Dieses Blog durchsuchen

Montag, 7. April 2008

Scheitern der Reunion 1694 (Leibniz)

Alle Bemühungen Leibnizens um eine Union der christlichen Kirchen scheiterten schließlich 1694 nach einem spektakulären Briefwechsel mit dem Theologen des französischen Königs, Bossuet. Der schrieb:

"Warum wollt Ihr zu uns kommen, wenn ihr so denkt? 'Ihr Katholiken setzt voraus' werdet Ihr Protestanten sagen, 'daß Ihr allein die allgemeine Kirche seid.' Ja, wir setzen es voraus, anderswo haben wir es bewiesen. Aber es ist sogar genug, es bloß vorauszusetzen, weil wir es mit Personen zu tun haben, die mit uns zu einer Reunion kommen wollen, ohne uns zu nötigen, von unsren eigenen Prinzipien abzugehen."

Leibniz wies, um den Unionsgedanken zu retten, unter anderem darauf hin, daß es eben Advokaten und Vermittler gebe, also die einen plädierten, die anderen negoziierten - Bossuet solle doch zu den Vermittlern wechseln. Der aber antwortete:

"Was die Zuvorkommenheit betrifft, die Sie von unserer Seite über die Dogmen der Lehre zu erwarten scheinen, so habe ich Ihnen oft geantwortet, daß die Verfassung der römischen Kirche keine andere Zuvorkommenheit duldet als auf dem Weg der Erklärung und Auslegung. Die Angelegenheiten der Religion lassen sich nicht wie die weltlichen Angelegenheiten behandeln, die man oft beilegt, indem jede der beiden Seiten etwas nachgibt; weil nämlich weltliche Angelegenheiten Dinge sind, deren Herren die Menschen zu sein pflegen. Die Angelegenheiten des Glaubens aber hängen von der Offenbarung ab, die man einander gegenseitig zwar ERKLÄREN kann, um einander besser zu verstehen; über die man aber KEINE GESCHÄFTE abschließen darf. Es würde der Sache gar nicht nützen, wenn ich andere Wege einschlüge; und es hieße wahrlich, höchst unzeitgemäß den Gemäßigten spielen. Die wahre Mäßigkeit, die man bei solchen Dingen beobachten muß, besteht darin, den Stand, worin sie sich befinden, nach der Wahrheit zu sagen: indem jede andere Willfährigkeit, die man suchen könnte, nur dazu diente, Zeit zu verlieren und in der Folge noch größere Schwierigkeiten entstehen zu lassen."

Als Leibniz die theologisch nicht widerlegten Argumente gegen das Konzil von Trient häufte, dessen Beschlüsse zurückzunehmen nachweisbar die Bereitschaft Roms vorlag (!), fragte Bossuet nur kühl, wozu soviel Gelehrsamkeit denn gut sei. Denn selbst, wenn das geschähe, man das Konzil von Trient fallen lasse, blieben noch immer alle Meinungsverschiedenheiten über Transsubstantiation, Oberhoheit des Papstes, Fürbitte der Heiligen etc. etc. Man müsse also die Konzile bis auf sieben-, ja achthundert Jahre zurück aufheben. "Finden Sie ein Mittel gegen diese Unordnung, gegen diese Verwirrung, oder verzichten Sie auf die Auswege, die Sie vorschlagen!" schrieb Bossuet.

Die Reunion war gescheitert.

Unbestritten ist, daß die politische Situation Frankreichs so war, daß ein geeintes Deutsches Reich alles andere als seinen Interessen gelegen kam. Die so waren, daß man den Türken Unterstützung gab (die 1683 dann ja prompt vor Wien aufgetaucht waren), um das Deutsche Reich so weit zu schwächen, als man es leicht in Besitz nehmen konnte. Von Osten die Türken - von Westen also Frankreich.

Der sogenannte "gallikote" Zug der Kirche Frankreichs - ihre Verschwisterung mit der nationalen Politik - war damals schon Jahrhunderte alt, und er dauert in gewissen Strömungen bis zum heutigen Tage an. In jedem Fall ist bei Leibniz ab einem bestimmten Punkt der Debatte zu bemerken, wie er selbst begann, mit seinem Nationalgefühl zu ringen, mit dem Bossuet spielte.



*070408*