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Mittwoch, 30. September 2015

Alle wollen fliehen. Nicht nur Syrer.

Dieses Video findet sich hier, weil es recht kompakt zeigt, was denn da so häufig gedacht wird. Und darin ist es höchst aufschlußreich. Nicht nur, weil es den großen Teil dessen, was die Menschen heute denken, meinen, glauben, als Nachläufer zur 68er-Bewegung erzeigt.

Da ist das eine oder andere durchaus "richtig" dargelegt. Doch wird es von den nächsten Forderungen bereits wieder konterkarriert: Die 68er lehnen nämlich auch die Lösungen für die Probleme ab. Das macht sie tragisch, das macht sie aber auch gefährlich weil hirnlos. Aber modern. Denn es ist Flucht, nicht mehr und nicht weniger, als Kollektivsymptom. Als Ablehnung des Seins (und damit von allem, was den Menschen und die Welt überhaupt ausmacht) wird das "alles zerstören" dem Problemlösen vorgezogen, das Sein selbst zum Feind. Feind einer diffusen, emotionalen, widersprüchlichen Abwehrhaltung. Denn der Friede der solcherart entstehenden "Einung" ist der Scheinfriede des Nichts.

Aber es ist bei weitem nicht genug, Dinge als "an sich" oder "in sich" richtig oder falsch zu erkennen. Das ist ein ganz gefährlicher Irrtum. Denn Wahrheit, um die es geht, ist weit mehr als richtiges oder falsches rationales Summenziehen. Wahrheit und richtiges Handeln ist kein richtiges Vollziehen von Funktionen. Es ist eine lebendige Macht, die sich auf die Wirklichkeit von Welt und Mensch bezieht, weil diese konstituiert. Darin ist sie niemals ortlos, darin ist sie niemals zeitlos, weil reines Rechenbeispiel. Es ist persönliche, nur in eines jeweiligen Identität mit dem damit verknüpften Horizont gestellte Aufgabe. 

Deshalb bewirkt ein Überfluten der Menschen mit Sachfragen, mit dinghaften Problemen, niemals Besserung oder Lösung. Es bewirkt Verzweiflung, weil sich dem Menschen nur scheinbare Fragen stellen, die er selbst gar nie zu lösen imstande ist. Die Abwehr gegen das Sein ist deshalb ein gar nicht so falscher, zumindest sehr verständlicher Reflex auf die Spätfolgen der Aufklärung. Denn wenn das Sein nicht hierarchisch weil geordnet sondern alles nur rational vollziehbare Funktion ist, muß es jeden erdrücken.

Videos und die diesem zugrundeliegenden Haltungen sind deshalb eindeutig religiöser Natur, und Ergebnis kollektiver Denkverweigerung. Denn Denken hat NICHTS mit allen diesen Teilproblemen zu tun - wenn der Gesamthorizont ins Chthonische, Okkulte absinkt. Nur aus diesem könnte sich erweisen, ob und wie ein Problem einen Menschen überhaupt etwas angeht, überhaupt eine an ihn gestellte Anfrage ist. Solche Zusammenstellungen wie diese, die gar nicht so schlecht zu verschmelzen versuchen (man beachte die Musik!), sind wie der aus einem Opfer aufsteigende Rauch, in dem alles durch die Flamme verschmolzen wird, und als flehentliches Gebet an einen unbekannten Gott in den Himmel steigt. 

Heute wird nicht zu wenig gedacht, auch nicht das Falsche. Heute wird überhaupt nicht mehr gedacht, sondern nur so getan als dächte man, durch Verwendung vormaliger Denkmittel (wie Sprache, dieselben Worte etc.) Was der VdZ an dieser Stelle und an anderen schon vor langen  Jahren vorhergesagt hat, ist nämlich bereits eingetroffen. Die Menschen, und vor allem die jungen oder jüngeren Menschen, sind nicht mehr in der Lage zu denken. Denn ihre Begrifflichkeit, ihre Sprache, ihre Haltungen decken sich nicht nur nicht mehr mit der wirklichen Welt, sondern verfehlen sie nachgerade zwangsläufig, sind Gefangenheiten in Wertigkeiten, die das Wesen der Welt verfehlen. Das wird erlebt, denn das ist erfahrbar. Damit wird aber nicht mehr möglich, daß sich die Menschen auf der Vernunft selbst gründen wie erhalten. So wird aber das einzige, was die Not wenden könnte, zum Feind. Panik bricht aus. Denn das muß sie dann sein, die Apokalypse, die Ausgeliefertheit an Machtbewegungen, die niemand mehr beherrscht. Weil kein Gott.*

Wir leben deshalb in einer Welt der Flüchtlinge. Und diese Flucht ist es, das Europa zu einem Hafen der Einheit macht, zu einem Ort des Nichts, zu dem es alle hinzieht. Wir leben in einer Welt der kollektiven Flucht.








*Und so wird Nietzsches "Gott ist tot" erst verstehbar. Denn als Aussage über das Maß realer Präsenz der Wahrheit - nicht einer "Richtigkeit" - in unserer Kultur hat er es gemeint.






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Verantwortung konstituiert das Subjekt

Als "Stellvertreterin" will die Kirche "den anderen" nichts Fremdes, sondern die "Wahrheit bringen, die sie alle in ihren Kulturen, Mythen, Philosphien und Religionen immer schon suchen. Eigentliche Stellvertretung [...] bedeutet: dem Anderen seine Identität (sein eigentliches Selbstsein) ermöglichen; und nicht: ihn zu einem anderen machen als er eigentlich immer schon ist oder sein sollte. Die Wahrheit, die die Kirche lehrt und lebt, soll also nirgendwo die Wahrheit der anderen ersetzen, sondern im Gegenteil: die Wahrheit "der anderen" zu ihrer eigentlichen Gänze ("Katholizität") befähigen.

Karl-Heinz Menke, in "Stellvertretung"


Dabei, schreibt Menke weiter, kann man von einer eigentlich christlichen Ethik gar nicht sprechen, die da vielleicht mit eigenen Normen daherkäme. (Das beträfe bestenfalls Einrichtungen, Vorschriften und Gebräuche des religiösen Kultes etwa; Anm.) Viel mehr aber muß man von einem christlichen ETHOS sprechen.* Der den Einzelnen als Teil der Menschheit überhaupt in der Verantwortung vor einer absoluten Instanz sieht - Gott. Verwiesen also auf Christus einerseits, auf die Nichtchristen anderseits, die in diesem Sinn nicht in die Gemeinschaft mit Christus, und damit in die Erklösung (dem eigentlichen Selbstwerden sohin, dem Ende der Selbstentfremdung) hineingenommen wären und es ohne Kirche nicht würden.²

Auch Christ zu sein entbindet nicht von den oft sehr komplexen, viel Wissen und Detailkenntnis erfordernden Situationen, in denen nach einer Lösung der reflektierenden wie argumentierenden Vernunft gesucht werden muß. "Eine Ethik," schreibt dazu A. Plack, "die den Menschen nur predigt, sie sollten um Himmels willen einander lieben, ohne daß dabei gefragt wird, wie die Liebe sich durchsetzen soll, ... macht sich selber zum Komplizen des Bösen."

Christlicher Ethos aber ist mehr als der kleinste gemeinsame Nenner, er verlangt "blind nach allem", indem er alles durchdringen will (und auch inhaltlich verändert). Denn er enthält keine einzige Norm, die nicht der Wahrheit über den Menschen schlechthin entspricht.³

Mit einer wesentlichen Folgerung: Denn es ja gar nicht der Einzelne, der quasi zuerst zu sich kommt, und dann Verantwortung übernimmt. Sondern es ist DIE VERANTWORTUNG, die den Einzelnen überhaupt erst zu sich bringt: Es ist die Verantwortung, die Aufgabe aus allem vorausgehender Situationsdefinition, Stand, aus dem Ort also, die den Einzelnen als Subjekt überhaupt erst (in seinem Weltsein) konstituiert.** Verantwortung muß somit in ihrem Zusammenhang mit Selbstverantwortung gesehen werden. Christusförmigkeit heißt immer auch: das Tragen fremder Lasten. Heißt im Für-sein zu mir selber werden.

Und widerspricht darin völlig dem heute geläufigen rationalen Selbstverständnis der Selbst-Verwirklichung aus "Autonomie" heraus. Sodaß der Mensch heute zwangsläufig in die Spannung eines unauflöslichen Widerspruchs gegen seine Natur gerät, und er gerade im Maß, wo er versucht, "autark selbstbestimmt selbst zu werden", ins Gegenteil der Selbstdiffusion gerät.



*Diese Tatsache begründet eigentlich die ablehnende Haltung gegenüber einem "allgemeinen Ethikunterricht". Denn es gibt überhaupt KEINE ETHIK OHNE ETHOS. Die Unvereinbarkeit weil grundsätzliche, sich inhaltlich dann auswirkende Vor- und Richtungsentscheidung jeder "bloßen Ethik" liegt also in diesem Ethos, der auch einen sogenannten "religionsfreien oder -neutralen" Ethikunterricht sehr wohl und in jedem Fall zu einer religiösen Angelegenheit machen würde. Das auch in jene Richtungen geflüstert, die da meinen, Migrationsprobleme und Probleme der Unterschiedlichkeit der Religionszugehörigkeit von Zuwanderern ließen sich durch "Übernahme der Werte unserer Gesellschaft" einfachhin glattstellen. Das werden sie nicht. Weil der Ethos sich unterscheidet.

²In diesem Sinn muß auch die Wahrheit "Extra ecclesiam nulla salus - Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil" in dem weiteren Licht als "OHNE Kirche gibt es kein Heil" gesehen werden. Denn die Kirche, die Versammlung der Christen, steht auch stellvertretend für den Rest der Menschheit vor Gott. Ja, das ist der Kern ihres missionarischen Auftrags! Sie hält in der Stellvertretung, in der Sühneübernahme durch die Christen den Platz für die gesamte, auch nichtchristliche Menschheit im Ordo und Plan Gottes frei. Denn in diesem "für-sein" vollzieht sich erst ihre eigentliche Selbstwerdung. Ein Heil, das freilich vom Vertretenen auch ergriffen oder zugelassen werden muß. Was Kirche also zur Kirche MACHT - ist ihre Stellvertretung. Sie ist nicht Selbstzweck.

³Wovon hier in scheinbar exclusiver theologischer Terminologie gesprochen wird, ist beispielsweise das jedem Drama auf der Bühne, und damit, ja genau damit jedem zwischenmenschlichen Geschehen immanente - wirkliche - Geschehen. Diese Überlegungen erschließen damit auch das Wesen jedes menschlichen Werkes, wie das Wesen des Kunstwerkes.

**Man beachte dazu das an dieser Stelle bereits vielfach Auseinandergelegte zu Identität, Familie, Haus, Staat, etc.




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Garten Frau

Gesehen auf everyday_i_show






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Dienstag, 29. September 2015

Gegen die einbetonierte Elite

Der VdZ schickt es voran: Er hängt keiner der nachfolgend genannten Parteiungen an. Leser dieses Blog werden das wissen. Nicht einmal inhaltliche Nähen ließen sich konstruieren, selbst bei manchen Übereinstimmungen, die es aber auch mit allen anderen gibt. 

Er beschreibt also nur beobachtete Mechanismen, wenn er feststellt, daß der erdrutschartige Wahlerfolg der FPÖ in Oberösterreich bei der Landtagswahl vom 27. September 2015, die nun endgültig beweist, daß sie in der Lage ist, zumindest im Wählerpotential die ehedem "großen" Parteiungen zu zertrümmern. Indem sie seit einiger Zeit, und nun ganz deutlich sichtbar, sogar die ÖVP an ihrer Gurgel zu fassen bekommt. Der die Wähler - nach Jahrzehnten der Selbstauflösung dieser ehedem christlich-sozialen Partei, der eigentlichen und einzigen volks- und staatstragenden Partei nach 1945 - nun endgültig ihren Bund aufsagen. Und zur FPÖ überlaufen. Wie viel da passieren mußte, wissen nur Eingeweihte. Die Frage auf das "Flüchtlingsproblem" zu reduzieren, greift in jedem Fall zu kurze. Das Thema, das die Hilflosigkeit der staatsführenden Parteien fast beschämend aufgezeigt hat, hat den Schritt ins eigentlich Unmögliche nur ausgelöst.

Der Schock saß tief, auch in den Medien, überwiegend gleichfalls ÖVP-nahe. Und einige Stunden herrschte deshalb eine gewisse Zurückhaltung. Denn mit den bisherigen Schlagworten schien dem Aufstieg der "rechten" FPÖ nicht beizukommen, das hat Oberösterreich endgültig bewiesen.

Aber es dauerte nur Stunden. Denn sofort wurde allen klar, daß es nun - am 11. Oktober wird in der Bundeshauptstadt gewählt, einer Stadt, die seit 100 Jahren fest in roter Hand ist und einen direkten Einflußbereich hat, der ein Drittel des Staates Österreich umfaßt - tatsächlich um etwas geht. Der Sturz der regelrecht einbetonierten Sozialisten, die die Stadt regieren und bis in kleinste Institutionen und Einrichtungen parteipolitisch durchdrungen haben wie Wasser einen Schwamm, sodaß selbst ein wirklicher Regierungswechsel praktisch scheitern wird müssen, denn deren Umbau, der erst wirklich zu einer Änderung der Politik führen würde, und nur der würde es, wäre nur über Jahrzehnte zu bewerkstelligen, ein solcher Sturz scheint plötzlich möglich, ja ganz realistisch. Es bleiben nur noch zwei Wochen, um ihn abzuwenden, denn die Umfragen zeigen, daß sich in den Bandbreiten der Prognosen die beiden Parteien (und nur noch die führen diesen Kampf um die Wähler) - hier unten, dort oben - bereits überschneiden. So nahe sind sie sich bereits.

Und augenblicks setzte die Panik ein. Schon gegen Mittag des folgenden Montag begannen die ersten Zeitungen, von den "Gefahren" zu schreiben, die bei einem Sieg der FPÖ, bei einem blauen = "rechten" Bürgermeister, der Stadt drohen. Da schrieb der Kurier bereits von unvorhersehbarer Rufschädigung, von Einbußen im Tourismus und in der Kongresswirtschaft. Vom Verlust des Status von Wien als Weltstadt

Das sind natürlich unhaltbare Behauptungen, die sich nur darauf beziehen können, daß der Ruf Wiens jenen Kriterien nicht mehr entsprechen könnte, nach denen besagte Journalisten und Medieninhaber (und Parteien) Wien gerne definiert und umgestaltet hätten. Genauso gut könnte man das Gegenteil behaupten - und belegen. Der VdZ erinnert sich nur zu lebhaft an wahrlich zahlreiche Gespräche mit Touristen, die Wien als wohltuenden, geliebten Fluchtpunkt des Konservatismus sahen, inmitten einer linksdralligen Welt. Aber das ist gewiß nur der Auftakt zu dem, was den Österreicher in den kommenden beiden Wochen noch erwartet.

Sofort also fallen die Medien nicht nur in alte Schemata der Parteinahme und Manipulationsabsicht zurück. Was zeigt, daß die in den letzten Wochen in einem teilweise wirklich überraschenden Schwenk "bewiesene Offenheit für alle Seiten" nur geheuchelter, plumper Pragmatismus war, den man sofort entsorgte, sobald er sich als unwirksam herausstellte.

Denn die "bürgerlichen" Parteiungen in Österreich, denen sich die Medien sämtlich eingeordnet und als Instrumente zur Verfügung gestellt haben, und wovon sie gut leben (wahrscheinlich nirgendwo in Europa ist die Verflechtung von Medienfinanzierung und Politik derartig ausgewachsen wie in Österreich, hier wäscht nur noch eine Hand die andere) werden nun kein Mittel scheuen, um ihre Pfründe zu sichern. Daß das nach "Sympathie" für die FPÖ klingt, liegt nicht an einer solchen, sondern am simplen Sachverhalt, an den realen Umständen in diesem Land.

In dem es mit Staunen festzustellen gilt, daß die seit 1945 das Land bestimmenden Parteien und Parteiungen die Realitäten nicht mehr erkennen. Denn der VdZ lehnt sich zwar wieder einmal weit aus dem Fenster, aber er hat den klaren Eindruck, daß nach vielen Jahren, in denen die Österreicher immer noch und trotz allem ihren Grundsatzpositionen treu geblieben sind, wenn auch murrend und immer unzufriedener festgestellt haben, daß diese nicht mehr beantwortet werden, sie seit recht kurzer Zeit beschlossen haben, sich also doch davon zu lösen. Und neue Wege zu riskieren. Denn auf den bisherigen - und das nimmt der Österreicher in offenbar schon breitem Ausmaß ernüchtert zur Kenntnis - wird ganz sicher nichts besser, weil jede Partei im Blindflug agiert und die Bereitschaft, sich substantiellen Problemen zu widmen Lippenbekenntnis blieb.

Wollten nicht genau das aber - neue Wege - nicht sowieso alle?

Oh nein, der Österreicher ist nicht plötzlich bösartig geworden. Er hat nur lange zugeschaut, hat nur lange geschwiegen. Nun aber setzt er sich zur Wehr. Und diese Gegenwehr ist die Gegenwehr gegen ... den Betonblock der Elite dieses Landes. Es ist die Gegenwehr jenes Grundstocks an Menschen in diesem Land, dessentwegen der VdZ es immer noch so geschätzt hat - die Menschen, die es eigentlich tragen. Die Menschen mit Vernunft, die es immer noch in erstaunlichem Ausmaß in Österreich gibt. Die aber selben dieser in sich abgeschlossenen, sich selbst perennierenden, zum Albdruck des Landes gewordenen Elite zugehören. Die noch stärker als in Deutschland eines kennzeichnet: Eine tiefe Kluft zur Wirklichkeit, zur Realität. Der aber das Volk zu großen Teilen gar nie entfliehen kann.

Sie sind es, die sich nun endgültig zu Wort melden. Daß das die FPÖ auf sich vereint, ist eigentlich Zufall, in oberösterreich aber gewiß auch dem Geschick des dortigen Parteiobmanns zuzuschreiben, der viel tat um die Zuschreibung von FPÖ=RECHTS oder gar rechtsradikal vergessen zu machen. Damit hat er diesen Grundschichten des Landes den Schritt erleichtert. Einmal aber gesetzt, ist dieser Schritt nun etabliert. Diese Wahl hatte Initiationscharakter, behauptet der VdZ.

Er ist deshalb auch ein gewisses Verdienst, dessen prinzipielle Wurzeln man gewiß bei einer politischen Erscheinung suchen muß, die vor 25 Jahren begann und wieder verglüht ist, Jörg Haider. Und das sagt im VdZ ein Mann, der genau diesen Jörg Haider als Politiker aus hier genau dargestellten Gründen nie schätzte. Schon aus diesen Gründen hätte er ihn nie gewählt, hätte er gewählt.

Wobei der VdZ hier ein Wort einer in diesem Zusammenhang Unverdächtigen - Elfriede Jelinek - anführt, es sagt nämlich viel. Die einmal bemerkte, daß schon deshalb etwas an diesem Land nicht stimmen könne, weil sie selbst sich häufig dabei ertappe, sich von einer ihr möglicherweise zugedachten "nicht richtigen" Richtung loszusagen - nur weil sie die Wahrheit schreibe.

Die heutige FPÖ (die nicht einmal ein halbwegs solide zu nennendes Parteiprogamm, und schon gar keine Konzpte hat!) ist deshalb ein eigentümlicher Beweis der Laune des Schicksals, das sich am Sein orientiert, nicht am Schein. Das deshalb das Faktische weiter umspannt, als die meisten es je wahrhaben werden. Das deshalb auch das vordergründig Untaugliche benützt, um das Richtige auszulösen. Aber sie wird sich ihrer Wählerschaft nie sicher sein können. Sie ist eine Durchgangsstation. Möglicherweise aber als fast groteske Dauerlösung. Denn wenn man von ideologischer Ausrichtung sprechen kann, dann ist es die von 1848. Und die ist ... links.

Man darf gespannt sein, wer das als erstes erkennt. Es steht aber zu befürchten, daß es jene Kreise und Persönlichkeiten und Institutionen, die dies sowohl sehen als auch in Form gießen können, vom Geist wie von der Umsetzungskraft her, in diesem Land gar nicht mehr gibt. Zu lange bereits hat man die Zerstörer gewähren lassen, in der Haltung getragen, auch damit noch fertigzuwerden. Weil Revolution ihrem Wesen widerspricht. Vielleicht aber liegt es auch am Oberösterreicher selbst, der tendentiell immer eine gewisse und sehr katholisch-mutige Wirklichkeitsoffenheit hatte.

Denn an den Medienreaktionen läßt sich deutlich nachvollziehen, daß das Mut braucht. Denn wer so entscheidet ist bereit, sich hinkünftig als dumm, ungebildet und menschlich unzulänglich und grundsätzlich böse oder irregeführt, also nicht frei entscheidend - also: nicht als Mensch! - bezeichnet zu sehen. Von wem? Von der Elite, und denen, die sich in deren Dunstkreis sehen weil Nutznießer sein wollen, sich also andienen. Wer aber ist mehr von Angst beherrscht, als diese Elite? Die Antwort möge der Leser selbst finden.

Die Schockwirkung auf sämtliche übrige Parteien ist förmlich zum Greifen. Nun hat sie es schwarz auf weiß, daß ihre bisherigen Mittel versagen. Wei aber nun reagieren? Es scheint sich alles gegen sie zu wenden. Und die Zeit für einen Kurswechsel ist zu kurz, zumindest für die Wahlen in Wien. Aber man wird reagieren, darauf kann man wetten. Am wahrscheinlichsten derzeit ist: mit Brachialgewalt, mit einem Versuch, direkte Entscheidungen zu beeinflussen. Durch Drohungen, durch Versprechungen, direkt an den Wähler gerichtet. Die Not rechtfertigt ja bekanntlich manchmal alle Mittel. Und hier spielt die Zeit gegen sie. In früheren Zeiten brachen Regierungen aus solchen Anlässen sogar schon Kriege vom Zaun.

Wohltuend ist dieses Ergebnis in Oberösterreich deshalb allemal. Und sei es, weil es dem unbeteiligten Zuschauer wieder Spannung in die Aufführung gebracht hat. Denn die als Starre zu mißverstehende Duldungskraft des Österreichers ist nicht nur sein Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern, ist seine hervorragendste - ja: christlichste - Eigenschaft. Sie ist auch seine entmutigendste, denn sie schien unendlich.

Ob es aber eine politische Kraft geben wird (=in Person; die Politik der Zukunft wird den Personen gehören, behauptet der VdZ, gegen allen Anschein, wie ihn v. a. das Internet errichtet, wird es in Zukunft politisch um Person GEGEN Konzeptualismus gehen, und die Person wird gewinnen), die dieses nunmehr "freigewordene Potential" in Form und Praxis zu gießen versteht, steht zu bezweifeln. So wird es die FPÖ nützen, sie kann diesen Effekt fast nur verspielen. Die Zeit leistet die Hauptarbeit. Es passiert ihr also ohne daß sie genau weiß, wie ihr geschieht.

Denn diese Bevölkerungsschichte Östereichs - die zahlenmäßig die Mehrheit ist - fällt ihr von selbst zu. Als einziger Gruppierung, die nicht der bestehenden Elite angehört, wird sie von einer Woge des Schicksals getragen. Und wenn es diesmal nicht reicht, dann das nächste mal. Vielleicht ist es diesmal sogar noch zu früh für einen entscheidenden Sieg. Denn möglichweise würde sie ihn gar nicht effektuieren können, sich an den Betonblöcken ihre Köpfe zerreiben.

Wenn sich aber die Freude über die Möglichkeit eines "neuen Besens" verselbständigt, wird der FPÖ in Österreich überhaupt nichts mehr unzugängig bleiben. Dann wird sie in fünf Jahren selbst die absolute Mehrheit erringen, nicht unähnlich den Vorgängen in Ungarn vor sechs Jahren, die sich in ein paar Jahren möglichweise noch einmal selbst "nach rechts" korrigieren, weil Orban letztlich Pragmatiker ist. (Und die Jobbik übertrifft die FPÖ an inhaltlicher Schärfe um Längen, es ist ja fast lächerlich, die FPÖ mit ihr zu vergleichen.)

Wie immer man zu dieser FPÖ stehen mag. Aber hier geht es um eine sehr tiefgreifende Stimmung des Volkes. Und der Mensch denkt aus Stimmungen. Wenn er denkt.





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Syrische Aspekte

Die Argumentation dieser syrischen Bloggerin ist klar: Die Destabilisierung des syrischen Staates durch westliche Politik hat jenes Problem ausgelöst, das so "human" zu lösen dieselbe Welt nun verlangt. Es war der Westen, es waren die islamischen Staaten, die die IS als Asad-Opposition erfanden und finanziell wie durch Zuwanderung ausländischer Kämpfer - nicht zuletzt aus Europa - großzogen. Und schließlich so stark machte, daß sie sich verselbständigte. So wurde ein prosperierendes Land, das zuvor sogar 2 Millionen Irak-Flüchtlinge aufgenommen hatte, zerstört.

Aber wer wenn nicht der syrische Staat selbst soll diese Probleme lösen? Die Syrer wollen nicht ihr Land verlassen, sie wollen dort in Ruhe leben. Und dazu muß man den immer noch bestehenden Staat stützen, nicht ihn durch Boykott und fremde Einmischung weiter schwächen. Oder will Europa sämtliche 7 Millionen Flüchtlinge, die sich innerhalb Syriens bewegen, auch aus dem Land holen? Wie soll Syrien jemals zur Ruhe kommen, wenn die Länder, die von Intervention sprechen, sich zugleich gegen den Staat Syrien stellen? Es gibt keine Alternative!

Nebenbei: Warum die arabischen Länder keine syrischen Flüchtlinge aufnehmen? Weil sich, so SyrianGirlpartisan, die Syrer ethnisch und religiös von den Arabern unterscheiden. Syrische Flüchtlinge? Es wäre interessant zu prüfen, wieviele der "Flüchtlinge", die Europa derzeit stürmen, überhaupt Syrer sind. Die Syrerin meint: der allergeringste Teil.









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Technik und Sinn sind untrennbar

Der Verdacht, den der VdZ hier schon mehrfach geäußert hat, erhält immer neue Nahrung: Daß die sogenannten Erneuerbaren Energiequellen keineswegs neutral auf den Wärmehaushalt der Kleinklimaten wirkt, sondern diese erst recht das prodzuzieren läßt, was diese Großmaßnahme zur "Klimarettung" angeblich verhindern will: Sie erhöht die Temperatur in jenen kleinen Räumen, in denen sie aufgestellt sind.

Eine Studie von Forschern aus Max Planck Institut für Biogeochemie in Jena und dem Institut für Erdsystem-Modellierung in Hamburg hat nun ergeben, daß die Entnahme von Energie aus Wind den Energiehaushalt der niederen Atmosphärenschichten wesentlich deutlicher schwächt, als bisher angenommen wurde. Das führt zu Veränderungen in jenen Luftschichten, denen diese Energie entzogen wird - das lokale Kleinklima ändert sich, und zieht eine Kettenreaktion vor allem in den angrenzenden Kleinräumen nach sich.

Aber noch eine Konsequenz hat dieser Umstand, schreibt EIKE.  Denn die theoretische Energieausbeute bei Windparks, die sämtlichen Berechnungen über deren Wirtschaftlichkeit zugrundliegt,  ist um den Faktor 7 (!) geringer, als Investoren (vorwiegend Privatanleger) bislang vorgemacht wurde. Denen gefließentlich sowieso verschwiegen wird, daß trotz der Einspeisegarantie-Erträge aus öffentlichen Mitteln nur ein Drittel der deutschen Windräder Gewinn abwerfen, der Rest fährt mit Verlust oder hält sich gerade so über Wasser.

Die Sinnhftigkeit menschlichen Handelns ist eben keine "akademische Frage zum Nachmittagskaffee", sie durchwirkt eine Tat von der Wurzel bis in die Spitze. Auch in diesem Fall wird es deutlich: Was ontologisch sinnlos ist, hat auch ökonomisch keinen Sinn. Daß das oft dennoch trennbar scheint, oder so dargestellt wird, ist auf mangelhaft durchdrungene Zusammenhänge zurückzuführen, nicht auf die Macht des Menschen, auch aus Sinnlosem teilhaft Gutes herausholen  zu können. Deshalb macht man sich oft Illusionen, auch über die Fähigkeit, Technik zu nutzen. 

Auch im Fall der Erneuerbaren Energien ist man einem bloßen Schlagwort, der Illusion nachgelaufen, in einem abgeschlossenen Raum zu agieren. Niemand hat sich noch Gedanken gemacht, was dieser Eingriff in das Weltgefüge sehr wohl "eine Rechnung stellt". 

Was gegen das Wesen der Natur verstößt, kann nicht hier Gewinn, und dort Verlust bringen, sondern es ist immer und in jeder Hinsicht ein Verlust, auch in rein technischer Betrachtung. Menschliches Handeln ist im Grunde nur ein Verlagern von Sinndarstellung. Aber das ist es immer. Nichts hat keine Auswirkungen.

"Mit Falschem läßt sich kein Richtiges erzielen" - dieser alte Grundsatz der philosophia perennnis des Abendlandes erweist sich also auch bei den Windrädern. Wo gegen den Sinn verstoßen wird, erzeugt menschliches Handeln prinzipiell immer das Gegenteil dessen, was es angeblich bewirken soll.

Wir stehen nie vor der Frage, ob wir mit oder ohne Gott - Logos, Sinn - handeln wollen oder können. Wir stehen vor der Frage, ob wir sinnlos handeln wollen, oder nicht: Aut Deus - aut nihil. Entweder mit Gott, oder das Nichts.

In dieser ganzen unseligen Frage der "menschengemachten Klimakatastrophe" haben wir uns gegen den Sinn - zugunsten einer partiellen "(Ablauf-)Richtigkeit" - entschieden. Die Folgen werden wir in einer Erschütterung des Ganzen unserer Lebenswelt zu tragen haben. 

Denn dieser Schlüssel jedes irdischen Geschehens hat eine fatale Konsequenz: Auch sinnloses Handeln folgt nämlich einer Erfüllungslinie, die sich auf einen Sinn - des menschlichen Handelns als Gegenüber zum logis, zum Sinn überhaupt - bezieht. Das heißt, daß sich menschlicher Irrtum im eigentlichen Sinngefüge der Welt auf seine Weise sogar erfüllt, aber zum Stein im Getriebe der Welt wird, den diese zermalmt. Das Klimawandelgewäsch ist ein Verstoß gegen diesen Sinn, gegen den ordo der Welt, gegen die göttliche Vorsehung. Was heute aus dieser Motivation getan wird, wird uns morgen deshalb erschlagen. Denn in der Ordnung des Seins wird anders gewichtet, als in der vom Sinn abgekoppelten menschlichen Beschränktheit, die in diesem Ganzen etwas ganz anderes ist, als die Menschen glauben.





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Welt der Erwachsenen


Gesehen auf everyday_i_show





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Montag, 28. September 2015

Erkenntnis als Synthese der Gemeinschaft

Die Begegnung, schreibt der Thomist August Brunner in "Person und Begegnung", ist Grundlage und Ausgangspunkt jeder Erkenntnis, niemals Sache eines isolierten Einzelnen. Und noch weniger eine logische Folgerung. Menschliches Sein hat dagegen immer gemeinschaftlichen Charakter, ist ein Mitsein, und das macht sich auch in allen weiteren Erkenntnissen geltend. 

Die Erkenntnis wirklicher Seiender beruht also nicht, wie oft und falsch vorausgesetzt wird, auf einer einzigen Erkenntnis eines einsamen Menschen, sondern auf einer Zusammenschau, einer undurchdringbar komplexen Synthese vieler Einzelerkenntnisse, die zum geringsten Teil (!) aus eigener Erfahrung stammen, sondern von der Mitteilung von anderen herrühren. Und sie wird mit der Sprache übernommen. Der es dann ja ein Leben lang nach-zudenken gilt.

Weil aber jeder Mensch in seinem Psychischen in einer weitgehend "nicht mitteilbaren", nicht geteilten Je-Meinigkeit steckt, die nur ihm also eignet, besteht bei jedem Menschen eine gewisse Abgeschlossenheit. Alles, was er erkennt, zeigt somit eine gewisse Färbung. 

Nun wird aber in der Begegnung mit dem Mitmenschen immer ein gewisser "Hintergrund" mitgedacht. Und dieser Hintergrund ergibt sich aus dem Eigenen, das für das allen, auch dem Begegnenden Zubehörige gesehen wird. Es ist das, was ihn zum Menschen macht, als Person begreifbar macht, so, wie ich mich als Person erfahre. Jede Teilerkenntnis bezieht sich auf diesen Hintergrund, den ich beim anderen automatisch mitdenke, denn jeder Mensch ist immer ein Ganzes, eine Einheit. Er wird aber nur deutlich, wenn er sich durch Teilerkenntnisse über den anderen quasi auffüllt, konkret wird.

Einheit unter Menschen entsteht also durch den ihnen je gemeinsamen Boden einer ihnen gleichen Überlieferung. Und diese Überlieferung muß zwangsläufig in Institutionen (zu denen auch die Sprache ja gehört) Ausdruck finden, weil sie nur von dort her wirken kann. (Der Mensch ist nicht wahlweise, er ist prinzipiell Kulturwesen.) Wenn diese nicht gleich war oder ist, wenn die Institutionen unterschiedlich sind, entstehen im Erkennen unausweichlich Mißverständnisse. Das ist keineswegs eine "bewußte" Angelegenheit, sondern vollzieht sich als Mitgedachtes bzw. im Mitgedachten. Das sich in der Einordnung des Teilhaften am anderen ausdrückt. Denn das läßt sich nur verstehen, wenn es in ein Ganzes eingeordnet wird; erst so erschließt sich seine Bedeutung und sein Wert.

Zwar sind diese Unterschiede - wie sie sich in den Unterschieden unterschiedlicher Kulturkreise, ja Landschaftseinheiten zeigen - prinzipiell überwindbar. Aber sie sind es nur durch eine allmähliche Abgleichung der im Sprechen, im Gespräch, in der Begegnung nach und nach synchronisierten, also auf den (wie gesagt: immer nur zu einem Teil bewußten) Gesamthorizont abgestimmten Teilerfahrungen und -bedingungen.

Damit wird auch klar, daß ein "Erlernen der Sprache" als Vollzug einer Einung niemals ausreicht. Denn was es zu synchronisieren gälte wäre die jeweilige Muttersprache. Ein Mensch ohne Muttersprache wäre zu einer solchen Einung damit gar nicht in der Lage, denn ihm fehlt überhaupt das Selbstwerden, von dem aus er einende Erkenntnis gewinnen könnte. (Wer also Menschen fremder Zunge in einem Land Bürger werden läßt, hat sich gleichzeitig dazu entschlossen, deren Sprache zur offiziellen Mit-Sprache zumindest für ihre Belange zu erheben.)

Dabei ist Zeit ein unerläßlicher Faktor. Denn jede dieser Abgleichungen muß nach und nach im jeweiligen Lebensvollzug verfleischlicht werden. Daraus ergibt sich gleichermaßen, daß speziell religiöse Unterschiede zu einer Unver-Einbarkeit von Menschen führen können, wenn nicht eine gewisse Synchronisierung auch dieser so tiefgreifenden, existentiellen Lebensgründe passiert. Und auch das wird in jedem Fall viel viel Zeit - Generationen! - brauchen, weil es nur in allmählichem natürlichem Vertrauen gründen kann. Während beim "Übernehmen einer (Nicht-Mutter-)Sprache" alles das fehlt, was überhaupt den Hintergrund für Erkenntnis des anderen liefern könnte, und sich schon rein aus physiologisch-psychischem Andrang damit unbeantwortet findet.²

Es nützte also auch herzlich wenig, "allgemeine Gesprächsrunden"* anzusetzen und zu meinen, nach ein paar Treffen sei das überwunden. Das mag vielleicht sogar in gewissen intellektuellen oder abstrakten Bereichen (wie in der Mathematik, oder durch gewisse Methodik in der Naturwissenschaft) der Fall sein.

Nur in Allmählichkeit läßt sich also jene Durchdringung der je im Fleischlichen, im Psychischen manifestierten Weltposition erreichen, die eine immer weitergehende Vergeistigung der Begegnung von Menschen ALS PERSONEN als Ziel hat. Eine geistig-seelische Haltung, die dieses Ziel ausschließt, kann deshalb niemals akzeptiert werden. Es wäre ein Widerspruch eines Staates bzw. Landes in sich und würde das Recht zersetzen. (Übrigens ist das im Materialismus auch bei uns bereits passiert.)

Um solcherart stattzufinden, braucht es in jedem Fall also eigentlich Generationen, weil ein Erwachsener ja auf einem Boden steht, den er kaum einmal noch abzulegen vermag.** Nicht einmal, wenn er "sich bekehrt" (um es an einem konkreten Beispiel zu illustrieren.) Mehr als die Einigung auf ein gewisses pragmatisches Nebeneinander, das ein allmähliches Einen langfristig zumindest nicht verhindert, ist hier gar nicht möglich, will man nicht sogar eine Abwendung vom Einungswillen provozieren.³

Daraus läßt sich auf die unausbleiblichen Folgen schließen die erwachsen, wenn eine Umgebung in Pluralismus bzw. Heterodoxie zerfällt. Denn so wird für immer mehr Menschen ein Selbstsein schwer, wenn nicht unmöglich, weil es der Selbstverständlichkeit des Alltags fehlt. (Übrigens ist Amerika ein hervorragendes Beispiel, das genau das belegt: In seinem Zerfall in zahllose kleinere oder kleine Gemeinschaften.) Erst so kann man den Satz verstehen, der da vom "Fremdwerden im eigenen Land" spricht. Die Menschen haben deshalb ein Recht (!) darauf, sich "unter seinesgleichen" in einer gewissen Geschlossenheit und Quantität zusammenzufinden. Weil ein Selbstwerden nur unter Anerkennung des anderen bzw DURCH ihn stattfinden kann.

Fehlt dies, so ist der Ausweg, sich Anerkennung über Sachwerte zu besorgen, nur mehr logisch. Denn über Macht, Geld und verbriefte Leistung wrd diese Anerkennung zum scheinbar unraubbaren Besitz. (Weshalb der Schutz des Eigentums in den USA so extrem hohen Stellenwert genießt.) Das muß fast zwangsläufig folgen, weil aus dem bisher Gesagten auch hervorgeht, daß der Mensch den anderen und seine Anerkennung nicht nur braucht, sondern auf die Anerkennung als Person für sein Selbstsein ANGEWIESEN ist. Und hier finden wir den eigentlichen Kitt einer Gesellschaft: Dieses Angewiesensein, das natürlich auch Ablehnung als Mögichkeit einschließt, kann nur frei passieren. Damit ist es die ungeschuldete Liebe, die eine Gesellschaft zusammenhält - oder nicht. Im nicht erzwingbaren Geben genauso wie im nur (wenn man so will: aus Gnade) zu empfangenden Nehmen. Hier liegen Pflicht zur Liebe wie zur Dankbarkeit, die in einer geeinten Gesellschaft (auch institutionalisiert) alle einander schulden. Und genau deshalb nicht heißen kann, daß es einen Zwang geben kann, wahllos und ungemessen Außenstehende einzulassen. Ja, das Recht hat die Aufgabe, den Einzelnen im Selbstsein wie Besitz (als Außenring des Selbstseins) vor der Übermacht des Fremden zu schützen.

Damit wird auch sehr vieles an gegenwärtigen Erscheinungen speziell unter jungen Generationen in unseren Ländern begreifbar bzw. als Symptom erkennbar. Mit dem stärksten Merkmal: Dem durch Auseinanderreißen von Form und Inhalt abwertbaren, damit entfernbaren Wert des selbstverständlichen Erbes, der Tradition. Und das Verlagern auf vergegenständlichende, verdinglichbare Anerkennung. Denn hier gibt es nur noch Moralismen, und die deren Macht begründende wie aufrechthaltende Rolle der Medien. Während die Verdinglichung seiner selbst (um Anerkennung zu besitzen, vom anderen, ja vom Sein überhaupt unabhängig zu machen) bis hin zu Körpermerkmalen und Eßmoden geht (die eigentlich -störungen, weil willkürlich-moralisierte Festsetzungen sind.)

Ein gezieltes Zerstreuen der Einzelnen, ein Durchmischen gewissermaßen, führt - das wird nun gewiß im illustrieren sollenden Rückgriff auf die Praxis verstehbarer - nicht zu einer rascheren Einigung, sondern zu einer Verhinderung einer solchen Einigung. Und nimmt damit einem Land seine entscheidenden Kräfte, und macht es von innen her zerfallen. Einung wird nur noch als pragmatischer, nur im Außen bleibender Akt des Willens möglich, um wenigstens äußere Widersprüche gewaltsam zu glätten.






²Es nimmt deshalb keineswegs wunder, daß die Rufe nach undifferenzierter und ungelenkter Zuwanderung defacto immer aus Kreisen von Menschen kommen, die nicht mehr verwurzelt sind, oder diese Wurzeln (namentlich: die Mutter) hassen (und meist aber sogar das Gegenteil behaupten; es verrät also eine umgelenkte Ersatzhandlung). Ja, sie sind ein Kriterium, nach dem diese erkannt werden. Kein Wunder also auch, daß ein Migrationakind wie der Bergoglio-Papst dazu aufruft. Und die ihm dabei gleichtun, verraten sich ebenfalls. 

*Man denke an Zuwanderer aus anderen Kultur- und gar Religionskreisen.

**Das zeigt sich sogar innerhalb christlicher Konfessionen, man denke an konvertierte Protestanten, die so gut wie immer viele Jahre, manchmal ein Leben lang, und auch in deren Nachkommen, auch wenn sie das nicht selbst bemerken, einen tiefen Unterschied im selbstverständlichen Verstehen des Katholischen zeigen, der über rein intellektuelles Verstehen oder formale Vollzüge weit hinausgeht.

³Äußerst aufschlußreich ist dazu die Geschichte der Juden in Deutschland. Denn diese standen zu Beginn des 20. Jhds., nach Jahrhunderten als Parallelgesellschaft, vor einer regelrechten Kippe zur vollständigen Assimilation, standen davor, wirklich in Deutschland aufzugehen. Erhebungen zu Beginn der 1930er Jahre belegen das. Man möge daraus seine vielfältigeren Schlüsse ziehen.





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Ein bißchen schwanger geht nicht (3)

Teil 3) Leute, die gegen das Gendering auftreten, leisten den Bärendienst - 
Wie Birgit Kelle dem Gender-Mainstreaming die Rutsche legt - 
Das Video





Aber wo wäre der Mut zu sagen, daß es im Wesen (!) der Frau liegt, sich zuerst und vor allem um Familie und Heim zu kümmern? Daß sie das mit allergrößter Wahrscheinlichkeit weil Naturgemäßheit zu einem geglückten Leben führt. Während Beruf, Öffentlichkeit in erster Linie Sache des Mannes sind. Zumindest in den meisten Fällen, weil unzweifelhaft (damit argumentieren ja oft sogar Feministen) die geschlechtliche Grunddisposition auch das berufliche Wirken durchwirkt. Das heißt, daß vielen Berufen die notwendige Sachlichkeit des Männlichen (weil diese Aufgaben das brauchen, ja darauf aufbauen) einerseits fehlt, und anderseits (typisch weiblichen) Berufen genau diese Eigenschaftlichkeit des Weiblichen. Ein öffnen der Berufsfelder für beide Geschlechter bringt zumindest, als Nebeneffekt, eine persönliche Spannung ins Treffen, die der Aufgabenerfüllung alles andere als zuträglich ist. Doch kann das gaze Spektrum der Argumente hier nur angedeutet werden, der Leser möge es weiterspinnen.

Ja, es stimmt schon, das Mann- oder Frausein kann nicht in absolute Bilder der Vorstellungswelt gepreßt werden. Sie haben eine gewisse, aber nur eine gewisse historische Relativität. Aber darüber darf nicht übersehen werden, daß diese Bilder zumindeste Näherungswerte für ein individuell erfülltes Leben bedeuten. Sie bedeuten Grundeigenschaftlichkeiten, die sich im historischen Kleid je nur etwas anders ausformen, und doch gewisse Zuschreibungen gestatten. Worunter auch die (ontologisch gesehen:) hierarchische (weil auf anderer Ebene damit: funktionale) Zuordnung der Geschlechter zu verstehen ist. Wagt man darüber aber zu sprechen? Dabei ist das die Grundbedingung des Seins überhaupt, das erst im trinitarischen Geschehen, als Analogie zur Dreifaltigkeit also - in der es auch um EINEN Gott geht, der aber in drei hierarchisch einander zugeordneten Personen verfaßt ist - begreifbar wird.

Dies ist grob angerissen die Argumentationslinie, der die notwendige, wirklich notwendige (weil eine ganze Generation bereits ins Unglück stürzende)  Gegenwehr gegen das Gendering folgen muß, will sie nicht weggeblasen werden, wie sie das derzeit wird. Und es wäre höchste Zeit, die Schäden sind bereits gigantisch! Dem muß anderseits in einer vorsichtigen Rekonstruktion aber auch ein positives, identifikationsfähiges Gegenbild folgen. Ehepaare im unisex-Schlabberlook, in der der Mann das Baby in der Trageschlaufe hat und beide mit neutralisiert-abstrahierter "Liebe" um sich werfen, sind dazu denkbar ungeeignet - weil selbst bereits genau dieselbe Gender-Verfehlung, lediglich über wesenlose "Frömmlerei getauft".

Begreift denn niemand das Tückische - die metaphysische Dimension, die ins Individuelle tief eingreift - der Reduktion von Beruf und Verdienst auf einen abstrakten "Leistungsbegriff", dann wäre der Beruf durchaus geschlechtsunabhängig zu sehen? Und was ist mit dem Zauberwort der Gegenwart - dem Unsinnswort von den "gleichen Chancen"?

Der Grüne hat im Video deshalb völlig recht, daß die Argumente einer Frau Keller regelrechte Plädoyers für Gender-Mainstreaming sind - und die Dame merkt es nicht einmal. Sind das also die Vorkämpfer, die die Sache braucht? Dann müssen die Genderpropheten nur geduldig zuwarten.

Es braucht vielmehr endlich mehr klare, reflektierte (!) Köpfe und noch mehr Mutige, die nicht mit gewissen Feminismen doch noch kokettieren, sondern sich an den Grundtatsachen des Menschseins (der eigentlichen Grundlage des zuerst Gefühlten, der eigentlichen Grundlage des gewußt Gewußten, weil in den Dingen unbewußt Geschauten) orientieren.

Von solchen Argumentationsträgern aber distanziert sich der VdZ mit aller Deutlichkeit! Sie sind kontraproduktiv. Denn sie spielen dem Gendering regelrecht in die Hände. Derzeit erhalten wir mit dem Gendering nur die Früchte einer ganz tiefgreifenden Zersetzung. In dem Befürworte wie Gegner im selben Boot sitzen, in dem sie im selben Strom auf den Abgrund zutreiben, während sie sich kokett streiten.

Das Gendering abzulehnen muß viel tiefer ansetzen als im pragmatischen Verhindern der einen oder anderen Auswüchse. Der Ast wächst aus dem Stamm. Und schneidet man ihn hier ab, wächst er dort nach. Ein bißchen schwanger geht nicht.

Dort ansetzen, wo sich die Lebenswirklichkeit der Menschen in der "unbeobachten Realität" sich diese metaphysische Gegebenheit sowieso immer wieder ihre Wirklichkeit sucht. Auch das zeigt das Video. Und das macht die gesamte Diskussion zu einem Gutteil ohnehin zu einem substanzlosen Geplappere. Denn das gewußt Gewußte ist eben immer und bei jedem da. Ideologische Verdrängungsmechanismen haben nur die künstliche Ebene der Bewußtseinsvernebelung. Die Diskussion bietet aber in der heute geführten Weise für alle (!) Seiten die bequeme Möglichkeit, der wirklichen Selbstwerdung - in Selbstüberschreitung, im Empfang des Ich aus dem Du, die auch eine Selbstüberschreitung auf ein (in einer Kultur zu normierendes) Geschlechterbild ist - aus dem Weg zu gehen. Das macht sie schlicht und ergreifend zu der Tragödie, die sie ist.









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Aus den täglichen Heften

Wer etwas werden will, wer etwas sein will, darf sich nicht selbst "machen" wollen. Er muß sich auf etwas hin - ein Haus, ein Dach, ein Drittes - überschreiten. Das ist die gleichermaßen egoistische wie völlig selbstlose Position des Menschen überhaupt. Erst von diesem Bezugspunkt aus wird der Mensch wirklich.

Und es zeigt sich bei den Menschen heute, zumalen bei den jungen: Sie treten in ein Dach, in ein Haus ein, denn Zuhause gibt es für sie keines mehr. Und dieses Haus ist ein Angebot, ein verlockendes Offert der Umgebung. Denn was die Linke geschafft hat, was die Politik geschafft hat war, solche Häuser anzubieten: Als Zugehörigkeiten, mit entsprechender Identitätsgarantie, wenn man eintritt.

Hier hat wirklich das abstrakte Gesellschaftliche das konkrete Private, das Familiäre, das Lokale verdrängt - das eine substantiell geschwächt, das andere substantiell ausgebaut. Und zwar unter dem Versprechen, daß es kostenlos sei: Wer diesen Häusern beitritt, profitiert nur, heißt es, "wird" etwas, er muß nichts geben, er kann sich die eigentliche Arbeit der Liebe, der Selbstüberschreitung, der eigentlichen Selbstwerdung ersparen. Er bekommt es per Rechtsanspruch, er bekommt es methodisch garantiert und fertig vordefiniert. Und ohne jedes persönliche Investment, ohne Verdanktheiten (wozu die "Anti-Diskriminierung" in Wahrheit dient, die Identität und Ort ohne persönliches Risiko des So-Seins bedeuten will.)

Und er bekommt vor allem - Heiligkeit, Gutheit. Eine abstrahierte Gutheit, die sich nicht mehr am eigenen Gewissen formt und Maß nimmt, sondern Verhaltensschemata erfüllt.




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Sonntag, 27. September 2015

Völkerwanderungen

Eindrücke vom österreichisch-ungarischen (zuvor bereits verwaisten) Grenzübergang Nickelsdorf vom 5. September 2015.

Man schätzt, daß zumindest ein Fünftel der Zehntausenden, die nur in diesen Tagen zu Fuß über den Balkan nach Österreich marschier(t)en (um nach Deutschland weiterzuziehen), aus dem Mahgreb stammen, aus Marokko, Tunesien, Algerien. Wieviele aus dem Balkan die Gunst der Stunde nutzten ist unbekannt, denn eine Registrierung ist weitgehend nicht erfolgt. Man ließ die Menschen ins Land in der Hoffnung, sie würden schon weiterziehen. "Ein sozio-ökonomisches Experiment unabschätzbaren Ausmaßes," meinte Roland Tichy auf seinem Blog. Der überwiegende Teil dieser Zuwanderer wird hier bleiben, trotz nicht vorliegendem Asyl-Status, und auch der Rest wird absehbar nicht in der Lage sein, seine Existenz selbst zu bestreiten, wird also ohne absehbares Ende alimentiert werden müssen. Damit baut sich sozialer Sprengstoff höchster Brisanz auf. Ein anderer schrieb: Ein Staat löst sich auf, wenn er seine Grenzen beliebig öffnet, denn er gibt die Idee eines Rechtsraumes auf, auf der er aber beruht.

Auch hierüber hat der VdZ bereits eingehend geschrieben, und seine Einschätzung von vor ein paar Jahren bestätigt sich ständig mehr: Eine "Integration" wird nur "gelingen", wenn sich die politische Organisation unserer Länder weitgehend umbaut, vor allem die Idee eines geeinten Staatsvolks aufgegeben wird. "Friedlich" kann das nur ablaufen, wenn die Verwaltung auf religiös-kulturellen Parallelgesellschaften einstellt, der Staat zu einer pragmatisch-funktionalen Notinstitution zur Beherrschung jeweils autonomer Gebiete umgebaut wird. Die Frage wird dann freilich sein, woher eine alles doch noch zusammenfassende (dann: Reichs-)Regierung ihre von allen akzeptierte Legitimation bezieht. In jedem Fall ist ein weiteres schweres Problem absehbar: Der Umbau der Herkunftsquellen für Identität. Denn Identität BEGINNT im Staat weil in der explizit gemachten Volksgemeinschaft, der man zugehört.

Wer das bestreitet, bestreitet die Wirklichkeit von Universalien, und fügt sich dem nominalistischen, die Wirklichkeit zerreißenden Irrtum. Zu glauben, man könne das durch universalistische Begriffen - auch "Kirche" ist hier zu nennen - ersetzen, ist ein schwerwiegender Fehlschluß. Denn auch Kirche gibt es nur auf dem Boden des Konkreten der Natur, des Individuums - und damit wieder: auf dem Boden natürlicher Gemeinschaft, in der jedes ihrer Glieder von den Universalien her mit Eigenschaftlichkeit und Transzendenz überrieselt wird. Sie sind das Material, IN DEM sich Individualität zur Gestalt bringen kann. Die Probe aufs Exempel kann der Leser in einem einfachen Gedankenexperiment machen: Indem er versucht, einen Menschen zu zeichnen, zu malen, der NICHT durch Universalien konkret, ja dadurch erst zum realen Menschen wurde. Einen abstrakten Menschen "gibt" es nicht.

Christentum heißt also ganz sicher NICHT, die Ausprägung des Eigenseins aufzulösen, um sich in einem abstrakten geeinten Menschsein wiederzufinden. Sondern es heißt, einander IN DIESEM EIGENSEIN, in aller natürlichen Logik und Ordnung wie notwendigen Begrenzung, in Liebe zu begegnen. Toleranz heißt nicht, das Eigensein des anderen zu ignorieren, sondern ihn IN seiner Fremdheit zu dulden.  Sie ist deshalb nur dem möglich, der ein ungefährdetes Eigensein HAT. Und dazu gehört für einen Menschen, unangefochten Teil einer realen, konkreten und historischen Gemeinschaft zu sein.

Respekt vor Flüchtlingen oder Zuwanderern zu haben bedeutet deshalb nicht, sie langfristig "als Deutsche" zu sehen, als Zuwanderer, die sich hier angepaßt haben.* Es bedeutet vielmehr, sie als Menschen in einer historischen Schicksals- und Charaktergemeinschaft zu begreifen. Mit Verflechtungen aus Schuld und Verantwortung, die den Kreisen ihrer Herkunft entstammen. Es bedeutet auch nicht, sie ihrer Muttersprache durch Deutschkurse u. ä. berauben zu können, als unterstem Eintrittspreis gewissermaßen. Wer das tut, entfremdet diese Menschen sich selbst, höhlt sie aus, und beraubt sie und uns - wenn schon - ihrer wertvollsten Ressource: Des Menschseins selbst. Als Vernunftwesen, das im Wort erst zu sich kommt, weil Welt und Wurzeln hat. Keine Fremdsprachenkenntnis der Welt kann die Muttersprache ersetzen. Erst von ihr aus läßt sich auch eine Fremdsprache begreifen, weil in Bezug zur Welt selbst setzen.

Nur verwurzelte Menschen aber können ein Land, ein Volk tragen. Denn nur sie beginnen in Verantwortung auch für die Gemeinschaft zu handeln. Der Mensch aber wird erst zu sich selbst, wenn er Verantwortung übernimmt.





*Wer so spricht, hat nie verstanden, was Entwurzelung wirklich heißt, und wie lange - Generationen! - es braucht, um sie zu überwinden, um wieder Heimat zu erfahren. Heimat als Gemeinschaft von Menschen, denen gegenüber man sich nicht rechtfertigen muß, sondern die eines Geistes und Sinnes ist. Das gilt selbst für Veränderungen innerhalb eines scheinbar einigen Sprachraums. Als Sohn einer nach Österreich (unfreiwillig) zugewanderten Schlesierin, der selbst nie Heimat erfahren hat, weiß der VdZ sehr genau, wovon er spricht. Österreich ist ihm immer fremd geblieben, und genau so war er seinen Menschen immer fremd, obwohl er sogar schon hier geboren ist. Es war ein Schock festzustellen, daß seine eigenen Kinder (damit: 3. Generation) aber bereits hier weitgehend Wurzeln zu schlagen begannen. Erkennbar daran, daß auch sie ihm fremd waren. Und doch blieb auch ihnen immer noch ein (fast "mendelartig" unterschiedlich intensiv ausgeprägter) Rest von Fremdheit auch Österreich gegenüber, den auch sie zeigten.

Was Heimat sein kann erfuhr der VdZ zufällig: Als er feststellte, daß er immer wieder Menschen traf, mit denen er sich auf unerklärliche Weise "verstand". Man sprach vom selben, wenn man miteinander redete, man meinte dasselbe, wenn man miteinander umging. Und selbst bei oft haarsträubend auseinanderklaffenden Weltsichten - eine unerklärliche Einheit blieb. Ein Streit durchschlug nie diesen unerklärlichen Boden, auf dem beide offenbar standen. Bis sich für beide und immer überraschend herausstellte, daß sie ... von Schlesiern abstammten. 

Der Literaturwissenschaftler Josef Nadler hatte völlig Recht, als er vor 70 Jahren schrieb, daß auch dieses "geeinte" Deutschland ein "stämmisches Gefüge" habe. Das hat auch der VdZ erst nach langen Jahren begriffen, was das wirklich heißt.

Nur wenn man diese Fremdheit kennt, wenn man Heimat kennt (was man erst tut, wenn man sie verliert) - wenn man es schon von der Vernunft her nicht akzeptieren will, so wenigstens erfahren hat - weiß man, was für tiefe Probleme mit Migranten noch auf uns zukommen. Dann begreift man auch, mit welchen Problemen die Zuwanderer selbst konfrontiert sind oder sein werden, selbst wenn sie das noch nicht wissen. Und reagiert mit Zähneknirschen zu sehen, wie hartnäckig die Politik diese fundamentale Wirklichkeit ignoriert, und deshalb nicht in Vorausschau reagiert. Das ist deshalb fast selbstmörderisch, weil wir mit substantiellen Problemen konfrontiert werden, die wir dann nicht "erklären" werden können.




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Ein bißchen schwanger geht nicht (2)


Teil 2)  Den eigentlichen Gründen weicht man aus. Nicht ohne Absicht.



Sich selbst eine Identität zu geben, das steckt hinter dem Gendering. und das ist eine längst allgemeine gesellschaftliche Erscheinung geworden. Das Gendering wehrt sich auf seltsam widersprüchliche Weise (betrachtet man seine weiteren weltanschaulichen Voraussetzungen) gegen die Natur des Menschen, dessen Identität EINE GEGEBENE ist, also eine sozial zumindest mit-konstruierte Identität ist. 

Im Entwicklungsgang des Menschen, vom Kind zum Erwachsenen, ist sie sogar das erste: Sie ist das erste Gerüst, das der Mensch übernimmt, als das er angesprochen wird, das er als erstes, vorläufiges "ich" (aha, so bin ich also) übernimmt und übernehmen muß (!), und allmählich sich bewußt (in der Bildung eines Selbst) anverwandelt zum einen, zum anderen in der Eigentümlichkeit des historisch-zeitlichen Funktionsgefüges (in der Definition von Häberlin gemeint) allmählich als Individualität anpaßt. Aber das Individuell-Sein ist ein MODUS des Allgemeinen, des allgemeinen Menschseins (das ein Sein als Mann UND Frau - in ehelicher Selbstüberschreitung auf den anderen Pol hin - ist.)

Natürlich hat deshalb die geschlechtsspezifische Erziehung - die eine Erziehung ZU EINEM GESCHLECHT ist - beim Kleinkind noch kaum oder keine Bedeutung. Diese wächst, mit dem Heranwachsen, mit der geistigen Reife, und wird vor allem dann wichtig, wenn die Geschlechtsmerkmale ausgebildet sind. Es ist das Hinerziehen auf das Menschsein - das das Ergreifen einer Maske (der persona) ist, auch im Geschlechtlichen. Es sind Gleichschritte, die hier erfolgen müssen: Im allmählichen, erst behutsamen, dann immer fordernderen Einüben des Selbstüberschreitens - auf das Wort hin, auf das (in der Gesellschaft institutionalisierte, damit erst real vorhandene und ergreifbare) Bild hin, auf die Maske (Gesellschaft ist eine Ordnung von Masken, nicht von "Einzelnen") hin, auf den Vater hin. Aber diese Erziehung muß geleistet werden, von den Eltern erst, aber nicht weniger von der gesamten Umgebung, dem gesellschaftlichen Gefüge der Institutionen, also der Kultur.

(Das hat besonders bei körperlichen Fehlbildungen, wie dem Hermaphroditismus, eine große Bedeutung und verlangt hohes Verantwortungsbewußtsein der Eltern; selbst die äußerst seltenen Fälle wirklicher Transsexualität - mit dem Transvestitentum nicht zu verwechseln, die eine Charakterneurose sind - sind getragen, ja ausgelöst vom Verlangen nach einer einzigen, polaren geschlechtlichen Identität.)

Ein Selbstergreifen einer geschlechtlichen (und damit gesellschaftlichen) Identität GIBT ES GAR NICHT. Es ist einfach grausam, Menschen das abzufordern, weil es dem Wesen des Menschen widerspricht. Wer das tut ist einfach dumm und ahnungslos, in den meistene Fällen aber schlicht verantwortungslos und schuldig. Letzteres zu sehen ist nicht unwesentlich, denn der Umgang mit Schuld, der Weg sie loszuwerden, ist ein wesentliches, sehr tief ansetzendes Konstitutivum für die charakterliche Färbung eines Menschen. Und eine der häufigsten Strategien der (natürlich fehlschlagenden) Scheinbewältigung von Schuld ist, das eigene Schuldverhalten zur Norm, zum Allgemeinen zu machen.

Ist der Mensch im Heranwachsen so weit, daß er dieses Artbild (in der Maske) voll "begreift" (alsod ei Maske ergreift), folgt der nächste entscheidende Schritt, und auch dieser belegt das GEGEBENE von Identität (die, noch einmal, NICHT SELBST MACHBAR ist). Denn erst im voll bewußten Selbstüberschreiten wird der Mensch zu sich selbst! Was man wird, ist also auch hier - zum "zweiten mal" - gegeben: Was man ist wird nicht durch ein Selbstdefinieren festgelegt, sondern von den Aufgaben, die herantreten schält es sich gewissermaßen heraus. Mit einer klar sozialen Komponente, denn immer noch ist es zuerst von den anderen gesehen, und erst allmählich, in der Objektivation, die man nach und nach übernimmt, zum wirklichen Selbstsein im Selbstbesitz, im freien Verhalten zu sich selbst also, individualisiert, zur Persönlichkeit gereift. Das bewußte Ich entsteht zuerst also tatsächlich im Du, um einen Satz von Buber oder Rosenzweig oder Ebner aufzugreifen. Der andere erkennt mich (im Objektivieren) besser, früher, als ich selbst mich. Reife heißt dann, diese beiden "Iche" zur Aussöhnung zu bringen, in der (wieder: den Einzelnen übersteigenden) Vernunft.

Das Menschsein ist wie alles irdische Leben - polar. ZWEIpolig.* (Selbst die wenigen Formen der Selbstzeugung bei niedrigen - oder temporär zurück-geniedrigten** - Lebensformen zeigen, untersucht man sie biologisch näher, die Tendenz, solche Polarität auszubilden.) Das ist das eine, es kann nur angedeutet werden, sonst müßte an dieser Stelle eine Bibliothek stehen, um alles auszuargumentieren. Denn es läßt sich ausargumentieren. Die Philosophie hat hier bereits Großartiges geleistet.

Weiters aber ist die Natur der Welt, aller Dinge, eine Spannung zu einem vorgegebenen Artbild! Auch das ist eine metaphysische Erkenntis, kein willkürliches Konstrukt der phantasievollen Anschaulichkeit. Alles, was etwas ist, und alles was ist ist ein ETWAS, bezieht sich auf ein solches Bild. Dieses Bild geht jedem So-sein voraus, es entsteht also nicht von unten nach oben, es wird von oben nach unten vorgegeben. Anders kann gar keine Identitätsbildung vonstatten gehen.

Das betrifft auch das Mann- oder Frausein. Weshalb es ein kultureller Fortschritt war, auch entsprechende kulturelle, institutionalisierte Formen des Mann- und Frauseins (als Normen) herauszubilden. Daß es im Einzelfall zu Unschärfen kommt, eigentlich sogar immer, mal mehr, mal weniger, ist unausbleiblich, aber eindeutig das "geringere Übel" verglichen mit dem Vorteil, sich rascher wahrhaftiger entwickeln, entfalten zu können. Schon gar, wenn diese Bilder nicht kleinbürgerlich-angsthaft verabsolutiert werden.  Denn kulturelle Formen sind natürlich in gewisser Hinsicht relativ, aber nur in bestimmter Bandbreite, und nur peripher. 

Mit dem Geschlecht sind - analog zur geschlechtlichen, bipolaren Konstitution alles Seienden! untrennbar aus dem Befruchtungsakt hier, dem Empfängnisakt dort, von Bild und Materia, von Form und Inhalt - damit auch eindeutige gesellschaftliche Aufgabenstellungen verbunden. Auch diese sind nämlich "von Geschlecht". Das heißt, daß auch der Ansatz, daß Mann oder Frau halt frei wählen sollen, was sie tun, einfach nicht haltbar ist.  Und auch die jeweiligen Individuen NICHT zum Glück führt. Gerade dieses Unglück, das der Gleichbehandlung folgt, ist ja wesentlicher Grund dafür, daß immer neue Gründe gesucht werden, warum "die Gesellschaft" (das Sein nämlich! darum geht es letztlich, oder erstlich!) dieses Glück verhindert: Auch das Gendering ist ja nichts anderes als eine Schuldzuweisung für persönliches Unglück an andere.



Morgen Teil 3) Leute, die gegen das Gendering auftreten, leisten den Bärendienst - 
Wie Birgit Kelle dem Gender-Mainstreaming die Rutsche legt - 
Das Video




*Um diese Zweipoligkeit der Welt - als lebendige wie "anorganische" (dabei aber: nicht inaktive) - zu erfassen, muß man kein Katholik sein. Es ist Grundauffassung sämtlicher Völker und Kulturen der Erde. Und drückt sich überall aus, meinetwegen im Yin-Yang-Zeichen, das ja tatsächlich tiefes Symbol des Wesens aller Dinge ist.

**Deshalb, und unter solchen Bedingungen (dem Rückschritt aus gewissermaßen kulturellem Verlust), gibt es diese Selbstzeugung sogar bei einigen Säugetieren. So sind sie etwa bei Ratten in Notzeiten beobachtbar, wenn die Männchen fehlen. Dort (und bei anderen Lebewesen genauso) aber nur für bestimmte Zeit. Dann braucht es wieder männliche Zeugung, sonst versiegt auch diese Form der Vermehrung. Ähnliches läßt sich auch für viele Pflanzen sagen, wenn z. B. die Blütenzeugung versagt, und Bäume von unten her in Selbstauszeugung austreiben. Jeder Hobbygärtner kann das beobachten, wenn er Bäume stark beschneidet.



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Italien nach dem Krieg


Gesehen auf everyday_i_show




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Samstag, 26. September 2015

No comment

Weitere Einblicke, manche mit deutlicher Brisanz. 

Der VdZ hat bereits vor Jahren über die seltsame Symbolik gehandelt, 
Konzentrationslager aus der Zeit Hitler-Deutschlands zu "renovieren".








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Ein bißchen schwanger geht nicht (1)

Die Ebene der Polemik reicht nicht, und sie hat nie gereicht, und die Fernsehsendung "Hart  aber Fair", die sich dem Thema Gender widmete und für die der VdZ so selten er sie sah stets eine gewisse Wertschätzung ob der relativen Offenheit der Diskussion entgegenbrachte, beweist es eindrücklich. 

Und macht einen eklatanten Mangel offenbar, der auch den Verteidigern der Geschlechterdifferenzierung, den Gegnern des Gendering, anhaftet. Es ist gut, es ist lobenswert, es aus dem "gewußten Gewußten" heraus zu verteidigen, aber es reicht nicht, um die Zerstörung, die ein rational ausgesäter Zweifel bewirkt, aufzuhalten. Es ist deshalb wirklich bedauerlich, daß die theoretische Aufrüstung der - wie nennen wir sie nur? - "reaktiven" Kräfte so hinter dem oft luziden Argumentieren der Genderideologen so hinterherhinkt. Und in Wahrheit der Diskussion gar nicht gewachsen ist.

Auch, weil man das Grundthema vermeidet, das tief in die metaphysischen Voraussetzungen hinabreicht. Und dem sich dann alle biologischen Tatsachen ganz einfach belegend fügen. Hinter dem Gendering steckt nämlich gleichfalls eine tief metaphysische Vorentscheidung. Daß uns diese Welle so ungebremst überrollt liegt darin, daß selbst Kreisen, die sich dem Gendering widersetzen, einzelne Bereiche aus deren Vorbringen recht sympathisch und vor allem: bequem sind. Zumindest würden sie es anders mit einer Wucht der Auseinandersetzung zu tun haben, der fast alle konsequent und in meist bloß subjektivistischen Pragmatismus ausweichen.  Auch das zeigt die Diskussion eindringlich, und es macht wenig Hoffnung, daß die derzeitigen Proponenten der Anti-Gendering-Bewegung dieser Diskussion jemals gewachsen sind. Jetzt sind sie es nämlich nicht. Es bräuchte also dringend ... andere Vorreiter.

Denn: Ein bißchen schwanger geht nicht. Wer das Gendering nicht an der Wurzel packt, wird es nicht verhindern können. Diese Grundweichen aber greifen in heutige Wertelandschaften sehr tief ein. Nur aber, wenn zu solch weitreichenden Auseinandersetzungen der Mut besteht, wird Gendering noch zu stoppen sein. 

In der Form der derzeitigen "Gegen-Argumentation" liefert die Anti-Gendering-Fraktion sogar dem Gender-Mainstreamin die Argumente ans Bett.

Es gibt natürlich einen Grund, der die Diskussion so schwierig macht, wie es das Video als Fernsehaufzeichnung beweist. Das, was die Menschheit in Wahrheit trägt, ist nämlich nicht das Rationale, sind nicht die reationalen Konstrukte, das reational Gewußte. Sondern es ist das GEWUSZT GEWUSZTE, das vorsprachlich ist, und dem sich dann erst Sprache, und dann Denken ein- und nachfügt. Der Inhalt der Sprache ist nicht ihr rationaler, nominaler "content", sondern das, worin sie hinweisend selber west: das Anschauen der Wirklichkeit, und der Geist, in dem sich diese Wirklichkeit erschließt. (Persönliches Wollen, subjektives Abweichen vom objektiven Gehalt setzt auf dieser Ebene ein, das, was hier "Sittlichkeit" genannt wurde. Und es setzt nicht als "mögliche Alternative" ein, sondern als Abweichen vom überhaupt Möglichen.)

Deshalb ist es unendlich leichter, über rationale Argumente ein gewußt Gewußtes anzuzweifeln, ins Wanken zu bringen, als es zu rekonstruieren, also in einem Disput gleichwertig argumentativ zu entgegnen. Denn was wir wirklich wissen, wissen wir gar nicht bewußt, dem können wir uns nur nähern. 

Das weist auf die Rolle der Tradition. Das ist das eine.

Aber hier schließt sich der Kreis zu einem nächsten Problemkreis, Barbara Gerl-Falkowitz (mit der der VdZ ein entsprechendes Gespräch hatte, in dem diese ähnliche Sorge - mit dem Hinweis, daß "die Gendervertreter doch nicht dumm, sogar sehr gescheit sind" - geäußert hat) hat es mit Nachdruck immer wieder angedeutet: Es geht um die sehr wohl soziale Konstruiertheit der Identität, auch der geschlechtlichen Identität. Konstruiertheit, aber NICHT Konstituiertheit, also nicht Geschaffenheit in eigener Autonomie.


Morgen Teil 2)  Den eigentlichen Gründen weicht man aus. Nicht ohne Absicht.




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Völlig umdenken?

Dieses Filmchen weckt enorme Anknüpfstellen für noch auszuformende Gedanken auf. Ob wir nicht völlig umdenken müssen, und von einem Natur- und Ökologie-Begriff geplagt, zu neurotisiertem Denken eingeengt werden, der seit der späten Romantik unser Wahrnehmen trübt.

Aus dem Größenwahn der Aufklärung heraus, die sich für klüger hielt als die Schöpfung (die zum technischen Begriff der "Natur" simplifiziert wurde), erwuchs ein scheinbarer Widerspruch zwischen Kultur und Erde. Aus einem unglaublich weise geordneten Gefüge - der Schöpfung - wurde eine technische Veranstaltung, die ohne Zweifel mehr und mehr zur Bedrohung werden mußte, in die Grenzen einer immer simpler gemachten Welt eingesperrt wurde.

Sodaß der unerklärliche Rest immer größer und dunkeler wird.* Als wäre das Abendland seit der Renaissance - im Gegensatz zu ihrer Selbsteinschätzung - mehr und mehr in tiefsten Aberglauben abgesunken. Und zwar in dem Maß, als der Mensch vergaß, wo sein Platz und was sein Sinn und seine Aufgabe ist. Die Folge ist eine regelrechte Versumperung* des heutigen Denkens.







*Gleichzeitig begannen die Naturphilosophien aufzublühen. In logischer Folge: Denn die Philosophie regt sich in dem Moment, wo die allem Denken zugrundeliegende Geisthaftigkeit, Ganzhaftigkeit des Menschen sich (partiell) auflöst. Verliert der Mensch die Selbstverständlichkeit seines Lebens, beginnt er expressis verbis "zu denken", zu rekonstruieren - um so die Anbindung ans "Wort", den logos, wiederzufinden bzw. herzustellen, das im Geist getragene Wort. Geist ist also nicht primär eine Frage des Denkens, des Sprechens - aber er ist auf diesem Weg wieder in die Sprache (über die Wahrheit) hineintragbar. Nur im Geist ist deshalb auch Einheit unter Menschen herstellbar, er ruht somit auf sittlicher Haltung auf. Jede unsittliche Haltung ist kein Separatweg, sondern ein Abweichen von der Möglichkeit zu denken und zu sprechen, alles wird zum Plappern. Die wunderbare biblische Erzählung des Geschehens um den Turm zu Babylon zeigt genau das: Im Hochmut, im Größenwahn (zu meinen, weltimmanent iimplifiziert wäre Geist bzw. logos, Weltursprung herstellbar) zerfällt die Menschheit in Uneiheit, in Unverständnis. Das, was die Aufklärung unternommen hat. Die Einheit nur noch durch partielle Gedanken-/Sprachlähmung als taubes Artefakt gewissermaßen "herstellen" kann.

**"Sumper" ist ein österreichisches Wort für einen äußerst einfach gestrickten, vernunftlosen, vor allem geistlosen Menschen. Etymologisch hält der VdZ es für eine Substantivierung für die Aktivitätsform von "simpel", dabei diminiuierend, verniedlichend, distanziert humorig das frz. Wort "simple" abwandelnd; welches Wort zwar seine Ableitung aus dem lat. "simplex" (einfach) hat, aber in der oberdt. Abwandlung, in der es im 17. Jhd. erstmals auftaucht, wiederum seinen Ursprung wohl in Sumpf hat. Grimms Wörterbuch erwähnt noch die Nähe zu Sumper=grober Korb, sowie Sumper=Lehm (als Hochöfenabdichtung in mörtelartiger Verwendung in der Steiermark benutzt). Das Wort, das im Norddeutschen lange unbekannt war, ist auch deshalb interessant, weil es sich auf eine Urmaterie bezieht - das Nicht-Zusammengesetzte, nicht Wertvolle, und in diesem Sinn schon sehr früh auftaucht. Grtimm vermutet eine Herkunf tder Silbe "sim", zu finden im Bayrischen, aus "Denken" (simsam=der Zauderer) ... sim hat also eine Nähe zu: Wort. Logos. Man könnte weiter spekulieren, ob die Silbe "pel" nicht als "Ablösung" (Pelle) oder "Befreitheit von" zu sehen ist. Dann würde das Wort simpel also soviel heißen wie "vom Wort/Denken befreit sein". Auch das Wort "pallere" (lat.) oder "pale" (engl.; sprich "pe:l") - blaß, farblos - deutet auf "eigenschaftslos" hin.




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Freitag, 25. September 2015

Politische Kommentare

Ein lesenswertes Interview zur Position Ungarns gab Viktor Orbán dieser Tage, das in mehreren europäischen Großzeitungen veröffentlicht wurde.

Im Video: Vladimir Putin in einem (deutsch unterlegten) Fernsehbeitrag aus Rußland über die Flüchtlingsfrage und politische Aufgaben, die sich daraus stellen. Die Lösung des Problems kann nciht in Europa beginnen, sondern muß in den Ländern ansetzen, aus denen die Menschen aus verstehenswerten Gründen fliehen.








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Nachgedanken zur Selbstwerdung

Nun haben wir es ontologisch - also in dein eigentlichsten Seinsprozessen - bei der Selbstwerdung des Menschen mit einem Vorgang der Beschenktheit zu tun. Im ersten wird das Ich (das Seelenfünklein, so könnte man es bezeichnen) bereits im Schöpfungsprozeß vom Sein her, von Gott in die Welt gerufen. Ex Nihilo, wenn man die Welt betrachtet, Ex Dei, wenn man es von Gott her sieht. Berufen zum Mit-Sein in der Selbstergreifung, im Selbstbesitz - der Freiheit.

Dem steht aber der Schenkungsprozeß durch die Mitwelt als eigentlich genetischer Prozeß gegenüber. Denn was der Mensch konkret ist, stammt aus der Welt, stammt aus ihrem Material. Und das ist zuerst die Mutter, die Familie, die nächste Umgebung. Daß dieses erste Ich sich allmählich zu einem weltlichen, persönlichen Ich begreift, ist ein allmähliches Identifizieren mit sich selbst: denn das, was einem von der Umgebung zugewiesen wird, die einen als Objekt in der Welt begreifen läßt, indem sie auf einen reagiert - man übernimmt deren Urteile in jedem Fall als ersten Vorgang -  und Anforderungen stellt, wird vom tiefsten innersten Ich allmählich in Übereinstimmung gebracht: Identität ist also ein allmähliches Mit-sich-selbst-übereinstimmen von (in der Allgemeinheit definiertem, eigenschaftlich belegtem) "Weltding Ich" (in der Gestalt des Leibes) und Ich. 

Insofern kann natürlich ein bösartiges Umfeld, ein Umfeld der Nicht-Liebe, einen Menschen verderben. Zwar nicht endgültig schicksalshaft, aber ALS Schicksal, als gestellte Aufgabe allemal, und bis zu einem gewissen Grad tut es das auch bei jedem, weil jeder Mensch zu Fehlern, zur Sünde (der Verfehlung der Liebe durch Verweigerung der Selbstüberschreitung, durch Zurückfallen in sich, und damit zum Nicht-Mit-Sein) neigt. 

Denn nur, wenn dieses Objekt-Ich sich als geliebt, bejaht, angenommen erfährt, und zwar in seinem So-Sein (und in der Reaktion also wahrhaftig definiert), gibt sich ihm die Fähigkeit zu lieben einerseits, sich zu behaupten anderseits. Erfährt der Mensch (als Kind) das nicht, fehlt ihm diese Fähigkeit. Denn dieser Mensch findet in der Welt keinen Halt, weil die Wahrheit der Welt mit der erfahrenen Wahrheit über sich als Weltobjekt nicht zur Übereinstimmugn kommen kann. Wahrheit (ein Element der alles umfassenden Allgemeinheit, gewissermaßen) wird als Gegenstand der Allgemeinheit von Personen abhängig, sie wird willkürlich, nicht zum selbst zu übernehmenden, selbst zu verwaltenden Moment.

Darin gründet die seltsam erscheinen mögende Tatsache, daß gerade Menschen, die besonders lieblos (ungeliebt, also auch unerkannt) aufgewachsen sind, dieser lieblosen, ja bösartigen Umgebung anhängt. Zumindest über lange Strecken seines Lebens. Es ist geradezu Merkmal einer Umgebung der Lüge und Lieblosigkeit, von dieser umso schwerer los- und zu sich selbst zu kommen, weil die zu übersteigende Hürde - in ein Nichts, im Prozeß der Selbstwerdung, der ein solcher Schritt in die Insecuritas der Selbstbehauptung ist - enorm hoch ist.*

Zumalen hier ein umgekehrter Prozeß zu beobachten ist: In dem der Betroffene durch besonderten, aber nur vorgetäuschten "Gehorsam" versucht, Macht über das Übermächtige (des Allgemeinen, in diesem Fall: der konkreten Menschen) zu bekommen, indem er nur so Selbstmächtigkeit erfährt, also so eine scheinbare Macht erlebt - in der sogenannten Hörigkeit, in der ein "Sich-Verlassen" des anderen auf einen, dieser also darauf trainiert wird, existentiell von eines Dienst abhängig zu sein. Nicht selten durch besonders "tollkühne", "mutige" Dienste, die der Auftraggeber selbst nicht vollziehen möchte oder kann. Und sich dabei natürlich systematisch täuscht, und das auch fühlt. Weshalb Systemdiener oft von so besonderem und buchstäblichem Korpsgeist - Gehorsam gegenüber dem Auftraggeber wie -nehmer umfassenden Ganzen - getragen sind.




*Wir berühren hier, in der Aussage der Identifikation von Objekt-Ich und Ich, unmittelbar das Geheimnis der Erlösung, die (wie u. a. H. U. v. Balthasar recht nachvollziehbar schreibt) das Ende der Entfremdung des einzelnen Ich zu sich selbst ist. Hier bzw. im Umfange des Gesagten wird die Rolle der Wahrheit (und Liebe, in der Zusammenhangsfolge "liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst") besonders plastisch. Erst so kann sich das Ich zu sich FREI verhalten, und zwar in Wahrheit und Liebe, und hier beginnt das Mysterium der Kirche - das das Mysterium der Stellvertretung ist: Des Eintretens "an der Stelle des anderen", ihn stellvertretend, ihm seinen Platz freihaltend, dabei aber nicht ersetzend. Im Ausleiden der Folgen seines Fehlverhaltens (etc.) ... "ohne ein anderes Gesicht zu zeigen" als das der Liebe zum Peiniger. (Martyrium) Hier zeigt sich auch die Notwendigkeit der Realitätsnähe, die Verfehltheit von verfrömmelndem Tun, die genau diese Realität abweist. Nichts verlangt mehr Nüchternheit. 

Das Ineinsstehen mit Christus (der wiederum für mich stellvertretend litt) ist eine Frucht des Dramas (beachte der Leser das hier über Dramaturgie und Theater bereits Ausgeführte) der Eucharistie, in seiner Rolle der Darstellung hier, der Identifikation dort. Er ist es damit, der erlöst, nicht aber in simplem, äffischen "Nachmachen", sondern in der Identifikation (imitatio), in der er stellvertretend für mich übernimmt. Wie im Theater, im Grunde: Wo die Figur, an der sich das Drama vollzieht, leidet, ich aber im Betrachten mit ihr leide. Wirklich die Tat vollziehen tut aber die Figur dort vorne. (Etwas, das es natürlich auch im Alltag als Phänomen gibt. Man beachte den Begriff "Mitleid", dessentwegen man für den andren eintritt, an seine Stelle tritt - worüber das Erfahrene ans Erlösungsgeschehen angeschlossen wird. Das ist im übrigen der missionarische Charakter der Kirche in seiner Essenz.)




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Irrationalität und Vernunft

An diesem Video der Prager University ist interessant, daß sie unter den Mängeln der englischen Sprache leidet. Denn im Englischen steht das Wort "reason" sowohl für Vernunft, als auch Verstand. Wenn der Vortragende aber sagt, daß "reason" alleine nicht ausreicht, um ein Handeln als gut oder schlecht zu beurteilen, so meint er damit wohl nur "Rationalismus", puren Verstand. Dann hat er recht. 

Aber Vernunft, gutes Handeln, muß in sich sehr wohl rational sein, ja es ist geradezu ihr Kriterium. Das Kriterium der Moral ist nicht "Irrationalität", auch nicht die Rationalität der Zweckhaftigkeit, sondern die Rationalität der Ausrichtung auf ein Transzendentes, das die Vernunft selber IST: Daß nämlich die Rationalität die eigentlichen Weltfragen nicht beantworten kann, weil sie schlicht nicht ausreicht. Aber sie braucht alles andere als den Schritt zum Irrationalen. Das Transzendente ist vielmehr unabdingbarer Teil der Welt als Ganzes, und keine irrationale Stufe, sondern es erfüllt erst die Rationaltiät der Welt, und macht diese sogar vollkommener.

Insofern stimmt der Satz der Aufklärung tatsächlich: Daß Vernunft zum Guten führe. Das Problem ist allerdings, wenn man die Vernunft auf den Verstand BESCHRÄNKT. Denn ob ein Handlen gut oder nicht gut ist, ist tatsächlich (meist) rational. Aber es ist eine Frage der Vernunft. Die aber mehr ist als Rationalismus, sich also auf das beschränkt, was gerade gedacht werden kann. Denn das stimmt schon: Der Verstand ist "just a tool", eine Fähigkeit. Ihn in den unendlich größeren Horizont des Guten zu stellen, auf das die Rationalität hinweist, in dem sie erst erfüllt wird, ist aber eine Frage der Vernunft. Glaube ist NICHT irrational. Er ist nur aus bloß rationalen Überlegungen heraus nicht erfaßbar. Aber er ist aus eben diesen rationalen Gründen heraus als die Voraussetzung der Vernunft erkannt.

Das Problem der Aufklärung war nicht, daß sie etwas "Falsches" sagte. Ihr Problem ist vielmehr ihre Beschränkung auf die bloße menschliche Verstandestätigkeit, in der Gott, das Transzendente, als "irrational" abgelehnt wird. Und deshalb ist sie Hybris, Verstiegenheit. Und - nicht mehr rational. Denn diese Entscheidung, diese Vorentscheidung zur Ablehnung des Transzendenten ist ein Postulat des Irrationalen.

Zu Glauben, ohne die Vernünftigkeit des Glaubens selbst einzusehen, ist nämlich ein Verstoß gegen das Wesen des Menschen. Der zur Freiheit geschaffen und damit - als seine Natur - berufen wurde. In dieser Freiheit muß er sich aber in der Vernunft zu allem verhalten. Auch zu den Inhalten des Glaubens. Der Atheismus der Gegenwart ist (genauso wie die Irrationalität vieler religiöser oder pseudoreligiöser Erscheinungen) NICHT die Folge zu hohen Rangs der Vernünftigkeit, sondern im Gegenteil: Folge zu geringer Vernunft, Folge einer längst allgemein gewordenen, oft regelrecht primitiven, barbarischen Simplifizierung der Welt. Und die Versimpelung der Welt hat natürlich große Anziehungskraft, denn sie macht die Welt scheinbar zu leicht verdaulichen, bildlich vorstellbaren, vergegenständlichten Stückchen. Sie hat einfach über die Welt rationale Thesenkonstrukte gespannt, und apriorisch erklärt, daß die Welt nicht komplizierter, komplexer sei. Und so wie das noch sei, so sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch diese Komplexität in Rationalität auflösen lasse. 

Ein IRRATIONALES Versprechen, ein purer, dogmatisierter Glaubenssatz, das sich natürlich niemals eingelöst hat, woran aber heute noch immer ganz fest geglaubt wird. Nicht zuletzt durch die weitgehende Reduktion von Vernunft auf Technik, die durch ihre immer selektive, abgegrenzte Ablaufbestimmtheit eine solche umfassende Rationalität wunderbar vorgaukeln kann.

Die Aufklärung war deshalb NICHT vernünftig, und sie war NICHT rational. Sie war und ist vielmehr ein irrationales Postulat, die um ihr wahres Wesen nicht einmal weiß. Der Verweis auf die "Göttin Vernunft" war deshalb nicht einmal so verkehrt. Wäre er nicht die Lüge der Schizoidität gewesen, die so sagt - und anders handelt. Denn sie sollte lediglich die Nicht-Vernunft verschleiern. Und das tut sie bis zum heutigen Tag, wenn die Rationalität ihre eigenen Grundlagen nicht reflektieren will. Ihr fehlt es also an Geist.









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Donnerstag, 24. September 2015

No comment

Ein sehr interessanter Bericht aus dem Hessischen Rundfunk mit vielen Aspekten zur "Flüchtlingsfrage".

Von 2013 auf 2014 stieg weltweit die Zahl der Menschen, die ihre Heimat verlassen wollen oder müssen, von 52 auf 60 Millionen.








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Ziel des Feminismus

Wenn man diese Filme (deren zweiter Teil hier gebracht wird) gesehen hat, kann man nicht für sich bleiben: Höllenleben Teil II. Dabei aber geht es dem VdZ gar nicht um die Darstellung eines angeblich immer häufigeren Satanismus. 

Worum es ihm viel mehr geht ist eine Aussage, die sich durch alle diese Filme zieht: Es war ... die Mutter, die ihre Kinder ausgeliefert hat.

Denn DAS ist ein heute außerordentlich häufiges Phänomen, es ist vielleicht DAS Grundphänomen unserer Zeit überhaupt. Mütter liefern (kraft gesellschaftlich-struktureller Ermächtigung) ihre Kinder dem Dämonischen aus. Ach, meint der Leser, das sei doch immer noch eine Ausnahmezahl, die hier betroffen ist? Ja, so wie Nazis an den Hakenkreuz-Armbinden erkennbar sind. Es ist eine Grundhaltung der Frauen überhaupt geworden. Denn es ist das logische Fazit des Feminismus, der die Frau dazu drängt und über Gewohnheit formt, ihre Identität selbst zu formen. Aber das geht nur über Geist. Wenn es nicht der Geist des Mannes ist - denn eben ... dieser. Dieser der Dämonie. Die Frauen liefern heute die Kinder der Dämonie aus. Punkt. Ein Allgemeinphänomen. Wenn hier ein Opfer satanistischer Rituale berichtet, daß ihr Vater ermordet worden wäre, so ist das nur eine (expliziertere) Facette des Gesamtbildes: Das ein Archetyp der heutigen gesellschaftlichen Realität ist.

Beweise? Jederzeit. Sie glauben immer noch, wir redeten beim Feminismus beim gemütlichen Nachmittagskaffee? Wir reden um die Schnittstelle der Welt. Wachen Sie endlich auf. Feminismus und Satanismus sind eineiige Zwillinge. Hier Dämonie - dort der Wille, das Sein auszuliefern, als einzige Machtmöglichkeit der Frau. Durch Diebstahl. Medea, der Hauch unserer Zeit. Der Hauch aller Zeiten. Mal mehr, mal weniger. Die Frau kann nicht beherrschen, sie kann Macht nur nutzen. Und Macht erfahren, indem sie das Werk des Mannes, dem sie verpflichtet wäre, zerstört. Denn die Frau will sich nicht mehr verdanken. Sie will sich selbst definieren, selbst wenn sie das nicht kann.

In ALLEN diesen Fällen spielt die Frau und Mutter die entscheidende Rolle. Das macht sie so exemplarisch. Denn sie öffnet immer die Schleusen der Welt. Sie öffnet für den zur Form, zur Figur gegossenen inhaltlichen Wert des männlichen Wortes.

Was hier gezeigt wird passiert im doppelten Sinn alltäglich. Mitten unter uns. Wir sehen es nur nicht. Übrigens: Samt der Unfähigkeit des ausschließlich bereits formalisierten Rechtssystems, das Wesen des Rechts noch zu erfassen. Der Schrecken aber wird unendlich und allgemein, wenn das System des Rechts nicht mehr hinreicht.

Das Ziel des Feminismus ist ohne jede Frage die Herrschaft der Dämonie - über den Hebel der Frau, die benutzt wird. Denn ohne Frau geht gar nix. In ihren Händen liegt das ganz reale Schicksal der Welt. Sie ist es auch, die für die Dämonie des Zeitgeists öffnet.








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