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Freitag, 18. März 2016

Im gleißenden Licht

Das Lesen in den Schriften Theresias von Avila ist wie ein Bad im weißen, ja transparenten, also gleißendem Licht.  Den Geschmack reinsten Quellwassers auf der Zunge. Empfehlenswert sind dabei vor allem ihre "profanen" Schriften, die Briefe, in denen es um Reisebeschwerden, übersandte Tauben oder Kleidungsprobleme geht. Denn sie belasten den rationalen Apparat nicht, machen aber den Blick auf das frei, was augenblicks als Ziel des Menschen erkennbar wird - als Haltung der Reinheit. 

Sittlichkeit ist kein moralisches Gehabe. Sie ist das Tor zur Wahrheit als Bett der Welt, weil sie die Bereitschaft ist, das Selbst nicht zu nihilieren, sondern es jederzeit aufzugeben. Mutig öffnet sich solch ein Herz allem Begegnenden, bereit, daraus die Stimme des Seins zu erhören. Das ist das schöpferische Geheimnis der Welt - das Kreuz. In Theresia führt deshalb die Sittlichkeit direkt in die Tat. Und sie war enorm tatkräftig. 

(Selbiges kann man ja von ihrem Bruder im Geiste Johannes vom Kreuz sagen, in dem die Poesie als Moment der Verschmelzung in einem Punkt der Unaussprechlichkeiten als Moment der Weltgeburt deutlich wird.)

Der VdZ liest in den alten Übersetzungen (beider), Ausgaben von 1927. Es gibt für Theresia eine ganz neue, so wie es eine neue Werksausgabe gibt. Vielleicht gibt es einen Leser, der ihm von ihrer Qualität berichten mag. Denn Übersetzung ist Neuschöpfung. Der Übersetzer muß im selben Geist arbeiten wie der Originalautor.




*180316*