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Dienstag, 28. Januar 2014

Wieviel ein Staat wert ist (2)

Teil 2) Wie man Goldvorräte vervielfacht - am Beispiel Schweiz




Eine der Ambivalenz dieser Kriterien zeigt sich nun am Beispiel der Schweiz. Die dortige Nationalbank vermeldet für 2013 nämlich einen Verlust von 7 Milliarden Euro. Dieser sei ausschließlich auf den Absturz des Goldpreises zurückzuführen, wird (glaubwürdig) versichert.

Daß solche Meldungen zum einen überhaupt auftauchen, ist der Schweiz zu verdanken, denn in Österreich und Deutschland "spricht man lieber nicht davon". Denn was ist in den letzten Jahren passiert?

Man hat die Goldvorräte schlicht und ergreifend - anders bewertet. Das war möglich, weil sich gerade seit der Weltfinanzkrise 2007/08 hier der Bedarf nach enormen zusätzlichen Aktiven ergeben hat, der die enormen Anstiege von Staatschulden in den Haushalten noch darstellbar macht. Da ist dann eines Tages ein findiger Sektionsleiter, gerade frisch von der Genfer International Business School, ins Büro des Direktors gestolpert, um ihm eine "tolle Idee" vorzustellen: Wie man die Währungsreserven vervielfacht, und sie nach wie vor als "Goldbedeckung" betrachten kann.

Bis vor einigen Jahren wurde Gold, das die Nationalbanken als Aktiva hielt, weltweit zu einem im Vergleich zu tatsächlich beobachtbaren Marktpreis von Gold lächerlichen Wert in den Bilanzen (Haushaltsbudgets) bewertet. Nur marode Staaten sind davon abgewichen, aber da wußte man ohnehin: das tun nur marode Staaten, und hat es entsprechend beim Lesen der Bilanzen, bei der Bewertung der Rückzahlkraft eines Landes, mit eingepreist. Mit der Finanzkrise aber sind nach und nach viele, ja die meisten der Staaten weltweit auf die findige Idee des Harvard-Absolventen umgestiegen.

Mit einem male wurde "umgestellt". Mit einem male wurde das Gold zum "Verkehrswert" in die Bilanzen gestellt. So auch in der österreichischen Nationalbank. Und niemand hat es gemerkt! Warum? Weil auf der einen Seite reales Gold verkauft wurde. Das hat wohlgelittene Milliarden für die Haushalte locker gemacht, sei es um verdeckte Schulden abzudecken, sei es um weitere Schulden zu vermeiden, ohne die Politik ändern zu müssen. 

Die größten Profiteure an der Goldhysterie der letzten Jahre sind überall - die Nationalbanken, und über sie die Staaten. Und sie wissen auch, daß sie darüber besser schweigen, denn weil Gold ein psychologischer Faktor (und kaum mehr) ist, etwas wie ein Schlüsselreiz sozusagen, tastet man es besser gar nicht an. Aber die Herren mit den manikürten Fingern hinter den schalldichten, schweren Doppelflügeltüren der denkmalgeschützten Bankgebäude  haben sich einen Ast abgefreut, denn die hohen Goldpreise haben kräftige bilanzielle Gewinne und damit Liquiditäten ermöglicht, ohne einen Finger zu rühren, gewissermaßen, und der Politik ein hübsches Körberlgeld eingebracht, über "Ausschüttungen" und "Dividenden" (die nun in der Schweiz natürlich mal wegfallen, also zurückgezahlt werden müssen), über das sie auch besser schwieg. (Gewinne von Nationalbanken sind freilich immer gewesene oder zukünftige Belastungen der Realwirtschaft, aber darüber redet man schon gar nicht.) 

Wies die Nationalbank zuvor 50 Milliarden in ihren Bilanzen aus (eine Hausnummer), so auch  nachher. Verändert hat sich nur eines: Statt zuvor 200 Tonnen, lagen nur noch 20 im Keller. Real. Natürlich auch das: eine Hausnummer, doch dürfte das Größenverhältnis etwa für Österreich ziemlich hinkommen. Der Rest war einfach verkauft worden, als der Goldpreis hoch war, und das hat man auch da und dort, verschämt, klein, auch wirklich lesen können.

Die Nachfrage war ja hoch, das Reservoir der Golddeppen weltweit schier unerschöpflich, und die Staaten haben stillschweigend und in gar nicht geringem Ausmaß zur "Stabilisierung" der Staatshaushalte, die sich ja im buchhalterischen Überweisen zusätzlicher Geldmengen gegenseitig überboten, Gold heranziehen können. Immerhin betrugen die Goldreserven auch nach diesen geringen Bewertungspreisen nach wie vor je nach Staat in Europa 10 oder gar 30 % der Geldumläufte. Dem Wert nach.




 Morgen Teil 3) Wieviel Gold als Währungsreserve 
haben also nun die Nationalbanken?




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