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Mittwoch, 28. Juli 2010

Trendwende

Man sollte es wiederholen, es war den Medien meist nur eine Randnotiz wert - 2010 war demographisch gesehen das Jahr der Trendwende in Europa. Erstmals merkt man am Arbeitsmarkt (und in den Budgets der Staaten) das Fehlen von Jugend. Erstmals gibt es in Deutschland 50.000 Lehrstellen, die nicht mehr besetzt werden können.

Jetzt rät die Universitätsdozentin Gudrun Biffl in der Presse, für Ausländer das einzurichten, was für Inländer einzurichten nie funktioniert hat: eine Lebensumwelt, in der der heutige anspruchsvolle, wurzellose Mensch gut und glücklich leben kann. Wobei gilt: Zuwanderer zu holen, die unsere Budgetlöcher wieder stopfen, das ist nicht so einfach "steuerbar". Das "passiert". Und aus ganz anderen, indirekten Gründen.

Schlüsselkräfte sind sowieso flexibel, aber was sollten die in Österreich? Den Sozialstaat für die anderen finanzieren?

Einwürfe wie die von Sozialminister Spindelegger, daß wir Zuwanderer brauchen, um unseren Staat finanzieren zu können, sind noch ungewohnt, und regen auf. Und die Diskussionen, die daraufhin stattfinden, zeigen, daß die wahren Zusammenhänge nicht bekannt sind. Es geht nicht darum, ob Österreich 8,4 oder 8,3 Millionen Einwohner in zehn Jahren haben wird. Es geht um die Generationenverteilung. Zuwanderer einfach so holen wollen? Das, so Biffl, ist was es ist: ein Wunsch. Nicht mehr.

Nur das Argument ist keines - daß wir weniger Zuwanderung bräuchten, haben doch schon so viele Inländer keinen Arbeitsplatz. Das wird sich ändern, so gewiß wie das Amen im Gebet. Die Trendwende hat, wie gesagt, bereits stattgefunden. Sie hat sich nur ein wenig verschoben, denn diese Entwicklung war ja schon vor Jahren vorhergewußt.

Wer sich für diesen (unseren) demographischen Weg entscheidet, sagt Herwig Birg einmal sehr deutlich, muß sich dessen bewußt sein, daß er in die Armut führt. Daran führt kein Weg vorbei, und das ist auch für Europa nicht mehr zu vermeiden. Selbst massivste Gegenmaßnahmen (und die sind nicht einmal absehbar) würden in frühestens fünfzig Jahren greifen.

Wir werden uns an manches gewöhnen müssen. Die Zukunft hat schon begonnen.


*280710*