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Samstag, 31. Dezember 2016

Vom notwendigen Eros

Es gibt eine Grenze der "Sexualisierung einer Kultur" und ihrem richtigen, ja notwendigen Spiel mit dem Eros. So schwierig sie manchmal zu finden sein mag. Aber wo der Eros stirbt, der Moral völlig erliegt, nimmt sich eine Kultur alle Luft. Ohne Eros gibt es gar keine Kunst. Ohne Kunst gibt es keine Kultur. Denn Kunst muß Spiel sein. Spiel mit den Wahrheiten des Lebens. Und dazu braucht es einen Sinn für Rebellion. Rebellion aber braucht Wahrheit, weil sie nur dann das Erstarrte Urbild dem je neuen Himmel des Schöpferischen Eingreifens des Geistes öffnen kann. Es braucht den Hymnus, ja, aber es braucht die Sonate, die ihn wieder zertrümmert. Nicht die Sonate ist krank, der Hymnus gut. Krank ist nur, wenn eine der beiden Übergewicht erhält. Dann folgt der Tod. Wo die Grenze ist? Ja Herrschaften, finden wir es doch 2017 neu heraus? Sind nicht dionysische Momente genau das? Kultur bedeutet nciht das Ausschalten des Eros, des Kampfes, des Krieges. Es bedeutet seine Einhegung! Es bedeutet, ihm seinen Platz zuweisen zu können. Es bedeutet Erwachsenheit.*

Woran erkennt man die apollinische Krankheit? Daß sie keinen momentanen Schritt außerhalb der Ordnung mehr zu gestatten wagt, weil sie ständig um alles fürchtet. Worin besteht die dionysische Krankheit? Daß sie keine Ordnung mehr herzustellen vermag, weil sie um sie und ihre Bedeutung gar nicht mehr weiß.

Wir sind Menschen, keine Götter. Nur in Göttern fällt alles in eins,  nur in Göttern braucht es die Auseinanderfaltung in Zeit nicht mehr.








*Eine ganz wichtige Einschränkung! Denn das Kind braucht höchste Behutsamkeit, muß an diese Polarität erst herangeführt - geführt! - werden, die erst apollinisch sein muß. Denn das Kind kommt aus dem Dionysischen.




*271216*

Ansteckernder Optimismus

Gott ist der Herr der Geschichte, und wer immer was auch immer versucht, gegen den Logos zu handeln - er hat die innere Logik der Welt gegen sich, die im letzten gut ausgehen wird. Das ist die Essenz des Katholizismus. E. Michael Jones in einer beeindruckenden Zusammenschau zu den geistigen und politischen Brennpunkten der Gegenwart.

Und wirft damit auch einen äußerst interessanten, erhellenden Einblick in Hintergründe der Entwicklungen im geopolitisch "eurasischen" Raum, der sich vom Libanon über Syrien, Iran, Rußland bis nach China erstreckt. Länder, die der Katholik Jones in zahlreichen Reisen besucht hat und laufend besucht. Indien ist dabei die spannendste Frage, denn dort findet derzeit die härteste Schlacht des Anti-Logos gegen die Ordnung statt, als der der amerikanische Anti-Logos (bzw. dessen Kapitalismus) gesehen werden muß.

Der deutsch-irisch-stämmige Amerikaner Jones, der schriftstellerisch unglaublich produktiv ist (und dessen Bücher der VdZ wärmstens empfehlen kann, denn was Jones sagt MUSZ man gehört haben, er trifft einen derart aktuellen Nerv, daß man oft nur staunt, dann verarbeiten muß - ehe man daran gehen kann, den Zug amerikanischen Moralismus herauszuschälen, um einen europäisch-ausgewogenen Selbststand wiederzufinden), meint in der weltweiten Gegenwehr gegen den irrationalen und zerstörerischen Amerikanismus eine richtige, der Vorsehung Gottes (der alles Sein ist und im logos in der Hand hält, selbst das Böse zum Guten lenkt) entsprechende Reaktion der versuchten, der Sehnsucht der im Chaos ertrinkenden Menschen entspringenden Rückkehr zum logos, zur Vernunft zu sehen.

Die Amerikaner, ja der Westen führen in ihrer Verantwortung für dieses Chaos nur noch Rückzugsgefechte, während sich sogar schon die Schia (Schiitentum) neu auf den logos in einer Renaissance der Philosophie im Islam, die seit 1000 Jahren tot ist und schläft (denn ihr Gottesbegriff ist nicht logos, Vernunft, so damals das Fazit), zu besinnen begonnen hat.

Im Letzten kann nichts und niemand dem logos, dem Wissen und der Vorsehung Gottes entkommen. Und diese Perspektive muß eigentlich jeden Katholiken mit ungeheurer Zuversicht erfüllen, selbst wenn alles in der Welt "verloren" scheint.









*121116*

Man kann doch nicht alles so geschehen lassen!?

Hans Werner Sinn in einem Vortrag aus dem Juli 2016. Was da auf uns zukommt, ist durch fatale Fehlentscheiungen bereits vorprogrammiert und sieht wie ein geplanter Crash aus. Vor allem Deutschland hat sich über Haftungsabkommen der EZB (ESM) in Zahlungsverpflichtungen begegen, die schwindelerregend sind.








*221016*

Freitag, 30. Dezember 2016

Schicksalshafte Verbindung

Indem sich die Fugger auf die Seite der Habsurger mit dem späteren Karl V. geschlagen hatten, sich also gegen die Valois entschieden, die nach dem Tode Maximilians 1519 ebenfalls um den Kaiserthron buhlten, nahm ihr Schicksal einen wohlbekannten Lauf, der sich in der Geschichte immer wieder abgespielt hatte und noch abspielen würde. Denn die mehr als 800.000 Gulden, die dem Habsburger die Kaiserkrone gekostet hatte, waren eine ungeheure Summe, im heutigen Kaufwert mehreren Milliarden Euro gleich. Gleich wie es den Medici mit dem englischen König gegangen war, waren die Fugger fortan gezwungen, die Habsburger zu finanzieren. Mit lediglich "unwucherischen" 5 %, wie sie öffentlich verkündeten, denn der Wucherzins war nach wie vor eine geistlich gesehen haarige Sache. Und Jakob Fugger war ein sehr frommer Mann.*

Aber der Kaiser war damit für die Fugger "too big to fail". Jakob Fugger wußte das, und er setzte sich sofort mit Karls Kämmerern zusammen, um einen Rückzahlungsplan aufzustellen. Denn der Kaiser mußte auf jeden Fall willens und in der Lage sein, die Kredite zurückzuahlen. Und das war oft genug nur mit nächsten und immer mehr Krediten möglich, die von den Fuggern, aber auch von zahlreichen anderen Bank- und Handelshäusern kamen. Karl V. mußte auf alle Fälle liquide blieben! Dieses Geld aber mußten die Fugger selbst borgen, wenn zu wenig zurückfloß, und das tat es oft, und zwar mit 10 % Zinsen und mehr. Ein Teufelskreis, wie er schon die Medici ruiniert hatte und das immer gleiche Merkmal von Geldgeschäften mit Regierungen war: So lange Geld und immer mehr Geld leihen zu müssen, bis diese nicht mehr zahlen konnten. 

Doch hatte das auch einen anderen Grund. Denn die Geschäfte selbst - vor allem der Bergbau, oder die Handelsmonopole - als Basis der Geschäfte dieser Häuser waren direkt von diesen selben Regierungen abhängig. Fielen diese, oder wechselten sie auch nur, würden möglicherweise auch die Monopole und Konzessionen fallen. Da hing einer vom anderen ab. 1521 war die Zahlungsfähigkeit des Kaisers nur noch aufrechtzuhalten, weil er Bergbau-Konzessionen in Südamerika vergab, die den Fuggern erlaubte** ihr Kapital auszuweiten, um durch (schon recht risikoreiche) Perspektiven noch positiv zu bleiben. Da war die Kirche schon längst ausgestiegen und hatte es aufgegeben, diese Vorgänge noch verstehen und moralphilosophisch bewerten zu wollen, während die Protestanten das der Magie so ähnliche Geldwesen gleich zum Teufelswerk erklärten.

Die Habsburger gingen 40 Jahre nach Karls Kaiserkrönung bankrott. Das Haus mit seinem weltumspannenden Reich, in dem die Sonne nie unterging, teilte sich wieder in die spanische und österreichische Linie. Karls Sohn Philipp II. von Spanien ging sogar alle paar Jahre pleite, und das trotz der gewaltigen Mengen an Gold und Silber, die bereits aus Südamerika kamen. Aber selbst sie konnten die Schulden nicht mehr abdecken, führten dafür zu einer desaströsen Inflation. (Jawohl, das alles, was wir heute erleben, ist auch mit einer reinen Goldwährung möglich; das sei den Goldnarren ins Stammbuch geschrieben.) Die aus den nicht zurückgezahlten Krediten kumulierten Zinsen hatten sich jeweils wieder und wieder zu einer derartigen Summe angesammelt, daß die Schuld utopisch geworden war. Nichts ging dann mehr. Und so rissen die Regierungen Mitte des 16. Jhds. das gesamte oberdeutsche Bank- und Finanzwesen mit in den Abgrund und sorgten für eine veritable und hartnäckige Rezession. Der Finanzplatz Europas aber wanderte vom Augsburger Weinplatz, wohin er von Florenz hergekommen war, nach Amsterdam weiter.





*Er war nicht nur fromm, sondern er verstand die Religion auch. So hat er sich immer und vor allem gegen die liturgischen Mißbräuche gewandt, die überall längst eingerissen waren. Er wußte, daß Religion zuerst einmal Kult ist, sonst ist sie gar nicht, und daß Kultur im Kult beginnt.

**Die bereits doppelte Buchhaltung als die laufende Überführung der Erfolgs- in eine Kapitalbilanz führten. Damit wird jederzeit der wirkliche Stand eines Betriebes erkennbar, und Geschäfte erhalten durch den Faktor "Zeit" eine neue Dimension der Ausweitung. Das gesamte Geldwesen der Neuzeit, die gesamte heutige Finanzwirtschaft wäre ohne diese Methode undenkbar, denn sie beruht praktisch NUR auf der Zeit. Jakob Fugger, der als kaufmännischer Lehrling in Venedig das Handwerk gelernt hatte, war also mit modernsten Wassern gewaschen.





*141116*

Laßt sie nur machen!

Wir können die Apokalypse verhindern, in die uns die Sündeder Menschen zu bringen anschickt. Und zwar ganz einfach - indem wir aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrennen. Aber nicht einmal das müssen wir selber tun. Den wir können es ohnehin nicht. Aber die Klugen, Gescheiten und Heiligen dieser Welt wissen, daß wir schwach sind. Also werden sie es für uns tun. Die DiCaprios und BanKiMoons und Bergoglios und Obamas und GreenWasher dieser Welt, die in ihrem Prophetentum an der Erlöserschaft der Welt teilhaben, selbst Erlöser sind. Wir müssen diese Wichtigen dieser Welt nur machen lassen. Dann wird alles, alles gut. Denn es wäre ja so leicht, das Paradies auf Erden zu schaffen.

Feiern Sie, geneigter Leser, zum Ausklang des Jahres mit uns den nächsten Höhepunkt der Religion der Weltretter, der nur zu widerholen braucht, was in der Propaganda funktioniert. Staunen Sie  mit uns über die Böasrtigkeit, Verlogenheit und Dummheit des Establishments der Gegenwart. Staunen Sie mit uns über die unsägliche Primitivität, die über uns verhängt werden soll. Hier wird so gut wie alles lügnerisch, klar falsch und mißversätndlich und verleumderisch dargestellt. Teilweise (man nehme alleine der Palmöl-Wahn, den wir nämlich denselben Leuten, denselben Ökologisten zu verdanken haben, nicht den Chips und Frühstücksmüsli, die wir verzehren, übrigens: aus demselben Wahn heraus; es ist der sogenannte Bio-Sprit, der sich hier in seiner absurden Logik austobt, indem er um die Welt zu retten noch mehr zerstört, das sicherste Zeichen für Dämonie) wirkt es sogar wie ein Kabarett. Das Böse entlarvt sich immer auch selbst, man muß es nur sehen können.

DiCaprio kann nicht sehen. Ihm ist eine unselige Folge des Schauspiels zu Kopf gestiegen - den Ruhm persönlich zu nehmen. So zeigt er die wahre Apokalypse. Das, was diese Menschen tun, die vorgeben die Welt zu retten, ruiniert die wirklichen Lebensgrundlagen. Sie sind Hilfsdämonen der Nichtung, deren Segel der Hauch Satans bläht.

Nur - bleiben wir anderseits ruhig. Es war NIE anders. Die Heilige Schrift ist voll von immer derselben Geschichte des Abfalls und des Götzendienstes an seiner Stelle. Denn da Handeln des Menschen ist seinem Wesen nach Kult. Es unterscheidet sich nur an den Göttern. Ökologismus, Klimawahn ist ganz einfach Götzendienst.

Schauen Sie also selbst diesen Tanz der Gespenster des Schwachsinns, den Gottlosigkeit und Abfall von Gott bewirkt. Wie anders sollte unsere Kultur enden? Ein Film, mit dem Leonardo DiCaprio die schwierige, aber aus dieser Gefährdung des ständigen Schwebens über dem Nichts zu umso höherer Gnade berufene Zunft des Schauspiel - die in ihrer Schwierigkeit, in ihrer geistigen Höhe (dem Priestertum direkt anverwandt, ohne aber dessen Sakramentalität in der Liturgie gesichert zu besitzen) deshalb meist zu strunzdummen Schauspielern führt - aus der Kunst herausgedroschen und zu einer Dreckshure der Welt gemacht hat. Eine Schande für die Zunft, wäre DiCaprio nicht einfach ein Opfer der größten Gefährdung des (reinen, bloßen) Schaupsielers geworden. Vielleicht war er dafür einfach ein zu hübscher Bursche*.


BEFORE THE FLOOD
Ein Film von Leonardo Di Caprio





Wer sich aber nicht den ganzen Film antun will, der ohnehin nicht lohnt weil nichts an Erkenntnis vermittelt, weil man über die vorgetragenen "These are facts!" nur lachen kann, dem sei mit dieser 4minütigen Zusammenfassung gedient. Die sich darauf beschränkt, woraus solche Machwerke bestehen: Aus drogengestützter Langeweile. Die sich auf einen Satz reduziert, den DiCaprio zum tausendsten mal wiederholt: Geht jemand nach einem Wolkenbruch auf die Straße. Sagt er: mein Gott, die Welt ersäuft! Das war gestern nicht! Als er am nächsten Tag aufsteht und die Sonne scheint, gleißend,  läuft er schreiend durch die Straßen: Mein Gott, die Welt trocknet aus! Das war gestern nicht!










*Ein ganz ernst gemeinter Rat: Hübsche, gut aussehende Schauspieler sollten alles tun, um sich real zu verhäßlichen. Ihre Figur steht ohnehin immer hinter einer Maske bzqw. ist eine Maske. Aber die Gefahr ist zu groß, daß die Ebenen nicht mehr auseinanderzuhalten sind, man Rolle und "Ich in der Welt" nicht mehr auseinanderhalten kann, und deshalb verblödet. Dasselbe gilt übrigens auch für Priester.




*021116*

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Der unverzichtbare Moment des Endes

Ein der schönsten, wahrsten Szenen aus "Comedian Harmonists": Freiheit und Schöpfertum aus dem Ende alles gewollten Bemühens, aus der Niederlage. Wo der Künstler, ja wo der Mensch nicht an diesen Punkt gelangt ist, an den der Katharsis, wo erst das Transzendente hereinbrechen kann, hat er nie geschaffen.*









*Deshalb ist das Förderwesen für Künstler heute nicht  nur absurd falsch, es ist gegen das Schöpferische gerichtet und bedeutet damit ein Einfrieren auf Stillstand, ja Rückschritt. Der Sozialstaat erstickt jede Zukunft.






*271216*

Die Taktik des Satanischen

Der Film ist technisch stark deformiert, das muß so sein, sonst gilt er für Youtube nicht als "Eigenprodukt" und würde die Urheberrechte verletzen.* Wir bringen dennoch aber ROSEWATER in dieser Form dem geneigten Leser zu Gesicht, seine Inhalte sind nämlich das, worauf wir hier anspitzen. Denn der Film von Jon Stewart bringt die Geschichte des muslimisch-arabisch-persischen Kulturraumes in einer Dimension, die dem Europäer, ja dem gesamten US-beherrschten Westen so wohl kaum einmal zur Kenntnis kommt.

Dazu muß man freilich einmal begriffen haben, daß die amerikanische Weltherrschaft eine Herrschaft über die Schwächen des Menschen ist. Über die Etablierung dieser Schwächen, die unter dem Sigma der "modernen Menschenrechte" oder "Werte des Westens" verkauft werden, vermag eine Macht aber über die Geschwächten zu herrschen, indem es deren Willen zum Selbstsein schwächt - wir wissen, daß dies eine der drei Bedingungen jeder historischen Revolution war.

Der Iran hat sich 1979 erstmals massiv in einer Revolution (der die mangelnde Legitimität des Schah-Pahlevi-Regimes gegenüberstand) gegen diese Zerstörung sämtlicher kultureller und damit menschlicher Grundlagen eines ganzen Volkes gewehrt, wie es der Schah im Auftrag der USA 1953 als absoluter Alleinherrscher über sein Land verhängt hatte. Und für seine "Bildungsoffensive"- massivster Hebel für die Auflösung der eigenen Kultur war - und wie typisch nun sogar als Kandidat für den Friedensnobelpreis gehandelt wurde. Der Eintrittspreis dafür war, daß die Ölförderung des Landes endgültig in amerikanische Hände fiel. Und daß er eine totale Umprägung der traditionellen persischen Kultur nach westlichem Muster vorantrieb. In dem Moment hat die geistige Elite des Iran den Startschuß gegen eine weitere Schwächung des Landes gegeben. Die Revolution fand statt.

Nur wenn man diese Problematik begreift, bekommt man zum anti-amerikanischen Impuls weiter Teile der Welt einen Verstehenszugang. Denn er ist ein prinzipiell ANTI-KULTURELLER Impuls. 

Nur dann kann man begreifen, daß die USA von so vielen Völkern und Menschen als "Reich Satans" gesehen wird. Denn es ist die Herrschaftsweise Satans: Über die Schwächen der Menschen diese in seine Hand zu bekommen. Es ist eine Umwertung der Werte, die programmatisch vorgenommen wird, mit dem ersten Schlachtroß einer "sexuellen Revolution", einer mit Pseudo-Werten wie "Gleichberechtigung" und "Anti-Diskriminierung", "Gender", "Anti-Rassismus", "Familienplanung" bzw. "Planned Parenthood" einhergehenden Auflösung alles Eigenen, und der daraus folgenden völligen Auflösung der Familie. Solche entwurzelte Menschen aber sind beliebig steuerbar. "Sexual Liberation" ist der erste und entscheidende Schritt, um Kulturen aufzuknacken und dem Kapital auszuliefern.

Wer aber glaubt, diese Vorgangswiese wäre Schnee von gestern, der muß nur seine Augen auf Indien richten. Dort geschieht derzeit genau dasselbe. Die "rape-crisis", die "Vergewaltigungswelle, die Indien erlebt, ist nur ein sicheres Anzeichen für die Zerstörung einer Kultur, die dort gerade stattfindet, indem sie alle Menschen entwurzelt, und damit ihre Sittlichkeit auflöst.

Ja, nicht nur dort läuft dieser Kampf. Auch die Türkei unter Erdogan läßt sich nur so verstehen, gerade in ihrem Versuche, die Auslieferung der Türkei an den Westen durch Atatürk rückgängig zu machen. Und liest man eine kompetente Biographie von Erdogan wird einem das auch bewußt, Korruption hin oder her. 

Es ist die Gegenwehr gegen die Mittel einer Politik des Westens, über der dessen Establishment sich zur lächerlichen, ja verabscheuendwürdigen Handpuppe von Finanzinteressen macht und jedes Volk der Erde zur reinen und machtlosen Konsumentenmasse umformen möchte. Und das sogar noch mit "christlich" und "frei" bezeichnet. Ein riesiges Verbrechen, an dem sich noch dazu die Kirche, die einzige Hoffnung der Welt, zum Blutgericht schuldig gemacht hat, denn sie ist zuallererst korrumpiert: Weil sie sich eine perverse "westliche" Identifizierung erlaubt hat. Aus Schwäche!

"We don't want Your money, we want our life!" Wir wollen leben, nicht Eure Konsumgesellschaft, nicht Eure moralische Verlorenheit, Eure Unfreiheit und Dekadenz!


"But they know, they cannot win." Und unter diesem Aspekt muß man den Film betrachten, den Stimmen darin genau zuhören, auch wenn die Intention der Filmemacher vielleicht anders war. Denn sie wollten wohl einen Schrecken darstellen. Es ist aber mißlungen, es ist ein Film des Verstehens geworden. Sieht man ihn so, dann wird er äußerst erhellend, ja, dann wird er tatsächlich wichtig. Auch, um sich vielleicht dessen bewußt zu werden, wie gehirngewaschen wir - und in erschreckender, ja schockierender Weise vor allem die Jugend, und zwar vor allem die "ausgebildete" (weil ausreichend gehirngewaschene) Jugend - bereits ist. 

Das Natürliche ist uns entschwunden, ja wir sehen es als von uns getrennt. Dies ist das einzige, was am Klimawahn wahr ist. Wir sind zu Unter-Tieren geworden, denn kein Tier würde jemals so naturwidrig handeln und sich so zerstören wie der Mensch. Aber er tut es nicht in der Form der im Westen als Ersatzhandlung propagierten Zerstörungsphantasien. Diese sind in diesem Rahmen lediglich nächste Stufen der Selbstzerstörung, in der wir - wie im Stockholm Syndrom- unsere Unfreiheit umarmen und vertreten, ja, deren Imperative übernehmen.

Plötzlich erhält der Film eine ganz andere Deutung, wechselt man die "Linse". Und sieht ihn als verzweifelte Gegenwahr einer Kultur gegen schier übermächtige Feinde, die wie ferngelenkte Systemteile wirken und umso fester überzeugt sind, das "Richtige" zu vertreten. Wer wollte denn verneinen, daß der Jorunalismus des Westens zum Agenten des Westens geworden ist? So "überzeugt" dem "Hohen" zu dienen, aber dabei ... so verirrt.

So ersteht eine verblüffende Anatomie des westlichen Irrsinns, die so wahr ist daß man staunt. Wenn, ja wenn man sie zu sehen vermag. Und plötzlich könnte einem dämmern, daß der Konflikt um die Invasion Europas zwar ein realer Konflikt ist, aber inszeniert sein könnte. Weil sich plötzlich Europa mit Werten identifiziert, in denen es seine todbringende Krankheit auch noch umarmt. Und diesen eigentlichen Konflikt, in dem es sich der Sklaverei ausliefert, aber gar nicht registriert. Und plötzlich könnte man glauben, alles wäre inszeniert. Von Sklavenhaltern.








*Aber es ist ohnehin die richtige Form, Filme anzusehen. Denn die technische Perfektion der Filmtechnik hat ihn als Mittel der Kunst kastriert, weil er das vorwegnimmt, was ein Werk überhautp erst zum Kunstwerk macht: Die Bildung der Bilder im Betrachter, die eine geistige, sittliche Leistung sein muß. Erst dann "sieht" man überhaupt. Anders kommt der Film über den Traum gar nie hinweg.





*221116*

Cultural Marxism

Da gibt es nicht mehr viel zu sagen. Kann man so stehen lassen. Nicht  nur in den USA. Wer die Lebensbedingungen ändert, ändert die Haltung der Menschen, und damit die Kultur. Er wird in den Individualismus geworfen. Wer nun seine Machtlosigkeit erlebt, mehr und mehr, weil seine sozialen Gefüge aufgelöst sind, wird nur noch nach dem Staat rufen. Der dann alles mit "überlegenem Verstand" regelt.

Originell (unter manchem andreen) die Unterscheidung zwischen Kommunismus und Sozialismus: Kommunismus bedeutet die Kollektivierung (also: Enteignung) der Produktionsmittel. Sozialismus heißt die Kollektivierung der Nutznießung aus privaten Produktionsmitteln.

Ist eben Amerika. Sonst kein Kommentar.

Übrigens, interessanter Aspekt zu diesen USA: Waffenbesitz ist dort nicht einfach ein RECHT jedes Amerikaners, sondern seine PFLICHT. Ein wenig wie in Tirol, zumindest bis Maria Theresia, die mit dem Bulldozer der aufklärerischen Klugscheißerei auch über diese uralte Freiheit drüberfuhr. Weil laut Verfassung die amerikanische Verteidigung auf dem föderalistischen Miliz-Prinzip beruht. Die Gründungsväter wollten keine Regierung, die nicht nur mächtig ist, sondern durch eine stehende Armee auch noch die militärische Macht zur beliebigen Durchsetzung hat. Dem sollte das Milizprinzip entgegenwirken: Der Bürger hat Recht wie Pflicht, einer tyrannischen Regierung zu begegnen. Wo aber die Waffen sind, dort ist letztlich die Macht.








*041116*

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Erhellendes durch transparent gemachte Zusammenhänge

Der VdZ gesteht, daß der den Gründer von Wikileaks, Julian Assange, nie besonders schätzte und schon gar nicht mochte. Aber dies ist das erste Interview mit ihm, in dem er in den Augen des VdZ klar und sachlich präzise spricht. Um so die Relevanz der E-Mail-Veröffentlichungen rund um Hillary Clinton ("Aufgefressen von ihrem Ehrgeiz und den Selbstansprüchen buchstäblich bis zur Krankheitsgranze, und darin Werkzeug, Knotenpunkt eines umfassenden Interessensnetzwerks") zu zeigen. Also bringen wir Assange an diesem Ort. Aufgenommen zu einem Zeitpunkt, wo selbst Assange trotz aller Enthüllungen über die sie umgebende Realität nicht glaubte, daß Donald Trump die Wahlen in den USA gewinnen könne. Das dachte ja auch der VdZ.









*201116*

Antriebe zur Reformation (2)

Teil 2) Antikapitalismus als Motiv der Reformation


 

Vielleicht muß man dazu noch einmal erinnern, daß nach katholischer Naturrechtslehre Zins prinzipiell verboten war. Geld an sich ist steril, das heißt: es kann sich niemals aus sich selbst heraus vermehren. Es ist immer mit Arbeit und Menschen verbunden und geht auf sie zurück. Der Kredit ist deshalb nur eine Hilfe. Eine Gebühr, einen Zins dafür zu verlangen ist höchstens dann gerechtfertigt, wenn die Geldleihe mit direkten Kosten verbunden ist, und nur in dieser Höhe, oder wenn mit der Leihe des Geldes bereits der sichere Verlust einzurechnen ist. Der SICHERE Verlust! Ein nur MÖGLICHER Verlust fällt nicht darunter, muß scharf unterschieden werden. Denn dieser hängt immer mit dem Menschsein selbst zusammen, und eine MÖGLICHE Zukunft darf nicht in Rechnung gestellt werden. 

Diese VerlustMÖGLICHKEIT (also das Risiko, das ja mit jeder menschlichen Tätigkeit, ja Existenz verbunden ist, wozu auch die höhere Gewalt zählt) als GEGEBEN anzunehmen und als Grund für Zinsnahme zu sehen ist also in sich bereits unmenschlich. Denn ein Kreditgeber, so die überkommene Lehre, ist immer auch als ein Mit-Unternehmer anzusehen, er darf nicht das Risiko auf den Kreditnehmer abwälzen, weil er dann dessen Notlage ausnützt, wie es aber mit einem verzinsten Kredit geschähe. Nur dann ist Geldleihe menschengerecht.

Erstmals wurde in Bologna 1514 aber dieser mögliche Verlust als gerechter Grund akzeptiert, zumindest wurde Ecks Position nicht verboten. Das war für die Entwicklung des modernen Kapitalismus von entscheidender Bedeutung. Erstmals ließ die Kirche den Wucher offiziell zu. Und er trug fortan aus der Nähe von Eck und Fugger den Geruch der Korrumpierung.

Nun waren europäische Länder wie Spanien, England oder Frankreich wesentlich zentral verfaßt. Anders als Deutschland. Von dort flossen nämlich nun große Mengen an Geld (das damals praktisch ident mit Gold war) ab, was der deutschen Wirtschaft alles andere als gut bekam und Rezession auslöste. Geld floß aus dem Land und in hohem Maße nach Rom. Wir haben an dieser Stelle bereits von der entstandenen Synonymität von Geld und Blut geschrieben. Der Spruch mancher deutscher Wortführer, wie des Dichters Ulrich von Hutten, daß "Deutschland ausblute", hat sehr direkt damit zusammenängende Ursachen.  Otto von Flake schreibt in seiner Biographie über Hutten, wie sich bei diesem solche Ansichten auffällaned  parallel mit persönlichen Schicksalen zeigen. 

Hutten hatte sich mit der "französischen Krankheit" angesteckt, der Syphillis. Diese war von zurückkehrenden Seeleuten aus Lateinamerika (der interessierte Leser findet in diesem Blog eine eingehende Geschichte und Wesensanalyse der Syphillis, er möge das Stichwort nachschlagen) über die Spanier nach Italien und Frankreich gelangt, und nachdem des letzteren Landes König Karl VIII. in halb Europa engagiert war, wurde sie tatsächlich maßgeblich von seinen Soldaten verbreitet. 

Jakob Fugger, der in enormem Ausmaß sozial tätig war - die Sozialstandards in seinen Unternehmen halten selbst heutigen Sozialstaats-Ansprüchen locker stand; Fugger baute in Augsburg sogar bis heute vorbildhafte Siedlungen, die "Fuggerei", die seinen Arbeitern und deren Familien würdige Lebensumstände bringen sollten - errichtete daraufhin (zusammen mit den Welsern, einem weiteren mächtigen Handelshaus) mitten im Augsburger Armenviertel eine eigene Heilstätte für (arme) Syphilliskranke, das "Holzhaus". In der das damalige Wundermittel dagegen (gewonnen aus dem brasilianischen Guayak-Baum) zur Anwendung kam. Hutten, der zum Außenseiter wegen der abstoßenden Symptome der Krankheit geworden war, deren Geschwüre ständig näßten und "schlechtes Blut" absonderten, nahm es in Anspruch, und erfuhr tatsächlich Linderung. Aber nur kurzfristig. Nach einigen Monaten kehrten die Symptome zurück. Huttten fühlte sich zutiefst persönlich gedemütigt.

Man weiß heute, warum das so ist. Und in dieser nunmehr tertiären Phase greift die Syphilis das Gehirn an. Man beobachtet dabei symptomatische Persönlichkeitsschädigungen - wie Gedächtnisverlust und damit zusammenhängend Größenwahn. Psychologisch gesehen höchst interessant. Denn hier zeigen sich interessante Verbindungen zum über die Lebensweise erlittenen Kontrollverlust über die Sexualität in der "sexuellen Befreiung" des 19. und 20. Jhds. und geistigen Erscheinungen (im Narzißmus). Der Leser möge das nicht als obskure Thesen ansehen, die Dinge hängen komplex aber direkt zusammen.

Huttens weitere Gang als Sozialreformer und "Kritiker des Kapitalismus" - er war mittlerweile zum Sprecher des niedergegangenen Landadels ausgewählt worden - für den er nun vor allem die Fugger (und die Kirche) schuldig machte, erfährt unter diesen Erfahrungen seine definitive Ausprägung. Als Hutten nach Rom reiste, war er dort sogar noch einmal auf die Fugger angewiesen, die ihm sogar noch den Zugang zum Papst ermöglichten.

Hutter begann die Fugger, das Synonym des Kapitalismus im frühen 16. Jhd., die massiv im Südamerikahandel mitmischten, immer mehr zu hassen, wurde in Italien zum glühenden Deutschnationalen. Und identifizierte die Fugger als Todfeinde Deutschlands, machte sie zusammen mit den römischen Päpsten zu Hauptverantwortlichen für die sozialen Erschütterungen, die zu der Zeit ganz Deutschland ergriffen hatten, und im konkreten Fall, der auch Hutten betraf, zu einem totalen Niedergang des "durch den Kapitalismus" verarmten Landadels führten. Und weil man die wirtschaftlichen, finanztechnischen Zusammenhänge, die für den Uneingeweihten damals (und heute anders?) wie Mysterien aussehen, nicht mehr durchschaute, wurde alles zu dunklen Machenschaften des Teufels erklärt.

Hutten wurde so zu einem der Motoren der Reformation in Deutschland. Denn der Einfluß seiner Sichtweisen auf Ökonomie und Politik auf Luther wurde beträchtlich. Weil Luther, der nicht nur die finanztechnischen Konstellationen der Zeit ebenfalls nicht mehr durchschaute, schlichtweg die wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen 200 Jahre zu einem Rückschritt ins finstere, dämonische Heidentum erklärte. Er zog sich in die Wolken zurück, und erklärte 1520 angesichts der für ihn unentwirrbaren Zusammenhänge menschlichen Lebens einerseits das Leben des Bauern (im Mittelalter) zum Ideal, während er anderseits meinte, daß der geistliche Prediger sich um alle diese Dinge ohnehin gar nicht zu kümmern habe. Er habe nur die Schrift zu verkünden, und im übrigen solle jeder nach seinem Gewissen handeln. Wenn jemand es damit vereinbaren kann, Zinsen zu verlangen, dann solle er halt. Natur und Gnade hatten für Luther sowieso keinen Zusammenhang mehr. Wirtschaftsrationalität und Moral waren endgültig zwei völlig verschiedene Dinge geworden, deren ersteres für das Heil des Menschen bedeutungslos weil sowieso durch die Ursünde Teil einer rettungslos gefallenen Welt war. Zu versuchen, die Wirtschaftswelt moralisch zu machen, war für ihn "verlorene Liebesmüh." Am besten, schrieb er, macht man deshalb alles in bar. Dann braucht man keinen Kredit. Denn getreu der Sichtweisen Huttens war alles Kaufmännische ohnehin des Teufels und an allem Schuld. Damit konnte sich eine Kirche gar nicht befassen, ohne wie der Papst zum Anti-Christen zu werden.

Damit war dem Kapitalismus aber endgültig Tür und Tor weit weit geöffnet. Denn alles war erlaubt. Ja, der totale Raub des Kirchenguts, der in Deutschland einsetzte, war für Luther sogar eine heilsnotwendige Tat.





*101116*

Dienstag, 27. Dezember 2016

Ännchen von Tharau

Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut
Krankheit Verfolgung Betrübnis und Pein, soll unsrer Liebe Verknotigung sein.
So wird die Liebe erst mächtig und groß
nach manchem Leiden und traurigem Los.









*251216*

Vor dem Schrecklichen fürchtet man sich nicht

Es kann nicht unerwähnt bleiben, daß exakt dieselben Personen, die meinen, sie wären in ihrer Jugend mit einem "angsterfüllten Gottesbild" erfüllt worden - seltsam, denn der VdZ, der doch eine (kann man sagen) wirklich "eiserne" katholische Sozialisation (auch im straffen Religionsunterricht auf der angeblich knallharten Grundlage des alten Pichler-Katechismus) hinter sich hat, hat das nie so empfunden;L Angst hatte er höchstens, wenn er etwas "angestellt" hatte, und deshalb den strengen, durchdringenden Blick des legendären Dechants (man sprach von ihm wie von einem Heiligen) fürchtete - daß also diese selben Personen kein Problem damit haben, daß die gegenwärtigen politische, moralischen Sollensbilder von pausenlosen Angstbildern geprägt sind.

Angst vor dem Klimawandel, Angst vor Katastrophen allen möglichen Ausmaßes, aller möglichen Ursachen, Angst vor Hitler und noch einmal Hitler und noch einmal Hitler.

Das Verhältnis ist genau umgekehrt, geht es ans Gesollte, wie es der VdZ sieht. Je älter er wird, desto mehr wir dihm Gott als der "unfaßbar schreckliche Andere" bewußt, und je mehr das geschieht, desto näher fühlt er sich der "Erkenntnis". Ein wenig davon hat er auch im Umgang mit bestimmten Personen erfahren, die er äußerst hoch schätzt, ja weit weit über ihm sieht, denen er sich kaum zu nahen wagt(e), und die doch in einer noch nie sonst erlebten Liebe und Nachsicht antworteten.

Daß auch die Angsterstarrten, die nicht einmal mehr zu essen wagen, was ihnen ihr "appetitus naturalis" einflüstert, weil damit irgendwelche Weltkatastrophen ausgelöst werden, angeblich, dieses Erlebnis der Angenommenheit hätten hat der VdZ aber noch nie erfahren. Ihnen scheint alle Weltrettung, alle Erlösung auf ihren eigenen Schultern zu liegen.

Während es eine reale Erfahrung ist, daß die Schrecklichkeit Gottes, des Allmächtigen, eine wohltuende, ja wie ein Schauderbad des Wohlgefühls wirkende Dusche wirkt, weil sie einem von den eigenen Irrtümern befreit. Und mit welcher realen Macht! Nicht einmal die Apokalypse wird dann zum Angstbild, sondern zum Bild der Hoffnung, ohne Illusion über die Not, die es zu erleiden gilt.

Wer so eine "schreckliche" Liturgie noch nie erlebt hat, ist nur zu bedauern. Man geht aus ihr wie neugeboren in die Welt zurück.





*241116*

Antriebe zur Reformation (1)

Es ist eine Tatsache, daß spätestens mit dem Borgia-Papst Alexander VI. die römische Kirche - und viele Diözesen taten es ihr nach - weit über ihre Verhältnisse lebten, nicht zuletzt durch die ehrgeizigsten Bauprojekte, wie schließlich sogar den Beginn des Baus eines neuen Petersdomes. Das forderte enorme Geldmittel, die immer mehr durch Kredite aufgebracht wurden. 1484 sah sich Papst Innocenz VIII. sogar gezwungen, die Tiara gegen 100.000 Dukaten zu verpfänden. 

Aber wo einmal Geld gegen Zinsen geliehen wird, setzt sich eine Dynamik in Gang, die nach immer mehr Geld schreit. Denn die Zinsen fressen den laufenden Ertrag auf, wenn sie sich nicht überhaupt zu Zinseszinsen akkumulieren und dann die Schuld (samt Geldbedarf) in progressivem Verlauf wächst. Meist wurde frisches Geld schon nur noch dafür gebraucht, um alte Kredite zurückzuzahlen. Was bei den Fürsten und Königen Europas längst üblich war (deren Bankrott regelmäßig auch zu Bankenzusammenbrüchen führte, wie bei den Medici) hielt auch in der Kirche Einzug.

Auch wenn die offzielle Kirchenlehre Zinsen für geliehenes Geld als Wucher schwer verurteilte, zahlten die Päpste sehr wohl Zinsen an ihre Kreditgeber. Und als solche kristallisierten sich mehr und mehr große Handelsunternehmen heraus, wie die Fugger in Augsburg, die bereits ein einträgliches Bankgeschäft in ganz Europa aufgezogen hatten. Zu deren Hauptkunden bald der Kaiser gehörte, was den Fuggers im Gegenzug zahlreiche Privilegien und Monopolstellungen einbrachte, sodaß auch die Macht des Handelshauses enorm anwuchs.

Schließlich kam man auf die Idee, Ablässe gegen Geldspenden anzubieten. An sich ist die Gabe von Geld ja durchaus ein gottgefälliges Opfer. Als Buße gesetzt, kann es deshalb ohne theologische Bedenken auch als Opfer für einen Ablaß gesehen werden. Die Katastrophe setzte sich aber mit dem Umstand in Bewegung, daß die Kirche die Abfuhr der Ablässe ebenfalls den Fuggern als Monopol überließ. Und die betrieben es unter Jakob Fugger mit ungeheurer Professionalität. Mit jenem ungeheurem Geschäftssinn, mit der dieser das einst kleine Augsburger Handelshaus zum größten Unternehmen der damaligen Welt ausgebaut hatte, dessen Gewinne ihn ins Bankgeschäft brachten, sodaß er binnen weniger Jahre zum reichsten Mann der Welt aufstieg. 

Auch die Fugger waren durch Textilproduktion und -handel (Leinen) groß geworden, so wie die vormals dominierenden europäischen Bankhäuser (darunter die Medici) aus Florenz (mit Wollstoffen). Jakob Fugger hatte im Gegensatz zu anderen Kaufleuten aber sogar den Mut besessen, ins Bergbaugewerbe mit Eigenrisiko einzusteigen, für deren (technisch enorm vorangetriebenen) Ausbau er das Risiko übernahm, und die er für feste Zahlungen an die Regierenden pachtete. Bald besaß er zahlreiche Monopole, wie das auf Silber oder Kupfer. Und bald konnte der mittlerweile völlig überschuldete Kaiser Maximilian keinen Schritt mehr machen, ohne zuvor die Fugger um Finanzierung zu fragen. Gerade zu einem Zeitpunkt wo im Südosten die Türkengefahr immer drängender wurde!

Auch den Ablaß betrieben die Fugger aber mit derselben (schwäbischen) Professionalität wie alle ihre übrigen Gewerbe. Und so entstand fast notwendig und überall der gegen seinen theologischen Sinn gerichtete Eindruck, daß der "Ablaßhandel" schlicht ein Geschäft war, in dem Sündenvergebung gegen Geld zu "kaufen" war. Die Sache wird weiter fatal zugespitzt, als die Mainzer Bischöfe schließlich begannen, den Ablaß im Gegenzug für Kredite an Jakob Fugger sogar zu verpfänden. Wobei für Jakob Fugger nichts Anstößiges dabei war. Der ganze Ablaßhandel war für ihn noch dazu ein Geschäft, das kaum die Kosten hereinspielte. Fromm wie er war, war ihm höchstens der schon weit verbreitete liturgische Wildwuchs und Mißbrauch ein schweres Ärgernis.

Nun gab es aber nicht nur Diözesen, die sich verschuldeten. Es gab auch Diözesen, wie Brixen, die sehr reich waren, und deren Jahreseinnahmen ihre Reichtümer ständig vermehrten. Diesen boten die Fugger, die sogar bereits die päpstlichen Finanzen verwalteten (wie es zuvor die Medici getan hatten), einen festen Zinssatz von 5 % bei Verwaltung dieser Gelder, was die Bischöfe gerne annahmen. Auch wenn die Fugger (wir andere Häuser) längst "Christliche Juden" genannt wurden. Aber damit durchwucherte aber der Wende vom 15. auf das 16. Jhd. die somit korrumpierte Kirche nach und nach die stille Bereitschaft, Zinsnahme moralisch neu zu bewerten. 

In Bologna kam es schließlich 1515 zum öffentlich anberaumten Disput über den Wucher. In dem die Position des schon zum Reichsfürsten geadelten Fugger vom deutschen Theologen Johannes Eck vertreten wurde, dem enge Verbindungen zum Handelshaus nachzusagen sind. Man kann das durchaus auch aus einem gewissen inneren Konflit Jakob Fuggers heraus verstehen, denn der war einerseits zwar ein ungemein geviefter Geschäftsmann, aber auch ein tieffrommer Katholik und litt schwer unter Gewissenskonflikten. Auch er wollte Klarheit. 

Der Disput aber nahm einen folgenschweren Verlauf, der die innere Schwäche der Kirche schon anzeigt. Die mit den rasanten Entwicklungen des Wirtschaftslebens nicht mehr mitgehalten hatte. Denn eine Wirtschaftstheorie, eine Wirtschaftswissenschaft gab es nicht. Nach wie vor wurde Zins und Wucher als eine reine Angelegenheit der Moralphilosophie angesehen. Unter Ecks fulminantem Vortrag über die Komplexität und Mechanismen der modernen Wirtschaft (wie er sie bei den Fuggern kannte) wurde erstmals Zinsnahme für zukünftiges Risiko als "gerecht" angesehen. 5 % Zinsen, war der Befund, war moralisch in jedem Fall gerechtfertigt. Damit war dem Wucher Tür und Tor geöffnet. Papst Leo X. sah das alles ohnehin nur als einen unbedeutenden "Streit unter Mönchen". Die bereits tief in Geldgeschäfte verwickelte, damit durch Schuld paralysierte Kirche hatte genug damit zu tun, sich finanziell über Wasser zu halten und war über die Findigkeit ihrer Finanziers nicht unglücklich.



Morgen Teil 2) Antikapitalismus als Motiv der Reformation





*101116*

Montag, 26. Dezember 2016

Und seien es nur Momente der Schönheit gewesen

Gestern stürzte das Flugzeug, in der der Chor der Roten Armee saß, auf dem Weg nach Syrien über dem Schwarzen Meer ab. Alle Insassen kamen ums Leben. Der VdZ verdankt diesem Chor viel. Seine ersten Auftritte als Sänger, mit russischen Volksliedern, er war 15, 16, 17, waren von der von ihnen übermittelten Stimmung der Russichen Seele getragen.  R. i. p. Herr, hab sie selig. Die Schönheit durchklingen zu lassen ist so viel an Kreuz, an Öffnung zum Himmel. Sei es für Momente, aber, Herre, was könnten wir mehr für das Reich Gottes auf Erden tun? Worauf sollte sich Kunst den sonst als Hoffnung stützen? Parce nobis, Domine!


Ilja Repin, Die Wolgatreidler - "Eij uch nem ..."

Wer aber je ein Volk verstehen wolle, der höre auf seine Musik. Oh ja, es gab viel Schrecken, den die Rote Armee vgerbreeitete, viel Unmenschlichkeit. Aber der Vater des VdZ hat immer betont, und durch sein politisches Handeln bewiesen, daß er keinen Feind je getroffen habe, der nach 1945 so auf Menschlichkeit und Vernunft angesprochen werden konnte. Und er kannte auch gut die Franzosen und die Amerikaner ...









*251216*

Lassen Sie sich nicht verrückt machen

Zum Jahreswechsel überschlagen sich stets die Vorhersagen und apokalyptischen Kaffeesudlesereien, mit denen so manche ihre Kasse aufbessern möchten und die nie zu beseitigende Ungewißheit über das Kommende auszunützen. Nicht zuletzt, um andere dominieren zu können. Lassen Sie sich nicht verrückt machen, und schauen Sie einfach auf das, was ist.


Grundlegende KlimaFAKTEN:
 
● Die globalen Temperaturen sind Satellitendaten zufolge seit etwa 18 Jahren gleich geblieben, und in der begutachteten Literatur werden die Prophezeiungen einer zukünftigen Erwärmung zurückgestuft.
● Seit 2005 ist kein Hurrikan der Stärke 3 oder mehr auf das US-Festland übergetreten – das ist der längste Zeitraum ohne ein solches Ereignis seit dem Bürgerkrieg
● Starke Tornados F3 oder mehr nehmen seit den siebziger Jahren immer weiter ab.
● Trotz Behauptungen, dass Schnee ,ein Ding der Vergangenheit' sei, hat der Schneefall in der kalten Jahreszeit zugenommen.
● Die Raten des Meeresspiegel-Anstiegs sind seit über einem Jahrhundert stabil mit einer Abschwächung in letzter Zeit.
● Dürren und Überschwemmungen sind weder historisch ungewöhnlich noch vom Menschen verursacht, und es gibt keinerlei Hinweise, dass wir gegenwärtig ungewöhnliches Wetter haben.
● Behauptungen bzgl. so genannter heißesten Jahre basieren auf Temperaturdaten, die sich von Jahr zu Jahr nur um wenige HUNDERTSTEL Grad unterscheiden – Unterschiede, die innerhalb der Fehlergrenze in den Daten liegen. Mit anderen Worten, die globalen Temperaturen sind im Wesentlichen sehr stetig verlaufen ohne irgendwelche Anzeichen von Beschleunigung.
● Einer NASA-Studie aus dem Jahr 2015 zufolge verliert die Antarktis NICHT an Eismenge und trägt ,gegenwärtig nicht zum Anstieg des Meeresspiegels bei'.
● Im Jahre 2016 war die Eisausdehnung in der Arktis um 22% größer als das jüngste Minimum aus dem Jahr 2012. Das arktische Meereis befindet sich derzeit in einem 10-Jahre-,Stillstand' ohne signifikante Änderungen im vorigen Jahrzehnt.
● Todesfälle durch Extremwetter haben dramatisch abgenommen.
● Den Eisbären geht es gut mit stark steigender Population seit den sechziger Jahren. 



Climate Depot und dem Committee for a Constructive Tomorrow CFACT
- Klimazustandsbericht 2016




*281116*

Vom Überleben einer guten Idee

Daß das erstmals in Florenz stabil eingerichtete "monte di pieta" - eine Pfandleihanstalt für den kleinen Mann, gewissermaßen, zumindest ursprünglich so gedacht, die lediglich auf Basis von Kostendeckung Arme und Notleidende durch Kredite unterstützen sollte - sich auch über die Wirren des 16. Jhds. halten konnte hatte es einem Zusammenspiel von Faktoren zu verdanken. Die allesamt in seiner Ursprüngsidee wurzelten, dem Verzicht auf Wucher durch Zinsen. Der vor allem die tödlichste Falle jedes Zinsgeschäfts vermied: Die der Zinsakkumulation, also dem Zinseszins, in dem nicht bezahlte Zinsen dem Kapital zugeschlagen und selbste wiederum verzinst wurden. Bei Kreditzinsen von 40 oder 50 %, wie sie die jüdischen Banken verlangten, war das überhaupt absolut tödlich, und die Überschuldung (und damti Versklavung) eines Kreditnehmers schon nach kurzer Zeit eingetreten.

Aber auch in Kriegen und Notständen war das Florentiner "monte di pieta" stabil geblieben, hatte alle und alles überlebt. Während die übrigen Florentiner Banken (Florenz war zwar nicht mehr DIE Geldzentrale Europas, aber immer noch ein wichtiger Finanzplatz; eine Kredefähigkeit, die sich ausschließlich auf menschliche Arbeit und frühere Wertschöpfung mit Kapitalakkumulation bei gleichzeitigen Niedriglöhnen zurückführte), die sich auf Kredite an Prinzen und Regenten spezialisiert hatten, immer wieder um ihre Rückzahlungen fielen. Das hatte vielen Banken schon das Genick gebrochen. 

Denn im Grunde war auf Dauer KEIN Regent zahlungsfähig, und selten überhaupt zahlungswillig, das stellte sich bald heraus. Dennoch setzte überall und bald ein tödlicher Kreislauf in Bewegung, in dem immer weitere Kredite schon deshalb nicht mehr verweigert werden konnten, weil die Rückzahlung der alten (oder wenigstens der Zinsen daraus) anders nicht mehr möglich gewesen wäre. Damit wäre auch der Kreditgeber bankrott gewesen! Staaten, Regierungen, Prinzen waren sehr rasch "too big to fail". Irgendwann "erwischte es jeden", und dank seiner Macht entledigte er sich irgendwann auch einfach seiner Schulden. Die Medici hatten im späten 15. Jhd. genau das in London und Brügge erlebt, und das Florentiner Stammhaus war im Grunde ebenfalls daran mitgefallen, hätte sich Cosimo nicht an der Staatskasse bedient. (So, wie eben jeder Liberal-Kapitalismus endet, der den "Markt" zu einem gottähnlichen Mythos erhebt. Und die Verbindung von Magie, Esoterik, Gnosis und Kapitalismus ist einfach unübersehbar, beide haben dieselbe geistige Wurzel.) 

Und zwar allerspätestens dann, nachdem das Spiel Kredite = Steuern irgendwann zu einem allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang mit Arbeitslosigkeit, Unproduktivität und Armut breiter Schichten geführt hatte. Auch das ein Automatismus, der sich aus dem Zinswucher ergibt, den deshalb immer und überall spätestens in seinem Spätstadium eine politisch initiierte SEXUELLE BEFREIUNG begleitet. Weil diese nichts anderes bewirkt als die leichtere Lenkbarkeit der Bevölkerung TROTZ der immer sklavenartigeren Lebensbedingungen. Gendering und damit zusammenhängend LesbianBiGayTrans (LBGT) ist deshalb nichts anderes als das finale Stadium TOTALER Volksmanipulation durch die Symbiose von Staat und Großkapital. (Wir werden darüber noch gesondert handeln, um diese Zusammenhänge leichter begreifbar zu machen.)

Da kamen diese Wohltätigkeits-Banken gerade recht. Savonarola wurde ohnehin bald nach seinem Tod immer mehr als Heiliger oder Prophet behandelt, postum von vielen wieder glorifizeirt, die sich nach den Jahren unter seinen Reformen zurücksehnten, wo sich so viele Probleme gelöst hatten. 

Diese Monte mit ihren niedrigen Zinsen bzw. Gebühren (gegen die auch die Kirche keine Einwände hatte) waren ja auch in anderen Hinsichten interessant. Und bald bedienten sich die Florentiner Regenten (die Medici waren 1512 wieder zurückgekehrt) der billigen Kredite des Monte, um sich nämlich selbst zu refinanzieren. Um das Problem des Kapitalnachschubs zu lindern, gestattete die Stadtregierung, daß es seinen Geldgebern selbst Zinsen von 5 % bezahlte. Das war zwar deutlich weniger als jüdische Häuser boten, dafür aber war wie gesagt das Monte stabil und sicher. Seinen Kreditnehmern verrechnete es ebenfalls 5 %, allerdings nicht kumulativ, wenn sie kleine Kredite benötigten. Der Satz stieg erst mit der Kreditsumme bis auf 7,5 %. 

Bald wurde auch in Siena eine Filiale eingerichtet, und ab da nahm diese Pfandleihanstalt einen großen Aufschwung. Denn nach wie vor verweigerte sie sich spekulativen Geldgeschäften, und lieh bis zur Hälfte seines Kapitals in Form von Unternehmensbeteiligungen (trug also das Geschäftsrisiko mit), landwirtschaftliche Anbauprojekte, oder in Hypothekargeschäfte. Die andere Hälfte blieb immer den Kleinkrediten für Arme vorbehalten. So wuchs der Geschäftsumfang beträchtlich, obwohl die Wirtschaftslage alles andere als gut war. 

Durch die Überschuldung bei jüdischen Pfandleihanstalten VOR Savonarolas Reformen (ab 1492/94 bis 1498) bei gleichzeitig zu niedrigen Löhnen durch die brutale Geschäftsführung der Florentiner Tuchproduzenten (denn Tuch - Wolle und Seide - war seit langem das einzige Hauptgeschäft in Florenz) waren ja nicht nur die einfachen Leute hoffnungslos verschuldet, sondern auch viele Bauern hatten ihre Höfe aufgebeben - es gab also zu wenig Lebensmittelproduktion - und immer mehr Handwerker waren ausgewandert, um der Überschuldung zu entkommen, die ihnen keine Luft mehr zum Atmen ließ, sie versklavt hatte. Weil sich durch die international immer schärfere Konkurrenz (wobei die Verquickung von Krediten an den englischen König mit gleichzeitiger Abhängigkeit von englischen Wolllieferungen eine eigene Geschichte ist) trotz Lohnkürzungen (die den Arbeitern die Basis zum Leben nahm) bei gleichzeitiger hoher Besteuerung war ein Wirtschaftsbetrieb wenig verlockend. Wenn sich doch gleichzeitig mit reinen und überregionalen Geldgeschäften viel mehr verdienen ließ.

So hatten die Florentiner aufgehört, in die Wirtschaft zu investieren. Die bloßen Geldgeschäfte waren ausreichend, um reich zu werden. Hier also liehen sie bald immer mehr von den (karitativen) Monte, die per Gesetz gewissermaßen dazu gezwungen wurden, dort verliehen sie an Kreditsuchende, und das waren nach wie vor Regierungen und Prinzen. Auch Florenz selber. So verschmolz mit der Zeit der Staatshaushalt bzw. die Staatsschulden mit den Bilanzen des Instituts, wurden ununterscheidbar.  Als die Medici 1731 endgültig ausstarben, und die Habsburger die Toskana regierten, wurde versucht, das wieder zu trennen, um die ursprünglich so wichtige soziale Funktion der Monte zu sichern. Aber es war gar nicht mehr möglich, also wurden neue Anstalten gegründet.

Mittlerweile aber hatten sich Institute wie das Florentiner Monte überall gebildet, und es fand seine Nachahmer bis in unsere Tage, wo sich seine Ursprungsidee aber leider schon bis zur Unkenntlichkeit verwaschen hat. Denn sie haben sich allesamt längst ins spekulative Finanzgeschäft begeben, und damit eigetnlich ihre Gründungsidee verraten. Soziale, ja wohltätige Aspekte sind reinem Gewinnstreben gewichen. Ja mehr noch, sie alle sind mehr und mehr zu Kreditgebern der Regierungen geworden. Aber die Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken sind ursprünglich ihrem Vorbild nach entstanden - nach jenem Vorbild, das Savonarola (und die Franziskaner und Dominikaner Norditaliens) erfunden hatten, um dem klienen Mann die Chance zu geben, dem Wucher der meist jüdischen Pfandleihanstalten und Banken zu entkommen.





*281016*

Sonntag, 25. Dezember 2016

Weihnachten 2016






Allen Lesern dieses Blog ein frohes, 
friedvolles Weihnachtsfest 2016!

Samstag, 24. Dezember 2016

Transeamus usque Bethlehem!

Ergriffen stand der VdZ diesen Sommer in Eisersdorf nahe Glatz, in der schlichten Kirche inmitten des überdachten Rundgangs, auf dessen Wänden alten Grabplatten angebracht sind, nach wie vor (der eigentliche Friedhof zeigt kein einziges deutsches Grabmal mehr), die zu zwei Dritteln ihm bekannte Namen tragen, damit zeigten, wie eng und tief seine Vorfahren - er selbst - hier verwurzelt waren, vor jener Empore, auf der - wie in so vielen schlesischen Kirchen - der Großvater jedes Jahr zur Mitternachtsmette das "Transeamus" hinausgesungen hatte. "Heast Seppale ned de Schoafschella klinga," habe er die Pausen der Singstimme mit spontanem Spiel gefüllt, hat die Mutter aus ihrer Kindheit in Eisersdorf erzählt.

Transeamus usque Bethelehem, 
et videamus hoc verbum quod factum est!









*241116*

Ist das Friede?

"Liebt der den Frieden, der passiv alles hinnimmt, der sich rein passiv verhält gegenüber jeder Unterminierung, des Sich-lähmens durch Furcht, durch Verlust der Freiheit, Vernichtung der Familie, Vernichtung religiösen Lebens? Liebt ein Volk den Frieden, das sich durch ein anderes unterwerfen läßt? Ist Frieden nichts anders als der Gegensatz von Krieg? 

Wäre dem so, dann würde Sklaverei und Kirchhofsruhe auch Frieden sein. Aber dagegen bäumt sich das Beste in unserem Inneren auf. Unser inneres Gefühl sagt uns: Friede ohne Freiheit ist kein Friede! Einen solchen Kirchhofsfrieden, einen solchen Frieden der Sklaverei können die himmlischen Heerscharen nicht gemeint haben, als sie in der Heiligen Nacht den Hirten auf dem Felde die Geburt des Heilands verkündigten."

Konrad Adenauer in seiner Weihnachtsansprache 1952




*051016*

Freitag, 23. Dezember 2016

Wie man eine Kultur beherrscht

Die Geschichte der modernen Psychologie ist im Grunde eine einzige Geschichte von Techniken, die Psyche eines Menschen zu manipulieren. Und dieser Wille zur Dominierung ist ihr Antrieb gewesen, der einhergeht mit einem Versuch, auf anderen Wegen nicht gelingende Weltbewegung und -bestimmung auf anderen Wegen zu erreichen. E. Michael Jones zeigt in "Libido Dominandi - Die Lust andere zu dominieren" von einer ganz anderen Seite, was an dieser Stelle schon oft als Befund über unsere Zeit dargelegt wurde. Er zeigt jene Zusammenhänge, aus denen heraus die Herrschaft über die Triebe als massivster Grund für die Geschlossenheit und Organizität der Völker, Kulturen, Staaten, ja aller menschlichen Organismen und damit als stärkste Gegenwehr gegen Manipulation - als Eckpfeiler der Freiheit nämlich - erkannt wurde.

Damit wurde die Moral - und hier besonders die Sexualmoral - als Hauptfeind erkannt, will man in eine Gesellschaft einbrechen und sie beherrschen. Das hat (beginnend mit entsprechendem Theoriewerk bei Wilhelm Reich u. a.) dazu geführt, daß gesehen wurde, daß nur moralisch geschwächte Menschen auch beherrschbar wurden. Eine besondere Rolle kam dabei den Frauen zu. Denn Reich hatte erkannt, daß sich die Moral der Frauen dadurch bestimmen läßt, indem man über "Masse" arbeitet. Ist es doch das Wesen des Weiblichen, als Allgemeines nur über Wort (Mann) zum Individuellen geformt werden zu können.

Das zweite Ziel ergibt sich aus dem ersten. Denn diese Einbehörigkeit in das Massenhafte steht am Anfang jeder menschlichen Entwicklung, ist also jedem Kind eigen. Das sich erst im Laufe seiner Erwachsenwerdung (Erziehung) zu jener Selbstbestimmtheit erheben kann, die auch die Fähigkeit zur Freiheit bedeutet. In welcher der Mensch dann nach Vernunft und logos (Sinn) urteilen und handeln kann.

Massivster Hebel dabei ist die Schulderfahrung. Denn weil der Mensch in seiner Natur Vernunftwesen ist, erfährt er die Beherrschtheit von Trieben als Verstoß gegen seine Natur, also als Schuld. Ihm bleibt nur noch die Gewalt als Bündnis mit der Macht, um noch direkt Welt bewegen zu können (und nicht nur bewegt zu werden.) Schuld war lästig. Sie wurde also von der stets dienstbereiten Psychologie zu einem rein psycholgisch-repressiven, implantierten Mechanismus der Fremdherrschaft erklärt. (Man sieht eben den anderen so, wie man selber ist.)

Nachdem nun der Verlust der Freiheit die Folge der Herrschaft der Leidenschaften ist, jeder aber diese mächtigen Antriebe erlebte, zugleich erlebte, daß sie zu beherrschen viel Kraft kosteten, mußte dieser Konnex - vereint mit der Dämonisierung der menschlichen Willenskraft und Vernunft (wozu sich das Hitler- und vor allem das Holocaust-Trauma, das 1945 die Welt mit einer apokalyptischen Situation konfrontierte: nichts schien mehr zu gehen, alles schien falsch gewesen zu sein, hervorragend eignete) - zur These führen, daß Freiheit als eigentliches Ziel auch Freiheit von allen Triebbeschränkungen weil von jener Vernunft bedeute, die zu dieser Apokalypse "nachweislich" geführt habe. 

Damit war der Schuldige nicht menschliches Fehlverhalten, sondern eine genuin kulturelle Verfaßtheit: die der Vernunft, die das Abendland aufgebaut und zu diesem Trauma geführt hatte. Der "sexuellen Befreiung" ab den 1950er Jahren war damit weit das Tor geöffnet. Die menschliche Natur wurde umdefiniert, und nicht zufällig kamen zu dieser Zeit immer mehr "Studien" (Kinsey-Report etc.) an die Öffentlichkeit, die "bewiesen", daß die Natur des Menschen (als Allgemeinheit) ganz anders sei als bislang behauptet wurde. Massenhaft kam pseudowissenschaftliche Literatur (vieles davon nachweislich gefälscht, wie Margaret Meads einflußreiche "Forschungen" bei den Samoa-Bewohnern) auf den Markt, die angeblich "glückliche Völker" gefunden hatte, die glücklich waren, weil man dort die sexuelle Energie "frei ließe". Reich behauptete sogar den Beweis zu liefern, daß "repressive Sexualität" und Krebs in ursächlichem Zusammehang stünden. Neue Mythen, neue anthropologische Kriterien entstanden, die mit massivem "Gewißheitsdruck" jede Moral ächteten, ja als Anschlag auf die menschliche Freiheit verurteilten.

Vor allem die jungen Menschen waren dabei leicht zu überzeugen. Denn sie erlebten ja tatsächlich die Kraft der Sexualität als ungebändigt, und waren in einer immer mehr aufgelösten Erziehungsumwelt mit immer schwächerer Persönlichkeit immer weniger in der Lage, diese Kräfte in ihre Vernunfthoheit zu integrieren.

Das war der Startschuß für totale Entschränkung sexuellen Verhaltens. Nun war Obszönität, Unkeuschheit mit Freiheit konnotiert und zum obersten Wert sogar des "Friedens" erklärt. Empfängnisverhütung und Abtreibung wurden zu Akten der Freiheit, des Guten, Pornographie zum Ausweis der Freiheit. Erstmals wurde in den 1950er Jahren die Verbreitung von Schamlosigkeit und Pornographie sogar als "Meinungsfreiheit" definiert.

Und damit wurde alles losgetreten, was wir heute erleben. Mit vielen Zusammenhängen und Teilvorgängen. Zumal sich - wie auch sonst - eine gewisse Frustration einstellte. "Befreite", zügellose Sexualität brachte die Menschen keineswegs zu jenen Glücksvisionen, die man in Aussicht gestellt hatte. Das Leben wollte "trotzdem" nicht recht gelingen, ja gelang immer weniger. Also mußte es Schuldige geben. Das war die Geburt der "political correctness", und mit ihr aller Theorien (allem voran Genderismus; Multikulturalität etc.), die eine Auflösung aller Seinsheiten - von allem, das "etwas Bestimmtes ist" (nur das "ist" ja) - forderte, weil diese dem menschlichen Glück im Wege stehen. 

Das Aufkommen des Horror als Massen-Filmgenre ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Denn nun war tatsächlich in jedem ein großes Unbekanntes vorhanden, vor dem es zu Fürchten galt, weil es alles vernichten konnte - das "Alien-Monster" war geboren, das aus den unendlichen unbekannten Weiten des dunkelen Weltalls kam, oder aus den Gräbern der Vergangenheit, noch mehr aber aus den Tiefen des Bösen zu uns stieg. Hier konnte das innere Fühlen, daß die sexuelle Revolution ein Horor war, auf eine (kathartische) Weise ausgedrückt werden, was nicht dem geltenden "neuen" Moralcodex - daß sexuelle Befreiung gut zu sein habe - widersprach.

Wie schon so oft sei auch hier gesagt: Man höre auf die Kunst! Vor allem aber müßte an sie - weil den Menschen - natürlich dazu einmal verstehen, um sie auch deuten zu können. Diese Verstehensmöglichkeit ist heute fast völlig verschwunden. Die Humanwissenschaften stehen vor ihrem sichtbaren Bankrott, ihre Techniken die die Menschheit bessern sollten, haben auf ganzer Linie versagt, was als Reaktion den Schritt zum Irrationalen nach sich zog.

Der Schritt zur Aushebung der Väter war ein fast nebenher durchzuführender, politisch ganz leicht zu setzender Schritt, der in den 1970ern bei uns auch ganz offen gesetzt wurde. Und er war immer besser durch nachkommende Generationen abgesichert, die bereits in diesen Thesen zur Sklaven ihrer Leidenschaften hinerzogen worden waren. Um die Familien definitiv aufzubrechen, mußte also auch ihr Kopf, der Mann und Vater, beseitigt werden - die Identität, die Festlegung, der Begriff, der Name. Alles fiel, der letzte Rest fällt gerade. 

Mit einer ganz unheilvollen Rolle der Universitäten dabei. Mittlerweile ist es so, daß ganze Studentengenerationen als Teil einer amorphen Masse, unfrei geworden, erfahren, daß sie nur dann Wirkmöglichkeiten haben, wenn sie sich zum Teil des etablierten Apparats machen. Ja, als Teil davon erfahren sie sogar Aufwertung sowie den Freibrief, nicht Dazugehörige zu dominieren. Und Wille zur Dominierung - egal worin, egal wie - ist das hervorragendste Merkmal ganzer Absolventengenerationen geworden. Universitäten sind heute Anstalten der Gehirnwäsche geworden, die jedem Studenten übergestülpt wird, und sie kratzen ganz offen sogar schon an der Grenze, überhaupt die Vernunft abzuschaffen ("Post Normal Science").

Die Beseitigung sämtlicher kulturellen und religiösen Strukturen und Institutionen war nur noch eine logische Folge, die auf keinerlei politischen Widerstand mehr stieß. Weil diese Strategien der Zerstörung mittlerweile so weit immanentisiert wurden, daß sich die Menschen mittlerweile selbst zerstören - und meinen, sich zu befreien. Weil das natürlich nicht gelingt, die Theorie aber keine andere Erklärung liefert, muß es dafür Schuldige geben. Und das ist der Grund für die zunehmende Brutalisierung dessen, was als "Establishment" auch an dieser Stelle im Grunde gemeint ist, die mit immer mehr Gewalt ihre Befreiungs- und Rettungstheorien - die allesamt ihre "Gutheit" (im Rahmen eines Vermassungsphänomens) behaupten, ja anzuerkennen verlangen (und nur darum geht es ja, die Inhalte sind beliebig und völlig nebensächlich, völliger Wirklichkeitsverlust ist die Folge) - durchsetzen zu müssen meint.

Der praktische Nutzen daraus liegt auf der Hand: Niemand ist so leicht manipulierbar wie jemand, der in Schuld verharrt (zumal er noch überzeugt ist - verankert in der Zugehörigkeit zur "Mutter", von der loszureißen den Sturz ins "Nichts" bedeuten würde, schon gar, wenn seine Vernunft mangelhaft ausgebildet ist -, daß sein Zustand richtig weil "natürlich" sei), und Sklave seiner Leidenschaften ist.  Nach und nach wurden auf diesem Weg alle kulturellen Tugenden zu Untugenden, wurde Unnatürliches zum Natürlichen, vormalig Natürliches zum Bösen erklärt.

Den theoretischen Unterbau dazu lieferte die Psychologie, die alle diese Ansätze scheinbar "wissenschaftlich" zu einer neuen Anthropologie formte und damit eine neue (mechanistische, materialistische) Psychologie als Manipulationstechnik begründete, die vor allem den Geist aus der Welt disputieren, dennoch aber "Ergebnisse" garantieren mußte. Geist war nur noch "Epiphänomen", nur eine andere Sicht rein physiologischer Vorgänge, Psychotherapie Technik der Manipulation seiner selbst und anderer.

E. Michael Jones in einem nächsten Vortrag, in dem er seine Thesen präzise und logisch sehr einfach nachvollziehbar zusammenfaßt. Das Buch "Libido Dominandi" selbst kann der VdZ nur wärmstens zur Lektüre empfehlen. Denn es öffnet wahrlich die Augen und ist Pflichtlektüre, will man die Gegenwart verstehen.








*241116*

Die Frage nach der Mutterschaft

Hanna-Barbasr Gerl-Falkovitz in einer Betrachtung über die Gottesmutter (Gottesbebärerin) Maria. Je näher man dieser Frage Mariens kommt, desto näher muß man der Frage Jesu kommen. Ohne Maria, ohne Mutterschaft kann Kirche nicht verstanden werden.








*231016*

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Naturschützender Effekt durch Kultivierung

Eine von der University of Arizona and Penn State begonnene historische Untersuchung (u. a. an Baumringen) in Kalifornien über die letzten 415 Jahre brachte deutliche Hinweise, daß die Art, Größe und Zerstörungskraft der Busch- und Waldbrände mit der Art zusammenhängen, wie die Landschaft bewirtschaftet wird, und nicht mit klimatischen Einflüssen. Wird eine Landschaft intensiv genützt, wird damit auch einem potentiellen Feuer Nahrung entzogen. Ausbrechende Waldbrände bleiben dadurch begrenzt und weit weniger schwer, sie können sich auch nicht über Wiesen, die von altem, langem, trockenem Gras oder Unterholz bestanden sind, ausbreiten. Einen ähnlichen Effekt hatte auch die traditionelle Brandrodung der Indianer.

Historisch läßt sich zeigen, daß in Phasen, wo diese Bewirtschaftung zurückging oder gar aufgegeben wurde, auch die Brände in der Schwere zunahmen. Während sich zwischen Klimaverhältnissen - Trockenheit, Feuchte, etc. - und Bränden keine Zusammenhänge finden, Brände sind davon unabhängig. Dafür zeigt sich, daß etwa der Rückgang der indianischen Bevölkerung nach der Zuwanderung der Spanier im 18. Jhd. mit dem Rückgang der Bewirtschaftung auch einen Anstieg der Zahl der schweren Waldbränden nach sich zog. Dasselbe läßt sich umgekehrt über Gebiete sagen, die temporär intensiv genutzt wurden, wie beim Goldrausch im 19. Jhd.. Der dadurch erhöhte Bedarf an landwirtschaftflicher Nutzung und Holz aus den Wäldern ließ die großen Brände zurückgehen. Und als 1904 die amerikanische Regierung gezielte Brandbekämpfungsprogramme auf öffentlichem Land startete, gingen die Feuer ebenfalls deutlich zurück.

Seit 1980 steigen die schweren Brände in Kalifornien wieder. Warum das so sein könnte, erwähnt der Artikel über die Studie nicht, es könnte viele Gründe dafür geben, eigentlich alle hänge mit menschlicher Tätigkeit zusammen. Aus anderen Studien (die auch auf diesen Seiten besprochen wurden, soweit erinnerlich) im Yosemite Nationalpark im selben Kalifornien könnte man aber ergänzen, daß damals eine "Umweltschutzupolitik" einsetzte, die die Wälder schützen wollte und "in Naturzustand" beließ. In der Meinung, damit etwas Gutes zu tun, bekämpfte man jeden noch so kleinen Brand sofort. Der gegenteilige Effekt trat ein. Die Zahl der Kleinbrände fiel, aber die der verheerenden Großbrände stieg, und man wußte lange nicht, wie das zusammenhing. Bis man vor einigen Jahren die Strategie änderte und kleinere und häufigere Brände wieder zuließ, nicht sofort bekämpft. Das hatte im Yosemite-Nationalpark tatsächlich den Effekt der Reduktion von katastrophalen Großereignissen. 

Man weiß heute, daß es zwar durch die intensive Brandbekämpfung über 50 Jahre bis 1980 kaum zu Großbränden gekommen war, daß genau damit aber zusammenhängt, daß die Situation wieder eskalierte. Denn vor dieser menschlichen Unterdrückung aller Brände ist der Yosemite-Wald von sich aus (Blitzschlag etc.) alle 25 Jahre vollständig niedergebrannt, um sich jedesmal wieder zu regenerieren. Nicht in einem Stück, aber insgesamt betrachtet. Heute versucht man, diesen autochthonen Zustand der Selbsterhaltung des Waldes annähernd wieder herzustellen.

Denn nicht nur die Feuer, auch ihre Art ist dann unterschiedlich. Die häufiger ausbrechenden lokalen Brände sind eher bodennah weil Ereignisse, die sich durch eine Art "Schachbrettmuster" aus abgebrannten und voll bewachsenen Flächen selbst begrenzen. Während katastrophische Großbrände die Zerstörung der Walddächer (also der Baumkronen) bewirken, sodaß eine Regeneration anders verläuft und schwieriger ist. Außerdem hommogenisieren sich dann die Flächen, und bereiten so den Boden für nächste Superbrände. Aus Kanadas und Sibiriens Tundrenwäldern weiß man ja  mittlerweile sogar, daß die Samen manche Fichtenarten diese Feuer brauchen, um auszutreiben zu können.(Auch darüber wurde hier berichtet.)

Es liegt also nahe anzunehmen, daß auch die Zunahme der schweren Waldbrände in Kalifornien seit 1980 einer allzu strikten Katastrophenverhinderungspolitik (und keiner Klimaveränderung o. ä.) zuzuschreiben sind. In jedem Fall ist zu erkennen, daß die Veränderung der Intensität der Waldbrände mit menschlicher Tätigkeit zusammenhängt, von klimatischen Veränderungen aber unbeeinflußt ist. Denn in jedem Fall ist klar, daß der in Kultur oder Zivilisation ausgeübte menschliche Einfluß auf die Landschaft mit ihrem Wetter korrespondiert, und zwar in jeder Richtung. Wie diese Zusammenhänge aber genau aussehen weiß man nicht wirklich.





*161116*

Sozialreform als Kampf gegen den Wucher (4)

Teil 4) Das Ende - ein Passion, 
deren Folgen das ganze Abendland furchtbar betreffen





Erst trieb man ihn in einer Gasse aus Menschen zum Gefängnis. Immer wieder schlug man ihn, um dann zu fragen: "Na, sagt uns doch, wer hat dich geschlagen, du bist doch ein Prophet?" Nachdem man ihn ins Gefängnis gebracht hatte, erstellte der Stadtrat das Tribunal für seinen Prozeß. Als oberster Richter wurde der bereits genannte Doffo Spini eingesetzt. Wie es damals üblich war, wurde dem Prozeß aber die Folter vorangestellt. Savonarola brach unter der Tortur zusammen und "gestand" (wie es unter Folter üblich ist) alles - auch, daß er ein falscher Prophet sei. Das war sein Todesurteil.

Zuvor aber sollte er noch offiziell aller kirchlichen Würden entkleidet werden. Papst Alexander sandte für diesen Akt den in ganz Italien als "Romolino" bekannten Bischof von Lerida nach Florenz, um Richter, Jury und Exekutor zugleich zu sein. Aus Dankbarkeit sandten die Reichen der Stadt diesem eine als Page verkleidete Hure in sein Schlafgemach, von der der Bischof so begeistert war, daß er sie im Anschluß nach Lerida mitnahm.

Romolino verkündete nun formell die Kirchenstrafe. In der er den Dominikaner "aus der streitenden und triumphierenden Kirche verstieß", woraufhin der gebrochene Mönch erwiderte: "Von der streitenden Kirche magst du mich ausschließen, aber nicht von der trimuphierenden!" 

Um ihre Milde und Güte zu beweisen, verkündeten nun die Richter, daß sie Savonarola und zwei seiner engsten Mitarbeiter, die allesamt der Häresie und der Kirchenspaltung für schuldig befunden wurden, daß sie erhängt würden, ehe ihre Leiber auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden würden. Als man den Galgen für Savonarola errichtet hatte, hatte dieser eine so seltsame Form, daß die Leute raunte, daß er wie ein Kreuz aussehe - Gerüchte verbreiteten sich, daß er gekreuzigt werden solle. Als das den Stadtvätern zu Ohren kam, schickten sie einen Tischler zum Richtplatz, der mit einer Säge diese seltsame Kreuzform durch Kappen des senkrechten Balkens beseitigte. 

Es war soweit. Man legte allen dreien die Schlinge um den Hals, und ließ sie fallen. Aber die Seile waren so schlecht, naß und steif, daß sich die Schlingen nicht zuzogen. Damit brach nicht, wie beim Hängen intendiert, jeweils das Genick, sondern alle drei wurden mehr oder weniger langsam erdrosselt. Frater Silvestro, der Assistent von Savonarola, stieß dabei lange Zeit immer wieder das Wort "Jesus!" aus, ehe er doch verstarb. Im Vergleich dazu starb Savonarola rasch. Als man die Leichname zum Scheiterhaufen trug, warfen viele Zuschauer Pulversäckchen auf den Holzstoß, in der Hoffnung, daß er rascher und heißer abbrennen und der Dominikaner schneller zu Asche verschwinden würde. Das führte dazu, daß es bei Entzündung zu einem wahren Feuerwerk kam. 

Schließlich wurde die Asche der drei von der Brücke in den Arno gestreut. Niemand sollte sich eine Reliquie sichern können. Viele Florentiner waren so entsetzt über dieses Vorgehen, daß sie offiziell vom Glauben abfielen. Andere aber verehrten Savonarola sofort als Heiligen und Märtyrer. Vier Tage nach seinem Tod, am 26. Mai 1498, knieten zwar erst nur vier Frauen an jener Stelle, wo er verbrannt worden war. Vier Jahrhunderte später wurde in Florenz an seinem Todestag aber bereits ein Pontifikalamt zum Gedenken zelebriert. 

Noch ehe Savonarola hingerichtet worden war, hatte der überwiegende Teil seiner früheren Anhänger ein Schreiben an den Papst unterzeichnet, in dem sie sich von den Dominkaner heftigst distanzierten und sich als betrogene Opfer seiner Verführungskünste bezeichneten. Aus Dankbarkeit gewährte Papst Alexander VI. der Stadt Florenz, Kirchengüter drei Jahre lang zu besteuern. Um Gerüchten zu begegnen, die aufkamen, daß Savonarola der wiedergekommene Jesus Christus gewesen sei. Diese verstärkten sich, als bekannt wurde, daß der Papst zugestimmt hatte, von jedem Mönch und Priester drei Decimen (Silberstücke, "Zehner", mit dem Nominalwert von "10") zu besteuern, denn die Zahl dreißig wurde mit der Passion Christi - dreißig Silberstücke als Lohn für Judas' Verrat - in Verbindung gebracht. 

Den jüdischen Pfandleihhäusern wurden wieder alle früheren Rechte eingeräumt. Die öffentliche Moral in Florenz - völlig irritiert - brach erneut zusammen. Homosexualität wurde wieder eifrig praktiziert. "Nun können wir endlich wieder," meinte unmittelbar nach der Hinrichtung einer der Ratsherren der Stadt.

Schwerste Auswirkungen auf die Moral hatte aber ein anderer Umstand: Denn im Rathaus der Stadt wurde Savonarolas Folter-"Geständnis" laut und öffentlich verlesen, um diesen endgültig zu desavouieren. Daraufhin fielen tatsächlich viele Florentiner tief enttäuscht vom Glauben ab. Denn darin hatte ausgerechnet der, den sie für einen Propheten gehalten hatten, zugegeben, daß er KEIN Prophet sei und daß er das, was er gepredigt und verkündet hatte, NICHT von Gott empfangen hätte. So viele hatten dabei aber vom Mönch eine Erneuerung der Kirche und ein neues, himmlisches Jerusalem und Bekehrung der Ungläubigen erwartet. Nun "stellte sich heraus", daß alles eine Lüge Savonarolas gewesen war. 

Damit hatten die Oligarchen von Florenz erreicht, daß auch alle sozialreformerischen Ansätze Savonarolas diskreditiert und vom Tisch waren. Sofort begannen sie, das alte System des Zinswuchers und niedriger Löhne, mit dem sie reich geworden waren, wieder aufzurichten. Die Prostituierung junger Männer florierte wieder, und niemand in Florenz kümmerte sich noch um Anstand und Sitte. Womit freilich niemand gerechnet hatte - Geld kann sich nicht vermehren. Eine jahrzehntelange schwere Rezession setzte ein, denn es wurde kaum noch etwas produziert. Geld arbeitet eben doch nicht.

Die Langzeitfolgen waren aber weit gravierender, tiefgreifender. Die Kirche hatte sich aus dem weiteren Verlauf des Kapitalismus verabschiedet. Hatte selbst bekundet, daß sie sich in die Lebensweise der Menschen nicht einmischen wollte, daß ihr Wirtschaften nichts mit ihr zu tun hatte. Das zeigte sich in ganz Europa, und dann vor allem in der Reformation, die den ethikfreien Turbokapitalismus der Finanzwelt endgültig auslöste. Sie hatte die Welt sich selbst überlassen, und diese wollte von ihr nichts mehr zu sozialen und wirtschaftlichen Fragen - die zuerst Fragen der Moral, der Ethik sind! - hören. Ein Zustand, der bis heute andauert.


Schluß

Sadro Botticelli berichtet, daß ihn etwa 18 Monate nach Savonarolas Tod Doffo Spini besucht hätte. Jender homosexuelle Bankier, der in dem Drama eine Schlüsselrolle gespielt hatte. Botticelli frage ihn zum Tod des Mönches. Spini antwortete darauf: "Wir haben keine einzige Sünde bei ihm gefundne, keine Todsünde, keine läßliche Sünde, nichts." " 
Aber warum habt ihr ihn dann verurteilt," wollte der Maler nun wissen? 
"Der Mob hätte uns in einen Sack gesteckt und in Stücke gerissen, wenn wir das nicht getan hätten. Im Volk war so ein Haß auf Savonarola, daß wir ihn und seine Gefährten verurteilen mußten, um unsere eigene Haut zu retten."





*271016*

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Erschütternde Lüge als nominelle Selbstaussage

Dieser Film (8 min) ist deshalb bemerkenswert, weil das einzige, was darin stimmt, der Titel ist. In dem er sich "Die Lüge die wir leben"nennt. Nichts, wirklich nichts in diesem Film ist wahr, die ganhz ganz wenigen Dinge die wahr sind sind kaum der Rede wert und werden auch sofort zur Lüge mißbraucht. Aber genau diese Lüge treibt momentan viele Menschen, die meinen, das Schicksal würde sich auf diesem lächerlichen Niveau abspielen.

Und das ist das wirklich Erschütternde an diesem Film. Den man als Zeugnis einer Generation zitieren muß, die jeden Kontakt zu Wirklichkeit und Wahrheit verloren hat. Nein, es reicht auch dahingehend, diese Generation als "Opfer" zu bezeichnen. Das ist sie nicht, so wenig wie der Mensch selbst einfach "Opfer" ist. Sie sind Täter, und sie beklagen dern Verlust jener Freiheit mit recht, denn sie selbst haben sie verloren. Und sie sind böse, auch wenn sie nicht einmal mehr das wissen wollen. Denn sie wollen überhaupt nichts mehr wissen. Das erschütterndste Merkmal dieser Generation ist, daß sie "schon alles weiß".

Man muß nur alles wörtlich nehmen, diese Worte aber aus dem intentierten Hintergrund lösen und neutralisieren, das reicht. Dann ist es eine Selbstanklage, weil ganz simpel eine Selbstaussage dieser Generation, die anderen die Schuld an dem zuschreibt, was sie selbst zu verantworten hat. Denn niemand kann den Verlust des eigenen Gewissens anderen zuschreiben. Dies ist immer eine Selbstleistung. Um das zu rechtfertigen wird eine Apokalypse bemüht, die aber nur das eigene Fehlverhalten der Wahrheit gegenüber rechtfertigen soll.

Und doch gibt es Schuldige, gibt es Verführer, gibt es Mißbraucher und Böse. Fluch über sie, die eine ganze Generation ins Verderben und in die Lüge reißen. Ihr Schicksal ist bereits besiegelt. Und das ist das einzig Wahre an diesem Film. Er ist eine Selbstaussage dieses Dämons.








*141116*

Sozialreform als Kampf gegen den Wucher (3)

 Teil 3) Der Kampf gegen Savonarola 
- apokalyptische Schlacht der Finanzwirtschaft




Der Kapitalismus (als Finanzwucher) hatte, schreibt E. Michael Jones, wie überall und immer sonst auch seine sittenverderbende Wirkung gezeigt. Und die war die völlige Zerstörung alles dessen, was ein Sozialwesen ausmacht, zwischenmenschliche Solidarität genauso wie vor allem: die Freiheit! Unter dem Siegel der "erotischen Befreiung" hatte auch in Florenz die Oligarchie die Unfreiheit der Menschen betrieben, die nun ihren Trieben ausgeliefert, von diesen gesteuert waren. Und über die Triebe wiederum läßt sich eine Bevölkerung beliebig lenken. 

Wer die Triebbefriedigung beherrscht, beherrscht die Menschen, die von diesen Trieben getrieben werden. Florenz war ein Sklavenstaat, von wenigen Sklavenhaltern beherrscht - und niemand von den Sklaven merkte es. Und dies alles im Gewande einer neu erweckten Antike, in der dieselben Grundsätze - einschließlich der Sklaverei und der Kapitalakkumulation, vor allem aber der Dienstbarmachung des Staates und seiner Gewalten durch das Geld - geherrscht hatten. Savonarola hatte die wirklichen Zusammenhänge ausgezeichnet erkannt, die Faszination, die er bis heute bewahrt hat, hat ihre sehr realen Gründe.

Ferrara - Statue des Savonarola
Er hörte dabei nicht auf, gegen den Borgia-Papst Alexander VI. zu predigen. Der mit ungeheurer Brutalität und Verlogenheit und Gier regierte, dem es nur um Geld und persönliche Vorteile ging, und vor allem um ein zügelloses Leben. Mit drei Frauen hatte er acht Kinder, und noch als 60jähriger hielt er sich eine jugendliche Geliebte. Kaum ein Vergehen, dessen man ihn nicht - und mit Recht - bezichtigte. Ihm stand nur dieser Dominkaner in Florenz entgegen, der sich nicht und nicht beruhigte und gegen ihn wetterte. Das Konzil von Basel hatte ja gezeigt, wozu solche Bewegungen führen konnten, die Gefahr daß ein neuerliches Konzil der Empörung einberufen wurde, das sich neuerlich über den Papst stellte, dräute, er mußte also um alles fürchten. Ein über Savonarola verhängtes Predigtverbot fruchtete wenig. Der Dominkaner, der den Papst als illetigim bezeichnete, weil er sich das Amt erschlichen und erkauft hatte, ignorierte es weitgehend, und die Menschen hielten zu ihm. Die Autorität des Papstes war für viele sowieso fraglich und nun noch mehr in Gefahr. Also widerrief er sie rasch wieder. Winkte stattdessen mit dem Kardinalshut, um ihn vielleicht so in die Intrigenkammern Roms hineinziehen und korrumpieren zu können - "Umoveatur ut amoveatur", der alte Grundsatz des "Befördern um damit zu entfernen", konnte sich nicht entfalten.

Aber Savonarola lehnte auch dieses Angebot ab. Also verbündeten sich Papst, Bankiers, Juden und die Reichen von Florenz, die um ihren Lebensstil fürchteten. Und sie warfen eine Medienmaschinerie an, wie man es heute bezeichnen würde, die den Dominikaner immer schwerer verleumdete, und ihn als Sektenführer bezeichneten. (Johannes Paul II. hat 1998 seine Seligsprechung eingeleitet.) Schließlich griff Alexander VI. zu schwersten Geschützen: Der Mönch war ein Sektenführer, kein Prophet sondern ein Verführer der Massen - ein "Populist", wie man es heute sagen würde -, also waren alle Befürworter Sektenmitglieder. Aufbauend auf einer Verleumdungskampagne, verhängte er 1497 über ganz Florenz das Interdikt, den Kirchenbann, und forderte die Inhaftierung des Dominikaners. Längst hatte auch Karl VIII. unter den diplomatischen Notwendigkeiten in einem politisch verworrenen Italien seine Unterstützung für Florenz aufgegeben, plötzlich stand auch er gegen Florenz.

Apokalyptische Stimmung machte sich in der Stadt am Arno breit. Das Eingreifen des französischen Königs war jederzeit zu befürchten, und es war fraglich, ob er diesmal die Stadt wieder so großmütig behandelte. Gegenprediger traten auf. Die Angst vor der Pest war ohnehin allgegenwärtig. Plötzlich gab es sogar Mißernten aufgrund des Wetters, Hunger war die Folge. Im Frühjahr 1497 starben schon Kindder auf den Straßen und in den Krankenhäusern. Savonarola wehrte sich lange und heftig, und die Bevölkerung hielt lange noch zu ihm. Aber alles steigerte sich in einen immer hysterischeren Rausch "göttlicher Sendung - gegen die Welt des Antichristen". Ein permanenter Zustand der Aufgeputschtheit, dem bald Erschöpfung folgte, denn die Menschen waren mehr und mehr überfordert, körperlich wegen des Hungers, und immer mehr psychisch.

Im Mai 1497 sahen die Gegner Savonarolas ihre Stunde gekommen. Inder Nacht vom 3. zum 4. Mai 1497 brachen junge Männer, die sich den sittlichen Forderungen des Mönches nie hatten fügen wollen, in die Kirche Santa Maria del Fiore ein, in der Savonarola am nächsten Tag predigen sollte, beschmierten die Kanzel mit Eselskot und schlugen in die Balustrade Nägel. Umgekehrt. Ihr Anführer war der homosexuelle Bankierssohn Doffo Spini, und der hatte sich immer schon am heftigsten gegen die Reformen gewehrt, die er als "puritanische Tyrannei" bezeichnete. Am 11. Juni führten sie sogar ein Pferderennen ab, erstmals in offenem Widerstand gegen die seit einigen Jahren geltenden Verbote. Dabei verbreiteten sie Sprüche wie "Laßt uns doch ein wenig Lebensfreude unter die Menschen bringen, oder sollen wir alle Mönche werden?" 

Allmählich drehte sich die Stimmung im Volk, der Hintergrund wurde immer apokalyptischer. Am 18. Juni wurde von einem weitern seiner Gegner, Fra Leonardo, ein Schreiben verlesen, das der Papst erlassen hatte und die Exkommunikation Savonarolas verkündete. Am 19. Juni starb der Lieblingssohn des Papstes. Dieser überlegte unter dem Eidnruck des Schmerzes sogar kurz, die Kirche tatsächlich zu reformieren und sein Leben zu ändern, aber er entschied sich dann doch anders, setzte seinen Kampf gegen Savonarola fort. Am 3. Juli brach in Florenz neuerlich die Pest aus, und hatte am 16. Juli bereits 30 Häuser erfaßt. Zur selben Zeit tauchten erstmals Gerüchte auf, Savonarola wäre selber homosexuell und würde es mit seinen Dominikanerbrüdern treiben. Während sich die Pest weiter ausbreitete, war einige Tage darauf eine Sonnenfinsternis zu beobachten. 

Eine Massenflucht aus der Stadt aufs Land setzte ein, die Menschen wollten den nächsten apokalyptischen Reitern entkommen, von denen es hieß, sie stünden bereits vor den Toren der Stadt. Man kratzte Geld zusammen, um Soldaten anzuheuern, denn der zweite Reiter, Krieg, drohte - Venedig würde, hieß es, in Pisa einfallen, sodaß für Florenz der Verlust des lebensnotwendigen Hafens drohte. Da traf die Botschaft ein, daß der Papst die Exkommunikation Savonarolas auf ganz Florenz ausgeweitet hatte, was hieß, daß niemand mehr mit der Stadt Handel betreiben konnte. Besonders die Wohlhabenden schrien immer lauter, denn ihre erste Lebensgrundlage war nun ernsthaft bedroht. 

Ende 1497 wies Savonarola die päpstliche Anordnugn zurück. Am 24. Februar 1498 nahm er seine Predigten in Santa Maria del Fiore sogar wieder auf um endgültig zu zeigen, daß er sich um die Exkommunikation nicht scherte. Die Stadtleitung sandte eine Abordnugn zu ihm, er möge doch wenigstens ein paar Tage lang damit aufhören, denn die finanziellen Konsequenzen durch das zu befürchtende Handelsembargo waren enorm. Aber der Mönch wies das zurück, er habe Gott mehr zu gehorchen. Zwischenzeitlich traf die Nachricht ein, daß der Papst sämtliche Vermögen und Warenlager florentinischer Kaufleute in Rom beschlagnahmen lassen wolle. 

Am 25. März 1498 entlud sich die enorme Spannung, die sich aufgebaut hatte. Ein Franzuiskanerpater forderte Savonarola auf, sich einer Feuerprobe zu stellen um zu beweisen, daß er tatsächlich Gottes Wort verkündete und kein betrügerischer Prophet war. Am 6. April kündigte der vermjutlich sélbst bereits nervlich schwer belastete Dominkaner tatsächlich, daß er einige seiner Mitbrüder durch ein Feuer gehen lassen werde, ohne daß diesen ein Leid geschehe. Plötzlich meldeten sich tausende seiner Anhänger, daß sie für ihn durch dieses Feuer gehen wollten. Daraufhin errichteten Tischler einen 30 Meter langen Holzparkours, der angezündet und bewältigt werden sollte. 

Der Tag der Feuerprobe kam. Während noch über die Bedingungen diskutiert wurde, unter denen die Anhänger Savonarolas durch das Feuer gehen sollten, zogen plötzlich Wolken auf, und als hätte Gott sich direkt eingemischt, machte ein wolkenbruchartiger Regen jede Feuerprobe unmöglich. Am nächsten Tag, dem Palmsonntag 1498, rottete sich ein Mob zusammen, suchte Savonarola auf und nahm ihn gefangen. Ab nun sind die Parallelen zur Passion Christi so auffällig, daß man sie nicht verschweigen kann.


Morgen Teil 4) Das Ende - ein Passion, 
deren Folgen das ganze Abendland furchtbar betreffen





*271016*