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Dienstag, 28. Juli 2015

Fließt Donau oder Inn ins Schwarze Meer? (1)

Nun münden also die Flüsse zusammen, und es ist nicht einmal sicher, welcher in welchen, solche Streits soll es ja auch bei Donau und Inn bis heute geben. Wenn nämlich der Dalai Lama zu seinem 80sten Geburtstag eine Enzyklika - er nennt sie freilich "Appell" - herausgibt, in der er mehr Ethik und weniger Religion fordert, dann ist diese Koinzidenz mit Laudato Si nicht nur durch den Zeitpunkt auffällig.

Immerhin hat der Dalai Lama dabei aber gewußt, daß man solche Ergüsse wahrer Lebensklugheit in Buchform bringt. Denn erst so ist gewiß, daß auch Kampflesbe Cordula aus Bochum es liest, nachdem sie von der Gründemo zurückgekommen ist und eine Besprechung auf den Literaturseiten der taz gelesen hat. Na gut, er hat ja auch keine vatikanische Druckerei, die sind immerhin schneller. Jetzt wissen wir nämlich, warum die Veröffentlichung von Laudato Si unter diesem von vielen nicht verstandenen Zeitdruck erfolgte, sodaß das Schreiben ja nicht einmal ordentlich lektoriert scheint. Was man vom Lama-Buch sicher nicht sagen kann. Aber: der Papst wollte dem Dalai Lama zuvorkommen! Immerhin geht es da um protokollarische Fragen der Bevorrangtheit und so, Bescheidenheit hin oder her. Wenn zwei dasselbe sagen, ist der der früher ist doch irgendwie im Vorteil.

Denn gleich sind diese Ergüsse, ganz auffällig gleich sogar. Nicht nur der VdZ konnte sich beim Lesen des Papstschreibens des Eindrucks nicht erwehren, daß sich darin eine ganz eigentümliche Tendenz regt (sie ist nur nicht direkt ausgesprochen, also: jederzeit bestreitbar), die durch die frommen Nachträge (und die Einleitung) nicht vom Tisch zu wischen sind: Zumindest die Sichtweise zuzulassen, daß auch in Laudato Si der Katholizismus nur noch zur "nützlichen Einrichtung" für ethische Vorhaben abgesunken ist. 

Rein technisch-funktional auf jeden Fall, denn in Laudato Si hat sich die Kirche zum nützlichen Idioten für Anliegen gemacht, deren Fragwürdigkeit auch durch dutzenfache Behauptung von "Wissenschaft" nicht gemildert wird, eher im Gegenteil. Wer ständig von Wissenschaft spricht, ohne sie einfach darzulegen, zu sein, zu vollziehen, macht sich eben recht verdächtig.

Und auch der Ökumenismus des Papstes hat da so seinen eigenen Geruch. Der mit dem des Dalai Lama recht in eins zu gehen scheint. Denn was sagt der "hohe Funktionär dieser Strömung des Buddhismus"?

Der Punkt ist, dass Religion für den Dalai Lama zum Teil künstlich gemacht ist, Ethik verbindet uns alle. Das hat ja auch Laudato Si zur Intention, wie man hörte. Und ebenfalls nach der Enzyklika wurde dieses Papst-Statement öffentlich, in dem er von seinem Vorhaben sprach, alle Religionen zu einen. So irgendwie war das doch? Da käme ihm doch der Buddhist also schon gehörig weit entgegen? Was für ein Zeichen des Geistes, hört man da manchen sogar aufschreien: Der Geist wehte, und er wehte überall gleich, nur je von anderen Richtungen! 

Formal vom Katholischen Dogmenbestand her noch ein bißchen schwieriger, aber mit etwas gutem Willen und viel viel Barmherzigkeit ganz sicher auch zu lösen, ist dieser erstaunliche Ausflug des Tibeters: Kein Mensch wird religiös geboren, aber alle als ethische Wesen. Weil jeder eine Mutter hat, die ihn liebt. (Naja, ganz UN-gendergerecht ist das nicht, aber bitte, der Mann ist ja 80!) Daher (sic!) lieben alle Menschen. Wir brauchen eine säkulare Ethik jenseits der Religionen. In Schulen sei Ethik-Unterricht wichtiger als Religionsunterricht, weil zum Überleben der Menschheit das Hervorheben des Gemeinsamen wichtiger ist als des Trennenden. (Also das hätte jetzt endgültig auch vom Papst abgeschrieben worden sein können.)

Auf jeden Fall aber:  Wer seine ethische Basis für Kompromisse ernst nimmt, tötet nicht Andersgläubige. Er meint aber auch die mangelnde Kompromissfähigkeit in der Politik. Eine Lösung für Griechenland etwa kann nicht an Geld scheitern. Wenn diese Ethik in der Politik Schule machen würde, wären wir ein Stück weiter.

Oder, ein bisserl umformuliert:  Durch intensives Meditieren werden wir feststellen, dass Feinde unsere besten Freunde werden können. In einem gewissen Sinne sind sie unsere besten Lehrer. Bei so viel Spiritualität rieselt einem doch der mystische Schauer über den Buckel, nicht wahr?

Weiß jemand der Leser, ob der Dalai-Lama einen Twitter-Account hat? Denn direkt aus der päpstlichen Beratungsecke, die per Twitter täglich Massen ganz ähnlicher Botschaften ins sprituell aufjauchzende globale Herz in einem Dutzend Sprachen schießen, dürfte stammen: Durch Nachdenken können wir lernen, dass Geduld das wichtigste Gegenmittel gegen die Wut ist. Zorn über andere hilft wenig, stattdessen sollten wir zusehen, dass wir uns selbst ändern. Oder: Das Leben ist kurz. Wenn wir uns den negativen Emotionen überlassen, vergeuden wir es. 




Morgen Teil 2) Zum Schluß das beliebte Gewinnspiel
Wer hat's zuerst gesagt? + Ein Appell




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