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Samstag, 30. April 2016

Von der unweisen Weisheit

Nun, da er selber an dieser Altersschwelle steht, und seine "altersgemäße" Umgebung sie mit ihm überschreitet oder überschritt, macht der VdZ immer häufiger eine Beobachtung, die sich in "Trennung von Pastoral und Praxis" bezeichnen läßt - im Alltäglichen analog zu großrahmigen Beobachtungen also. Diese Trennung hängt wiederum mit einer zuvor bereits erfolgten, meist habituell gewordenen Ablehnung des logos zusammen - der Selbsttranszendierung auf das Wort hin, die Idee (als Dynamis, als Bild nicht wirklich fixierbar, wenn auch im Bild poetisch enthalten.)

Konkret äußert sich das auf die Weise, daß Menschen eine "zweite Weisheit" zu entwickeln beginnen. Sie beginnen eine Weisheit zu formulieren, die von der Weisheit unterschieden ist, die mit der Logik des Erkennens korrespondiert, wo eines aus dem anderen also hervorgeht, und niemals trennbar ist, also auch Entsprechung haben muß.  Es ist eine Weisheit, die durchaus gar nicht mehr logisch sein muß, ja die sich sogar dadurch auszeichnet, daß sie auf Logik überhaupt verzichtet.

In den Beobachtungen des VdZ hat sie mit einem gewissen Kraftverlust zu tun, der sich im Übergang der 50er auf die 60er Jahre verzeichnen läßt. Was nämlich bis dorthin nicht als Haltung verfleischlicht ist, wird nach und nach verdrängt. Es ist ja eine alte Wahrheit aus der Tugendlehre, daß im Kampf zwischen Anspruch (logos) und Verfleischlichung (also: habituelle Verwirklichung) auf Dauer das Fleisch siegt. Was Tugendlehrer als "Stimme des Gewissens" bezeichnen, weicht nach und nach. Dieses Gewissen kann auch in Form einer Person auftreten, von der man diesen Anspruch verkörpert sieht - und das ist wesengemäß der Vater und alle ihm analogen Figuren.

In gewisser Weise kulminiert also in diesem Alter, dem Übergang vom Menschen in der akmé, also der höchsten, entfaltetsten Lebenskraft, zum Alten, in dem sich der Vorausblick endgültig in einen Rückblick wandelt, und die Gegenwart an Bedeutung verliert, auch der Kampf gegen den Vater. Er findet dort seine endgültige, resultative Ausformung.

Und er tut es gewissermaßen als "Weisheit des faktischen modus vivendi", der Lebensart, die man bislang gepflegt hat. Wenn dies ein Kampf gegen den logos war, so wendet sich der ungesättigte Teil dieses Kampfes, der nie erfüllte, verfleischlichte Anspruch in einen Haltung gegen den logos. Diese gewissermaßen zweite Weisheit ist damit die weltimmanente Weisheit eines Abfindens mit der Unerfülltheit des logos in seinem Drängen nach Verfleischlichung.

Es ist eine Weisheit, die eine Welt annimmt, die auch durchaus ohne Wahrheit erkennbar und bildbar ist. Es ist eine Weisheit, die der Wahrheit Irrelevanz, bestenfalls Zusatznutzen für die Welt zuweist. Es ist eine Weisheit der Seinsflucht, die das Sein genetisch dem faktisch Seienden zuschreibt.

Konkret ist sie als gewisse Stufe der Zufriedenheit festzustellen, in der Altersweisheit auch mit einer Form des Lebensgenusses - ja, gewiß, es ist eine vorweggenommene Abrechnung mit der Wahrheit im Tode - verbunden und automatisch dem Alter (freilich: nur dem logos-freien Alter, also ... sich selbst) zugeschrieben wird. Schon gar, wenn im Alter eine gewisse Lebensernte zur Verfügung steht, sei es in Vermögen und Geld - und in unseren Ländern "trifft" sie damit jeden, in Form der aus allen Ursache-Wirkungsverhältnissen herausgerissenen "staatlich garantierten" Rente, die endgültig von der Sorge um die Wirklichkeit (als Existenzsorge) befreit - oder rein faktischen Lebensgestalten der Nachfahren.*

Aus dem Gesagten geht hervor, daß besonders zeitlebens Verbeamtete² dieses Stadium schon lange gelebt haben, ehe sie nominell dieses Alter erreichten. Denn dem stets Abgesicherten, der immer in einer Art Existenz- und Wohlstandswatte Eingehüllten, hat mehr als dem Freien der reale Anreiz gefehlt, sich an der Wirklichkeit und damit an der Wahrheit zu formen. Seinem Streben fehlt so gut wie immer der entscheidende Ernst. Aus dem gleichen Grund sind Frauen für diese schlicht nur der Resignation endgültig gefolgten Ersatz-Weisheit, wie wir sie auch bezeichnen wollen, besonders gefährdet, wenn ihnen Teilhabe an der existentiellen Sorge über den Mann erspart blieb, oder (was häufiger ist, als viele glauben wollen) sie nie an dieser Sorge teilhatte weil sie sich davon nicht angesprochen fühlte. 

Das wird sehr häufig von einer Entwertung, ja gar Verleumdung und Verächtlichmachung der Weisheit des logos, des welttreibenden Geistes begleitet. Ganz so, als sei diese - wie in der Spaltung von Wahrheit und Pastoral - für das Leben unwesentlich, bestenfalls eine schöne, aber doch irrelevante Sonderbegabung. Denn diese zweite Weisheit, von der hier die Rede ist, bezieht ihre Maßstäbe aus dem Irrationalen rein subjektiver Lebenswerte.

Zugleich tritt eine "Schönsprechung" (die Analogie dieses rein psychologischen Vorgangs zum Wort "benedictio" ist nicht zufällig gewählt) der Lebensresultate auf. Selbst die Schulderkenntnis, die Erkenntis des Nicht-Gelungenen erhält ihren Platz nur noch als Dekor eines im Grunde, wie man findet, gelungenen Lebens. Daraus leitet sich eine Schönsprechung der faktischen Lebensweisen der Nachkommen ab, die schon rein durch ihre Präsenz jene harte Aufforderung darstellen würden, die man im Gewissen/Vater (s.o.) endlich zur Seite stellen zu können meint (anstatt dies als letzte Chance zu begreifen - als Hinausverlagerung des inneren Konflikts, den weiterzuführen die Kraft nicht mehr reicht). Etwas, das man fälschlich (und im Hochmut der Selbstbewertung) zu gerne als "Milde", wie sie das Alter brächte, ablegt.

Wer also im Leben den existentiellen Punkt des Todernstes nicht findet, aus welchem Tod (Kreuz) die wirkliche Überlieferung in die Transzendenz und damit in eine schöpferisches Leben folgt, wer also seinem eigentlichen Leben auswich - "weil es auch so geht" - wird ihn im Alter in jedem Fall ernten. Und er wird mit der größte Wahrscheinlichkeit dazu übergehen, dieses pur zufällige Faktische seiner Lebensernte "schönzusprechen". 

Aber er steht in der größten Gefahr, sich damit in eine Weltimmanenz einzuschließen, und sich auf das zu beschränken, was ihn nur lehrte, die Wirklichkeit des Lebens aus dem Geist (die ein Leben der Todesbereitschaft verlangt) vor den Mauern seiner Seelenburg zu halten. Für ihn mag (vielleicht nach dem Motto: naja, der größte Sünder war man ja nicht ...) deshalb das Alter der "Limbus"** (!) werden, der Ort einer gewissen durchaus erreichbaren innerweltlichen Zufriedenheit und Glückseligkeit. 

Aber die wirkliche Freude, die eine völlig andere Dimension enthält, wird ihm vorenthalten bleiben. Er hat sie eingetauscht. Zugunsten einer "Weisheit", die in der Welt bereits vorwegnimmt, was diesem Leben erreichbar war. Man sprach sich selbst das Urteil, und man befand sich "doch so halbwegs in Ordnung", und wo nicht, hat man Rechtfertigungen, Erklärungen und Ausflüchte. Noch dazu wo es jedem, wirklich jedem Menschen (so er die Lebensjahre erreicht) möglich ist, diesen Hafen des "kleinen, irdischen Himmels" zu erreichen.

Über den Rest, über den Übergang in den Tod, schweigen wir lieber.


Nachsatz: Das wohl größte, elementarste Problem des Menschen, und zwar gerade in dieser Zeit, ist die Ablehnung des logos als Ablehnung und Abschüttelung des transzendentalen Anspruchs. Es ist die Ablehnung des utopischen Wesens des Menschen (zur Begriffsverwendung siehe u. a. Y Gasset). Selbst das Genderproblem ist ganz genau dieser Art. Früher nannte man dies sehr präzise "Acedia", Trägheit der Seele, die mit rein äußerlicher Tätigkeitsdichte nichts zu tun hat, ja nachgerade im Gegenteil. Deshalb ist das, was hier als "Problem des Alters" dargestellt wurde, in der Regel heute ein Problem der ganz normalen Lebenswege, zu denen die Menschen der Gegenwart von Kindheit an (!) hinerzogen werden bzw. seit Jahrzehnten wurden. Es hat aber immer mit der Entkräftung des Vaters (bzw. dessen Kraftlosigkeit) zu tun, und hebt deshalb bei der Frau und Mutter an. Denn sie ist der Eros des Mannes, sie ist sein materialer Boden, auf dem er erst zu sich kommen kann - in den Früchten, die er trägt, in seiner Topographie, in der er sich am Rhythmus des logos ergehen könnte, um weiterzuschreiten. 

*Gerade amerikanische "Familienfilme" sind Meister dieser falschen Lebensernte als falschem Familienbegriff einer rein weltimmanenten Nutznießung in Zufriedenheits- und Glücksgefühlen, die eine wie auch immer gestaltete Familie zu bieten hätte. Man sollte sich da nicht täuschen lassen - mit "Familie" im eigentlichen Sinn hat dies so gut wie nie etwas zu tun. Sondern es ist eine Form des Hedonismus und Nihilismus.

²Hier sei auf die umfassendere Deutung des Begriffs "Verbeamtung" verwiesen, wie sie an dieser Stelle schon oft ausgeführt wurde. Es geht um eine Lebensform der Vermeidung existentiell letzter Risken, des Auseinanderreißens von Lebenstat und -folge, wie sie bei Beamten fast programmatisch, aber in diesen Zeiten und diesen Ländern fast allgemeine Erscheinung der Sozialstaatsform ist. Wer aber diese Wirklichkeit scheut oder zu vermeiden vermag, der entfernt sich unweigerlich auch von Gott.

**Die vor Jahren erfolgte "Abschaffung des Limbus" als Begriff der katholischen Theologie ist einfach nur zu bedauern. Denn der Begriff bezeichnete eine sehr reale Lebens- und Sinnwirklichkeit.




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Ein untrüglicher Geist

Der VdZ hat nicht den gerinsten Zweifel, daß Volkswagen den "Abgasskandal" in den USA mit linker Hand überstehen wird. Denn irgendetwas in diesem Unternehmen hat ein untrügliches Gespür für das, was ein Auto sein muß und kann. Audi wäre binnen Monaten weg vom Fenster. Volkswagen aber setzt auf Gestaltkriterien, die Beziehungsdynamik. Beeindruckend. Und beeindruckend gut umgesetzt auch in diesem Werbefilm. Setze auf Identität. Kaufe ein Auto das schneller ist. Trotz der unüberbietbaren Geschwindigkeitsbeschränkungen in den USA. Hätte der VdZ genug Geld, er würde Aktien kaufen. Denn es gibt derzeit genug Dumme, die sie abstoßen wollen, weil sie an viel Unsinn glauben.


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Freitag, 29. April 2016

Über den Ruin der Städte

Geschichte der USA - Kampf gegen die Kirche - Kampf gegen die Verortung - Dienstbarmachung für die Moderne - Verlust der Identität - ohne Identität keine Lebensentfaltung, sondern nur Technizismus (es bleiben nur technische Lebensaufgaben) - USA ist auf diesen lokalen Identitäten aufgebaut - Durchmischung zerstört Identitätsmerkmale - social engineering! - 68er Protest als Protest gegen social engineering! (interessante Perspektive!) - Auflösung der innerstädtischen Viertel und Gemeinschaften, Verdrängung in die Vorstädte - Infrastrukturprobleme!!! enorme Kosten!!! Straßen, etc. - Beispiel Detroit - nur Volk ist wichtig, und das beruht auf der Religion - Gefahr der Katholiken, die Befehle der Unterdrücker zu befolgen - in den Vorstädten verlieren alle ihre Identität, dort werden sie plötzlich nur noch zu Abstrakte: de-raced (ent-ethnisierte) Weiße - E. Michael Jones.






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Wer nicht jätet opfert den Garten (4)

Teil 4) Nur in Anrissen Fortsetzungen, die noch zu leisten und geplant sind
- Themen, die sich aus Amoris Laetitia aufdrängen



- In einem falschen System ist nichts Richtiges möglich (Adorno); warum wir es hier mit einem ganz aktuellen Grundsatz der Gegenwart zu tun haben, dem ausgerechnet die Kirche in Aktualitätsstreben widerspricht. Selbst die Öko-Moral versucht sich aus dieser Gesamtperspektive des Gesamtsystems (Weltklima, Fair Trade beim simplen Kaffeekauf, Öko beim Fischfilet, Ablehnung von Fleisch, etc. etc. als Beispiele) heraus zu beurteilen. Ein Widerspruch zu einem ahndungsvollen Bedürfnis der Welt wenn der Papst nun sagt, daß zwar die Gesamtsituation falsch sein kann, es dennoch Rettung im Gesamten gibt, wenn die Einzelhandlung "gut" ist. Wie das Essen eines köstlich schmeckenden Fischfilets, das ja auch etwas Gutes ist, egal, ob dafür fünf Fischzüchter auf Borneo ausgepeitscht worden sind, oder 8000 Tonnen Antibiotika den Mekong verseucht haben - der Fisch bleibt gut. Oder widerspricht sich hier die Kirche selber?

- Wie weit läßt sich Gutes reduzieren, aus dem Gesamtgut herauslösen? Etwa durch Berufung auf die in Amoris Laetitis (mit vollem Recht - es ist eine der schönsten Stellen im Dokument) gepriesene Leidenschaft (also: Leidenschaft ist ein Gut) zur Hure gehen, ohne daß mich noch zu interessieren braucht, daß ich nicht verheiratet bin, und das parfümgetränkte Mädel als Sexsklavin aus Thailand eingeschleppt wurde? Wer legt dann die Grenzen fest? Ist ein brutaler Diktator dann nicht doch ein gerechtfertigter Mensch, weil er kurz, bevor er dem Gefolterten eigenhändig den Schädel abschlägt, ihm noch eine hochwertige Zigarette aus seinem Privatfundus und ein paar nette Worte zukommen läßt?

- Oder stehen wir hier nicht vor einer über die Hintertür schnurstracks wieder eingeführten kasuistischen Moral?

- Zur "graduellen Gutheit" in objektiv ungeordneten Lebenssituationen - Gutes im Falschen kann es nur geben, wenn das Falsche widerrufen wird, im Guten also das umfassendere Falsche aufbricht - Lebenswirklichkeiten sind nicht ideologisch umgewichtete "Vorstellungen von Lebenswirklichkeiten" - Lebenstatsachen sind noch keine Qualitäten

- Der Empfang der Eucharistie festigt JEDEN Zustand, in dem der Empfänger subjektiv als Haltung (weil substantielle Gerichtetheit) steht. Das heißt, daß sie jemandem, der in falscher Haltung vor dem Priester steht und die Kommunion empfängt, auch diese falsche Haltung stärkt - indem sie sie verewigt, als ewigen, unveränderbaren Zustand vor Gott stellt. Denn jede Kommunion ist auf eine Weise ein Jüngstes Gericht. Wo ist also die Barmherzigkeit der Kirche, wenn man jemandem, der in falscher Haltung - einer objektiv ungeregelten Situation - kommunizieren möchte, die Hostie auf die Zunge legt? Ist das nicht der nächste eiskalte Zynismus einer brutalen, eiskalten Kirche, die Liebe nur noch als schauspielerisch-psychogene Selbstmanipulation zu simulieren vermag, Heil als psychogenes Befindlichkeitstheater mißdeutet? Ist nicht genau das der Irrtum des Martin Luther, ist nicht genau das in der Verweisung auf subjektives Gewissen eingeleitet, als könnte ein bloßes Selbstgefühl etwas über Rechtfertigung aussagen?

- Eine Sache, jede Sache ist nur und jeweils soweit Sache, weil sie als Mitte - und damit Normalität - verstanden wird, auch wenn sie in sich immer ein gleichzeitiges Oszzillieren aus Nichts und logos ist; diese Mitte aber, die die Sache ausmacht, und die ein Begriff erfaßt weil meinend verweist, ist die Welt, die eine Welt der Dinge ist. Sie muß Inhalt des Sprechens sein, weil sonst das Sprechen sich auflöst, so wie sich die Welt auflöst. Es gibt Ränder, über die schon nur zu sprechen sich also verbietet, weil sie mit der Mitte der Dinge - mit Begriffen - gar nie zu erfassen sind, weil man damit Nicht-Zustande in Zustände heben will, was aber nicht möglich ist.

- Wer fällt, aber weiß oder erkennt, daß er gefallen ist, und diese Trennung vom Heil nicht möchte, wen es reut, wer sich bessern möchte etc., der kann sich in der Beichte ins Gute seines Gesamtheils zurückstellen lassen. Und selbst, wenn er täglich fällt - er kann täglich zurück. Wer aber fällt und nicht ins Gute zurückwill, bleibt gefallen; ihm hilft auch keine Beichte. Ihm hilft nicht einmal ein Zusprechen von außen, das ihn entlasten will. Denn die Lösekraft der Kirche kann sich nur auf eine ontologische Wahrheit beziehen, die sich im Einzelnen auch dann meldet, wo er ihr objektiv widerspricht, wo ihm subjektiv aber Entlastung zugefächelt wird. Das ist gemeint wenn man sagt, daß im Priester Gott selbst verzeiht.

Das ist keine Magie wie in Heidenreligionen, sondern "in Jesus, der Wahrheit stehen und wirken", welches Wirken ihm sakramental zugestellt ist SOFERN ER WILL WAS DIE KIRCHE - als sponsa Christi, im Gehorsam dem logos gegenüber, ihrer Form - WILL. Eine Lossprechung subjektiver Willkür ist Sakramentensimulation.

- Meist ist die ablehnenden Haltung der Beichte gegenüber purer Neid vor dieser Möglichkeit, die der Katholik hat. Denn der Katholik ist nicht primär der, der so viel "besser" als andere ist, sondern der, der es ganz real und objektiv besser HAT. Nur ihm können Sünden wirklich, real und mit realer Wirkung vergeben werden. Nicht er macht sich besser, sondern er wird besser gemacht, ohne daß er es sich selbst vormachen oder einreden muß. Deshalb zielt das Anti-Christliche (aber auch viele Protestanten) sehr deutlich auf das Aufrechterhalten eines Gefühls von aktualer, fortbestehender Schuldigkeit, die aber objektiv gar nicht mehr gegeben ist.

- Ist es verantwortbar von "Sexualaufklärung" zu sprechen, wenn die Realitäten in so vielen Staaten haarsträubende, ja verbrecherisch kulturzerstörerische Sexualaufklärungsprogramme in Form schulisch etablierter Zwangs-Entsittlichung heißt? Wer wird durch solche Hinweise gestärkt? Das wird auch nicht besser, wenn einige meinen, man müsse eben einen "christlichen Aufklärungsunterricht" dagegensetzen. Diese Sichtweise, die da meint, es würde zu allem und jedem genügen, ein paar Gedankenschrauben zu drehen, und "die christliche Sicht" der Dinge den Dingen aufschnüllen wie ein Rosenquasterl ist protestantische Verwirrtheit. Sexualaufklärung ist eine zutiefst persönliche Angelegenheit, wo nur Eltern entscheiden können und müssen, ob sie angebracht, und wenn, wie weit sie überhaupt notwendig ist. Dafür gibt es keine "Methode", und sei sie noch so "behutsam" oder "christlich", und Sexualität geht keine Öffentlichkeit überhaupt etwas an.

- Tagesaktueller Nachtrag: Ein soeben auf CNA erschienenes Interview mit Robert Spaemann, der bei Amoris Laetitia von einem nachweislichen "Bruch mit der Lehrtadition" spricht, und in diesem Dokument "das Chaos zum Prinzip erhoben" sieht. Das ist jedem denkenden Menschen, der die Lehrtexte der Kirche kennt, unweigerlich klar. "Die Folgen sind jetzt schon abzusehen: Verunsicherung und Verwirrung von den Bischofskonferenzen bis zum kleinen Pfarrer im Urwald." Die Konzentration der Kritik auf die heiklen Stellen sei berechtigt, kein Fehlersuchen in einem ansonsten ordentlichen Text, der im übrigen sehr "ausgesucht" Richtung Situationsethik argumentiert, also auch mal wegläßt, was etwa Thomas v. Aquin sonst noch sagt. Denn mit ihnen wird ja der Text ausgehebelt. "Man kann bei einem päpstlichen Lehrschreiben nicht erwarten, dass sich die Menschen an einem schönen Text erfreuen und über entscheidende Sätze, die die Lehre der Kirche verändern, hinwegsehen. Es gibt hier tatsächlich nur eine klare Ja-Nein-Entscheidung. Kommunion geben oder nicht geben, dazwischen gibt es kein Mittleres." 

Wie weit dieser Verfall bereits geht bestätigen übrigens genau jene am meisten, die er Welt erklären und via Zitatenauswahl "beweisen", daß Franziskus "es im Sinne der Lehrtradition meine". Dahinter steht eine Respektlosigkeit dem Amt gegenüber, ein Aufschwingen zum Lehramt selber, das sehenswert ist.




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Donnerstag, 28. April 2016

Wer nicht jätet opfert den Garten (3)

Teil 3) Wovor sich die Kirche aber völlig drückt
und warum auch das alles entwertet




Ein rein subjektiv konstituiertes "reines" Gewissen gibt es also gar nicht, zumindest nicht bei so anthropologisch zentralen Themen wie Ehe und Sexualität. (Nicht einmal in einzelnen scheinbar "profanen" Sachbereichen kann es das geben; sagen wir: im Verfertigen einer Holzschachtel als Verpackung zum Versand; selbst hier bezieht sich der Maßstab zum Urteil auf eine äußere Autorität, auch wenn diese internalisiert wurde, sodaß sie gilt, auch wenn der Chef - sagen wir, zur Illustration - schon gestorben ist.) Denn diese sind die ersten Prinzipien der Welt, und des Menschen. 

Denn das Wesen der Welt ist ehelich, das Wesen der Schöpfung ist ehelich, ein Zeugungsakt,. also erotischer Natur. Eros ist also die Grundverbindung zwischen logos und materia prima. Als Bezug von Form auf Inhalt, Materie. Der Mensch als Abbild Gottes trägt dies in seiner zweigeschlechtlichen Entsprechung einer prinzipiellen Verschiedenheit also in seiner fundamentalsten Schichte - als Ergänzung von Mann und Frau wird dieses erotische Verhältnis abgebildet. Das ist das Wesen der Sexualität.

Deshalb ist es unvollständig und insofern sogar falsch, von einer "Gleichheit der Geschlechter" zu sprechen, wenn man zugleich Bezug auf ihre Komplementarität nimmt. Denn diese Komplementarität ist NICHT zufällig, wie sie sich halt mal bildet - hier ist halt die Frau die Starke, der Mann schwach, hier muß halt der mann die Küche schaukeln, weil die Frau arbeiten geht, etc. etc., darauf läuft nämlich diese "reduzierte" Komplementarität hinaus, die damit (und das ist ja das Groteske) dem Gendering sogar noch ihre theoretische Rechtfertigung liefert bzw. darin völlig übereinstimmt (weshalb eine Ablehnung des Gendering mit der Hinterhand zum leeren Geschwafel wird) - sondern selbst dort, wo sie von Mann oder Frau nur unvollständig erfüllt wird (WEIL halt die Frau auch bestimmte technische Fähigkeiten hat, oder der Mann lieber strickt als Scheunen repariert), muß diese prinzipielle Eigenschaftlichkeit jener Punkt sein, auf den hin sich je Mann und Frau selbst transzendieren, von dort her also formen lassen (denn Opfer heißt: Rapport zum logos, zum Formgebenden, zum Übergeordneten). Und IN diesem logos liegt auch jene Komplementarität als Eigenschaftlichkeit der je einzelnen Person im Geist der Liebe begründet wie als ontische Struktur verborgen, die sich beide dann im Geist "zuhauchen".

Deshalb ist auch eine rein biologistische Argumentation, die auf "biologische Verschiedenheit" verweist, unvollständig oder gar falsch. Denn selbstverständlich ist das Erste, das Wesentlichere der Vorentwurf (weil logos), auf den hin sich je Mann und Frau überschreiten müssen. Damit wird mannsein und Frausein tatsächlich zum Kulturkonstrukt! Das zwar in der Geschichte (offengehalten durch die Selbsthingabe in der Selbsttranszendenz) ein je aktuelles Gewand trägt, aber in diesem Gewand von seinen prinzipiellen Eigenschaften nicht abweicht. Darin macht also das blau der Bübchen, das rosa der Mädche, darin machen die Heldenvorbilder für die Jugendlichen, die demütigen, sanften Frauen als heilige Liebesziele mehr als nur Sinn. Sie sind Leitlinien zum Gelingen des Individuellen und damit des Gesellschaftlichen, sie sind die eigentlichen Fundamente einer gesellschaftlichen Ordnung. Die eben nicht "von unten heraus" zufällig wächst, die der Materialismus (und Evolutionismus) annimmt.

Diese Gedanken aber wagt die Kirche offenbar und schon lange nicht mehr in den Mund zu nehmen, ja im Gegenteil, sie biedert sich auch in Amoris Laetitia genauso diesem Zeitgeist an, der eigentlich alles zerstört, was sonst aufzubauen versucht wird, dem er sogar sein reales Fundament entreißt. Auf reiner Komplementarität ist Ehe nämlich nicht aufzubauen! Eine moralistisch-positivistisch verstandene "Treue" ist nicht primärer Ehezweck, das können auch Heiden und Kommunisten. Die gegenwärtigen Fakten, überhaupt gleich auf Ehe zu verzichten, denn man kann ja auch sonst treu sein, Kinder haben etc., zeigen ebenfalls dasselbe. Ehe läßt sich nicht als bloßer Funktionalismus begreifen, der bestimmte Ergebnisse hervorbringt. In Wahrheit sind die Ergebnisse einer Ehe nämlich eine "Überraschungsbox", deren Inhalt Gott, das Sein selbst, im logos füllt, auch wenn oft scheinbar Ähnliches drin ist, öffnet man sie mit der Zeit.

Nur aber mit Jesus Christus als diesem Schlußstein, nur im sakramentalen Begreifen, wird diese ununterbrochene Kette der Welt (in Gehorsam und logos-Autorität) verantwortbar und sinnvoll. Rein irdisch wird sie zwar in allen Kulturen gleichermaßen nachgebildet, natürlich, das kann gar nicht anders sein (denn ontologische Gegebenheiten drücken sich in der bloßen Materie als chthonische Strebungen "aus sich" aus, wenn man so will: als bloß weltimmanente "reduzierte" Natur verstanden), aber in heidnischen Kulturen endet dies mit schöner Regelmäßigkeit in einem absoluten (irdischen) Herrscher, in Zentralismus und mehr oder weniger religiös definierter (als Nachahmung des Schlußsteines "Gott" aus Ahnung) Despotie.

Wir wollen hier schließen. Auf alles einzugehen, das in Amoris Laetitia steht, ist ohnehin fast unmöglich, zu viel steht auf diesen langen (je nach Fassung) 250-300 Seiten. Was aus Dokumenten dieses Papstes ja bekannt ist, der einfach alles sagt, um nicht angreifbar zu werden, und sich einer zahlreichen Gefolgschaft sicher sein kann die tagaus tagein damit beschäftigt ist, die passenden Stellen je nach Anlaß zu suchen. Wer aber alles sagt, sagt nichts. Wer jede Option offenläßt, gibt keine Wegweisung. Er weicht vielmehr der Verantwortung aus, indem er das klare Urteil (und das klare Denken) ablehnt und durch nichtklare, also subjektivistische "Ethik" zum Trümmerfeld auflöst. Denn Verantwortung ist eine Frage der konkreten Situation - siehe Levinas - und jedes irdische Selbstsein, jede Rolle (und das heißt: Personsein) ist nur Rolle, weil sie in immer konkreten Beziehungsfeldern steht.



Morgen Teil 4) Nur in Anrissen Fortsetzungen, die noch zu leisten und geplant sind
- Themen, die sich aus Amoris Laetitia aufdrängen 





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Nicht für die Blöden

Es mag ja sein, daß Volkswagen auf die etwas überzeichnete technische Eigenschaft seiner Fahrzeuge hier und da nicht ganz aufklärerisch genug hingewiesen, sondern sie auszutrotteln versucht hat. Denn Trottel trottelt man eben aus, dafür sind sie da. Aber die Werbung hat sofort darauf reagiert, und mit einer metaphysischen Scharfsinnigkeit, die immer wieder staunen macht. Seit vielen Jahren. Technik? Leistungsfähigkeit? Wen interessiert's. Es geht um die Gestalt! Es geht ums Aussehen. Dem wollen wir sofort und freudig zustimmen. Der Rest ist Hirnverschmutzung. Die ist um Dimensionen dreckiger als jeder Abgaswert. Der ist nur für die Blöden.



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Mittwoch, 27. April 2016

Wer nicht jätet opfert den Garten (2)

Teil 2) Warum es kein sicheres subjektiv hervorgerufenes Gewissen gibt - 
Warum darauf zu verweisen ein Akt der Unbarmherzigkeit ist




Also genau NICHT bloß faktisch-subjektives Gewissen, sondern als subjektives Gewissen sich äußernde objektive Wahrheit, die nur soweit objektiv ist und bleibt, als sie im Hören, im Gehorsam auf den ewigen logos steht, als in "ethischer Öffnungshaltung".

Dies wiederum wird noch tiefer verstehbar, wenn man die Struktur des Selbst als Sprache (Derrida, Lacan) kennt - die GEGEBEN ist. Das menschliche Denken braucht den Bezugspunkt "Allgemeinheit", das autoritative Außen, das es im Vertrauen übernimmt und als Urteilsbasis heranzieht, um sein Denken zu ordnen, muß man hier ins Christliche (als Religion der Inkarnation Gottes in Welt; dieser Gedanke fehlt ja bei den meisten dieser Philosophen, die meist auch jüdischen Glaubens sind) weiterführen.

Das ist Logik aus logos, das ist Grammatik als Struktur der Vorsehung (als logos), das ist dann Rhetorik als Entfaltung des logos in Weltstruktur (also als Quellkasten des Wissens, der Wissenschaft, der Wahrheit in der Welt.) Jesus Christus, der fleischgewordene Gottmensch, ist jener Schlußstein, in dem sich diese Zueinanderhin-Ordnung der Welt (man beachte die Symbolik des gotischen Gewölbes mit dem zentralen oberen Schlußstein!) nicht nur hält, sondern auf der sie beruht. Er ist die ultimative Gewissensautorität, aus der alle übrigen subjektiven Gewissen letztlich dieses "Außen", diese Autorität der Weltmanifestation in der Gewißheit (im Glauben) beziehen.

Das schließt zufälliges Faktisches aus, das eben nur zufällig und rudimentär Wahrheit (aus logos bzw. in logos) enthalten kann. Diese feine, aber entscheidende Unterscheidung wird oft nicht gesehen, und deshalb übersehen. Denn die Aktualitätslehre, auf die sich der Papst zu recht bezieht und die in der Philosophie eine wirkliche Entwicklung bedeutet, in einer Linie, die sich v. a. seit dem späten Mittelalter, von Kues über die Mystiker (Eckhart, J. Böhme), die Philosophie des 19. Jhds. und v. a. dann des 20. Jhds. (und nicht nur im genuin christlichen Raum, man denke an Buber oder Rosenstock, oder zuvor an Kierkegaard) über Ferdinand Ebner etc. etc. (denn es gibt dazu viele Namen zu nennen) in den katholischen Raum trägt. Wo sie heute die tatsächlich historisch aktuellste geistige Strömung darstellt, von der etwa Papst Johannes Paul II. (der sie weitgehend aus der Befassung mit Max Scheler oder Edith Stein schöpft) zutiefst geprägt war. Eine Linie, die im übrigen in den Kirchenvätern bereits reichste Entfaltung fand.

Das Problem weltlich manifestierter Autorität - ohne die es kein irdische Organisation, keine irdische Manifestation von Gesellschaft, auch nicht der societas perfecta, gibt - ist, daß sie in historischen Fragen entscheiden muß, in welchem konkreten Urteil sich der ewige logos ausdrückt. Das verlangt schlicht und ergreifend die Last des Führungsamtes auf sich zu nehmen, die eben ein Kreuz ist, und die Verantwortung zu übernehmen. Wenn sich aber eine Autorität dieser Verantwortung entschlägt - und das passiert heute schon fast überall, es ist ein Zug der Zeit! - so ist sie nicht besonders liebevoll und rücksichtsvoll vor dem Komplexionen des Einzelfalls, sondern im Gegenteil: 

Sie ist brutal unbarmherzig, weil sie dem "Unteren", dem in seinem Gewissen von ihr im Gehorsam ABHÄNGIGEN, dem der dieses Außen, diese Autorität BRAUCHT um sein Gewissen überhaupt bilden und erfüllen zu können, diesen notwendig zu leistenden Dienst vorenthält. Das ist nicht nur verantwortungslos, das ist vor allem UNBARMHERZIG, und noch mehr unbarmherzig, als es das als Ethik der Liebe oder "Zärtlichkeit" verkauft. Das ist eine glatte Lüge.



Morgen Teil 3) Wovor sich die Kirche aber auch hier völlig drückt,
und warum auch das alles entwertet





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Ethos der Objektivität

Loriot Vicco von Bülow in einem Gespräch (1979) mit Marianne Koch, u. a. zur destruierenden Rolle der Satire, aber auch mit sehr aktueller Kritik am Journalismus. "Öffentliche Medienmacher haben keine Privatmeinungen zu verkünden. Sie müssen zwischen allen Stühlen sitzen, und nicht auf diesen." Freilich ... ob Politik wirklich nur in der Optimierung von Abläufen ihre Aufgabe haben sollte?








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Dienstag, 26. April 2016

Wer nicht jätet opfert den Garten (1)

(Erste Fragmente einer Kritik von Amoris Laetitia

"Die Beseitigung der Regel durch die Ausnahme." 

Weitere Punkte sind geplant, aber aus Zeitgründen noch nicht ausreichend ausgearbeitet.)


[...] Staunen, wenn nicht gar Ärgerlichkeit erregt der Verweis auf ein sogenanntes Subjektives Gewissen: Letzthinnig ist Entlastung nur durch ein Außen möglich. Gewissen und Selbst sind Sprachkonstruktionen, Sprachsysteme, Systeme des logos tragen es. Aber diese Sprache ist strukturiert durch Urteile, und diese sind objektiv vorgegeben, nicht subjektiv hervorgebracht oder erfunden, abhängig vom Kreis, der durch die Tat berührt wird. Im Fall der Ehe, der Sexualität, des Zusammenlebens zweiter ist die Öffentlichkeit unabtrennbare Dimension. Deshalb braucht es auch die Außenposition, die rechtfertigt oder nicht. Wie sagte einmal + Bischof Krenn: "Die Wahrheit, die mir Christus in der Kirche gibt."

Kirche ist societas perfecta, wo sie deformiert ist durch Sünde ist sie unvollkommene Abbildung des Ewigen Jerusalem. Aber es ist verheißen, daß dieser Bauplan des Ewigen Jerusalem nie aufhören wird, sich irgendwo zu manifestieren, und damit in der Welt wirksam zu werden, so klein die Kirche nach außen sein mag.

"Love ist not of making people feel good," sagt Steve Skojec in einen Radiointerview auf Fox News. Abgesehen von den grundsätzlichen Einwänden, ist es ein höchst fragwürdiges Vorgehen zu meinen, man könne für eine sehr kleine Minderheit (und das sind die wiederverheirateten Geschiedenen, die einen wirklichen Platz in der Kirche suchen) die Eintrittsschranken öffnen, während man damit die überwiegende Mehrheit der Katholiken verunsichert, weil man die Glaubensgewißheiten aufweicht, ja eigentlich in Frage stellt, wenn man ihre Relevanz plötzlich auf subjektive Gewissensentscheidung reduziert. Die es in Fragen der Ehe ja gar nicht - nicht mit absoluter Sicherheit - geben kann, und deren Konsultation einen prinzipiellen Gnadenausschluß als inneren Schritt bereits voraussetzt: Den des mangelnden Gehorsams. Abgesehen davon macht man die Kirche lächerlich, die einerseits behauptet die Wahrheit über die Ehe zu kennen, um sie anderseits selbst zu relativieren.

Es gibt schöne, es gibt sogar sehr schöne Stellen in dem Dokument, vor allem in seinen ersten Kapiteln über Ehe und Sexualität. (Die mancherorts gerühmten "praktischen Tipps" späterer Teile dazu sind zum Teil freilich so lächerlich, im übrigen ungenügend, daß wir sie nicht erwähnen wollen. Hier von Kenntnis der Wirklichkeit zu sprechen ist schlicht und ergreifend nur jenen möglich, die selber keine Ahnung von der Wirklichkeit haben. wenn man schon über Handys spricht, müßte man zumindest einmal in den Topf der Medienkritik hineingeschnüffelt haben, sonst wird es einfach inkompetent und unzutreffend. Handys werden nicht besser, wenn man sie zum Essen aus der Hand legt.) Aber durch diese Passagen wird diese Schönheit in den Verdacht gestellt, Lüge zu sein. Weil vielleicht vorgespielt werden soll: Seht her, wir wissen sehr wohl, wie es sein muß oder müßte. (Was im übrigen auch nicht ganz stimmt, dazu später.) Dazu die vielen griechischen Phrasen, die linguistische "Tiefe", die demonstriert wird (und mit der sowieso der Großteil der Menschen nichts anfangen können.) und die den Glauben festigen sollen, hier würde von vollem Nährboden des Glaubens aus argumentiert.

Was im übrigen nicht stimmt, gerade auch bei einem Verfasser, der Riceur oder Lacan oder Derrida oder Levinas als Referenznamen anführt, denen zumeist freilich eines fehlt: das christliche Licht. Nur soweit kann man aus ihnen also schöpfen, aber so weit kann man tatsächlich viel aus ihnen schöpfen, viel über den Menschen, viel über seine geistigen Strukturen, viel über die geistige Struktur der Welt. Das gilt auch für Letzteren, Emanuel Levinas, einem Juden, und der weist deshalb sehr gut auf, daß sich das Wahre, Ewige, Transzendente nur im Konkreten manifestieren kann - und in diesem Anspruch des logos steht der Einzelne in einer Antwortpflicht. Die ist es erst, die ihm als Selbst Substanz gibt, und zwar also vom Anderen her, auf den es zu überschreiten gilt.

Die Welt wird damit zu einem Substanzusammenhang insofern, müßte man seine Gedanken "kritisch" weiterführen (Levinas lehnt die absolute Ich-Substanz der Metaphysik ab), als sie sich in ihrer wechselseitigen Anfrage zwar nicht metaphysisch/absolut konstituiert, aber in diesem Geflecht aus Anfrage und Antwort wechselseitig in der Welt zur Welt substantiiert. Gottselbst äußert sich dann über das Einfallstor der Ethik.

Denn der Ort der Transzendenz ist die Konkretion, so die Erkenntnis, die man aus Levinas mitnehmen kann, keine über allem schwebende Moral oder ähnliche Konzepte. Und in der hingebungsvollen historischen Konkretion liegt auch die Erfüllung des Ewigen, des Dahinter, die Manifestation des Seins. Aber das tut sie nur bei Selbsttranszendenz, das tut sie nur auf dem Nährboden des Nichts, in das der Mensch fällt, der zu sterben bereit ist - im Gehorsam als Überantwortung an das (menschlich gesehene) Nichts dem gegenüber, was sich im logos herabsenkt. Ähnliche Gedanken finden sich übrigens in der katholisch geprägten Phänomenologie etwa eines Peter Wust (mit seiner "Insecuritas")


 Morgen Teil 2) Warum es kein sicheres subjektiv hervorgerufenes Gewissen gibt - 
Warum darauf zu verweisen ein Akt der Unbarmherzigkeit ist





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Spitze Spitzen um das Vernunftzentrum wieder zum Leben zu erwecken

Es gibt einen ganz simplen Grund, warum das Gerede über politische Maßnahmen, um die "Klimakatastrophe abzuwenden", über alle noch weit profundere Vernunft hinaus schon aus rein praktischen Gründen die Grenze zur Verrücktheit längst überschritten hat. Denn dieses Gerede ist eine Angelegenheit einiger westlicher Länder. Deren Möglichkeiten - in allen theoretischen Hin- und Rücksichten - verglichen mit dem, was weltweit passiert, völlig irrelevant sind. 

Denn was Politik und Kirchenoffizielle - zu gleichen Teilen partiell-aktualer Verblödung anheimgefallen - in Paris als Erfolg der Weltrettung verkündeten, war in Wirklichkeit eine Farce. Denn selbstverständlich mußten sie sowohl China als auch Indien als auch der gesamten Entwicklungswelt samt Schwellenländern zugestehen, daß sie von definitiven Bestimmungen ausgenommen seien, Klima zu retten, ehe nicht ihre volkswirtschaften es geschafft hätten, die weit vordringlicheren Probleme wie Armuts- und Wohlstandsfragen zu lösen. Und das sind natürlich FRagen der Energie. Heute wird jede Woche in China alleine (!) ein Kohlekraftwerk eröffnet, Indien mit bereits annähernd derselben Bevölkerungsmenge folgt am Fuß. Dem folgen jene 1,3 Milliarden Menschen, die derzeit nicht einmal Zugang zu Energie bzw. Elektrizität haben.

Alle übrigen - also auch die anteilig minoritären entwickelten - Länder (mit kaum 1 Milliarde Bevölkerung insgesamt) können innerhalb eines Jahres aus diesem "bahnbrechenden Konrakt der Weltrettung" austreten. Der Vertrag wird sowieso hinfällig, und zwar nicht, wenn die globalen Temperaturen um 0,15 Grad fallen, sondern wenn die allen diesen Überlegungen zugrundeliegende Temperaturprogression um 0,15 Grad unter der Prognose bleibt.

Und das nennt man allen Ernstes "Durchbruch von Paris" zur Weltrettung weil Klimarettung. Bei einer Konferenz, die durch die zureisenden (-fliegenden) 50.000 Hochgescheiten und Heiligen der Welt mehr CO2-Ausstoß verursachte, als Afrikas Industrie in einem Jahr. Wo geschätzt jährlich 1,5 Millionen Menschen durch die primitive Art der Hauswärme (offene Feuer) sterben, mit einer Lebenserwartung, die 30-40 Jahre unter der des Westens liegt.

Wer da nicht französische (ach, so liebenswerte) Eitelkeit durchhört, die sich sowieso nicht einmal selber ernstnimmt aber einfach "succésse!" verkünden wollte, um politisch ein wenig Kleingeld zu schlagen, dazu fünfunddreißig Schuß deutschen Weiberwahn und dreiundvierzig Schuß amerikanische Ahnungslosigkeit, dazu noch achtundzwanzig Schuß kirchlichen Narzißmus der Wirklichkeitsentfernung eingefügt sehen kann, dem ist nicht mehr zu helfen.

Das mit den paar Kohlekraftwerken im Mustermoralschüler Deutschland oder den leider von einer vitalen Privatwirtschaft etwas gehandicapten USA - und schon gar mit Atomkraftwerksabschaltungen, mit denen Deutschland ohnehin auf weiter Flur alleine dasteht - wird so gut wie gar nichts für den Globus geändert. Dennoch feierten die Medien dieser Länder Paris 2015 als "Durchbruch". Und das ist außer lächerlich überhaupt nur noch lächerlich weil in seiner Irrelevanz zu durchsichtig eine reine PR-Maßnahme. Mit der Deutschland im speziellen eine Energiepolitik zu rechtfertigen sucht, die nur ein Ziel weil einen Ausgang haben KANN: Den völligen Niedergang der Wirtschaft, die Umgliederung einer Marktwirtschaft zu einer sozialistischen, zentralistischen Planwirtschaft. Verstand hat in der Politik unserer Länder längst und auf erschütternde Weise auf allen Gebieten abgedankt, Politik wie Kirche träumen von einer Pastoral, die auch ohne Vernunft auskommt und umso heiliger sein soll. So können aber nur Wirklichkeitsferne weil Unheilige denken, deren Heiligkeit bestenfalls in Selbsternennung zu solcher besteht.

Das nur als eine der Spitzen des bekannt spitzigen Lord Christopher Monckton in einem Vortrag vom letzten Dezember. Für Freunde der Polemik wie immer ein Vergnügen. Wissenschaftlichere Aussagen bleiben halt anderen vorbehalten, sie stützen aber das meiste zumindest, was der amüsante britische Lord so von sich gibt. Aber das ist ja hier nicht das Kriterium. Denn die Evidenzen auf die er hinweist genügen bereits. Wenn man zur Vernunft hin noch einen kleinen Spalt frei gelassen hat. In einem Punkt hat er zweifellos recht: Es geht um die Stellung der Vernunft im menschlichen Leben, es geht ganz ernsthaft um den Ruf der Wissenschaft überhaupt. Wo es mittlerweile allgemeine Lesart geworden ist, Moral über Vernunft zu stellen, Pastoral über Wahrheit.

Schwungvoll in seinem Rundumschlag und amüsant, dabei so erschütternd weil so wahr. Moncktons Vortrag von Anfang Dezember 2015. Mittlerweile geht es ja gar nicht mehr um Informiertheit. Es geht um das Verschweigen offensichtlicher Fakten. "The environmentalist are now the biggest threat to our environment!" Und: "They have the money, they have the power. But they have nothing. Because we have everyhting. We have the truth."







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Montag, 25. April 2016

Verfehlte Ansprüche

Es gehört nach wie vor zu den größten Erstaunlichkeiten, daß angesichts einer gewaltigen Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitiger "Bildungshöhe" niemand auf den Gedanken kommt, daß hier Zusammenhänge bestehen.  Daß also Bildung von Ansprüchen und Zielen ausgeht, die sich mit dem realen Leben gar nicht decken. Gleichzeitig die (als abstrakte, technische Funktionsbündel gedachten) Menschen aber in Rechtsgefühle und Anforderungen versetzt, die dem Anruf der Gesellschaft nicht entsprechen weil diesen nicht mehr hören, sich von diesem nicht mehr angesprochen sehen.

Während die Gesellschaft mit diesem Anspruchsprofil die Grenzen zur Finanzierbarkeit schon längst überschritten hat, sich natürlich diese Verfehlung gar nicht leisten kann. Unter anderem werden diese "Über-Bildeten" in künstlich geschaffene Bereiche geschoben, wozu sich Bereiche wie social-engineering oder Moralaspekte oder Schein-Studien und -universitätsanstalten anbieten, die natürlich realen Wirkdrang entwickeln, aber unproduktiv und deshalb Herde hoher Unzufriedenheiten mit dem Vorgefundenen sind.

Genau darin liegt auch der Grund, warum diese Bereiche in so hohem Maß von Frauen wahrgenommen werden. Das Video weiter unten spricht Bände dazu.

Das Hereinholen von Millionen Menschen, die sui generis nur in den untersten ("nicht-gebildeten") Anforderungsbereichen wirken können ist ein in mehrfacher Hinsicht fataler Irrtum. Zum einen ist er Ausweis eines technizistischen Menschenbildes (in der Beurteilung dieser Massenzuwanderung) und unterschätzt die Eigendynamik, die Zuwanderer ab gewissen Mengenverhältnissen annehmen (ab dem sie natürlich einen eigenen Gesellschaftsbildungsdrang entwickeln), zum anderen drückt er diese "gebildeten" (als: verbildete) Schichten aus den realen Wirkgeflechten der Gesellschaft. Das ist dann genau jene Schichte, die sich durch hohe Revolutionsbereitschaft auszeichnet, schon gar weil man sie zur vermeinten Sedierung (als Zudecken von Symptomen) mit Geldmitteln überschwemmt.


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Zum Video , das das oben Gesagte illustriert: In Räumen einer amerikanischen Universität war Donald Trump von einer Studentengruppe "Students for Trump" zu einem Vortrag angesagt. Als die Veranstaltung beginnen sollte, stürmten Aktivisten (hier wäre das INNEN mal angebracht) und "took over". Angeblich ist solches Geschehen an amerikanischen Universitäten, die bereits fast völlig in political correctness eingespannt sind, bereits üblich. Die Bewaffnung von Studenten, die Bereitschaft politisch-moralisch mißliebige Vortragende unter Gewalt zu bringen, soll bereits so hoch sein, daß Dozenten aus Angst erschossen zu werden nicht mehr wagen, ihre eigentliche bzw. eigene Lehre (das Wesen der Universität ist ja getragen vom Wissen, daß Lehre und Wissenschaft nur persönlich möglich ist) vorzutragen. 

Zum geistigen Klima in den USA (Dank für den Hinweis geht an Leser J): Daß die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch einen Gesetzesentwurf eingebracht hat, in dem "climate scepticism" strafrechtlich verfolgt werden soll, rundet das Bild nur noch ab. Wie heißt es so schön? "Die Einschläge kommen näher!"









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Wandlungen der Skepsis

Nachdem die wissenschaftliche 'Evidenz einer menschengemachten Klimakatastrophe einfach nicht vorhanden ist, hat auch das Widerlegen sogenannter wissenschaftlicher Aussagen, die diese Apokalypse verhindern sollen, immer weniger Wert. Entsprechend wandelt sich auch die sogenannte "Klimaskepsis". Sie sucht nach Anworten auf die Frage, worin dieses hartnäckige Ausblenden der Wirklichkeit gründet. Und kommt immer mehr zu einer Lösung, denn die Analogie zu religiösem Verhalten sind zu offensichtlich. 

Hier ein Vortrag von Prof. Gerd Habermann, der im besonderen auf diesen Aspekt eingeht. Weil wir es hier mit einem "Glauben" zu tun haben, ist tatsächlich die Freiheit bedroht. Denn es ist ein Aberglaube, es ist Fideismus, der verlangt, die Offenheit zur Vernunft zu begrenzen. Schwerwiegende Gesetzeswerke sind aber bereits darauf errichtet, und der Staat greift über das Bildungswesen auf die Verblendung ganzer Generationen zu.

Man sieht heute nicht einmal mehr, wie sehr "Klimaschutz" als "Naturrettung" in immer offeneren Widerspruch zum Naturschutz (dem man durchaus noch eine gewisse Liebe zur Natur nachsagen kann) geraten ist.

Ein Grundschema mit fundamentalen Widersprüchen, ja der Qualität des Schizoiden (in dem Auseinanderklaffen von Wirklichkeit und vorgegebener, durch Moralverweis hochgewichteter Handlungsintention), das sich seit Jahrzehnten etabliert hat,  und nun durch Tabuisierung weiter Gedankenbereiche einem Höhepunkt des Zentralismus zusteuert, der die Gestalt einer Theokratie annimmt. Hier gleicht deshalb der Klimawahn auf leicht aufzuweisende Art dem "Flüchtlingsthema", wo ebenfalls auf absurd-abstrakte Weise, und unter Ausblendung zahlloser Realitäten, im "Namen der Menschlichkeit" und "Menschenrettung" die eigentliche Menschlichkeit schwer verletzt wird: die dem eigenen Volk gegenüber.*

Übrigens weist Habermann auf etwas sehr Wichtiges und Richtiges hin: Die Monopolisierung des Geldes durch den Staat. Die Verwirrung der Bevölkerung auf diesem Gebiet ist ja wirklich erstaunlich. Da rufen sogar Menschen im Namen des Anti-Totalitarismus zu diesem entscheidenden Schritt des Totalitären auf - und fordern das Monopol des Staates auf Geld. Geld ist aber eine flexible Größe des Zueinander aus dem Handeln und Weltwirklichen der Menschen!








*Es folgt aus derselben Logik, daß ein "Präventivkrieg" (der NATO bzw. des Westens) oder zumindest eine hoch aggressive Außenpolitik gegen einen "existentiell bedrohlichen Feind" (am wahrscheinlichsten derzeit: Rußland; die durch selbstausgelöste Zwänge eingeleitete Nähe zur Türkei erhält hier ja ihre spezielle Brisanz, denn zwischen Rußland und der Türkei bestehen geostrategisch beachtliche Gegensätze; diese verstärkte Allianz mit der Türkei hat also klare strategische Orientierung - gegen Rußland) im Namen der Rettung des Friedens hoch wahrscheinlich ist. Überglickt man die reale Politik gegenüber Rußland in den letzten beiden Jahrzehnten, so ist hier eine konstante Linie der Bedrängung Rußlands recht deutlich feststellbar. Und immer noch legt man Gewicht auf Gewicht in die eine Schale der Waage.





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Sonntag, 24. April 2016

Veränderung nur über Gestalt

Es gibt einen Spannungsbogen im öffentlichen Disput, der sich scheinbar zwischen zwei Polen bewegt. Der eine ist die Tatsache, daß der überindividuelle Diskurs die immer situative, historisch relevante Geformtheit eines Sprachraumes als Denk- und Geistesraum nicht nur prägt sondern ist. Der andere die Tatsache, daß dem Merkmal des Aufklärerischen als der Etablierung neuer Sprach- und Denkmöglichkeiten auch politisch so eine entscheidende Bedeutung zugemessen wird. Bei den einen, um ihn durch immer neue Aufklärung voranzutreiben, bei den anderen, ihn einzudämmen oder gar zu unterbinden.

Beide irren im selben Punkt - der Fehlbewertung der Wirklichkeit der Sprache. Die als mathematisch-logizistische Apparatur betrachtet wird, aus deren Summationsfunktion auch reales Handeln (tragfähig) motiviert würde. Das passiert aber so nicht. Man erkennt es an der eigentümlichen Statik, die dem öffentlichen Diskurs (den man sich in allen möglichen Kreisen vorstellen kann, von Medienkreisen bis hin zu Kreisen am Arbeitsplatz, etc. etc.) meist eignet, dem aber die innerte Kraft fehlt, sich tatsächlich zur Kinetik aufzubauen. Dazu braucht es allemal voluntaristischen Anschub, der selbst wiederum aus dieser Rationalismusmathematik sein Sollenspotential schöpft.

Denn viel entscheidender als das nominelle Sprechtheater ist die "Sprache hinter der Sprache", ist das Unsichtbare als das eigentlich die Welt Bewegende. Und das hat Gestaltcharakter, das grüßt über die umfassende, im Einzelnen gar nie einzuschränkende, bestenfalls in Spitzen definierbare sinnliche Qualität, die von diesem Transzendenten ins Welthafte hereinragt und in gewisser Weise ja Welt "ist". Das Wesentliche am Menschen wird (fast könnte man sagen: nur) durch sinnlich erfaßbare und als Ideen-Dynamik memorierte bzw. inhärierte Gestalten geprägt.

Deshalb mündet rationaler Disput als vermeinte Ebene des Ringens von Sprache um Wahrheit immer in Aggression, das kann gar nicht anders sein. Weil die Ohnmacht, die wirkliche Impotenz des solcherart Sprechens zwangsläufig erlebt wird.

Das Wirken der Gestalt aber ist leise, still, nicht hörbar, und kaum dinglich festzumachen. Aber es ist. Einzig. Deshalb können politische Veränderungen nur von konkreten Gestalten ausgehen, nicht über Disputführung. Dieser kann allerdings aufbranden, von beiden bzw. allen Seiten her, um in einem Strohfeuer sich selbst zu vernichten, während der wirkliche Fluß der Völker und Menschen sehr rasch wieder in sein altes Bett des Wirklichen zurückfließt, aus dem durch Anschwellen auszubrechen er drohte. Aber es war Schein.

Nur Gestalten können ändern, nur sinnnlich real erlebbare und erlebte Gestalten können wirklich bewegen. Nur sie können jene fortzeugende Kraft entwickeln, die sogar ein Volk zu ändern vermag. Der Disput dient nur der Abgleichung. Denn das menschliche Denken folgt dem Sein, folgt dem Gesetz der Wahrheit, und kommt einem Ablesen des Wirklichen (als hinter allem) gleich. Nur Gestalt vermag aufzubauen.

Und ihr entfließt auch ein völlig anderes Sprechen, in dem sich das Wirken des Wortes als logos zur Welt entfaltet. Dieses Wort, dieses logoserfüllte Sprechen und Denken ist es dann, das Geist in Welt sein läßt. Geist, aus dem alles wird. Erst hier wird Wort.





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Religion ist die Mutter

"Aus der Religion erwächst jeder Ausdruck eines Volkes. Man kann Religion und Kultur nicht trennen." Ein Portrait von Martin Mosebach aus dem kroatischen Rundfunk. Auch wenn etwas Kenntnisse slawischer Sprachen von Vorteil sind, ist der Film schon durch seine Bildsprache für jeden ein Gewinn.

Religiöse Kunst, so Mosebach,  steht seit der Subjektivierung der Kunst (in der Renaissance) vor einem fast unlösbaren Problem der Widersprüchlichkeit. Denn das Abbild Gottes ist in Jesus Christus fixiert, es unterliegt nicht subjektiver Interpretation. Es ist Vorgabe, Maßstab. Der Künstler muß im Religiösen also ein totales Selbstopfer bringen, denn er muß sich orientieren, kann es nicht selbst definieren. (Nur ist das in egal welcher Kunstsparte nicht anders, meint der VdZ, denn im Bildnis Gottes ist alles.) Deshalb braucht Liturgie - als das umfassendste Kunstwerk des Welt-Alles, ja als je aktueller Weltgeburtsmoment - keine subjektive Willkür, sondern Konvention.

Das macht Kunst in der Kirche funktionell, nicht zum Austragungsort von "Meisterkunst". Daraus ergibt sich sogar eine (interessante) Verteidigung des Kitsches in der Kirche, denn sakrale Kunst braucht die universale Lesbarkeit. "Wundertätige Bilder sind meistens schlechte Gemälde." (Übrigens ist der VdZ nicht ganz der Ansichten Mosebachs zu diesem Thema. Denn gute Kunst vermag das Ideale des Geistes, des Ganzgeistes, Gottes, ins Wahre der Welthaftigkeit zu heben. Der wirkliche, der gute Künstler vermag durch einen bloßen Pinselstrich (wir machen es simpel weil um Vorstellbarkeit bemüht; aber der VdZ hat es auch so an Bildern eines Freundes erlebt) eine Dynamik (und damit idea, Beziehungsdynamik, ja Weltgrundlage) darzustellen. Es ist rein sinnlich-pointiert erlebbar, und zwar jedem, wenn es auch oft viel Disziplin abverlangt, Vordergründiges, leicht Konsumierbares zu entbehren. Aber es ist die Bewußtheit nur ein sekundärer Teil, wenn auch nicht unwesentlich fürs Ganze, keine Frage.)

Sehr richtig die Überlegungen von Mosebach zum Kirchenbau, der in der Moderne die Sakralität mehr und mehr verloren hat. Damit wurde auch der theologische Sinn katastrophal verfälscht. Nur zu unterstützen ist das Moselbach'sche Plädoyer für die sakrale Schranke. Denn nur so ist die Kirche der Nachbau des Grabes Jesu, vor dem die Gläubigen auf die Auferstehung waren.

"Nicht die Architekten aber sind das Problem des heutigen Kirchenbaus, sondern die Priester. Der Klerus muß vorgeben, was zu bauen ist." Die Kirche hingegen tut heute oft so, als sei die dankbar, an der "modernen Kultur" Anschluß zu erhalten. (Der VdZ vergleicht das mit der gesellschaftspolitischen Wirklichkeit der Kirche heute, die - der VdZ hat es direkt und augenzeuglich erfahren - oft nur noch froh ist, noch Hände von Politikern schütteln zu können, ohne ihr Eigensein noch zu bewerken, und deshalb den Politikern regelrecht hinterherhechelt.) Kirchliche Kunst aber muß aus dem Geist der Heiligen Objektivität herstammen, und da stoßen wir an das Wesen der Liturgie. Sie ist ein Aspekt des Verhältnisses des Ewigen zur Zeit, als Geschichte.

Liturgie schafft erstens Welt - der Sonntag ist der erste Tag der Schöpfung. Sie ist zweitens die reale Vergegenwärtigung der Auferstehung Christi, historisch-weltzeitlich berechnet vor 2000 Jahren. Und sie ist drittens das ewige Hochzeitsfest des Lammes im Himmel. Der Teilnehmer an der Messe tritt aus der Weltzeit heraus, und ist damit mit einem Bein bereits in dieser Ewigkeit, in dieser Zeit der Zeit. Daraus ergibt sich eine wesentliche Funktion des gregorianischen Chorals. Denn er ist aus jeder Zeit herausgehoben. Mit zeitgenössischen Musikelementen, die je nur einer Epoche möglich und zugehörig sind, sind zwar auch schöne Dinge geschaffen worden, aber sie gegen nur ein historisches Ansehen. Im Gregorianischen Choral erhält die Kirche aber ein überzeitliches Antlitz. Popmessen etc. sind aber meist nur noch Ausdruck lächerlicher Hilflosigkeit einer furchtbaren Unfähigkeit, aus dieser Zeit überhaupt noch auszusteigen. Sie sind damit Verlust dessen, was Liturgie überhaupt ist: Kuß des Ewigen in die Zeit hinein. Sich hier noch auf "dennoch bestehende Gültigkeit der Sakramente" zu berufen, wie es etwa EB Schönborn in einer dem VdZ vorliegenden Antwort auf eine entsprechende Anfrage zu einer konkreeten Liturgie tat, ist lächerlich und dumm.








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Samstag, 23. April 2016

Folgen des Zentralstaates

Wer die Graphik über die Ausgabenverteilugn des Staates Österreich ansieht (der nach wie vor mehr ausgibt als über die äußerst hohe Steuerbelastung einnimmt) erkennt, daß ein überwiegender, ja ein bei weitem überwiegender Teil der Staatsausgaben direkt oder indirekt mit Gesellschaftspolitik zu tun hat. Und zwar - mit linker Gesellschaftspolitik, die direkt in die gesellschaftlichen und persönlichen Strukturen eingreift. Sodaß sich der Löwenanteil der Staatsausgaben direkt oder indirekt aus dem Auflösen traditioneller zwischenmenschlicher, sozialer Strukturen ergibt. Das ist nicht das Ergebnis schicksalhaft eintretender kultureller Veränderungen, wie es oft dargestellt wird, sodaß der Staat hätte eingreifen MÜSSEN, sondern das Resultat gezielter und gewollter gesellschaftlicher Veränderungen. In deren Zentrum die Auflösung der Familien- und Generationsstrukturen steht, zum einen, die Auflösung verwurzelter sozialer Strukturen zum anderen. 

Weil diese Strukturen nach politisch-ideologischen Eingriffen nicht mehr funktionieren, muß der Staat, der sich mit Verantwortungen belastet hat, die er gar nicht tragen kann, sie ersetzen. Das kostet so viel Geld, daß die Bürger mit Steuerbelastung niedergedrückt werden müssen, und außerdem in ein System eingekerkert sind, dessen Versagen sich der Staat gar nicht mehr leisten kann, das also zu einem Zwangssystem und zu einer Politik der Getriebenheiten führt. Was den Zentralstaat auch historisch belegbar IMMER mit der Zeit zu einer totalitären Anstalt werden ließ, weil er gar nicht anders konnte. 

Im besonderen geht es hier um die in den Ausgaben auch größten Bereiche - Altersvorsorge und Krankenfürsorge, Bildung und direkte Eingriffe in Wirtschaft und Leben, welch letztere eigentlich bereits Folgewirkungen aus der Beschädigung der ersten Bereiche sind.

Im Anfang dieser Entwicklung stand dabei nie eine gewissermaßen "sachliche Notwendigkeit", sondern ein klarer politischer Wille zur Macht und zum direkten und abhängigmachenden Einfluß auf die Bürger. Am Anfang stand eine quasi-religiöse Überzeugung. 

In diesem System ist auch der Bürger über kurz oder lang nicht mehr ohne Staat überlebensfähig - so soll es ihm suggeriert werden. Die Gesellschaft der Bürger wird zu einem Ameisenstaat umgewandelt, zu einem Organismus der sein Nervengerüst, seine Lebenszentrale "auf der Haut trägt", das Einzelsein seiner Teile und Organe geschwächt hat (wobei: in Wahrheit nur noch davon lebt). Seine Struktur wird technizistisch, er wird zu einer Maschine, zum Leviathan, und er endet zwangsläufig in der totalen wie totalitären Enteignung des Privaten, weil er immer berechenbarer sein muß bzw. nur unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch bestehen kann. Ein Ziel, das natürlich nie erreichbar ist, das umso mehr aber zu erreichen getrachtet wird.

Das hat das Umbrechen ehedem geldlos funktionierender, auf reiner Zwischenmenschlichkeit basierender sozialer Gefügeaufgaben auf abstrakte, beziehungslose bzw. Beziehungen aus den Defiziterscheinungen rational nachbildender Funktionen, die diesmal aber Geld kosten. (Und Geld bedeutet immer: Anspruch auf menschliche Leistung). Was ehedem funktionierende soziale Gefüge selbstverständlich geleistet haben, wird nun vom Staat "erledigt".

In Wahrheit stimmt das natürlich nicht. Denn zwischenmenschliche Situation ist nie ersetzbar, nicht einmal annähernd, es ist bestenfalls simulierbar, auf technischer Ebene in reduzierten Funktionen nachbildbar, wobei ihm das Wesentliche, die Mitte alles Beziehungsgeschehens, bereits fehlt. Ein Apparat kann niemals eine Beziehung haben oder aufbauen, auch dann nicht, wenn er eine Maschin ist, die aus Menschen besteht, von denen aber die ablaufrelevanten Aspekte gefordert und geduldet werden. Es kommt in jedem Fall zu einer Entmenschlichung. Menschliche Beziehungen werden zur "Bückware", die nur Eingeweihten zugängig ist, wenigstens in einer Parallelwelt, in Parallelgesellschaften - denn eine Gesellschaft spaltet sich dann. In ein "offizielles Theater" - der Staatsmechanismus wird zur "Beute" von Interessen - und eine "geheime, intime Privatbühne", ohne die aber das offizielle Theater sofort zusammenbrechen würde.

Auch hier geht menschliches Tun einfach vom ontologischen Tatbestand ab. Was aber dem Sein zuwiderläuft kann auf Dauer nicht bestehen, und lebt in Wahrheit auch dieses begrenzte Leben nur als Parasit der noch vorhandenen Deckung mit der Ontologie. Insofern ist so ein System also lange lange "reformierbar", veränderbar, ohne Revolution, ohne radikalen Umsturz.

Der Bürger müßte sich halt umgewöhnen. Das wird ohnehin kommen, und es ist auch immer so gekommen. Entweder durch Umbau, durch Staatsreform, oder durch Umsturz. Denn dieser organisch höchst defiziöse Staat wird zwangsläufig aufgebläht - er ist in den Kosten dem Rückfluß immer voraus, schon alleine aus Zinsbelastungen, die Wachstumsmotiv genug sind - und schafft sich die von Bürgerseite auftauchenden Forderungen nach Aufblähung durch die Umbildung der Charakterdisposition dieser selbst. Sodaß er zu einer scheinbaren Erfüllung von Bürgerwillen wird, welchen Willen er zuvor aber selbst geschaffen hat.

Noch ein Punkt soll angesprochen werden, er ist in Wahrheit wesentlicher als alles oben Gesagte: Diese Ausgabenstatistik zeigt, wie sehr wir uns mit unserem Reden von Wirtschaftskraft und Bruttonationalprodukt bereits in die Tasche lügen, ja überhaupt nur noch lügen. Nicht, daß einem Arzt, einem Integrationshelfer oder einem Sozialarbeiter für Schwererziehbare oder einem Lehrer oder einem Beamten im Finanzministerium prinzipiell Wert abgesprochen werden soll. (Was bei ideologiebetrottelten Phantasieberufen wie "Genderbeauftragten" etc. etc. längst anders ist, sie sind nicht nur unnötig und unproduktiv, sondern sogar direkt schädlich.)

Aber es muß gestattet sein festzustellen, daß deren Einkommen - das derzeit der Bruttowertschöpfung zugerechnet wird - KEINE nominelle (und nur darum geht es in solchen Statistiken) Wertschöpfung darstellt, in einem Bruttonationalprodukt deshalb gar nichts zu suchen haben, sondern im Gegenteil: die produktive Wertschöpfung BELASTEN. NUR aus dieser aber kann ein Finanzgefüge eines Staates überhaupt existieren, die meisten dieser Berufe sind deshalb purer Luxus, den sich die produktiven Kräfte "leisten". Was mit einer Gegenprobe leicht feststellbar ist: Was wäre, wenn NUR solche Berufe in einem Land bestünden? Diese Statistik zeigt deshalb auch, wie schwer belastet dieser produktive Anteil an der Volkswirtschaft in Wahrheit bereits ist, und was ihm aufgeladen wird.


Graphik: Agenda Austria





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Nur kurzfristig überlagerbar

Was tatsächlich alle Menschen gleich macht ist ihr stufenartiger, struktureller Aufbau. In jedem Menschen finden sich deshalb die gleichen Strukturen, die gleiche Ebenenzugehörigkeit wie Ebenenzustrebung als Konkretion (die in fleischlichen, dinglichen Ebenen immer eine Analogie zum Geistigen, aber selbst nicht geistig ist.) Was die Menschen unterscheidet ist aber ihr reales Sein als Sein das mit Inhalten gefüllt ist, und darauf beziehen sich ihre Wirk-, Sollens-, Aufgabenkreise.

Weil der Mensch nichts wirklich erkennt, das er nicht im Fleisch aneignet - ein weites Gebiet heutiger Selbsttäuschung! - ist diese Prägung real, direkt und unumstößlich von seiner Herkunft her, vom realen Sein seiner Herkunftsfamilie her geprägt und bestimmt. 

Das gibt jeder Gesellschaft naturgemäß etwas sehr Statisches, wenn sich auch an den Rändern dieser Kreise Diffusions- und Assimilationserscheinungen zeigen, sodaß eine gewisse, aber immer langfristig nur marginale Durchlässigkeit eines sonst prinzipiell statischen Gesellschaftsaufbaus möglich und gegeben ist. 

Eine wirkliche Änderung einer Gesellschaft oder einer Gesellschaftsform ist deshalb gar nicht möglich. Es sind mehr oder weniger schön aufgehauchte Kartenhäuser. Möglich ist nur ein kurz- oder mittelfristiger, immer vom Willen gepreßter Schein, der aber der Übermacht des chthonischen Seins nicht gewachsen ist.* Ganz selbstverständlich drängen in einer Demokratie deshalb Systemaspekte in den Vordergrund, und ihre ursprüngliche Idee entpuppt sich als das was sie war - Selbsttäuschung eines "von unten nach oben". Es bilden sich Monarchen-Darsteller, und es bilden sich Systemnotwendigkeiten, die das sogenannte demokratische Eigenleben eines Organismus eindämmen müssen - sie müssen im Namen des Selbsterhalts totalitär werden.²) ³)

Diese erwähnten Ränder sind durchaus wörtlich zu verstehen, weil sich gewisse Auslösungen aus diesen ganz konkreten Identitätsbereichen (die sie sind) dort vollziehen, wo gewisse Zugehörigkeiten entweder nicht erlebt werden (obwohl die existentielle Abhängigkeit von ihnen gegeben bleibt, sodaß diese Nicht-Zugehörigkeit zum Leidensdruck wird**), sodaß sich die Richtung des Wirkens eines Menschen nach nächsten Kreisen orientiert, und wenn er dort nicht zugehörig wird, auf abstrakte, allumfassende Kreise ausweicht, immer auf der Suche nach Zubehörigkeiten, denn Ewigkeit gibt es nur im Bett des Allgemeinen, weil das Individuelle nur eine personale, unwiederholbare Abwandlung des Allgemeinen im Besitz ist.





*So kommt es, daß sich Demokratie in heutiger Form bilden konnte, die aber mit der Zeit die ewigen, gar nie beseitigbaren Strukturen gesellschaftlichen Aufbaus (als wirkliches Streben der Menschen nach dem Sein, das immer in der Ideenordnung liegt) nicht mehr zu verdecken vermag, und deshalb wieder konkret ausbildet. Demokratie wandelt sich deshalb immer in eine Form des Despotismus, ein demokratischer Staat zum Werkzeug sehr persönlicher Interessen, die sich ganz exakt jener ontologischen Strukturen bedient, die er offiziell abzulehnen vorgibt.

²Müssen deshalb, weil einer Demokratie die wirkliche Legitimation fehlt. Also muß sie auf die Despotie des Sagens, des Gedankens, der (letztlich ja wieder universal weil absolut begründeten) Moral etc. ausweichen. 

³Das Wort vom "Recht das vom Volk ausgeht" verdinglicht auf unzulässige Weise den immanenten Tatbestand, daß ein Volk in sich eine ontologische Struktur verkörpert (darauf gründet das sogenannte Naturrecht), dem jedes von oben (wörtlich zu sehen) gesetzte Recht entsprechen (weil zur Entwicklung eröffnen, sogar befreien bzw. frei wahren) muß, weil es sonst naturwidrig und damit schöpfungs- und damit gottwidrig wird. An sich kann Recht nie einfach vom Volk ausgehen. Es kann aber in sich gerecht geordnet sein, also Recht verkörpern, und tut das auch (mehr oder weniger!) immer kraft Wirklichkeit - durchaus den Herrschenden zuwider. Übliche Spitze dazu: Der Sozialstaat zielt auf das Aushebeln des natürlichen Rechtsempfindens eines Volkes und damit auf seine Freiheit ab, vorwiegend indem er die Menschen in Schuld verstrickt, weil das das zäheste, statischeste Element im Menschen gerade im Unrecht ist.

**So wird jener Kreis verständlich, der nirgendwo zugehört - der der Künstler, Philosophen, Priester.




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Freitag, 22. April 2016

Wer das Christentum nicht kennt, wird Muslim

Was in diesem Vortrag von Manfred Kleine-Hartlage vorgetragen wird, sollte beitragen, die Selbstrezeption des Christentums - des Katholischen - zu stärken weil herauszufordern. Warum? Weil sich im Islam, der ja einer christlichen Häresie entstammt, und viel Einflüsse griechischer Philosophie trägt, verschwistert mit naturreligiösen Gegebenheiten arabischer Stämme, sehr viele sehr christliche Prinzipien ÄQUIVOK wiederfinden. Äquivok heißt, daß es dem Wortlaut gleich, aber dem Inhalt nach verschiedenf - nein: ANDERS - ist.

Denn rein äquivok ist die Position des Islam der Christlichen sehr gleich: Auch der Christ sieht den Naturzustand des Menschen in einer grundsätzlichen Position zu Christus gegenüber. Wo immer der Mensch NICHT christlich ist, ist er von seiner Natur entfremdet. "Anima naturaliter christiana est" formulierte es sogar noch das 2. Vatikanische Konzil.  Worauf sich das gesamte pastorale Verhalten - auch des jetzigen Häretikers am Papstthron - beruft. Worauf sich eine ganze Theologie (Karl Rahner!) bezieht. Eine ganze Theologie, die "nouvelle theologie", wie es bezeichnet wird.  Alle Menschen können deshalb gar nicht anders als gerettet sein, weil Christus als "Stellvertreter des Menschseins" für "alle Menschen", die naturaliter Christen sind, gestorben ist, und erlöst hat. Diesen Unsinn verkündet ja der derzeitige geistlos-närrische Papst am laufenden Band, wenn er nicht von Vatikanischen Dikasterien irgendwie in Schranken gehalten werden kann.

Wenn sich also Europa in den derzeitigen brennenden politischen Fragen auf eine Abgrenzung gegenüber dem "absolutistischen" Anspruch des Islam beruft, auf  "Toleranz " im christlichen Namen beruft, so weiß es nicht, was es redet. Kennt seine eigenen Wurzeln nicht. Denn wer nicht getauft ist, so die katholisch-christliche Auffassung, ist nicht nur nicht gerettet, er ist nicht gerettet, weil er nicht Mensch im Vollsinn des Menschseins ist. 

Die Empörung gegen den Islam ist also vielfach erschütternd grotesk und substanzlos. Denn da werden explizite Ansprüche des Islam als prinzipiell "anti-christlich" oder "anti-europäisch" bezeichnet, die es nicht nur nicht sind, sondern auf denen das Abendland sogar beruht. Deren Unterscheidung ein beinhartes Kriterium nur möglich macht. Das der Anerkennung der Erlösung der Welt durch den menschgewordenen Gott Jesus Christus bedarf. Sonst wird es ununterscheidbar.

Und WEIL das nicht mehr gewußt und rezipiert wird - woran die Liturgie ihren dramatischen Anteil trägt, weil sie nicht mehr Jesus Christus als Gestalt und damit, DAMIT  als Heilmittel sieht - deshalb tritt der Islam in Europa alle Türen ein, die längst offen sind. Sich dagegen abgrenzen zu versuchen ist diesen allen - damit ganz Europa! - lächerlich! Sie wehren sich gegen die Konsequenz ihrer eignene Gottlosigkeit, wehren sich gegen das, was sie selbst herbeisehnen.

Und das macht die Islamkritik - auch in diesem Fall - höchst gefährlich, basierend auf der Unkenntnis der europäischen Grundlage. Denn verbal ist der Anspruch des Christentums keineswegs anders, oder gar "rassistisch", wie das des Islam, wie es Kleine-Hartlage gar meint.  Wer die christlichen Wurzeln des Islam nicht kennt und sich von seiner Ideologisierung abschrecken läßt, ohne metaphysisch ausreichende Wurzeln zu haben, wird mit dem Islam auch das Christentum ausrotten. Das Problem des Christentums mit dem Islam beruht darauf, daß der Islam eine HÄRESIE des Christentums ist. Darauf ruht dessen Ideologisierung. Nicht auf inhaltlichen Aussagen. Er ist eine Art Scheidewasser der Christen in Europa. Denn die meisten, die sich gegen den Islam wehren, sind in Wahrheit häretische Christen, die nur nicht wahrnehmen wollen, daß sie keine Christen - sondern implizit Muslime - mehr sind.
 









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Nüchterne mathematische Fakten

Bei einem statistischen Modell wie den Klimamodellen hat man es mit 10(hoch)30 Freiheitsgraden zu tun. Das heißt, daß man das Weltklima aus mathematischen Gründen niemals berechnen kann, und schon gar keine Prognose daraus entnehmen wird können. Man kann bestenfalls Klimasituationen simulieren, wenn man die Parameter festlegt. Die Klimakatastrophe ist in hohem Maß ein statistisches Problem, und kein der empirischen Evidenz entnommenes Entwicklungsbild.

Prof. Werner Kirstein in einem Vortrag zur statistischen Klimarechnung, der Beweisfähigkeit von Statistiken, und dem Wert von Korelationen, vor allem aber zur Tatsache der Realitätseinbrüche, wo ganz andere Faktoren jede statistische Hochrechung, die scheinbar auf realen Daten basiert, ad absurdum führt. Denn die Wirklichkeit ist viel komplexer als jede Statistik darzustellen vermag, und Zustände von Dingen reagieren (auch in diesem Zueinander der Welt) ab bestimmten Größen auf neue Weise. Das macht auch den Prognosewert von Statistiken mehr als fragwürdig, und Kirstein zeigt Beispiele des bereits aus statistischen Prognosen heraus produzierten Unsinns aus gar nicht ferner Vergangenheit. Gerade Umweltpolitik, die Ökologiebewegung beruht aber in höchstem Maß auf solchen absurden "Fakten". Hörenswert auch die aufgezeigten Analogien der Öko-Bewegung mit den Strukturen einer Religion, als neue Religion in Zeiten säkularisierten Weltwissens also.

Kirstein hat sicher recht wenn er darauf hinweist, daß auch das Abklingen eines Bedrohungsbildes (wie es uns seit vielen Jahrzehnten verfolgt) keine Entlastung brächte. Es würde sofort ein nächstes Drohbild auftauchen, ja man baut längst daran. Wie wäre es zum Beispiel mit "weltweiter Trinkwasserkatastrophe"? Mit einem neuen Bild des Heiligen, des Erlösten: Als Gutmenschentum, das (zumindest partielle) Wirklichkeitsverweigerung zur religiösen Pflicht macht und auf der Grundlage universalistischer Moralwerte west. Mit einer neuen göttergleichen Priesterkaste und Elite, die sich namens der Weltrettung jedes Recht auf Bevormundung sieht. Wir haben es deshalb heute mit einem politisch gewollten Klimawandel zu tun. Der VdZ hat schon vor zwanzig Jahren notiert, daß er einen immer stärker ausgeprägten Willen zum Zusammenbruch feststellt. Die "Wissenschaft" dient in diesem Rahmen nur zur Verabsolutierung der Motive, durch Schaffung von Notwendigkeiten durch "Alternativlosigkeit". Die Zusammenhänge mit Acedia liegen also auf der Hand. (Deshalb gibt es auch tatsächlich die soziologische, psychologische und charakterliche Zuschreibbarkeit der Herkunft der Klimapropheten.) Zumindest tendentiell hat deshalb Klimawahn und politische Ausrichtung viele Zusammenfälle. Er ist recht deutlich links, in des Wortes eigentlichsten Sinn.

Ein Vortrag also mit einer Fülle interessanter Aussagen, aber auch mit vielen naturwissenschaftlichen Fakten. Etwa zur Rolle, die tektonische Bewegungen der Landplatten auf den Meeresspiegel spielen. Denn nachweislich heben sich manche Platten, und damit "steigt" natürlich der Meeresspiegel bei angrenzenden Plattenufern. In Warmzeiten heben sich diese Platten, während sie in Kaltzeiten wieder zurücksinken. Daß wir seit 10.000 Jahren in einer Warmzeit leben ist ja immerhin unbestritten.







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Donnerstag, 21. April 2016

Höchst brisant weil wahr

Und wir bleiben gleich mal auf Manfred Kleine-Hartlage. Denn was er in diesem Video anschneidet, ist tatsächlich von allerhöchster Brisanz. Wenn eine Frau Merkel erzählt, daß nationale Gesetzgebung zugunsten einer internationalen Organisation aufzugeben habe, dann ist das von höchster Brisanz. Denn das ist ein Verbrechen,  nicht einmal nur Geistesgestörtheit. Anders kann man das nicht bezeichnen. Und das wird auch nicht besser, im Gegenteil, wenn der Kirchliche Klerus das auch noch unterstützt. Es ist im übrigen auch gegen jedes Naturrecht, gegen die Rechtsidee selbst gerichtet. Der derzeitge Klerus kennt dieses Naturrecht ja bestenfalls noch aus abklatschartigen Dissertationen. Verstanden hat er es nicht mehr.

Höchst brisant, in vielem absolut richtig - dieses Video von einem Vortrag des Genannten. Wir haben es heute mit erschütternden Verrücktheiten zu tun, die jedes Sozialleben, und damit jedes Individualleben, zerrütten. Die die umstürzlerische Entmachtung der derzeitigen Eliten mit lautem Schreien fordert. Ein altes germanisches Recht, übrigens. Thomas von Aquin begründet jene Situation, in der Revolution - "Tyrannenmord" - sehr wohl gerechtfertigt ist. Vielleicht sind wir längst so weit. Und Papstkuschertum gibt es ohnehin erst seit den wirklichkeitsentfremdenden Sozialstaatskuscheleien, die große Tragik der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas. Die Situation der Wirklichkeitsverweigerung des hiesigen Klerus beweiste es vorne und hinten.+

Noch eine Kleinigkeit, die aber keine ist: Wenn Kleine-Hartlage richtig sagt, daß kein Staatsgefüge wo sehr wie die Demokratie ein Staatsvolk voraussetzt, so muß dem hinzufügt werden: daß der Staat in gewisser Hinsicht auch sein Volk SCHAFFT. Der Staat ist eine Münze mit zwei Seiten, was viel über das Wesen des Seins aussagt. Was als Gestalt IST, EMPFÄNGT nicht nur seine Gestalt aus Gegebenheiten, sondern es SCHAFFT diese im (zeitlich nicht trennbaren) Gegenzug. Es liegt am logos, am seinvollen Wort. Dem schöpferischen Wort.

Der beste, pointierteste Vortrag von Manfred Kleine-Hartlage, den der VdZ kennt. Was ist passiert, wenn der gesunde Hausverstand (G. K. Chesterton titulierte gar ein Buch über den Katholizismus mit "Die Philosophie des Hausverstands") zum Ausweis moralischer Verworfenheit - "rechtsradikal" - wird?

Das Zitat von Jean Claude Juncker nimmt einem fast den Atem, wenn man nicht wüßte, daß es ja längst generell so ist: "Wir beschließen etwas, warten, wie die Leute reagieren, die sowieso gar nicht begreifen, was da passiert, und wenn sie nicht reagieren, gehen wir weiter, schaffen Tatsachen, hinter die zurückzugehen nicht mehr möglich ist." Das ist das Wesen der Politik, die wir seit Jahrzehnten erleben!"

Politiker, Elite, Klerus - sie haben jede Relevanz verspielt. Wäre nicht das Element des Sakramentalen - sie alle wären wie Krätzeschorf auszustoßen. Es braucht DRINGEND jeweils neue Politiker, neue Elite, neuen Klerus. Es braucht dringend Vernunft! Das Bestehende ist zu verwerfen, es hat sich aus Interessensverblödung - Klerus uind Interesse? Kein Kleriker, kein P=olitiker, der nicht "etwas werden" will! MAN BEACHTE DIE ROLLE DER MÜTTER DABEI. Sehenswert! Überall gleich. Mütter, die verlangen, daß endlich was aus ihren Söhnen wird* ... erschütternd - dem Spiel gebracht, ist zum Schrecken geworden, der schuldbeladen nur noch versucht, sich auf ein Eiland der Rechtfertigung zu retten.







*Die Rolle der Mütter am Feminismus, an der derzeitigen Tragik der Frauen (denn darum handelt es sich: Selbstverfehlung aus übernommenem Ehrgeiz!) und damit an der Kirche (und den Politikern, dem säkularen Klerus) ist nicht einmal annähernd rezipiert. Dabei ist sie entscheidend!




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Bei genauerem Hinsehen

Der deutsche Klimaforscher Prof. em. Dr. Friedrich-Karl Ewert hat sich einmal genauer mit den vorliegenden Meßdaten der weltweiten Temperaturstationen angesehen. Dabei ist er zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen, denn mittlerweile muß man sagen: Was den Klimakatastrophanten nicht paßt, wird eben passend gemacht. Dazu muß man nur ein wenig an den Auswertungsprozeduren ändern. Und wenn es immer noch nicht paßt, ändert man rückwirkend die Meßdaten, und sei es, daß man die Auswertungsmethoden ändert, denn auch das spielt eine beträchtliche Rolle. 

Die realen Daten aber hat Ewert nun mit einigen der zahlreichen bekannten Zyklen (v. a. aus Erdveränderungen, Sonneneinstrahlungsschwankungen und Änderungen der Umlaufbahn der Erde) abgeglichen. Dabei ist er sogar -  man möchte sagen: typisch deutsch-gründlich - auf regionale Besonderheiten eingegangen. Abgesehen davon, daß sich überhaupt die Temperaturen weltweit gesehen regional sehr unterschiedlich entwickelt haben: einzelne Regionen haben sich leicht erwärmt, andere hingegen abgekühlt.

Die Ergebnisse sind sehenswert, und notwendig zu wissen, um sich gegen Katastrophenmeldungen, denen man ganz eindeutig Unredlichkeit zuschreiben muß, zu wappnen. Bei allen Vorbehalten (und das sind nicht wenige, und von nicht geringem Wert) die überhaupt zu solchen Aussagen gegenüber bestehen.

Fazit: Nicht nur hat CO2 keinen (und schon gar nicht: wissenschaftlich nachweisbaren) Einfluß auf das Klima,  sondern sämtliche gemessenen Temperaturschwankungen auf der Erde sind im Rahmen der bekannten historischen Klimadaten völlig normale Schwankungsereignisse. Erhöhte Ausstöße von "Klimagasen" haben keinen aufweisbaren Einfluß. Von einer dadurch ansteigenden Erwärmung ist nichts zu bemerken, dies auszusagen ist angesicht der Daten schlicht unkorrekt.

Interessante Detailaussage, die man auch an anderen Stellen hören kann: Fällt der CO2-Anteil unter eine gewissen Schwellenwert (hier wird angenommen: 150 ppm), würde sich die organische Sphäre der Erde gravierende ändern. Denn alles braucht CO2, um zu leben. Umgekehrt sind in der Erdgeschichte 99 % des früheren CO2-Gehalts verschwunden. Sie finden sich vor allem in Gesteinsform und sogenannten fossilen Brennstoffen (daß Öl anorganischen Ursprungs ist sieht der VdZ mittlerweile eindeutig) gebunden. Man könnte also den Gedanken bestätigt finden, daß das menschliche Handeln - und Handeln braucht Verbrennungsenergie, setzt damit immer (!) CO2 frei - der Biosphäre  das zuführt, was es braucht, ja daß sich das Verhältnis Mensch - Biosphäre in einem gewissen Gleichgewicht befindet und befinden muß. Mehr Menschen - mehr Handeln - mehr Energieverbrauch - mehr Verbrennung : mehr Nährstoffbedarf - mehr Wachstumsbedarf - mehr Bedarf nach lebendigen Organismen weil Nahrung. Die Welt als Wunder göttlicher Einrichtung!

 








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