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Montag, 28. September 2015

Aus den täglichen Heften

Wer etwas werden will, wer etwas sein will, darf sich nicht selbst "machen" wollen. Er muß sich auf etwas hin - ein Haus, ein Dach, ein Drittes - überschreiten. Das ist die gleichermaßen egoistische wie völlig selbstlose Position des Menschen überhaupt. Erst von diesem Bezugspunkt aus wird der Mensch wirklich.

Und es zeigt sich bei den Menschen heute, zumalen bei den jungen: Sie treten in ein Dach, in ein Haus ein, denn Zuhause gibt es für sie keines mehr. Und dieses Haus ist ein Angebot, ein verlockendes Offert der Umgebung. Denn was die Linke geschafft hat, was die Politik geschafft hat war, solche Häuser anzubieten: Als Zugehörigkeiten, mit entsprechender Identitätsgarantie, wenn man eintritt.

Hier hat wirklich das abstrakte Gesellschaftliche das konkrete Private, das Familiäre, das Lokale verdrängt - das eine substantiell geschwächt, das andere substantiell ausgebaut. Und zwar unter dem Versprechen, daß es kostenlos sei: Wer diesen Häusern beitritt, profitiert nur, heißt es, "wird" etwas, er muß nichts geben, er kann sich die eigentliche Arbeit der Liebe, der Selbstüberschreitung, der eigentlichen Selbstwerdung ersparen. Er bekommt es per Rechtsanspruch, er bekommt es methodisch garantiert und fertig vordefiniert. Und ohne jedes persönliche Investment, ohne Verdanktheiten (wozu die "Anti-Diskriminierung" in Wahrheit dient, die Identität und Ort ohne persönliches Risiko des So-Seins bedeuten will.)

Und er bekommt vor allem - Heiligkeit, Gutheit. Eine abstrahierte Gutheit, die sich nicht mehr am eigenen Gewissen formt und Maß nimmt, sondern Verhaltensschemata erfüllt.




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