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Sonntag, 11. September 2011

Was das Wetter bringt

So gut wie nichts gebe ich auf "global" oder mit dem Pathos der "Wissenschaftlichkeit" verbreitete angebliche Meßergebnisse - wir haben längst vergessen, wie relativ im wahrsten Sinne des Wortes Daten sind, wie sehr "Meßergebnisse" lediglich Verhältniszahlen unter exakt abgesteckten Voraussetzungen und Modellbedingungen liefern können, aber keine absoluten Werte, so sehr die Berichterstattung uns dies bereits anzuerziehen trachtete. Abgesehen von der Grundfrage, wieviel Aussage sich aus Querschnitten - jede Messung ist eine postularisch festgelegte Momentaufnahme bestimmter postularisch festgelegter Parameter - über die Dinge an sich treffen lassen.

Es hängt also alles am Interpretationsrahmen - letztlich also am Messenden selbst. Was soll also der heutige durchschnittliche Mensch noch vernünftig messen? Mit anderen Worten: ich gebe einen feuchten Dreck auf die Hekatomben an Internetseiten und bedruckten Papierseiten, die von irgendwelchen aktuellen Weltfakten berichten wollen, und nur noch Verwirrung stiften. Die Irrelevanz fast aller über die Medien verbreiteten Aussagen ist ja mittlerweile schon abstoßend, und der sicherste Hinweis auf die Wertlosigkeit der meisten Interpretationsrahmen - die ja die Erhebung von "Daten" zu "Fakten" bestimmen, ja in gewisser Hinsicht also Fakten "schaffen". In anbetracht der heutigen geistige Situation halte ich gerade Universitätsabsolventen schon für prinzipiell erkenntnis- weil wirklichkeitsunfähig (gemacht). Ausnahmen bestätigen da nur die Regel.

Ich gebe aber alles auf das, was die Menschen beobachten. Sie kann ich einschätzen, hier habe ich ein verantwortbares Maß des Vertrauens. Vielleicht, weil ich mit einer Wetterstation vor der Nase aufgewachsen bin. Meine gesamte Kindheit über beobachtete ich einen Mann, der Tag für Tag über die Wiesen ging, Sommer und Winter, dessen Haar mit den Jahren von dunkelbrünett auf weiß wechselte, der in immer gleichen Bewegungen die Leiter zu seiner Wetterstation hochkletterte, die Türchen öffnete, sorgfältig die Daten ablas und in seine Listen eintrug, alles wieder abschloß, und nach Hause eilte, um das Gemessene telephonisch nach Wien weiterzugeben, wo es zu bestimmten Zeiten sogar im Radio zu hören war: ... Amstetten; leichter Regen, 14 Grad ...

Was der einzelne beobachtet, wie er es im Laufe der Erfahrung in seinen Bezügen zu diesen und jenen Weltgeschehen setzt - das ist interessant, und praktisch immer aussagekräftiger als jeder Bericht über globale angebliche Forschungsergebnisse ... was der alte Förster erzählt, oder der Bauer aus Gumpoldswatschenhausen, das ist erwägenswert. Und deshalb ist es auch interessant, und in Wahrheit unersetzbar, was ein Hobby-Meteorologe aus Amstetten - Ing Wolfgang Ruthner - jüngst in einem Zeitungsbericht erzählt, so bescheiden es auch sein mag:

Er meint, daß der Juli dieses Jahres der kälteste seiner Aufzeichnungen seit 2003 gewesen ist. Die Solareinstrahlung war ebenso die niedrigste bisher gemessene, wie die UV-Belastung. Für eine Prognose sei er aber nicht bereit. Aufgefallen sei ihm im Vergleich der Jahre aber, daß die Luftfeuchtigkeit kontinuierlich ansteige.

Interessant auch, was er zu den Bauernregeln sagt, die er beobachtet: Generell gesteht er ihnen eine Trefferquote von 60 % zu, der Laurentiusregel - "Zu Laurenti Sonnenschein, bringt viel und guten Wein" - vom 10. August sogar eine von 80 %. 



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