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Freitag, 14. April 2017

Wir sind feige und nicht gerecht (2)


Teil 2) Alles vor Gott getan heißt: Transzendieren auf die objektive Ordnung hin





Das ist es auch, was Don Reto Nay in seinem großartigen Vortrag (Video ist hier abzurufen) als jenen Schlüsselmoment bezeichnet, wo alles auf Gott hin getan wird. Was aber heute auch die nominell katholischesten Gruppen (ja oft gerade die) beherrscht ist jene grundtiefe, abscheuliche Feigheit, die genau diese Sebsttranszendierung verweigert zugunsten einer pharisäischen Gesetzesgerechtigkeit der "guten Tat". Er legt den Finger auf die heute größte Wunde - die Kreuzesscheu, die in ihrem geistigen Untergrund die Verweigerung ist, die Welt als Ordnung zu begreifen, und die völlig falsch mit "Demut" schönredet, was in Wahrheit Verweigerung der Gnade und fundamentale Untreue (und Veruntreuung!) ist und ganz ganz an der allernächsten Haut anfängt. Gerade diese Stufe meinen aber die meisten überspringen zu können, und fangen irgendwo in einem Meter Abstand an. So wird die gute Tat zur bloßen Selbstvergewisserung der eigenen Gutheit, der Mensch aber zum schal gewordenen Salz, das weggeworfen wird.

Nur auf die objektive, vorgegebene Ordnung Gottes hin, in der zuerst einmal jeder steht, kann aber überhaupt von Gerechtigkeit gesprochen werden. Und erst dann sind wir Söhne und Kinder Gottes! Die bloße Tatsache der Geschaffenheit macht es nicht, sonst wäre jeder Baum und jeder Wurm Sohn Gottes. Zum Sohn Gottes aber muß man werden. In der Hingabe auf die sachlichen Ordnung hin, wie sie sich der Vernunft erschließt. In diesem Akt liegt das Tor zur Gnade, dort liegt die Gerechtigkeit. Das subjektive Verhältnis zu Gott bleibt ein Geheimnis zwischen dem Einzelnen und Gott, es hat verborgen zu bleiben.

"Wir sind nicht gut, weil wir feige sind!" Weil wir zu feige und zu niederträchtig sind, unseren Ort zu ergreifen und uns auf ihn hin zu transzendieren. Deshalb müßte man Nay sogar ins seiner Philippika widersprechen. Wenn er meint, daß jeder wisse, was Gerechtigkeit sei. Nein, genau das weiß heute keiner mehr, Gerechtigkeit ist ersetzt durch subjektive Gefühligkeiten und zur Schau gestellte "gute Taten". Gerechtigkeit aber ist eine Sache vor Gott, und sonst vor niemandem, sagt Nay völlig richtig. Im Menschlichen gesehen ist kein Katholik besser als jeder andere Mensch der Erde, oft sogar weit schlechter.

Die Gerechtigkeit ist der wahre Gottesdienst. Sie ist ein Tun vor Gott. Sie ist die Erfüllung der sachlichen Gegebenheiten, die sich aus dem Ort ergeben, an dem wir stehen, der eine Maske, eine persona ist, die wir zu ergreifen, hinter der wir zu verschwinden haben. Erst daran können wir uns zum Ewigen Heil emporziehen lassen. Hier wird wirklich alles zu dem, was wir "an Gott getan" haben. Erst so wird die Feindesliebe überhaupt verstehbar, weil sie kein subjektives Gefühl kennt, sondern trotz allem der Ordnung Gottes zu dienen bereit ist. 

DORT erst wird der Mensch menschlich, weil als Mensch zum Abbild Gottes. In seiner Utopie, wie Ortegy Y Gasset es einmal ausdrückt. Der einzigen Utopie, die zulässig ist, im Versuch, das was einem immer vorausliegt zu erreichen und so das Ewige, ja Gott selbst in die Gegenwart zu holen, auf daß es in eines Leben sichtbar werde. Aber dazu muß man sich selbst einmal, diese irdische Karrikatur eines Menschen, auf die Seite stellen.

Daran läßt sich erst wirklich die Gottesferne der Gegenwart erkennen. Auch bei einem Papst, der den Menschen das Papsttum vorenthält und die päpstliche persona durch eine lächerliche argentinische Pappnase ersetzt.  Auch bei Politikern, die ihre absurde Provinzialität als Politik verkaufen. So aber muß auch jedes Verstehen der Vergangenheit und damit der Gegenwart scheitern, so muß jede Vergangenheit uminterpretiert werden, ohne noch zu begreifen, was Geschichte überhaupt ist. Denn der heutige Mensch transzendiert sich nicht mehr. Er glaubt, seine subjektive Verfaßtheit sei der Schlüssel. Und wundert sich, weil nichts mehr zu gelingen scheint, es sei denn, es wird von tausend Armen gehalten, die die Scheinkulissen aufrechthalten, die man in die Kameras hält. Während die ausgefransten Weibermünder mauscheln, daß "das" dann, das Fehlen jeder persona, die "eigentliche Wahrheit" über einen Menschen, das eigentliche Menschsein desjenigen sei.

Deshalb hat sogar diese Operettenarie mehr an wahrhaftiger Predigt als so gut wie alle noch so fromm und subjektiv abgesoffenen Frömmigkeitspredigten der Welt zusammen.









*300317*