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Freitag, 15. März 2013

Jedem das Seine

Auch eine Untersuchung des Lübecker Mediziners Achim Peters kommt zu dem Ergebnis, daß Dicke länger leben und gesünder sind als Dünne. Die  Hauptergebnisse seiner Studie sind eindeutig belegt. Peters bringt dies mit dem Hauptfaktor menschlicher Belastung in Verbindung - dem negativen Stress. Darunter versteht er eine Belastung, der der Mensch einfach ausgesetzt ist, die er nicht direkt bewältigen kann. Anders als der positive Stress, der eine Herausforderung darstellt, in der der Einzelne sogar wachsen und stärker werden kann.

Jeder Mensch habe seine eigene Strategie, um mit solchen belastenden Situationen fertig zu werden. Die einen hungern, die anderen essen, vereinfacht gesagt. Fett dient in jedem Fall zur Pufferung von Energie, um mit Belastungen besser umgehen zu können. Steht zuwenig Energie zur Verfügung, wird Energie auch von inneren Organen abgezogen, diese damit geschädigt.

Besonders negativ aber wirkt sich die gesellschaftliche Ächtung von Dicken aus, so Peters. Dicke werden nachweislich weniger geschätzt, früher entlassen, verdienen weniger, und unterliegen auch in der Partnerwahl gewaltigem Selektionsdruck. Daß dieses gesellschaftliche Klima vielfach in einem unbegründeten Vorurteil begründet liegt, soll die Studie zeigen.
Hervorhebenswert ist eine Formulierung im Speziellen, die sich im Artikel in der Welt findet, der Peters' Buch "Mythos Übergewicht" vorstellt: Jeder Mensch hat die für seinen Lebenszuschnitt ideale Überlebensstrategie und das dazugehörige Gewicht.

Anm.: Dabei ist die Frage nach dem Schönheitsideal, das den erwähnten Druck so deutlich erhöht, gar nicht nur eine Frage nach der Legitimität gesellschaftlichen Werturteils generell. Ein solches an sich zu kritisieren wäre blanker Unsinn. Vielmehr zeigt sich in aber in der heutigen Vorliebe für dünne Körper ein Abgleiten des Blicks der Menschen vom Ganzen der Erscheinung auf partielle Funktionalitäten. In einer weiteren Ausformung des technizistischen Charakters wird das Erfassen des Schönen auf bestimmte ästhetische Formalkriterien reduziert. Nicht mehr "schön" gilt somit, sondern "gefällig", "entsprechend". Entsprechend werden heute auch Kriterien hoch bewertet, die einer funktionalisierten Sexualität zuarbeiten. Weil Technizismus bedeutet, daß auch nur technische Aspekte "gesehen" werden, ist das eigentliche Schadenssymptom heute der Verlust des transzendenten Blicks. Denn das Wesentliche der Dinge wie das Menschsein selbst - ist immer unsichtbar, ist geistig.





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