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Donnerstag, 28. Januar 2010

Einer zahlt schließlich

China hat, ähnlich England in den Jahrzehnten vor der Weltwirtschaftskrise 1930-33, in den letzten beiden Jahren zunehmend den Puffer "gespielt. (Wenn auch nicht ganz uneigennützig! Was nützt es China, wenn ihm seine Märkte wegbrechen?) Es war der einzige Staat der Welt, der die Produktion aufrechthalten, ja steigern konnte. Und hatte ausreichend Reserven, um manche Belastung, die ihm von den Staaten der Welt auferlegt wurden, auszustehen.

Wie geht so etwas? China hat, obwohl es das auf eine Weise nicht nötig gehabt hätte, zusätzliches Geld geschaffen (also mehr Geld als Waren entspricht, um zusätzliche Nachfrage zu schaffen - China hatte Nachfrage genug), und toleriert, daß es über die Exporte und stabile Preise "wertloseres" zusätzliches Geld ins Land holen mußte. Es hat also das Spiel (noch einmal: nicht uneigennützig, keine Frage, sondern fast notgedrungen, wollte es eine eigene, aber sicher kleinere Krise, vor allem aber völlige Änderung der Zukunftsrouten vermeiden) mitgespielt. Und China ist ohnehin der weltweit, mit Indien, stärkste Binnenmarkt. Beide sind immer noch starke Nachfragemärkte (wo also die Nachfrage nach Gütern das Angebot immer noch überwiegt), etwas das es im Westen ja schon lange nicht mehr gibt. (Und das man im übrigen in der EU mit der "Osterweiterung" zu schaffen versuchte.)
Damit hat China akzeptiert, daß über diese zusätzlichen Geldmengen seine Zukunft belastet wurde (Immobilienpreise, die steigen, zeigen das an) Entweder aber fürchtet man nun, daß die "Geldinhaber" auch die "Warenwerte dafür" einzulösen versuchen (wie England bis 1929, das Gold der Fremdländer vertragsgemäß - wie es am Geldschein stand - zu halbwegs versprochenen Preisen gegen Gold einlöste), oder es passiert tatsächlich, über Wareneinkäufe, die mit "ungedecktem Geld" bezahlt werden, und so die Produktion in China weiter anheizen: nun meint man, etwas dagegen tun zu müssen. Ob präventiv, oder weil wirklich der Hut brennt, ist im Moment kaum zu sagen.

Aber auch in China zeigen sich offenbar jetzt Anzeichen von Überhitzung, von Überforderung - Zeichen von zuviel Geld am Markt. Das wird nun versucht durch Drosselung der Geldneuschöpfung, ja überhaupt durch Drosselung der Geldmenge (über Krediteinschränkungen), in den Griff zu bekommen. Aber der Anstieg der Immobilienpreise, in dessen Gefolge das Kreditvolumen steigt (Kredite sind meist mit Immobilienwerten besichert), läßt Sorgen laut werden, daß man einer nächsten Blase zusteuert, was heißt: daß die Blase schneller platzt, als Geld dem Markt entzogen werden könnte. Weil das von China zusätzlich geschöpfte (und, nicht zu vergessen, das ins Land geflossene) Geld der letzten Jahre von seinen Besitzern - aus Angst, aus Kalkül, was auch immer - effektuiert wird, das heißt: auf reale Werte zurückgeschrumpft wird. Denn ins Ausland zu investieren, das Geld (noch mehr, übrigens, denn China ist bereits gigantischer Auslandsinvestor) also zurückzuschieben, wo es herkommt, scheint für China ja ebenfalls zu wenig vielversprechend - und hätte die Probleme in diesen Ländern wiederum verschärft.

Es ist eben einmal so: Geldvermehrung im Netz internationaler Wirtschaft verlangt immer irgendeinen am Markt, der die Versprechen auf Leistung glaubwürdig hält oder am Ende sogar zumindest weitgehend(er) erfüllt, vereinfacht ausgedrückt. Zumindest so lange, bis auch andere wieder beispringen können.

1929 hat England diese Rolle, die es jahrzehntelang hatte, aufgekündigt. Die Belastungen aus dem Ersten Weltkrieg waren zu hoch, man wollte einen Neuanfang starten. Nur haben nicht alle mitgespielt, und vor allem aber ist niemand ersatzweise eingesprungen. Die USA taten das erst während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie KÖNNEN seit Jahren zunehmend diese Rolle aber ebenfalls nicht mehr übernehmen. Nun war quasi die Rolle an China.

Was also versucht man in China, das regelrecht "zuviel Geld" hat, um an diesen Brocken nicht zu ersticken? Wohl nicht das, was Obama verspricht - noch mehr Geld am Markt, denn er spricht schon wieder vom Kampf gegen Arbeitslosigkeit, und das verheißt nie Gutes, wenn das Regierungen tun. Wobei Obama populistisch die Quadratur des Kreises verspricht: weniger Arbeitslose, und gleichzeitig Sparprogramme ...


Lesen Sie, was der Kurier schreibt:

Nicht nur das mehr als fünf Quadratkilometer große Gelände für die Weltausstellung in Schanghai ist eine riesige Baustelle. Alle chinesischen Großstädte werden von Kränen und Baustellen beherrscht. Und die Immobilienpreise wachsen schneller als die Wohnblocks in den Himmel.

Laut offiziellen Meldungen aus China verteuerten sich Eigenheime im Vorjahr im nationalen Durchschnitt um fünf bis zehn Prozent. Insider gehen aber von weit höheren Werten aus. In Shenzhen etwa, einer Industriestadt in der Nähe von Hongkong, sollen sich Immobilien binnen eines Jahres um fast 17 Prozent verteuert haben. Bei Luxusapartments in Großstädten gab es eine regelrechte Preisexplosion mit Teuerungen von 40 Prozent.


Angst geht um

Nun geht weltweit die Angst um, der Boom könnte sich als riesige Immobilienpreisblase herausstellen. Platzt diese - wie vor der aktuellen Krise in den USA oder in den frühen 1990er-Jahren in Japan -, könnte das das Wirtschaftswachstum Chinas über Jahre hinaus abbremsen. Und dadurch die Entwicklung der Weltwirtschaft dämpfen.

Beim Platzen einer Blase könnte die Weltwirtschaft in eine neue Rezession stürzen, warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) diese Woche. "Es gibt schon konkrete Gefahren von Blasenbildung in vielen Schwellenländern", sagte Österreichs Notenbank-Chef Ewald Nowotny zuletzt. Die Notenbanker beobachten daher auch spekulative Geldströme in Ländern wie China und Brasilien mit Argusaugen.


Bremse

China versucht nun, die richtigen Rezepte gegen die Überhitzung der Immobilienpreise und der gesamten Konjunktur zu finden. Wohnungsbesitzer müssen ihre eigenen vier Wände nun fünf Jahre behalten, um von Steuerbegünstigungen zu profitieren. Damit soll das sogenannte Flipping eingedämmt werden, bei dem Wohnungen innerhalb kurzer Zeit ge- und wieder verkauft werden, bevor sie überhaupt fertiggebaut sind, um rasche Profite zu erzielen. Sozialer Wohnbau mit billigeren Wohnungen soll stärker gefördert werden.

Auch bei der Kreditvergabe steigt China auf die Bremse. Die Banken sind angewiesen, heuer umgerechnet höchstens 800 Milliarden Euro zu verborgen (nach mehr als 1000 Milliarden im Vorjahr). Weil sie in den ersten 19 Jänner-Tagen bereits 150 Milliarden an Krediten vergeben hatten, bekamen die großen chinesischen Institute die Order, bis Monatsende überhaupt kein Geld mehr herzugeben.




*280110*