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Samstag, 12. April 2008

Identitätsbehauptung II

Es ist nur eine der heutigen Verrücktheiten:

Einerseits ist alles abgebaut und verfemt, das die Verankerung der Identität in Tradition - einerseits - und festem gesellschaftlichem Überbau (Kultur) anderseits bewirkt. Damit (siehe den Artikel von gestern über männliche Identität - als ständig zu suchende, neu zu erfindende, für jeden zu definierende) wirft man die Menschen aber in eine Situation, wo sie ständig in Abwehrhaltung sein müssen, sobald sie in Gesellschaft treten, weil sie sich ja erst definieren müssen! Eine schlichte Folge ihres Personseins nämlich, ein Grundmerkmal der Individuiertheit.

Genau die heutige Undefiniertheit (als Signum der Freiheit) aber würde pausenlose Diskussion verlangen, würde pausenlose Apperzeption - Zustimmung zum anderen - bedeuten ... in einer Situation, in der ich von mir rückfolgernd (und "der Schelm denkt wie er ist") davon ausgehe, daß der andere seine Stellung mir gegenüber erst im Ringen festlegen kann, will und muß ...

Das zeigt auch die Beobachtung, zeigen Phänomene, die man beklagt: die Gewaltbereitschaft in Schulen, die Desolidarisierung, die Vereinzelung (Singles), die Zunahme von Streßsymptomen (mit einem Anstieg der Entspannungsforderungen - was Kampflosigkeit verlangt) als Beispiel. Die auch die von naiven Gemütern geforderte "Vertrauensbotschaft" (man habe niemanden zu fürchten) nett illustrieren. Genau das nämlich, was Vertrauen als Vorschuß rechtfertigt - die Verbindlichkeit gesellschaftlicher Normen - fehlt ...





*120408*