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Sonntag, 29. Mai 2016

Alles steht im Streit

Erst im Gegeneinander des "anderen", dem jedes Ding (Geschaffene) permanent begegnet wie den Fisch das Wasser umgibt, wird auch der eigene Wille, das eigene Streben zu sich (aus dem Seinsfunken heraus, der Beziehentlichkeit enthält, ja in gewisser Weise und analog "ist") angeregt und darin "aktiv" manifestiert, "zur Welt" substantiiert. Denn die Welt besteht als unendliches Mosaik eines "In-einander" der Dinge, wo eines sich im anderen abbildet ("Erkenntnis"), und alles sich im Ganzen erhält bzw. erhalten soll. 

In dieser Welthaftigkeit der Substantiierung steht alles (primär) im Streit miteinander,* der über die gehorsame Unterordnung in den Kampf ("Zorn") und zum Sieg ("Freude") führt - der Ordnung der Dinge als Welt in der Welt zur Welt, in der jedes Etwas sein Nicht-es-selbst in sich trägt. Dem muß aber zuvor sein eigener Seinsfunke vorausgehen - die Schöpfung aus dem Nichts ins Sein, aus Gott, dem alles entstammt, und nur in dem (im Sein eben) alles (seiend) sein kann.**

In diesem Streit erst scheidet sich das Einzelne aus dem Allgemeinen, dem Einen, auch in Gott, dem sehr wohl eben auch Zürnenden, Gewaltigen wie Gewaltsamen. Um sich so (im Gehorsam einerseits, in Begierde und Lust anderseits, als Reaktion auf die Bilder aus "dem anderen") zur Komposition der Ideen der Gesamtordnung des Seins zu fügen.


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"In obiger Hinsicht könnte man sagen, daß das Weib über dem Manne ist, insofern selbes die Trägerin der Lust (des Bildes) ist, welche seine Begierde erregt, daß sie aber eben darum, weil sie nur vorerst bewußtlose Trägerin dieses Bildes, unterm Manne ist, indem sie selbst zum Bewußtsein dieses Bildes erst durch Hilfe der erweckenden Kraft des Mannes gelangt. - Dieses gilt von der guten wie von der bösen Lust, vom Weibes- wie vom Schlangensamen. Denn jedes Weib ist eine Eva und eine Ave (Maria) zugleich, und es ist größtentheils das Werk des Manne, ob die eine, oder ob die andere dieser zwei Gestalten in ihr sich herauskehrt."   (J. Böhme)

Man müßte den Feminismus deshalb nicht als Bewegung der Frauen sehen, sondern es ist das sieghafte Ergebnis eines Machtkampfes der Männer. Deshalb ist seine vornehmste Wirkung nicht, die Frauen vom Manne freigeeist zu haben - im Gegenteile, bzw. nichts weniger - sondern eine Depotenzierung, eine Kastration eines großen Teiles der Männer.

Der Ideenstreit um oder innerhalb der Rolle der Frau wird deshalb niemals durch Diskurs innerhalb der Frauen entschieden, ja nicht einmal beeinflußt. Dort wird er sogar in erster Linie verhärtet. Denn dort ist er ein Streit des Epigonalen, der jeweils Gehorsamen bzw. Geprägten, die mit einem Ideenumschwung ihr Weltsein verlieren würden, gewissermaßén ins Nichts fielen weil ihre erhaltende geistige Kraft verlören. Er muß (prinzipiell) unter Männern ausgefochten werden.


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*So beschreibt es Jakob Böhme, der so oft Zitierte, aber kaum je Verstandene, dessen Werke deshalb fast nie anders als an ihren Haaren zu einem unseligen Nutzen und in Mißbrauch und ungemäßer Verdinglichung in Simplifizierung heruntergezogen werden.

**Der große Irrtum ist, das Nichts "als Etwas" zu sehen (wie Hegel es tat, und wie es die gnostischen Strömungen in Unverständnis tun), und es damit in Gott gleichermaßen hineinzuverlegen. In den zugleich damit das Böse verlegt wird. Aber das Böse ist nicht ein Wille zum Sein, sondern eben genau ein Wille zum Nicht-Sein, zum Nichts. Das Nichts ist nicht nur tatsächlich "nichts", sondern es ist damit auch nicht in Gott, dem Sein, weil es eben das Nicht-Sein - aber damit ein tatsächliches Nichts als Abwesenheit allen Seins - ist. Es ist damit ein reines Gedankending, aber kein Ding das existiert, und steht damit auch nicht "Gott gegenüber" als ein "Etwas". Geist west nur in und innerhalb wie aus Geist, nicht "außerhalb". Hier versagt gegenständliches Denken notwendig, weil es eben - siehe oben - als Geschaffenes, (irgendwie, der Anschaulichkeit halber so genanntes) Dinghaftes nur im anderen Seinshabenden wesen kann. Der Mensch kann sich nur ein Etwas vorstellen, und somit gerinnt ihm auch rasch ein Gedanke wie "das Nichts" zu einem Etwas sinnlicher Welt, so wie "der Geist".




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