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Dienstag, 31. Mai 2016

Dann ist es Todsünde (2)

Teil 2) Zuerst das Gewissen 
- Worüber sich ein Bergogliokabarett schreiben ließe




Newman sah sehr scharf, wohin eine offizielle Dogmatisierung der Unfehlbarkeit des Papstes führen würde, und er hatte absolut recht: Die Gläubigen würden mit der Zeit nicht mehr unterscheiden können, was eine unfehlbare und was eine fehlbare oder rein private Handlung eines Papstes wäre. Genau diese Verwirrung im Volk kann man seither auch beobachten.

Und daß er es sich in der Gewissensbildung je leicht gemacht hätte kann ihm ganz gewiß nicht zum Vorwurf gemacht werden. Auch nicht dem VdZ. Im Gegenteil sah er sich aus diesem Grund oft und oft genötigt, sich mit theologischen und philosophischen Fragen auseinanderzusetzen, mit viel Mühe und Zeitaufwand, die er sich manchmal auch lieber erspart hätte. 

Und selbst wenn dieser Argentinier am Stuhle Petri den allergrößten Stuß erzählt (und der VdZ größte Zweifel an seiner persönlichen Lauterkeit hat²) prüft der VdZ bis heute, wo jener berühmte Funke Wahrheit liegen könnte, der in allem sein muß, sonst gäbe es es nicht. Nur ist er oft sehr versteckt und sehr häufig in einem ganz anderen Zusammenhang zu sehen, als es Bergoglio zu meinen scheint. Denn man darf auch niht den Fehle rmachen, sich im Vereinzelten zu verlieren, man muß immer den großen Horizont suchen, in den es einzubetten ist, und aus dem heraus es überhaupt erst ist wo und was es ist.

Nichts aber könnte den VdZ dazu bringen, in blindem Gehorsam - und das ist immer schon (!) eine von der Kirche abgelehnte, ja als abzulehnende klar bestimmte Haltung! - einfach allem und jedem nachzulaufen, was der Papst sagt. Die Notwendigkeit zu schärfster Prüfung ist aber besonders dort der Fall, und ganz besonders dort der Fall, wo der VdZ zu anderen Schlüssen kam oder kommt, als der Papst bekannt gibt (schon gar, wenn er es als private Plauderei tut). Denn dann weiß der VdZ umso fester, daß er Verantwortung für sich übernehmen muß.

Und das ist es, was den Menschen erst in Freiheit gründet: Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Erst dort (!) und in dieser Freiheit der freien Zustimmung - denn Irrtum ist nicht Freiheit, Irrtum ist immer in Unfreiheit begründet und Ausdruck von Unfreiheit, wenn er nicht gleich Bosheit und damit direkte und schwere Sünde ist - ist er auch Ebenbild Gottes. Und das heißt auch und das heißt gerade, selbst dem Papst zu widersprechen, wenn er Unsinn redet und falsch handelt. Ohne Amt und Realisierung damit je anzuzweifeln.*

Aber zu dieser Berufung des Getauften zur Freiheit der Kinder Gottes gehört genau so jene zu kritisieren, die da meinen, die Anerkennung päpstlicher Autorität verlangte die Außerkraftsetzung des eigenen Gewissens und der höchst persönlich nur wahrzunehmenden Verantwortung für den ganz konkreten Lebenskreis am Ort, an dem man steht. Das ist Aberglaube. Das ist dieselbe Todsünde die gesetzt wird wenn man von anderen verlangt, sie hätten sich in blindem Gehorsam dem Papst zu fügen. Denn nichts kann die Notwendigkeit (und man muß heute DARAN erinnern, gerade weil alle meinen, es sei umgekehrt) zum Ergreifen der Freiheit - Selbstsein ist ein Akt -  ersetzen oder außer Kraft setzen.**



"Papa Francesco"
 - Ein Bergoglio-Entwurf

Es erzählt viel auszutesten, in welcher Form und mit welchen Inhalten sich zu einer Situation oder Person ein Kabarett schreiben ließe. Es erzählt schon viel, wenn Kabarett die einzige Möglichkeit ist, sich einer Sache zu nähern, ohne sie in Haß oder Lieblosigkeit auszustellen, weil sie in Sachlichkeit gar nicht zu bewältigen wäre, ohne in einem vernichtenden Urteil zu erstarren. Denn im Kabarett muß man seine Figuren lieben, sonst mißlingt es und wird zum langweiligen Traktat. Das also mit einer überspitzten Handlung Tatsachen Bergoglio'scher Amtsführung auf einen Kulminationspunkt hin schreibt, der die Groteske deutlich macht. Und damit eine Verobjektivierung eines zuvor noch ungeborgenen, chthonischen, diffusen Inhalt möglich macht.

Diesen vor Augen stellt, und im Lachen befreit und distanziert, sodaß man sich frei verhalten kann. Schon vor geraumer Zeit hat der VdZ den Gedanken einmal durchgespielt, weil er sich aufdrängte, dieses Pontifikat in einer episodenartigen Kurzfilmreihe mit viel Humor (in dem Bergoglio durchaus mit gewiser Liebenswürdigkeit betrachtet würde, ohne freilich der Sache etwas zu nehmen) darzustellen. Dazu braucht es aber doch gewisse theologisch-philosophische Urteilskraft, sonst würde man der Sache ihre eigentliche Spitze - und den eigentlichen Humor - nehmen. Der nur über Tragik funktioniert, denn die Komödie ist eine überzogene, überdehnte, auf wahrhaftige Spitzen (als verlängerte Tangenten) getriebene Tragödie, die maßlos wurde. Aber um Tragik zu begreifen, um sie darstellen zu können, muß man ihre sachlichen Grundlagen in ihrer Ernsthaftigkeit erkannt haben.

(Der Leser möge verstehen: Die konkreten Inhalte werden derzeit noch unter Verschluß gehalten.)

Es umzusetzen ist halt eine Geldfrage, und Filmproduktion etwas anderes als Ideen zu gestalten. Zu der es auch jede Menge Mitstreiter und vor allem ein Gemüt braucht, kräftig in die Welt hineinzugreifen. Der VdZ hat also die Idee weit nach hinten gestellt, wo sie weiter fermentieren kann. Wie so viele Ideen.





*Der VdZ war vor gut 20 Jahren in einen schweren und öffentlich ausgetragenen Disput verwickelt, in dem er in seiner Verantwortung als Familienvater auch für die religiöse Erziehung seiner Kinder den offiziellen Religionsunterricht kritisierte. Im Einzelfall müsse man seine Kinder sogar vom offiziellen Religionsunterricht abmelden, äußerte er damals, wenn man sie katholisch erzogen haben wollte. Was ihm den Vorwurf seitens etlicher Kleriker (darunter Bischof Krenn) eintrug, er sei "ungehorsam", ja rufe dazu auf. Das war nicht nur tief ungerecht, und zwar weil man eben nicht verstand was einen Familienvater von einem Kleriker unterscheidet, es ist selbst von maßgeblichen Kirchenvertretern (und im übrigen von + Johannes Paul II.) längst bestätigt worden. Denn vor allem ist religiöse Erziehung eine elterliche Verantwortung, die zu leisten und die kein Priester oder Religionslehrer abnehmen kann. Der offizielle Religionsunterricht kann (wie überhaupt jede Schule) diese elterliche Pflicht nur stellvertretend übernehmen, mit elterlicher Gutheißung, niemals aber ersetzend.

²Warum soll das nicht gestattet sein? Worin unterscheidet sich diese Meinung prinzipiell von jener, in der Menschen nach dem Tod von Päpsten "Santo subito!" rufen, und die sofortige Seligsprechung eines Papstes verlangen? Auch das ein Urteil aus persönlichem Eindruck (so weit man den eben gewinnen kann) und über die persönliche Heiligkeit eines Menschen. Im Fall Bergoglios kommt der VdZ eben zu diesem Urteil. Und er beruft sich auf eine vielfach erprobte und offenbar nicht so ganz unausgereifte Menschenkenntnis dabei. Ein lauterer Mensch handelt und redet nicht so widersprüchlich, im Gegenteil: Lauterkeit ist ja gerade Einheit in Denken und Handeln, wo das Ja zu einem Ja, das Nein zu einem Nein wird. Oder gilt Menschenkenntnis nicht bei Päpsten? Oder nur, wenn diese heilig sind? - siehe eben: Newman.

**Das passiert nicht einmal in den allerhöchsten Stufen der Mystik, ja gerade dort ist die höchste Freiheit Endziel.





*220516*

In Südtirol finge alles an!

Und wenn sich alle auf den Kopf stellen, und wenn das auch als billige Anbiederein an einen österreichischen Parteikurs gewertet werden mag, wei es dem VdZ schon so oft unterstellt wurde, aber völlig haltlos ist: Die Forerung von Heinz Christian Strache, daß die Südtirol-Frage grundlegend zu überdenken, am Selbstbestimmungsrecht der Völker festgemacht sei, und deshalb sehr wohl eine außenpolitisch aktuelle (und in ihrer historischen Verankerung regelrecht lächerlich aufgehängte) Frage sei - die nach der Wiedervereinigung von Tirol - so ist das einer, ja, fast der wichtigste Schritt zu einer Gesundung Österreichs. Denn jeder Staat BEGINNT in seinem Verhältnis zu Außen. Die Außenpolitik der letzten Jahrzehnte ist einer, nein, der Hauptgrund für die im Inneren so desaströse Verfaßtheit der Alpenrepublik. 

Wenn Politik in Österreich beginnen will, endlich, endlich! wieder substantiell zu werden, so muß sie bei der Außenpolitik beginnen. Und das heißt hier - Wiedervereinigung von Südtirol. 

Freilich, möglicherweise muß man auch manche Südtiroler aus der Lethargie einlullender Wohlstandsgesättigkeit wieder ein wenig aufwecken. Meist hat nämlich gerade der, der im Detail steckt - also sogar noch besondere Authentizität seiner Empirie beansprucht - genau unrecht und ist trotz der scheinbaren "Vor-Ort-Kenntnis" der Ahnungslose und Dumme. Weil er im Vereinzelten feststeckt. Der umfassendere, wahrere, richtigere Blick stammt immer von außen, aus der Distanz.

Wenn Österreich sich aber überhaupt jemals wieder finden will - will! es ist eine Frage des Willens! des Mutes selbst zu sein! - dann muß es bei seiner Verantwortung im zentraleuropäischen Raum beginnen. Beginnen! Nicht irgendwann vielleicht enden. Irgendwann, wenn Österreich überhaupt nur noch zu einem stinkenden Haufen geldgeregelter, identitätsloser Schnitzel- und Beamtengehaltsphantasien geworden ist.

Im Außenverhältnis steckt aber die Erfahrung des Eigenen. Deshalb steckt in der Südtirolfrage die Identitätsfrage Österreichs! Sonst kann sich der Staat gleich auflösen, als Endpunkt einer langen und ständig noch quälend verlängerten Agonie, die jede geistige Substanz verdampfen ließ.

So unausgebacken deshalb die Parteiprogramme der "neuen Rechten" in Deutschland (AfD) wie in Österreich (der FPÖ) sein mögen. Sie haben genug Substanz und frappierende Richtigkeiten, die jeden Menschen mit halbwegs Verstand bewegen müßten. Beide setzen in Fragen an, die vom offiziellen Politikschwank als "unwichtig" undnebensächlich weggeredet werden. Aber beide setzen bei den richtigen Prinzipien an. Gerade ein Katholik, ein Christ müßte wisse, daß sich ein ontologisches Unrecht nicht einfach durch Wegschweigen und -beschwichtigen lösen läßt, im Gegenteil. Weil nur in der Ontologie der wirklich werden wollende Wille Gottes steht.

Ob die Parteien der Weg sind ist eine andere Frage. Aber die Südtirolfrage ist keineswegs gelöst, weil viele Südtiroler und noch mehr Wiener Politikkrüppel es sich irgendwie gemütlich eingerichtet haben. Denn jedes Staatsprinzip ist seinem Wesen  nach personal, nicht zufällig-territorial. Die Überwindung der Nationalidee läßt sich nicht erzielen, indem man die willkürlichen Grenzen von 1919 "endgültig anerkennt". Sondern indem man die Größe aufbringt, Fehler zu korrigieren. 

Und Schuldbewältigung kann nicht an der Trägheit irgendwelcher Brüsseler Beamtenfuzzis scheitern, deren Schuldbewußtsein nicht einmal bis zum Gehaltskonto reicht. Jeder Katholik weiß, daß das nicht reicht. Und ist es nicht seltsam, daß die Forderung nach Bedeutungslosigkeit von Grenzen gerade dort aufhört, wo linkes Bewußtsein sich gerade mal gestört fühlt, weil es was zu tun und Recht gar zu bestehen gäbe? Wenn also Grenzen "unbedeutend" sind - warum dann diese doch?

Wenn Wien überhaupt jemals - jemals! also seit den Habsburgern! - legalistisch als Herrschaftszentrum verankert war, dann durch die personalistische Herrschaft in Tirol seit dem 14. Jhd. Das vielfach so genannte "Stammland Österreichs" (das Niederösterreich südlich der Donau) war nämlich schon territorialistisch. Was aber ist Österreich anderes als Wien-Tirol? Wenn es überhaupt jemals ein österreichisches Proprium gab, dann war es diese Achse. Tirol-Wien, Wien-Tirol. Und Tirol IST Südtirol.*


Alles Selbstsein eines Staates (ja, jedes Organs und jedes Organismus) beginnt bei seinen Außenverhältnissen. Bei der Außenpolitik. Und ein Staat beginnt wie endet bei jener Kultur- und Volksgrenze, wo der Wille zur Einheit, zum gemeinsamen höheren Selbstein beginnt wie endet. Österreich hat in seiner tiefsten Seele nie aufgehört, Südtirol als Teil seines Staatswillens zu sehen. Dort muß Politik, die sich so bezeichnet, also beginnen.**

Ja, es ist eine Herausforderung, und sicher nicht so leicht zu bewerkstelligen. Aber es muß das Ziel eines Österreich sein, das behaupten will, überhaupt ein Staat zu sein. Denn jeder Staat hat eine Sendung die viel weiter reicht als fette Sonntagsbraten zu garantieren. Das Zieren selbst der Südtiroler ist nämlich eine Reaktion auf die Verluschtheit österreichischer Politik seit Jahrzehnten. So einem Pruntzverein von Weichbirnen, als der sich Österreich seit vielen Jahrzehnten präsentiert, möchte ja nicht einmal Kleinmarkstetten an der Hirschach angehören. Sowas nimmt man nur notgedrungen nur auf sich.


*So wie Serbien am Amselfeld/Kosovoskie Polje beginnt.


**Der nächste Schritt muß Slowenien/Untersteiermark sein. Die einstige Untersteiermark ist ohne den künstlichen Apparat EU gar nicht lebensfähig. Das macht die katastrophale (nicht einmal: tragische) Verfehltheit einer Politik auch eines "so gutmeinenden" (aber eigentlich ahnungslosen) Außenministers Alois Mock (ÖVP) erahnbar, der sich die Füße wund rannte, um diese Staaten zur Selbständigkeit zu treiben, und damit katastrophale Fehlentwicklungen fast schon in den Status eines "too big to fail" setzte. 

Was wäre Österreich-williger weil zugehörigkeitseinsichtiger gewesen als ein Slowenien, das sich eben als Kleinstaat gegen die südlichen Begierden gar nicht wehren konnte, wenn es nicht in seine geschichtlichen Wurzeln zurückkehrte? Das gleiche läßt sich über die Krain und Triest sagen, übrigens mit die ältesten Gebiete eines "Österreich". Bis heute, ja heute mehr denn je, in ihren neuen Zugebilden gar nicht überlebensfähige Landschaften, blanke Opfer blinder Gier eines neugebildeten Territorial-Italien. Jeder heute spuckt auf die Faschisten. Aber ihre historischen Fehler und Mißgestaltungen zu korrigieren wagt niemand?





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Wettlauf mit der Zeit (1)

Irgendwie geht die Rechnung für die Politik hierzulande nicht ganz auf. Denn einerseits orientiert sich die Verschuldung des Staates am Bruttosozialprodukt. Anderseits klafft trotzdem die Schere immer weiter auseinander. Wie die Graphik der Agenda Austria zeigt, wachsen seit geraumer Zeit die Staatsschulden deutlich rascher als das Bruttoinlandsprodukt. Wie ist das zu erklären? Kann man sich denn auf gar nix mehr verlassen?

Naja, ein erster Ansatz wäre einmal zu überlegen, ob denn im Bruttoinlandsprodukt wirklich ein reales, wirkliches BruttoinlandsPRODUKT erfaßt wird. Ob nicht vielmehr Einkünfte nur am Papier bestehen, denen aber keine produktive Leistung entgegensteht. 

Etwa indem Wirtschaftsweise zur großen Erleichterung der Politik zur Erkenntnis kommen, daß die Milliarden, die in die Zuwanderungswellen der Gegenwart investiert werden (man sieht: die Ausdrucksweise ist sehr sehr sachlich und unemotional) in Wirklichkeit natürlich der Steigerung des Volkseinkommens, also des BIP dienen. Also in Wirklichkeit dem Wohlstand des Wirtsvolkes dienen. Na endlich sagt das einmal jemand!

Fein gerechnet, werte Herren, auch in diesem Beispiel. Leider anerkennt die Wirklichkeit gewisse höhere Mathematik nur höchst selten. Es ist ein sogenanntes "Frohrechnen". Denn diese Teile des Volkseinkommens erhöhen lediglich die Schulden. Haben aber freilich die angenehme Eigenschaft, daß sich die Leistungsbilanz des Staates nur wenig ändert, denn Sozialausgaben werden ohnehin zur Hälfte etwa gleich wieder über Konsumsteuern etwa kassiert, fallen also relativ wenig ins Gewicht. Zugleich aber steigt das BIP um ihren Bruttonominalwert, und es steigen die Steuereinnahmen, weil etwa Unternehmen mehr Umsatz machen. Heureka!

Aber das ist eigentlich sogar nur ein kleiner Faktor, das muß man schon sehen. Deren gibt es jede Menge anderer!

Was aber nichts anderes heißt als daß jede Steigerung der Sozialausgaben auf der einen Seite zwar tatsächlich das Bruttoinlandsprodukt steigert - und bis hierher wäre also das perfekte Perpetuum Mobile erfunden - aber es heißt zugleich, daß diesen Einkommen keine direkte Wertschöpfung mehr entspricht, also die Steuereinnahmen des Staates nicht substantiell steigen, um die wachsende Verschuldung abzufangen. Um zur Erklärung dieser Kurvenverläufe also zu kommen wäre es höchst illuminierend, die Entwicklung der Sozialausgaben (im engeren wie weiteren Sinn) damit abzustimmen. Dann hätten wir schon die ersten Zusammenhänge.

Die nächsten bestehen darin, daß Budgetpolitik in hohem Maß reine Liquiditätspolitik ist. Man erkennt also - anders als bei einer Firmenbilanz, schon gar bei jedem größeren Unternehmen, das damit zur Doppelten Buchhaltung gezwungen ist - aus einer Staatsbilanz keineswegs den wirklichen Zustand der Finanzen eines Staates. Man erkennt nur ... also ... irgendwie ... die Liquiditätsrechnung einer Liquititätsrechnung, so ungefähr.



Morgen Teil 2) Und der Gründe mehr und mehr





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Montag, 30. Mai 2016

Dann ist es Todsünde (1)

Es ist natürlich Unsinn zu behaupten, auch der VdZ gehörte zu jener Schicht von Menschen, die so lange auf die Autorität des Papstes pochten, so lange der ihre Meinung verträte. Denn was nie in Frage steht und stand ist genau das, was die Autorität des Papstes eigentlich ausmacht - Jurisdiktion, Lehramt, und Weiheamt - also alles, wa smit dem Amt verbunden, erstens, UND zweitens, daß dieses Amt nie "in spiritu" (sopranaturalistisch) alleine bestehen könne, sondern immer in einer Konkretion seine geschichtliche Realität hat, also immer auch in der konkreten Person des Papstes gegenwärtig ist und personal weitergegeben wird. Eine Trennung dieser beiden Bereiche gibt es nur in den Tagen oder Wochen einer Sedisvakanz, wenn also ein Papst gestorben ist, und noch kein anderer gewählt wurde. So lange ist das Amt aber auch vakant, in potens, also nicht real und gegenwärtig.

Die  weltweit enorm angewachsene Kritik an Jose Bergoglio lautet genau nicht, die Autorität des Papstes als nie trennbaren konkreten Träger des Papstamtes in Frage zu stellen, sondern sie sind im Gegenteil ein immer lauter werdender Aufschrei, der Argentinier solle endlich aufhören, Amt mit privater Karriere zu verwechseln und genau diese Autorität, die er zu repräsentieren, ja zu SEIN hat (!), nachhaltig und schwer zu beschädigen! Und das tut jede Autoritätsfigur, die nicht das Wesen des Gehorsams erfaßt hat - und der kann seiner Stütze nicht entbehren, die da heißt: Vertrauen in die Vernunftoffenheit und den Gehorsam der Leitungskraft, sein Amt zu erfüllen. Passiert das Umgekehrte, mißbraucht die Leitung das Amt für persönliche Absichten, spricht man sogar mit Recht von Korruption.

Denn Aufgabe ist mit Amt und Ort verbunden, zuerst und vor allem, und hierarchisch oben wie unten, nicht in persönlich-subjektivistischem Getue, mit dem jemand vielleicht sogar das Amt klein macht, um seine Last abzuwerfen und den Umstand mißbraucht, daß es Amt ohne Person nicht real gibt. Dann nämlich verlieren die Menschen auch das Vertrauen in die Lebenskraft jenes Organismus, dessen Ordnung sie selbst in Gehorsamspflicht an ihrem Platz eingegliedert sind. Immer heißt Amt (und je höher es ist, umso mehr), hinter diesem Amt zu verschwinden. Maskentrage zu übernehmen, nicht ständig hinter der Maske hervorzulugen oder sie ganz abzulegen. Dann bleibt genau - NICHTS. Die Leber, die Niere, der Magen sind nur Leber und Niere und Magen, wenn sie das tun, was ihrem Ort angemessen ist. Tun sie das nicht, vergehen sie selbst, und stirbt der Organismus.

Das ist beim Menschen zumindest, bei allem nur weltlichen der Fall. Nicht freilich bei der Kirche, die kraft ihres sakramentalen Charakters immer noch reformatorische Kraft genug hat, zu überleben, auch wenn die Organe so weitgehend versagen. Daran glauben wir, und das ergibt sich aus der Vernunft sodaß wir darauf vertrauen können. Selbst bei schlechten, ja katastrophalen Päpsten, die alles falsch gemacht haben, wie die Kirchengeschichte zeigt. Aber es heißt nicht, daß Fehler keine Fehler mehr sind. Es heißt nicht, daß die Kirche nicht auf ein winziges Restdasein schrumpfen kann, während die Welt in Chaos und Gottferne versinkt, sodaß es für den Einzelnen sehr schwer sein würde, noch den Weg zur Erlösung zu finden. Womit die Größe und Chance einer christlich geformten, im Alltag geprägten Kultur wohl erahnbar wird, und klar wird, warum man darum auch kämpfen muß. Denn das Wesen der Kirche, der Auftrag damit an jeden Getauften, ist SICHTBARKEIT, Erfahrbarkeit.

Nie, auch nicht auf diesen Seiten, wurde das Lehramt und seine Autorität in Frage gestellt, im Gegenteil wird von Franziskus dringend angemahnt, dieses zu beachten, so wie es seine Aufgabe wäre. Daß das nicht der Fall ist ist eben der entscheidende Punkt der Kritik an ihm, auch und recht gut zusammengefaßt so, wie es Alexander Kissler in einer Replik auf FOCUS darlegt. Und auch auf diesen Seiten wurde auf das schwere Kreuz hingewiesen das darinliegt, einen Papst zu haben, der das Lehramt wie eine Angelegenheit von Kaffeekränzchen behandelt, die man mal beachten kann, aber nicht unbedingt muß, je nach Situation. 

An der Jurisdiktionsgewalt hat überhaupt nie jemand gezweifelt. Der VdZ kann sogar ganz konkret belegen (wenn er das wollte), daß auch er sich stetes den Urteilssprüchen der Kirche gefügt hat, selbst wenn er subjektiv überzeugt (!) war (und ist), daß sie falsch sind. Und selbst dort, wo er diesen in seinen Augen vermeintlichen Irrtum kritisiert hat geschah es aus der Forderung, die Gestalt der Kirche durch Irrtum nicht zu verdunkeln. Und selbst wenn das Barmherzigkeitsverständnis des derzeitigen Papstes höchst fragwürdige Blüten gezeitigt hat, ist dieses ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit für den VdZ Quelle von Gnaden, deren er sich gerne und häufig bedient, weil in der Frage der Wirksamkeit ebe ncith eine subjektive Verhunzung eine Plappermaules von Bedeutung ist, sondern ein objektives weil ontisches Geschehen. Auch ein 5jähriger kann eine Lokomotive lenken.

Und daß der VdZ am Weiheamt zweifelt können nicht einmal die hargesottensten Ignoranten behaupten, denn gerade auch auf diesen Seiten wird seit Jahren dargelegt, daß die reale Präsenz Gottes in Jesus Christus in der Kirche, die über die Tradition bewahrt wird, strikt an dieses Amt und seine konkreten Vertreter gebunden ist. Weshalb er stets die frömmelnden Auswüchse bei aus dem protestantischen Raum eingedrungener Charismatiken vehement abgelehnt hat. Die ja genau von einer solchen angeblich möglichen Trennung von Form und Inhalt, deren immer konkreter, in Form und Weihe gebundener, eben sakramentaler Inhalt sich zu subjektiven Befindlichkeiten eindampft, schwärmen. Auch das übrigens einer der Kritikpunkte an Franziskus, der diese Tendenzen, die letztlich die Kirche auflösen würden (wie es ja im Protestantismus geschah), direkt ermutigt und stärkt.

Aber all das ändert nichts daran (nd der VdZ hatte auch immer geiwisse kritische und sogar sehr Distanz zu allen Päpsten, von denen er immerhin schon den sechsten erlebt, soweit es ihre kirchenpolitischen oder wie heute weltpolitischen Einlassungen anbelangt. Und selbst wenn ein Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde ändert das nichts daran, daß er kirchenpolitisch schwere Fehler begangen hat. Und das kann der VdZ aus ganz konkreten Berührungspunkten sagen, nicht einfach aus Medienstudium und abstrakten Gegebenheiten. Dazu genügen wache Augen.

Die auch bei diesem Papst genügen. Nichts, aber auch rein gar nichts könne ihn je davon abhalten, zuerst sein Gewissen zu befragen, sagte dazu der (der Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit in großer Weitsicht und praktischer Klarheit äußerst kritisch gegenüberstehende) Kard. Newman, an dessen Katholizität wohl niemand zweifeln könnte. Der am rein inhaltlichen Aspekt aber nie Zweifel hatte, und die hat auch der VdZ nicht. Aber er hat sein Gewissen, und dieses verbietet ihm - als Geschöpf Gottes, seinem Bilde nach geschaffen - Gedanken zu akzeptieren, die seine Vernunft ablehnen muß. Er trinke auf das Papsttum, war einer seiner berühmtesten Aussprüche, und auf sein Gewissen. ZUERST aber auf sein Gewissen. 



Morgen Teil 2) Zuerst das Gewissen 
- Worüber sich ein Bergogliokabarett schreiben ließe





*220516*

Unter Beobachtung

Die drei Jahrzehnte Kaltphase im Nordatlantik seit den 1960er Jahren wurden Mitte der 1990er Jahre von einer Warmphase abgelöst. Ganz so, wie es in den zyklischen Schwankungen der Wasssertemperaturen immer gewesen ist. Nun mehren sich die Anzeichen, daß sich der Nordatlantik wieder abkühlt, und zwar deutlich und stabil, und sehr rasch. Temperaturmessungen der letzten beiden Jahre zeigen, daß sich ursprünglich noch kleinere Kaltinseln enorm ausgeweitet haben. 

Nordatlantik Temperaturen 2014 + 2016
Wir haben bereits davon berichtet, denn diesem sehr stabil gewordenen Phänomen starker Abkühlung des Meeres verdanken wir das Ansaugen warmer Äqauatorialluft, die das Wetter in Europa in den letzten beiden Jahren gekennzeichnet hatte. 

Es steht gleichermaßen zu vermuten, daß der El Nino des östlichen Pazifik (mit dem ein ebenfalls sehr stabiles Warmgebiet in den nördlicheren Gefielden vor der amerikanischen Westküste zusammenhängt, das dort in den letzten Jahren für Hitzewellen gesorgt hat) - auch er ist in den letzten Monaten wieder gewichen (und auch die Warmzone vor Kalifornien hat sich bereits aufzulösen, Meer und Luft abzukühlen begonnen) - sich bis in die nördlicheren Zonen auswirkte, und die äußerst hohen Niederschläge in den Begegnungszonen Nord-Ost-Mittelamerika und Kanada bewirkte. Erfahrungsgemäß wird er ja von einer El Nina abgelöst, einem Rück-Einbruch kalter Wasser und Lüfte.

Noch ist es zu früh, um aus den Beobachtungen im Nordatlantik mittelfristige Schlüsse zu ziehen, aber wenn es so bleibt, das heißt so weitergeht, dürfen wir für Europa mittelfristig eine ganz deutliche Abkühlung erwarten. Wir beobachten weiter. And keep You posted!

Frage am Rande: Weiß jemand, ob man Solarpaneele und Windradrotoren zur Not auch verheizen kann?



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This is the bullface of America

Die gewissermaßen ultimative Rede des mit Gewißheit scheidenden US-Präsidenten Barack Obama. Witzig? Naja. Naja. Er demontriert nämlich nur die Leichenqualität der USA. Hier löst im typisch amerikanischen habitus der Irnoie jemand sich und sein Amt ins Nichts  eines Gelächters auf. Und die Amerikaner goutieren das, natürlich. Witzig? Ìst der Witz der Auflösung in ein "wir sind doch alle irgendwie gleich" ein Kriterium eines Präsidenten? Oder ist der Präsident auch sein eigener Hofnarr! Oder nicht eher Grund zum Schämen? Weil es jemand nie und nicht geschafft hat, die Probleme seines Landes auf eine wirklich objektive Ebene zu heben? Weil auch Obama es nie geschafft hat, den Narren NICHT zu spielen, Gegenspieler und Proponent zu scheiden? Das ist nicht Überlegenheit und Souveränität, wie die Amerikaner nämlich glauben. Es ist Ausweis der Unkenntnis der Welt. Bestenfalls Qualifikation eines Showmasters der beweist, daß er alles und jedes in den Schmutz ziehen kann, auch sich selbst. Eine halbe Stunde ist das amüsant. Der Rest ist Ausweis des Narrentums.

Der eigentliche Witz ist, daß die stringentesten Obama-Follower dasselbe Narrengesicht - buchstäblich, konkret, Abbild vom Urbild - zeigen. Denselben subversiven Humor beweisen, den sie eben für Humor halten. Nicht für die Auflösung der Sichtbarkeit der Welt in Nicht-Gegenständlichkeit, ins Nichts. Schleier, der verdeckt, was ontisch passiert ist, das nicht einfach mit Ironie auflösbar wird, das nicht einfach eine Videooberfläche ist, die mit Löschtasten arbeiten kann und alles nur virtuell beläßt, mit Knopfdruck behebbar.

Obama zeigt damit, was manche Charaktere wirklich von dem Staat halten, den sie bewohnen, und in dem sie Mitspracherechte, ja Führungsrechte wollen. Er ist ein Kasperltheater. Nicht Humor, nicht Distanzierung, sondern Auflösung. Zynismus, die für jeden Amerikaner so typische (dabei so langweilige, weil alternativlose) Ironie, die überhaupt kein Sein mehr kennt, weil sich doch alles sophistisch auflösen läßt - ist das nicht ein Beweis? (Hat irgendjemand jemals mit einem Amerikaner schon einmal ein wirklich ernsthaftes Gespräch geführt? Der VdZ, der doch viel mit Amerikanern zu tun hat, noch nie. Zu wirklichen, ernsten Gedanken sind die einfach nicht fähig. Ein einziges Kasperlvolk.)

Die Wahrheit ist: Angst vor der Maske. Unfähigkeit zur Selbstüberschreitung. Angst vor der Objektivität, Angst vor allem aber vor der Schuld. Angst vor dem, was man ausglöst haben klönnte. Angst vor dem, was man nicht gtan hat. Schuld. Immer wieder: Angst vor der Schuld. Flucht vor Verantwortung. Obama zelebriert eine sehr moderne Welterscheinung, selbst der Papst befleißigt sich ihrer. Man sagt alles, einfach alles, was überhaupt greifbar ist, damit ist man nie in Verantwortung festnagelbar. Man hat ja demonstriert, daß man das Gegenteil auch für möglich, wahr, möglich wahr gehalten hat.

Das ist keine Führungsqualität, das ist das genaue Gegenteil. Das ist Führungskaspelei. Verrat am Amt, am objektiven Knotenpunkt der Beziehungen, zugunsten persönlicher Kleinmünze. Nicht Distanziertheit in Selbstüberschreitung, also Freiheit, sondern Auflösung und Befreiung überhaupt von allem Objektiven, das erst Freiheit herausfordern, heranbilden könnte. Haha, hab ich Euch nicht ein Sozialgesetz aufgedrückt, an dem Ihr Euch erwürgt, hab ich Euch nicht eine Energiewende aufgedrückt, die keiner bewältigt, hab ich Euch nicht eine Außenpolitik aufgedrückt, die alles in Chaos und Konflikt stürzt, hab ich Euch nicht eine Wirtschaftskrisenbewältigung vorgegaukelt, die nur eine noch gigantischere Krise für die nächsten Generationen zusammenballt, hahaha?! Ich weiß es ja, ihr seht es! Ist das nicht witzig? Ist das nicht alles - etwas zu wissen? Muß man da noch handeln?

Es wird oft gewarnt, daß es einen Braindrain nach den USA gäbe. Der VdZ sieht das völlig anders. Dorthin wandern nicht die Starken. Dorthin wandern die Muttersöhnchen, die Schwachen, die kein  Etwas in der Welt ertragen, die eine Umgebung brauchen, die ihre Gestalt permanent (in Funktion) bereitwillig auflöst, damit es die Mühe der Begegnung, die Persönlichkeit nicht braucht. Die also vor allem einen Technizismus (und Täuschungskraft) brauchen, auch moralistischer Art, der Schwachheit dennoch zu einer Weltwirkung bringt, die eigentlich den Starken vorbehalten bleibt.

No, Mister President, this is not qualification and superiority. This ist just one more hunkydunkyterrybullshit. A laughing mask on a hellfire bullterrier. Best practice in being followed by a snoopyshooted female, in resolving objectivity in some accidential policy. Working as long as their stocks on Wallstreet-exchange are working well.











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Sonntag, 29. Mai 2016

Zwischenbemerkung zur Friedfertigkeit des Islam

Eine Deutung eines Textes geht niemals aus dem formalen Text selbst hervor, so sehr sie darin umfangen ist weil sein muß.* Sondern sie ist vielmehr das Licht, das dem diesen Text Studierenden bereits zu eigen ist, und sich im Idealfall mit jenem Licht deckt, das dem Verfasser dieses Textes zu eigen war. Genau so wie aber das Licht des Interpreten natürlich formal und nominell im Text enthalten sein muß, sonst weiß er sich im Widerspruch, weiß er daß SEIN Licht nicht mit dem Licht des Verfassers übereinstimmt. Zumindest zwingt es ihn, diese Diskrepanz zu erklären.

Das machte jeden protestantischen Versuch eines "sola scriptura" (nur die Heilige Schrift reicht, um Christ zu werden und zu sein) genauso zunichte und zum Quell tausender Sekten und Interpreten, die sich alle auf "die Heilige Schrift" beziehen ("in der ja steht ..."), wie es den Versuch zunichte macht, aus dem Koran einen "friedfertigen" (natürlich aber auch: gewalttätigen) Islam abzuleiten bzw. dort "begründet" zu sehen. Der Text gibt nämlich alle möglichen Interpretationsarten her. 

So, wie die Bibel (gerade in der Dichotomie von Altem und Neuem Testament) zahlreiche Interpretationsarten hergibt, die ohne zuvor bereits das Glaubenslicht (der Tradition) zu haben Probleme aufwerfen können. Scon die Übertragung in Landesprachen wirft schwere hermeneutische Probleme auf. Auch die Bibel ist nicht "aus sich selbst heraus" verstehbar. Wie der Koran. Wie aber sowieso jedes Buch und jeder Text.

Gerade wenn Christen den Koran gutmeinend als "Religion des Friedens" interpretieren sollten sie also nicht vergessen, daß sie es aus christlichem Hintergrund tun, und das heißt: aus ihrer christlichen Tradition heraus und auf diese hin tun. Sie "taufen" ihn gewissermaßen. Aber das tut kein Muslim! (Ohngeachtet der historisch äußerst wahrscheinlichen Tatsache, daß der Koran auf einem christlichen Verkündigungsbuch, dem syrisch-aramäischen querein beruht, also sowieso erst christliches Licht vieles verstehbar macht; wir haben an dieser Stelle einiges darüber bereits zu Gehör gebracht.) 

Kein Muslim wird es aber jemals so sehen, wie ein Christ. Tradition gibt es im Islam nur "schulenspezifisch", das heißt, daß auch unterschiedliche Auslegungsweisen des Koran existieren, und zwar: nach wie vor existieren, und es keine objektive, allgemein gültige Auslegung (die nur aus der Tradition bzw. dem Licht des Verfassers heraus möglich wäre) gibt, die von "dem Islam" überhaupt sprechen ließe. Das zeigt die tiefe Spaltung innerhalb des Islam selbst, mit zahllose Richtungen - die sich alle auf "den Koran" beziehen.

Deshalb ist es nicht möglich, von "dem Islam" zu sprechen. Es geht nicht, und es ist nicht im Koran begründet. Wer so spricht, hat eben ein bestimmtes Bild vom Islam, das ist auch schon alles. 

Das sollten gerade Katholiken wissen.





*Die Fragen um Sprache und Schrift sind vielfältig und unterschätzt. Was der äußerst hohe Anteil an funkionalen Analphabeten heute und zu allen Zeiten zeigt. Gerade heute aber sind (nach Einschätzung des VdZ) an die 90 % der Menschen (trotz "bester" Schulbildung) nicht in der Lage, geschriebenen Text so zu gestalten, daß er dem, was sie darstellen wollen auch entspricht. Wiewohl auch der Rest ständig darum kämpfen muß, die Sprache der Sprache zu finden, weil Sprache und Schrift auch "Maschinen" mit Eigendynamik und Texte immer auch situativ sind. Das Wesen einer Sakralsprache ist deshalb gar nicht primär, wie oft gesagt wird, daß sie eine gewissermaßen "damaturgische Aura des Heiligen" verbreite, sondern daß in ihr über lange Tradition ein bestimmter Inhalt bestmöglich verschriftlicht wurde, als Kriterium jeder Hermeneutik. Das Hauptübel Luther'scher Übersetzung - wie jeder Schriftenauslegung - ist Simplifizierung. 

Was den Koran natürlich ebenso betrifft, dessen Auslegung mangels Sakramentalität (Liturgie) das schwere Problem der Tradition hat. Womit wir den Konflikt zwischen Shiiten und Sunniten bereits ansprechen: Wie gibt sich jene Substanz ("depositum fidei") weiter, wo ist das zu finden, was eigentlicher Träger des einzigen wahren Inhalts ist? Damit sind wir auch bei den inneren Gründen für die im Islam so präsente Erstarrung der Lebensweise. Eine Islam OHNE den Griff nach allgemeiner Lebensweltgestaltung gibt es also nicht, er verhält sich nur dort tolerant, wo er dieses Ziel in ungünstigen Kräfteverhältnissen gar nicht erreichen kann. Das galt für die legendäre "goldene Zeit" in Spanien bis zum 12./13. Jhd., die im islamischen Raum selbst als "Häresie" galt, was sie genau genommen ja ist. Die Geschichte zeigt eindrücklich und ausnahmslos, daß das bei islamgünstigern Verhältnissen sofort umschlägt. Umgekehrt kann der Islam andere Religionsgruppen nur unter deutlichen Entfaltungsbeschränkungen tolerieren. Eben weil es seine dogmatische Präsenz berührt. Auch das ist ohne Ausnahme nachweisbar. Aus der ganz vereinzelten Zulassung einer winzigen christlichen Minorität in der Türkei Gegenseitigkeit in der Form zu begehren, daß dem Islam hierzulande jede Möglichkeit der Entfaltung zuzugestehen sei kann nur als naiv, wenn es icht sogar als dumm und fahrlässig bezeichnet werden muß.

Nun hat zwar auch im Katholizismus die Lebensführung eine gewisse Repräsentativbedeutung, aber nicht in dem direkten, Überlieferung und Dogmatik direkt betreffenden weil verändernden Maß wie im Islam. Und sie hängt zudem stark von der Natur der Sünde (also auch deren Öffentlichkeitsrelevanz bzw. Gemeinschaftscharakter; etwa bei der Ehe) ab. Denn zu seinem Lebensprinzip gehört v. a. die stellvertretende Sühne. Aber seine Dogmatik ist vom faktischen Zustand der Zeit nicht berührt. Anders als im Islam. Er kennt auch keine Stellvertretung in der Erlösung, die im Katholischen durch die Sakramentalität der Taufe gegeben ist. Sodaß dessen Dogmatik als Interpretationshintergrund s. o. (fast) NUR die je aktuelle und individuelle Lebensführung bleibt. Auch hier mit Abstufungen, wie der arabische Wahabismus zeigt, in dem dieses Element besonders stark ist: Dort berührt jeder Moment der Lebensführung direkt die dogmatische Präsenz. Im Katholizismus gibt es ja die Sünde und deren Vergebung.Die Dogmatik spielt als Spannungsziel des logos seine Bedeutung, in der Erreichung aber ist er realistisch.




*230516*

Aus dem Alltag (3)

Teil 3) Wie das früher ausgesehen hätte, 
als die Welt noch ein heiteres Bezirksgericht gewesen ist
- Und: Ein Loblied auf die Strizzis





Man sehnt sich heute regelrecht zurück in die Zeiten, wo bestenfalls "Beidscherlbuam" (Zuhälter) einander springmesserbestückt an die Gurgel sprangen, weil ihre "Pferterln" (Pferde; ugsl. f. Frauen des einschlägigen Gewerbes) an einem Platz standen, der so in diesem Milieu mit seinem damals noch eigenen, interessanten, sehr strengen Ehrencodex, nicht abgemacht war.

Erst unter dem Eindruck dieses medial recht offensiv aufgemachten Vorfalls aber, der sich im immer schon "berüchtigten" Prater vor dreißig Jahren niemals ereignet hätte, dieser "Ruch" war völlig anderer Natur und für jeden Unbedarften und Naiven völlig harmlos*, wird nun mit massiver Polizeipräsenz versucht, die Situation wieder in den Griff zu bekommen. Ja, erstmals wagt die Polizei offener als erwartet davon zu sprechen. Daß sie darum weiß, aber bisher nicht ausreichend vorgehen konnte. Die Erfolge der FPÖ treiben aber nun auch die rote Wiener Politik der undifferenzierten Zuwanderungsfreundlichkeit vor sich her. Wien soll nun dort zumindest zurückerobert werden. Es gibt in einer Demokratie ja immer bald nächste Wahlen. Eine der Hauptschwächen unserer Form der Demokratie, wie sich besonders in Krisenzeiten erweist.



*Auch der VdZ war als Kind - und der Prater (von span. prado, Wiese, Auenlandschaft an der Donau, seit dem 18. Jhd. öffentlich zugängig, zuvor Verlustierungs- und Jagdgebiet des Wiener Hofes) mit seinen Geisterbahnen, seinem Watschemmann, seinen Schießständen, seinen Ringelspielen, den Stelzenwirtschäusern, Bierschenken und Zuckerwatteständen war für jedes Kind ein legendäres Ereignis - im Prater. Es gehörte sogar zur Tradition, mit Firmlingen dorthin zu fahren. Sogar mit einer preußisch-rigiden Mutter. Man wußte um so manche Randereignisse, auch damals. Aber niemand hätte sich deshalb gefürchtet. Seit Jahren aber fürchten sich selbst Männer ab Einbruch der Dunkelheit am Prater, ja in ganzen Gegenden von Wien.

Der frühere, der typische Wiener Strizzi (jemand, der es mit den Gesetzen nicht immer ganz genau nahm und so irgendwie lebte, niemand wußte genau wovon, mal war es "Stooß-Spiel", ein berüchtigtes Kartenspiel, mal Zuhälterei, mal eine Art Robin-Hood-Diebstahl, oder auch nicht) - eine leider fast schon ausgestorbene Spezies - war eine grundehrliche, ja ehrenwerte Haut mit einem oft berührend weichen Herz. Ein großes Kind, das halt da und dort empfindlich und unausgewogen, dabei aber immer irgendwie berechenbar war. Obwohl auch schon mal eine "Buffn" (Pistole) wie von selber losgehen konnte. 

Was zwangsläufig in ein "heiteres Bezirksgericht" übergeht ... ²

"Hea Rod (Rat; ugls. f. Richter), ich hab's nua aus da Doschn gnumma, do ausm Seidndaschl, i hobs ja scho vagessn, daß duatn a Buffn woa, i hob glaubt des is mei Briafdaschl des mi druckt, auf amoi is de losgonga. I schwör's: des woa a Unfoi!" Und der Anwalt: "Nia woa des a Moad, ned amoi a Dodschlog, des woa nedamaoi a foalässige Dötung.

Und der Totschlagring, der beim Beschuldigten nach Verhaftung gefunden wurde, keine Absicht dahinter? Der Anwalt läßt sich nicht zweimal bitten. "Hea Rod, sogns ma aan, der heid in Wean kaaan Dodschläga in da Doschn hod. Is do a so a beese Wöd, in dera ma lebm heid z'dogs, se homs do däglich am Disch. Ich mein, wir beide wissen doch, wovon die Red is."  

Und warum hatte Ihr Mandant überhaupt eine Waffe bei sich? Der antwortet prompt. "Hea Rod, des iis heid a so! De Wöd ist do sowos von bees, also: böse, Sie miaßadn do wissn, daß des so is. Des Böse is imma und überall. I ko do meine Hasaln ned so schutzlos alleine dastehn loßn, oder? San leida so, die heidign Zeitn." Und, im Nachschieben mit dem Blick des tragischen Helden aus dem Burgtheater, wo er dem Gericht vorliegendem Lebenslauf zufolge für einige Wochen als Kulissenschieber beschäftigt gewesen war: "Laida!"  

Werden Sie mir nur nicht zum Propheten des Untergangs des Abendlandes ... Der Richter schüttelt den Kopf. Darauf der Angeklagte zu seinem Advokaten: "Na stimmt's ned? Is do woa, lauta G'sindl überall, des ist schia zan Depressivwean, des hod's friara ned gem.
Jaja ... Der Richter winkt mit sarkastischem Blick ab. Das sieht der Anwalt als seine Stunde: "Schauns ina do mein Mandantn an, ein gscheita Mensch, mit an grundguadn Heaz, aber die familiären Umständ in seina Kindheid und so, das weiß man doch heute aus der Psychiolgie. Aus den häd wos wean kena, vielleicht sogoa a Richta, bei andare Umständ, weil an Sinn für Gerechtigkeit hat er, eindeutig. Und wie liab dea zu seina Dochda is, des miassadn's segn, Hea Rod!" Aus dem spärlich besetzten Auditorium ist erstmals etwas - ein leises Schluchzen - zu vernehmen. "Na, mein Mandant IS ka Möada!" Mit fester, klarer Stimme schleudert der Advokat diesen Satz dem Richter entgegen, als hätte er selber Erfahrung auf der Burg gesammelt. Das Schluchzen wird nun zu einem Aufheulen im Hintergrund. Einmal in Fahrt, setzt der im selben festen Ton sein Schlußplädoyer fort: "Ich beantrage Freispruch, hechstns bei leicht fahrlässiger Körperverletzung." Zufrieden blickt er in die Runde, und setzt sich, wobei er schon im Sitzen seine Robenärmel noch einmal mit großer Geste aufwirft, sodaß die Ärmel seines schon etwas abgetragenen Anzugs sichtbar werden, unter denen tadellos weiße Manschetten hervorlugen. 

Nachdem sich der Richter mit seinen Beisitzern für zwanzig Minuten zur Beratung zurückgezogen hatte, ließ er nach Rückkehr in den Verhandlungssaal das Urteil verlauten: Zwei Jahre Haftverwahrung, wobei die drei bereits absolvierten Monate Untersuchungshaft angerechnet werden, mit 3 weiteren Jahren auf Bewährung, wegen grob fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge. Der Verteidiger erbat sich Bedenkzeit, während sein Mandant mit sichtlich röterem Teint als zuvor widerstandslos von den Justizbeamten abgeführt wurde und im Hinausgehen den beiden durchaus attraktiven Damen mittleren Alters mit verweinten Augen, die weitesgehend mucksmäuschenstill der Verhandlung beigewohnt hatten, noch eine Kußhand zuwarf, die diese mit mitleidsvollen Blicken erwiderten.

Man nennt heute solche Männer nach technisch-reduzierter Definition zwar auch Zuhälter, man nennt das Milieu zwar auch kriminell, aber es hat sich komplett verändert und jeden Charme, jeden Humor verloren, so tragisch auch immer vieles gewesen sein mag. Heute ist es aber nicht mehr tragisch. Heute ist es brutal, barbarisch und menschenverachtend. Wer heute am Prater fünf Afghanen mit Messern gegenübersteht sollte nicht mehr darauf hoffen, daß unter allem doch noch ein Wiener Herz wartet. Und sich raschest nach der nächsten "Kiwarei" (von "Kiewerer", Polizist; also: Polizeistation) umsehen. Wie sie nun in Containern vor dem Bahnhof eingerichtet werden, weil die herkömmliche Infrastruktur den aktuellen Problemen nicht mehr gerecht wird.


²"Heiteres Bezirksgericht" war über Jahrzehnte eine von der Kronen Zeitung unterhaltene legendäre und tägliche Kolumne, die auf sehr liebenswürdig-launige und sehr österreichische Art Schilderungen von Gerichtsfällen des Alltags zum Inhalt hatte.






***

Alles steht im Streit

Erst im Gegeneinander des "anderen", dem jedes Ding (Geschaffene) permanent begegnet wie den Fisch das Wasser umgibt, wird auch der eigene Wille, das eigene Streben zu sich (aus dem Seinsfunken heraus, der Beziehentlichkeit enthält, ja in gewisser Weise und analog "ist") angeregt und darin "aktiv" manifestiert, "zur Welt" substantiiert. Denn die Welt besteht als unendliches Mosaik eines "In-einander" der Dinge, wo eines sich im anderen abbildet ("Erkenntnis"), und alles sich im Ganzen erhält bzw. erhalten soll. 

In dieser Welthaftigkeit der Substantiierung steht alles (primär) im Streit miteinander,* der über die gehorsame Unterordnung in den Kampf ("Zorn") und zum Sieg ("Freude") führt - der Ordnung der Dinge als Welt in der Welt zur Welt, in der jedes Etwas sein Nicht-es-selbst in sich trägt. Dem muß aber zuvor sein eigener Seinsfunke vorausgehen - die Schöpfung aus dem Nichts ins Sein, aus Gott, dem alles entstammt, und nur in dem (im Sein eben) alles (seiend) sein kann.**

In diesem Streit erst scheidet sich das Einzelne aus dem Allgemeinen, dem Einen, auch in Gott, dem sehr wohl eben auch Zürnenden, Gewaltigen wie Gewaltsamen. Um sich so (im Gehorsam einerseits, in Begierde und Lust anderseits, als Reaktion auf die Bilder aus "dem anderen") zur Komposition der Ideen der Gesamtordnung des Seins zu fügen.


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"In obiger Hinsicht könnte man sagen, daß das Weib über dem Manne ist, insofern selbes die Trägerin der Lust (des Bildes) ist, welche seine Begierde erregt, daß sie aber eben darum, weil sie nur vorerst bewußtlose Trägerin dieses Bildes, unterm Manne ist, indem sie selbst zum Bewußtsein dieses Bildes erst durch Hilfe der erweckenden Kraft des Mannes gelangt. - Dieses gilt von der guten wie von der bösen Lust, vom Weibes- wie vom Schlangensamen. Denn jedes Weib ist eine Eva und eine Ave (Maria) zugleich, und es ist größtentheils das Werk des Manne, ob die eine, oder ob die andere dieser zwei Gestalten in ihr sich herauskehrt."   (J. Böhme)

Man müßte den Feminismus deshalb nicht als Bewegung der Frauen sehen, sondern es ist das sieghafte Ergebnis eines Machtkampfes der Männer. Deshalb ist seine vornehmste Wirkung nicht, die Frauen vom Manne freigeeist zu haben - im Gegenteile, bzw. nichts weniger - sondern eine Depotenzierung, eine Kastration eines großen Teiles der Männer.

Der Ideenstreit um oder innerhalb der Rolle der Frau wird deshalb niemals durch Diskurs innerhalb der Frauen entschieden, ja nicht einmal beeinflußt. Dort wird er sogar in erster Linie verhärtet. Denn dort ist er ein Streit des Epigonalen, der jeweils Gehorsamen bzw. Geprägten, die mit einem Ideenumschwung ihr Weltsein verlieren würden, gewissermaßén ins Nichts fielen weil ihre erhaltende geistige Kraft verlören. Er muß (prinzipiell) unter Männern ausgefochten werden.


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*So beschreibt es Jakob Böhme, der so oft Zitierte, aber kaum je Verstandene, dessen Werke deshalb fast nie anders als an ihren Haaren zu einem unseligen Nutzen und in Mißbrauch und ungemäßer Verdinglichung in Simplifizierung heruntergezogen werden.

**Der große Irrtum ist, das Nichts "als Etwas" zu sehen (wie Hegel es tat, und wie es die gnostischen Strömungen in Unverständnis tun), und es damit in Gott gleichermaßen hineinzuverlegen. In den zugleich damit das Böse verlegt wird. Aber das Böse ist nicht ein Wille zum Sein, sondern eben genau ein Wille zum Nicht-Sein, zum Nichts. Das Nichts ist nicht nur tatsächlich "nichts", sondern es ist damit auch nicht in Gott, dem Sein, weil es eben das Nicht-Sein - aber damit ein tatsächliches Nichts als Abwesenheit allen Seins - ist. Es ist damit ein reines Gedankending, aber kein Ding das existiert, und steht damit auch nicht "Gott gegenüber" als ein "Etwas". Geist west nur in und innerhalb wie aus Geist, nicht "außerhalb". Hier versagt gegenständliches Denken notwendig, weil es eben - siehe oben - als Geschaffenes, (irgendwie, der Anschaulichkeit halber so genanntes) Dinghaftes nur im anderen Seinshabenden wesen kann. Der Mensch kann sich nur ein Etwas vorstellen, und somit gerinnt ihm auch rasch ein Gedanke wie "das Nichts" zu einem Etwas sinnlicher Welt, so wie "der Geist".




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Samstag, 28. Mai 2016

Auf den Punkt

Dort soll es [das Boot, das der Kölner Kardinal Woelki zum Altar bei der Fronleichnamsprozession aufstellen ließ] dann am Donnerstag dem katholischen Geistlichen als Kulisse dienen. Für die Erbsünde! Für das Weltgericht! Für das große Ganze! Das Boot erinnere an unsere Pflicht, den Einwanderern „zu helfen, ihnen ein Leben in Frieden, eine Perspektive zu bieten“, sagte er dem Kölner Express. Warum? „Weil unser Wohlstand für das Elend anderswo in der Welt in höchstem Maße mitverantwortlich ist.“ Ja, tatsächlich: „Wir leben auf Kosten dieser Menschen – und betreiben dadurch moderne Sklavenhaltung.“*

[...] Es ist unschwer zu erkennen, zumindest in Köln sind die Zeiten scholastischer Gelehrsamkeit vorbei. Wo früher ein Albertus Magnus lehrte, setzt nun die Woelki-Show zum großen Rausch an. Gefühlskitsch trifft Prophetenattitüde: „Wir wollen den Menschen auf der Flucht deutlich machen, daß Christus sich so mit ihnen identifiziert, daß er mit ihnen im Boot sitzt. Sie sollen hier bei uns eine neue Lebensperspektive gewinnen“, erläutert der Kardinal in einer Pressemeldung.


In Malta wurde das Boot beschlagnahmt. Malta, der alte Sitz des Johanniterordens. Von hier aus brachen christliche Ordenskrieger mit getarnten Kriegsschiffen auf, islamische Piraten zu stellen, erbeutete Sklaven zu befreien und die Peiniger Europas dorthin zu schicken, wo sie hingehörten. Auf der Kölner Domplatte wird das Boot stehen. Eben auf jenem Platz also, wo deutsche Frauen zum Jahreswechsel auch eine ganz „neue Lebensperspektive“ kennenlernen durften. Sinnbild ist das Boot in der Tat, da hat Woelki durchaus recht.

[...] Gewiß, das Christentum hat im Laufe seiner zweitausendjährigen Geschichte einiges Skurriles hervorgebracht. Heilige, die Gott näher sein wollten und ihr Leben auf einer Säule beschlossen; Mönche, die ihre Demut dadurch zum Ausdruck brachten, sich ausschließlich von Abfall zu ernähren; Flagellanten, die in der eigenen Geißelung sich von der Sünde befreien wollten und noch viel mehr. Doch allen war gemeinsam: Es war ihre eigene, freie Entscheidung, sich diese Marter aufzuerlegen. Und sie legten sie niemand anderem auf als sich selbst.

[...] Aber unsere modernen Heiligen haben die Arbeitsteilung für sich entdeckt. Ihrer ist das Himmelsreich. Die Marter allerdings, die überlassen sie lieber uns. So sonnen sie sich im Glanze ihrer Demut, genießen ihr behagliches, komfortables Dasein und preisen denjenigen, der ihnen das alles ermöglicht hat. Der moderne Heilige hat eine Vollkasko-Versicherung.





 *Anm. d. VdZ: Diesem so weit verbreiteten Unsinn, der wie ein Nebel über unseren Gehirnen liegt, gehört auch endlich der Sumpf trockengelegt, auf dem er steht. Denn es ist einfach (so) nicht wahr! Um nur kurz hineinzuleuchten: Man solle doch einfach einen Blick in den Süden Afrikas werfen, etwa nach Rhodesien/Botswana, wo die "Ausbeutung durch den weißen Mann" beendet wurde. Heute ist das Land völlig ins Chaos versunken. Die Werte, die wir diesen Ländern angeblich rauben, sind für sie nämlich gar keine Werte. Sie haben nur Wert, weil sie dem Westen verkauft werden können. Umgekehrt profitieren diese Länder von damit zulaufenden Geldflüssen, die das Elend dort nicht nur nicht beheben, sondern sogar noch vertiefen.  (Übrigens gilt das auch für umgekehrte Prozesse - Abzug von Geld, etwa durch "Sparpolitik", wie Griechenland zeigt. Dies ist aber noch leichter verdaubar, weil sich Geld in einer Volkswirtschaft mit Leistung eben - und nur so! - schafft. Eine Sanierung Griechenlands ohne zumindest befristeten Austritt aus dem Geldraum EURO ist deshalb unumgänglich, weil sich anders niemals eine Harmonisierung des Geldumlaufs mit nationaler Leistung einstellen kann. Es war immer schon, und seit je in der Geschichte, der große Irrtum von Regierungen zu meinen, man könne mit Geldmenge Wirtschaft "machen". Geld entsteht nur im freien Wirtschafts- weil Lebensvollzug, weil es auf Gütertausch beruht.)

Das prinzipielle Geschehen dabei ist mit "Korruption" überhaupt nicht klassifizierbar, deshalb auch nicht mit deren "Bekämpfung" behebbar, das ist dummes Geschwätz. Es ist das klugem volkswirtschaftlichem Blick völlig logische Desaster, das Zuflüsse von Kapital in Volkswirtschaften generell bewirken, welche nicht der dortigen Wertschöpfungsbalance entstammt und entspricht. (Sieht man von sehr kurzfristigen, höchst begrenzten Anschubhilfen ab.) Die Utopie vom "Geld-Umverteilen", vom Wohlstand DURCH Geld, ist ein folgenschwerer Irrtum absurder volkswirtschaftlicher Theorien, die Korelation von Ursache und Wirkung nicht unterscheiden können. Sie ist eine wahre Welt-Katastrophe, die Leute anrichten, die religiös an "das Geld" glauben und den Blick vor der Wirklichkeit verschließen. Mit nichts läßt sich ein Land schneller zugrunde richten als mit zufließendem Geld. Die Zeitgeschichte belegt das eindrücklich und täglich. Und gerade anhand von Ländern mit "vielen Rohstoffen". 

Die Werte, die wir angeblich den armen Ländern "rauben", gibt es nicht als absolute Werte. Sie sind nur jeweils im Rahmen einer Volkswirtschaft überhaupt "Werte". Das Öl Arabiens war (und ist) innerhalb dieser Länder wertlos. Kein Rohstoff "hat" (absoluten) Wert. Erst der Mensch in seinem kulturspezifischen Lebensvollzug kennt Werte.

Und nur der Mensch hat auch absoluten Wert (eben anders als seine Werke, die ja Tauschwert haben, und anders als alle möglichen Zustände und Eigenschaften) - aber der entzieht sich prinzipiell der Tauschbarkeit und damit dem Geld, ist kategorial anders und nicht statisch konkretisierbar (wenn auch gerade nur im je Konkreten, also "ohne" konkreten Menschen nicht da) weil eben nicht in Geld zu messen.

Während mit Sicherheit gesagt werden kann, daß die Zuwanderung nach Europa, wie sie sich derzeit abspielt, (zusammen mit der Geldvermehrung) Sklaverei HERVORBRINGEN wird. Und schon hervorgebracht hat, denn es ist deren Merkmal, daß in ihr Lebensführung durch eigene Mittel und Wirkung nicht bewältigt werden kann, weil ihre individuelle Wirkkraft im gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang "zu wenig wert" ist.  Sodaß Menschen also direkt von Nicht-Löhnen abhängig werden, und gar nicht anders können. Wie bei Geld, kann man auch Arbeitskraft nicht einfach "zufließen" lassen, wie bei Geld wird ein nur je lokal (weil auf einen immer abgegrenzten Organismus bezogen - kein Organismus kann je grenzenlos sein, dann ist er kein Organismus mehr -, der weit umfangreicher bestimmt ist als durch bloße Mathematik) mögliches Gleichgewicht, das nur langsam größere Aufnahmekraft entwickeln kann, zerstört. Auch das hat zahllose historische Exempel, aber auch das will niemand sehen. Denn es sprengte wohl endgültig den Horizont der modernen Heiligen (s.o.) 

Aber die Zuwanderer, die derzeit unsere Länder fluten (und fluten wollen) KÖNNEN sich (zu überwiegenden Teilen) aber hier gar nicht erhalten. Die Fähigkeit, ein iPhone zu benutzen ist doch kein Erweis kulturell-volkswirtschaftlicher Adäquanz! Auch Sprachkenntnisse sind es noch lange nicht. Ihnen wird also nur bleiben, sich selbst zu verkaufen, oder kriminell zu werden. Wo sie nicht in einfachen Handreichungsberufen Einheimische durch niedrigere Ansprüche verdrängen.

Alle dem liegt der abstruse und völlig irrige Gedanke zugrunde, Volkswirtschaften seien verobjektivierbare Mechanismen, als die sie bei Beobachtung wirken. Sie sind aber komplexe Vitalsysteme! (Und "komplex" heißt etwas völlig anderes als "kompliziert". Es heißt: NIE DIREKT STEUERBAR. Es heißt: Nur aus Eigendynamik aller seiner Komponenten heraus überhaupt lebensfähig.)





*260516*

Aus dem Alltag (2)

Teil 2) Ein weiterer Fall aus dem neuen Alltag 
- Und: Parallelen eigentümlichster Art




Mehr weiß man schon um die Hergänge einer Tat, die die Öffentlichkeit Österreichs vor einigen Wochen erschütterte. Drei junge Afghanen hatten eine junge Frau, die am Wiener Praterstern (einem Bahnknotenpunkt) am späteren Abend noch die Toilette aufgesucht hatte, dort überfallen und auf brutalste Art und Weise vergewaltigt. Die Täter hatten die türkische Studentin, die an sich mit einer Freundin unterwegs war, zuvor beobachtet, verfolgt, und einen günstigen Moment abgewartet. Den bot das Mädchen, als es sich kurzfristig von ihrer Freundin zum Behufe der Erledigung eines dringenden Geschäfts trennte, während die andere derweilen Fahrkarten löste. Man will eben immer noch nicht ganz glauben, wie sehr sich die alltägliche Welt bereits verändert hat, und wie wenig was früher selbstverständlich war das heute nicht mehr ist. Eine Frau geht abends in kein öffentliches WC mehr, schon gar nicht alleine ... wer das tut, ist für die Folgen selber verantwortlich. Hoffentlich kommt es nun nicht zu diplomativen Konvulsionen, man weiß ja, wie sensibel die türkischen Behören sind. Da ist alles gleich eine Majestätsbeleidigung.

Die Reaktion der Wiener Polizei ist immerhin eindeutiger, als man hätte erwarten können. Die meisten dieser Afghanen (etc.), ließ sie nun verlauten, sind illegal im Land, und das erste was sie bei Verhaftung machen ist, einen Asylantrag auszufüllen, noch auf der Wache. Sie legt sogar noch ein Schipperl drauf und spricht von "zunehmenden sexuellen Übergriffen durch Asylwerber", während deren Abschiebung praktisch unmöglich ist. Auch Algerien oder Marokko nehmen ihre "Geflohenen" nicht wieder zurück. Vermutlich nehmen die auch nur qualifizierte Zuwanderer wie wir.

Auch jene beiden Marokkaner werden uns also erhalten bleiben, die in ebendiesen selben Tagen, von denen hier die Rede ist (wir befinden uns in einem Medienberichtsfenster von wenigen Tagen), in Salzburg einen 26jährigen Österreicher krankenhausreif schlugen, nachdem dieser durch mutiges Dazwischengehen verhindert hatte, daß die brunftschweren Marokkaner eine junge Frau vergewaltigen konnten, die sie sich schnell mal in Bahnhofsnähe gekrallt hatten.

Und ob die beiden afghanischen "Asylwerber" noch einmal in Kabul promenieren wird steht auch in Frage, der - immer noch: in eben diesem Zeitfenster von ein paar Tagen - in der Nähe des Asyllagers in Traiskirchen in Niederösterreich eine 72jährige Frau, deren Tochter sogar in der Flüchtlingshilfe tätig war, brutal vergewaltigten und ihre die Zähne ausschlugen. Wobei die Arme seither mit ihrem psychischen Zustand nicht mehr klar kommt. Da paßt einfach nichts zusammen. Sie fühlt sich sogar schuldig, denn man muß doch Mitleid mit den jungen Männern haben, die nach so viel Leid als Flüchtling jetzt für 20 Monate im Gefängnis sitzen - durch ihre Schuld.

Oder doch ein um zwei Wochen verschobenes Zeitfenster?  Um dann mit jenem 21jährigen keniatischen Asylwerber (seit 2010 in diesem Status, damals im Alter von 17 Jahren ins Land gekommen) zu beginnen, der auf offener Straße und am hellichten Tag auf einem an sich sehr belebten Platz - einem bekannten, dabei durchaus interessanten Türkenmarkt - in Wien eine 54jährige Frau erschlug und, wie sich dann herausstellte, schon gezählte 18mal polizeilich als Straftäter registriert (und zweimal sogar verurteilt) worden war. Vielleicht sah er sich das als Recht? Denn immerhin - na, das sollte doch auch vermerkt sein - war er NICHT als Asylwerber registriert, sondern als freier Unternehmer illegal im Land, in welcher stolzer Tätigkeit er sich sein Brot mit Drogenhandel (worauf diese Strafregistrierungen zurückzuführen sind, die aber niemanden zu stören schienen) verdiente. Da hat doch der Staat Österreich gleich mal Respekt? Aber nein. Lassen wir das, denn da stinkt es doch an allen Ecken und Enden.

Denn ehe man noch die Zeitungen schließen kann, kommt die nächste Meldung von einer 21jährigen Studentin, die am Westbahnhof von vier Afghanen niedergeschlagen wurde, weil sie den Zärtlichkeiten die ihr entgegengebracht wurden zu wenig anerkennenden Wert beimaß. Keiner der vielen anwesenden Fahrgäste habe ihr geholfen. Die Polizei war da anders. Sie war problembewußter und riet ihr, ihr blondes Haar umzufärben und sich etwas züchtiger zu kleiden, ihr Aussehen sei für Asylanten einfach zu aufreizend. Man könne die vielen Fälle einfach nicht mehr beherrschen. Immerhin hat das Mädchen irakische Eltern, da wirken sowieso recht chthonische Mechanismen. Eine Türkin hat es dem VdZ ja einmal erzählt: "Die erkennen, wer aus diesen Völkern stammt. Und damit unterliegt man automatisch ihren Sitten." Es reicht. Es reicht eine einzige Woche. Und wir warten besser auf die nächsten rührseligen Bilder von Kindern, die von ihren Eltern in wurmstichige Schlauchboote gesetzt werden, dann wissen wir wieder, daß wir zu den Guten gehören wenn wir "refugees welcome!" skandieren. Das funktioniert sogar bei der Selbstheiligsprechung der größten Trottel und formt mirnixdirnix ein Volk von Heiligen.

Apart: Es ist eine simple mathematische Plumifikation, wie Pippi Langstrumpf schon sagt, daß 70.000 nur 2015 in Österreich zuwandernde, nicht einmal der deutschen Sprache mächtige Männer unter 30 Jahren als erste mit einem gewissen Frauenmangel konfrontiert sein werden, der sich mit jedem Monat weiter verschärft. Denn seltsamerweise halten sich in angestammten, organisch gewachsenen Populationen Männlein und Weiblein stets relativ die Waage. Und das ist in Europa überall so, sieht man von Island ab; denn von denen halten sich viele Männer zur Arbeit fern der Insel auf, sodaß man dort von temporärem Frauenüberschuß spricht. Aber das sind ein paar tausend, die (abgesehen von anderen Aspekten, rein rechnerisch also) nicht den neuen Männerüberschuß in Europa auffangen könnten, und vermutlich auch nicht wollten. Denn so ein Asylowerber hat ja auch ein gewisses Konkurrenzproblem dabei, eine Gildars- oder Svenjersdottir auf die ihr gewohnte Weise materiell zu verwöhnen. 

Was also passiert, wenn nun plötzlich hunderttausende nicht-angestammte Männer - alleine 2015 (!) waren es in Deutschland sage und schreibe 10 % der Altersgruppe im heiratsfähigen wie -willigen Alter (19-35) - dazukommen? Richtig. Sie werden mehr mit ihrem Zehenkäs beschäftigt sein als mit normaler Geschlechtsverlustierung, also wäre ein beinhart verpflichtender Kurs in Zölibatskunde angebracht. Noch VOR jedem Sprachkurs. Oder hat Merkel auch "Heiratsgarantie" versprochen? Zuzutrauen wäre es ihr ja. 

Egal. Man mag ja über das Problem witzeln, aber man muß sich schon die Frage stellen, ob denn VOR dem unlimitierten "refugees welcome!" irgendjemand einmal über diese sehr realen Dinge nachgedacht hat? Oder hofft man das mit dem sogenannten Familiennachzug zu regeln, unter dem politischen Druckmittel "Leute, ihr könnt wählen, sind ja eine Demokratie: entweder Familiennachzug, oder Eure Schwestern und Frauen sollten tagsüber eher nicht auf die Straße, und nachts sowieso nicht. - Naja, irgendwie so funktioniert das ja in einem Volk. Gibst Du mir Deine Schwester, geb ich Dir meine. He, die ist ja häßlich! Mußt ja nicht das Licht anmachen in der Nacht, und tagsüber hat sie eh eine Burka, oder bist Du kein Muslim? (Faust unters Kinn. Eine freundschaftliche Geste. Das machen die seit Jahrhunderten so. Faszinosum andere Kulturen!)

Vielleicht fehlt den jungen Afghanen aber einfach nur die Geduld. Denn es gibt ja Landsleute, die an der Behebung des Problems arbeiten.  

Wie jener Afghane, der 2011 nach Österreich kam und Asyl beantragte, und 2013 im Familiennachzug seine Frau mit ihren neun Kindern (davon zwei behindert) nachholte, nachdem er geschnallt hatte, daß er hierzulande in christlicher Nächstenliebe 8.200 Euro Mindestsicherung monatlich bekommt und in einer Sozialwohnung wohnt, also sehr wahrscheinlich arbeitslos ist. Dazu kommen natürlich noch Arzt- und Betreuungs- und Infrastrukturkosten. Nun möchte er sogar per künstlicher Befruchtung ein zehntes Kind. Wo die Krankenkassa zwar die Voruntersuchungen zahlt, aber nicht den Eingriff. Aber das rechnet sich trotzdem, sollte sich nicht noch eine Flüchtlingshilfeorganisation finden, die das übernimmt. Inshallah. Na kann man es ihm verdenken? 

Obwohl - das ist irgendwie (also so ganz von ferne, aber in irgendeinem Mentalitätszusammenhang denn doch) mit jenem Algerier vergleichbar, der wieder einmal eine Frau vergewaltigt, und dann ins Krankenhaus rennt auf daß man ihn kostenlos zusammenflicke, weil er sich bei der Ausführung seines Vorhabens wehgetan hat. Eine Parallele ist ferner, daß auch hier jemand im Krankhaus gesungen hat. In dem Fall aber (oder: hoffentlich nur in dem Fall) gewiß aus Neid. Weil das jemandem eigenartig vorkam. Und so kam die Sache an die Öffentlichkeit. Und dort fand es gar nicht so verständnisvolle Aufnahme. 

Für beide Zuwanderer wahrscheinlich ein verwirrendes und integrationshemmendes Erlebnis. Denn da verlangt man von ihnen, daß sie sich anpassen und der hiesigen Lebensweise befleißigen, und kaum tun sie das, indem sie die Sozialeinrichtungen frequentieren, paßt es auch wieder nicht.

Na, die Öffentlichkeit denkt eben nicht sehr weit, das ist ja bekannt. Da geht es nur um Populismus und Neid und eh schon wissen. Die sehen die Zusammenhänge halt nicht. Man müßte die Nachrichten über die Lebensmöglichkeiten hierzulande in Kabul und Umgebung in Wirklichkeit nämlich lautstark verbreiten. Dann würde sich auch der Männerüberschuß mancher Zuwanderergruppen zumindest über kurz oder lang wieder regeln. Spätestens, wenn sie hier eigene Volksgröße erreicht haben ist auch am Praterstern dann wieder Ruhe. Und kein Afghane ist mehr gezwungen, sich ein paar Kröten durch das Verticken von Drogen zu verdienen, oder Verlustierungen auf nicht ganz gesetzeskonforme Weise zu suchen.

Natürlich sind wir immer noch in diesem einen kleinen Zeitfenster. Das wenn wir es um ein paar Wochen verschieben, weil uns einfach diese Hetze reicht, leider kein anderes Bild bieten wird. Der VdZ hat nur bisher noch nie darüber berichtet.

(Gewissen/. Da sieht man es ja. Dieser Sarkasmus, nein, diese Hetzrede mußte ja kommen. War das notwendig? Vermutlich hat der VdZ also nur dieses typisch faschistisch-pathologische Problem mit dem Anderssein der anderen. So wie vermutlich das Mädchen vom Praterstern heute. Nachdem sie mit dem Anderssein dreier vitaler Afghanen konfrontiert worden ist, ist sie sicher auch pathologisch./Gewissen)

Doch spätestens hier kommt der Mahnruf - zurück, zurück zum Ernst der Dinge!

Nun erst, aber immerhin, wird offen auch darüber diskutiert, daß der erst vor zehn Jahren umgebaute und modernisierte Praterstern lange schon einer der Hotspots für den Drogenhandel (vor allem Marihuana wird einem dort fast aufgedrängt) in Wien ist. Der Markt wird dabei von "Migrantengangs" dominiert, die meisten davon afghanisch. Junge Afghanen stellen neben jungen Tschetschenen in den letzten Jahren anteilig die meisten Zuwanderer; und eine Reise nach Europa ist ihnen in den allermeisten Fällen purer Erwerbszweig, eine win-win-Situation sozusagen, durch Sozialnetz,  Erwerbsmöglichkeiten in Wien selbst und kommode Rückschiebebedingungen bei Linienflug und Taschengeld als "Rückeingliederungshilfe", das in ihren Herkunftsländern fast ein Jahresgehalt ausmacht. Kein Wunder, daß die Plätze begehrt sind, wo Banden rasche soziale Anbindung bieten. Und die zueinander in härtester Konkurrenzsituation stehen und sich buchstäblich um die Kunden schlagen.  Die Polizei berichtet, daß es mittlerweile zum Alltag gehört, daß sich diese Banden Massenprügeleien liefern. Man hat nur kaum darüber berichtet. (Es sieht so aus, als würde sich zumindest das unter dem neuen Innenminster ändern, der sogar offen über ein Kriminalitätsproblem mit Migranten und illegal Eingereisten spricht.) Alleine in den Monaten März und April 2016 ist es am Praterstern zu 420 polizeilich registrierten Strafdelikten fast ausschließlich aus Migrantenkreisen gekommen. Fast jeder dritte Migrant in Wien (oder soll man doch wieder "Flüchtling" sagen? Irgendwem ist es sicher auch nicht recht) ist bereits einmal straffällig geworden. Sagt die Polizei. Heute.

Lange schon aber ist den Wienern bekannt, daß sich (zumal abends) niemand mehr dort sicher fühlen kann, wobei: schon lange Jahre, und zunehmend, und mittlerweile extrem. Da hat sich mit dem Umbau nichts geändert, die Szene war nur kurzfristig wegen Umbaus gestört. Selbst Frauen in Männerbegleitung waren nicht sicher. Auch tagsüber. Männerbegleitung war für manche nicht gerade österreichischstämmige  Kulturbefruchter sogar willkommener Anlaß, sehr handfest die Ohnmacht österreichischer Begleitpräsenz zu demonstrieren. Der Praterstern - früher legendäre Schnittstelle des Zuhälterwesens, ehe der Prater in ein Disneyland, die Praterallee in eine akzeptable Wohnmeile umgerüstet wurde - war ab Einbruch der Dunkelheit ein "no-go-area" für Wiener. 



Teil 3) Wie das früher ausgesehen hätte, 
als die Welt noch ein heiteres Bezirksgericht gewesen ist
 - Und: Ein Loblied auf die Strizzis





*250416*

Ehre dem Hervorbringer

Jedes Aussprechen - damit jedes Denken - ist ein Abscheiden, ein Unterscheiden, ein Hervorgehen des Zweiten aus dem Einen Ersten, aber ununterschiedenen (und damit nicht-welthaften) Allen/Einen. Es wird somit im Werk des Menschen nicht nur ein Teil von ihm herausgestellt, von ihm abgestellt, als die Zwei vom Einen zeugend, sondern es stellt dem Einen/Hervorbringer sich selbst vor Augen, verobjektiviert sich, wird damit zur "Persönlichkeit".

Alles Hervorgebrachte, Geschiedene also will wirken, weil sich an der Wirkung Aussage über den Hervorbringer zum Seienden erhebt. Damit ist alles Werkhafte ein Lobpreis (oder natrürlich auch: die Verdammnis) des Hervorbringers. Es dient zur Ehre, zur Verherrlichung des Hervorbringenden.

Gedacht kann also nur das Hervorgebrachte, Ausgesprochene werden, indem es darin erst distinkt weil zu einem Etwas wird, und darin wird das Selbstwerden des Menschen als Persönlichkeit.




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Freitag, 27. Mai 2016

Es war das letzte mal (3)

Teil 3) Weil es hier um Identitätsfragen geht




Weil es eben in der Frage des Bundespräsidenten so sehr wie in keiner anderen Wahl (!) um Identitätsfragen geht. IN IHM wird das Land repräsentiert, ja dargestellt. Die parlamentarische Politik wird immer eher als Frage des Funktionalen verstanden, und das drückt sich in vielem aus, auch in der recht kurzen Amtsperiode der Gewählten. Das hat sowohl die ÖVP nicht erkannt, als auch die Kirche, wo es besonders tragisch ist, weil sie ja von diesem Prinzip sogar LEBT. Sie lebt vom Geheimnis der Gestalt, der inhaltlichen Tiefe der Person, in der sich (Form und Inhalt sind untrennbar) auch Weltanschauung ausdrückt, sie lebt NICHT in ihrer technischen Funktionalität.

Die FPÖ hat sich diesmal als einzige Kraft erwiesen, die in der Lage wäre (und zukünftig sein könnte), diese weltanschaulichen Lager (freiheitlich-aufklärerische 1848er und christlich-soziale) zu einen und zu politischer Wirkkraft aufzubauen. Noch hat es knapp nicht funktioniert, und das hat auch mit der immer noch nicht ganz sicheren Identitätsbildung weiter Teile der im Stich gelassenen ÖVP-Klientel zu tun. Das zeigt sich in der Wählerstromanalyse, wo zu gleichen Teilen Stimmen der ÖVP ins Lager des freiheitlichen Kandidaten wie in das des roten Kandidaten wanderten. Sie hat anders als die SPÖ (zumindest in der aktuellen Wahrnehmung) nicht die Bedeutung des Bundespräsidenten für die Menschen erkannt. Und das hat mit der jahrzehntelangen Praxis zu tun, in der bewußt schwache, den Parteien willfährige Persönlichkeiten ohne Profil gewählt bzw. aufgestellt wurden, weil der Parlamentarismus möglichst nicht gestört werden wollte. 

Bei dieser Wahl hat sich nun gezeigt, zu welcher Kraft der Bundespräsident tatsächlich gerufen wäre, und was er für das Volk für eine Bedeutung hat - er ist eben die Analogie zum König, als Personalprinzip eines Volkes und dessen Staatswillen. Die ÖVP hat anders als die vereinigte Linke verkannt, welche Bedeutung die Weltanschauung für die Menschen hat, und die Kirche, welche die Religion für die Menschen hat. Als Quellpunkt und Feste der Identität. Das rächt sich nun. Beide haben sich nun ins Abseits geschossen und ihr Lager verloren weil verraten. Das nun enttäuscht andere Orte suchen wird, unter denen sie wenigstens so lange Unterschlupf, Heimat und Schutz finden, bis sich vielleicht eines Tages wieder eine starke weltanschauliche Kraft bildet, die sie wieder sammelt.

So, wie es van der Bellen gelang, der sich zur Identifikationsfigur einer geeinten, ja durch ihn ihrer Einigkeit neu bewußt gewordenen Weltanschauung stilisieren konnte und die ihm zugeschanzte Aufgabe gerne aufgriff und durchführte. Die in einer gewaltigen Gesamtanstrengung noch einmal erfolgreich den Sieg des bürgerlichen Lagers verhindern konnte. In dem die Vernunft, die katholische Basis des Hausverstands noch einmal ins Gesicht geschlagen werden konnte. Das wird diesem Lager nicht noch einmal passieren. Denn es weiß nun, daß es bei weitem mehrheitsfähig sein kann. Wenn es nur andere Pferde wählt.






*Wähleranalysen zeigen eindeutig, daß sich die "wirklichkeitsgebundenen" Menschengruppen im Lager "Hofer" finden: Bauern, Arbeiter und Unternehmer, und vor allem Männer. Alle diese sind die Hauptverlierer der nun sogar noch weiter gehen sollenden Sopranationalisierung, vor allem aber Sopra-Ideologisierung. Umgekehrt finden sich im Lager "van der Bellen" recht eindeutig unter Staats-Alimentierte, Staatsnahe zusammenfaßbare Bevölkerungsgruppen, zu denen auch die Jugend gehört (die bereits in zweiter Generation sozialstaatsdeformiert, also -hörig ist), zu denen auch die Frauen gehören, die ideolgische leichte Beute der Linken, die in unseren Staaten ja auch das sogenannte "Establishment", die "Elite" darstellen. Zuwachs kann die Linke deshalb nur über Zuwanderung finden, will sie nicht definitiv zur offenen Gewalt greifen. 



*240516*

Aus dem Alltag (1)

Die 41jährige wartete morgends an einer Bushaltestelle, als sie ein Algerier (der schon mehrere Jahre in Linz wohnt, wie die Kronen Zeitung schreibt) mit eindeutigen Absichten attackierte. Sie wehrte sich so heftig, daß sie dem Mann die Nase brach. Daraufhin schlug sie der Mann jedoch bewußtlos. 

Gepriesen aber sei unser Sozialsystem, dessen Ruf unüberbietbar ist. Nicht nur ist der Algerier auch wegen anderer Straftaten mit Einreiseverbot belegt, was bei offenen Grenzen natürlich niemand kontrollieren kann, lebt er seit etlichen Jahren von den Sozialhilfen, die Asylwerbern zustehen, auch wenn diese keinerlei Aussicht auf Zuerkennung des Status haben. Außerdem gibt es die kleine legistische Raffinesse, daß ein Einreiseverbot erst nach Ausreise gültig wird. Nur ausreisen wird er Mann nie mehr, davon kann man ausgehen, der nun im Gefängnis sitzt, aber per Gesetz weiterhin den Versorgungspflichten der Behörden unterliegt, nicht abschiebbar ist.

Denn mit Einsprüchen kann ein Asyl-Verfahren auf viele Jahren hinausgezögert werden, in denen der Asylwerber auch nicht abgeschoben werden kann. (Berühmt geworden ist der Fall eines Asylwerbers, der seine Familie nachzog, dessen Verfahren zehn Jahre dauerte - er wurde zwar abgeschoben, aber seiner Familie eine Aufenthaltsbewilligung mit dem Argument zugesprochen, daß sie über so lange Jahre Aufenthalts hier bereits heimisch geworden sei.) Ohne aufzuwerfen, daß Rückschiebung nur bei den wenigsten auch passiert, denn derartige Massen (die es absehbar betrifft, die ein Asylverfahren einleiten lassen, obwohl jeder weiß, auch der Werber, auch die Behörden, daß es ohne jede Aussicht auf Anerkennung ist) abzuschieben ist schon technisch gar nicht zu bewältigen. Dazu kommt, daß Algerien oder Marokko gar niemanden mehr zurückNIMMT. Die werden schon wissen, warum sie an den Fachleuten, die ihr Land gen Norden verlassen, nicht so unbedingt hängen.*

Woher der Mann diese bürokratischen Schliche kennt? Vermutlich ist er doch ein Hochqualifiziierter, und seine Besuche bei den Sozialberatungsstellen dienen dem rein akademischen Austausch über neueste Forschungsansätze über einen neuen Dammelwinkmotor für Ölschiebelafetten, der das Nadelölgeschäft revolutionieren könnte.

Aber mehr: Der Algerier fühlt sich im heimischen Sozialangebot schon so zuhause, daß er nach seiner letzten Tat in ein Krankenhaus fuhr, um sich behandeln zu lassen. Wie sieht man denn aus mit einer schiefen Nase, die außerdem ziemlich weh tut? Dort wurde er aber denn doch verhaftet. Auch damit kennt er sich ja aus. Passanten hatten mittlerweile die Linzerin, die "im Genitalbereich nackt" und im Gesicht schwer verletzt war, im Gebüsch neben der Bushaltestelle gefunden und die Polizei alarmiert. Sie hatten auch gesehen, wie ein Mann mit Gesichtsverletzungen geflohen sei, und vermutlich auch verscheucht, denn seine Absicht hatte er nicht mehr ausführen können. Wie sich später herausstellte, war dies aber nicht der erste diesbezügliche Angriff des 35jährigen auf Frauen gewesen, aber schon beim letzten mal im November des Vorjahres hatte ihn die Frau in die Flucht geschlagen. Offenbar ist er überhaupt eine Weichbirne der ganz besonderen Art.

Warum aber hält sich der Mann in Österreich auf? Warum wird er vom Sozialsystem alimentiert? Ist es rassistisch anzunehmen, daß er hier niemals eine Perspektive für einen neuen Lebensbeginn suchte und fand, nicht einmal privater Natur? Selbst mit Sprachkenntnissen ist das ja lange noch nicht getan. Wenn es in den Zeitungen heißt, daß die Vorgehensweise beim Vergehen im November war, daß er "einer Frau anbot, ihr den Einkauf heimzutragen" ist es wohl nicht "rassistisch" davon auszugehen, daß er die Zeit dafür aufbieten konnte, weil er nicht gerade zwischen zwei Geschäftsterminen gerade eine Lücke hatte.

Vielmehr kommt hier ein anderer Aspekt ins Spiel, den keiner zu beachten scheint, aber noch seine Kraft entwickeln wird, vermutlich aber durch verdeckte Bewältigungsstrategien, die nicht auf Aufarbeitung hinzielen, sondern auf Rechtfertigung: Der der ganz realen Schuld jener Sozialstrategen und deren Handlanger, die wahllos Menschen (hier: Algerier) ins Land holen und unter Ausnützung eines formalisierten Rechtssystems wie Kletten im Wollkleid verankern, deren Interessen aber inkompatibel und selbst bei gutem Willen in gegebenen Umständen (die sie umgekehrt aber brauchen, denn sonst gäbe es keine Alimentierung) unerfüllbar sind. Was aber erwartet man von diesen Menschen (das nächste Beispiel verstärkt dieses Argument noch einmal)?

Noch einmal: Hier ist nicht von Hilfen in Notsituationen, von gebotener christlicher Nächstenliebe die Rede. Hier geht es vielmehr um völliges Verkennen und gar bewußt verweigerte Kenntnisnahme sozialer und psycho-sozialer Gegebenheiten.


Morgen Teil 2) Ein weiterer Fall aus dem neuen Alltag
- Und: Parallelen eigentümlichster Art



*Schon öfter erzählt: Der VdZ hat VOR dem Fall des Eisernen Vorhangs immer wieder Rumänen (et al.) - illegal - beschäftigt (aber immer gleich bezahlt wie Inländer). Sie waren sichtlich vom Schicksal gebeutelte Existenzen, hatten meist sehr spezifische und oft geistige Berufe (u. a. ist dem VdZ noch ein Regisseur erinnerlich), die meisten wollten ohnehin so rasch wie möglich nach Kanada auswandern, und waren ehrliche, arbeitswillige Menschen. Das änderte sich nach 1989 schlagartig. Mit einem mal strömten Massen an Rumänen ins Land, ohne jede Qualifikation, ohne Willen zur Arbeit, aber mit grimmiger Entschlossenheit, die offensichtliche Ungerechtigkeit, daß es in Österreich so viel Wohlstand gibt, durch Vermögensausgleich nicht feinster Art und ohne die Mühen eines legalen Erwerbs aber mit offensichtlicher Kenntnis bis heute aktueller Sozialtheorien zu beheben. Ein völlig anderer Menschenschlag. Der VdZ hatte erst auch diesen vermeintlich Gebeutelten, nun von drückender Diktatur Befreiten helfen wollen, etliche aus einem nahen Asylantenlager geholt und beschäftigt. Aber nur einmal, und nur wenige Tage. Als hätte Rumänien einfach seine Gefängnisse geleert.




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Einblicke in Überlegungsprozesse

Auch dieses Interview fügt sich in das mittlerweile riesige Gebäude dieses Blog, das auf einen Schlußstein zustrebt, soweit läßt es sich sagen, einen Abschluß. Aber noch werden Jahr für Jahr Geschoße weiter aufgerichtet.

Hier spricht ein Berater der US-Regierung. Und seine nüchterne, klare Einschätzung, in der er auch gute Menschenkenntnis beweist, weil er um die Komplexität der Geschehen und Motive und Kräfte weiß. Die sich andernorts ja in zahllosen simplifizierten Verschwörungstheorien ergießt, so verständlich die sein mögen, weil sie meist irgendeinen Funken an Wahrheit enthalten. Deshalb ist hörenswert, was Wilkerson zur Situation der USA in der Welt zu sagen hat. Es relativiert manches, aber es präzisiert genau damit. Und viele der genannten Details (etwa über innere Probleme im amerikanischen Militär) sind wirklich interessant und geben glaubwürdige Einblicke in Überlegungsprozesse.

Wir haben es natürlich immer mit Menschen zu tun, das ist so. Die heute so vielfach zur Fundamentalkritik aufbrandendende Meinungswelt macht aber das zum Kriterium von Veränderungsforderungen, die sich meist noch schärfter gegen Institutionen richtet. Daß menschliches Versagen aber so schlagend wird weil werden kann ist die logische Folge einer bereits so weitgehend erfolgten Deinstitutionalisierung unserer Kultur. Nicht mehr das Ämtergefüge mit seiner Stellung in einem (hierarchischen) Gefüge Staat und Welt zählt, dem jeder zu dienen hätte, das jeder Amtsinhaber als Maske vor sich her tragen müßte, denn darin liegt sein Maßstab, darin liegt seine Identität, sondern der Träger der Maske tritt hervor und macht sich und seine persönlichen Interessen zum Maßstab. 

Worin sich gute Politik, gute Struktur, objektiv gerechte Ordnung auszeichnet? Daß sie selbst Vollnieten und Gauner ohne viel Schaden überlebt. Wenn aber der Einzelne zu viele Möglichkeiten hat weil das Objektive substantiell von ihm abhängt, kann er viel Schaden anrichten, während er es umgekehrt nie wirklich besser machen kann als die objektiven Strukturen eigentlich leisten.

Trotzdem geht fast unser gesamtes gesellschaftsorientiertes Denken auf eine weitere Individualisierung aus, indem es nicht mehr die Gestalt einer Maske, eines Amtes, einer Stellung sehen will, sondern seine Träger über "Funktionalismen", über technische Ablaufbeherrschung wählen möchte. Gleichzeitig vernachlässigen wir sträflich die objektiven Strukturen, die wir als Anhängsel an die Individuen verdämmern lassen. Weil wir mittlerweile tatsächlich (wenigstens so irgendwie) glauben, daß alles an den Individuen und an Funktionalismen hängt. Wir schreien also "hier" - und laufen nach "dort". 

Wir versenken objektive Erfordernisse einer Entität im Moor, und verlassen uns auf subjektive Improvisation in einem grotesken Generalruf nach dem "Wir schaffen es!" Damit werden zugleich die Bürger eines Landes zu Lückenbüßern und Lasteseln aufgelöster objektiver Strukturen mißbraucht, ja man hängt ihnen dann sogar noch das Schild um, "unmoralische Versager" zu sein. Obwohl sie mit Aufgaben überfordert werden, die sie prinzipiell gar nicht lösen können weil sie ihren Lebenskreis und damit ihre Verantwortung kategorial übersteigen. Es wäre Zeit, genau darin die Kennzeichen eines totalitären Staates zu erkennen. Was sich bis hinein zu momentanen Tendenzen in der Kirche (unter dem heuchlerischen Verweis auf "Gewissensfreiheit", die aber nichts anders heißt als daß jeder auch das Ganze summativ zu sein wie zu denken hätte) als Generaltrend zeigt.

Dennoch bleibt das Denken - und es kann einerseits gar nicht anders, weil die Wirklichkeit als "unsichtbares Dahinter" tatsächlich so ist - ohne davon zu wissen von einer ontolologisch-geistigen Struktur bestimmt. Man kann IMMER das Sein hören, die Frage ist nur, ob man darauf zu hören vermag. 

Es vermischt sich damit vieles unzulässig, und greift in seiner versuchten Verobjektivierung damit oft ins Leere, zeichnet Phantombilder, weil die zu beurteilenden Formen in den eigenen (immer lebenskreis- und damit persönlichkeitsorientierten) Formen nicht (bzw. nicht in derselben Ebene) vorkommen. Sodaß man den Sack schlägt und den Esel meint - und umgekehrt.








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Donnerstag, 26. Mai 2016

Es war das letzte mal (2)

Teil 2) Es gibt aber noch einen Verlierer




Es gibt freilich noch einen Verlierer, auch der weiß es noch nicht. Und das ist die Kirche. Für sie gilt Ähnliches wie für die ÖVP, beide waren im Grunde kaum je trennbar. Durch ihre mehr oder weniger offene Parteinahme für einen roten Bundespräsidenten hat auch sie ihr eigentliches Klientel, ihre eigentlichen Lebensträger (und zwar im wahrsten Wortsinn) als Höhepunkt einer langen Geschichte vor den Kopf gestoßen und ist ihnen in den Rücken gefallen. Kardinal Schönborn erklärte van der Bellens ideologische Ausrichtung gar zur Nebensache, wichtiger seien nämlich Internationalität und Migrationsoffenheit. Tat also ganz so, als wäre die Aufgabe eines Bundespräsidenten von weltanschaulichen Fragen trennbar, neutralisierbar, was natürlich eine Lüge ist, denn daß das nicht möglich ist muß Schönborn wissen. Gerade etwa mit der Migrationsfrage sind ja immense weltanschauliche Fragen verbunden, das sehen die Menschen (beider Lager) sehr richtig. Womit Schönborn die Kirche ideologisch klar positioniert hat, und ihm folgte ein langer Rattenschwanz an offiziöser Katholizität. Zukünftig ist aber damit der Katholik mit Hausverstand (und eigentlich ist das der Katholik) nicht mehr mit Kirche und ÖVP identitär geeint, sondern er muß sich mit den 1848er-Bewegungen irgendwie anfreunden. Die ihn zumindest nicht verprellen. Die aber derzeit alternativlos als gesellschaftliche Wirkeinheit für ihn sind. Die Kirche hat also haargenau dieselben Korosionserscheinungen vorzuweisen, wie sie die ÖVP zerbröselt haben. Das wird auch in der Kirche schwer nachwirken.

Nur ein kleines Beispiel dazu: Der VdZ hat die Wahlergebnisse der Gemeinden Niederösterreichs angesehen, von denen er aus seiner Tätigkeit für die Diözese schon 1993-95 ungefähr weiß, wie die Männer dort denken und fühlen. Das stand schon damals in straffem Gegensatz zu der Ausrichtung der sie angeblich vertretenden Hauptgremien, die im Grunde tiefrot waren. Eine Erscheinung der ganzen Kirche. Damit war auch dafür gesorgt, daß nachrückende Führungskräfte aus dem (sagen wir halt so:) konservativen Lager (also dem eigentlichen katholischen Lager) zunehmend ausblieben, und das waren oft die führungsbewußtesten Männer. Bestenfalls frömmlich-weichgekochte Männer waren diesem Lager mit viel gutem Willen zuzuordnen, sie rückten auch da und dort nach, hatten aber keine Kraft. 

Nun ist bei allen diesen vielen Gemeinden zu beobachten, daß diese Kluft noch bedeutend größer geworden sein dürfte. Denn gerade die Gegenden, in denen die Katholische Männerbewegung (Teil einer KA, die eine Wahlempfehlung für den linken Kandidaten abgab) am stärksten (und am konservativsten) gewesen ist, zeigen das deutlichste Votum für den Kandidaten der FPÖ, Norbert Hofer. Auch sie also müssen sich nun alleinegelassen fühlen, auch sie werden nach neuen Dächern ihrer Identität suchen müssen. Denn in der Niederlage haben sie ein Identitätserlebnis erfahren. Nach der EU-Frage, in der die Kirche bereits unverantwortlich falsch gespielt hat, denn diese erwähnen Männer und Schichten gehören zu den Verlierern (gewonnen haben schon damals nur die Linken, eben jene Schichten, die nun hinter van der Bellen standen), der nächste schwere Fehler.*

Somit steht das gesamte Lager der katholisch-christlich-sozialen Bürger dieses Landes in einer eigenartigen Situation: Es fehlt ihnen an einenden Figuren und politischen Kräften, die sie vertreten. Sie sind von ihren Führern, denen sie so lange die Treue hielten, denn ein Katholik hat die Institutionentreue gewissermaßen im Blut, er braucht sehr sehr lange, ehe er seine Institution verläßt, endgültig im Stich gelassen worden. So gut wird auch van der Bellen niemals "allen gerecht" werden können, wie er versprach, es wird ohne Zweifel zu ausreichend Situationen kommen, in denen sich seine ideologische Herkunft und Zuordenbarkeit eindeutig erkennen lassen wird - die den "anderen" ihre erlittene Niederlage und Ohnmacht präsent hält.

Und das Wort endgültig scheint hier berechtigt, weil die Schwere der anstehenden Probleme und Entscheidungen für viele - und gerade für diese - Menschen existentiell erscheint. (So, wie es ja ihre ideologisierte Gegnerschaft, die Linke sah.) Denen auch nicht egal ist, ob ein christlich geprägtes Land seine Grundidentität durch Umprägung in Multi-Religionen-Brei aufgibt. Natürlich, diese Fragen sind von einem Bundespräsidenten gar nicht zu lösen, bei allem, was man ihm an Notwendigkeit und Einfluß zugestehen mag, aber man hat selbstverständlich (und das ist nicht nur diesmal der Fall gewesen) diese Lebensgrundfragen in ihnen tief berührt gesehen. 



Morgen Teil 3) Weil es hier um Identitätsfragen geht





*240516*