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Samstag, 6. September 2014

Man sollte es schon gehört haben

Der sehr interessante Vortrag zu den Vorbedingungen zur Entstehung des 2. Weltkrieges stimmt im Wesentlichen mit dem Kenntnisstand des VdZ überein. Nur in einigen wenigen Details meint er, anderes zu wissen, und insgesamt wäre eine fundierte Einschätzungslage der inneren Bedingungen von Hitler und seinem Charakter wie Zielen dienlich. Denn - war es Carl Jakob Burckhardt, der das einmal schreibt, der damalige Völkerrechtskommisar des Völkerbunds in Danzig, dessen Memoiren ein absolut glaubwürdiges und realistisches, dabei sehr ausgewogenes Bild der damaligen Ereignisse liefern? - mit kaum etwas kann ein falscheres Bild der Geschichte entstehen, als mit offiziellen Dokumenten und offiziellen Stellungnahmen.

Auch die scheinbar zutreffendsten historischen Dokumente und offiziellen Vorgänge muß der Historiker auf ihre Stichhaltigkeit zur Wirklichkeit der Ereigniskräfte hin interpretieren. Der VdZ glaubt - aus der Einschätzung der Person - nicht an eine ernsthafte,  vernunftverankerte Verhandlungsführung Hitlers, auch wenn die Dokumente es anders darstellen (könnten). Die Dokumente zu präsentieren, als letzter Wahrheitsbeweis, ist zumindest fraglich und ungenügend. Darauf fußte auch der sogenannte "Historikerstreit" des 19. Jhds., der die Geschichtswissenschaft in Deutschland spaltete.

Es ist aber auch nicht der geringste Zweifel, daß der Vorwurf des Vortragenden, daß uns bzw. Deutschland die Geschichtsauslegung der Siegermächte, in Form einer ganz gewiß einer ihnen genehme Interpretation sämtlicher Ereignisse  "aufgedrückt" wurde, zutrifft. Und daß diese Interpretation einer Aufarbeitung der Geschichte - und sei es, ja vor allem in Form einer Schulderkenntnis, egal von wem - nicht gerade förderlich ist.

Man sollte eine wie diese an sich sehr brauchbare Zusammenfassung (ca. 53 min.) schon einmal gehört haben. Der Kenntnistand der Allgemeinheit über diese Ereignisse ist ja erbärmlich. Wenn es auch nicht mehr kann, als Facetten zu liefern. So ist einiges, was der Vortragende als "verschwiegen" bezeichnet, dem VdZ sehr wohl in Veröffentlichungsform bekannt gewesen. Oder wer sollte, nach verschiedensten übereinstimmenden Charakterbescheibungen auch engster Mitarbeiter, den damaligen deutschen Außenminster Joachim von Ribbentrop wirklich ernstnehmen, der doch kaum mehr gewesen sein dürfte, als ein seichtes. charakterloses Plauderwasser?

Anderseits ist auch in den Augen des VdZ, nach seiner gewiß nur "erlesenen" Kenntnis der Dinge, Polen leichtfertig in einen Konflikt geschickt worden, indem man es mit Beistandsversprechen ausstattete und zu einer kriegsauslösenden Verhandlungshärte Deutschland gegenüber ermutigte, die ganz anderen Interessen diente. Nicht eingelöste, ja gar nicht einlösbare Interventionsversprechen - man denke bloß an Ungarn 1956 - haben ja in Amerika eine sehr spezifische Tradition als außenpolitisches Instrumentarium.

Ein verantwortbares Gesamtbild,. eine verantwortbare Meinung muß also von Ihnen werter Leser, mit doch etwas mehr Mühe und subtil geprüftem sittlichem Gewissen erarbeitet werden. Und doch wird es immer "ungefähr" bleiben müssen, nie über zu verantwortendes Urteil hinaus kommen.







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