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Sonntag, 31. Mai 2015

Erst ist man Türke, Deutscher oder Franzose

Es wird zuweilen gerne davon geredet, daß es DEN Deutschen, DEN Iren, DEN Franzosen, DEN Türken, DEN Österreicher nicht gebe. Denn es lebten in diesen Staaten doch sehr viele unterschiedliche Mensche, Volkschaften, Gruppen, und die seien alle gesondert zu betrachten. 

Mit Verlaub, das ist ein Irrtum, der nicht der katholischen, in der Tradition der philosophia perennis stehenden Anthropologie entspricht, wie sie etwa Johannes Messner in seiner großartigen Gesamtschau "Das Naturrecht" umfassend dargelegt hat. Vielmehr stammt diese Aussage aus der der Aufklärung entsprungenen Umkehr aller Dinge, in der die Welt atomistisch aus dem Kleinen aufbauend neu definiert wurde. Entsprechend wird der Mensch individualistisch gesehen, und alle Gemeinschaft, der er zugehört, wird mit Vertragsverhältnissen definiert. 

Aber das ist falsch, so ist die Welt nicht, und das ist auch nicht die Wirklichkeit: Es ist erst das Ganze, das dann das Einzelne "als" etwas in der Welt bestimmt, und seine Beziehungen, in die er "geworfen" ist (meinetwegen mag man es hier so nennen), ergeben sich aus diesem Gefügeganzen. Dessen Teile zwar je auch ein Eigensein haben, so wie es eine Leber oder eine Milz gibt, die Eigengesetzt haben, über ihren Platz im Insgesamt des Organismus, aber vom Ganzen nicht getrennt werden können. Auf das sich dieses Eigensein bezieht, und von dem her es in seiner Identität bestimmt ist. Nimmt man diese Entitäten aus dem Ganzen heraus, sind sie nicht mehr lebensfähig. Denn Leben heißt - Beziehung leben, in Beziehung sein.

Wenn auch die menschliche Grundkonzeption das Personsein ist, so ist dessen Aktuierung von zwei Dingen grundlegend bestimmt, deren erste ... der Staat ist, deren gewissermaßen physische Aktuierung dann in der integer zu sein habenden Familie stattfindet. Aus der heraus er dann als Erwachsener seinen eigenen Platz in der Gesellschaft einnimmt. Dieser Platz aber, damit die Identität, bezieht sich zu allererst aus und auf den Staat. Der erst alle Bewohner einer Region, eines Volkes, bestimmt, auf den sich alles bezieht, was dann der Einzelne als Aufgabe und Bezugsgröße vorfindet. Aus denen heraus, in die hinein er sich dann entwickelt. Hat er das nicht, ist seine Entwicklung bestenfalls unbestimmter Wildwuchs. Umgekehrt ist ein Staat dann gerecht, wenn er Bedingungen schafft, schützt, bietet, in denen sich seine Teile zu ihrem Eigensein - im Rahmen des Gesamtseins, das Vorrang in der Wertehierarchie hat - zur Vollkommenheit hin entwickeln können. Vorrang deshalb, weil eben der Mensch Sozialwesen IST, und deshalb das Gemeinwohl, das Insgesamt auch die individuellen Entfaltungswillen voraussetzt wie die Entfaltung mit sich bringt und ermöglicht. Aus demselben Grund gibt es gegenseitige Verantwortung zwischen Staat und dem Einzelnen: die Fehlentwicklung des einen beträfe direkt die Entfaltung des anderen.

Zwischen Staat und Einzelnem muß also ein Vertrauensverhältnis bestehen bzw. sich entwickeln können. Und dieses ist nur auf der Grundlage der Religion möglich, weil das Verhältnis zum Sein überhaupt - das Sein ist auf anderer Ebene das alles umfassende, ursprüngliche Du eines Jeden; ohne Gott würde alles ins Nichts fallen, auch und vor allem der Mensch, und mit ihm die Schöpfung (das ist nicht trennbar!) - alles in seiner ersten und tiefsten Tiefe bestimmt. Nur, wenn dieser Bezugspunkt für Staat (in seiner Repräsentanz in der Politik) wie Einzelnen gleich ist, kann sich gedeihliches Zueinander entwickeln. In diesem Sinn ist eine Trennung von Politik und Religion gar nicht möglich, denn Politik IST realisierte Ethik. Recht IST Person (wie Rosmini so einleuchtend, wenn auch nicht auf leichten Anlauf hin verstehbar, darlegt), Person (als fundamentale soziale Dimension) IST Recht. So, wie der Staat nur als Person vorstellbar ist. 

Und als solche ist er mit einem auf die regionalen, landschaftlichen, klimatischen, nachbarlichen Gegebenheiten bezogenen Gewese mit einem bestimmten Charakter ausgestattet. Noch völlig unabhängig davon, wie seine Bevölkerungsteile aussehen, auf die er ja als humane (kulturelle) Erscheinung in jedem Fall bezogen ist. Genau so, wie es ihn ohne ehelichen, unauflösbaren Bezug zu Boden, Landschaft etc. nicht geben kann, weil auch das Menschsein diesen Bezug unabdingbar braucht.*

Es ist also DER Türke, DER Deutsche, DER Spanier ZUERST da, gleichgültig, wieviele Volkschaften, Stämme und Familien in einem Staat leben mögen, und gleichgültig, wie "unterschiedlich" sie auch sind. Zuerst ist der Nomos, das Beziehungs- und Wertegefüge, dann der Einzelne, auch wenn das Gesamte AUS den Einzelnen besteht. Dann erst wird ein Mehmed, Bernhard oder José - wozu ihn die Gemeinschaft als einen der ihren ruft. Die ihm den Namen, das Zubehör zum Personsein als Aufruf, ein Name zu sein, diese zu erfüllen, als Vorgabe, gibt. 

Das er dann ins Individuelle hinein sich aneignet (das aber wieder immer nur individuell DURCH und in seinen Bezügen in einem Ganzen ist), und damit (als Durchtränkung vorstellbar) das Wesen von Gemeinschaft verwandelt - aktuiert. Jenes Entitätengemenge, in welche jeweils hinein er sich transzendieren muß, um Individuum zu werden. Und sei es als Gegenpol, als Außenstehender - auch der Eremit, der Einsiedler, ja gerade er ist nämlich auf ein Insgesamt, auf das Universale nämlich, bezogen, in dem das Einzelne keineswegs fehlt, sondern das es lediglich über- bzw. miteinbegreift.

Aber der Staat ist eine Analogie zum Reich Gottes, der Kirche,** der ontischen Gesamtordnung des Kosmos, ohne die kein Mensch in seinem ganzen Bemöge geglückt zu leben vermag.*** Sie ist jenes Du, aus dem sich das Ich nach und nach gleichfalls aktuiert, weil sich in diesem Individualsein die vollkommenste Analogie zur Freiheit als Person - Gott ähnlich - ausbildet. Eine Freiheit, die aber nur als Bezug auf das Ganze real ist, sonst bloße unerfüllte Möglichkeit bleibt. Was auch ein Mensch deshalb zu tun hat, in welche Aufgabe hinein er sich transzendiert, um durch sein Sterben zu leben: Es ist auf die Gemeinschaft bezogen, den Staat, die Kirche.




*Der sogenannte Weltbürger, der Kosmopolit, ist nicht der, der zu nichts Gebundenheit und eheliche Beziehung hat, sondern der, der sie ZU ALLEM hat. Deshalb wird nicht jeder, der viel reist, oder Wohnsitze von New York bis Thailand hat, automatisch Kosmopolit. Gerade heute sind das sogar die entsetztlichsten Spießerkreaturen, die mit NICHTS verheiratet sind, und das zum Kosmopolitentum umschönen. Denn der Entwurzelte (!) ist der prototypische Kleinbürger, und seine politische Tendenz kann gar nicht anders sein als totalitär, weil ihm jenes Sein fehlt, das ihm als Du das Ich gibt, sodaß er immer im Nichts schwebt, aus dem er sich krampfhaft zu befreien sucht. Nur wer sich eingeborgen weiß in das Sein selbst - und damit in die Vorsehung der unendlichen Vernunft, die die Wirklichkeit von allem ist, und die erst etwas in Teilhaberschaft wirklich macht - hat jene Gelassenheit, in der er liebend um das Relative, aber auch den Ernst des Irdischen als Ort der Wirklichung weiß, ohne es zu verachten.

**Aus dieser ontologischen Tatsache heraus werden jene Strömungen zumindest verständlich, die den Staat vergöttlichen wollen oder wollten. Denn es sind zwar die ontologischen Gegebenheiten, die die Kategorien des menschlichen Seins tragen. Es ist aber Aufgabe der Sittlichkeit des Menschen, diese Gegebenheiten zu aktuieren. Und Sittlichkeit bedeutet ständiges Loslassenkönnen des Irdischen, weil der Primat der Gottesliebe, der Wille Gottes, der ordo, die Vorsehung über allem steht, einerseits, aber anderseits zu wissen, daß die ernste, selbsthingebende Wirklichung eines Konkreten, einer in der Zeit gestellten Aufgabe, genau dieser Ort des Hineinwesens ins Leben selbst ist.

***Das steht hinter der Reichsidee, in der die gesamte Erde unter einem Herrscher zu stehen käme, und nur daraus wäre eine Weltregierung gerechtfertigt weil legitim. Aber genau deshalb tendiert die Menschheit - immer, zu allen Zeiten - zu einer solchen Weltregierung, auch wenn sie sie meist als Karikatur versucht: weil der Mensch in seinem Sein darauf bezogen ist, und nur daraus existiert. Ohne diesen Bezug auf die Kirche aber, ohne diese Anähnlichung, KANN dabei gar nichts anderes als Zentralismus entstehen - und der ist widermenschlich. Deshalb hat die Kirche historisch belegt bis in die Neuzeit hinein immer den Gegenpol gegen solche politischen Tendenzen geboten, wo sie nicht ZUERST auf diesen göttlichen, universalen Ordo ausgerichtet war.





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Von Liebe versteht er schon gar nichts (1b)

Teil 1b) Aktueller Nachtrag & Anmerkungen und Exkurs




Aktueller Nachtrag - Der VdZ hat lange überlegt, diese neuerliche und schwere Kritik am Papst ins Netz zu stellen. Mal hat er sie wieder rausgenommen, mal wieder in die Planung gestellt.  Sein Blog ist ja meist drei, vier, fünf oder mehr Wochen im voraus "magaziniert". Und gerade, als er wieder Zweifel hatte, das war am 29. Mai, schaute er doch einmal auf kath.net vorbei. Und es stockte ihm der Atem. Denn dort las er von einem "Geheimtreffen" im Vatikan, für das die Bischofskonferenzen der teilnehmenden Bischöfe sogar die Spesen sämtlicher, an den "Hintergrundgesprächen" teilnehmender Journalisten bezahlt hat. Das auf kath.net mit dem Titel firmiert, daß die "Theologie des Leibes" durch eine "Theologie der Liebe" ersetzt werden solle. Damit war der Würfel gefallen. Die Kritik WIRD veröffentlicht. Denn was sich da anbahnt ist keineswegs zufällig oder bloßer Ausritt einiger Bischöfe. Es ist im aberwitzigen Verhalten des Papstes bei der ersten Familiensynode vom letzten Oktober begründet, ja wurde von ihm regelrecht provoziert. Nicht bewußt, nicht gewollt? Dann hat so ein Mann am Papststuhl schon gar nichts zu suchen, wenn er gar nicht weiß, was er tut. Denn solche Folgen sind jedem Menschen mit auch nur ein wenig Verstand klargewesen, sie sind das übliche Procedere dieses Papstes.



Anmerkungen

*Und seine erste eigene Enzyklika zeigt das ja sogar: wo er pastorale Ratschläge gibt, die einen nur noch verwundern können. Es ist eben mangels Sachkenntnis der einzige ihm mögliche Ansatz: Machtanwendung. Denn Macht - Pastoral ist eine Machtanwendung - hat die Autorität verdrängt. Die Autorität des Amtes tritt er sogar mit Füßen. Etwa, in dem er "offene Diskussionen" fördert. Plötzlich brechen weltweit Diskussionen über Familien- und Ehepastoral auf, als wäre das auch nur einen Zentimeter weit disponibel. 

Und überläßt die Menschen einerseits der Angst, daß die Wahrheit sich verdünnisiert, weshalb sie sich plötzlich berufen fühlen, sie zu "fordern", gegenüber anderseits der offensichtlichen Lust, in der manche "ihre Stunde" wittern, sie ändern oder beeinflussen zu können. Denn wie etwa Robert Spaemann es völlig richtig ausdrückte: Man weiß einfach nicht mehr, wofür der Papst steht. Und man vertraut auch nicht mehr, das ist das Entscheidende. Man erlebt nämlich einen fast willkürlich gewordenen Machtaspekt, und nicht mehr die Autorität des Lehramts. Befinden wir uns plötzlich in einem Fußballstadion, wo die Zuschauer als zwölfter Mann in der Frage von Sieg oder Niederlage mitwirken müssen? Müssen wir zukünftig mit Papstentscheidungen leben, wie man mit Fußballergebnissen leben muß, die auch "sakrosankt" sind und die Meisterschaft entscheiden? 

Und wieviele zittern vor der nächsten angekündigen Enzyklika zu Umwelt und Klimawandel!? Die Vorzeichen derzeit sind alles andere als beruhigend. Denn es droht das nächste Quasi-Dogma der Pastoral, nicht die Enthüllung von Wahrheit. (Geschrieben vom VdZ Anfang Mai 2015)

**Ein Urteil, das sich Robert Spaemann ALS Philosoph im übrigen nicht gestattet. Wer seine jüngste kritische Stellungnahme zum Papst (in der Sonderausgabe der Herder-Korrespondenz zum "Phänomen Franziskus") liest wird feststellen, wie vorsichtig er ist, genau KEIN persönliches Urteil zu äußern. Nur wird er mit dieser seinem Beruf, seinem Stand angemessenen Noblesse der realen Sache gar nicht mehr gerecht. Dazu braucht es längst so Drecknudeln wie den VdZ. Bestimmte Argumente brauchen keine Gegenargumente, sondern Zurechtweisung, sagt Sokrates. Dieser Papst spielt mit der Ambivalenz des Menschen, und das macht ihn so perfide.

Deshalb hat Spaemann zwar der Sache nach recht, nicht aber formal, wenn er sagt daß er glaube, daß der Papst nicht viel lese. Das glaubt der VdZ nämlich nicht, Bergoglio HAT (nominell) viel gelesen, und liest viel, daran hat er keinen Zweifel. Nur hat er anders gelesen, wie Spaemann meint, und was man eigentlich damit meint. Er hat so gelesen, und liest so, wie die Internetgeneration, der Narziß liest: als nie ruhendes, zweckhaftes Zusammensuchen von Gedanken, mit denen man sein virtuelles Außen, sein "Verhalten" flickschustern, noch blickdichter und gegen jede Seite unangreifbar machen kann. Wilhelm Raabe beschreibt das einmal so ausgezeichnet in einem seiner Romane. Es ist das berühmte Erkennen, daß man nackt ist, weshalb man sich zu verbergen sucht.  



Morgen Teil 2) Die Pathologie eines Menschen wird dogmatische Struktur





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Von Liebe versteht er schon gar nichts (1a)

"Es gehört sich, daß eine vertrauliche Mahnung der öffentlichen Anzeige des Fehlenden voraufgeht, 
dort, wo die Sünden verborgen sind und nicht gegen das Gemeingut gehen; 
(auch zur Schonung des guten Rufs, obzwar das Gewissen höhersteht. 
Dann, weil EIN 'Verrufener auch die anderen in Verruf bringt);  
wo aber die Sünden öffentlich sind oder die verborgenen gegen das Gemeinwohl begangen wurden, 
ist nicht immer nötig, daß eine vertrauliche Warnung (secreta admonitione) voraufgeht, 
sondern ist zuweilen mit Utnerlassung der geheimen Vermahnung zur Anzeige zu schreiten." 


Thomas v. Aquin, Summa theologica III, q. 33

"Die an sich sittlich schlechte Traurigkeit ist über das vorhanden, 
was anscheinend bös und in Wahrheit gut ist: 
gerade wie im Gegenteil es die sittlich schlechte Freuung über das gibt, 
was im Anschein gut und in Wahrheit bös ist. Da nun das geistige Gut wahrhaft gut ist, 
so ist die Traurigkeit, die über ein geistiges Gut vorhanden ist, an sich sittlich schlecht. 
Aber die Traurigkeit, die es über das wahrhaft Böse gibt,
 ist der Wirkung nach sittlich schlecht, 
wenn sie den Menshen dergestalt beschwert,
 daß sie ihn gänzlich vom Guten Werke wegzieht-"

Thomas v. Aquin, Summa theologica III, q. 35

Dort aber erst hat es begonnen, das Menschsein, 
es ist mir durch die Gedärm gefahren wie ein Blitz, 
und das erste mal hab ich ihm in die Augen geschaut, 
dem Herren Jesu - wo ich mich zum Urteilen erhoben hab, 
weil einen erst das zum Ebenbild Gottes macht, 
und fahrenlassen hab diese Sucherei nach Sicherheit und Trost 
im trockenen Geflecht sturer Wort;
itzo war ich das erst mal Mensch,
wo ich mich ausgliefert hab ihm selber -
und es erst itzo können hab, 
weil ich erst itzo ein Ich gwesen bin, 
nur aus ihm sölba - 
wo ich gschrieen hab bis in die Nacht
weil ich g'wusst hab daß ich ihn brauch, wie noch nie -
erbarm Dich meiner!
Und am nächsten Tag in der Frauh,
da hab ich's Schwert zogen.

Antonio della Caraffa, "Aus meim Lebn", sent. 87
Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden.
Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate. Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer wagt es, mit mir zu streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran. Seht her, Gott, der Herr, wird mir helfen.

Aus der Karfreitagslesung, Jes. 50, 5-9a



Es gibt sie nicht, "die Liebe", so wie es ein Ding gibt, den Bodennagel oder die Tischvase oder das Musterpicket. Sie wirkt wie der Essig einer in Essig eingelegte Gurke, die diese Gurke Gurke sein läßt, aber noch mehr sogar Aroma betont, obwol sie von Essig durchdränkt ist. Und damit stirbt auch die Nagelprobe zu den gemachten Behauptungen - das, was man unter dem schwachsinnigen Stichwort von der "globalisierten Liebe" den Menschen seit langem um die Ohren drischt. Womit wir nämlich wieder bei diesen selbst wiederlegenden Papstworten sind.

Es gibt keinen Liebesakt, den man als solche isolieren könnte, und der von einer konkreten Tat abzulösen wäre. Diese konkrete Tat aber muß wahr sein, erst dann ist sie überhaupt von Liebe möglich zu durchtränken. Sie ist nicht abstrahierbar, vom konkreten Lebensvollzug abzutrennen, oer auf Indianerstämme in Brasilien oder Arme in Slums von Sao Paolol, und auch nicht auf Flüchtlinge im  Mittelmeer zu übertragen. Das wird auch nicht andes, wenn ich hinfahre, um einen persönlichen Eindruck zu gewinnen. Ihre Wahrheit erschließt sich aus dem personalen Gegenüber, das nie anders möglich ist als ein Beziehung-Sein im Rahmen einer sachlichen, durch eines Stellung und Position - Verortung - definierte Beziehungsgestalt, die Geber wie Empfänger einbezieht, auf die hin sich beide transzendieren, und damit ihren Platz einnehmen, so, wie er sich aus der Sachlichkeit erschließt, und in der Kultur zur Gestalt kommt. Und nur dort, in diesem persönlichen Akt, liegt auch der Ort des Einbruchs der Gnade, der zeitlosen vertikalen Dimension, die alles durchdringt - oder nicht. Wir haben nicht "die Welt" (und auch nicht "die Kirche") zu retten, sondern unsere Heiligung zu erwirken. In jener Welt, die uns jeden Moment so eng umgibt, wie den Fisch das Wasser.

Ein kulturloses Abschmuddeln irgendwelcher Kinder hat deshalb nichts von Liebe, sondern von Niedrigkeit und Nichtung. Und wenn es der Papst noch tausend mal macht. Der hat nicht abzuschmuddeln, der hat Papst zu sein - höchste Autorität der Gnadenvermittlung, Schlüssel zur Quelle der Gnade, von der alles ausgeht. Der man nicht mit primitiven Jubelrufen und barbarischem Applaus begegnet, oder der man seine Hand entgegenreckt, damit sie der Mann betatsche. Deshalb ist dieser Papst ein regelrechter Vernichter von Autorität, der Schaden ist gar nicht mehr gutzumachen.

Und ein Lügner ist er obendrein. Denn was er jüngst über die Liebe sagte, ist nur dem Worte nach richtig, mit dem er perfide spielt, das ist schon alles. Denn diesem fehlt jene Sinn-Bestimmtheit, die Wort erst wahr machte, und wie immer und üblich beim Argentinier nach allen Seiten definierbar bleibt, und demnach weit mehr verwirrt als in der Wahrheit bestärkt. Das wird auch nicht besser, in dem man Abstrakta - "Dialog" etc. etc. - zu Dingen macht, im Gegenteil, wie er es ja gerne tut. Denn auch ein Dialog (etc.) ist ohne Sinngefüge, ohne ganz konkrete Sachlichkeit realer menschlicher und definierter Beziehungen nicht denkbar, in ihrer je adäquaten und erst damit konkreten Ebene, sondern Verstiegenheit. Wer aber nicht die Wahrheit sagt, weil er nicht kann oder nicht will, der lügt.

Deshalb hat der Bäcker nicht herauszutreten aus seinem Backladen und "zu lieben, indem er Dialog führt", sondern mit Liebe und Hingabe seine Brötchen zu backen, und in nettes Papier zuwickeln, und einen fairen Preis zu verlangen. Deshalb hat der Schuster seine Absätze besonders gut zu doppeln, der Lehrer zu lehren, der Förster zu förstern, und er Soldat bemüht sich, genauer zu schießen. Dort ist jedes Platz zu lieben, im konkreten, historischen Gegenüber, dem er in der Wahrheit, das heißt in größmöglicher Sachlichkeit begegnet, und erfüllt, was sich aus seinem konkreten Platz in diesem immer hierarchischen Ordnungsgefüge Welt, das darin ein Wiederhall der göttlichen Ordnung ist, ergibt. Jedes Wohlwollen kann sich nur auf diese objektive, sachliche Wirklichkeit beziehen, die sich aus den Beziehungen von Personen (ein Euphemismus, weil Person eigentlich Beziehungstrage ist) ergibt, und das heißt: aus ihren (immer historisch verorteten) Aufgaben "am anderen"; in dieser (noch einmal: historisch verorteten) Hingabe ans Du. Es ist diese objektive Wirklichkeit, die das Maß der Liebe definiert.

Somit gibt es strenggenommen auch gar keine "konkrete Liebestat" - wenn es nicht eine konkrete Tat innerhalb des Auftrags des Menschen an der Schöpfung ist. Sein Seelenheil, formuliert es Romano Guardini einmal,  liegt darin dafür zu sorgen, daß wie Welt "richtig" wird vor Gott. In der Wahrheit, denn dazu muß ich die Welt eben erkennen. Und erkennen wollen. Das sind dann auch die Pole der Liebe. Er muß sehen, wie sie ist, schreibt er in "Person und Welt", und ihren Möglichkeiten standhalten: der Wirklichkeit treu sein, nicht einfach dem Zufälligen. Aber dazu muß man sich (und die Erscheinungen) "foltern", läutern. Der Wille Gottes schwebt nicht über der Welt, Liebe ist damit auch nicht etwas, das auch noch irgendwie in die Welt zu drängen ist, als Ding unter anderen, sondern der Wille Gottes zeigt sich darin, daß die Welt ist wie sie ist.

Nur aus dieser Weltzugewandtheit heraus ist die abendländische Kultur so stark und überlegen geworden, daß die ganze Welt versucht sie zu imitieren, meist aber ohne zu begreifen, daß diese Stärke aus der Religion kommt, nicht aus Methoden aus autonomen "Gesetzen" und Maßregeln oder durch glückliche Umstände. Die waren in Europa nämlich keíneswegs einfach da. Die wurden geschaffen. Und aus demselben Grund verspielen wir sie in Europa wieder, weil wir uns an dieser Macht berauscht haben, bis wir sie für bloß weltimmanent hielten, bestenfalls noch von außen versuchen, verdinglichte aber nur abstrakt bleibende "christliche Werte" in sie hineinzustopfen. Oder gar so tun, als würden diese auch ohne Sachgesetzlichkeiten funktionieren. Als christliche Methode vielleicht.

Aber sagt er das nicht, wenn er sagt: Wahre Liebe ist konkret und teilt sich mit? Ahja. Mit Dialog und so, erklärt er dann aber gleich weiter. Eben, er läßt nicht nur offen, sondern vermittelt (auch durch das, was er selber tut, und wie er es tut: als käme es nämlich auf die Form nicht an) den Eindruck, es GÄBE solche Akte der Liebe. Das meint er nämlich mit konkret, und widerspricht sich somit sofort wieder. Denn für ihn IST es eindeutig Methode (das zeigen auch seine wenigen Schriften), ist auch Liebe eine Methode, die jedes Sachgesetz (und für Sachgesetze interessiert er sich ganz offensichtlich nicht, in vielen Äußerungen hat er sogar explizit betont, daß es aufs Konkrete - als Sachgemäßes - dann doch nicht ankomme, nur "auf die Liebe ...") außer Kraft setzt. Das nennt er dann sogar noch pastoral.* Denn Dialog ist - mein Tun! Mein Backen als Bäcker, mein Feilbieten von Würsten, mein Erziehen der Kinder, mein Streiten um die Wasserleitung. DAS ist mein Dialog. Und einen anderen gibt es nicht. Er bezieht sich auf jene Wesensheit, die mir den Namen gibt, Bäcker, Hofstätter, Taubenzüchterverbandsobmann, die ich sein muß.

Was für ein Wortjongleur. Mit der Linken gibt er, was er mit der Rechten wieder nimmt. Das nenne man Schizoidität (die eine Form der Lüge ist.) Mit Abstrakta - der Bäcker teilt sich eben mit! durch seine Brötchen! - hantieren, die man dann zu konkreten Handlungen, konkreten Dingen hochsimuliert. Und durch vorbeugende "Ausschließung" (Stichwort Gnosis, vor der er natürlich warnt - und macht genau das!) dem Rezipienten gleich vorbeugend jedes Werkzeug der Reflexion zertrümmern. Das ganze Repertoirium auch der Früchte und Güter des Heiligen wird dazu hergenommen. Liebe, Barmherzigkeit, Auf-die-Menschen-zugehen, etc. etc. - allesamt Abstrakta. Die aber ganz andere konkrete Namen, als Handlung habe, als das wörtliche "Zugehen auf die Menschen", etwa in dem man sie privat anruft oder ihnen am Petersplatz einen Schmatz auf die Wange drückt. Das alles ist ein Abstraktum, wenn man es als "Dialog" erkennt. Dialog ist kein Ding, das man anstreben kann.

Und der Witz bei der Sache ist: auch diese Aussagen hier können nicht absolut gesehen werden, sind jederzeit widerleg- und angreifbar. Das erhöht ja die Perfidie. Der Mann ist nämlich geschickt, und hier wird zunehmend davon ausgegangen, daß dahinter mehr steckt als südamerikanisch naives Temperament. Der VdZ steht mittlerweile zu dieser Unterstellung, als die seine Kritik ausgelegt (und durch "Inhalte" widerlegt) werden könnte. Die Indizien für diese bestimmte, aus Erfahrung gewonnene Menschenkenntnis werden immer mehr, sodaß diese Unterstellung weit mehr Erhellungskraft hat, als sich ein Urteil doch noch nobel offenzuhalten, selbst wenn es natürlich kein "endgültiges" Urteil sein kann, wie es nur Gott zusteht. Aber Leben heißt: Entscheidungen treffen. Sonst zerfließt es ins Unwirkliche. Glaube heißt ja genau das: trotz aller menschlichen Unsicherheiten zu einem aus anderen als rein nominellen Gewißheiten stammenden Urteil zu gelangen. Mit vollem Risiko.**

Man kann diesem Dauerbeschuß mit Verwirrung und Wortverdrehung ja nicht einmal mehr entgehen, der täglich und bald stündlich durch die Twitter- und sonstigen Medienkanäle in die Welt geschossen wird. Mittlerweile gibt es ja keine Sonntagspredigt mehr, kein Gespräch am Pfarrplatz, in dem nicht irgendein Papstzitat die Runde macht, vom Papst die Rede ist ("Na der ändert jetzt echt alles!") - das, bitte schön, gab es überhaupt noch nie in der bald 54jährigen Karriere des VdZ als Getaufter! Die Pfarrer sinken zur Staffage, zu ständigen Kanälen von zufälligen Papstworten herab. Oder ist das die Konkretheit, werter Herr Bergoglio, die Sie gemeint haben? Die über primitive political correctness nicht einmal im Ansatz hinausgeht, das ist nämlich die Wahrheit? Ist das das neue Niveau der katholischen Geisteswelt, in dem jedes klare Denken als "zu statisch" durch "supermenschliche Rhetorik" verdrängt wird? Die Kirche ist damit derselbe Freizeitverein wie jede NGO. Hier geht es nicht um Kosmetik, das ist dabei das sehr ernste Problem. Hier geht es um ganz tiefliegende geistige Entscheidungen, die dieser Papst nicht einmal sieht.


Ebenfalls heute Teil 1b) Aktueller Nachtrag & Anmerkungen bzw. Exkurs
Morgen Teil 2) Die Pathologie eines Menschen wird dogmatische Struktur








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Samstag, 30. Mai 2015

Vom islamistisch-christlichen Klimawandelkommunismus (2)

Teil 2) Wie sich eine Religion bildet




*Dieser Vergleich - Islam/Kommunismus - ist äußerst zutreffend, denn die Methodiken beider sind die einer Ideologie, die in unausweichbarer Paranoia pausenlos um ihren Bestand fürchtet, sobald individuell-menschliche Vernunft sich erhebt, und sei es nur als Möglichkeit. Historisch ist es ein nicht zu bezweifelndes Faktum, daß sowohl der Kommunismus als auch der Islam eine Kultur binnen kurzer Zeit ersticken, indem sie das ersticken, was Kultur überhaupt erst ermöglicht - individuelle schöpferische Kraft und Lebendigkeit. 

Die Erzählungen von früherer kultureller Blüte sind nicht die einzigen historischen Fakten, die sich die interne Islamerzählung zudichtet - historisch sind sie nicht wahr. Es waren stets völkisch-kulturelle Blüten, die gerade nicht aus dem Islam entstanden waren, aber dann in sein Einflußgebiet gelangten. Sobald er stark war, war von "Toleranz" keine Rede mehr. Mit "Toleranz" wurde vielmehr jene Frühzeit umgedichtet, in der sich zum einen ein "Islam" herausbildete, zum anderen es noch eine relativ schwächere religiöse Gruppe (unter vielen!) war. Die Motive für sein Erstarken sind politisch-sozialer Natur, als Instrument der realpolitisch Schwachen, die sich nun eine religiöse Legitimation sahen. 

Die poetische Qualität des Islam, des Koran, ist ohne jeden Zweifel von oft höchster Güte, und da ist kein Funke Ironie dabei, das ist sehr ernst gemeint: Die historische Erzählung des Islam ist ein für sich gesehen wunderbares dichterisches Bild, das nicht zufällig auch den Okzident immer wieder fasziniert hat. Entsprechend subtil ist auch die Verteidigung der Wahrheit des Islam durch die Muslime selbst zu sehen. Denn alles, was sie vorbringen, ist auf eine abstrakt-poetologische Weise tatsächlich richtig, und wäre selbst für den Katholiken essentiell. Aber eben als Poetologie.  Diese in Wörtlichkeit umzulegen - ist eine Lüge der Äquivokation, eine Lüge der Schizoidität. In der man dieselben Wörter verwendet, aber auf ganz andere Deutungsebene hebt. 

Denn an sich ist eines der Hauptargumente des Islam, mit dem jede faktische Historizität als bedeutungslos abgewiesen wird, bemerkenswert WAHR. Und unterscheidet sich auf dieser Ebene  in nichts von der katholischen Sichtweise: Daß nämlich Wirklichkeit an sich zeitlos ist, und daß jede Erzählung eine Erzählung von zeitloser Wirklichkeit ist. Um deren Darstellung geht es. Aber dieses Argument funktioniert eben nur auf der Ebene der Poesie, der Kunst. Im realen Leben - nicht mehr, in dem sich das Zeitlose in einem Nacheinander präsentiert, und darum führt kein Weg vorbei. Es kann also das Tatsächliche, das Faktische, nicht einfach ignoriert werden, sondern das Wirkliche als Zeitloses ist vom Faktischen NICHT ZU TRENNEN. Gibt es kein Faktisches, aus dem sich das Wirkliche derivieren läßt, sinkt das Faktische zur bloßen Fiktion ab. Also kann man dann zwar sagen, daß sich im Koran Wahrheiten präsentieren, aber nicht, daß diese auch "Fleisch geworden" sind. Und wie erinnern uns: genau das ist ja das Problem des Arianismus, auf den der Islam zurückgeht. Die Bestreitung, daß das Ewige sich im Fleisch gezeigt hat. 

Diese Ebenen dürfen aber nicht verwechselt werden.

Etwas, das dem Wesen des Wüstenbewohners - der in gewisser Weise "in einem Traum" lebt, Zeichen einer (man wagt es kaum zu sagen, aber so ist es) niedrigen Kulturstufe -  freilich sehr entspricht. Und wozu der Koran sogar wörtlich auffordert: indem er dieses beliebige Wechseln der Bedeutungsebenen von Sprache (zur Lüge) explizit rechtfertigt. Insofern zeigen sich in gewissen dogmatischen Zügen des Islam deutliche Züge einer psychologisch-pathologischen Hermetik, durch Zirkelschlüsse. Es gibt nicht wenige Muslime selbst, die ein Verständnis der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse im arabischen Raum (samt Nordafrika) einfordern, weil sich die Gesellschaften dort auf der Ebene von Stammesgesellschaften bewegen. Und das heißt einfach: geringe Abstraktionsfähigkeit. Das drückt sich auch in der Sprach aus. Fachleute des Arabischen meinen, daß sich im Arabischen (das in seiner strengen Struktur ein Koranarabisch zu sein verlangt, aber praktisch in zahllose Dialekte zerfällt) viele abstrakte Inhalte einfach nicht anders ausdrücken lassen - wie im Deutschen! - als in Poesie. Das darf man sogar ... lieben.

Was im Fall des Koran die Problematik erhellt, daß man davon ausgehen muß, daß wissenschaftlich-linguistisch eindeutig zumindest (!) ein Viertel des Koran falsch, ja manchmal absurd falsch (ins sogenannte "Koranarabisch", das als "himmlische Sprache" gleichfalls sakrosankt ist) übersetzt ist. Aber auch darüber ist innerislamisch keine Debatte möglich. Auch die historische Forschung hat ihre Probleme, denn es gab im Islam Bücherverbrennungen und Verfolgung Andersdenkender zu einem Zeitpunkt, da war das Wort für Deutschland noch nicht erfunden. Manchmal waren sogar diese Verfolgen jene, auf die sich der heutige Islam unter Verweis auf "Blüte und Toleranz" gerne mal bezieht.

Nach derzeitigem Stand. Die außerislamische Forschung (eine ernstzunehmende innerislamische historisch-kritische Forschung gibt es eigentlich nicht, und wenn, wird sie beschränkt) ist erst dabei, das Gebiet durchzuarbeiten. Das hat nicht zuletzt mit der "revolutionären Kraft" der Erkenntnisse zu tun, die neben der jahrhundertelangen eingewöhnten Sichtweise des Abendlandes auch noch ein ganzes Religionsgebäude zum Einsturz bringen würden. 

Und das ist kein Problem selektiv fehlenden guten Willens, oder gar von "Rassismus" oder "Islamophobie", sondern eines der dem Islam (in seiner ersten Entwicklung aus einer arianisch-christlichen Häresie, die sich in ihrer über die Zeit immer deutlicher werdenden Konsequenz konkretisiert) zugrundliegenden manichäischen Weltauffassung.




ÜBERmorgen Teil 3) Parallelen - Eine neue Religion am Horizont - 
Eine Häresie der nur einen Wahrheit




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Es fehlen nur ZEHN SEKUNDEN (2)

Teil 2) Das hätte man weit besser machen können





Julia Stiles
Es hätte aber besser gemacht werden können. Weil das nur etwas klarere Herausarbeiten der erwähnten Grundwirklichkeit, die freilich den Plot (Handlungsstrang) etwas gestraffter hätte, die Identifikation des Zuschauers deutlich erhöht hätte, der sonst - wie eben passiert - speziell im zweiten Teil innerlich um Halt sucht. Dazu hätte man dieses eigentlich tragende Element im ersten Teil - dazu hätten wenige Momente genügt - stärker herausarbeiten müssen. Daß das nicht bewußt war, zeigt sich an der Spielweise der Darstellerin der Sekretärin im ersten Teil. Es könnte freilich auch nur im Schnitt so entschieden (und damit geschwächt, nicht gestärkt) worden sein, vielleicht gab es diese Varianten auf Material.

In jedem Fall hat man schon im ersten Teil damit viel verschenkt. Denn selbst, als sich Bourne und Marie am Schluß des ersten Teiles "finden", ist der Zuschauer nicht befriedigt: Man ahnt aus vielerlei "Nichtverortungen" (und Wirkliches gibt es nur mit Verortung) von Details die Vorläufigkeit des Glücks. Ein kurzer, schnitttechnischer Einschnitt der Sekretärin am Ende des ersten Teils hätte die Wiederholung genau derselben Abweichung im zweiten Teil (die Rolle der CIA-Agentin Pamela Landy, gespielt von Joan Allen) als versuchten Weg besser gelingen lassen.

Ein entsprechend (melancholisch, oder sehnsüchtig) interpretierbares Bild von Julia Stiles über gerade einmal 10 Sekunden, am Schluß des ersten Teiles eingefügt, hätte den gesamten Plot nicht nur deutlicher gemacht, sondern den ersten Teil erfüllt, und jeden folgenden Teil wesentlich stärker getragen - denn der zweite Teil zeigt die Unschlüssigkeit schon sehr deutlich, und erst der dritte wird wieder stärker, WEIL sich dann diese Grunddramatik wieder herausarbeitet. Ja, dann hätte man sogar so etwas wie eine "Endlosschleife" etabliert, die noch weiter Teile möglich gemacht hätte.


Daß sich die Hersteller der Filme aber darüber nicht klar waren, zeigt die fast solistische Stärke der erwähnten "Liebesabweichung" im zweiten Teil, die an den erwähnten Hauptplot (der, wie hier wieder einmal deutlich wird, mit Zeitlängen gar nicht viel zu tun hat, sondern mit dramaturgischer Akzentuierung).

Deshalb überrascht dann die Offenbarung der Liebe der Sekretärin (Julia Stiles) im dritten Teil sogar ein wenig, wirkt fast wie ein unbeholfener Kunstgriff. Wenn auch nicht ganz: Man wußte als Zuschauer eben darum, von Beginn an: Es war dieser tiefste Grund nämlich vorhanden, wurde aber in der Dramaturgie zu wenig gesehen.

Während genau dort, im dritten Teil, sogar offenbar wird, daß diese Liebe AM ANFANG stand. Womit man offenbar die dramaturgische Brisanz quasi nachträglich etablieren wollte - obwohl diese "Scheu" (man hatte wohl ein wenig schlechtes Gewissen ob der selbst vermeinten "Streckung", was sich in winzigen Details zeigt) gar nicht notwendig war! Ja, die Figuren, die Schauspieler (deren Bedeutugn in Wahrheit immer noch weit unterschätzt wird, darüber zu handeln würde hier aber jeden Rahmen sprengen) *

Es zeigt sich auch daran, daß diese (erste, ja alles grundlegende) Liebe im zweiten Teil so wenig Rolle spielt, man sich von der eigenen Findigkeit - der in Wahrheit dramaturgisch nur zweitrangigen Franka Potente, als Hindernis, als Irrweg vor der eigentlichen Liebe - täuschen ließ.

Falsch ist in den Augen des VdZ aber zu meinen, die Geschichte wäre rund um eine Geheimdienstverwicklung aufgebaut, oder DESHALB spannend. Das Zufällige verwirrt aber immer, erkennt man nicht die tragende Wirklichkeit. Auch die Identifikation hat Hierarchie-Ebenen, und damit Wirkkraft. Der Sprung von einer zu anderen ist aber sprung-exponentiell.

Es könnte vermutet werden, daß nur die Angst vor der eigenen Courage, die Hollywood-Methodik zu verlassen, in der (aristotelische) Dramaturgie seit je zur Methode erstarrt ist, und die einfach als "Geschäftsgeheimnis" um die Bedeutung von Liebe als Erfolgrezept weiß, das relative Gelingen der Trilogie bewirkt hat. In der doch Ahnungen erkennbar sind, die nicht ganz ausgelöscht worden sind.








*In Wahrheit ist nicht nur Hollywood, sondern fast jede Filmproduktions- und Sendeanstalt heute überfordert, die Wirkung und Bedeutung eines ganz bestimmten Schauspielers im Vorhinein einzuschätzen. Ja, man schätzt sie fast immer falsch ein, und das ist einer der Gründe, warum Publikumswirksamkeiten von Filmen regelmäßig "zufällig" sind. Man hält heute Schauspieler für ersetzbar, weil man die Welt und damit das schauspielerische Ergegnis, die "Performance", linear-funktional sieht. Ein tragischer Irrtum, der sämtliche Produktions- und Sendeanstalten selbst in der Werbung mittlerweile an den Rand des Ruins gebracht hat. Weil er zum einen den Erfolg "zufällig" gemacht, die Sendeanstalten zum starren Festhalten an "Bewährtem" geführt hat. Denn gerade das Schauspiel wird von "Persönlichkeit" getragen, nicht von "zu quittierender Erfüllung von Erwartungen". Das ist nur deshalb noch wenig offenbar, weil zum einen das für "relevant" gehaltene Publikum gelähmt ist, das eigentlich relevante Publikum aber ignoriert wird. Es wird erst relevanter, wenn ersteres aufwacht, und in sein programmatisches Chaos fällt.



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Freitag, 29. Mai 2015

Vom islamistisch-christlichen Klimawandelkommunismus (1)

Schon im Jahre 2006 hat der australische Kardinal Pell in einer öffentlichen Wortmeldung seine Bedenken gegenüber dem Islam ausgedrückt, ob dieser überhaupt als die "Religion des Friedens und der Toleranz" angesehen werden könne, wie oft behauptet wird. Denn die Gewalt und Intoleranz kommt aus der Mitte des Islam selber, dem Koran.

Er selbst hat die Lektüre des Buches nach 50, 60, 70 Seiten aufgegeben, denn er sei pausenlos auf Aufforderungen zur Gewalt gegenüber Andersgläubigen gestoßen. Nachdem aber die Muslime sakrosankt stellen, daß der Koran wortwörtlich von Gott stamme, könne er sich nicht vorstellen, wie sich daraus ein theologische Diskussion entwickeln sollte, die ein Änderung der Lesart - zur Friedensreligion - mit sich bringen könnte. Über im Koran enthaltene Widersprüche, offensichtliche Faktenirrtümer, oder Anachronismen könne man mit Muslimen ja nicht einmal diskutieren, diese Debatte kann aus dogmatischen Gründen gar nicht geführt werden. Dazu müßten sie das Zentrum ihrer Religion in Frage stellen.

Selbst wenn man jeder Religion auch Verbrechen in der Geschichte zuschreiben muß, so sei es ein Mythos, daß der Islam je tolerant und friedlich gewesen sei. Pell hatte ein Jahr zuvor schon Aufsehen erregt, als er den Islam mit dem Kommunismus verglich.*

Der australische Kardinal ist außerdem immer wieder aufgefallen, weil er die Klimawandelhysterie als Religionsersatz anprangert, der das Neuheidentum mit sich bringt. Gab es früher aber Menschen- und Tieropfer zur Sühnung und Versöhnung mit den Göttern, so ist es heute die Vermeidung von CO2-Ausstoß. 


Morgen Teil 2) Wie sich eine Religion bildet




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Es fehlen nur ZEHN SEKUNDEN (1)

Was trägt die auf drei Teile ausgewalzte Gschichte, die mit "Bourne Identity" beginnt? Woran erkennt man, daß sie ursprünglich nicht auf drei Teile ausgelegt war? Denn daß man so gar nicht wußte, was man tat, will der VdZ einmal nicht annehmen, auch wenn es nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

Matt Damon
Es ist die Liebesgeschichte, die - und das ist das vielleicht für Sie, geneigter Leser, vielleicht Überraschende - zwischen Jason Bourne und der Sekretärin von Treadstone, Nicolette Parsons (Julia Stiles) gezeichnet ist. Nicht einmal also die sehr schöne Liebesgeschichte zwischen Bourne und Marie Helena Kreutz, die von Franka Potente so großartig dargestellt wird. In beiden Fällen also: Liebesgeschichten. Die gesamte Geheimdienstgeschichte ist schlichtes Beiwerk. 

Daß diese Sekretärin, die nur scheinbar (in Minuten fälschlich qualifiziert) eine Nebenrolle ist, im dritten Teil wieder auftaucht, einfügbar ist, ist also nicht nur Zufall, es ist ein den Verfassern des Drehbuches womöglich nicht einmal bewußtes Wiederaufgreifen des eigentlichen dramaturgischen Grundkonfliktes der gesamten (so erfolgreichen) Trilogie.

Man kann im ersten Teil schon mühelos nachweisen, daß der gesamte Plot nur davon getragen wird. Nur er ermöglichte das Anfügen weiterer Teile, wird aber - weil dieses Element gar nicht bewußt war - immer schwächer. Der Zuschauer, der die Bourne-Trilogie schaut, mag es meist gar nicht bewußt sein. Aber er will eine Liebesgeschichte sehen, die sich hinter dem Zufälligen der Geheimdienstgeschichte und Identitätsfindung verbirgt. Und genauso nicht zufällig findet Jason Bourne (Matt Damon in seiner vielleicht sympathischesten Rolle bisher, und nur deshalb empfindet an sie als sympathisch) seine Identität in der Liebe. Dazu muß er sich auch von Marie befreien.

Franka Potente
Wäre das den Verfassern der Drehbüchern klarer gewesen, nicht - möglicherweise - erst beim dritten Teil klarer GEWORDEN, hätte man den Film noch um einen deutlichen Sprung zugfähiger und damit sogar spannender machen können. Und nur weil diese Zentralgeschichte DOCH vorhanden ist, um die der Zuschauer eigentlich gar nichts weiß, trägt der Film sogar in dieser Form, weil viele andere Faktoren - nicht erlöste, aber ontologisch aufgerichtete Bögen - die rein faktische Aufmerksamkeit (Spannung als Bindung der Aufmerksamkeit als Steuerung des Interesses, als Wille, einer Wirklichkeit teilhaftig zu werden, sie also zu aktivieren, wirksam, wirklich zu machen) mittragen.

Was also im Zuschauer an der Darstellung erlebt wird ist Liebe. Und deren Gefährdung, als Gefärdung eines als möglich Erkannten, begründet die Angst ums Gelingen. Spannung entsteht, wenn der Zuschauer eine Wirklichkeit IN SICH - als damit, im Außen real, OBJEKTIV WIRKLICH - möchte, es aber nicht erreicht werden könnte.

Joan Allen
Das macht das "Spannende" an diesem Film aus. Denn der Zuschauer fürchtet, daß die Liebe nicht zur Darstellung kommt, also nicht wirklich wird - und im Betrachten in ihm, um ihn selbst (als eigene!) zu erfüllen. Dieser Macht, sein Schicksal zu bestimmen, im Erleben, im Wirklichwerden, und nur das ist Schicksal, liefert sich jeder Seher eines Films ja aus: Indem er die Gefährung erlebt, wird etwas deshalb wirklich, weil es vor dem Nichts (dem "Nicht-werden") erst für sich erlebbar und wirklich wird weil ALS WIRKLICHKEIT vor ihm steht. Er muß nur noch beitreten.

Selbst in jeder Teilspannung - kurze oder sogar kürzeste Handlungsbögen und Situationen - wirkt dasselbe Prinzip.

Damit ist auch klar, daß es eine Hierarchie der Wirklichkeiten gibt, was sich im sogar landläufig erkannten Zuschauerverhalten ausdrückt, wenn man sagt: Liebesgeschichten "ziehen" am meisten. Denn das erste ist die Liebe, aus der Welt wurde, bleibt, und wird. Ja, genau genommen, geht es immer um sie. In diesem Fall: Die Geschichte um die Aufdeckung von "Treadstone", die "theoretisch" die Funktion des Spannungsträgers erfüllen soll, ist völlig uninteressant. Der Zuschauer kennt sie noch dazu von Beginn an.


Morgen Teil 2) Das hätte man weit besser machen können




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Donnerstag, 28. Mai 2015

Es gibt ihn nicht (2)

Teil 2 - Fußnote - Was ist überhaupt "meßbar"? Geist und Verstand






²Der Begriff "Messung" hat für den Normalbürger den Nimbus, es wäre jemand mit Meßband und -latte in der Gegend herumgestapft, um "zu vermessen." Davon kann natürlich in all diesen Fällen keine Rede sein. Vielmehr schließt man bei der "Messung" von Eis-/Wasser- (und sonstigen)Volumina auf der Erde etwa aus Messungen des Magnetfelds durch Satelliten im Weltall. Und mit Satelliten verbindet man ohnehin nur noch Höchstpräzision und Wahrheit. Aber immer hießt messen lediglich, bestimmte Vorgänge in ihren Ähnlichkeiten mit relativ bekannteren, weil abstraktiv definierteren Vorgängen und Beziehungssetzungen (etwa mit Postulaten, wie in der Mathematik) in Beziehung zu setzen. Niemals aber kann man von "absoluten Messdaten" sprechen. Verändert sich der Bezugspunkt (wie das Ur-Meter in Paris; das passiert übrigens tatsächlich, auch dieses Stück Metall verändert sich laufend) ändert sich auch das "Gemessene".

Quantität läßt sich nur als Wirkung einer Qualität bestimmen. Das heißt, daß nur die Ursache selbst, und damit eine Qualität, die selbst wiederum die Art einer Beziehung zu etwas ist, Auskunft über eine Physis geben kann. Jede Diskussion über Mengen und Wirkungen ist deshalb immer eine Diskussion über die Ursache, die solche Bewegung (Wirkung) bewirkt, und damit eine Aussage über die Art einer Beziehung. 

Und damit wären wir plötzlich bei den geistigen Wirklichkeiten, weil nur Geist wirklich ist. Eben: Wirkung verursachend; gucke man doch alleine in die Quantenphysik, die Antworten nach dem Ursprung der Materie schon lange nicht mehr in der Körperwelt (Physis) sucht, selbst wenn sie noch nicht beim "Geist" angelangt ist, sondern noch mit (tendentiell physisierenden) Begriffen wie "Information" herumrudert. (Denn auch "Information" ist bereits eine Wirkung, nämlich die des Geistes, also wieder: keine letzte Antwort.) 

Aber in der Naturwissenschaft, die "Geist" ablehnt, haben wir ohnehin seit 50 und mehr Jahren eine Rückwärtsentwicklung, und KEINEN Fortschritt zu bemerken. Fortschritt gibt es nur, wenn man heutige Anwendungen, Techniken heranzieht, die aber auf der rückschrittlichen Verstehensgrundlage des frühen 19. Jhds, wenn überhaupt, basieren. Dort steht das "Volksbewußtsein des Wissens" in Wahrheit, und hat über die Massenuniversitäten der Entgeistung die Eliten durchwirkt. Antonio Rosmini führt das auf die "Verdinglichung des (prinzipiell unverdinglichen) Abstraktionswissens" zurück. Ein Notgriff der Geistlosigkeit, den Geist ist an sich "bildloses Bild", und meint weil meinen will, man könne auch Geistwesen, Engel etc. direkt "mit den Sinnen wahrnehmen". (Rationalisten sind nicht Rationalisten, weil sie rational denken, sondern weil sie Geist mit Ratio gleichsetzen.)

Ivo Höllhuber sagt völlig richtig, daß das Problem der Gegenwart das Problem einer zu früh abgebrochenen, nicht weiter gestellten Frage nach dem Ursprung ist. Damit nämlich wird uns die Welt immer unverstehbarer, obwohl wir auf diesen vorgeschobenen "Endpunkten" (die gar keine sind) so viele Daten, Fakten haben, wie noch nie. In Wahrheit wäre uns jeder Bauer des Mittelalters in seinem Weltverständnis überlegen.

Das heißt ferner, daß physikalische "Messungen" gewisser als aussagekräftig definierter vergleichender Parameter (Wirkungen) auf der Grundlage enorm vieler Annahmen stehen, aus denen dann rückgefolgert wird. Wie fragil solche theoretischen Konstrukte sind, zeigt ein nächstes Beispiel einer Falsifizierung: Erst jüngst mußten die seit 2003 gemeldeten "Rückgänge der Eisvolumina auf der Erde" um etwa 50 % reduziert werden. Denn es hat sich herausgestellt, daß man die tektonischen Bewegungen und Veränderungen der Kontinentalplatten zu wenig berücksichtigt hat. Diese beeinflussen aber gleichfalls das Magnetfeld der Erde, wie man nun herausgefunden hat. 

Im Folgeschluß ist damit auch klar, daß auch von einer "gemessenen Erhöhung der Meeresspiegel" keine Rede sein kann. Auch Angaben über das globale Meeresvolumen (und damit den "Wasserstand") gehen auf Annahmen- und Folgerungsketten über Ursachen zurück. 

Die erwähnte Korrektur der Aussagekraft von Magnetfeldmessungen bedeutet also gleichermaßen, daß die bisherigen Angaben über den Anstieg des Meeresspiegels - wie er jedem Erdenbürger täglich zum Frühstück als "Tatsache" serviert wird, als wäre der Moderator der Nachrichtensendung erst vor fünf Minuten dem Meer entstiegen und hätte gerade Zeit gehabt, den Tauchanzug auszuziehen und seine Meßlatte vor der Tür abzulegen  - nach unten korrigiert werden müssen.






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So geht es, das Leben

Man kann die Weisheit und Poesie nur bewundern, die sich in diesem Filmchen über ein Wirtshaus, seine Gäste, und vor allem seine Betreiber zeigt. In solchen Leben ist alles drin. Wie oft werden die Menschen unterschätzt. Fast immer nur, weil man sie zu wenig trifft.

Der Mensch ist Sozialwesen. Nicht als Zusatzmöglichkeit, sondern konstituionell. Ohne den anderen, ohne Überschreitung auf das Du, in dem er Ich wird, bliebe er bloß unerfüllte Möglichkeit. In den Wirtshäusern, die am direktesten als Vorstufe zu den antiken Foren gesehen werden können, wird er (nach der Familie) weiter in seiner irdischen Gestalt herausgebacken, verwebt sich mit den anderen zur weiteren Familie - als Spielgemeinschaft. Und erhält, ohne daß ihn gleich der Ernst des Lebens erschlägt, seinen Ort im Gefüge der Menschen zugewiesen, an dem er (weil als wer) und aus dem er sein Leben in freier Zustimmung führen kann. Der Stammtisch arbeitet ihn heraus, läutert ihn, beweist ihn, und niemand macht es ihm streitig. Ein Ort des Spieles, des Festes, des Tanzes. Deshalb ist es auch kein Ort der Politik. Es ist zu alledem nur Vorstufe.

So ist Volk - die Mutter - in jeder Hinsicht, weltlich wie religiös, der Schooß des Einzelnen, der erst in dieser Bestimmtheit, die er hier im Spiel vor sich sieht, frei sein kann, weil "den Rücken frei, Boden unter den Füßen hat", sich so als "Ich" in höhere Stufen mutig transzendieren, sich am nächsten Tag wieder ins öffentliche Leben bis zum Vaterland, dem Staat, als Reich der Ideen, ausstrecken kann.

Um, zurück, im Wirtshaus zu berichten, ins reale Leben zurückzuordnen, im Abstand seine Schemen als eigentliche Wirklichkeiten zu sehen. Es ist also ein Ort der Erzählung, der Mythen und Legenden. So, wie der Kult der Ort der Heiligen Erzählung ist, die je in der Erneuerung, im "Gedächtnis", gegenwärtig und wieder und wieder wirksame Namensrufung von Vorhandenem, aber Stummem, Unerlöstem werden, um dann im Einzelnen Fleisch zur volleren Gestalt zu bringen weil dem lückenhaften, aus dem Fluch unvollkommenen Erkennen wieder zu Besitz gebracht.

Das Wirtshaus ist aber auch ein umhegter Ort, an dem alle zu Kindern werden, und in einer Art geschütztem Zwischenreich - nicht Welt, nicht Mutterhöhle - Rollen proben, korrigieren, spielerisch testen. Jeder unbotmäßige, hemmende weil festlegende Welternst wird mit Wein und Bier und Schnaps - Drogen, die jede Kultur als Hilfsmittel braucht² - hinausgedrängt.

Die Welt sinkt ins Dunkel zurück, wird zur erinnerten Erzählung, zum Theater der Schemen, und reines Lebensblut des ursrünglichen "Ich" kann jedem Einzelnen wieder einströmen. Im Erzählen, im Zuhören, spielt der Mensch mit seinem Ich, und lernt es kennen. So steht das Wirtshaus in einer Linie - wenn auch nicht auf je derselben Ebene - mit allen Festen, aber auch mit dem schon höher zu reihenden Theater, und gar seiner höchsten weil sakralen Stufe, dem religiösen Kult, der höchsten Spitze des Menschen im Geist. An dessen Ende sich jeweils nicht zufällig auf der ganzen Welt Speis und Trank als letzter, aber unverzichtbarer Akt des Festes einreihen.

Bei vielen Völkern unterschiedlichster Klimazonen ist das Abendessen heute noch die Haupt- weil Festmahlzeit. Man vergesse die umgehängten Erlärungen aus angeblichem "Nutzen", der Ursprung ist anders, und zeigt sich noch in der Sehnsucht nach dem aus dem Fluch der Erbsünde Verlorenen, dem die Schweißesarbeit entstammt, in der sich der Mensch zum Objekt machen, sich sein Leben verdienen muß.

Im Vergessen dieser Tatsache setzt ja jede Utopie an. Und deshalb hat jedes Fest etwas Utopisches, wie Y Gasset einmal schreibt. Denn wenn man begreift, daß jedes geführte Leben, auch das Alltäglichste, aus dem Heiligen stammt, als unendlicher Kult, zu dem es gar wieder werden will, in der Himmlischen Liturgie, dann begreift man auch den täglichen Feierabend - im Wirtshaus, diesem Versammeln um die Dorflinde, der Sehnsucht nach dieser zur Utopie gewordenen Ursprungswelt.

Wo die Gemeinschaft im Täglichen differenzierter, ja gespaltener ist, zeigt sich das in den Charakteristiken der Wirtshäuser. Diese Stunde verträgt keinen ernsten Widerspruch, und je größer eine Gemeinschaft wurde, desto differenzierter wurde sie auch, desto reiner werden Aspekte darstellbar, die sich sonst noch vermischter, weniger ausgebildet halten - ein Naturgesetz, weil alle Abstammung, aller Fortgang in der Geschichte Entfaltung einer Synthese bringt. Im Guten wie im Schlechten.*

Aber immer ist es die Wirklichkeit der Dorflinde in der Dämmerung. Wo jemand die Fiedel spielt und ein anderer singt, ein Dritter die alten Geschichten erzählt, die als Geister über jedem Zentimeter Bodens, über jeder Mauer, jedem Stein, jedem Hügel und jedem Baum schweben und ihn als Wesen tragen.** Einfach zur Steigerung der Freude der Mitwelt, weil zur Hebung des Gemüts aller ins Höhere, wo noch mehr Freude wartet, sich in der Gewohnheit verfleischlicht, sodaß sich sich allen mehr und mehr höheres Dasein eröffnet. In dieser Stimmung, in dieser Gemütsverfaßtheit geht er dann zu Bett, und im Traum fügen sich alle seine Ebenen, losgelassen, innerlich neu, je nach ihren Kräften, denn der Schlafende kann nicht mehr akthaft in die Vernunft ordnen.

Wenn man sagt, daß die Originale aussterben, oder vom Neurotiker und Sonderling verdrängt werden, so ganz sicher immer (und nur) dort, wo diese beiden Quellen des Individuums - Kult, dessen Profanstufe Theater, und Wirtshaus, je als selbstverständlicher Taskt im Rhythmus des alltäglichen Lebens - versiegt sind. Die unersetzlicher Bestandteil für die Gesundheit der Menschen sind. Wenn die Wirtshäuser*** sterben, stirbt ein Volk.








*Deshalb ist es wahr, daß der Bauernstand der Mutterkuchen jeder Gesellschaft ist, worin sogar die vielfach zu beobachtende Verachtung ihren Grund hat. Denn was alles ist, ist nichts. Aber aus ihm hat sich jede Kultur material entfaltet, und entfaltet sich noch, bis sie in ihrer Spezifiziertheit kollabiert. Nicht notwendig, aber realistisch betrachtet, weil der Mensch eben immer hinter der Vollkommenheit zurückbleibt, dem Sein tagtäglich, ja jeden Augenblick seiner irdischen Zeit, etwas schuldig bleibt.

**Ohne daß ihnen jemand einzureden versucht, daß sie nach den Symphonikern streben sollten.

***Wirtshäuser können auch nicht von Restaurants - einer Geschäftsform - ersetzt werden. Es ist bedauerlich, daß manche meinen, das Überleben der Wirtshäuser durch "Geschäftsmodelle" sichern zu können. Man sichert damit keine Wirtshäuser, sondern man verlegt sie auf reinen Erwerb. Das sind Wirtshäuser aber nur bedingt. Man wird Wirt aus Berufung, aus Lebens- und Menschenliebe, nicht aus Geschäftssinn. Leider beginnt man in Österreich nun durch neue Steuergesetze, auch die Wirtshäuser zu Geschäftsmodellen umzuzwingen, damit eigentlich: zu vorgeschobenen Steuereintreibungsbüros zu machen, wie es die meisten Unternehmen mittlerweile sind. Sie sind aber Lebensformen, die eine gewisse Unfaßbarkeit brauchen, sonst funktionieren sie oft nicht. 

Sie haben ohnehin bereits unter so vielen Gesetzen und Auflagen zu leiden, die nur Brüsseler Beamten eingefallen sein können, die abends gerne auf Geschäftskosten in exquisiten Restaurants ihr "Boeuf Stroganof an Trüffelreis", samt einer Flasche "Chateau neuf du Pape 1976", verlustieren, sich über Anleihenkurse austauschen, und ob der lispelnden Zunge des livrierten Kellners ihre Witze reißen, während sie die winzige Flachse angewiedert an den Tellerrand schieben, während ein Pianospieler dezent Gershwin-Songs spielt. So, sagen sie dann, ehe sie etwas unsicher in den Knieen ins Taxi steigen und ihre Rechnung in die weinrote Rindslederenvelope stecken udn ihr Gebiß im Rückspiegel kontrollieren, so muß jeder Gastronomiebetrieb in Europa ausschauen, damit er eine Zukunft hat, sagen sie dann - geht doch, wie man sieht?! Der lebt doch gut? Und bei uns in Wien jammern sie. Man müßte aber endlich weitere länderübergreifende Qualitätsstandards festlegen, sagen sie dann, das Fleisch war zu kurzfaserig, da hat er gespart, die paar Euro mehr sind doch jedem Kunden auch schon egal, wenn es das Fleisch wert ist, sprechen sie dann in ihr Diktaphon. "Titel: Vorschlag zur Tourismusförderung".

²Aus derzeitiger Sicht ist der VdZ kein Verfechter der Freigabe von Marihuana, wie es derzeit in Österreich diskutiert wird. Es greift seiner Beobachtung nach weit substantieller und rascher in den Persönlichkeitsaufbau ein als Alkohol (außer im Falle des schweren Alkoholismus, nicht aber schon im Rausch), und ist deshalb keine Kulturdroge, sondern eine Kultur-Verhinderungsdroge.



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Mittwoch, 27. Mai 2015

Es gibt ihn nicht (1)

Graphik: Science Sceptical
Nun heißt es doch allerorten, daß das Eis der Pole schmilzt. Von den Küsten beginnend, wird der Zentralvergletscherung angegriffen, schmilzt gleichfalls ab, und erhöht den Meeresspiegel. (Packeis ist ja theoretisch volumensneutral.) 

Nun hat Michael Krüger auf Science Sceptical das einmal genauer angesehen, und kommt in einem Beirag im Internet zu einer interessanten Feststellung: 

Betrachtet man die über Satelliten und Überflüge gemessene² Eismächtigkeit, und zwar über die letzten 15 Jahre, stimmt zwar, daß in Grönland in einigen Küstenregionen das Eis an Volumen verliert (in der Graphik blau) - von Abschmelzen wollen wir nicht reden, denn bei Temperaturen von minus 30 Grad am Nord-, minus 50 Grad am Südpol wird man von Schmelzprozessen schwerlich sprechen können -, dafür aber nimmt das Volumen der Zentralgletscher zu (in der Graphik grün-rot). Zumindest in den letzten Jahren.

Grapik: Science Sceptical - Grönland Temperaturen
Insgesamt muß man aufgrund der Messungen aber sogar davon ausgehen, daß die Temperaturen in Grönland überhaupt schon seit 20 Jahren SINKEN. In Südwestgrönland sogar dramatisch. Wie die Befunde aus Eisbohrkernen zeigen, stimmt es als Langfristtrend auf jeden Fall.


Für die Antarktis gilt dies sinngemäß für die westliche Region (Abnahme des Volumens hiert) in Gegensatz zum östlichen Zentralmassiv.

Maine/USA - Dazu paßt ein Artikel des amerikanischen Forschergeists Mike Brakey, der seit vierzig Jahren als engineering physicist and heat transfer specialist tätig ist. Und der etwas gemacht hat, womit wohl niemand gerechnet hat: Er hat die offiziellen Regierungsstatements zu den Temperaturen im Bundesstaat Maine mit den tatsächlichen Temperaturmessungen auch in der Vergangenheit verglichen. Das Ergebnis ist frappierend. Denn während es offiziell heißt, daß es zu einer Erhöhung der Temperaturen kam, zeigen die Meßdaten das genaue Gegenteil! Die selbe Anpassung wurde in sämtlichen Bundesstaaten der USA vorgenommen.

Die Mär von der Erhöhung ist also auf eine durch Nachjustierung erfolgte Absenkung der historischen Daten zurückzuführen. Dadurch "zeigen" die aktuellen Temperaturen einen drastischen Anstieg. Aber den gibt es nicht. Das zeigt die Graphik, die (in der schwarzen Linie) einen völlig gleichbleidenden Verlauf zeigt. Die Erderwärmung gibt es gar nicht, es ist ein rechnerisches Exempel nach Wunsch geformter Temperaturverläufe.  

Eine Erderwärmung (als Abstraktum, das für das verortet Konkrete wahr wird) zeigt sich generell nur dort, wo man das zu Messende, das Ergebnis "Erwärmung", bereits an einem Meßergebnis konstruiert. Denn es gibt ohnehin nur konstruierte Meßergebnisse. Eine "gemessene Erderwärmung an sich", als absolutes Ereignis, gibt es in keinem Fall. Und noch weniger, wenn man "datentreu" bleibt. Weshalb man in jedem Fall der Diskussion nicht WENIGER Wissenschaft, sondern - endlich - mehr wünschen würde.

Die Evidenzen, im Konkreten, fehlen ÜBERALL und weltweit. Deshalb hat die Klimaerwärmungsfraktion nur eine Chance: Den Interpretationshorizont hermetisch und allgemein zu machen. Durch Neurotisierung des gesunden Menschenempfindens, durch Manipulation des Interpretationshorizonts. Ein REIN politisches Vorhaben. das wie ein trojanisches Pferd eine das vorgebliche Projekt weit übertreffende Weltsicht - mit religiösen Implikationen - mitführt. Ganz konkret verortbar. Wer "Klimakampf" sagt, meint etwa auch Gender, meint überhaupt Auflösung allen Seins (im Seienden). Es ist eine neue Religion, die wie ale Häresien und (neuen) Religionen über Simplifizierung arbeitet, weil  ihr die Welt (und menschliche Kultur) zu kompliziert, zu unverständlich ist. Denn um zu verstehen, müßte die Sittlichkeit verändert werden. Das aber geht nicht ohne Mühe. Der Klimawahn ist eine Sünde der Acedia, der Seinsschwäche, die eine Schwäche der Kraft zum Selbstsein, des actu ist.

Tatsächlich hat demgemäß (und dem Erleben gemäß) der US-Bundesstaat Maine zwischen 2013 und 2015 die vielleicht kältesten Winter seit Menschengedenken erlebt, sowie im Jahresschnitt eine Temperaturabsenkung verglichen mit den Jahren zuvor. Diese Winter lassen sich bestenfalls mit den einigen Perioden extremer Winterkälte von vor etwa 100 Jahren vergleichen. "Nicht die Daten lügen, sondern die, die sie verwenden." Offensichtlich soll um jeden Preis verhindert werden daß offenbar wird, daß seit vielen Jahren weltweit sogar eine Temperaturabsenkung - statt eine Erhöhung - stattfindet. Immerhin geht es um die Existenz vieler tausend PR-spezialisten, die ihre Existenz auf den Kampf gegen die Klimaerwärmung gesetzt haben und vorgeben, das auch bewerkstelligen zu können.

Oder sie heben sich die Realität für jenen Moment auf, in dem sie einen Erfolgsbeweis benötigen, nachdem sie erreicht haben, daß man ihnen glaubt und ihre "Maßnahmengebote" umsetzt. Was nicht zuletzt darauf aufbaut, daß sie reale Beobachtungen und Messungen als irrelevant verleumden, und die "Wahrheit" nur durch elitär-hermetische Umdeutungsprozesse erfahren werden kann, sodaß ein Orden des Arkanums zum Monopolisten der Realitätsentschlüsselung wird, die das unwissende Volk aus ihren Händen zu empfangen hat. Kann man mehr Macht über die Welt haben?

Aber es dürften sich tatsächlich die Stimmen stärker melden, die eine Überprüfung der landläufigen Aussagen anhand einer "Inquiry", einer Relektüre der realen Messdaten verlangen. Denn die Indizien mehren sich, daß es mit der Glaubwürdigkeit so mancher Verweise von Erwärmungspropheten darauf nicht weit her sein könnte. Eine Überprüfung jener Annahmen, die zu Korrekturen realer historischer (künstlich verringerter) Meßdaten etwa für Oberflächentemperaturen geführt haben, und dadurch eine Erwärmung in der Gegenwart "belegen" sollen, ist eine Mindestanforderung.


Morgen Teil 2 - Fußnote - Was ist überhaupt "meßbar"? Geist und Verstand







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Der Maschinennutzer erhält ein Maschinenherz

Einen Hinweis auf einen sehr schönen Text aus dem Dschiang Dsi, einem alten chinesischen Weisheitsbuch, verdanken wir dem Leser H aus Jena. Er sei hier an Sie alle, geneigte Leser, weitergereicht. Denn erfügt sich sehr gut in die Intention dieses Blog.

"Dsi Gung [...] sah einen alten Mann, der in seinem Gemüsegarten beschäftigt war. Er hatte Gräben gezogen zur Bewässerung. Er stieg selbst in den Brunnen hinunter und brachte in seinen Armen ein Gefäß voll Wasser herauf, das er ausgoss. Er mühte sich aufs äußerste ab und brachte doch nur wenig zustande.

Dsi Gung sprach: "Da gibt es eine Einrichtung, mit der man an einem Tag hundert Gräben bewässern kann. Mit wenig Mühe wird viel erreicht. Möchtet Ihr die nicht anwenden? [...] Man nennt es einen Ziehbrunnen."

Da stieg dem Alten der Ärger ins Gesicht, und er sagte lachend: "Ich habe meinen Lehrer sagen hören: Wenn einer Maschinen benützt, so betreibt er all seine Geschäfte maschinenmäßig; wer seine Geschäfte maschinenmäßig betreibt, der bekommt ein Maschinenherz. Wenn einer aber ein Maschinenherz in der Brust hat, dem geht die reine Einfalt verloren. 

Bei wem die reine Einfalt hin ist, der wird ungewiß in den Regungen des Geistes. Ungewißheit in den Regungen des Geistes ist etwas, das sich mit dem wahren Sinne nicht verträgt.

Nicht daß ich solche Dinge nicht kennte: ich schäme mich, sie anzuwenden!"




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Dienstag, 26. Mai 2015

Ein einziger Satz

Da berichtet also ein aufgeregter Artikel, mitsamt den längst allgemeinen Beschimpfungen über Versäumnisse der Politik und insbesonders die Bildungspolitik - Äußerungen der Unzufriedenheit,  sind ja heute fast schon Standardton weil übliche Reaktion in sämtlichen Gesprächen, es wird dem VdZ allmählich schon zu viel - und dem Land obendrein, denn Österreich verschlafe wieder einmal die sich gerade vorbereitende 4. Industrierevolution. Darin wird nicht mehr einfach von computerisierten Prozessen die Rede sein, sondern über eine Verkettung von electronic devices, also dem ganzen Programm heutiger Elektronisierungen, vom Wettersatelliten bis zur Logistiksoftware, werden Herstellungsprozesse im Ganzen abgeführt. Menschen sind dann überhaupt nicht mehr notwendig.

Der deutsche Landmaschinenhersteller Claasen illustriert das an einem Beispiel, dem Mähdrescher, die dieses Unternehmen ursprünglich herstellte. Das wird auch weiterhin so bleiben, aber man verkauft heute keine Mähdrescher mehr, das kann jeder Landmaschinenmechanniker, selbst solche aus Indien. 

Zukünftig wird Claasen dafür ganze Systeme anbieten, die nicht mehr auf das Produkt, sondern auf eine wirkliche Lösung wirlicher Gesamtprobleme abzielen. Hier heißt das: über wettersatellitenverbundene Zentralsteuerungen festlegen, auf welchem Feld das Wetter für die Ernte günstig sein wird, um die Mähdrescher "völlig selbständig" zu verteilen, samt Ladekapazitäten und Traktoren, Lagerhäusern, Qualitätskontrollen, Trocknungsanlagen, und weiß der Deibel was noch. Der Bauer sitzt dann zu hause vor dem Computer, und dreht Daumen, während sein Kontostand wächst, so ungefähr. Arbeiter braucht er sowieso nicht mehr.

Selbst Autohersteller experimentieren bereits mit solchen Ketten, denn das ist das Schlagwort: Hersteller werden keine Teile mehr liefern, sondern ganze Ketten. 

Arbeiter wird man dafür nicht mehr brauchen, bestenfalls Softwareingenieure, in zentralen Büros, die sich um Probleme annehmen.

Und natürlich sind wir wieder zu blöd, um uns darauf vorzubereiten, diese Welle aber wird die Zukunft der Industrie, ja die gesamte Produktwelt bestimmen, und wir versäumen sie gerade. In derselben Tagesausgabe der Presse findet sich deshalb gleich noch ein Artikel, der von der Regierung raschest Gelder für die Förderung modernster Forschungsprojekte (in dem Fall: Genforschung) einmahnt. Man sieht sie förmlich über die Gänge der Ministerien wieseln und aufgeregt "moderne Reformen" hier, "Menschlichkeit" dort, in die Programme diktieren.

Wir wollen hier gar nicht näher auf diese Dinge eingehen, die noch ganz andere Konsequenzen haben wird als Arbeitslose, und noch Probleme ganz anderer Dimension aufwerfen werden.

Wir wollen hier nur einen Satz anführen, den ein Leser unter besagten Artikel setzte. Der da nämlich nur einen Satz schreibt. Aber der amüsiert genug. Weil er die Orientierungslosigkeit der Politik, der Medien und Journalisten, aber auch die bald nicht mehr zu überbietende Widersprüchlichkeit der Gegenwart insgesamt, bis auf die Unterhose belegt:

Wie passt Industrie 4.0 zur Politik der Masseneinwanderung???

Sodaß nur noch die Frage auftaucht: Können alle diese Leute, Politiker, Journalisten, Eliten, Moralapostel, weiß der Deibel wer noch, wer sich halt den Kopf über die ganz großen Menschheitsfragen zerbricht, wissen die alle mit diesem konkreten Land, diesen konkreten Ländern, Bürgern, Menschen, deren Bedingungen und realen Gegebenheiten, überhaupt noch etwas anfangen, außer daß sie sich irgendetwas, wörtlich: irgendetwas, wünschen? Wissen Sie vielleicht gar nicht mehr, wo sie leben? Denn das muß doch lästig sein! Diese sogenannten Eliten, und da kann man die Kirchen gleich mit reinpacken, KÖNNEN doch nur noch jeden normalen Bürger, jeden einfachen Menschen als widerliche Ablaufstörung auf dem Weg zur ultimativen globalen Heilsgesellschaft empfinden. Jedes freundliche Wort kann gar nicht mehr sein als heuchlerische Schizoidität.

Pardon, werte Eliten also, Sie wollen am liebsten ein volkloses Land, wi rverstehen. Dafür wird also klammheimlich gesorgt, durch Euthanasie und Abtreibung, das ergibt Sinn. Da hätten wir aber doch noch einen Gegenvorschlag. Denn es gibt doch alles schon per Computer, im Zeitalter der arbeiterlosen Arbeit, fettlosen Fetts, zuckerlosen Zuckers, und sportlosem Sport, in dem die Zukunft einfach so hereinbricht, da kann man nichts machen.

Wie wäre es denn mit ... elitelosen Eliten? Oder nein, ich hab's: mit politikerloser Politik?

Oh, ach ja, das haben wir ja schon. Na dann also ... ein Päckchen Fruchtgummi, bitte.




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Von Königen und Helden

Eine der schönsten Szenen (leider im Netz nur in zwei Teilen gefunden) der Filmgeschichte aus "Lawrence of Arabia". Lawrence erinnert Auda Abu Thayi, den Brunnen seines Volkes, an dessen wahre Berufung als Mensch: Freiheit.

Versteht man die Renaissance als Beginn der Neuzeit Europas so, kann man sie freilich in ihrer anfänglichen Großartigkeit erkennen. In der sie wirklich aus dem Heldengeist des antiken Menschen eine Kultur erneuerte, weil sie in den Jahrhunderten zuvor zum wesentlichen Punkt des Menschseins vorgestoßen war und nicht zurückscheute, ihn mutig zu reklamieren. Sie steht damit wirklich auf der Grundfeste der richtig verstandenen, nur etwas weitergedachten thomistischen Philosophie (die, falsch gewichtet, ihren späteren tödlichen Widerspruch bereits in sich erkennen läßt), der Gotik, die den Menschen aus Fleisch und Blut, den inkarnierten Gott, bereits als den wahren Ort der Sichtbarkeit Gottes erkannt hatte.*











*Und damit begann das Abendland, ganz real und historisch nachvollziehbar, den Arianismus des Islam zu überflügeln, der genau an dieser Wirklichkeit scheitern mußte, aus sich heraus keine kulturelle Entwicklung mehr vollziehen konnte, endgültig stehen blieb und notwendig zurückfiel. Diese Schwelle kann der Islam aus sich heraus nicht überschreiten, auch heute nicht, und auch nicht durch den Not- und Fehlgriff der technischen Aufrüstung, der in Widerspruch zur heldischen Sehnsucht der arabischen Völker gerät, weil ihren Manichäismus bzw. Sopranaturalismus (Gott als der Welt fern) auf die Spitze treiben wird. Damit wird der Fanatismus, der Fideismus noch unausweichlicher zum Schicksal der entsprechenden Völker. Denn die Technik macht nicht familiar mit der Natur, sondern sie benützt sie nur noch.



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Montag, 25. Mai 2015

Indiz

Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, der VdZ hält solche muslmischen Aufrufe - Rechnet mit uns. Überall. Jederzeit. - für KEINE Reaktion, die auf "Ausgrenzung" (in der Schweiz) erfolgt ist. Vielmehr kommt in dieser filmisch aufbereiteten Pose ein existentielles Prinzip des Islam als Religion zum Ausdruck.







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Meisterlich

Zum Vergleich hier die Aufführung der 9. Symphonie Beethovens mit den Wiener Philharmonikern und dem Wiener Singverein unter Christian Thielemann, im großen Saal des Wiener Musikvereins, diesem im 19. Jhd. bewußt als Resonanzkörper gebauten Hauses am Ring.

Vollkommenheit, in der sich jeder Teil ins Ganze zu einem neuen Ganzen fügt, und das vielleicht zu selten bei Beethoven Gesehene - seine Anbindung an Musik als Tanz, weil als Weltbewegung, sein Liedhaftes!* - so durchdringend erfahren läßt. Denn das gibt seiner Musik ihre heroische, tiefgeistige Heiterkeit als tragenden Grund, die man aber hören können muß.** (Die wahrzunehmen auch der VdZ lange Jahre brauchte.) Thielemann reißt dabei das Orchester zu einer Höchstleistung, das sonst gerne einmal etwas "ein-wienert", weil es um seine objektive Qualität ohnehin weiß. Die es hier aber wieder einmal zeigt, die sogar in der Digitalisierung noch erahnbar ist.

Hören Sie hier aber den Tanz der Menschheit? Spüren sie, wie die rhythmische Strenge zur Freiheit der Freude als wahre Heiterkeit wird? Sehen Sie im Schlußsatz die in der himmlischen Erlöstheit wirbelnden, im Tanz schreitenden Paare, Männer in ihren schwarzen Jacken mit goldenen Knöpfen, Frauen in ihren roten Röcken, die das Drehen zu Glocken formt, Völker, die sich vor dem großen Finale noch einmal in höchster Spannung im Gebet sammeln, um dann endgültig, vereint mit dem Chor der Engel, die man mitzuspüren meint, freigeworden von aller Erdenschwere loszustürmen ins Licht, in das sie die Schöpfung mitreißen.

Beethoven mußte es in Stufen aufbauen, in diesem fast 50minüten letzten Satz immer wieder zurückgreifen, um Luft zu holen, um eins ums andere nachzuziehen, was der Zuhörer je zurücklassen mußte, bis er ganz in seiner Spitze des Universalen versammelt ist, denn unerfaßbar wäre sonst die finale Wucht, die menschliche Schale wäre zu klein. Das Wesen des Dramas!






*Als Hörempfehlung erlaubt sich der VdZ die Beethoven-Klaviersonaten in der (schon etwas älteren) Interpretation von Friedrich Gulda zu nennen. Denn meist werden gerade diese Werke überfrachtet mit einer Sentimentalität, die dem Werk gar nicht gerecht, aber von vielen im Rahmen eines unerträglich romantisierten Geniebegriffs als "schön" mißverstanden wird. Das hat auch der VdZ erst bei Gulda begriffen. Denn der zeigt einen ganz anderen Beethoven, einen Tanz- und Liedermacher, an den man viel mehr glauben kann, wenn man das einmal herausgehört hat. Es verläßt einen nicht mehr. Plötzlich erhellt sich nämlich dieser Komponist, als würde er von diesem bedrückenden Gefühlsmuff befreit, und seine Musik wird damit erst wirkliches Gefühl und Geist.

**Der VdZ sieht Thielemann in einer Reihe mit Böhm, Furtwängler, vor allem aber Karajan bei Beethoven-Werken, auch wenn er an Beethoven wieder ganz Anderes sehen läßt. Man höre aber des letzteren (späte) Interpretation von Beethovens 7. Symphonie, v. a. im 2. Satz (ab min. 11,47) - die Symphonie als ein einziger volkstümlicher Tanz.  

Was die Völker (und ihre Musik) unterscheidet, was sie, was den Einzelnen, der immer Teil eines Volkes ist, kennzeichnet, ist im Tanz erkennbar und damit mitteilbar, anderen nachfühlbar geworden. Denn Menschsein heißt zuerst: Rhythmus, Bewegungsgestalt zu sein und daran wie darin zur Menschengestalt werden. Die Welt IST Rythmus.








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Sonntag, 24. Mai 2015

Tod der Sprache = Tod des Denkens

Selbstmord der Sprache geht mit dem Selbstmord einer Kultur Hand in Hand. Es ist die Preisgabe der Rückverbundenheit der Sprache mit dem Metaphysischen, die dieses doppelte Versagen bewirkt. 

"Die Neusprache war die in Ozeanien eingeführte Amtssprache zur Deckung der ideologischen Bedürfnisse des Engsoz erfunden worden. Siehatte nicht nur den Zweck, ein Ausdrucksmittel für die Weltanschauung und geistige Haltung zu sein, die den Anhängern des Engsoz allein angemessen war, sondern darüber hinaus jede Art anderen Denkens auszuschalten ... sollte sich ein unorthodoxer, d. h. ein von den Grundsätzen des Engsoz abweichender Gedanke, buchstäblich nicht mehr denken lassen, wenigstens insoweit Denken eine Funktion der Sprache ist ... Zahlreiche Worte wie Ehre, Gerechtigkeit, Moral, Internationalismus, Demokratie, Wissenschaft und Religion gab es  ganz einfach nicht mehr. Sie waren durch ein paar Überbegriffe ersetzt und damit hinfällig geworden ... 

Es war also in der Neusprache so gut wie unmöglich, verbotenen Ansichten, über ein sehr niedriges Niveau hinaus, Ausdruck zu verleihen ... ein mit der Neusprache als einzigem Verständigungsmittel aufwachsender Mensch würde nicht mehr wissen, daß gleich einmal die Nebenbedeutung von "politisch gleichberechtigt" gehabt oder daß frei einmal "geistig frei" bedeutet hatte, genau so wenig wie ein Mensch, der noch nie etwas vom Schachspiel gehört hat, die darauf bezüglichen Nebenbedeutungen von Turm und Königin kennen kann. Hand in Hand damit geht selbstverständlich die "Gewohnheit, bei jeder nur möglichen Gelegenheit, Abkürzungen zu gebrauchen."



George Orwell in 1984




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Heroische Lebenshaltung als Schale des Geistes

Es ist schon sehr aussagekräftig, wenn ausgerechnet das, was "die Menschen des Islam" mit dem Christentum vielleicht am meisten verbindet, von den Christen am meisten abgelehnt wird: Und das ist das, was Hemmingway mit  vollem Recht als jenen Ort nennt, an dem das Leben seine größte Kraft entfaltet. Es ist die heroische Lebenshaltung!

Und dort liegen in den Augen des VdZ auch jene Anknüpfungspunkte, wo der Muslim, der wirklich Geist, Spiritualität sucht, sich seiner Bruderschaft mit dem Christen bewußt werden könnte, ja wo ein In- und Miteinander möglich würde, das wirklich die Tore zur "einen Religion" öffnen könnte. Wo der Islam seine Wüsten aus den eigenen Wurzeln heraus wieder bewässert. Und die sind das Christentum. Ja, wo wir von den Menschen, die sich Muslime nennen, sogar etwas lernen können. 

Denn wenn auch manches pseudologisch unwirklich geworden ist, so erinnert selbst der Fanatismus der IS und der Islamisten generell an diese Grundhaltung des Lebendigen. Das nicht aufatmet, weil es keine Todesgefahr mehr zu fürchten braucht, und rund um sich Polsterlandschaften der Sicherheit aufgebaut hat. Sondern das sich bewußt dem Tod stellt, um ihn dadurch zur Furchtlosigkeit zu überwinden. Diese genuin christliche Grundhaltung - "non timete!" - des Gekreuzigten ist aus überaus nachvollziehbaren (geistig-seelischen) Gründen "im Islam" in dieser Überzogenheit aufzufinden. Als Problem der Überführung des Geistes ins Fleisch, wie es beim Durchdenken der Konsequenzen des Arianismus (Jesus ist nicht Gott, nur Mensch, "mit Sendung", muhamad also) gar nicht anders kommen kann. 

Aus exakt demselben Grund hat sich Europa poseudologisch, "virtuell" entwickelt; auch hier hat sich die Tugend in den Voluntarismus und Positivismus verlagert - man beachte die heutigen führenden Moralgebote, die sich in zahllosen Lebensführungsregeln niederschlägt, von der political correctness über die Mülltrennung bis zum Klimawandelwahn

Ihre wirklichen Wurzeln liegen aber in der durch Jesus Christus offenbarten Grundhaltung des Menschen zu Gott hin: der heroischen Lebenshaltung, die sich ohne Furcht der Wirklichkeit stellt, den Kopf jederzeit zum Empfang eines Hiebes geneigt.

Die Entstehung wie Ausbreitung des Islam ist keineswegs geographisch belanglos universal. Sie setzt auf einer natürlichen heroischen Mentalität auf, wie sie sich in weiten Teilen der Welt tatsächlich noch erhalten hat. Eine Haltung, wie sie auch das Griechentum so großartig herausgestellt hat, bei allen spirituellen Verkürzungen, die mangels Offenbarung im Christentum kaum anders hätten eintreten können.

Das ist nicht die Wohlstandsmentalität, in der Europas Christentum zur verweichlichten, trägen Wohlstandsgrinsefigur verkommen ist, die ohne das Waten in Versorgtheit und Versorgungshaltung gar nicht denkbar wäre. Und aus demselben Grund die christliche Botschaft zur friedensverschwafelten Luschenbrühe verdünnt, die die Simulation von Liebe, die in Wahrheit gar niemanden berührt und bewegt, am allerwenigsten die die dauernd davon reden, zum Gebot erhebt. Weil man so dem Schmerz der Begnung mit dem Wirklichen, dem Sein, am elegantesten vermeidet, weil man DEM ANDEREN das Schwert des Muts zur Welt und zur Gestalt aus der Hand nimmt. Wo alles eingeebnet ist, ist nichts mehr gefährlich. Weil nichts mehr da ist, nur ausgekaltete Herzen.

Da tut es richtig gut, in den Muslimen - auch - diesen richtigen Impuls der Anti-Moderne zu sehen, aus dem sich so etwas wie "Anti-Amerikanismus" herausdestilliert hat. Denn dazu braucht es heute Heldentum. Man fürchtet im offiziösen Europa aber regelrecht diesen Impuls, diesen Geistesfunken, dessen Gebet ironischerweise die sogenannte "Europahymne" ist - dieses Ineinander von Schillers Ode an die Freude und Beethovens Lebenswerk im Enthusiasmus schloß, in der Erfülltheit mit Gott, im Chor der Schöpfung, in der der Mensch zum wahren Abbild Gottes in der Liebesumschlungenheit von Geist und Fleisch wird. Als Kraft, die wahrlich zu bewegen vermag.

Die Fahne, unter der sich dieser Kontinent angeblich sammelt, und die man in Wahrheit längst fürchtet, genau deshalb weil sie ihre Botschaft sendet. Weil sie da und dort auch europäische junge Menschen erfassen könnte.

Aber es ist diese Haltung des Heroischen, in der sich der Mensch zum Geist der Heiligkeit öffnet, auf daß er darin bade, von diesem übergossen werde, und sich zum wahren Leben im Geist erhebe. Hemmingway hatte völlig recht. Der Mensch ist nur, wenn er liebt. Er ist nur, wenn er heroisch lebt und sich in den Geist übersteigt. Und dort sind wir den Menschen jenes geographischen Raumes, der als islamisch bezeichnet wird, wirklich Brüder. In diesem Funken träfen wir uns wirklich. In jener Männlichkeit, die Hemmingway mit jeder Zeile meint.*

Denen freilich eines fehlt: Jenes Licht, das die Welt erleuchtet hat und erleuchtet, in carnatio, im Fleisch, als Gestalt, und den Menschen der sich zu dieser Gestalt öffnet, zum wahren Heldentum führt. Nicht als tragische Karikatur nach einer Erfülltheit hechelt oder auf eine Erfülltheit wartet (nach wie vor gibt es Strömungen im Islam, vor allem bei den Shiiten, die auf einen Mahdi, einen Erlöser warten), die sie umso mehr verliert, als sie sich danach willentlich explizit streckt.

Das ist dann der wahre Enthosiasmus, die wahre Freude, kein billiges Surrogat der Selbstmanipulation, zu der europäische, christliche Lebenshaltung verkommen ist. Es ist der Geist des Heldentums, der uns erst zu Christen macht, aus dem die Welt überhaupt nur lebt. Das erfassen Heiden, wie Hemmingway, zumindest als das, was dem Menschen wirklich fehlt. Weil sie sich einfach nicht von der Sattheitsmentalität, aus der diese Brühe kommt, die wir als angebliches Christentum durch die Welt spritzeln, einlullen haben lassen können. Zeigen wir allen doch, wo jenes Heldentum liegt, das die gottferne Fleischlichkeit so ersehnt, daß sie nicht auf den Erlöser warten will, den sie nicht sieht, weil wir, geschmackloses Salz, ihn verbergen.









*Oh, er habe sie nicht "gelebt", sondern nur in der Kunst herbeiimaginiert? Wer so redet, weiß nicht, was das Wesen des Künstlers und der Kunst überhaupt ist. Denn des Künstlers Werk ist, und darin unterscheidet er sich in nichts (außer der materia, dem Material) von den Menschen des weltlichen Alltags, des Nutzengeflechts, jenes Medium, in der er sein Leben wirklich lebt und vollzieht. Wie oft wird hier auch von Künstlern ein tragischer Fehler begangen, weil sie dem Druck des Menschseins wie alle anderen es leben erliegen. Und ihren Lebensacker verlassen, und sich auf fremdem Territorium lächerlich machen.



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