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Mittwoch, 31. Juli 2013

Schorle vom Dag

Jetzt wird's überhaupt nur noch grotesk. Alle sind nun Opfer. Die Armen in den Favelas und die ersoffenen Flüchtlinge vor Lampedusa solche der Ungerechtigkeit und Hartherzigkeit der Reichen und vom "Egoismus der Gesellschaft", die Homosexuellen Opfer von Veranlagung (ach ja, pardon, wissenschaftlich doch wie so ziemlich alles heute erwiesen, oder?), Straftäter der sozialen Verhältnisse, und die Rauschgiftsüchtigen Opfer der Drogenhändler ... die Liste wird sich noch weit erstrecken, mit jeder Schorle vom Dag etwa wird sie ein Stück weiterwachsen.

Schuld schaffen wir einfach mal ab. Also für ein paar Tage zumindest. Bei den anderen nicht, klar. Aber bei uns. Da piesakt uns ohnehin pausenlos das Gewissen. Das legen wir mal beiseite, und kuscheln uns ein wenig glücklich, einverstanden? Naja, so sind sie halt, die Jungen heute.

Und war da nicht einmal etwas mit Kreuz und so? Als Tor zum Transzendenten, als Schlüssel zum Heil? Als Auftrag, sich hingebungsvoll ins Unbekannte aufzurichten, in die insecuritas zu schreiten - weil dort überhaupt erst der Geist anfängt, Geist und Persönlichkeit eine geheimniserfüllte Analogie bilden? War da nicht einmal etwas von Personsein, das Aufrichten heißt, trotz allem, als vollendete Analogie zu Gott, um so am reinen Sein teilzuhaben, in dieser Hochzeit der Willen?

Ach so, das ist hartherzig und zynisch, so etwas zu erwähnen. Wir haben für Gerechtigkeit auf Erden zu sorgen. Nicht in der eigenen Pfarre, beim Nachbarn ums Eck, das ist egoistisch und selbstreferentiell, sondern in Rio und Johannesburg und Kalkutta. Auch dre Papst liefert dazu seinen Beitrag: Fairtrade-Kaffee wird mit Ablässen belohnt, und päpstliche Twitterabos mit Heiligungszertifikat ausgestattet. Die regelmäßigen Motivationsveranstaltungen nicht zu vergessen. Naja, so sind sie halt, die Jungen heute.

Früher war es zwar ein bißchen leichter, fromme Texte von Päpsten auf Homepages zu veröffentlichen, aber bitte, es findet sich schon noch der eine oder andere Papstsager, der wenigstens nicht oder nicht gar zu deutlich falsch ist. Und wer kann schon war dagegen sagen, wenn es plötzlich nur noch so von "fühlen" schwirrt in heiligen Texten. Alles klar, man muß ja das Gute suchen, sagt die Liebe, das wird selbst in den letzten Holzschädel schon noch reingehen. Daß damit etwas legitimiert wird, das in Wahrheit in eine ganz andere Richtung läuft, braucht uns nicht weiter zu kümmern. NLP hat ja nicht NUR schlechte Seiten. Und im gerade noch nichts Falsches sagen waren solche Herrschaften immer schon Weltmeister.*

Die große Gesamtbewegung, die alles regelrecht in den Orkus reißt, weil die geistige Verankerung, die fleischliche Prägung gar nie gegeben war, niemand mehr in sich steht, weil das Gefühl als Basis einfach nicht reicht und so seltsam mitwandert. Ach ja, die kalkulieren wir als Collateralschaden. Ex incarnatus est? War mal. Wir haben nun das Zeitalter des Geistes, der bekanntlich weht wo er will. Vor allem in uns. Kollateralschäden, am Wege zu einer diesmal aber wirklich reformierten Kirche. Wo gehobelt wird fallen eben Späne. Die für gewöhnlich den Vorzug haben, unter den Tisch zu fallen. 

Jetzt käme es auf die Priester an, die Menschen zu stärken, gerade jetzt, wo man sie ohne Hosen und im Regen stehen läßt, ihnen in den Rücken fällt und heillose Verwirrung anstiftet. Jetzt sie nicht im Stich lassen, die Leut, die einfachen Leut, während das schizoide Wort der nominellen Richtigkeit aber der falschen Realintention Urstände feiert, aus dem kußgespitzten Munde narzißtisch Gestörter gefeuert, als wäre der Diabolos zu einem Tänzchen aus dem Fäßchen gelassen. Die nun endlich ihre Meinung sagen. (Als hätte die jemals jemanden an einem Papst interessiert, der nicht gerade Reporter der Bunten war.) Und dafür Kreuzwege hinlegen, daß die Notenrichter siebenmal (von acht!) die Höchstnote gaben: 9,0. Weltrekord. Wann erlebt man schon so eine zehnte Station? Und dann erst die vierte, was sagt man dazu? Das Blitzlichtgewitter der iPods war nicht enden wollend, und so mystisch. Naja, so sind sie halt, die Jungen heute.

Ja, liebe Kinder, jetzt ist sie eben da, die Zeit, wo sich zeigt daß Glaube aufs Zerreißen nur in der realen Persönlichkeit ankern kann und muß, in jenen Gewißheiten, die tief im Herzen und im Fleisch sitzen, nicht auf Twitter und Webseiten und Blogs. Die es immer schon gewußt haben, die, die die immer schon die Kirche waren, jubeln bereits. Endlich ein Papst, der die Probleme der Zeit versteht. Ein neuer Frühling bricht an, eine neue Zeit, rufen sie, voller Liebe und Barmherzigkeit.

Bei Benedikt war alles so irgendwie ... also sicher, er war auch super, gibt es nix zu sagen. Generation Benedikt und so, echt cool. Aber der, der ist halt so richtig, wie soll man sagen ... ein Zuckergoscherl? Der reißt halt so richtig mit. Ist halt ein anderes Temperament, so mehr Cucaracha oder so, oder Footloose, nicht so sehr intellektuell, wenn man das sagen kann. Er hat halt nicht jedem gefallen, der Benedikt, mehr polarisiert, gewissermaßen. Der jetzt aber, bei dem ist es, als würde sich alles aussöhnen. Dabei sagt der genau dasselbe, also total, das mit der Abtreibung und so, echt cool. Aber er sagt's halt anders. Nicht so direkt. Also schon, aber ... mehr fürs Herzerl, so irgendwie ... nein, paßt, echt. Ein Baum, zwei verschiedene Asterl gewissermaßen. Was? Na klar, wenn ich heimkomm, wird missioniert, gleich am Montag fang ich an, wenn ich den Jetlag ein bisserl aus den Knochen hab.

Ich hab's ja versprochen, gewissermaßen. War mir eh ein bisserl ... aber das war schon geil, wie da so 500.000 Jugendliche stehen, und er sagt: sprecht mir nach, und 500.000 Jugendliche sprechen nach. Pfauh, da isses mir über den Buckel runtergelaufen, und wie sich das anhört! Das war wie eine Dusche mit Heiligem Geist, sozusagen. Ich mein, ist ja wahr, fehlen doch überall, die Werte, und wie! Das sagt er schon richtig, hat mir echt getaugt. Und dann dieser Egoismus überall, nein echt, schrecklich. Also der trifft gewissermaßen den Nagel auf den Kopf, den heutigen. Und für die Jugend isses auch viel gescheiter, sie geh'n zu einem Gebetstreffen, als nehmen vielleicht Drogen oder machen sonst einen Blödsinn. Sollen besser missionieren, sich für was engagieren, Gerechtigkeit und so, was Sinnvolles halt. Fehlen doch wirklich heutzutage, die Werte, seind wir's uns ehrlich.

Seltsam, wieviele Frühlinge es gibt in den letzten Jahren. Die ganze islamische Welt genießt ihren Werterausch auch gerade. Das mit der Demokratie kriegen die schon noch hin, dauert halt ein bisserl. Aber mehr und mehr gehen sie auch sonstwo auf der Welt auf die Straße, und sagen, was sie sich denken. Gegen erhöhte Fahrscheinpreise und Grundlöhne protestieren, oder einfach "Frieden jetzt!" einfordern, den die böse Welt nicht und nicht hergibt. Wir lösen einfach alles auf, machen alles gleich, und haben uns nur noch lieb - ja ist denn das nicht eine Lösung? Da machen wir unseren täglichen Flashmob dazu und fühlen uns nur noch glücklich.

Und die Priester? (Auf Bischöfe zählt sowieso keiner mehr.) Also die, die mehr tun als das Pfarrhaus zum wöchentlichen Franziskus-Revival zur Verfügung zu stellen, und die Werte beim Favela-Grillen zu moderieren.

Mal sehen, wer nun seine Weihe ernst nimmt, und tatsächlich sein Blut gibt. Wer nun, wo der Wind richtig scharf wird, in die letzten, feinsten Winkel kriechen wird, und wie scharf wird er erst noch werden, wer nun also mit derselben Bewegung - des Arschkriechens, des Hineinduckens in die Masse, die sich selbst heiliggesprochen hat und deshalb gar nicht irren konnte, weil Papstkriecherei schon Garantie für das Seelenheil zu heißen schien - plötzlich auf einer Seite rauskommt, die ihm noch vor wenigen Monaten der Gottseibeiuns war. Jetzt, wo es nichts mehr zu erben gibt, keine Posterln und Karrieren und Lobesadressen, sondern wo es wirklich drauf ankommt. Mal sehen, wohin sie jetzt abdampfen. Immerhin, man muß ja "klug" sein. Oder ob sie das, was sie bislang in ausreichend dimensionierten Sonderräumen groß verkündet haben, auch wirklich glauben. Naja, so sind sie halt.

Doch jetzt ist sie da, die Zeit der Prüfung, die Zeit der Strafe. Sie erwischt die Kirche genau dort, wohin sie sich gekrankt hat. Sie wird vor allem die Priester sieben. Die Gläubigen sind da Kollateralschaden.

Ach ja, eines haben wir vergessen -  das Gefühl. Bitte.









*Manche Leute meinen ja, DAS wäre er, der Geist des 2. Vatikanums, weil dessen Texte eine Meisterschaft des "Gerade nichts Falsches sagen" sowie des "Wie man Wahrheit vermeidet, obwohl man nur Richtiges sagt" wären. Also das findet der Verfasser dieser Zeilen denn doch etwas übertrieben. Wenngleich, wenn man genauer nachdenkt ... ach, lassen wir das. Der Kakao wird kalt.




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Enttäuschungen

Ja, aber, so O, ist es nicht erwiesen und weil lokal leicht erweisbar, daß die Temperaturen in den Gebirgen steigen? Das werde der Verfasser dieser Zeilen doch nicht abstreiten? Das sei doch wissenschaftlich erwiesen, schreibt er?

Guter O, nicht einmal das ist "erwiesen", nicht einmal das ist "gemessen". Denn wie ein Artikel aus dem Standard belegt, kommen die Hochgebirgsmessungen keineswegs zu einer klaren Aussage, ob wir es in den Gebirgen Österreichs mit höheren Temperaturen zu tun haben, oder nicht.

Denn in Kleinsträumen sehr unterschiedlich, gibt es dort Erwärmung, hier aber Abkühlung oder zumindest Konstanz. Und weil die Meßstellen "planlos" aufgestellt sind, könnte das derzeitige Verhältnis - 80 % zeigen Temperaturanstieg, 20 % Abkühlung - purer Zufall sein. Man weiß nämlich gar nicht, warum das so ist. Nordlagen bleiben stabil, Südlagen zeigen möglicherweise gesteigerte Erwärmung.  Aber um darüber etwas aussagen zu können, so die zitierten Forscher, müßten entsprechende Meßreihen erst aufgebaut werden! Es gibt einfach zu wenige Daten, um dazu überhaupt etwas sagen zu können. (Stellen Sie sich das vor, werter O!)

Steigen die Extreme, steigt etwa tatsächlich als Initialvorgang im Rahmen eines Gleichgewichtsprozesses, der einen Schub in diese Richtung bewirkt, die Sommertemperatur, so führt das natürlich zuerst einmal zu einem Abschmelzprozeß, sogar durchaus zu einem Rückgang der Gletscher, aus verschiedensten Gründen. Ohne daß sich die Durchschnittstemperatur - wobei: eine solche gibt es gar nicht, keine jedenfalls, die mehr wäre als die Durchschnittstemperatur an genau dieser Meßstelle - erhöhen müßte. Während bei zu großer Winterkälte Niederschläge eher zurückgehen. Aber das geht genauso in die Gegenrichtung. Jedes System verhält sich zu seinen anstoßenden Veränderungen träge und zuerst gegenläufig.

Damit ist lediglich darauf angespielt, daß nicht einmal der sichtbare Rückgang der Gletscher in den Alpen (der auch nicht bei allen zu bemerken ist, übrigens) mit einer "globalen Klimaerwärmung" zu tun haben muß. Abgesehen davon, daß man von 99,9 % der Gletscher weltweit überhaupt nichts weiß. Weshalb eine dergestalte Aussage in keiner Hinsicht "wissenschaftlich" als Generalthese haltbar ist.

Ist denn zudem nicht auffällig, werter O, daß in den letzten Jahren doch jene Berichte zunehmen, die genau das zeigen: die zeigen, daß die Generalthese "Klimaerwärmung" nun doch nach und nach strenger wissenschaftlicher Prüfung nicht ganz so (zumindest) standhält, wie es noch vor fünf Jahren hieß? Daß sich das Klima viel subtiler verhält, als man dieser Aussage unterlegt hat?

Für eine wissenschaftliche Aussage, die lokale Klein- und Kleinsträume übersteigt, sind alle, wirklich alle Meßdaten, die unsere Meßstationen (egal wo) liefern, auf jeden Fall nicht heranziehbar. Für eine Betrachtung des "Weltklimas" fehlt uns schlicht und ergreifend der Begriff, was Weltklima überhaupt IST. Jeder seriöse Klimatologe gibt ja zu, daß das nicht gewußt wird, niemand weiß, was das Klima ist, wie es global zusammenhängt. Lediglich über Einzelvorgänge, vor allem nachträglich (wie immer bei komplexen Systemen), sieht man Zusammenhänge. Aber dennoch bauen wir Gesamtaussagen und Prognosen darauf auf. Geschätzter O: das nennte der Verfasser dieser Zeilen ganz klar VERRÜCKT.

Würde es nicht Indiz für etwas ganz anderes sein: Nämlich, daß Gewißheit aus ganz anderen menschlichen Bezirken kommen, als aus "Wissenschaften". Daß die gesamte Klimadiskussion also in Wahrheit ein metaphysischer, leider aber auch ein psychologischer Streit ist, der vor allem letzteres nur gerne verbergen möchte, um die vermeintliche Autorität einer verkannten und einenteils weit über-, andernteils aber sogar unterschätzten "Wissenschaft" zu nützen. Ein Streit, den unsere orientierungs-, sinn- und haltlos gewordene Politik mit Feuereifer aufgegriffen hat, um endlich endlich wieder "Inhalte" und "Sinnziele" vorgeben zu können. Um endlich endlich ihren Totalitarismus, zu dem sie sich entwickelt hat, legitimieren zu können. Plus und Minus ziehen sich magnetisch an!

Sinnes- oder Meßdaten aus sich heraus ergeben aber rein gar nichts. Wie bei jeder empirischen Wissenschaft gilt auch in der Klimaforschung kein anderes "Beweisgesetz" als daß erst ein These da sein muß, die durch Empirie erhärtbar (oder nicht) ist, die dann eine subjektive Gewißheit stärkt.

Einem ideologisierten Deutungsmuster aber ist Wissenschaft prinzipiell egal. Das braucht nur Waffen.




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Das Universum

Alles steht in einem Zueinander. Ein beeindruckend plastisches Gesamtbild des lokalen Alls, zusammengestellt vom französischen Institut für Fundamentalgesetze des Universums.







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Dienstag, 30. Juli 2013

Kollateralschäden (1)





"Es gibt eine große Zahl von Indizien die dafür sprechen, daß die politisch Verantwortlichen davon wußten."

Über allem Schrecken, der sich hier offenbart, und bis zu 100.000 Kinder in den 1950er bis 1980er Jahren (!) in Österreich betrifft, steht zu befürchten, daß dem öffentlichen Diskurs jede pädagogische Begrifflichkeit fehlt. Die über bloße Betroffenheitsrhetorik hinausgehen könnte, um die Geschehnisse in österreichischen und speziell Wiener Kinderheimen richtig einzuordnen.

Was besonders bedauerlich ist, weil die österreichische Pädagogik vor den dramatischen Eingriffen in die Gesellschaft in den 1930er Jahren hervorragende Grundlagen erarbeitet hatte. Diese Tradition wurde, wie so viele, abgebrochen, ja diskriminiert und verleumdet. Sodaß wir heute einer grundlagenlosen, ideologisierten Pädagogik gegenüberstehen, die die "Überregulierung" durch völlige Formlosigkeit und neue, nur als solche nicht erkannte Formen systemischer Gewalt ersetzt. Die nächsten Schäden sind längst sichtbar, aber nicht in ihren Zusammenhängen erkannt, denn erneut würden sie die Lebensweise der Gegenwart massiv in Frage stellen. 

Kollateralschäden. Kollateralschäden eines Lebensgefühls, das der Gesamtheit des überkomplex und überwältigend wirkenden, deshalb in vielerlei mechanistische Abstrakta verdrängten Lebens, zu denen niemand mehr eine Grundhaltung entwickelt hat, hilflos gegenübersteht. Und selektiv Teilfragen zu lösen vorgibt, die vor allem einem dienen: Der Unsichtbarkeit der wirklichen Folgen unserer Art zu leben. Der eine neue Art der technizistischen Überregulierung auf der einen Seite genauso gegenübersteht, wie systematische Verwahrlosung und veränderte Formen von Mißbrauch ganzer heutiger Generationen auf der anderen.

Dabei ist in dieser Aufarbeitung nur ein Teil der Mißstände in Jugend- und Kinderheimen angesprochen. Gewalt und furchtbare Gruppendynamiken innerhalb der haltlosen Kinderscharen, von denen auch der Verfasser dieser Zeilen immer wieder Kenntnis erhielt, sind noch nicht einmal angekratzt.

Erziehung kann niemals vom persönlichen Gegenüber und persönlicher Liebe und sittlicher Kraft getrennt werden. Kein System, keine Methodik, keine Technik kann von der Dimension her ersetzen, was dem Wesen menschlicher Erziehung - einer Notwendigkeit - angemessen ist. Eine Leistung, die genuin nur das Elternhaus erbringen kann, nur in Ausnahmefällen öffentliche Institutionen als Notgriff. Und dies ist eine der Kernaussagen der nunmehrigen Enthüllungen. Dennoch wird über die Gesamt- und Tagesschule die Erziehung mit öffentlichem Konsens weiter vergesellschaftet, und damit in noch nie gewesenem Ausmaß weiter technisiert ... in einer Pädagogik, die so wie damals dem jungen Menschen in seinen Ambivalenzen hilflos gegenübersteht.




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Neulich im Vatikan

Karikatur von Michael Pammersberger aus dem Kurier







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Wohlstandszusammenhänge

Portugiesen, Griechen, Slowaken, Slowenen, Malteser und Zyprer geben rund 28 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Die Einwohner der reicheren EU-Länder müssen im Verhältnis deutlich weniger für Essen zahlen. Deutschlands Anteil etwa liegt bei 15,6 Prozent. In Holland isst es sich mit 12,6 Prozent am günstigsten.

Stellt man diesen Zahlen den Umstand gegenüber, daß in etwa die Bevölkerungen gerade dieser Länder höheres Privatvermögen (v. a. Immobilien = Ruhe) haben,  ergibt sich ein interessanter Beiton, der viele Interpretationen möglich macht. Unter anderem die, daß es sein könnte, daß die reicheren Länder ihren Wohlstand gar nicht ihr eigen nennen, sondern bestenfalls nutzen, einerseits, anderseits dieser Wohlstand Schein ist, weil er auch eine weit höhere Getriebenheit (Bewegung) und Notwendigkeit zu höherem Einkommen bedeutet. Oder daß es, um "normal leben" zu können, im Norden viel mehr Aufwand braucht, als im Süden, und dieser Aufwand eine industrielle Lebensmittelproduktion erzwingt.

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Dazu paßt nämlich die jüngst veröffentlichte Zahl von Millionären in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Über 1 Mio. Menschen besitzen 2012 hier ein Privatvermögen von mehr als 1 Mio Euro (Österreich: 78.000), das sind um 7,6 % mehr als 2011, und summiert sich auf die Gesamtsumme von rd. 3 Billionen Euro - reines Finanzvermögen, als Aktien oder gewerblich genützte Immobilien. Immobilien, die selbst genützt werden, wurden da nicht mitgezählt. Das heißt, daß dieses Vermögen nur solange Vermögen ist, als es auch wirtschaftlich genützt wird und nur aktiv das an Wert bedeutet, was es selbst erarbeiten kann.

Welche Aussage der Einbruch an "Millionären" nach dem Beginn  der Finanzkrise 2007/08 um 20 % stützt. Der Verfasser dieser Zeilen verweigert dabei die Konnotation, die mit dem Begriff einhergeht: Reichtum. Wer 1 Mio Euro besitzt, ist nicht "reich" im Sinne von "Millionär", das beginnt erst bei etwa 15-20 Mio. Euro disponiblem Vermögen, erst etwa in dieser Größe kann es zu Eigenleben kommen, das aus sich heraus seinen Besitzer in gewisser Weise unabhängig machen kann. Und darin bildet es eine hoch stehende Seins-Analogie, ist deshalb sehr hoch zu schätzen. So wie überhaupt die Wertschätzung von Vermögen genau darin gründet. "Reichensturm" ist historisch belegbar immer eine Bewegung gegen das Sein - atheistisch konnotiert, irrational, etc. Eine Gesellschaft ohne hochgeschätzten Reichtum (und ohne Reiche, die es nur bei Reichtumsunterschieden gibt) verlöre aus tiefgreifenden Seins-Gründen ihre Dynamik, selbst die Warenkultur (die die Spannung zur "höchsten Möglichkeit", dem "Luxus" also, braucht) bräche ein.

Wer Anteile an einem aktiven Vermögen, an Unternehmen oder Geldvermögensfonds besitzt, besitzt aber immer nur relatives, nominelles Vermögen, sofern es Einkommen generiert. Was es in Krisenzeiten nicht mehr tut.

In manchen Branchen ist dieses Vermögensverhältnis aktiv : passiv sogar extrem negativ. Eine hochspezialisierte, perfekt etablierte Fabrik für Kreuzwummen hat einen Wert von 50 Mio Euro, solange sie produziert. (Etwa) soviel würde es auch tatsächlich kosten, so eine Fabrik zu etablieren. Sobald aber Audi Nuschellamellen statt der Wummen einbaut, ist diese Fabrik wertlos, wenn nicht sogar eine Schuldbelastung. Und Baufirmen, die aktiv viel Geld wert sind, und deren Eigentümer in dieser Zeit lebt "wie ein Millionär", sind nach einem Zusammenbruch (der manchmal sogar nur eine Liquiditätsfrage war) aufgrund geltendgemachter Gewährleistungsrücklagen etc. oft nicht einmal das Papier wert, das der Masseverwalter für seine Listen verpulvert. Bilanzen, Unternehmenswerte und damit Vermögen sind immer sehr stachelige Früchte.

Und wer in ein Mietshaus nicht laufend investiert, wird nach 30 Jahren nicht nur kein Haus mehr haben, sondern sogar noch enorme Verbindlichkeiten aus der kumulierten Erhaltungsschuld, die etwa ein neuer Eigentümer nun decken (investieren) muß.

Vermögen sind im Wesentlichen nur Anzeiger für die Möglichkeit für eine gewisse Lebensführung, für die Notwendigkeit zu bewegen, die noch dazu auf weit höheren Kosten sitzt, sodaß "netto" oft kaum etwas bleibt - außer einer anderen Lebensführung. Wer 70 Stunden in der Woche geschäftliche Agenden managt, indem er nämlich Beziehungen zwischen Dingen und Menschen, "Welt" herstellt oder erhält, hat gar keine Zeit für das Mähen des Rasens seiner Traumvilla, er muß jemanden dafür bezahlen.

Reichtum hat also direkt mit Fähigkeit und Möglichkeit zu bewegen zu tun. Nur Beziehungen sind "Eigentum" und Vermögen, nicht "Güter" an sich, und auch nicht Gold. Deshalb "gibt" es kein Geld, egal in welcher Form, es gibt nur Beziehungen - oder nicht. Krise heißt "Beziehungskorrektur", Eigentum* gibt es nur bei intakten Beziehungen, ja Eigentum IST Beziehung (und deshalb von Persönlichkeit nicht zu trennen).

Gleichzeitig gilt, daß jemand, der sich in bestimmte unbotmäßige, nicht den realen Beziehungen entsprechende Formen der Lebensführung verliert, sein Vermögen gefährdet oder gar verspielt. Und zwar SOWOHL nach oben (Prasserei, Verschwendung), wie nach unten (Geiz) gesehen, greift er dann in eben diese Beziehungen nicht ihrer Art und (immer auch gesellschaftlicher) Bedeutung entsprechend ein und deformiert damit auch die Beziehungen seines Vermögens, verspielt das was Vermögen sein kann und soll: Freude an der Entfaltung bestimmter, kulturell höherstehender Arten von Beziehungen.

Zeiten kulturellen Niedergangs sind deshalb immer vom "Neureichentum" begleitet. Wo "Vermögen" nicht mehr mit Persönlichkeit und damit Kultur einhergeht, sondern eine rein technische, funktionale Angelegenheit wird, die sogar "jedem" offensteht. Was zu erreichen im übrigen überhaupt nicht möglich ist, es ist eben - ein Ethos. Ein kulturaverser Ethos, der Vermögen dazu bewegt, kulturavers zu wirken. (Bill Gates, um es plakativ zu zeigen, stellt mit seinem Geld enormen und weitreichenden Unsinn an.)

Dank der staatlichen Eingriffe in die Rettung der Wirtschaft (Staatsinterventionen erhöhen nachweislich und hier noch einmal bestätigt die Vermögen der Besitzenden, Staatsnahen, L. v. Mises zeigt die Zusammenhänge eindrücklich, bedeuten eine Umverteilung "von unten nach oben"), hat sich die Zahl der Millionäre also nun wieder erhöht, ja ist so hoch wie noch nie.



*Die Begriffe Eigentum und Besitz werden meist falsch und undifferenziert, wie auswechselbar verwendet. Besitz heißt aber nur, daß sich etwas in jemandes Verfügungsgewalt befindet, diesem aber nicht gehört. Insofern hat er natürlich auch mit Persönlichkeit (als Fähigkeit, die Spannung von Beziehungen als Sinnauftrag zu tragen und zu erfüllen) zu tun. Man kann also auch etwas Geliehenes besitzen. Eigentum ist hingegen eine Letztverantwortung, und sie heißt, daß etwas jemandem gehört, "zubehört", aber gar nicht in seiner Nutzung oder Verfügungs- oder Nutzgewalt (etwa wie in Miete und Pacht) stehen muß. Deshalb ist auch die Verantwortung, die mit Eigentum einhergeht, höher, "letzter" (bzw. "erster"), als bei Besitz.





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Montag, 29. Juli 2013

Veränderung, nicht Verbesserung

Seine Thesen haben Aufsehen erregt, und sie waren gegen den Strom gepißt. Nun ist der Ökonom und "Nobelpreisträger"* Robert W. Fogel gestorben.

Fogel hat sich mit historischen Prozessen auseinandergesetzt, und sie vor allem mathematisch-kybernetisch untersucht. Mit interessanten Ergebnissen.

So hat er behauptet, daß sich genau betrachtet das Durchziehen des amerikanischen Kontinents mit Eisenbahnlinien keineswegs als der große Wirtschaftsmotor erweist, wie es behauptet wurde. Das Wirtschaftsgeschehen wurde allerdings grundlegend VERÄNDERT.

Und so hat er auch behauptet, daß die Sklaverei in den USA keineswegs ökonomisch sinnloses Schinden geringgeachteter Schwarzer war. Sie war effizient, und im großen Ganzen wurden die Sklaven nicht "zu Tode geschuftet" sondern sorglich behandelt. Sie abzuschaffen war ein politischer Entschluß, sonst nichts, und hat die Art des Wirtschaftens VERÄNDERT, nicht (rein ökonomisch gesehen) verbessert.




*Es gibt übrigens gar keinen eigentlichen "Wirtschaftsnobelpreis" - vielmehr ist es ein Preis, den die schwedische Reichsbank ausgesetzt hat, und der im Rahmen der Nobelpreistage mit vergeben wird.




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Einmal in Gang gesetzt

Die österreichische Architektenkammer - für Bundesdeutsche: Eine gar nicht hoch genug zu würdigende Relikt der einer ständisch/zünftiglichen Staatsorganisation in Form einer österreichische Kammerstruktur als Interessensvertretung im politischen Spiel - schätzt die Zusatzkosten alleine durch "unsinnige" Normen im Bauwesen auf jährlich 300 Mio Euro. Andere Stimmen sprechen gar von 50 %. 

Jährlich kommen derzeit 2000 Normen dazu. Bei insgesamt bereits 25.000 Normen für Produkte, betreffen alleine 6.000 die Bauwirtschaft. Ein guter Teil dieser Normen verschlechtert die Lage eher, als sie sie bessert. In allerseitigem Interesse. Weil die Praxis anders aussieht, als die Normen sie annehmen. 

Der interessanteste Aspekt dabei: Diese Normagebungspraxis passiert mittlerweile außerparlamentarisch und unkontrolliert (ja: unkontrollierbar), auch unbeachtet von der Öffentlichkeit - in einmal installierten Normungsinstituten.




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Aus dem Leben New Yorks (9)


Gesehen auf everyday_i_show







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Sonntag, 28. Juli 2013

Das Gleiche?

Im Zug traf E, unterwegs zur Messe, überraschend auf R. Der behelmt und im fluoresizierenden Neoprenanzug sein Fahrrad in den Wagon hob. Er sei unterwegs nach X, um dort an einem Gottesdienst der Freikirche teilzunehmen. Sie unterhielten sich.

"We are doing the same," meinte er, als er ausstieg.

"Are You sure," gab E zurück?





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Lebenshöhe der Religiosität

"Das eigentliche, einzige und tiefste Thema der Welt- und Menschengeschichte, dem alle übrigen untergeordnet sind, bleibt der Konflikt des Unglaubens und Glaubens. 

Alle Epochen, in welchen der Glaube herrscht, unter welcher Gestalt er auch wolle, sind glänzend, herzerhebend und fruchtbar für Mitwelt und Nachwelt. 

Alle Epochen dagegen, in welchen der Unglaube, in welcher Form es sei, einen kümmerlichen Sieg behauptet, ... verschwinden vor der Nachwelt, weil sich niemand gern mit Erkenntnis des Unfruchtbaren abquälen mag."


J. W. Goethe, "Israel in der Wüste"



Florens Christian Rang weist einmal darauf hin, daß (unabhängig von aller unfruchtbaren und oft genug dümmlichen Diskussion über die Frage nach Goethe's Christentum) man nicht übersehen darf, daß Goethe in seiner Zeit ein schwärmerisches, pietistisches Christentum gegenüberstand, das Gefühlsrausch mit Geisterfahrung verwechselt. DAS hat er in seiner Ablehnung zweifellos gemeint. Denn ihm war alles Schauen ein Schauen von Gestalten, ihm war Gott in der Form gegeben, jenem Tor, an dem der Geist wie ein Schmetterling in der Flamme der Sehnsucht des Fleisches nach Erlösung verbrennt. Er war auf der Suche nach jener Quelle, die ihm die wahre Religiosität immer war, die er aber in keiner der aktuellen Glaubensgestalten vorfand. Und das hieß und heißt zweifellos: das erneute Aufschließen der Glaubenstür, auch für die sogenannte christliche Welt.

Es sind nahezu immer die Christen selber, die den Blick auf die Gestalt Jesu Christi, von der dieser Geist des Schöpferischen ausgeht, verstellen, verhüllen, anstatt sie zu enthüllen.

Der Welt fehlt es noch gar nicht am Christentum, sondern an seinem Grund: An der Religiosität, am En-Thosiasmus, nicht an Gefühlsrausch und Geplappere.



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Das erinnert den Verfasser dieser Zielen an ein Gespräch, in dem ein Kenner der islamischen Welt, selber Katholik, darauf hinwies, daß die "Christenverfolgung", die in islamischen Ländern beklagt wird, oft vielleicht gar keine ist, oft genug um eine Religionsform entbrennt, die auch dem Katholischen Geist sehr fragwürdig sein muß. Ausgangs- und Zielpunkt solcher Verfolgungen sind oft genug jene protestantischen Freikirchen und Sekten, die "im Namen Christi" auftreten und aggressiv "missionarisch" Voluntarismus und Spiritualismus predigen, wie sie mit dem eigentlichen Christentum, das per se eine Religion der Gestalt (Christi) ist, kaum noch etwas zu tun haben. Ein ausgewogener, realistisch-wirklichkeitssatter Katholizismus, so der Priester, stößt in diesen Ländern kaum einmal auf derartige Ablehnung. Ist das Bild des "Christentums" in der öffentlichen Meinung aber einmal verzerrt, werden alle in einen Topf geworfen. 

Die Frage stellt sich aber, ob der europäische Katholizismus, ob die Katholische Kirche überhaupt noch genug Gestalt und damit Kraft hat, um missionarisch wirken zu KÖNNEN. Ob nicht sein Gesicht jenem verdächtig ähnelt, dem auch Goethe gegenüberstand, und von dem er sich - man möchte sagen: mit Recht - angewidert abwandte.  




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Alles will es selbst bleiben

Als eine der entscheidenden Funktionen aller lebendigen Organismen sieht Heinz Dotterweich das Beharrungsvermögen an. Darunter ist zu verstehen, daß ein Organismus alles daran setzt, auch bei veränderten Umweltbedingungen - er selbst zu bleiben, und auf bekannte Weise zu funktionieren. Würde ein Organismus sich beliebig veränderten Umweltbedingungen anpassen, so würde er binnen kürzester Zeit "ein Raub" dieser Bedingungen. Nur solche ursprünglichen Lebenssysteme können sich erhalten, die nicht auf jeden Reiz hin ihr gesamtes Gefüge entsprechend ändern. Nur so können sie ihr eigenes Gleichgewicht halten.

Leben heißt immer, daß zumindest ein Teil der elementaren Funktionen in einem Organismus (aber auch einer Biozönose, also einem mehrere Organismen und Faktoren einschließendes Lebensganzes) gleich bleiben kann.

Als mit zu den wichtigsten Ausprägungen dieses Beharrungsvermögens sind dabei das Gedächtnis und die Vererbung anzusehen. Beide Richtungen sieht Dotterweich als Spezialisierungen dieses Strebens, das abstrakt natürlich nirgendwo vorkommt. Ja man kann die Vererbung (ähnlich dem Gedächtnis) direkt als ein Verharren im Wechsel aller organischen und anorganischen Umweltänderungen ansehen.

Ändern sich Einflußfaktoren von außen auf Dauer, dann erfolgt zwar tatsächlich ein (Teil-)Anpassungsverhalten, aber dieses muß so gesehen werden, daß TROTZ der geänderten Bedingungen die ursprünglichen Funktionen aufrecht bleiben können. Solche Anpassungsprozesse dauern dabei sehr lange, und erstrecken sich praktisch immer über viele Generationen, die das Beharren am alten Zustand anhält.

Der Nobelpreisträger Jacques Monod ist in "Zufall und Notwendigkeit" sogar zur für ihn erschütternden Erkenntnis gekommen (Monod war Nihilist, dem wenigstens die Entwicklungstheorie etwas Sinn versprach, bis er auch das fallen lassen mußte), daß Gene prinzipiell invariant sind, daß also ein Organismus (und selbst ein anorganisches Gefüge) über wesenseigene Grenzen hinaus überhaupt nicht veränderbar IST. Alle Entfaltung in der Natur ist nur die Spezifizierung von Vorhandenem. Ein mechanistisch-progressiver Weltaufbau ist also ohne Hinzukommendes gar nicht möglich. (Was sich im Vererbungsprozeß verändert sind ja auch nicht "die Gene" ihrer Art nach, sondern ihr Zueinander, die Dynamik, sowie Einschränkungen, gar Mängel. Mutationen selbst sind Defekte und v. a. über den Vererbungsprozeß zu (oder aus) Spezialisierungen gewordene Einschränkungen, nicht Weiterentwicklungen.*)

Erst durch die menschliche Freiheit - in der klaren Rückbindung an ein reales Transzendentales, also nicht als weltimmanent abgeschlossen ansehbar, dann würde sie wieder unter dieses Beharrungsvermögen fallen - kann überhaupt "Neues" in die Welt kommen. Nur durch ihn kann sich der Kosmos in den Geist heben und damit zurückbiegen.

Verliert ein Organismus diese Fähigkeit, Einflüssen gegenüber sein inneres Gefügegleichgewicht zu erhalten, tritt der Tod ein. Im Tod wird der völlige Ausgleich mit der Umwelt (von ihrer Seite her) hergestellt. Im Beharrungsvermögen bewahrt sich ein Organismus vor dieser chemischen oder physikalischen Gleichgewichtslage.

Auf die Aussage im vorigen Absatz zurückkommend, legt sich damit eine Verständnisbrücke zur Ewigkeit, die in der analogen Präsenz des Unendlichen Göttlichen im vollkommenen, geheiligten Menschen ewiges Spiel bedeutet - ewiges Leben in unendlicher, je aktueller Vielfalt. Am Unendlichen in der Willensübereinstimmung (nicht: Ersetzung!) teilhabend, ist auch die Lebensentfaltung "aus dem Vorhandenen heraus" unendlich. Gott, das Sein, ist der "ewig Gleiche", in dem Unendliches Seiendes enthalten ist.

In diesem Sinne erschließt sich auch der Erkenntnisprozeß als Gleichgewichtsstreben, mit dem Ziel der Ohnendlichkeit im alles umfassenden Abstraktum, in das alles Vereinzelte zurückgeführt ist, als Analogie zum Sein selbst.**



*Es ist ein Irrtum dem Inzestverbot quasi "evolutive Funktion" zuzuschreiben. Unabhängig von logischen Fragen, die dabei nicht beantwortbar sind, verstärkt sich aus diesem Beharrungsvermögen heraus (man nehme die Aussagen metaphorischer mehr denn naturwissenschaftlich-exakter Art) auch das jeweils (faktisch) Vorhandene an Anlagen. Und das führt zu fehlender Anpassungsenergie an das Außen. Die Bluterkrankheit, eine typische Erkrankung des Inzest, erzählt diese Geschichte. 

Auf den naturwissenschaftlich nicht leugbaren Monogenismus eingehend, der nacherzählt, was die Genesis erzählt, erübrigt sich bei einer vollkommenen Schöpfung - Adam als erster Mensch war nicht gezeugt, sondern geschaffen, damit vollkommen - die Frage nach dem "Inzest" des ersten Menschenpaares.

Übrigens ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, daß die Herrscher der Alten Zeit (Ägypten, die mythischen Könige aller möglichen Völker) - als Götter oder Halbgötter oft gesehen - einen Herrscherethos begründeten, der die Könige oder Pharaonen nur durch ihresgleichen, in ihrer göttlichen oder ursprünglichen Vollkommenheit, standesgemäß bei einer Heirat ergänzt sahen. Jeder Herrschermythos der Weltgeschichte geht auf die Urzeiten zurück, oder sucht darin seine Legitimität. Denn das ist die Kernfrage des Herrschers, und über ihn die Kernfrage seines Volkes, das sich immer als Prototyp "Mensch" sieht (die Landes- oder Stammesbezeichnung vieler Völker heißt nichts anderes als "Mensch" - das Wort Mensch ist dabei VON IHNEN HER abgeleitet.) Die Pflicht zur Standesgemäßheit auch europäischer Heiraten gründet genau darin. Ein Volk ohne göttliche Abstammung, ohne göttliche Sendung, überlebt nicht lange. Es muß gewollt, es muß von Gott berufen, benannt sein. Kein Mensch kann ohne Berufung durch seinen Erzeuger leben.

Fustel de Coulanges zeigt in seiner großartigen Untersuchung des Antiken Staates genau das: Wie sich aus solcher Ableitung nach und nach ein historisch immer komplexeres Staats- und Gesellschaftsgebilde entwickelt. Das irgendwann zwar völlig anders aussieht, und doch in seinem Grundstrukturen genau um diese Grundkonstellation kreist. Um sie herum hat sich alles entwickelt, auf sie bezieht sich alles, selbst in der Demokratie.

**Jener Punkt, an dem die Gehirnforschung heute mit Verwunderung feststellt, daß das Wesen des Gehirns gar nicht aus seiner physischen Synapsentätigkeit erkennbar ist, sondern in einem gar nicht physisch "auffindbaren", quasi "festnagelbaren", nur sich in physiologischen Prozessen zeigenden, aber über sie hinausweisenden Koordinationsspiel. Jener Punkt, an dem der Philosoph Karl R. Popper und der Gehirnforscher John C. Eccles in ihrem als Buch erschienenen Gespräch "Das Ich und sein Gehirn" feststellen, daß "das Ich auf seinem Gehirn spielt wie auf einem Klavier." Die Musik, die dabei entsteht, ist in ihren Inhalten, durch die sie erst Musik ist, etwas völlig Neues, Anderes, Drittes und doch Reales.




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Samstag, 27. Juli 2013

Unterschied

Aus vieljähriger Deutung der Handschriften, schreibt Ludwig Klages in einem seiner Alterswerke, kann er sagen, daß die "moderne" Frau, je mehr sie sich dem Manne angeglichen hat, von diesem zwar die Eigenschaften seines Willens übernommen hat, aber nicht seine Geistigkeit.




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Kriegskonnotationen

Ein sehr gelungene Bebilderung wählte die Presse für ihren Bericht über die recht naheliegende Vermutung, daß amerikanische Geheimdienste den kompletten E-Mail- und Social Media-Verkehr, ja das Internet der Welt überwachen und auf Gefahrenpotential hin bewerten. Da erhält das Gesicht des menschenfreundlichen Obama eine ganz andere Konnotation. 

Wobei ja immerhin die Amerikaner diese Überwachung nur dem Ausland angedeihen lassen. Im Inland sind die Rechter der Bürger auf Privatsphäre von der Verfassung geschützt. Aber wenn es ums Überleben im Krieg geht, sind auch dort alle Mittel recht.

Bild: Die Presse




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Aus dem Leben New Yorks (8)


Gesehen auf everyday_i_show





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Freitag, 26. Juli 2013

Ein Frühling, der ein Nordpolwinter wird

Und schon kommen sie aus ihren Löchern, wie an dieser Stelle vor Monaten vorhergesagt. Schon wittern sie "Frühlingsluft", die Leonardo Boffs, die Rollkragenträger und Guitarrrenklimperer aus den Siegzigern, die doch nur lieben wollten, sonst nichts. Da kommt sie, die Generation der Reformer, deren Zeit nun endlich gekommen ist. Starr und wirr im Denken, wie sie immer waren, stehengeblieben wie man es kaum fassen kann, Zurückgebliebene und Ewiggestrige im wahrsten Sinn, in der Haltungsstarrheit konservierter Larven, die nun aus den Depots und geheimen Lagerhäusern ausfließen über die Erde.

Gegossen vom waren Güssen von Schlagworten, die so leer sind, wie wir sie doch schon vor langer Zeit kannten, das Öl in dem die fauligen Sardinen schwommen, die die Diözesen seither mehr und mehr beherrschten, wie wir in den 1970ern regelrecht ertränkt wurden darin: Gerechtigkeit für Arme (denn Armut kann ja nur ungerecht sein, nicht wahr?), Barmherzigkeit für die armen Opfer der Drogenhändler, Liebe und noch einmal Liebe für alle, und Barmherzigkeit, die Auflösung der Form heißt, elegant aus der swingenden Hüfte geschossen.

Ja, nun jubeln sie, endlich hat der Wahn, der Unsinn Hochzeit. Endlich wird Dummheit und Bösartigkeit zur Flagge des Kreuzzugs, denen natürlich ganz andere Etiketten umhängen, denn ohne Etiketten geht mal gar nichts. Endlich ist er da, der Geist von dem sie alle träumten, die meisten mußten bis zur Pension warten.

Und die Massen der Paralysierten, konditioniert seit Jahrzehnten auf Papsthype und -hörigkeit, ohrengeblasen von dem, was ihnen in Wahrheit doch so entgegenkommt, in Flashmobs und Happyfeelings eingeschmolzen wie in Honigtöpfen, die die Welt missionieren wollen, jetzt erst so richtig - sie stehen ohne Hosen da, und merken es nicht. Meinen das wäre er, der neue Wind des Frühlings, verrenken sich in Spagatleistungen, die fassungslos machen. Denn es zieht in Wahrheit wie Hechtsuppe, aus kalten Todesfrösten des ewigen Winters.

Grausen, Grausen vor den Grinsern erfaßt längst alle jene, die noch ein wenig Rückgrat haben, und sie verhüllen ihr Haupt. Denn jetzt kommen sie, die neuen Zeiten, völlig richtig. Jetzt kommen die neuen Besen, die gut kehren, und zwar dort, wo noch Substanz ist. DA wird ausgefegt, und zwar restlos. Noch nie, meinte unlängst jemand, der es wissen sollte, sei die Kirche derartig autokratisch geführt worden. Achso, hört man da von anderen Seiten, nur so lange, bis alles endlich eingerenkt ist, wie sie es wollten, die Grinser aus den 1960er und 1970ern, da müssen vorerst schon mal Späne fliegen. Das verstehen auch Nichtlächler und Nichtbabyherzer.

Weh dem, der da noch ein Tellerchen hat. Er wird viel Suppe auszulöffeln haben.



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Putziges Informationszeitalter

Wer da nun meint, man sei doch heute bestens über alles informiert, und könne sich deshalb eine eigene Meinung zu allem bilden, der wird längst festgestellt haben, daß das recht schwierig sein kann. Denn nicht selten muß er gegen eigenes Gefühl agieren, oder ist dazu verdammt, das was er für wahr hält, weil es seiner bisherigen Urteils- und Lebensgrundlage entspricht, gegen das Bild in der Öffentlichkeit aufrechthalten. Was vielerlei Gefahren einschließt, sehr viele sogar.

Die Einschätzung der Lage in Griechenland - an sich ja gar nicht in der Zuständigkeit der einfachen Bürger - war so ein Fall. Jeder, der da Übles roch, lag richtig, von Anfang an. Ein exemplarischer Fall.

Denn nun stellt sich heraus, daß der Internationale Währungs Fonds IWF tatsächlich gelogen hatte. Und an diese Lüge haben sich gerne alle Regierungen angeschlossen. angeblich, weil es um das Image und damit den Wert des Euro - die "Euro-Rettung", ging. Ein Kardinalwert, der jede Lüge rechtfertigt.

Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten berichten von einem vorliegenden Papier, in dem diese Institution intern zugibt, die Bürger belogen zu haben. Vorsätzlich gab man die Schuldenlast des Landes als "bewältigbar" aus, obwohl man wußte, daß dem keineswegs so war. Wie jemand mit etwas soliderer Kenntnis und Erfahrung wirtschaftlicher Vorgänge ohnehin wußte. 

Von Anfang an war also klar, daß die "Stundungsmoratorien" für Griechenland nur ein Hinauszögern unvermeidbarer Schuldenerlässe war. In Österreich wurde von Vizekanzlern und Finanzministern allen Ernstes sogar erzählt, die Hilfsgelder für Hellas wären ein Zinsgeschäft, das den Bürgern Millionen in die Kassen spülen würde. Selbige sind natürlich folgerichtig entweder zu noch spezielleren Finanzweihen aufgestiegen, oder einfach weiter im Amt. Wo sie gerade PR-Kampagnen überlegen, wie das "Vertrauensverhältnis zu den Bürgern" so knapp vor der Wahl wiederzugewinnen sei.

Warum die Lügen? Um so Zeit zu gewinnen, den Bürgern nach und nach den Wein zu säuern, bis sie sich daran gewöhnt hatten, und keine Regierung Konsequenzen daraus zu erwarten hatte, daß sie die Steuergelder ihrer Bürger an den Isthmus von Korinth umleitete. Denn auch wenn man es wußte - man war sich halt doch nicht sicher.




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Trend zum Zweitbuch

Die Umsätze der britischen Verleger sind 2012 auf eine neue Rekordsumme von 3,3 Milliarden Pfund (ungefähr 3,9 Millionen Euro) und damit um weitere 4 % gestiegen. Das vielleicht erstaunlichste dabei: Gedruckte Bücher hielten sich stabil, ihre Umsatzsumme fiel nur um 1 %. 

Die Steigerungen sind auf digitale Erzeugnisse zurückzuführen, deren Verkaufssumme um 66 % auf 640 Mio. Pfund stieg. Das könnte man so interpretieren, daß zwar auf digitalem Weg mehr gelesen wird, aber nicht ANSTATT, sondern ZUSÄTZLICH zu gedruckten Büchern.




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Donnerstag, 25. Juli 2013

Symbolik

Gibt es eine schönere Symbolik für Berlin? Das Stadtschloß der Hohenzollern soll wieder aufgebaut werden. Die Fassade. An drei Seiten. Innen wird es ein Einkaufszentrum und viel Platz für Events geben.

Auflösung der Gestalt, Gestalt nur noch als optische Reminiszenz, man kann mit ihr nichts mehr anfangen, der tragende Kern ist gestaltlose Funktion.



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Der Mensch kostet einfach zu viel

Eine US-amerikanische Studie hat nun die Fakten auf den Tisch gelegt: Raucher kosten die Wirtschaft Milliarden-Beträge pro Jahr. Dieser Schaden entsteht hochgerechnet schon nur durch Rauchpausen und häufigere Krankenstände. Nicht berücksichtigt hat diese die Menschheit so erhellende Erkenntnis den Gestank, die Steigerung der Häufigkeit von Ausmal- und Sanierungskosten der Betriebsräume, die Kosten für Aschenbecherentleerung und -abwäsche, Hantierungszeit für das Auspacken von Zigarettenschachteln, Verschlechterung des Betriebsklimas durch Schnorrer und Streit mit militanten Nichtrauchern, und was deren Kostenfaktoren mehr sind.

Denn das führt natürlich zu sehr grundsätzlichen Überlegungen, wie Löhne zukünftig überhaupt zu gestalten sind. Denn es ergibt ein ganz anderes Bild, wenn man derlei Gefahren für das Bruttoinlandsprodukt in größerem, und vor allem breiterem Maßstab erfaßt.

So hat eine Konferenz von Effiziensmanagern im Jahre 2009 bereits eine erste Vorschlagsliste erarbeitet, deren signifikanteste Punkte kurz angerissen sein sollen. Gehaltsabschläge sind dabei vorzusehen für:

  • Frauen, die auf ihr Äußeres Wert legen - eine Studie des American Wealth-Institute in Oregon hat ergeben, daß alleine die Zeiten für Schminkerneuerung, Nachziehen des Lippenstifts und Neubeduftung die Höhe des Gewinns der acht größten US-Konzerne zusammengenommen erreichen. Warum diese überhaupt noch Gewinn  machen, ist eine ungelöste Frage.
  • Männer, die verheiratet sind - sie verbrauchen durchschnittlich eine halbe Stunde pro Tag, um Familienangelegenheiten zu regeln oder Ihrer Frau mitzuteilen, daß die Oma den Sprößling von der Schule abholen wird, sondern sie sind bei familiären Sorgen unkalkulierbare Risikofaktoren, die bei Scheidung udn deren Folgen zum Unternehmensrisiko auswachsen. Eine Studie aus Florida hat ergeben, daß ab einem Prozentsatz von 80 % Verheirateten die Gefahr, daß das Unternehmen durch plötzliche Scheidung eben dieser völlig ausfällt, zu einem Damoklesschwert der amerikanischen Wirtschaft wird. Sie liegen etwas gleichauf mit
  • Singles, die nicht verheiratet sind - eine Studie aus dem kanadischen Toronto, unter Mitwirkung des Harvard Sex-Pools hat ergeben, daß die ständige Flirtbereitschaft Unverheirateter, die ständige Partnersuche, nicht nur bis zu 60 %, in Ausnahmefällen sogar deutlich mehr, der Aufmerksamkeitsenergie der Mitarbeiter kostet, sondern in Verhandlungen zu einem unabschätzbaren Sicherheitsrisiko werden. Arthus Whichcraft von der Ohio-University hat in einer vielbemerkten Publikation nachgewiesen, daß nachweislich 40 % aller  Verkaufserlösminderungen auf Kosten der verminderten Kampfbereitschaft der auf Partnersuche befindlichen Mitarbeiter gehen. Geschätzte Gesamtkosten für das Bruttoinlandsprodukt: 590 Milliarden Dollar, etwa also die Höhe der Neuverschuldung des amerikanischen Staatshaushalts im Jahr VOR der Finanzkrise.
Die Liste setzt sich über 56 Seiten fort. Sie umfaßt in ihren Vorschlägen für Einkommensminderungen unter vielem anderen auch: 
  • Männer die gepflegt aussehen - sie zeigen deutlich weniger Hemdsärmeligkeit, wenn es ums Zupacken geht, und benötigen jährlich 56 Stunden Arbeitszeit durchschnittlich, die sie ihre Toilettenbesuche ausdehnen, um sich hygienisch wie kostümtechnisch neu zu faconieren, ihre Einsetzbarkeit ist beschränkt; 
  • Männer die ungepflegt aussehen - ihre Abstoßungskraft erreicht Wirtschaftsschäden in Höhe von 350-500 Mrd. Dollar, ihre Einsetzbarkeit ist beschränkt; 
  • Personen, die vegan leben - der Aufwand den sie um ihr Essen treiben, kostet die US-Wirtschaft jährlich 28 Mrd. Dollar; 
  • Personen, die NICHT vegan leben - ihre Gesundheitsbeeinträchtigung durch Fleisch und tierische Fette wird vom American Health-Institute mit 83 Mrd. Dollar angegeben; 
  • Personen, die nicht rauchen - der Verlust an Verhandlungskompetenz durch Verweigerung der Solidarität und Gemütlichkeit (sowie beträchtlicher Steuerleistungen) wird mit 398 Mrd. Dollar eingeschätzt, sie liegen damit nur knapp hinter 
  • Personen, die keinen Alkohol trinken, die derselben Schadensgruppe zuzurechnen sind;  
  • Personen, die Alkohol trinken; sie werden in ihren verursachten Kosten mit über 400 Mrd. Dollar eingestuft. Außerdem verkürzen sie die Lebenserwartung und verursachen damit viel Leid, wie ein Vertreter der New Appalachian Baptist Church in einer öffentlichen Stellungnahme betonte, in der er die Ergebnisse dieser Studie euphorisch als "Wende des amerikanischen Sittlichkeitsbewußtseins" und "Beginn eines Zeitalters der Heiligen" begrüßte. Zwischenzeitlich hat sich auch der Papst vorsichtig zustimmend zur Äußerung des Bruders im Glauben geäußert. Er wies in einer mehrteiligen Twitterbotschaft aber darauf hin, daß derlei Vorhaben solide Grundlage in der Wissenschaft haben müßten, sowie im Endeffekt nur Ergebnis demokratischer Willensbildung sein dürften. Er habe in bekannter Entschlossenheit bereits eine Kommission bestimmt, die eine Konferenz zur Koordinierung sämtlicher christlicher Kirchen zu einem una voce zu diesem Thema vorbereite. Zur Förderung der Akzeptanz auch in muslimischen und andersgläubigen Staaten schlug er aber bereits jetzt vor, die Berechnungen in saudischen Rial oder indischen Rupien durchzuführen, dies sei ein gebotener Akt der Liebe, weil bei aller gebotenen Sachlichkeit, die innerweltliche Überlegungen verlangten aber nicht weiter Aufgabe der Kirche seien, das göttliche Gebot nicht vergessen werden dürfe. Das sei ja überhaupt der spezielle Beitrag aller Gläubigen.
Etwa 2.450 Punkte enthält die Liste, die dem amerikanischen Kongress zur Diskussion übergeben wurde. Die bewußt noch außerhalb aller gentechnischen Empfehlungen zur Klassifizierung der Bewohner der USA als Grundlage für Lohnverhandlungen bis zu Steuerbemessungstabellen bleibt. Die derzeit in enger Zusammenarbeit mit dem Chicago-Genetics-Institute erarbeitet werden, und nach ersten Informationen im heurigen September in einer offiziellen ersten Fassung vorliegen sollen. 

Bereits bei einem ersten Hearing hat sich ein aus ungenannten Gründen nicht genannt werden wollende Lobbyist der Automobilindustrie anerkennend über die Leistungen der Wissenschaft ausgesprochen, und in einem spontanen Akt in einer Talkshow verkündet, den Kongressfonds für Studienaufträge diskret um 50 Mio. Dollar aufstocken zu wollen.

Bis zum letzten Punkt, der allerdings in der offiziellen Version jenes Papiers nicht vorkommt, aber durch investigativen Journalismus, einem wahren "Useful-Gate", das die Medien durchschäumte, bekannt wurde - allen Menschen überhaupt, und zwar im Ausmaß korrelativ zur Entfaltung ihres Lebens, welcher Entfaltung unabschätzbare Lebensrisken einhergehen. Denn die Kosten, die ein Mensch verursacht, belaufen sich in ihrer Gesamtheit nur in den USA auf jährlich (setzen Sie sich nun:) 350 BILLIONEN DOLLAR, vorsichtig geschätzt. Eine entsprechende Studie ist bereits in Auftrag gegeben.

Eine Stellungnahme des mittlerweile 86jährigen Sozialforschers und Philosophen John Weissensteiner, Binglefield (MS), der in einem viel beachteten Leitartikel der Binglefield Weekly behauptete, daß eine freie Lohngestaltung, wie sie bis vor wenigen Jahrzehnten üblich war, immer schon sämtliche Lebensrisken unausgesprochen und völlig selbstverständlich in persönlichen Lohngesprächen mitkalkuliert habe, wurde zwar von NBC ausgestrahlt, aber durch mehrere Studien unabhängiger Forschungsinstitute hinlänglich entkräftet. Weissensteiner, so die Autoren der Gegenstudien, könne nichts von dem, was er sage, beweisen, und sei im übrigen Alkoholiker, geschieden, und habe sich wiederholt öffentlicher Ärgernisse schuldig gemacht, darunter Pikanterien, die auszubreiten man sich aber scheue - er sei auf jeden Fall eindeutig von persönlichen Interessen getrieben, seine Aussagen nicht seriös, lediglich Meinungen. 

Folge man aber seriösen Studien, so wären 59 % aller untersuchten Unternehmer und Personalmanager (Stichprobengröße 2300) der Auffassung, daß sie von den Kosten, die menschliches Fehlverhalten verursache, überrascht worden seien. 8 % gaben sogar an, niemals ein Unternehmen gegründet zu haben, hätten sie die Tragweite menschlichen Leichtsinns gewußt. Im Durchschnitt, bezifferten amerikanische Unternehmer das Potential der Steigerung wirtschaftlicher Effizienz bei sachgerechterer Entlohnung bei je nach Branche starker Variabilität auf über 60 % des BIP. Lediglich 21 % der Unternehmer stimmte den Meinungen Weissensteiners zu und bestätigen damit einmal mehr die Gefahren des Populismus, der die Freiheit und das Wohlergehen Amerikas, seine Stellung als Weltmacht gefährde. Zumal bedenkliche 20 % der Befragten angaben, nichts angeben, aber auch nichts ändern zu wollen. Sie zeigen die Mängel der Bewußtseinsbildung an, die eine nachlässige Bildungspolitik verursache, der zuzuschreiben sie, daß sich immer noch so viele Amerikaner öffentlich-medialen Informationsprozessen entzögen.



Bericht: Kevin Read, aus Washington DC



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Formen der Freiheit

Die Logik hat die Formen des Denkens zum Gegenstand, aber nun nicht im Hinblick auf den tatsächlichen Denkvorgang, der von der Psychologie untersucht wird, sondern im Hinblick auf die Normen und Gesetze, die zu beobachten und zu erfüllen sind, sollen wir es mit einem wahren Denken, mit der Ordnung der Wahrheit im Denken zu tun haben. Also niemals, wie wir tatsächlich denken, sondern wie wir denken sollen, weist uns die Logik an. 

Wenn wir also gestaltlogisch aussagen, der Gegenstand der Logik seien die repräsentierenden Sinngefüge des Denkens, also die Ordnungsgefüge der Darstellung, so wissen wir, daß es hiebei sich nicht um Erlebnisgefüge, sondern um Normgefüge handelt, die das wahre Denken vollzieht, das Denken, das die Beziehung zu WAHR oder FALSCH hat und einzig haben kann. Die konkreten Vollzugsformen des Denkens im Hinblick auf die normativen Sinn-Gefüge stehen zur Debatte. 

Die Form, die morphe dieses Denkens, unterschiedet sich also von anderen Formen und Ordnungen, zum Beispiel von Form und Gestaltbildungen in der Natur und deren Ordnungen, daß die Formen der Natur der Vollzugsnotwendigkeit unterliegen, eben Naturgesetze sind, während die Formen des Denkens eine solche Notwendigkeit nicht kennen (und daher auch nicht beobachtet, also verletzt werden können, darin den ethischen Gesetzen verwandt). Es sind Formen der Freiheit.


Leo Gabriel, in "Logik der Weltanschauung"



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Mittwoch, 24. Juli 2013

Vom Staunen, vom Glück, und von der Universalität

Man übersieht vielleicht gerne die scheinbar nur kleine, aber entscheidende Nuance, spricht man von "Wirklichkeitsoffenheit" und "Staunen" als notwendige Haltung der Welt gegenüber. 

Denn dies bedeutet nicht, daß sich das Ich jeder Gestaltung und Prägung als Selbst enthalten soll oder darf, sich also auflöst, und damit jedem Eindruck hinterherläuft, sich von allem Zufälligen, Begegnenden formen läßt. Es bedeutet auch genau nicht, daß man sich eventuell mit Psychotechniken jeder Verfestigung dieses Selbst entgegenzusetzen hätte, sich immer wieder auflösen müßte. Das würde fundamentale Schwächung der Potenz zu Werk bedeuten, denn jedes Werk ist nur ein solches, wenn es eine Bedeutung hat, also: in sich die Spannung der Beziehung trägt.*
Wer das schöpferische Moment, das nur in diesem Ich liegt, erhalten will, darf das Wesentliche des Menschen, seine Berufung zu einem Selbst (als Persönlichkeit) nicht abwerfen - und das ist, daß er jeden Augenblick eine Stellung zur Welt hat und haben muß. Nicht in der Befreiung vom Gefühl, sondern in seiner Vertiefung ins Eine, in dem alles ist, liegt der Zustand des geistigen Spiegelns.

Wenn etwa Doderer von "Universalität" als Ziel des Künstlers spricht, so meint er deshalb das Gegenteil von "Leere, um für alles offen zu sein". Er meint, daß das Selbst, das geistige Selbst (das aus dem Ich erwächst) als Gestalt des Ich in der Welt, von dem aus der Mensch "zusammengehalten" wird, so weit und tief werden muß, um alles zu enthalten.

Was nun nicht heißt, daß jemand also alle Vielfalt der Welt, alle "Information", die ihm erreichbar ist, in sich aufsaugen muß. Das ist auch gar nicht möglich, denn die Vielfalt der Welt IST tatsächlich ohnendlich. Es heißt nahezu das Gegenteil: Er muß aus der Vielfalt jene Einheit suchen, in immer weitergehender geistiger Arbeit, bis er zu jenem Einen gelangt ist, aus dem die ganze Welt sich baut, und in der sie zusammenläuft.

DANN ist der Geist des Menschen wahrhaft universal. Wenn er zu jener Gedankentiefe und -ruhe kommt, aus der heraus sich die ganze Welt in ihrer Gestalthaftigkeit ergibt. Und gerade von diesem Standpunkt her, der immer persönlich ist, lernt er die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist - nicht, wie sich der, der in der Vielfalt aufgeht, die Vielfalt, das isoliert Vereinzelte für "alles" hält, wie sich dieser also täuschen läßt, weil er das Eine nicht findet, das alles enthält. Jener bleibt also im vordergründigen Zweck gebunden.

Erst aus dieser Einheit heraus erwächst das Staunen auf seine rechte - und, noch einmal, keineswegs indifferente! - Art. Es läßt ihn die Welt als großes Ganzes erfahren, wo in jeder Vielfalt dieselben Vorgänge zu erkennen sind, sodaß er die Welt zu ordnen vermag. Und Werk heißt: Ordnung, nicht Zufall. Es erwächst gerade nicht als Verzicht auf Stellungnahme - die genau die Essenz jedes Künstlers ist! wer nichts zu sagen hat, der kann (und sollte) kein Werk schaffen! - sondern aus der Position der Universalität heraus erfaßt der Mensch erst das, was überhaupt ist - die Wahrheit. Als Elemente, als Stoff seiner Phantasie wird so sein Werk WAHR, und nicht bloß zufällig, wie bei jenem, der sein Selbst auflöst, was ja nur mit einem gegen sich selbst gerichteten Akt der Gewalt möglich ist.

Und darin treffen sich der Dichter, der Künstler, der Weise, der Philosoph, der Priester, der Wissenschaftler (wie er eigentlich zu verstehen wäre), in diesem ihnen allen gleichen Kern und Auftrag zur Universalität. Die sich in diesem Einen in Gott findet. In Ihnen scheint das Licht des Einen durch, in seinen jeweiligen Facetten, je nach Tageszeit und je nach Ort, und reflektiert sich im Werk.

Das ist gemeint, wenn es heißt, daß sich dieser Stand aus der Vielfalt der Welt herauszulösen habe. Nicht, indem er sie verachten lernt, sondern indem er lernt, sie im Verstehen immer mehr ins Ganze Eine zu führen, in seiner Wahrnehmung nicht das Vereinzelte, Zufällige, Vielfältige das ungerührt Wesentliche bleibt. Das würde ihn zersplittern, zerreißen, er würde sich verlieren.

Von diesem Standpunkt aus ist es deshalb auch unwesentlich, ob sich jemand dem heimatlichen Dorf, oder dem globalisierten Weltganzen zuwendet. Er geht immer vom selben Kern und von derselben Universalität aus, und immer findet sich diese Universalität in seinem Werk. Sie ist die eigentliche Arbeit dieses Lebensauftrags, aus welchem heraus er sich nicht in ein Spiel der Figuren binden darf, das ihm das Wahren der Interessen dieser Figur IN diesem Spiel zur Pflicht macht, ihm dabei aber den Blick für "alles" raubt, weil er sich nie aus dem Vielfältigen lösen kann.

Es ist nicht primär (so wenig auch abzutrennen) ein Auftrag zum Schaffen. Das ist allen Menschen in gleicher Weise aufgegeben. Es ist (wie bei allen) der Inhalt der sein Auftrag ist. Und damit der Verzicht auf das Vereinzelte. Er enthält tatsächlich das "Glück in und aus dieser Welt" vor, um ein anderes, neues, geistiges Glück zu suchen.** Genau damit erfüllt er seinen Auftrag den Menschen gegenüber, den auch er hat: Er zeigt ihnen durch sein Werk, das zur Liturgie des Universalen, Einen wird, das, was sie inmitten aller Vielfalt und allen Zwecks, in den die Menschen immer wieder versinken, eigentlich leben macht. Sodaß sie gekräftigt und erneuert wieder in die Welt der Vielfalt gehen können.




*Was hier "offen" genannt wird, ist nichts als die Bereitschaft zum Schmerz, die Furchtlosigkeit, mit der man dem Sinneseindruck entgegensteht. Damit die Bereitschaft, dem Sinneseindruck solches Walten zu erlauben, daß er sich frei entfaltet und DAMIT beurteilt werden kann. Ohne vorgreifendes formales Urteilen, ABER auch ohne diesen Eindruck als solchen ohne Verstandes- bzw. Vernunfturteil zu belassen, das das Erfahrene ja erst zum Begrifflichen und damit zum Teil der einen Weltordnung macht. Und hier spielt der Standpunkt "als was" seine entscheidende Rolle. Wer sein Kind ins Wasser fallen läßt, wird ALS VATER nachspringen, um es zu retten, auch wenn man selbst dabei in Gefahr gerät. Und er wird als Vater anders springen und kämpfen und werten, denn als Fremder, der selber zuhause fünf Kinder hat. Und er wird anders springen und sich einsetzen, als ein Priester oder ein Künstler. Dieses Wertende, Gewichtende kann nur der Verstand im Rahmen eines Selbst sagen. Und das "was" da passiert, hängt von der Bedeutung ab, der Stellung, die die Elemente des Erlebten haben. Ein (gemaltes) Bild "Vater rettet ertrinkendes Kind" ist ein anderes als "Rettung eines Ertrinkenden". 

Der Künstler muß eine (jede) Stellung in sich tragen, nachbilden können, um ein wahres Bild zu malen. Es gibt kein neutrales Geschehen. Aber er muß das Material seiner Darstellung abstrahieren - "abhängen lassen" - können, um die Bedeutungen sehen, die sich erst im Einen ergeben, um überhaupt wahr darstellen zu können: im Nachbilden muß er die jeweiligen Standpunkte kennen, um Bedeutungsgeflechte zu sehen. Und dies kann er nur im inneren Nacherleben des Vielfältigen, ohne aus dem Standpunkt des Einen zu fallen, in dem jede einzelne menschliche Haltung gleichfalls enthalten ist. Es ist deshalb ein falsches Argument (etwa in Fragestellungen um die Lebenskenntnis von Priestern) zu meinen, man müsse alles Vereinzele auch erlebt haben, um es zu kennen: Jede einzelne Erlebenshaltung führt sich auf allgemeinere Haltungen zurück, und (nur) wer zu diesen durchstößt, hat alle. Gleichzeitig hat prinzipiell jeder an diesem Grundeinen teil. Ein reifer Künstler (oder Priester) kann alles nachfühlen. Das Faszinierende an den großen Werken der menschlichen Kultur, ob in Religion (siehe die Bibel) oder in der Kunst (siehe bei Homer, oder Dante's "Divina comedia"), ist ja, daß man in ihnen erkennt, daß die Vielfalt des Lebens sich auf ganz wenige (ja, bis auf eine) Grundhaltungen und -konflikte reduzieren. Das faktische Leben ist wohl komplex, aber nicht aufgelöst kompliziert, wie der denken könnte, der im verworrenen Vielfältigen steckt.

**Es gibt deshalb für genannte Berufskreise nicht die Möglichkeit, sie zu wählen, so wie jemand Tischler oder Greißler wird. Es braucht dazu (so wie in gewisser Weise zu allen anderen Berufen) die dezidierte Berufung. Nur für den Berufenen ist diese Herausgelöstheit möglich und erträglich.




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Vom Werturteil über Menschen

Man kann, schreibt Ludwig Klages einmal, aus dem Verhalten eines Menschen nur sehr bedingt auf seine Tugend- oder gar Willensgröße schließen. Denn es läßt sich nicht sagen, ob jemand, der die Wahrheit spricht, dies nicht nur tut, weil er die Lüge gar nicht kennt und erkennt, ob jemand der friedliebend auftritt dies vielleicht tut weil er den Streit nicht kennt (oder flieht), oder ob jemand der mutig ist dies nur tut, weil er die Furcht nicht kennengelernt hat.

Ähnliches gilt etwa von Erregbarkeit oder Gleichmut im Willensprozeß. Aus bloßem Verhalten läßt sich nicht schließen, ob jemand gleichmütig weil harmonisch ist, oder nur Mangel an Feinfühligkeit und Gleichgültigkeit hat, oder ob jemand der leicht erregbar ist dies nur aufgrund hoher Feinfühligkeit ist, oder ob launisch und unausgewogen.*

Man kann also aus dem bloßen Vorhandensein willkürlicher Kraft nicht direkt auf den Charakter eines Menschen rückschließen. Denn man weiß nicht, welchen Widerständen er gegenübersteht.** Jedes Merkmal eines Menschen kann zum einen aus einer Kraft ihr Dasein haben, oder aber aus dem Fehlen einer hemmenden Gegenkraft entstehen. Der eine ist gütig, der andere läßt sich nur gehen - beides äußert sich wie Großmut und Wohlwollen. Der eine schimpft laut, poltert drauf los und sieht böse aus, der andere flüstert leise die bösartigsten Verleumdungen und lächelt dabei milde. Der eine ist gütig und wohlwollend, der andere nur schwächlich und beeinflußbar. Der eine ist vielseitig, der andere zerfahren, beides ist oft äußerlich nicht zu unterscheiden.***

Zwar, schreibt Klages, entspricht jeder inneren Bewegung eine zugehörige äußere Bewegung, aber so wenig wie es einen Willensakt für sich gibt, so wenig tut es jemals die Bewegung des Eiferns, Hoffens, Fürchtens, Liebens oder Zweifelns. Immer fürchtet, liebt oder zweifelt das unteilbare Anlagensystem der bestimmten Persönlichkeit. Kein Lieben, Hassen, Zweifeln oder Hoffen von Menschen ist deshalb einander gleich, jedes hat völlig individuelle Gefüge und innere Bewegungen zu ihrer Grundlage, und ist in seiner Äußerung im Ausdruck unterschiedlich.

Eigenschaften sind Seiten, nicht aber Teile eines Persönlichkeitsgefüges im Ganzen.

Menschen mit hohem Energie- und Triebpotential benötigen unvergleichlich mehr Willenskraft, um ihr Handeln bewußt zu bestimmen. Wille, den man in erster Linie als Hemmkraft verstehen muß, der ungeordnetem Trieb entgegensteht, steht immer in einem Verhältnis zur reinen Lebenskraft des Vitalen. Aber diese Kraft ist bei jedem Menschen anders, und anders verteilt.

Daraus läßt sich auch die Bedeutung kultureller Vorgänge erschließen. Sind diese contra naturam ausgerichtet, sind sei es auch mit der Vernunft, sodaß sich in jedem Individuum eine Triebkraft aufbaut, die zu lenken (in ihrem Fehl zu hemmen also) eine entsprechend gesteigerte und ausgeprägte Geistes- und Willenskraft verlangen würde, um sich dem "höheren" Ziel zuzuwenden. Eine der Menschennatur entgegenstehende Kultur treibt also den Menschen in einen Widerspruch mit sich selbst, nimmt sich in allen ihren einzelnen Gliedern und Teilen ihre Wirkkraft.

Nicht der erscheint uns aber als willensstark (als WIRKstark), der besonders starke Hemmkräfte besitzt, sich also von der Ratio her besonders zu steuern vermag. Sondern der, in dem Wille und Trieb in einer Richtung steht, der also ruhig und harmonisch wirkt. Weil er nicht in innerem Streit, sondern in innerem Gleichgewicht steht. Tugendhaftigkeit als Fähigkeit, Tüchtigkeit sich auf ein "gutes" Ziel auszurichten, verlangt also durchaus keinen "starken Willen", sondern eine richtige Bündelung der Zielungskraft. Ein Übereinstimmen der gewissermaßen verfleischlichten Strebungen mit den von der Vernunft erkannten Zielen.



*Dies betrifft natürlich so ziemlich alle Charakteristiken und Ausdrucksmerkmale eines Menschen. Jemand, der in gehobener Stimmung aus der Tiefe eines freudig überquellenden Herzens ist kann dies durchaus auch sein, weil er geistig gar nicht in der Lage ist, den Ernst des Lebens zu begreifen. Jemand, der seine Gefühle im Zaum zu haben scheint, kann gleichermaßen bereits gar kein Gefühlsleben mehr haben und abgestumpft sein. So wie jener, der gefühlsbetont wirkt, dies zwar auch aus tiefer Gefühlsfähigkeit schöpfen kann der sogar ein großer Wille gegenübersteht, während er umgekehrt einfach einen schwachen Willen haben könnte und haltlos ist. Oder: Fähigkeit zum abstrakten Denken kann zwar auf übergewöhnlicher Fähigkeit zu begrifflicher Anschauung beruhen, aber sie kann auch Mattheit der Anschauungsgabe und innere Bilderarmut bedeuten, die das begriffsgenaue Denken erleichtert. Vorherrschaft sinnlichen Vorstellens kann einerseits auf einer hohen Gabe zur Phantasie, wendigen Geist hinweisen, aber sie kann auch Mangel an Geistesschärfe bedeuten, die Bilder gar nicht exakt fassen läßt, sodaß sie deshalb "lebendig" wirken weil ineinander verschwimmen.

**An dieser Stelle kann man direkt auf ADHS zurückkommen. Denn es offenbart sich auffällig als Syndrom genau aus dieser Faktenlage heraus: Ist die identitäre, institutionalisierte, kulturelle Prägung niedrig - und das ist der klarste Effekt heutiger Pädagogik, die sich selbst schon fast rein darin versteht, dem jungen Menschen (etwa durch "Förderung") alle Widerstände, die ihn aber fleischlich prägen würden, aus dem Weg zu räumen oder gleich vorzuenthalten, findet also ein Mensch keine Widerstände in seiner Umgebung vor, dann wird seine Willenskraft "ungebunden". Überspitzt formuliert: Er bleibt in seinem Fleisch ein "Nichts", rohe ungeformte Energie, die von seinem Willen, seiner Vernunft, die als Kind oder Jugendlicher noch dazu gar nicht entwickelt genug ist, nicht ausreichend zu steuern ist. Diese ungelenkte, ungeformte Energie drückt sich in einem erhöhten Aufmerksamkeitspotential gegen "alles und jedes" aus, das ihn sofort mitreißt. ADHS, sofern es überhaupt als "Krankheit" zu bezeichnen ist, ist also ein Symptom eines allgemeinen gesellschaftlichen Zustands, die man gar nicht als alleine in der Verantwortung des Einzelnen (Eltern) stehend sehen darf.

***Das betrifft natürlich auch Bereiche wie geschichtliche Werturteile: Ein Renaissancegrab mit prächtigen, überlebensgroßen Statuen und Sarkophagen, in einem Raum mit gigantischen Fresken und Wandmalereien, läßt uns unweigerlich den Bezogenen und die ganze Zeit als "groß" ansehen. Ganze Epochen, deren Menschen vor allem aber durch Selbstüberschätzung und Egomanie geglänzt haben, erscheinen uns deshalb rasch einmal als "groß". Ob sie das wirklich waren, verlangt aber ganz anderen Maßstab. Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt. Gerade oft die größten Menschen blieben im Verborgenen, und wurden in schlichten Holzkisten auf Massenfriedhöfen verscharrt.






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Ordnung in der Liebe

Das Sein selbst aber ist nicht das Prinzip der Einheit der Vielfalt der (im menschlichen Erkennen sich im schöpferischen Akt bildenden) Ideen, schreibt Leo Gabriel, indem er Plato bereits auf Plotin hin interpretiert. 

Es ist die Idee des Guten, als Spitze, die über alle Ideen hinausragt. Diese Besonderheit des Guten in seiner Stellung den Ideen gegenüber ist als Seinsweise des Guten gegenüber den Ideen zu sehen. 

Und dieses Gute wird in jedem Akt der Liebe zum Ausdruck gebracht, nicht als Akt einer rein rationalen Erkenntnis. Und in diesem Akt des Eros, der Liebe strebt die menschliche Seele zur Vereinigung mit dem Guten selbst - Gott.

So fügt sich die Ideenwelt in der Liebe zu einer kosmischen, Gott analogen (ähnlichen) Ordnung, der Mensch wird in seinem Ideenkosmos wie in seiner Liebe zum Abbild Gottes. Und zwar in aller historischen Relativität, in der sich das Sein, das das menschliche Denken abbildet (und insofern enthält), je neu zeigt.
 
Ideen aber sind des Menschen. Dieser Genitiv bezeichnet den Ursprung der Idee als generatio (nicht als ein nasci, nicht als natura, das ist sehr wesentlich), sondern als geistige Schöpfung und somit als sinnhafte Gestaltung und als Form des Ausdrucks geistiger Innerlichkeit. Ideen können sich daher integral-logisch nicht als reine Begriffe, als formal logische Abstraktionen, sondern nur gestaltlogisch darstellen lassen. Ideen und Ideensysteme sind Gestaltungen des inneren Menschen und als Ideen erschließender Ausdruck seines Wesens, seines inneren Selbst. (Gabriel, a.a.O.)



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Dienstag, 23. Juli 2013

Schmutzige Literatur


Gesehen auf thisisnthappiness


"The dirtiest book in our language is a quite astute manual telling people how to earn money by writing.” — Ezra Pound




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Zum Tier rückentwickelt

Die rationale Richtung des Denkens, die wir als den Aufklärungszug der Philosophie bezeichnen, hat ursprünglich keinen spezifisch philosophischen Charakter, schreibt Georg Misch. Dieser Zug erscheint uns Heutigen nur deshalb als der geeignete Ausgangspunkt für die Herleitung der Philosophie aus dem leben, weil wir am Ende der Entwicklung stehen, in der sich der Rationalismus durchgesetzt hat. 

Zwar ist das aufklärende Denken ebenso tief, wo nicht tiefer im Leben verwurzelt als das metaphysische, von dessen religiösem oder weltanschaulichem Untergrund wir sprachen, aber es reicht von sich aus nicht bis zur Philosophie hin, es reicht vielmehr in ein Stadium der Entwicklung der Intelligenz zurück, das der menschlichen Gattung mit den ihr nächststehenden höheren Tieren gemeinsam ist; denn auch die anthropoiden Affen sind zu einsichtigem Handeln fähig

Das Denken entspringt in der Tat im tierischen Lebensverhalten, vor der Schöpfung der Sprache, während es andererseits über das, was sich in Worte fassen läßt, hinausreicht. In dem einsichtigen Verhalten der Lebewesen zu ihrer Umwelt ist die unterste Stufe des Wissens zu suchen.




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Aus dem Leben New Yorks (7)


Gesehen auf everyday_i_show







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Montag, 22. Juli 2013

Von der Menge des Lebens (2)

 Teil 2) Und schleichen mit ihren Funzeln durch Fegefeuer




Aber, um auf anderes zu sprechen zu kommen: Deshalb ist auch ein Zurückweichen der niedrigeren Lebensformen in dem Maß, als ihre Komplexität steigt, sehr einsichtige Folge, durchaus als Bündelung des Lebens zu verstehen. Noch einmal: Mit allem Vorbehalt! Denn je komplexer eine Lebensgestalt ist, desto intensiver (alles, bitte alles mit Gänsefüßchen zu sehen, es wird hier versucht, in Bildern zu zeigen, was viel viel tiefer liegt) ist das in ihr sich zeigende Leben - bis zum Menschen, und zwar zum Menschen in Jesus Christus. Leben ist von Gestalt nicht zu trennen! Selbst das Erkennen ist an die Gestalt gebunden, in der Bewegung, in der Art.

Denn erst im Sohn Gottes ist die Präsenz des Lebens auf Erden vollendet, und in ihm war und ist alles Leben überhaupt enthalten. Denn nur Gott IST das Leben, er HAT es nicht nur. In seiner Menschwerdung verband sich genau diese Doppelnatur, um in der menschlichen Natur die Opferschale zu füllen. So, wie sie jeder füllen kann und soll. Er war damit Maß und Füllkrug des Wesens alles Dinglichen, wo sich Gott im Heiligen Geist zeugend zum Fleisch herausstellt, und im Opfer zurückbiegt, auf daß nur Gott und Leben den Raum erfülle.

Wir haben heute 8 Milliarden Menschen auf Erden, das ist richtig. Aber sie schlafen. Und sie spielen wie Kinder, die rufen: wirf uns den Ball zu, wir wollen lachen und fröhlich sein! Ist da nicht auch das ein Hinweis in diese Richtung, daß ihr Leben von einer "Intensivierung" der Landwirtschaft abhängt? Das Leben, das wir empfangen, muß sich auf seiner jeweiligen Stufe im Geist bündeln, um der höheren Stufe noch zu sein, was sie zu sein hat, ihren Sinn im Ganzen darin zu erfüllen ...

Dann, wenn sie zu leben beginnen, und in dem Maß, dann wird sich auch das Vollmaß des Lebens seine gegebene Größe auf andere Weise suchen. Im Blut, wo es geboren wird. Oh nein, das bedeutet keine "Aufforderung zum Krieg". Das bedeutet aber, daß das Leben nicht in der Anzahl der Jahre oder der Menge an Menschen zu bemessen ist. Es ist am Opfer zu bemessen. Und nur darin liegt sein Sinn, und nur darin liegt seine Erfüllung.

Wir glauben heute, uns um dieses Opfer herumschleichen zu können. Glauben - und hier spielt der Technikwahn eine große Rolle - durchaus andere Mechanismen gefunden zu haben, nein, zu finden (!), futurum, DENNOCH, aber ohne Schmerzen, ohne Mühen, ohne Selbstopfer das Leben zu erlangen. Wir werden älter, aber unsere Lebensfunzel glüht nur schwach, oft bis ins hohe Alter.

Die Frage mögen Sie sich selbst beantworten, lieber G, warum die Menschheit soweit wir zurückblicken können von der Harmonie des gesamten Kosmos so beeindruckt war, wußte daß alles in einem Zueinander stand und steht - und wir diese Gewißheit so verloren zu haben scheinen. So sehr, daß wir seit Generationen mittlerweile in der Furcht leben, das Leben überhaupt auslöschen zu können. Nicht, weil wir dies oder das an Apparaten "erfunden" haben, sondern vielleicht, weil wir einfach sehen, wie schwach unsere Lebensfunzel überhaupt noch glimmt? Sodaß die wahre Aussage hinter all diesen Bedrohungsszenarien, die uns seit Jahrzehnten vermehrt beängstigen (sollen), ganz anders lautet, nur verzweifelt einen Weg sucht, wo hinein sie sich ausdrücken kann? Dann würde alle Aktivität, mit der wir diese "Gefahren" (die, vergessen Sie das nicht, allesamt Anschauungsbilder der Phantasie sind, denn keine Empirie, keine sinnliche Erfahrung, kein Meßdatum kann jemals auch seine Deutung hervorbringen, diese kommt aus den Tiefen der Weltanschauung, der Religiosität) beseitigen wollen, gleichfalls nur Ersatzhandlung sein. Und níchts, wirklich nichts an dieser Angst besänftigen, wohl eher noch das Gegenteil, die Verzweiflung erhöhen.

Die Schalen, die wir der Welt entgegenhalten, mit denen wir das Leben schlürfen wollen, bleiben leer, nur ihr Boden ist vielleicht benetzt (sonst würden wir auch faktisch nicht leben). Die Größe des Menschen läßt sich schon daraus bemessen, daß Gott aber nicht addiert - sondern in jedem Menschen neu hofft, daß ihm diese Schale - gefüllt mit Blut - entgegengereckt wird. Auf daß das Leben leuchte, denn es hat nur ein Licht.

Wenn heute Dante wieder seinen Abstieg in die Hölle beschreiben würde, so würde er vielleicht so schreiben, daß er im Purgatorium riesige Felder grauer, formloser Halbsschatten sah, die in ihren Händen glimmende Dochte hielten, und hofften, daß der Atem Gottes, der spiritus, sie zu Flammen entfachen möge. Vielleicht aber hat er es auch damals bereits beschrieben, mit dem, was er als "Laue" beschrieb.

Ob das nun heißt, daß viele verloren gehen werden? Nein, lieber G, so kann man das sicher nicht sagen, und es ist hier vom Purgatorium die Rede, nicht vom Inferno. Darüber können wir eigentlich gar nichts sagen. Aber eines können wir sagen: Daß diese Gegenwärtigsetzung des Lebens die Frucht einer je nur einzelnen Opfergabe sein kann. So wie in Jesus Christus einer das Leben für viele - pro multis - gewann.

Es ist eine Spekulation, sozusagen, keine sicherbare Aussage, werter G, ganz gewiß. Eine Weiterführung so mancher Logik, so mancher Gewißheit, so manchen Glaubenssatzes. Nehmen Sie es als solche - nicht wörtlich, nicht zu bildlich, nicht zu definitiv. Vielleicht erhellt sie Ihnen aber etwas. Wenn diese Spekulation etwas wert ist, dann bemißt sich das genau daran. Und vielleicht kräftigt sie ihren Mut zum Leben, wie immer es aussieht, und wo immer es sich mit dem Anruf verborgen hält, zur Welt zu kommen.




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Jedem Bürger sein Windrad

Und die Züge, die auf Schiene gestellt wurden, fahren natürlich, unaufhaltsam. Deutsche Minister träumen bereits von einer völligen Umstellugn der Stromversorung auf "Nachhaltigkeit". Wobei eines natürlich stimmt: Die Folgen würden tatsächlich nachhaltig sein.

Denn nun hat die Zeitschrift Photon zwar einen Bericht veröffentlicht, Oktober 2012. Eine Versorgung, die ausschließlich auf Wind- und Photovoltaik-Anlagen (PV) basiert, wird vorgestellt. Es sollen Leistungen von 330.000 MW Wind und 170.000 MW PV in Deutschland gebaut werden.

“Herr Altmaier, so geht’s! Photon hat eine Vollversorgung mit Sonne und Wind bis 2030 durchgerechnet – ein Handlungsleitfaden”

In gewohnt sachlicher und präziser Art hat Dipl.-Ing. Eberhard Wagner (mit dem Verfasser dieser Zeilen weder verwandt noch verschwägert) in Zusammenarbeit mit Dipl.-Phys. Horst Wetzel das Modell unter die Lupe genommen. Dabei flossen auch bisherige Erfahrungen mit dieser Technik ein. Und das Urteil ist vernichtend.

In aller Konsequenz würde § 1 Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) extrem verletzt werden, was grundsätzlich auch für die derzeitige Situation festzustellen ist. Die Ziele, die Stromversorgung sicher, preiswürdig, umweltgerecht und sozialverträglich zu gestalten, wären nicht erreichbar. Das gilt ebenso für die Ziele der “Energiewende” und der diversen regionalen “Energie-Gipfel”.

Dabei ist Wagner keineswegs ein kategorischer Gegner der "nachhaltigen Energie". Er ist einfach erfahrener und kompetenter Energie-Techniker.

Solche Stromversorgung wäre nicht nur technisch nicht machbar, auch wenn das von Photon so dargestellt wird - Ungereimtheiten werden einfach beiseite geschoben, Unlösbarkeiten und Wirkungsverluste schöngeredet, die extremen Leistungsschwankungen oder nicht mögliche Speicherresourcen seltsam ignoriert - sondern vor allem die Auswirkungen solch eines Stromnetzes wären eine regelrechte Katastrophe für Land und Menschen in Deutschland.

Wer sich für technische Details eines solchen Horrorszenarios interessiert, möge die Stellungnahme durchlesen.  An dieser Stelle sollen nur zwei Dinge genannt werden: Der Strompreis, der sich seit 2000 verdoppelt hat, würde sich bis 2030 weiter verdoppeln bis verdreifachen. 60 Mrd. Euro pro Jahr wären an Vergütungen an die "Produzenten" zu leisten, denn solche Anlagen sind aufgrund ihrer zu geringen Auslastung nicht (markt)wirtschaftlich zu betreiben. Aber Geld hat für wirklichkeitsferne Utopisten ja noch nie eine Rolle gespielt, das ist unwichtiger Kinderkram, das kommt aus dem Bankomaten. 

Vielleicht tut es aber diese Zahl: Um Pläne, Deutschland ausschließlich mit Wind- und Solarkraft in Kombination mit Vergasungssystemen als Speichermedium zu versorgen, müßte umgerechnet auf JEDEN KM2 des Bundesgebietes EIN Windrad zu stehen kommen.




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