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Donnerstag, 30. April 2015

Ein prinzipieller Fehler

Es sind aber Grundirrtümer, die die Herangehensweise an das Wetter, das sich zur "Klimakatastrophenprognose" hochgeschaukelt hat, mit Gewißheit falsch machen. Denn es wird von Einzelsystemen durch Hochrechnung, also durch Fortführung in Teilen oder Teilsystemen vorzufindenden Eigenschaften, gefolgert. Dem liegt ein mechanistisches Weltverständnis zugrunde. Daß die Physik (Quantenphysik) diese Weltauffassung ganz real widerlegt hat, hat sich eben noch lange nicht durchgesprochen. Die Naturwissenschaft vollzieht damit über weiteste Strecken einfach noch die Weltanschauungen des 19. Jahrhunderts.

Vielmehr ist davon auszugehen, daß auch dieses die Erde umfassende System (das noch dazu nach außen hin offen ist, also nicht in sich geschlossen; also selber wieder in ein viel größeres Ganzes eingefügt ist) das mit dem Abstraktum "Weltklima" zu einem Scheinbegriff hochgeschaukelt wurde, als "gäbe" es ein solches, daß also dieses die Erde umfassende System ein Kompositum aus unzähligen Teilsystemen ist, deren Grenzen kaum definierbar sind, weil horizontal wie vertikal, in Hierarchien und Über- wie Untergeordnetheiten unterschiedlichster Beziehungen, gegliedert ist. Jedes dieser Teilsysteme aber hat nicht nur ein Eigenleben, sondern ist durch seine Beziehungen als Ganzes angesprochen, und damit in höhere Einheiten eingegliedert, die seine Eigenschaft mit definieren.

Diese Einheiten stehen zueinander in hierarchischen Verhältnissen, und schon die Stufe in dieser Hierarchie entscheidet auch über einzelne Systemeigenschaften. An einem Beispiel illustriert: bloße Gewebszellen verfügen über ganz andere Eigenschaften, als das Organ, dem sie zugehören, und dieses wiederum über andere, als der Organismus, dem sie einbehören.

Diese je umgreifenderen Systeme aber kennen wir gar nicht, und wir können sie vielleicht zum Teil nach und nach in Einzelheiten und -eigenschaften erfassen, werden sie aber aus prinzipiellen Gründen nie ganz erfassen können - zumindest nicht, so lange wir sie durch die je unteren und untersten Systemeigenschaften zu erfassen, zu definieren suchen. Die Wirklichkeiten, die diese umfassenderen Einheiten jeweils bedeuten, sind Sinn-Einheiten, die untergeordnete Systeme in diese Sinnordnung eingliedern und bestimmen (!). Das Individuelle eines Ganzen ist prinzipiell niemals erkennbar, es wird immer ein Geheimnis bleiben, weil es nur geschaut werden kann. An ihm kann man nur teilhaben. Und es kann nur von jeweils oberen Systemen (weil im Sinn, der sich ja nur aus Übergeordnetem ergibt) geschaffen werden, niemals als Summenprodukt von unten.
Zwar ist es richtig davon auszugehen, daß - ähnlich wie bei Krebsgeschwulten am Organiamus - Teilsysteme hypertrophieren, entarten, sich aus dem Ganzen desintegrieren können. Aber nachdem die Erde offensichtlich (Sonne, Weltall ...) kein geschlossenes System ist, sondern im Gegenteil selbst bestimmt wird, kann aus einem Kollaps eines Teilsystems niemals der Gesamtkollaps erreicht werden. Zumindest ist es widervernünftig, davon auszugehen. Was also als "bath-tub-effect" kursiert, ist eine seltsame Simplifizierung durch eine Bild, das gar nicht zutrifft: die Erde ist keine Badewanne, die vor uns liegt, und deshalb umfaßt und gar bestimmt werden könnte. Auch wenn sie vielfach schon so behandelt wird - der bath-tub-mythos ist von jenen geschaffen, die die Erde auch so sehen. Aus den Eigenschaften von H und O läßt sich nicht ableiten, was Wasser ist, auch wenn Wasser in gewisser Weise die Eigenschaften von H und O in sich eingeborgen hat.

Jeder Morgen, jeder Abend, jede Jahreszeit und ihre Abhängigkeit von der Sonne etwa beweist täglich aufs Neue, daß das, was die Erde zuallerst bestimmt - von außen kommt. Selbst physisch (ohne Licht, ohne Sonne damit, gäbe es nicht einmal überhaupt Materie, denn Materie ist ein analoges Widerleuchten von Licht.) Da haben wir noch gar nicht von der Bedeutung der kosmischen Partikeleinstrahlung gesprochen.

Dieser o. a. Irrtum hat übrigens auch, wenn nicht vorrangig mit den technischen, vor allem optischen Hilfmitteln zu tun, deren wir uns bedienen. Denn etwa in der Betrachungsweise aus Satellitenperspektive* wird uns etwas vorgegaukelt, das nicht der Wirklichkeit des Beobachteten entspricht - eben, eine "kleine", beherrschbare Erde. Die wir nunmehr aus einer Perspektive betrachten, die ihrer Realität gar nicht entspricht. Dazu kommen die Computerprozesse, die uns die Illusion vermitteln, daß die Erde in allen Ebenen auf beherrschbare, weil vor uns "liegende" Ursache-Wirkungs-Vorgänge reduzierbar ist. 

Dann denke man an die Bedeutung des Reisens, vor allem mit dem Flugzeug (alleine, was das schon für eine Verheißung bedeutet, und damit Aussage über die Dimensionen der Welt), für unsere Anschauung der Welt - in dem wir glauben, die ganz reale Erde wäre tatsächlich regelrecht "klein" und ganz gegenständlich, real überschaubar. Die größten Klimakatastrophenpropheten sind keineswegs zufällig auch große Reisende. Während jemand, der zu Fuß wandert, rasch einen Eindruck von der unglaublichen Vielfalt und geographischen Abgegrenztheit auch der Wetterbereiche erhält, die ihm jeden Kilometer begegnen.

Wir gehen uns selbst auf den Leim.

Auch aus diesem Grund ist uns ein "Weltklima" prinzipiell als Erkenntnisobjekt der Naturwissenschaft verschlossen. Selbst eine Befassung damit, unter derzeitigen Auspizien in jedem Fall, ist völlig sinnlos.**




*(nachträglich korrigierter Nachsatz) Mancher helle Geist ging vor Zeiten sogar so weit, daß er die je neu erfundenen optischen Hilfsmittel wie Teleskope oder Mikroskope ablehnte, und nie einen Blick durch solche Geräte warf. Die Gründe waren identisch mit den hier vorgebrachten: Er fürchtete zu Recht, daß er dadurch den Blick für die Wirklichkeit verlieren würde, weil dem Teil die Ordnung fehlte, aus der heraus alleine das Einzelne verstanden werden kann. Denn einmal Gesehenes kann man aus dem Kopf nicht mehr einfach eliminieren, es wirkt und beeinträchtigt die Betrachtung, das Nachdenken. Daß diese Haltung häufig auch Goethe zugeschrieben wird, von wo es auch der VdZ ursprünglich übernahm, ist nachweislich falsch, wie Leser H richtig udn dankenswerterweise beim VdZ monierte. Goethe war offenbar weit moderner, als man ihm gerne unterstellt, was interessante Einblicke eröffnet, weil es gewisse Widersprüchlichkeiten in diesem großen Geist andeutet. Denn in seinem "Wilhelm Meister" äußert er sich durchaus in o. a. Sinn.

**Das Gegenüber "ganze Menschheit" und "ganze Erde" zu untersuchen würde hier zu weit gehen. Denn das gäbe es tatsächlich, aber auf andere Weise denn in mechanistisch-naturwissenschaftlicher Methodik erfaßbar. Ja, es gibt es, in einer Art "Schicksalsgemeinschaft" in gewisser Weise im Gegenüber "Gott" (Sein) verallgemeinerbar, abstrahierbar, und als Ziel - in einer Kirche, einem Reich - auch tatsächlich Ziel des Menschen. Nur auf dieser Ebene aber kann man jemals von "einer Erde" als Ganzes sprechen, die dem Menschen dann untergeordnet (dem Menschsein eingegliedert) ist, soweit und wenn er im Willen Gottes steht. Genau dann aber ist sie niemals ein "fertiges Objekt", sondern in ihrem Bild nur empfangbar, nicht "planbar", weil dem Schöpferischen gegenüber offen. (Die Klima-Katastrophen-Szenarien sind also auch glatte Häresien, weil sie von einer Erde "nach unserem Bild" ausgehen.)






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Selbstbesudelung?

Aber die Art und (oft heftig strittige) Weise, wie Frankreich seine Schuld aufarbeitet, ist immerhin bemerkenswert. Wie in Algerien. Der Film thematisiert die Brutalität und die Verbrechen, die systematisierte Folter, die Frankreich im Rückzugskampf in Algerien auf sich geladen hat. Im Grunde muß man den Eindruck gewinnen, daß die Schilderungen des Grimmelshausen aus dem 30jährigen Krieg ein immer gleiches Gesicht des Schreckens offenlegen, das mit den Volkskriegen - die die Kabinettskriege abgelöst haben - sowieso zur Regel wurde. Ob bei den Amerkanern, oder den Franzosen in Algerien: Verbrechen im Rahmen eines Krieges sind keineswegs (mehr) Einzelerscheinungen.

Ist solche Art der Aufarbgeitung der Geschicht esinnlos? Ist es bloße Selbstbeschmutzung, ein Brechen des Stolzes eines Volkes? Nein, gewiß nicht. Denn wer nicht Schuld begreift, der weiß gar nicht, was ihn treibt. Der versteht nicht die Gegenwart. Das Problem ist nicht die Selbstbezichtigung, die Versuche der Aufarbeitung von Schuld. Das Problem ist, sie zu tragen, und ihre Folgen - Strafe - zu begreifen.

Lieben kann man nur das Gute. Geschichte aber ist das Ringen des Guten - und nur das hat Anteil am Sein - mit dem Bösen, dem, das ins Nichts stößt, in dem man das Nichts wählt.









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Mittwoch, 29. April 2015

Nur mit Konsequenz möglich

Noch 2013 kamen an Australiens Stränden 300 Boote mit über 20.000 Flüchtlingen an. Die Zahl der Toten aus Schiffen, die auf See sanken und nie ankamen, dürfte mehrere tausend betragen, von 1200 Toten weiß man. Getragen wird diese Methode der illegalen Zuwanderung vom Schlepperbusiness, für die gesunkene Boote und tausende Tote und Rettungsaufrufe nur beste Werbung sind. Denn auch in Europa entkommt man so dem medial aufgeblasenen schlechten Gewissen nicht, und sieht sich kaum eine Wahl als das zu retten, was von anderen bewußt und gewissenlos riskiert wurde. 

Auch Australein stand unter diesem Gewissensdruck. Doch wie auch in anderen Fragen, die so manche Regierung der Welt vor sic her treiben, ohne daß man sie beantworten kann, hat die australische Regierung einen konsequenten Weg des nüchternen Verstandes gewählt.  

Ab 2014 wurden ausnahmslos und konsequent ALLE Flüchtlingsboote und auf diesem Weg  bzw. per Schlepperunwesen angelandeten Flüchtlinge wieder zurückgeschickt. Alle. Ausnahmslos. Denn das Land hat gesagt, daß es offizielle Wege der Zuwanderung gäbe, und wer das wolle, solle diese beschreiten. Denn man nehme nach wie vor Zuwanderer auf (jährlich: 190.000), aber man müsse die gesamte Angelegenheit unter Kontrolle behalten können. Ein Staat kann nicht einfach akzeptieren, daß ihm ein Verhalten durch Unterlaufen seiner Gesetze aufgezwungen wird. 

Der Effekt? Wie es aussieht - überwältigend. Denn es GIBT 2015 bereits KEINE Boote mehr. Die Rigorosität, mit der man vorging, und wirklich jeden zurückschickte, hat das Schlepperwesen vollständig ausgetrocknet.

Es ist nur ein Beispiel dafür, wie ein Land aber den Wirklichkeiten ins Auge blicken muß, um ihnen auch zu begegnen. Australien hat etwa ein Einwanderungsgesetz, das nicht so tut, als wäre man zwar kein Einwanderungsland, einerseits, würde aber anderseits doch aus moralischen Gründen jeden Flüchtling, der ein solcher sei, aufnehmen. So, wie es nämlich fast ganz Europa tut, das damit die Problematik einfach unsichtbar zu machen versucht - und genau deshalb aus den Latschen geschwemmt wird. Was man dann auch noch damit rechtfertigt, daß man ja ohnehin Zuwanderer brauche.

Um sie dann doch nicht zu brauchen - denn wie immer wieder festgestellt wird, sind 80 % der Zuwanderer definitive Kandidaten für Arbeitslosenunterstützung. Ihre Ausbildung reicht einfach nicht. Aber wieder zieht man keine Schlüsse. Sie reicht deshalb nicht, weil die Politik von einer high-tech-Wirtschaft träumt, die es ja ebenfalls gar nicht gibt. Dieses Ziel paßt gar nicht zur vollen Wirklichkeit in Deutschland (und Österreich), was sich auch darin ausdrückt, daß jährlich nur in Österreich 30.000 hochqualifizierte, hier um teures Geld ausgebildete junge Menschen das Land VERLASSEN,  weil die wirtschaftlichen Strukturen gar keine adäquate Beschäftigung für sie haben. Die Faselziele der Politik sind also auch hier bloße Utopien. 

Niemand macht sich Gedanken darüber, was das heißt und ob da nicht Zusammenhänge bestehen, daß einerseits die Industrie wegen zu hoher Arbeits- (und bald auch: Energiekosten) in Niedriglohnländer in beängstigendem  Maß auswandert, während hierzulande Niedriglohnarbeiter, deren Zahl sich von Jahr zu Jahr erhöht, beschäftigungslos bleiben. Nur, weil sie dem Traum der Utopie von einer "high-tech-Zivilisation" nicht entsprechen. Ist es nicht ein Grundsatz jeder Wirklichung, zu schauen, wo reale "Möglichkeiten" liegen, um dann zu begreifen, daß jede Möglichkeit tatsächlich eine Chance ist, auch wenn das daraus erfließende Endbild nicht unbedingt irgendwelchen Traumsequenzen entspricht?* 

Dieser Utopismus reicht ja bis in die Bildungspolitik, wo man stolz darauf ist, mittlerweile 2/3 der Jugendlichen zur Matura (Abitur) zu bringen, und gar zum Studium zu animieren, obwohl man ganz andere Menschen bräuchte: Handwerker, Facharbeiter, Zupackende. Wenn man von angeblichen Anforderungen der Wirtschaft spricht drängt sich also der Verdacht auf, daß man ganz etwas anderes meint: Anforderungen, die man überhaupt erst zu schaffen hofft, die aber nicht den realen möglichkeiten entsprechen. Und so lange schleppt man eben Millionen an Arbeitslosen mit herum.

Die Australische Lösung wird zwar vielleicht nicht 1 : 1 auf Europa übertragbar sein, vielleicht aber doch. In jedem Fall gibt sie einen prinzipiellen Weg vor: sehen, was wirklich ist, und die Dinge konsequent und ohne emotionale Weichquatscherei am Schopf packen. Denn Gutheit ist nicht ohne Wahrheit und ohne Freiheit möglich. Nur so kann man auch von moralischem Handeln sprechen.



*Der VdZ erinnert sich noch - als Beispiel - an Gespräche mit einem älteren Türken, der seit Jahren arbeitslos war, und es bis zur Rente weitere zehn Jahre sein würde, weil ihm einfach die Qualifikation fehlte. Angeblich. Bald stellt sich (in einem schwierig zu führenden, aber recht sympathischen Dialog - der Mann war zwar 25 jahre in Wien, sprach aber kaum Deutsch) heraus, daß er eigentlich Landwirt gewesen war, ehe er des Geldes wegen aus Anatolien nach Wien auf den Bau wechselte. Er war es auch gerne gewesen. Was tat das Arbeitsamt? Es wollte den schlichten, dabei gar nicht unklugen Mann "höher qualifizieren". Also suchte man für ihn auch höher qualifizierte Tätigkeiten. Auf die Idee, ganz woanders zu suchen - in Gärtnereien, in landwirtschaftlichen Betrieben etc. - kam man erst gar nicht. Dabei hätte der Mann dort nicht nur Geld verdient (statt gekostet), sondern wäre sogar noch ein wenig glücklich geworden, weil er begreift, daß Arbeit mit Persönlichkeit zu tun haben könnte, und nicht einfach Geldbeschaffungsmaßnahme ist. Vielleicht hätte er sogar eine neue Tomatensorte oder Hühnerbeine gezüchtet. Wir werden es nie wissen. Er will in der Rente, auf die er in aller Gemütsruhe hinlebt, denn Arbeit findet er sowieso nicht mehr, in die Türkei zurück.




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Das Volk beweist seine Gutheit

Am 29. April 1945 wurde Benito Mussolini mit seiner Geliebten Clara Petacci in Mailand exekutiert und dem versammelten Volk präsentiert. Das nun Gelegenheit hatte zu demonstrieren, daß es gut war.





Am 29. Dezember 1989 wurde Nicolae Ceaucescu sowie seine Frau von einem provisorisch einberufenen Volksgericht zum Tode verurteilt und unmittelbar darauf exekutiert. Auch hier hat das Volk bewiesen, daß es gut war.











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Dienstag, 28. April 2015

Auswege

"Die Frage besteht [...] nicht zwischen der Freiheit und der Diktatur; bestünde sie zwischen Freiheit und Diktatur, so würde ich für die Freiheit stimmen, wie alle, die wir hier sitzen. Aber es handelt sich darum, zwischen der Diktatur des Aufstandes und der Diktatur der Regierung zu wählen: in diesem Fall erwähle ich die Diktatur der Regierung als die weniger drückende und die weniger beleidigende. 

Es handelt sich um die Wahl zwischen der Diktatur von unten und der Diktatur von oben; ich erwähle die Diktatur von oben, weil sie aus ruhigeren und ausgeglicheneren Regionen kommt. Es handelt sich schließlich darum, zu wählen zwischen der Diktatur des Dolches und der Diktatur des Säbels. Ich erwähle die Diktatur des Säbels, weil sie die vornehmere ist."


Donoso Cortés, in seiner berühmten 
Rede vor dem französischen Parlament "Über die Diktatur"




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Selbstreinigung eines Volkes

Frankreich  nach Mai 1945, nach der Befreiung: Selbstreinigung eines Volkes. Wer immer am Bösen - das man nun kennt - Anteil hatte, wird bestraft. Muß Sühne leisten. Durch Schmerz, vielleicht, wieder ins Ganze eingegliedert werden. Die Stunde gar nicht so sehr der, die es immer wußten. Die Stunde vor allem derer, die abgewartet haben, bis sie sicher waren. Weil sie darauf gewartet haben, bis sich die (individuell nur zu tragende) Last des Urteils über Gut und Böse auf die Allgemeinheit verlegt hatte. In DeGaulle trat das Symbol für ein reines Frankreich auf den Plan. Nun war klar, was überlegene Moral und Sittlichkeit bedeutete, an der es nach der Befreiung teilzuhaben galt - das Symbol hatte dazu befreit.








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Montag, 27. April 2015

Von der Notwendigkeit, den Papst zurechtzuweisen (3)

Teil 3) Ein Exkurs - Macht ersetzt Autorität. 
Weitere Unschönheiten. Nachträge.



*EXKURS: Macht ersetzt Autorität

Weil so augenfällig ein Beispiel, das zeigt, wie groß die Verwirrung bereits ist: Dieselben Personen, die sich dann mit "Papsttreue" am Revers schmücken, fordern einmal, den Sinn "hinter" den Worten des Papstes - "mit gutem Willen" - zu sehen, und seine nominellen Worte quasi zu ignorieren, und das nächste mal zum Gegenteil, sie wörtlich zu nehmen. Was geben sie damit aber zu?! Daß sie selbst bereits Quelle jener Autorität sind, die dem Papst (und damit dem Amt) nämlich immer mehr fehlt. 

Wenn also Spaemann und andere vorbringen, daß bei P. Franziskus Macht Autorität ersetzt, der Papst zentralistisch-totalitär wie noch nie direkt bis vor die Haustüre der Gröbnergasse 14 im schwäbischen Jestetten seine Direktiven (über Twitter, über Medienpräsenz, der man gar nicht mehr entkommen kann) liefert, damit den Pfarrer, die Kirche vor Ort (und nur dort ist sie Kirche: konkret, verortet) elegant überrundet und zum abstrakten Ausführungskasperl degradiert, so ist das mehr als berechtigt. Und in diesem Sinn war an der Kritik von Kardinal Kasper, daß die deutsche Kirche "keine Filiale von Rom" sei, sehr wohl ein wahrer Kern. Auch ein Kardinal, als Elite, hat das Recht, mit Respekt gehört zu werden (was durchaus auch als Selbstkritik des VdZ gelten kann). 

Denn dann kann der Papst nur noch Macht repräsentieren, und über Macht regieren. Und das zeigt immer, daß die Autorität bereits verdunstet ist. Nicht zufällig scheint sich deshalb dieser Papst auf "pastorale Maßnahmen" zu konzentrieren. Pastoral, Praxis ist die (weil wirkende) Machtseite der kirchlichen Autorität, wo im Autoritätsverlust die Praxis die Orthodoxie sogar ersetzt. Heil aber geht auf das Sein, und nur in Folge auf das Handeln. 

Die Vergebung der Sünde lebt ausschließlich auf die Zukunft eines volleren Seins hin, und die liturgische Praxis ist ein Infusorium des HeilsBILDES, das in der Übernahme durch den teilnehmenden Menschen zur Welt kommt. Heiligkeit ist Schönheit der Gestalt, des Fleisches, und nur insofern ist sie Heiligkeit. Es gibt keine separierbare Handlungsheiligkeit - es gibt nur gutes Handeln, wenn ihr die Gestalt als Abbild Christi vorausgeht, oder deren Ziel ist. Denn nur dann ist etwas wirklich, weil es an der Wirklichkeit Gottes teilhat, und genau diese in Stellvertretung IN CHRISTUS, dem Logos, in die Welt - ZUR Welt; ALS Geschichte; in die Menschheit - trägt, auf daß er in ihr wohne.

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Kardinal Raymond Burke

Nachtrag 1) Der geneigte Leser möge doch auch einen Blick auf dieses Interview mit Kardinal Raymond Burke werfen, das am 21. Jänner d. J. in Rom geführt wurde, und auf das der VdZ hingewiesen wurde. Burke, der längst beträchtlich an Kompetenzen abgeben mußte, beklagt nämlich ganz genau dieselben Punkte, die Spaemann (und, er wagt diesen Beisatz: der VdZ, der sie sogar schon nach wenigen Wochen, nach Lektüre des Buches von Bergoglio, aufgrund der darin offen daliegenden narzißtischen Charaktereigenschaften des Argentiniers - die die Schizoidität als Handlungsprinzip erkennen läßt, jene prinzipielle Kluft zwischen Verbalität und Tat, wobei erstere in hoch ausgeprägter, "vielseitiger", höchst flesibler Eloquenz die Tatebene, die Wirklichkeitsebene also verschleiern soll, von der  nichts Gutes, ja Böses zu erwarten ist - vorhergesagt hat; bislang hat sich alles, wirklich alles erfüllt, man möge die eingehende Analyse nachlesen) nun moniert: Die Verwirrung, die dieser Papst überall schon ganz real angerichtet hat. Genau das ist auch die Erfahrung des VdZ aus diversen Gesprächen: Mittlerweile klaubt sich tatsächlich jeder aus Papstaussagen zusammen, was ihm in den Kram paßt und ihn legitimiert. Übrigens - die "Papstverteidiger" bzw. "Konservative" nicht weniger. 

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Nachtrag 2) Es braucht keine besondere Menschenkenntnis, um - unter der Beleuchtung, die auf den Charakter Bergoglios alias Papst Franziskus geworfen wurde, vor allem aus den jüngsten Stellungnahmen "als Papst" ein reines Selbstverteidigungs-Vorgehen ablesen zu können. Die Schwerpunkte, die Themen, die sich laufend finden, sind wie (vorbeugende) Antworten auf mögliche oder bereits aufgeplatzte Bruchstellen in den Widersprüchen, denen Bergoglio (denen: solch ein Charakter) vorauseilend begegnen will. Denn ob der Leser es glauben mag oder nicht: Nichts trifft solche Menschen mehr, als Kritik. Denn ... sie wissen, weil sie sich dem Sein nicht entziehen können, daß sie auf dünnem Eis bauen. So etwas kann natürlich nur auf einem Zustand aufbauen, wo sich aus der Wirklichkeitsferne auch längst völlige Unkenntnis des Menschen eingestellt hat - und das ist eines der schlimmsten, wenn nicht DAS schlimmste Übel in der Kirche. Bergoglio ist der Meister der Wirklichkeitsferne. Ahnungs-, Wirklichkeitslosigkeit ist der Grund, warum ihm so viele auf den Leim gehen. Weshalb ohne jeden Zweifel einer der Schwerpunkte dieses Papstes war, ist und noch viel weiter sein wird, "Realität" (Wirklichkeit) vorauseilend - über "impressio", über sinnliche Vereinzelung, als Eindruck - zu definieren. Sehr zum Beifall der Unproduktiven, der Unschöpferischen, die im Windschatten der Lüge auf ihre Chance hoffen, nach oben zu kommen. Durch "Papstwerdung".

Nachtrag 3) Vom in den letzten Wochen verstorbenen, hoch angesehenen amerikanischen Kardinal Francis George ist folgende (sehr zurückhaltende) Äußerung zu Papst Franziskus bekannt: 

"The new pope's popularity surprised George, who worried that people were developing unrealistic expectations that could lead to further disillusionment with the church. "He sends out so many signals it gets a bit jumbled at times," George said. "I'm sure he's not confused, himself. It's confusing for a lot of people, including myself at times. For someone who appreciates clarity, I would like to get a few things clear so I can cooperate."




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Auf der Suche nach Gerechtigkeit

Aspektreicher Film, im Zentrum ein Bericht einer deutschen Frau, einer aus zumindest 2 Millionen, die 1944/45 von zahlreichen sowjetischen Soldaten vergewaltigt worden war.







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Sonntag, 26. April 2015

Von der Notwendigkeit, den Papst zurechtzuweisen (2)

Teil 2) Dann schickt Gott eben Propheten





Es ist nicht der götzendienerische Glaube, der blinde Kadavergehorsam (getragen von Angst, wenn nicht Bösartigkeit, die nur noch Propagandatöne zuläßt, wenn man von Kirche und Glaube spricht, also die Sprache, das Wort, den Logos darin tötet; gar nicht selten, auf einer Linie nämlich, weil sie sich heimlich recht zählbare Vorteile versprechen, die Wurzel des Egalitarismus, der sich so gerne als "Bescheidenheit" katzengoldmünzt) an einen argentinischen Plauderanten, der seine faktische Person mit dem höchsten Amt, das die Welt kennt, das also wie bestenfalls noch ein universales Kaiseramt eine weltlich-menschliche "Figur" gar nicht mehr kennen darf, für beliebig und je nach Bedarf als austauschbar ansieht. Das zwischen Biertischgesprächen und päpstlichen Verkündigungen nicht mehr zu scheiden weiß.

Der Papst ist in persona die Kirche als Beziehungsmittelpunkt. Also muß auch alles Faktische am faktischen Papst dieser Höhe der Aufgabe angeglichen werden. Schon gar seit der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas, das die Sache noch heikler macht. Und der VdZ sagt unterscheidet bewußt zwischen "Verkündigung" des Dogmas, ein politischer Akt ALS wirkmächtige SPRACHE, und seiner Wahrheit. Denn an der Unfehlbarkeit des Petrus und seiner Nachfolger hat die Kirche nie gezweifelt, sie war immer implizites Glaubensgut. Aber in der Sprache wurde sie angreifbar, wenn die Sprache sie nicht ausreichend synthetisch ausdrücken konnte. Dann kann sie sogar - bei gleichem nominellem Wortlaut - zur Häresie werden.

Der Schaden ungenügender Sprache geht auf das Amt, dessen Autorität zur Beliebigkeit des Banalen, des "Gleichen" herabsinkt. Der die Sprache zerstört, das Denken, und damit - den Glauben, der seiner Vernunft beraubt zum fideistischen, dumpfen Aberglauben wird, wo nur noch der da vorne, der am Papstthron, vorzugeben vermag, wohin ich mich zu drehen und wenden habe, weil ich nicht einmal mehr den nächsten Schritt zu setzen wage.

Und das ist nicht einfach ein neuartiges Symptom, das ist der Hintergrund dieser sich allmählich und über Jahrzehnte immer stärkeren Papstidolatrie, die nun ihre groteskesten Züge angenommen hat.

Deshalb MUSZ ein Papst auf der Höhe der Sprache seiner Zeit sein. Nicht in der Kenntnis der Gossensprache, die mag ihm in seiner Freizeit Spaß machen, gut. Er muß deshalb lesen, im Sprachraum leben, diesen atmen, weil sich dieses Ringen um den Logos in der Sprache dort ausdrückt. Er muß auf der Höhe der Theologie der Zeit sein, ja muß dieser nächste Schritte vorgeben, sonst geht sogar seine Apologie an der Zeit vorbei.

Und, mit Verlaub, so manche vorgebliche moralische, pastorale Forderungen dieses Papstes, auch manche "Reformansätze" und "Ratschläge", wirken wie Ansätze von vor 40 Jahren, die in ihrer Zeitgebundenheit aber längst ganz andere Wege gegangen sind, sich weiterentwickelt haben, weil sie in der Welt standen, und diese darauf reagiert hat. Also immer neu aus dem Logos in die Sprache gehoben werden müssen.  Denn die Sprache ist Vielheit, Akzidens. Der Logos nur ist Einheit, in die sie lebendig rückgebunden sein muß, damit sie wahr wird, und damit die Welt eins wird.*

Aber er kann und darf nicht verlangen, sie zu ignorieren!

Wer das Amt liebt kann gar nicht anders, als seine Reinheit zu verlangen. Und zu kritisieren, wenn diese Reinheit verloren zu gehen droht. DAS ist das entscheidende Kriterium für die Heiligkeit EINES PAPSTES  als Heiligkeit der Person, die ihn repräsentiert. So, wie auch der Tischler nur ALS Tischler heilig wird und nicht, in dem er hier schlampt, dafür dort "gute Werke" tut und lieb ist. Wer den Papst anschaut, muß sicher sein, das Amt zu sehen - nicht einen Herrn Bergoglio, der gerade Sodbrennen und einen lustigen Einfall hat.

Wer - wenn nicht die intellektuelle Elite des deutschen katholischen Raumes - hat aber das Recht, ja viel mehr noch: die Pflicht, den Papst zu kritisieren, wenn er zu kritisieren ist? Denn sie sind der Leib, den sich die Kirche je neu und in Reinheit als Reinheit sucht. An dem das "Volk" dann teilhaben darf, mit Recht, weil es auf die richtige, geläuterte Gestalt (und Sprache) vertrauen darf, die ihm von der Elite überreicht wird. Wer Gottes Willen sucht und tun will, kann an der Hierarchie des Aufbaus menschlicher Gemeinschaft nicht vorbei.

Es gibt sie nicht, die Abkürzung, den "direkten Draht" (der Protestanten), das würde die Kirche obsolet machen. Nicht als Normalweg. Während sehr wohl in Krisenzeiten Gott immer wieder Herausragende, Propheten, Mahner auf den Plan gerufen hat, weil ein ganzes Volk, mitsamt ihren Anführern, ins Verderben der Nichtung torkelt, das ein Abweichen vom Willen Gottes bedeutet. Haben die dann auch nur geplaudert? Oder haben sie nicht in ihren Worten genau das getan, was Spaemann, Mosebach und einige wenige andere auch tun, die nämlich kraft ihrer Berufung (IN der sie Glieder der Kirche sind) dazu aufgefordert sind: Die herumschwirrende Sprache, das unklare Denken, auf ihren Kern zu läutern, den Logos? Indem sie uns mitteilen, wo das faktische Geschehen von diesem Logos, dem Willen Gottes, abweicht. 

Das aus und im Logos zu sehen, das zu beobachten, und in die Sprache zu heben ist nämlich IHR Charisma. Das zu besitzen gerade erwähnte Personen hinlänglich belegt haben. Denen freilich nur dieser Logos auch Zeugnis gibt. Sodaß ihre Stimme von jenen nicht gehört und gar verachtet wird, die diesem Logos bereits fern stehen, weil sie ihn in ihre Gewalt gebracht haben.



Morgen Teil 3) Ein Exkurs - Macht ersetzt Autorität. 
Und auch andere sehen Unschönheiten. 




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Wörtlich geglaubt

Die wirkliche Religion eines Menschen läßt sich nicht einfach per ausdrücklichem Befehl umstellen, wie man das Programm einer Waschmaschinen umstellt. Sie wirken nach, sie tragen das, was im ausgesprochenen Wort einen neuen Ausdruck gefunden haben mag. Doch das wirkliche Handeln und Glauben sitzt viel tiefer.

So entstand bei vielen Völkern, die "zum Christentum bekehrt" worden waren, wie bei den Friesen, eine bemerkenswerte Mischung aus substantiellem altem Glauben und Aberglauben - und neuen Formeln. Das hat sich etwa bei diesem höchst widerständigen, eigenwilligen Nordvölklein darin ausgedrückt, daß immer wieder einem Verstorbenen ein (lebendiger) Kleriker mit ins Grab gegeben wurde. Der sollte ihm dort den Weg nach Walhall weisen. Man nahm den Priester schlicht beim Wort.

Das Christentum wurde - auch bei den Sachsen war es ähnlich - nur zum neuen Rahmen, in dem der alte Aberglaube, der tief im Welterleben verankert war, ausgelebt wurde. Ähnliche Berichte gibt es noch aus jüngster Zeit von der katholischen Kirche aus Mittelamerika, wo der katholische rituelle Rahmen häufig nur eine andere Form für alten, ungebrochenen Aberglauben, wie er schon aus der Maya-Zeit bekannt ist, darstellt. Wenn z. B. die Marienverehrung nur neue Form für alte Kulte für weibliche Gottheiten wird.

Auf dieselbe Weise haben gerade in Norddeutschland Hexen-, Zauber- und Spukglaube überlebt. Sie haben aus dem neuen Glaubenskleid sogar Rechtfertigungssysteme abgeleitet.

Was ein Mensch wirklich glaubt, und was er sagt, daß er glaube, sind meist zwei sehr verschiedene Paar Schuhe. Sein Handeln, sein Bewegen, als steten Ausdruck des wahrgenommenen Weltrhythmus, das erzählt, auf welchen Beinen jemand wirklich steht. Ein explizit zu nennendes Glaubenssystem ist oft nicht mehr als ein Kompromiss reiner Sophistik, geschickter Wortstellung, mit dem man sich einer Lesart beugt, um Streit und Ausgeschlossenheit zu vermeiden, oder Ansehen zu erringen. Insofern freilich nicht ohne Wert, weil er ein Ziel definiert, das eines Tages auch das Handeln bestimmt. Denn der Kult, der Bewegungsrhythmus (im weitesten Sinn), als Präformation der Denkgrundlagen, entscheidet letztlich, was man (nach)denkt, und was man zustimmend glaubt. Lex orandi - lex credendi. Das Fleisch, über Gewohnheit geprägt wie zu prägen, kann da schon mal hinterherhinken.




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Samstag, 25. April 2015

Von der Notwendigkeit, den Papst zurechtzuweisen (1)

Nun hat also auch Robert Spaemann sehr deutliche Worte der Kritik an Papst Franziskus gefunden. Spaemann, der in seinem Leben als Philosoph (das ja keine Tätigkeit ist, wie man Schnitten verpackt, oder Doppelflansche von 8-16 Uhr überprüft, weil es eine Lebensweise ist, wie die Kunst, wie das Priestertum) zwar kein eigenes System entworfen hat, der aber wie kein anderer in den letzten Jahrzehnten den intellektuellen Diskurs im deutschsprachigen Raum geprägt und angeführt hat, und immer noch zu den meistgelesenen Philosophen gehört. Das hat ihm eine Stellung eingebracht, die ihn vor allem im katholischen Raum eine derart maßgebliche Stimme der Vernunft sein ließ und läßt, wie sie vielleicht nur noch vom Papst übertroffen wird. Vom gewesenen Papst. Dazu unten.

Die Punkte, die Spaemann an P. Franziskus kritisiert, decken sich völlig mit der an dieser Stelle ebenfalls immer wieder, und bereits sehr früh vorgebrachten Kritik. Sind nur noch konkreter auf Vorgänge in der Kirche bezogen, wie es einem weit größeren Geist, als es der VdZ je sein wird und gar ist, auch ansteht. 

Nun sind zwei Dinge bemerkenswert. Denn zum einen wirft Spaemann dem Papst vor, nichts zu lesen, an Theologie kaum interessiert zu sein. Wie bitte, schrie da so mancher auf? Muß man nun lesen, um guter Papst zu sein? Genügt es nicht, einfach zu glauben, und charismatisch in der Kirche herumzufuhrwerken? Was erdreistet sich da dieser deutsche Philosoph? 

Und Ähnliches hat man ja auch vor ein paar Wochen erfahren können, als ein weiterer der Elite katholischer Intellektualität und Poesie, Martin Mosebach, im selben Sinn Kritik äußerte.

Was man mit Spaemann (und auch anderen, man kann sich sogar die Frage stellen, ob nicht überhaupt die "Sprachelite", die intellektuelle Elite des deutschen katholischen Raumes unisono spricht) nun oft macht, ist im Grunde das Gleiche, was man mit dem Papst macht. Den zu interpretieren sich auch jeder berufen fühlt.

Man anerkennt ihre mit vollem Recht zustehende Autorität nicht, sondern fühlt sich auf derselben Ebene, um sie bewerten zu können. Die einen, weil sie bereits so "gleichgemacht", in ihrer Persönlichkeitslandschaft so ausgelöscht sind, daß sie die Herkunft der Sprache, und damit des Denkens, und damit ihres Denkens, von der Autorität her nicht mehr anerkennen. (Somit sich die Frage gefallen lassen müssen, was das für ein Glaube ist, den sie - von den Inhalten ja nicht zu trennen, also nicht auf einen nebulosen "persönlichen Akt" begrenzbar (wie es der Protestantismus nämlich macht) - gar nicht empfangen haben, sondern selbst schaffen zu können meinen.

Wenn Spaemann auch vom Papst also fordert, man müsse lesen, dann ist damit gemeint, daß um überhaupt denken (und damit glauben) zu können das Ohr unentwegt am Puls der Sprache kleben muß. Diese Sprache täglich, stündlich, sekündlich am Leben zu halten, ist Aufgabe der Denker, der Dichter, der Philosophen, und der Priester und Päpste. Sie sind es, die die Sprache entwickeln, und aktuell - lebendig - halten. Und damit, damit werte Leser, das Denken. 

Wer damit argumentiert, daß auch die Kirche in ihren Anfängen keineswegs intellektuell einig gewesen sei, irrt ganz gefährlich! Denn nur WEIL sie das war, nur weil der Inhalt des Geglaubten allen gleich war, hat sie sich entfalten können. Auch in die Sprache hinein, wie es die Zeit jeweils forderte, als das Geglaubt auch formuliert werden mußte. Dieser Irrtum, der auch der gesamten "Erneuerungs-Charismatik" zugrundeliegt, einer protestantischen Bewegung sohin, richtet freilich schon geraume Zeit unermeßlichen Schaden an - in dem die "Charismatik" der Urkirche völlig mißverstanden und zur Nebulosität, zur Unbestimmtheit wie (sprachlich-denkerischen) Unbestimmbarkeit und Irrationalität umgedeutet wird. Das ist das Wesen von Sekten, aber nicht das der Kirche.

Denn Denken heißt, aus dem Numinosen zu schöpfen. Es heißt aber vor allem, es in die Form der Sprache zu gießen. Nur so kann Denken Wirklichkeit werden, und sich entfalten. Das Wort wird Fleisch. Nicht jeder, der die Symbole und Zeichen der Sprache benutzt, der "redet", denkt aber. Sprache ist für jeden primär nämlich gegeben. Und damit auch das Denken, das über die Sprache einziehen kann. Sprache ist somit der "geistige Raum eines Volkes", wie Hugo von Hofmannsthal es einmal ausdrückte.

Weil aber Sprache nur lebendig bleibt, wenn sie aus dem Numinosen heraus atmet, nur dann nämlich lebt sie (sonst stirbt sie; es gibt tote Sprachen), ist es von größter Wichtigkeit, daß die Philosophen, Denker und Päpste im Rhythmus dieser Sprache  mitatmen. Sie müssen also ... lesen. Gute Bücher sind nicht gut, weil sie besonders verschnörkelte Wortkonstruktionen aufweisen, sondern weil in ihnen dieser Atem erfahrbar wird. Zwar noch weniger als im Gespräch (unter bzw. mit Philosophen, Denkern, Dichtern etc.), und bereits verändert, aber immer noch sehr weitgehend verfügbar. Bücher sind also zwar nicht alles, direktes Gespräch wäre viel mehr, aber man kann mit ihnen doch weit kommen, und in den Geist, der hinter allem steht, der alles bewegt, eintauchen. Jesus ist nicht weniger als das "Buch des Lebens". Tolle - lege! heißt es in der Apokalypse. Kostet und seht, nehmt und lest. Etymologisch bedeutet lesen ernten, aufnehmen, einnehmen.

Deshalb braucht auch die Theologie ständiges Mitatmen mit der Literatur, mit der geschriebenen Sprache, in der sich die Denker und Künstler austauschen. Schon deshalb, weil unsere Sprache, und damit unser Denken, sich mithilfe des Buchs entwickelt hat. Was wir heute sprechen, und damit denken (können), ist gleichfalls nur noch verstehbar, wenn wir uns mit der Tradition vertraut machen, in der sie sich entwickelt hat. Nur so können wir "von Gott sprechen" (theo-logein), in diesem pulsierenden Rhythmus (im Heiligen Geist) aus Zurücksinken - Fleischwerden.

Wer nur im Zurücksinken verharrt, wer dies für das Einzige Nötige hält, wird zwangsläufig wirr in seinem Reden. Wer nur entspannt, verliert seine Gestaltungskraft. Und genau das ist am Papst ja feststellbar, der so offenkundig unreflektiert - also nicht in der Sprache geformt - daherplappert, daß er pausenlos Wirrnis anrichtet. Das Chaos, von dem Spaemann auch spricht. Die Planlosigkeit, die sich in allem zeigt., und eifrigstes Geplaudere über "Reform" zur bloßen nebulosen Chimäre verkommen läßt.

Ein Volk (und wie erst die Kirche) hat die Pflicht, auf ihre Sprachquellen zu hören - auf seine Künstler, auf seine Philosophen, auf seine Priester und auf seine Könige. Wenn es das nicht tut, verliert es seine schöpferische Kraft in der Welt. Es mag sich dann zwar noch "wohlfühlen", so wie sich ein verwirrter Drogenberauschter wohlfühlt, aber es vermag nicht mehr Mensch (der sich selbst besitzt, in der Zeit) zu werden, und wird ins Nichts fallen. Während eben diese Künstler, Dichter, Philosophen und Priester und Könige die Pflicht haben, ihre Sprache "zu quälen", zu läutern. Denn sie gibt dem Volk das vor, was es zu denken, und damit zu wirklichen vermag. 

Ein Papst, der diese Pflicht im umgekehrten Sinn also aber nicht erfüllt, muß zurechtgewiesen werden. Und auch das ist in der Kirchengeschichte zuweilen vorgekommen. Wer nämlich nicht denkt, wer nicht liest, wer seine Sprache nicht foltert um das Aussagbare überhaupt erst zu finden, der verdient nicht Argumente - er braucht Zurechtweisung. Die gesamte Unfehlbarkeit des Papstes hängt nämlich genau daran: Daran, daß er den Logos selbst repräsentiert. Denn der Gläubige, der das Papstamt anerkennt, anerkennt es DESWEGEN. Und sein Glaube (s.u.a. Newman!) ist der Glaube an diesen Logos, an das depositum fidei, dem auch der Papst verpflichtet, das zu vertreten er in besonderer Weise berufen ist. Nicht der an eine Person, die am Papstthron Tango tanzt, und die von ihm nicht zu trennende Amtswürde wie eine Holzente mit rotem Schnabel am Bändchen hinterherlaufen läßt. Ach ja, die ist ja auch noch da ...




Morgen Teil 2) Dann schickt Gott eben Propheten





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Aus ganz anderem Blickwinkel

Ein sehr interessanter französischer Film, der ganz andere Aspekte beleuchtet, als man gewöhnt ist. Denn als sich 1944 über 2 Millionen amerikanischer Soldaten in England versammelten, um sich zur Invasion vorzubereiten bzw. diese dann durchzuführen, brachen kaum je thematisierte Probleme auf.

Da war erst einmal die Haltung der amerikanischen (weißen) Soldaten, die - mit viel Geld und vielen Konsumgütern ausgestattet, die in England längst Mangelware waren - die Haltung vertraten, daß sie, wenn sie schon ihr Leben aufs Spiel setzten, um England und Frankreich zu befreien, auch gefälligst Gegenleistungen beanspruchen durften. Was hieß: bei den Frauen. Wo das bis zur Häufigkeit von Vergewaltigungen ging.

Dann war da das für amerikanische schwarze Soldaten völlig ungewohnte Erlebnis, daß sie von Engländern als "Menschen" behandelt wurden. Denn in der Truppe war praktisch das gesamte Offiziers- und Unteroffizierskorps weiß. Und es behandelte die Neger unverblümt wie Sklaven. Plötzlich aber befanden sie sich der angetroffenen Bevölkerung gegenüber in einer zumindest moralisch, sozial auf jeden Fall überlegenen Situation.

Das alles angesichts unerfüllt bleibender sexueller Bedürfnisse.

Dazu kam die kulturell "überlegene" Situation - populäre Musik (Jazz) allem voran. Hier standen Mitglieder einer zur Leitkultur der Freiheit und Lebensfreude "gewordenen" Lebensart. Das verstärkte die Position als "Erlöser", als Missionare einer neuen, besseren Lebensart. Gegen die die traditionelle Lebensweise wie ein Blick ins Gruselkabinett aussah. Amerikaner waren faszinierende Repräsentanten einer faszinierenden neuen Lebensweise. All das stärkte das Gefühl völliger Überlegenheit der Befreier.

Man versuchte ob der Häufigkeit von Übergriffen durch Soldaten durchzugreifen, es gab zahlreiche Verurteilungen und Gefängnisstrafen und viele Todesurteile, schon in England. Das steigerte sich noch um eine Dimension, als man in Frankreich angelandet war. Hier galt das Vorurteil, daß die französische Frau disponibel wäre, auf die Liebe ausgerichtet, graziös ... dekadent. 

Der Schock für die Franzosen war vorprogrammmiert. Denn sie erlebten die Befreier als Terrorregime, das willkürlich forderte, und sich dazu im Recht sah. Sich nahm, was es wollte. Gewalt, Kriminalität explodierte regelrecht. Die Angst der Bevölkerung vor allem vor schwarzen Soldaten wuchs. Dem stand eine amerikanische Militärjustiz gegenüber, die schon zahlenmäßig (Richter) überfordert war, Tribunale zusammenstellte, die aus Personen bestanden, die mit solchen Situationen noch nie zu tun gehabt hatten, und vom Hauptrichter meist leicht zu beeinflussen waren. Und die meist klar rassistische Positionen vertraten. Nicht selten brauchte man einfach Exempel, Sündenböcke.

Die amerikanischen Befreier waren die absolute Autorität, und ihre Siege gaben ihnen jede Freiheit. Die Bevölkerung war Freiwild, und niemand wagte wirklich aufzubegehren, weil es ja die Befreier von der nazideutschen Herrschaft waren. Regelrechte Banden aus desertierten US-Soldaten (ein Problem, das man in fast jeder Kriegsbetrachtung völlig unterschätzt) trieben ihr Unwesen. Flüchtlinge (und wie erst die Frauen dabei) waren am ärgsten dran.  

Ganz ungebremst entwickelte sich das Problem, als man deutsches Gebiet betrat. Es war regelrecht typisch, daß zwei amerikanische Soldaten nachts umherstreiften, und nach Licht in Fenstern Ausschau hielten. Die Bewohner, die keine Möglichkeit zur Verteidigung hatten, waren den Amerikanern völlig ausgeliefert. Die US-Soldaten suchten sich eine Frau aus, und erledigten den Rest der Bewohner. Oft kam es vor, daß Amerikaner in ein Dorf kamen, und sich dort wie auf einer Shopping-Tour aufführten, in "Allmacht" nahmen, was ihnen beliebte. Willkürlich wurden Amtsträger oder "Verdächtige" exekutiert. Versprengte Soldaten ermordet. Frauen vergewaltigt. Sie galten als Kriegsbeute.

Die Schreckensherrschaft dauerte über das Kriegsende hinaus. Viele Verbrechen wurden gar nie gemeldet oder aktenkundig. Die amerikanische Justiz war hoffnungslos überfordert, schon gar wenn es um Vergewaltigungen ging, obwohl dafür die Todesstrafe stand. Man schätzt die Opferzahl alleine in Deutschland, wo sich die Gewalt endgültig grenzenlos entfaltete, auf 1,5 Millionen, insgesamt sind es wohl 2,7 Millionen Frauen bzw. Vergewaltigungen - in England, Frankreich, Deutschland. Die Spuren in der Erinnerung, die Spur der Verbrechen und der Verwüstung, die die amerikanischen Befreier hinterließen, ist allgegenwärtig. Nur spricht man bis heute nicht davon.

Ein Deutscher hätte so einen Film nicht machen können. Oder wollen. Oder dürfen. In Frankreich wird diese höchst fragwürdige Seite der Befreiung aber immerhin thematisiert.








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Freitag, 24. April 2015

Vermutliche Zusammenhänge

Das liefert natürlich Wasser auf die Mühlen der Klimaerwärmungspropheten. Aber sie schmücken sich mit Federn, die ihnen nicht gehören - die extreme Hitze und Dürre* in Kalifornien wurde nicht nur von keinem einzigen Klimamodell vorhergesehen, sondern auch die vermutlichen Ursachen werden in ihrer Entstehung von niemandem verstanden. Denn die liegen wahrscheinlich in einem seit zwei Jahren beobachtbaren ungewöhnlich stabilen Hochdruckgebiet über dem nordöstlichen Pazifik. Nach einem 25 Jahre dauernden Abwärtstrend (!) der Oberflächentemperaturen des Nordostpazifik, die man auch nicht verstand, wird seit 2013 ein ungewöhnliches Ansteigen beobachtet. Das erhöht natürlich die weltweiten "Durchschnittstemperaturen". Trotz der letztjährigen Rekordwinter in den Norddost-/Mittel-USA.

Die Zusammenhänge kennt man aber nicht. Denn kein Klimamodell kann bekannte natürliche Elementarereignisse dieser Art berücksichtigen, die zweifellos von höchster Signifikanz für lokale Wetterereignisse sind. Wie den El Nino, wie die Bedeutung von Sonneneinstrahlung, vor allem aber die unzuweifelhaft entscheidenden Zusammenhänge Meer - Atmosphäre. Weil man sie einfach nicht versteht.

Tatsache aber scheint zu sein, daß die nun überraschenderweise über die Jahre 2013-15 beobachte Erwärmung im Nordostpazifik, die auf jeden Fall (auch) mit Ereignissen in Alaska und Sibirien zu tun haben, sich durch einen Rückfluß des wärmeren Wassers in südliche Pazifikgebiete auszuregulieren scheint. In jedem Fall dürfrten Zusammenhänge mit beobachteten Veränderungen in den Druckverhältnissen des Wassers bestehen. Diese Oberflächen mit höherem Druck (aus diesem Lufthochdruckgebiet) dürften nun südwärts fließen und die Luft über Kalifornien erhöhen. Das könnte sogar den Aufbau eines nächsten El-Nino anzeigen.

Aber wirklich wissen, wissen tut man gar nichts. Diese Ereignisse auf "Weltklimaerwärmung" zurückzuführen ist also überhaupt nicht zulässig. (Im übrigen ist lange schon bekannt, daß Heißperioden wie gegenwärtig für Kalifornien im Abstand von fünf, sechs Jahrzehnten periodisch auftreten.) Schon gar, weil die Klimamodelle darin völlig versagt haben und versagen, reale Entwicklungen vorherzusehen. Daß die ungewöhnliche und so kurzftistig entstandene Erwärmung im Nordpazifik - nach 25 Jahren stetiger Abkühlung - aber als Argument für Klimaalarmisten verwendet wird, ist völlig unzulässig. Man kann diese Tatsachen schlicht und ergreifend nicht einordnen.

Wenn auch zu erwarten ist, daß von Klimaalarmisten daraus neue "Beweise" konstruiert werden.

Detaillierte Überlegungen dazu, mit zahlreichen Graphiken und Datenaufbereitungen, findet der geneigte Leser auf diesen Seiten.




*Die Dürre könnte allerdings rein hausgemacht und Ergebnis eines überaus freizügigen Wasserverbrauchs sein, und das klingt plausibel. Weil Kalifornien sich einer brutal durchgesetzten Lebensführung erfreute, in der ausgedehnte Golfplätze und öffentliche wie private Grünflächen in sattem Grün gehalten wurden, ohne daß jemand Grenzen zog, um den Verbrauch mit der Einspeisungskapazität von Stauseen und Quellen oder Grundwasserständen abzustimmen. Selbst an vielen Straßenrändern waren Rohre angebracht, die die Luft mit Sprühdüsen kühler hielten. Während die Stauseen,  mit denen der Verbrauch ermöglicht wurde, sich leerten. Nun, wo es auch heiß wird, fehlt das erquickende Naß - und zumindest zum Teil wird es wohl auch nur deshalb heißer. Die einzigen, die sich darüber freuen, sind die Klimaapostel, für die Al Gore's US-Machtstrategie hinter jeder ausgetrockneten Wasserpfütze hervorgrinst. 

[Denn das ist der sehr vermutliche Hintergrund des Hoax von der Klimakatastrophe; in Zeiten einer sich verflüchtigenden Globalmacht Amerikas, das sich seit Jahrzehnten auf geistige (wie in Internet, Überwachung, Patentpolitik), moralische Hintergründe (wie Demokratie, Klimakatastrophe) bzw. Definitionsmacht (wie Medien, Zugang zu Wissen) konzentriert, um auf diese Weise eine andere Art von Vormachtstellung zu behaupten, die militärische Macht, die die USA nicht mehr länger aufrechthalten kann, weil sie gar nicht effizient genug, aber vor allem unfinanzierbar ist, übertrifft. Nur "moralisch" kann Amerika China noch ausbremsen, und "moralisch" hat es Europa kastriert.]





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Seltsames Schweigen

Wie man jüngst allerorten las, habe der Vatikan den neu bestellten französischen Botschafter beim Vatikan abgelehnt. Denn der sei homosexuell. So war zumindst überall zu lesen. Und die einen stöhnten im Orgasmus, weil sich wieder einmal ein Fall bot, der für die Freiheit von Diskriminierung der Homosexuellen zu demonstrieren Gelegenheit gab, und die anderen, weil sich wieder einmal die Rechtgläubigkeit des Papstes erwiesen hatte.

Abgesehen davon, daß dies eine erklärungsbedürftige Reaktion wäre, die im seltsamen Widerspruch zu so manchem Aufruf zur Barmherzigkeit steht. Wo doch der Papst selbst verkündet hat, gleich zu Beginn seines Pontifikats, daß "wenn ein Homosexueller Gott suche - wer sei er, daß er ihn verurteile"?*

Aber bei ein wenig genauerem Studium des Falles bleiben einige seltsame Fragen. Denn Laurent Stefanini, um den es hier geht, hat sich nie öffentlich zur Homosexualität bekannt. Nicht zuvor, und genau so wenig jetzt! Er schweigt vielmehr, was eindeutig für ihn spricht. Denn er läßt sich vor keinen Karren spannen. Und vielleicht sogar aus christlicher Opferhaltung, in der er eine Verleumdung trägt. 

Stefanini war niemals als homosexuell bekannt, fast möchte man sagen: im Gegenteil. Vertrauenswürdige Stellen sagen nämlich, daß es niemals Hinweise dafür gegeben habe.

Bild: www.onepeterfive.com
Gut, er ist nicht verheiratet. Er hat "angenehme" Gesichtszüge. Aber das läßt sich von vielen sagen. Von Stefanini weiß man aber nur, daß er mit etwa 30 Jahren zum Katholizismus konvertierte. Er ist seither bekannt dafür, daß er jeden Sonntag in die Kirche geht, und er gilt einfach als jemand, der an Glaubensfragen sehr interessiert ist. Er ist sogar Delegierter des Außenministers im Malteserorden. Nicht nur das:

"He was in any case 1st counselor of the French Embassy to the Holy See from 2001 to 2005, a post in which he earned the appreciation of the Curia, and occupied the post of special counselor for religious affairs at the French Ministry for Foreign Affairs on his return."



*Neben so manchem anderen, das sich dazu sagen ließe, steht in Wahrheit der oft und oft zu hörende Unsinn am Pranger, daß nur der Homosexuelle sündige, der auch als solcher "tätig" sei. Das ist nicht katholisch. Denn die Tat der Sünde folgt dem Sein, dem Zustand. Homosexualität ist an sich eine Haltung der Seins- weil Naturverfehlung. Wer also sagt, er "sei" homosexuell (nicht: er neige zu dieser Schwäche, so wie jemand weiß, daß er gerne Diebstähle begeht - einen Haltungs- und damit einen Seinsdefekt hat!), ist prinzipiell in (schwerer) Sünde. Man kann also gar nicht das Sein des Homosexuellen "als Homosexueller" von seiner Tat trennen. Die von vielen Moraltheologen und Klerikern vertretene Ansicht, daß Homosexuelität nur dann Sünde sei, wenn sie aktiv ausgeübt werde, ist also prinzipiell eine Häresie, die vielen Moraltheologen ein denkbar schlechtes Zeugnis ausstellt. Die Vergebung der (Tat-)Sünde kann deshalb nur erfolgen, wenn die Zukunft einen anderen Seinszustand - "ich bin KEIN Homosexueller" - in Aussicht stellt. Da geht es nicht um Haarspaltereien! 

Was vielfach nämlich als "Homophobie" bezeichnet wird, ist in den allermeisten Fällen eine positivistische - ja tatsächlich oft fragwürdige - uneigentliche Abgrenzung von der reinen Tat, der Praxis. Was wie die bekannte "stellvertretende Selbstentschuldung" der Sündenbockpraxis wirkt. Ganz salopp formuliert bedeutet es aber sogar (Warnung an die Jugendlichen unter uns: Weglesen! Es wird verbal sehr sehr direkt und hart!) daß es eine viel kleinere Sünde ist (wie viele Tatsünden, die "passieren", sowieso), jemanden "mal in den Arsch zu ficken", als sich als "homosexuell, aber nicht praktizierend" zu bezeichnen.





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Das Volk beweist seine Gutheit

Film über die geläufige (dabei noch mildere Form der) Strafe des Scherens der Haare, durchgeführt durch die Resistance 1945 an Frauen, die mit deutschen Soldaten fraternisiert hatten.





Sehr realistische Filmsequenz der Reaktion der Bevölkerung nach dem Kriegsende in Frankreich auf fraternisierende Frauen.







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Donnerstag, 23. April 2015

Befreiungsbewegung Islam (4)

Teil 4) Wohin Europa deshalb gehen wird





Es gibt diesen Islam gar nicht, oder noch nicht (sic!), von dem so gerne und beschwichtigend als "friedlichem und nur dann eigentlichem Islam" die Rede ist. Denn er ist seinem Wesen weil Ursprung nach eine soziale, eine psycho-soziale, eine anarchisch-auflösende hier, eine positivistisch-moralistisch diktatorische dort, aber er ist keine genuin religiöse Bewegung, sondern eine soziale, die sich einen religiösen Mantel umhängt und mit religiösen Elementen spielt, deren Substanz christliche Provenienz hat, aber Christus nicht kennt.

Und DESHALB hat er seine Zeit für Europa erst vor sich. Denn darin haben sich die Charakterfundamente Europas denen des Islam bereits angeglichen. Erneut wird der Islam für ein Europa, das in Chaos und Irrationalität versinkt, als einfache, simple Lösung, als Rettung und Sicherheit, als Neubeginn durch Lebensordnung erscheinen. 

Weshalb der VdZ auch Michel Houellebecq zustimmt, der Islam und Rechte Bewegungen an einem Strang ziehen sieht. Das sich als Kultur auflösende Europa wird in nicht ferner Zukunft in Angst erstarren, weil es sich einem Chaos gegenübersieht. Und deshalb werden seine Menschen nach Halt suchen. Und den werden sie zum einen in voluntaristischen Bewegungen (wie den "rechten" - die auch "links" sein können; es ist dieselbe Medaille) finden, auf dem Boden - einer wahren Schlangengrube - von Neuheidentum, Protestantismus, Gnostizismus etc. etc. Weil das Menschsein über das Mögliche nicht mehr hinauskommen wird, deshalb zu Pseudologien, zu Simulationen der Inkarnation greift.

Und zum anderen im Islam, der sich nie verändert hat, das auch gar nicht kann, und damit sein altes Konzept einer starren, festen, "sicheren" Lebensordnung anbietet, aber auf denselben psychologischen, geistigen Fundamenten steht wie Europa mittlerweile.

Um sich durch beide Wege in ein Gefühl von Würde zurückzuheben, in dem sie sich über eine Welt stellen, der sie nicht mehr gewachsen sind, die sie nicht mehr verstehen, und die sie erdrückt und als Verlierer sieht. Und vor allem - von ihrer Schuld, ihren Schulden befreit, indem sie meinen, der alten Welt einen Tritt in den Allerwertesten verpassen zu können, um sich von ihr (und ihrem Anteil an der Genese des Chaos) zu trennen. 

Diese Entwicklung, die zu wesentlichen Teilen eine Spielform des Arianismus ist, hält der VdZ für nicht mehr aufhaltbar, und hat nicht zuletzt durch den derzeitigen Papst, der die Auflösung der abendländischen Kultur (die Kultur der Neuen Welt ist selbst eine Häresie, die der Herkunftskultur; die "Theologie der Befreiung" konnte nur in dieser Haltung entstehen) und ihre Simplifizierung (wie der Islam) institutionalisiert, ihren ultimativen Anschub erhalten. Europa hat diese "Bewegung der Befreiung" (aus der Last der vorgegebenen Form) noch vor sich bzw. steckt mitten drin, die Südamerika bereits weitgehend entkatholisiert hat. Wie jede Häresie - über Äquivokation, über dieselben Worte, die nur andere Inhalte haben. Die wahre Revolution, die wahre Häresie läuft im Fleisch. Ex factis, non ex dictis, amici pensandi.

Kultur kann nur auf dem Sein basieren, deshalb nur aus Kult (aus realisiertem Bewegungsbild, sozusagen) hervorgehen, und im Kult (der immer neu das Konkrete aus dem Ursprungsbild befeuert, weil es sonst ins Nichts zurückfällt) bestehen bleiben. Das Sein muß aber real Fleisch werden, und es muß gesehen, präsent, dargestellt und damit "da" sein, um an ihm teilzuhaben. Das muß REAL passieren, kann nicht durch eine anzugleichende Gedankenlandschaft simuliert werden. Gott muß real inkarnieren, und die, die ihn über die Sinne aufnehmen, die an ihn glauben, die Teil an ihm haben, seinem "Bewegungsbild" je neu angeglichen, aus aller Schuld heraus (die nur das Sein vergeben kann), sind (lebendige) Kirche. Nur so bleibt der Mensch, bleibt Kultur im Bestand, wie immer sie konkret aussehen möge, weil sie relativ und immer historisch ist.

Eine Häresie, die eine (teilthetische) Bewegung gegen eine Vollthese ist, kann niemals "friedlich" oder "gleichberechtigt" in einem Kulturkörper koexistieren.  Dieser Gedanke alleine ist absurd. Man kann bestenfalls zu pragmatischen Lösungen kommen. Abgegrenzte Lebensbereiche etwa, offizielle Parallelgesellschaften (die es faktisch ohnehin bereits gibt), zusammengefaßt unter einer Art "Reichsidee", die den bisherigen Staatsbegriff überhöht, und sehr reduziert realpolitisch alle umgreift.

Damit ist der Hauptfeind dieser Bewegung(en) auch klar. Es ist der Katholizismus. Nicht "die Christen". Denn an solchen, die sich so nennen, wird es nicht mangeln. Auch die Arianer haben sich Christen genannt. Kirchenvertreter, die den Islam "einladen", an ihrer Seite zu "koexistieren", wissen gar nicht, was sie tun. Man kann mit dem Islam nicht einfach "koexistieren". Man kann nur Wege suchen, sich gegen ihn zu verteidigen (sic!), auch und gerade ob so vieler längst vorgestellter Weichen, wie der nicht mehr einfach wegzuwischenden Präsenz von Millionen von Muslimen in Europa.

Grund zum Verzweifeln? Gewiß nicht. Dieser Realismus gehört zum Leben auf dieser Erde. Wie stellt einmal Ernst Jünger fest? Jede Kultur hat nur eine erstaunlich kurze Blüte. Der Rest ist Kampf darum. Der Rest ist die Pflicht zu einem "gewagten Leben" im Geist.





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Mittwoch, 22. April 2015

Befreiungsbewegung Islam (3)

Teil 3) Perspektiven





Der Islam war ausgelöst und ausgebreitet von Völkern und unteren Bevölkerungsschichten (Beduinen waren die erste Kerntruppe der Muslime), die das erste mal in ihrer Geschichte, allmählich auch durch religiöse Doktrine geeint und zur umstürzenden (erobernden) Gewalt legitimiert, in der Lage waren, durch sich, durch ihre Art Ansehen und Macht zu erreichen. Der Kampf des christlichen Europa gegen den Islam war in Wahheit ein Kampf gegen eindringende heidnische (Ost-)Völker. Nach den Hunnen, nach den nicht zu vergessenden nordischen heidnischen Völkern (!), waren es bereits unter der Fahne des Islam die arabischen Stämmen, und die ebenfalls zuvor heidnischen Mongolen, und darauf die Türken, die das Christentum schwer bedrängten und mehmals bis an den Rand der Auslöschung brachten. Die asiatischen Völker erneuerten dabei jeweils den islamischen Expansionsdrang, nahmen die so einfache Religion an, die ja im Wesentlichen allgemeine, ausgewählte Sätze über Gott verbreitete, gegen die kaum jemand etwas sagen konnte und die ohne komplexe Verstehensvorgänge einleuchtete.

Der Islam war, wie salopp aber zutreffend von Hilaire Belloc formuliert, "modern" in seinen Ansichten. Und noch heute ist die hohe Affinität von Muslimen und Moderne unübersehbar, man lasse sich da nicht durch (nur scheinbar) antiquierte einzelne Lebensformen täuschen. (Der arabische Frühling ist ein einziges Zeugnis dafür!) Wie modern der Islam war, zeigt sich, daß auch Europa, wiewohl allmählich in Gegenaffekt gesammelt, mit ähnlichen Problemen zu kämpfen begann - wie der Bildersturm (besonders in Byzanz, aber auch Karl der Große war nicht frei davon) bezeugt. 

Während das Medium der sich von der Rede abkoppelnden Schrift - sehr von Karl befördert! - seinen Siegeszug der "nominalen Sprachinhalte" antrat, wie sie uns heute in Internet und social media (ja, eigentlich schon in der Photographie, und damit im Film) in Reinform begegnet.

Eine Neubewertung der Kreuzzüge wäre aus dem Gesagten natürlich höchst an der Zeit, denn sie waren strategisch gesehen (zumindest am Anfang) eine richtige und legitime "Vorwärtsverteidigung" gegen Expansionsstrebungen eines technisch-wirtschaftlich wie (durch asiatische Zuströmungen) militärisch immer mächtigeren, zentralistischen Gegner.* Europa begann zu erwachen, reagierte, und erhielt durch das Neue, das man im Orient sah, einen regelrechten Modernisierungsschub (der in der Reformation, in der Renaissance seinen definitiven geistigen Niederschlag fand).

Aber es unterlag militärisch. Mit weitreichenden Folgen: der Erfolg der Einzelfürsten, der Erfolg der Reformation, ist nicht zuletzt auf die Schwächung der Zentralmacht des Kaisers durch die notwendige Abwehr islamisch-türkischer Angriffe zurückzuführen, die nicht nur Kräfte band, sondern um Kräfte aufzustellen viele Kompromisse notwendig machte. Der Aufstieg des antikaiserlichen, zentralistischen Frankreich zur Zentralmacht Europas im 17. und 18. Jhd. ist sogar direkt auf deren Bündnis mit den "moderneren" Muslimen zurückzuführen. Aber die Haltung Europas gegenüber dem Islam war für fast ein Jahrtausend vergleichbar der Haltung Westeuropas dem Bolschewismus gegenüber.

Beides: Moderne, egalitaristische Bewegungen, deren Anfänge eine einzige Geschichte aus Intrige und Mord ist, in der Emporkömmlinge (pars pro toto: Mohammed war, ob real oder nur als Symbol, Archetyp dieses nach-oben-Kommens und damit Archetyp einer Bewegung; vom Kameltreiber, über reiche Heirat, zum Anführer eines Volkes, zum Gründer einer Religion) nach der Macht griffen. Und sich geschickt alles zunutze machten, was ihnen nutzen konnte. Und beide, übrigens, sind letztlich an der materiellen Überlegenheit des Westens gescheitert, so wie die Türkei, die islamische Welt im 18. Jhd, als sie Europa erstmals nachzuhinken begann, und schließlich verdrängt wurde.

Das Gesagte berührt auch den Kern dessen, was "islamische Toleranz" genannt wird - es war schlicht Pragmatismus. Der Islam selbst war nie tolerant, sondern immer eine positivistische, utopistische Bewegung, die fanatische Charaktere wie magisch weil wesensadäquat anzieht, und aus diesem Wesen heraus nur als Reformbewegung, als Bewegung GEGEN eine Ordnung bestehen kann.  Er wird deshalb immer expansionistisch sein, weil das seine Grundbewegung ist. Er erlischt sonst.

Weil er diese Gefahr damit als Grundgestimmtheit hat, ist verstehbar, warum der Abfall, alles, was sein eigenes Selbstverständnis, seine Identität in der Welt angreifen könnte, diese große Rolle als Todfeind spielt. Von der er anderseits doch abhängt, sodaß der Islam Feinde sucht, sobald er keine mehr hat. Und fehlen sie außen, sucht er sie innen, in der Tendenz zur "radikalen Religiosität" wie in der totalitären Lebensordnung.

Wer deshalb von einer friedlichen Ko-Existenz des Islam in einem ansonsten christlichen Europa spricht, weiß gar nicht, wovon er überhaupt faselt. Das ist gar nicht möglich, weil solcher "Religion" gar nicht MÖGLICH ist, was dem Christentum sogar Essenz bedeutet: die Öffnung zur Wahrheit.



Morgen Teil 4) Wohin Europa deshalb gehen wird


*Die legendäre Freundschaft von Friedrich II. mit dem ägyptischen Sultan war die Sympathie zweier sehr ähnlicher "gottgleicher" Herrschertypen. Ihr persönlicher Wille WAR Gottes Wille - der Kern der Auseinandersetzung mit der Kirche, die auch den Herrscher UNTER dem Recht sieht. Kantorowicz macht in seiner großartigen Biographie Friedrichs kein Hehl daraus. Der Staufer, der dem späteren Absolutismus in Europa (Ludwig XIV., und sogar noch sein Epigone Ludwig II. des Bayern des 19. Jhds, nehmen genau seine Gedanken auf!) die Wege geebnet hat, hat sogar ernsthaft überlegt, sich überhaupt nach Kleinasien zu verpflanzen.





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Der dreifaltige Vertrag

Jedes Seiende trägt in sich die Nachbildung der Dreifaltigkeit. Denn da ist immer ein Enthaltendes, dann ein Erfüllendes, und eines, das als Geist beide - im Geist - verbindet, aber von beiden ausgehen muß.*

Man nehme einen simplen Vertrag, um das zu verdeutlichen. Einer hat etwas (in sich; als Eigentum etc.). Ein anderer erfüllt es aber, "tut" mit ihm (auch wenn das in einem konkreten, gegenständlichen Vertrag wechselseitig sein mag). Aber den Vertrag zu einem Ganzen macht erst der eine Geist, der beide umfassen muß.

Kein Vertrag hält, wenn er nicht vom selben Geist getragen ist. (Um im simplen, veranschaulichenden Beispiel zu bleiben: Wenn beide anderes "meinen", als schriftlich niedergelegt ist, wird kein Vertrag der Welt je seinen Sinn erfüllen. Streitigkeiten vor Gericht sind eigentlich immer Differenzen im Geist, Bruch der Trinität - und nur in dieser Trinität ist etwas geeint, eins.)

Auch bei einem Ding, egal welcher Art, einem Seienden, ist es so, daß es eine Idee gibt, die alles enthält, dann die Ausführung, und dann ein Geist, in dem es real besteht, in dem eine Seite die andere "anhaucht" bzw. "atmet" - hier erfüllt, was es von dort erhält, aber nur dann im Bestand bleibt, so lange es das auch tut, in diesem Geist also besteht. Wollte die Idee nicht geben, bliebe die Ausführung aus. Verweigert die Ausführung die Idee, bleibt ebenfalls nichts. Dieser Geist des "In-für-einander" ist also zum Bestand notwendig.

Jede der Seiten ist damit aber auch aktiv, um den einen Leib - das eigentliche Vertragsverhältnis - im Geist zu erhalten. (Tod heißt ja: Aufhören, im Geist zu bauen!)




*Der Kern der Differenz zur orthodoxen Kirche, der vielen unverständliche Streit ums "filioque", ist darin beschrieben. Das Ausführende wird in der Ostkirche als rein Empfangendes des nur vom Enthaltenden ausgehenden Geistes gesehen. Die weitgehenden, bis ins Praktische gehenden Auswirkungen liegen auf der Hand. Weil sich darin natürlich die Bedeutung der Kirche, ihres obersten Hirten (Papst), der Sakramente, aber sogar des menschlichen Denkens (Philosophie) verändert (weil das Leibliche in seiner Wirkkraft abschwächt; letztlich liegt damit der Protestantismus exakt auf dieser Linie, ist nur noch einige Schritte weiter gegangen).




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Dienstag, 21. April 2015

Befreiungsbewegung Islam (2)

Teil 2) Das Gesicht des Paradieses - sowie: Aspekte und Fußnoten 




Und in diese apokalyptische Stimmung hinein, stieg nun der Islam auf. Und er bot nicht nur die Perspektive der Befreiung, zumindest wurde das auf ihn projeziert, sondern auch eine feste, ganz einfache Lebensordnung. Die noch dazu in vielem ja auf ohnehin Bekanntes zurückgriff. Aber gerade in Spannungszonen Erleichterungen brachte. Wie in Ehefragen, den Fragen des Geschlechterverhältnisses***, Rechtsfragen (immerhin hatte nun jeder Zugang zum Recht), und der Entmachtung der Priester (über die Sakramentenfrage). Der Islam bot sogar nicht nur Simplizität und Sicherheit, sondern wer ihm beitrat wurde Teil einer mächtigen, ja (der bisherigen Ordnung) überlegenen neuen Ordnung.**** Die auf erste gleich einmal das komplizierte, drückende Steuersystem durch ein simples Tributsystem (für Nichtmuslime) ersetzte, das sehr effektiv die Zentralmacht des Kalifen stärkte.

Insgesamt blieb deshalb jahrhundertelang den Unterworfenen viel Interpretationsspielraum. Umso mehr, als die neuen Herrscher schon rein zahlenmäßig, aber auch organisatorisch gar nicht in der Lage waren, die eroberten Gebiete wirklich zu kontrollieren, blieben alte Strukturen aufrecht, und entstand für die Unterworfenen Freiraum, in dem sie auch an den überlieferten religiösen Bräuchen einfach festhalten konnten. Weshalb sich in Syrien oder Mesopotamien auch das Christentum, mit ihm aber auch die griechisch-römische Kultur und Zivilisation, lange unverändert hielt. Nur der Deckmantel war verändert. Der eigentliche Islam durchdrang den Alltag erst allmählich. Und er tat es mit dem (schon rein finanziell ermöglichten) Ansteigen der Macht der Zentrale.

So entstand die islamische Welt, die in den ersten (zentralistischen) Kalifaten aus erwähnten Gründen auch tatsächlich zu blühen vermochte, und enorme Attraktivität gewann. Während AUFGRUND des Islam, der ja einen Kulturraum zerschlug, die nunmehr abgetrennten Randteile Nord- und Mitteleuropa in Primitivität und Armut fiel. Aber Kriege (die Muslime gewannen ja die ersten und entscheidenden Schlachten) fanden zwischen für sich bestehenden Heeren statt, nicht gegen Völker. Vor dem erwähnten Hintergrund ist das auch gar nicht weiter verwunderlich. Für viele nunmehrigen Bewohner einer islamischen Welt, für die Wirtschaft, die Wissenschaft, die Technik, bedeutete die neue Epoche erst einmal das Aufatmen des Abschüttelns von sehr realen Erstarrungen und Bedrückungen.

Völker, Menschen sahen oder sehen Anziehungskräfte anders, und recht praktisch. Der Orient wurde für Europas Völker zum - fernen, abgetrennten, unbekannten - Mythos und Märchenland, zum Paradies irdischer Wohlgenüsse und Wissenschaft, der ihre eigene karge, ja primitive Lebensführung weit hinterherhinkte. Die islamische Welt stand in ihren ersten drei, vier Jahrhunderten bis zum 10. Jhd., als ihre Expansion durch Franken und Normannen gestoppt wurde, in Teilbereichen aber noch bis ins 16., 17. Jhd., in Wohlstand und Zivilisationsniveau dem von Süden und Osten schwer bedrängten (Rest-)Europa bald so gegenüber, wie die heutige westlich-industrialisierte Welt den ärmsten Entwicklungsländern. Sie war intellektuell wie materiell hoffnungslos überlegen. Eigentlich ist es ein Wunder, daß Westeuropa standhielt, was nur über jenes Christentum verstehbar wird, das hier einen todernsten, existentiellen Kampf gegen eine Häresie führte.

Warum sich der Islam in den Osten, also über das römische Reich hinaus mit derselben Geschwindigkeit ausbreitete, obwohl er dort in den mesopotamischen, persischen, afghanischen Völkern, bis an die Grenzen Indiens, andere soziale Bedingungen vorfand? Diese Völker, alle, hatten (und haben) ein sehr spezifisches Verhältnis zu Macht und Religion: ihre traditionelle Haltung konjugiert beides zu einem. (Diesen Punkt - die Rolle der Despotie in orientalischen Gesellschaften - erhellt die hier schon mehrfach zitierte Untersuchung von Wittfogel.) Was bis ins Herrschaftsverständnis von Friedrich II. dem Staufer sowie in die Renaissance wiederhallt. Wenn nun ein Herrscher durch Kriegserfolg an die Macht kommt, wird auch seine Religion angenommen, denn das ist nicht trennbar. 

Aus der Konstellation "gottänlicher/göttlicher Zentralherrscher" und "Volk" (ohne intermittierende Adelsschichte; die wird durch einen abhängigen Beamtenadel ersetzt) ergibt sich auch ein weit weniger individualisiertes Volk, das zur Masse wird, kollektiv reagiert. (Das war schon den alten Griechen Problem.) Von Alexander dem Großen (4. Jhd. v. Chr.) bis Mohammed (7. Jhd. n. Chr.) hatte Europa nach Asien gewirkt, vor allem die dort herrschende Schichte dominiert. Dann schwappte die Welle zurück. Und wurde vor allem durch die enormen Zuströme asiatischer Steppenvölker (v. a. Mongolen und Turkvölker) genährt, die allesamt eines kennzeichnete: Sie waren wilde Kämpfer, die nie durch kulturell verwurzelte Institutionalisierungen und Seßhaftigkeit in ihrer schon ganz natürlich vorgegebenen Brauchbarkeit als Eroberer gehemmt wurden.



Morgen Teil 3) Perspektiven



²Das Erhellungspotential alleine dieses Punktes ist so enorm, daß es schon ausreicht, den Großteil des Islam, ja menschlichen Handelns, und der Geschichte, speziell Europas in der Neuzeit, zu verstehen. Denn darin findet sich die gesamte Haltung der Schöpfung und dem Menschen gegenüber grundgelegt. Im Auseinanderreißen von Welt und Geist, Mensch und Gott, sinkt die Welt ins (manichäisch) Wertlose, Eigengesetzliche, nur mehr "Materielle", während das Heil, das Verhältnis des Menschen zu Gott, wie eine Wolke über allem schwebt, aber keine direkte Verbindung mehr findet. Die Welt wird damit ihrer Heiligkeit ALS ANALOGIE, als Gleichnis Gottes, sodaß die Behandlung des einen die Beziehung zum anderen affiziert, der eigentlichen Grundlage der religiösen Haltung der Menschen, entkleidet. Nicht zuletzt der Kapitalismus, wie er sich entwickelte, geht auf diese in Islam wie Protestantismus neu definierte Inkarnationsfrage zurück. 

*Luther wandte sich ja auch massiv gegen die Bauernaufstände und förderte ihre brutale Niederschlagung.

**Der Zentralismus Ostroms war ja die Reaktion darauf, der Versuch, dieses Auseinanderfallen aufzuhalten.

³Deshalb war es tatsächlich DER fundamentale abendländische Akt, als Schöpfungsakt erster Güte, als Papst Leo III. diesen Frankenkönig Karl überrumpelte, und ihm im Weihnachtshochamt des Jahres 800 überraschend eine Kaiserkrone aufs Haupt drückte. Hier erst wurde - unter dem Druck des Islam - Europa eine Ordnung wiedergegeben, die als Kultur Europa bis heute geprägt weil gestaltet hat.

***Dieser Aspekt wird gemeiniglich übersehen und weit unterschätzt. Es kam im Rom der Kaiserzeit zu einer Emanzipation der Frauen, einer Auflösung der traditionellen Geschlechterverhältnisse, die mit den Zuständen der Gegenwart direkt vergleichbar sind. Während die Rolle der Männer, etwa durch den Wegfall des Militärdienstes (der zunehmend von Zuwanderern, Fremdvölkern erfüllt wurde), der Aufweichung und Auflösung ihrer Dominanz, der Relativierung der Rolle der Väter, der Verweichlichung, der Auflösung sexueller Grenzen, etc. etc., völlig unbestimmt wurde. Die Wurzel jeder Identität, die geschlechtliche Identität, verdunstete genauso, wie es die Religion und damit die Sicherheit des Handelns in der Welt tat.

***Denn er trat mit genau jener Haltung auf, die schon im Arianismus zu beobachten ist: Er war eine Bewegung der "Snobs", und wer ihm beitrat, durfte nun auch Snob, allen überlegen sein. Eine ähnliche Haltung, übrigens, wie sie den sogenannten "Inklusivismus" von Religionen kennzeichnet, der bewirkt, daß eine Religion die Elemente der anderen als "in sich enthalten" bezeichnet, und daraus Überlegenheit (auch in nomineller Unterlegenheit) konstituiert. 





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Nur in häßlichen Zeiten

Verführt von so mancher Unsinnigkeit im Denkgebraucht, gab und gibt es immer wieder Produkte, die sich auf technische Vorteile alleine zu beziehen versuchen. Und bei denen übersehen wird, daß Rationalität nicht Rationalismus bedeutet - Rationalismus aber von der Welt getrenntes Scheindenken, selbst wieder Technik, bedeutet. Aber die Welt ist Welt der Form, und nur aus der Form! Die Form gibt die Funktion, gibt den Zweck, nicht umgekehrt.

Der Smart hatte von Beginn an, seit man ihn erfunden hat, Absatzprobleme. Er hat aber auch von Beginn an reine Funktionalität behauptet. Vielleicht liegt es daran, daß selbst heute immer wieder Gerüchte im Umlauf sind, daß Mercedes seine Produktion einstellen möchte. Die Werbelinie zeigt, daß man offenbar solche elementaren Dinge nach wie vor ignoriert.  Nach wie vor fällt sogar dem Hersteller nichts zu dem Produkt ein - als technisch vereinzelte Vorteile. Wer soll so ein Produkt lieben, wenn es nicht einmal der Hersteller tut? Denn man kann nur Gestalten lieben.

Selbst wenn man eine bestimmte rationalistische Zielgruppe annehmen kann - sie hat keine Fruchtbarkeit, ist also immer neu aus dem Lebensgrund der Welt herauszuschlagen, ohne daß sie je Wurzeln schlägt. Man kann auch Autos nur dann verkaufen, wenn ihre Form in der Gestalt des Menschen da ist. Die Zeit, die solche Gestalten atmet, möge auch nie kommen.


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Montag, 20. April 2015

Befreiungsbewegung Islam (1)

Das Erstaunliche, schreibt Hilaire Belloc in "The Great Heresies", ist nicht, daß der Islam sich derartig rasch im 7. Jhd. ausbreiten konnte. Das Erstaunliche war eher, daß er doch so nachhaltig auf Widerstand stieß. Denn er paßte auf die gesellschaftliche Situation der unterworfenen Länder, Völker, Gebiete, wie die Faust aufs Auge. Er war nicht nur eine Reformation, die mit der Reformation unter Luther (zuvor: Husz! auch das eine soziale Bewegung, die sich religiös unterfütterte; so wie sämtliche der "Erneuerungsbewegungen" in der Kirche im 11.-13. Jhd. - welche Parallelen zur Gegenwart!) völlig vergleichbar in Europa über den Kontinent brauste, mit genau derselben rasenden Geschwindigkeit. Er war eine Bewegung der Hoffnung auf eine Befreiung aus schwieriger Lebenslage.

Denn das römische Reich (und man möge das alles ins späte Mittelalter sowie in die Gegenwart übertragen, nur die Begriffe wechseln) stöhnte unter hoher Steuerlast, weit ausgebreiteter Sklaverei (siehe: Fronarbeit der Bauern, und ihre gesellschaftliche Stellung), einem hoch komplexen Rechtssystem, das dem einfachen Volk kaum direkten Zutritt gewährte, hoher Verschuldung, und noch dazu einem offenbar hoch komplexen Glaubenssystem, das der einfache, ungebildete Mann kaum nachvollziehen konnte. Dazu kam ein hochkomplexes gesellschaftlich-hierarchisches System, dem einerseits die alten Sicherheiten abhanden gekommen waren, und anderseits fast "wilde" Abhängigkeits- und Unterordnungsverhältnisse brachte.

Der Islam hingegen faßte die Grundlehren des Vorhandenen - der Kirche, des Christentums - in einigen Kernaussagen über Gott zusammen (weshalb Belloc den Islam sehr wohl als katholische Häresie sieht), simplifizierte ihn allerdings entscheidend. (s.u. Exkurs)

Indem er alles ablehnte, was kompliziert zu verstehen war: Die Dreifaltigkeit, Sakramente, Gnadenlehre, natürlich die konkrete kirchliche Struktur, und das Allerschwierigste, weil es immer ein Geheimnis bleibt, aber das Entscheidendste: die Inkarnation Gottes in Jesus Christus.² Dazu mischte er Fragmente alter, heidnischer Religionen, von denen sich niemand trennen wollte, behandelte mit vergleichbarer "Sorgfalt" solche aus dem christlichen Raum, wie die Jungfräulichkeit Mariens, kompilierte das alles zu festen Lebensregeln, und fertig war die "neue Religion".

Da kam also ein simpler, heidnischer Ziegenhirte aus der Wüste (Belloc geht von der Historizität Mohammeds aus; daß dies ein höchst heikler, fraglicher Punkt ist, wird an dieser Stelle noch behandelt werden) - Signal für die "Unterdrückten aller Völker", Symbol für die reale Gleichheit aller Menschen, fast so etwas wie ein "amerikanischer Traum" (!) - und reduzierte die jüdische und katholische Doktrin, soweit er sie überhaupt kannte (nicht selten kennen Reformatoren, Neugründer das Abgelehnte gar nicht wirklich), so radikal, daß sie der einfache Mann von der Straße plötzlich "verstehen" konnte. Häresien haben den seltsam erscheinenden Zug an sich, verstandesmäßig "leichter" als die Ausgangsthese zu verstehen zu sein.

Schon gar, weil diese neue Religion der Sehnsucht nach Befreiung von so manchem als Bedrückung Erlebten versprach. Da spielte es gar nicht so viel Rolle, daß in der Praxis diese Hoffnung gar nicht so einfach erfüllt wurden - der Mythos des Islam, sein Ruf war entscheidend. Das war ja im Protestantismus auch nicht anders. Und dann war da diese höchst simpel nachvollziehbare Lebensordnung, die der Islam anbot. Nun war alles geregelt und übersichtlich. Während im Römischen Reich soziale Gewißheiten, Gewißheiten des alltäglichen Handelns, in der Auflösung weitgehend verdunstet waren.** 

Das Gefühl der (nach)antiken Zeit war ja, wie viele Quellen übereinstimmend berichten, ein Verschwinden aller Sicher- und Gewißheiten. Das Zerfall Roms, das Einwandern großer Menschenmassen ("Völkerwanderung"), die Bedrohung durch Hunnen und Germanen, die die frühere Homogenität der Menschen und Völker, auch religiös auseinanderriß, wurde von der damaligen Welt als Untergang, als Apokalypse empfunden. Denn DIE WELT - das WAR ROM. Nach ihm? Konnte nur noch das Ende kommen.³

Morgen Teil 2) Das Gesicht des Paradieses - sowie: Aspekte und Fußnoten



(Exkurs) Paul Feldkeller zeigt, wie sich bei Häresien immer die Vieldeutigkeit der ursprünglichen religiösen - plurivoken - Begriffe in nominale Eindeutigkeiten aufspaltet, und damit der Inhalt simplifizierend verarmt. Zwar werden dann oft sogar noch die gleichen Begriffe verwendet, aber ihre Bedeutung und damit ihr Verständnis ist verändert. Denn der Häretiker hat etwas im Gefühlsleben, im Abstraktionsvermögen NICHT MEHR, was die ursprüngliche Unschuld der Vollbegrifflichkeiten noch hatte. Nehmen wir die Ablehnung von Bildern im Islam, aber auch anderswo: Der Vorwurf, die Christen würden Bilder als Fetische "anbeten", trifft wohl auf die Kritiker zu, weil sie deren eigene Sichtweise ist, nicht aber auf die Christen (oder zumindest nicht auf die verkündete Lehre).

Durch diesen, auch im zwischenmenschlichen Umgang bekannten Vorgang kann sogar der Träger des ursprünglichen synthetischen Begriffs bei der Abwehr in die Gefahr der einseitigen Häresie geraten, damit zur Anti-Antithese zu werden. Ferdinand Ebner meint genau das, wenn er etwa als Beispiel davor warnt, dem Feminismus mit Anti-Feminismus zu begegnen.   

Um einer Häresie zu begegnen, muß man aber die Antithese nicht nur denken können, sondern auch die Vollthese der Unschuld entreißen. Darum feiern so gut wie immer häretische Gedanken, die sich ja eines Aspektes der Vollthese bedienen, den Teil aber fürs Ganze setzen, aufs erste große Erfolge. Während der Träger des ursprünglichen Vollbegriffs diesen nun erst auf neuer Ebene rekonstruieren muß, sofern das überhaupt geht. Rückschlüsse auf eine zersetzende Wirkung der Massenmedien oder gar des Internet, der social media zu ziehen, ist ausdrücklich vom VDZ gewollt.




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