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Dienstag, 31. März 2015

Worum es Internetmedien geht

Stellen Sie sich vor, daß ein 26jähriger bei Facebook sich den Kopf zerbräche, wie er die Algorithmen programmmieren und aktualisieren könnte, nach denen Mitglieder Nachrichten erhalten - oder nicht. Stellen Sie sich vor, Twitter sortierte die eingehenden Nachrichten nach ähnlichen Kriterien. Stellen Sie sich ein Publikum vor, das aus den Internetmedien seine Nachrichten bezieht und darauf seine Meinung aufrichtet, denen es eigentlich nur darum geht, die Nutzer auf ihren Seiten zu halten, um die Werbeeinnahmen zu optimieren. Die sich durchaus einmal erlauben, Nachrichten zu unterdrücken, wenn es ihren Zielen (und Algorithmen, nach denen der Nutzer bedient wird) widerspricht.

Die FAZ in einem lesenswerten Artikel, dessen letzter Absatz zusammenfaßt:

"Facebook und Twitter geht es aber nicht darum, Informationen zu verbreiten, und auch nicht darum, das Publikum zu bespaßen. Die Internetkonzerne wollen, dass sich die Nutzer so lange wie möglich auf ihren Seiten aufhalten, um Werbeeinnahmen zu generieren. Dass ihnen eine Rolle als bedeutende Medienspieler zuwächst, ist für sie ein netter Mitnahmeeffekt, mehr nicht. Für die Nutzer hat das zur Folge, dass ihre Nachrichten nicht nach Relevanz, sondern ökonomischer Verwertbarkeit gefiltert werden. Der Nutzer sitzt im Silo sozialer Netzwerke und ist manipulierbar. Die Konsequenz ist, dass Facebook redaktionelle Entscheidungen mit erheblicher Tragweite für die Öffentlichkeit trifft."




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Im Werk erloschen

Es liegt eine gefährliche Versuchung des Todes, ja ein Fluch, in allem, was der Mensch werkhaft aus sich herausstellt: Daran nämlich zu sterben, sein Leben zu beenden, es irrtümlich in der Ewigkeit zu wähnen. Wie gefährlich deshalb die benutzte Technik, die gewohnte Maschine, die abgewöhnt, Dinge zu schaffen, und stattdessen leere Hülsen für Werk hält.

Kultur bedeutet aber die Überwindung der Form DURCH die Form. Form aber wird erst durch immer tieferes Begreifen der Ursachen eines Dings, eines Werks erkennbar. Wie in Schichten, muß sich jeder Mensch dazu durch alle historischen Ablagerungen und Schlacken zum Erz voranarbeiten, und immer wieder sagt ihm sein inneres Wissen, das ein Wissen um Wesen und Form ist, daß es noch nicht vollkommen ist. Also ist er aus sich heraus getrieben, es weiter zu vervollkommnen, Neues zu schaffen, und das Alte abzulegen. In dieser Antwort auf das Begegnende als Aufforderndes - das er lieben muß, nur darin liegt Antwort, denn Liebe ist die einzige Kraft, die bewegt - wird er wirklich weil er selbst. Sich selbst und der Welt zur Überraschung, weil immer mit historischem Gesicht. Deshalb ist jeder Mensch verortete Antwort auf seine Zeit.

Denn der Mensch ist Dynamik, Spannung, und er ist schöpferische Dynamik. Nur darin wird er er selbst, wenn er sich ganz an diese Aufforderung hingibt. Dann wird er Gestalt, nicht Karikatur eines Bildes. Deshalb muß der Mensch zuerst Form erkennen und erkennen lernen, wie in der Jugend, um sie dann reformieren zu können. Denn es gibt Gestalt (aus Form) nur als historische Einmaligkeit im Rahmen einer Kultur, eines Beziehungsgefüges, ihre konkreten Inhalte kommen als Aufforderung von außen, und diese müsen erst geliebt werden, um durch neues, noch tieferes Suchen ihrer Ursachen überwunden werden zu können. (Jede Zeit ist an ihren Gestalten erkennbar.) Ein Mensch, der die Gestalt seiner Herkunft, in die sein Werden vonstatten ging, nicht kennt (und man kennt nur, was man liebt), fällt in Gestaltlosigkeit und Verzweiflung aus Auftragslosigkeit.*

Eine Entwicklung kann es deshalb nur geben, wenn sich der Mensch in einem intakten sozialen Gefüge als Erbe begreift, der dieses Erbe kennt, beherrscht, und auf diesem Boden stehend weiter entfaltet. Das Verhältnis zum Erbe bestimmt das Maß, in dem der Mensch sich selbst immer tiefer begreift, oder sich, den Ursachen seines eigenen Handelns, mit wachsendem Unverstand und schließlich in Chaos und dessen Zwillingsbruder, dem Größenwahn, gegenübersteht.**

Der Mensch ist tot, wenn diese immer aktuelle Spannung erlischt. Die nicht einmal in der Nacht ganz von ihm weicht, sondern im Schlaf, im Traum nur anders gruppiert, den Tag vorbereitet, weil die Frucht der Gewohnheiten verzehrt - zur Stärkung oder zur Schwächung.

Wieviele Menschenseelen schleppen ihren Leib als Leiche durchs Leben.




*Häufig greifen solche Menschen dann zu fremden Kulturgestalten, oder fallen in Verarmung und Primitivität.

**Der Größenwahn wird aus dem Fehlen des Maßes der Eigendynamik geboren. Dieses Maß wird nur von außen bestimmt. Wer immer einen Impuls zu einem Tun verspürt, den er nicht gewirklicht hat, kann seine Dimension nicht einschätzen, wird aber davon beherrscht, sodaß er ihn für grenzenlos hält, ihn nur künstlich als Verstandesreaktion "zurückstutzen" kann, also in realer Ambivalenz bleibt. So, wie es dem Kind und vor allem dem Jugendlichen ("Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt") eigen ist. Erwachsenheit heißt vor allem, sein Maß, seine Gestaltgrenze erfahren haben.




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Montag, 30. März 2015

Kein Land ist aus sich alleine es selbst

Das ganze gemein-europäische Leben wurde durch einen falschen Glauben an das Selbstgenügen der Nationen unterwühlt und verfälscht, schreibt Christopher Dawson in seiner Geschichte des Abendlandes.  Es wurde schlichtweg verdrängt, aber auch im 19. Jhd. bewußt verfälscht, etwa durch die Hegel'sche Vergottung des Staates (selbst eine zur Zeit relative Reaktion), daß das Abendland nicht nur gemeinsame Quellen und Wurzeln hat, sondern eine nur gemeinsam begreifbare Geschichte, weil jedes Volk, jede Nation in einem Dialog mit den anderen - und dem Ganzen! - zu dem wurde, was es heute ist.*

Den umgekehrten Fehler begehen aber jene, die ihren Glauben in einen wirklichkeitsfremden Internationalismus - in Liberalismus, Kapitalismus oder Marxismus - setzen, der jeder geschichtlichen Grundlage entbehrt, und eine Übersteigerung der nationalen Gefühle hervorrufen.

"Die letzte Grundlage unserer Kultur ist nicht das einzelne Volk, sondern die Einheit des Abendlandes. Allerdings hat diese Einheit bis heute ihre politische Form noch nicht gefunden, und vielleicht wird sie sie nie finden, aber trotzdem ist sie eine echte Gesellschaft und kein reines Begriffsgebilde, und nur durch die Teilhabe an dieser Gesellschaft haben die verschiedenen nationalen Kulturen ihre tatsächliche Form gefunden."

Nur aus dem Ganzen heraus kann man die einzelnen Nationen begreifen. Und es war eine einzige Bewegung, die das Abendland zum Kulturraum einer Gesellschaft machte: Die Durchdringung aller Einzelgestalten und Völker mit dem Christentum, und mit einem Welt- und Selbstverständnis, dessen Begriffsinventar in der Antike grundgelegt wurde. Diese Faktoren haben unser Verhältnis zu den Dingen geprägt, ob direkt oder zunehmend antinomisch. Und diese sind es, die uns heute noch bewegen.

Europa ist kein geograpisch abgegrenzter Raum, wie Australien oder China, und es ist auch nicht völkisch prädominiert, sondern ein Vielvölkergemisch. Die abendländische, europäische Kultur ist eine allmählich gewachsene Einzheit auf geistig-religiöser Grundlage. Ja, es ist so von der antiken Geisteskultur Griechenlands gar geprägt (die durch Rom westwärts getragen wurde), daß man das Abendland als im Griechentum und seiner Abgrenzung zum Morgenland fundiert sehen muß. Und weil man selbst bei der römischen Kutur nicht von einer europäischen (sondern: mittelmeerischen) sprechen muß, ist das Abendland tatsächlich auf den Grundkonflikt mit dem Islam als Geburtspunkt rückführbar: Denn als der Islam zu Beginn des 7. Jhds. den Mittelmeerraum zu erobern begann, zerbrach diese alte Kultureinheit. Und wirtschaftlich wie politisch wie vor allem religiös notgedrungen - bildete sich nordwärts eine neue Kultureinheit: das heutige Europa.



*Vor diesem Hintergrund wird die im historischen Bewußtsein kaum noch ausreichend gewürdigte Sistierung des Heiligen Römischen Reiches 1806 durch den Habsburger Franz II./I. als Schlüsselkatastrophe begreifbarer. Denn damit wurden definitiv die Völker Europas auf sich zurückgeworfen: der Nomos, der alle bergende Ordnungsraum als heiliges Werte- und Normengefüge, verdunstete, weil sein größter Ordnungsbereich, auf den sich alle anderen immerhin noch bezogen, abhanden gekommen war. Seither fielen alle einzelnen Völker ungebremst in einen Wettstreit, denn ihr Platz war nicht mehr bestimmt, sondern mußte nun von ihnen selbst bestimmt werden. Europa fiel im 20. Jhd. folgerichtig in Kriegszustand, wirtschaftlicher Niedergang wird eine weitere Folge sein.

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Scheinkritik als Identitätslarve

Die Kritik an der Katholischen Kirche, wie sie heute zu lesen und zu hören ist, ist wie ein ständiges Herunterleiern derselben Sätze, wie sie seit 25 und 35 Jahren oft wortwörtlich vorgebracht werden. Noch dazu oft von denselben Leuten.

Läßt das darauf schließen, daß sie gewissermaßen "Ewigkeitscharakter" hat? Nur selten, nur sehr selten. Wenn der VdZ die Geschichte der Auseinandersetzungen in den letzten Jahrzehnten, die er - teilweise als Proponent - erlebt hat und überblicht, kommt vielmehr ein schrecklicher Verdacht auf.

Daß speziell dort, wo es um "konservartiv oder progressiv" geht, diese Positionen wie Rollenfächer aufgegriffen werden, wie Masken und Kostüme, die man aus dem Fundus holt, die von Kostümbildnern nach Bedarf ausgegeben werden. Beide Seiten, vielleicht aber die sogenannten Konservativen noch mehr als die Progressiven, halten diese Figur - die ihre Person stellvertretend darstellt, wobei sie nur diese Figur ins Leben hinaushalten, das Leben die Kostüme gar nicht mehr durchdringt - mit starren Händen umfaßt, sodaß die Finger schon ganz blutleer sind.

Wirkliche Kritik ist nicht vom Kairos zu trennen. Das heißt, von einem nur in Aktualität möglichen Aufruf an die eigene Person, die eine Differenz zur Wahrheit, zum Wesen eines Dings erfährt, und diesen deshalb nicht nur artikuliert, sondern wo sich der Kritiker als Instrument begreift, das aktuell wirken soll. Deshalb muß man davon ausgehen, daß auch Kritik (sofern sie nicht rein philosophisch-abstrakter Natur ist, hier verhält es sich großteils anders) ein historisches Gesicht hat, sich also verändert, zumindest den kritisierten Objekten gemäß. Sonst ist sie das gar nicht, was sie vorgibt: Kritik. Sondern nur Zitat vergangener Kritik. Denn alles entwickelt sich jeden Moment weiter! Also muß auch die Kritik sich ändern.

Der Unterschied zu den Rollensimulaten scheint haarscharf, denn die Worte scheinen so gleich. Aber er ist in Wirklichkeit antipodisch. Es ist der Unterschied zwischen schöpferischem Leben und Tod.

Was ist aber von jenen zu halten, die sich der längst toten Larven bedienen, um sich dahinter zu verbergen und eine definierte und definierbare Position weil "sicher" Figur retten sollend zu ergreifen?

Recht Ähnliches läßt sich ja auch zur Kritik an Politik und Gesellschaft sagen. Die psychologischen Vorgänge sind gleich. Und auch hier ist die Kritik der Kritiker vielfach bloßes Zitat längst überholter, gar nicht aktueller sondern bestenfalls vergangener Mißstände. Abgestanden in jedem Fall, nicht mehr als Ausfluß der Selbstzufriedenheit von Spießbürgern.

Denn wenn etwas kritisiert wird, das sich dann nach fünf, zehn, zwanzig, dreißig Jahren scheinbar nicht geändert hat, dann muß es etwas geben, das die wirkliche Bewegung hinter dem kritisierten Objekt weit besser trifft, das von der alten, formalisierten Kritik gar nicht berührt wurde. DAS zu finden ist aber Aufgabe von Kritik, denn es ist erst lebendige Stellungnahme eines Gegenüber. Denn es muß dann etwas geben, das noch umfassender, noch tiefgreifender Ursache ist. Es muß dann ein Geheimnis in der Geschichte geben, das noch gar nicht erfaßt ist. Das es aber zu finden gilt, und damals galt, sonst wäre es besser zu schweigen. Denn es ist ja alles gesagt. Und auch das Gesagte unterliegt der Geschichtsdynamik.

Oder liegt es lediglich daran, daß es keine befugten Kritiker mehr gibt, zum Unterschied vom unbefugten - und immerhin sieht sich ja jeder zur Kritik gedrängt? Geht es nur um die Anmaßung ortlos gewordener Massenteile?




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Sonntag, 29. März 2015

Es war ein heiliges Geld

Den Kauf eines Ablasses als einen "schnöden Geldhandel" zu reduzieren, dem das Eigentliche, nur persönliche zu Erbringende fehle, übersieht etwas ganz Wesentliches. Er übersieht, daß es eine uralte Rechtspraxis war, wonach  nämlich (auch) dieser Ablaßhandel, Geld für Sühne zu setzen, auf ein ganz anderes als das heutige, im tiefsten Welterleben verankerte Wertempfinden zurückgeht.

Für eine Buße eine Ersatzleistung zu erbringen ist und war altes herbegrachtes Recht! In Mannleistungen, oder eben in Geld. Solche Vorgänge als "niedrig" zu sehen verweist bereits auf einen entsakralisierten Begriff von verdinglichtem Geld, weil das Begreifen von Ersatz und Stellvertretung verloren gegangen war, ein Produkt der Neuzeit. Die im Nominalismus die faktische Gegebenheit eines Dinges nicht mehr als Repräsentanz eines geistigen Inhalts, aber auch dessen "eins fürs andere", sehen konnte und wollte.

Aber hinter dem Geld steckt generell ein Empfinden als Stellvertretung, das wir heute verloren haben, das uns aber nicht weniger prägt, geht man den eigentlichen Vorgängen bei seinem Gebrauch nach, die dann vielfach in ganz  neuem Licht erscheinen.² Und das, genau bedacht, zumindest ein Verstehensschlüssel für den Verlust der Einheit in fast allen Dingen und Bereichen ist. Zweifellos ist der Verlust dieses Verstehens auch einer der Hauptgründe für das aufgelöste Verstehen von Erlösung und Sühneopfer, und damit des genuin Christlichen. Der Kirche. Des Sakramentalen.

Stellvertretung - ob eigentlich oder uneigentlich* - wird aber erst verständlich, wenn man sie auf das Wesen von Gemeinschaft und Einheit, von Akt und Potens bezieht. Wo auf sehr reale Weise "Idee", "Name", "Begriff" für eine die realen Dinge überhaupt erst formierende geistige Wirklichkeit (Platons "Idee"; das "arche") steht. 

Woraus auch folgt, daß das Tun und Lassen eines Teiles, der eingewoben in ein Ganzes (bzw. real: viele Ganze) ist, und das ist er ja immer!, auch in Wechselwirkung mit dem oder den jeweiligen Ganzen steht. Ein Teil repräsentiert damit das Ganze, dem er schicksalhaft und identitär (und damit eigentlich stellvertretend) verwoben angehört. (Beispiel: Der einzelne Österreicher alle Österreicher.) Das Ganze wiederum, die Substanz, ist aus dem Einzelnen erfahrbar, findet sich dort repräsentiert und real gegenwärtig.**

Erst wenn man die Wirklichkeit solcher, durch Begriffe repräsentierter geistiger Einheiten begreift, begreift man deshalb auch das Geld in seinem Herkommen. Hier wurde in einem sakralen Akt (auf den jedes menschliche Tun, damit auch der Handel zurückgeht, das Geld sowieso, denn damit wird auch erahnbar, warum Geld ursprünglich und überall eine Angelegenheit der Religion, des Kultes war) Stellvertretung geboten - später dann, mit der Verdinglichung des Geldes, Ersatz geleistet. (In welchem Auseinanderreißen das Geld zum "Ding für sich" werden konnte.) Im Wesen des Geldes geht damit ein Teil seiner Herkunftsgemeinschaft zur Verfügung in fremde Hände über. Hier wird nicht "bezahlt", sondern im Handel stand stellvertretendes Opfer gegen stellvertretendes Opfer.

Deshalb war es auch keineswegs ein Akt purer Gier und Geldverliebtheit, wie wir sie so ausschließlich in der Neuzeit kennen, wo wir das Geld nahezu verachten (und doch von ihm so abhängen, welch beides in psychologischem Zusammenhang steht, das ist keine Frage: die Verachtung ist ein seelischer Akt, der uns von der Unfreiheit entbinden soll), für Gnade Geld zu setzen - sich einen Ablaß von Strafe zu kaufen! Das stellvertretende Ding erhielt lediglich mit der Zeit einen sehr eigenen Status, es löste sich von seiner ursprünglichen Verbindung.***

Sowohl die gleichfalls sehr pragmatische römisch-antike wie die germanische Rechtsordnung hatten regelrechte Listen für solche Ersatz-Käufe, und gerade im nicht-römisch geprägten Norddeutschland war dieses altgermanische Rechtsempfinden sehr tief verankert. Luther kannte diese ursprüngliche Verbindung, den Gedanken der Stellvertretung, bereits gar nicht mehr. Und es ist höchst interessant, der Entwicklung seiner Theologie unter dem Aspekt des zerbrochenen Stellvertretungsverständnisses (woran nämlich letztlich 1517-19 auch seine Kreuzes- und Sühnetheologie scheiterte, welchem Erfahren alles andere folgte) nachzugehen.

Die Entwurzelung der Sprache (mit der Rolle der neuen Medien; aber die Sprache kommt quasi "aus dem heiligen Eid"!) - Luther griff sofort zur technischen (die Sprache verdinglichenden) Neusprache der Rudolf'schen kaiserlichen Kanzlei - ist nur eine Facette desselben Vorgangs.



²Wie etwa Calvin: ihm war Reichtum Zeichen der Auserwählung durch Gott.

*Eigentliche Stellvertretung ist nach der recht brauchbaren Definition von Karl-Heinz Menke in "Stellvertretung" ein Akt, in dem das oder der Stellvertretende den Vertretenen frei setzt, weil er völlig dessen Stelle einnimmt, aber als dessen Handlung gilt. Uneigentlich ist die Stellvertretung dort, wo sie tatsächlich an der Stelle des Vertretenen handelt, dieses Handeln aber auf sie bezogen bleibt, die stellvertretene Handlung also ein Ersatz für das Nicht-Handeln des Vertretenen ist.

**Die Zusammenhänge mit der Sprache und der Vernunft - und dem Wahnsinn des Genderns damit - wurden an dieser Stelle bereits auseinandergesetzt. Hier geht es um eine völlig neue, barbarische, banale, der Wirklichkeit entfremdete, materialistische Wirklichkeitsdefinition! Ein Verlust, der sich bis in das Verhältnis zur Natur, weil zu allen Dingen, ausdrückt und vollzieht. Die "Ökologie", das Gerede von "Achtung der Schöpfung" (das nur auf eine quasi "Natur" bezogen ist) zeigt also ein bereits höchst primitives Unverständnis der wirklichen Zusammenhänge weil der wirklichen Verfaßtheit der Welt. 

***In dem Moment, wo man schließlich sogar Münzen prägte, wo gleich welche eine für alle stand, war das Wesen des Papiergeldes bereits vorgespurt. Und darauf setzt dann die "Preisbildung - gleicher Preis für jeden" auf: als Wechsel von persönlichen zu "objektiven" Verhältnissen.




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Religionen sind hinterhältige Täuschung

Es gibt, schreibt Ernst Hello einmal, keine ReligionEN. Es gibt nur eine Religion - den Katholizismus, das Allumfassende, das dem Einen und Allen gegenüber Offene. Deshalb gibt es nur einen Ort der Wahrheit selbst - die Kirche. Denn Religion ist auf Gemeinschaft bezogen.

Jede der sogenannten Religionen ist eine mehr oder weniger ausgefeilte Täuschung. Die Mehrzahlform ist also eine Hinterhältigkeit. Jede Religion, die nicht Christentum ist, ist eine Verfälschung der einzig möglichen, wirklichen Religion.

Es gab deshalb im Altertum auch keineswegs ReligionEN, das ist eine heutige Interpretation von Unterscheidungen oder Differenzierungen lokaler oder temporärer Eigenheiten. Man kann das Altertum nicht verstehen, wenn man nicht sieht, daß die Menschheit im Grunde nur eine Religion, eine Religiosität kannte. Deshalb haben sich je lokale Götter, Kulte, Begriffe recht problemlos ausgetauscht, weil sie sich auf dasselbe bezogen, nur formal anders gewichteten oder entwickelt hatten. Deshalb finden sich in den ältesten Zeugnissen weltweit noch so viele Deckungsgleichheiten. Erst spät (als grober Haltepunkt: etwa ab dem 2. Jtsd. v. Chr.) haben sich aus diesen Eigenheiten - immer als Fehlentwicklungen - einzelne ReligionEN herausentwickelt. In den Grundauffassungen von Welt, Wirklichkeit, Gott waren sich zuvor weltweit alle Völker sehr weitreichend einig.

Wer ReligionEN liebt, liebt deshalb nicht die Religion! Ja, wer von ReligionEN spricht, haßt in Wirklichkeit die Religion. Religionen sind Menschenwerk, und der Stifter einer Religion ist notwendigerweise deren Gott.*

"Jede wahre Religion erkennt an, daß Gott das Sein und das der Mensch durch sich selbst ein nichts ist. Jede falsche Anbetung strebt nach der Behauptung, daß der Mensch das Sein und daß Gott das Nichts ist. Hinter welche Sprache verbirgt sie nun irhe Gedanken? Dies ist verschiedne, je nach der Geschicklichkeit der Schriftsteller."

Spricht man von Religiosität, geht es nicht um ReligionEN. Es geht um die eine, einzige Religion.



*Wir werden gewißlich an dieser Stelle noch über den Begriff der "Stellvertretung" handeln, ein weitgehend verkannter Zentralbegriff im Wesen der Religion.




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Samstag, 28. März 2015

Totalitäre Demokratie

"Die Sekundärperson, die Zweitseele kann von der eigenen Vergangenheit her gelenkt werden, aber auch vom Erbgedächtnis der Instinkte, vom "objektiven Geist" des kollektiven Unbewußten und vom "Stockgeist".

Eine eigenartige Abart dieser Sekundärperson hat sich durch die Entwicklung des öffentlichen Lebens in der neuesten Zeit herausgebildet. Früher konnte der Machtwille der einen Staat beherrschenden regierenden Gewalten die Einzelwillen unmittelbar lenken. Was Monarch und Bürokratie befahlen, mußte der Untertan leisten. [Er begegnete dem Befehl als etwas dem eigenen Willen Fremdes, und konnte sich also dazu - frei - verhalten, weil er zwischen Eigenwillen und Fremdbestimmung unterscheiden konnte; Ähnliches gilt ja auch von gewisser "Pädagogik", die anstelle der verpönten "körperlichen Züchtigung" angewendet wird; Anm.] 

Seitdem aber überall in der Welt das Recht auf Freiheit des Denkens und der Gesinnung, der Rede und Presse, des eigenen politischen Urteils und der Wahl der Regierungsform anerkannt worden ist, hat die Freiheit des Menschen eher ab- als zugenommen. Lediglich der Ansatzpunkt des Hebels für die Zwangsanwendung ist verlagert worden. Der Mensch in der Demokratie hat die Freiheit zur Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte. Er kann reden, schreiben, drucken, sich versammeln, sich mit seinesgleichen zusammenschließen, Kandidaten aufstellen, wählen und sich wählen lassen - was alles vordem verboten war.

Dafür aber wird sein Wohlverhalten "an der Quelle" erfaßt (wie neuerdings ja auch die Steuern): seine Gesinnungsbildung, Urteilsbildung wird "kontrolliert". Das Denken, Vorstellen wird an der Entstehungsquelle erfaßt, überwacht, gelenkt. Es ergeben sich daraus ganz eigenartige Begriffsbildungen. 

Die Nazibehörden erkannten niemandem die "Freiheit" ab, bestraften aber wörtlich "den falschen Gebrauch, der von der Freiheit gemacht wurde". Die Nazirichter verurteilten die Gegner "wegen bewußter innerer Ablehnung" des nationalsozialistischen Regimes. Man betonte die Wichtigkeit der Gutwilligkeit,k aber richtete sehr militante Appelle an sie. So kam es zu den widerspruchsvollen Begriffen der "militanten Diplomatie", der willkürlichen Lenkung der öffentlichen Meinung, der erzwungenen Gutwilligkeit, des Zwangswillens, kurz man half der Euphorie und Gutwilligkeit terroristisch nach."

Paul Feldkeller, "Das unpersönliche Denken" (1949)




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Probleme des Eros

Eine bemerkenswerte Analogie liefert Carlsberg ab, das nur den Eros des Bieres selbst darzustellen versucht. Und damit an das, was die Anwegung zu einem Ding überhaupt ausmacht: Sein Eros, der aus ihm selbst spricht und gehört wird - oder nicht. Kein Versprechen von Funktionserfüllung, Sättigung oder ähnliches. Es soll nur das Ding an sich wirken. Die Tonspur, die (dabei recht dezent und amüsant - man achte auf den allerletzten Ton) mit direkteren Assoziationen beladen ist, kann man akzeptieren, wenn sie auch eine weitere Ebene einführt: die der gedanklichen Rezeption.

Was an einer prinzipiellen Schwierigkeit liegt, die im Wesen des Films zu suchen ist: Film kann (inhaltlich) an diesen Eros nur "erinnern". Er muß zuvor aus einem realen Ding erfahren sein. Sonst wird er zur Manipulation, zum Verdrängen wirklichen Wahrnehmens durch Erosversprechen.


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Freitag, 27. März 2015

Das Ende der weißen Weltherrschaft (2)

Rückzugsgefechte einer Weigerung, die realen Veränderungen zur Kenntnnis zu nehmen - Europa, die USA, der weiße Mann, das Christentum, am Ende seiner Weltmacht. Die kommenden Mächte sind andere. Politik ist halt doch mehr als Propaganda. Peter Scholl-Latour, ein Gewährsmann der Zeitgeschichte, in seinem legendären Portrait. In dem er zu so ganz andren Einschätzungen kommt, als vielfach üblich ist.

Es genügt bei weitem nicht, irgendwo "gewesen zu sein". Und  wenn es 15 Jahre sind. Man muß die Eindrücke substantiell verarbeiten können. Sonst ist man bei allen persönnlichen Eindrücken nicht mehr als nützlicher Idiot.

Die reale Macht des Islam ist völlig unterschätzt, und man kann so manchen europäischen Bestrebungen zur Verharmlosung realer Bewegungen nur milde lächelnd begegnen. Die wirklichen Bewegungen liegen woanders, liegen tiefer, und fundamentaler. In einer Abwandlung einer Bemerkung Scholl-Latours: Welche religiösen Überzeugungen (und Scholl-Latour weiß, das sie es sind, dei die Welt bewegen) können europäische und amerikanische Soldaten und Politiker entgegensetzen?








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Vom Geist der Wahrheit abhängig

Aber etwas anderes wird erkennbar, wenn man betrachtet, welche Bedeutung der Disput, der Meinungsabgleich, der Meinungskonflikt für einen Menschen hat. Und sei es, daß jemand einen Irrtum als wahr verteidigt, ihn zur Wahrheit erklärt haben möchte - immer zeigt sich, daß der Mensch in der Wahrheit selbst verankert ist und sein will und sein muß. 

So sehr, daß er die Aufdeckung eines Irrtums fürchtet, weil er dann ins Nichts fällt.

Der entscheidende Schritt aber ist erst dann gesetzt, wenn er begreift, daß er sich selbst diese Wahrheit nicht nur nicht geben, absichern kann, sondern daß er sie empfangen muß. Daß er dazu, zu dieser existentiellen Sicherheit, den Schritt ins Ungewisse setzen muß. Daß er sich dazu selbst überschreiten muß.

Nur in einem Vertrauen in das Sein - das Gott ist - kann der Mensch jene Sicherheit finden, die ihm möglich ist. In einem Akt des Glaubens, sodaß aus dem Glauben heraus die einzige Existenzsicherung möglich ist: in der Realität aller Realitäten, dem reinen Geist: Gott.

Das fehlt dem Fanatiker, dessen Fanatismus ja aus dieser Angst stammt. Das fehlt dem, der bei jeder Diskussion tut, als ginge es um seine Existenz. Das fehlt dem, der sich nicht selbst relativieren und damit einem anderen - dem Sein, Gott - überlassen kann.

Und dort, an dieser Türe, steht dann ein ganz unvorhergesehener Gast - der Humor. Der nicht Zynismus oder Sarkasmus heißt. Der auch nicht die Selbstironie zu einer Festung der Unangreifbarkeit ausgebaut hat. Sondern der sich in Gott verankert weiß. Der weiß, daß all sein Mühen und Streben immer unvollkommen bleiben muß. Der die Aufdeckung nicht nur nicht fürchtet, sondern liebt, weil jede Wirklichkeit - und Irrtum schließt von der Wirklichkeit aus - ihn in den Bestand führt. 

Der nur in Gott ist. Weil alles aus dem Geist stammt. Geist aber bedeutet Freiheit. Freiheit hat aber nur der, der an jener Wahrheit teilhat, nach der zu streben er nie aufhört, die ihn aber immer übersteigt. Geist, der sich zwischen Wahrheit und Idee in Liebe als Liebe haucht. Weil aber der Mensch nur über die Sinne an dieser Wahrheit teilhaben kann, als Ganzes, ist er auf den Mensch gewordenen Gott geworfen. Den ganz anderen. Und indem er diesem angehört, diesem angehören will, ist er hineingenommen in die Stellvertretung des Menschen vor Gott dem Vater - in Jesus Christus.

Denn der Stellvertreter, dessen Handeln und Sein an eines eigenen Handelns und Seins statt gesetzt wird, nimmt keine Freiheit, sondern im Gegenteil, er gibt sie. Und so, wie jemand an der Seinsheit Staat, Familie bzw. Haus, Name, Unternehmen, Verein etc. etc. teilhat, indem er ihre Idee repräsentiert, stellvertretend für das Ganze, die Idee, die diesen Verein, diese Familie etc. etc. bildet und repräsentiert, sodaß er selbst damit diesem Verein, dieser Familie etc. etc. angehört DURCH Stellvertretung, so ist im Menschen Gott gegenwärtig, dem er angehört, dessen Geist er sich öffnet.*



*Die Versammlung (ecclesia) dieser Stellvertreter, in denen damit Jesus Christus real gegenwärtig ist ("Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen."), nennt man: Kirche. Ecclesia.




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Donnerstag, 26. März 2015

Das Ende der weißen Weltherrschaft (1)

Seine Bücher, selbst die älteren, sind immer noch lesenswert, seine Filme immer noch sehenswert, weil das Aktuelle das Bleibende ist, das was hinter allem steckt: Peter Scholl-Latour. Hier mit dem ersten Teil (morgen: zhweiter Teil) seiner filmischen Interpretation "Das Ende der weißen Herrschaft". Veränderung der Weltlandschaft, zu der dieser Gewährsmann - aufgrund seiner in festen Sichten fundierten Sichten - etwas zu sagen hat. "Der Westen ist aber noch nicht bereit, um die globalen Veränderungen zu erkennen." Europa spielt dort keine Rolle mehr. Die USA nicht weniger, nur haben sie es noch nicht bemerkt. Also machen sie aus Fehleinschätzung nur noch Fehler.

Die Ausgewogenheit der Urteile Scholl-Latours, der immer auf die historischen Wurzeln der Gegenwart hinweist und diesen immer nachgeht, ist ungebrochen beeindruckend und vorbildhaft. Seine Redlichkeit, seine charakterliche Grundprägung, hebt ihn über simple "Meinung" praktisch immer hinaus. Man fühlt sich nicht einfach informiert. Man fühlt sich "im Bilde".






Morgen: Teil 2 - Peter Scholl-Latour - Das Ende der weißen Weltherrschaft



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Im falschen Zug ist keine Richtung richtig (2)

Teil 2) Ein symptomatischer Fall ungelogener Lüge



(cit. EIKE/.) "... durch den meistgenannten aller fünf offiziellen globalen Temperaturreihen – nämlich der vom GISS – untersuchte Homewood eine Stelle in der Welt, an der die Temperatur den GISS-Daten zufolge stärker gestiegen sein soll als an fast jeder anderen Stelle des Globus': Ein großer Gebietsstreifen in Südamerika, der sich von Brasilien bis nach Paraguay erstreckt.

Da er wusste, dass es in diesem Streifen kaum Wetterstationen gab, entschloss er sich, sich auf drei ländliche Stationen zu konzentrieren, die ein großes Gebiet in Paraguay abdecken. GISS zeigte in diesem Gebiet zwischen 1950 und 2014 einen besonders steilen Anstieg der Temperatur von über 1,5°C: das ist doppelt so stark wie die akzeptierte globale Zunahme für das gesamte 20. Jahrhundert.
Aber als Homewood dann in der Lage war, die GISS-Angaben mit den Originaldaten zu vergleichen, aus denen sie abgeleitet worden waren, stellte er fest, dass sie verändert worden waren. Weit entfernt davon, wie die neue Graphik einen Anstieg zu zeigen, ist die Temperatur den Originaldaten zufolge während dieser 65 Jahre um ein ganzes Grad Celsius zurückgegangen. Als er mit den anderen beiden Stationen das Gleiche getan hat, fand er genau das Gleiche. In jedem Falle zeigten die Originaldaten keinen Anstieg, sondern einen Rückgang.

[...] Tatsächlich hatte Homewood einfach ein weiteres Beispiel unter Tausenden von Beweisstücken entdeckt, die während der letzten Jahre ans Licht gekommen waren und zeigten, dass etwas sehr Seltsames mit den Temperaturdaten passiert war, auf die sich die Wissenschaftler der Welt so stützen.

[...] Ein Aspekt ist, dass das vermeintlich weltweite Netzwerk der Stationen, von denen das GHCN seine Daten bezieht, ein Betrug ist. Bis zu 80% der Erdoberfläche sind überhaupt nicht mit Stationen abgedeckt. Außerdem wurde um das Jahr 1990 die Anzahl der Stationen mehr als halbiert von 12.000 auf weniger als 6000 – und die meisten verbliebenen Stationen konzentrieren sich in städtischen Gebieten oder an Stellen, von denen Studien gezeigt haben, dass sie dank des UHI um etwa 2 K höhere Temperaturen aufweisen als in der ländlichen Umgebung, wo Tausende Stationen einkassiert worden waren.

[...] Um die riesigen Lücken zu füllen haben jene, die die Aufzeichnungen zusammenstellen das „von Computern berechnete Einfüllen“ eingeführt, wobei die höheren Temperaturen der verbliebenen Stationen auf riesige umgebende Gebiete projiziert worden sind (GISS gibt den Wert von Einzelstationen als für ein Gebiet gültig an, das bis zu 1,6 Millionen Quadratmeilen groß ist). Dieser Vorgang allein ergab schon einen scharfen Temperaturanstieg während der Jahre nach 1990.

Aber noch verwirrender waren die Beweise, dass selbst diese Daten danach Gegenstand fortgesetzter „Adjustierungen“ waren, und zwar ausschließlich in nur eine Richtung. Temperaturen aus früheren Zeiten wurden nach unten, die aus jüngerer Zeit nach oben korrigiert. [*s. Anm. durch VDZ] Daraus ergibt sich der Eindruck, dass die Temperatur viel stärker gestiegen sei als aus den Originaldaten hervorgeht.

[...] Gewissenhafte Forscher haben seitdem zahlreiche ähnlich Beispiele aus der ganzen Welt gefunden, von den USA und Russland bis nach Australien und Neuseeland. In Australien wurden ein Abkühlungstrend von 1°C pro Jahrhundert in einen Erwärmungstrend von 2°C bis 3°C umgewandelt. In Neuseeland gab es einen massiven Aufstand der Akademiker, nachdem sich herausgestellt hatte, dass Daten, die zwischen 1850 und 1998 überhaupt keinen Trend zeigten, so adjustiert worden waren, dass sich ein Erwärmungstrend von 0,9°C pro Jahrhundert ergab. Diese verfälschte Version wurde natürlich in einem IPCC-Bericht hervorgehoben." (./cit. EIKE)

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Ist jemand vor solchen Generalumtopfungen ins Bödelchen der Unwahrheit gefeit? Wir sagen es gleich: nein. Niemand. Die Suche nach Wahrheit ist deshalb nicht zuerst ein Rittern um die Richtigkeit von Einzelaussagen. Sie ist ein Zittern um den richtigen Untergrund, aus dem heraus sich das Schicksal eines Menschen entwickelt. Im falschen Zug, in einer falschen Generalrichtung ist keine Richtung mehr richtig. Sie ist bestenfalls weniger falsch. Aber das ändert nichts am Ankunftspunkt.

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*An sich geht es gar nicht anders: Wer Meßdaten vergleichen will, kann dies nur, wenn er jeweils unter exakt denselben Bedingungen und Abläufen mißt. Wenn also vor zwanzig Jahren auf Satellitendaten umgestellt wurde, muß nun umgerechnet werden, wie sich ein Quecksilberthermometer etwa am Times Square in London 1887, zu dem einmal in der Woche ein hinkender schlechtsehender Meteorologe mit qualmender Zigarre hochstieg um es abzulesen, zu solchen Meßmethoden verhält, um Datenaufzeichnungen zu evaluieren, anzupassen, überhaupt vergleichbar zu machen.

Also müssen generell frühere Meßbedingungen (an Instrumenten, Umgebundsverhältnissen etc. etc.) durch (möglichst natürlich: rationale) Einschätzungen "korrigiert" werden. So soll ein vergleichbares Datenfeld entstehen. Denn ohne Rückgriff auf Vergangenheit ist ja eine Aussage, daß "das Weltklima wärmer wird", gar nicht machbar. Diese Methode ist freilich theoretisch immer auch DER Ansatzpunkt für Kritik (nur nicht für jene, denen sie hülft, sozusagen), und muß sich auch der Kritik stellen können. 

Es gibt solchen pauschalen Datenadjustierungen gegenüber (die natürlich hervorragend der Verarbeitungsmethodik durch Computerprogramme zuarbeiten) aber auch Forscher, die die Bedingungen JEDER EINZELNEN Meßdatenquelle prüfen. Eine enorme Arbeit, die ein Computer gar nicht leisten kann. Weil jede Meßstation tatsächlich ganz bestimmte Meßbedingungen hat. Nicht zufällig zeigen solche Bemühungen nun auch, daß von der behaupteten Klimakatastrophe durch (menschengemachte) Erwärmung nicht die Rede sein kann.

Die bereits zu einem Mantra geworden ist, zu einer Brille, zu einer Neurotisierung geführt hat, zu einer Fälschung auch der Wahrnehmung vieler vieler Nichtwissenschaftler. Auf der wiederum ein längst unübersehbares Quantum von Menschen aufruht, deren tiefste persönliche, psychologische wie existentielle Situation darauf aufbaut. Die sich natürlich durch besonderen Eifer auszeichnen.

Mittlerweile wird selbst vom einfachsten Bürger jedes Gewitter in das Interpretationsfeld "Klimakatastrophe" gestellt, von den Journalisten gar nicht zu reden, die oft so ganz besonders schlau sind. Denn aus eigener Beobachtung lassen sich solche Dinge ja gar nicht beurteilen,  man braucht einen Interpretationshorizont, der einem nur geliefert werden kann. 




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Mittwoch, 25. März 2015

Verkehrter Ansatz

Was den Katholiken vom Protestanten (und dem Evangelikalen, und damit den meisten Erneuerungsbewegungen, auch im katholischen Raum) unterscheidet ist nicht der eine oder andere definierte Glaubens"inhalt", der eine oder andere theologische Satz. Wer glaubt, auf dieser Ebene Ökumene, Einheit sehen zu können, hat ein erschreckend grundlegendes spirituelles Problem. Ja, ein Glaubensproblem.

Denn das Unterscheidende zwischen Luther und der Kirche waren und sind gar nicht einzelne Glaubenssätze. Es war und ist die reale spirituelle Dimension dessen, was als "Glaube" gesehen wurde. Mit Übereinkünften über gemeinsame Formulierungen ist da nicht weiterzukommen. Schon gar nicht aber auch mit subjektiven Erlebnissen von etwas, das man mit "Liebe" oder "Glaube" gleichsetzt.

Luther hat in diese Auffassung, was Glaube, was Erlösung und Heil sei, in den Jahren 1517-19 gravierend geändert. Und die Rechtfertigung, das Heil, in ein Evozieren einer subjektiv erlebbaren "Gewißheit" verlegt. Ja, Glaube wurde zu dieser Pflicht, diese "Heilsgewißheit" subjektiv hervorzurufen. (Hilaire Belloc hat deshalb die im Calvinismus noch stärker ausgeprägte Seite des Protestantismus als DIE Grundsünde definiert, und deshalb den Calvinismus als das entscheidende Kulturproblem gesehen.) 

Luther hat damit einer psychologischen, psychologistischen "Glaubenspraxis" Tür und Tor geöffnet, ja sie selbst so vollzogen. Das sieht nicht nur der von Benedikt XVI. hoch geschätzte Paul Hacker so, das ist der Inhalt der Kritik, die der VdZ an dieser Stelle schon mehrfach geäußert und ausgebreitet hat.




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Im falschen Zug ist keine Richtung richtig (1)

In seinem Buch "Das unpersönliche Denken" behandelt Paul Feldkeller ein psychologisches Phänomen, das einerseits scheinbar ganz alltäglich ist, anderseits aber die Diskrepanz zwischen eigentlichem Denken und Wahrnehmen und dem Wahrnehmen anhand einer (aus welchen Gründen auch immer) eingenommenen Rolle in einem Beziehungsgeflecht als Weg zur Selbstentfremdung und inneren Spaltung darlegt.

Denn dieses Phänomen kennt wohl jeder von sich selbst: Man nimmt in einem sozialen Umfeld, in einem sozialen Teilgefüge, klein oder groß, je nach dem Charakter der Verbindung zu Angstzonen (Angst vor Einsamkeit, Angst vor Nicht-Geliebtheit, Angst vor Schmerz ...), eine bestimmte Rolle ein. Das eigene Handeln wird dann einem Anforderungsprofil angepaßt, von dem man meint, es entspräche der Situation. Meist, ja fast immer passiert das unbewußt. Das Bemerkenswerteste dabei ist aber, wie Feldkeller richtig schreibt, daß das eigene Denken (deshalb der Titel seiner Arbeit) dabei dieser Logik genügt. Über das Denken als Inhaltsgalerie also läßt sich rein gar nichts mnit Sicherheit feststellen, ja im Gegenteil, aus diesem unbewußten, tief liegenden Einpassungsdruck (der durchaus aus eigenen Vorstellungen erwachsen kann, also gar nicht direkt nur auf das Außen zurückgeführt werden kann) ergibt sich auch eine lückenlose Denklandschaft.*

Die oft sogar noch perfekter ist als jene sie aufweisen, die - etwa bestimmte Meinungen zu bestimmten Dingen - diesen Anforderungen ihren Takt vorgeben, als "wirklich" so denken oder handeln. Das beschreibt bereits Vieles vom Geschehen in einem Fanatiker, eines (aber nur eines von vielen möglichen, aber recht plakativen) der illustrierenden Beispiele zum hier Auseinandergesetzten.

Was so kompliziert klingt, ist in Wahrheit sehr einfach, wenn auch nicht einfach beim Einzelnen in seinen Ursprüngen herleitbar. Wie in der gesamten Psychologie hüte man sich also vor der Feststellung über Unfreiheiten bei anderen, nach dem Motto "der ist so, weil". Der Mensch ist ein Geheimnis, das gilt gerade für die Psychologie, die wenn sie sich nicht mit der Philosophie, den tiefsten Fragen über das Sein befaßt, bestenfalls für Teilphänomene überhaupt eine Aussagekraft erlangt.

Machen wir es aber an einem konkreten Beispiel fest, an einer Auswirkung: Auf diese Weise kommt zustande, daß sich Menschen, die an sich einen hellen Kopf hätten, also intelligent sind, dennoch ein Denken haben könne, das wie eine Maschine "fremdes Denken" dekliniert. Solchen Persönlichkeiten fehlt ein entscheidender Punkt: Die Offenheit für das Wirkliche, so überraschend es sein könnte. Es fehlt die Bereitschaft, das Leben auch von heute auf morgen umzustellen, wenn es sich als Vernunftschluß so ergibt. Es fehlt ihm an Katholizität.

Wer diese Mechanik des menschlichen Daseins aber nicht kennt, wird sich oft in die Irre leiten lassen müssen, oder nur noch Zugriff zu irrationalen oder rein emotionalen Verhaltensweisen finden, wenn er etwa "spürt daß da etwas nicht stimmt", aber es nicht argumentativ belegen kann. Wer also das ein solches Denken, das sehr sehr abgerundet, über weite Strecken widerspruchsfrei rhetorisiert sein kann, Umfassende nicht zu erfassen vermag, das diesem Denken seinen eigentlichen Inhalt, seine eigentliche Richtung (denn Denken, Sprache ist auch - auch, nicht nur - Werkzeug) gibt. 

Rohdaten - Temperaturabfall (Quelle: Eike)
Aber dann wird er verstehen, wie es zum Beispiel sein kann, daß Weltklimauntergangspropheten alles tun um ihre These zu untermauern. Auch - lügen. Aus oben Gesagtem aber wird nun klar, daß die Einzelaussage gar nicht so sehr als Lüge bezeichnet werden kann. Und ihr Verkünder hat meist ein "reines Gewissen". Zumindest, was diesen logischen Kreis anbelangt. 

So aber entsteht ein Umgang mit Daten, mit Meßdaten, der einem manchmal die Haare zu Berge stehen läßt, wenn man dazugepaßte Aussagen hört. Wie jene, daß 2014 "nachweislich und weltweit" das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen gewesen sei. Stößt man nach, prüft man nun die Daten selber, aber läßt auch andere Bewertungen zu, stellt man nämlich fest, daß hier regelrecht Aussagen, die aus dem Datenbestand naheliegen würden, ins Gegenteil verkehrt werden. 

Daten nach Bereinigung - (Quelle: Eike)
Wie die Erwähnte. Denn die dafür herbeizitierten "Belege" sind bei Nachprüfung Erweis für das Gegenteil. Wie es aber läuft, wie es diese einmal feststehende, beschlossene Logik der Abläufe der Interpretationsmethoden schafft, sich (und andere) zu täuschen, zeigt Eike am Beispiel von Klimadaten aus Südamerika. Denn der IPCC etwa, und mit ihm viele Einzelaussagen, behauptet, daß Südamerika das gravierendste Beispiel für einen Temperaturanstieg sei. Tatsache ist aber, daß die
Daten regelrecht gefälscht wurden.                            

Gefälscht, weil durch andere Methodiken, die jede für sich irgendwo "lupenrein" sind, umgelogen wurden. Details mag der geneigte Leser selber nachlesen. 

Hier einige Auszüge aus dem Eike-Text, der selbst wiederum eine Übernahme eines amerikanischen Bloggertextes von Christopher Booker ist. Denn er zeigt symptomatisch, wie sehr "gemessene Ergebnisse" ein Interpretat sind, dessen Voraussetzungen entscheiden, ob sie überhaupt eine brauchbare Aussage liefern. Denn ohne Interpretation, ohne "Bereinigung", ist es nicht möglich, Daten zu interpretieren, denn man mißt in Wahrheit immer nur, was man zuvor bereits festlegt. Nachfolgende Auszüge sollen nur beispielhaft demonstrieren, was auch mit sämtlichen Klimadaten, die "beweisen" sollen, passiert, und worauf also entsprechende Aussagen IMMER beruhen: Auf einer in sich geschlossenen Logik.


Morgen Teil 2) Ein symptomatischer Fall ungelogener Lüge


*Feldkellers Thesen werden gewiß hier noch behandelt, aber im Vorgriff soll nicht unerwähnt bleiben, um Fehleinschätzungen vorzubeugen, daß diese Syntagma, wie Feldkeller (mit anderen) sie nennt, prinzipiell keineswegs "falsch" oder pathologisch sind. Syntagmen zu bilden ist sogar notwendig und genuin menschliche Wesenseigenschaft, ohne die etwa Verantwortung ein leeres Wort würde. Identität kann es ohne Syntagmen gar nicht geben. Die Frage muß sein, ob sie "organisch", ob sie wahr sind, also lebendiger Geist sind oder werden. Fehlentwicklungen in der Persönlichkeit zeigen sich deshalb genau dort, dort liegt quasi ihr Äußerungsmaterial: im Feld der Wahrheit, die eben mehr ist als ein abgeglichener, aneigenbarer Denkinhalt.



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Dienstag, 24. März 2015

Zerreißen der Schleier des Geistes

Es sei ein Protest gegen Rückständigkeit, meint eine der Vertreterinnen der Bewegung "free the nipple". Zumindest behaupten das einige Medien: daß es eine weltweite Bewegung sei. Vermutlich ist es dabei einfach nur die nächste Schnapsidee einiger Selbstdarsteller und in diesem Fall wohl zweifelsfrei: Exhibitionisten.

Aber ist es rückständig, die Brustwarzen zu verhüllen? Es hätte dann seinen Weg in dieses Blog nicht gefunden, wäre es nicht ein weiteres Beispiel, wie unter dem Titel "Fortschritt" genau das Gegenteil angestrebt wird. 

Denn hier wie in so vielem sonst geht es um Formzerstörung, um Kulturauflösung. Um Re-Primitivisierung, um den Wunsch nach Barbarentum. Kultur bedeutet nämlich, die rein physisch-materielle Stufe der Welt (und des Menschen als Leib) allmählich in ihre größte Möglichkeit zu führen - den Geist. Nur so wird einerseits Welt besessen und in Freiheit gestaltet, nur so wird die in ihr enthaltene Freuung und Schönheit entfaltet. Diese Aufgabe hat der Mensch, es ist der Sinn seines Lebens.

Die Brustwarze ist zu einer der Stellvertreter-Darstellungen einer nur mehr dem entwickelten Geist erfahrbaren Zueinandergeordnetheit von Materie und Wort, von Frau und Mann entwickelt worden. Dem anderne, der diese Geistigkeit noch nicht erreicht hat, zumindest als Boje, als Markstein: dort läge er, streck Dich also danach aus!

Das ist genau so eine hohe Kulturleistung, wie es die Differenzierung in Mann und Frau überhaupt ist, auch und sogar in der sogenannten Mode. Noch im Mittelalter waren Mann und Frau in Europa kaum unterschieden, zumindest nicht in den großen Volkssschichten. Auch in der Arbeit waren sie kaum unterschieden. Die Frau war grobknöchig und schwere Arbeit gewöhnt, und vom Mann oft kaum zu unterscheiden. 

Es ist eine hohe Kulturleistung, hier nach und nach Differenzierung nicht nur hereingebracht zu haben, sondern in einer immer weitergehenden Aufteilung der "Spitze" des jeweiligen Daseins im Geschlecht (und anders ist der Mensch nicht real) - als Herausarbeitung des hier Seelenvolleren, Gemüthafteren, Empfangenderen, dort Kräftigeren, dem Kampf Zugewandteren, dem Erwerb Gewidmeteren, sodaß sich die Geschlechter nicht nur noch besser entsprachen, sondern einander noch mehr helfen konnten - ausgeformt zu haben. Je durch Riten und Verhaltensregeln wirklich geworden. 

Deshalb ist der Feminismus eine Re-Primitivisierung, ein Kulturabbau, kein Fortschritt, als der er dargestellt wird. Und damit wie so vieles ein seltsames Zurücksehnen in einen Zustand der Kulturlosigkeit repräsentiert. Ein Wunsch, der überhaupt in dieser Zeit zu liegen scheint.

Wer eine Brustwarze mit anderen Augen als jenen aus primitiver Unfähigkeit zur Form sieht, sieht in einen tiefen Grund tiefmenschlicher Zueinandereignung, und deshalb muß sie auch mit Scham und Tabu (als Schutz vor Barbarisierung) bedeckt werden. Sie zu entblößen, dabei zu verlangen, daß man den geistvollen Schleier, der in Jahrhunderten über sie gebreitet wurde, zerreißt, wieder auflöst, ist ein Aufruf zur Barbarei und bloßen Funktionalität. In jedem Fall: Ausweis geistiger Verarmung. Die nicht einmal mehr sieht, wo der Unterschied liegt, wenn eine Frau oder ein Mann seine Brust entblößt. 

Es sei natürlich?* Dann muß man den Menschen, sein Wesen, seine Natur bereits als geistloses Vieh definieren, dessen Beziehungen zueinander denen eines bloßen Verhältnisse auf bestimmte und sehr reduzierte Nutzanwendungen entspricht. Als wäre das, was Mann und Frau einander sein können (und das muß man sich erarbeiten, als persönliche wie allgemeine Kulturleistung), bald nur noch das, einander Fickmatratze zu bieten, je nach Lust und Willkür. Hier sogar noch von "free", von Freiheit zu sprechen, ist schlcith und ergreifend pervers, weil es genau das Gegenteil meint: Den Rückfall in die pure Getriebenheit durch animalische Forderungen. Jene besitzen und bestimmen dann den Geist (der sich im selben Moment verflüchtigt), nicht der Geist sie. Und erst dann ließe sich von Freiheit sprechen - im Erreichen des Gegenteils.**

Nicht weniger ist es deshalb Ausweis der Primitivität der Natur der heutigen so genannten "Prominenz", die diese "Bewegung" angeblich auslöst, und den Begriff der Elite, auf den sie zurückgeht, ins Gegenteil treibt. Zur Vorreiterschaft des neuen Barbarentums wird, wo der, der (gesellschaftlich-hierarchisch) nach oben sieht, eigentlich das Unten erblickt. Eine Kultur, ein Volk, ein Organismus folgt immer am Kopf, und an ihm wird es zur Höhe geführt, oder geht an ihm zugrunde.



*Es geschah ab dem Anfang der 1970er Jahre, aus der Revolution heraus, die die 1968er waren, als das "sich nichts mehr dabei denken" Kulturzerstörung zum "Gut" erklärte. Der VdZ hat in seiner Jugend diesen Werteumbruch erlebt, und ist ihm ein gutes Stück weit selbst auf den Leim gegangen. Aber man hat dabei nur der Primitivität - als Fall ins Nichts - Tür und Tor geöffnet. Die erlittenen, erfahrenen wie irrtümlich selbst zugefügten geistigen Schäden freilich zu reparieren, zerrissene Integritäten wiederherzustellen, das ist eine Lebensaufgabe, die sehr viel Geduld braucht. Aber es ist die historische Aufgabe der Zeit. Man kann Kultur und Geist nicht künstlich aufrichten, als Zwangssystem, wie es der Faschismus beabsichtigte, als Utopie. 

Aber man kann sich selber - und seine Verantwortungsbereiche mit - geduldig und aufmerksam zumindest in Teilen wieder aufrichten, wenigstens in der Orientierung. Der Geist, der Gewinn liegt dabei im Weg, weniger im Erreichten. Denn man kann sich auch dabei nicht alleine, autonomistisch denken. Man ist immer irgendwie zumindest Kind der dominierenden Kräfte seiner Zeit. Es geht eben nicht ums Hier, das ist immer relativ, nie absolut. 

Da braucht es oft viel Klugheit und auch Kompromißbereitschaft, Abwägen des je höheren Gutes, Vertrauen in die bergende Hand des Seins - Gottes. Anders geht es auch nicht, denn wir haben durch unser Leiden zu ergänzen, was am Leiden Christi noch fehlt. Das historisch konkret ist. So erst, im Kreuz, auch dem Kreuz an uns selbst, wird Welt und Geschichte erfüllt und real erlöst, werden wir zur Pforte der Gnade für uns und die Welt. Es geht im letzten eben ums Jenseits, um die aus dem Glauben geborene Hoffnung auf die Auferstehung am Jüngsten Tag, mit einer neuen Erde, einem neuen Himmel. Diese Erde ist unumkehrbar verspielt. 

Was wir tun können beschränkt sich oft sogar schon auf Treue zur überlieferten, übernommenen Form, die uns anfänglich meist sogar noch inhaltsleer und unverstanden bleibt.

**Selbst der Evolutionist und Materialist Siegmund Freud wies darauf hin, daß Schamlosigkeit ein Merkmal geistiger Beschränktheit sei.




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Irrationale Hoffnungen

Eine der Hoffnungen, die sich mit Wind- und Solarkraft verbanden, war, daß die unberechenbare Leistung und Energieeinspeisung (oder eben nicht) durch ein europaweites Netz von Windkraftwerken ausgeglichen würde. Denn "irgendwo weht ja immer der Wind", hieß es. Also müsse man lediglich ein transkontinentales, offenes Stromnetz aufziehen.

Aber das ist falsch, berichtet Science Sceptical. Die Zusammenschau der Energieeinspeisung durch Windkraft im Jahre 2015 bei Zusammenführung der Windleistung von vier Ländern zeigt, daß sich Versorgunglücken, die nur mit konventionellen Kraftwerken gefüllt werden können (Speicherkraftwerke haben viel zu wenig Kapazität), um nichts weniger abrupt auftun. Ja im Gegenteil, sich die Schwankungsspitzen teilweise sogar noch steigern. Auf weitere Länder zu setzen ist nicht weniger zuverlässig, weil - sagen wir: Spanien würde nun einspringen - diese Länder jene Kapazitäten haben müßten, den gesamten übrigen Kontinent mitzutragen.

Es führt nach wie vor kein Weg daran vorbei, daß  die sogenannten Erneuerbaren Energieen ein vollwertiges zweites Produktionsbett brauchen, in das sie sich bei zu geringer Produktion legen können. Das heißt: Konventionelle Stromerzeugung.

Was der Hintergrund des Konflikts zwischen Bayern und dem Rest Deutschlands darstellt. Denn Bayern weigert sich, eine dritte Nord-Süd-Stromtrasse durch sein Land schlagen zu lassen. Das Land hat ausreichende Gaskraftwerks-Kapazitäten, um sich bei Wind- und Solarschwäche selbst versorgen zu können. Weitere Zulieferung von Windstrom aus dem Norden machte aber diese Kraftwerke noch teurer, denn der Windstrom drängt bei Überkapazität auf die Börse, drückt den Preis, und macht konventionelle Stromproduktion zu einem Verlustgeschäft.

Dennoch müssen alle diese Kraftwerke vollauf erhalten bleiben, ohne zweites Netz ist keine Versogungssicherheit zu erlangen. Eine Tatsache, die bereits zu gefährlichen Defiziten bei einigen anderen, bislang quasi autark bestehenden Teilnetzen Deutschlands (deren es ja einige gibt, die aber durch die Öffnung zu Erneuerbaren hin nicht mehr funktionieren) geführt hat, die natürlich auch jemand decken muß, nämlich: der Steuerzahler, der Stromendverbraucher. Erstmals machen auch Energieunternehmen Verluste, die bislang noch wirtschaftlich geführt worden waren.

Daran führt ohnehin kein Weg vorbei, ob bei Subventionslösungen oder, wie diskutiert, bei Wegfall von Preisregelungen. Denn dann würde eine Stromknappheit bei Windflaute (und die ist alles andere als selten, s.u.) die Preise in solche Höhen schnellen lassen, daß sich auch Gas- oder Kohlekraftwerke durch diese kurzfristigen höheren Gewinne in Summe wieder rechnen würden. Damit würde der Strom zu flexiblen Preisen angeboten werden müssen. Klartext: Bei Windflaute ist das Einschalten der Waschmaschine um ein Vielfaches teurer, als zu Windzeiten. Und die Hausfrauen, die ihre Maschine eingeschaltet haben, stehen in Zukunft bangend vor dem Stromzähler, weil sich die Preise laufend ändern und es unter Umständen billiger gewesen wäre, die verschwitzten T-Shirts der Kinder wegzuwerfen und neue zu kaufen, was sie aber erst nachträglich weiß. Überspitzt? Noch überspitzter könnte man einwerfen, daß eine solche Lösung freier Preise nur funktioniert, wenn es zu Verbrauchsregelung, ja zu einer Art Abnahmezwang kommt. Denn die Lösung geht auch nur dann auf, wenn diese hohen Preise tatsächlich auch bezahlt werden. Sich für dieselbe Strommenge doppelte Produktionskapazität zu leisten, wie Deutschland (und mittlerweile halb Europa) es tut, muß eben von irgendwem irgendwie bezahlt werden.



http://www.science-skeptical.de/wp-content/uploads/2015/03/Einspeisung-Wind-De-Se-Dk-Fr.jpg
Quelle: Science sceptical





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Montag, 23. März 2015

Selbstvergottung statt Vergottung des Selbst

"Viele," schreibt Irenäus einmal von den Gnostikern, "oder besser: alle wollen Lehrer sein und sich von der Häresie, in der sie gewesen sind, trennen. Indem sie eine Lehre aus der andren und wieder andere zusammenstellen, bemühen sie sich, dies wenigstens auf neue Weise zu lehren, damit sie als Erfinder ihres Lehrgebäudes gelten können." Der Erzgnostiker Simon sah sich als die allerhöchste Kraft selbst, als über alles überhobenen Vater. Und damit als Erfinder wie Berichter der Wahrheit.

Damit unterscheiden sich die Gnostiker grundlegend von den Mythologen, dem "Mythensager". Denn der will immer das Uralte, die wahre urzeitliche Geschichte wiedergeben, und noch genauer als andere vor ihm. Daraus entwickelt sich die mythische Erzählung immer weiter. Niemand dachte daran, etwas zu "erfinden".

Genau das aber wollen die Gnostiker, indem sie sich zu Gott selbst erheben, und in dieser Erfindung ihre Gottesschaft beweisen wollen. Sie erliegen der Versuchung, aus der "Vergottung des Selbst" die "Selbstvergottung" zu machen. Sie glauben, schreibt Karl Kerenyi dazu unter Bezug auf Jung, sie selbst seien der Uranfang.

Diese Vergottung des Selbst (nicht: Selbstvergottung, die ein schweres Vergehen war, weshalb die Antike - und nicht nur sie - auch die Magie ablehnte, in der sich der Magier der Urbilder habhaft machen will) ist auch in der Antike eine Teilhabe an einem archaion, einem Urbild. Ja, die Antike bzw. die Alte Welt verstand überhaupt alles, was es auf der Welt gab, als Erscheinung eines solche Urbildes, das Kraft hatte, und den Willen, sich zur Welt herauszutreiben. Sowohl als Ding, als auch in Eigenschaften. Wer als kräftig war, war Phänomen des Urbildes der Kraft selbst, wer König war Phänomen des Urbildes des Königs, etc. 

Damit aber war in der Antike auch die Person noch nicht abgegrenzt, denn ein eigenes Personsein, ein Ich in der Welt hatte sie nicht. In allen Dingen, in allen Menschen, stand einem eine Inkarnation des Urbildes gegenüber. Als Spiegelung, aber auch von diesem Urbild her durchlichtet, und darin vergöttlicht. An diese nus können die Menschen teilhaben, er ist aber nicht ichhaft, und ebensowenig subjektiv wie das Sonnenlicht. Wer also einer göttlichen Gestalt glich, war göttlich. Und an diese wirkungsvolle Gestalt war auch die wirkende Kraft schlechthin gebunden. Damit immer an eine bedeutende und charakteristische Persönlichkeit.

Aus diesem Empfangenden aber wird allzu leicht der Fehlglaube, darüber willkürlich (oder über Riten, Rituale etc.) verfügen zu können, wie es zur Gnostik führt. Aus der Vergöttlichung des Selbst - wird die Selbstvergöttlichung. Karl Kerenyi vergleicht einmal diesen Schritt mit dem Ton, der plötzlich meint, sich selbst hervorbringen zu können. Die Gnosis macht das Klingen DURCH den Ton zum ursprunghaften Hervorbringen des Tones. Gnostiker sehen sich ontologisch als Samen der Welt, ihr Tun als urschöpferisches, göttliches Sperma. Daraus folgt auch die große Rolle der Erotik, die die Gnostik kennzeichnet. Denn die Welt ersteht ihnen aus der Vermählung des Seins mit dem Nichts.*

Die Nähe zu gewissen Formen (auch: Auswüchsen) des protestantischen Quietismus ist ebenfalls nicht zufällig, denn das eigentliche Geschehen im Protestantismus trägt dieselben Züge in der Rolle des Ich, wie Paul Hacker so hervorragend herausgearbeitet hat. Eric Voegelin (formal ein Protestant, der nie offiziell zum Katholizismus übergetreten ist, aber nicht aus Anschauungsgründen) hat sogar direkt den Protestantismus als gnostische Bewegung bezeichnet.




*Diese Auffassung ist scharf von der Logos-Auffassung der Stoa zu trennen. Denn dieser Logos - als logos spermaticos, als Sperma aufzufassen -  ist wenn er in die Seele des Menschen gesät wird, keine Urzeugung des Menschen, sondern läßt ihn an der Weltvernunft teilnehmen, und erhält ihn teilhaftig dem Weltplan.





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Aporien des Lebenstraumes

Wovon träumt man eigentlich wirklich, wenn man von einem "Lebenstraum" spricht? Man träumt von einer Seinsveränderung, von einem Sein. Solcherart Lebensträume zu leben zielt auf Erlösung ab. Alles übrige folgt daraus. Die Egalität, die eine Kneipe repräsentiert, ist deshalb im Grunde seinsfeindlich, und wer - theoretisch - einen wirklichen Lebenstraum - und diesen wirklich - erfüllt, kommt nicht mehr zurück. Und er wird ihn nicht verwirklichen, wenn er in der Kneipe bleiben will. Wer in der Kneipe bleibt, wer Traumerfüllung als bloße Funktionsvollendung oder gar Vorstellung vor dem Kneipenpublikum sieht, wird diese Erfüllung seltsam schal erfahren.  Das könnte man als interessante Botschaft sehen, wenn Heineken in einem Gewinnspiel den Aufenthalt auf einer fernen Trauminsel auslobt.



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Sonntag, 22. März 2015

Strafe als Wiederherstellung der Würde

In der Strafe erst wird derjenige, der eine Pflicht verletzt, gegen ein Gesetz handelt, wieder in diese Gesetzlichkeit und -würdigkeit aufgenommen. Simone Weil spricht deshalb sogar von einem lebensnotwendigen Bedürfnis des Menschen nach Strafe. Erst in der Strafe erweist eine Gemeinschaft, ein Staat, demjenigen, der ihre Pflichten verletzt hat, Respekt.

Denn in einem Verbrechen, einem Verstoß, verletzt der Täter seine ewige Pflicht einer Gemeinschaft gegenüber, der er doch angehört hat, und die alle aneinander (im besten, weil das Leben fundierenden Sinn) binden. Erst durch die Strafe kann er wieder in diese Gemeinschaft aufgenommen werden. Denn durch den Schmerz, den sie verursacht, erbringt er gewissermaßen sein geläutertes Bekenntnis, ihr wieder zugehören zu wollen. Und erst über diesen Akt - nicht als "Anspruch", den man ihm quasi nachwirft - kann er in diese (wechselseitige) Bindung wieder aufgenommen werden.

Man erweist dem Gesetzesübertreter also Respekt, und gibt ihm die Möglichkeit, sich tatsächlich wieder zu rehabilitieren, wenn er einsichtig ist (sonst bleibt der Wiedereintritt bzw. die Wiederaufnahme unvollständig oder gar nicht vollzogen.) 

Als reines System des Zwangs und Schreckens ist deshalb ein Strafsystem völlig verfehlt. Denn alles, was mit Strafe und Gesetz zu tun hat, muß in eine Sphäre des Feierlichen, Unantastbaren gehüllt sein. Die Majestät des Rechts muß sich dem Richter oder der Polizei, dem Angeklagten oder Verurteilten mitteilen, und zwar selbst bei nicht so wichtigen Angelegenheiten, sobald sie den Verlust der Freiheit nach sich ziehen könnten. 

Die Bestrafung ist deshalb eine Ehre! Sie tilgt die Schande des Vergehens, und muß als eine zusätzliche Erziehung betrachtet werden, in der ein Täter zu einem höheren Grad der Ergebenheit einem Gemeinwesen gegenüber verpflichtet wird.*

Die Art der Justiz, der schlechte Ruf der Polizei, die Leichtfertigkeit der Justizbeamten, die endgültige Deklassierung von Vorbestraften und so weiter - sie sind Indizien dafür, daß es gar nichts mehr gibt, das den Namen Strafe verdient. 

Entscheidend ist nämlich das Gefühl der Gerechtigkeit, das den Verurteilen begleiten muß. Weshalb Weil sogar so weit geht zu fordern, daß es bei sozialem Auf- wie Abstieg größere Bandbreite von Straflosigkeiten braucht, weil die Betroffenen sonst ihre Strafe allzu leicht als bloße Reaktion der Macht empfinden. Ein Strafsystem muß eben im Bestraften ein Gefühl für Gerechtigkeit hervorrufen, sonst wird es unmenschlich und eigentlich sinnlos. Das muß der Schmerz bewirken könne, oder, wenn es gar nicht anders geht, der Tod, der dann in ultimo ratio gleichfalls den Namen des Verurteilten rettet, weil in die Gemeinschaft reintegriert.

Denn der Sinn der Strafe ist, daß die Gerechtigkeit in die Seele des Verurteilten wieder eintritt. Durch ihren Schmerz geht diese gewissermaßen "in Fleisch und Blut" über.




*Der Täter wird nicht zum unfreien Produkt irgendwelcher Umstände erklärt, sondern er wird als freier Mensch behandelt, der diese Freiheit aber auch tragen muß, sonst - wie denn auch? - kann man ihm keinen Respekt als Mensch zollen.

Weil Strafe also Eigentümlichkeit jeder Gemeinschaft ist, muß ein sozialer Gesamtbau langfristig aus Zerrüttung zusammenbrechen, wenn nicht jede Gemeinschaft auch ihrem Wirkkreis angemessene Strafrituale und -maßnahmen hat. Dies gilt insbesonders auch für die Familie und die Züchtigung von Kindern. Denn es gibt dann keine Reintegration unter der Staatsebene, und damit keine sozialen Einheiten, und damit keine soziale Einheit mehr. Der Staat darf nur subsidiär wirken! Wer glaubt, er würde besondes barmherzig sein, weil er Strafe abschafft, handelt nicht barmherzig, sondern verantwortungslos, zumindest lieblos, wenn nicht verbrecherisch. Der Täter hat ein RECHT auf Strafe. Nur über sie ist eine Reintegration als freier Mensch möglich.

Aus Barmherzigkeit - einem freien, ungeschuldeten Akt des Rechtsrepräsentanten - eine Strafe zu erlassen hat nur dort Sinn, wo der Wiederaufnahmewille des Täters praktisch bewiesen ist, und wo dieser freiwillig Lasten, Schmerzen, Läuterung auf sich genommen hat oder nimmt, die diese akthafte, neuerliche Unterwerfung unter die Gemeinschaft beweisen. Weshalb etwa der "Ablaß" (der dem Straferlaß dient) immer mit einer freiwilligen Leistung verbunden ist. Barmherzigkeit darf niemals Schwäche des Rechtssystems sein, weil sie sonst ungerecht ist.




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Das kommt dabei raus

Nicht einmal die alten Schimpfworte wurden uns ja gelassen. Denn wenn - wie nach auf allen Schulen gelehrter Definition - der Mensch nur ein zufällig sich weiter entwickelt habender Nachfahre des Affen ist, wenn die menschliche Vernunft lediglich Epiphänomen, also die lediglich anders betrachtete chemo-physikalische Impulsbetrachtung elektrischer Vorgänge im Gehirn ist, das Bewußtsein auch Tieren eigen ist, dann also ist die noch zu Kinderzeiten des VdZ gerne gebrauchte Ehrenbezeichnung "Affe!" ja gar keine Beschimpfung. Sondern fällt eher in die Kategorie des Ahnenkults.

Offenbar empfindet das der Mensch denn aber doch nicht so. Oder zumindest die First Lady der USA, Michelle Obama. Denn die wurde in einer Mode-Show, die sich offenbar des typisch amerikanischen "alles geht" bediente, und in vermeinter Selbstironie keine Grenzen kennt, wenn es darum geht, etwas durch den Kakao zu ziehen, mit einer der Proponentinnen in "Planet der Affen" verglichen. Und das heißt: mit einer Äffin. Frau Obama reagierte empfindlich, und unter Beweis ihrer Macht wurde schleunigst dafür gesorgt, daß der Moderator künftig vielleicht Bananen schälen, aber keine Talk-Show mehr moderieren darf. Er wurde vom Fernsehsender, dem größten spanischsprechenden der USA, kurzerhand gefeuert.

Womit also der VdZ einigermaßen beruhigt ist, und seine Welt halbwegs wieder stimmt. Denn auch wenn die Inhalte eigentlich nichts mehr hergeben, auch wenn es gar nicht mehr argumentierbar ist - verstanden wird mit offenbar doch etwas anders. Das Alte. Das, wo der Mensch einer anderen Seinskategorie zugerechnet wird, den Geistbegabten wie - berufenen, nicht den bloßen Viechern. Der Affe unterscheidet sich also immer noch zumindest so weit vom Menschen, als es eine Beleidigung gröbsten Ausmaßes ist, mit einem solchen gleichgesetzt zu werden. 

Vielleicht liegt das aber nur am Latino-Sender. Denn die Hispanier (in dreißig, vierzig Jahren absehbar die zweitstärkste Bevölkerungsgruppe in den USA) sind ja auch noch durchweg katholisch. Und da führt um die Geschaffenheit des Menschen als Abbild Gottes, samt Sonderstellung in der Schöpfung, kein Weg herum. Am Humor der Obamas kann es ja eher nicht liegen. Denn wie man an anderer Stelle liest, hat ja Barack Obama (und gewiß nicht weniger seine Frau durchaus Humor

Vielleicht braucht es aber gar keinen Humor, sondern nur eine neue Definition von Mißverständnis.

(cit./.) In einem Interview mit dem Magazin "People" hatte die First Lady unlängst über ihre Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus berichtet. So sei sie bei einem Besuch in einem Supermarkt für eine Verkäuferin gehalten worden, ihr Mann sei bei einer Gala für einen Kellner gehalten und um einen Kaffee gebeten worden. Die nordkoreanische Führung hatte Präsident Obama Ende Dezember als "Affe im Urwald" beleidigt. (./cit.)




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Samstag, 21. März 2015

Irrtum Meinungsgleichheit

Darin irrt die Propagandaidee, darin irren vermeintliche Freunde, darin irren Gesinnungsgemeinschaften und darin irren sich selbst gegenüber Überzeugungstäter: In der Gleichheit der deklarierten Meinungen. Und darin iren so viele "Bekehrte", deren Bekehrung nur in der Gleichschaltung ihres Sprechens, der Angleichung ihres formalen Denkens besteht.

Sie irren dann, wenn diese simple Äquivokationen werden, simples "gleiches Reden", das umso täuschender wirkt, als es gleiche Wortlogizismen zu bedienen vermag. Denn auch die Sprache hat eine eigene Logik, sehr zum Leidwesen jener, die eloquent sind, sich also dieser Mittel (und Zeichen) gekonnt und geübt bedienen können.

Darin irrt man auch in der Einschätzung von Menschen. Denn nicht die gleiche Meinung macht Einheit, und nur um die geht es, weil es überhaupt um die Einheit mit dem einen Wort geht, das alles erklärt und beleuchtet und erhellt.

Es ist ein tief personaler Vorgang, eine Haltung, ein Akt der Sittlichkeit, der Einheit und Geeintheit bewirkt. Von dort her kommt das wahre Wort, das mehr ist als Eloquenz und Übung im Gleichlaut der Meinung. Dort erst liegt das wahre Wort, das aus einem Licht, einer Kraft heraus wirkt, die Welt schafft.

Es ist also das Sein eines Menschen, das wirkliche Sein, nicht seine Meinung, die Einheit anzeigt weil ist. Und dafür braucht es einen ganz anderen Blick, den Blick der Objektivität, der Offenheit tiefer Lauterkeit. Des Mutes. Denn allzu oft wird gleiche Meinung zur Selbstttäuschung verwandt, um diesen Mut vorzutäuschen.

Der Rest ist laue Luft.





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Differenzierungen der Meinungsfreiheit

Jede, egal welche Meinung bilden und äußern zu können ist ein absolutes Recht des Menschen, schreibt Simone Weil einmal, das sich aus der Notwendigkeit der Vernunft, Vernünftigkeit und Vernunftbildung ergibt. Dieser Raum muß von einem Staat sogar geschützt, ja er sollte direkt eingerichtet werden und öffentlich dafür bekannt sein, daß er ein reiner Experimentierraum, Untersuchungsraum von Ideen ist, also keinerlei Verbindlichkeit oder Endgültigkeit enthält. Als neurtraler Raum gewissermaßen, in dem es jedem möglich ist, seine Meinung zu äußern, ohne daß er Konsequenzen zu befürchten hat. Eventuell durch Anonymität. Und jedermann sollte die Möglichkeit haben, ihn in Anspruch zu nehmen. Der Staat kann nicht nur nicht ignorieren, was seine Bürger denken, sondern er muß es beachten (aber sicher nicht einfach ihm folgen.) Solange sich diese Äußerung auf einen Menschen alleine bezieht, muß sie völlig frei sein können, denn sie ist ein absolutes Bedürfnis des Verstands.

Keineswegs ist es dabei zulässig, Meinungs- und Vereinigungsfreiheit in eins zu setzen. Vereinigungsfreiheit ist außer im Fall natürlicher Zusammenschlüsse (Familie etc.) ein Notbehelf des praktischen Lebens, aber kein Elementarbedürfnis des Menschen.*

Davon aber ist jener Moment zu unterscheiden, in dem eine solche Meinung quasi frei veröffentlicht wird. Denn hier betritt die Meinung bereits ein neues Stadium, das des Handelns in und für die Öffentlichkeit. Es muß damit dem Gedanken des Gemeinwohls unterworfen, darf nicht einfach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage etwa, der Cleverness, oder dem Machtstrebungen von Interessensgruppen und Parteien ausgeliefert werden. 

Als Beeinflussung der öffentlichen Meinung sind Veröffentlichungen Beeinflussungen der Lebensführung. Sie müssen deshalb denselben Beschränkungen unterliegen wie die Lebensführung selbst. Sie dürfen kein menschliches Wesen vor dem Gesetz benachteiligen, vor allem dürfen sie nie irgendwelche explizite oder implizite Ablehnung der ewigen Pflichten dem Menschen gegenüber enthalten, wie sie das Gesetz feierlich anerkennt, ja worauf Recht und Gesetz gründet.

Wer also - und damit sind Zeitungen und Presseprodukte gleichfalls gemeint - den Anspruch erhebt, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, muß sich diesen Beschränkungen unterwerfen. Nur jene, die diese Funktion nicht wollen, können totale Freiheit beanspruchen.



*Die tief spirituelle Simone Weil, deren Einsichten nicht wenige als mystisch unterlegt betrachten, auch wenn sie freilich nie der Katholischen Kirche beigetreten ist - nicht mangels Zustimmung, sondern aus anderen Gründen - tritt, wie an dieser Stelle bereits auseinandergesetzt, für ein Verbot von Parteien ein. Weil diese immer den Staat weil seine Einheit und damit ein Volk zersetzen, die Menschen sich selbst entfremden, instrumentalisieren und entwurzeln, und damit dem Heil direkt entgegenwirken.




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Freitag, 20. März 2015

Die eigentliche Botschaft

Die seit langem sehr kluge Werbelinie setzt Volkswagen auch mit diesem Filmchen fort. Die technische Perfektion, die Neuerung des "Drivers Alert", ist nicht mehr als der berühmte Zusatznutzen. Als hingeworfenes Stöckchen der nachträglichen Rationalisierung eines bloßen Sympathiegefühls. Auf DAS setzt VW, und das versucht es zu transportieren, wenn sich der Autokonzern einfach amüsant und menschlich gibt.


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Denken nach Art der Vernunft

Aber ist es nicht, schreibt da Leser R, unzulässiger Psychologismus, etwa die Klimapropheten bestimmter Richtung charakterlicher Dispositionen zu zeihen? Wie komme der Verfasser dieser Zeilen zu dieser Behauptung, die sich doch gar nicht belegen lasse? Sei das nicht der Versuch der Verleumdung?

Diese Behauptung, werter Leser R, steht, so antwortet der VdZ, auf weit tieferen Überlegungen, als quasi persönlicher Voreingenommenheit und dem Versuch, unliebsamem Widerspruch durch fiktive Anmeldung persönlicher Bedenken Zweifel auszulösen, um Glaubwürdigkeiten zu verändern. 

Denn der Mensch, auch ein Wissenschaftler, erkennt nur im Maß und in der Gestalt seiner persönlichen Vernunft. Die nämlich ein Vermögen ist, kein einfach festzulegendes Inhaltliches. Die Wesensform einer menschlichen Vernunft sagt also sehr wohl etwas darüber aus, welcher persönlichen Verfaßtheit und Motivlage sich ein Mensch bedient bzw. von welcher er bestimmt ist.

Nun ist es so, daß sich dieses Vermögen der Vernunft nur am Einzelnen insoweit festmachen kann, als es im Einzelnen ein Wesensbild erfaßt. Das vom Einzelnen repräsentiert wird, aber nicht einfach im Faktischen erkennbar ist, sondern daraus abstrahiert werden muß. Der Mensch erkennt nämlich nur Allgemeines, das sich im Einzelnen repräsentiert, wenn es auch nie ausschöpft.  

(Die Erkenntnis liegt also nicht "in" der Materie, im Stoff, in dem sich etwas zeigt, sondern in der dahinterstehenden Idee, die im Einzelnen, immer bedingt von Ort, Beziehungsgefügen etc., individuell wird. Und nur individuell, weil es das Allgemeine an sich nicht konkret gibt, ihm kommt keine Realität zu. Vielmehr ist das Einzelne nur als Einzelnes Träger des Wirklichen, sofern es dem Allgemeinen als Urbild entspricht. Simples Beispiel: Eine Pflanze mit Hühnerbeinen wird nicht als Pflanze bestehen können, es gibt sie nicht. Sie besteht nur, wenn und soweit sie dem Urbild Pflanze entspricht, und das Konkrete an dieser oder jener Pflanze erzählt von diesem Ringen um die Abbildhaftigkeit vom Urbild.)

Seine Aussagefähigkeit bzw. die Aussagefähigkeit des Erkennenden beschränkt sich also darauf, was etwas sein KANN. Nur wenn man abschätzen kann, daß sich dieses oder jenes so oder so verhalten KANN (oder: könnte), kann man von Erkenntnis sprechen. Im Einzelnen verbleibend, wäre das keine Erkenntnis, niemals könnte von einem Einzelnen weiter geschlossen werden. Der Mensch wäre reiner Kollektor von Einzeldingen, die sich durch nichts verbinden ließen. Das das Einzelne Verbindende, das Allgemeine also, ist es, was wir erkennen.

Zugleich läßt sich sagen, daß man etwas nicht erkannt hat, wenn man nicht sagen kann, wie es sein könnte oder kann! Dann fehlt dem Erkennenden einfach das Urbild, nach dem sich das Einzelne ausstreckt (in seinem Sosein, das zuerst ein Seinwollen durch Konkretion und Urbildentsprechung ist.)

Dazu muß der Mensch sich also in seiner eigenen Vernunftfähigkeit diesem Allgemeinen öffnen, er muß daran teilhaben: seine Vernunftfähigkeit ist also die Fähigkeit, allgemeine Bilder nicht nur zu tragen, sondern mit diesen identisch zu sein.² Das macht das Erkennen bzw. Erkannte im Menschen mit dem Objekt des Erkennens identisch - es macht die EINE Vernunft. 

Vorausgesetzt, es gibt dieses Urbild. Und bedenkend, woher dieses Urbild stammt. Wissenschaft kann sich also nur auf tatsächliche Urbilder berufen. Sonst wird sie zur bloßen Phantasie, wobei diese Phantasie das Urbild, auf das sich derjenige Wissenschaftler, der ja solcher dann nicht mehr ist, bezieht.

Wenn der Mensch wie im Falle des Klimas also gar nicht weiß, was Klima überhaupt ist (weil es "das Klima" gar nicht real gibt, es gibt nur Wetter), er das Urbild also gar nicht kennt, gar nicht weiß, wie es wirklich "funktioniert", wie es ist, so kann er nur spekulieren, wie es sich entwickelt, weil er zuvor spekuliert, wie es "ist". Dieses Phantasieren, das es dann ist, drückt nun aber ohne jeden Zweifel jene Bilder aus, die die Struktur seiner Vernunft repräsentieren. Denn im Einzelnen läßt sich offenbar NICHT auf Weltklima etc. etc. schließen. 

Der solcherart "Prophezeiende" verrät also, auf welchen Grundannahmen er seine Phantasie spielen läßt. Und damit verrät er die Struktur seiner eigenen Persönlichkeit.  Denn jede Vernunft streckt sich nach dem aus, was es als Gut, als Ziel erfaßt.

Deshalb lassen sich in den Klimapropheten bestimmten Couleurs (Ihr Begriff, werter R) sehr klar charakterliche Dispositionen bestimmen. Selbst die Vermessensten müssen ja zugeben, daß sie im Grunde nichts oder "viel zu wenig" verstehen, um Klima zu verstehen. Damit liegen immer sehr persönliche Dispositionen (als Motive, ein Bild zu entwerfen, haben sie ja kein objektives, allgemeines Bild, auf das sie sich beziehen, sprechen sie vom konkreten Klima) jenen (nunmehr offen so nennendenden) Phantasmata zugrunde, die jemand als Urbilder herbeizieht, formuliert er aus einer Nicht-Kenntnis ein Mögliches.

Also zeigt sich in den Klima-Weltuntergangspropheten auch eine entsprechende Disposition einerseits, sowie anderseits eine Neigung, die konkrete Welt zu sehen. (Ob das gut oder schlecht ist, ist da ohne Belang. Daß es gut sei, das behaupten diejenigen ohnehin.) 

Damit wird es einfach, denn nun läßt sich sehr leicht zeigen, daß hinter diesen subjektiven Vorstellungen ein Bild von einer Welt liegt, das einerseits mechanistisch ist, und zwar oft von der einfachsten Sorte, die Welt also als recht einfachen mechanischen Apparat sieht, das weiters den Sinn der Welt mit inhaliert, weil es eine Entwicklung qualifiziert,  und das ferner aus Nichtwissen heraus eine Verfügungsmacht des Menschen postuliert, die einmal zu begründen wäre angesichts einer Situation, in der sich die Möglichkeit der Lenkung von Wetter oder Klima in nichts nachweisen läßt, ja die Erfahrung strikt dagegen spricht: Nichts am Wetter ist vorhersagbar, nimmt man kleine, beschränkte Einzelzusammenhänge und Erfahrungswerte aus, sodaß Einzelvorkommnissen gewisse und sehr beschränkte Wahrscheinlichkeiten unterlegt werden können.*

Der Eindruck mag täuschen, geschätzter Leser R, aber dem VdZ kommt es so vor, daß sich deshalb ein immer größer werdender Teil der Klimakatastrophenwarner und -propheten gar nicht mehr die Mühe macht zu verschleiern, daß sie im Grunde eine Änderung des menschlichen Lebens, der Gesellschaften wollen. Und zwar gleich weltweit (wofür die Metapher vom "Weltklima" ja alles hergibt). Denn nur auf "wissenschaftliche Klimaforschung" läßt sich einfach gar nichts von dem aufbauen, was da von der Politik gefordert wird, und dem gemäß sich das gesamte Leben und Wirtschaften weltweit ändern sollte weil "müßte". Immer mehr Klimapropheten öffnen ihr Visier und beziehen sich gleich und direkt auf eine Veränderung der Lebensweise als Forderung. Worum, so der VdZ, es ihnen ja immer nur ging. Und so wird noch mehr erkennbar, welchen utopischen Geistes Kind da entschlüpft ist und sein Unwesen treiben möchte. 

Wie ein erst jüngst auf den Tisch des VdZ gewandertes Büchlein**, in dem die sich auf akademischeste Weihen stützenden Verfasser eigentlich nur noch von neuen Wirtschafts- und in Wahrheit alten sozialistischen, ja marxistischen Gesellschaftsmodellen sprechen. Die sämtlich mit utopistischem Einschlag (weil nunmehr "vernünftig") nicht geizen, und im Grunde alte Phantasien von Umverteilung und "Gerechtigkeit", noch mehr aber einen aberwitzigen Weltbeherrschungswahn aufkochen.*** Und welchen Charakters, von welcher Persönlichkeitsstruktur, welcher Wirklichkeitsbeziehung und welcher Weltanschaulichkeit Menschen mit diesen Forderungen sind, darüber muß an dieser Stelle kein weiteres Wort mehr verloren werden.




²Diese Aussage läßt sich am Beobachten von Kindern, deren Wachsen in der Erkenntnis, ausgehend vom Identifizieren mit Wesensbildern, deren Ergreifen aus der Nachahmung etwa, hervorragend verifizieren.

*Wovon ja die Wettervorhersage lebt. Es wäre so nebenher interessant zu prüfen, wieweit die jahrhundertealten Bauernregeln außer Kraft sind; was vielleicht, wenn schon, ein Indiz für Änderungen wäre. Die wenigen Regeln, die der VdZ kennt, stimmen aber nach wie vor.

**Möglicherweise wird der VdZ darüber hier noch berichten, er kämpft momentan mit einem Buch, das eigentlich einer Befassung gar nicht wert wäre, aber vielleicht als Symptomatik verwertet werden kann.

***Die Regel ist simpel, aber umso zutreffender: Je weniger Wirklichkeitsmacht den (meist einfach narzißtischen) ungewirklichten Selbstansprüchen entspricht, desto größer und umfassender und totalitärer werden eines Menschen Machtansprüche. Eine in einem Zeitalter kastrierter Männer und entweiblichter Frauen - wo also schon grundlegendste Wirklichungspotenz fehlt - wahrlich beängstigende, im Alltag dabei unentwegt verifizierbare Erkenntnis. Oder was sonst steckt dahinter, wenn sich Millionen bemüßigt fühlen, dem Papst twitternd Ratschläge oder Zuspruch zu geben, oder sich in Weltpolitik einzumischen?





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