegen sachliche Prinzipien geahndet) werden, selbst wenn sie kollektiver Konsens ist, das nimmt ihm den Charakter als menschliche Tat, die nicht ohne Raum und Zeit, ohne Kairos gesehen werden kann. Und darauf kommt es an. Auch in der persönlichen Wirtschaftsleistung. Weit mehr als auf bloße Zahleneffizienz ist Wirtschaften persönliche Wirklichung, die auch durchaus Ablehnung und Mißerfolg heißen kann. Leben ist niemals Erfolgsgarantie, und Erfolg sagt nur sehr bedingt etwas aus über Gelungenheit der Wirklichung.

In den Augen des Verfassers wird die österreichische Schule der Volkswirtschaft meist viel zu einseitig als bloßer schrankenloser Wirtschaftsliberalismus gesehen. Der Verfasser liest viel mehr daraus, und liest das auch als Hintergrund in die Theoriengebilde etwa eines L. v. Mises hinein, viele Indizien sprechen dafür. Der anthropologische Hintergrund, der diesen Theorien zugrunde liegt und sie zu einer Gesamttheorie menschlicher Arbeit und Wirtschaft macht, wird meist völlig ausgeblendet und gar nicht verstanden. Die Ablehnung des Staatsdirigismus, die der Wirtschaftsliberalismus gerne benützt weil sie ihm entgegennkommt, ist aber wesentlich darauf bezogen. 
Das zeigt sich auch darin, daß der Liberalismus sehr gerne an den Punkt kommt, wo er nach Staat ruft, wo sie mathematischer Wirtschaftsentfaltung entgegenkommt, wie bei der Infrastruktur. Entsprechend gehören die staatlichen Eingriffe in die Infrastruktur - etwa in Verkehr, Energie, Kommunikationsmittel, ganz unabhängig noch von den Sozialsystemen, und überhaupt natürlich der sogenannten "Gesellschaftspolitik", bis hinein in die Medienpolitik - zu den massivsten und zerstörerischesten Eingriffen in den Ethos der indidivuellen Entfaltung.

Und er tut dies aus massivem Eigeninteresse der Politik, der ein zu Mechanismen umgebautes Staatsvolk leichter "verwendbar" ist, als wirklich freie Menschen. Aber ein Staat kann und darf sein Volk gar nicht glücklich und auch nicht wohlhabend MACHEN - er muß es glücklich und wohlhabend WERDEN LASSEN. Im Maß, in dem es das will und kann.

Dadurch kommt der rein als Instrument in diesem Mechanismus individueller Interessen - Staat als "Beuteziel" - mißbrauchte Wirtschaftsliberalismus in der Praxis ständig in Konflikt mit der Ethik, daraus folgt der scheinbare Zusammenhang von Forderungen nach Ethik und Beschneidung oder Beschränkung der wirtschaftlichen Freiheit. Aber diese Polarität bestünde gar nicht, würde der Wirtschaftsliberalismus sich selber richtig verstehen.

Das regulative Element des Staates kann nicht darin bestehen, Freiheit denn doch wieder zu beschränken. Es muß darin bestehen, selbst nicht für ihren Mißbrauch anfällig zu sein. Genau das Gegenteil ist heute aber der Fall. Der Staat braucht heute regelrecht diesen Mißbrauch, und verdunstet unter dem grotesken Anspruch, zur Servicestelle für Interessen zu verkommen.



*Es ist leicht einsichtig, daß ein Staat Menschen nicht unter ein Maß besteuern darf, das ihnen das Lebensnotwendigste ermöglicht. Das ist ein elementares Individualrecht, das jedem Menschen einzeln zusteht, deshalb auch nicht etwa über "Familieneinkommen" gerechnet werden darf. 

**Eine sozialistische Politikerin Österreichs hat sich unlängst sogar zu der ungeheuren Behauptung verstiegen, daß diese pure Gerechtigkeitsforderung, die ja noch immer nicht erfüllt ist, eine abzulehnende Anreizprämie für Kinder wäre. Und - niemand hat opponiert! Das Mindeste wäre ein Ordnungsruf des Präsidenten gewesen.




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Transzendenz Darwins

Aus 2010) Man unterschätzt sehr leicht die Transzendenz des Darwinismus. Denn er führt unweigerlich zur Idee, daß aus dem (heutigen) Menschen sich eine diesen übersteigende, neue, höherer Art entwickelt. Ja: daß wir dafür verantwortlich sind, DASZ sie sich entwickelt. Denn wir haben nur die Wahl, so sagt es die Evolution: uns zu entwickeln, oder im Kampf zu unterliegen. Somit geht der Streit um das Bild des Guten, des Erstrebenswerten - dem dann alle Dringlichkeit zugeschrieben wird.

Man spürt die treibende Kraft, die Aggression dieses schweigenden Untergrunds.

Freitag, 28. Juni 2013

Ein Lob dem Mechanismus

Welch Wunder des Wissens, wie die Welt ist. Technisch. Meßbar. Logisch. Physikalisch einwandfrei. Wissenschaftlich bewiesen.








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Der Stoff aus dem die Träume sind

Eine Art "vorsichtige Entwarnung" gibt eine Studie eines internationalen Wissenschafterteams aus neun Ländern, die in Science veröffentlicht wurde, wie die NZZ berichtet. Das Schwundverhalten des Festlandeises an Polen und Gletschern sei deutlich überschätzt worden. Der Eisschwund verlaufe wesentlich langsamer, als bisher angenommen. Wobei es überhaupt sehr sehr schwer ist, überhaupt Prognosen abzugeben. Denn die vorliegenden Meßwerte sind alles andere als reichhaltig.

Von den weltweit über 160 000 Gletschern haben sie den Massenverlust durch Feldmessungen nur an 120 genau bestimmen können. Messreihen, die sich über mindestens drei Jahrzehnte erstrecken, gibt es sogar nur für 37 Gletscher. Aus wenigen Daten müssen die Glaziologen also auf die Gesamtheit aller Gletscher schliessen.
Solche Extrapolationen sind naturgemäss mit grossen Unsicherheiten verbunden, und offenbar führen sie zu einer systematischen Überschätzung der Gletscherschmelze, wie jetzt eine Studie von einem internationalen Wissenschafterteam aus neun Ländern zeigt («Science», 17. Mai 2013).

Zwar sei relativ sicher, daß weltweit Eis verloren gehe, aber die Menge sei bisher eindeutig überschätzt worden. Die Arktis (Grönland und Alaska) sei davon mehr betroffen, nur wenig aber die Antarktis. Aber eigentlich weiß man wenig bis nichts. Von Gegenden abseits der Zivilisation fehlen nämlich überhaupt alle Daten* (sic!)

«Wir sehen derzeit kein Katastrophenszenario, so schnell werden die Gletscher nicht verschwinden», sagt Tobias Bolch

Wie sich die Entwicklung fortsetzt, läßt sich (wörtlich) aus den Daten nicht ablesen, weil die komplexe Dynamik der Gletscher noch Überraschungen bereithalten könnte.

Auffällig aber bleibt, dass der seit Jahrzehnten anhaltende Trend zu immer höheren Eisverlust-Schätzungen durch die Satellitenbeobachtungen gebrochen scheint und sich inzwischen ein differenzierteres Bild ergibt.




*Und genau das ist aber der springende Punkt, auf den an dieser Stelle immer wieder hingewiesen wurde: Als lokale, regionale Veränderung gibt es immer Veränderungen des Kleinraumklimas, dort ist es bestimmbar, auch wenn es sich völlig im Rahmen historisch bekannter Veränderungen vollzieht. Daß der unmittelbare Lebensraum von der Lebensweise verändert wird - Schnee neben dem Lagerfeuer schmilzt, je nach Feuerstärke - ist selbstverständlich. Aber auch hier mit einem Wechselspiel mit den jeweils größeren, umfassenderen Räumen, die aber immer auf eine Konservierung des Zustands des je umfassenderen Systems abzielen. Es ist deshalb völlig sinnlos, aus Kleinräumen auf "globales Klima" (das es in dieser Form gar nicht als bestimmbare Größe gibt) rückschließen zu wollen! Auf die Spitze gebracht: Die Forscher, die in die Arktis reisen, um die Klimaerwärmung zu messen, verursachen sie in ihrem Kleinfeld nämlich selbst ...

Noch ein Detail dazu: Den Anstieg des Meerwasserspiegels festzustellen geschieht in Rückschlußverfangen durch Magnetfeldmessungen durch Satelliten. Verlangt also eine willentliche, thetische Annahme der Ursache-Wirklungsverhältnisse, ist also alles andere als (direkt) "empirisch". Mehr muß wohl nicht mehr gesagt werden.

Und noch etwas: Überhaupt von "Empirie" zu sprechen, die den "Klimawandel" belege, gar beweise, ist einfach nur grotesk. Immer wieder wird nämlich klar, wie unzureichend überhaupt empirisches Material ist. Niemals kann deshalb "aus dem empirischen Material" auf Klimawandel geschlossen werden - sondern umgekehrt: man interpretierte aus der These heraus, und Klimaforschung ist über weite Strecken überhaupt nur Belegsuche für deren Richtigkeit. Erst in den letzten Jahren mehren sich die wissenschaftlichen Stimmen, die eine etwas umfassendere, offenere Herangehensweise pflegen.

Dies zu Eingang des Sommers gesagt, der wie mittlerweile jedes Jahr eine Lawine an "Klimaerwärmungsprognosen" über uns hereinbrechen lassen wird. 





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Segen Globalisierung? (1)

Je mehr wirtschaftliche Freiheit eine Volkswirtschaft genießt, desto weniger Armut gibt es. Auf diesen simplen Nenner läßt sich eine Langzeitstudie bringen, die zahlreiche weitere Studien auswertet und in der 9. internationalen Gottfried-von-Haberler-Konferenz in Vaduz, veranstaltet vom European Center for Austrian Economics, in diesen Wochen diskutiert wurde. 

Das Beispiel Peru zeigt, daß kein soziales Umverteilungsprogramm dazu in der Lage ist. Dafür ruiniert staatlicher Dirigismus - wie in Peru - die Volkswirtschaft. Nichts hat die weltweite Armut so bekämpft, wie die Globalisierung der letzten Jahre und Jahrzehnte. Selbst für Afrika zeigt sich das. Insgesamt haben sich die weltweiten Bruttosozialprodukte deshalb mehr angeglichen, sodaß auch die Wohlstandsunterschiede zurückgegangen sind. Die Welt ist in diesen Jahrzehnten der Globalisierung nicht ungleicher, dafür aber weniger arm geworden.

In Peru haben sich seit 1989, als das Land nach sozialistischen Reformen wirtschaftlich am Ende war, ein Viertel der Menschen selbst aus der Armut befreit. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf hat sich vervierfacht.

Ein Faktor ist dabei wichtig: dezentrale Politik und Jurisdiktion. Der Wettbewerb von Regionen gibt dieser Entwicklung erst die nötige Luft. Dazu müssen Kompetenzen lokalisiert, Märkte geöffnet werden.

Hilfreich für ein marktwirtschaftlichen Reformen förderliches Klima ist in der Regel Wettbewerb auch auf politischer Ebene – zwischen Parteien und möglichst dezentral organisierten politischen Jurisdiktionen. Laut Barun S. Mitra erklärt das lange währende faktische Einparteienregime auf nationaler Ebene viel marktfeindlichen Populismus, der in Indien die Entwicklung gehemmt hat. Mitra zeigte aber, dass politischer Wettbewerb auf Gemeindeebene zu mehr Reformen und Freiheit führte. Von einer Stärkung der lokalen Kompetenzen im Zusammenhang mit der Administration von Landrechten erhofft er sich deshalb einen neuen Entwicklungsschub für Indien.

Es führt zu nichts, Leistungseliten im Namen von Umverteilung zu enteignen. Eigentumserwerb muß geschützt sein, erst dann wird Eigentum produktiv. 

[...] Die beste Sozial- und Entwicklungspolitik aber ist es, Ärmeren Chancen zu bieten, reicher zu werden. Bildung, Zugang zum Arbeitsmarkt und marktwirtschaftlicher Wettbewerb dürften dafür die zentralen Erfolgsfaktoren sein.


Teil 2 morgen) Bloßer Wirtschaftsliberalismus versteht Freiheit nicht




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Donnerstag, 27. Juni 2013

Als es heiß war


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Neuformierung Europas

Aufsehen erregte Giorgio Agamben, dessen Einfluß im momentanten Philosophiediskurs hoch ist, er ist einer der meistgelesenen Autoren Europas, mit jüngst gemachten Äußerungen. Man kann über Details streiten, aber im Wesentlichen greift Agamben auf, was auch an dieser Stelle bereits vorgestellt wurde: Es hat keinen Sinn, Staaten und Völker mit unterschiedlicher Lebens- und Denkweise zusammenfassen zu wollen. Insbesondere die protestantische Lebenshaltung ist mit der katholisch-mediterranen unvereinbar. Deshalb müssen auch Wirtschaftsunionen scheitern, weil die Zielsetzungen der Menschen völlig unterschiedlich sind.

Deutschland, die USA, einige westeuropäische Länder haben eine Ethik des mechanistischen Wirtschaftsgebahrens. Über diese Kriterien gebrochen, wird es nie möglich sein, den romanisch-mediterranen Teil auf dasselbe Niveau der Wirtschaftsleistung - als oberste Maxime politischen Handelns - bringen zu wollen. Aus prinzipiellen Gründen. Der katholische Mensch hat andere Ziele. Ihm hat das Leben in seinen elementaren, alltäglichen, nicht leistungsorientierten Vollzügen selbst einen anderen Stellenwert. Er opfert nicht einfach diese Lebensart, die man als "dolce far niente" (süßes Nichtstun) bezeichnen könnte, gegen wirtschaftliche Höchstleistung, Wohlstand ist ihm nicht oberste Maxime. Auch hat ihm die Kirche, die Religion einen anderen Stellenwert. Während der Powerkapitalismus Europas und vor allem Deutschlands eine völlige Ausgrenzung dieser inneren Lebenswerte verlangt.

Agamben schlägt deshalb eine neue Zusammenstellung der Machtblöcke vor, die im wesentlichen entlang der Religionslinien verlaufen: Orthodoxie (mit den slawisch-osteuropäischen Ländern), Protestantismus (mit der Achse Deutschland-USA), Katholizismus (mit den Kernländern Spanien-Frankreich-Italien). In der derzeitigen Konstellation wird Europa von der deutschen Wirtschaftsmaschinerie, an die anzupassen alle übrigen Staaten gezwungen sind, wie überrollt.

Diese Ideen sind nicht neu, und der Italiener Agamben ist mit solchen Deutungen auch nicht alleine. Auch Bernard-Henry Levy, einer der einflußreichsten Intellektuellen Frankreichs, in der Stellung (nicht aber inhaltlich, Levy ist "nicht-links") Sartre vergleichbar, hat sich im Vorjahr geäußert, daß Europa seine Seele verliert. Schon unmittelbar nach 1945 wurde von Leuten wie Alexandre Kojève darauf hingewiesen, was passieren wird, wenn sich Europa der deutschen Wirtschaftsethik angleicht.

Der Verfasser dieser Zeilen erlaubt sich u. a. auf die hier veröffentlichten Artikel vom Jänner d. J.  in Teil 1 und Teil 2 hinzuweisen, in denen er eine neue Gliederung Europas vorschlägt, die er als unausweichlich sieht, will man nicht einen katastropischen Zerfall Europas, auf den alles hinläuft, riskieren. Im wenigsten möge der geneigte Leser diesen Hinweis als Beleg dafür sehen, daß diese Ideen nicht solitäre Spinnereien sind, sondern gewissermaßen in der Luft liegen.




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Von unausgesetztem Lügen


Aus 2010) Es läßt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Wer noch nie Gewalt angewandt hat, noch mehr, dies behauptet, lügt nicht nur (denn Gewalt gehört zum Leben wie das Brot), sondern steht im dringenden Verdacht, noch nie in seinem Leben Verantwortung wahrgenommen zu haben, und solche zu verweigern.

Weshalb die medial ständig hochgekochte Quatscherei über häusliche Gewalt nichts ist als politisch motivierte Manipulation durch Lüge. Das beginnt schon bei Bildern wie dem hier vorgestellten, eines aus der Blüte der von der Austria Prese Agentur zum PR-Artikel der "Interventionsstellen" (die ja Geld brauchen, dazu ihre Existenzberechtigung beweisen müssen, und dies auch skrupellos tun) mitgelieferten Bildes.

Es ist kein Wunder, daß das "Sommerloch" in den Medien solche Themen aufbläst, von Institutionen lanciert, die nicht davor zurückscheuen, um des "Höheren Gutes" willen (ihrer Existenz nämlich) auch zu lügen: Situationen des Lebens in theatralischer Dramatik darzustellen, auf eine Art, die der Selbstdramatisierung des Homosexuellen und der Hysterie frappierend gleicht.

Fand man also jene ruhige Zeit, in der man die gequälten Bürger des Landes wie gewohnt irrational emotionalisieren kann, weil sie mal nicht an Arbeitsplatznot und Pensionssorgen denken. Und wo die Zeitungen froh sind, Themen gut aufbereitet geliefert zu bekommen, die die Dramatik weiterhin aufgekocht halten, die das Medium braucht, um gekauft zu werden.

Es gibt Gewalt in den Familien, berichten die Zeitungen? Steigend? Möglich, wenn man auch keiner Statistik trauen sollte, die man nicht selbst gefälscht hat. Ja es ist sogar wahrscheinlich, und absehbar: denn die Zerstörung der Familie nimmt immer groteskere Formen an, und sie ist in erster LInie eine Depotenzierung des Mannes (bzw. generelle der Eltern) und kann deshalb gar nicht anders als in Gewalt münden.

Es gibt nur leider viel zuwenig von der richtigen Gewalt. Die etwas, das einem vorausgeht, demgegenüber man verantwortlich ist, erhalten und schützen soll, denn den Männer fehlt in den Familien der Mut, das auf sich zu nehmen, was ihnen dann blüht: ein wirklicher Konflikt mit dem Terror der Staatsgewalt, das Erleben seiner Rechtlosigkeit.

Stattdessen bleibt sie irrational, kann nicht ausgesprochen werden. Weil das, was die Väter in Wahrheit empfinden, von einer regelrechten Lügenindustrie (und DAS ist Gewalt!) zum Unrecht erklärt wird, der Mann sohin einen Zwiespalt zwischen seiner Natur und dem Gesollten erfährt! Er sich also als "nicht richtig" erlebt, wofür sich eine weitere Industrie an Charakterlosigkeit zur Problemlösung anbietet: die Probleme löst, indem sie die Probleme relativiert und die Persönlichkeit auflöst, die diese "nicht objektiv vorhandenen" Probleme als Störungen empfindet.

Denn es gibt nämlich viel zu viel von der falschen Gewalt staatlichen, unmoralischen weil das Wider- und A-natürliche fördernden, sich laut zur Norm aufplusternden Wahnsinns. Hier hätte der Staat tatsächlich Handlungsbedarf, denn in keinem Fall kann Gewalt eine Dauerhandlung sein: er hätte sich zu fragen, was in der Familienpolitik falsch läuft, wenn tatsächlich Gewalt so sehr an der Tagesordnung steht. Stattdessen aber wird das Symptom unterdrückt (indem die Handhabe der Gewalt für Frauen noch mehr erleichtert wird), und schlicht eben die betroffene Seite (Männer) als anpassungsbedürftig, rückständig etc. dargestellt und verurteilt.

Weshalb die Linke auch hier erzeugen wird, wogegen sie notwendig zu sein behauptet: eine Welle der Gewalt, die ja - wenn die Familienpolitik weiter so widernatürlich bleibt, die Natur der Familie weiter zerstört, nicht bald wieder ermöglicht wird - noch nicht einmal angehoben hat.

Adam Müller beschreibt es vor fast 200 Jahren bereits so: daß es einer der größten Irrtümer und staatspolitischen Verderben war, den Menschen einzureden, das ideale Leben wäre ein Leben allseitigen Dauerfriedens. In Wahrheit ist das Leben krank, wenn es sich nicht im Krieg weiß.

Das, bemerkenswerterweise, weiß niemand besser als ... die Linke.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Last der Freiheit

Anders als Tiere und Pflanzen findet der Mensch sich nicht ein einer selbstverständlichen Einordnung in der Welt. Es mangelt ihm, schreibt Leo Gabriel in "Logik der Weltanschauung", an der Geborgenheit und Gesichertheit seines Daseins im Natur-Zusammenhang. Sein Dasein fügt sich nicht glatt in diese Ordnung ein; es hat im "ordo naturae" seine Schwierigkeit. Es ist, als solle er von Natur aus für sich selbst sorgen.

Und er muß es auch. Als bloße Gegebenheit in der Natur kann der Mensch nicht existieren, er muß sich behaupten, er muß sich durchsetzen. Und dazu muß er sich selbst setzen, sich in jener Ordnung begründen, in der er überhaupt erst bestehen kann: im "ordo humanus".*

Die Existenz des Menschen ist also keine Gegebenheit, sondern verlangt Setzung und Verwirklichung seiner Eigenwelt. Hier kommt die Rolle der Wahrheit zum Tragen. Denn sein Erkennen kann sich nur auf jene Ordnung beziehen, die der Welt an sich vorausgeht, die er überall vorfindet. Alles, was der Mensch vorfindet, steht in einem solchen Geflecht der Ordnung. Verstößt er gegen diese Ordnung, so entzieht es sich ihm.

Und in diese Ordnung hinein muß er sich selbst in Spontaneität setzen, als Folge der Freiheit, die er besitzt, muß er in seinem Erkennen diese Ordnung in sich selbst begründen, die ihn überhaupt erst ermöglicht. Das zwingt ihn auch, eine Weltanschauung, einen Standpunkt zu setzen, aus dem heraus er erst handeln kann. Erst wenn man den Menschen in dieser Gefährdung sieht, wenn man ihn in dieser geforderten Freiheit der schöpferischen Setzung sieht, kann man ihn verstehen.

Daraus ist auch die Versuchung verstehbar, in der sich der Mensch in einem Massenselbst auflösen möchte, dessen Handlungsimperative er dann in sich übernimmt. Sie geben ihm einerseits Sicherheit, anderseits entbinden sie ihn - scheinbar - von seiner Last der Freiheit, sich schöpferisch zu setzen. Und genau darin verfehlt er sich dann, in seinen grundlegendsten Antrieb.

Eine gesellschaftliche Ordnung (als Staat, Land, Verein, Genossenschaft, ja Ehe und Familie, etc. etc.) kann deshalb nur dann gerecht sein, wenn sie diese Grundnatur des Menschen ERMÖGLICHT, nicht behindert. Sie kann sie nicht ersetzen oder übernehmen.

Das macht aber auch klar, daß das Wesen von Manipulation wie Freiheit mit Art und Wesen von Autorität untrennbar verknüpft ist. Denn ohne Autorität zuzugeben, zu akzeptieren, kann der Mensch gar nicht erkennen. Und damit kann er keine Ordnung setzen, in die er sich eingründet. Liegt hier sein Schaden, ist diese Autorität nicht definiert, beginnt der Mensch herumzuschlagen, sich ins Periphere der zufälligen Lebenserscheinungen zu verkrallen.**

Weil alles seinem Wesen nach wirkt, weil alles seiner Art nach erkennt, ist es dieses Spannungsfeld von Weltanschauung, Erkenntnis und Vorgefundenem, das das Wesen seines Handelns bestimmt. Daraus bestimmt sich der Charakter seines Wirkens als Charakter seines Willens.

Hier ist die Schnittstelle, die Weiche, die in drei Wege aufteilt. Deren zwei auf einer Skala liegen - als Fatalismus, der gar keine Gestaltungsmöglichkeit sieht, sondern den Menschen einspannt in bloße Ablauffolgen, und als Voluntarismus, der die menschliche Freiheit absolut setzt und entsprechend willkürlich die Welt gestaltet. Der dritte Weg liegt nicht "dazwischen", er ist der andere, der eigentliche Weg seiner Würde: der des Schöpferischen. Der in der Gestaltung nach einem Urbilde im Geheimnis des Göttlichen sucht, an dem er teilhaben, dem er sich öffnen kann, um so die Welt aus ihrer Wirklichkeit heraus auszufalten, dem Nichts der Welt mutig die Gestalt entgegenzusetzen, Welt damit zu wirken.




*Daraus läßt sich das Wesen von Ideologien und politischen Utopien sehr gut erfassen, so wie sich erfassen läßt, was unsere heutigen Lebensordnungen eigentlich sind: Modelle dieser Geborgenheitheit, Versprechen dieser tief existentiellen Sicherheit. Sie geben genau diese natürliche Ordnung vor, die zu schaffen sie versprechen, um dafür nur einen Schritt zu verlangen: Das Aufgeben der schöpferischen Selbstsetzung, die Übernahme des Gesamt- als Individualstandpunkt.

**Ein Aspekt, der beim ADHS völlig übersehen und verdrängt wird, weil er zu weit folgenschwereren Ursachenanalysen folgen würde. Es liegt also zwar Wahrheit in dem Satz, daß ADHS mit der Lebensführung der Familie zu tun hat. Aber von Ursachenermittlung ist er noch weit entfernt. Er bleibt aber richtiger Hinweis.




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Chiquita Madame

Aus dem Film Odette Toulemonde, mit Catherine Frot







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Aus Protest eintragen lassen

Aus 2011) Slowenien hat schon vor drei Jahren die Gleichstellung von Homosexuellen-Paaren mit Ehepaaren beschlossen. Gleich? Nicht ganz. Nun hat es den letzten Nachschub gegeben: auch das Erbrecht wurde völlig angeglichen. Jetzt gleich? Nein, noch immer nicht. Sagen die Befürworter und Vorkämpfer. Und sagte einst das Gesetz. Aber sieh da: Nun hat sich herausgestellt, daß eine Ungleichbehandlung von Ehe und "Eingetragener Partnerschaft" (im Anlaßfall: Erbrecht) eine "Diskriminierung" sei. Denn beide formen des Zusammenlebens seien ja "ähnlich"!

Wenn also die faktische Lebensweise (und es genügt: weitgehend) angeglichen ist, werden auch die "Rechte und Pflichten" nachziehen. (Nur das Recht auf statlich bezahlte künstliche Befruchtung wurde wieder gekippt.) Entsprechend war ja das Urteil des Gerichts: Erstmals hat das Verfassungsgericht nämlich klar und deutlich gesagt, dass eine eingetragene homosexuelle Partnerschaft einer Ehe oder heterosexuellen Lebensgemeinschaft vergleichbar ist. Also: erst hat man das geregelt, um es eben in der "eingetragenen Partnerschaft" noch differenziert zu halten. Dann stellte sich heraus, daß es "fast" gleich, in jedem Fall "vergleichbar" sei. Nun WIRD es über kurz oder lang "gleich." Es ist immer dieselbe Strategie, es ist immer dieselbe Versagensursache (der vormaligen "rechten" Regierung Sloweniens, die die "eingetragene Partnerschaft" eingeführt hat).

Der Jubel der Betreiber - Blazic ist laut Medien "Gay-Aktivist" - dieser Klagen beim slowenischen Verfassungsgericht ist also berechtigt.

"Blazic bezeichnete das Urteil als "Feiertag für die homosexuelle Gemeinschaft". Er hatte im November 2006 den Gesetzesprüfungsantrag eingestellt. Blazic und sein Partner waren das zweite Paar, das seine Partnerschaft eintragen ließ. "Als eine Protestaktion", um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie wenig Sozialrechte homosexuellen Paare eigentlich zuerkennt, sagte Blazic der Nachrichtenagentur STA. Blazic wurde Ende Juni bei einem brutalen Angriff auf ein schwulenfreundliches Lokal krankenhausreif geschlagen."

P. S. Er hat als "als Protestaktion" seine Partnerschaft eintragen (=heiraten) lassen. Eine bessere Charakteristik der wirklichen Motive einer "Homosexuellen-Ehe" konnte Blazic kaum liefern.

Ginge es nicht um Verantwortung der Jugend wie dem Volk gegenüber (durch weitere Auflösung der Geschlechtsidentität) - im Grunde könnte man in aller Gemütsruhe abwarten, bis diese ganze "Homosexuellen-Ehe" sich in Luft auflösen wird. Der Verfasser dieser Zeilen mag ja Homosexuelle, und er hat jede Menge Bekannte unter ihnen. Sie sind so ... unwirklich.





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Dienstag, 25. Juni 2013

Zuwenig Normalität

Kinder, die ständig beschäftigt, angeregt, "bespielt" und durch Reize überflutet werden, verlieren den Kontakt zu ihrem Inneren. Sie werden dadurch krank. Auf diesen Nenner kann man das Interview im Standard bringen, bei dem der dänische Lehrer und Familientherapeut Jesper Juul über das ADHS-Syndrom spricht.  Die Eltern wissen heute einfach oft nicht mehr, wie sie mit Kindern umgehen sollen. ADHS ist in vielen Fällen die schlichte Folge von professioneller Vernachlässigung.

ADHS ist ein Lebensstilsymptom. Kinder werden heute gezwungen, den Lebensstil ihrer Eltern nachzumachen - obwohl die Eltern merken, dass sie selbst unglücklich sind. 

Die Erwachsenen stehen heute vor einer existentiellen Frage, die im Prinzip einfach ist. Sie lautet: Will ich so ein Leben führen? [...] Wenn er zum Ergebnis kommt, dass er so leben will, dann hat das eben seinen Preis.

Weitere Aussagen: Es muss einen für das Kind deutlich spürbaren Unterschied geben zwischen Kindergarten oder Schule und der Familie. Erwachsene sollten natürlich so viel wie möglich für die Kinder da sein, aber sie sollten nicht ständig mit den Kindern spielen. Die Eltern sollen ihr Erwachsenenleben leben. Denn die Kinder können ja nur zu Hause lernen, wie man erwachsen ist. Wenn sie ihre Eltern aber immer nur als Spielonkel und Spieltanten erleben, dann lernen sie nichts über das Erwachsensein.

Nun wollen wir ihm gar nicht in allem zustimmen. Den aussagekräftigsten Beleg zum Thema liefern ohnehin die Leserkommentare. Da wundert einen nichts mehr. Die Gescheitheit der heutigen Menschen ist einfach unübertrefflich ...




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Erinnerungen


Gesehen auf shorpy.com





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Das Leben schreitet in jedem Fall weiter

Aus 2011) M. sagte: "Leben ist eine Frage der vertrauensvollen wie -mutigen Hingabe an das, was die Klammer über allen Erscheinungen bildet, die als gegeben zu vermuten offenbar allen Menschen evident ist. Das Maß der bekannten, oder gar beherrschbaren Faktoren, bewegt sich in niedrigen Prozentbereichen."

Der Wissensdurst vieler, die Suche nach Gewißheiten, sei oft nicht mehr als eine Anleihe an eine mechanistische Welt, in der Enscheidungen durch mathematische Operationen zwingend werden.

Und so einerseits vor der eigenen Freiheit, anderseits vor der Verantwortung letztlich schützen.

Erkenntnisstreben würde so zur Stabsstelle, der heutigen Praxis des Controlling ähnlich, das jene Fakten liefert und entsprechend aufbereitet, denen gemäß die Geschäftsführung nicht mehr entscheiden und gestalten, sondern nur noch Notwendigkeiten zustimmen müsse.

Leben aber beginne je erst genau dort: wo man das Nichts unter einem sieht, und DENNOCH nicht zum Start zurückgeht.

Montag, 24. Juni 2013

Besser schweigen

So schaut das heute aus - die Kleine Zeitung berichtet die Details. Die Details, warum von unseren Steuergeldern bezahlte EU-Schreibtischtäter nichts besseres zu tun haben, als vorzuschreiben, daß in Restaurants zukünftig nur noch nicht-wiederbefüllbare Einwegflaschen mit Olivenöl auf den Tischen stehen dürfen.

Die Olivenölbranche leidet unter Überproduktion, Absatzproblemen und Preisverfall. Also setzte man sich mit EU-Beamten zusammen und beriet, was zu tun wäre.

Zwei Zeilen, so die Kleine, waren das Ergebnis: Um mehr Olivenöl zu verbrauchen und höhere Preise zu erzielen ist es sinnvoll, Einwegflaschen herzustellen. Dazu muß man die Mehrwegflaschen verbieten.

Das war einfacher, als mühsam nationale Regelungen durchzukämpfen.

Das geschah nun. Mehr war nicht dahinter. Es war binnen der letzten zwei Jahren bereits die zweite Maßnahme, die den Absatz von Olivenöl fördern sollte. Ganz gewiß eine Aufgabe der Politik. Vor zwei Jahren wurde beschlossen, die Grenzwerte für Alkylester zu erhöhen. Damit wurde es leichter möglich, Olivenöle zu panschen

Nun soll das gepanschte minderwertige Öl auch leichter verkauft werden. Ein kleiner, solider Hersteller hat es am Markt schwerer, billig Einwegflaschen herzustellen.

So schaut sie aus, unsere Marktwirtschaft. So wurde und wird unser Leben zur Farce umgebaut. Dafür also zahlen wir Steuern,. um jene Schulden zu bedienen, von denen wir 50.000 hochbezahlte Beamte in Brüssel erhalten. Die uns dafür regieren dürfen.


Nachsatz: Natürlich wird da und dort "sachlich" argumentiert, warum dieses Verbot "richtig" sei. Die Olivenöle würden in den Restaurants regelmäßig verschlechtert, durch unentwegtes Nachgießen in halbvolle Flaschen mische sich ranziges mit gutem Öl, die Luft sei es die das Öl durch Oxydation verschlechtere, und die Hygiene lasse leicht einmal zu wünschen übrig. 

Das mag alles im Einzelfall sein. Nur: Damit hat die Menschheit seit Jahrhunderten gelebt. Warum glaubt nun die Politik, glaubt die EU, daß sie sich darum zu kümmern habe? Es ist nicht Aufgabe der EU und der Politik, Versagen im Einzelnen durch Gesetzesvorgaben unmöglich zu machen. Im übrigen warten wir mit Spannung, welche Mißbräuche NUN kommen werden. Denn nicht die Sache ist es, die den Mißbrauch, das Versagen bringt, sondern die Haltung der Menschen. Und im übrigen kann der Verfasser dieser Zeilen Restaurants nennen, in denen das in offenen Fläschchen auf den Tisch gelieferte Öl nicht nur von ausgezeichneter Qualität war, sondern aus einer kleinen Hausverbindung stammte. Öl, das es sonst gar nicht im Handel gab. Was nun damit?  Ach, der Konsument kenne sich mit Öl ohnehin nicht aus und konsumiere, was er auf den Tisch bekomme? Sollte man aber dem Einzelnen sein Geschmacksurteil und dessen Ausbildung nicht lieber selbst überlassen?

Menschenverachtung, pure Menschenverachtung. Sie und die Brüsseler EU sind ein Wort geworden.

Es ist im übrigen tatsächlich bekannt, daß es nur wenige (!) Olivenölhersteller gibt, die auch in der Lage sind, solche Einwegflaschen zu liefern. Und sieh da: es sind die großen Unternehmen (etwa Olio Sasso), die bekanntermaßen nur Mittelmaß herstellen.

Nachtrag: Noch ehe diese Verordnung in Kraft trat, wurde sie am 22./23. Mai auch schon wieder zurückgenommen. Der EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos, so die FAZ, sei von der öffentlichen Kritik überrascht gewesen. Man gebe zu, daß man sich mit Verbraucherorganisationen zu wenig abgestimmt hätte. Hoffnung? Nein. Denn warum solche Regelungen in Wahrheit abzulehnen sind, scheint niemandem klar. Auch Verbraucherorganisationen stehen für die selbe Entmündigung.

„Besser eine späte Einsicht als keine“, begrüßte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner nun den Rückzug von Ciolos. Das Öl-Kännchenverbot hätte unnötige Bürokratie verursacht, der Verpackungsmüll hätte zugenommen und es wäre mehr Öl aus angebrochenen Flaschen weg geschüttet worden. Ciolos kündigte jedoch an, sich mit allen Kritikern abermals zu beraten, um einen neuen Vorschlag zu machen.




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Weggewiesene Ungarn

Aus 2011) Zwar hat auch Ungarn nun ein sogenanntes "Wegweiserecht", aber die lautgewordene Kritik von "Frauenorganisationen" (mit sicher regen PR-Abteilungen - übrigens: meist eine reine Form von Gewalt) zeigt, daß es dort noch halbwegs im Rahmen der menschlichen Vernunft bleibt. Denn es bezieht sich auf Fälle extremer (körperlicher) Gewalt - nicht also auf prinzipielle Gewalt als Recht, ja als Pflicht innerhalb von Verantwortungsbezirken.

Insofern ist die Angelegenheit also ohnehin längst (und selbstverständlich richtig, aber wie solche Gesetze: eine haarige Angelegenheit) im Strafgesetz auch Ungarns geregelt, sodaß das Gesetz eher "Aufforderungs- und Signalcharakter" hat.

(Wodurch es im übrigen schon genug wirkt, weil es normativ wirkt - und damit die Grenze mehr und mehr subjektiviert wie herunterschraubt, bis Unrecht weil Ungleichgewicht hergestellt ist. Das ist auch das eindeutige Ziel solcher Gesetze.)

Nur darin trifft es sich auch mit jenem in Österreich, wo es auf ein Gesetz über staatlich verbriefte "Gewalt auf Abruf" zugunsten weiblicher Willkür (mit nur eine Stoßrichtung: Gegengewicht und Strategie gegen männliche Muskeln) hinausläuft, und deshalb schweres Unrecht ist. Vor allem, weil es jedem Verantwortungsbegriff zuwiderläuft, Verantwortung zur rein technischen Folgetragung (für das Objekt der Verantwortung) verstümmelt.

Das fand nämlich in Ungarn auch der Verfassungsgerichtshof angesichts der ersten (der österreichischen Gesetzeslage sehr ähnlichen) eingebrachten Gesetzesvorlage (der Sozialisten, no na: wo es was zu zersetzen gibt, sind die immer dabei; im Kommunismus wäre ihnen das nicht eingefallen?)

Die Begründung dabei ist hochinteressant: Es sei ein zu starker, damit verfassungwidriger Eingriff in die Eigentumsrechte des Mannes!

Sieht man vom allegorischen Gehalt dieser Aussage ab, ist der Aspekt in Österreich ja der tatsächlich folgenreichste. Denn hier hat eine Bevölkerungsgruppe (Frauen) das definitive Recht auf Willkür dem Eigentum einer anderen (Männer) gegenüber! Der Mann kann auf einen Wink hin enteignet werden. Denn daß auf zivilrechtlichem Weg ein "unberechtigtes" Herbeirufen der Polizei (die dann dem Begehren der Frau unwidersprochen Folge zu leisten hat, wobei nur das Augenmaß mancher Polizisten sehr oft noch mehr Unheil verhindert) eingeklagt werden kann, hat wohl eher akademischen Wert: die "Ehe" ist dann längst zerbrochen.

Zumindest in Ungarn also hat man wichtigen Aufschub erwirkt. Bis zum nächsten Anlauf, den entsprechende PR-Strategie längst schon vorbereiten wird. Bis die "Volksmeinung" genug gelähmt ist. Wie in Österreich.

Aus dem Leben der Roma (16)


Gesehen auf everyday_i_show







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Sonntag, 23. Juni 2013

Auswirkungen zur Religion (2)

Teil 2) Taoismus - Die Religion unserer Zeit




Daran zeigt sich, wie scheinbar klein oft die Weichenstellungen in den Philosophien und metaphysischen Konzepten auch der Weltreligionen sind, die in ihren Konseqenzen aber zu völligen Unvereinbarkeiten führen. Und sie sind logische Fehler, keine willkürlichen Auswahlen, die sich aus persönlichen Neigungen und Unfreiheiten (oder: Freiheit) ergeben und in eine völlig andere Praxis münden. Die Haltung zur Welt im Taoismus ist grundverschieden von jener des Christentums, es ist sinnlos, christliche Anschauungen zu unterlegen. Denn da "vereint" sie nichts. Da trennt es sich, und zwar schon in den allerersten Anfängen, den allerersten Grundgedanken.

DIESE, die allerersten metaphysischen Konzeptionen, auch im indischen Denken genauso wie im chinesischen, sind in vielem tatsächlich nahezu deckungsgleich mit der jüdisch-christlichen Sichtweise. Aber sie scheiden sich historisch nachvollziehbar, und werden (je nach Strömung) mehr oder weniger unvereinbar. Jene Haltungen, die im Europa so Mode geworden sind, die da meinen, es wäre in einem noch übergreifenderen Sinn alles vereinbar, irren auf groteske Weise, denn sie setzen diesen Konzeptionen eine vermeintlich überlegene Konzeption entgegen, die aber meist sogar schon bei oberflächlichstem Blick lediglich verabsolutierte Teilkonzepte aus solchen (auch logisch nachvollziehbaren) Fehlwegen sind. Hinter denen menschliche Haltungen, Lebenshaltungen stehen, so wie hinter allen Konzepten menschliche Haltungen und persönliche Entscheidungen stehen, aus denen auch die Religionen erfließen.

Und wieder wäre es ein Irrtum zu meinen, daraus würde sich die Relativität aller Religionen und Haltungen als mangelnder Wahrheitsanspruch ergeben.

Das Christentum verneint dies nämlich nicht nur nicht, sondern es beruft sich ausdrücklich auf diese Personalität, im inkarnierten persönlichen Gott, ja es sieht im Weltgrund selbst, dem Sein, einen personalen Gott. Und das weiß es nur aus Offenbarung, in deren Licht sich sämtliches weitere Denken aufhellt. Das Tao des Taoismus ist "Wirkung". Der Logos im Christentum ist "Gott". Daraus ergibt sich eine völlig andere Stellung des Menschen als Handelndem.

Komplexer wird die Angelegenheit, wenn man nun sieht, daß der Taoismus eine quasi idealisierte Welt sieht, dergemäß die Welt umgestaltet werden könnte, worauf sie in Harmonie stünde. In der es nichts herumzuwerken gäbe, die nur Schmiegsamkeit verlangte, um der wirkenden Kraft des Tao, dem Te, seinen Raum zu geben. Denn darin trifft sich scheinbar diese kosmische Ordnung mit ... dem Kirchenbegriff des Christentums. Die KIRCHE als ecclesia der Getauften ist exakt diese ideale Gesellschaft, die societas perfecta! Woran der Leser die Unterschiede in den tieferen Gedankenschichten erahnen kann, so er das möchte. Denn am Unterschied im menschlichen Handeln, an der Ethik läßt es sich deutlich erkennen: der Christ hat Gestaltungsaufrag weil Freiheit, ja die Verwirklichung der societas perfecta als Gestalt hängt davon ab, wo der Taoist nur Fügsamkeit kennt und damit Fatalist wird. Die schon erwähnte ganz andere Stellung zur Welt selbst läßt sich darin erkennen: dem Taoisten ist die Welt ein kosmisches Getriebe, das von den Reinheit des Alls ausgeht, dem Christen eine vitale Geschichte mit Gott.

Die Sache wird allerdings noch komplexer. Wenn man nämlich an den Punkt gelangt, an dem die abendländisch-christkatholische Metaphysik letztlich steht, und zwar nicht einfach nur in Thomas von Aquin bzw. der Scholastik, sondern in ihrer sehr aktuellen rationalistischen Philosophie, wie in A. N. Whitehead (bei allen Unterschieden, er landet scheinbar im Pantheismus, am Warum arbeitet der Verfasser dieser Zeilen noch) oder in der Phänomenologie ("Sein als Entwerden") und der Lebensphilosophie: Im Denken von Gott ALS AKT, als actus purus. Darüber wird an dieser Stelle wohl noch einiges zu lesen sein. Denn dabei geht es um subtile, immer streng logische, aber fundamentale Unterscheidungen. Keine nebensächliche Haarspaltereien.

Je tiefer, je früher die Unterscheidungen und Trennungen ansetzen, umso dramatischer wirken sie sich am Ende, im konkreten alltäglichen Leben genauso, aus. Das Problem der heutigen Moderne ist im übrigen gar nicht so sehr, daß sie philosophisch irrt. Das Problem ist, daß sie aufgehört hat, ihre Philosophie zu hinterfragen, sich überhaupt um ihre (bzw. die) Philosophie zu kümmern. Daß sie sich im Grunde von der Philosophie also verabschiedet hat, und nur noch im Bereich der "Meinungen" in blindem, auf praktischen Erfolg abzielendem Sophismus und damit längst irrational agiert. Und dabei meint, rational zu sein. Das macht die Gegenwart zu einer wirklichen Groteske. Aber noch mehr: Hierin kündigt sich das eigentliche kulturelle Problem Europas, ja der Welt ab. Das nämlich die Bedeutung des Konkreten, des Geschöpflichen zutiefst erschüttert hat. Wie sehr zeigt sich auch und nicht zuletzt in der Ähnlichkeit der taoistischen Haltungen zu den Haltungen des Gegenwartsmenschen. Gnade folgt der Natur, sagt die christkatholische Gnadenlehre, ja sie setzt sie voraus. Religion und reale Lebenshaltung sind Zueinandergefüge!





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Was niemand braucht

Warum gleichen Meldungen wie die, daß der Papst eine Reform der Finanz- und Wirtschaftssysteme verlange, einem Herumgefuchtele Blinder? Weil was immer sich heute zeigt und als Problem auftaucht nicht ein Problem der Finanzsysteme ist, sondern eines der Lebensweise der Menschen, eines der Technik, die uns im Griff hat, eines der Lebenshaltungen, die sich daraus entwickelt haben. Nicht besser zu verteilen ist deshalb eine Lösung, das ist lächerliches Gefasel. Genauso wie das Gerede um Armutsbekämpfung oder Umverteilung.

Und Geld hat auch nicht "zu dienen". Es "gibt" nämlich gar kein Geld. Wenn es zu einem solchen gemacht wird, das heißt eine Eigendynamik annimmt, wird Geld überhaupt erst zu "Geld". Und das tut es - in entsprechenden Systemen, die eine entsprechende Mentalität der Menschen voraussetzen und benötigen.

Die Menschen sind nicht verzweifelt, weil sie kein Geld haben. Sie sind verzweifelt, weil sie sich in Mechanismen sehen, die sie nicht beeinflussen zu können meinen. Daran glauben sie mittlerweile.* Nicht zufällig hat eine Erhebung jüngst ergeben, daß der Glaube an das "Schicksal", der Fatalismus so enorm verbreitet ist. Der Mensch heute erlebt sich so, und er wird auch laufend dahingehend gehirngewaschen: alles wird zur technischen Apparatur. Das nennt man "Bildung", die dem Einzelnen jeden Ausweg - und damit wirklich die Hoffnung - nimmt, den Mechanismen noch zu entkommen.

Die Menschen glauben nicht mehr, daß ihr Leben bei ihnen ansetzt, daß die Situation in der sie stecken mit ihnen zu tun haben könnte, und erwarten alles von Systemen und der Politik. Dieser Irrglaube wird durch solche "Forderungen" noch weiter verstärkt.** Die Forderungen an die Politik sind deshalb selten mehr als Forderungen zur Systemoptimierung, um die Versicherung gegen das Leben selbst zu perfektionieren. Und die Politik verspricht es ihnen, nach wie vor, ja mehr denn je.

Nicht die Mechanismen zu regulieren ist der Weg. Sondern das eigene Leben zu ändern, es wieder einmal zu wagen, mit allen Konsequenzen und Risken, auch, daß andere Böses tun. Dazu müßte aber sehr viel Scheinsicherheit losgelassen, sehr viel Angst überwunden werden. Und dazu aber muß die Politik so neue Wege gehen, daß es ihr nicht zuzutrauen ist, weil sie sich in ihrer historisch entwickelten, hypertrophen Gestalt abschaffen müßte. Die aber lieber weiter an ihrem fail-safe-System arbeitet, in das sie das Leben umbauen möchte, und Olivenkännchen auf Restauranttischchen verbietet - auch da könnte ja ...

Wenn Päpste nicht mehr von sich zu geben haben als das üblich seichte Gutmenschengeschwafel, sollten sie besser schweigen.




*In einer fatalen Mißdeutung der Grundkonstitution des Menschen. Der nämlich tatsächlich seine (metaphorisch:) Kleider von außen erhält. Nur: er selber sieht sie nicht. Wirkliche Kleider sieht nur der andere. Und er kann nicht bestimmen, was sie sehen. Alles von den Regierungen zu verlangen, hat also eine ganz eigentümliche Richtigkeit: Sie haben die zwischenmenschlichen Konnexe zerstört, und nun, wo nichts mehr vorhanden ist, werden sie - richtig - als Urheber, fälschlich aber als deren Quelle erfaßt. Sie sind in ihrem Versuch, neue Kleider zu schneidern und zu verteilen, aber nur deren Räuber.

**Weltweit, und auf erschütternde Weise: Heute demonstrieren schon in Liberia Menschen, weil sie von der Regierung "mehr Wohlstand" wollen, schön zusammengefaßt im Zauberwort "Demokratie", wie ihnen NGOs und UNO einhämmern. Genau jene Haltung, genau jener Wohlstand, genau jene Systemhörigkeit, die alles Leben in Grund und Boden stampft.




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Heiligstes nicht profaniert

Die Entwicklungsgeschichte der Vedas zeigt, wie sehr Heilige Inhalte in jedem Fall an den realen Vollzug der an ihnen im Lesen und Hören Teilhabenden geknüpft, ja gebunden war. Der Gläubige im Ritus, im Kultus, der Priester und Weitergeführte in persönlicher Reinheit und Höhe, wie auch der Dichter und der Adelige, der Krieger.

Daraus erst ist die Entwicklung von "esoterischen Gesellschaften" verstehbar, denn nur in bestimmter Haltung konnten die Schriften überhaupt verstanden werden. Alles andere wäre pure Entweihung gewesen, Profanierung - und auf profaner Ebene sind sie einfach nicht verstehbar.

Die aus den Vedas entwickelten Schriften waren deshalb bald Angelegenheit von Geheimgesellschaften, zu denen sich die Priester banden, als Hüter des Heiligen auf Erden. Die Aranyakas etwa durften nicht in normaler Gesellschaft und Umgebung gelesen werden - man mußte sich zu ihrer Lektüre in eine Hütte im Wald zurückziehen. Der Begriff bedeutet entsprechend "Waldbücher".

Und die Upanishaden, metaphysische Destillate, die sich mit der Zeit entwickelten, waren überhaupt nur noch einem auserwählten Kreis an Personen zugängig. In diese Einstufung stimmt auch Plato ein, der dasselbe vom metaphysischen Wissen - dem Wissen vom unergründlichen Sinn des Seins oder dem Guten - sagt. Diese "höheren" Bereiche der Religion haben sich also vom alltäglichen religiösen Vollzug der Menschen, des "Volkes", mehr und mehr abgetrennt, um sie nicht der Profanierung auszuliefern, wobei sie dem Profanen ohnehin gar nicht (von innen her) zugängig waren.*

Nur wer ganz vom Alltäglichen abgelöst ist, kann an ihrer Höhe teilhaben, kann sie verstehen. Ihre Weisheit wird aber dem Volk nicht vorenthalten, sondern findet sich in den Riten und Vollzügen nur auf anderer Ebene der Darstellung wie Teilhabe wieder. Darin liegt zugleich die Begründung für den Umstand, daß nur gebildete Stände, Stände die dem profanen Alltag enthoben sind, auch der Adel, die Edlen, die Sänger und Dichter in dieses Wissen aufgrund ihrer persönlichen Tauglichkeit (das heißt ja Bildung) hineingehoben werden konnten. Buddha war nicht zufällig ein Fürst. Wer in den Alltag verstrickt ist, dem fehlt das Grundsätzliche einer personalen Scheidung, das ihm erst Zugang ermöglichen würde.**

Eine Religion, die deshalb ihre autoritative Stellung dem Volk gegenüber verliert oder aufgibt, kann gar nicht anders als inhaltlich ausdünnen. Ist ihre Tiefe dem Urteilsvermögen des "einfachen Gläubigen" anheimgestellt, verlieren die Riten ihre Verbindlichkeit, Ihre Vorgegebenheit, Ihre Definiertheit alleine aus dem tieferen Wissen der Priester heraus, gehen ohne Zweifel ihre tiefsten Gründe verloren. Aber damit löst sich die Religion von innen heraus auf, denn sie verliert ihre metaphysische Begründung.




*Das läßt alleine den Wahnsinn ermessen den es bedeutete, die Bibel per billigem Massendruck in die Hände der Menschen zu schleudern, und ihnen die Interpretation zu überlassen. Das läßt aber auch ermessen was es bedeutet, Heilige Inhalte durch Priester über Internet und social media zu verbreiten. Es bedeutet nicht deren Verbreitung, sondern deren Zerstörung. Mit enormer demoralisierender Wirkung: Denn die Menschen wissen, daß ihr Wissen nicht "alles" ist. Wenn sie aber um kein Arkanum mehr wissen, um keinen "Heiligen Schrein", der das was Ihnen verstehbar ist mit alles übersteigender Tiefe nährt - wo soll dann die Wahrheit einer Religion liegen? In ihrem eigenen Horizont, der sie doch nach "mehr" zu suchen antreibt? Ein profanierte Religion, die ihre Riten disponibel macht, kann gar nicht anders als jede Glaubwürdigkeit zu verlieren. Mit Recht. Das ist kein nettes Versteckspiel - es ist Wirklichkeit des Religiösen als Lebenselement. Wer also glaubt, religiöse Institutionen "transparent" machen zu können - der löst sie gleichzeitig auf. Denn das Eigentliche ist immer unsichtbar. Es steckt nicht in den Dingen - es umhüllt sie. Nichts aber ist "nur es selbst", alles ist transzendentale Hülle.

**Künstlertum definiert sich nicht aus dem faktischen "Tun", aus der Verhangenheit im Kunstbetrieb, sondern aus einer persönlichen Entscheidung, am Gestaltspiel der Welt nicht teilzuhaben. Erst damit ist ihm das Heiligste, der Atem der Welt, zugängig, aus dem heraus er tätig wird. Sein Werk ist dann der Ritus, die Liturgie, durch die das Auditorium an den göttlichen Ideen teilhat, aus denen, empfunden weil bewegt, wahrgenommen, es selbst wiederum sein Leben - aus dem in diesem Sinn geläuterten, aufs Reinste neu eingestimmte Gefühl heraus - weiter durchgestaltet.



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Samstag, 22. Juni 2013

Auswirkungen zur Religion (1)

Der Taoismus, schreibt Georg Misch in seiner Untersuchung über die historischen Anfänge der Philosophie, sucht, von der geschlossenen Person loszukommen, sie ins All hinein aufzulösen. Als mystische Bewegung sucht er das Band, das die Menschen verbindet, nicht bloß außerhalb der politischen Machtverhältnisse, sondern in einer geistigen Region jenseits der Lebensbeziehungen, die durch die Familie oder durch gemeinsame Interessen und Einzelzwecke gegeben sind. 

Er verneint den Wert der Kultur, an den die Konfuzianer glauben, und schließt in diese Verneinung die Moralität ein, die er als bloßes Kulturphänomen faßt, in einen Gegensatz zu dem absoluten Wert stellt. Während ihn die Konfuzianer der persönlichen und sozialen Moral beimaßen. 

Durch diese negative Stellung zu den gesellschaftlichen Konventionen wurde der Taoismus zum Herd revolutionären Denkens, und zwar förderte er sowohl den Anarchismus wie sein Gegenteil, den totalitären Staatsgedanken.

Er zeigt sich nicht zufällig zu einem Zeitpunkt zum ersten  mal, zu dem sich nicht nur die chinesische feudale Ordnung auflöste, sondern auch die bürgerliche Gesellschaft. Hier errichtet er sein Ideal des Heiligen, der jenseits von Gut und Böse steht, und damit die wahre Herrschernatur darstellt. Liebe ist kein Affekt mehr, der im Konkreten wurzelt und sich darauf bezieht, auch in der Scheidung von gut und böse, sondern ein geistiges Ideal, ein geistiger, vom Konkreten losgelöster, vorgeblich aber alles (abstrakt) einschließender Akt - amor Dei intellectualis, wie Spinoza sagt. 

Damit wird das konkrete Menschsein "schmiegsam", nachgebend, "schwach", "sanft". Was immer einem zustößt, bleibt als Ideal im Heiligen des Taoismus diese abstrahierte "Liebe". Einer Art universaler Sympathie, dem Stoizismus verwandt, die aus philosophischem Gleichmut entspringt, die in der Unpersönlichkeit des Gefühls der christlichen Liebe scheinbar verwandt, aber in Wahrheit entgegengesetzt ist.

Das Tao, der Weg, ist hier die Wahrheit "des Himmels" - ganz anders im Christentum, wo es heißt: "ICH BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich." Der Weg des Christentums ist der durch das Konkrete hindurch, im Konkreten, auch deshalb im Fleisch real, ja die Erlösung zielt auf diese Fleischlichkeit (als Geschöpflichkeit) ab - während der Taoismus das Konkrete aufhebt, für unwesentlich, für bedeutungslos erklärt. Woraus sich natürlich eine völlig andere Stellung des Todes ergibt. Das Tao des Taoismus ist nicht seiend, sondern es ist lediglich wirkend, es ist das Wirkende, das was "am Werk" ist, das All-Waltende, als dynamische Konzeption - nicht personal.

Heißt es im Christentum bzw. in der Analyse der abendländischen Philosophie operare sequitur esse - das Handeln folgt dem Sein -, so wird im Taoismus "das Handelnde" pan(en)theistisch (in der Welt real vorhanden) absolut gesetzt. Das ist ein nur vermeintlich kleiner, aber entscheidender Unterschied zum philosophischen Gleichsetzen von Sein und Gott, aus dem analytisch nachvollziehbar (also nicht als mytische oder bloß bildliche Vorstellung oder als metaphysische These) die Welt zum Gleichnis und in der Teilhabe (und nur soweit) Träger wird, nicht zum Sein selbst. Das Tao ist "etwas für den Gebrauch" (Misch). Vereinfacht gesagt, ergibt sich aus dem rechten Raum für das Tao die Harmonie aller Dinge und Weltenläufte, als Wirkungsweise der Kraft des Tao (dem: Te).

Es braucht nicht viel Schlußkraft, um daraus die utopistische Konzeption des Taoismus zu ersehen, in allen Querverbindungen zu Stoizismus und Gleichgültigkeit hier, zum Totalitarismus und Fanatismus dort. Denn es bleibt nur der historische Mensch in seiner Situation, der dieser Harmonie im Wege stehen kann, die sich in der einen Richtung ins Absolute hinein auflöst, in der anderen Richtung im Konkreten verliert, das er ideal machen zu müssen meint.



 Teil 2 morgen) Taoismus - Die Religion unserer Zeit





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Machen wir alle nackt

Das "Friedensprojekt EU" funktioniert eigentlich ganz einfach: Wenn jeder aufhört, er selbst zu sein, wenn jeder bereit ist, eine neue virtuelle (bodenlose) Identität anzunehmen, wenn jeder bereit ist zu akzeptieren, daß die Geschichte ein Kompendium an Ereignissen ist, die einen nichts (mehr) angehen, ein Gruselkabinett menschlicher Dummheit, die endlich überwunden werden könnte - dann gäbe es keine Konflikte mehr.

Dazu muß man nur das Menschsein ein wenig umbauen, ein wenig mehr Bereitschaft zeigen, in die Wolken des Allgemeinen, Unbestimmten aufzusteigen. In jene Ballons, für die die Erde nur noch Montageunterlage für die Transportseile und -schienen sein muß. Und Kraftwerk, um die Akkus der schwebenden Aktualitätsnetze aufzuladen.

Dann ist Vielheit nur noch ernstlose Möglichkeit, eine neben anderen, Welt ein Kostümball im Bäumchen-wechsle-dich-Modus. Dann hören Begriffe auf Begriffe zu sein. Logik wird zur Diskussionsvariante, Ernst gibt es nur in den technischen Abläufen, denn die sind ja neutral, "objektiv". Und Gutes will ja ohnehin jeder, und was gut ist weiß auch jeder. Wer nicht, der stört, der ist nicht integrabel.

Lanciert nicht selten von jenen, die gerne mal am Wochenende zum Shoppen nach London fliegen, aufgeregt einen Wochenendtrip nach Paris mit ihrer Lebensabschnittspartnerin planen, erfreut Andockmöglichkeiten an Finanz- und Ehrenpipelines in Brüssel entdecken, und sich jedesmal, wenn sie in der Toskana in ihrem Ferienhäuschen sind, wo sie dann ganz verbunden mit der Natur ihre drei Ferienwochen verbringen, darüber aufregen, daß die umgebenden Bauern kein Englisch sprechen, und die Baubehörden irgendwelche Auflagenerfüllungen verlangen, wo sie doch nur einen neuen Wintergarten anbauen möchten. Außerdem klappt dort der Internetanschluß im Café nie. Wenn man schon á la nature lebt, und das heißt ja längst, kein Internetz mitzunehmen, will man es doch wenigstens griffbereit haben. Das schreit nach einer neuen EU-Verordnung zur Aufrüstung der Postnetze auf Glasfaserkabel, und zur Nivellierung der Baugesetze. Wie sonst soll man seinen Job in Madrid und Berlin ausfüllen, in dem man europaweite Vertriebsnetze für einen absolut geilen französischen Spitzenwein aufbaut, oder Betriebe in Warschau und Lemberg rationalisiert? Und wenn das nicht geht, wird es ein Fremdenführer für Bierlokale in Rennes in acht Sprachen. Oder Servicemanager für Ford, mit regelmäßigen Meetings in Hongkong (wie liebt man doch die chinesische Küche!).

Oder, nach drei Studienabschlüssen, PR-Fachmann für eine der 18 NGOs, die die Überfischung in der Nordsee bekämpfen und sich außerdem für ein weltweites Verbot des Waffenhandels aussprechen, sich dazu auf Konferenzen in Nairobi und Rio vernetzen und bei der UNO für globale Gesetze zur Regelung der Pestizidaufbringung in der Landwirtschaft kämpfen. Wer will nicht eine intakte Natur, wer trägt nicht gerne seine Verantwortung für die kommenden Generationen (die die anderen gebären)? Was für ein aufregendes Leben! Seht ihr nicht die Photos mit den Slumbewohnern in Kalkutta? Ja, richtig, das bin ich, der dort, da hinten, mit dem UN-Generalsekretär. Man spürt bei den regelmäßigen Telephonaten mit Anand und Jose und N'gomo und dem echt genialen Hsu Tsue förmlich die Liebe, die die Welt umspannt. Natürlich ist man für Montessori, und die women's lib, die ganz Tanzania auf den Kopf stellt, kann man mit wöchentlich 10 Euro unterstützen.

Immerhin schreiben sie dann auf ihrer Finca auf Mallorca ihre Memoiren, leben von ihrem Ersparten und fair trade-Rentenfonds, erzählen von ihren Kindheitserinnerungen aus der guten alten Zeit, wo noch alle rückständig waren, und wissen genau, wie die Welt besser werden könnte, und ein klein wenig haben sie sie auch besser gemacht. Ach, wäre da nicht die Jugendarbeitslosigkeit, die macht einem doch echt Sorgen, und Aids, und das Klima, und wieviel ist noch zu tun! Wenn alle nur ein wenig bereit dazu wären, gäbe es nicht diese ständigen intelligenzlosen Verhinderer! Man müßte doch nur die Tugenden ein wenig virtualisieren, abstrahieren, standardisieren, globalisieren. Könnten wir uns nicht alle dann von Herzen lieben? Wenn alle nackt sind - stören doch Kleider nur noch? Man müßte also nur ...




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Aus dem Leben der Roma (15)


Gesehen auf everyday_i_show







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Freitag, 21. Juni 2013

Nur ein kleiner Text

Der Verfasser dieser Zeilen möchte dem geneigten Leser diese Rezension, die er schon vor langer Zeit auf amazon fand, nicht vorenthalten. Sie ist  von einem sich bescheiden als "Ein Kunde" bezeichnenden Rezensenten, und betrifft die Fragmente des Parmenides "Vom Wesen des Seienden".

Besser kann man Parmenides, der etwa 520-460 v. Chr. gelebt hat und von dem nicht mehr als dieses kurze Werk überliefert ist, wohl kaum zusammenfassen und interpretieren. Die Wirkgeschichte des im Original ziemlich sicher peri fiseos (Über die Natur) genannten Büchleins in der abendländischen Philosophie, die und dessen Problemkreise sie in nuce bereits enthält, weshalb sein Autor auch als Vater der abendländischen Philosophie bezeichnet wird, ist kaum abgrenzbar. Schon wegen Plato. Der, von dessen Philosophie selbst A. N. Whitehead sagt, daß alle Philosophie seither nur noch Fußnoten zu ihm sind, den Vorsokratiker Parmenides als seinen Vater bezeichnet.

Auch, wenn das eine oder andere als "richtige" Interpretation von Parmenides umstritten sein könnte, so ist dieser Text aus unbekannter Feder zweckentbundene Lektüre wert. Das Buch selbst kann übrigens wärmstens empfohlen werden.

"Die Lehre von Parmenides ist göttlichen Ursprungs. Das ewige und wahre Sein ist ihm als Offenbarung erschienen. Die Qualität des Absoluten kann an der Strickleiter der Logik nicht erkannt werden, da kein Mensch von sich selbst aus die Schranken seiner Erkenntnisfähigkeit überwinden kann.

Der Weg zur Wahrheit führt nicht weg von der Erkenntnismöglichkeit hin zum Sein, sondern das Sein selbst offenbart sich dem Auserwählten. Das Licht des Seins leuchtet und zeigt dadurch den Weg zur Wahrheit. Wem dieses Licht aber nicht leuchtet, der bleibt ein unwissender Sterblicher.

Das Sein zeigt dem Menschen durch sein Licht die ewige Wahrheit, erleuchtet ihn; und nicht umgekehrt gelangt der Mensch von sich aus zum ewigen Sein. Jeder Wissende ist ein Auserwählter des ewigen, unsterblichen und wahren Seins.

Das Sein kann nicht erdacht werden, sondern umgekehrt, das Denken ensteht erst durch das Sein und nur Auserwählten zeigt das Sein sich im Lichte der unsterblichen und ewigen Wahrheit. Das Denken kann das Sein nur begrifflich erfassen, aber nicht entdecken.

Das Sein als Qualität wählt sich den Menschen aus, dem es sich als transzendentes Licht zeigt und dadurch die sinnlich wahrnehmbare Welt zum Schein degradiert.
Die menschliche Erkenntniskraft bezieht sich immer nur auf diese Scheinwelt, als Immanenz in Zeit und Raum. Erst durch das Licht des Seins kann der Mensch die Schranken seines Erkenntnisvermögens überwinden.

Vom Menschen geht kein Licht aus daß ihm den Weg zur Wahrheit zeigt, sondern das Licht trifft den jeweiligen und zeigt ihm den Weg. Kein menschlicher Geist hat die Kraft, das Sein zu sehen, wenn es sich ihm nicht offenbart.

Das Sein ist eine göttliche Erscheinung, eine Offenbarung. Dem verblendeten Menschen bleibt das Sein im Dunkeln verborgen, da er seine Scheinwelt als die Wahrheit meint. Darum sagte auch Parmenides, die Sterblichen haben nur Meinungen, leere Worte und unterliegen dem Irrtum.

Die Offenbarung des Seins ist ein Faktum, ohne dieses Faktum erklären zu können. Warum das Sein erscheint wann und wem es erscheint, es wäre nicht göttlich, wenn wir darauf eine Antwort wüßten.

Raum und Zeit lösen sich im Lichte des Seins auf und das Ewige, Unendliche und Wahre zeigt sich dem Auserwählten. Die Welt der Erscheinungen wird dadurch dem Wissenden durchsichtig, wie ein Schleier, hinter dem ein Licht aufgeht, gleich einem zweiten Himmel.

Die Welt der Erscheinungen, als Werden und Vergehen, ist die Wirklichkeit aber nicht die Wahrheit, in welcher die Sterblichen herumirren und nur meinen, diese Wirklichkeit wäre wahr. Die Wege in dieser Welt der Erscheinungen sind krumm und führen einmal dahin und dann wieder dorthin, bleiben aber immer immanent. Der Weg der Wahrheit aber ist gerade und führt direkt aus der Welt des Scheins heraus, ist also transzendent. Er führt direkt zum ewigen und unsterblichen Sein, dem nunmehr einzigen Grund von Allem.

Wer aus der Welt des Scheins herausgetreten ist, steht an einem transzendenten Abgrund, auf dessem Grunde das Sein sich ihm zeigt. Zum Abgrund hin aber führt ihn das Licht der Wahrheit. Der Abgrund ist die transzendente Grenze, der Unterschied, zwischen dem Menschen mit seiner Vergänglichkeit und Endlichkeit, und dem unendlichen und ewigen Sein. Der Abgrund als transzendente Grenze trennt den Schein vom Sein. Zu diesem Abgrund hin weist das Licht der Wahrheit den geraden Weg, abseits von den krummen Pfaden der Sterblichen.

An diesem Abgrund erwartet den Auserwählten das Sein, als ewige Unendlichkeit, jenseits von Zeit und Raum.

Dieses Sein ist eine transzendente Erscheinung und kann nur geschaut werden. Das Denken findet keine Wahrheit, sondern dient nur der begrifflichen Vermittlung, nachdem man das Sein geschaut hat."




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