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Dienstag, 15. September 2015

Die Heiligkeit nichtheiliger Männer (1a)

Oh mein Gott, was für einen Mann haben wir doch da vom Stuhle Petrie gestoßen, oder zumindest: Von dem eines seiner treuesten Apostel, des seinerzeitigen Bischofs von St. Pölten. Denn da erzählen uns die "Insider", die nie unterbrochen am Mythos vom großen Kirchenmärtyrer Krenn reden, daß er - was für eine Überraschung! - "von 1993-2004" in der Kronen Zeitung, dem Massenblatt mit der weltweit höchsten nationalen Durchdringung die Leserzahlen betreffend (in Österreich erreicht die Krone, wie sie überall genannt wird, an die 3 Mio Leser täglich, und ist im übrigen die Nachfolgezeitung für ein uraltes Monarchieblatt gleichen Namens, mit einer höchst interessanten Geschichte der Wiederauferstehung, die die gesamte Innenpolitik Österreichs nach dem Kriege einbetrifft) mit seiner Kolumne "Christianus" beglückt habe.

Ja, werte Herrschaften, schnallen Sie sich angesichts dieser Enthüllung fest: Es war niemand anders als Bischof Kurt Krenn! Und diese Kolumnen, eine Art Vermächtnis eines zweifellos großen Bischofs, oder so, sind nun als Buch herausgegeben. Preiset den Herren! Und schlagt an die Brust, ihr Häretiker und Sünder, die damals seine Absetzung betrieben haben, hier zeigt sich ein wahrer Rechtgläubiger, ein defensor fidei gar.

So will es uns zumindest die der tiefen Dolchstoßlegende (die bereits 2004 vom VdZ auf seinen Ambrosius-Seiten, dem Vorgängerblatt dieses Blog, angekündigt worden war) gewidmete Neuerscheinung "Kurt Krenn - Christianus - 50 Zeilen mit Gott" weismachen. Mein Gott, was hat dieser Mann nicht alles an Weisheiten von sich gegeben! Wir werden noch bereuen, meinte damals ein gewisser Abgeordneter (hieß er Stadler? man hört ja nichts mehr), daß wir ihn nicht mehr haben. Hier haben wir nun den Beweis. 

Tja, der eine ganz klitzekleine Schlagseite hat. Denn der Verfasser dieser jeden Sonntag über acht oder neun Jahre erscheinenden Kolumne (wofür an uns für sich dem alten Herrn Dichand, einer der Wiederbegründer, einem Mann vom wirklich alten, ja legendärem Schrot und Korn, zu danken ist, keine Frage) war ... NICHT Kurt Krenn

Ja, es ist unter seinem Namen gelaufen, als inszeniertes Geheimnis gewissermaßen. Aber geschrieben, geschrieben, werte Leserschaft, hat die Kolumnen jemand anderer. Eigentlich: Mehrere andere. Zum Teil (mittlerweile) sehr honorige Personen, mancher Leser würde staunen. Der VdZ kennt persönlich deren mehrere. Stützen der Kirche darunter, in stiller Arbeit.

Die zum Teil sogar versucht haben, die recht guten Honorare, die sie dafür erhielten - einer nannte es einmal "Blutgeld" (weil man damit der Kirche wegen den Ruhm eines Menschen fördert, der es nicht verdient) - so anzulegen, daß Gott nicht erzürnen möge. Etwa in Altarkostbarkeiten. Denn das hat Krenn natürlich weitergegeben. Sein Einkommen (der VdZ sah einmal eine seiner Gehaltsabrechnungen) reichte auch so locker. Da war auch die Schludrigkeit ohne Belang, mit der man unter Krenn das bischöfliche Tafelgut (Gut Ochsenburg) behandelte.* Geld spielt in der Kirche bis heute nur dann eine Rolle, wenn man will daß es eine Rolle spielt. Auch in kirchenfondsgeblößten Österreich. Nicht nur im fetten Deutschland.

Gewiß, am Anfang der Kolumnen, da stammte die eine oder andere Kolumne noch von ihm. Man erkennt sie ja recht rasch an diesem leicht abgehobenen, wattiert-professoralen Ton. Selten genug. Aber wer seine Dissertation gelesen hat - "Vermittlung und Differenz? Vom Sinn des Seins in der Befindlichkeit der Partizipation beim hl. Thomas von Aquin" - weiß sowieso, wovon die Rede ist. Der VdZ hätte (dabei wirklich: mit wohlwollendem Amüsement) nämlich nicht geglaubt, was er da sah.

Denn hier schlägt sich jener (dem VdZ bestens bekannter) Charakter auf, weit mehr als jedes Wissenschaftskapitel, wie er später mehr und mehr zutrage trat. Der mit ungemeinem Geschick an Eloquenz, getragen dabei von einer unglaublichen, durch die Seiten regelrecht aufsteigenden Ahnung von den Möglichkeiten der Faulheit, auf der Klaviatur des Bluffs spielte, mit der er generell sein Leben meisterte, solange es eben ging. Krenns Theologiekenntnisse kennzeichnete einmal jemand, der es wirklich wissen mußte, als "naja, ein bisserl Denzinger halt, was man halt schnell mal nachschlagen kann".

Sodaß man sich - der VdZ meint es sehr sehr wohlwollend, es hat etwas von Originalität, keine Frage - die Zeit des Betreffenden in Rom wunderbar vorstellen kann: Bei besten Weinen bis spät in die Nacht hinein in den wunderbaren Tavernen der Ewigen Stadt verbracht, bei äußerst amüsanten, dabei ach wie tiefgründigen Reden in bestimmten Kreisen von Krähen, von denen einer der anderen doch niemals ein Auge ausgehackt hätte oder aushackte (denn die meisten leben ja noch), und am Weg zur Lehrstätte noch mit Brummschädel überlegend, was er den Professoren nun wieder auftischen würde. Man liest es in seiner Dissertation mit.

In dieser überaus persönlichen, dabei durchaus charmanten, unter anderen Umständen und in anderem Rahmen sogar ganz gewiß charmanten Affinität zu den tiefgestaffelten Genußmöglichkeiten der Hauptstadt der Welt in den frühen 1960er Jahren. 

Was, als Gewohnheit auch als späterer Bischof beibehalten, im übrigen dann die ewigfrommen und gewiß heiligen Katholisierer der letzten Jahrzehnte - die Herausgeber dieser Sammlung von sonntäglichen Episteln gehören dazu - zum geheimnisvollen Munkeln anleitete, er sei ganz gewiß und in natürlichster Regelmäßigkeit zum Gabelfrühstück beim Papst geladen. Et cetera, et ceterae, erspare man dem VdZ (und der Sache; es dient nichts und niemandem) weitere Details.


Auch heute - Teil 1b) Zwischenschritt - So manches Detail aus der Schule geplaudert, 
aber nicht zum Hauptstrang des Artikels gehörend. 
Oder doch?
Vielleicht auch nur eine auseinandergeflossene Anmerkung. 



Jedenfalls morgen -  Teil 2) Die Stunde der Gaukler





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