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Freitag, 7. August 2015

Bild zu Geist - Geist zu Bild

Von Welt zu sprechen, ohne von menschlicher Welt zu sprechen, ist Unsinn. Wir können aber von Welt nur sprechen, wenn wir ihre Ontologie zugleich als Realissimum eines Weltgestaltungs-Prinzips begreifen. Das heißt: Alles ist zuerst ein Eines, in dem alles potentiell enthalten ist. Dieses beginnt sich nach und nach zu differenzieren, und zwar tut es das in einzelnen Bedeutungen - und so als Grundbewegtheiten, Bewegungen, Formen, Bildern. Im Fortgang der Auseinandersetzung mit der Welt beginnen sich diese Grundeinheiten mehr und mehr zu differenzieren, beginnen sich die Bedeutungen zu schärfen, einzugrenzen, abzugrenzen vom Allgemeinen Allen, aus dem alles hervorgeht, in dem alles enthalten ist.

Und so beginnt auch die Begriffswelt an Bedeutung zu gewinnen. Immer aber als Bezug zu diesem Einen, doch in Abtrennung aus diesem Einen. 

Poesie, schreibt Hamann einmal, ist die Muttersprache des Menschen. Sie ist älter wie der Gartenbau dem Acker gegenüber, wie die Malerei der Schrift, wie der Gesang zur Deklamation, wie das Gleichnis zum Schluß, wie der Tausch zum Handel. Ein tieferer Schlaf war die Ruhe unserer Urahnen, schreibt er weiter, und ihre Bewegung ein taumelnder Tanz. Sieben Tage im Stillschweigen des Nachsinnens oder Erstaunens saßen sie; und taten ihren Mund auf zu geflügelten Sprüchen. Sinne und Leidenschaften bestehen in nichts anderem als Bildern. In Bildern besteht der ganze Schatz menschlicher Erkenntnis und Glückseligkeit.

Aus dem Klang wurde Ton, aus dem Ton wird in der Entwicklung des Menschen vom Kleinstkind an die Sprache, aus der Sprache das Denken. Und alles in Korrespondenz zu diesen Urformen, diese aber mehr und mehr zu einer Welt der Dinge und Gegenstände zu differenzieren. Das unterscheidet den Menschen gar nicht so grundlegend von allen Tieren, die auch nicht in dieser bloßen Formenwelt bleiben, sondern deren Welt, die eine der Bedeutungen ist (Beispiel: Ein Stein ist für den Käfer ein "Krabbelweg", kein Stein; eine Fliege ist für die Spinne uninteressant - interessant ist für die Spinne das Zittern des Netzes, dann wird die Fliege zur Beute, als Fliege aber bleibt sie inexistent: man kann sie direkt neben sie setzen, sie wird sie ignorieren). 

Diese ausdifferenzierte Begriffswelt der Sprache und des Denkens ERSETZT aber die Grundformenwelt nicht, sondern sie überspannt und erweitert sie in eine andere Dimension. Weshalb dem geistvollen Menschen (der ohne lebendige Wahrheit nicht möglich ist, er bleibt sonst lediglich Verstandesmensch bzw. Rationalist) zugleich die Welt der Formen immer bedeutsamer wird: und er seinen Geist, seinen Verstand, seinen Gestaltungs- und Durchdringungswillen auf diese Formen zurück ausweitet.

Zugleich wird ihm jene Form immer mehr zu eigen, in der alles enthalten ist, aus der alles hervorging, bis er zu einem einzigen, alles enthaltenden (und nichts verschwimmen lassenden) Bild wird. Als Heraufholen des Einen-Allen ins Viele - und damit des Einen in die Welt, damit die Welt im Vielen das Eine erzählt.

Ein doppelseitiger Akt, in dem zum einen (im Gehorsam) das Schwingen des Begegnenden im Einzelnen aufgenommen wird, und in dem zum anderen der menschliche Wille in einer Antwort* diesem Schwingen zustimmt, und das bewußte Ich (das wahre Denken) sich diesem Gesamtschwingen (durch Läuterung vom Irrtum, vom nicht im Ganzen gefügten, diesem widersprechenden Teilinteresse) angleicht.





*Das illustriert die Rolle der Liebe, der Sympathie im Erkenntnisprozeß: ohne diese bejahende Liebe ist ein Erkennen eines Dinges, eines Gegen-Standes, nicht möglich, den ich umgekehrt - eine spiralige Polarität - nur im Erkennen (als "etwas" lieben) lieben kann. Umgekehrt ist nämlich Sympathie nur bei gleichem Schwingen möglich, das eben ein Akt ist. Weshalb der im Alles (weil im Vereinzelten hingebende) Schwingende der ist, der am umfassendsten lieben und erkennen kann, weil er der ist, der alles zu schaffen vermag, am meisten aktiv ist. Deshalb der der Mystik in ihrem Fortschritt aber nur scheinbar widersprüchliche Charakter: im Schweigen im Gleichklang mit dem Einen hier, und im Drang zur Aktivität im Vereinzelten dort. Das Eine will sich aus Liebe mitteilen - und setzt dazu den Auftrag zum Vielen, weil nur darüber mitzuteilen ist. Das ist das Wesen der Schöpfung.

Und hierin gründet die Polarität von Mann und Frau, ihr Zusammengehören zum einen Menschen. ("Der Mensch ist seinem Wesen nach ehelich," hat der VdZ hier bereits darzulegen versucht. Eine Tatsache, die sich als Tendenz in der gesamten, je nach Stufe im Bau der Welt, pflanzlich-tierischen Welt bereits andeutet und je nach dem ausgebildet hat: als "Wesenszug der gesamten Natur des Lebendigen".) Die Frau "gehört" mehr jenen Schichten an, die von der Erde kommen - sie schwingt, bis zur Menstruation, im Rhythmus der Erde, sie ist deshalb die Pflegerin, die Gärtnerin, die Nährerin, die Stimmungsvolle. Während der Mann von der "anderen Seite", der Geistseite kommt, und dieses Eine ins Viele - als bzw. zur Welt werdend - führt, in der Ehe der Dinge grundgelegt von dem, was im Weiblichen schwingt. Denn der männliche Geist kann nur "etwas" gestalten, sein Gestaltwille kann diesem Weiblichen nicht zuwiderhandeln.



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